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ZELLBIOLOGIE UND BIOCHEMIE: ZELLMEMBRAN, GESÄTTIGTE UND

UNGESÄTTIGTE FETTSÄUREN, PHOSPHOLIPIDE

Prof. João Marcos Brandet12345


¹Sektion Atome, Moleküle, Quantenoptik und Plasmen der DPG (SAMOP)
²Nuklearchemie, Analytische Chemie, Makromolekulare Chemie, Umweltchemie und Ökotoxikologie,
Festkörperchemie und Materialforschung und der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie der Gesellschaft
Deutscher Chemiker (GDCh)
³Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV)
4
Astrophysical Chemistry Group. Royal Society of Chemistry (RSC)
5
Hrvatsko Fizikalno Društvo (HFD)

Zellmembran
Zellmembran wird die jeder lebenden Zelle eigene Biomembran genannt, die das Zellinnere
umschließend und abgrenzend ihr inneres Milieu aufrechterhält. Die Zellmembran von eukaryoten
Zellen und Bakterien besteht aus einer zweilagigen Schicht von Lipiden (Lipiddoppelschicht) und
verschiedenen Membranproteinen, die peripher, integral oder transmembranal darin eingelassen
sind. Die hydrophilen, wasserlöslichen Pole der Lipiddoppelschicht bilden die innere und äußere
Zellmembranoberfläche, wohingegen die hydrophoben, wasserabweisenden Pole der
Lipiddoppelschicht zum Membranzentrum gerichtet sind. Die Zellmembran ist in Abhängigkeit von
der Größe, der Fettlöslichkeit und der Ladung bestimmter Stoffe unterschiedlich gut bzw. schlecht
durchlässig, sie ist also semipermeabel. Mit etwa sechs bis zehn Nanometer Dicke ist sie
lichtmikroskopisch nur vage als Linie zu ahnen. Die Zellmembran grenzt den Cytoplasmaraum
einer Zelle gegen den Extrazellulärraum ab und stellt die Grenzfläche dar, über die ein
Stoffaustausch mit der Umgebung stattfindet. Darüber hinaus übernimmt die Zellmembran
wesentliche Aufgaben bei Zell-Zell-Kontakten, Zell-Matrix-Verbindungen, Signalübermittlungen,
Zellwanderungen und Zellformänderungen. Bei Prokaryoten ist sie auch Ort der Photosynthese oder
der chemotrophen Bereitstellung von Energie und Anordnungsfläche für Photosysteme,
Atmungskettenkomplexe und weitere Enzymsysteme. Die auswärtige, extrazelluläre Seite der
Zellmembran ist bei allen Zellen auch strukturell verschieden von der inwendigen, intrazellulären
Membranseite. Nach außen hin kann die Plasmamembran von einer Zellwand als schützender Hülle
umgeben sein. Nach innen zu kann sie mit Proteinen eines Zytoskeletts in Verbindung stehen oder
bei manchen Einzellern zur Pellicula versteift sein. Die Zellmembran besteht zunächst aus einer
Vielzahl an unterschiedlichen membranogenen Lipiden in zwei einander zugewandten Lagen, die
zusammen eine Lipiddoppelschicht bilden, lediglich bei einigen Archaeen ist sie als
Lipidmonoschicht ausgebildet. Ihre Hauptbestandteile sind Phospholipide, zumeist verschiedene
Phosphoglyceride – hierzu zählen etwa Lecithine als Phosphatidylcholine (PC) und Kephaline als
Phosphatidylethanolamine (PE) oder als Phosphatidylserine (PS) sowie auch Phosphatidylinositole
(PI). Weitere wesentliche Membranbestandteile sind neben Sphingomyelin noch andere
Sphingolipide und außerdem Sterine wie Cholesterin. Die nicht-steroidalen Lipidkomponenten
unterscheiden sich außer in ihrer Kopfgruppe beispielsweise in dem Sättigungsgrad und der
Kettenlänge von gebundenen Fettsäureresten. Zusätzlich können sie mit Kohlenhydratresten zu
Glykolipiden modifiziert worden sein. Außer Lipiden enthält die Zellmembran zudem eine Vielfalt
spezifischer Membranproteine. Auf der Außenseite oder der Innenseite liegend dienen sie jeweils
unterschiedlichen Aufgaben. Einige reichen als Transmembranprotein beide Seiten verbindend
durch die Membran, so etwa Zelladhäsionsmoleküle, Ionenkanäle oder Rezeptoren für die
Signaltransduktion durch die Membran. Ihre jeweilige Ausstattung mit Membranproteinen
kennzeichnet eine Zelle somit nach bestimmten Funktionen. Doch schon die Zusammensetzung
ihrer Lipide unterscheidet die Zellmembran von anderen Membranen der Zelle, die Zellorganellen
einfassen. Die äußerste Schicht der menschlichen Zellmembranoberfläche ist durch eine
kohlenhydratreiche Hülle umgeben. Antennenförmige Zuckerketten der Glykoproteine und
Glykolipide der Zellmembran sowie solcher der extrazellulären Matrix bilden die sogenannte
Glykokalyx. Als erste Barriere schützt die Glykokalyx die Zelle vor mechanischen und chemischen
Einwirkungen, vermittelt Zell-Zell-Interaktionen und verhindert unerwünschte Protein-Protein-
Kontakte zu anderen Zellen. Die Lipidzusammensetzung ist in Bezug auf die
intrazelluläre/zytosolische Seite und die extrazelluläre Seite der Zytomembran unterschiedlich.
Diese orientierte Organisation wird bewerkstelligt durch selektive Phospholipidtranslokatoren,
Flippasen bzw. Floppasen genannt. Im Verlauf einer Apoptose wird diese Orientierung umgedreht
und dient als Signal für die umgebenden Zellen.

Schematische Darstellung einer Zellmembran


Gesättigte und ungesättigte Fettsäuren
Eine gesättigte Fettsäure (SFA, von engl. saturated fatty acids) ist – als Untergruppe der
Alkansäuren – eine Fettsäure, die keine Doppelbindungen zwischen C-Atomen aufweist. Die
gesättigten Fettsäuren bilden eine homologe Reihe mit der Summenformel CnH2n+1COOH.

Stearinsäure, eine gesättigte Fettsäure


Ungesättigte Fettsäuren besitzen als Alkensäuren mindestens eine C=C-Doppelbindung (MUFA,
von engl. Monounsaturated fatty acids). Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA, von engl.
Polyunsaturated fatty acids) besitzen zwei oder mehr Doppelbindungen zwischen den
Kohlenstoffatomen der Kette. Da in natürlichen Fettsäuren die Doppelbindungen meist in der cis-
Konfiguration vorliegen, entsteht ein Knick von etwa 30° in der Kohlenwasserstoffkette. Dadurch
ist die Van-der-Waals-Wechselwirkung zu anderen Molekülen abgeschwächt; der Schmelzpunkt
wird verringert. Einige ungesättigte Fettsäuren sind für den Menschen essentiell, da sie vom
menschlichen Körper nicht synthetisiert werden können, aber benötigt werden. Dazu zählen
Fettsäuren, die Doppelbindungen an bestimmten Positionen tragen, die Omega-n-Fettsäuren. Man
unterscheidet einfach (Monoensäuren), doppelt (Diensäuren), dreifach (Triensäuren) oder mehrfach
(Polyensäuren) ungesättigte Fettsäuren.

Ölsäure, eine ungesättigte cis-Fettsäure


Wie oben im Beispiel gezeigt, müssen die drei Fettsäureschwänze in einem Triacylglycerin nicht
identisch sein. Fettsäureketten können sich sowohl in ihrer Länge als auch in ihrem Sättigungsgrad
unterscheiden. Wenn es nur Einfachbindungen zwischen den benachbarten Kohlenstoffen in einer
Kohlenwasserstoffkette gibt, wird die Fettsäure als gesättigt bezeichnet. (Die Sache, mit der die
Fettsäuren gesättigt sind, ist der Wasserstoff; in einem gesättigten Fett sind so viele
Wasserstoffatome wie möglich an das Kohlenstoffgerüst gebunden.) Wenn die Kohlenstoffkette
eine Doppelbindung enthält, wird die Fettsäure als ungesättigt bezeichnet, da sie jetzt weniger
Wasserstoffe besitzt. Wenn es nur eine Doppelbindung in der Fettsäure gibt, ist sie einfach
ungesättigt, wenn sie mehrere Doppelbindungen besitzt, dann ist sie mehrfach ungesättigt. Die
Doppelbindungen in ungesättigten Fettsäuren können, wie andere Arten von Doppelbindungen, in
einer cis- oder trans-Konfiguration vorliegen. In der cis-Konfiguration befinden sich die zwei
Wasserstoffe, die an die Bindung gebunden sind, auf der gleichen Seite, während sie in der trans-
Formation auf gegenüberliegenden Seiten liegen (siehe unten). Eine cis-Doppelbindung verursacht
einen Knick oder eine Krümmung in der Fettsäure, eigene Eigenschaft, die wichtige Konsequenzen
für das Verhalten von Fetten hat. Gesättigte Fettsäureschwänze sind gerade, sodass Fettmoleküle
mit vollständig gesättigten Schwänzen eng beieinander liegen können. Dieses enge Liegen führt
dazu, dass diese Fette bei Raumtemperatur fest sind (einen relativ hohen Schmelzpunkt haben). Das
meiste Fett in Butter ist zum Beispiel gesättigtes Fett. Im Gegensatz dazu sind cis-ungesättigte
Fettsäureschwänze aufgrund der cis-Doppelbindung gekrümmt. Dies macht es schwierig für
Fettmoleküle mit einer oder mehreren cis-ungesättigten Fettsäureschwänzen eng
beieinanderzuliegen. Daher sind Fette mit ungesättigten Schwänzen in der Regel bei
Raumtemperatur flüssig (besitzen einen relativ niedrigen Schmelzpunkt) – sie sind, was wir
gemeinhin als Öle bezeichnen. Olivenöl besteht zum Beispiel zum größten Teil aus ungesättigten
Fetten.

Phospholipide
Phospholipide sind eine Gruppe von Lipiden mit Phosphatgruppe. Phospholipide gehören zu den
polaren Lipiden. Phospholipide setzen sich aus einem hydrophilen (wasserliebenden) Kopf und
zwei hydrophoben (wasserabweisenden) Kohlenwasserstoffschwänzen zusammen. Sie sind
amphiphil. Sie sind am Aufbau der Lipiddoppelschicht vieler Biomembranen beteiligt und kommen
damit in allen tierischen und pflanzlichen Zellen vor. Phospholipide sind natürlich vorkommende
Tenside. Phospholipide sind außerdem intrazelluläre Signalmoleküle, sowie Bestandteil der
Gallenflüssigkeit und des Surfactant. Die Biosynthese von Phospholipiden ist eng mit der
Biosynthese der Zellmembran verbunden. Sie findet in allen Zellen statt und erfolgt im
endoplasmatischen Retikulum und Golgi-Apparat. Phospholipide sind neben Glykolipiden und
Cholesterin eine der drei Hauptgruppen von Membranlipiden. Die Phospholipide sind hierbei für
den typischen Membranaufbau verantwortlich. Diese Eigenschaft verdanken sie ihrer Amphiphilie.
In einem wässrigen Milieu wie im menschlichen Körper passiert folgendes: Ihre polaren
Kopfgruppen wenden sich dem Wasser zu und ihre unpolaren Kohlenwasserstoffschwänze stoßen
Wasser ab und lagern sich nach innen zusammen. Den Antrieb für das Zusammenlagern der
Kohlenwasserstoffschwänze nennt man hydrophobe Wechselwirkung. Eine Möglichkeit der
Bildung einer globulären Struktur durch Phospholipide in wässrigem Milieu ist das Bilden von
Mizellen. Die Außenseite wird hier durch die polaren Köpfe und die Innenseite durch die
miteinander in Wechselwirkung tretenden Kohlenwasserstoffschwänze gebildet. Eine andere
Möglichkeit der Membranbildung durch Phospholipide findet sich in fast allen biologischen
Membranen wieder. Zum Beispiel der Zellmembran (Plasmamembran). Eine geschlossene
Lipiddoppelschicht begrenzt sie die Zelle nach außen, sowie ihre Zellkompartimente im inneren.
Diese Membranen sind für das Leben unerlässlich. Die Fähigkeit für das Bilden einer Membran
liegt in der Struktur der Phospholipide. Hydrophobe Wechselwirkungen zwischen den
Fettsäureketten lassen diese sich zusammenlagern. Der polare Kopf stößt Wasser ab und schafft eine
Barriere, die als geschlossene Struktur eine Membran zwischen einem Innen- und einem
Außenraum bildet. Eine weitere Möglichkeit der Membranbildung durch Phospholipide ist die
Bildung von Liposomen (auch Lipidvesikel), die im Gegensatz zu einer Mizelle von einer
Lipiddoppelschicht umgeben sind. Man kann Liposomen als Modell für Untersuchungen der
Membranpermeabilität oder als Transportvehikel für Medikamente verwenden. Phospholipide
werden im Körper enzymatisch durch Phospholipasen gespalten. Unter der Einfügung von Wasser
werden Bindungen gespalten. Phospholipasen gehören zu der Enzymgruppe der Hydrolasen. Sie
werden unter anderem nach dem Ort ihres Angriffs auf ein Phospholipid unterteilt.

Schematische Darstellung von Phospholipiden, beispielsweise als Teil einer Membran. 1.


Hydrophiler Kopf. 2. Lipophiler Schwanz.
Unterschiedliche Strukturen die Phospholipide in wässrigen Lösungen annehmen können: Liposom,
Mizelle, und Doppellipidschicht (Hauptbestandteil der Biomembran)

Einzelnachweise
Dönitz, Stephan: Mensch Körper Krankheit für den Rettungsdienst. Hrsg.: Flake, Frank. 1. Auflage
2015. Elsevier, 2015, ISBN 978-3-437-46201-6.
Frank Hoffmann: Charakterisierung von chiralen Langmuir-Filmen mit Hilfe von IR-
spektroskopischen, thermodynamischen und abbildenden Methoden sowie biomimetische Ansätze
zur Aufklärung der Wirkweise des antibiotischen Peptids Surfactin, Diss. Univ. Hamburg 2002.
Despopoulos, Agamemnon.: Taschenatlas Physiologie. 8., überarb. u. erw. Aufl. Thieme, Stuttgart
2012, ISBN 978-3-13-567708-8.
Gerold Adam, Peter Läuger, Günther Stark: Physikalische Chemie und Biophysik. 5. Auflage.
Springer-Verlag, 2009, ISBN 978-3-642-00424-7.
Hans Beyer, Wolfgang Walter, Wittko Francke: Lehrbuch der Organischen Chemie. 23. Auflage. S.
Hirzel Verlag, Stuttgart, Leipzig 1998, ISBN 3-7776-0808-4.
Florian Horn: Biochemie des Menschen. Das Lehrbuch für das Medizinstudium. 5. Auflage. Georg
Thieme Verlag, Stuttgart, New York 2012, ISBN 978-3-13-130885-6.
Axel Zeeck, Stephanie Grond, Ina Papastavrou, Sabine C. Zeeck: Chemie für Mediziner. Hrsg.:
Axel Zeeck. 7. Auflage. Elsevier, München 2010, ISBN 978-3-437-42443-4.
Hans-Dieter Belitz, Walter Grosch: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. 4. Auflage. Springer Verlag,
Heidelberg/ Berlin 1992, ISBN 3-540-55449-1.