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Gedächtnisprotokoll vom 19.1.

2005, Hofburg Präsidentschaftskanzlei

Ort: Hofburg, Haupteingang 2. Stock, Büro Dr. Frölichsthal

Zeit: 9h40 bis ca. 10h10

Anwesend: MR Dr. Frölichsthal, Reg.Rätin Erika Schohaj, Mag. Katharina Qu.

Vorbemerkung: Diese Vorsprache resultiert aus dem anlässlich einer Pressekonferenz und
Demonstration am 2.11.2004 überreichten Schreibens an den Hr. BP Dr. Fischer. Die
Terminvereinbarung dazu erfolgte telefonisch zwischen Dr. Frölichsthal und mir, Mag. Qu.. Bei
diesem Anlass bestand Dr. Frölichsthal ausdrücklich darauf, dass nur der Obmann oder der
Obmannstv. zu dieser Vorsprache erscheinen dürfe, und wurde von ihm mehrfach betont, dass nur 1
Person anwesend sein dürfe!

Verlauf der Vorsprache:

Am 19.1.2005 erschien ich gegen 9h30 beim Portier der Präsidenschaftskanzlei am Ballhausplatz.
Nach der formellen Identifikation und Ausfolgung der Zutrittskarte begab ich mich in den 2. Stock
zum Zimmer des Hr. MR Dr. Frölichsthal. Der Beginn der Vorsprache war ca. gegen 9h40.

Zu meiner Verwunderung bat Dr. Frölichsthal eine weitere Person, nämlich Fr. Reg.Rätin Erika
Schohaj, als Beteiligte zu diesem Gespräch, sodass ich, der mir die Begleitung durch eine
Vertrauensperson ausdrücklich durch Dr. Frölichtsthal (im Folgenden kurz Dr.F.) untersagt wurde,
mich alleine nunmehr 2 Gesprächspartnern gegenüber sah.

Ich habe Dr. F. ausdrücklich auf diesen ungewöhnlichen Umstand hingewiesen, und bat um eine
nachvollziehbare Begründung für dieses befremdliche Vorgehen. Dr. F. hat diese Frage nicht schlüssig
beantwortet und zog sich auf Pauschalausflüchte wie z.B. „wie wollen das nicht“ oder „…das ist halt
so hier üblich...“ zurück.

Ich war in Ansehung des wichtigen Anliegens trotzdem für ein Gespräch bereit, und ist dieses wie
folgt verlaufen:

Zuerst hat Dr. F. kurz dargelegt, dass überall wo Menschen arbeiten auch Fehler passieren können.
Hier gab ich meine volle Zustimmung. Weiters erklärte Dr. F. dass der Rechtsstaat Instrumente bereit
hält, dass Fehler beseitigt werden können. Auch hier gab ich meine Zustimmung, verwies aber auf den
Inhalt unseres Schreibens, in dem darauf hingewiesen wird, dass diese Instrumente leider zu oft
unwirksam sind, und dass dies der Grund unserer Besorgnis ist.

Weiters verwies Dr. F. auf die richterliche Unabhängigkeit. Dr. F. hat damit zum Ausdruck bringen
wollen, dass Urteile in jedem Fall richtig wären und der Bürger in diesem Fall dies zu akzeptieren
habe.

Ich habe hier darauf hingewiesen, dass Richter dem Gesetz unterworfen sind und dem Gesetz
verpflichtet sind, und dass Richter auch Menschen sind, und dass Richter vom Gesetz her sehr viel
Macht innehaben. Ich habe darauf hingewiesen, dass auch bei Richtern – wie Dr. F. selbst erwähnt hat
– als „fehlbare“ Menschen die Möglichkeit eines Missbrauchs dieser Macht besteht, und diese vom
Gesetz her in diesem Fall zu ahnden ist.

Auch hier stimmte mir Dr. F. zu.


Dr. F. betonte in dem Gespräch immer wieder die mangelnde Kompetenz des Bundespräsidenten, bei
Missständen Abhilfe zu schaffen. Dr. F. verwies auf die dafür zuständigen Ministerien und
Volksanwaltschaft.

Hier konnte ich Dr. F. anschauliche Beweise entgegenhalten, dass eben diese Stellen ihren Aufgaben
offenkundig nicht ordnungsgemäß und für einen Rechtsstaat ausreichend nachkommen. Als markantes
Beispiel brachte ich vor, dass Volksanwalt Mag. Stadler vor mehreren Zeugen, unabhängig
voneinander, eingestanden hat, dass er wisse, dass das Instrument der Sachwalterschaft systematisch
gegen „kritische“ und „unbequeme“ Bürger seitens der Justiz selbst eingesetzt wird, um diese
Personen mundtot zu machen. Die Aufgabe von Mag. Stadler als Volksanwalt wäre zweifellos die
Aufdeckung dieses ihm bekannten Misstandes, die Veranlassung der Ermittlungen und für die
sofortige Beseitigung dieser systematischen Psychiatrierungsversuche zu sorgen.

Wie bekannt und ebenso vor Zeugen eingestanden duldet Mag. Stadler als Volksanwalt diesen
Justizskandal und ist nicht bereit, diesen Missstand mit den ihm zur Verfügung stehenden
Möglichkeiten zu beheben.

Hier beugte sich nun Dr. F. vor und sagte deutlich, das ist eine Sache der „unabhängigen
Gerichtsbarkeit“ und dagegen könne man nichts machen.

Ich erwiderte, dass dies wohl zweifellos ein schwerer Verstoß gegen Verfassung und Gesetze wäre,
und führte dazu aus, dass es in einem Rechtsstaat wie Österreich nicht geduldet werden könne, dass
gesunde Menschen willkürlich entmündigt werden, um sie mundtot zu machen. Ich sagte, dass dies
nichts daran ändere, dass diese Menschenrechtsverletzung durch Richter geschehen, im Gegenteil, das
mache es nur noch schlimmer.

Ich habe in diesem Zusammenhang zum Thema „richterliche Unabhängigkeit“ ausgeführt, dass sich
Richter in ihrem freien Ermessen im Rahmen der Gesetze bewegen müssen, und daher lediglich
gewisse „Bandbreiten“ zur Verfügung haben: nämlich der Bereich, wo gesetzeskonform und
nachvollziehbar freies Ermessen geübt wird, derjenige Bereich, wo durch Verstoß gegen gesetzl.
Bestimmungen das erlaubte Ermessen so weit überschritten wird, dass dadurch die Entscheidung als
„unvertretbar“ einzuordnen ist, und schließlich der Bereich, in dem vom Richter offenbar bewusst und
vorsätzlich Macht missbraucht wird, und dieser Bereich daher m.E. strafrechtlich relevant und zudem
als unvertretbar schadenersatzpflichtig wäre.

Hier stimmte mir Dr. F. ebenfalls zu.

Ich wies darauf hin, dass in den Fällen, wo gesunde Menschen durch die Justiz entmündigt werden
sollen, um sich dadurch z.B. einer Kritik zu entziehen, oder sich dadurch unberechtigte
Vermögensvorteile zu verschaffen, oder um z.B. Straftaten zu vertuschen oder Straftäter der
Verfolgung zu entziehen oder aus welchen (ungesetzlichen) Gründen auch immer dies geschehen mag,
in jedem Fall die Grenze der Legalität überschritten wäre, auch, oder ganz besonders, wenn dies durch
einen Richter unter Ausnützung und Missbrauch der ihnen verliehenen Macht geschieht.

Dr. F. erwähnte mehrmals, dass sich ziemlich viele Bürger an den Bundespräsidenten wenden, mit der
Bitte um Hilfe. Er meinte, es käme aus allen Bereichen, und oft verlangen die Bürger, dass der BP
Zivilurteile aufheben möge. Das könne der BP natürlich nicht.

Ich fragte nach, wie viele Bürger sich beim Bundespräsidenten über die österr. Justiz beschweren,
worauf Dr. F. meinte, sie bekämen tagtäglich unzählige Schreiben. Als ich um genauere Zahlen
nachfragte, um insbesondere die Anzahl der Beschwerdeschreiben zum Anlass für nähere
Überprüfung zu nehmen, gab Dr. F. das Wort an Fr. Reg.Rätin Schohaj, mit dem Hinweis dass er noch
nicht so lange da wäre, da er von der Finanzmarktaufsicht käme, aber Fr. Schohaj da mehr Erfahrung
hätte, da sie schon 25 Jahre hier im Spezialbereich „Justiz“ tätig wäre. Fr. Schohaj meinte, es wären
„sehr wenige“. Als ich nachfragte, wie viele ungefähr es konkret wären, ob es monatlich mehrere
Beschwerden wären oder noch weniger, meinte sie noch mal, „….weniger, sehr wenig, aber wir führen
darüber keine Statistik“ .

Ich möchte dazu erwähnen, dass Fr. Schohaj in der Besprechung kaum das Wort ergriff, und ausser
dieser soeben geschilderten Aussage über die Anzahl der Beschwerden, wo sie von Dr. F. direkt
angesprochen wurde, sonst lediglich ihrer Zustimmung oder Ablehnung von Aussagen zum Ausdruck
brachte.

Zurückkommend auf die von mir angesprochenen systematischen Entmündigungen bzw. –versuche
gesunder Bürger meinte Dr. F. könne der Bundespräsident nichts machen, wegen der „richterlichen
Unabhängigkeit“.

Hier habe ich Dr. F. gebeten – um diese Situation und die Möglichkeiten des Bundespräsidenten noch
deutlicher herauszuarbeiten – sich folgendes vorzustellen und mir folgende Frage zu beantworten:

Hypothetischer Fall: was wäre, wenn österr. Richter in ihrer richterlichen Unabhängigkeit Todesurteile
aussprächen?

Die Antwort des Dr. F. darauf war spontan und eindeutig: Hier kann und muss der Bundespräsident
einschreiten, denn das würde gegen die österr. Verfassung verstoßen!

Ich wies nun Dr. F. darauf hin, dass die von uns aufgezeigten Sachverhalte auch gegen die österr.
Verfassung verstoßen, ich verwies auf die EMRK, die Verfassungsrang hat, genau wie das Verbot der
Todesstrafe. Ich verwies auch darauf, dass es innerhalb der EMRK und der Verfassungsgesetze kein
qualitative Abstufungen gäbe, die es rechtfertigen würde, das Verbot der Todesstrafe zu beachten und
bei Zuwiderhandeln einzuschreiten, jedoch z.B. Folter, Freiheitsberaubung etc. durch den
Bundespräsidenten geduldet werden könne.

Ich hatte den Eindruck, dass Dr. F. zusehends unruhig und nervös wurde. Er versuchte wiederum auf
die Zuständigkeiten zu verweisen, und zitierte auch den § 84 StPO, welcher die sog. Anzeigepflicht
beinhaltet.

Ich habe Dr. F. dargelegt, dass wir diese gesetzliche Bestimmung kennen und die Missachtung dieser
von ihm zitierten Gesetzesstelle durch die zuständigen Behörden ja genau einer der wichtigsten Punkte
in unserem Vorbringen wäre.

Nun wies Dr. F. auf unsere Homepage hin, und meinte, unser Vorbringen wäre ja mit unserer
Homepage selbst widerlegt, denn er habe dort einen Fall gefunden, in dem eine Richterin wegen
Amtsmissbrauch verurteilt wurde. Dies beweise, dass auch gegen Richter strafrechtlich ermittelt wird.

Ich wies Dr. F. darauf hin, dass er umgekehrt genau mit diesem von ihm zitierte Fall beweise, dass
offenkundig durch die STA bei Richtern als mutm. Straftäter mutm. Willkür geübt werde. Ich
begründete dies folgendermaßen:

Mir war erinnerlich, dass der von Dr. F. erwähnte Fall offenbar ein Zeitungsartikel über den
„Korneuburger“ Fall einer Richterin sein musste, die wegen Protokollfälschung verurteilt wurde.

Ich wies darauf hin, dass der Gleichheitsgrundsatz eine der tragenden Säulen unserer Verfassung ist,
und ein Verstoß dagegen Willkür wäre. Der Gleichheitsgrundsatz besagt ja, dass gleiche Sachverhalte
gleich zu behandeln sind, ohne Ansehung der Person. Dr. F. stimmte mir darin zu. Ich konnte anhand
des von Dr. F. aufgezeigten Falles nun darlegen, dass trotz Vorliegens von erwiesenen
Protokollfälschung einer anderen Richterin, welche sogar mitsamt den Beweisen zur Anzeige
gebracht wurde, gegen diese Richterin nicht einmal ermittelt wurde. Die Anzeige wurde seitens der
STA zurückgelegt. Ich wies darauf hin, dass hier u.a. der Verdacht auf Verletzung des
Gleichheitsgrundsatzes offenkundig ist.

Mir fiel auf, dass Dr. F. angesichts meiner vorgebrachten Argumente und konkreten Sachverhalte, sehr
nervös und beunruhigt wirkte, obwohl das Gespräch sehr ruhig und sachlich verlief.

Dr. F. verwies immer wieder darauf, dass hier die Staatsanwaltschaft zuständig wäre, die verpflichtet
wäre, Straftaten zu verfolgen. Ich machte Dr. F. nochmals darauf aufmerksam, dass unsere konkreten
Fälle deutlich aufzeigen, dass die STA Anzeigen gegen Beamte, Richter etc. ohne sachl. Begründung
zurücklegen, obwohl der Sachverhalt tlw. sogar bereits nachgewiesen wurde. Dr. F. meinte, die STA
wäre eine weisungsgebundene Behörde, und man müsse sich dann an das BMJ wenden.

Ich nahm nun eines meiner Schriftstücke, und wollte Dr. F. anhand dieses konkreten Falles nochmals
deutlich machen, dass wir uns nur deshalb an den Bundespräsidenten wenden, da es sich um u.E derart
gravierende Vorfälle handle, die eine gefährliche Entwicklung für Österreich befürchten lassen, und
wir die zuständigen Ministerien damit natürlich schon – leider bisher vergeblich - befasst haben.

Ich habe dies Hr. Dr. F. sogleich anhand eines konkreten eigenen Beispiels aufgezeigt, und legte die
als Anlage dem Schreiben an die Fr. BM Mag. Miklautsch v. 2.11. 2004 beigefügte Auflistung von
Verfahren vor (liegt als Anlage bei). In diesem Schreiben ist unten als letzter Absatz in kurzen Worten
das von mir geschilderte „ministerielle Geheimverfahren“ dargelegt: Kurz gesagt, eine Befassung des
Ministeriums im Jahre 2002 mitsamt eindeutigen Beweisen etc. endete damit, dass ich dazu weder
gehört wurde, noch von einem Ausgang der Ermittlungen verständigt wurde, sondern trotz dringender
Verdachtsmomente stattdessen seitens OSTA Dr. Seystock (hier sagte Dr. F. spontan, dass er diesen
Herrn nicht kenne) ein „Geheimbericht“ angefertigt wurde.

Als ich dies ausführte und dabei Hr. Dr. F. das bezugnehmende Schreiben vorlegte, beugte sich dieser
über das am Tisch liegende Blatt und begann zu lesen.

Völlig überraschend und unvermittelt schlug Dr. F. plötzlich mit voller Wucht mit seiner Hand auf
den Tisch, sodass ich erschrocken zusammenzuckte. Auch Fr. Schohaj, erschrak heftig bei diesem
offenkundigen „Kontrollverlusts“ des Dr. F. Ich sah sie an, und auch sie blickte mich erschrocken an.

Ich erhob mich, völlig geschockt von diesem unvorhersehbaren emotionalen Ausbruch des Hr. Dr. F.,
sagte sinngemäß, dass ich ein derartiges Verhalten nicht akzeptiere. Ich nahm meine Unterlagen und
legte ein weiteres Schriftstück daraus (liegt ebenfalls als Anlage bei) als Nachweis für die Anliegen
der von mir vertretenen Bürger auf den Tisch, mit dem Ersuchen um Stellungnahme.

Ich nahm meinen Mantel und entfernte mich mit zügigen Schritten aus dem Büro. Dr. F. folgte mir
hinterher bis zum Lift. Er entschuldigte sich nicht einmal für sein Fehlverhalten! Beim Öffnen des
Lifts wandte ich mich Dr.F. zu, verabschiedete mich mit einem Gruß. Dr. F. blickte mich stumm an.

Ich kann mir dieses ungewöhnliche und befremdliche Verhalten nicht erklären. Es fiel mir auf, dass
Dr. F. im Gespräch oftmals nervös reagierte, was mich verwunderte, da er ja nicht selbst betroffen ist,
sondern im Auftrag des Hr. Bundespräsidenten auftrat. Es ist für mich daher kein nachvollziehbarer
Grund für eine derartige Emotionalität in dieser Sache erklärbar.

Beilagen: 2 Schreiben wie erw. Wien, 2005-01-19