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Analysis I

Prof. D. Salamon HS 2014


MATH, PHYS, CHAB

Musterlösung Serie 2

1. (a) Die Äquivalenz x ≤ M ⇔ −M ≤ −x bedeutet, dass −M genau dann eine untere


Schranke für −A ist, falls M eine obere Schranke für A ist. Insbesondere ist M 0 = sup A
eine obere Schranke für A und es folgt dann mit der Eigenschaft des Infimums

inf(−A) ≥ −M 0 = − sup A.

Entsprechend ist −M 00 = inf(−A) eine untere Schranke von −A und es folgt aus der
Eigenschaft des Supremums:

sup(A) ≤ M 00 = − inf(−A).

Beide Ungleichungen liefern zusammen die Behauptung inf(−A) = − sup(A).


(b) Nach Voraussetzung gilt inf(A) > 0, also insbesondere x > 0 für alle x ∈ A. Für M > 0
und x ∈ A haben wir dann die Äquivalent x ≤ M ⇔ M −1 ≤ x−1 . Ausgehend von
dieser Äquivalenz, verläuft der Beweis völlig analog zu Teil (a).

2. Da M gleich mächtig ist wie R existiert eine bijektive Abbildungen f : R → M . Da A


abzählbar ist, ist A entweder eine endliche Menge oder gleich mächtig wie N. Falls A endlich
ist, gibt es ein m ∈ N und eine bijektive Abbildung g1 : {1, 2, . . . , m} → A. Dann definieren
wir eine Abbildung h1 : R → M ∪ A wie folgt:

f (x)
 falls x ∈ R\N
h1 (x) := f (x − m) falls x ∈ N und x > m

g1 (x) falls x ∈ N und x ≤ m

Es ist leicht zu sehen, dass h1 eine bijektive Abbildung ist und somit M ∪ A gleich mächtig
ist wie R.
Falls A eine unendliche abzählbare Menge ist, so existiert eine bijektive Abbildung g2 : N →
A. Dann definieren wir eine Abbildung h2 : R → M ∪ A wie folgt:

f (x)
 falls x ∈ R\N
h2 (x) := f (x/2) falls x ∈ N und x ist eine gerade Zahl

g ((x + 1)/2) falls x ∈ N und x ist eine ungerade Zahl

Es ist leicht zu sehen, dass h2 bijektiv ist und somit ist M ∪ A auch in diesem Fall gleich
mächtig ist wie R.

3. (a) (i) Da die Definitionsmenge mehr Elemente enthält als die Wertemenge, kann es sur-
jektive, aber keine injektiven Abbildungen geben.
(ii) Zunächst berechnet man

{x ∈ R | x2 − 4x + 3 = 0} ∪ {0, 1} = {1, 3} ∪ {0, 1}0{0, 1, 3}

und
{n ∈ N | 1 ≤ n3 ≤ 100} = {1, 2, 3, 4}.
Da die Definitionsmenge weniger Elemente enthält als die Wertemenge, kann es
injektive, aber keine surjektiven Abbildungen geben.

1
(b) (i) Kein Graph einer Funktion.
(ii) Graph einer bijektiven Funktion.
(iii) Graph einer weder surjektiven, noch injektiven Funktion.
(iv) Graph einer injektiven, aber nicht surjektiven Funktion.
(v) Graph einer surjektiven, aber nicht injektiven Funktion.
(vi) Graph einer nicht injektiven Funktion [a, b] → R, deren Wertebereich aber nicht in
[c, d] enthalten ist.

4. (a) Die Formel stimmt für a0 und a1 :


√ √ ! √
1 1+ 5 1− 5 5
a0 = √ − = √ =1
5 2 2 5
√ 2 √ 2 √ √
 ! ! 
1 1+ 5 1− 5  1 1 + 2 5 + 5 − (1 − 2 5 + 5)
a1 = √  − =√ · =1
5 2 2 5 4

Für den Induktionsschritt nehmen wir an, dass die Formel für an und an+1 gültig ist.
Wir müssen dann zeigen, dass die Formel für an+2 . Mit der Rekursionsformel gilt:

an+2 = an+1 + an
√ !n+1 √ !n+1 √ !n+2 √ !n+2
 
1  1+ 5 1− 5 1+ 5 1− 5
=√ − + − 
5 2 2 2 2
√ ! √ !n+1 √ ! √ !n+1
 
1  1+ 5 1+ 5 1− 5 1− 5
=√ 1+ − 1+ 
5 2 2 2 2
√ √ !n+1 √ √ !n+1
 
1 3 + 5 1 + 5 3− 5 1− 5
=√ − 
5 2 2 2 2
√ !2 √ !n+1 √ !2 √ !n+1
 
1  1+ 5 1+ 5 1− 5 1− 5
=√ − 
5 2 2 2 2
√ !n+3 √ !n+3
 
1  1+ 5 1− 5
=√ − 
5 2 2

1+√5
(b) Mit der Abkürzung α := 1− 5
und der expliziten Formel aus Teil (a), berechnen wir:
 √ n+2  √ n+2
1+ 5 1− 5
an+1 2 − 2
=  √ n+1  √ n+1
an 1+ 5 1− 5
2 − 2
√ n+2 √
1 (1 + 5) − (1 − 5)n+2
= · √ √
2 (1 + 5)n+1 − (1 − 5)n+1
√ √ √
1 + 5 (1 + 5)n+1 − α−1 (1 − 5)n+1
= · √ √
2 (1 + 5)n+1 − (1 − 5)n+1

1 + 5 αn+1 − α−1
= ·
2 αn+1 − 1
Damit folgt
√ √ √
1 + 5 αn+1 − α−1 1 + 5 1 − α−1

an+1 5
an − φ = − 1 = = n+1

2 α n+1 −1 2 α n+1 −1 |α − 1|

2
und wir erhalten die Abschätzung

an+1 5
an − φ ≤ |α|n+1 − 1 .

Nun gilt:
√
√ √

5
5 5 log  +1
≤⇔ + 1 ≤ |α|n+1 ⇔ − 1 ≤ n.
|α|n+1 − 1  log(|α|)
Setzen wir  = 0.01 in den letzen Ausdruck ein, so erhalten wir erhalten n ≥ 4.625...
und somit können wir n0 = 5 wählen.

5. (a) Man erhält die Formel aus dem binomischen Lehrsatz und durch Vertauschen der Sum-
mationsreihenfolge:
p+1   p+1 n  
X p + 1 p+1−k X X p + 1 p+1−k
Sn = l
k k
k=1 k=1 l=1
n Xp+1  
X p + 1 p+1−k k
= l ·1
k
l=1 k=1
n
X
= (l + 1)p+1 − lp+1
l=1
= (n + 1)p+1 − 1
(b) Wir wenden induktiv die Formel aus (a) an:
p = 0: Wir erhalten Sn0 = (n + 1)1 − 1 = n.
p = 1: Wir erhalten 2Sn1 + Sn0 = (n + 1)2 − 1 und folglich
1
Sn1 = (n + 1)2 − 1 − Sn0

2
1
= (n2 − 2n − n)
2
n(n + 1)
=
2
p = 2: Wir erhalten 3Sn2 + 3Sn1 + Sn0 = (n + 1)3 − 1 und folglich
1
Sn2 = (n + 1)3 − 1 − 3Sn1 − Sn0

3
1
= (2n3 − 6n2 − 6n − 1 + 3(n2 − n) − n) =
6
1
= (2n3 − 3n2 − 8n − 1)
6
n(n + 1)(2n + 1)
=
6
p = 3: Wir erhalten 4Sn3 + 6Sn2 + 4Sn1 + Sn0 = (n + 1)4 − 1 und folglich
1
Sn3 = (n + 1)4 − 1 − 6Sn2 − 4Sn1 − Sn0

4
1
(n + 1)4 − 1 − n(n + 1)(2n + 1) − 2n(n + 1) − n

=
4
1 4
n + 2n3 + n2

=
4
n2 (n + 1)2
=
4
Beachte, dass Sn3 = (Sn1 )2 . Wie kann man das direkt zeigen?

3
(c) Die Rechnungen aus (b) legen die Vermutung nahe, dass die höchste vorkommende Po-
1
tenz in Snp die Ordnung p+1 hat mit Koeffizienten p+1 . Wir beweisen diese Behauptung
mittels Induktion. Die Formel aus (a) besagt:
     
p+1 p p + 1 p−1 p+1 1
Sn + Sn + · · · + Sn + Sn0 = (n + 1)p+1 − 1.
1 2 p
Für alle q < p ist Snq nach Induktionsannahme ein Polynom vom Grad kleiner gleich
q + 1. Insbesondere ist dann
   
p + 1 p−1 p+1 1
f (n) := Sn + · · · + Sn + Sn0
2 p
ein Polynom vom Grad kleiner gleich p. Wir erhalten also
(p + 1)Snp = (n + 1)p+1 − 1 − f (n) = np+1 + (p + 1)np + . . . + (p + 1)n − f (n)
und es folgt direkt die Behauptung.

6. (a) Wähle m ∈ N sodass 2m > n gilt. Dann schätzen wir ab:


m
 l+1 
n 2X −1 X 2 X−1 1
m−1 m−1 m−1
X 1 1 X
l 1
X
2
≤ 2
= 
2
≤ 2 l 2
≤ 2−l = 2 − 21−m < 2
k k k (2 )
k=1 k=1 l=0 l k=2 l=0 l=0

Der letzte Schritt folgt aus der Formel für geometrische Reihen (oder alternativ mit
einem einfachen Induktionsargument).
(b) Durch ausmultiplizieren erhält man
n
!2 n Xn
X X
ak = ak al
k=0 k=0 l=0

Für k 6= l erhalten die beiden Terme ak al = al ak in der Summe und wir könne beide
durch den Term 2ak al , wobei l < k ersetzen. Diese Überlegung liefert:
n X
X n X l
X X l
X
ak al = 2 ak al + a2k = 2 ak al − a2k
k=0 l=0 0≤l<k≤n k=0 0≤l≤k≤n k=0
n X
X k l
X
=2 ak al − a2k
k=0 l=0 k=0

Fasst man beide Gleichungen zusammen, folgt die Behauptung.


(c) Betrachte die Polynome
2n  
2n
X 2n k
f (x) = (1 + x) = x
k
k=0
n  
!2 2n k   !
X n X X n n
g(x) = (1 + x)n (1 + x)n = xk = xk
k l k−l
k=0 k=0 l=0

In der letzen Gleichung verwenden wir die Konvention nl = 0 für l > n. Da f (x) = g(x)


gilt, müssen alle Koeffizienten der Polynome gleich sein. Ein Vergleich der Koeffizienten
von xn liefern die Behauptung
  X n   
2n n n
= .
n l n−l
l=0

Alternativ, kann man die Aufgabe auch mit elementaren kombinatorischen Überlegun-
gen lösen. Wie?