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Johannes Gutenberg Universität Mainz

Institut für Ethnologie und Afrikastudien


Regionalseminar: Burkina Faso
Dozent: PD Dr. Katja Werthmann
SoSe 2008

Politische Integration muslimischer Händler-


Minoritäten (Dyula und Yarse)
Aktive und passive Haltung am Beispiel des Kong- und des
Mossi-Reiches in vor-kolonialer Zeit

Vorgelegt von
Jorge E. Porras Alvarado
Am Großen Sand 32
55124 Mainz
Telefonnummer: 017624252398
E-mail: jorge.porras@gmx.net
Musikwissenschaft (HF)
Ethnologie (HF)
Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung........................................................................................................................................ 3

2 Wer sind die Dyula und Yarse?.......................................................................................................5

2.1 Die Dyula (Jula, Juula, Dioula) .............................................................................................. 5

2.2 Die Yarse................................................................................................................................. 7

3 Sozialpolitische Integration der Dyula und Yarse in Kong und Moogo......................................... 9

3.1 Das Reich Kong und die Dyula............................................................................................... 9

3.2 Die Yarse in der Mossi-Gesellschaft..................................................................................... 12

4 Schlussbetrachtung........................................................................................................................ 16

5 Literaturverzeichnis....................................................................................................................... 18

6 Anhang.......................................................................................................................................... 20

2
1 Einleitung

Dieser Beitrag entsteht im Rahmen des Regionalseminars „Burkina Faso“. In der folgenden Arbeit
beschäftige ich mich mit der unterschiedlichen politischen Integration von muslimischen
Händlerminoritäten (Dyula und Yarse)1 am Beispiel der vor-kolonialen Mossi- und Kong-Reiche im
Gebiet des heutigen Burkina Faso und der Elfenbeinküste. Während die Yarse sich in dem sozialen
und politischen System des Mossi-Reiches ohne aktive politische Stellung einbanden, hatten die
Dyula im Kong großen ökonomischen und politischen Einfluss bis hin zu Führungsstellen. Die
Frage nach den Ursachen dieser Unterschiede im Integrationsprozess werde ich im Folgenden
untersuchen.

Als Hauptgrund für die aktive politische Position der Dyula lege ich hier die grosse ökonomische
Macht dar, die sie in einer Region (um Kong herum) ohne zentralisierte politische Instanzen
gewonnen hatten. Im Gegensatz zu den Dyula zeigten sich die Yarse als politisch passiv und in dem
zentralisierten politischen System der Mossi eingebunden, das schon ca. vier Jahrhunderte vor ihrer
Ankunft etabliert war. Wie hatten die Dyula diese ökonomische Macht bis hin zu politischen
Führungspositionen ausüben können, während die Yarse sich an eine bereits organisierte politische
Struktur anpassen mussten?

In dem ersten Kapitel wird der sozialökonomische und historische Hintergrund dieser zwei
muslimischen Händlerminoritäten in einem Überblick vorgestellt. Das zweite Kapitel beschreibt die
Integration dieser Minoritäten in die jeweiligen, vorher erwähnten, Systeme, wobei in dem ersten
Teil die Gründung des Kong-Reiches und der Einfluss der Dyula erklärt und in dem zweiten Teil
die sozialpolitische Organisation der Mossi-Gesellschaft beschrieben wird. Im letzten Teil dieser
Arbeit betrachte ich in einer vergleichenden Form die verschiedenen erwähnten Aspekte und
möglichen Gründe, die dafür zuständig waren, diese zwei unterschiedlichen politischen Haltungen
zu motivieren.

Ich schließe bei der Behandlung dieses Themas die Periode zwischen der französischen
Kolonialisierung (1897) bis zur Gegenwart aus, da sich seit der Zerstörung Kongs durch Samori
Touré und seit der implementierten französischen Verwaltung die vor-kolonialen Machtpole und
sozialen Strukturen wesentlich verändert haben.

Für diese Arbeit benutze ich hauptsächlich Literatur von Mahir Şaul (1998) und Kathryn Green

1 Siehe Kapitel 2.

3
(1986, 1991) für das Thema der Dyula als Händler und Ouattara-Krieger2, Michel Izard (1970a,
1970b, 1985a, 1985b, 2003a) und Assimi Kouanda (2003) für sozialpolitische Strukturen im vor-
kolonialen Mossi-Reich und für die Beschreibung der Yarse Händler, Kerstin Bauer (2007) und
Franz L. Trost (1989) für einen Überblick zum Kong-Reich, Ivor Wilks (2000) für den Beitrag des
islamischen Einflusses der Dyula- Organisation in der so genannten West Volta Region, und
Michaela Oberhofer (2008) für einen Vergleich der Akzeptanz in einheimischen Gesellschaften
gegenüber den Dyula.

Weitere angewandte und komplementäre Literatur zum Thema ist unter anderem wie folgt, Andreas
W. Massing (2000, 2004), Robert R. Griffeth (1971), Kwame Arhin (1989), und Jean Pierre Caprile
(1993).

2 Siehe Kapitel 2.1 und 3.1.

4
2 Wer sind die Dyula und Yarse?

2.1 Die Dyula (Jula, Juula, Dioula)


Al-Bakri (1014 - 1094 n.Chr.), ein muslimischer Geograph aus Cordoba in Spanien, erwähnt zum
ersten Mal Existenz und Ursprung der Dyula im 11. Jahrhundert in seinem Dokument Kitab al-
Masalik wa-al-Mamalik3. Hier berichtet er über die Existenz eines muslimischen Stammes namens
„Wangara“. Historisch gesehen kamen sie ursprünglich aus Handelsgemeinschaften im westlichen
Sudan4. Al-Bakri identifiziert diese in Yarasna, damals ein Dorf zwischen der östlichen Grenze der
Boure Goldminen und dem Fluss Niger in dem „Mande Kaba“5 (Kangaba) Gebiet des Mali
Königreiches.6 Er beschreibt die Wangara (Dyula) als Muslime und Mandekan7-Sprecher, die mit
Gold und Kola-Nüssen handelten. Sie waren eine spezifische autonome Gruppe, oder Untergruppe
der Soninke8, der die Formation der Dyula-Handelsnetze vorausgegangen war. Schon in dieser Zeit
hatte diese Gruppe den Charakter der überregionalen Handelsmobilität (Fernhandel von der Sahara-
Wüste bis zu den Rändern des Akan-Waldes, unterstützt durch die Verbreitung des Islams9).

Nach Ivor Wilks (2000:94), ist der Ursprung der Dyula in Kangaba zu finden und ihre Verbreitung
begleitete die Entwicklung von neuen Goldminen, wie zum Beispiel bis zum schwarzen Obervolta-
Tal und bis zu den Goldminen im Akan-Wald. Seit dem späten Mittelalter (ungefähr 1400) stieg die
Goldnachfrage in Europa, Mittelasien und in weiteren Ländern kontinuierlich an, so dass der Abbau
von Goldminen in Afrika (als Hauptversorger von Gold für Europa vom 8. Jh. bis zur Entdeckung
Amerikas) eine Aktivität darstellte, die Fernhandelsrouten von westafrikanischen Ländern durch die
Sahara bis zur nordafrikanischen Mittelmeerküste und Sahel verlangte.10 Während diese Goldminen
unterschiedlichen königlichen Monopolen unterstanden, war der Goldstaubhandel frei und in
großen Massen von privaten Händlern (Wangara) betrieben. Die Dyula wurden eine wichtige

3 Siehe Wilks 2000: 93 und Massing 2000: 306.


4 Siehe Department of Arts of Africa, Oceania, and the Americas, 2000: „Trade and the Spread of Islam in Africa“. In
Heilbrunn Timeline of Art History. New York: The Metropolitan Museum of Art–.
http://www.metmuseum.org/toah/hd/tsis/hd_tsis.htm (30.9.2008).
5 Kathryn L. Green (1991: 127) diskutiert hier die Wahrhaftigkeit von Kaba als Hauptstadt des Mali-Reiches.
6 Siehe Abbildung 1 und 2 im Anhang.
7 „1Other names which have been used as referring to Manding, are Mandingo and Mandekan. Keita (1979:1) points
out the advantage of the term “Mandenkan.” It reflects the distinctions deriving from (1) the name of the region –
manden; (2) the inhabitants of the region – mandenka; (3) the language of the region – le mandekan.“ Sullivan
2004: 4.
8 Siehe Andreas W. Massing 2000 : 289. Siehe auch Kathryn Green 1986: 104.
9 Für Soninke Diaspora siehe Andreas W. Massings Beitrag 2000.
10 Trotz der Entdeckung der Portugiesen von Goldminen an der ghanaischen Küste im Jahr 1471 haben sich die
transkontinentalen Fernhandelsrouten in Afrika als wichtige Wege erhalten, weil es den Portugiesen nicht gelang, im
inneren Land das „märchenhafte“ Goldland Bambuk zu finden. Siehe Trost 1989: 25.

5
Verbindung für diesen Markt, weil sie direkt von den Produzenten das Gold bekamen und
gleichzeitig, dank der islamischen Netze, einen organisierten Fernhandel reglementiert hatten11.

Es scheint für Autoren wie Andreas W. Massing (2004), dass die Dyula- Diaspora einem
vorbereiteten Plan der Songhay Dynastie und ihrer religiösen Berater (marabouts, karamogow12)
entsprang, mit dem Ziel der Konversion der animistischen Stämme in den südlichen Regionen,
basierend auf den kommerziellen Verbindungen der Wangara zu den Gold- und Kola-Nuss-
Regionen. Islamische Gelehrte aus der ursprünglichen Baghayogho Familie in Timbuktu förderten
diesen Plan.13

Die Dyula siedelten meistens bei staatslosen Gesellschaften14 an Handelsrouten, wo das


Autoritätssystem höchstens die Stufe des Dorfes, oder der Dorfgemeinschaft erlangte. Sie
etablierten eine Allianz mit den Gastgebergemeinschaften, indem sie die Möglichkeit hatten, ein
Stück verfügbare Erde für Feldbau und zum Bau ihrer Gehöfte zu erhalten 15, Handelserlaubnis
hatten und Ehen mit den Einheimischen („Autochthonen“) schließen durften. Sie heirateten die
Frauen des Gastgebers, übernahmen seine jeweilige Sprache und erwarben eine „doppelte“
Identität, wie z.B. Dagara-Dyula, Jãane-Dyula usw.,16 ohne ihre linguistischen, kulturellen und
religiösen Eigenschaften zu verlieren; das heißt, die Dyula unterschieden sich von der nicht-
muslimischen Bevölkerung durch ihre Ausbildung als Händler, Handwerker und Gelehrte. Im
Gegenzug boten die Dyula ihnen bessere Handelsmöglichkeiten (wegen der verbreiteten
Handelsnetze mit muslimischen Handelspartnern, die das Erlangen ferner und beliebiger Ware
ermöglichten und zugleich den Vertrieb eigener Produkte), Sicherung der Handelsrouten,
Unterstützung bei Kriegszügen und Schutz gegen Sklavenjagd und Angriffe von Feinden. Das war
den Dyula möglich, weil sie über eine Gruppe von Kriegern, gehörig zu ihrer Mande-Abstammung,
die so genannten Sonongui (Ouattara-, Watara-Krieger),17 als Alliierte verfügten.

Sonongui ist die, im Kong-Reich verwendete, Bezeichnung für „Menschen der Macht“ (tuntigi,
fangatigi auf Jula und Bambara), also Herrscher oder Krieger der Dyula. Ihre Diaspora verlief
parallel mit der der Dyula-Händlerfamilien, sie stammten ursprünglich aus dem Mali-Reich und

11 Sie wurden nicht nur wichtig für den Goldhandel, sondern auch mit der Zeit für Salz, Schießpulver, Waffen, Pferde,
Sklaven und europäische Produkte. Siehe Bauer 2007: 59-61 ff.
12 Kurz gefasst sind marabouts oder karamogow islamische Gelehrte mit einer höheren Ausbildung, in Recht bzw.
Religion, die in den politischen Konflikten als Ratgeber und Vermittler tätig waren. Siehe Bauer 2007: 84 und
Green 1986: 108, 109.
13 Massing, Andreas W., 2004: 888.
14 Nicht immer war es so, es gibt Beispiele wie bei dem Dagomba-, Gonja- und Wa-Reich. Siehe Wilks 2000: 94.
15 Die Erlaubnis für Ansiedlung erhielten die Dyula von den Erdherren bzw. den Erstsiedlern der Region. Siehe
Oberdorfer 2008: 91, 95.
16 Siehe Oberdorfer 2008: 124-126 und Wilks 2000: 94.
17 Siehe Green 1986: 111, 112. Watara ist der patronymische Name der Krieger mit Mossi-Abstammung, die Seku in
Kong geholfen hatten, den Kampf gegen seinen Onkel Lassiri zu gewinnen. Siehe auch Şaul 1998: 546.

6
zerstreuten sich nach dessen Untergang (Ende des 16. Jhs.) wegen der marokkanischen Invasion.18
Ihre Spezialisierung war der Krieg und dafür hatten sie eine komplexe Organisation, zu der die
sogenannten Watara-Häuser19 und der Männerbund do20 gehörten. Ihre geringe religiöse Bildung
(sie beteten zwar, lernten aber nicht den Koran), ihre Missachtung islamischer Regeln, wie z.B. den
Alkoholverzicht und die Razzien aus rein ökonomischem und militärischem Profit ohne
Konversionszwecke, brachten ihnen das Image des „schlechten Muslims“ ein.21 Sie waren trotzdem,
dank ihres Wissens und ihrer Organisation, für Grenzsicherung, Freihalten der Handelsrouten und
Sklavenjagd zuständig.

2.2 Die Yarse22


Die Yarse siedelten im Mossi-Land23 (Moogo24) und integrierten sich in diese Gesellschaft zwischen
dem 16. und 18. Jh. Sie brachten, so wie die Dyula im Südwesten des heutigen Burkina Faso, die
islamische Religion und ihre Händlerfertigkeit mit. Ursprünglich berufen sie sich auf Mande-
Abstammung. Ihre Vorfahren stammten aus Mekka und siedelten in Kaaba25, nach Assimi Kouanda
(2003: 127) ein Dorf in Guinea. Die Yarse wurden als marabouts (Personen mit magischen und
religiösen Kräften) und muslimische Händler (mit großer überregionaler Mobilität) hoch angesehen.
Bei ihren Wanderungen durch das Mossi-Reich wurden sie, laut alter arabischer Berichte 26 wie
Tarîkh el-fêttach27, von den Mossi-Herren aufgehalten, um von ihnen Rat und Gebete in Erfüllung
zu bekommen.

Die Mossi Herrscher erlaubten den Yarse in der Zone zwischen Sahel und den südlichen Wäldern
zu siedeln. Die politischen Mächte vereinbarten mit den Yarse Garantien und Privilegien, weil
ihnen bewusst war, dass die Fernhandelserfahrung in der Hand dieser muslimischen Minorität lag
und es für die ökonomische Struktur des Landes von Vorteil war, aus ihren kommerziellen
Aktivitäten Nutzen zu ziehen. Das bedeutete für die Yarse Schutz ihrer Karawanen durch die
königliche Armee, Befreiung von Fronarbeit und dass sie nicht gedemütigt wurden.
Gegenleistungen der Yarse waren Steuern, Gaben und Geschenke.28 Die Yarse versorgten Moogo

18 Für die marokkanische Invasion siehe John O. Hunwick 2003: 233, 234.
19 Siehe Şaul 1998: S. 537.
20 Siehe Bauer 2007: 56.
21 Kathryn L. Green 1986: 113.
22 Yarga, Singular. Siehe Izard 1970b: 214.
23 Siehe Abbildung 5.
24 Moogo heißt auf der Sprache Moore Mossi-Land. Siehe M. Izard 1985b: S.7 unter „Avertissement“.
25 Kathryn L. Green diskutiert in ihrem Beitrag (1991:127-135) die Zuweisung für die Stadt Kaba (oder Kaaba oder
Kangaba) als die Hauptstadt des antiken Mali-Reichs. Siehe auch John William Johnson, Fa-Digi Sisòkò, Cheick
Oumar Mara, Charles Stephen Bird 2003:25, 89.
26 Siehe A. Kouanda 2003: 126, 127.
27 Siehe Izard 1970a: 21.
28 „Les Yarse offrent des présents au roi lors des salutations annuelles des chefs et, sur les grands marchés du

7
unter anderem mit Gewebe, Salz, Kola-Nüssen, Gold, Eseln, Pferden, Fisch, Matten, Tabak und
Waffen.29 Sie siedelten sich in Yarse-Stadtvierteln (Yargo) an und organisierten sich unter der
Mossi Autorität in einer „vertikalen“ Beziehung und mit der lokalen Autorität auf einer
„horizontalen“, ohne politische Teilnahme.30 Die Ausübung ihrer Religion war erlaubt, soweit sie
die Mossi-Traditionen respektierten. Die Yarse waren nützliche Ratgeber für überregionale
Angelegenheiten (wegen ihrer Gelehrtheit, Handelsnetze und Auslandserfahrung) und auch, weil
ihnen übernatürliche und religiöse Kräfte zugeschrieben wurden (sie beteten und fertigten z.B.
Amulette für die Mossi-Herrscher).31

Bei den Mossi fand auch ein Prozess der zunehmenden Integration der Yarse im 18. Jh. statt. Der
Hauptgrund war, dass die Mossi-Herrscher selbst an der Aneignung der kommerziellen Aktivität
interessiert waren.32 Das führte zu einem Prozess der „Yarsifisierung“ und Islamisierung (also Ehen
zwischen Mossi und Yarse und Konversion zum Islam).33 Die Yarse entwickelten sich von Fremden
mit Mande-Hintergrund, hin zu Individuen verschiedener Abstammungen. Was sie zusammenhielt
war die islamische Religion und der Handel. Sie verloren das Handelsmonopol in Moogo, als im
19. Jh. andere muslimische Handelsgruppen wie die Dyula und Hausa ankamen.34 Ihre Exklusivität
als Händler und Fremde verloren sie wegen der wachsenden muslimischen Gemeinschaft und
deswegen mussten sie Emphase an dem religiösen Aspekt ihrer Identität machen, um ihre
Auszeichnung zu behalten. Sie fingen an Landwirtschaft zu betreiben und errichteten religiöse
Zentren:35 „Ils ouvrent des écoles coraniques, construisent des mosquées et obtiennent des pouvoirs
moose la nomination d'un de leur membre en qualité d'iman à la cour du Moog-naaba.“ (Kouanda
2003: 130-131). Ihre Abgrenzung zu den übrigen Muslimen in Moogo definierten sie durch den
Besitz eines authentischen anerkannten Yarga Patronyms, die Zugehörigkeit zur Moore-
Sprachgruppe und die muslimische Abstammung der Vorahnen.

royaume, les chefs de marché (raa nanamse) prélèvent des taxes en espèces ou en nature sur leurs marchandises,
mais ils ne sont soumis à aucune autre obligation à l'endroit du pouvoir, pas même à l'obligation de satlutation
devant le roi ou les chefs. (...) Le pouvoir royal assure aux commerçants la libre circulation de marchandises et la
sécurité des routes; il exige en retour des contributions tributaires,...“ (Izard 1985b: 381, 392).
29 Hauptachse für die Karawanen war Nord-Süd, aus Mali brachten sie Salz, aus Nord-Ghana Kola-Nuss. Siehe Izard
1970b: 219-221.
30 Siehe Izard 1985b: 332-334, siehe auch Kapitel 3.2.
31 Siehe Green 1986:109 für eine ähnliche Beschreibung bei den Dyula.
32 „'le commerce de la cola et du sel était entre les mains des Mossi et des Yarsé'. (...) y a-t-il eu, sous Naba Kango,
tentative du pouvoir central pour exercer un contrôle sur le commerce du sel? (...) , le Balum Naba, exerçait un
contrôle sur les villages yarsé (...)“. (Izard 1970a: 317).
33 Siehe Kouanda, A. 2003: 130. Hier ist es wichtig zu bemerken, dass die Yarse nicht die Heirat mit einigen Gruppen
der Mossi-Gesellschaft ausübten. Siehe Izard 1970b: 218, 219.
34 Siehe auch Izard 1970a: 385-387.
35 Siehe auch Izard 1970a: 171.

8
3 Sozialpolitische Integration der Dyula und Yarse in Kong
und Moogo

3.1 Das Reich Kong und die Dyula


Wie im Abschnitt 2.1. erwähnt, besaßen die Sonongui die Institution der Watara-Häuser. Sie
bestand aus Einheiten (Häusern), die von Kriegsherren geführt wurden. Diese Häuser umfassten
sowohl Landwirtschaftsleute, als auch Händler, Krieger und Familien (Ehefrauen und Kinder), die
an der Produktion36 beteiligt waren. Im Gegenteil zu den Dyula, siedelten die Watara-Krieger in der
Nähe von kleinen Dörfern weit entfernt von Städten. Das Ziel dieser Institution war ökonomischer
Reichtum und Wachstum, aber kein Landgewinn. Ihre primären Aktivitäten waren Razzien und
Plünderungen, um Waren wie Sklaven, Waffen und Pferde zu erhalten. Davon abgesehen waren
auch viele Watara-Krieger als Händler tätig. Ihre Mitglieder unterschieden sich durch Klane (jamu,
auf Bambara und Jula „Familienname/ Klanname“) und Rang, und zu der Gruppe gehörten sowohl
professionelle Krieger verschiedener Herkunft, wie auch Sklaven. Es bestanden überregionale
Allianzen von Watara-Häusern, jedoch auch Konkurrenz und Kriegszüge, aber keine politische
Organisation zwischen ihnen.37

Einer von diesen Händlern, bzw. Kriegern war Seku Watara, der das Kong-Reich gründete. Er
vertrat die Dyula und Sonongui in einer Person, weil er die Händler- und Kriegsaktivität
gleichzeitig ausübte. Seine Herkunft ist umstritten, darüber schreiben mehrere Autoren
verschiedene Ansätze.38 Seine Vorfahren (Handwerker und Weber, andere behaupten sie waren
Händler) kamen vom Norden in die Kong Region mit der Strömung der Mande-Diaspora und
siedelten in Tenegala (Ténéguéra)39, ein Dorf südwestlich von Kong. Seku war selbst einer der
reichsten Händler dieser Region. Nach oraler Tradition geschah die Gründung des Kong-Reiches
durch Seku Watara als Folge der Rivalität in der Familie Sekus. Lassiri Gbombélé 40 war sein Onkel
aber auch sein Feind. Lassiris Frau (aus Kong abstammend) wurde von seinem Bruder, Tièba41,
verführt. Aus der Beziehung zwischen Lassiris Frau und Tièba entstand Seku. Lassiri verfeindete

36 Zum Beispiel Subsistenzwirtschaft und Waffenproduktion.


37 Mahir Şaul (1998: 557-559, 561) diskutiert hier die Allianzen zwischen Watara-Häuser.
38 „Present-day descendants of Seku Watara, the eighteenth-century founder of the Kong state, and allied Muslim
clerics claim that Seku was a descendant of Sunjata Keita, and also claim that their ancestors came from Mande
Kaba.“ (Green 1991:132). Siehe auch Jean Pierre Caprile 1993: 70, 71.
39 In dieser Zeit (um 1700) größer und wichtiger als Kong. Siehe Şaul 1998: 545.
40 „Als erste Herrscher in der Region Kong gelten die Traoré-Samasoko. In den oralen Traditionen Kongs werden
diese ersten Herrscher mossi genannt. (...) Von 1660-1710 regierte schließlich der letzte Herrscher aus der Dynastie
der Traoré-Samasoko, Lassiri Gbombélé.“ (Bauer 2007: 94).
41 Siehe Caprile 1993: 71.

9
sich mit Tièba. Er wird außerdem in Dyula Berichten als magischer Tyrann der Region (er gründete
den Kult Nyama-Kurugu) und Feind des Islam präsentiert.42 Seku hatte als Händler und sonongui
gute Beziehungen zu den Dyula (dafür war von Vorteil, dass er den Koran studiert hatte 43), zu
Königen und Kriegsherren der Region, und organisierte mit ihnen einen Angriff gegen Lassiri, der
besiegt wurde.

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Dyula zum Sieg Sekus beigetragen haben. Sie und die
karamogow gaben ihm Männer, Pferde, Gold und Amulette, um den Sieg zu sichern. Seku war
erfolgreich und wurde selbst ein fangatigi. Da Kong vorher keine einheitliche politische Bindung
hatte (es war nur eine Region mit verschiedenen kleinen Dörfern und Siedlungen mit hauptsächlich
animistischer Bevölkerung, die von Herren wie Lassiri geführt wurden), kam Seku mit der
Unterstützung der Dyula zur Herrschaft. Es wird gesagt, dass dieser Kampfzug auch ein politischer
Plan der Dyula war, entweder um sich Lassiri entgegenzustellen, oder um Sklavenjagd-
Expeditionen in der Region durchzuführen, und dass sie Seku dafür zu ihrem Auserwählten
machten.44 Seku nahm den patronymischen Namen Ouattara (Watara) an, nach dem Klannamen der
Kriegergruppe, die ihn im Kampf gegen Lassiri unterstützte.45 Seku Watara gab die Stadt Kong an
die Dyula ab und ließ sich in den umliegenden Dörfern an Rande der Handelsrouten nieder.46 Er
verbreitete dieses Reich nach und nach mit Hilfe seiner Söhne und seines Bruders Famagha, der in
Richtung Norden die Region um Bobo-Dioulasso eroberte. Das Kong-Reich erreichte seine größte
territoriale Ausdehnung um 1740.47

Es ist wichtig zu nennen, dass Kong im 15. und 16. Jh. zum ersten Mal von den Dyula aus der
Mande-Diaspora betreten wurde. Sie brachten dieser Region größere Handelsaktivität und den
ersten Kontakt mit dem Islam. Durch sie entstand für diese Region, wo hauptsächlich
Subsistenzwirtschaft und Jagd getrieben wurde, die Öffnung zur Außenwelt. Das bedeutete für die
dortige Bevölkerung die Möglichkeit, begehrte ferne Waren zu erhalten, besonders Salz. Kathryn L.
Green (1986: 105-107) betont die Wichtigkeit dieses Produkts, da es in der Kong-Region kein
natürliches Salzvorkommen gibt. Salz war das Passwort der Dyula für ihre Akzeptanz in diesen
Völkern. Mit der Zeit wurde die muslimische Lebensweise toleriert und sogar teilweise
übernommen48. Kong entwickelte sich zu einem wichtigen Stützpunkt der Region für den Handel

42 „Lassiri Gbombélé (...) verlangte hohe Abgaben auf den Handel und konnte die Handelswege der Dyula-Händler
nicht sichern. Darüber hinaus behinderte er die freie Ausübung des Islam.“ (Bauer 2007: 94).
43 Nach einem Interview von K. L. Green 1979. Siehe Green 1986: 112.
44 Siehe Şaul 1998: 546.
45 Siehe Green 1986: 111. Siehe auch Şaul 1998: 546.
46 Siehe Trost 1989: 28 und Şaul 1998: 548.
47 Siehe Abbildung 3.
48 Siehe Green 1986: 108.

10
zwischen Nord und Süd, West und Ost.49 Mit dem Sieg Sekus etablierten sich die Dyula in der
Region als unerlässlich:50 Sie sorgten für Bildung in Kong, was zu einem überregionalen Prestige
verhalf, belieferten die Watara-Krieger für Handelsrouten- und Grenzsicherung, pflegten die
überregionalen politischen Beziehungen und machten aus Kong eine Metropole:

„Kong provided a spiritual center, with its mosques, qur'anic schools and meeting place for scholars from all
over western Africa; a production center for the textile industry; a trading point for kola, gold, salt and slaves;
and a daily market for local villagers to sell produce as well as buy small quantities of the products brought
by long-distance traders (salt, kola) or furnished by local artisans (textiles, iron tools, pottery). Kong's
commercial and spiritual life centered around the mosque an the market, which were side by side, a prominent
character[i]stic of a Muslim city.“ (Green 1986: 115-116)

Das Reich Kong bestand aus einzelnen Großregionen (g¥n¥)51. Die wichtigsten zwei Regionen des
Kong-Reiches waren im Süden Kpon G¥n¥52 (um die Stadt Kong) und im Norden Gwiriko53 (um
Bobo-Dioulasso). Jede Region wurde von einem Herrscher (g¥n¥tigi) geführt, der selbst unter der
Autorität des faama (König, Gouverneur, reiche Person54) stand.55 In diesem Fall gab Seku Watara,
als faama des Kong-Reiches, die Macht nach patrilinearer Deszendenz an seine Nachkommen
weiter. Die Watara-Häuser waren ein multiethnischer Komplex, wo die Machtübergabe auch auf
andere Weise erworben werden konnte.56 Das heißt, der faama Status war temporär und hing von
der Selbstinitiative, Positionierung, Allianz und Erfolg als Führer ab.57

Tatsächlich haben Seku Watara und sein Bruder Famagha ihre Söhne in strategischen Orten entlang
der Handelsrouten positioniert. Diese Verfahrensweise, sich als Herrscher außerhalb der Städte wie
Kong oder Bobo-Dioulasso niederzulassen, folgte als Sicherungsstrategie der Karawanen an
Handelsrouten. Sie stellten Posten an den Grenzen ihres Territoriums, woraus sie die politischen
Spannungen mit den Nachbarn verfolgen konnten und als Kommunikationsmittel für Kriegszüge
dienten. Die militärische Hierarchie unter den Watara-Kriegern stellte sich wie folgt dar: „So stand
ein g¥n¥tigi58 über den kelemasaw59 und keletigiw60 (Heerführern), diese über den berittenen sofaw61
49 Siehe Handelsrouten-Abbildung 4. Siehe auch Kwame Arhin 1989: 2, 4-6.
50 „Nach seiner Machtübernahme förderte er [Seku] den Handel, indem er keine Abgaben verlangte und die
Handelswege sicherte. Darüber hinaus gewährte er den muslimischen Dyula die freie Ausübung ihrer Religion.“
(Bauer 2007: 95).
51 Auf Bambara bedeutet k¥n¥ freier Platz, Fläche. Siehe Kastenholz 1998: 196.
52 Franz L. Trost (1989: 29, 31) benutzt die Bezeichnung Kpon Kènè.
53 Giwiriko ist der verwendete Begriff für die, von Famagha, eroberte Zone um Bobo-Dioulasso. Siehe Şaul 1998:
567.
54 Auf Bambara, siehe Kastenholz 1998: 192.
55 Siehe Bauer 2007: 95.
56 Siehe Şaul 1998: 553, 554, 559, 560.
57 Siehe Şaul 1998: 565, 566.
58 Auf Bambara k¥n¥ = Fläche bzw. Region, tigi = Meister, also regionaler Herrscher.
59 Auf Bambara k¥l¥ = Krieg, Kampf, masa[w] = König (Pl.), also Kriegskönig, oder General der Armee.
60 Auf Bambara k¥l¥ = Krieg, Kampf, tigi = Meister, also Kriegsmeister, oder etwa wie General Major.
61 Auf Bambara so = Pferd, faa, faga = töten, also Ritter.

11
und den einfachen Kriegern.“ (Bauer 2007: 99) Diese kriegerische Struktur war das Mittel der
regierenden politischen Machtausübung im Kong-Reich. Die Dyula (also die Händler) unterstützten
diese mit der Lieferung von Waffen, Pferden, Sklaven und in manchen Gelegenheiten selbst mit
Beteiligung von Mitgliedern ihrer Familiengruppe. Eine andere Form der Unterstützung waren
wertvolle Informationen über beispielsweise die politische Situation und militärische Lage des
Feindes, die für sie als Meister der Handelsnetze möglich war. Außerdem machte ihre islamische
Zugehörigkeit sie als Ratgeber und Mittler nützlich für politische und kriegerische
Angelegenheiten.62

Das Fehlen von zentralen Instanzen (Verwaltungsstrukturen) und die Masse an unterschiedlichen
ethnischen Gruppen führte jedoch auf Dauer zu Unruhen im Reich. Gegen Ende des 19. Jh. zerfiel
das Kong-Reich unter den Attacken von Samori Tourés Truppen und dem bedrohenden
französischen Kolonialisierungszug.63 Franz L. Trost beschreibt (1989: 29, 30) das Fehlen von
territorialen Verwaltungsstrukturen, die das Kong-Reich zum Zusammenbruch brachten:

„Diesem riesigen Reich fehlten jedoch die nötigen Elemente des Zusammenhaltes, (...). Von einer Minderheit
gegründet, erstreckte es sich entlang sehr weiter Handelsrouten; wurde ein neues Handelszentrum erobert,
mußte das Hinterland gesichert werden, um den Fortbestand des Warenverkehrs zu garantieren, was eine
zusätzliche Kontrolle über eine Vielzahl der verstreut lebenden Bevölkerungsgruppen nötig machte. Es waren
aber nicht nur die ethnischen Unterschiede, sondern auch die verschiedenen kommerziellen und politischen
Ziele, die eine strenge Einheit zu bilden unmöglich machten.“

3.2 Die Yarse in der Mossi-Gesellschaft


Die Völker der Region des Mossi-Reiches hatten eine ähnliche gesellschaftliche Organisation wie
die, die sich damals im Einflussgebiet der Dyula im Südwesten des heutigen Burkina Fasos
verbreiteten. Diese Völker (Fulse, Kalamse, Kambõse de Bay, Kibse und Ninise64), die ursprünglich
diese Region bewohnten, waren auch wie im Südwesten landwirtschaftlich orientiert. Aber seit
Kriegervölker (Mossi) aus dem Süden (Nord-Ghana) in ihr Gebiet kamen, änderte sich die soziale
und politische Struktur mit der Etablierung des Mossi-Reiches. Der Ursprung der Mossi-
Gesellschaft kann bis ins 12. - 13. Jh. zurückverfolgt werden.65 Es geht um eine Übergabe von
nordghanaischen Dynastien an die Dynastien der Mossi (oder nakombse, historische Gruppe mit
patrilinearer Deszendenz)66. Der Urahn der Mossi-Gesellschaft, Naaba Wedraogo, stammte aus dem
Dagomba-Reich67 und setzte die agnatische patrilineare Deszendenz (moos buudu68) bei der

62 Siehe Bauer 2007: 83 und Şaul 1998: 565.


63 Siehe Griffeth 1971: 170.
64 Siehe Izard 1985b: 312.
65 Siehe in Michel Izard (1970a: 35, 36 ff. I Kapitel) eine Sammlung von Theorien verschiedener Autoren über das
Thema.
66 Siehe Izard 1970a: 128.
67 Siehe Izard 1970a: 17, 123 ff.
68 Siehe Izard 1970a: 17, 1985b: 21 und 2003a: 77.

12
Gründung des Mossi-Reiches ca. 128969 auf der Basis der Exogamie und Polygamie fort. Ungefähr
zwölf Jahrzehnte vergingen bis zur Gründung des Ouagadougou-Reiches und der Dynastie Moogo
Naaba70 durch Naaba Wubri.71 Die Mossi-Gesellschaft wies zwei Hauptgruppen auf: Die Eroberer
(nakombse) und die Autochthonen (tengbiise). Michel Izard (1985b) übersetzt diese zwei Gruppen
als gens du pouvoir und gens de la terre (oder fils de la terre). Die nakombse waren diejenigen, die
die politische und königliche Macht, regionale Herrschaft, delegierte Macht als Kriegsführer und
königliche Vertreter beherrschten. Sie bewohnten die königlichen Lokalitäten. Auf der anderen
Seite hatten die tengbiise das Recht über das Land (als erste Siedler) und religiöse Macht („maîtrise
des manifestations atmosphériques - vent, pluie, foudre -“72). Die politische Struktur der Mossi-
Gesellschaft ist durch das moos buudu bestimmt. Dieses moos buudu ist ein Spaltungsprozess der
Lineages, der durch den Heiratsaustausch und die Exogamie die Einheit der originalen patrilinearen
Abstammung zu behalten versucht.73 Funktionell kann die Mossi-Gesellschaft in vier Gruppen
unterteilt werden (dabei handelt es sich um eine Erweiterung in Kasten des globalen Sozialraums):
1. Die Eroberer (nakombse); 2. Autochthone (tengbiise); 3. die Schmiede (saaba); 4. die
Handwerker und Händler.74 Die Yarse integrierten sich als Fremde in dieser Gesellschaft und
formierten darin Teil dieser vierten sozialen Gruppe.

Der Unterschied zu diesen Gruppen bestand für die Yarse darin, dass sie keinen Anspruch auf
Bodenrecht und politische Macht hatten, außerdem waren sie endogam auf Grundlage der
islamischen Religion. Wie schon im Kapitel 2.2. erwähnt, war es für sie trotzdem von Vorteil ihren
sozialpolitisch gewonnenen Status zu behalten, weil es für sie die Freiheit für Handelsaktivität und
Ausübung des Islams bedeutete; sie betonten und unterstützten den Unterschied zwischen sich
(muslimisch, fremd, Händler) und der Mossi Bevölkerung (animistisch, einheimisch,
Landwirtschafter).75

Die Mossi Gesellschaft war landwirtschaftlich, wie erwähnt, und territorial orientiert. Es heißt, dass
die Mossi-Territorialität die Gesellschaft politisch definierte. Die territorialen Einheiten tenga76
(Izard definiert sie als village77) werden als mit den lokalen Einheiten (Stadtviertel) untrennbar
verstanden. Das Stadtviertel wird als unité de peuplement (Besiedelungseinheit) identifiziert, und

69 Auf 1289 setzte Frobenius den Beginn des Naaba Wedraogo. Siehe Izard 1970a: 72.
70 Moogo Naaba ist der Titel der Oberherrscher des Ouagadougou-Reiches. Siehe Izard 1970a: 143.
71 Die Ankunft der Yarse ist in diese Zeit (nach Yarse Tradition) gesetzt worden. Siehe Izard 1970b: 216.
72 Siehe Izard 1970a: 115.
73 Siehe Izard 2003a: 77-79.
74 Siehe Izard 1985b: 379.
75 Siehe Izard 1985b: 380.
76 Der Begriff tenga hat eine breite Bedeutung; er kann sowohl der Dorfgebiet, die Einheit „Meister der Erde“, wie die
dörfliche Gemeinschaft bezeichnen. Siehe Izard 2003a: 83, 84.
77 Siehe Izard 1985b: 309, und 2003a: 82, 83.

13
war für Moogo die Einheit, die in einem Wohnort eine gewisse Anzahl von großen Familien
sammelte.78 Diese Stadtviertel repräsentierten die kollektive Identität der Bewohner, die sich durch
den Name des Viertels ausdrückte: Nakombgo (nakombse), Tengandê (gens de la terre), Saabê oder
Saadogo (Schmiede), Yarsê oder Yargo (Yarse), Bingo (königliche Gefangene), usw.79 Also
signalisierte der Bewohner eines Stadtviertels durch den Wohnsitz seinen sozialen Status, seine
ethnische Zugehörigkeit, geographische Herkunft und Abstammung.

Die Machtausübung war in Moogo durch ein hierarchisches System reguliert. Den Titel Naaba
(Chef, König) bekamen diejenigen, die königliche Abstammung hatten (nabiise, nakombse), und
die Machtübernahme folgte präzisen patrilinearen Deszendenz-Regeln: die Macht, naam, wurde
agnatisch und gerontokratisch übertragen.80 Im Mossi-Reich spiegelten sich die grossen regionalen
Einheiten in sukzessiven lokalen Einheiten wider.81 Jede Region war kontrolliert von einem
„Menschen der Macht“ (Naaba, ein Chef), der bei der Ausübung der oben genannten
Machtübergabe die Ämter für die Unterregionen verteilte. 82 Die Macht teilte sich in zentralisierte
und lokale Macht. Das hatte für die Staatsverwaltung die Folge, dass die Menschen der Macht
(König, königliche Diener, Meister des Krieges) die zentrale Macht ausübten, während die
Erdherren (gens de la terre) die lokale Verwaltung betrieben. Die Verwaltungsstruktur erlaubte
jeder Verzweigung des Reiches Zugang oder direkten Kontakt zu der zentralen Macht durch die
königlichen Diener.

In dieser sozialen Struktur ordneten sich die Yarse politisch unter den Mossi-Herren in einer
vertikalen Beziehung ein. Das bedeutete, dass sie den Richtlinien der zentralen politischen Macht
(König, Kriegsherren und königliche Diener) folgten. Anders integrierten sie sich in die lokalen
Instanzen, repräsentiert durch die Erdherren der Dörfer, in einer horizontalen Beziehung. Das hieß,
zum Beispiel im Yatenga-Reich, dass ein Yargo-Chef nicht einem regionalen (autochthonen) Chef
(oder Dorfchef) folgte. Er folgte dem togo naaba („chef de la parole“, Hofdiener des Königs) von
einem benachbarten königlichen Fürstensitz und dem balum naaba (der Beauftragte für die
Angelegenheiten zwischen der zentralen Macht und den Yarse-Händlern/ Webern) mit Hilfe eines
Yarse-Chefs, der in dieser Residenz logierte.83 Mit anderen Worten, die Yarse lebten auf dem selben
Niveau wie die Autochthonen eines Dorfes, nur ohne politische Zugehörigkeit, sie verhandelten

78 Siehe Izard 2003a: 81, 82.


79 Siehe Izard 2003a: 87.
80 Die nabiise waren die Söhne des Königs oder eines Chefs und nakombse waren ihre Nachkommen ab der zweite
Generation. Siehe Izard 2003a: 88 und 1985a: 157.
81 Siehe Abbildung 6.
82 Siehe Izard 2003a: 124.
83 Für balum naaba siehe Izard 1985a: 156. Für togo naaba siehe Izard 1985a: 161.

14
direkt mit dem Hof durch die höflichen Diener.84 Das bedeutete, dass die Yarse eine Schicht
formierten, die privilegiert und autonom war und zwischen den Adligen und den anderen Gruppen
(Schmiede, Handwerker, Landwirtschafter) stand.

Zum Ende des 19. Jhs. konnte die französische Verwaltung beobachten, wie die Yarse- Dörfer und
Yargo[s] in den unités de commandement der Mossi integriert waren. Innerlich organisierten sich
die Yarse auf sozialökonomische Weise in Macht-Polen (pôles de pouvoir)85. Ein Yargo wurde
intern von dem ältesten Mann (kasemba) der ältesten Yarse-Generation geführt. Verschiedene
Yargo[s] hatten einen gemeinsamen Mossi Dorfchef und einen einzigen Yarse Vertreter (yarnaaba,
yirana) für die Mossi-Yarse Angelegenheiten, wie im letzten Abschnitt beschrieben.86

84 Siehe Izard 1985b: 333.


85 Siehe Kouanda, A. 2003: S. 130.
86 Siehe Izard 1970b: 218, 219.

15
4 Schlussbetrachtung

Dyula und Yarse zu vergleichen in dem politischen Kontext zweier Regionen in Burkina Faso stand
vom Anfang dieser Arbeit an als begleitende Basis im Vordergrund. Die Betrachtung geht von ihrer
internen Organisation aus, die als Grundlage den Islam hatte, also ihre Religion, die über
ökonomische und inklusive politische Aspekte die Priorität setzte. Für die Dyula und Yarse
bedeutete sie die Kohäsionskraft für die Anpassung an zwei unterschiedliche politische Situationen.
Ivor Wilks berichtet in seinem Beitrag (2000: 97, 98) über al-Hajj Salim Suwari, einen Soninke
Gelehrten, der zu der Linie der Maliki87 Rechtsschule gehörte. Er hatte Lebensführungsrichtlinien
für Muslime formuliert, die sich an Beziehungen zu den Ungläubigen (Fremde/nicht-muslimische)
orientierten. Das Grundprinzip dieser Richtlinien war, dass im Land der Ungläubigen Toleranz,
Pazifismus und eine vorbildliche islamische Lebensführung ausgeübt werden sollte, da es Gottes
Wille war „manche Menschen länger im Stadium der Unwissenheit verharren zu lassen als andere“
(Bauer 2007: 74). Diese Formulierungen waren in einer Weise die Form, wie die Muslime weiter
Handel mit der nicht-muslimischen Bevölkerung in Länder, wo das Gesetz des Islams nicht
regierte, treiben könnten.88 Als Beispiel dafür haben die Dyula und die Yarse sich friedlich in die
gastgebenden Gesellschaften eingegliedert.

Mit einigen Ausnahmen hatten sich die Dyula in Regionen ausgebreitet, wo die dort angesiedelten
Gesellschaften politisch akephal waren, während die Yarse, im Gegenteil, in der Region des Mossi-
Reiches eine zentralisierte politische Organisation (Königreich) vorfanden, die vor ihrer Ankunft
schon seit ca. vier Jahrhunderten etabliert war. Diese Tatsache führte dazu, dass auf der einen Seite
die Dyula in ihrer Region großen ökonomischen Reichtum gewinnen konnten, ohne zusätzliche
Kontrollen (Steuern, Beschränkungen), die ein Königsreich oder zentralisierter Staat hätte
festsetzen können. Auf der anderen Seite mussten sich die Yarse in das politische System der Mossi
eingliedern, um die begehrten Routen zwischen Norden (Djenne, Timbuktu) und Süden
(Nordghana) zu beherrschen. Sie konnten tatsächlich das Monopol über den Handel fast zwei
Jahrhunderte lang für sich behaupten, bis die Dyula aus dem Westen und die Hausa aus dem Süden
kamen.

Die politische passive Haltung der Yarse kann mit der Abmachung zwischen ihnen und den Mossi-
Königsherren erklärt werden, indem die erst Genannten Privilegien bekommen hatten, die für
87 Die Linie der Maliki Rechtsschulen basiert auf der Arbeit „Muwatta“ von Imam Malik b. Anas. Siehe Wilks 2000:
97.
88 Ein wichtiger Aspekt hier zu berücksichtigen ist das Goldbedürfnis des imperialen Mali (Mansa Munsa 14. Jh.), als
die Goldgrabungen während der Ausdehnung des Reiches ausfielen. Siehe Wilks 2000:95.

16
sichere und stabile Handelsbedingungen in Moogo sorgten. Im Gegensatz dazu fanden die Dyula
kein zentralisiertes Königreich in der Kong-Region vor, das ihnen diese Sicherheitsbedingungen
hätte anbieten können. Aus diesem Grund schlossen sie Allianzen mit lokalen Herrschern,89 die zur
gegenseitigen Sicherheit dienten. Außerdem waren sie entweder selbst Watara-Krieger, oder
Händler die mit den Watara alliiert waren und damit durch die Institution der Watara-Häuser die
Funktion einer Sicherheitsarmee erfüllten. Deshalb zeigten die Dyula in der Kong-Region eine
aktive politische Einstellung, die das Ergebnis des sozialpolitischen Prozesses am Anfang des 18.
Jh. war: die Kumulation von Dyula-Händlersiedlungen an Handelszentren und Handelsrouten; die
vielfältigen verschiedenen Watara-Häuser auf dem Land, die eine militärische Basis bildeten;
animistische akephale Bevölkerung (Autochthone), die ein symbiotisches und pazifistisches
Zusammenleben mit den Dyula ausübte (aus ökonomischen Interessen und Allianzen); natürliche
Ressourcen in der Umgebung, Goldminen, Kola-Nuss Produktion und Sklaven, alles drei wichtige
Ware für den Handelsaustausch mit dem Norden; und endlich die Kumulation der ökonomischen
Macht von Minoritäten wegen der Beherrschung des Fernhandels und der Handelsnetze.

Die Dyula waren deshalb fähig ein Pseudo-Reich zu etablieren, das Kong-Reich wurde gegründet.
Pseudo-Reich, weil Kong nicht die vollständigen Charakteristika eines zentralisierten
Königreiches90 hatte. Als Reich hatte Kong in diesem Sinn doch keine Regierung, sondern war „(...)
ein loser Verbund, der durch Eroberungszüge zusammengefügt und durch den Zwang zu Abgaben
und Tributen zusammengehalten wurde.“ (Bauer 2007: 95).

Dyula und Yarse sind muslimische Händlerminoritäten geblieben, die in Westafrika in dem Kong-
und Mossi-Reich großen ökonomischen Einfluss hatten. Die jeweilige aktive (im Kong-Reich) und
passive (im Mossi-Reich) politische Haltung war nur die Bestätigung ihrer kommerziellen Ziele, die
durch die Regeln des Islams reglementiert waren. Deshalb hatten sich diese zwei Gruppen
strategisch mit der pazifistischen Anpassung in die Territorien des heutigen Burkina Faso
positioniert, sich trotzdem wegen ihrer muslimischen Lebensweise fremd und privilegiert gehalten,
und außerdem aus der jeweiligen politischen Lage beider Gesellschaften-Komplexe Nutzen
gezogen. Das bedeutete für sie, auf der Seite der Dyula, eine politisch aktive Einstellung (da sie auf
gute Grundbedingungen stießen), und auf der Seite der Yarse, eine politisch passive Haltung.

89 Zum Beispiel die Allianz Jaana-Dyula in dem Krieg von Loto. Siehe Oberhofer 2008: 92. Siehe auch für Dyula-
Allianzen Oberhofer 2008: 31,32, 125 und Bauer 2007: 74.
90 Zum Beispiel fehlende einheitliche politische und ökonomische Ziele, Gewaltmonopol des Staates, usw. Siehe Trost
1989: 29, 30.

17
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19
6 Anhang

Abbildung 1: Autor: Garnier, F. A., 1803-1863 Datum: 1862 Kurzer Titel: Afrique
occidentale et centrale. Verlag: Paris: Veuve Jules Renouard, Libraire

Abbildung 2: Autor: Garnier, F.A. -


Vergrößerung der Abbildung 1

20
Abbildung 3: Ausdehnung des Kong-Reiches gegen Mitte
des 18. Jahrhunderts. Nach Ajayi/Crowder 1975: 278.

21
Abbildung 4: Handelsrouten von verschiedene Händlergruppen. Binger, Capt. C.,
Du Niger au Golfe de Guinée par le pays de Kong et le Mossi, Paris: 1892, 2 vols.

Abbildung 5: Das Mossi-Reich in Westafrika, nach Izard


2003: 114.

22
Abbildung 6: Die politische Grenzen im Mossi-Reich am
Ende des 19. Jhs. Nach Izard 1985b: 529.

23