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Ein Streifzug

Bäuerliches Leben in Übersee in den vergangenen 200 Jahren

Das Bauerntum ist nicht nur ein Berufsstand sondern Aus diesem Verständnis heraus beschäftigen wir uns
auch eine eigene Lebensart und eine eigenständige in diesem Raum wie in einem Streifzug mit den
Form der Arbeit und Kultur. thematischen Schwerpunkten:

Bis in das 19. Jahrhundert hinein war Übersee ein


reines Bauerndorf. Das Bauerntum prägte nicht nur Lebensgrundlagen
die Haus- und Hofgestaltung und damit das Dorfbild
sondern auch unser Dorf als Gemeinwesen. Tägliches Leben auf dem Bauernhof

Strukturwandel Architektur und Bauweise der Bauernhöfe


In der Mitte des 19. Jahrhunderts verbesserte sich
die ärztliche und sanitäre Betreuung wesentlich. Im Grundherrschaften und Hofgrößen
Rahmen der Industrialisierung, der Errichtung der
Bahnstation in Übersee und der Ansiedlung von Be- Hofgeschichten und Eigentümer
trieben entstand eine grundsätzliche Veränderung
der Struktur unseres Dorfes.

Im Jahr 1820 wird in unserer Chronik eine Seelen- Entsprechend der Aufgabenstellung im Rahmen der
zahl von 1161 mit 186 Herdstätten angegeben. 200 Jahrfeier und unseren Möglichkeiten haben wir
nach eigenen Maßgaben das Konzept für diesen Aus-
1895 zählte Übersee 1438 Einwohner mit 208 land- stellungsteil erstellt. Dieser kurze Blick von dem
wirtschaftlichen, 46 gewerblichen Betrieben und Jetzt in die Vergangenheit kann nur eine Annähe-
einem Industriebetrieb. rung sein. Vielleicht weckt er Erinnnerungen, trägt
er zu Diskussionen bei, führt er zu einer bewußten
1933 war die Einwohnerzahl auf 1895 gestiegen mit Betrachtung der Gegenwart und stärkt er unsere Ge-
195 landwirtschaftlichen, 46 gewerblichen Betrie- meinsamkeit.
ben und einem Industriebetrieb.
Als Quellen dienten die Ortschronik von Max und
1958 wuchs durch den Zustrom von Evakuierten und Adelheid Brunner , die Literatur von Josef Metz, Er-
Flüchtlingen die Zahl der Einwohner auf 3324 an mit fahrungen aus der Tätigkeit des Arbeitskreises Kul-
157 landwirtschaftlichen, 117 gewerblichen und tur und Gespräche mit Bürgern des Dorfes.
6 Industriebetrieben. Die Ausstellungsstücke hat Jakob Gnadl aus einem
Nachlass zur Verfügung gestellt.
Für das Jahr 2010 werden nach der letzen Erhebung
von dem Landesamt für Statistik 60 landwirtschaft-
liche Betriebe angegeben.

Trotz der gewaltigen strukturellen Veränderungen


in der Landwirtschaft sind in Übersee weiterhin
leistungsstarke und sehr ansehnliche Bauernhöfe zu
finden.

Ihre Eigentümer, Pächter oder auch Vorgänger wa-


ren und sind unsere Ernährer mit Grundnahrungs- Arbeitskreis Kultur Übersee
mitteln, ein prägender Teil unseres Dorfes und Pfle- Jakob Gnadl
ger unserer Kulturlandschaft. Reiner Schöniger
Lebensgrundlagen und Landwirtschaft
Bis in das 19. Jahrhundert war Übersee ein rein bäuerliches Dorf

Eigenversorgung: Das was gebraucht wurde, Der Anbau von Mais (Guguruz, türkischer Weizen)
wurde angebaut und erzeugt. war eine Überseer Spezialität und gelang am südli-
chen Chiemsee besonders gut.
Je nach Ortslage und Ertragsmöglichkeit – zu denken
ist an die regelmäßigen Überschwemmungen und an Sowohl der Anbau der Rübe, von Kraut als auch von
das Klima – wurde so viel Getreide angebaut, wie Knoblauch und Bohnen wird schon frühzeitig ge-
zum Eigenbedarf und eventuell zur Ablieferung ge- nannt.
braucht wurde.
Zur Schweinemast brauchte man Hafer und Eicheln
als Kraftfutter.
Für jede gefällte Eiche mussten 3 Eichen auf dem ei-
genen Grund gepflanzt werden.

Im Schwemmboden in der Feldwies wuchs besonders


gut die Zwiebel und sie war eine begehrte Handels-
ware.
Aus den Grundbeschreibungen der Anwesen in unse-
rem Häuserbuch wissen wir, dass in den Gärten Obst
und Gemüse angebaut wurde. Aus dem Bienen- und
Obstzuchtverein entstand 1898 der Obstbauverein.

Der Kartoffelanbau setzte sich erst nach und nach


Das Brot wurde von den Bauern selbst gebacken. Es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts durch.
konnte aber auch in der Aumühle gekauft werden,
denn diese hatte von altersher für Schwarzbrot die Wegen der teilweise schlechten Bodenverhältnisse
Bäckerrechtsame. war die Fischerei - nicht nur für die Feldwieser -
eine besonders wichtige Lebensgrundlage.

In Übersee war die Pferdezucht von großer Bedeu-
tung. Das Pferd diente insbesondere als Zug- aber
auch als Reitpferd. Die Priester von Grassau mit ih-
ren weiten Sprengeln, Kaufleute, Gerichtsherren und
andere waren in der Regel beritten.

Nach einer alten bayerischen Polizeiverordnung konn-


te der Bauer so viel Vieh halten, wie er im Winter
füttern konnte und auch der Größe seines Betrie-
bes entsprach. Die überwiegende Anzahl der Über-
seer Höfe waren 1/16 Höfe, also Familienbetriebe mit
durchschnittlich 2 bis 3 Kühen. Die Bewirtschaftung
Geernteter Rübensamen wird getrocknet erfolgte mit eigenen Kräften.
Lebensgrundlagen und Landwirtschaft
Auszüge von damals

Flachs Handel mit Feldwieser Zwiebeln auf dem


Eine außerordentliche Bedeutung kam dem Anbau Wochenmarkt in Traunstein
von Flachs für die Herstellung von Bekleidung zu. Auszug: Überseer Almanach 1983 von Josef Metz
In den Grundbeschreibungen werden immer wieder „So war`s vor 100 Jahren“
die Brechelstuben erwähnt, die auch in der Zeit des Durch den geringen Grundstücksbesitz der Feldwie-
„Flachspröchelns“ als Badstuben genutzt wurden ser Bauern waren diese schon frühzeitig zur Spezia-
lisierung ihrer Landwirtschaft übergegangen.

„Mir hama hinta insern Haus vier kloane Acker Zwiefe


g`habt,“ wußte die „Häuslschuster-Marie“ damals
bei ihrer Geburtstagsfeier zu berichten. „A bei de an-
dern is so g`wesen!“

Als Botenfuhrwerkerin, die den gewerblichen Klein-


gutverkehr zwischen Übersee und Traunstein von ih-
rem Vater übernommen hatte, begann so mancher
Tag um Mitternacht. Mit dem Füttern und Einspan-
nen der Pferde und bis zur Ankunft beim Demmel-
Wirt in Traunstein wurde es etwa 7 Uhr. Bis etwa
Mittag hielt sich Marie in Traunstein auf und betrieb
mit allerlei Gemüse, z. B. Zwiebeln, Mais und Rüben-
samen, Handel auf dem Wochenmarkt.
„Flachspröcheln“ Für die Rückfahrt bekam sie Salz, Getreide für den
Auszug: Überseer Almanach 1983, Josef Metz Müller, Kohle für den Schmied oder auch Saatgetreide
„So war`s vor 100 Jahren“ für Bauern aufgeladen. Meist wurde es 7 Uhr abends
bis sie heimkam.
1821 An den Gemeindevorsteher des Distrikts Über-
see Hartinger wegen „Flachspröchelns“. Um das Haus herum
nach einer Grundbeschreibung von 1633 aus dem
Es kam vor allen Arten zur Anzeige, daß zur Zeit, wo Häuserbuch (Auszug)
das „Flachspröcheln“ auf dem Lande stattfindet, sich
Unfüge aller Art und besonders vor allem durch dieses ........................ besüzt zue Freistifft das ...............-
darbietet, daß hie und da die ganze Nacht hindurch guet, alda, hat Hauß; Stadl vnd Stallung, alles vnder
dauernd Tänze gehalten werden und daß die Weibs- ainem Tach, ist tails vndermauert, aber fast der maiste
personen das heizen in den Badstuben besorgen, zu Taill hilzen vnd wolerpaut. Vmb das Hauß herumb ain
denen die Mannspersonen halbe und ganze Nächte un- schener Anger oder Garten, so mit Zaun vmbfangen,
schicklich auf Besuch kommen. Derlei Tänze sind ein darjinnen vill schene Weixl vnd andere obstpäumb,
für allemal untersagt und die Hauswirte haben die ain Schöpfprun, ein Pachofen, ain Traidtcasten vnd
Veranstaltung zu treffen, daß das heizen Holzhitten vnder ainem Tach, dann hinter dem Hauß
der Badstuben nicht wie bisher durch die Weibsperso- ain Stadl und Törrstuben, auch vnder ainem Tach.
nen, sondern durch die Mannspersonen besorgt werde, Gleich gegen dem Hauß yber ain schener großer Stadl
wodurch die nächtlichen Zusammenkünfte der ledigen vnd Stallung, auch vnder ainem Tach, taills gemauert
Burschen und Mägde verhindert werden. vnd erzimert vnd wolerpaut. Negstermelten Hauß ain
schener großer Garten, so mit Zaun vmbfangen, dar-
jinn vill schene Weixl vnd andere obstpäumb, auch 4
Khrautägkherl.

Die beschriebenen landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Bauern bestätigen die überwiegende Selbstversorgung
und auch die Aussagen des Politikers von Hazzi in „Statistische Aufschlüsse über das Herzogtum Bayern,
1801/1802“, dass die Kost sehr einfach war und aus Mehlspeisen , Milch, Bohnen und Kraut bestand. Nur an
Feiertagen wurde im Wirtshaus Bier getrunken und Fleisch sehr selten gegessen.
Feldwies, über. Auf der Stoll-Taferne
Herdstättenbeschreibung folgte Georg
des Pfleggerichts
Rottmair (1815). aus dem Jahre 1554. In einem
Marquartstein
Eintrag zur Obmannschaft Moosen findet
Rottmair lies, das immer noch gut erhaltene
sich ein „Anndre auss dem Paumgarten, sitzt Mod
Hofgeschichte vom „Baumgartner-Hof“ Holzmühle
undtererstellen, die möglicherweise
sant Lienhardten
damalige (Achenrunst)
Achenverlauf
zu Almau“. Das
Söldengut musste hätte
Hand- und
noch am
gebaut werden
Spanndienste unentgeltlich an den Herzog
Achenweg 30, Übersee leisten.

Hofgeschichte vom „Baumgartner-Hof“,


1879 wird
Achenweg
Sebastian 30,
Gnadl
Übersee
durch Erbgemeinscha
1612 hat das „Gütl“ Hans Rossersperger inne. Im Stall stehen 1 Pferd, 2 Kühe und 1 Junges. Auf den
Feldern sät er 15 Münchner Metzen SaatgutIm
Auszahlung
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Erträge von
Erben
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und
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Zertrümmerung
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seine
1879deswird
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Sebastian Gnadlwar der Erbgemeinschaft
durch
Grumet konnten 5 Metzen eingebracht werden. Nr. 70,
Grundbesitzer
Übersee,
und unter die
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vom
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Baumgartner-Hofes.
Almau.
rungDer älteste
seines Hinweis
Maierhofes (Hs.Danach
entstammt
Nr. der
70, folgen
Übersee,
Als Zubaugut ist der Hof bereits 1671 belegt, bewirtschaftet von Christian Eder, Moosen. Eder besaß
5 Generation
„Moier
in Moosen ein Lehen, das zu Kirche St. Martin Familie.
Herdstättenbeschreibung
vom
in Unterland“)
Unterwössen des Pfleggerichts
der Alleinbesitzer
gehörte. des Baumgartner-
Marquartstein aus folgen
Hofes. Danach dem Jahre 1554.
5 der In Familie.
Gnadl einem
Eintrag
1711 geht der Besitz durch Versteigerung („auf der zur Obmannschaft
Gant“) an MatthiasMoosen findet Wirt auf der
Leopoldinger,
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GeorgeinGugghör
„Anndre(1760),
auss dem Paumgarten,
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(1793), Matthias 1902 w
Rottmair (1815). undter sant Lienhardten zu Almau“. Das vergröß
Rottmair lies, das immer noch gut erhaltenedamalige Söldengut musste Hand- und
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Im Fall des Baumgartner-Hofes war der
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Grundbesitzer die Filialkirche St. Leonhard i. Im Zuha
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Versteigerung
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1902an wird derGnadl
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Leopoldinger, während
Wirt auf der seine
1902 wird der Stall vergrößert. Das „Zuhaus“ wurde beiden
damalige Söldengut musste Hand- und vergrößert.
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Feldwies,
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Hand- undStoll-Taferne
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unentgeltlich (1760), im
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vom Marquartsteiner Weltkrieg
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(1793), Matthias
Architekten „Gustapfel“ 1921
Das „Zuhaus“ wurde vom Marquartsteiner Architekten
Rottmair Spanndienste
(1815). unentgeltlich an den Herzog
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wohnten, Gnadl
neben
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viele dann
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nach dem Krieg Flüchtlinge und später
ger inne. ImAchenverlauf
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und 1 werden
Junges.
Stall stehen 1 Pferd, 2 Kühe und 1 Junges. Auf den Auf den (geb.
sollen. Genghammer)
merfrischler“. den Hof. Franz Gnadl
viele „Sommerfrischler“.
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Xaver Gnadl verstarb (geb.
während Praßberger) 1959.
seine beiden Söhne im
ht werden.1879 wird Sebastian Gnadl durch Erbgemeinschaft und unter
erhält Erträge von 60 Metzen. An Heu und Grumet 2. Weltkrieg waren.
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gehörte. Eder, Moosen. besaß inund 2002 wird der Baumgartner-Hof an Stefan
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Gnadl vonSt. Martin
ihrer in Unter-
Mutter Maria
ung („auf der Gant“) an Matthias Leopoldinger, Wirt auf der
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Gnadl
Gnadl und Birgit Gnadl, (geb. Stephl),
folgte Georg Gugghör (1760), Augustin Wallner (1793), Matthias der Stall
heiratete Maria (geb. Praßberger) 1959.
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Im Zuhaus wohnten, neben den unverheirateten an Stefan Im März 2018: Familie Gnadl
Gnadl und Birgit Gnadl, (geb. Stephl),
Geschwistern nach dem Krieg Flüchtlinge und später dann
übergeben.
viele „Sommerfrischler“.
Vom Bauernhaus zum Künstlerhaus Geiger
DIE BAX, Neuwies 11, Ortsteil Baumgarten/Neuwies

Im Band 2 der Ortsgeschichte von Übersee aus dem stellung des unge-
Jahr 1964 werden folgende Auskünfte über die Pax, wöhnlichen, heute
Rothgraber oder Schilchergütl angegeben: „Hs. Nr. alt seltenen Mischmau-
63, neu Neuwies 11 / Grundherrschaft Kloster Baum- erwerks aus Feld-
burg, 1/16 Hof, Leibrecht / (1585) Oßwald Rothgra- steinen und Bach-
ber / 1612 Jakob Schilcher [...] 1819 d. K. Georg kugeln durchsetzt
Paxer [...]“ Aus dieser Grund- und Hofbeschreibung mit Schlackenstei-
können die verschiedenen Hofnamen abgeleitet wer- nen aus dem Eisen-
den. Die Pax wird dann im Laufe des 20. Jahrhun- hüttenwerk Achtal.
derts zur Bax. Einfühlsam werden
Türe, Fenster sowie Fußboden- und Deckenbohlen
ersetzt. Der Architekturstudent Rupprecht fügt dem
Interieur, durch einen Toskanaaufenthalt beeinflusst,
auch südliche Bauelemente hinzu. Die Bax wird wäh-
rend der Zeit des Naziregimes zum Zufluchtsort Willi
Geigers an den er sich in „innerer Emigration“ zu-
rückzieht. Der Maler macht die Bax zu einem Ort des
freien Ideenaustauschs – damals wird auch die Bax
als „Menschlichkeitsoase“ bezeichnet.

In der Tradition der Nach dem 2. Weltkrieg als Sommer- und Ferienhaus
ersten Künstlerkolonie von der Familie Geiger genutzt, wird die Bax spä-
Frauenchiemsee und ter unter Denkmalschutz gestellt. Anfang der 1980er
der sich seit Mitte des Jahre führt die Architektin Monika Geiger, Schwieger-
19. Jahrhunderts am tochter von Willi Geiger, durchgreifende Umbau- und
Chiemsee niedergelas- Sanierungsmaßnahmen durch. Im westlichen Teil, in
senen Künstlergrup- der sogenannten Tenne, die bis dahin als Werkstatt,
pen erwirbt der Maler und Grafiker Willi Geiger 1930 Garage und Lagerplatz dient, wird eine zweigeschos-
das verfallenes Bauernhaus – auch er fühlte sich von sige Ferienwohnung für die Söhne und Enkelkinder
der einmaligen bayerischen Voralpenlandschaft und gebaut, ohne den äußerlichen Charakter des Hauses
dem bäuerlichen Brauchtum angezogen. Kurz dar- wesentlich zu verändern.
auf beginnt er in Zusammenarbeit mit seinem Sohn
Rupprecht den Wiederaufbau der „hoffnungslose[n]
Ruine [...] Es bedurfte der Vorstellungskraft eines

Für die erste Ausstellung Willi Geiger in der Bax im


Sommer 2004 gestaltet Florian Geiger, Enkel von
Willi, die Nordseite der Tenne ein weiteres Mal um
und bringt eine Galerie mit großem Fenster an. In
unregelmäßigen Abständen organisiert er mit seiner
Künstlers, zu erkennen, was sich aus den Trümmern Tochter Julia Sommerausstellungen zur Künstlerfa-
des auch für die damalige Zeit äußerst bescheidenen milie Geiger. Im seit knapp 90 Jahren unveränder-
um nicht zu sagen primitiven Hofes an Wohnlich- ten Wohnhaus kann man dann die Atmosphäre jener
keit und räumlicher Entfaltung herausholen ließ.“ Zeit, in der Willi Geiger mit seiner Familie, Freunden
(in: Der Bauberater, 49. Jg., München 1984, Heft. 3, und Künstlerkollegen um den Tisch saß, erspüren.
S. 66). Besonders achten beide auf die Wiederher- November 2017, Julia Geiger
Vom Stricker-Häusl zum Künstlerhaus Exter

1554 wird das „Künstlerhaus Exter“ erstmals als


„Stricker-“ oder „Schwabenhäusl“ in Urkunden des
Bistums Salzburg erwähnt. Eigentümer des „vrbars
Sölden, darauf ain ainfachs erzimerts guets Heusl,
Städl vnd Stallung, ain clains Gärtl vmbß Hauß, da-
rin 3 Ägkherl vnd 6 Paum“ ist „Georg Schwab“. Ab
1722 leben die Familien vom Stricken. 1899 geht das
Anwesen über an eine Witwe von der Fraueninsel.

1902 kauft Professor Julius Exter (geboren 1863 in


Ludwigshafen, gestorben 1939 in Übersee) den her-
untergekommenen Hof. Er wird Sommerdomizil und
Zentrum der internationalen Sommermalschule. Mit
dem Exter-Garten wird begonnen.

1903 lässt Exter lässt die Veranda errichten. Für den


Garten kauft er groß ein, so für vier Mark die heute
noch existierende Blutbuche.

mer mehrerer Grundstücke aus. Ihm gehören die Flur-


nummern 1095 mit „Wohnhaus mit Atelier, Veranda,
Waschhaus mit Holzlege, Hofraum“ und 1096 mit dem
„Garten“. Weiter hält er die Flurnummern 1099 (eine
Wiese am Seerosenweg), und 1376, eine „Waldung“
von 1,38 Hektar, sowie 1744, das 0,6 Hektar große
„Seefleckl“. Der Künstler muss 1917 alles verkaufen,
1904 entstehen gemäß um die Zwangsversteigerung der Flurnummern 1095
Tekturplan im Heubo- und 1096 abzuwenden. Anstelle von Blumen wird im
den das Große Atelier Garten nur Nahrhaftes gepflanzt.
des „Farbenfürsten“ ein-
schließlich Altane sowie 1939 wird Tochter Judith mit Exters Tod Alleiner-
eine Waschküche (heutiges Nebengebäude). bin. Sie bietet das Anwesen 1973 der Bayerischen
Schlösserverwaltung an: „Mein Hauptwunsch ist die
1906 schmückt Exter das Große Atelier mit Fresken. Erhaltung der Gedenkstätte für Julius Exter, mit sei-
Peu à peu werden Wasserleitungen im Haus verlegt. nen Werken aus den verschiedenen Schaffensperio-
Später (1929) wird Exter Ehrenbürger der Gemeinde, den, in Feldwies, in dem Haus des Künstlers.“ Judith
hat er doch den Bau einer öffentlichen Wasser- und bekommt eine kleine Leibrente und stirbt 1975.
Stromversorgung mitinitiiert.
1980 veranstaltet der neu gegründete Kunstverein
1914 folgt eine große Bauphase - vor allem im Wohn- „Kunsthaus Übersee-Feldwies e.V.“, anfangs unter
haus mit neuem Treppenhaus anstelle steiler Stiegen Mithilfe der Gemeinde, die erste von inzwischen circa
und Anbau des Aborts auf der Westseite. 36 Exter-Ausstellungen mit der Schlösserverwaltung,
dazu Ausstellungen weiterer Künstler. Die Schlös-
1917 muss der verarmte Künstler Wohnung und Ate- serverwaltung finanziert bis heute die aufwändigen
lier in München aufgeben. Mit der Familie (Ehefrau Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen durch
Anna Judith sowie den Kinder Judith und Karl) zieht das Staatliche Bauamt Traunstein. Bis dato haben
er sich nach Feldwies zurück. Das „renovierte Grund- über 300.000 Gäste aus dem In- und Ausland das
steuer-Kataster“ weist Exter 1917 noch als Eigentü- denkmalgeschützte Kleinod besucht.
Bauernhöfe
Impressionen
Viehmarkt
Pferde gestern und heute
Mauerwerk
eines Überseer Bauernhauses

Woher sind die Steine?

Steine erzählen und verbinden!


Landwirtschaftliches Bauwesen

Ein Bauernhof hatte immer schon die Ausrichtung, Erst um die Mitte des
alle landwirtschaftlichen Zwecke, also Leben, Arbeit 19. Jahrhunderts wur-
und Produktion möglichst unter einem Dach zu ver- den die meisten Bauern-
einigen. anwesen bei uns neu er-
richtet oder umgebaut.
In unserer Gegend waren fast durchwegs „Einfirst- Den Wohnteil baute man
höfe“ verbreitet. Je nach Größe und Ansehen war in Mischmauerwerk, was
die Architektur und Ausgestaltung mehr oder weni- bedeutete, dass sämtli-
ger repräsentativ. ches Baumaterial, das vor Ort zugänglich war, ver-
wendet wurde. Rotmarmor als Ecksteine, Buchberger
Sandstein, Schlackensteine meist aus dem Gusswerk
Bergen, Ziegel teilweise selbst gebrannt.
Der Stall war meist mit Gewölben verschiedenster
Ausprägung versehen.
Die Scheune war aus Holz erbaut, das aus dem eige-
nen Wald stammte. Etliche Bauern hatten aber auch
ein Bergholz- oder ein Brennholzrecht.
Der Westteil des Hofes diente der Viehhaltung und
als Puffer gegen Wind und Kälte.
Die Mittertenne wurde als Durchfahrt für die Pferde-
Gespanne zum Abladen von Heu und zum Dreschen
genutzt.
Der geostete Wohnteil war Lebensraum für die Fami-
lie, Altenteiler, Knechte und Mägde, nach dem Krieg
auch für Flüchtlinge.
Auf dem Dachboden befand sich meist noch ein Räu-
cherofen („Selch“) sowie Raum zum Trocknen von
Getreide und Mais. Der Kellerraum mit Gewölbe dien-
te zur Lagerung von Lebensmitteln.

Oft kamen noch andere Gebäude dazu: Ein „Troad-


kasten“ als sicherer und trockener Holzbau zur Lage-
rung von Getreide
und Saatgut. Ein
kleines Zuhäusl
mit Austrags-
Wohnung, Wasch-
Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele der küche, Werkstatt,
Anwesen mit Querbauten erweitert. Ein Ansteigen der Schnapsbrennerei
Produktivität durch Düngung und Maschineneinsatz oder Backofen.
machten eine Erweiterung möglich und notwendig. Der Brunnen vor
dem Haus rundete
Immer wieder wird das Alter unserer Höfe mit 500 die Hofstelle ab.
bis 600 Jahren angegeben. Das bezieht sich aber
regelmäßig auf die erste Erwähnung und sagt wenig Immer wieder wurden Bauernhöfe von verheerenden
über die gegenwärtig noch bestehenden Objekte aus. Bränden heimgesucht. Ohne effektive Brandbekämp-
Ursprünglich bestanden landwirtschaftliche Anwesen fung war das früher eine Katastrophe, welche die Exis-
aus Holz, laut Chronik „ain zwifach erzimerte tenz der Familien aufs Spiel setzte. Hilfe durch die
Behausung mit ainem anhenngigen Stadl“. Eine Nachbarschaft, Holzrechte für den Wiederaufbau so-
Offene Feuerstelle mit einem Kamin, der meist nur wie die Gründung des Brand-Unterstützungsvereins
unters Dach reichte war Kochstelle und Wärmequelle. Achental sollten die größte Not lindern und einen
Sanitäre Anlagen im heutigen Sinn waren nicht Neustart ermöglichen.
vorhanden. Hühner, Enten und Hasen hatten ihre
Bleibe teilweise in den Wohnräumen. Gnadl Jakob, AK Kultur 2018
Grundherrschaften
Hofgrößen und Hofnamen

In den drei ehemaligen Hauptmannschaften Übersee, Hof (Martinfleide-Hof) bis zu einen 1/16 Hof (51)
Moosen und Feldwies gab es 74 herzoglich urbare oder 1/32 Hof (89, Puffl in der Neuwies). Sie waren
Güter, das ist die Hälfte der vorhandenen Güter in früherer Zeit Grundlage für die Steuererhebung an
überhaupt. die Grundherrschaften.
Das trifft vor allem auf die Feldwies zu, die auf einer
dem Fürsten gehörigen Freiweide entstanden ist.
Diese herzoglichen urbaren Güter genossen schon Im Häuserbuch von 1721 findet man insgesamt 177
frühzeitig das Erbrecht, d.h. der Inhaber konnte Hausnamen.
seinen Hof seinem Leibeserben übergeben, ohne Neben dem Familiennamen hatte jeder Hof auch ei-
befürchten zu müssen, abgestiftet zu werden. nen Hausnamen. Dieser ging oft auf eine hand-
Der Rest der Güter war auf viele Grundherrschaften werkliche Tätigkeit, seine Lage oder auf den Namen
verteilt: Herrenchiemsee, Baumburg, Schloss Graben-
stätt, Raitenhaslach, sowie die Kirchen Almau,
Grassau oder Sankt Nikolaus in Übersee.

Heinrich der Reiche von Niederbayern-Landshut hat


durch einen Brief vom St. Thomastag des Jahres 1444
„bey und allen und ieden Unterthonen im Gericht
Marquartstein Erbrecht geben ...
Dadurch sollte ein Vorbild geschaffen werden, auch
für andere Grundherrschaften, die durch Leibrecht
und Freistift geprägt waren.
Nachgeahmt wurde dieses Beispiel nicht.

Die Leibeigenschaft war eine uralte


Form der Herrschaft und bestand
bis ins 18.und 19. Jahrhundert.
Über hundert Jahre dauerte es, bis
sich die Bauern dieser Unterdrü-
ckung durch zahlreiche Aufstän-
de entzogen und die Obrigkeit er-
kannte, dass es keinen Sinn mehr
machte, den Bauernstand ohne jede
persönliche Perspektive zu lassen.

Eine merkwürdige Tatsache kann


man in Übersee-Feldwies feststel-
len. Hier ist der Hof sehr oft den Töchtern vererbt
worden, obwohl es an männlichen Nachkommen nicht eines früheren Besitzers zurück, wie zum Beispiel
gefehlt hätte. Der Grund dafür dürfte gewesen sein, beim „Schuster-Weber“, „Almfischer“, „Bachschmid“,
dass in der Feldwies Erwerbsmöglichkeiten bestan- „Schließpointner“, „Donebauer“, „Kasparschmid“,
den, die für die männlichen Nachkommen anziehen- „Fischer“, „Radlschuster“, „Wanger“ usw.
der waren, als das oft primitive Leben auf dem vä-
terlichen Hof. Das Handwerk und der See eröffnete
solche Erwerbsmöglichkeiten durch Fischerei, Boots- Der einzige Hof, bei dem Hofname und Hausname
bau, Frachtfahrten und dergleichen. Eine große Rol- von 1435 bis heute identisch sind, ist beim „Lind-
le spielten dabei die beiden Inselklöster Herren- und lacher“ in der Moosener Straße.
Frauenchiemsee. Die Hausnamen kommen aus einer Zeit, in der weder
Straßen-Bezeichnungen noch Hausnummern exis-
Interessant sind auch die Hofgrößen und ihre Ver- tierten und gaben jedem Anwesen einen unverwech-
teilung auf das Gemeindegebiet. In der Feldwies wa- selbaren eigenen Charakter.
ren überwiegend die kleineren Anwesen. In Übersee,
Almau und Moosen befanden sich die größeren An-
wesen. Die Hofgrößen reichten von einem ganzen Jakob Gnadl, AK Kultur 2018
Tägliches Leben auf dem Bauernhof
Ein Rückblick in das 19. Jahrhundert

Im Grunde hat sich der Tagesablauf auf einem Bau- Daneben kamen zusätzliche Aufgaben hinzu, die an
ernhof über viele Jahre kaum verändert. Erst kommt bestimmten Tagen bewältigt werden mussten:
das Vieh, dann der Hof, dann die Menschen. Der Tag Wäsche waschen, Brot backen, den Hausgarten pfle-
begann früh. Der Lauf der Sonne das Wetter und die gen, Obst ernten und einkochen, Flachs spinnen,
Jahreszeiten bestimmten den Alltag. stricken, Kleidung herstellen und flicken, Schlachten,
Fleisch einlagern, Getreide dreschen, Schnaps bren-
Bei Sonnenaufgang stand man auf, es wurde Feuer nen, Torf stechen, Arbeitsgeräte reparieren.
im Herd gemacht, Wasser aus dem Brunnen geholt,
das Morgenessen bereitet, die Kühe gemolken, das
Schweinefutter zubereitet, alle Tiere gefüttert und
der Stall ausgemistet.

Zum Morgenessen, das meist aus einer Brot- oder


Milchsuppe bestand, traf sich zum ersten Mal am Tag
der ganze Haushalt in der Küche: Bauer und Bäuerin,
Altenteiler, die Kinder und je nach Hofgröße Knech-
te oder Mägde. Dann ging jeder an sein Tagwerk.

Der Bauer spannte die Rösser ein, holte Grünfutter


von den Wiesen und ging dann aufs Feld oder in den
Wald. Das Familienoberhaupt hatte das Wort und die
oberste Befehlsgewalt.

Die Frau putzte das Haus, kochte das Schweinefutter


und versorgte das Vieh, das am Hof geblieben war.
Sie kümmerte sich um Haus und Hof sowie um die
Kindererziehung.

Die Kinder betreuten die Kleintiere, trieben das Vieh


auf die Weide und hüteten es dort. Sie mussten mit
anpacken, wo es nur ging. Gegen 19 Uhr gab es ein warmes Abendessen, Kar-
toffeln, Gemüse, Suppe, selten Fleisch. Danach blieb
Je nach Jahreszeit arbeiteten alle gemeinsam bis zum noch etwas Zeit für kleinere Reparaturarbeiten oder
Mittagessen auf den Feldern, bei der Heuernte oder Nebengewerbe, danach fiel man todmüde ins Bett.
im Wald. Jeder am Hof hatte seine Aufgaben, die ge- Beim ersten Hahnenschrei ging es wieder hinaus in
wissenhaft zu erledigen waren. den Stall.

Freizeit und Urlaub im heutigen Sinne gab es nicht.


Der Kirchgang und ein Aufenthalt im Gasthaus bo-
ten einen Freiraum für Religion und Brauchtum. Er
diente der örtlichen Kommunikation ebenso wie die
Bauernfeiertage Kirchweih, Lichtmess, Erntedank,
sowie der Rossmarkt, Georgi- oder Michaelimarkt

Der Glaube an Gott und die Frömmigkeit waren sehr


ausgeprägt. In Zeiten wo es praktisch kein funkti-
onierendes Gesundheitswesen gab konnten die ein-
fachen Leute nur auf „Hilfe von oben“ hoffen. Die
gute Nachbarschaft wurde gepflegt. Ein alter Spruch
lautete:
Nachmittags gab es nochmal eine kleine Stärkung „Da Nachbar bei da Hand is besser
mit Brot und Speck, und am Abend wurden wieder- wia da Bruder über Land“
um die Tiere versorgt und die Kühe gemolken.
Jakob Gnadl, AK Kultur 2018
Lehrerkollegien
im Wandel der Zeit
Übersees neuere Schulgeschichte beginnt mit dem
Lehrer Kotzi 1795. Er unterrichtete noch alleine die
Kinder aus der Gemeinde. Ab 1826 wurde ein Hilfs-
lehrer angestellt, der jedoch vom Hauptlehrer bezahlt
werden musste. Durch das Anwachsen der Kinderan-
Kollegium im Jahre 1989
zahl wurde im 20. sten Jahrhundert auch die Lehrer-
schaft mehr.

Kollegium im Jahre 1995


Kollegium in den 50er Jahren

Kollegium ca. 1960 Kollegium im Jahre 2004

Kollegium
Ende der
60er Jahre Kollegium im Jahre 2011

Kollegium in den 80er Jahren Kollegium im Jahre 2018


Das Schulgebäude
Übersees Schulgeschichte

So sah Übersees erstes Schulhaus aus. Es befand sich auf dem Platz, wo sich heute das Leichenhaus
befindet. Es war Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut worden.

1795 heiratete der damalige Lehrer Josef Kotzi die hiesige Mesnerwitwe und unterrichtete ab 1804,
in einem Zimmer im Mesnerhaus, die Überseer Kinder.

Bereits 1825 stimmten die Überseer Gemeindemitglieder, nach tumultartigen Szenen im Feldwieser
Wirt, für die Erbauung eines neuen Schulhauses. Jedoch erst 1840 konnte der damalige Lehrer Josef
Schanderl, in das fertige Schulhaus umziehen. Dieses Gebäude blieb bis 1890 Schulgebäude und
diente im Anschluss als Wohngebäude für Lehrer. Heute ist es Sitz der Gemeindeverwaltung.
Das Schulgebäude

Durch das stete Anwachsen der Schülerzahl gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts wurde die
Gemeinde gezwungen, ein neues, größeres Schulhaus zu bauen. 1890 konnte dasselbe bezogen
werden. Es besuchten nun 175 Werktags- und 76 Feiertagsschüler die hiesige Schule. Als Hauptlehrer
wirkte Josef Kirchmaier. Gleichzeitig bekam Übersees Schule ihre erste Lehrerin, Anna Lachermaier.

In den nächsten Jahren wuchs die Schülerzahl auf 270 Kinder an, sodass ein Erweiterungsbau ( oben,
linke Hälfte) notwendig wurde. Anfang 1913 wurde dieser dann bezogen. Es wirkten nun vier
ständige Lehrkräfte an der Schule. 1918 trat Rektor Josef Kirchmaier in den Ruhestand und wurde in
der Folgezeit zum Ehrenbürger der Gemeinde Übersee ernannt

In den 50.er Jahren des letzten Jahrhunderts zeichnete sich ein stabiles Anwachsen der Schülerzahlen
ab und im August 1958 stimmte die Versammlung der Gemeindebürger dem Neubau eines
Schulgebäudes zu. Dieses wurde dann zum Schulbeginn 1960 in Betrieb genommen. Für eine
Bausumme von 600000 DM standen nun jeder Klasse ein eigenes Klassenzimmer zu, daneben gab es
eine Schulküche, ein Werkraum, ein Lehrer- und Schulleiterzimmer und verschiedene Nebenräume.
Das Schulgebäude

Bereits fünf Jahre später zeigte es sich, dass ein Erweiterungsbau mit Turnhalle notwendig werden
wird. So besuchten1961 340 Kinder die Schule und die Zahl stieg auf 393 im Jahre 1964.
Berechnungen ergaben, dass 1970 ca. 500 zu erwarten waren. Diese hohe Zahl an Schüler
erforderten weitere Fachräume. Bis zu dieser Zeit erfolgte der Sportunterricht aus klimatischen
Gründen nur in den Monaten September, Mai und Juni. Man befürchtete nun Gesundheits- und
Haltungsschäden bei den Kindern und so war der Bau einer Turnhalle (rechts) nicht weiter
aufschiebbar. Des weiteren erfolgte die Errichtung einer Wohnung für den Hausmeister. Mit der
Einweihung der Turnhalle 1968 endete die Bauphase.

Anfang der 90er Jahre stellte sich die Frage, was mit der Turnhalle passieren soll. Nicht einmal
zwanzig Jahre alt, wies sie gravierende bauliche Mängel auf. Zur Diskussion stand entweder eine
Sanierung oder ein Neubau, wobei dieser wiederum entweder am Sportplatz oder an der Schule
geschehen sollte. Nach langen Diskussionen entschied sich der Gemeinderat für den Abriss der alten
Halle und einem Neubau bei der Schule.

Gleichzeitig erfolgte eine Schulhauserweiterung mit einem zweigeschossigen Anbau an der


Westseite. Dadurch entstanden vier neue Klassenzimmer. Darüber hinaus wurde der
Hauswirtschaftsbereich erneuert und die Außensportanlagen und der Pausenhof verbessert.

Die feierliche Einweihung der Gebäude erfolgte 1995.


Das Zensurenbuch

Zensur-Bogen
für
Gertraud Baumgartner
Schüler der Werk- und Feiertagsschule
in
Übersee

Geburtsjahr: 1827 am 24. Juni


Geburtsort: Gröben
Stand der Eltern: Schleichbauer

Eintritt in die Werktagsschule


2. April 1834

Eintritt in die Feiertagsschule:


Aufenthalte:

Summe der Noten monatlich


Abwesenheit - entschuldigt
Schulname

Schreiben Rechnen

Nützliche Kentnisse

sittliches Betragen
Jahr
Schul-monate

- unentschuldigt
Kurs

schriftlich
mündlich
Aufsatz-
Schön-
Recht-
Religion

jährlich
Lesen

Fleiß
Oktober 3 4 1 1
November 3 4 1 1
Dezember 3 3 1 1
Januar 2 3 1 1
1835 Februar 2 3 1 1
März 2 2 1 1
April 2 2 1 1
Mai 2 2 0 1
Juni 2 2 0 1

Oktober 1 1 2 1 1 1 0 3
November 1 1 2 1 1 0 0
Dezember 1 1 2 1 1 0 0
Januar 1 1 2 1 1 1 0 2
1836 Februar 1 1 2 1 1 0 1
März 1 1 2 1 1 1 0 5
April 1 1 2 1 1 1 0
Mai 1 1 1 1 1 1 0
Juni 1 1 1 1 1 1 0
Schule

Oktober 1 1 1 1 1 0 0
Schule

November 1 1 1 1 1 0 0
Dezember 1 1 1 1 1 0 0
Januar 1 1 1 1 1 0 0
Werktags-

1837 Februar 1 1 1 1 1 0 0
Werktags-

März 1 1 1 1 1 0 0
April 1 1 1 1 1 0 0
Mai
Juni

Zensuren in der Werktagsschule Oktober


November
Dezember
Diese Schülerin verbindet mit ihrem vorzüglichen Geistesanlagen auch einen Januar
anerkennungswürdigen Fleiß. 1838 Februar
März
April
Zensuren in der Feiertagsschule
Immer noch Mai
Dieselbe brave Schülerin noch immer brav Juni 0 0 1 1 1 1 1 1 0 0

1841

Gesund sind Körper und Geist, lebensfroh meistert sie die Pflichterfüllung Oktober
brav und lernbegierig November
Dezember
1842 Januar
1839 Februar
Ist noch immer brav März
Einzigartig und sittsam April
1843 Mai
Juni 0 0 1 1 1 1 1 1 0 0
Kann mit den Folgen ihrer getreuen Pflichterfüllung die Schule verlassen
Musterhaft in jeder Beziehung Oktober 0 0 0 2 2 0 1 0 0 0
Sonntag Schule / Feiertags

November 1 1 0 2 1 1 2 1 0 0
1844 Dezember 0 1 1 1 1 1 1 1 0 0
Geistesan- Januar 0 0 1 1 2 1 1 1 0 0
Gesetzlich
lagen Fleiß Sittl. Betragen Schulbesuch Fortgang 1840 Februar 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0
s.o. bestimmte März 1 1 0 1 1 1 1 1 1 0
Klassifikationen vorzüglich vorzüglich
1845 April 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0
Noten, äußern dem 0 vorzüglich vorzüglich vorzüglich fleißig Mai 0 0 0 1 1 0 1 0 0 0
Prädikate eine Juni 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0
s.o. besondere sehr
1846 Auszeichnung 1 sehr viele sehr groß lebenswürdig sehr fleißig sehr gut 1841 Curs 0 0 0 0 0 1 0 2 0 0
1842 Curs 0 0 0 0 0 0 0 2 0 0
2 viele groß nicht tadelfrei fleißig gut 1843 Curs 0 0 0 0 0 1 1 3 0 0
Austritts- Sittl. 1844 Curs 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
zeugnis am Geistesanlagen Fleiß Betragen Schulbesuch Fortgang 1845 Curs 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
3 hinlänglich genügend oft tadelhaft nachlässig mittelmäßig
1846 Curs 0 0 0 1 1 0 1 1 1 0
sehr
sehr viele sehr groß musterhaft fleißig sehr gut
4 schwach wenig nachlässig gering
Lehrer: Schanderl
Lehrer/innen bei der „Arbeit”

Meist findet die Arbeit


eines Lehrers mit seinen
Schülern im Klassenzimmer
statt, aber es gibt auch
zahlreiche Stunden, die an
ganz verschiedenen Orten
abgehalten werden.
Die Rektoren von 1795 bis heute

Im Laufe der letzten 200 Jahre gab es 15 Rektoren Im Jahre 1947 leitete Rektor Lindner eine Schule
an der Schule, wobei sich der Aufgabenbereich mit 515 Schüler, dies ist die Höchstzahl.
stetig veränderte und vergrößerte. Im Folgenden eine chronologische Aufstellung.

Joseph Kotzi 1795 – 1828


Joseph Schanderl 1828 – 1867
Joseph Anton Gabler 1867 – 1877
Joseph Rummel 1877 – 1890
Joseph Kirchmayer 1890 – 1918
Joseph Rinser 1918 – 1926
Clemens Behrendt 1926 – 1935
Heinrich Schroll 1935 – 1945
Joseph Schanderl
Fräulein Berberich 1945 – 1946
Fritz Lindner 1946 – 1948
Franz Baumeister 1948 – 1958
Heinrich Schroll
Otto Messerer 1958 – 1964
Walter Schmid 1964 – 1984
Hans Aderbauer 1984 – 2011
Bernhard Benoist 2011 – heute

Joseph Kirchmayer

Fritz Lindner

Joseph Rinser
Otto Messerer Hans Aderbauer

Franz Baumeister

Clemens Behrendt Walter Schmid Bernhard Benoist


Schüler im Wandel der Zeit

Jahreszahl nicht bekannt Jahreszahl nicht bekannt Jahreszahl nicht bekannt

Jahreszahl nicht bekannt Lehrer Kirchmayer 1890-1918 Lehrer Rinser 1918-1926

1934 1936 1942

1943 Ca. 1944 Ca. 1944

Lehrer Lindner ca. 1948 1949/50 Lehrer Metz 50er Jahre


Schüler im Wandel der Zeit

Frau Jahn 1957 1957/58

1957/58 1957/58 1958

1958/59 1959/60 Schuleinweihung 1960

Fräulein Anlauf 1962 1962 Ca. 1963

1962 Ca. 1963 Letzter Schultag 1964


Schüler im Wandel der Zeit

1967 Fasching 1979 8. Klasse 1972

8. Klasse 1972 9. Klasse 1973 8. Klasse 1975

Frau Kotzik 1980 Frau Metz 1986 1987

1993 1994 1995

1995/96 1998 1998


Schüler im Wandel der Zeit

2000 2000 2000

2001 2003 2003

2003 2004 2005

2007 2007/08 2008

2008 Verabschiedung Aderbauer 2012 Letzte Hauptschulklasse 2012


Mietauto und Taxi
Mietauto und wurde
Obwohl schon 1886 erfunden, Taxi
das Auto erst ab den 1950er Jahren zum
Massenverkehrsmittel.
Obwohl Für besondere
schon 1886 erfunden, Anlässe
wurde das Auto gab
erstes
abdaher Mietautos.
den 1950er Jahren zum
Massenverkehrsmittel. Für besondere Anlässe gab es daher Mietautos.

Sogenannte Ausflugswagen, die sechs und mehr Personen befördern konnten waren schon vor dem Krieg in Gebrauch.

VW Bulli T1 mit Dachschild und Aussichtsfenstern im Ein- Mit diesem Auto der Marke DKW wurden in den Kriegs-
satz für das Verkehrsamt. jahren von Frau Seil Krankentransporte durchgeführt.
Danach diente er als Übersees erstes Mietauto.

Moderne Taxifahrzeuge, wie sie im Jahr 2018 aussehen.

Arbeitskreis Kultur Alfred Vorac


Lastkraftwagenund
Lastkraftwagen undTraktoren
Traktoren
Ablösung der Fuhrwerke
Ablösung der Fuhrwerkeund
undZugtiere
Zugtiere

Zu den ersten Lastwagen in Übersee zählten die im Werksverkehr eingesetzten Fahrzeuge der Auer Bräu Bierniederlage in
der Bahnhofsstraße. Man beachte u.a.die noch mit Holzspeichen ausgestatteten Räder.

Eine Generation später fuhr man auf Luftreifen. Der rechts sichtbare Kessel ist Hauptbestandteil eines Holzvergasers, eine
Antriebsart, die entwickelt wurde, als Dieselöl nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stand.

In der Landwirtschaft wurden Ochsen und Pferde als gebräuchliche Zugtiere durch Traktoren abgelöst. Links oben eines
der ersten Exemplare in Übersee. Rechts oben ein bis heute erhaltenes Fahrzeug, dessen Farbe und Form auf die Her-
stellerfirma Eicher hinweist. Unten sind ein Güldner mit angebautem Mähbalken und ein moderner Traktor zu sehen.

Arbeitskreis Kultur Alfred Vorac


Schifffahrt
Schifffahrt
Der
DerChiemsee
Chiemsee als
als Verkehrsweg
Verkehrsweg

1949 gab es auf dem Chiemsee schon Abfahrt vom Dampfersteg in der Feldwies.
wieder öffentliche Personenschifffahrt.
Feldwies wurde aber noch nicht angefahren. Der Einbaum ist die älteste Bootsform auf
dem Chiemsee.

Aus dem Ruderboot der Fischer entwickelte


sich die Chiemseeplätte als Segel- und
später auch Motorboot. Bis heute werden in
dieser Bootsklasse Regatten auf dem
Chiemsee veranstaltet
Zur Beförderung von Lasten dienten sog. Renner,
auf die zur Erhöhung der Ladefläche Balken gelegt
wurden.

Bevor es ein ausgebautes Straßennetz gab, war der


Schiffstransport auf dem Chiemsee gängige Praxis.
Arbeitskreis Kultur Alfred Vorac
Kutschen
Kutschen
Mit Pferd und Wagen über das Land
Mit Pferd und Wagen über das Land

Cariolpostkutsche wie sie ab 1873 täglich einmal zwischen


Übersee und Reit im Winkl im Einsatz war. Ab 1885 wurde nach Fahrpläne der Posteilwagen mit Angabe der Verpflegungsstationen,
Fertigstellung der Lokalbahn nur noch ab Marquartstein nach Fahrtdauer, Fahrpreise und Nebenkosten.
Reit im Winkl gefahren.

Pausen zur Verpflegung der Reisenden sowie Wechsel der Zug- Dieses Gemälde zeigt anschaulich wie eine Fahrt im Gebirge wie
pferde gehörten zum Ablauf einer weiten Postkutschenfahrt selbst- z.B. nach Reit im Winkl ausgesehen haben könnte.
verständlich dazu. Vor der Erfindung des Automobils galt diese Art
zu reisen als unerhört schnell. Nur die Eisenbahn war schneller, sie
fuhr aber nicht überall.

Je größer die Kutsche, desto mehr Pferdestärken mussten auf-


gewendet werden. Das ist auch in der heutigen Zeit noch so.
Linienplan der Eilwagenverbindungen südöstlich von München
bis ins Österreichische.
Arbeitskreis Kultur Alfred Vorac
Autobusse
Autobusse
Kutschenmit
Kutschen mitMotor
Motor

So sahen Postbusse in den 30er Jahren aus. Der Chauffeur zeigt sich voller Stolz mit dem ihm anvertrauten Gefährt.

Für Überlandstrecken in touristische Gebiete betrieb die Reichsbahn in den 30er Jahren einen
Kraftomnibusverkehr. Obwohl Übersee auf der zeitgenössischen Linienkarte eingezeichnet ist,
berührte keine der angegebenen Buslinien unser Dorf. Wenn überhaupt, gab es nur bescheidenen
Berufsverkehr in die Kreisstadt durch private Busunternehmer.

Zwischen Ettenhausen bzw. Reit im Winkl und Traunstein


verkehrten lange Zeit die privat betriebenen Linienbusse der Fa.
Greillinger im Volksmund besser als der ‚Weißblaue‘ bekannt.
Autobus der 50er Jahre im Einsatz für touristische Ausflüge in die Berge Vorläufer auf dieser Linie war die ebenfalls private Fa. Tunk.
oder rund um den Chiemsee. Am 1. 6.1976 erfolgte die Gründung des Regional Verkehr
Oberbayern (RVO) als Nachfolger der Bahn- und Postbusse.
Der Weißblaue ging schließlich auch im RVO auf.

Aktuell firmieren die Busse unter der Marke Autobus Oberbayern


RVO-Bus der noch die frühere Bahnbuslackierung trägt, ca. 1977
Arbeitskreis Kultur Alfred Vorac
Fuhrwerke
Fuhrwerke
Wie früher
Wie frühergroße
großeLasten
Lastentransportiert
transportiert wurden
wurden

Bevor sich der Lkw für den Transport besonders schwerer Lasten
durch-setzte, standen bis weit in die 60er Jahre mit Zugtieren be-
spannte Fuhrwerke in Gebrauch, die auch entsprechend ausge-
baute Straßen brauchten.

Maria Maier, die „Häuslschuster-Marie“ war einst eine Botenfuhrwerkerin, die


den gewerblichen Kleingutverkehr zwischen Übersee und Traunstein von ihrem
Opa und Vater übernommen hatte. Ihr Tag begann um Mitternacht mit dem
Füttern und Einspannen der Pferde. Der Erlstätter Berg konnte dabei nur mit
einem Vorspannpferd eines örtlichen Bauern bezwungen werden. Bis zur
Ankunft beim Demmel-Wirt in Traunstein wurde es etwa 7 Uhr. Dort wurde
ausgespannt und abgeladen, währenddessen die Marie auf dem Wochenmarkt
mit allerlei Gemüse (z.B. Zwiebeln, Mais und Rübensamen) Handel trieb. Auf
den Rückweg bekam sie Salz, Getreide für den Müller, Kohle für den Schmid
oder auch Saatgetreide für Bauern aufgeladen. Nach dem erneuten
Einspannen der Pferde ging es sodann gegen 1 Uhr mittags wieder nach
Hause, wo sie erst meist erst am frühen Abend eintraf.

Arbeitskreis Kultur Alfred Vorac


Fahrräder
Fahrräder
Drahtesel finden Verbreitung
Drahtesel finden Verbreitung

Erstes Laufrad
des Freiherrn
von Drais aus
demJahre1816.
Einstmals eine
Erfindung um
teures Viehfut-
ter für Reittiere
zu sparen.

Der Postbote Pfaffinger erleichterte sich seinen Dienst durch


den Erwerb eines eigenen Fahrrades und gehörte damit erst
knapp 100 Jahre später zu den ersten Radfahrern in Übersee.

Matthias Stöger verwendete anfangs ein Fahrrad als


Transportmittel zur Auslieferung seiner Erzeugnisse.

Schon vor dem ersten Weltkrieg hatten die immer zahlreicheren


Radler im deutschlandweiten Verband „Concordia“ zusammen-
gefunden, in dem es auch eine Ortsgruppe Übersee gab. Man
traf sich zur geselligen Abend-Unterhaltung in der Bahnhofres-
tauration Graf .
Bis Ende 1918 musste jeder Radler eine von der Ortspolizeibe-
hörde ausgestellte Fahrerkarte mit sich führen.

Arbeitskreis Kultur Alfred Vorac


Autobahnbau
Autobahnbau
DerBau
Der Bauder
derReichsautobahn
Reichsautobahn88verfolgte
verfolgtekeine
keine militärischen
militärischen Ziele.
Ziele. Die Die Erholungsgebiete
Erholungsgebiete
Tegernseeund
Tegernsee undChiemsee
Chiemseesollten
sollteneinfacher
einfacherund
und schneller
schneller zuzu erreichen
erreichen sein.
sein.

Briefkopf der OBL München

Der Betonfahrbahnbau war noch mit viel Handarbeit verbunden.


Zeitweise waren gleichzeitig über 11700 Arbeiter beschäftigt.

Für die Erdbewegungen beim Autobahnbau wurden


Lorenzüge mit Feldbahndampfloks eingesetzt. In
Übersee gab es seinerzeit auf der Beste Wiese einen
großen Lorenbahnhof.

Stand und Planungen der Reichsautobahnen in der südlichen


Hälfte des deutschen Reiches.

Autobahnbrücke in den 50er Jahren mit Aufschrift und


nahezu leeren Fahrbahnen. Der Abschnitt bis
Siegsdorf wurde offiziell am 17. August 1936 eröffnet.

Aktuelles Bild der Brücke. Der sechsspurige Ausbau KDF-Ausflugsbus am Parkplatz Chiemsee. Deutlich ist die erste
der BAB 8 bis Salzburg ist seit Jahren in Planung. Ausführung der Fahrbahn in Beton zu erkennen.
Arbeitskreis Kultur Alfred Vorac
Eisenbahn
Eisenbahn
Seit
Seitdem
dem7.7.
Mai 1860
Mai fahren
1860 in Übersee
fahren Züge.
in Übersee Heute
Züge. wesentlich
Heute mehr
wesentlich als früher.
mehr als früher.

Ganze fünf Züge in jeder Richtung befuhren pro Tag die Linie im Jahr
der Eröffnung. Der Verkehr entwickelte sich erfreulich, sodass die
Bahnanlagen weiter ausgebaut werden mussten. 1895 verlegte man
auf der bis dahin eingleisigen Strecke ein zweites Gleis. Anfangs
standen nur Dampfloks zur Verfügung. Ab 1928 war die elektrische Zahlreiche Menschen standen früher für den Bahnbetrieb in Lohn und
Oberleitung fertig installiert wodurch seither alle Züge mit elektrischen Brot.
Lokomotiven befördert werden konnten.

1885 konnte die Lokalbahn nach Marquartstein eröffnet werden, die


am 26. Mai 1968 auf Bahnbusbetrieb umgestellt und 1992 ganz
stillgelegt und wieder abgebaut wurde.

Aktuell verkehren ab Übersee täglich in jeder Richtung mehr als 25 Im Juli 2011 wurde die letzte beschrankte Straßenkreuzung durch ein
Reisezüge. Unterführungsbauwerk ersetzt.

Arbeitskreis Kultur Alfred Vorac


FlugplatzSchönegart
Flugplatz Schönegart
Ein
Ein Flugplatz
Flugplatz in in Übersee?
Übersee Tatsächlich
? Tatsächlich gab
gab eses 1963
1963 konkrete
konkrete Pläne
Pläne aufauf
denden flachen
flachen Wiesen
Wiesen der
der Schönegart
Schönegart einen einen Flugplatz
Flugplatz anzulegen.
anzulegen.

Die Wiesen und Äcker in der Schönegart heute ohne Motorflugplatz.

Die Grundstücke des Priener Flugplatzes wurden


zu Bauland erklärt wodurch ein neuer Standort Letztlich verhinderten Widerstände aus der Bevölkerung und auch
gesucht werden musste. Ein Vorschlag dazu war Eingaben von Touristen die Verwirklichung der Pläne.
Übersee.

Arbeitskreis Kultur Alfred Vorac


Lebensbedingungen
Lebensbedingungen
„Die hygienischen Verhältnisse dieser Zeiten waren derart, dass sich die
„Die hygienischen Verhältnisse dieser Zeiten waren derart,
Bevölkerung nicht vermehren konnte“
dass sich die Bevölkerung nicht vermehren konnte“

Die Ernährung um 1818 war einseitig, und karg, das Jahr zuvor brachte wegen Missernten durch
Klimaveränderung eine große Hungersnot. Grundnahrungsmittel war Mais (Guguruz), der im
feuchten Boden des Dorfes gedieh. Fleisch gab es nur an den 6 Fleischtagen des Jahres: Lichtmess,
Faschingsdienstag, Ostersonntag, Pfingstsonntag, Kirchweih und Weihnachten.

Die Kochstelle war kein gemauerter Herd, sondern offenes Feuer -> Rauch im ganzen Haus, häufige
Lungenerkrankungen. Hohe Brandgefahr, da Kamine nicht gemauert waren und Brennmaterial am
Herd lag.

„Die Hauswasserversorgung war bis zum Jahre 1906 äußerst mangelhaft. Besonders in der
Feldwies hatte man sehr schlechtes Grundwasser, gewonnen über einen Zieh- oder Schöpfbrunnen
mit einer Tiefe von 3-7 m ohne einen eingezäunten Fassungsbereich. Erst 1906 wurde eine zentrale
Hauswasserversorgung aufgebaut.

An jedem Haus stand ein Bretterverschlag als Toilette, die Ableitung erfolgte unmittelbar in den
Boden und konnte zur Vermischung mit dem Trinkwasser führen. Infektionskrankheiten waren die
Folgen. Eine zentrale Kanalisation wurde erst 1962 gebaut.
Krankheiten
Krankheiten
und
und
Sterben
Sterben um
um 1818
1818
Krankheiten und Sterben um 1818
Sterbematrikel der Pfarrei als historische Quelle
Sterbematrikel der Pfarrei als historische
Sterbematrikel der Pfarrei als historische Quelle
Quelle

Die Lebenserwartung der Überseer war viel geringer


Die Lebenserwartung
als heute, vor allem durch der Überseer war viel geringer
die hohe Säuglings- und
als heute, vor allem Von
Kindersterblichkeit. durch die bis
1802 hohe Säuglings-
1812 starben und
148
Kindersterblichkeit.
Kinder vor dem 10. Von 1802 bisHauptursachen:
Lebensjahr. 1812 starben 148
Kinder vor dem 10. Lebensjahr.
Infektionskrankheiten Hauptursachen:
wie die Pocken, denen 1806 in
Infektionskrankheiten
Übersee 27 Kinder zum wieOpfer
die Pocken, denen 1806 in
fielen, dazu
Übersee 27 Kinder
Diphterie,Tbc, zum Opfer
Scharlach, fielen,
Typhus, dazu und Ruhr
Cholera
Diphterie,Tbc,
Hoch war auchScharlach, Typhus, Cholera und Ruhr
die Müttersterblichkeit.
Hoch wardarüber
Auskunft auch diegeben
Müttersterblichkeit.
die „Pfarrmatrikel, in denen
Auskunft darüber
der Pfarrer geben die
jeder Todesfall „Pfarrmatrikel,
mit angenommener in denen
der Pfarrer jeder
Todesursache Todesfall
dokumentieren
Die
mit angenommener
musste. Wurden die
Todesursache dokumentieren
Menschen alt, trug man
Die
als musste.
Todesursache Wurden
meistdie
Menschen alt, trug
„Entkräftigung“ man
oder als Todesursache
„“Schwäche“, ein. meist
„Entkräftigung“ oder „“Schwäche“,
Ein wichtiger Fortschritt war die 1807 ein.
in Bayern
Ein wichtigerImpfung
eingeführte Fortschritt
gegenwardie
diePocken
1807 in Bayern
eingeführte Impfung gegen die Pocken

1
1
Eigenbehandlung als erster Schritt
Eigenbehandlung als erster Schritt
Sympathiemittel und Heilkräuter
Sympathiemittel und Heilkräuter

Das Wissen um die wirklichen Krankheitsursachen und die


Natur der Krankheiten war um1818 gering.
Trotz des fortschrittlichen Medizinalediktes von 1808 gab es
auf viele Jahre hinaus kaum Ärzte auf dem Land. Daher stand
die Selbstbehandlung mit Hilfe der Hausgemeinschaft an
erster Stelle
Sie stützte sich auf die sogenannten „Sympathiemittel“ und
auf Kräuterrezepturen.
Die Sympathiebehandlung fußte auf der Vorstellung von
magischen Verbindungen zwischen Krankheit und kosmischen
Zusammenhängen.
Kräuterrezepturen dagegen entstanden durch rationale
Erfahrung und genaue Beobachtung der Wirkungen.
Sympathiemittel bei Zahnschmerzen:
„Stell dich an einen Ameisenhaufen, kaue mit dem wehen Zahn eine schwarze
Brotrinde, spucke sie sodann in den Ameisenhaufen und gehe stillschweigend davon“
(Paul Friedl, 451 Haus- und Sympathiemittel S.11)

Eine Pflasterrezeptur bei Abszessen bestand aus:


Fettglorie, Honig, Safran, Eidotter und ein wenig Roggenmehl
(Friedl S.73)
Religiöse Rituale
Religiöse Rituale
Gebete und Hilfe, Wallfahrten, Verlöbnisse, Abbeten, Amulette
Gebete um Hilfe, Wallfahrten, Verlöbnisse, Abbeten, Amulette

Halfen die
Halfen die Hausmittel
Hausmittel nicht,
nicht, nahmen
nahmen die die Kranken
KrankenZuflucht
Zufluchtzu
zu
religiösen Handlungen.
religiösen Handlungen. Fast für jede Krankheit gab es einen
Für fast jede zuständigen
Heiligen, den oder die der Kranke anrufen konnte.
Krankheit gab es einen zuständigen Heiligen, den oder die der
Zu St. Leonhard beispielsweise betete die werdende
Kranke anrufen konnte. Zu St. Leonhard beispielsweise betete Mutter in
schwerer Geburt.
die werdende Mutter in schwerer Geburt. Man versprach eine
Man versprach eine Wallfahrt zu einer der umliegenden
Wallfahrt zu einer der umliegenden „Gnadenstätten“ „Gnadenstätten“
und stiftete ein gemaltes Votivbild, eine Kerze oder eine
und stiftete ein gemaltes Votivbild, eine Kerze oder eine andere
andere
Weihegabe.Weihegabe.

Übersichtskarte der Wallfahrtsorte

Deckengemälde St. Leonhard Almau. Votiftafel Marwang 1818


Laienbehandlung
Laienbehandlung
Seit 1808 in Bayern eigentlich verboten, aber aus der Not doch ausgeübt. Die Behandlungen
Seit 1808 in Bayern eigentlich verboten, aber aus der Not doch ausgeübt
des Peter Huber aus Sachrang: eine Synthese von Schul- und Volksmedizin. – Die Behandlungen des
Peter Huber aus Sachrang: eine Synthese von Schul- und Volksmedizin.

Heilkundige Laienbehandler, die in der Regel für Geld fast überall zur Verfügung standen, waren die nächste Instanz in
der Skala der Behandlungsmöglichkeiten. Für Übersee ist in den schriftlichen Quellen kein solcher Heiler überliefert, aber
aus Sachrang kennen wir Peter Huber, den „Müllner-Peter“ (1766-1843), in dieser Tätigkeit.

Sein noch vorhandenes selbstgeschriebenes „Schreib-Buch“ enthält 97 Rezepte und Behandlungsanweisungen aus
pflanzlichen, mineralisch-chemischen und tierischen Arzneisubstanzen. Die meisten darin genannten Substanzen
entsprechen den damaligen schulmedizinischen Normen. Sie wurden übernommen, soweit sie dem Behandler
einleuchteten und umzusetzen waren. Hinzugefügt wurden die eigenen Erfahrungen aus der Volksmedizin.

Aus Peter Hubers „Schreib-Buch“ (Chr.Probst: Die Medizin um 1800 auf dem Lande, S.76)

Eine Rezeptur des Müllner Peter bei blutigem Urin (Hämaturie):


„Wenn einer Blut harnt“: Nimm Kranötbeeren, zerstoß sie und
siede sie in Wein. Trink nüchtern davon.
(Christoph Glaser, Das Sachranger Rezeptbuch Bd 1, S.233)
Bader
Bader – alter
Ein Jahrhunderte einHeilberuf
Jahrhunderte
– ab 1806 alter Heilberuf
in Bayern –
staatlich reglementiert
ab 1806 in Bayern staatlich reglementiert

Über Jahrhunderte versorgten die Bader oder „Handwerkschirurgen“ die Kranken in Bayern. Sie waren zur Behandlung
äußerer Erkrankungen zugelassen: Zahnreißen, Wunden behandeln, Blutungen stillen, Knochenbrüche einrenken und
schienen, zur Ader lassen und schröpfen. Die Versorgung innerer Erkrankungen war ihnen eigentlich verboten, da aber
besonders auf dem Land entweder die Ärzte fehlten oder ihre Honorare zu hoch waren, wurden die Bader auch bei
internistischen Fragen aufgesucht. Außerdem standen die Bader der Bevölkerung gesellschaftlich näher.

Instrumentenkoffer eines Baders zum Aderlass

Im „Medizinaledikt“ von 1808 regelt der bayerische Staat auch die Ausbildung der Bader und errichtet dazu
eigene Lehranstalten. Es gibt staatliche Prüfungen. Die Bader sind eine wertvolle Stütze des
Gesundheitswesens besonders auf dem Land, da Ärzte noch Jahrzehnte rar sind. Bader führen auch die
staatlich verordneten Impfungen durch
In Übersee wird erstmals 1802 ein Bader mit Namen Bauweber erwähnt,
Der letzte Bader in Übersee war Ludwig Bscheidl, der noch bis 1930 praktizierte (Fotos unten).
.

Bader Ludwig Bscheidl mit Ehefrau Bscheidl`s Badergeselle


Hebammen
Hebammen
Nicht nur bei Geburten die Gesundheitsexpertinnen.
Nicht nur bei Geburten die Gesundheitsexpertinnen

Taufmatrikel der Pfarrei Übersee von 1818.


Geboren und getauft wurden zwischen dem 18. Januar und dem 6. Mai 1818 folgende Kinder:
(1) Maria Mayer, Baumgarten (2) Anna Schauer, Almau (3) Maria Gnadl, Daxmühle (4) Barbara Fürstner, Feldwies, verstorben
(5) Sebastian Schmid, Westerbuchberg (6) Maria Schauer, Feldwies (7) Andreas Wallner, Feldwies (8) Anna Maria Schwaiger,
Feldwies. - Bei den Geburten 1- 5 und 7-8 wird jeweils in der zweiten Spalte als Hebamme Anna Maria Mayer genannt, bei Kind Nr. 6
erscheint als Hebamme eine Anna Schmid.
Bei Schwangerschaften, Geburten, Frauenleiden und auch bei Kinderkrankheiten suchte man die Hilfe der Hebammen.
Die erste namentlich erwähnte Hebamme in Übersee ist 1805 Anna Maria Mayer, Seiblin von Seethal. Die Ortschronik erwähnt, dass
sie 1790 beim Seibl in Seethal als Anna Piß, Tischlertochter von Moosgraben einheiratet. Ohne Zweifel hatte sie noch keine staatlich
festgelegte Ausbildung, sondern erwarb ihr Wissen bei einer älteren Kollegin. Erst 1808 wurde die Hebammenausbildung staatlich
festgelegt.
Über Jahrzehnte verhalfen die beiden Hebammen Maria Kling geb. Kreuz (Rachel, 1880-1951) und ihre Tochter Maria verheiratete
Mayer (1909-1999) ungezählten Überseer Kindern ans Licht der Welt. Dazu hatten sie im Albereranwesen (heute Albererweg 60) ein
eigenes Geburtszimmer eingerichtet.

Wohnhaus und Wöchnerinnenhaus Kling im Albererweg

Staatlicher Hebammenkurs von Maria Kling geb. Kreuz


Hebamme Maria Mayer geb. Kling
Ärzte
Ärzte
– Apotheker
Ärzte –- Apotheker
Apotheker-Krankenhäuser
-Krankenhäuser
- Krankenhäuser
1803
1803 erster
1803 erster
erster Landgerichtsarzt
Langerichtsarzt
Langerichtsarzt in Traunstein
in Traunstein
in Traunstein - 1808
- 1808- ein
1808 einwegweisendes
wegweisendes
wegweisendes
ein Gesetz:Gesetz:
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das „Organische
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ein „Landgerichtsarzt“
ein „Landgerichtsarzt“
ernannt.ernannt.
Dr. Osterhammer
Dr. Osterhammer
war um war um
1818 als1818 als Landgerichtsphysikus
Landgerichtsphysikus in Traunstein
in Traunstein derArzt
der einzige einzige Arzt im Landkreis.
im Landkreis. Er war verpflichtet,
Er war verpflichtet, für die kostenlose
für die kostenlose Behandlung
Behandlung der der
Armen sorgen.
Armen sorgen. 1808 erfolgte
1808 erfolgte in BayerninzumBayern zumMal
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eineMal eine grundlegende
grundlegende staatlichestaatliche
OrdnungOrdnung des Gesundheitswesens
des Gesundheitswesens unter unter
Maximilian
Maximilian von Montgelas
von Montgelas : die Behandlung
: die Behandlung durch
durch Laien Laien
wird wird verboten,
verboten, es werden es staatliche
werden staatliche Lehrstätten
Lehrstätten zur Ausbildung
zur Ausbildung von von
Badern
Badern und und Hebammen
Hebammen gegründet.gegründet.
AkademischAkademisch ausgebildete
ausgebildete Ärzte
Ärzte sollen sollen
aufs Landaufs LandIm
gehen: gehen: Im Achental
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1820 Dr.1820 Franz Weidinger
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in Grassau. In ÜberseeIn Übersee
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Das Doktorhaus
Das Doktorhaus
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ersten Überseer
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Dr. Karl Beste

EbenfallsEbenfalls
im „Organischen
im „Organischen
Edikt über
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dasüber
Medizinalwesen
das Medizinalwesen
in Bayern“
in Bayern“
von 1808vonwurde
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die akademische Ausbildung
die akademische der Apotheker
Ausbildung geregelt.
der Apotheker Aber erst
geregelt. 1896
Aber gründete
erst TheodorTheodor
1896 gründete Ramé inRamé in
GrassauGrassau Apotheke
die erstedie erste Apotheke
des Achentals in Grassau.
des Achentals In Übersee
in Grassau. eröffnete
In Übersee Emilian Emilian
eröffnete Reif 1949
Reif 1949
die erstedie
Apotheke
erste Apotheke

Das Magisterdiplom aus dem aus


Das Magisterdiplom Jahrdem
1924
Jahr 1924
von Apotheker Emilian Reif
von Apotheker Emilian Reif

Das ersteDasKrankenhaus
erste Krankenhaus
in der Umgebung
in der Umgebung
wurde1856/57
wurde1856/57
in Traunstein
in Traunstein Übersee Übersee
gebaut. gebaut. erste Apotheke 1949
erste Apotheke 1949
Grassau Grassau
plante abplante
1836 ab
den1836
Bau den Bau
eines eines eigenen
eigenen Krankenhauses
Krankenhauses für das Achental
für das Achental im im
Ortsteil Kucheln. Aber aufAber
Ortsteil Kucheln. Einspruch mehrerermehrerer
auf Einspruch Achentalgemeinden, darunterdarunter
Achentalgemeinden, auch auch
Übersee,Übersee,
wurden die Plänedie
wurden 1914 endgültig
Pläne zu den Akten
1914 endgültig gelegt
zu den Akten. gelegt.

Traunsteins erstes Krankenhaus


Traunsteins von 1856von 1856
erstes Krankenhaus
Europäische medizinische
Wissenschaft um 1818

1815 Entdeckung des Cholesterins durch den Franzosen Michel


Eugène Chevreul

1817 Erste Beschreibung des Krankheitsbildes der


„“Schüttellähmung“ durch den britischen Arzt James Parkinson

1817 Erstbeschreibung von Morphium durch Fr.Wilhelm


Sertürner

1819 Erfindung des Stethoskops durch den französichen Arzt


Théohile Laennec

1820 Erste erfolgreiche Kropfbehandlung mit Jod durch den


Genfer Arzt Jean Francois Coindet

1821 Der französische Arzt Pierre Bretonneau beschreibt als


erstes das Krankheitsbild der Diphtherie im Rahmen einer
Epidemie in Tour. Das krankheitserregende Bakterium wird erst
1883 entdeckt.
200 Jahre bayerische Geschichte
im Erleben
200 Jahre bayerische Geschichte
einer Familie des Dorfes
imÜbersee
Erleben Bayerns und der Welt
einer Familie der Dorfes Übersee Bayerns und der Welt
3 Hauptmannschaften: Moosen(rechts der Ache, in seit 1806 Max I. Joseph, König durch
1800 Flußrichtung) Übersee, Feldwies (links der Ache) Napoleons Gnaden

1808: 1. Gemeindeedikt gilt auch für Übersee, Die Reformpolitik von Maximilian von
Moosen, Feldwies mit dem Ziel eine Gemeinden zu Montgelas (1759-1838) : 1.
bilden Gemeindeedikt wird erlassen, Trennung
1808 die Leibeigenschaft wird endgültig aufgehoben von Recht, Finanzen und Verwaltung,
Gemeindereform, dazu werden Land und
Grundstücke vermessen.

1810 Gründung einer Blas- und Streichmusik durch 1810 findet das erste Oktoberfest
Joseph Gastager anlässlich der Hochzeit von Kronzprinz
Ludwig ( I )und Therese

1813-26 Gemeindevorsteher Bartlmä Hartinger, Napoleonische Kriege mit und gegen


Maximilian Graf von Montgelas, Reformer Strickermeister von Feldwies Napoleon
Bayerns

1809-1816 Hohe Kriegslasten für Übersee an Naturalien 1816 Entlassung Montgelas unter König
wie Hafer, Heu, Stroh, auch Geld , Max I. Joseph auf Wunsch von Kronprinz
14 Soldaten aus Übersee fallen in den napoleonischen Ludwig
Kriegen,

1816/17 Das Jahr ohne Sommer: Mißernten, Teuerung, 1816/17 Erfindung der Draisine, Urform
wg. Ausbruch des Vulkans (1815) Tambora in des Fahrrades, um Pferdefutter zu sparen
Indonesien.
.
1818 aus Moosen, Feldwies, Übersee wird die 1818: 2. Gemeindeedikt und
1818 Ruralgemeinde Übersee mit eigenverantwortlichen 2. Bayerische Verfassung treten in Kraft,
Aufgaben mit garantierten Grundrechten und einer
Gemeindevorsteher: Bartholomäus Hartinger 2 Kammer Volksvertretung

1818 Übersee wird selbständige Pfarrei


Pfarrer: Johann Rieder 1801 -1820
200 Jahre bayerische Geschichte im Erleben
einer Familie des Dorfes Übersee Bayerns und der Welt

24.12.1818 Erstaufführung von „Stille


1819/20 Straßenbau von Traunstein nach Übersee Nacht, heilige Nacht“ in Laufen
1820 In Übersee gilt eine Dienstbotenordnung vom königl.
Bay. Landgericht Traunstein, erlassen von Landrichter
Wintrich
1822: Kronwetter od. Schalmairgütl bekommt 1822 endgültige Festlegung der Gemeindegrenzen von
die Hausnummer 44, später wird das Gütl Übersee, Hausnummern werden eingeführt
Heimat für die Familien Mayer, Güntherr, Seil
u. Niedermaier. 1826 -1834: Gemeindevorsteher Wolfgang Schmid, Baumverordung: für jede gefällte Eiche
Radlschuster sind 3 neue zu pflanzen, lt.
Generalmandat von 1770
1. autorisierter Lehrer Kotzi v. 1795 – 1836, baut im
Mesneranwesen ein Schulzimmer ein, Schülerzahlen
steigen 1828 : 132 Kinder 1825 Prinz Ludwig wird König .

1830 wg. herumziehender Gauner und Räuberbanden


1830 sind Sicherheitswachen in den Gemeinden
aufzustellen, besonders während der Gottesdienste

1831 Ortshebamme ist Maria Mayer, Seiblin aus


Seethal seit mind. 1805 (in Matrikeln erwähnt), wird
aus der Gemeindekasse bezahlt

1834-41 Ortsvorsteher: Mathias Rothmayer, 1835 wird die erste Eisenbahn fährt von
Baumgartnerbauer, Moosen Fürth nach Nürnberg
1841 – 51 Ortsvorsteher: Felix Rieperdinger,
Martinfleidlsohn, Übersee

Lehrer: Kotzi

1843 Georg Mayer aus Feldwies, 1843: Stapellauf des 1. Dampfers aus der Werkstatt Schriftsteller Ludwig Steub nennt das
Brettlmannsohn, Maurer u. Taglöhner , erlebt Wolfgang Schmids zu Pfingsten in der Feldwieser erste Dampfschiff spöttisch:
die erste Fahrt des Dampfschiffes von Bucht. „Bauernarche“
Wolfgang Schmid. Sein Sohn Andreas Mayer
wird geboren.

Es gibt einen festen Fahrplan


Geburtsstunde für den Chiemseetourismus liegt in
Feldwies
1845 Verkauf an Ludwig Feßler, Prien, weitere Schiffe
folgen 1845 Geburtsstunde des modernen
Personen- und Gütertransportes

1845 Ludwig II. wird geboren

1848 Rücktritt König Ludwigs I. wg.


Forderung nach mehr Volkssouveränität,
Affäre Lola Montez

1848 Kronprinz Maximilian wird König


Max II.
1851 - 60 Ortsvorsteher: Mathias Gnadl, Bauer u.
1850 Bäckermeister
1854 1. Feuerspritze für Übersee steht in der damaligen 1854 Eisenbahnbrücke über die Isar in
Schule Großhesselohe wird fertig.
200 Jahre bayerische Geschichte im Erleben
einer Familie des Dorfes Übersee Bayerns und der Welt

1856 S Andreas Mayer lernt nach der Schule Landrat Valentin Birner, Rosenheim,
bei Wolfgang Schmid in Feldwies(Grassau?), protestiert erfolgreich gegen den
wird Zimmerermeister u. Bootsbauer, fährt Bahnbau nach Salzburg im Norden des
Güter und Menschen über den See, das Fahrzeit mit dem Kahn zur Insel ist 1 Std und kostet 90 See.
Schalmairgütl in Feldwies kommt in Besitz der Pfennig ( umgerechnet 3 Maß Bier)
Familie

1860 - 66 Gemeindevorsteher: Georg Achthaler,


1860 Schließpointnersohn, Moosen,

1860 schweres Hochwasser der Ache und des Sees, die


Überfuhr ist stark beeinträchtigt

Übersee bekommt eine Bahnstation und eine


Poststation
7.5. 1860 Streckeneröffnung München - Salzburg südl. 1860 Der „TSV 1860“ wird unter diesen
des Chiemsees. Namen in München neu gegründet

Erster Postbote ist Johann Wolferstätter


Übersee ist mit der Welt verbunden und die Briefe
kommen schneller ins Haus. Die Postkutschenlinie wird
eingestellt.
1864 wird Prinz Ludwig v. Wittelsbach
König Ludwig II. von Bayern

1866 - 70 Ortsvorsteher: Anton Breitenbacher,


Aumüller
1866: Krieg Preußen gg. Bayern und
1866: 12 Übersee werden eingezogen, 1 fällt. Österreich

1867 Tochter Anna, aus der ersten Ehe wird 1867 Übersee hat 140 Werktagsschüler, 50
geboren, Feiertagschüler,

1868 Andreas Mayer heiratet Anna 1868 1200 Einwohner, 223 Häuser, Dreschmaschinen
Wagner aus Höring werden eingeführt

1869 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Übersee 1869 wird die Bayerische Vereinsbank
eröffnet

Andreas Mayer ist 1870 Soldat gg. Frankreich, 1870 -76 Bürgermeister: Mathias Gnadl, Bäckermeister 1870 Beitritt zum Norddeutschen Bund,
1870 kehrt zurück, seine 1. Frau stirbt. u. Bauer, Übersee Krieg mit Frankreich, König ist Ludwig II.
13 Überseer kämpfen gegen Frankreich, 2 fallen.
1871 2. Eheschließung mit Anna Stephl, Neue Feuerwehrspritze wird angeschafft
Feldwies, weitere 3 Kinder
200 Jahre bayerische Geschichte im Erleben
einer Familie des Dorfes Übersee Bayerns und der Welt

Andreas Mayer arbeitet bis ins hohe Alter als 1872 Gesuche um Achenkorrektur, erste Überlegungen
Zimmerer und Bootsbauer und Fährmann zu Chiemseetieferlegung, Überflutungen, häufiges
Auftreten v.. Magenkrebs
Genossenschaft zur Achenkorrektion 1874 Pflichtimpfung per Gesetz gegen
Pocken
1875 jedes Kind musste gegen Pockengeimpft werden

1878 Dr. Beste ist der erste ansässige Arzt in Übersee 1878 Beginn des Baues von Schloss
Herrenchiemsee
Achenkorrektur in Moosen, 4000 fl Baukosten
1880 ab 1882 elektrisches Licht in Nürnberg
und München

1885 Bahnstrecke nach Marquartstein wird eröffnet. 1885: Das Achental ist mit der Welt
verbunden
Tochter Anna rudert mit ihrem Vater zur
Herreninsel und begegnet als 13- Jährige
Ludwig II. persönlich. 1886: Genossenschaft zur Chiemseetieferlegung 1886 König Ludwigs II. stirbt.
1886:Anna Mayer ist nun 19 Jahre alt und gegründet. Vorstand ist Peter Enzwieser, Greimelbauer, Schloss Herrenchiemsee wird zur
bedauert mit vielen den Tod des Feldwies Besichtigung freigegeben
Märchenkönigs
ein Krankenhaus, besser ein Pflegeort für Arbeiter wird
im Gemeindehaus, im Albererweg 22, eingerichtet.
Betreuerin war Theres Steiner

1889: Anna Mayer,(*1867) heiratet Barthel


*1867) heiratet Barthel 1889 Prof. Exter mietet1889 dasProf. Exter mietet das Strickeranwesen in
Strickeranwesen in
Güntherr (1)aus Unken,(*1862) sie ziehen nach Feldwies
ken,(*1862) sieÜbersee
ziehen nach
und werdenFeldwies
Hausmeister im Hause
n HausmeisterExter
im Hause
1890: Geburt von Sohn Bartholomäus 1890 medizinische Gutachten belegen die
1890 Güntherr(2), 1892 Tochter Anna(Nandl verh. Trinkwasserverunreinigungen durch Fäkalien, Kadaver,
ohn Bartholomäus
Miesgang) und 19021890
Tochtermedizinische
Rosa (verh. Seil)Gutachten belegen diewie Sumpf-und Wechselfieber,
häufige Erkrankungen,
ochter Anna(Nandl verh. Trinkwasserverunreinigungen besondersdurch Fäkalien, Kadaver,
in Feldwies
2 Tochter Rosa (verh. Seil) häufige Erkrankungen, wie Sumpf-und Wechselfieber,
besonders in Feldwies 1895 Übersee hat 1438 Einwohner, 208
Bauernanwesen, 42 Gewerbe und 2 Industriebetriebe

1896 Gründung eines Kirchenbauvereines zur


1895 Übersee hat 1438Errichtung
Einwohner, 208
einer neuen Kirche unter Pfarrer Burghard
Bauernanwesen, 42 Gewerbe
und Josefund
Irger,2Zeißlhäusl
Industriebetriebe

1896 Gründung eines Kirchenbauvereines zur


Errichtung einer neuen Kirche unter Pfarrer Burghard
und Josef Irger, Zeißlhäusl
200 Jahre bayerische Geschichte im Erleben
einer Familie des Dorfes Übersee Bayerns und der Welt

1896 Neue Feuerwehrspritze für Übersee

Geschwister Güntherr, Nandl, Barthel, Rosi 1897 Bau eines Feuerwehrhauses in Feldwies

1899 starkes Hochwasser, Übersee und Feldwies ist wg.


Dammbrüchen überflutet
Bürgermeister ist Mathias Pemler, Kleinkarl v. Feldwies
1900 1902 Tieferlegung des Chiemsees

1903: Frauen dürfen nun auch Medizin


studieren

1902 Abbruch der barocken Kirche im April,

Baubeginn an der neugotischen Kirche, vorher


schwere Diskussionen über Für und Wider im Dorf

1902 Die Güntherrs führen den


Lebensmittelladen Holzner weiter, Andreas
Mayer baut als Zimmerermeister an der neuen
Kirche mit

1902 Prof. Exter kauft das Stricker Anwesen in


1904 Die Familienangehörigen sind, so wie Feldwies, lebt nun ständig hier.
viele andere Bürger beim Fest dabei
200 Jahre bayerische Geschichte im Erleben
1902 Die Güntherrs führen den
Lebensmittelladen Holzner weiter, Andreas
Mayer baut als Zimmerermeister an der neuen
einer Familie
Kirche mit des Dorfes Übersee Bayerns und der Welt
1902 Prof. Exter kauft das Stricker Anwesen in
1904 Die Familienangehörigen sind, so wie 25.9.1904 Einweihung der neugotischen Kirche durch
Feldwies, lebt nun ständig hier.
viele andere Bürger beim Fest dabei Erzbischof Dr. Joseph von Stein und Pfr. Kreitlhuber

1904 Streit um den Bau einer Wasserleitung, viele


haben einen eigenen Brunnen

1905:Bürgermeister: Blasius Steiner, Almfischer und


Julius Exter unterstützt den Wasserleitungsbau

Die Güntherrs werden Gründungsmitglieder 1906 GTEV. Chiemgau Feldwies wird gegründet
des GTEVFeldwies
1909 Barthel Güntherr wird Feuerwehrmann ab 1908 wird Übersee zu einem Malerdorf, Exters
Malschüler und andere Künstler kommen in die
Feldwies, z.B. Paul Nitsche aus Odessa, Alfred Kubin,
Iwan Bostrau...
legendäre Künstlerfeste werden gefeiert

1909 wurde die Wasserleitung verbrieft

1910

1912: Ende des Überfuhrbetriebs Mayer, Der Dampfer legt jetzt regelmäßig in Feldwies an. Für 1912: Die Saline in Traunstein wird
dafür Bootsverleih Güntherr Urlauber gibt es nun auch Leihboote am Chiemsee und geschlossen
Zimmervermietung an Künstler im Holzner eine erste Badeanstalt
Haus

1910: Theaterverein wird gegründet. Kaplan


Kottermaier ist Initiator. Mitwirkende beim
Weihnachtsspiel 1911.
200 Jahre bayerische Geschichte im Erleben
einer Familie des Dorfes Übersee Bayerns und der Welt

1910: Theaterverein wird gegründet. Kaplan


Kottermaier ist Initiator. Mitwirkende beim
Weihnachtsspiel 1911.

1911 Übersee ist unter Wasser! Überflutung beim


Bäcker Schönbrunner/Schausbreitner

1914-18: Barthel Güntherr (2)rückt für 1914 - 1918 1.Aug.1914 Beginn des I. Weltkrieg
Österreich ein, weil er in Unken geboren ist. Arbeitseinsätze der Frauen bei der Bahngleispflege
Einsatz in Rußland u. Italien unter Fritzenwenger

1914: ein neues Postgebäude wird errichtet

1916-19 Tochter Nandl Güntherr, später verh. 1915 Brot-und Mehlrationierung


Miesgang pachtet die Blockhütte 1916 Übersee bekommt kostenlos eine elektrische
Straßenbeleuchtung

1917: alle Glocken müssen abgeliefert werden

1918: 70 Gefallene aus Übersee sterben fern ihrer 1918 König Ludwig III. wird abgesetzt,
Heimat Bayern wird Republik unter Eisner
200 Jahre bayerische Geschichte im Erleben
einer Familie des Dorfes Übersee Bayerns und der Welt

1919 Wassergenossenschaft Übersee übernimmt 1919: Bayern erhält eine neue


Wasserleitung mit allen Rechten und Pflichten Verfassung
ab 1920: Rosa Güntherr wird aktives Mitglied 1920 Trachtenverein Übersee wird gegründet,
1920 im Theaterverein, Trachtenverein, Turnverein TSV Übersee wird gegründet, 1921 existiert ein
ebenfalls wird Mutter Anna und die Radsportverein Concordia
Geschwister in verschiedenen Vereinen
Mitglied.

1920: Gendarmeriestation in Übersee mit 2 Mann,


Stationskommandant ist Lorenz Färber

Die Geschwister Barthel, Nandl und Rosi. (v. 1923: Bürgermeister: Max Haumayer, Kleinalberer v.
1918) Übersee
1923: Wirtschaftskrise, Inflation
1923 Andreas Mayer verstirbt 1 Pfund Fleisch kostet 1 Milliarde Mark
am 10.10.1923 im Alter von 80 Jahren 1924: Geldknappheit, es wird „billig“:1
1929: Julius Exter wird Ehrenbürger von Übersee wg. Pfund Fleisch kostet 60 Pfennig
seiner Verdienste um das Dorf 1927 Die Bahn fährt elektrisch nach
Salzburg
1928/29: Chiemsee friert zu, wird mit Autos,
mechanischen Schlitten, u.a befahren. Hier: Bootsbauer
Heistracher v. d. Fraueninsel

1930 KdF- Urlauber kommen ins


1930 Achental mit dem Zug ab Übersee

1932 Höhepunkt der Arbeitslosigkeit


1929-33: Bürgermeister: Johann Baptist Donauer,
Breuschneider v. Feldwies 1933: NSDAP gewinnt die Wahlen,
1933 auch in Übersee hat die NSDAP viele Wähler, der
Gemeinderat wird aufgelöst, Bürgermeister wird Eugen
Weber bis 1945
Arbeit für Übersee-Feldwies: große Achenkorrektur und
Autobahnbau 1934 Bau der Reichsautobahn

1935 heiratet Rosa Güntherr (*1902)Hans Feil, KDF Gäste kommen auch nach Übersee, Der Tourismus wird zur Einnahmequelle
sie betreiben ein Taxi und Fuhrunternehmen Ausflugsfahrten in die Berge, Transporte für den Bau für das Achental
der Autobahn
1938: Barthel Güntherr(1) und seine Frau Anna Maul und Klauenseuche in Übersee Feldwies, das Fest 9.11.38 Reichtskristallnacht, jüdische
(Mayer) feiern Goldene Hochzeit am 12.11.38 wird verschoben auf Januar 1939. Läden und Häuser werden zerstört,
Kleidung nur auf Bezugsschein, auch in Übersee jüdische Mitbürger gedemütigt
200 Jahre bayerische Geschichte im Erleben
einer Familie des Dorfes Übersee Bayerns und der Welt

1.September 1939 Beginn des II.


1940 Bartholomäus Güntherr(1) verstirbt 1942 mit 1941: Kreuze sollen in den Klassenzimmern abgehängt Weltkrieges
80 Jahren werden. Proteste der Eltern

1944: Hans Seil, Ehemann von T Rosa 1944: trotz Krieg lässt sich die Strickerei Martin in
Güntherr, wird mit seinem LKW eingezogen Übersee an der Feldwieserstr. nieder.
und stirbt 1944 in Frankreich im Alter von 38
Jahren.

auch Feldwieser müssen gleich zu Beginn


Viele Überseer sind im Krieg, 181 Männer kehren nicht am Polenfeldzug teilnehmen
mehr zurück, sind gefallen od. vermisst.

auch Hans Obermaier, Inhaber des 2. Taxibetriebs in


Übersee, musste einrücken.

Während der Kriegsjahre betreibt Rosa Seil das


Taxiunternehmen u.a. als Krankentransport
weiter.

im Mai 1945 brennt das Cafe Keil ab, wg. absoluter Flüchtlingsströme kommen auch in
Ausgangssperre konnte die Feuerwehr nicht ausrücken Bayern an, Hunger und Arbeitslosigkeit
1945-46: von den Amerikanern installierte bedrücken die Menschen, 1 854000 Mill.
Bürgermeister sind Karl Kirmayer, Josef Käufer Menschen suchen Sicherheit und
1946 Bevölkerung in Übersee 3449 Ew. (1939 noch Neuanfang in Bayern
2150 Ew)
1946-47 extremer Winter, hohe Arbeitslosigkeit

1946: wieder gewählter Bürgermeister ist Johann Bapt. 1946-47 Hungerwinter für ganz Europa,
Donauer viele Menschen sterben

1947 Klöckner-Humbolt-Deutz gründet ein


Ausbesserungswerk für Motoren in Übersee
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einer Familie des Dorfes Übersee Bayerns und der Welt

auch Tochter Irmgard bekommt eine Lizenz für 1948/49 große Wohnungsnot auch in Übersee. 21.6. 1948 Währungsreform, die
das Fuhrunternehmen Seil/Güntherr Beschlagnahme von Räumen, Zuweisung von Deutsche Mark kommt
Bewohnern, hohe Arbeitslosigkeit
Die Läden füllen sich wieder mit Waren.

1950 Diskussionsabend zur Flüchtlingsfrage beim Jobst


1950 mit amerik. Gouverneur Russel und MdL Rupert Berger
aus Traunstein.

Die neue „Gallinger Siedlung“, in der Sudetenstr.,


gefördert durch die Erzdiözese München u. Freising 1949 Deutschland gibt sich ein
umfasst 15 Baustellen für Neubürger u. ihre Familien. Grundgesetz.
1952: Bürgermeister: Georg Gschwendner Entstehungsort ist die Herreninsel
1953: neues Feuerwehrhaus an der Schule wird
eröffnet
1955: neue Kirchturmglocken werden aufgezogen
1957 heftige Diskussionen zur Kanalisation
1960 Fa. Cichon und Gersten lässt sich nieder
1960 1961 heiratet Irmgard (T von Rosa Seil) Fred 1961 Bürgerversammlung, 2 Lager von Pro u. Contra
Niedermaier, beide führen den Bootsverleih Bausperre droht für Übersee,
Güntherr/Niedermaier weiter
1963 an See gibt des die TAL-Station wg. der Ölpipeline 1963: Bau der TAL durch die Berge
Demonstration vor der Gemeinde mit Traktoren,
Hans Erhard wird Bundeskanzler

1965/66: die evg. Gemeinde kann ihre Kirche beziehen

1966. Abschluß der Kanalisation, hier Bau in der


Anna Güntherr, geb. Mayer verstirbt im 100 Grassauer Str.
ab 1968: Überseer fahren von nun ab mit dem „Blau- 1968 Das Marquartsteiner „Bockerl“ wird
Lebensjahr am 12.6.1966. Sie erlebte die Hälfte Weißen“- Bus nach Marquartstein stillgelegt
der Zeit Übersees als Landgemeinde
1971 Konrad Wöhrl, Pfarrer in Übersee seit 1948, stirbt

1972: Olympiade in München,


Terroranschlag gg. israelische Sportler
1978: Die Wahl zum 1. Bürgermeister gewinnt Peter
Stöger gegen Georg Gschwendner

Anna Güntherr, geb. Mayer verstirbt im 100 ab 1968: Überseer fahren von nun ab mit dem „Blau- 1968 Das Marquartsteiner „Bockerl“ wird
Lebensjahr am 12.6.1966. Sie erlebte die Hälfte Weißen“-
1980: Das Bus nach Marquartstein
Exterhaus wird von
als Kunsthaus stillgelegt
Anna Güntherr, geb. Mayer verstirbt im 100 ab 1968: Überseer fahren nun ab miteröffnet und
dem „Blau- 1968 Das Marquartsteiner „Bockerl“ wird
der Zeit Übersees als Landgemeinde
1970 Lebensjahr am 12.6.1966. Sie erlebte die Hälfte bleibt so für
Weißen“- Busalle Überseer
nach erhalten
Marquartstein
1971 Konrad Wöhrl, Pfarrer in Übersee seit 1948, stirbt
stillgelegt
der Zeit Übersees als Landgemeinde
1971 Konrad Wöhrl, Pfarrer in Übersee seit 1948, stirbt
1972: Olympiade in München,
Terroranschlag gg. israelische Sportler
1972: Olympiade in München,
1978: Die Wahl zum 1. Bürgermeister gewinnt Peter
Terroranschlag gg. israelische Sportler
Stöger gegen Georg Gschwendner
1978: Die Wahl zum 1. Bürgermeister gewinnt Peter
Stöger gegen Georg Gschwendner
Lebensjahr am 12.6.1966. Sie erlebte die Hälfte Weißen“- Bus nach Marquartstein stillgelegt
der Zeit Übersees als Landgemeinde
1971 Konrad Wöhrl, Pfarrer in Übersee seit 1948, stirbt

200 Jahre bayerische Geschichte im Erleben 1972: Olympiade in München,


Terroranschlag gg. israelische Sportler
1978: Die Wahl zum 1. Bürgermeister gewinnt Peter
einer Familie des Dorfes Übersee
Stöger gegen Georg Gschwendner Bayerns und der Welt

1980 1980: Das Exterhaus wird als Kunsthaus eröffnet und


bleibt so für alle Überseer erhalten
1982: Der Güntherr Bartl (2), ein Tiroler, ein Das Dorfbild verändert sich stark, es wird viel gebaut.
Feldwieser, ein Trachtler, ein Feuerwehrler, ein Landwirtschaftliche Betriebe werden zu
Nebenerwerbsbetrieben

Schlagzeuger, ein Theaterspieler,


Bootsvermieter und „Kapitän“ am
Dampfersteg stirbt am 6.5.82 im Alter von 92
Jahren
1984 Abbruch der geliebten Seewirtschaft

1986 (?) Neue Seewirtschaft mit Stefan u. Renate


Lindlachen

1989 Der Chiemsee leidet bis dahin an jährlich 115 t Der Ringkanal geht in Betrieb: „Ein Tag,
eingeschwemmten Düngemitteln und den Abwässern den ich nicht vergessen werde“ nannte
Baukosten 280 Mio. für den Ringkanal, Übersee ist der damalige Bundespräsident Richard v.
1993: Rosa Seil verstirbt im Mai im Alter von Mitglied im Abwasserzweckverband Weizsäcker den 24.11.1989. Er durfte
91 Jahren den Ringkanal in Betrieb nehmen.

Oktober 1990: Die DDR hat aufgehört zu


1990 bestehen, Deutschland ist vereint.
Ab 1991 herrscht Krieg im ehemaligen
Jugoslawien, Flüchtlinge finden
Aufnahme in Bayern

Das erste „Reggae Fest“ findet am 8.7.1996 am See


statt. Die Meinung ist sehr gemischt. In den folgenden
Jahren wird es nach Almau verlegt.
200 Jahre bayerische Geschichte im Erleben
einer Familie des Dorfes Übersee Bayerns und der Welt

1997 Pfr. Korbinian Springer, seit 1968 in Übersee,


verstirbt
2002 Franz Gnadl folgt auf Peter Stöger im
2000 Bürgermeisteramt
2008 wird Marc Nitschke Bürgermeister
2010: Irmgard Niedermaier ( T von Rosa Seil) Die Zeit der Schranke ist bald vorbei, 8 Std. pro Tag ist
2010 und ebenso jeder Dorfbewohner stehen oft an war sie zu.
der Bahnschranke

2011 Irmgard Niedermeier und alle Mitbürger seit mehr als 60 Jahren ringt der Gemeinderat um eine
können nun ohne Halt zum See und zur Kirche Unterführung mit den Behörden

2011: Bahnunterführung wird eingeweiht, ca. 10,5 Mill.


Baukosten. Planungen reichen mehr als 50 Jahre
zurück.
2013 Die Ache durchbricht ihren Damm, zerstört einen
Teil der Autobahn und der Staatsstraße nach
Grabenstätt.

Der Überseer Bach überflutet angrenzende Häuser,


Übersee ist für 2 Tage von der Außenwelt
abgeschnitten
2014: Die kath. Pfarrkirche feiert 100 Jahre Einweihung,
Pfarrer ist Konrad Kronast

2015: Volkschauspieler Georg Einderdinger verstirbt im 2015: Es ist seit 70 Jahren Frieden in
Januar Westeuropa,
dafür Krieg in Syrien, Terror in
Flüchtlinge aus Syrien, Afhganistan u.a. Ländern finden Afghanistan, Not in Afrika...sehr viele
Zuflucht in Übersee und werden von Ehrenamtlichen Flüchtlinge kommen in die EU und nach
betreut. Deutschland

2017 Das Motorenwerk der Deutz wird in Übersee


geschlossen, 170 Arbeitsplätze gehen verloren
2017: das Festival „Chiemsee Summer“ muss wg. eines zw. 25000 und 35000 Besucher kamen
Unwetters abgebrochen werden. 60 Verletzte, keine jährlich nach Übersee
Toten!
2018: Irmgard Niedermaier stellt uns Ihre Übersee feiert sein 200 jähriges Bestehen als 2018 Bayern feiert 200 Jahre Bayerische
2018 Familienchronik zu Verfügung, in der sich eigenständige Landgemeinde Verfassung,
beinahe 200 Jahre Überseer Geschichte
widerspiegelt.