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Eidgenössisches Departement für

Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK


Bundesamt für Energie BFE
Abteilung Energieeffizienz und erneuerbare Energien

Oktober 2014

Vollzugshilfe für die Umsetzung


des Eigenverbrauchs nach
Art. 7 Abs. 2bis und Art. 7a Abs. 4bis
des Energiegesetzes (EnG; SR 730.0)

Version 1.1
KLASSIFIZIERUNGSVERMERK
Referenz/Aktenzeichen

Inhaltsverzeichnis

1. Übersicht und Geltungsbereich der Vollzugshilfe ...................................................... 3

2. Grundsatz des Eigenverbrauchs .................................................................................. 3

3. Rechtliche Grundlagen ................................................................................................. 4

4. Anordnung der Zähler ................................................................................................... 6


4.1. Getrennte Abrechnung von Produktion und Verbrauch (kein Eigenverbrauch) .......... 6
4.2. Eigenverbrauch ......................................................................................................... 7
4.3. Eigenverbrauch mit Hinterschaltung (serielle Messung) ............................................ 9

5. Bildung von Kundengruppen ..................................................................................... 10

6. Gemeinsamer Eigenverbrauch mehrerer Endverbraucher....................................... 11

7. Anwendungsbeispiele................................................................................................. 13

8. Glossar und Zeichenerklärung ................................................................................... 20

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Referenz/Aktenzeichen

1. Übersicht und Geltungsbereich der Vollzugshilfe

Am Elektrizitätsnetz angeschlossene Endverbraucher, die selber auch Strom produzieren,


können diesen teilweise oder ganz selber verbrauchen. Dieses Recht auf Eigenverbrauch ist
im Energiegesetz festgehalten und in der Energie- und Stromversorgungsverordnung präzi-
siert. Bei der konkreten Umsetzung in die Praxis stellen sich verschiedene Fragen in Bezug
auf Abwicklungsmodalitäten, Zuständigkeiten, sowie Rechte und Pflichten der involvierten
Parteien.

Die vorliegende Vollzugshilfe unterstützt die Beteiligten dabei, die Fragen rund um den Ei-
genverbrauch zu regeln. Die auf Bundesebene festgelegten Grundsätze müssen dabei ein-
gehalten werden. Die Vollzugshilfe stützt sich auf die bestehenden gesetzlichen Grundlagen
bzw. orientiert sich an Sinn und Zweck des Gesetzes.

2. Grundsatz des Eigenverbrauchs

Alle Stromproduzenten haben das Recht, die erzeugte Elektrizität vor Ort selber zu verbrau-
chen. Es gibt also keine Pflicht, den produzierten Strom ins Netz einzuspeisen. Das Recht
auf Eigenverbrauch gilt für alle Anlagen, unabhängig von der Grösse, der verwendeten
Technologie oder einer allfälligen Förderung. Im Unterschied dazu ist der Netzbetreiber hin-
gegen verpflichtet, den nicht selber verbrauchten Strom im Rahmen von Art. 7 Abs. 1 und
Art. 7a Abs. 1 EnG abzunehmen.

Das BFE empfiehlt Stromproduzenten, die eine Anlage im Eigenverbrauch betreiben wollen,
möglichst frühzeitig mit dem Netzbetreiber Kontakt aufzunehmen, um im konkreten Fall Um-
setzungsfragen zu Zähleranordnung, Tarifkundengruppe u.ä. zu klären.

Unabhängig vom Vorliegen des Eigenverbrauchs bleibt jeder einzelne Endverbraucher (im
Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. b StromVG) mit seiner Verbrauchsstätte (wirtschaftliche und
örtliche Einheit) Netznutzer und Energiebezüger im Sinne von StromVG und StromVV und
wird weiterhin separat gemessen. Jeder Endverbraucher haftet somit weiterhin vollumfäng-
lich für die von ihm bezogene Energie, Netznutzung, Systemdienstleistungen, Abgaben und

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Leistungen an das Gemeinwesen sowie allfällig weitere individuell in Rechnung gestellte
Abgaben und kann, falls marktberechtigt, seinen Energielieferanten frei wählen.

3. Rechtliche Grundlagen
Auf gesetzlicher Ebene ist das Recht auf Eigenverbrauch im Energiegesetz (EnG; SR 730.0)
explizit festgelegt:

Art. 7 Abs. 2bis sowie Art. 7a Abs. 4bis EnG


Produzenten dürfen die selbst produzierte Energie am Ort der Produktion ganz
oder teilweise selber verbrauchen (Eigenverbrauch). Sofern ein Produzent von
diesem Recht Gebrauch macht, darf nur die tatsächlich ins Netz eingespeiste Energie
als eingespeist behandelt und verrechnet werden.

Im zugehörigen Bericht der Kommission für Umwelt, Raumplanung, Energie und Verkehr des
Nationalrats (Bundesblatt 2013, Seiten 1669ff.) 1 werden diese Bestimmungen weiter erläu-
tert. Dabei wird insbesondere festgehalten,
• dass erst wenn das Netz des Netzbetreibers zwischen Produktionsanlage und
Verbrauch in Anspruch genommen wird, kein Eigenverbrauch mehr vorliegt;
• dass Eigenverbrauch zeitgleich 2 mit der Produktion zu erfolgen hat;
• dass Eigenverbrauch auch bei Mietliegenschaften möglich ist;
• dass von Produzenten keine anderen Preise für den Bezug von Energie verlangt
werden dürfen als von vergleichbaren Abnehmern ohne Produktionsanlage; und
• dass bei Eigenverbrauch in gewissen Fällen die Bildung einer separaten Tarifkun-
dengruppe gerechtfertigt sein kann.

1
abzurufen unter http://www.admin.ch/opc/de/federal-gazette/2013/index_8.html
2
Mit dem Kriterium der Zeitgleichheit ist gemeint, dass es sich nicht um Eigenverbrauch handelt,
wenn Strom z.B. über Mittag produziert und ins Netz eingespeist wird und am Abend dann wieder aus
dem Netz bezogen und verbraucht wird. Diese Saldierung über eine längere Zeitperiode (auch Net
Metering genannt) zur Einsparung von Netznutzungsentgelt ist nicht gestattet. Eine lokale Zwischen-
speicherung (z.B. in einer Batterie, ohne Benutzung des Netzes) für den Eigenverbrauch zu einem
späteren Zeitpunkt ist aber keinesfalls verboten.
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Weitere Bestimmungen finden sich in der Energieverordnung (EnV; SR 730.01) und der
Stromversorgungsverordnung (StromVV; SR 734.71)

Art. 2 EnV
2
Der Netzbetreiber hat zu vergüten:
a. einem Produzenten, der einen Teil der produzierten Energie am Ort der Pro-
duktion selber verbraucht oder dort einem oder mehreren Dritten zum
Verbrauch überlässt (Eigenverbrauch): die Überschussproduktion.
b. einem Produzenten, der die gesamte produzierte Elektrizität veräussert: die
Nettoproduktion.
2bis
Die Überschussproduktion entspricht der tatsächlich ins Netz des Netzbetreibers
eingespeisten Elektrizität. Die Nettoproduktion entspricht der Elektrizität, die mit
der Anlage produziert wird (Bruttoproduktion), abzüglich der im Rahmen der Pro-
duktion von der Anlage selber verbrauchten Elektrizität (Hilfsspeisung).
2ter
Für die Erfassung wird die zu vergütende Energie entweder direkt gemessen oder
berechnet. Wird sie berechnet, so ist die Berechnung auf gemessene Werte zu stüt-
zen.
2quater
Produzenten, die zwischen den Vergütungen nach Absatz 2 Buchstaben a und
b wechseln wollen, haben dies dem Netzbetreiber 3 Monate im Voraus mitzuteilen.
3
Für Messinstrumente, die zur Messung der zu vergütenden Elektrizität verwendet
werden, gelten die Messmittelverordnung vom 15. Februar 2006 und die entspre-
chenden Ausführungsvorschriften des Eidgenössischen Justiz- und Polizeideparte-
ments.

Art. 29c EnV


1
Netzbetreiber, denen es technisch oder betrieblich noch nicht möglich ist, die Mes-
sung oder Berechnung der zu vergütenden Energie nach den Vorgaben von Artikel 2
Absätze 2–2ter vorzunehmen, dürfen die zu vergütende Energie nach bisherigem
Recht ermitteln, bis ihnen die Umsetzung der neuen Vorgaben möglich ist, längstens
jedoch bis zum 31. Dezember 2014.

Art. 18 StromVV
1bis
Innerhalb einer Spannungsebene bilden Endverbraucher mit vergleichbarer
Verbrauchscharakteristik eine Kundengruppe. Die Bildung separater Kundengrup-
pen für Endverbraucher mit vergleichbarer Verbrauchscharakteristik ist nur dann zu-
lässig, wenn deren Bezugsprofile in erheblichem Mass voneinander abweichen. Für
Endverbraucher mit Eigenverbrauch nach Artikel 2 Absatz 2 Buchstabe a der Ener-
gieverordnung vom 7. Dezember 1998, deren Anlage eine Anschlussleistung von
unter 10 kW hat, ist für die Bildung von Kundengruppen ausschliesslich die
Verbrauchscharakteristik massgebend.

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4. Anordnung der Zähler


Die technische Ausführung der Energiemessung ist abhängig von dem gewählten
Abrechnungsmodus. Es kommen derzeit zwei Abrechnungsmodi in Frage:
1. Getrennte Abrechnung von Verbrauch und Nettoproduktion
2. Eigenverbrauch der selbst produzierten Energie am Ort der Produktion
Wird der Abrechnungmodus gewechselt, ist dies dem Netzbetreiber mindestens drei Monate
im Voraus mitzuteilen (Art. 2 Abs. 2quater EnV).

Neben der Wahl der Abrechnundsmodi ist die Frage des Herkunftsnachweises (HKN) zu
klären. Ist eine Erbringung des HKN gewünscht oder gesetzlich erforderlich, so kann dies
ebenfalls einen Einfluss auf die Ausführung der Messeinrichtug haben. Bei einem Wechsel
des Abrechnungmodus muss die Beglaubigung der Messstrecke für den HKN ebenfalls
erneut erfolgen.

Das Bundesamt für Energie (BFE) empfiehlt, die Messeinrichtungen wie folgt
auszugestalten. Eine Zeichenerklärung findet sich in Kapitel 8.

4.1. Getrennte Abrechnung von Produktion und Verbrauch (kein Eigenverbrauch)


Wird kein Eigenverbrauch vorgenommen, eignet sich die getrennte Messung von Produktion
und Verbrauch. Im nachfolgenden Schema ist ersichtlich, wo die Zähler bei einer solchen
Messung installiert werden müssen.

Abbildung 1 : Anordnung der Zähler ohne Eigenvebrauch

In diesem Fall wird die Nettoproduktion, welche in das Netz gespiesen wird, gemessen und
vergütet. Die Nettoproduktion der Anlage ergibt sich aus der Gesamtproduktion der Anlage
abzüglich dem Eigenbedarf der Anlage selbst (sog. Hilfsspeisung), durch z.B. Lüftung,

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Kühlung etc. Diese Art der Energiemessung ermöglicht grundsätzlich eine Erfassung der
Energieproduktion für einen HKN. Bei Anlagen mit einer Produktionsleistung von grösser als
30 kVA ist eine Lastgangmessung mit automatischer Datenübermittlung (vgl. Art. 8 Abs. 5
StromVV) und ein HKN (vgl. Art. 1d Abs. 2 EnV) zwingend. Gemäss Artikel 4 Absatz 1 der
Herkunftsnachweis-Verordnung (HKNV; SR 730.010.1) erfasst der HKN grundsätzlich die
Nettoproduktion 3.

4.2. Eigenverbrauch
Wird ein Teil der Produktion vor Ort selber verbraucht, ist folgendes Messschema
empfehlenswert:

Abbildung 2 : Anordnung der Zähler bei Eigenverbrauch mit Anschlussleistung > 30 kVA

Wichtig ist, dass der netzseitige Zähler Abgabe und Bezug separat messen kann. Dafür ist
ein so genannter bidirektionaler Zähler erforderlich, der Abgabe und Bezug in separaten Re-
gistern speichert (z.B. ein Vierquadrantenzähler, siehe dazu Kapitel 8 Glossar). Würden Ab-
gabe und Bezug gegeneinander saldiert, was bei einem rückwärtslaufenden Zähler der Fall
wäre, würde das Prinzip der Zeitgleichheit beim Eigenverbrauch verletzt werden.

Ist die Anschlussleistung der Anlage grösser als 30 kVA, ist die Erfassung des HKN obligato-
risch 4 (Art. 1d Abs. 2 EnV). Da auf dem HKN grundsätzlich die Nettoproduktion 5 erfasst wird,
ist dafür eine Messung mit automatischer Datenübermittlung zu installieren (siehe Schema in

3
Bei einer Abrechnung nach Eigenverbrauch kann in gewissen Fällen die Überschussenergie anstelle
der Nettoproduktion erfasst werden. Siehe dazu Abschnitt 4.2.
4
Ausgenommen von der HKN-Pflicht sind Anlagen, die während höchsten 50 Stunden pro Jahr be-
trieben werden, wie z.B. Notstromaggregate (Art. 3a HKNV).
5
Eine Ausnahme bilden Anlagen in der Mehrkostenfinanzierung (MKF), sowie Anlagen ≤ 300 kVA,
falls diese vor dem 1.1.2013 in Betrieb genommen wurden und einen Eigenverbrauch von höchstens
20% ausweisen. In diesem Fall ist die Erfassung der Überschussenergie zulässig und ein einziger
bidirektionaler Zähler ausreichend (Art. 6 Abs. 2 HKNV).
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Abbildung 2). Ab 1.1.2015 gilt, dass die HKN für die selbst verbrauchte Elektrizität entwertet
werden müssen 6. Zu diesem Zweck übermittelt der Netzbetreiber die Überschussenergie
(Abgabe ins Netz) an Swissgrid. Der Eigenverbrauch wird dann berechnet aus Nettoproduk-
tion minus Abgabe. Die Kosten für die Messung trägt der Produzent (vgl. Art. 2 Abs. 3 EnV
und Art. 8 Abs. 5 StromVV).

Für Anlagen mit einer Anschlussleistung von 30 kVA oder weniger ist grundsätzlich kein
reiner Produktionszähler erforderlich. Ein einziger bidirektionaler Zähler, der die Einspeisung
in das Netz sowie die Ausspeisung aus dem Netz erfassen kann, ist ausreichend (sofern es
sich um einen einzigen Endverbraucher handelt, ansonsten siehe Kapitel 6). Das BFE
empfiehlt jedoch, die Nettoproduktion ebenfalls zu erfassen, beispielsweise mit dem im
Wechselrichter integrierten Zähler. Die allenfalls daraus entstehenden Kosten sind durch den
Produzenten zu tragen. Der HKN ist für Anlagen mit dieser Anschlussleistung freiwillig.
Dabei ist es zulässig, statt der Nettoproduktion nur die Überschussenergie auf dem HKN zu
erfassen (Art. 4 Abs. 2bis HKNV) 7. Wenn sich ein Anlagebetreiber freiwillig für den HKN
entscheidet, kann also derselbe bidirektionale Überschuss- und Bezugszähler verwendet
werden, auf dem auch die Abrechnung gegenüber dem Netzbetreiber basiert. Auf Abbildung
3 ist das zugehörige Messschema dargestellt.

Abbildung 3 : Anordnung der Zähler bei Eigenverbrauch mit Anschlussleistung ≤ 30 kVA

Das BFE empfiehlt, bei Installationen nach Variante B die technischen Vorkehrungen so zu
treffen, dass ein Anschluss nach Variante A (Abbildung 1) ohne erheblichen Mehraufwand
möglich wird. Die durch die Installation allenfalls entstehenden Kosten sind durch den
Produzenten zu tragen.
6
Siehe http://www.admin.ch/opc/de/official-compilation/2013/3631.pdf.
7
Wird auf den HKN verzichtet oder nur die Überschussleistung auf dem HKN erfasst, müssen für den
Eigenverbrauch auch keine HKN gelöscht werden.
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4.3. Eigenverbrauch mit Hinterschaltung (serielle Messung)


Bei räumlich ausgedehnten Situationen oder unterschiedlichen Spannungsebenen sind Hin-
terschaltungsmöglichkeiten im Sinne von Abbildung 4 vorzusehen. Die allenfalls daraus ent-
stehenden Mehraufwände für die Netzbetreiber sind dem Verursacher in Rechnung zu stel-
len.

Abbildung 4 : Messschema bei einer Hinterschaltung

Eine Hinterschaltung kommt beim Bezug auf einer höheren Spannungsebene zum Zug. Sie
erfolgt hauptsächlich bei Kunden mit nur einem Anschluss an das öffentliche Verteilnetz, bei
welchen der Einspeisepunkt der Produktionsanlage hinter der Transformierung angeordnet
ist. Häufig ist dies bei Arealnetzen und Mittelspannungskunden der Fall. Um eine korrekte
Bilanzierung nach Ausführungsvariante A oder B (siehe Abbildung 1 und Abbildung 2) sicher
zu stellen, müssen bei Hinterschaltungen beide Zähler mit Lastgangmessung und Kommuni-
kationsanschluss ausgerüstet werden.

Wird die Anlage im Eigenverbrauch betrieben, ist für die Erfassung der Nettoproduktion auf
dem HKN der anlageseitige Zähler massgebend (links im Schema). Für die Erfassung des
Überschusses ist der netzseitige Zähler massgebend (rechts im Schema). Bei Anlagen im
Eigenverbrauch mit kostendeckender Einspeisevergütung (KEV) wird nur die Überschuss-
energie (netzseitiger Zähler) vergütet.

Wird die Anlage nicht zum Eigenverbrauch genutzt, ist der anlageseitige Zähler massgebend
für die Vergütung der (virtuell) ins Netz eingespeisten Energie. Die aus dem Netz bezogene
Energie muss dann um diese Energiemenge korrigiert werden: sie ergibt sich aus der Sum-
me des netzseitigen Bezugszählers (positives Vorzeichen) und des anlageseitigen Produkti-
onszählers (negatives Vorzeichen).

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Aufgrund des Transformators zwischen den zwei Zählern entstehen Transformierungsverlus-
te. Der Netzbetreiber regelt mit dem Anlagebetreiber, wie diese ausgeglichen werden (z.B.
über eine sog. Messstellenkorrektur).

5. Bildung von Kundengruppen


Zur verursachergerechten Anlastung der Netzkosten können Netzbetreiber die Endverbrau-
cher in verschiedene Tarifkundengruppen einteilen. Die Netzbetreiber sind in der Bildung von
Kundengruppen frei, solange diese einheitlich, nicht diskriminierend, kostenbasiert und unter
Einhaltung von Art. 18 Abs. 2 StromVV 8 durchgeführt wird. Massgebend für die Einteilung in
eine Kundengruppe ist die Verbrauchscharakteristik eines Endkunden, also insbesondere die
Höhe und der zeitliche Verlauf des Stromkonsums. Betreibt der Endkunde gleichzeitig auch
eine Produktionsanlage, hat dies in der Regel auf den Stromverbrauch keinen Einfluss. Was
sich jedoch ändert, ist das Bezugsprofil aus dem Netz, da ein Teil des verbrauchten Stroms
nicht mehr über das Netz bezogen, sondern vor Ort selber produziert wird. Bei grösseren
Anlagen kann die Abweichung zwischen Bezugs- und Verbrauchsprofil so stark sein, dass
die Bildung einer separaten Kundengruppe gerechtfertigt ist.

Für Endkunden mit einer Produktionsanlage, deren Anschlussleistung unter 10 kVA ist, darf
die Einteilung in eine Tarifkundengruppe gemäss Art. 18 Abs. 1bis StromVV ausschliesslich
auf der Verbrauchscharakteristik basieren. Die Tatsache, dass ein Teil des verbrauchten
Stroms selber produziert wird, spielt dabei keine Rolle.

Endkunden mit einer Produktionsanlage, deren Anschlussleistung 10 kVA übersteigt, dürfen


gemäss Art. 18 Abs. 1bis StromVV, nur in eine separate Kundengruppe 9 eingeteilt werden,
wenn das Bezugsprofil aus dem Netz erheblich abweicht von demjenigen anderer End-
verbraucher mit der gleichen Verbrauchscharakteristik.

8
Der Netznutzungstarif muss bei Spannungsebenen unter 1 kV für Endverbraucher in ganzjährig ge-
nutzten Liegenschaften ohne Leistungsmessung zu mindestens 70 Prozent ein nicht-degressiver Ar-
beitstarif (Rp./kWh) sein.
9
Intelligente Messsysteme beim Endverbraucher können die Bildung derartiger Kundengruppen stark
unterstützen.
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Ungeachtet davon in welche Kundengruppe ein Endverbraucher eingeteilt ist, wird das Netz-
nutzungsentgelt nur für den Strom bezahlt, der tatsächlich aus dem Netz bezogen wurde.
Auf selber produziertem und zeitgleich2 vor Ort konsumiertem Strom muss kein Netznut-
zungsentgelt bezahlt werden. Ebenso fallen weitere Abgaben, wie z.B. der Zuschlag für die
kostendeckende Einspeisevergütung, die Systemdienstleistungen oder die Abgaben an das
Gemeinwesen, nur auf dem aus dem Netz bezogenen Strom an.

6. Gemeinsamer Eigenverbrauch mehrerer Endverbraucher


Die Eigenerzeugung kann am Ort der Produktion auch auf mehrere Endverbraucher aufge-
teilt werden. Eine solche Lösung kann beispielsweise bei Mietliegenschaften oder Stock-
werkeigentümern sinnvoll sein. Damit der Eigenverbrauch in solchen Fällen in die Praxis
umgesetzt werden kann, bedarf es einiger Grundprinzipien. Diese regeln die technischen
und administrativen Abläufe derart, dass keine Widersprüche zu anderen Gesetzgebungen
(insbesondere den Regeln zur Grundversorgung und dem freien Strommarkt) entstehen.
Soll die Energie einer oder mehrere Erzeugungsanlagen auf mehrere Endverbraucher aufge-
teilt werden, sind folgende Grundsätze einzuhalten:

(i) Auch mehrere Endverbraucher mit einer Erzeugungsanlage können am Ort der
Produktion ihren Strom selber verbrauchen. Sie bilden dann eine "Eigen-
verbrauchsgemeinschaft". Der Netzbetreiber vergütet den Überschuss (d.h. die
Rückspeisung ins Netz) und stellt den tatsächlich aus dem Netz bezogenen Strom
gesamthaft in Rechnung. Zu diesem Zweck definiert die Eigenverbrauchsgemein-
schaft gegenüber dem EVU einen einzigen Ansprechpartner mit Entscheidungsbe-
fugnissen. Das Vertragsverhältnis zwischen dem Netzbetreiber und den einzelnen
Verbrauchsstätten bleibt jedoch bestehen. Wenn in der entsprechenden Kundenkate-
gorie eine Grundgebühr vorgesehen ist, fällt diese weiterhin je Verbrauchsstätte an,
kann jedoch via Eigenverbrauchsgemeinschaft gesamthaft in Rechnung gestellt wer-
den.

(ii) Der Netzbetreiber bleibt verantwortlich für die Messung des Stromverbrauchs
jeder Verbrauchsstätte seiner Endkunden. Eine Verbrauchsstätte ist eine Be-
triebsstätte eines Endkunden, die eine wirtschaftliche und örtliche Einheit bildet. In ei-
nem Mehrfamilienhaus ist also jede Wohnung eine Verbrauchsstätte, in einem Indust-
riepark die einzelnen Firmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Endverbraucher das
Objekt mieten oder besitzen. Mit dieser Messung kann der Netzbetreiber sicherstel-
len, dass das Bündelungsverbot für den Zutritt in den freien Markt eingehalten wird
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(Art. 11 Abs. 1 und 2 StromVV). Der Netzbetreiber hat die Messdaten den End-
verbrauchern zur Verfügung zu stellen. Die Kosten für die Messung der einzelnen
Verbrauchsstätten sind im Netznutzungsentgelt enthalten. Die Kosten für den netzsei-
tigen Abgabe- und Bezugszähler sind durch die Eigenverbrauchsgemeinschaft zu
tragen. Die Messdienstleistung kann im Einverständnis mit dem Netzbetreiber auch
durch einen Dritten durchgeführt werden (Art. 8 Abs. 2 StromVV). So kann beispiels-
weise die Eigenverbrauchgemeinschaft selber die einzelnen Verbrauchsstätten mes-
sen (mit Zustimmung des Netzbetreibers und unter Einhaltung der gesetzlichen
Rahmenbedingungen, wie z.B. dem Bündelungsverbot). Solche Vereinbarungen sind
vertraglich festzuhalten.

(iii) Die Abrechnung innerhalb der Eigenverbrauchsgemeinschaft ist Sache der


Endverbraucher und des Anlageeigentümers. Der Ansprechpartner der Eigen-
verbrauchsgemeinschaft ist zuständig, die über ihn abgewickelten Informations-, Da-
ten- und Zahlungsflüsse gegenüber den am Eigenverbrauch teilnehmenden End-
verbrauchern geltend zu machen und eine sachgerechte Zuordnung der in Eigener-
zeugung produzierten Energie auf die einzelnen Endverbraucher (z.B. Mieter) vorzu-
nehmen. Der Netzbetreiber kann die Abrechnung innerhalb der Eigenverbrauchsge-
meinschaft als bezahlte Dienstleistung anbieten, ist dazu aber nicht verpflichtet. In je-
dem Fall hat der Netzbetreiber die Messdaten, d.h. also insbesondere den Stromkon-
sum je Verbrauchsstätte, zur Verfügung zu stellen.

(iv) Ein Austritt aus der Eigenverbrauchsgemeinschaft in die Vollversorgung durch


den Netzbetreiber ist möglich. Aus- und Eintritte in die Eigenverbrauchsgemein-
schaft sind dem Netzbetreiber mit 3-monatiger Vorlaufsfrist zu melden (in Analogie zu
Art. 2 Abs. 2quater EnV). Für die Umstellung im Abrechnungssystem kann der Netz-
betreiber der Eigenverbrauchsgemeinschaft angemessene Gebühren in Rechnung
stellen. Da nach wie vor jeder Endverbraucher einen eigenen Stromzähler hat, sollte
beim Austritt kein Zählerumbau nötig sein. Die Abrechnung erfolgt dann allerdings vir-
tuell und nicht gemäss den physikalischen Stromflüssen. Endkonsumenten, welche
nicht in der Eigenverbrauchsgemeinschaft sind, bezahlen dann ihren ganzen Strom-
verbrauch so, als hätten sie diesen vollumfänglich aus dem Netz bezogen. Konse-
quenterweise muss dieser Stromverbrauch dann beim netzseitigen Bezugszähler für
die Eigenverbrauchsgemeinschaft in Abzug gebracht werden.

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(v) Die Eigentumsverhältnisse der Erzeugungsanlage spielen keine Rolle.

(vi) Alle Endverbraucher und Erzeugungsanlagen einer Eigenverbrauchsgemein-


schaft müssen hinter dem selben Netzanschlusspunkt liegen. Der Netzan-
schlusspunkt ist gemäss Branchendokument der Ort, an dem die Anbindung an das
Netz des Netzbetreibers erfolgt 10. Für die Anlage ist der technisch und gesamtwirt-
schaftlich günstigste Netzanschlusspunkt unter Einbezug der Interessen des Netzan-
schlussnehmers festzulegen.

7. Anwendungsbeispiele
Im folgenden werden die Regeln zum Eigenverbrauch anhand einiger konkreter Praxisbei-
spiele erläutert.

1) PV-Anlage 5 kWp auf einem Einfamilienhaus mit Eigenverbrauch

Unabhängig davon, ob der Eigentümer die Kos-


tendeckende Einspeisevergütung (KEV), eine
Einmalvergütung oder gar keine Förderung be-
ansprucht, kann er wählen, ob er nach dem Mo-
dus des Eigenverbrauchs abrechnen will oder
nicht.

Entscheidet er sich für den Eigenverbrauch,


muss ein bidirektionaler Bezugs- und Abgabe-
zähler installiert sein (Messanordnung B,
Abbildung 5).

Erhält der Eigentümer die KEV, muss er sich zu


diesem Zweck Herkunftsnachweise (HKN) aus-
Abbildung 5 : Illustration für eine Produk-
stellen lassen. Im Eigenverbrauch basiert die tionsanlage ≤ 30 kVA im Eigenverbrauch

vergütete Strommenge auf dem Abgabezähler.

10
Der Netzanschlusspunkt an Verteilnetze ist je nach Typ und Ausmass der bestehenden Erschlies-
sung die Abgangsklemmen der Niederspannungs-Verteilung in der Transformatorenstation, die Ab-
gangsklemmen in der Verteilkabine oder die Abzweigklemmen auf Frei- oder Kabelleitungen (siehe
Branchendokument "Empfehlung Netzanschluss" des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunter-
nehmen).
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Erhält der Eigentümer keine KEV, ist es ihm überlassen, ob er sich für den ökologischen
Mehrwert der Anlage HKN ausstellen lassen will oder nicht. Im Eigenverbrauch basiert die
HKN-Ausstellung auf dem Abgabezähler.

2) PV-Anlage 5 kWp auf einem Einfamilienhaus ohne Eigenverbrauch

Unabhängig davon, ob der Eigentümer die KEV, eine Einmalvergütung oder gar keine Förde-
rung beansprucht, kann er wählen, ob er nach dem Modus des Eigenverbrauchs abrechnen
will oder nicht.

Entscheidet er sich für eine getrennte Abrech-


nung, braucht es je einen separaten
Verbrauchs- und Produktionszähler (Messan-
ordnung A). Die daraus entstehenden Zusatz-
kosten sind vom Produzenten zu tragen.

Erhält der Eigentümer die KEV, muss er sich zu


diesem Zweck HKN ausstellen lassen. Da er
nicht im Eigenverbauch ist, basiert die Vergü-
tung auf dem Produktionszähler.

Erhält der Eigentümer keine KEV, ist es ihm


überlassen, ob er sich für den ökologischen
Mehrwert der Anlage HKN ausstellen lassen will
Abbildung 6 : Illustration für eine Produkti-
oder nicht. Da nicht nach Eigenverbrauch abge- onsanlage ≤ 30 kVA ohne Eigenverbrauch
rechnet wird, basiert die HKN-Ausstellung auf
dem geeichten Produktionszähler.

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3) PV-Anlage 40 kWp auf einem Bürogebäude

Unabhängig davon, ob der Eigentümer die KEV erhält oder nicht, kann er wählen, ob er nach
dem Modus des Eigenverbrauchs abrechnen will oder nicht.

Entscheidet er sich für den Eigenverbrauch, muss ein bidirektionaler Bezugs- und Abgabe-
zähler installiert sein. Zudem muss er in diesem Fall für die HKN einen geeichten Produkti-
onszähler installieren (Messanordnung B). Entscheidet er sich für eine getrennte Abrech-
nung, braucht es je einen separaten Verbrauchs- und Produktionszähler (Messanord-
nung A).

In jedem Fall muss er sich HKN ausstellen lassen, da die Anschlussleistung der Anlage über
der Grenze von 30 kVA für die Erfassungspflicht liegt. Sowohl beim Eigenverbrauch wie
auch bei der getrennten Abrechnung basieren die HKN auf dem Produktionszähler. Im Falle
des Eigenverbrauchs müssen die HKN für die selbst verbrauchte Elektrizität spätestens ab
1.1.2015 entwertet werden.

4) Mehrfamilienhaus mit mehreren Einzelanlagen

Werden in einem Mehrfamilienhaus mehrere Einzelanla-


gen installiert, können diese je einzeln im Eigen-
verbrauch betrieben werden. Übersteigt die Anschluss-
leistung insgesamt 30 kVA, sind HKN und Lastgang-
messung obligatorisch 11. In diesem Fall werden die An-
lagen einzeln im HKN-System registriert und die Netto-
produktion je Anlage erfasst (Einzelpfeile rechts in der
Abbildung 7). Die Nettoproduktion entspricht jeweils der
Bruttoproduktion abzüglich des Eigenbedarfs der Anlage
selber.
Abbildung 7 : Illustration für ein
Mehrfamilienhaus mit Einzelanlagen
Gegenüber dem Netzbetreiber rechnet jede einzelne
Wohnung den Überschuss und den Restbezug aus dem Netz ab. Dazu braucht es je Woh-
nung einen bidirektionalen Zähler (doppelte Pfeile in der Mitte von Abbildung 7).

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Gehören die Anlagen trotz eines gemeinsamen Netzanschlusspunkts verschiedenen Produzenten,
können sie u.U. von der HKN- und Lastgang-Pflicht ausgenommen sein (sofern die einzelnen Einspei-
seleistungen 30 kVA nicht übersteigen).
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5) Mehrfamilienhaus mit einer gemeinsamen Produktionsanlage unter 30kVA (nicht last-
ganggemessen)

Die Bewohner eines Mehrfamilienhauses können auch gemeinsam eine Anlage im Eigen-
verbrauch betreiben. Ob es sich um Mieter oder Stockwerkeigentümer handelt, spielt dabei
keine Rolle. Ebenfalls ist es nicht von Belang, ob die Anlage im Besitz der Mieterschaft, des
Hauseigentümers oder eines Dritten ist. Für die
Abrechnung gegenüber dem Netzbetreiber schlies-
sen sich Bewohner und Anlagebetreiber zusammen
zu einer Eigenverbrauchsgemeinschaft (orangefar-
bene Umrandung in Abbildung 8). Der Netzbetreiber
vergütet der Eigenverbrauchsgemeinschaft ge-
samthaft den Überschuss (d.h. die Rückspeisung
ins Netz) und stellt ihr den Bezug aus dem Netz in
Rechnung. Die Abrechnung untereinander ist Sache
der Eigenverbrauchsgemeinschaft.

Die einzelnen Mieter können dann nicht mehr ein


individuelles Stromprodukt bei ihrem EVU bestellen.
Die Eigenverbrauchsgemeinschaft (vertreten durch
die Ansprechperson mit Entscheidungsbefugnis) Abbildung 8 : Illustration für ein Mehrfami-
lienhaus mit einer gemeinsamen Anlage
wählt ein einheitliches Stromprodukt für den Be-
zug aus dem Netz.

Zur oben beschriebenen Abrechnungsvariante sind verschiedene Alternativen denkbar. Um


Kosten und Aufwand zu minimieren, kann eine Erzeugungsanlage beispielsweise mit dem
Allgemeinverbrauch einer Liegenschaft verbunden werden. So können alle von der produ-
zierten Energie profitieren, ohne dass hohe Kosten für Mess- und Informationswesen oder
Abwicklungsaufwand anfallen.

Wird der Eigenverbrauch nicht für den Allgemeinverbrauch abgewickelt, sondern kann jeder
Endverbraucher der Eigenverbrauchergemeinschaft den am Ort produzierten Strom zeit-
gleich selber beziehen, so ist zur Abrechnung gegenüber der Eigenverbrauchsgemeinschaft
ein bidirektionaler Zähler für das ganze Haus (schwarzer Doppelpfeil unten in Abbildung 8)

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zu installieren. Zusätzlich ist der Netzbetreiber zuständig für die Messung des Strom-
verbrauchs der einzelnen Wohnungen (schwarze Pfeile in der Mitte von Abbildung 8). Damit
kann er das Recht auf den Zugang zum freien Markt (über 100 MWh Jahresverbrauch pro
Verbrauchsstätte gemäss Art. 11 StromVV) für jede einzelne Wohnung überprüfen. Er stellt
dem Ansprechpartner der Eigenverbrauchsgemeinschaft die Daten zu Abrechnungszwe-
cken zur Verfügung (unter Einhaltung des Datenschutzes). Falls gewünscht, kann der Netz-
betreiber die interne Abrechnung der Eigenverbrauchsgemeinschaft auch als Dienstleistung
übernehmen. Der Netzbetreiber kann pro Verbrauchsstätte eine Grundgebühr in Rechnung
stellen, sofern dies im Tarifblatt für die entsprechende Kundenkategorie vorgesehen ist. Da-
durch wird verhindert, dass sich Endverbraucher zu Pro-Forma-Eigenverbrauchs-
gemeinschaften zusammenschliessen, die eine unbedeutend kleine Anlage installieren, da-
mit sie keine Grundgebühr zahlen müssen.

Es ist den Mietern oder Stockwerkeigentümern freigestellt, ob sie sich an der Eigen-
verbrauchsgemeinschaft beteiligen oder nicht. Endverbraucher, die sich nicht beteiligen,
werden rechnerisch behandelt, als wären sie direkt ans Verteilnetz angeschlossen, auch
wenn der Strom physikalisch über den Hauszähler läuft. Sie können dementsprechend ihr
Stromprodukt frei wählen. Der Netzbetreiber stellt ihnen den gesamten Verbrauch (inkl.
Netznutzungsentgelt) in Rechnung. Ihr Verbrauch muss rechnerisch vom Bezugsregister des
Hauszählers abgezogen werden. Wenn nur ein kleiner Anteil der Verbrauchsstätten an der
Eigenverbrauchsgemeinschaft teilnimmt, der Hauszähler aber den Eigenverbrauch aller
Verbrauchsstätten misst, kann der Eigenverbrauch der Gemeinschaft über einen Faktor be-
stimmt werden (z.B. Anzahl Wohnungen in der Gemeinschaft durch Anzahl Wohnungen to-
tal).

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6) Mehrfamilienhaus mit einer gemeinsamen Produktionsanlage > 30kVA (lastganggemessen)

Für Produktionsanlagen mit einer Anschlussleistung von über 30 kVA ist ein Lastgangzähler
obligatorisch (Art. 8 Abs. 5 StromVV). Dieser kann, wie in Abbildung 9 dargestellt, netzseitig
installiert werden, mit zusätzlichen einfachen Zählern für jede Wohnung wie auch für die
Produktionsanlage. Der Produktionszähler muss keine Lastgangmessung aufweisen, er
muss jedoch die Produktion automatisiert ans HKN-System der Swissgrid übermitteln kön-
nen.

Eine teurere, dafür präzisere und einfach automatisierbare Lösung ist in Abbildung 10 darge-
stellt. Bei jeder Wohnung und der Anlage selber ist ein Lastgangzähler installiert. Der Über-
schuss und der Bezug aus dem Netz werden rechnerisch ermittelt. Diese Konstellation er-
laubt eine exakte, automatische Bestimmung des Eigenverbrauchs auch wenn einzelne Mie-
ter nicht an der Eigenverbrauchsgemeinschaft teilnehmen.

Wie im vorangehenden Beispiel rechnet der Netzbetreiber direkt mit der Eigenverbrauchs-
gemeinschaft ab. Falls eine Grundgebühr (je Verbrauchsstätte) in der Kundengruppe vorge-
sehen ist, wird diese entweder über die Eigenverbrauchsgemeinschaft in Summe eingefor-
dert oder den einzelnen Verbrauchern separat in Rechnung gestellt. Auch in diesem Beispiel
werden Verbraucher, die nicht in der Eigenverbrauchsgemeinschaft sind, virtuell vollständig
aus dem Verteilnetz beliefert.

Abbildung 9 : Mehrfamilienhaus mit gemein- Abbildung 10 : Mehrfamilienhaus mit gemein-


samer Anlage und einem Lastgangzähler samer Anlage und mehreren Lastgangzählern 18/20

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7) Mehrere Gebäude am selben Netzanschlusspunkt

Eigenverbrauch ist grundsätzlich auch für mehrere Gebäude bzw. Stromerzeugungsanlagen


möglich, solange diese am gleichen Netzanschlusspunkt an das öffentliche Verteilnetz ange-
schlossen sind. Sobald Strom durch den Netzanschlusspunkt – und damit über das öffentli-
che Verteilnetz – fliesst, ist kein Eigenverbrauch mehr möglich. Der Netzanschlusspunkt wird
durch den Netzbetreiber gemäss den physikalischen Gegebenheiten festgelegt (siehe Fuss-
note 10 auf Seite 13). Wer die Anlagen bzw. Gebäude nutzt, wie die Eigentumsverhältnisse
sind, und ob es sich um Mieter, Besitzer oder Contractor handelt, spielt dabei keine Rolle.

Abbildung 11 : Verschiedene Stromerzeugungsanlagen und Nutzer


hinter dem gleichen Netzanschlusspunkt

Wird eine kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) bezogen, können nur diejenigen Anla-
gen im Eigenverbrauch betrieben werden, die den gleichen KEV-Vergütungssatz erhalten.
Würden mehrere KEV-Anlagen mit unterschiedlichen Vergütungssätzen zusammen im Ei-
genverbrauch betrieben, wäre es nicht mehr möglich zu ermitteln, mit welchem KEV-Satz die
Überschussenergie vergütet werden muss (da diese nicht einzeln je Anlage gemessen wer-
den kann). 12

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Theoretisch wäre es denkbar, mit einem komplexen Mess- und Abrechnungssystem die Über-
schussenergie virtuell auf die einzelnen Anlagen aufzuteilen, z.B. proportional zur jeweiligen Produkti-
on. Die Kosten eines solch komplexen Abrechnungssystems wären vom Produzenten zu tragen.
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8. Glossar und Zeichenerklärung

bidirektionaler Zähler Stromzähler, der Ein- und Ausspeisung separat misst

EnG Energiegesetz (SR 730.0)

EnV Energieverordnung (SR 730.01)

HKNV Herkunftsnachweis-Verordnung (SR 730.010.1)

KEV kostendeckende Einspeisevergütung

LGM Lastgangmessung

StromVG Stromversorgungsgesetz (SR 734.7)

StromVV Stromversorgungsverordnung (SR 734.71)

unidirektionaler Zähler Stromzähler, der nur in eine Richtung misst

Stromzähler, der Wirk- und Blindleistung in beide Richtungen


Vierquadrantenzähler
misst (siehe auch: bidirektionaler Zähler)

VNB Verteilnetzbetreiber

Anlage zur Erzeugung von Elektrizität

unidirektionaler Zähler

bidirektionaler Zähler

Transformator

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