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Plenarprotokoll 12 /11

17.10.96

Landtag von Baden-Württemberg


11. Sitzung 12. Wahlperiode

Stuttgart, Donnerstag, 17. Oktober 1996 • Haus des Landtags

Beginn: 9.36 Uhr Schluß: 17.44 Uhr

I N H A LT

Eröffnung – Mitteilungen des Präsidenten . . . . . . . . . . . . 471 3. a) Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion
der FDP/DVP und Stellungnahme des Wirt-
1. Aktuelle Debatte – Auswirkungen der Auseinan- schaftsministeriums – Lehrstellenversorgung
dersetzungen über die Entgeltfortzahlung im in Baden- Württemberg – Drucksache 12/3
Krankheitsfall auf den Wirtschaftsstandort Ba-
b) Antrag der Fraktion der SPD und Stellungnah-
den-Württemberg – beantragt von der Fraktion
me des Wirtschaftsministeriums – Zukunfts-
der SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 471
chancen junger Menschen in Ausbildung und
Abg. Maurer SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 471, 479 Beruf – Drucksache 12/13 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 495
Abg. Kurz CDU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 472
Abg. Sabine Schlager Bündnis 90/Die Grünen 473, 482 Antrag Drucksache 12/532
Abg. Pfister FDP/DVP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 474 Abg. Bloemecke CDU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 496
Abg. Krisch REP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 476, 484 Abg. Nagel SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 497, 504
Minister Dr. Döring . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 477, 484 Abg. Renate Thon Bündnis 90/Die Grünen . . . . 499
Abg. Oettinger CDU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 480 Abg. Hofer FDP/DVP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 501
Abg. Dr. Noll FDP/DVP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 482 Abg. Rapp REP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 503
Staatssekretär Dr. Mehrländer . . . . . . . . . . . . . . 504
2. Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und
Beschluß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 505
Stellungnahme des Ministeriums für Umwelt und
Verkehr – Projekt Stuttgart 21 – Durchführung
eines vergleichenden Raumordnungsverfahrens 4. a) Wahl eines Mitglieds des Staatsgerichtshofs
– Drucksache 12/109 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 485 und des stellvertretenden Präsidenten des
Staatsgerichtshofs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 505, 519
Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen . . . . . . . . 485, 491
Abg. Dr. Inge Gräßle CDU . . . . . . . . . . . . . . 487, 495 b) Wahl der Mitglieder und stellvertretenden
Abg. Brechtken SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 487 Mitglieder der Verwaltungsräte des Badi-
Abg. Hofer FDP/DVP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 489 schen Staatstheaters Karlsruhe, der Würt-
Abg. Eigenthaler REP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 490 tembergischen Staatstheater Stuttgart und
Minister Schaufler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 493 des Landestheaters Württemberg-Hohen-
Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen (zur Ge- zollern Tübingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 506, 519
schäftsordnung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 495
Abg. Kretschmann Bündnis 90/Die Grünen
Beschluß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 495 (zur Geschäftsordnung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 507

I
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(Minister Dr. Döring)

lich gewesen sind. Und er hat gesagt: „Sie hauen mit dem gestaffelte Redezeiten bei einer Grundredezeit von 5 Minu-
Ellenbogen alles weg; Sie machen alles platt.“ ten je Fraktion.
(Abg. Weimer SPD: Lohnfortzahlung!) Das Wort zur Begründung des Antrags erteile ich Herrn
Abg. Kuhn.
Wer so reinfährt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn
das Klima ein bißchen verschärft wird. Ich kann das nur als Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Herr Präsident, meine
eine Heuchelei ansehen, wenn jemand laufend nach Kon- Damen und Herren! Wer im Herzen einer Landeshauptstadt
sens ruft und sagt, wie das alles aussehen soll, und selber einen alten Bahnhof hat, muß etwas tun. Er muß diesen
hier dann das platt macht, was an Konsens angeboten wird. Bahnhof modernisieren.

(Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der (Abg. Haas CDU: Vor allem wenn es ein Kopf-
CDU) bahnhof ist!)

So kann es nicht gehen. Deswegen müssen Konzepte diskutiert werden, wie die Mo-
dernisierung am besten geschieht.
Sie brauchen – und das ist deutlich geworden – diesen Kon-
flikt, um aus Ihrem Tal herauszufinden. (Abg. Brechtken SPD: Das kann man sagen!)

(Zuruf der Abg. Beate Fauser FDP/DVP) Eine Vision für Stuttgart, die den Namen „Stuttgart 21“ ver-
dient, muß aber mehr sein als das Konzept für einen neuen
Sie brauchen diesen Konflikt, und deswegen reden Sie ihn Bahnhof. „Bahnhof 21“ ist nicht „Stuttgart 21“ und kann
händeringend herbei. nicht „Stuttgart 21“ sein.
Ich will dringend haben, daß wir an die Konsense, die es Wenn wir für diese Großstadt, für die Hauptstadt dieses
gegeben hat, anknüpfen können. Ich will mit Ihnen zusam- Landes wirklich eine Vision für 20 Jahre im voraus disku-
men nach Möglichkeit vermeiden, daß sich das, was sich tieren und planen wollen, brauchen wir die Beteiligung der
über zehn Tage bei uns außerordentlich schädlich für die Bürgerinnen und Bürger und die öffentliche Abwägung von
langsam wieder aufkommende Konjunktur vollzogen hat, Alternativen. Wenn sich fünf CDU-Größen mit einem
wiederholt; denn wir können uns bei Gott alles leisten, nur Bahnchef zusammentun, ein Video in Auftrag geben und
nicht solche Auseinandersetzungen und solche Produktions- von acht unterirdischen Gleisen für 5 Milliarden DM spre-
sperren und nicht weiterzuarbeiten. chen, kann dies keine Vision sein, die die Bürgerinnen und
Bürger ergreift, weil nicht öffentlich und unter Beteiligung
Wir haben im ersten Halbjahr 1996 erfreulicherweise 0,9 % der Bürgerinnen und Bürger zwischen Alternativen und ver-
Wachstum. Wir liegen damit unter den westlichen Bundes- schiedenen Möglichkeiten abgewogen worden ist.
ländern an dritter Stelle. Das zeigt: Baden-Württemberg be-
(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)
rappelt sich und kommt wieder ein Stück weit. Wir haben
die Chance, daß wir im zweiten Halbjahr 1996 die Eins vor Deswegen schlagen wir in unserem Antrag vor, daß in ei-
das Komma bekommen. Wir schaffen das nicht, wenn die nem vergleichenden Raumordnungsverfahren alle Varianten
Auseinandersetzung in der Weise weitergeführt wird. Des- fair und offen geprüft werden und danach entschieden wird,
wegen brauchen wir ganz selbstverständlich den Dialog und wie zu verfahren sei. In diesem vergleichenden Raumord-
den Konsens. Ich halte es auch für dringend notwendig, daß nungsverfahren soll der Antragsteller nicht nur darstellen
von der Politik gesagt wird: Wir tauchen da nicht ab. Wir müssen, warum er eine Alternative verwirft, sondern er soll
stehen auch nicht anheizend am Wegesrand, sondern sind auch mit der gleichen Untersuchungstiefe alle Alternativen
offen für den runden Tisch; ich will ihn ausdrücklich haben. tatsächlich fair prüfen müssen.
Aber da müssen Sie auch ein Stück mitmachen und dürfen
Die Landesregierung lehnt in der Stellungnahme zu unse-
nicht mit den Ellbogen alles niedermachen, was als Konsens
rem Antrag unseren Vorschlag ab, und das zeigt, daß sie
vorgeschlagen wird.
schon festgelegt ist, daß sie die Bürger nicht wirklich betei-
Ich will einen Konsens haben; wir brauchen ihn für Baden- ligen will und daß 5 Milliarden DM unter die Erde sollen.
Württemberg. Deswegen werden wir ihn auch anstreben. Sie wissen, wir haben viele Zweifel und Bedenken gegen-
über der offiziellen Variante der Bahn angeführt; ich will sie
(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP)
in der Kürze der Redezeit nicht alle darstellen. Die städte-
Präsident Straub: Meine Damen und Herren, es liegen baulichen Gründe und die ökonomischen Gründe sind be-
keine weiteren Wortmeldungen mehr vor. Damit ist die Ak- kannt. Ich bin der Meinung, daß auch bestimmte Argumente
tuelle Debatte beendet. nicht fair diskutiert wurden.
Der Zeitgewinn durch die Bahnhofsmaßnahme Stuttgart 21
Ich rufe Punkt 2 der Tagesordnung auf:
beträgt maximal drei bis vier Minuten. Natürlich wird die
Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Stel- Fahrtzeit zwischen Stuttgart und Ulm um über 20 Minuten
lungnahme des Ministeriums für Umwelt und Verkehr – kürzer; aber ein großer Teil dieses Zeitgewinns geht auf das
Projekt Stuttgart 21 – Durchführung eines vergleichen- Konto der Neubaustrecke, die ohnehin, egal, mit welcher
den Raumordnungsverfahrens – Drucksache 12/109 Variante, kommen wird.
Das Präsidium hat hier folgende Redezeiten festgelegt: für (Abg. Brechtken SPD: Die Sie durch das Filstal
die Begründung des Antrags 5 Minuten, für die Aussprache führen wollten!)

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Zum zweiten müssen Sie sehen, daß der tatsächliche Nah- auf den Fildern bedanken, weil die es wirklich durch ihren
verkehrsnutzen gering ist, Herr Brechtken. Nach den Plänen Widerstand gegen einseitige Planungen geschafft hat, zu er-
der Bahn soll Stuttgart 21 4,8 Millionen verlagerte Pkw- reichen, daß an dieser Stelle, wenn ich es richtig sehe, eine
Fahrten pro Jahr bringen. 4,8 Millionen klingt im ersten Fehlplanung korrigiert werden kann.
Moment überzeugend; man muß aber sehen, daß der VVS
in Stuttgart heute schon 220 Millionen Pkw-Fahrten pro (Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)
Jahr übernimmt. Das heißt, der Zuwachs ist im Verhältnis
Ich kann nicht mehr verstehen, Herr Döring, daß wir nach
zu der Summe, die investiert werden soll, relativ gering.
10, 15 Jahren Auseinandersetzung um die Frage, wie Groß-
Man muß sich auch immer die Frage stellen: Werden die projekte in diesem Land geplant werden, noch immer die
Mittel effizient eingesetzt, wird mit den aufgewendeten Mit- Planungskultur haben, daß Großprojekte erdacht werden,
teln wirklich ein hoher Anteil des Pkw-Verkehrs ersetzbar meistens von der Regierung, und dann der Bevölkerung
oder nicht? Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, für das nach dem Muster alternativlos präsentiert werden: „Bist du
Straßenbahnprojekt in Ulm Vergleichszahlen zu errechnen. nicht für dieses Großprojekt, dann bist du ein Feind des Va-
Dabei bin ich darauf gekommen, daß bei Investitionskosten terlands, des Wirtschaftsstandorts“, wie auch immer. Die je-
für die Infrastruktur in Ulm – die Zahlen kommen von Pro- weilige sprachliche Phrase können Sie da einsetzen.
fessor Heimerl – Ich finde, daß wir endlich einen Schritt weiterkommen müs-
sen. Ich will Ihnen sagen, Herr Brechtken: Ich bin nicht da-
(Abg. Drautz FDP/DVP: Der Erfinder der Heimerl-
gegen, daß man in Stuttgart ein Großprojekt im verkehr-
Trasse!)
lichen Bereich mit dem Ziel realisiert, mehr Verkehr auf die
von 340 Millionen DM – 340 Millionen DM öffentliche Schiene zu bringen. Aber ich will – da kann ich für viele
Gelder – 6 Millionen Fahrten pro Jahr substituiert werden Bürger dieses Landes sprechen –, daß mit Alternativen ge-
können, bei Stuttgart 21 mit 1,1 Milliarden DM aus ÖPNV- prüft wird, was der richtige Weg ist. Herr Brechtken, da
Fördermitteln eben 4,8 Millionen. Dieses muß man bei der reicht es nicht, wie Sie es jetzt machen, zu sagen, wir
Abwägung aus Landessicht, aus Sicht derer, die die ÖPNV- brauchten mehr Bürgerbeteiligung. Wenn Herr Brechtken
Mittel verteilen, auch mitberücksichtigen. Man muß sehen, dran wäre, sollten die Bürger gehört werden. Aber gleich-
wie hoch der Wirkungsgrad der Investition in bezug auf zeitig sagt die SPD im Regionalparlament, im Gemeinderat
Substitution tatsächlich ist. – Herr Kußmaul –, wo auch immer, es gebe keine Alternati-
ve zur Untertunnelung des Stuttgarter Bahnhofs.
(Abg. Schmiedel SPD: Gegen den Ausbau von
ÖPNV in Stuttgart! Ich werd’ verrückt!) (Zurufe von der SPD, u. a. der Abg. Birgit Kipfer
und Schmiedel)
Meine Damen und Herren, das Thema heute aber ist die
Frage des demokratischen Umgangs mit diesem Großpro- Da wird die Demokratie, die demokratische Beteiligung, die
jekt, mit dieser Vision. Ich kann nur sagen: Viele Gruppen Sie vorhaben, zu einer randständigen Veranstaltung, näm-
aus dem ökologischen Bereich, auch die Architekten, auch lich zu der Frage, wie herum man die Klötzchen der Süd-
wir von den Grünen, haben zahlreiche Alternativen vorge- westLB und andere Klötzchen denn halten kann.
legt, andere Varianten vorgeschlagen. Ich persönlich emp- Ich kann nur sagen: Wenn ich mir das Geschrei des Herrn
finde es als ungeheuerlichen Vorgang, wenn ein Verkehrs- Verkehrsministers aus der vorletzten Woche anhöre, so
minister dieses Landes – wie vor zwei Wochen auf einer Ta- blitzt da die Angst durch, daß die Alternativen vielleicht
gung zu Stuttgart 21 geschehen – diese Gruppen pauschal doch besser sind, daß die Alternativen den Leuten einleuch-
diskreditiert, indem er sagt, er lasse sich nicht von 25 Leu- ten. Da blitzt auch die Angst durch,
ten, die lieber mit dem Fahrrad fahren würden, Stuttgart 21
verderben. Hier wird Bürgerengagement, wie man die Stadt (Abg. Drautz FDP/DVP: Der sieht aber nicht so
und den Bahnhof am besten planen könnte, von einem Ver- ängstlich aus!)
kehrsminister pauschal diskreditiert.
daß die Stuttgarter CDU mit ihrem OB-Kandidaten viel-
(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen) leicht den Bürgerinnen und Bürgern nicht die erste Wahl
präsentiert hat.
Herr Döring, weil Sie da mit dem Kopf schütteln: Schauen
Sie einmal, wie ist das denn mit der Westtrasse bei der Flug- (Abg. Birgit Kipfer SPD: Wollen Sie jetzt OB-Kan-
hafenanbindung von Plieningen gelaufen? Da hat man Bür- didat werden?)
gerversammlung für Bürgerversammlung den Leuten er-
zählt: „Nein, das Ding muß durch das Körschtal bei Plie- Herr Schaufler, ich habe aus dem Tierreich gelernt: So et-
ningen, wir können gar nicht direkt hoch und eine West- was, wie das, was Sie da praktiziert haben, nennt man
trasse machen.“ Dann gab es Widerstand in Plieningen, Angstbeißen.
auch in Hohenheim – die Hohenheimer vom Herrn Minister
(Abg. Brechtken SPD: Davon verstehst du ja et-
diskreditiert –, und jetzt plötzlich bringt die Bahn die West-
was!)
trasse, kann sie aber nicht mehr ins Raumordnungsverfah-
ren aufnehmen, so daß das Raumordnungsverfahren jetzt Aber ich glaube, es wird die Wahrheitsfindung, was die be-
mit einer Trasse läuft, die schon lange eine fiktive Trasse ist. ste Vision für Stuttgart sein wird, nicht fördern.
Wissen Sie: Die Bürgerinnen und Bürger muß man ernst Ich kann nur sagen: Hören Sie auf, Bürgerinnen und Bürger,
nehmen. Ich kann mich nur bei der Bevölkerung da oben die bei Großprojekten nach Alternativen fragen, pauschal zu

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beschimpfen. Wir von den Grünen und von den Bürgerin- hat. Es täuscht aber nichts darüber hinweg, daß das grund-
itiativen haben doch viel Schaden in den letzten Jahren von sätzliche Ja zu Stuttgart 21 in diesem Antrag eben wieder
diesem Land abgewendet. nicht enthalten ist, ebenso wie ja auch ansonsten das grund-
sätzliche Ja fehlt. Die Gemeinderatsfraktion der Grünen ist
(Zuruf von der CDU: Aber auch viel Schaden zuge- genauso dagegen wie Ihre Fraktion im Regionalparlament
fügt!) oder auch Ihr Kollege, der OB-Kandidat, der hier in Stutt-
gart antritt.
Sie, die CDU, hätten Kehl doch mit Kosten von 600 Mil-
lionen DM gebaut und würden jetzt auf fehlenden Ausla-
(Zurufe der Abg. Schmiedel SPD und Birgitt Ben-
stungen beim Sondermüll sitzenbleiben. Ich warte schon
der Bündnis 90/Die Grünen)
lange auf den Dankesbrief von Herrn Teufel oder vom Fi-
nanzminister dafür, daß wir das Land vor diesem Unsinn
Es geht nicht um die Verhinderung von Stuttgart 21, son-
bewahrt haben. Und, Herr Schaufler, ich werde mir weiter
dern es geht darum, zu Stuttgart 21 zu stehen, und zwar ge-
den Luxus erlauben, stets zu fragen
rade wegen der Vorteile für das ganze Land, gerade wegen
(Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen erhebt seinen der Vorteile für die Hauptstadt, die es, wie wir wissen, nötig
Zeigefinger. – Abg. Drautz FDP/DVP: Vorsicht mit hat. Schauen Sie sich den Bahnhof einmal genauer an. Es
dem Finger!) geht darum, den mittleren Neckarraum vernünftiger anzu-
binden, und es geht darum, Baden-Württembergs Brücken-
– auf Sie zeigt er ja gar nicht! –, ob es mit dem Mittelein- funktion zwischen West- und Osteuropa zeitnah zu ermögli-
satz von in diesem Fall 5 Milliarden DM nicht bessere und chen. Dies wollen wir. Ich beantrage die Überweisung des
klügere Alternativen geben kann. vorliegenden Antrags an den Ausschuß für Umwelt und Ver-
kehr.
Deswegen bitte ich Sie, unserem Begehren beizutreten, ein
vergleichendes Raumordnungsverfahren zu beantragen und
(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/
einzuleiten, wie es die Bahn im übrigen bei der Neubau-
DVP)
strecke Karlsruhe – Basel bei Freiburg tatsächlich selbst ge-
macht hat. Da haben sie nicht soviel Angst, und da geht es.
Präsident Straub: Das Wort erteile ich Herrn Abg. Brecht-
Wer eine Vision für alle Bürger dieses Landes und der Stadt
ken.
will, der muß fair und offen prüfen und darf nicht so tun, als
wäre alles schon im Sack. (Beifall bei der SPD – Zurufe von der CDU, u. a.:
Ah! Der Kandidat! – Weitere Zurufe – Unruhe)
(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)
Abg. Brechtken SPD: Herr Präsident, meine sehr geehrten
Präsident Straub: Das Wort erteile ich Frau Abg.
Damen und Herren! Ich meine, dieses Projekt ist von zen-
Dr. Gräßle.
traler Bedeutung nicht nur für Stuttgart und die Region,
Abg. Dr. Inge Gräßle CDU: Herr Präsident, meine Damen sondern auch für das gesamte Land Baden-Württemberg.
und Herren! Herr Kuhn, es tut mir leid, daß die Grünen von Zuvorderst und in erster Linie geht es darum, daß diese Re-
Stuttgart 21 immer nur Bahnhof verstehen. gion mit ihrer Kernstadt in die sich durch die Öffnung nach
Osten völlig neu entwickelnden Verkehre eingebunden
(Beifall bei Abgeordneten der CDU – Abg. Seimetz wird. Da hat sich nämlich etwas fundamental verändert. Es
CDU: Die verstehen auch sonst nur Bahnhof!) ist für das Land von besonderem Interesse, daß diese Regi-
on wirtschaftlich eine Zukunft hat. Wenn sie diese Zukunft
Es gibt verschiedene Wege, ein Projekt zu verhindern. Mit nicht hat, wird das auch dem gesamten Land schaden.
dem vorliegenden Antrag haben wir einen neuen, einen sub-
tilen Weg vorliegen, nämlich den Weg der Verhinderung (Beifall bei der SPD)
über das Planungsrecht. Nichts anderes ist gemeint: Es ist
eine Verzögerungs- und Verhinderungsstrategie; Herr Kollege Kuhn, ich habe ja gar nichts dagegen, daß man
dazulernt. Aber verstehen Sie: Es wird immer so scheib-
(Abg. Gerd Scheffold CDU: So ist es!)
chenweise argumentiert. Früher waren Sie und Ihre Fraktion
denn wenn es Ihnen nur um eine sorgfältige Planung ginge, hier im Haus, aber auch in anderen Gremien, noch für die
dann könnte man Sie beruhigen. Ein herkömmliches Raum- Filstaltrasse und hätten den ICE durch das Filstal fahren las-
ordnungsverfahren sichert eine gute und sorgfältige Planung sen. Dann hätten Sie zum Beispiel wiederum den Nahver-
mit umfassender Bürgerbeteiligung zu. kehr nicht verbessern können und hätten ganz andere Fahr-
zeiten gehabt. Mittlerweile sind Sie offensichtlich weiter.
(Zuruf des Abg. Walter Bündnis 90/Die Grünen) Aber Sie sollten nicht immer die einzelnen Punkte heraus-
greifen und dann von dem Punkt aus rechnen, der Ihnen ge-
Aber eine vergleichende Planung bedeutet eine Verlänge- rade paßt. Da haben Sie die Entwicklung bisher nämlich
rung um den Faktor drei: Aus einem Jahr werden drei Jahre. nicht richtig gesehen.
Damit ist Stuttgart 21 nicht mehr in diesem Jahrhundert zu
realisieren. Zweiter Punkt: Neben dieser verkehrlichen Frage geht es
um eine ökologische Frage.
Die grundsätzliche Offenheit der Verwaltung, dieses Projekt
wirklich sorgfältig zu prüfen, ist da. Das zeigt gerade die (Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Für mich
Westumfahrung, die der Vertreter der Grünen angesprochen auch!)

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(Brechtken)

Ökologisch ist übrigens auch unter dem Aspekt Verkehr zu Nun zu den Kosten, dem fünften Punkt, damit das auch ein-
verstehen. Ich will nicht, daß im Jahr 2010 von Paris nach mal klar ist: Hier wird ja so getan, als handle es sich um ein
Wien geflogen wird. Ich will, daß dann die Menschen auf Projekt gigantischer Größenordnung. Das Projekt besteht in
der ICE-Trasse fahren. Wirklichkeit aus zwei Teilen, nämlich dem Fernverkehrsteil,
der von Bahn und Bund finanziert wird, und dem Nahver-
(Beifall bei der SPD – Abg. Weimer SPD: Richtig!
kehrsteil, der überwiegend aus GVFG-Mitteln und aus den
Sehr gut!)
Mitteln der Regionalisierung finanziert wird. Wenn Sie bei-
Dann brauche ich auch einen entsprechenden Taktverkehr. des auf die Bauzeit von sieben Jahren verteilen, dann haben
Dann brauche ich auch die entsprechenden Anbindungen, Sie im Fernverkehrsbereich, bezogen auf die bisher jährlich
und dann muß ich einen Durchgangsbahnhof bauen. zur Verfügung stehenden Mittel unter Einschluß der Einspa-
rungen der Bundesbahn, nicht einmal 10 % der jährlichen
Aber was die Flächen oben angeht, ist es doch eine ökologi-
Mittel, die für diesen Zweck im Bundeshaushalt zur Verfü-
sche Chance, mitten in der Stadt 100 ha der baulichen Nut-
gung stehen, für dieses Projekt vorgesehen. Dies ist etwa
zung zuzuführen und dafür in der Region 100 ha nicht in
das, was in den letzten Jahren immer in diese Region und in
Anspruch zu nehmen, dort 3 ha Streuobstwiese, dort 3 ha
dieses Land geflossen ist. Beim Gemeindeverkehrsfinanzie-
Felder.
rungsgesetz-Anteil sind 8 % der Mittel, die bisher in diesen
(Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Ist das eine Töpfen vorhanden waren, für dieses Projekt vorgesehen;
Absage an das Fildergutachten? Das haben doch das entspricht in etwa dem, was bisher in gleicher Weise für
Sie als Staatssekretär veranlaßt!) den Nahverkehr nach Stuttgart geflossen ist. Es geht also
um nichts anderes als die Kontinuität der Leistungen des
– Nein. – Stellen Sie eine Zwischenfrage; dann wird es mir Bundes und des Landes zugunsten dieses Projekts, und es
nicht angerechnet. ist kein gigantisches und großes neues Projekt mit großen
Risiken.
(Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: So weit
kommt’s noch!) (Beifall bei der SPD)

– Gut. Kommen Sie bitte nicht mit den Baupreissteigerungen. Ihr


Kollege argumentiert dann immer mit dem Kanal, der ja un-
Also, dies ist ein ökologischer Ansatz, und ich begreife heimlich viel teurer geworden ist.
nicht, daß gerade Sie dies hier verhindern wollen. Denn dies
ist auch unter ökologischen Gesichtspunkten für die gesam- (Heiterkeit des Abg. Weimer SPD)
te Region von positiver Bedeutung.
So kann ich alles kaputtargumentieren; das halte ich für kei-
(Beifall bei der SPD) ne vernünftige Geschichte.
Lassen Sie mich noch ein Drittes sagen: Ich sehe für diese Noch eine Bemerkung zu den Kosten. Sie müssen Antwor-
Stadt und diese Region auch eine städtebauliche Chance. ten geben auf die Frage der Finanzierung,
Was hindert uns eigentlich daran, dieses Projekt zu einem
Modellprojekt unter dem Aspekt der Anwendung von Solar- (Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Gern!)
energie zu machen? Was hindert uns daran, dies zum Mo-
was wir mit den 1,7 Milliarden DM machen, die der Bahn-
dellprojekt zum Energiesparen zu machen? Was hindert uns
hof bei der Renovierung kostet, wenn wir gar nichts ma-
daran, den städtebaulichen Vorschlag des Italieners aufzu-
chen.
greifen und zusammen mit den Firmen dieser Region – sei-
en es Automobilhersteller, seien es Soft- oder Hardware- (Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Wollen wir
hersteller im Bereich der Kommunikation – hier ein Modell doch gar nicht!)
der Verteilung von Menschen aus dem Nahverkehrssystem
hinein in die Wohnquartiere zu erstellen, wozu eine Gedan- Dies bezahlt dann zu 90 % diese Region hier, und dies bela-
kenskizze vorliegt? Dies wäre doch ein Modell, und wir stet die Haushalte der Städte und Gemeinden dieser Region,
sollten in einen Wettbewerb über die besseren Vorschläge
eintreten, statt eine Verhinderungsstrategie zu fahren. (Beifall bei der SPD)

(Beifall bei der SPD) weil wir dann nämlich keine Finanzierung des Bundes be-
kommen.
Lassen Sie mich einen vierten Punkt ansprechen. Für mich
Lassen Sie mich noch eine letzte Bemerkung anschließen.
gibt es auch klare Bedingungen. Ich bin kein Techniker, der
Im bisherigen Verfahren sind Fehler gemacht worden. Da
das entscheidet, sondern ich bin Politiker, der Vorgaben
stimme ich der Kritik ausdrücklich zu. Man kann ein sol-
gibt. Die Mineralwässer dürfen durch das Projekt nicht ge-
ches Projekt nicht ohne Bürgerbeteiligung machen, man
fährdet sein – das muß geklärt sein –, und für mich muß der
kann ein solches Projekt nicht von oben verkünden. Dies
integrierte Taktfahrplan im Tiefbahnhof möglich sein. Dann
war ein zentraler Fehler. Man kann das Projekt kaputtma-
sagen mir die Techniker, wie viele Gleise ich brauche. Wenn
chen, indem man es nicht will; man kann es aber auch
ich weiß, daß ich im Jahr 2010 vielleicht ein zusätzliches
durch falsches Handling kaputtmachen, womit man dem
Gleis brauche, dann baue ich das jetzt, richte es aber nicht
Bürger eher Ängste einjagt.
ein, sondern später je nach Bedarf. Dies ist ein vernünftige-
rer Weg, die Zukunft zu bewältigen, als sich heute über (Abg. Birgitt Bender Bündnis 90/Die Grünen: Dann
theoretische Ansätze zu streiten. müssen Sie auch für die Variantenprüfung sein!)

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(Brechtken)

Ich bin – jetzt kommt die Variantenprüfung – zuerst einmal und das in einer Zeit, in der alles zurückgedreht wird, in der
dafür, daß die Stadt Stuttgart ihre Interessen wahrnimmt. wir händeringend danach Ausschau halten, wie sich in die-
Sie muß sie wahrnehmen, bezogen auf die Trassenführung sem Lande wieder etwas bewegt.
auf den Fildern. Da haben wir jetzt einen neuen Vorschlag,
der aus einer Bürgeranhörung heraus entstanden ist. Er ist (Beifall bei der FDP/DVP)
übrigens auch aus dem massiven Druck der Regionalver-
Wer deshalb diese Chance ungenutzt läßt, der ist selber
bandsfraktionen von SPD und CDU heraus entstanden, die
schuld.
an dieser Stelle immer die Westumfahrung gewollt haben.
Ich sage Ihnen: Wir brauchen auch eine Unterfahrung des Wir, die FDP/DVP-Fraktion, wollen nicht daran schuld sein.
Neckars im Bereich der Neckarvororte. Bei 60 Millio- Deshalb sprechen wir uns nachdrücklich für eine Realisie-
nen DM Mehrkosten ist dies auch rechtlich geboten, weil rung dieses Projekts aus. Das gilt für das Land, das gilt für
sonst meiner Ansicht nach ein Abwägungsmangel vorliegt. die Region, und da wir heute einen Hauch von OB-Wahl-
kampf in diesem Haus verspüren, sage ich: Das gilt auch für
Was die Verfahrensvarianten angeht, so bin ich voll für eine die Landeshauptstadt Stuttgart. Erst gestern hat übrigens die
Prüfung der Varianten. Nur eines – und das müssen die Juri- Regionalversammlung der Region Stuttgart mit großer
sten wissen –: Wir haben inzwischen eine Rechtsänderung. Mehrheit auch so entschieden, und zwar gegen die Grünen,
Man kann nach der Rechtsänderung, die der Deutsche Bun- die sich im engen Schulterschluß mit den Republikanern
destag vor zwei Jahren vorgenommen hat, nicht mehr mit befanden.
verschiedenen Varianten in ein Verfahren gehen. Man kann
nur noch mit einer einzigen Variante ins Verfahren gehen, (Abg. Weimer SPD: Schon wieder?)
(Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Der Antrag- Über Stuttgart 21 wird und muß die Landeshauptstadt opti-
steller kann auch zwei prüfen lassen!) mal an das internationale Hochgeschwindigkeitsnetz ange-
schlossen werden. Deshalb unterstützen wir nachdrücklich
aber im Verfahren müssen dann alle relevanten Varianten den Antrag, daß man die Magistrale Paris – Straßburg –
abgewogen werden. Genau das ist das Ziel. Stuttgart – München – Wien – Budapest intensiv weiterver-
folgt. Das darf nicht platzen. Da stimme ich dem zu, was
Aber vor dieser Variantenprüfung, Herr Kuhn, werde ich,
Rainer Brechtken vorhin gesagt hat.
wenn ich das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart be-
komme, dafür sorgen, daß die Interessen dieser Stadt ge- Wir wissen, die Verkehrsachsen schreiben Geschichte. Wir
wahrt werden und wir an der Stelle, wo wir noch Probleme haben über die Jahrhunderte hinweg immer wieder erlebt,
haben, die Trassen zu verbessern, Druck auf den Bund aus- wie Städte und Regionen eine sehr unterschiedliche Ent-
üben. Dies ist der Weg. wicklung genommen haben, je nachdem, ob sie an einer
solchen Verkehrsachse lagen oder nicht.
Ich will dieses Projekt. Ich will es mit den Bürgern. Aber
ich will es auch im Interesse dieser Stadt. Da sollten Sie Stuttgart 21 ist trotz gelegentlicher anderer Behauptungen
mitarbeiten und mitkämpfen und nicht eine Verhinderungs- ein ganz hervorragendes Nahverkehrsprojekt. Ich nenne ein
strategie fahren. paar Beispiele für Verbesserungen im Herzen Baden-Würt-
tembergs: Schwäbisch Hall – Tübingen 20 Minuten weni-
(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der CDU) ger, Heilbronn – Flughafen 44 Minuten weniger, Heilbronn
– Horb 40 Minuten weniger. Allein diese wenigen Beispiele
Präsident Straub: Das Wort erteile ich Herrn Abg. Hofer. machen deutlich, daß der Nahverkehr in großen Teilen Ba-
den-Württembergs und eben nicht nur in der Region Stutt-
Abg. Hofer FDP/DVP: Herr Präsident, meine sehr geehrten gart Vorteile hätte.
Damen und Herren! Begeisterungsfähigkeit für große Wür-
fe gilt offenbar nicht überall als Tugend. Man wird sofort (Beifall bei der FDP/DVP, Abgeordneten der CDU
der Oberflächlichkeit und der Euphorie geziehen. und der SPD – Abg. Brechtken SPD: So ist es!)
Deshalb möchte ich für meine Fraktion zunächst einmal Übrigens haben Sie früher die Bahn kritisiert, weil nichts
ganz bewußt plakativ feststellen: Stuttgart 21 ist eine einma- passiert ist. Jetzt ist manchem alles viel zuviel und geht viel
lige Entwicklungschance, um die wir von vielen Wirt- zu schnell. Ich verstehe das nicht.
schaftsmetropolen beneidet werden.
In das Raumordnungsverfahren, das im Dezember dieses
(Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der Jahres eröffnet und nach den Plänen der Deutschen
CDU) Bahn AG bis zum August 1997, also relativ schnell, zum
Abschluß gebracht werden soll, wird noch eine ganze Reihe
Stuttgart 21 ist das am meisten fortgeschrittene Projekt die- von Alternativen eingebracht – meines Erachtens viel wich-
ser Art, übrigens berechenbar, kontrollierbar, zugegebener- tigere als die, von denen Sie immer reden –, zum Beispiel
maßen etwas komplex. Es ist die Möglichkeit, eine Idee zu neuntes und zehntes Gleis zur Verbesserung des regionalen
verwirklichen, die inzwischen übrigens auch in Frankfurt Verkehrs, die Sicherung der Gäubahntrasse für eine spätere
und in München aufgegriffen wurde. Nutzung, viergleisiger Ausbau der Station Mittnachtstraße –
das dient dem Nahverkehr, der S-Bahn –, detaillierte Unter-
(Zuruf des Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen) suchung des Filderbahnhofs als Durchgangsbahnhof, West-
umfahrung bei Plieningen.
Stuttgart 21 ist die größte Wachstums- und Beschäftigungs-
maßnahme, die diese Landeshauptstadt jemals gesehen hat, (Beifall bei der FDP/DVP)

489
Landtag von Baden-Württemberg – 12. Wahlperiode – 11. Sitzung – Donnerstag, 17. Oktober 1996
(Hofer)

Dafür haben wir uns, Herr Dr. Noll, auch eingesetzt – edler Württemberg – Mannheim und Ulm – näher an Stuttgart
Wettstreit. Ich nenne weiter den Immissionsschutz in Lein- heranzurücken und dem Hauptbahnhof ein neues Image zu
felden-Echterdingen und die Nutzung des ICE-Tunnels für verpassen, sozusagen bahnbrechend, wie einst beim Fern-
die Schnellbahnverbindung vom Hauptbahnhof zu den Fil- sehturm eine Rakete gen Himmel, jetzt mit einem Krater-
dern. Leider – ich sage „glücklicherweise“, Sie werden „lei- bahnhof in der Unterwelt eine neue Pilotprojektbombe zu
der“ sagen – hat der Verband Region Stuttgart die Varianten zünden, vielleicht als Mahnmal gegen die Zerbomber, und
„Kombi“ und „Lean“, wie es im besten Neudeutsch heißt, dann die frei werdenden Gleisanlagen für Gewerbeansied-
mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Denn diese Vari- lungen zu nutzen und obendrein wenigstens einen Teil der
anten stellen – so jedenfalls die Überzeugung nach langwie- Baukosten durch Verkauf des frei werdenden Baulands ab-
rigen Debatten in der Regionalversammlung – keine effekti- zudecken.
ven Alternativen dar. Kombi mit 2,18 Milliarden DM erfor-
Auf der anderen Seite zwingen uns die schwindsüchtigen
dert ähnlich hohe Zuschüsse wie Stuttgart 21,
Geldbeutel der öffentlichen Hand zum korrekten Umgang
(Abg. Brechtken SPD: So ist es!) mit den restlichen Steuergroschen, so daß vor Baubeginn
verschiedene Konzepte und Planungsvarianten aufgezeigt
weil weniger Grunderlöse anfallen. werden, um eine gewisse Auswahl, je nach Geldbeutel des
Bauherrn bzw. des Steuerzahlers, für sparsame oder für
(Beifall des Abg. Brechtken SPD – Abg. Kuhn grandiose Lösungen anzubieten.
Bündnis 90/Die Grünen: Völlig unbestritten!)
Für den Umbau soll ein markantes historisches Bauwerk,
Außerdem ist es weniger attraktiv. Lean ist im Grunde ge- einer der schönsten Kopfbahnhöfe unseres Landes, zur Ku-
nommen nichts anderes als der – – lisse degradiert werden oder sogar ganz verschwinden.
(Abg. Schmiedel SPD: Gar nichts!) (Abg. Schmiedel SPD: Wer sagt denn das? – Abg.
Drautz FDP/DVP: Sind Sie der museumspolitische
– Gar nichts. Es ist eine „Ertüchtigung“ des Kopfbahnhofs Sprecher?)
und kostet eine Menge Geld. Jeder weiß – auch Sie –, daß
Warten Sie ab, was daraus wird. Ich darf Ihnen ins Bewußt-
der zu erwartende Betriebsaufwand außerhalb jeder Relati-
sein rufen, daß die Bahnhöfe der Metropolen traditionell
on steht.
Kopfbahnhöfe sind,
Meine Damen und Herren, die Ablehnung dieser beiden Va- (Abg. Brechtken SPD: Das ist ja logisch!)
rianten kann nicht bedeuten, daß sie im Raumordnungsver-
fahren nicht abgewogen und untersucht werden. Aber hier so zum Beispiel der Münchener Hauptbahnhof, der Wiener
geht es darum, daß man für die beiden Varianten ein eigenes Westbahnhof, der Gare de l’Est in Paris und Statione Termi-
Raumordnungsverfahren will. Ich meine, daß dies nicht er- ni in Rom ebenso wie die Bahnhöfe in Budapest und Istan-
forderlich ist. Das ist eine Überbewertung der Alternative. bul.
Es ist im übrigen auch nie versprochen worden, daß sie rea- (Abg. Brechtken SPD: London haben Sie verges-
lisiert wird. sen!)
Letzter Satz: Stuttgart 21 – das unterstütze ich – bietet auch Ein solcher Kopfbahnhof ist der Hauptbahnhof in Stuttgart.
durch die frei werdenden innerstädtischen Flächen – das ist Er ist damit ein Teil des kulturellen Erbes in Europa.
nur bei dieser Variante der Fall – eine einzigartige städte-
bauliche Möglichkeit, die mit den Bürgern zusammen un- (Zuruf des Abg. Drautz FDP/DVP)
tersucht wird. Großen Planungen – das muß man sagen – ist
immer die Gefahr immanent, daß sie möglicherweise nicht Sein Umbau vom Kopfbahnhof zum Durchgangsbahnhof,
optimal durchgeführt werden. Aber von allen Risiken be- um ein paar Minuten einzusparen und eine Attraktion zu
steht das größte immer noch darin, die gebotene Chance schaffen, will daher gut überlegt sein.
nicht zu nutzen, ja sie zu vertun. Daran möchten wir uns
(Abg. Kluck FDP/DVP: Dann kommen die Auslän-
nicht beteiligen. Deshalb unterstützen wir das Projekt Stutt-
der noch schneller nach Stuttgart! – Große Heiter-
gart 21 vollinhaltlich.
keit)
(Beifall bei der FDP/DVP sowie Abgeordneten der
– Das haben Sie gesagt. – Eine Verstümmelung oder gar
CDU und der SPD)
Zerstörung im Hauruckverfahren ist alles andere als emp-
Präsident Straub: Das Wort erteile ich Herrn Abg. Eigen- fehlenswert.
thaler. Wir Republikaner sind der Überzeugung: In unserer Lan-
deshauptstadt ist schon viel zuviel zerbombt worden. Einige
(Abg. Schmiedel SPD: Jetzt kommt ein Verbünde-
– leider immer weniger – von uns kennen die Kraterstadt
ter von Herrn Kuhn!)
Stuttgart noch. Behutsamkeit statt Bedenkenlosigkeit sind
Abg. Eigenthaler REP: Herr Präsident, sehr geehrte Da- gefordert.
men und Herren! Selten hat ein Vorhaben soviel Staub auf- Schwer abzuschätzen sind die geologischen Risiken. Aber
gewirbelt wie das Projekt Stuttgart 21. Sicher ist es ein be- um so deutlicher ist das Abenteuer der fehlenden Finanzie-
stechender Gedanke, die Nord-Süd-Verbindungen der Lan- rung zu erkennen.
deshauptstadt zu verbessern, die Filder dem Schienenver-
kehr weiter zu erschließen, die Grenzstädte von Baden- (Abg. Schmid CDU: Das stimmt überhaupt nicht!)

490
Landtag von Baden-Württemberg – 12. Wahlperiode – 11. Sitzung – Donnerstag, 17. Oktober 1996
(Eigenthaler)

Bei derartigen Projekten können aus veranschlagten 5 Mil- – Ich bitte da genau zuzuhören.
liarden DM leicht 7 oder 8 Milliarden DM werden. Dage-
gen scheinen die 2 Milliarden DM an Einnahmen durch (Abg. Drautz FDP/DVP: Das hat vielleicht nur der
Grundstücksverkauf eher zu hoch gegriffen, weil diese auf Rezzo gesagt! – Abg. Birk CDU: Sie müssen mal in
Schätzungen von 1993 beruhen. Seit einigen Jahren haben die Regionalversammlung kommen!)
wir in Stuttgart stagnierende und sogar abbröckelnde
Ich sagte deutlich – ich werde es Ihnen erläutern, Herr
Grundstückspreise, dazu zahlreiche leerstehende Büro- und
Drautz –: Ich will ein Stuttgart 21 als eine städtebauliche
Betriebsgebäude.
Vision für diese Region und für diese Stadt, und ich will
(Abg. Drautz FDP/DVP: Deshalb lassen wir den eine Veränderung und Modernisierung am Bahnhof.
Kopfbahnhof!)
(Abg. Rech CDU: Aber nur im Jahr 3000!)
Investoren werden beim Baulandangebot, wenn überhaupt,
Was wir ablehnen, ist, zu sagen: Der Entwurf, den die Bahn
nur zögerlich zugreifen, sofern sich die Preise vergleichbar
vorgelegt hat, der ist es, und die Bürgerbeteiligung findet
günstig gestalten. Warteschlangen von Interessenten mit
jetzt um die Frage statt, wie die Baumaßnahme im einzel-
horrenden Angeboten werden wir hierbei sicher nicht erle-
nen aussehen soll.
ben.
Wir Republikaner sehen daher die Forderung nach einem Selbstverständlich müssen wir an diesem Bahnhof etwas
vergleichenden Raumordnungsverfahren grundsätzlich po- tun. Ich finde nur aus meinen hiesigen Diskussionserfah-
sitiv, auch wenn aus unserer Sicht die von „Umkehr Stutt- rungen heraus: Es paßt Ihnen nicht, daß jemand darum
gart“ vorgelegten Varianten „S 21 Lean“ bzw. „S 21 Kom- kämpft, eine differenzierte Position zwischen dem „Ja, hur-
bi“ in ihrer Trassenführung und -verknüpfung sowie in ihrer ra“ und dem „Nein, nie“ einzunehmen. Damit dies einmal
Leistungsfähigkeit noch gravierende Mängel aufweisen. Sie klar wird, haben wir auch diese Debatte beantragt.
haben aber den Vorteil, daß sie sich auch in einzelnen Stu-
(Glocke des Präsidenten)
fen umsetzen lassen. Jede Stufe bedeutet dabei eine Verbes-
serung des Verkehrs. Sie gestattet aber jeweils Korrekturen Präsident Straub: Herr Abg. Kuhn, gestatten Sie eine Zwi-
bei der nächsten Baustufe. Beide Varianten, Lean und Kom- schenfrage des Herrn Abg. Schmiedel?
bi, könnten daher im vergleichenden Raumordnungsverfah-
ren dem Konzept von Stuttgart 21 gegenübergestellt wer- Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Nein.
den.
(Abg. Weimer SPD: Das verstehe ich! – Abg. Birgit
Die Stellungnahme des Verkehrsministers, die Landesregie- Kipfer SPD: Das verstehe ich auch!)
rung halte dies nicht für erforderlich, kann uns nicht über-
zeugen, obwohl der ehemalige Heimerl-Plan inzwischen be- Ich will zu einigen Punkten, die Herr Brechtken – um diese
reits wesentliche Verbesserungen in den neu angebotenen Auseinandersetzung geht es – angesprochen hat, jetzt noch
Planungsvarianten erfahren hat, die nicht zuletzt den hart- etwas sagen. Herr Brechtken, natürlich kann ich eine Finan-
näckigen Diskussionen einschließlich der sparsamen Alter- zierung in Höhe von 5 Milliarden DM darstellen, sofern es
nativkonzepte Lean und Kombi zu verdanken sind. Leider bei 5 Milliarden DM bleibt, wenn ich dies über sieben Jahre
nur viele Optionen von der Bahn und keine reellen Lösun- mache und von entsprechenden ÖPNV-, GVFG- und Re-
gen. gionalisierungsmitteln ausgehe. So, wie Sie die darstellen,
rechnen Sie mit zirka 100 Millionen DM jährlich.
Wir Republikaner können uns nur dann einer Lösungsvari-
ante Stuttgart 21 anschließen, wenn die Punkte, die ich jetzt Die Erfahrung, daß bei öffentlichen Projekten dieser Art –
erwähnt habe – ich habe noch einige aufgeschrieben, aber Tunnelprojekte, Messelinie – die Kosten – sagen wir es ein-
leider ist meine Redezeit zu Ende –, erfüllt werden. mal vorsichtig – in der Regel das Doppelte ausmachen, kön-
nen Sie allerdings nicht bestreiten.
(Beifall bei den Republikanern)
(Zuruf von der FDP/DVP: Gegenwärtig sinken die
Präsident Straub: Das Wort erteile ich Herrn Abg. Kuhn. Kosten, sie sinken!)
(Abg. Drautz FDP/DVP: Jetzt bin ich aber ge- Das ist immer so. Da können Sie auch nichts dafür.
spannt! – Abg. Sieber CDU: Jetzt kommt Stutt-
gart 22!) (Abg. Schmiedel SPD: Das gilt aber auch für die
Alternative!)
Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Herr Präsident, meine
Damen und Herren! Ich will zu einigen Punkten, die der Mir ist allerdings wichtig, folgendes zu sehen: Wir streichen
Kollege Brechtken angeführt hat, doch noch etwas sagen, gegenwärtig in der Haushaltspolitik des Landes sowieso bei
nachdem der Verkehrsminister – wie sagt man es freund- den ÖPNV-Mitteln, die das Land noch einsetzen kann. 1996
lich? – seinen Sitz nicht verlassen will. hatten wir noch 196 Millionen DM eigene Mittel des Lan-
des für den ÖPNV, und 1997 werden wir noch 13 Millio-
Herr Brechtken, wir ziehen uns den Schuh nicht an – nicht
nen DM haben. So ist Herr Schaufler in Saulgau gerupft
als Grüne und auch nicht als Landtagsfraktion –, daß wir
worden. Dann sagt die Landesregierung, sie werde das, was
gegen Stuttgart 21 seien.
dem ganzen Land an ÖPNV-Mitteln fehlt, durch Hinzunah-
(Abg. Birgit Kipfer SPD: Was? – Oh-Rufe von der me von Regionalisierungsmitteln ersetzen. Das heißt, die
SPD) Mittel, die bei diesen Regionalisierungsmitteln noch vor-

491
Landtag von Baden-Württemberg – 12. Wahlperiode – 11. Sitzung – Donnerstag, 17. Oktober 1996
(Kuhn)

handen und nicht selten als Mittel für neue Projekte für Dieses wird man doch rational und vernünftig öffentlich
Schiene und Nahverkehr definiert sind, werden ohnehin und diskutieren können.
sowieso geringer.
(Glocke des Präsidenten)
(Abg. Hofer FDP/DVP: Das ist genauso teuer!)
Präsident Straub: Herr Abg. Kuhn, darf ich Sie bitten,
– Ich bestreite doch nicht, daß in diese Region Gelder für zum Ende zu kommen.
den ÖPNV müssen. Wo kommen wir denn da hin? Ich frage
mich aber und erlaube mir zu fragen, wieviel man mit der Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Ja, ich wollte eigent-
eingesetzten Mark für Schiene und ÖPNV erreichen kann. lich gerade fast schon zum Ende kommen.
Sie sollten einmal auf das von mir vorgerechnete Ulmer
Beispiel eingehen, weil ich doch selbstverständlich verglei- (Abg. Brechtken SPD: Ich wollte eine Frage stel-
chen muß. len, damit hier Klarheit hineinkommt!)
(Abg. Schmiedel SPD: Machen wir jetzt Ulmer Po- – Bitte, Herr Brechtken.
litik?)
(Abg. Brechtken SPD: Ich habe ja noch Redezeit!)
Wir müssen die ÖPNV-Mittel doch für das ganze Land treu-
händerisch und vernünftig verwalten. Wir müssen es, wenn – Das mit der Redezeit ist eindeutig.
das Geld knapp ist, eben an der effektivsten Stelle einset-
zen. Abg. Brechtken SPD: Herr Kuhn, ich habe überhaupt kein
Problem mit der Frage, daß man Varianten und einzelne
(Glocke des Präsidenten) Punkte kritisch prüft. Sie haben aber gerade gesagt, Sie zie-
hen sich nicht den Schuh an, daß Sie gegen Stuttgart 21 sei-
Präsident Straub: Herr Abg. Kuhn, gestatten Sie eine Zwi-
en. Sind Sie jetzt für eine sorgfältige Überprüfung der Vari-
schenfrage des Herrn Abg. Brechtken?
ante der Verlegung des Bahnhofs, um oben die städtebauli-
Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Sie haben doch noch che Chance der Bebauung zu bekommen? Ja oder nein? Das
Redezeit, Herr Brechtken. ist die entscheidende Frage für Stuttgart 21.

(Abg. Brechtken SPD: Kein Dialog, den der macht! (Abg. Birk CDU: So ist es!)
– Abg. Schmiedel SPD: Nicht dialogfähig!)
Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Das ist doch eine ganz
Ich möchte noch zu einem Punkt argumentieren, weil mir einfache Frage, Herr Brechtken. Selbstverständlich.
daran gelegen ist, daß Sie unsere Position verstehen.
(Abg. Birgit Kipfer SPD: Eine Antwort, bitte!)
(Zuruf der Abg. Birgit Kipfer SPD)
Ich bin dafür, daß die offizielle Variante der Bahn mit acht,
Selbstverständlich, Frau Kollegin, hat Stuttgart 21
neun oder zehn unterirdischen Gleisen vernünftig überprüft
(Zuruf des Abg. Weimer SPD) wird und daß ein fairer Vergleich angestellt wird, was die
Vorteile und die Nachteile dieser Variante sind.
in der Planungsvariante der Bahn für den Regionalverkehr
Vorteile bei den Durchgangslinien. Das ist doch ganz klar. (Abg. Brechtken SPD: Dann sind Sie weiter als Ihr
Wenn ich von Tübingen nach Schwäbisch Hall fahre und OB-Kandidat! Okay!)
nicht umsteigen muß, habe ich mit dieser Variante einen
Zeitgewinn, Wenn ich das fair mache, Herr Brechtken, muß ich die aus-
gearbeiteten Alternativen eben in ein faires Verfahren einbe-
(Abg. Brechtken SPD: Nicht nur wegen dem! –
ziehen.
Abg. Birk CDU: Die Grünen sprechen mit gespal-
tener Zunge!) (Abg. Brechtken SPD: Kuhn ist für Stuttgart 21!
übrigens einen Zeitgewinn, den die alternativen Varianten Das ist die Botschaft!)
auch verzeichnen können.
Es geht aber nicht, daß Sie sich hier hinstellen – alle Redner
(Abg. Birk CDU: Herr Kuhn, Sie sollten einmal in von CDU, SPD und FDP/DVP – und sagen, wer für Stutt-
die Fraktion der Grünen und in die Regionalver- gart 21 ist, muß für das sein, was die Bahn da vorgelegt hat.
sammlung gehen!) So geht Demokratie nicht. Herr Kollege Brechtken, ich habe
Politik immer als die vernünftige Wahl zwischen Alternati-
Das ist der entscheidende Punkt, den Sie offensichtlich ven verstanden. Was uns die CDU präsentiert hat, waren
nicht hören wollen, Herr Schmiedel. Wo ich umsteigen keine Alternativen, sondern war ein Rezept „Hurra, wir ha-
muß, wo es notwendig ist, in einer vernünftigen Vertaktung ben es, und ihr müßt es fressen“.
von einem Zug zum anderen zu kommen, bei all diesen Li-
nien, stellt die Linie der Bahn beispielsweise gegenüber der (Zuruf des Abg. Brechtken SPD)
Variante Lean eine Verschlechterung dar.
– Herr Brechtken, ich danke Ihnen ja für die Frage. – Dies,
(Abg. Schmiedel SPD: Das ist doch nicht wahr! Herr Brechtken, machen wir nicht mit. Wir wollen vernünf-
Wenn es keinen Tunnel gibt, gibt es die Zeitverkür- tig prüfen. Vielleicht werden Sie Oberbürgermeister. So si-
zung nicht!) cher scheint es mir nicht. Aber nach dem, was Sie jetzt ge-

492
Landtag von Baden-Württemberg – 12. Wahlperiode – 11. Sitzung – Donnerstag, 17. Oktober 1996
(Kuhn)

sagt haben, werden wir darauf hoffen, daß Sie die hier ge- le Züge zu gewährleisten, um schnelle Umsteigemöglich-
machten Ausführungen auch wirklich in die Tat umsetzen. keiten zu gewährleisten. Dafür waren von uns ursprünglich
zwei Gleise vorgelegt.
(Abg. Weimer SPD: Das macht er!)
Dann kam die Bahn und hat ziemlich geeiert. Sie wollte den
Alles Gute kann ich Ihnen nicht wünschen; das werden Sie Bahnhof zum Rosensteinpark oder gar nach Untertürkheim
nachvollziehen können. hinausverlegen. Dagegen haben wir mit aller Macht ge-
kämpft. Wir haben gesagt, das sei nicht nur eine Frage der
(Heiterkeit des Abg. Brechtken SPD) verkehrlichen Leistung, sondern es sei zutiefst auch eine
Frage der Urbanität in der Landeshauptstadt selbst.
Wir werden am Sonntag schlauer sein und wissen, wie es
ausgegangen ist. Erst als es gelungen war, den wichtigsten Mann der Bahn in
einem Hubschrauberflug von dem zu überzeugen, was da
(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen – Abg. Sei- unten tatsächlich liegt, so daß er nicht nur den Blick auf die
metz CDU: „Schlaucher“ sein! – Abg. Birk CDU: schöne Fassade des übrigens geschützten Hauptbahnhofs
Die Grünen stehen auf dem Schlauch!) hatte – von der Fassade, die einst von einem hervorragen-
den Architekten gestaltet worden ist, wird nichts abgerissen
Präsident Straub: Das Wort erteile ich dem Minister für ––
Umwelt und Verkehr, Herrn Schaufler.
(Abg. Eigenthaler REP: Die Funktion stimmt doch
(Zuruf des Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen) nicht mehr! Die Funktion ist doch weg!)
Minister für Umwelt und Verkehr Schaufler: Herr Präsi- – Das sind diese Totschlagsargumente, die Sie permanent
dent, meine Damen und Herren! Ich halte mich an die Ge- gebrauchen, wenn Sie nicht mehr weiterwissen. Sie reden
pflogenheiten dieses Hauses, Herr Kuhn, und es ist mir in- den Leuten ein, daß da etwas kaputtgemacht werde.
zwischen auch egal, wie laut Sie dabei sind.
(Abg. Eigenthaler REP: Das bleibt doch nur noch
Stuttgart 21 hat einen einzigen Mangel: Wäre es von den
Kulisse!)
Grünen erfunden worden, wäre es in den Augen derer, die
es jetzt bekämpfen, das Allerbeste.
In Wahrheit hat die Bahn gemerkt, daß mitten in einer
(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ Hauptstadt, in einer Metropole des wirtschaftsstärksten
DVP) Landes, 100 ha mit Gleisen liegen, von denen die Bahn
selbst nicht mehr wußte, was sie damit machen soll. Es wä-
Man hat uns offensichtlich nicht zugetraut, daß wir beim öf- re ein Luxus gewesen, das nicht in einer wirtschaftlich sinn-
fentlichen Verkehr, ob Nahverkehr oder Fernverkehr, zu vollen Weise umzusetzen und gleichzeitig neue verkehrliche
großen Würfen fähig sind. Chancen zu eröffnen. Erst durch diesen Blick auf das, was
ist, ist die Idee von Stuttgart 21 entstanden.
Ich bin sehr dankbar dafür, daß die Deutsche Bahn zu einer
Aktiengesellschaft geworden ist, die anders, flexibler und Lean, das hätten Sie im Jahr 1992 haben können. Dabei hät-
wirtschaftlicher, arbeiten kann als zuvor, als sie in der Ver- ten Sie nur für die paar querliegenden Spuren arbeiten müs-
klebung und Verkrustung früherer Jahrzehnte zu keiner In- sen. Dann hätten Sie sagen können: Damit sind wir zufrie-
novation mehr fähig war. den. Wir wären mit dieser Lösung nicht zufrieden gewesen.
Die Geschichte dieses Stuttgart 21 ist ja auch insofern inter-
Wir sind auch nicht mit Kombi zufrieden, weil wir glauben,
essant, als jetzt Leute von „Lean“ reden. Die haben offen-
daß die effektivste Form ein Durchgangsbahnhof mit intelli-
sichtlich die ganzen Debatten von 1992 und 1993 gar nicht
gentester Verknüpfung mit dem Nahverkehr und völlig neu-
mitgekriegt. Wo waren denn damals eigentlich diese Leute?
en Chancen für die regionalen Verkehre ist.
Waren sie wieder auf der Umkehr irgendwohin?
Wir hatten 1992 die Grundentscheidung zu treffen, die Deshalb haben wir „H plus“ gesagt. „H plus“ bedeutet nicht
Strecke, die von Mannheim hauptsächlich mit dem ICE nur die Verknüpfung in der Stadt und weitestgehend auf
kommt, in Richtung Ulm und München zu qualifizieren. Es gleicher Ebene, denn der Bahnhof liegt ja nicht auf der Ebe-
gab lange Zeit, vor allem auch bei der Bahn, fast mehrheit- ne zum Beispiel der Königstraße, wo die Leute zu Fuß rein-
lich Anhänger für die Lösung, diese Hauptverkehrsstraße gehen, sondern fast 10 m höher; er wird jetzt nur auf das
durch das Filstal zu legen, auf 99 km in 61 km Tunnel, mit Niveau der Stadt abgesenkt. In diesem Zusammenhang wol-
einem gigantischen Planungswerk, das gerade dem wider- len wir die Anbindung des Flughafens, um ihn vor allem für
spricht, was wir uns unter schnellen Zügen, wenn sie gast- alle Regionen Baden-Württembergs nutzen zu können, da-
freundlich sein sollen, vorstellen. mit man nicht mit dem Auto nach Stuttgart oder nach
Frankfurt fahren muß, sondern damit man die Chance hat,
Dann haben wir uns durchgesetzt. Sie kennen die Kabinetts- den eigenen Landesflughafen, den wir ja auch teuer ausge-
entscheidungen und auch die Debatten hier im Plenum. Wir baut haben, zu nutzen, und zwar mit öffentlichen Verkehrs-
haben gesagt: Wir gleichen uns in der Grundidee der Vari- mitteln, und damit wir nicht mit Hunderten von Millio-
ante von Professor Heimerl an und wollen zumindest die nen Mark da oben auf den Fildern noch zusätzliche Park-
Querlage unterhalb des heutigen Kopfbahnhofs, um schnel- häuser bauen müssen.

493
Landtag von Baden-Württemberg – 12. Wahlperiode – 11. Sitzung – Donnerstag, 17. Oktober 1996
(Minister Schaufler)

Das ist eine Chance zur Einpendelung der Gäubahn. Sie Deshalb müssen wir alles, was wir an vergleichenden Auf-
wird eine völlig neue Bedeutung in der Durchgangsphase gabenstellungen sehen, bei der Bahn einbringen, damit sie
gewinnen. uns bei der Aufgabenstellung weit entgegenkommt.
(Abg. Moser SPD: Hoffentlich!) Im übrigen gibt es im Anschluß daran das Sonderrecht der
Bahn, daß sie selbst noch die Planfeststellung machen darf.
Offensichtlich hat noch kaum einer bemerkt, daß der Sinn Beides hängt sehr eng miteinander zusammen.
der Gäubahn zwischen Zürich und Stuttgart eigentlich nicht
vollendet ist. Sie müßte eigentlich weitergehen, in einer Fangen Sie einmal am Ende des Gesamten an: Wer heute
Diagonale durch das Land, über Heilbronn, Würzburg, Er- ein Planfeststellungsverfahren durchführt und nicht alle
furt und Berlin oder einen Teil in sächsische Bereiche hin- Kontrapunkte abwägt und vergleicht, wird vor jedem Ge-
ein. Erst dann haben Sie Durchgangsbahnhöfe. Das schaf- richt scheitern. Alle wesentlichen Planfeststellungen, die
fen Sie nicht mit Kopfbahnhöfen, mit Kopfbahnhöfen, die bisher vor den Verwaltungsgerichten bis zu den höchsten
nirgendwo auf der Welt mehr gebaut werden. Wenn Sie ir- Verwaltungsgerichten gescheitert sind, scheiterten an einem
gendwo auf dieser Welt das Sagen hätten, würden Sie wohl Mangel an Abwägung. Glauben Sie denn, daß wir in eine
noch sehr viel mehr verkopfen. Aufgabenstellung von 5 Milliarden DM hineingehen und
uns ganz bewußt, weil politisch etwas durchzusetzen ist,
(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP) solche Planungsfehler leisten, daß wir zurückgeschickt wer-
den und noch drei Jahre lang weiterplanen müssen? Sie dür-
Aber gerade das werden wir nicht tun. Denn jede moderne fen uns vielleicht Verengung im politischen Diskussions-
Anlage eines öffentlichen Verkehrs, vor allem auf der Schie- bereich vorwerfen, Sie dürfen uns aber nicht unterstellen,
ne, landet nicht in Kopfsystemen, sondern hat intelligente daß wir so blöd sind, daß wir das wichtigste Projekt in die-
Verknüpfungen in Durchgangssystemen. sem Jahrhundert und ins nächste Jahrhundert hinein in der
Landeshauptstadt auf diese Art und Weise gefährden.
(Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Darum habt
Worum streiten wir jetzt? Das ist gerade das Lächerliche an
ihr auf den Fildern einen Kopfbahnhof geplant! –
der Debatte, die Sie angezettelt haben, Herr Kuhn.
Unruhe)
(Abg. Birk CDU: Planungsrechtliche Winkelzüge
– Bitte?
seitens der Grünen sind das!)
(Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Darum habt
Wir streiten uns über einen einzigen minimalen Punkt, näm-
ihr auf den Fildern ja auch einen Kopfbahnhof ge-
lich darüber, ob zwei verschiedene Verfahren durchgeführt
plant!)
werden sollen oder ob die Abwägung in einem einzigen
Verfahren stattfinden soll.
– Nein, wir haben einen Durchgangsbahnhof zum Beispiel
für die Gäubahn. Sie müssen sich auch an topographische (Beifall bei der CDU – Zurufe von der CDU: So ist
Probleme heranwagen. Es geht nicht alles wie im Idealfall. es! – Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: So kann
Wir müssen zum Beispiel eine Kehre vorsehen für einen man es sehen!)
Zug, der von Tübingen zum Flughafen fährt und dann in der
Kehre rückwärts wieder in acht Minuten in die Stadt – So kann man es sehen, und so müssen Sie es auch sehen.
kommt. Das ist gegenüber dem Heute aber immer noch eine
Verbesserung, denn Sie werden dann mit Flughafenanbin- (Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Nein, ich
dung in 45 Minuten von Tübingen im Hauptbahnhof sein. muß gar nichts!)
Denn die Abwägung muß innerhalb des Raumordnungsver-
(Abg. Weimer SPD: Sehr gut!)
fahrens und wegen der Rechtskraft, die wir erzielen wollen,
ganz nachhaltig im Planfeststellungsverfahren stattfinden.
Wenn Sie direkt fahren, sind Sie in stark 30 Minuten in der
Stadt. Von Reutlingen sind Sie in 18 Minuten am Flughafen. Warum eigentlich zwei Verfahren, wenn die gleichen Leute,
Wenn jemand vor zehn Jahren gesagt hätte, daß so etwas die planen sollen, die die Raumordnung objektiv durchfüh-
möglich wäre, wäre er für irr erklärt worden. Aber, wie ge- ren sollen – das darf die Bahn gerade nicht –, uns alles in
sagt, das haben eben die Falschen erfunden. Abwägung vorlegen, sagen, warum sie das eine nicht wol-
len und warum sie das andere wollen, und dies bis ins klein-
Ich komme jetzt noch zu den Planungsphasen. Die Pla-
ste hinein begründen müssen?
nungsphase bedeutet, daß wir im kommenden Jahr in ein
Raumordnungsverfahren einsteigen. Das Raumordnungs- Die Deutsche Bahn ist im Moment dabei, die Raumord-
verfahren wird sowohl für das, was schon in Richtung Ulm nungsunterlagen zusammenzustellen, und sie hat uns aus-
geschehen ist, als auch für den Kernbereich ab Wendlingen drücklich erklärt und zugesichert, daß sie in das Raumord-
beim Regierungspräsidium Stuttgart gebündelt durchge- nungsverfahren zur Abwägung eine ganze Reihe von Vari-
führt. Es soll ungefähr ein Jahr in Anspruch nehmen. Es ist anten einbringt, obwohl sie sich vorher für eine entscheiden
ein Raumordnungsverfahren, das von der Bahn beantragt muß. Dazu gehören die Verlegung des Hauptbahnhofs aus
werden muß. Derjenige, der den Antrag stellt, bestimmt den der City heraus in einen Rosenstein-Bahnhof, also hinter
Inhalt des Raumordnungsverfahrens. den Park, oder nach Untertürkheim. Sie wird auch die Si-
tuation bei Beibehaltung des Kopfbahnhofs – diese Variante
(Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Klar!) bezeichnen Sie als „Lean“ – darstellen. Insbesondere wer-

494
Landtag von Baden-Württemberg – 12. Wahlperiode – 11. Sitzung – Donnerstag, 17. Oktober 1996
(Minister Schaufler)

den hier Aussagen zur verkehrlichen, betrieblichen, städte- Mir ist natürlich sehr klar, daß Sie eine ganz wichtige Kli-
baulichen und wirtschaftlichen Auswirkung getroffen. entel bedienen, eine ganz wichtige Gruppe abdecken. Es
wäre im Interesse des Landes und des gesamten Projekts
Auch die Umweltauswirkungen dieser Variante werden dar-
wichtig, daß Sie sich für das Projekt erwärmen könnten. Sie
gestellt, Erweiterungsmöglichkeiten werden erwähnt und
sind nicht für Stuttgart 21; das ist nicht wahr. Die Lean- und
unterschiedliche kleinräumige Varianten bei Beibehaltung
die Kombi-Variante sind völlig andere, völlig neue Projekte.
des Kopfbahnhofs in die Raumordnungsunterlagen aufge-
Das muß man sich klarmachen. Sie sind einfach gegen die
nommen. Gleiches gilt für die Varianten, die den Haupt-
vorliegenden Varianten, die alle geprüft werden. Daher
bahnhof lediglich mit vier Gleisen unterfahren und von eini-
dürfte das Planungsverfahren auch rechtlich erschöpfend
gen Verbänden und den Grünen als Variante „Stuttgart
sein. Man kann dem deutschen Planungsrecht ja alles vor-
Kombi“ bezeichnet werden.
werfen, nur nicht, daß es nicht gründlich ist.
Was kann man eigentlich noch mehr tun? Ich bitte Sie um
eines, wenn Sie es mit öffentlichen Verkehren wirklich ernst (Beifall bei der CDU)
meinen. Ich habe ja in der Vergangenheit alles geschluckt,
Es hat sich hier eine interessante Koalition zwischen den
was Sie zu Straßenverhinderungen beigetragen haben. Aber
Republikanern und den Grünen ergeben.
wenn Sie schon öffentliche Verkehre haben wollen, dürfen
Sie durch Ihre Verhinderungspolitik nicht dazu beitragen, (Abg. Birgit Kipfer SPD: Schon wieder? – Unruhe)
daß wir ähnlich, wie es bei der Strecke zwischen Mannheim
und Stuttgart der Fall war, wieder 20 Jahre brauchen, bis Es gibt politische Gruppen, die gerne zu spät kommen. An-
der erste Zug fährt. dere Gruppen kommen überhaupt nicht.
(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP) (Abg. Drautz FDP/DVP: Der Herr Kuhn hört doch
überhaupt nicht zu! – Gegenruf des Abg. Kuhn
Fehler werden hier nicht von den Arbeitern an der Baustelle Bündnis 90/Die Grünen: Doch, ich höre zu!)
gemacht, sondern die Fehler werden immer von Politikern
bei den Planungen gemacht. Wir aber wollen gerade keine Wir wollen das eine nicht: Wenn sie nicht kommen wollen,
Hyperplanung und wollen nicht alles ständig in Frage stel- soll es nicht am Bahnverkehr im 21. Jahrhundert liegen.
len.
(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/
Zu Stuttgart 21 hat es im Rathaus bis zu diesem Tag eine DVP)
großartige Ausstellung mit allen Varianten gegeben.
Stellv. Präsident Birzele: Meine Damen und Herren, wir
(Abg. Birk CDU: Nur waren dort die Grünen nie!) sind damit am Ende der Debatte über den Antrag der Frakti-
on Bündnis 90/Die Grünen.
20 000 Bürger haben diese Ausstellung besucht. Bevor aber
all die unterschiedlichen städtebaulichen Lösungen von Herr Abg. Kuhn, welche geschäftsordnungsmäßigen Anträ-
zehn internationalen Architekten überhaupt zur Debatte ge zur weiteren Behandlung dieses Antrags werden gestellt?
standen, haben manche schon gewußt, daß das, was wir vor-
geschlagen haben, gar nicht geht. Das ist das Verhindern Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Ich bin für Überwei-
von Politik. Sie werden überhaupt nichts zugunsten der öf- sung, Behandlung im zuständigen Ausschuß.
fentlichen Verkehre beitragen, weil Sie immer auf der Seite
derer sind, die von vornherein versuchen, etwas zu verhin- Stellv. Präsident Birzele: Es wird Überweisung an den
dern, aber selbst keinen konstruktiven Beitrag leisten kön- Ausschuß für Umwelt und Verkehr beantragt. – Sie stimmen
nen. zu.
(Sehr gut! und Beifall bei der CDU und der FDP/ Damit ist Tagesordnungspunkt 2 erledigt.
DVP – Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Herr
Schaufler, nehmen Sie das eventuell zurück?) Ich rufe Tagesordnungspunkt 3 auf:

Stellv. Präsident Birzele: Meine Damen und Herren, es a) Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der
liegt noch eine Wortmeldung vor. Frau Abg. Dr. Gräßle, Sie FDP/DVP und Stellungnahme des Wirtschaftsmini-
haben das Wort. steriums – Lehrstellenversorgung in Baden-Württem-
berg – Drucksache 12/3
Abg. Dr. Inge Gräßle CDU: Ich möchte die Kolleginnen
und Kollegen von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ein- b) Antrag der Fraktion der SPD und Stellungnahme des
laden, ins Boot zu kommen und sich der Modernisierung Wirtschaftsministeriums – Zukunftschancen junger
des Bahnverkehrs und dieses Landes im 21. Jahrhundert Menschen in Ausbildung und Beruf – Drucksache
nicht zu versagen. 12/13
(Abg. Kuhn Bündnis 90/Die Grünen: Bahnverkehr Das Präsidium hat hier folgende Redezeiten festgelegt: für
oder Boot?) die Begründung der beiden Anträge je 5 Minuten, für die
– Von mir aus können wir gerne einmal Boot fahren, Herr Aussprache über beide Anträge 5 Minuten je Fraktion bei
Kuhn. gestaffelten Redezeiten.
(Zuruf von der CDU: Das war ein Angebot! – Abg. Für die CDU-Fraktion erteile ich Herrn Abg. Bloemecke
Dr. Repnik CDU: Aber ein eindeutiges Angebot!) das Wort.

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