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Die Entzifferung der Symbolik einer Runenreihe

Joannes Richter

Zum Namen „Runenreihe“ und „Runenalphabet“


Die Bezeichnung „Runenreihe“ steht für die mehrfach überlieferte, geordnete Folge der
Runenzeichen. Sie weicht deutlich von der Reihenfolge der uns vertrauten Alphabete ab. Ab
dem vierten Zeichen kann man jedoch (unter Abzug des Schlüsselwortes [f]uþ) eine A...I...Ω
- Struktur ( A r k g [w] h n I j p Ï z s t b e m l ŋ d O) identifizieren, die dem Alphabet
ähnelt. Deshalb darf man diese Struktur getrost auch als Runenalphabet mit einem
Schlüsselwert bezeichnen.

Als 7-jähriges Kind wurde mir die biblische Schöpfungslegende gelehrt und wie die Mathematik
und Sprache als Wahrheit wahrgenommen1. Als Jüngling lernte ich selektiver nach Wahrheiten zu
suchen und als Student betrachtete ich die Schöpfungslegende und Religion als eine milde Form der
Gedankensteuerung.
Um 1990 wurde dir Firma in einer Krise umstrukturiert und motivierte mich mehr Zeit in die
Philosophie zu investieren. Die Einführung in die philosophische Grundlagen durch Marx,
Nietzsche, Schopenhauer, Plato ermöglichten die Einsicht in die Programmierung des Menschen zur
Bildung einer optimalen Gesellschaft. Möglicherweise wurde das älteste Konzept in der Kabbala als
Sprachkonzept gestaltet. Blavatzky beschrieb die These der Vokalreihe, in dem Einzelvokale
männliche und weibliche Elemente symbolisierten, aber die Theosophie erschien mir doch zu
chaotisch für eine sinnvolle Analyse.
Weitere Studien führten mich zur Entdeckung der Korrelationen zwischen den Namen der
Himmelsgöttern (wie zum Beispiel in Provenzalisch: Diéu) und den zugehörigen
Personalpronomina (wie zum Beispiel: iéu) der erste Person Singular. Es kostete einige Zeit diese
Korrelationen zu finden und die Liste der Dialekten zusammenzusetzen.
In der Übersicht stellte sich heraus, dass diese Korrelationen keine Allgemeinregel folgten und
weitgehend auf die romanischen Sprachen beschränkt wurde. Die Germanische Sprachen kannten
ebenfalls eine Korrelation, die sich bildete zwischen den Namen der Himmelsgottes Tiw oder Tuw
und den zugehörigen Personalpronomina (wie zum Beispiel: wit oder wut - „wir beide“) der erste
Person Dualis.
Abgesehen von den germanischen Sprachen können wir den Dualis auch in anderen Sprachen
finden, aber nicht mit einer Korrelation zwischen Tiw oder Tuw und den Personalpronomina wit,
bzw. wut.
Germanische Sprachen könnten auch drei ihrer Götternamen Tiw, Wotan (und vielleicht auch Thor)
im Anfangsbereich verschlüsselt bewahrt haben. Das Konzept in dem der Anfangsbuchstabe ᚠ
analog am Digamma als Universalbuchstabe betrachtet wird, erlaubt uns das Wort ᚠᚢᚦ (“Futh”)
auch als “wuth” oder “vuth” zu lesen.
In diesem Fall beginnt die Runenreihe mit dem Schlüsselwort “Wuthor” oder Wuth”, in dem wir
verschiedene Personalpronomina ablesen können, zum Beispiel: (1) Englisch ”we”, altsächsisch wi,
(2), Old English wit (“we twain”, wir beide), (3) thu (du), Altenglisch und Gotisch þu.
Unmittelbar nach dem Schlüsselwort ᚠᚢᚦ (“Futh”) folgt das Futhark Alphabet mit der üblichen
“A...I...Ω” - Struktur, die wir auch im alten griechischen und Lateinischen Alphabet wahrnehmen2.

1 Godsdienstles 1954-1955
2 The Sky-God, Adam and the Personal Pronouns
Abgesehen von der Ausnahme des Kylversteins, dessen Textzeile mit einem vertikalen Stab
anfängt, beginnen alle Futhark Alphabete mit dem gleichen 3-stelligen Schlüsselwort ᚠᚢᚦ (“Futh”).
Nach der letzten Rune des Alphabets folgt auf dem Kylverstein eine baumförmige Rune mit 6 nach
links und 8 nach rechts zeigenden Zweigen, die als Verbundrune zur Anrufung von sechsmal Tiwaz
(ᛏ, auch Tyr-Rune) und viermal Ansuz interpretiert wird.
Abgesehen von den Götternamen Tuw, Tiw, Woden und die Personalpronomina wit oder wut sind
vielleicht noch andere Wortschlüssel wie das niederländische „fut“ (Lebensenergie) vorhanden, das
in einem (west-) flämischen Dialekt auch als „Sperma“ verstanden wird3.
Diese Schlüsselwörter verleihen dem Runenalphabet mehr Symbolik als wir im griechischen und
lateinischen Alphabet. Die Einwirkung der Schlüsselwörter hat wohl alle Runen und Runentexte mit
Symbolik gefüllt4.
Etwa 95% der europäischen Sprachen wurde ausgestattet mit einer Korrelation zwischen den
Personalpronomina der ersten Person und den zugehörigen Namen des Himmelsgottes. Die
romanische Sprachgruppe korrelierte den PIE-Himmelsgott („Dyaus“) mit der Singularform „Ich“,
beziehungsweise die germanische Sprachgruppe ihren Himmelsgott („Tiw“) mit der Dual-Form
(“wit” → “wir beide”) des Personalpronomens der ersten Person5.
Der Verlust der runischen Symbolik wurde gefolgt vom Verlust der Dual-Form. In den romanischen
Sprachen blieb die Korrelation zwischen dem PIE-Himmelsgott („Dyaus“) und der Singularform
„Ich“ des Personalpronomens der ersten Person intakt erhalten, obwohl man den Symbolismus
vergessen hat.
Vielleicht symbolisiert der Dualis auch die ethische Hochzeitsstandards die Tacitus in seiner
„Germania“ damals sosehr bewundert hat:
Indessen sind dort die Ehen streng, und gar keinen Theil der Sitten darf man mehr
loben. Denn fast nur sie allein unter den Barbaren sind mit Einer Frau zufrieden, ganz
wenige ausgenommen, welche nicht der Wollust zuliebe, sondern ob ihres hohen Adels
mit gar vielen Heirathen umworben werden. 6.

Zu den damals mit der Dualis Form zusammenhängenden Tradition gehören auch das von Tacitus
beschriebenen im Joch verbundenen Rindergespann, welches dem Brautpaar geschenkt wird:
Geschenke nicht nach Weiber-Tändelei gesucht, noch um damit die Neuvermählte zu
putzen, sondern Rinder und ein aufgezäumtes Pferd, dann Schild nebst Frame und
Schwert. Auf solche Geschenke nimmt man sein Weib, und ihrerseits bringt auch die
Gattin dem Manne etwas Waffen. Dieß, glauben sie, ist das größte Band, dieß die
geheime Heiligung, dieß des Ehebundes Götterschutz.

Dieß künden die gejochten Rinder an, dieß das gerüstete Pferd, dieß die gereichten
Waffen; so müsse gelebt sein, so gestorben; sie erhalte, was sie ohne Makel und gleich
würdig ihren Kindern wiedergeben, was die Schwiegertöchter wiederum empfangen
sollen, was auf die Enkel kommen müsse.

Und obwohl der Dualis inzwischen nahezu überall verschwunden ist, bleibt doch die Beschreibung
in der Germania als ein Rest der ethischen Standards erhalten.

3 (In niederländisch) fut (geestkracht, lichaamskracht, pit) - Ϝut - Het Nederlandse sleutelwoord
4 Runic magic
5 The Sky-God, Adam and the Personal Pronouns
6 Die Germania des Tacitus – Wikisource 1876 vertaald door Dr. Anton Baumstark
Zusammenfassung
Etwa 95% der europäischen Sprachen wurde ausgestattet mit einer Korrelation zwischen den
Personalpronomina der ersten Person und den zugehörigen Namen des Himmelsgottes. Die
romanische Sprachgruppe korrelierte den PIE-Himmelsgott („Dyaus“) mit der Singularform „Ich“,
beziehungsweise die germanische Sprachgruppe ihren Himmelsgott („Tiw“) mit der Dual-Form
(“wit” → “wir beide”) des Personalpronomens der ersten Person.
Der Verlust der runischen Symbolik wurde gefolgt vom Verlust der Dual-Form. In den romanischen
Sprachen blieb die Korrelation zwischen dem PIE-Himmelsgott („Dyaus“) und der Singularform
„Ich“ des Personalpronomens der ersten Person intakt erhalten, obwohl man den Symbolismus
vergessen hat.

Abstract
Around 95% of European languages is equipped with a correlation between personal pronouns of
the first person and the name of the sky-god. The Neo-Latin languages correlate their sky-god
(Dyaus) with their singular form (“I”) respectively the Germanic languages their sky-god “Tiw”
with the dual form (“wit” → “we both”) of the personal pronouns of the first person.
The gradual death of runic symbolism had been followed by the dual form. In the Neo-Latin
languages the correlations between the divine name and the pronouns still exist although their
symbolism had been lost.