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3.

1 Allgemeine Angaben zum Teilprojekt A8


3.1.1 Titel:
Germanen als temporäre Nomaden im Römischen Reich (4.-6. Jahrhundert nach
Christus). Herrschafts- und Gefolgschaftsformen, soziale Strukturen, kultureller
Austausch

Germanic Peoples as Temporary Nomads in the Roman Empire (4th-6th Century


A.D.). Rule and Retinue, Social Structures, Cultural Exchange

3.1.2 Fachgebiete und Arbeitsrichtung:

Alte Geschichte, Sozial- und Siedlungsgeschichte

3.1.3.1 Leiter:

Professor Dr. Andreas Mehl

Seminar für Klassische Altertumswissenschaften


Lehrstuhl für Alte Geschichte
Universitätsplatz 12

D-06114 Halle (Saale)


3.1.3.2 Fachberater

Professor Dr. Matthias Springer


Institut für Geschichte
Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters
Otto-von-Guericke-Universität
Zschokkestraße 32, Gebäude 40

D-39016 Magdeburg

N.N. (Dr. Harald Meller)


Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
Sachsen-Anhalt Landesmuseum für Vorgeschichte
Richard-Wagner-Str. 9
3.2. Kurzzusammenfassung

Die Phase zwischen dem ersten Grenzübertritt und der Etablierung eigenständi-
ger germanischer Königreiche auf römischen Boden zwischen dem 4. und 6. Jh.
n. Chr. in Gallien, Italien, Spanien und Nordafrika bildet den Untersuchungs-
rahmen. Die Forschung hat im Zusammenhang mit den germanischen Bevölke-
rungsverschiebungen die naheliegende Annahme von fließenden Übergängen
zwischen nomadischer und sesshafter Lebens- und Wirtschaftsweise während
dieser Wanderungen vollständig ausgeklammert. Jedoch liefern zahlreiche Quel-
lenbelege konkrete Anhaltspunkte für die Annahme, dass Germanen auf ihren z.
T. jahrzehntelangen Märschen nomadische Fertigkeiten und Verhaltensweisen
adaptierten. Es soll nicht nur untersucht werden, ob der Wandel von Lebensge-
wohnheiten im Rahmen der gemeinsamen Wanderungen germanischer Gruppen
(Vandalen, Ost- und Westgoten) und nomadischer Stammesverbände (Hunnen,
Alanen) ausschließlich kontaktinduziert erfolgte, sondern auch, inwieweit er von
den auf diesen Wanderungen ständig wechselnden Lebensumständen hervorge-
rufen wurde.
3.4 Geplante Weiterführung des Teilprojekts
3.4.1. Ausgangsfragestellung

Die althistorische Germanenforschung hat die naheliegende Annahme von flie-


ßenden Übergängen zwischen nomadischer und sesshafter Lebens- und Wirt-
schaftsweise während dieser Wanderungen vollständig ausgeklammert und ein-
schlägige Andeutungen der Quellen nicht unter diesen Gesichtspunkten interpre-
tiert sowie oftmals auch nicht erkannt. Nur die wichtigsten Fragen, die wegen
dieses Versäumnisse bislang nicht gestellt wurden, sollen hier genannt werden:
- Wie lange waren die ‚Wander-Intervalle’, kam es währenddessen regel-
haft zu ‚sesshaften’ Ruhe- bzw. Vorratsunterbrechungen, wenn ja, wurden
während dieser ‚Pausen’ mobile oder (kurz-) permanente Siedlungsag-
glomerationen errichtet?
- Wurde während der Wanderungen von den germanischen Stämmen über-
haupt noch und wenn ja, in welcher Intensität Ackerbau betrieben?
- Führten die migrierenden Gruppen Vieh mit oder Vorräte in größeren
Mengen oder erfolgte ihre Versorgung durch die endemische sesshafte
(Land-) Bevölkerung auf dem Weg, so dass nichts mitgeführt werden
musste?
Neben Fragen nach der Wirtschaftsweise während der Wanderungen müssen
auch solche nach der Lebensweise gestellt werden:
- Lebten die germanischen Verbände in Zelten oder ließen sie sich jeweils
solange nieder, dass feste Behausungen errichtet werden konnten?
- Ist eine zeitweise Niederlassung während der Wanderung überhaupt
nachweisbar oder erfolgte eine solche erst wieder am Zielort?
- In welchem Umfang lassen sich für die germanischen Stämme der Ge-
brauch von Pferden sowie die Übernahme reiternomadischer Gewohnhei-
ten und Fertigkeiten beobachten?
Es ist zuvorderst zu klären, wie es die germanischen Stämme geschafft ha-
ben, als ehemals Sesshafte diese mobile Periode zu überstehen und welche Ver-
änderungen in der Lebensführung damit verbunden waren. Zahlreiche Quellen-
belege liefern konkrete Anhaltspunkte für die Annahme, dass Germanen auf ih-
ren z. T. jahrzehntelangen Märschen nomadische Fertigkeiten und Verhaltens-
weisen adaptierten. Es soll nicht nur untersucht werden, ob der Wandel von Le-
bensgewohnheiten im Rahmen der gemeinsamen Wanderungen germanischer
Gruppen (Vandalen, Alamannen, Langobarden) und nomadischer Stammesver-
bände (Hunnen, Alanen) ausschließlich kontaktinduziert erfolgte, sondern auch,
inwieweit er von den auf diesen Wanderungen ständig wechselnden Lebensum-
ständen determiniert wurde. Indem das Projekt den zahlreichen Hinweisen no-
madisierender bzw. semi-sesshafter germanischer Stammesformationen (West-
und Ostgoten, Gepiden, Markomannen) nachgeht, sollen Ursachen, Gestalt und
Wirkungen der Übergänge und Vermischungen nomadisierender und sesshafter
Lebensformen, die sich während der Langzeitwanderungen germanischer
Stämme erkennen lassen, ermittelt werden. Da die Germanenforschung Lebens-
formen als statisch/hermetisch betrachtet und deren Dynamik bislang nicht ein-
mal als Problemstellung erkannt hat, ist eine entsprechende Untersuchung über-
fällig.
Der Vorstoß der Hunnen in den nordöstlichen Donauraum löste seit 375 eine
Kettenreaktion aus, die als sogenannte „Völkerwanderungszeit“ bekannt ist und
in deren Verlauf eine Reihe vormals sesshafter germanischer Völker in das rö-
mische Reiches eindrangen, bis sie schließlich nach oft jahrzehntelanger Wan-
derzeit auf römischem Provinzboden eigene Königreiche gründeten: so die
Westgoten im südwestlichen Gallien, die Vandalen in Afrika und die Ostgoten
in Italien. Namentlich die Vandalen und die Ostgoten haben rund dreißig Jahre
und länger, d. h. über eine ganze Generation, eine mobile Existenz geführt. Das
Projekt will untersuchen, wie es die Germanen geschafft haben, als ehemals
Sesshafte diese mobile Periode zu überstehen und welche Veränderungen in der
Lebensführung damit verbunden waren. Bei diesen Wanderungen kann man
schwerlich von bloßen Migrationen sprechen, da sie weder planmäßig noch re-
gelhaft verliefen, sondern vielmehr von den Zufällen der Politik ebenso be-
stimmt waren wie von der Notwendigkeit einer ausreichenden Nahrungsmittel-
versorgung. Daher sind die zu untersuchenden Phänomene auch keineswegs mit
jenen neuzeitlichen Erscheinungen, die gemeinhin kaum zielführend mit dem
Begriff ‚Arbeitsmigration‘ beschrieben werden, korrelierbar. Denn die Viel-
schichtigkeit sowohl der die Germanenwanderungen auslösenden Faktoren als
auch ihrer Wirkungen auf einzelne Stämme und deren Angehörige verbieten di-
achrone Vergleiche sowie allzu ‚griffige‘, weil monokausale Erklärungen. Die
Migration germanischer Stämme kann nämlich mitnichten als eine Ortsunge-
bundenheit benannt werden, die lediglich der Erschließung von Ressourcen zur
Sicherung der Lebensgrundlage diente, sondern war in mindestens ebensolchem
Maße auch der Notwendigkeit der Aneignung immer neuer Lebensräume ge-
schuldet. Die sich daraus während der Wanderungen der Germanenstämme er-
gebenden Veränderungen, die nicht nur die ethnische Zusammensetzung der
einzelnen Völker betrafen, sondern auch deren Sozialstruktur, die Lebens- und
Kriegführung und die Wirtschaftsweise zu nomadisieren begannen (grundsätz-
lich, allerdings die Germanen nicht in nomadischem Kontext betrachtend,
Berndt, Konflikt; Castritius, Vandalen; Wolfram, Goten; ohne auf die Germa-
nenwanderungen einzugehen zudem Häusler, Nomaden; László, Steppenvölker),
bilden den Untersuchungsrahmen des vorliegenden Projektes. So fusionierten
beispielsweise die Vandalen dauerhaft mit reiternomadischen Alanen, die Ost-
goten zeit- und teilweise mit Hunnen und Rugiern. Bei Vandalen und den Goten
hat sich im Laufe der Wanderung das Königtum als oberste politische Instanz
durchgesetzt und seine Stellung gegenüber dem ‚Adel’ gestärkt. Was die West-
goten angeht, so hat man gar von einer „Verreiterung“ (so Wolfram, Goten; Cas-
tritius, Vandalen) dieser ehemaligen Fußkrieger gesprochen und schließlich ist
der massive Gebrauch von Zelten und Wohnwagen für die wandernden Germa-
nen wiederholt in den Quellen bezeugt (Berndt, Konflikt; Häusler, Nomaden;
László, Steppenvölker). Es versteht sich von selbst, dass solche Veränderungen
keine isolierten Phänomene waren, sondern Auswirkungen auf die gesamte Le-
bens- und Wirtschaftsweise zeitigten, z. B. eine Zurückdrängung des Ackerbaus
und eine wesentlich stärkere Rolle der Viehzucht. Als überaus bezeichnend er-
scheint es in diesem Zusammenhang, dass einzelne römische Autoren die wan-
dernden Germanen als Nomaden ansprachen (Ammianus Marcellinus; Isidor).
Die Erforschung der skizzierten Phänomene einer endemisch sesshaften ger-
manischen Stammesbevölkerung, deren temporäres Nomadisieren eben nicht
nur auf ihre offensichtliche Gruppenmobilität beschränkt blieb, stellt nicht nur in
der Germanenforschung ein Desiderat dar, sondern bildet auch innerhalb des
SFB ein völlig neues Paradigma, das die Forschungsperspektiven durch die Er-
weiterung der Anwendungszusammenhänge des klassischen Nomadismusbegrif-
fes samt seiner Bestandteile wesentlich zu befördern imstande sein wird. Das
Projekt bietet erstmals die Gelegenheit, die statische Erforschung von Sesshaf-
tigkeit und Nomadismus um Übergangsformen zwischen beiden Lebensweisen
zu erweitern. Die angestrebte Untersuchung greift hierin zudem ein zentrales
Paradigma des Sonderforschungsbereiches auf, wonach das Postulat einer gene-
rellen Überlegenheit des Prinzips des Sesshaften über das des Nomadischen kei-
nesfalls allgemeine Gültigkeit beanspruchen kann. Da in der althistorischen
Germanenforschung diese Untersuchungsziele nicht einmal als Fragestellung
formuliert worden ist, erscheint eine entsprechende Bearbeitung überfällig.

3.4.2. Quellenlage

Der unheilvolle Einfluss, den Caesar (de bello Gallico) und Tacitus (Germania)
bis in die Neuzeit auf die Wahrnehmung der sozialen, politischen und ethni-
schen Strukturen der germanischen Stämme hatten, konnte erst durch detaillierte
Untersuchungen des segmentären Charakters germanischer Verbände seit den
60er Jahren des 20. Jahrhunderts allmählich beseitigt werden (ausgehend von
Wenskus, Stammesbildung; zuletzt in diesem Sinne Pohl, Germanen). Beson-
ders die zunehmenden archäologischen Daten haben dazu beigetragen, die ethni-
sche Disposition und den Verlauf der germanischen Wanderungen diversifizier-
ter zu sehen (exemplarisch, auch zum Forschungsstand, Berndt, Konflikt; Brat-
her, Ethnische Interpretationen und Mączyńska, Völkerwanderung). Dennoch
verbleibt die Kombination bekannter schriftlicher Überlieferung mit jüngerem
archäologischem Material oftmals selektiv und oberflächlich. Dies führt dazu,
dass die soziale, politische und ökonomische Dynamik, die Langzeitwanderun-
gen zwangsläufig auf germanische Stämme und ihre materiellen Hinterlassen-
schaften entfalteten, als ausschließlich topisch abgetan werden und einschlägige
Quellenhinweise, die einen solchen Wandel germanischer Lebens- und Wirt-
schaftsweise implizieren, entsprechend einseitig interpretiert werden (kritisch
hierzu auch bspw. Wenskus, Randbemerkungen; Brather, Ethnische Identitäten).
Schon Seneca war sich bewusst, dass „ganze […] Völker ihren Wohnsitz ver-
lassen […]. Ihre Kinder und Frauen und ihre […] Eltern nahmen sie mit. Man-
che wählten sich, nachdem sie lange umhergeirrt waren, nicht nach reiflicher
Überlegung einen Platz, sondern erschöpft besetzten sie den nächstliegenden;
[…] Den einen führte dieser, den anderen jener Grund aus seiner Heimat. […]“
(dialogi 11, consolatio ad Helviam 7, 3-5). Obwohl seine Ausführungen allge-
meiner Natur sind, keine Namen nennen und auch keinerlei Details zu den Aus-
wirkungen der Wanderungen auf die Lebensweise der ‚Völker‘, erweisen sich
doch bereits hier zwei Phänomene, die innerhalb der modernen Fachwelt nach
vor nicht selbstverständlich sind: In der Antike waren längere Wanderungen
größerer Gruppen eigentlich sesshafter Bevölkerungen also nichts Ungewöhnli-
ches. Außerdem zeigt sich hier auch, dass solche ‚Züge‘ oder ‚Märsche‘ inner-
halb des Römischen Reiches keineswegs immer nur im Rahmen zielgerichteter
Heeresfolge für den römischen Kaiser erfolgten (wie das bspw. Pohl, Völker-
wanderung, pauschal unterstellt), da demographisch vollständige Verbände
(Frauen, Kinder, Alte) selbstverständlich genannt werden.
Ausgehend von dieser Grunderkenntnis muss der Aussagewert auch jener
Bemerkungen zeitgenössischer Autoren, die hier nur summarisch genannt wer-
den können, die germanischen Stämmen partielle nomadische Lebensweisen
und Fertigkeiten zuweisen, ernsthaft überprüft werden. Einschlägige Hinweise
zur Lebensweise finden sich für die Gepiden und vor allem Geten bei Iordanes
(de origine actibusque Getarum), der zudem durch die nur bei ihm gegebenen
Auszüge aus der Gotengeschichte des Cassiodoros (variae epistulae; chronica;
Gotengeschichte) entsprechende Fingerzeige auch für diese liefert. Demgegen-
über legen Claudian (de bello Pollentino sive Gothico) und Isidor von Sevilla
(de origine Gothorum, vormals auch als historia Wandalorum, Sueborum, Go-
thorum bekannt) ihr Augenmerk hauptsächlich auf die militärischen Fertigkeiten
der Goten. In dieser Hinsicht betonen beide die Qualitäten der ostgotischen Ka-
vallerie, deren Existenz allein schon die Annahme nahelegt, der Kontakt zu den
nomadischen Hunnen, mit denen die Goten ihre Wanderung ja begonnen hatten,
habe letztere zu Reitern gemacht. Bestätigung findet diese Einschätzung in der
Darstellung des Ammianus Marcellinus (res gestae), der die Goten im Zusam-
menhang mit ihrem Donauübertritt (noch) als einen von Fußkriegern dominier-
ten Stammesverband wahrgenommen hatte.
Gregor von Tour (decem libri historiarum, vormals auch als historiae Fran-
corum bekannt) für die Franken, Beda (historia ecclesiastica gentis Anglorum)
für die Angeln und Paulus Diaconus (historia Langobardorum) für die Lango-
barden bieten zumindest punktuelle Anhaltspunkte zum Alltagsleben unterwegs
(zu ihrer Überlieferung Goffart, Narrators). Die nahezu 30-jährige Wanderung
der Vandalen bis nach Nordafrika war nicht nur für zeitgenössische Autoren von
besonderem Interesse. Während sich Cassius Dio (Rōmaikè historía) mit den
Anfängen in Dakien beschäftigt und die Vandalen beziehungsweise ihre einzel-
nen Stammessegmente im sesshaften Kontext beschreibt, kontrastiert dies vor
allem Prokop (bellum Gothicum und bellum Vandalicum) mit seinem natürli-
chen Schwerpunkt auf der Darstellung militärischer Ereignisse nach der Lan-
dung in Nordafrika, die jedoch auch Berichte über Lebensgewohnheiten ein-
schließt.
Die Sammlung und die Auswertung sämtlicher literarischer Hinweise, die ei-
ne Veränderung der ursprünglich sesshaften Gewohnheiten germanischer
Stämme während ihrer Wanderungen implizieren und deren Verbindung mit
ebenso zusammenzustellenden archäologischen Befunden dient im vorliegenden
Projekt dazu, zu zeigen, dass tatsächliche Adaptionen nomadischer Fertigkeiten
sowie Lebens- und Wirtschaftsweisen die im Zusammenhang mit den Germa-
nenwanderungen leichthin unterstellte Nomadentopik oftmals überwiegen.

3.4.3. Ziele

Im Wesentlichen ausgespart blieb bisher die explizite Frage nach Übergangser-


scheinungen auf der Grenze zwischen rein nomadischen und rein sesshaften Be-
völkerungsgemeinschaften, die erwartbar vorhanden gewesen sein müssen. Mit
der Untersuchung dieser Übergangsphänomene, deren Existenz sich erst wäh-
rend der bisherigen Arbeit anzudeuten begann, findet das Gesamtprojekt seinen
synthetischen Abschluss. Im Verlauf der bisherigen Arbeit hat sich sowohl für
den nordosteuropäischen Raum, vornehmlich für den westpontischen Balkan-
raum (D8 2004-2008), als auch für den Vorderen Orient (C4 2001-2004) aus
wiederholten Hinweisen der antiken Schriftquellen zudem die Annahme verfes-
tigt, dass die Nomaden in ihrer Subsistenzwirtschaft grundsätzlich autark waren
und durchaus ohne permanenten Kontakt zur sesshaften, Ackerbau betreibenden
Bevölkerung existieren konnten. Trotzdem boten die Städte und Dörfer der
sesshaften Bevölkerung vielfach Gebrauchsgegenstände und Luxusgüter auf ei-
nem qualitativ höheren Niveau sowie zudem Ackerbauprodukte zur Ergänzung
des eigenen Nahrungsangebotes, die von nomadischer Seite ohne Zweifel be-
reitwillig erworben und konsumiert wurden.
In der letzten Förderphase des SFB schließlich soll das vorliegende Projekt
durch seine Erweiterung um Interdependenzen nomadischer und sesshafter
Lebensweisen abgeschlossen werden. Hier soll jenen Quellenhinweisen, die
bislang nicht im Zentrum des Projektes standen, nachgegangen werden, die
Fragen danach aufwerfen, ob der Wandel von Lebensgewohnheiten im Rahmen
gemeinsamer Wanderungen sesshafter, vor allem germanischer Gruppen (bspw.
Vandalen, Alamannen, Langobarden) und nomadischer Stammesverbände
(Hunnen, Alanen, Rugier) ausschließlich kontaktinduziert erfolgte und
inwieweit er von den auf diesen Wanderungen ständig wechselnden
Lebensumständen determiniert wurde. Indem das Projekt diesen zahlreichen
Hinweise auf nomadisierende bzw. semi-sesshafte germanische
Stammesformationen (West- und Ostgoten, Gepiden, Markomannen) nachgeht,
sollen Ursachen, Gestalt und Wirkungen der Übergänge und Vermischungen
nomadisierender und sesshafter Lebensformen, die sich während der
Langzeitwanderungen germanischer Stämme erkennen lassen, ermittelt werden.
Denn nicht nur durch regelhafte Kontakte zwischen ausschließlich nomadischen
und rein sesshaften Bevölkerungsgruppen sowie der Vermischung ihrer
jeweiligen Lebensräume und -umstände konnten sich offenbar
Übergangsphänomene zwischen beiden Lebensweisen ergeben, sondern auch
durch die Veränderung vermeintlich statischer Parameter Lebensräumen und -
umständen. Durch die bisherige Arbeit ergaben sich bereits Anhaltspunkte
dafür, deren eingehendere und gesonderte Untersuchung mehr als
vielversprechend erscheint: Offenbar konnten nicht ortsfeste Lebensumstände
bzw. wechselnde Lebensräume aus Ackerbauern und/oder Viehzüchtern
temporär (Semi-)Nomaden werden lassen, die dann, selbst während ihrer
Wanderschaft völlig unproduktiv, als reine Nutznießer auf Kosten der sesshaften
Landbevölkerung in ihren jeweiligen Wander- und Streifgebieten existierten. Sie
konnten, wenn das umgebende bäuerliche Substrat ausgezehrt war oder nicht
mehr genug produzierte, sogar zu Razzien übergehen, vor denen auch eigene
sesshafte Stammesangehörige nicht verschont blieben (wie bspw. im Falle der
Seldschuken) oder einfach weiterziehen (Hunnen, Ostgoten, Vandalen,
Alamannen).
Wurden bislang die Beziehungen zwischen endemisch-nomadischen
Bevölkerungen und dem römischen bzw. byzantinischen Reich vom 1. Jh. v.
Chr. bis ins 14. Jh. n. Chr. unter dem Gesichtspunkt wechselvoller Interaktion
und Konfrontation dieser beiden Lebensformen als ‚hermetische‘ Kategorien
untersucht, erfolgt in der dritten Phase eine Erweiterung um die beschriebenen
Prozesse des ‚Verwischens‘ rein nomadischer und rein sesshafter Lebensformen,
die sich zunächst für jene germanischen Stämmen (Ostgoten, Vandalen,
Alamannen, Langobarden) andeuten, die im Gefolge der Hunnen, Alanen und
Rugier ab dem 4. Jh. auf Reichsboden übergetreten sind. Trotz vollkommen
anderer historischer rahmenbedingen zeigte die bisherige Projektphase generell
vergleichbare Phänomene des Übergangs nomadischer Fertigkeiten auf Teile der
sesshaften Bevölkerung: Im 11. und 12. Jahrhundert verursachten die
nomadischen Kumanen und Petschenegen auf der Krim einen Wechsel vom
Geld- zum Tauschhandel innerhalb des sesshaften Milieus. Stand dies bislang
am Rande der Projektarbeit, treten die Übergänge nun ins Zentrum der
Untersuchungen. Dass es sich bei den auf römisches Territorium übertretenden
germanischen Stammesformationen um traditionell sesshaft lebende Gruppen
handelte, die zum Teil generationenlang der zentralen Bedingung eines solchen
Lebens, einer ortsfesten Siedlung nämlich, beraubt waren, ermöglicht in
exemplarischer Weise Übergänge zwischen ausschließlich sesshaften und rein
nomadischen Lebensformen zu untersuchen und damit über die
Vorgängerprojekte C4 (2001-2004) und D8 (2004-2008) hinauszugehen. Die
Ausdehnung des Anwendungsrahmens des traditionellen Nomadismusbegriffes
auch auf jene Bevölkerungsgruppen, die nur temporär die diesen Begriff
definierenden Parameter vollständig oder zum Teil erkennen ließen, wie eben
germanische Stämme, gestattet erstmals, Auswirkungen eines langfristig nicht
ortsfesten Lebens, das sich nur durch das Fehlen von Jahreszyklen von
persistentem Nomadentum unterschied, auf Sozial- und Wirtschaftsweise
traditionell sesshafter Bevölkerungen zu untersuchen.

3.4.4. Stand der Forschung

Den historischen Rahmen der angestrebten Untersuchung bildet ab dem Ende


des 3. Jahrhunderts jene Epoche, die gemeinhin unter dem pauschalen Begriff
‚Völkerwanderung‘ firmiert. In der zweiten Förderphase (2004-2008) konnte
das vorliegende Projekt (D8) in diesem Zusammenhang bereits für die aus dem
Norden über die Donau in den Balkanraum seit dem 6. Jahrhundert eindringen-
den nomadischen Gruppen zeigen, dass die sozialen und ethnischen Phänomene,
die während der Wanderungen segmentärer Gesellschaften zu beobachten sind,
mit einem derart summarischen Begriff nicht zu erfassen sind. Auch die in der
kommenden Förderphase zu untersuchenden Wanderungen germanischer
Stämme erfahren seit jeher durch diesen Begriff eine unzulässige Präjudizie-
rung. Denn sowohl einzeln als auch in ihrer Kombination bilden beide Bestand-
teile dieses Begriffes die ihm zugrundeliegenden Phänomene nur unzureichend
ab (so bspw. auch Pohl, Völkerwanderung). Einerseits werden mit dem pauscha-
len ‚Völker’-Begriff Binnenidentitäten der beteiligten Stämme und komplexe,
kleinteilige ethnische Prozesse verdeckt (Einzeluntersuchungen solcher Prozesse
finden sich z. B. bei Berndt, Konflikt; Pohl, Difference; Wenskus, Stammesbil-
dung; Wenskus, Möglichkeit; Hachmann, Germanen). Auf der anderen Seite
handelt es sich bei den Bewegungen der germanischen Stämme auf römischem
Territorium um Erscheinungen, die präziser mit Bezeichnungen wie ‚Bevölke-
rungsverschiebung‘, ‚Eroberung‘ oder ‚Integration‘ zu charakterisieren wären,
denn sie als indifferente ‚Wanderungen’ zu benennen (generell dazu Burmeister,
Ursachen; Goetz, Regna). In diesem Zusammenhang von einem Missverständ-
nis der großen Wanderungsbewegungen seit dem 2. Jahrhundert zu sprechen,
dass die Sicht auf die an ihnen beteiligten segmentären Gesellschaften und ihre
Erforschung bis heute erheblich beeinflusst, ist ein wesentliches Ergebnis der
bisherigen Arbeit. Hiervon sind die bisher untersuchten nördlichen Nomadenbe-
völkerungen (D8) und die germanischen Stammesverbände gleichermaßen be-
troffen. Unter letzteren einzelne, klar eingrenzbare ‚Völker‘ auszumachen und
sie namentlich zu identifizieren führt dazu, sie durch ihre Wanderungen gleich-
sam als monolithische Blöcke von A nach B versetzt zu sehen, ohne ihre Inter-
aktion mit während der Migration vergesellschafteten Nomaden (z. B. Vandalen
mit Hunnen und Alanen) oder mit der sesshaften Landbevölkerung in den
Durchzugsgebieten auch nur als Problemstellung zu erkennen (punktuell, ohne
allerdings eine Verbindung zum Nomadismus zu sehen, Berndt, Konflikt; Castri-
tius, Vandalen; Castritius, Vielfalt; Pohl, Völkerwanderung; Goetz, Regna). Die
Aufrechterhaltung einer rein sesshaften Lebens- und Wirtschaftsweise allein
schon während eines Migrationszyklus‘ von nur wenigen Jahren ist kaum wahr-
scheinlich; erst recht muss davon bei Wanderintervallen von mehreren Jahrzehn-
ten, auf denen ganze Generationen von Nachkommen geboren wurden, die nie
eine ortsfeste Lebensweise kennengelernt hatten, ausgegangen werden (allge-
mein Berndt, Konflikt; Häusler, Nomaden; László, Steppenvölker). Unzählige
Untersuchungen einzelner germanischer Stämme beschränken sich aber nach
wie vor darauf, statische Lebenssituation zu unterstellen beziehungsweise ledig-
lich historische Prozesse wie die germanische Landnahme oder politisch-
militärische Einzelaspekte im Kontext der Errichtung ihrer ‚Reiche‘ zu erfor-
schen (exemplarisch sind in dieser Hinsicht zu nennen Goffart, Map; Burns,
Ostrogoths; Christie, Lombards; Chrysos, Concepts; Wolfram, Geschichte; Clo-
ver, Vandals; Ewig, Frankenreich).
Oft werden germanische Wanderungsbewegungen und Grenzübertritte als nur
ereignisgeschichtliche Phänomene im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf das
römische Reich behandelt (wie z. B. bei Wolfram, Reich; Franke, Rom; Whitta-
ker, Frontiers; Cameron, Empire; Goffart, Map). Aber auch die Untersuchungen
zu einer ‚germanischen Ethnogenese’ stellen die wesentlichen Fragen, die im
Zentrum dieses Projektes stehen werden, nicht (das gilt bspw. Pohl, Germanen;
Beck, Germanenprobleme; Wenskus, Stammesbildung). Die Überlegungen er-
folgen bislang lediglich auf der Basis folgender ‚Hauptkategorien’: 1. existierte
ein Gemeinschaftsbewußtsein, 2. kann von einem Identitätsempfinden bzw. ei-
ner Identitätsbildung (während der Wanderungen) gesprochen werden, 3. verur-
sachte ein ethnisch fremdes Umfeld ein (ethnisches oder kulturelles) Zugehörig-
keitsgefühl und schließlich 4. lässt sich die Herkunft der Ur-Germanen bzw.
einzelner Stämme rekonstruieren (exemplarisch hierfür stehen Lund, Gesamtin-
terpretation; Wagner, Germanenbegriff)? Dass es je eine germanische Selbstbe-
zeichnung als ‚Germanen‘ gegeben hat, ist jedenfalls als unwahrscheinlich zu
bezeichnen (das erkannte bereits Dannenbauer, Werden, ansonsten aber proble-
matisch; zudem jüngst dazu Fried, Weg). Natürlich ist in diesem Zusammenhang
auch hervorzuheben, dass die germanischen Stämme während ihrer Bewegun-
gen einer permanenten Veränderung durch Akkumulation und Akkulturation in
wechselnden Umfeldern unterlagen (so bspw. Berndt, Konflikt; Pohl, Völker-
wanderung; Wolfram, Goten; Wenskus, Stammesbildung, ohne Erscheinungen
des Nomadisierens zu thematisieren). Die Fortschritte einer differenzierten Er-
forschung aller Bereiche ‚germanischen (Alltags-)Lebens, die besonders in den
zurückliegenden beiden Jahrzehnten erzielt werden konnten, dokumentieren das
Reallexikon der Germanischen Altertumskunde und seine Ergänzungsbände. Die
Erträge zahlreicher Detailuntersuchungen, bspw. auf dem Gebiet der Onomastik
(so Geuenich, Nomen; Geuenich, Person), der Akkulturation in neuen Sied-
lungsgebieten und verändertem politisch-sozialen Umfeld (Berndt, Konflikt; Hä-
gemann, Akkulturation), aber auch der Ethnoarchäologie (Brather, Ethnische
Interpretationen; Wenskus, Randbemerkungen), können nicht darüber hinweg-
täuschen, dass entscheidende, besonders durch zahlreiche Schriftquellen aufge-
worfene Fragen nach dem Charakter germanischer Lebens- und Wirtschaftswei-
sen während der Langzeitwanderung, nach wie vor einer Bearbeitung harren
(Beck, Germanenprobleme, wobei semi-sesshafte bzw. nomadisierende Aspekte
jedoch ausgeklammert bleiben). Denn dass es sich bei diesen Trecks germani-
scher Stämme in (Mittel-)Europa generell nur um „wohlorganisierte Märsche
eines […] Foederatenheeres auf Befehl des Kaisers […]“ handelte, „denen sich
[…] aus vielerlei Gründen Kämpfer und Nichtkämpfer, Frauen und Kinder,
Sklaven und Abenteurer anschlossen“ (wie Pohl, Völkerwanderung meint), muss
durchaus bezweifelt werden. Das eigentliche Desiderat bildet aber die Untersu-
chung des Verlaufes dieser „Märsche“, auf denen endemisch sesshafte Germa-
nen offenbar temporär nomadische Fertigkeiten, Lebens- und Wirtschaftsweisen
aneigneten. Obwohl dies in der Forschung jüngst gelegentlich angedeutet wurde
(Berndt, Konflikt; Castritius, Vandalen; Wolfram, Goten) unterbliebt jede wei-
tergehende Untersuchung. Die Selbstverständlichkeit, mit der auch die germani-
schen Stammesgruppen, die sich über mehrere Generationen auf Wanderschaft
befanden und zwangsläufig ein nicht ortsfestes Leben führten, konstant als en-
demisch Sesshafte zu betrachten, verstellt hier den Blick auf die naheliegende
Annahme von fließenden Übergängen zwischen nomadischer und sesshafter Le-
bens- und Wirtschaftsweise während dieser Wanderungen vollständig und führt
dazu, einschlägige Hinweise der Quellen nicht unter diesen Gesichtspunkten zu
interpretieren bzw. allenfalls als Topik zu betrachten. Das Misstrauen nicht nur
der Germanenforschung, ihren Gegenstand als (temporäre) Nomaden zu sehen,
Lebensformen also ausschließlich statisch/hermetisch zu kategorisieren und de-
ren Dynamik bislang nicht einmal als Problemstellung zu erkennen, macht das
geplante Projekt überfällig.

3.4.5. Methoden

Methodisch sind die für dieses Projekt aufgeworfenen Fragen nur durch einen
umfassend interdisziplinären Ansatz zu beantworten, wobei auf die Verknüp-
fung von Quellenkritik und Archäologie, Sozialgeschichte und Ethnographie,
Sprachgeschichte und Religion zu achten ist (darauf weisen auch Wenskus,
Stammesbildung; Brather, Ethnische Identitäten; Clover, Symbiosis; Curta, Kos-
sinna hin, ohne dieses Postulat im Einzelfall nachhaltig umzusetzen). Es ist zu
betonen, dass die Probleme, die die germanische Namensforschung, hauptsäch-
lich ihre zweifelhafte Tendenz, Siedlungs- und Kulturgebiete zuzuordnen bzw.
zur Deckung bringen zu wollen, gerade in jüngster Zeit aufwirft, einer Klärung
durch das angestrebte Projekt bedürfen (in dieser Hinsicht seien exemplarisch
genannt Debus, Namen; Geuenich, Namen und Gesellschaft; Udolph, Studien;
kritisch dazu Lund, Germanen; Brather, Ethnische Interpretationen; Wenskus,
Randbemerkungen). Hierbei sind folgende Determinanten zu beachten: 1. litera-
rische Zeugnisse stehen ausschließlich als nichtgermanische Überlieferung zur
Verfügung, 2. Stammesgebiet und Kulturprovinz sind selten deckungsgleich (so
zutreffend Wahle, Deutung; Mildenberger, Germanen), 3. ethnische Verschie-
bungen spiegeln sich nicht immer eindeutig im Fundgut (worauf bspw. Eggers,
Einführung und Halsall, Cemeteries hinweisen), 4. oft dienen vergleichsweise
kleine ethnische (germanische) „Traditionskerne“ einem während der Wande-
rungen hinzugestoßenen Konglomerat ‚fremder’ Bevölkerungselemente als Trä-
ger des Stammesnamens und der Überlieferung, weswegen unbedingt auch die
jüngeren Erkenntnisse der germanischen Sprachgeschichtsforschung zu berück-
sichtigen sind (Martin, Tradition; Steuer, Forschungstendenzen). Die Kombina-
tion der Disziplinen und zudem aller die Germanen und ihre Präsenz spiegeln-
den Zeugnisse (Gräber, Siedlungen, Namen) ist daher für das Projekt essentiell.

3.4.6. Arbeitsprogramm und Zeitplan

Der Untersuchungsgegenstand, die Wanderungen vielzahliger germanischer


Stämme von Ost- nach Mittel- und Westeuropa sowie in einigen Fällen bis an
die Nordküste Afrikas, erfordert zur Bearbeitung des vorliegenden Projektes
Reisen in die Länder, in denen die Wanderungen ihren Ausgang nahmen (Ru-
mänien, Bulgarien, Ungarn, Polen) Hauptwander- und Durchzugsgebiete
(Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien, Italien) und schließlich der End-
punkte (Frankreich, Italien, Marokko, Algerien, Tunesien) der germanischen
Gruppen. Besonders mögliche Veränderungen der Siedlungsweise und der Be-
stattungspraktiken der Germanen während ihrer Wanderungen und nach ihrer
wiedergewonnenen Ortsfestigkeit in ihren letztendlichen (neuen) Niederlas-
sungsgebieten gegenüber dem status quo in den Ausgangsgebieten vor Beginn
der Migration sind hier von herausgehobenem Interesse.
Die intensiven archäologischen Untersuchungen in den genannten Gebieten
und deren wissenschaftliche Aufarbeitung machen zur Erfassung des Materials
Reisen zu ausgewählten aktuellen Ausgrabungsplätzen sowie systematische Bib-
liotheksaufenthalte in den genannten Ländern erforderlich. Die angestrebte Un-
tersuchung ist nur unter Berücksichtigung der geographischen und ethnischen
Weitläufigkeit germanischer Präsenz im Mittelmeerraum ertragreich zu führen.
Es ist offenkundig, dass eine selektive Herangehensweise, die bspw. bestimmte
germanische Stämme beziehungsweise Regionen in den Blick nimmt, andere
aber ausklammert, keine verallgemeinerbaren Aussagen oder verbindliche Er-
gebnisse zu den zugrundeliegenden Fragestellungen ermöglichen wird. Der da-
her gewählte, umfassende Ansatz wird wesentlich durch die im bisherigen Ver-
lauf der beiden vorausgegangenen Förderphasen entstandenen Kooperationskon-
takte zu Fachkollegen vor Ort und gemeinsamen Vorarbeiten erleichtert (s. o.
3.3.1.8.). Zu nennen sind hier Prof. Dr. Ariel Lewin (Universitäten Florenz und
Potenza, Italien), Prof. Dr. Rašo Rašev (Bulgarische Akademie der Wissen-
schaften Sofia, Bulgarien), Prof. Dr. Konstantin Bošnakov (Universität Sofia,
Bulgarien), Prof. Dr. Ernest Oberländer-Târnoveanu (Rumänische Akademie der
Wissenschaften Bukarest, Rumänien) Prof. Dr. István Zimonyi (Universität
Szeged, Ungarn), Dr. Marcin Wołoszyn (Polnische Akademie der Wissenschaf-
ten Krakau und Universität Rzeszów, Polen), Prof. Dr. Johannes Gießauf (Uni-
versität Graz, Österreich). In anderen Fällen müssen solche Kontakte entweder
zunächst aufgebaut werden (Frankreich, Spanien, Tunesien) oder können durch
Vermittlung anderer SFB-Teilprojekte ermöglicht werden (Marokko, Algerien:
Jörg Gertel und Ingo Breuer, Teilprojekt A4).

1. Jahr (2008/2; 2009/1)


Im ersten Arbeitsjahr soll das relevante Material an Schriftquellen, das sehr ver-
streut und im Hinblick auf die zugrundliegenden Fragestellungen noch nicht er-
schlossen ist, gesichtet, gesammelt und katalogisiert werden. Außerdem ist die
besonders in den vergangenen beiden Jahrzehnten in unzähligen Bereichen
diversifizierte Forschungsliteratur zur Germanenforschung systematisch zu er-
fassen und in einer Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Quellenmaterial
kritisch auszuwerten. Hierzu sind erforderliche Bibliotheksreisen in Deutschland
und Österreich und Bulgarien vorgesehen. Da aus der Förderperiode des Vor-
gängerprojektes D8 besonders intensive Kontakte zur Bulgarischen Akademie
der Wissenschaften (Abteilung Mittelalterliche Archäologie, Sofia, Bulgarien)
bestehen, können hier kurzfristig bereits bekannte Ausgrabungsplätze in Philip-
popolis (Plovdiv), Preslav und Preslav aufgesucht werden. In diesen Fällen kann
wegen der engen Verbindung zum Projekt D8 auch bereits auf vorhandenes Ma-
terial zurückgegriffen werden. Zudem sollen Synergien aus den bestehenden
Kooperationen des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Halle-
Wittenberg bei gemeinsamen Ausgrabungen (speziell in der Flur Kaleto beim
Dorf Rupkite, Gemeindeverband Tschirpan) mit der Bulgarischen Akademie
fruchtbar gemacht werden. Die Abfassung von Einzelstudien nach Abschluss
dieser ersten Arbeitsphase ist vorgesehen, da sich dieses Vorgehen bereits in den
vorausgegangenen Förderphasen als sinnvoll erwiesen hat.

2. Jahr (2009/2; 2010/1)


In der zweiten Arbeitsphase ist damit zu beginnen, die entsprechend der Wan-
derrouten und Durchzugsgebiete der verschiedenen germanischen Stämme dis-
parat aufkommenden jüngsten archäologischen Zeugnisse zu erschließen. Neben
umfänglichen, zum Teil nur regional zugänglichen Quellen, die durch den Be-
such einschlägiger Ausgrabungsorte aufzunehmen sind, werden die Auslandsrei-
sen immer auch mit Bibliotheksaufenthalten zur Erfassung der relevanten (älte-
ren) Grabungspublikationen verbunden. Im 2. Jahr sind Reisen in die Wander-
gebiete der Langobarden, Franken, Alamannen und Vandalen (Österreich,
Frankreich, Spanien, Marokko) sowie West- und Ostgoten (Italien) vorgesehen.
Zu nennen sind hier exemplarisch die Siedlungsgrabungen von Oberleiserberg
(Niederösterreich), Bibracte/Mont Beauvray (Frankreich; hier sollen die Kontak-
te des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Leipzig nutzbar ge-
macht werden). Die germanischen Niederlassungen entlang des Flußlaufes des
Duero (Spanien: Vandalen, Sueben), die Hinterlassenschaften der Langobarden
in der Regionen von Aquileia (Cividale), Osopus (Osoppo) oder Reunia (Rago-
gna, alle Italien) sowie der Vandalen unmittelbar nach ihrem Erreichen Nordaf-
rikas bei Volubilis (Meknès/Fes, Marokko) sind ebenso beispielhaft. Zudem sind
zur Aufnahme relevanter Forschungsliteratur kürzere Bibliotheksreisen nach
Ungarn und Polen geplant. Besonders in den frühen Kontaktzonen von Hunnen,
Gepiden und Vandalen sind die Siedlungen und Gräberfelder der südostungari-
schen Tiefebene der im Theis-Maros-Gebiet (Szeged/Nagyszeksös, Ungarn; hier
werden die in der Förderphase des Vorgängerprojektes D8 zur Universität
Szeged aufgebauten Kontakte nutzbar gemacht) hier zu nennen. Auch nach Ab-
schluss dieser Arbeitsphase sind Einzelstudien vorgesehen.

3. Jahr (2010/2; 2011/1)


Die im 2. Jahr begonnenen Forschungsreisen zur Aufnahme relevanten archäo-
logischen Materials einschließlich der zugehörigen Forschungsliteratur werden
in der dritten Arbeitsphase systematisch fortgesetzt. Hierzu sind Aufenthalte in
den Wandergebieten der Vandalen geplant. Exemplarisch genannt seien hier die
Ausgrabungen von Theveste (Tébessa, Algerien), Sabratha (Libyen) sowie spe-
ziell die in Karthago (Tunis), Thugga (Dougga) und Hippo Regius (Hippone,
alle Tunesien). Daneben ist eine weitere Bibliotheksreise zur Erfassung ein-
schlägiger archäologischer Fachliteratur nach Rumänien vorgesehen. Hier sind
die deutsch-rumänischen Ausgrabungen der Siedlung von Uivar (Timiş, Rumä-
nien) zu erwähnen. Auch nach Abschluss dieser Arbeitsphase sind Einzelstudien
vorgesehen.

4. Jahr (2011/2; 2012/1)


Nach Abschluss der dritten Arbeitsphase muss bereits im letzten Quartal des
Jahres 2011 damit begonnen werden, das gewonnene archäologische Material
mit den am Ende der ersten Arbeitsphase erzielten Ergebnissen zu verbinden.
Die Erarbeitung einer Synthese und die Anfertigung einer Endpublikation (Mo-
nographie) werden schließlich in der letzten Arbeitsphase 2012 erfolgen.

Da besonders das relevante archäologische Quellen- und Literaturmaterial durch


die intensiven europäischen und nordafrikanischen Grabungen zur Erforschung
der germanischen Wanderungen und Bevölkerungsverschiebungen bislang nur
sehr verstreut und regional zugänglich ist, ist es ein weiteres Anliegen des ange-
strebten Projektes, dieses erstmalig zusammenzuführen. Außerdem sind die heu-
ristischen Schwierigkeiten bei diesem Projekt besonders groß, weil neben ver-
schiedenen Quellengattungen (archäologische, epigraphische und literarische
Zeugnisse) auch disparate methodische Ansätze (onomastische, historisch-
landeskundliche, archäologische Arbeitsweise) in der Synthese zu vereinigen
sind. Aus diesem Grund wird die volle Antragszeit von vier Jahren für die Bear-
beitung benötigt.

3.5. Stellung innerhalb des Sonderforschungsbereichs


3.5.1. Verortung innerhalb der Leitperspektiven des Sonderforschungsbe-
reiches
Die Notwendigkeit der Erschließung von neuen Ressourcen und Märkten inklu-
sive des Austausches mit endemischen römischen Bevölkerungsgruppen sind die
Determinanten germanischer Grenzübertritte sowie ihrer räumlich und zeitlich
langfristigen Wanderungen. Daher sind die Untersuchungsziele des Teilprojek-
tes essentiell für diese beiden Leitperspektiven des Sonderforschungsbereiches.
Ohne Zweifel waren nicht nur Konfrontation und Kooperation zwischen germa-
nischen Immigranten und römischer Zentralmacht bestimmt von Macht und
Herrschaft (Zentrum und Peripherie), auch die Interaktion mit endemischen Be-
völkerungsteilen in den Streif- oder ‚neuen’ Siedlungsgebieten dürfte eine Eth-
nogenese zwischen Dominanz und Unterordnung gewesen sein. Leitmotivisch
steht dieses Begriffspaar auch über der Annahme, dass die Errichtung von ger-
manischen ‚Königtümern’ auf römischem Boden für die sie tragenden Stämme
nicht nur ein neues politisches Konzept bedeutete, sondern auch fundamental
veränderte soziale Beziehungen hervorbrachte. Bei diesem Übergang von ger-
manischer gentes zu regna modifizierten und erweiterten sich zudem tradierte
Raumkonzepte und Raumwahrnehmungen auf germanischer sowie römischer
Seite: Dass sich auch territoriale Vorstellungen germanischer Stammesverbände
in dieser Hinsicht gewandelt haben, sollte im angestrebten Projekt ebenfalls in
den Blick genommen werden. Neben der unbedingten Verbindung des Teilpro-
jektes zu diesen beiden Leitlinien des Sonderforschungsbereiches besteht seine
Grundvoraussetzung zudem in der Untersuchung der germanischen Migration
und der Mobilität der diese tragenden Stämme, womit ein weiterer Zentralbe-
reich des Forschungsverbundes der angestrebten Untersuchung zugrundeliegt.
Hervorzuheben ist in dieser Hinsicht der Umstand, dass es sich dabei mitnichten
um eine im modernen Sinne der Arbeitsmigration vergleichbare Ortsungebun-
denheit gehandelt hat, die lediglich der Erschließung von Ressourcen zur Siche-
rung der Lebensgrundlage geschuldet gewesen wäre, sondern in mindestens
ebensolchem Maße auch der Aneignung immer neuer Lebensräume und -
umstände. Da die literarische Überlieferung der Untersuchungsgegenstände des
angestrebten Projektes ausschließlich nicht-germanischer Provenienz ist, spielen
Differenzen zwischen realer Interaktion und deren Wahrnehmung sowie späterer
Verarbeitung eine kaum zu unterschätzende Rolle. So muss hier weniger die Di-
chotomie von sesshaft-römischer Bevölkerung und temporär-nomadisierender,
aber endemisch eben auch sesshafter, germanischer zuvorderst genannt werden,
sondern jene von Realität und (deren) Wahrnehmung in Gestalt schriftlicher
Quellen.

3.5.2. Verschränkung mit anderen Teilprojekten (2008-2012)


Das Forschungsvorhaben knüpft inhaltlich und methodologisch sowohl an das
Projekt C4 aus der ersten Bewilligungsphase (2001-2004) als auch an das Pro-
jekt D8 (2004-2008) an. Der Umstand, dass es sich bei den auf römisches Terri-
torium übertretenden germanischen Stammesformationen um endemisch sess-
hafte Gruppen handelt, ermöglicht in exemplarischer Weise nicht nur Übergänge
zwischen ausschließlich sesshaften und rein nomadischen Lebensformen aufzu-
zeigen und damit über die Vorgängerprojekte C4 und D8 hinausgehend eine
Erweiterung des traditionellen Nomadismusbegriffes, sondern zudem die Aus-
wirkungen einer langfristig nicht ortsfesten Lebenssituation auf Lebens- und
Wirtschaftsweise traditionell sesshafter Stämme zu untersuchen.
Chronologisch, geographisch und nicht zuletzt ethnisch berühren die Projekte
C4 und D8 bereits jene Vorgänge, die als Beginn der sog. ‚Völkerwanderung’
gelten. Wurden bislang die Beziehungen zwischen endemisch-nomadischen Be-
völkerungen und dem römischen bzw. byzantinischen Reich vom 1. Jh. v. Chr.
bis ins 14. Jh. n. Chr. unter dem Gesichtspunkt wechselvoller Interaktion und
Konfrontation untersucht, erfolgt in der dritten Phase – unter Beibehaltung die-
ser Prämissen – eine Erweiterung der Fragestellung: Es gilt herauszuarbeiten,
inwieweit germanische Bevölkerungsbewegungen, die weder räumlich noch
zeitlich jahreszyklisch oszillierten, dennoch die übrigen Merkmale ‚nomadi-
scher’ Lebens- und Wirtschaftsweisen (modifiziert) erfüllt haben. Im Verlauf
der bisherigen Arbeit hat sich sowohl für den nordosteuropäischen Raum, vor-
nehmlich für den westpontischen Balkanraum (D8), als auch für den Vorderen
Orient (C4) aus wiederholten Hinweisen der antiken Schriftquellen die Annah-
me verfestigt, dass die Nomaden in ihrer Subsistenzwirtschaft grundsätzlich au-
tark waren und durchaus ohne permanenten Kontakt zur sesshaften, Ackerbau
betreibenden Bevölkerung existieren konnten. Trotzdem boten die Städte und
Dörfer der sesshaften Bevölkerung vielfach Gebrauchsgegenstände und Luxus-
güter auf einem qualitativ höheren Niveau sowie zudem Ackerbauprodukte zur
Ergänzung des eigenen Nahrungsangebotes, die von nomadischer Seite ohne
Zweifel bereitwillig erworben und konsumiert wurden. Hierbei erwies sich die
Vernetzung der Projektarbeit innerhalb des SFB, die es ermöglicht auf Frage-
stellungen, Forschungsansätze und (Quellen-) Material anderer Disziplinen zu-
greifen zu können, als essentiell.
Daneben ergeben sich historische, chronologische, geographische und metho-
dologische Anknüpfungspunkte zu einer ganzen Reihe von Projekten, hervorzu-
heben ist hier das Vorhaben von Charlotte Schubert/Alexander Weiß „Das No-
madenbild der Antike“, das entgegen der klassischen Toposforschung untersu-
chen will, wo bspw. auch bei den zahlreichen antiken Germanentopoi, die ei-
gentlich sesshafte germanische Stämme unter veränderten Lebensumständen
partiell nicht nur während ihrer Wanderungen als Nomaden ‚vereinnahmten’,
Bezüge zur Realität greifbar wird. Ebenfalls zu nennen ist das Projekt „Raum
und Ressource, Regierung und Renitenz“ von Felix Blocher, das sich ähnlich
dem eigenen Vorhaben mit den häufigen (periodischen)Wechseln von Sied-
lungsräumen kleiner ethnischer Einheiten, die unter anderen nomadisierende
Elemente einschließen, befasst sowie mit der (temporären) Zergliederung des
Territoriums und dem Bestreben, zentrale Regierungsstrukturen zu etablieren.
Gerade in dieser Hinsicht ergeben sich Schnittmengen auch mit den Projekten
von Jürgen Paul „Raumkonstruktion und Ressourcen. Iran und den Seldschuken
und Timuriden“ sowie Michael Streck/Angelika Berlejung „Raum und Mobilität
im neuassyrischen Reich“. Auf allgemeinerer Ebene existieren Berührungspunk-
te zum Projekt „Das Bild der Mongolen in der Literatur des Südkaukasus, Ar-
meniens und Georgiens“ von Jürgen Tubach, das literarische Quellen hinsicht-
lich der Wahrnehmung jener Nomaden, die auf sesshaftes Territorium vordrin-
gen, durch die sie einschließende endemische Bevölkerung bzw. ihrer Zentral-
staaten einer Analyse unterziehen wird. Die Verdrängung bzw. der Rückzug ei-
ner institutionalisierten Herrschaft und das Nachrücken tribaler Bevölkerungs-
elemente ermöglichen ein vernetztes Zusammenarbeiten auch mit dem Projekt
„Nomaden und Sesshafte zu Zeiten der Katastrophe. Demographie, Ressourcen-
zugang und Macht in Ägypten und Syrien infolge der Pest 748/1347“ von Kurt
Franz. Hauptsächlich methodologischer Art sind die Verbindungen zum Projekt
„Nomadische Gesellschaften in der Ostwüste Ägyptens und Nubiens von der
Antike bis in die Gegenwart: eine ethnoarchäologische Studie“ von S. Richter,
das sich ebenso wie das eigene Projekt auch mit den Problemen einer ethnischen
Identifizierbarkeit archäologischer Fundkomplexe konfrontiert sieht.

3.5.3. Sonstige Aktivitäten

Die Antragsteller, Prof. Dr. Andreas Mehl und Dr. Oliver Schmitt, sowie der
Bearbeiter des Teilthemas A, Dr. Thomas Brüggemann, gehörten aktiv den in-
terdisziplinären Arbeitsgruppen 1 „Nomadismus in sesshaften Kontext“ und 2
„Interaktionsmuster“ an. Dr. Thomas Brüggemann ist an deren Abschlußpubli-
kationen (s. o. nicht referierte Beiträge Nr. 1 und 3) beteiligt. Einzelvorträge und
Sitzungsgestaltungen von D8 im Rahmen der AG 1 und 2 finden sich in den Ab-
schlußberichten der jeweiligen Arbeitsgruppenleiter.

Thomas Brüggemann
1. Konzeption, Organisation und Planung des SFB-Kolloquiums zum Thema
„Recht und Religion. Übergänge und Wirkungen“ am 03./04. Mai 2007
mit Annegret Nippa (Leipzig).
2. Organisation und Planung des SFB-Plenums „Machtbeziehungen – Insti-
tutionalisierte Spannungen“ in Halle am 23. Juni 2006 zusammen mit
Kurt Franz (Halle), Brit Jahn (Leipzig) und Daniel Syrbe (Leipzig).
3. Organisation und Planung des SFB-Workshops „Formen nomadischer In-
teraktion“ in Leipzig am 1. Juli 2005.

Aufgabenbeschreibung von Mitarbeitern der Ergänzungsausstattung für


die beantragte Förderperiode

4. Dr. Thomas Brüggemann: Bearbeiter des Teilprojektes, Forschungsarbeit am


Teilprojekt und Verfassen von Veröffentlichungen.

4. Literatur zum Teilprojekt A8

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