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Der Großversuch Energiewende in Deutschland

(Status 2018)

Ulrich Wolff
September 2018

Die Einspeisung von CO2 in die Atmosphäre wird nicht verringert, der
Strompreis hat sich mehr als verdoppelt und das Ausfallrisiko der
Stromversorgung ist deutlich angestiegen.

1882 begannen 30 Glühbirnen in Stuttgart und einige Straßenlampen in Berlin zu


leuchten. In Golpa-Zschornewitz (Sachsen-Anhalt) ging im Jahr 1915 mit einer
Leistung von128 MW das seinerzeit größte Braunkohlekraftwerk der Welt in Betrieb
und im Ruhrgebiet fand der „Verkauf von Kohle über Draht“ zunehmend reges
Interesse.

Stromerzeugung und Bedarf (Bild 1) blieben über den zweiten Weltkrieg hinaus recht
bescheiden und ein Stromausfall hat damals für den Bürger lediglich den Komfort
gemindert. Inzwischen würde ein Ausfall der Versorgung für Stunden und Tage
bereits Katastrophen mit sehr vielen Opfern auslösen. Für die stromabhängige
Industrie dagegen hatte das bereits damals signifikante Folgen. Daher war z. B. die
im zweiten Weltkrieg extern gesteuerte Störung auch der Stromversorgung mit Hilfe
von Bomben Motivation und Anlass zur Optimierung ihrer Zuverlässigkeit, ein
Zustand, der bis zum Einstieg in die sog. Energiewende am Ende des 20.
Jahrhunderts erhalten werden konnte.

Bild 1: Die Stromerzeugung in Deutschland (1 TWh = 1 Milliarde kWh)


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In den 50er, 60er, 70er Jahren trieb die rasante Elektrifizierung der Gesellschaft den
Anstieg des Bedarfs um bis zu 7% jährlich. Ein besonderes Problem war dabei die
Stromversorgung Süddeutschlands. Um 1960 standen dafür zwei Alternativen zur
Entscheidung an: Entweder Kernkraftwerke vor Ort oder Kohlekraftwerke an der
Küste und Stromleitungen.

Diese Entscheidung war nicht leicht zu treffen, denn Kernkraftwerke mit hinreichend
großer Nennleistung gab es noch nicht und die konventionelle Lösung „importierte
Steinkohle und Stromleitungen“ war und ist exorbitant teuer.

Das Ergebnis einer sicheren, zuverlässigen und auch in Süddeutschland für die
Industrie und auch für den Haushaltsstrom der Bürger mit etwa 12 Cent/kWh
preiswerten Versorgung zeigt Bild 2.

Bild. 2 Die Quellen der Stromversorgung in Deutschland

Alles schien in bester Ordnung. Der zwischen etwa 40 und 80 GW schwankende


Strombedarf stieg kaum noch. Doch dann haben Politiker - einmal mehr, und diesmal
sogar schizophren - „Angst auf Objektsuche“ aktiviert:

Weil Kohlendioxid gefährlich sei, müssen mit fossilem Brennstoff betriebene


Kraftwerke, die 60% des Stroms liefern, unverzüglich ersetzt werden. Weitere 30%
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der Kraftwerke, die kein Kohlendioxid liefern, müssen auch ersetzt werden, weil z. B.
Kardinal Marx - angeregt durch einen Tsunami in Fukushima, Japan, - erkannt hatte,
dass Kernenergie „Teufelszeug“ sei. (In Japan gibt es bekanntlich weiterhin
Tsunamis und Kernkraftwerke aber sehr wenig Kardinäle! - Der Strom des Nachbarn
Frankreich aus Kernenergie und Wasserkraft bleibt auch weiterhin frei von CO2.)

Diese sog. Energiewende ist nun seit mehr als 15 Jahren unterwegs. Der Strompreis
stieg inzwischen über 30 Cent/kWh an. Technischen Daten dazu zeigt die Tabelle.

Nettoleistung (GW) und Beitrag zur


Stromversorgung (TWH)
Jahr 2002 2017
GW TWh GW TWh
Kernenergie 22,43 165 9,52 76
Braunkohle 20,30 158 21,20 148
Steinkohle 28,29 135 25,05 93
Mineralöl 5,30 9 4,44 6
Erdgas 20,30 56 29,55 87
Summe 96,52 523 89,76 410
Wasserkraft 4,94 5,49
Biomasse 1,32 7,39
Wind onshore 11,98 50,91
Wind offshore 0,00 5,26
Solar 0,30 42,98
Summe 18,54 46 111,93 218
Insgesamt 115,06 569,00 201,69 628,00

Tabelle: Installierte Nettoleistung und jährlicher Beitrag zur Stromversorgung.

Eine zuverlässige Stromversorgung ist bekanntlich nur dann möglich, wenn das Netz
stets auf Kraftwerke mit einer hinreichenden zeitgerecht verfügbaren
Leistungsreserve zugreifen kann. Diese Anforderung verfehlen Windkraft und
Photovoltaik naturgesetzlich, so dass die Größe ihrer Nennleistung keinen Einfluss
auf die nötige verfügbare Gesamtleistung der Kraftwerke im Netz hat.

Die verfügbare Nennleistung der Kohlekraftwerke blieb von 2002 bis 2017 mit einer
Reduktion von 48,7 auf 46,3 GW nahezu unverändert. Gleiches gilt für die
Wasserkraft, deren Anteil sich von 4,9 auf 5,4 GW erhöhte. Die Nennleistung der
Gaskraftwerke stieg dagegen von 20,3 auf 29,6 GW an. Der Anteil der Kernenergie
wurde bereits wunschgemäß von 22,4 GW auf 9,5 GW reduziert.

Die nur selten verfügbare Nennleistung der vermeintlichen „erneuerbaren Retter“


Windkraft und Photovoltaik ist dagegen im gleichen Zeitraum von 13,6 GW auf
100 GW förmlich explodiert. Im deutschen Stromnetz, das eine zwischen etwa 40
und 80 GW schwankende Strommenge aufnimmt, verdrängen sie mit
Einspeisevorrang im Jahr 2017 33% der preisgünstigen Stromlieferung aus anderen
Kraftwerken, auf die aber wegen des zeitweiligen Ausfalls von Windkraft und
Photovoltaik nicht verzichtet werden kann.
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Der Anteil des Kohlestroms an der Stromversorgung fiel im betrachteten Zeitraum


um 52 TWh (18%), der Anteil des Erdgases stieg gegenläufig um 31 TWh (38%). Der
Beitrag der Kernenergie wurde um 89 TWh (54%) reduziert. Bei Abschaltung der
restlichen Kernkraftwerke entfallen weitere 76 TWh, die durch einen entsprechenden
Anstieg der Beiträge von Kohle und/oder Erdgas ausgeglichen werden können. Die
Zahl der zum Erhalt der Stromversorgung Deutschlands erforderlichen kostspieligen
Eingriffe in die Stromerzeugung und Verteilung hat deutlich zugenommen.

Damit kennzeichnen u. a. folgende wesentliche Fakten das bis zum Jahr 2017
erreichte Ergebnis des Großversuches Energiewende:

Die Einspeisung von CO2 in die Atmosphäre wurde nicht verringert, der
Strompreis hat sich mehr als verdoppelt und das Ausfallrisiko der
Stromversorgung ist deutlich angestiegen.

Zukünftig mehr Windkraft und Photovoltaik kann daran nichts bessern, weil

1. ihre zeitweilig maximal mögliche Einspeisemenge in das deutsche Stromnetz, die


sich zwischen 0 GW und 80 GW bewegt, von der in 2017 mit 99 GW Nennleistung
gelegentlich verfügbaren Windkraft und Photovoltaik bereits häufig überschritten
wird,

2. die naturgesetzliche Schwankung der Leistung und ihr Ausfall für Tage und
Wochen, die sog. „Dunkelflaute“, die Abschaltung anderer Kraftwerke verbietet,

3. und die Abschaltung weitere Kernkraftwerke nicht durch Windkraft und


Photovoltaik, sondern entweder durch Gaskraftwerke in Süddeutschland oder
Leitungen und Kohlestrom kompensiert werden kann.

Soll trotzdem und wider besseren Wissens – „Das-CO2-ist-klimaneutral“– und aus


welchen anderen Gründen auch immer an Ziel einer Energiewende in eine
Stromversorgung ohne die Nutzung fossiler Brennstoffe und der Kernenergie
festgehalten werden, so trifft eine solcher Lösungsversuch auf eine weitere
naturgesetzliche Hürde:

Elektrischer Strom ist eine Energie zur unverzüglichen Nutzung, die sich -
abgesehen von homöopathischen Mengen - nicht speichern lässt. Lediglich ein Teil
des Angebots kann über mehrfache Wandlung in andere Energieformen auf einen
späteren Zeitpunkt der Nutzung verschoben werden, also scheinbar „gespeichert“
werden. Den dabei entstehenden Energieverlust kennzeichnet der Wirkungsgrad der
jeweiligen Kette von Energie Wandlungen.

„Pumpspeicherkraftwerke“ sind mit einem recht guten Wirkungsgrad von bis zu 80%
eine solche aus anderen Gründen bereits geringfügig genutzte Möglichkeit. Das
modernste Pumpspeicherkraftwerk in Goldisthal 1, Thüringen kann z. B. eine

1
http://de.scribd.com/doc/129978934/Kernenergie-Windkraft-und-Pumpspeicher-
docx,
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maximale Leistung von 1GW aufnehmen und 8,5 Stunden lang abgeben. Mehr
derartig günstige Standorte gibt es in Deutschland jedoch leider nicht.

Was müsste – am Beispiel der Nutzung von Pumpspeicherkraftwerken - geschehen.,


um das deutsche Stromnetz des Jahres 2017 mit 600 TWh aus Windkraft,
Photovoltaik, ein wenig Wasserkraft und Biomasse zu versorgen?

Zusätzlich zur Wasserkraft und Biomasse muss dann Windkraft und Photovoltaik
jährlich mit etwa 750 TWh einen Strombedarf von 600 TWh und mit 150 TWh die
Verluste der Energiewandlung decken. 2017 liefern 100 GW etwa 200 TWh. Bei
ähnlicher Aufteilung der Typen muss ihre installierte Nennleistung daher sogar auf
mehr als 375 GW erhöht werden, weil der durch (hochgerechnete) 112.500
Windräder geschwächte Wind die spezifische Leistung der 30.000 des Jahres 2017
reduziert.

Das Netz nimmt mindestens etwa 40 GW auf, so dass zur Aufnahme einer
Höchstleistung von 375 GW die erforderliche Aufnahmeleistung der Pumpspeicher-
kraftwerke insgesamt „nur“ 340 Mal größer sein muss, als die des Kraftwerkes in
Goldisthal.

Das gesamte Wasservolumen der Becken muss nicht nur für 8,5 Stunden wie in
Goldisthal, sondern mindestens für die Stromversorgung während einer sog.
„Dunkelflaute“, also für etwa 350 Stunden ausreichen. Selbst einem Schüler sollte
sofort auffallen, dass es wohl nicht - „und schon gar nicht zum Nulltarif“ - gelingen
kann, während einer Zeitspanne von 4 Wochen das gesamte Wasser des
Bodensees mit Pumpen um 30 m anzuheben und durch Turbinen wieder auslaufen
zu lassen.

Ein solches Monstrum der Stromversorgung muss dann nur noch in ein erweitertes
Stromnetz eingebunden werden.

Daher taucht wohl ersatzweise die Wundertechnik „Power to Gas“ auf, die nicht auf
Wasser und eine Höhendifferenz angewiesen ist, aber allein mit einem schlechteren
Wirkungsgrad die vorgenannten Zahlen zum erforderlichen Aufwand mit dem Faktor
0,8/0,5 = 1,6 anhebt. Die Hersteller erfreut das, zahlungsunwillige Bürger, die noch
nicht wissen, dass sie auch die Kosten für (eine hoffentlich kurzfristig erfolgende
Entsorgung von Windkraft und Photovoltaik) tragen werden, sicher weniger.

Ist es reiner Zufall, wenn gelegentlich die Parolen der (verfassungskonform ohne
Fachkunde) agierenden politischen Manager des Staates mit naturgesetzlicher
Realität korrelieren?

„Strom Mix mit Kohle und Kernenergie“ – „Strom mit Windkraft, Photovoltaik und
Erdgas“ – „Strom mit Windkraft und Photovoltaik“ - „Kraftfahrzeuge nicht mit Benzin,
sondern mit Dieselkraftstoff“ – „Kraftfahrzeuge nicht mit Dieselkraftstoff, sondern mit
Benzin“ – „Kraftfahrzeuge elektrisch und mit Benzin“ – „Kraftahrzeuge nur elektrisch“
– Die andernorts beliebte Variante: - „Kraftfahrzeuge mit Gas“ – fehlt.