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KOMPAKTLAUTSPRECHER

BOSE S1 PRO

VIEL
BOOM
MIT
BOSE
Seit jeher steht Bose für einen kraft-
vollen Sound, und das gerne im prak-
tischen, handlichen Format. Mit der
S1 Pro hat Bose eine neue Universal-
box auf den Markt gebracht, die für
Solokünstler oder Duos sehr interes-
sant ist, sich aber auch als Keyboard-
Amp/Monitor für Proberaum und Büh-
ne eignet. Ob die Eierlegendewoll- Für den genannten Einsatzbereich zählt
milchsau tatsächlich hält, was sie Bose ganz sicher nicht zu den üblichen Verdächti-
gen, und so hat man bereits beim Auspacken eine
verspricht, wollen wir für euch in Er- gewisse Erwartungshaltung. Auf den ersten Blick
fahrung bringen. findet man nichts, an dem man sich stören könnte.
Die Box ist wirklich kompakt und hat mit knapp
7 kg ein angenehmes, wertiges Gewicht. Mit dem
Autor: Dirk Heilmann Fotos: Dieter Stork Griff an der Oberseite hält man sie sicher in der
Hand, ohne dass sie dabei klobig wirkt. Die Box ist
von drei Seiten gummiert, sodass sie in drei Posi-
tionen auf den Boden gestellt werden kann und −
auch dank des Gewichts − immer sicher steht,
selbst wenn der Boden mal etwas schief sein sollte. In betriebs variiert, sondern allenfalls vom Musiker am
den verschiedenen Positionen strahlt die Box einmal Bluetooth-Device leicht korrigiert werden wird.
gerade heraus oder schräg nach oben, im etwa 35°- Der Aux-Kanal bietet eine andere EQ-Grundein-
und 45°-Winkel. Sie ist also definitiv auch als Moni- stellung, die auf das Abspielen von Musik gemünzt ist
tor konzipiert. und sich vor allem in einem stabilen Bassbereich und
Natürlich bietet die S1 Pro auch einen Stativflansch angenehmen Höhen bemerkbar macht. Die beiden
für handelsübliche Stative, denn sie kann auch als ersten Kanäle hingegen sind lange nicht so kräftig im
aktive PA-Lautsprecher eingesetzt werden. Im Inne- Bass, und trotzdem kann man selbst hier einen Bass-
ren sind übrigens ein Tief- und drei Hochtöner als Synth anschließen, ohne dass einem etwas fehlt.
Line-Array verbaut. Letztendlich wird das einer der wesentlichen Tricks
Der integrierte Mixer ist erstaunlich übersichtlich: von Bose sein, weshalb auch die Sprache oder der Ge-
Er bietet zwei Kanäle mit je einer XLR/Klinke-Kombi- sang neben einem Playback immer verständlich blei-
buchse (der Klinkenanschluss ist asymmetrisch), ei- ben und nichts vermatscht.
nen 3-Weg-Schalter für EQ-Grundsounds und je ei- Sehr gut mitgedacht hat Bose bei der Line-Out-
nen Bass-, Treble-, Reverb- sowie einen Volume-Poti. Buchse, durch die der Mix weiter zum FOH geschleift
Als dritter Kanal wurde der S1 Pro ein Aux-Kanal werden kann, wodurch die Box zum Monitor mit per-
spendiert, der entweder über ein 3,5-mm-Klinkenka- sönlicher Klangregelung wird. Eine andere Option ist
bel oder via Bluetooth angesteuert werden kann. Of- das Anschließen einer weiteren S1 Pro, allerdings
fenbar ist sich Bose bei der Abstimmung des Klangs bleibt hier alles in mono.
so sicher, dass hier auf eine Klangregelung verzichtet Bose bietet einen externen Akku zum Preis von
wurde und nur ein Volume-Regler bereitsteht. Das rund 150,− Euro an, mit dem der Lautsprecher auch
war’s soweit erstmal. Master-Regler? Auch darauf Abseits von 230V-Quellen für sechs Stunden betrie-
wurde verzichtet, und das sollte bei nur drei Kanälen ben werden kann.
auch nicht weiter stören. Ich habe ihn beim Testen Die USB-Buchse neben dem Mixer dient übrigens
auch nicht vermisst. allein zu Servicezwecken.
Die Bluetooth-Verbindung ist schnell aufgebaut, Fazit. Bose bietet mit der S1 Pro einen echten Kraft-
und der erste Ton, der mir aus der Box widerfährt, ist riesen im Zwergformat, der manchmal fast etwas zu
Bose-typisch − booomig! Kräftig in den Bässen und kräftig zuhaut. Gegen eine Klangregelung im dritten
ohne störende Frequenzen in den Mitten oder Höhen. Kanal hätte ich nichts auszusetzten, jemand anders
Die Kiste ist ein weiteres Paradebeispiel dafür, was möchte vielleicht eher den fehlenden Cinch- oder
einige Hersteller klanglich aus einer fast winzigen Klinken-Stereo-Eingang missen, allerdings tut’s der
Box rausholen können. Chapeau! kleine Klinken-Eingang meiner Meinung nach auch,
Auch bei der Sprachwiedergabe übers Mikro über- wenn man nicht ohnehin lieber die kabellose Blue-
rascht die Box. Sehr klar und deutlich werden hier die tooth-Verbindung nutzt.
Frequenzen von Stimme und Gesang wiedergegeben Die S1 Pro bietet wirklich vielseitige Einsatzmög-
und legen sich, wenn’s sein muss, angenehm über das lichkeiten in einem äußerst handlichen und optisch
Playback oder Instrument. Übrigens: Egal ob man ein unaufdringlichen Format. Sie wird ganz sicher viele
Mikro oder Line-Signal z. B. aus einem externen Pult Freunde finden, auch dank des Straßenpreises von
anschließt, die S1 Pro erkennt automatisch die ange- ca. 600,– Euro.
legte Stromstärke und passt entsprechend die Ver- PS: Sie kann laut!! [4380]
stärkung an.
Die Klangregelung und der Reverb ar-
beiten nicht übertrieben, aber effizient. Mit
dem 3-Weg-Schalter, gekennzeichnet mit Unsere Meinung-
Off, Gitarre und Mikro, kann man zudem + vielseitige Einsatz-
EQ-Presets wählen, die dann die passen- möglichkeiten
den Frequenzen etwas betonen − das Ganze + durchdachtes Bedien-
passiert eher im dezenten Rahmen, trägt konzept
aber am Ende zu einer hörbaren Klangver- + Klang und klangliche
besserung bei. Reserven
Beim Drehen des Aux-Poti fällt auf der + Schutzhülle im Lieferum-
ersten Hälfte auf, dass die Box sehr sprung- fang, Akku optional
haft lauter wird. Ein kleines Manko, über − keine Klangregelung im
das man hinwegsehen kann, da die Laut- Aux-Kanal
stärke an der Box kaum während des Live-

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