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STATIK DER TRAGWERKE Mechanische Grundlagen | Idealisierungen | Kinematik | Statisch bestimmte Tragwerke |
STATIK DER TRAGWERKE Mechanische Grundlagen | Idealisierungen | Kinematik | Statisch bestimmte Tragwerke |

STATIK DER TRAGWERKE

Mechanische Grundlagen | Idealisierungen | Kinematik | Statisch bestimmte Tragwerke | Schnittkraftverläufe | Fachwerke | Mischsys- teme | Einflusslinien

S-2-01/2004

| Fachwerke | Mischsys- teme | Einflusslinien S-2-01/2004 Gernot Beer Institut für Baustatik Technische Universität

Gernot Beer Institut für Baustatik Technische Universität Graz

Diplomarbeiten/Dissertationen | Forschung | Skripten | Vorträge/Tagungen

1 Einführung

1-1

1.1 Geschichtlicher Abriß

1-4

1.2 Inhalt des Skriptums

1-6

1.3 Literatur

1-6

2 Mechanische Grundlagen

2-1

2.1 Kraftgrößen

2-1

2.1.1 Kraft

2-2

2.1.2 Moment

2-6

2.2 Gleichgewicht

2-8

2.2.1 Gleichgewicht eines Punktes

2-8

2.2.2 Gleichgewicht eines belasteten starren Körpers in der Ebene

2-10

2.2.3 Gleichgewicht eines räumlichen Systems

2-12

3 Idealisierungen in der Baustatik

3-1

3.1 Modellbildung

3-1

3.2 Prinzipielles Vorgehen

3-2

3.2.1 Diskretisierung

3-2

3.2.2 Lokale Effekte

3-3

3.3 Tragwerkselemente

3-5

3.3.1

Flächentragwerke

3-5

3.3.2

Stabtragwerke

3-7

3.4 Auflager

3-8

3.4.1

Auflager für ebene Systeme

3-10

3.4.2

Auflager für 3-D Systeme

3-11

3.5 Verbindungen

3-12

3.6 Annahmen der linearen Stabstatik

3-13

3.6.1 Grundsätzliche Annahmen

3-13

3.6.2 Beanspruchung

3-14

3.6.3 Dehnung

3-15

3.6.4 Ebene Biegung und Schub

3-15

3.6.5 Räumliche Biegung Schub

3-22

3.6.6 Drillung

3-23

3.7 Definition der Schnittkräfte für das Stabelement

3-24

3.8 Einwirkungen

3-29

3.8.1

Mögliche Arten von Einwirkungen

3-29

Statik der Tragwerke 1
Statik der Tragwerke 1
Statik der Tragwerke 1
Statik der Tragwerke 1

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

1

3.8.2 Resultierende einer verteilten Belastung 3-34 3.8.3 Idealisierung von Belastung 3-35 4 Kinematik 4-1 4.1

3.8.2 Resultierende einer verteilten Belastung

3-34

3.8.3 Idealisierung von Belastung

3-35

4 Kinematik

4-1

4.1 Einleitung

4-1

4.2 Bestimmung des Hauptpols

4-3

4.3 Der Polplan

4-5

4.3.1 Polplankonstruktion

4-5

4.3.2 Beispiele

4-7

5 Berechnung statisch bestimmter Tragwerke - Auflagerkräfte

5-1

5.1 Einleitung

5-1

5.1.1 Freischneiden

5-2

5.1.2 Bestimmung der Auflagerkräfte

5-2

5.2 Biegeträger

5-4

5.2.1 Beispiel 1: Kragträger

5-4

5.2.2 Beispiel 2: Einfeldträger

5-4

5.2.3 Beispiel 3: Einfeldträger mit Kragarmen

5-5

5.3 Rahmentragwerke

5-6

5.3.1

Beispiel: Zweigelenkbogen

5-6

5.4 Zusammengesetzte Tragwerke

5-7

5.4.1 Gelenkträger

5-7

5.4.2 Dreigelenkbogen

5-8

5.4.3 Gemischte Systeme

5-14

5.4.4 3-D Systeme

5-20

6 Schnittkraftverläufe

6-1

6.1 Einleitung

6-1

6.2 Schnittkraftverläufe - ebene Systeme

6-2

6.2.1 Rahmentragwerke

6-2

6.2.2 Übertragungsgleichungen

6-3

6.2.3 Gleichgewicht eines Teilelements

6-6

6.2.4 Bestimmung der Schnittkraftverläufe an Hand von Beispielen

6-8

6.2.5 Kragträger

6-8

6.2.6 Einfeldträger

6-9

6.2.7 Geneigter Balken

6-12

6.2.8 Zahlenbeispiel: Einfeldträger mit Kragarmen

6-15

6.2.9 Rahmen

6-16

6.2.10 Zusammengesetzte Systeme

6-19

2 Statik der Tragwerke
2 Statik der Tragwerke
2 Statik der Tragwerke
2 Statik der Tragwerke

2

2
2

Statik der Tragwerke

 
 
  6.3 Schnittkraftverläufe - 3-D Systeme 6-26 6.3.1 Übertragungsgleichungen 6-26 6.3.2 Gleichgewicht eines
  6.3 Schnittkraftverläufe - 3-D Systeme 6-26 6.3.1 Übertragungsgleichungen 6-26 6.3.2 Gleichgewicht eines
  6.3 Schnittkraftverläufe - 3-D Systeme 6-26 6.3.1 Übertragungsgleichungen 6-26 6.3.2 Gleichgewicht eines
  6.3 Schnittkraftverläufe - 3-D Systeme 6-26 6.3.1 Übertragungsgleichungen 6-26 6.3.2 Gleichgewicht eines
  6.3 Schnittkraftverläufe - 3-D Systeme 6-26 6.3.1 Übertragungsgleichungen 6-26 6.3.2 Gleichgewicht eines

6.3

Schnittkraftverläufe - 3-D Systeme

6-26

6.3.1 Übertragungsgleichungen

6-26

6.3.2 Gleichgewicht eines Teilelements

6-28

7 Fachwerke

7-1

7.1 Einleitung

7-1

7.2 Berechnung der Stabkräfte

7-4

7.2.1 Allgemeines

7-4

7.2.2 Bestimmung der statischen Bestimmtheit

7-6

7.2.3 Das Rundschnittverfahren

7-7

7.2.4 Graphisches Verfahren nach Cremona

7-8

7.2.5 Das Ritterschnittverfahren

7-10

7.2.6 K-Fachwerk

7-14

7.3 Zahlenbeispiel: Fachwerkkonstruktion

7-17

7.4 3-D Fachwerke

7-19

7.4.1

Zahlenbeispiel: 3-D Fachwerk

7-20

8 Mischsysteme

8-1

8.1 Langer’scher Balken

8-1

8.1.1 Bestimmung der Stabkräfte

8-2

8.1.2 Schnittkraftverläufe am Balken

8-3

8.2 Hängebrücke

8-7

8.3 Zahlenbeispiel 1: Dreigelenkrahmen

8-9

8.4 Zahlenbeispiel 2: Überdachung

8-13

9 Einflusslinien

9-1

9.1 Allgemeines

9-1

9.1.1 Zweck der Einflusslinie

9-1

9.1.2 Definition der EL

9-1

9.1.3 Gegenüberstellung Einflusslinie - Zustandslinie

9-2

9.1.4 Voraussetzungen zur Bestimmung von EL

9-2

9.1.5 Auswertung von EL

9-2

9.2 Methoden zur Ermittlung von EL

9-4

9.2.1 Allgemeine Regeln für EL

9-4

9.2.2 Laststellungsmethode

9-4

9.2.3 Prinzip der virtuellen Arbeiten

9-11

9.2.4 Kinematische Methode

9-14

9.2.5 Kombinierte Methode

9-28

Statik der Tragwerke 3
Statik der Tragwerke 3
Statik der Tragwerke 3
Statik der Tragwerke 3

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

3

4 Statik der Tragwerke
4 Statik der Tragwerke
4 Statik der Tragwerke
4 Statik der Tragwerke
4 Statik der Tragwerke

4

4
4

Statik der Tragwerke

1
1

Einführung

1 Einführung Wissen hat keinen ärgeren Feind als das Wissenwollen, als das Lernen Hermann Hesse Die

Wissen hat keinen ärgeren Feind als das Wissenwollen, als das Lernen Hermann Hesse

Die Statik ist ein Teilgebiet der Mechanik fester Körper und beschäftigt sich als solches mit der Ermittlung des Kräfte- und Verformungszustandes ruhender, d.h. im Gleichgewicht befindlicher, Körper. Dabei wird angenommen, dass die Bela- stung unendlich langsam aufgebracht wird, sodass keine dynamischen Massen- kräfte frei werden.

Die dem konstruktiven Ingenieurbau zugeordnete Statik der Tragwerke hat die Ermittlung der Kräftezustände von Tragsystemen zum Inhalt, welche dann weiter als Grundlage zur Bemessung und Konstruktion bzw. zum Nachweis der Gebrauchstauglichkeit und Tragfähigkeit herangezogen werden.

Die statische Berechnung stellt einen wichtigen Teil der gesamten Ingenieurauf- gabe dar. Sie soll dem entwerfenden Ingenieur die notwendigen Nachweise liefern, ob das Bauwerk in der Lage ist, die einwirkenden Lasten in ausreichendem Maß aufnehmen zu können, ohne dabei seine Gebrauchstauglichkeit zu verlieren, wobei besonderes Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit der Konstruktion zu legen ist.

Folgende drei Kriterien sind dabei maßgebend:

Sicherheit gegen Versagen der Konstruktion

Auch unter ungünstigster Belastung darf es nicht zu einem Einsturz des Bau- werks kommen.

Gebrauchstauglichkeit

Das Bauwerk muß auch unter Belastung seinen Zweck erfüllen. Das bedeutet zum Beispiel, dass keine unzulässig großen Verformungen auftreten dürfen.

Wirtschaftlichkeit

Das Bauwerk soll so konstruiert und bemessen sein, dass möglichst geringe Kosten sowohl in der Herstellung, als auch in der Erhaltung und der Entsorgung anfallen.

Statik der Tragwerke 1 - 1
Statik der Tragwerke 1 - 1
Statik der Tragwerke 1 - 1
Statik der Tragwerke 1 - 1

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

1-1

1

Einführung

Rolle der Baustatik:

Baustatische Überlegungen bei der Formfindung und Vorbemessung

Berechnung

des Tragwerks

Berechnung von Montagezuständen

Entwurf: Bauwerkstyp Material Vorbemessung Berechnung der Schnittkräfte: Modellbildung (Vereinfachung) Berechnung
Entwurf:
Bauwerkstyp
Material
Vorbemessung
Berechnung der Schnittkräfte:
Modellbildung (Vereinfachung)
Berechnung
Graphische Darstellung
Bemessung:
Querschnitte
Verbindungen
Auflager
Nein
sicher und wirtschaftlich?
Ja
Ausführung:
Montagezustände
Transport
etc.

Abb. 1.1 Die Rolle der Baustatik im konstruktiven Ingenieurbau

Abbildung 1.1 zeigt eine vereinfachte Darstellung der Aufgaben im konstruktiven Ingenieurbau und die Rolle der Baustatik. Wie man sieht ist die Baustatik in allen Bereichen vom Entwurf bis zur Ausführung eingebunden. Baustatische Überle- gungen z.B. helfen dem entwerfenden Architekten bzw. Ingenieur in der Formfin- dung. Es gibt viele Beispiele, wo ein klar erkennbares und effizientes statisches System auch den ästhetischen Anforderungen entspricht. Als Beispiel sei in Abb. 1.2 eine Sporthalle in der Nähe von Wiener Neustadt gezeigt.

In den meisten Fällen ist die Berechnung des endgültigen statischen Systems nicht die einzige Aufgabe des Baustatikers, da auch die Sicherheit von Bauzuständen

1 - 2 Statik der Tragwerke
1 - 2 Statik der Tragwerke
1 - 2 Statik der Tragwerke
1 - 2 Statik der Tragwerke

1-2

1 - 2
1 - 2

Statik der Tragwerke

Einführung

Einführung
Einführung
Einführung
Einführung
Einführung
Einführung

nachgewiesen werden muß. In manchen Fällen ist sogar die Berechnung von Bau- zuständen oft mit mehr Aufwand verbunden als die Berechnung des Endzustands.

mehr Aufwand verbunden als die Berechnung des Endzustands. Abb. 1.2 Beispiel für ein ästhetisches Bauwerk mit

Abb. 1.2 Beispiel für ein ästhetisches Bauwerk mit klarem statischen System, d.h. hier ist klar erkennbar wie die Kräfte in den Boden eingeleitet werden.

Wie in vielen Sparten unseres Lebens hat der Computer auch die Baustatik verän- dert. Es gibt heutzutage eine Vielzahl von Programmen, welche die komplizierte- sten baustatischen Aufgaben lösen können. Dies ist einerseits ein Segen, andererseits auch mit Gefahren verbunden. Sehr oft passiert es, dass durch die unsachgemäße Anwendung der sogenannten „black box“ falsche Resultate erhal- ten werden, die dann oft widerspruchslos angenommen werden. Als extremes Bei- spiel sei hier die Sleipner Ölplattform erwähnt, die auf Grund eines Fehlers in der statischen Berechnung (die Querkräfte wurden mit einem komplexen Rechenpro- gramm an einer Stelle mit einem Fehler von 45% berechnet) beim Bauvorgang beschädigt wurde und auf den Meeresgrund versank. Der Schaden war enorm und dieser Vorfall wird oft als Beispiel verwendet um zu zeigen, dass Resultate von elektronischen Berechnungen nicht ohne Kontrolle akzeptiert werden dürfen.

Daher ist es Ziel der Vorlesung Statik der Tragwerke, dem angehenden Bauinge- nieur das Werkzeug in die Hand zu geben um diese Überprüfung vornehmen zu können. Wir werden daher hier fast ausschließlich herkömmliche (Hand-)rechen- methoden behandeln. Die mit diesen Methoden erhaltenen Ergebnisse können allerdings mit Hilfe des EDV Lernprogramms RuckZuck überprüft werden.

Grundsätzlich müssen bei einer statischen Berechnung zwei Bedingungen immer erfüllt sein:

das Gleichgewicht der Kräftgrössen die Verträglichkeit der Weggrössen

Statik der Tragwerke 1 - 3
Statik der Tragwerke 1 - 3
Statik der Tragwerke 1 - 3
Statik der Tragwerke 1 - 3

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

1-3

1

Einführung Geschichtlicher Abriß

1.1 Geschichtlicher Abriß

Die erste Baustatik der Welt fand im Jahre 1743 statt (Wapenhans und Richter, 2002). Vor diesem Zeitpunkt gab es Überlegungen von Mathematikern und Mechanikern zur Festigkeitslehre und Mechanik (siehe Tabelle 1) jedoch war kein Bezug zum „Bau“ vorhanden. Eine Ausnahme war der italienische Maler, Bild- hauer, Architekt und Ingenieur Leonardo da Vinci (1452 - 1519) der an Hand von Versuchen, Gedanken über die Festigkeit von Bauwerken machte und auch Bau- werke entwarf. Allerdings wurde keines dieser Bauwerke ausgeführt. Grandiose Bauwerke wie z.B. das Pantheon in Rom, wurden damals von „Baukünstlern“ ohne theoretische Überlegungen entworfen und bemessen. Dabei wurde aus- schließlich auf praktische Überlegungen und Erfahrung zurückgegriffen.

Der Anlaß für die erste Anwendungen von theoretischen Überlegungen in der „Baubranche“ war die Peterskuppel in Rom. An dieser waren nämlich Risse aufge- treten, die Anlaß zu Besorgnis gaben (siehe Abb. 1.3). Die Kuppel war zwar mit Eisenringen verstärkt, die einen Teil des Bogenschubs aufnehmen sollten aller- dings wußten man nicht, ob die Eisenstäbe genügten, da es dazu keine mechni- schen Überlegungen gab. Da der Papst wegen der Risse Besorgnis um die Tragfähigkeit der Kuppel hatte bat er gleich drei Mathematikprofessoren (Gui- seppe Boscovich, Tommaso Le Seur und Francesco Jacquier) ein Gutachten zu erarbeiten. Das in altitalienisch verfaßte Gutachten erschien im März 1743. Es ist interessant, dass hier für Gleichgewichtsüberlegungen das Prinzip der virtuellen Weggrössen zur Anwendung kam. Dieses Prinzip wurde von Johann Bernoulli im Januar 1717 in seinem Buch „Nouvelle Mecanique“ veröffentlicht.

Leider war diese erste Begegnung der Baustatik bzw. der Übergang „vom hand- werklich-gewohnheitsmäßigen Schaffen zur modernen, wissenschaftlich fundier- ten Bauingenieurkunst“ nicht sehr erfolgreich da für den Bogenschub ein viel zu großer Wert berechnet wurde. Der Grund dafür war die zu starke Vereinfachung des statischen Systems. Dies ist ein gutes Beispiel für die Wichtigkeit der Wahl des statischen Systems, d.h. für die Modellbildung. Auf diese wird im nächsten Kapitel eingegangen.

1-4 Statik der Tragwerke
1-4 Statik der Tragwerke
1-4 Statik der Tragwerke
1-4 Statik der Tragwerke

1-4

1-4
1-4

Statik der Tragwerke

Einführung Geschichtlicher Abriß Abb. 1.3 Die Peterskuppel in Rom mit den Rissen und die ersten
Einführung
Geschichtlicher Abriß
Abb. 1.3 Die Peterskuppel in Rom mit den Rissen und die ersten baustatischen
Überlegungen bezüglich der Überprüfung des Gleichgewichts.
Tab. 1.1Geschichtlicher Überblick, vor und nach der Baustatik
1678
Robert HOOKE (1635-1703) entschlüsselt in den „Lectures de
potentia restitutiva“ sein Materialgesetz als „Ut tensio sic vis“
1687
In London erscheinen die „Philosophiae naturalis principia
mathematica“ von Isaac NEWTON (1643-1727), das erste
umfassende Lehrbuch der Mechanik
1717
Johann BERNOULLI (1667-1748) formuliert das Prinzip der vir-
tuellen Verschiebungen in einem Brief an Pierre VARIGNON
(1654-1722)
Statik der Tragwerke
1-5

1

Einführung Inhalt des Skriptums

1744

Leonhard EULER (1707-1783) stellt in seiner „Methodus inveni-

endi lineas curvas

die Knickformel für Stäbe auf

1826

In Paris erscheint der „Résumé des lecons données à l’Ecole des ponts et chaussées“ von L.M.H. NAVIER (1785-1836). Das Werk erscheint 1851 auf Deutsch als „Mechanik der Baukunst“. Er wird allgemein als Gründer der Baustatik genannt.

1864-1866

In Zürich erscheint die „Graphische Statik“ von Karl CULMANN

(1821-1881)

1870

James Clerk MAXWELL (1831-1879) stellt den Satz von der Reziprokität der elastischen Verschiebungen auf, aus dem Enrico BETTI (1823-1892) im Jahr 1872 die Gleichheit der Ergänzungsenergien ableitet.

1886

In Leipzig erscheinen „Die neueren Methoden der Festigkeits- lehre und der Statik der Baukonstruktionen“ von Heinrich MÜL- LER-BRESLAU (1851-1925)

1906

In Zürich erscheinen „Anwendungen der graphischen Statik“ von Wilhelm RITTER (1847-1906)

1.2 Inhalt des Skriptums

Die Vorlesung Statik der Tragwerke befaßt sich mit der linearen Berechnung von statisch bestimmten Tragwerken. Dies bedeutet, dass für die Berechnung allein Gleichgewichtsüberlegungen herangezogen werden und die Verformungen des Tragwerks aus Belastung sehr klein im Vergleich mit den Tragwerksabmessungen sind.

1.3 Literatur

Wappenhaus und Richter, Die erste Baustatik der Welt, Bauingenieur

Krätzig W. und Wittek, U. Tragwerkslehre 1, Springer Verlag, Berlin

Sattler K. Lehrbuch der Statik, Spinger Verlag

1-6 Statik der Tragwerke
1-6 Statik der Tragwerke
1-6 Statik der Tragwerke
1-6 Statik der Tragwerke

1-6

1-6
1-6

Statik der Tragwerke

2
2

Mechanische Grundlagen

2 Mechanische Grundlagen 2.1 Kraftgrößen Zur Einführung in das Gleic hgewichtsproblem der Statik werden hier ein

2.1

Kraftgrößen

Zur Einführung in das Gleichgewichtsproblem der Statik werden hier ein paar wichtige Grundlagen der Mechanik wiederholt. In der Statik berechnen wir den Einfluß von statischen (nicht zeitlich veränderlichen) äußere Einwirkungen auf Tragwerke.

w 1 W 1 L/2 L/2
w 1
W 1
L/2
L/2
W 1
W 1

Abb. 2.1 Tragwerk mit Belastung (ebene Betrachtung)

Einwirkungen sind z.B. Belastungen durch Kräfte, Temperaturänderung, Kriechen und Schwinden. Den Einwirkungen wirkt das Tragwerk mit inneren Kräften entge- gen. Eine der zentralen Aufgaben der Baustatik ist es, das Gleichgewicht aller auf das und im Tragwerk wirkenden Kräfte nachzuweisen. In Abb. 2.1 ist ein Trag-

Statik der Tragwerke 2 - 1
Statik der Tragwerke 2 - 1
Statik der Tragwerke 2 - 1
Statik der Tragwerke 2 - 1

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

2-1

2

Mechanische Grundlagen Kraftgrößen

werk mit einer Belastung aus Eigengewicht dargestellt. Das Eigengewicht wird aus

dem spezifischen Gewicht

deten Materials berechnet. Die Masse pro Längeneinheit eines Tragwerkteils ist

γA

Gleichgewichtsbedingungen muß dies in eine Kraft umgerechnet werden. Die Ein-

heit einer Kraft ist Newton (N) wobei 1 N die Kraft ist, welche notwendig ist eine

Masse von 1 kg mit

wird in der Baustatik oft das Kilonewton (kN) als Einheit gewählt (1 kN = 1000

)ergibt sich pro Meter Längeneinheit

für das Eigengewicht

Um die Gleichgewichtsbedingung zwischen Belastung und Auflagerkräften auf- stellen zu können muß die verteilte Belastung in eine resultierende Einzellast (Kraftvektor) umgerechnet werden. Für den Fall einer gleichmäßig verteilten Bela-

stung ist die Größe der Resultierenden

Resultierenden liegt in der Mitte des Tragwerks. Um die Auflagerkräfte zu Bestim-

men, muß man das Tragwerk von den Auflagern loslösen und die dort wirkenden (resultierenden) Kräfte zeigen. Diese wirken in entgegengesetzter Richtung auf Tragwerk und Auflager (Prinzip actio/reactio). Einzelkräfte und die von diesen verursachten Momente nennt man auch Kraftgrößen.

und der Angriffspunkt der

N). Mit der Erdbeschleunigung g (

γ (Masse pro Volumseinheit, z.B.

kg

3

m

) des verwen-

wobei A die Querschnittsfläche des Tragwerkteils ist. Für das Aufstellen der

1m

w 1

s 2

zu beschleuningen. Da Newton eine kleine Einheit ist,

= γAg

9

,

81 m/s

N m

.

2

W 1

=

w

1

L

2.1.1

Kraft

Eine Einzelkraft ist durch Angriffspunkt, Richtung und Größe bestimmt. Eine Kraft kann demnach durch einen Vektor dargestellt werden. Die Größe des Kraft- vektors wird zeichnerisch als Betrag dargestellt, der Richtungssinn wird durch die Pfeilspitze angegeben (s. Abb. 2.1). Es soll hier festgestellt werden, dass es in der Natur keine Einzelkräfte gibt, sondern dass diese immer als Resultierende von ver- teilten Kräften angesehen werden sollen (siehe unter Modellbildung).

Wirkungslinie

Betrag Angriffspunkt
Betrag
Angriffspunkt

Wirkungsrichtung

Abb. 2.2 Darstellung einer Kraft als Vektor

2.1.1.1 Komponenten einer Kraft

Für die Berechnung ist es sinnvoll, Kräfte in Komponenten bestimmter orthogona- ler Richtungen zu zerlegen. Abb 2.3 zeigt die Zerlegung in Richtung der zwei Ach-

2-2 Statik der Tragwerke
2-2 Statik der Tragwerke
2-2 Statik der Tragwerke
2-2 Statik der Tragwerke

2-2

2-2
2-2

Statik der Tragwerke

Mechanische Grundlagen

Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen

Kraftgrößen

Mechanische Grundlagen Kraftgrößen
Mechanische Grundlagen Kraftgrößen

sen des kartesischen Koordinatensystems für ebene Systeme und Abb. 2.4 in die drei Achsen für räumliche Systeme.

y

P y

P P cos α x P = = P P sinα y α x P
P
P
cos α
x
P
=
=
P
P
sinα
y
α
x
P x
Abb. 2.3 Komponenten einer Kraft in der Ebene

z

y P P y P x x
y P
P y
P x
x

P z

P

=

P x

P y

P z

Abb. 2.4 Komponenten einer Kraft im Raum

2.1.1.2 Vektorrechnung

Hier soll eine kleine Einführung in die Vektorrechnung gegeben werden, die für das Folgende von Nutzen sein wird.

Multiplikation eines Vektors mit einem Skalar

P

=

Pe

,

Addition von Vektoren

R

=

P

1

+

P

2

+ P 3

,

P

P

x

y

R

R

=

x

y

P

=

e

e

x

y

P

P

x1

y1

+

+

P

P

x2

y2

+

+

P x3

P y3

Statik der Tragwerke 2 - 3
Statik der Tragwerke 2 - 3
Statik der Tragwerke 2 - 3
Statik der Tragwerke 2 - 3

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

2-3

2

Mechanische Grundlagen Kraftgrößen

R wird auch als Resultierende der Kräfte bezeichnet. Die Bestimmung der Resul- tierenden ist auch graphisch möglich (siehe Abb. 2.5).

P 1 P 2 P P 3 3
P 1
P 2
P P 3
3
P 2 P 3 P 1 R
P 2
P 3
P 1
R

Abb. 2.5 Graphische Bestimmung der Resultierenden

Projektion eines Vektors auf einen anderen

Will man die Länge der Projektion von einem Vektor auf einen anderen berechnen, verwendet man am besten das Skalarprodukt von zwei Vektoren.

P α e P e
P
α
e
P e

P e

=

=

P e

P

=

P

x

e

e cos α

x

+

P y e y

Abb. 2.6 Projektion eines Vektors mit Hilfe des Skalarprodukts

2.1.1.3 Transformation

Im folgenden wird die Projektion eines Kraftvektors in ein lokales, othogonales,

benö-

tigt. Diese Projektion erhält man am einfachsten mit Hilfe des Skalarprodukts:

durch Einheitsvektoren

e' 1 und

e' 2

definiertes Koordinatensystem

x'

und

y'

P

x'

=

P

e'

1

=

P

x

e'

1x

+

P y e' 1y

P

y'

=

P

e'

2

=

P

x

e'

2x

+

P y e' 2y

2-4 Statik der Tragwerke
2-4 Statik der Tragwerke
2-4 Statik der Tragwerke
2-4 Statik der Tragwerke

2-4

2-4
2-4

Statik der Tragwerke

Mechanische Grundlagen

Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen

Kraftgrößen

Mechanische Grundlagen Kraftgrößen
Mechanische Grundlagen Kraftgrößen
Beispiel Gegeben sei (Abb. 2.7) die Richtung x' des lokalen Koordinatensystems durch eine Gerade mit
Beispiel
Gegeben sei (Abb. 2.7) die Richtung
x'
des lokalen Koordinatensystems durch eine
Gerade mit den Endkoordinaten (0,0) und (
Δx, Δy
). Die Richtung
y'
steht normal
dazu. Gesucht sind die Komponenten des Vektors P in Richtung
x'
und
y'
(
und
P x'
).
P y'
Einheitsvektoren:
P
y'
x'
Δx
e
= 1 L
1
Δy
P y'
P x'
e 2
y
–Δy
L
e
= 1 L
2
Δy
Δx
e 1
α
x
L
=
Δx
2
+ Δy 2
Δx
Abb. 2.7 Beispiel für eine Transformation eines Vektors
Die Vektorrechnung ergibt:
= P
e
P
+
P
=
P
x Δx ⁄ L
+
P
y Δy ⁄ L
1 =
P x'
x
e 1x
y
e 1y
= P
e
P
+
P
=
–P
x Δy ⁄ L
+
P
y Δx ⁄ L
2 =
P y'
x
e 2x
y
e 2y
Führt man den Winkel
α ein so ergibt sich:
cos α=
Δx ⁄ L , sin α
= Δy ⁄ L
= –P
x sinα
+
P
y cosα
P y'
= P
x cosα
+
P
y sinα
P x'
Das Ergebnis kann auch in Matrizenschreibweise dargestellt werden
P
cos α
sin α
P
x'
x
=
P
– sinα cosα
P
y'
y
Statik der Tragwerke 2 - 5
Statik der Tragwerke 2 - 5
Statik der Tragwerke 2 - 5
Statik der Tragwerke 2 - 5

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

2-5

2

Mechanische Grundlagen Kraftgrößen

2.1.2

Moment

2.1.2.1 Moment einer Kraft

Das (statische) Moment eines Kraftvektors P um einen Punkt o wird als das Vek- torprodukt von P und dem Vektor r, der den Punkt o mit dem Angriffspunkt von P verbindet (siehe Abb. 2.8), definiert.

M

=

rP

×

,

M

=

M

=

r

cos

α P =

l P

Der Momentenvektor M steht normal auf der von den Vektoren r und P gebildeten

Fläche. Die Länge von M (

malabstand der Wirkungslinie der Kraft P zum Punkt o und entspricht dem Moment der Kraft um o. Nach der rechten-Hand Regel entspricht einem aus der Ebene zum Beobachter zeigender Momentenvektor einem Moment entgegen dem Uhrzeigersinn. Dies wird im folgenden als positive Momentenrichtung angenom- men.

oder einfach als M bezeichnet) ist Kraft mal Nor-

M

z

M P y r o α l x im Raum
M
P
y
r
o α
l
x im Raum

y

P y P M r x P x o r r y α l in
P y
P
M
r x
P x
o
r
r y
α
l
in der Ebene
x

Abb. 2.8 Moment einer Kraft

Liegen die Vektoren r und P in der x-y Ebene, so ergibt sich das Vektorprodukt als:

M

=

rP×

=

r

r

x

y

0

×

P

x

P

y

0

=

M=r x P y

0

r y 0

0P x – 0r x

P

y

r x P y

P x r y

P

x

r

y

=

lP

=

r x P y

0

0

P x r y

Daraus ersieht man, dass in diesem Fall der Momentenvektor normal auf der x-y Ebene steht. Aus Abb. 2.8 ist ersichtlich, dass sich das Moment einer Kraft nicht

2-6 Statik der Tragwerke
2-6 Statik der Tragwerke
2-6 Statik der Tragwerke
2-6 Statik der Tragwerke

2-6

2-6
2-6

Statik der Tragwerke

Mechanische Grundlagen

Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen

Kraftgrößen

Mechanische Grundlagen Kraftgrößen
Mechanische Grundlagen Kraftgrößen

ändert, wenn die Kraft entlang ihrer Wirkungslinie verschoben wird. Ein Moment hat die Dimension Kraft mal Länge. Eine übliche Einheit für Momente ist [kNm].

2.1.2.2 Moment von mehreren Kräften

Das (resultierende) Moment von mehreren Kräften um einen Punkt o ist die Summe der Momente aller Kräfte (siehe Abb. 2.9).

P 1 P 2 l 1 l 2 P 3 M o l 3
P 1
P 2
l 1
l 2
P 3
M o
l 3

M o

=

ΣM

=

o

P

1

l

1

+

P

2

l

2

P 3 l 3

Abb. 2.9 Resultierendes Moment von mehrern Kräften in der Ebene

2.1.2.3 Moment eines Kräftepaars

Haben zwei Kräfte die gleiche Größe, entgegengesetzte Richtungen und verschie- dene Wirkungslinien, so spricht man von einem Kräftepaar (s. Abb. 2.10). Ein Kräftepaar hat um jeden beliebigen Punkt in der von den beiden Kraftvektoren definierten Ebene das gleiche Moment. Auf den allgemeinen drei-dimensional Fall übertragen bedeutet dies, dass man einen Momentenvektor beliebig verschie- ben kann.

o2 l 2 l l 1 o1 P M
o2
l 2
l
l 1
o1
P
M

M

P

beliebig verschie- ben kann. o2 l 2 l l 1 o1 P M M P Moment

Moment um o1:

M

(

=

P

l

1

+ l)

Pl

1

=

Pl

Moment um o2:

M

=

P

(

l

2

+ l)

Pl

2

=

Pl

Abb. 2.10 Moment eines Kräftepaars

Wie man in Abb. 2.11 sieht, kann man sich eine nicht im Punkt o wirkende Kraft auch als eine im Punkt o wirkende Kraft und einen Momentenvektor vorstellen.

Statik der Tragwerke 2 - 7
Statik der Tragwerke 2 - 7
Statik der Tragwerke 2 - 7
Statik der Tragwerke 2 - 7

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

2-7

2

Mechanische Grundlagen Gleichgewicht

z

M P P y r o α l x
M
P P
y
r
o α
l
x
M = Pl P P = l P
M =
Pl
P
P
=
l
P

P

z M P P y r o α l x M = Pl P P =

=

P
P

Abb. 2.11 Ersatzsystem für ein Kräftesystem im Raum

2.2

Gleichgewicht

In der Statik betrachten wir nur Kraftsysteme die im Gleichgewicht sind, daher wird das Konzept des Gleichgewichts hier näher erläutert.

2.2.1 Gleichgewicht eines Punktes

Ein Punkt mit der Masse m an dem Kräfte angreifen wird in eine bestimmte Rich- tung beschleunigt. Bei einem System ist der Richtungsvektor der Beschleunigung in der Ebene durch zwei, im Raum durch drei Komponenten definiert.

Der Punkt hat somit zwei bzw. drei Freiheitsgrade. Wenn die vektorielle Summe aller am Punkt angreifenden Kraftgrößen (resultierende Kraftgrösse) verschwin- det ist die Beschleunigung des Punktes Null, d.h. der Punkt befindet sich im Gleichgewicht.

Der rechnerische Nachweis für Gleichgewicht eines Punktes in der Ebene ist:

2-8 Statik der Tragwerke
2-8 Statik der Tragwerke
2-8 Statik der Tragwerke
2-8 Statik der Tragwerke

2-8

2-8
2-8

Statik der Tragwerke

P xi R = ∑ = P yi
P xi
R
= ∑
=
P yi

0

0

Mechanische Grundlagen

Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen

Gleichgewicht

Mechanische Grundlagen Gleichgewicht
Mechanische Grundlagen Gleichgewicht

Für die Bestimmung des Gleichgewichts in der Ebene stehen zwei Gleichungen zur Verfügung. Zeichnerisch bedeutet das Gleichgewicht, dass sich das Kraftpoly- gon schließt (Abb. 2.12).

R = P ++ P 1 2 P 1 P 2
R
=
P
++
P
1
2
P 1
P 2

P

3

=

0

P 2 P 3 P 1
P 2
P 3
P 1

Graphische Darstellung

Abb. 2.12 An einem Punkt angreifende ebene Kräfte im Gleichgewicht

Der rechnerische Nachweis für Gleichgewicht eines Punktes im Raum ist:

R

=

P

P

P

xi

yi

zi

=

0

0

0

Für die Bestimmung des Gleichgewichts im Raum stehen drei Gleichungen zur Verfügung.

2.2.1.1 Alternative Gleichgewichtsbedingung - Prinzip der Virtuellen Arbeiten

Eine alternative Möglichkeit Gleichgewichtsbedingungen zu formulieren ist das Prinzip der virtuellen Arbeiten. Das Prinzip besagt, dass, wenn ein im Gleichge- wicht befindlicher Punkt um einen virtuellen (gedachten) Betrag verschoben wird, die Summe aller virtuellen Arbeiten, die von den am Punkt angreifenden Kräften geleistet werden, verschwinden muss. Die virtuellen Verschiebungen können beliebig angenommen werden und haben keine Dimension. Da hier die Annahme kleiner Verformungen gilt, werden virtuelle Verschiebungen auch als unendlich klein angenommen.

Die Arbeit einer Kraft ist das Skalarprodukt des Kraftvektors und des Verfor- mungsvektors. Verschiebt man einen wie in Abb. 2.13 einen belasteten Punkt um

eine virtuelle Verschiebung

δu

, so ergibt sich:

W

=

P

1

• δu

+

P

2

• δu

+

P

3

• δu

==(

+

P

1

+

P

2

P

3

)δ•

u

0

oder in Skalarschreibweise:

W

=

(

P

1x

+

P

2x

+

P

3x

u

x

+

(

P

1y

+

P

2y

+

P

3y

u

y

=

0

Statik der Tragwerke 2 - 9
Statik der Tragwerke 2 - 9
Statik der Tragwerke 2 - 9
Statik der Tragwerke 2 - 9

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

2-9

2

Mechanische Grundlagen Gleichgewicht

Nachdem bei einem System im Gleichgewicht der Klammerausdruck verschwin- den muss, ergibt sich W=0.

P 1 P 2 δu P P 3 3
P 1
P 2
δu
P P 3
3

Abb. 2.13 Nachweis des Gleichgewichts mit Hilfe einer virtuellen Verschiebung

2.2.2 Gleichgewicht eines belasteten starren Körpers in der Ebene

Im Gegensatz zu Punkten kommt bei starren Körpern zusätzlich zur Tanslationsbe- wegung noch ein zusätzlicher Freiheitsgrad, die Rotation, dazu, d.h. starre Körper haben in der Ebene 3 Freiheitsgrade.

Ein starrer ebener Körper, an dem Kräfte angreifen, ist im Gleichgewicht, wenn sowohl die Resultierende dieser Kräfte als auch das Moment, das durch diese Kräfte verursacht wird, um jeden beliebigen Punkt o verschwindet.

R

0

0

P xi

== =

,

o

M

P yi

0

Für die Bestimmung des Gleichgewichts in der Ebene stehen drei Gleichungen zur Verfügung. In Abbildung 2.14 wird gezeigt, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, die Gleichgewichtsbedingungen zu formulieren, d.h. man kann die Momen- tengleichung auch mehrmals anwenden. Allerdings muß man in der Wahl der Punkte, um die das Moment berechnet wird, aufpassen, da zwei Gleichungen linear abhängig werden können.

 

10 kN 

   
 
  L/2   L/2

L/2

 

L/2  L/2  

  L/2   L/2
   

C

o

o

 
 
 
 

A

L

2-10 Statik der Tragwerke
2-10 Statik der Tragwerke
2-10 Statik der Tragwerke
2-10 Statik der Tragwerke

2-10

2-10
2-10

Statik der Tragwerke

B

(1)

(2)

(3)

P

xi

P

yi

M o

= 0

= 0

= 0

;

;

;

C= 0

A+B 10= 0

B L 10 L 2

=

0

10 kN        L/2 L/2 o2 o1   A L C B (1) (2)

     
     
  L/2 L/2
 

L/2

L/2  L/2

o2

o1

 
 

A

L

C

    L/2 L/2 o2 o1   A L C B (1) (2) (3) Mechanische Grundlagen

B

(1)

(2)

(3)

Mechanische Grundlagen

Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen

Gleichgewicht

Mechanische Grundlagen Gleichgewicht
Mechanische Grundlagen Gleichgewicht

P xi

M

M

o1

o2

= C= 0

0

;

 

= 0

;

A L 10 L 2

=

0

= 0

;

B L 10 L 2

=

0

Achtung: o1 und o2 darf nicht senkrecht zur x-Achse sein!

10 kNAchtung: o1 und o2 darf nicht senkrecht zur x-Achse sein! h C o3 o2 L/2 L/2

h

C

o1 und o2 darf nicht senkrecht zur x-Achse sein! 10 kN h C o3 o2 L/2
o1 und o2 darf nicht senkrecht zur x-Achse sein! 10 kN h C o3 o2 L/2
o1 und o2 darf nicht senkrecht zur x-Achse sein! 10 kN h C o3 o2 L/2

o3

und o2 darf nicht senkrecht zur x-Achse sein! 10 kN h C o3 o2 L/2 L/2

o2

L/2

L/2

o1

senkrecht zur x-Achse sein! 10 kN h C o3 o2 L/2 L/2 o1 A L (1)

A

L

(1)

(2)

(3)

M o1

M o2

M o3

= 0

= 0

=

0

;

;

;

A L 10 L 2

=

0

B L 10 L 2

=

0

B

L

---

2

A

L

--- + Ch

2

=

0

Achtung: o1,o2 und o3 dürfen nicht B auf einer Gerade liegen!

Ergebnis: A= 5 kN, B= 5 kN, C= 0

Abb. 2.14 Verschiedene Möglichkeiten, Gleichgewichtsbedingungen eines starren Körpers in der Ebene aufzustellen

2.2.2.1 Nachweis des Gleichgewichts mit Hilfe der virtuellen Arbeit

Der Nachweis kann auch mit Hilfe des Prinzips der virtuellen Arbeit erfolgen. Dies wird in Abb. 2.15 gezeigt. Um die Auflagerkraft B zu errechnen wird der Punkt B um 1 gesgenkt. Die geleistete virtuelle Arbeit ist:

W

= –

B

δu

By

+

10

δu y

Die Gleichgewichtsgleichung ergibt sich als:

W

= –

B

1

+

10

1

---

2

=

0

Mit B= 5 kN ergibt sich derselbe Wert, der vorher errechnet wurde.

Statik der Tragwerke 2 - 1 1
Statik der Tragwerke 2 - 1 1
Statik der Tragwerke 2 - 1 1
Statik der Tragwerke 2 - 1 1

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

2-11

2

Mechanische Grundlagen Gleichgewicht

 

10

kN

     
     
L/2 L/2

L/2

L/2

L/2

 
 

A

L

C

kN       L/2 L/2   A L C B 10 kN 1 δu y

B

10 kN 1 δu y = --- 2 L/2 L/2 C δu By = 1
10 kN
1
δu y
=
---
2
L/2
L/2
C
δu By =
1
L
A
B

Abb. 2.15 Nachweis des Gleichgewichts mit Hilfe der virtuellen Arbeiten

2.2.3 Gleichgewicht eines räumlichen Systems

Ein räumliches System hat sechs Freiheitsgrade, also sechs Möglichkeiten sich zu bewegen: Translationen in x-, y- und z-Richtung und Rotationen um die x-, y- und z-Achse. Daher gibt es für einen räumlichen Körper auch sechs Gleichgewichtsbe- dingungen:

R

=

P

P

P

xi

yi

zi

=

0

0

0

,

M o =

M

M

M

xi

yi

zi

o

=

0

0

0

Abb. 2.16 Gleichgewichtsbedingungen im Raum

2-12 Statik der Tragwerke
2-12 Statik der Tragwerke
2-12 Statik der Tragwerke
2-12 Statik der Tragwerke

2-12

2-12
2-12

Statik der Tragwerke

Mechanische Grundlagen

Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen
Mechanische Grundlagen

Gleichgewicht

Mechanische Grundlagen Gleichgewicht
Mechanische Grundlagen Gleichgewicht

Beispiel:

Gegeben ist ein System im Gleichgewicht mit der Belastung 10 kN, gesucht wer- den die Kräfte A,B,C,D,E,F

z E y a F c x C b D 10 KN L/2 a A
z
E
y
a F
c
x C
b
D
10 KN
L/2
a
A
L/2
L
B b
c
(1)
= 0
D + E
=
0
P xi
(2)
P
= 0
F
=
0
yi
(3)
P
= A ++B
0
C – 10
=
0
zi
(4)
= 0
10 ⋅ L – B ⋅ L
=
0
M aa
L
(5)
0
= C
L
10
⋅ ---
=
0
M bb
2
(6)
= 0
E ⋅ L
=
0
M cc

Ergebnis: A= -5 kN, B= 10 kN, C= 5kN, D= 0 kN, E= 0 kN, F= 0 kN

Statik der Tragwerke 2 - 1 3
Statik der Tragwerke 2 - 1 3
Statik der Tragwerke 2 - 1 3
Statik der Tragwerke 2 - 1 3

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

2-13

2

Mechanische Grundlagen Gleichgewicht

2-14 Statik der Tragwerke
2-14 Statik der Tragwerke
2-14 Statik der Tragwerke
2-14 Statik der Tragwerke

2-14

2-14
2-14

Statik der Tragwerke

3
3

Idealisierungen in der Baustatik

3 Idealisierungen in der Baustatik Modellbildung Tragwerksgeometrie, Aufl ager und Verbindungen Einwirkungen 3.1

Modellbildung Tragwerksgeometrie, Auflager und Verbindungen Einwirkungen

3.1

Modellbildung

Die Aufgabe des Statikers ist es, die Tragwirkung einer Konstruktion sowie die, das Bauwerk beanspruchenden Einwirkungen (Lasten), möglichst wirklichkeits- nahe zu erfassen. Im Allgemeinen sind Tragwerke jedoch komplexe dreidimensio- nale Gebilde. Um diese komplexe Aufgabe rechnerisch bewältigen zu können, ist es vielfach notwendig, das Bauwerk und die Belastung stark zu vereinfachen. Es muss ein System gefunden werden, das einerseits das Tragverhalten befriedigend beschreibt und das andererseits einen vertretbaren Aufwand erfordert. Die Verein- fachung des Systems um den Aufwand zu minimieren lässt sich unter dem Begriff Modellbildung zusammenfassen.

Als nur der Rechenschieber als einziges Hilfsmittel zur Verfügung stand, war eine effiziente Modellbildung unabdingbar, da nur durch eine sehr effiziente Modellbil- dung eine Rechnung überhaupt möglich war. Mit der Verfügbarkeit von Rechen- programmen, die komplexe 3-D Systeme in Sekundenschnelle rechnen können, ist die Notwendigkeit einer effizienten Modellbildung nicht mehr in dem Ausmaß gegeben. Modellbildung ist aber trotzdem von sehr großer Wichtigkeit. Sehr oft wird das Tragwerk „zu Tode gerechnet“ d.h. der betriebene Aufwand steht in kei- nem Verhältnis zu der Qualität der Ergebnisse.

Für die Beschreibung eines Tragwerkes ist folgende Information notwendig:

Geometrische Form

Übergangsbedingungen zwischen Tragwerksteilen (Gelenke etc.)

Material

Im folgenden wird zunächst näher auf die Beschreibung der geometrischen Form eingegangen.

Statik der Tragwerke 3 - 1
Statik der Tragwerke 3 - 1
Statik der Tragwerke 3 - 1
Statik der Tragwerke 3 - 1

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

3-1

3

Idealisierungen in der Baustatik Prinzipielles Vorgehen

3.2 Prinzipielles Vorgehen

Das wirkliche Tragwerk muss in ein Gedankenmodell überführt werden mit dem sein mechanisches Verhalten simuliert (berechnet) werden kann. Für die Berech- nung ist es notwendig ein (numerisches) Berechnungsmodell zu erstellen welches aus Eingabedaten für Computerprogramme besteht. Das Konzept soll hier an Hand des Towers Flughafen Wien (derzeit der größte in Europa) erklärt werden. Von einem dreidimensionalen „Prototyp“ augegehend identifizieren wir zunächst das mechanische Modell. Dies besteht aus flächenförmigen und linienförmigen Trag- werksteilen. Beim Übergang vom mechanischen Modell in das Berechnungsmo- dell muss man überelegen ob die flächenhaften Elemente eine wesentliche Tragwirkung haben. Im speziellen Fall wurde entschieden, das Berechnungsmo- dell nur mit linienhaften Tragwerksteilen zu modellieren.

dell nur mit linienhaften Trag werksteilen zu modellieren. Numerisches Modell Mechanisches Modell Wirklichkeit Abb. 3.1

Numerisches Modell

Trag werksteilen zu modellieren. Numerisches Modell Mechanisches Modell Wirklichkeit Abb. 3.1 Die zwei Stufen
Trag werksteilen zu modellieren. Numerisches Modell Mechanisches Modell Wirklichkeit Abb. 3.1 Die zwei Stufen

Mechanisches Modell

zu modellieren. Numerisches Modell Mechanisches Modell Wirklichkeit Abb. 3.1 Die zwei Stufen der Modellbildung an

Wirklichkeit

Abb. 3.1 Die zwei Stufen der Modellbildung an Hand eines Beispiels (Tower Floghafen Wien, Ingenieurbüro Lorenz)

Das Beispiel soll zeigen, dass für die Betrachtung des gesamten Tragwerks linien- hafte und flächenhafte Tragwerksteile indentifiziert werden. Ein wichtiger Aspekt der Erstellung eines Berechnungsmodells ist die Identifizierung von Tragwerkstei- len (dies ist auch unter dem Terminus Diskretisierung bekannt).

3.2.1

Diskretisierung

Die diskrete Beschreibung eines Tragwerks ist die Grundvoraussetzung für die numerische Berechnung. Dabei wird das Tragwerk in einfachere Teile zerlegt. Für

3-2 Statik der Tragwerke
3-2 Statik der Tragwerke
3-2 Statik der Tragwerke
3-2 Statik der Tragwerke

3-2

3-2
3-2

Statik der Tragwerke

Idealisierungen in der Baustatik

Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik

Prinzipielles Vorgehen

Idealisierungen in der Baustatik Prinzipielles Vorgehen
Idealisierungen in der Baustatik Prinzipielles Vorgehen

flächenhafte Teile sind das die Finitene Elemente, für linienhafte Teile Stabele- mente. Beispiele für eine Diskretisierung sind in Abb. 3.2 dargestellt.

Stabelement
Stabelement
Diskretisierung sind in Abb. 3.2 dargestellt. Stabelement Knoten (starre Verbindung zwischen den Elementen)
Diskretisierung sind in Abb. 3.2 dargestellt. Stabelement Knoten (starre Verbindung zwischen den Elementen)

Knoten (starre Verbindung zwischen den Elementen) zwischen den Elementen)

Momentengelenk (gelenkige Verbindung zwischen den Elementen)Knoten (starre Verbindung zwischen den Elementen) Rahmen Bogen (Näherung durch gerade Stabelemente)

Momentengelenk (gelenkige Verbindung zwischen den Elementen) Rahmen Bogen (Näherung durch gerade Stabelemente)
Rahmen Bogen (Näherung durch gerade Stabelemente) Trägerrost
Rahmen
Bogen (Näherung durch gerade Stabelemente)
Trägerrost
     
 
     
   
     
 

Finites

 
  Finites  

Element

Element
  Scheibe
 
  Scheibe
  Scheibe

Scheibe

        Finites   Element   Scheibe
        Finites   Element   Scheibe
        Finites   Element   Scheibe

Abb. 3.2 Diskretisierung von Tragwerken

Der Vorteil einer Diskretisierung ist dass die einzelnen Stäbe zuerst getrennt von- einander betrachtet werden können und dann mit Hilfe der Übergangsbedingungen zu einem Gesamttragwerk zusammengesetzt (assembliert) werden können.

3.2.2 Lokale Effekte

Für die effziente Modellbildung ist es überaus wichtig dass man für die Betrach- tung des Gesamttragwerks lokale Effekte, d.h. Effekte welche einen sehr begrenz-

Statik der Tragwerke 3 - 3
Statik der Tragwerke 3 - 3
Statik der Tragwerke 3 - 3
Statik der Tragwerke 3 - 3

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

3-3

3

Idealisierungen in der Baustatik Prinzipielles Vorgehen

ten Einfluss auf des Gesamttragwerk haben, nicht berücksichtigt. Dies sei hier an zwei einfachen Beispielen erklärt. Belastet man einen Kragträger mit einer gleich- mäßig verteilten Belastung oder einer Einzellast, so ist für den überwiegenden Großteil des Tragwerks kein Unterschied zu sehen, solange die Resultierende der verteilten Belastung der Einzellast entspricht (Abb. 3.3). Das heißt, dass der Ein- fluss sich auf einen kleinen Bereich beschränkt. Dies ist auch unter der Bezeich- nung Krafteinleitungsproblem bekannt und nicht vernachlässigbar jedoch für das Gesamttragwerk von untergeordneter Bedeutung. Krafteinleitungsprobleme kann man am effizientesten durch Detailstudien, wo nur der Bereich der Lasteinleitung betrachtet wird, lösen.

P=qh q h
P=qh
q
h

Abb. 3.3 Einfluss einer konzentrierten Einzellast auf die Spannungsverteilung im Kragträger (gezeigt werden Kontouren der horizontalen Spannung)

Dieses Prinzip ist auch auf Auflager anwendbar. In Abb. 3.4 wird gezeigt, dass die Lage der Auflager für die Biegebeanspruchung des Einfeldträgers einen vernach- lässigbaren Einfluss hat.

Einfeldträge rs einen vernach- lässigbaren Einfluss hat. Abb. 3.4 Einfluss der Position des Auflagers auf die
Einfeldträge rs einen vernach- lässigbaren Einfluss hat. Abb. 3.4 Einfluss der Position des Auflagers auf die

Abb. 3.4 Einfluss der Position des Auflagers auf die Spannungsverteilung eines Einfeldträgers (gezeigt werden die Kontourlinien der horiz. Spannung)

Dies wurde übrigens schon 1855 von Saint Ve nnant erkannt und ist als das Prinzip von St. Vennant bekannt welches lautet:

3-4 Statik der Tragwerke
3-4 Statik der Tragwerke
3-4 Statik der Tragwerke
3-4 Statik der Tragwerke

3-4

3-4
3-4

Statik der Tragwerke

Idealisierungen in der Baustatik

Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik

Tragwerkselemente

Idealisierungen in der Baustatik Tragwerkselemente

„Zwei verschiedene Verteilungen einer Last, die auf dieselbe Stelle eines Körpers wirken, haben grundsätzlich dieselbe Auswirkung auf jene Teile des Körpers, die genügend weit weg von der Laststelle sind vorausgesetzt die angreifenden Lasten haben die gleiche Resultierende“.

Das Prinzip von Saint Venant ist Voraussetzung für die Dimensionsreduktion der Geometrie und für die Idealisierung von Belastungen in Einzellasten.

3.3

Tragwerkselemente

3.3.1

Flächentragwerke

Als Flächentragwerke bezeichnet man Tragwerke oder Tragwerksteile, deren Dicke t klein im Verhältnis zu den Längenabmessungen ist. Flächentragwerke kann man wie folgt unterteilen:

Schalen (räumlich gekrümmt)

Platten (eben mit Belastung normal zur Ebene)

Scheiben (eben mit Belastung in der Ebene)

Faltwerke (aus ebenen Teilen bestehend).

Bei diesen Tragwerken können wegen der geringen Dicke vereinfachte Annahmen in der Dickenrichtung angenommen werden. Dadurch kann, statt mit einem drei- dimensionalen Kontinuum das Tragwerk mit Flächen beschrieben werden (Dimensionsreduktion).

mit Flächen be schrieben werden ( Dimensionsreduktion ). Kirchhof oder Mindlin Abb. 3.5 Dimensionsreduktion bei

Kirchhof

be schrieben werden ( Dimensionsreduktion ). Kirchhof oder Mindlin Abb. 3.5 Dimensionsreduktion bei

oder Mindlin

werden ( Dimensionsreduktion ). Kirchhof oder Mindlin Abb. 3.5 Dimensionsreduktion bei Schalentragwerk Platten

Abb. 3.5 Dimensionsreduktion bei Schalentragwerk

Platten und Schalen

In der Kirchhoff’sche und Mindlin’schen Plattentheorie wird angenommen dass Querschnitte auch nach der Verformung eben bleiben. In der Kirchhoff’sche Plat- tentheorie wird zusätzlich angenommen dass Querschnitte immer normal zur Mit- telfläche stehen. Flächentragwerke können praktisch nur mit numerische Methoden wie z.B. der Methode der Finiten Elemente berechnet werden. Als Bei- spiel sei hier die Modellbildung für ein Hyparschale, wo ein Schalenmodell gewählt wurde, gezeigt (Abb. 3.6).

Statik der Tragwerke 3 - 5
Statik der Tragwerke 3 - 5
Statik der Tragwerke 3 - 5
Statik der Tragwerke 3 - 5

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

3-5

3

Idealisierungen in der Baustatik Tragwerkselemente

Scheiben und Faltwerke

Bei Scheiben und Faltwerken wird der Dehnungsverlauf über die Dicke konstant angenommen. Als Beispiel sie hier das Computermodell für das Bauwerk „Oceans End“ in Hamburg, wo ein Faltwerkmodell gewählt wurde, gezeigt (Abb. 3.7).

Wirklichkeit
Wirklichkeit

Computermodell (mit Kontourlinien der z-Verformung)

Abb. 3.6 Modellbildung einer Hyparschale

Numerisches Modell Architektonisches CAD Modell
Numerisches Modell
Architektonisches
CAD Modell

Abb. 3.7 FE Modell Bürogebäude Oceans End (aus Baustatik-Baupraxis 9)

3-6 Statik der Tragwerke
3-6 Statik der Tragwerke
3-6 Statik der Tragwerke
3-6 Statik der Tragwerke

3-6

3-6
3-6

Statik der Tragwerke

3.3.2

Stabtragwerke

Idealisierungen in der Baustatik

Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik

Tragwerkselemente

Idealisierungen in der Baustatik Tragwerkselemente

Bei Stabtragwerken ist die Dicke und Breite klein im Verhältnis zur Länge sind. Hier kann die Dimension weiter reduziert und Linien verwendet werden. Voraus- setzung dafür ist die Annahme, dass ebene Querschnitte auch nach der Verformung eben bleiben. Die zugehörigen Theorien sind die von Euler-Bernoulli (Quer- schnitte bleiben normal zur Achse) und Timoshenko. Hier findet eine Reduktion der Dimension von 3-D auf 1-D statt.

y
y

x

eine Reduktion der Dimension von 3-D auf 1-D statt. y x Timoshenko Euler-Bernoulli x y z
Timoshenko
Timoshenko

Euler-Bernoulli

x

y z
y
z

z

Abb. 3.8 Dimensionsreduktion bei einem 3-D Stabelement

Bei der Darstellung des Stabelements als Linie geht zunächst die Information über den Querschnitt verloren, wird jedoch durch die Querschnittswerte (Fläche, Träg- heitsmoment, Drillsteifigkeit, siehe später) ersetzt. Eine weitere Reduktion des Berechnungsaufwands erreicht man indem man annimmt, dass das Stabelement in einer Ebene liegt und Belastungen nur in dieser Ebene aufgebracht werden (siehe Abb. 3.9).

x

Timoshenko y z
Timoshenko
y
z

Euler-Bernoulli

x

z
z

Abb. 3.9 2-D Stabelement

Statik der Tragwerke 3 - 7
Statik der Tragwerke 3 - 7
Statik der Tragwerke 3 - 7
Statik der Tragwerke 3 - 7

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

3-7

3

Idealisierungen in der Baustatik Auflager

3.4

Auflager

Tragwerke sind über Widerlager und Fundamente auf dem Boden aufgelagert. Dabei wirkt das Tragwerk mit der Auflagerkraft über das Widerlager bzw. Funda- ment auf den Boden. Die konstruktive Ausbildung der Auflager bestimmt, welche Weggrößen (Verschiebungen, Verdrehungen) gesperrt werden und somit welche Auflagerkräfte aktiviert werden. Auch hier findet eine Idealisierung statt: In Wirk- lichkeit sind die Weggrößen nicht exakt gesperrt, da der Boden eine gewisse Nach- giebigkeit aufweist. Um diese Nachgiebigkeit zu modellieren können Weg und Verdrehungsfedern verwendet werden (Abb. 3.10).

Wegfeder: k x (kN/mm)

Drehfeder: k d (kNm/rad)

Wegfeder: k x (kN/mm) Drehfeder: k d (kNm/rad) Wegfeder: k y (kN/mm) Abb. 3.10 Idealisierung eines

Wegfeder: k y (kN/mm)

Abb. 3.10 Idealisierung eines Auflagers für ein 2-D System

Allerdings ist es nicht sehr leicht den Federn entspechenden Steifigkeiten zuzuord- nen daher wird im allgemeinen angenommen dass gewisse Auflagerbewegungen gänzlich unterbunden sind. Der Einfluss, den die Steifigkeit einer Drehfeder auf die Ergebnisse hat ist an Hand eines Rahmentragwerkes in Abb. 3.11 darge- stellt.Hier wird die Steifigkeit der Drehfeder beider Auflager variiert und der Ein- fluss auf die Biegelinie beobachtet. Die Auswirkung der Drehfeder hängt vom Verhältnis der Verdrehsteifigkeit des Tragwerks zu jener der Drehfeder ab.

k d = 0 (Gelenk) k d = 1000 kNm/rad k d = ∞(Starr)
k d = 0 (Gelenk)
k d = 1000 kNm/rad
k d = ∞(Starr)

Abb. 3.11 Einfluss der Verdrehsteifigkeit der Auflager für einen ebenen Rahmen

3-8 Statik der Tragwerke
3-8 Statik der Tragwerke
3-8 Statik der Tragwerke
3-8 Statik der Tragwerke

3-8

3-8
3-8

Statik der Tragwerke

Idealisierungen in der Baustatik

Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik

Auflager

Idealisierungen in der Baustatik Auflager
Idealisierungen in der Baustatik Auflager

Man sieht dass der Einfluss der Verdrehsteifigkeit nicht vernachlässigbar ist und daher bei Annahme eines starren Auflagers in der konstruktiven Ausbildung bedacht genommen werden muss, eine große Verdrehsteifigkeit zu gewährleisten. Andererseits ist bei gelenkigen Auflagern zu berücksichtigen, dass Reibungskräfte auftreten und eine vollkommen kraftfreie Verschiebung/Verdrehung nicht stattfin- det. Aus den Ergebnissen in Abb. 3.11 sieht man jedoch dass hier eine geringe Ver- drehsteifigkeit keine große Auswirkung hat.

Bei Bauwerken - insbesondere Brücken - müssen bewegliche Auflager vorgesehen werden um Spannungen aus Temperaturänderung zu vermeiden. In Abbildung Abb. 3.12 wird der Einfluss der Lagerung auf die Normalkraft in einem Einfeldträ- ger gezeigt. Auch hier ist das Verhältnis von Lagersteifigkeit zur Stabsteifigkeit von Bedeutung (in Abb. 3.12. entspricht ein k w =10 kN/mm einem Verhältnis von 0.032). Es zeigt sich dass eine im Verhältnis zur Stabsteifigkeit geringe Steifigkeit des Auflagers einen geringen Einfluss auf die Normalkraft hat.

k w = 0
k w = 0
N
N
N
N

k w

=

0

k w = 10 kN/mm

k w

=

Abb. 3.12 Einfluss der Lagersteifigkeit auf die Normalkraft eines Einfeldträger

Bei der konstruktiven Ausführung der Lager ist zu beachten, dass genügend große Verschiebungswerte möglich sind. So ist bei einer Hängebrücke mit einer Spann- weite von 2000 m mit einer Lagerverschiebung aus einer Temperaturerhöhung von

30 Grad von T

werden die in der Baustatik gebräuchlichen Symbole, die Bewegungsmöglichkeit des Auflagers (Freiheitsgrade) sowie die entstehenden Auflagerkräfte gezeigt. Auflagerkräfte entstehen in Richtungen in denen die Bewegungsmöglichkeit gesperrt ist.

(!) zu rechnen. Im folgenden

α

T

L

30

10

–5

=

2000

=

0, 6 m

Statik der Tragwerke 3 - 9
Statik der Tragwerke 3 - 9
Statik der Tragwerke 3 - 9
Statik der Tragwerke 3 - 9

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

3-9

3

Idealisierungen in der Baustatik Auflager

3.4.1 Auflager für ebene Systeme

3.4.1.1 Verschiebliches Gelenkauflager

Beim verschieblichen, gelenkigen Auflager ist nur die Verschiebung in eine Rich- tung gesperrt. Bei der konstruktiven Ausbildung als Rollenlager werden keine Kräfte in horizontaler Richtung mobilisiert. Das Neoprenlager hingegen weist eine Steifigkeit aus, bei der Ausführung als Neoprenlager entstehen daher zwar zusätz- liche Auflagerkräfte aber diese werden hier vernachlässigt

liche Auflagerkräfte aber diese werden hier vernachlässigt Symbol Rollenlager Neoprenlager konstruktive Ausführungen

Symbol

aber diese werden hier vernachlässigt Symbol Rollenlager Neoprenlager konstruktive Ausführungen Abb.
aber diese werden hier vernachlässigt Symbol Rollenlager Neoprenlager konstruktive Ausführungen Abb.
aber diese werden hier vernachlässigt Symbol Rollenlager Neoprenlager konstruktive Ausführungen Abb.
aber diese werden hier vernachlässigt Symbol Rollenlager Neoprenlager konstruktive Ausführungen Abb.
aber diese werden hier vernachlässigt Symbol Rollenlager Neoprenlager konstruktive Ausführungen Abb.
aber diese werden hier vernachlässigt Symbol Rollenlager Neoprenlager konstruktive Ausführungen Abb.
aber diese werden hier vernachlässigt Symbol Rollenlager Neoprenlager konstruktive Ausführungen Abb.

Rollenlager

Neoprenlager

konstruktive Ausführungen

Abb. 3.13 Beispiel für ein (horizontal) verschiebliches Auflager

3.4.1.2 Unverschiebliches Gelenkauflager

Bei einem unverschieblichen (gelenkigen) Auflager sind die Verschiebungen gesperrt und nur die Verdrehung frei.

die Verschiebungen gesperrt und nur die Verdrehung frei. 3-10 Statik der Tragwerke Symbol konstruktive
3-10 Statik der Tragwerke
3-10 Statik der Tragwerke
3-10 Statik der Tragwerke
3-10 Statik der Tragwerke

3-10

3-10
3-10

Statik der Tragwerke

Symbol

konstruktive Ausführungen

Abb. 3.14 Unverschiebliches Auflager mit Gelenk.

Idealisierungen in der Baustatik

Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik
Idealisierungen in der Baustatik

Auflager

Idealisierungen in der Baustatik Auflager
Idealisierungen in der Baustatik Auflager

3.4.1.3 Eingespanntes Auflager

Bei einem eingespannten Auflager sind sowohl alle Verschiebungen als auch die Verdrehung gesperrt. Wie schon erwähnt ist exakte Einspannung ist praktisch nicht durführbar, da das Fundament und der Boden wo das Tragwerk aufgelagert ist eine gewisse Nachgiebigkeit hat.

Symbol

aufgelagert ist eine gewisse Nachgiebigkeit hat. Symbol konstruktive Ausführungen Abb. 3.15 Eingespanntes Auflager
aufgelagert ist eine gewisse Nachgiebigkeit hat. Symbol konstruktive Ausführungen Abb. 3.15 Eingespanntes Auflager

konstruktive Ausführungen

Abb. 3.15 Eingespanntes Auflager

3.4.1.4 Allgemein verwendete Symbole

verwendete

verwendete
verwendete
verwendete
verwendete

Symbole

verwendete Symbole Freiheits-     grade keine Auflager-   kräfte
verwendete Symbole Freiheits-     grade keine Auflager-   kräfte
verwendete Symbole Freiheits-     grade keine Auflager-   kräfte
verwendete Symbole Freiheits-     grade keine Auflager-   kräfte

Freiheits-

 
Freiheits-    
Freiheits-    
 

grade

keine

grade keine

Auflager-

Auflager-  
Auflager-  
 
Auflager-  

kräfte

Abb. 3.16 Ebene Stützung: Symbole, Freiheitsgrade und Auflagerkräfte

3.4.2 Auflager für 3-D Systeme

Für dreidimensionale Systeme ist die Beschreibung der Auflagersymbole komple- xer, da bis zu sechs Freiheitsgrade gesperrt werden können. Abb. 3.10 zeigt einige gebräuchliche Symbole.

Statik der Tragwerke 3 - 1 1
Statik der Tragwerke 3 - 1 1
Statik der Tragwerke 3 - 1 1
Statik der Tragwerke 3 - 1 1

Statik der Tragwerke

Statik der Tragwerke
Statik der Tragwerke

3-11

3

Idealisierungen in der Baustatik Verbindungen

Lager

Gelenkstab

Auflagerkraft-

 

Äquivalent

größen

 
 

x’

   
y’ z’
y’
z’

F

z’

 

x’

  x’ F x’ F z’ F y’  

F x’

F z’
F z’

F

y’

 
y’ z’
y’
z’
z’
z’

x’

y’

z’ x’ y’   F x’ F z F y’ M y’ M x’ M y’
 

F x’

F x’ F z F y’

F z

F y’

M
M

y’

M x’