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Analysis I

Prof. D. Salamon HS 2014


MATH, PHYS, CHAB

Musterlösung Serie 6

1. Mit der dritten binomischen Formel folgt



1 + an − 1 1 + an − 1 1
= √ =√ .
an an ( 1 + an + 1) 1 + an + 1

Wenn an → 0 konvergiert für n → ∞, so konvergiert der Ausdruck rechts klar gegen 21 .

2. (a) Sei  > 0 gegeben. Da an gegen a konvergiert, gibt es N () ∈ N, sodass



|an − a| < ∀n > N ().
2
Deniere
M () := max |ak − a|
1≤k≤N ()

Dann erhalten wir für n > N ():


N n


1 X 1 X N () n − N 
|sn − a| ≤ (ak − a) + (ak − a) ≤ · M () + ·

n n n n 2
k=1 k=N +1

Aus dieser Abschätzung folgt sofort


   
N ()M () n − N ()  
lim sup |sn − a| ≤ lim + lim · =
n→∞ n→∞ n n→∞ n 2 2

Insbesondere gibt es N 0 () > N (), sodass


|sn − a| <  ∀n > N 0 ().

Da  > 0 beliebig war, beweist das die Konvergenz von sn gegen a.


(b) Betrachte als Beispiel an := (−1)n . Dann gilt

falls n ungerade
n
(
1X − n1
sn = (−1)k =
n
k=1
0 falls n gerade

Insbesondere gilt |sn | ≤ 1


n und folglich konvergiert sn gegen 0.

3. Die positive Lösung der Gleichung x2 − x − 1 = 0 ist der goldene Schnitt



1+ 5
φ := .
2
Durch Umformen der quadratischen Gleichung erhält man die folgenden Identitäten:
1
(1)
p
φ=1+ , 1+φ=φ
φ

1
(a) Zunächst zeigt man mit vollständiger Induktion, dass an ≥ 1 für alle n gilt. Insbesondere
ist stets an 6= 0 und die Rekursion für alle n wohldeniert.
Falls die Folge (an ) gegen einen Grenzwert a ∈ R konvergiert, dann gilt oenbar a ≥ 1,
sowie  
1 1
a = lim an = lim an+1 = lim 1+ =1+ .
n→∞ n→∞ n→∞ an a
Folglich ist a die positive Lösung der Gleichung a2 − a − 1 = 0 und somit ist a = φ der
goldene Schnitt.
Wir wollen zeigen, dass (an ) tatsächlich gegen φ konvergiert. Für n > 0 folgt mit (1)

1 1 1 |φ − an−1 | 1
|an − φ| = + 1 − φ = − = ≤ |an−1 − φ|,
an−1 an−1 φ φan−1 φ

wobei der letzte Schritt an−1 ≥ 1 benutzt. Es folgt nun mit vollständige Induktion
1 1 1
|an − φ| ≤ |an−1 − φ| ≤ 2 |an−2 − φ| ≤ . . . ≤ n |a0 − φ|.
φ φ φ

Da φ > 1 gilt, konvergiert die rechte Seite gegen 0 und (an ) konvergiert gegen φ.
(b) Wir argumentieren wie in Teil (a). Man sieht leicht, dass die Rekursion für alle n
wohldeniert ist und bn ≥ 1 gilt. Falls die Folge (bn ) gegen einen Grenzwert b ∈ R
konvergiert, so erfüllt dieser √
b= 1 + b.
Folglich ist b die positive Lösung der Gleichung b2 − b − 1 = 0 und es gilt b = φ.
Wir wollen zeigen, dass die Folge (bn ) tatsächlich gegen φ konvergiert. Mit der dritte
binomische Formel und (1) erhalten wir
p p |bn−1 − φ| 1
|bn − φ| = | 1 + bn−1 − 1 + φ| = p √ ≤√ |bn−1 − φ|.
1 + bn−1 + 1 + φ 1+φ

Mit Induktion folgt dann


1
|bn − φ| ≤ √ |b0 − φ|
( 1 + φ)n

Da 1 < 1 + φ gilt, konvergiert die rechte Seite gegen 0 und somit konvergiert (bn )
gegen φ.
(c) Variante 1: Wir zeigen zunächst die Identität

fn+1 1

fn − φ =
fn φn+1

mit vollständiger Induktion. Für n = 0 erhalten wir


1
|1 − φ| = φ − 1 =
φ

und das folgt aus (1). Für n ≥ 1 erhalten wir mit (1) und der Induktionshypothese für
(n − 1):

fn+1 fn + fn−1 fn−1 fn−1 1
fn − φ = − φ = + (1 − φ) = −

fn fn fn φ

fn−1 fn fn−1 1 1
= φ− = · =
fn φ fn−1 fn φ fn−1 φn fn φn+1

Das beweist die Identität und daraus folgt sofort, dass fn+1
fn gegen φ konvergiert.

2
Variante 2: Deniere
fn+1
cn := .
fn
Wir zeigen, dass cn = an für alle n gilt. Man sieht direkt, dass c1 = 1 gilt, und aus der
Rekursionsformel der Fibonacci-Zahlen folgt:
fn+1 fn + fn−1 fn−1 1
cn+1 = = =1+ =1+
fn fn fn cn−1
Damit folgt aus Teil (a) limn→∞ cn = limn→∞ an = φ.

4. Es gilt oenbar dp (m, n) = dp (n, m), sowie dp (m, n) > 0 für m 6= n. Wir müssen also lediglich
die Dreiecksungleichung beweisen. Seien n, m, k ∈ Z, dann ist zu zeigen:
dp (n, k) ≤ dp (n, m) + dp (m, k).
Wir können annehmen, dass n, m, k drei verschiedene ganze Zahlen sind. Andernfalls ist die
Ungleichung trivial.
Falls p = 1 gilt, folgt sofort dp (n, k) = dp (n, m) = dp (m, k) = 1 und die Dreiecksungleich ist
erfüllt.
Falls p ≥ 2 gilt, separieren wir die höchste p-Potenz als Faktor und schreiben
(n − m) = pr1 q1 , (m − k) = pr2 q2
mit r1 , r2 ∈ N0 und q1 , q2 ∈ Z, sodass q1 und q2 nicht durch p teilbar sind. Dann liefert die
Denition der p-adischen Metrik dp (n, m) = p−r1 und dp (m, k) = p−r2 . Für r := min{r1 , r2 }
erhalten wir
(n − k) = (n − m) + (m − k) = pr pr1 −r q1 + pr2 −r q2 .


Also ist pr ein Teiler von (n − k) und es folgt folgt


dp (n, k) ≤ p−r ≤ p−r1 + p−r2 = dp (n, m) + dp (m, k).

5. (a) Sei (xn )n∈N eine Folge in dem metrischen Raum (X, d) die gegen x konvergiert und sei
(xnk )k∈N eine Teilfolge. Für gegebenes  > 0 gibt es N () ∈ N, sodass
d(xn , x) <  ∀n > N ().
Sei K() ∈ N, sodass nK() ≥ N () gilt. (Wir können z.B. K() = N () wählen, da für
jede Teilfolge nk ≥ k gilt). Dann gilt insbesondere
d(xnk , x) <  ∀k > K().
Da  > 0 beliebig war, konvergiert xnk gegen x für k → ∞.
(b) Die Behauptung ist formal äquivalent zu folgender Aussage: Gegeben sei eine Folge
(xn ) und ein x ∈ X . Falls (xn ) nicht gegen x konvergiert, dann gibt es eine Teilfolge
(xnk ), sodass jede weitere Teilfolge (xnkj ) nicht gegen x konvergiert.
Falls xn nicht gegen x konvergiert, dann gibt es ein  > 0 für das die Konvergenz-
bedingung nicht erfüllt ist. Das heisst, für jedes N ∈ N gibt es ein n > N , sodass
d(xn , x) ≥  gilt. Indem wir N = nk setzen, konstruieren wir induktiv eine Teilfolge
n1 < n2 < n3 < . . . sodass
d(xnk , x) ≥ 
für alle k ∈ N gilt. Insbesondere gilt für jede weitere Teilfolge (xnkj )j∈N
d(xnkj , x) ≥ .

Folglich kann diese Teilfolge die Konvergenzbedingung nicht erfüllen und somit nicht
gegen x konvergieren.

3
6. (a) Die Reihe divergiert, da die Folge n+1
n gegen 1 konvergiert und somit keine Nullfolge
ist.
(b) Die Summanden wachsen qualitativ wie n1 und wir zeigen, dass die Reihe divergiert

indem wir sie gegen die harmonische Reihe abschätzen. Für n ≥ 4 gilt n − n ≥ 21 n
und folglich √
n− n n/2 1
√ ≥ =
(n + n)2 (n + n)2 8n
Dies liefert die Abschätzung
N √ N
X n− n 1X1
√ 2 ≥ .
n=1
(n + n) 8 n=4 n

Da die harmonische Reihe divergiert, strebt die rechte Seite gegen +∞ für N → ∞.
(c) Die Reihe divergiert. Wir machen die grobe Abschätzung

n

n

n! = 1 · 2···n ≤ n
n · n · · · n = n.
Damit folgt direkt
N N
X 1 X 1

n

n=1 n! n=1 n
und da die harmonische Reihe divergiert strebt die rechte Seite gegen +∞ für N → ∞.
(d) Die Reihe konvergiert. Wir zeigen die stärkere Bedinung der absoluten Konvergenz, d.h.

(−1)n + in
X
(3i)n − 2n < ∞

n=1

Hierfür schätzen wir zunächst den Betrag ab:


√ √
(−1)n + in |(−1)n + in |

2 2
(3i)n − 2n = |(3i)n − 2n | ≤ ||(3i)n | − |2n || = 3n − 2n

Mit 3n − 2n ≥ 3 · 2n−1 − 2 · 2n−1 = 2n−1 folgt dann


∞ ∞ √ ∞  n
(−1)n + in X √ X √

X
≤ 2 1
(3i)n − 2n

n−1
=2 2 = 2 2.
n=1 n=1
2 n=1
2

Der letzte Schritt folgt aus der Formel für die geometrische Reihe.
(e) Die Reihe konvergiert nach dem Quotientenkriterium, da
(n + 1)2 2n n2 + 2n + 1 1
lim n+1
· 2 = lim = < 1.
n→∞ 2 n n→∞ 2n2 2
(f) Wir argumentieren wieder mit dem Quotientenkriterium. Deniere an (x) = 2n
xn ,

n
dann gilt:
n+1

= lim |x|
an+1 (x) (2n + 2)(2n + 1)
q(x) := lim
= 4|x|.
n→∞ an (x) n→∞ |x|n n(n + 1)
Nach dem Quotientenkriterium konvergiert die Reihe falls q(x) < 1 gilt, d.h. für x ∈
(− 41 , 14 ) und die Reihe divergiert falls q(x) > 1 gilt, d.h. für x ∈ (−∞, − 41 )∪( 14 , ∞). Über
die Konvergenz für die Werte x = ± 41 trit das Quotientenkriterium keine Aussage und
wir müssen separat argumentieren.
Für x = ± 14 bilden die Summanden keine Nullfolge, da
an+1 (± 41 ) 4n2 + 6n + 3

a (± 1 ) = 4n2 + 4n > 1

n 4

gilt und insbesondere |an (± 41 )| > |a1 (± 14 )| = 12 . Folglich kann die Reihe für x = ± 14
nicht konvergieren.