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Analysis I

Prof. D. Salamon HS 2014


MATH, PHYS, CHAB

Musterlösung Serie 10

1. (a) Wir berechnen mit der binomischen Formel


n n   n  
eix + e−ix

1 X n ikx −i(n−k)x 1 X n i(2k−n)x
cosn (x) = = e e = e
2 2n k 2n k
k=0 k=0

n n
 
Da k = n−k gilt, können wir in der letzen Summe die Terme in umgekehrter Rei-
henfolge addieren und erhalten
n   i(2k−n)x n   n  
!
X n e 1 1 X n i(2k−n)x 1 X n i(n−2k)x
= e + n e
k 2n 2 2n k 2 k
k=0 k=0 k=0
n  
1 X n ei(2k−n)x + ei(n−2k)x
= n
2 n=0 k 2
n  
1 X n
= n cos((2k − n)x)
2 k
k=0

Das liefert die Formel


n  
n 1 X n
cos (x) = n cos((2k − n)x)
2 k
k=0

und beweist (i), da cos(mx) = cos(−mx) gilt.


Für (ii) und (iii) gehen wir analog vor und berechnen
n n  
eix − e−ix

1 X n
n
sin (x) = = (−1)n−k eikx e−i(n−k)
2i (2i)n k
k=0
n  
1 X n
= (−1)n−k ei(2k−n)x
(2i)n k
k=0

Falls n gerade ist, ist (2i)n reell und es gilt (−1)n−k = (−1)k . Damit erhalten wir für
gerades n wie oben
n   n   i(2k−n)x
1 X n n−k i(2k−n)x 1 X n n−k e + ei(n−2k)x
(−1) e = (−1)
(2i)n k (2i)n k 2
k=0 k=0
n  
1 X n
= (−1)n−k cos((2k − n)x)
(2i)n k
k=0

und es folgt die Formel


n  
n 1 X n
sin(x) = (−1)n−k cos((2k − n)x)
(2i)n k
k=0

und das beweist (ii).

1
i
Falls n ungerade ist, ist (2i)n reell und es gilt (−1)n−k = −(−1)k . Folglich erhalten wir

n   n   i(2k−n)x
1 X n n−k i(2k−n)x i X n n−k e − ei(n−2k)x
(−1) e = (−1)
(2i)n k (2i)n k 2i
k=0 k=0
n  
i X n
= (−1)n−k sin((2k − n)x).
(2i)n k
k=0

Damit folgt die Formel


n  
i X n
sin(x)n = (−1)n−k sin((2k − n)x)
(2i)n k
k=0

und da sin(−mx) = − sin(mx) gilt, folgt (iii).


(b) Wir zeigen per Induktion cos(nx) = Tn (cos(x)). Für n = 0, 1 ist die Formel offernbar
erfüllt und im Induktionsschritt erhalten wir

Tn+1 (cos(x)) = 2 cos(x)Tn (cos(x)) − Tn−1 (cos(x)) = 2 cos(x) cos(nx) − cos((n − 1)x)

Die Behauptung folgt nun aus der trigonemetrische Identität

cos((n + 1)x) = 2 cos(x) cos(nx) − cos((n − 1)x).

Diese Identität können wir am leichtesten mit der komplexen Darstellung verifizieren:

(eix + e−ix )(einx + e−inx )


2 cos(x) cos(nx) =
2
ei(n+1)x + ei(1−n)x + ei(n−1)x + e−i(n+1)x
=
2
ei(n+1)x + e−i(n+1)x ei(n−1)x + e−i(n−1)x
= +
2 2
= cos((n + 1)x) + cos((n − 1)x)

Wir zeigen nun mit Induktion sin((n + 1)x) = Un (cos(x)) sin(x). Für n = 0 ist die
Identität offenbar erfüllt und für n = 1 ist sie äquivalent zu der trigonometrischen
Identität
sin(2x) = 2 cos(x) sin(x).
Für den Induktionsschritt erhalten wir

Un+1 (cos(x)) sin(x) = 2 cos(x)Un (cos(x)) sin(x) − Un−1 (cos(x)) sin(x)


= 2 cos(x) sin((n + 1)x) − sin(nx)

und die Behauptung ist äquivalent zu der trigonometrischen Identität

sin((n + 2)x) = 2 cos(x) sin((n + 1)x) − sin(nx).

Für n = 0 erhalten wir als Spezialfall die Identität die wir im Induktionsanfang benötigt
haben. Die allgemeine Identität folgt wieder leicht aus der komplexen Darstellung:

(eix + e−ix )(ei(n+1)x − e−i(n+1)x )


2 cos(x) sin((n + 1)x) =
2i
ei(n+2)x − e−i(n+2)x einx − e−inx
= +
2i 2i
= sin((n + 2)x) + sin(nx)

2
(c) Aus Teil (b) folgt für x ∈ [−1, 1] die explizite Formel

Tn (x) = cos(n arccos(x)).


2k+1

Daraus lesen wir direkt ab, dass die Nullstellen bei cos 2n π liegen, die Maxima bei
cos 2k 2k+1
 
n π und die Minima bei cos n π für k ∈ Z.

2. Für x → ± π2 strebt sin(x) gegen ±1 und cos(x) gegen 0. Da ausserdem cos(x) > 0 für
x ∈ − π2 , π2 gilt, erhalten wir

sin(x) sin(x)
lim tan(x) = limπ = −∞, lim tan(x) = limπ =∞
x↓− π
2 x↓− 2 cos(x) x↑ π
2 x↑ 2 cos(x)

Es folgt nun aus dem Zwischenwertsatz, dass tan(x) jede reelle Zahl in dem Intervall − π2 , π2


annimmt und somit surjektiv ist.

3. (a) Wir beweisen die Formel mit vollständiger Induktion. Für n = 1 erhalten wir die
Produktregel
(f g)0 (x) = f 0 (x)g(x) + f (x)g 0 (x).
Der der Induktionsschritt folgt mit
n  
!0
X n (k) (n−k)
(f g)(n+1) = f g
k
k=0
n   n  
X n (k+1) (n−k) X n (k) (n−k+1)
= f g + f g
k k
k=0 k=0
n   n  
X n X n (k) (n−k+1)
= f (n+1) g + f (k) g (n−k+1) + f g + f g (n+1)
k−1 k
k=1 k=1
n    
X n n
= f (n+1) g + + f (k) g (n+1−k) + f g (n+1)
k−1 k
k=1
n  
X n + 1 (k) (n+1−k)
= f g
k
k=0

Im letzten Schritt haben wir die Formel n+1 n


+ nk verwendet. Beachte, dass
  
k = k−1
der Beweis völlig analog zur Herleitung der binomischen Formel ist.
(b) Mit der Formel aus Teil (a) folgt
   
3 2x (2014) 3 2x (2014) 2 2x (2013) 2014 2x (2012) 2014
(x e ) = x (e ) +2014·3x (e ) + 6x(e ) + 6(e2x )(2011)
2 3

Indem wir (e2x )(m) = 2m e2x verwenden, vereinfacht sich die Formel zu
    
3 2x (2014) 3 2 2014 2014
(x e ) = 8x + 12 · 2014x + 12 x+6 22011 e2x
2 3

4. Falls f 0 (a) = γ oder f 0 (b) = γ gilt, können wir c = a bzw. c = b wählen und die Behauptung
folgt sofort.
Andernfalls betrachte g(x) = f (x) − γx mit g 0 (a) = f 0 (a) − γ und g 0 (b) = f 0 (b) − γ. Dann
gilt entweder g 0 (a) < 0 < g 0 (b) oder g 0 (a) > 0 > g 0 (b). Wir wollen zeigen, dass g ein
Extremum in einem Punkt c ∈ (a, b) besitzt, sodass g 0 (c) = 0 gilt. Hieraus folgt dann sofort
die Behauptung mit f 0 (c) = g 0 (c) + γ = γ.

3
Beachte, dass wir die Existenz eines Extremums c ∈ (a, b) nicht aus dem Zwischenwertsatz
folgern können, da wir nicht voraussetzen, dass f 0 stetig ist. Wir argumentieren statt dessen
indirekt und nehmen an, dass g kein Extremum besitzt. Dann ist g eine monotone Funktion,
denn falls g(x) = g(y) für x < y gilt, folgt aus dem Satz von Rolle (bzw. dem Mittelwertsatz),
dass ein z ∈ (x, y) mit g 0 (z) = 0 existiert. Falls g monoton steigend (bzw. fallend) ist, folgt
 
g(x) − g(y) g(x) − g(y)
≥ 0, bzw. ≤0
x−y x−y

für alle x, y ∈ [a, b]. Wenn wir den Limes für y → x betrachten, folgt g 0 (x) ≤ 0 (bzw.
g 0 (x) ≥ 0) für alle x ∈ [a, b]. Beide Fälle wiedersprechen aber der Annahme, dass g 0 (a) und
g 0 (b) verschiedene Vorzeichen haben. Also kann g nicht monoton sein und nimmt folglich ein
Extremum an.

5. (a) Das Legendre Polynom


1 (n)
Pn (x) := (x2 − 1)n
2n n!
ist die n-te Ableitung eines Polynoms vom Grad 2n. Folglich ist Pn ein Polynom vom
Grad n.
Um die Aussage über die Nullstellen zu beweisen, definieren wir für k ∈ {0, . . . , n − 1}
(k)
fk (x) := (x2 − 1)n .

Wir behaupten zunächst, dass fk (−1) = 0 = fk (1) gilt. Das ist intuitiv klar, da k
Ableitungen höchstens k Faktoren aus dem Produkt (x2 − 1)n treffen können. Formal
zeigen wir, dass Polynome hk (x) existieren, sodass

fk (x) = (x2 − 1)n−k hk (x)

gilt. Für k = 0 ist die Behauptung trivial und mit h0 = 1 erfüllt. Für allgemeines k
erhalten wir induktiv
0
fk+1 (x) = fk0 (x) = (x2 − 1)n−k hk (x)
= (n − k)(x2 − 1)n−k−1 (2x)hk (x) + (x2 − 1)n−k h0k (x)
= (1 − x2 )n−(k+1) 2x(n − k)hk (x) + (x2 − 1)h0k (x) .


Das heisst, die Behauptung ist erfüllt, wenn wir induktiv

hk+1 (x) = 2x(n − k)hk (x) + (x2 − 1)h0k (x), h0 (x) = 1

definieren.
Wir zeigen nun, dass fk mindestens k + 2 Nullstellen und k + 1 Extrema in (−1, 1)
besitzt. Für k = 0 gilt f0 (−1) = 0 = f (1) und nach dem Satz von Rolle existiert
ein Extremum ξ ∈ (−1, 1) mit f00 (ξ) = 0. Für den Induktionsschritt, nehmen wir an,
dass fk mindestens k + 1 Extremalstellen ξ1 , . . . , ξk+1 ∈ (−1, 1) besitzt. Dann folgt
insbesondere fk+1 (ξi ) = fk0 (ξi ) = 0 und nach der Behauptung oben gilt zusätzlich
fk+1 (−1) = 0 = fk+1 (1) und somit besitzt fk+1 mindestens k +3 Nullstellen. Nach dem
Satz von Rolle finden wir zwischen je zwei benachbarten Nullstellen eine Extremalstelle
und folglich besitzt fk+1 mindestens k + 2 Extremalstellen.
Insbesondere haben wir gezeigt, dass fn−1 mindestens n Extremalstellen hat und folg-
0
lich besitzt fn = fn−1 mindestens n Nullstellen. Da

1 1 (n)
Pn (x) = fn (x) = (1 − x2 )n
2n n! 2n n!
ein Polynom vom Grad n ist, besitzt Pn folglich n verschiedene Nullstellen in (−1, 1).

4
(b) Ableiten von p(x) := (x2 − 1)n liefert

p0 (x) = 2xn(x2 − 1)n−1

und folglich ist f (x) = (x2 − 1)p0 (x) = 2nxp(x) wohldefiniert. Wir berechnen mit der
Leibnizformel aus Aufgabe 3 (a):
(n+1)
f (n+1) (x) = (x2 − 1)p0 (x) = (x2 − 1)p(n+2) + (n + 1)2xp(n+1) + (n + 1)np(n)
(n+1)
f (n+1) (x) = (2nxp(x)) = 2nxp(n+1) + (n + 1)2np(n)

Die Differenz der beiden Gleichungen liefert

(x2 − 1)p(n+2) + xp(n+1) (x) − n(n + 1)p(n) (x) = 0.

Da
1
P (x) = p(n) (x)
2n n!
gilt ist die obige Gleichung nach Multiplikation mit −(2n n!)−1 äquivalent zu

(1 − x2 )P 00 (x) − xP 0 (x) + n(n + 1)P (x) = 0.

6. Aus der Stetigkeit von log(x) und arctan(x) folgt


1
lim f (x) = log(1) + arctan(0) = 0
x→−∞ 2

und, da f (x) ≥ log(e2x ) = 2x gilt, strebt f (x) gegen +∞ für x → ∞.


Die erste Ableitung ist gegeben durch

1 2e2x ex e2x + ex
f 0 (x) = · + = .
2 1 + e2x 1 + (ex )2 1 + e2x

Insbesondere sehen wir, dass f 0 (x) > 0 für alle x gilt. Damit ist f streng monoton wachsend
und besitzt keine Extremalstellen.
Die zweite Ableitung ergibt sich mit der Quotientenregel als

(2e2x + ex )(1 + e2x ) − 2e2x (e2x + ex ) ex


f 00 (x) = = (1 + 2ex − e2x )
(1 + e2x )2 (1 + e2x )2

Das Vorzeichen von f 00 (x) ist bestimmt durch den Ausdruck (1 + 2ex − e2x ) = q(ex ), wobei
q(x) = −x2 + 2x + 1. Die Nullstellen von q sind gegeben durch

−2 ± 8 √
=1∓ 2
−2
√ √
und
√ somit √ is q(x) in dem Intervall (1 − 2, 1 + 2) positiv und in dem Komplement R\[1 −
2, 1 + 2] negativ. Damit folgern wir,

f 00 (x) < 0 ⇔ q(ex ) < 0 ⇔ x > log( 2 + 1)

f 00 (x) > 0 ⇔ q(ex ) > 0 ⇔ x < log( 2 + 1).
√ √
√ f ist auf (−∞, log(1 + 2)] konvex, auf [log(1 + 2), ∞) konkav und besitzt
Das bedeutet,
in log(1 + 2) einen Wendepunkt.

5
7. (a) Für t 6= 0 können wir f mit der Kettenregel ableiten und erhalten
       
0 1 2 1 −1 1 1
f (t) = 1 + 4t sin + 2t cos = 1 + 4t sin − 2 cos
t t t2 t t

In t = 0 berechnen wir die Ableitung direkt mit dem Differenzialquotienten


  
f (t) − f (0) 1
f 0 (0) = lim = lim 1 + 2t sin = 1.
t→0 t−0 t→0 t

Der Grenzwert folgt, da |t sin 1t | ≤ |t| gegen 0 konvergiert. Also gilt




(
1 + 4t sin 1t − 2 cos 1t
 
0 t 6= 0
f (t) = .
1 t=0

(b) Aus | sin(x)| ≤ 1 und | cos(x)| ≤ 1 erhalten wir für t ∈ (−1, 1) die Abschätzung

|f 0 (t)| ≤ 1 + 4|t| + 2 ≤ 7

und somit ist f 0 beschränkt. Andererseits ist f 0 unstetig in 0. Wir zeigen dies mit dem
1
Folgenkriterium und betrachten die Folge tk = 2πk , welche gegen 0 konvergiert. Dann
gilt f (tk ) = −1 für alle k und folglich kann f (tk ) nicht gegen f 0 (0) = 1 konvergieren.
0 0

(c) Wir haben bereits in (a) gesehen, dass f 0 (0) = 1 gilt. In (b) haben wir eine Folge
tk → 0 angegeben für die f 0 (tk ) = −1 < 0 gilt. Betrachte nun zusätzlich die Folge
1
t̃k := (2k+1)π . Die Folge t̃k konvergiert ebenfalls gegen 0 und erfüllt f 0 (t̃k ) = 3. Wir
sehen also, dass f 0 in jedem (beliebig kleinen) Intervall (−, ) positive und negative
Werte annimmt. Insbesondere kann f auf keinem solchen Intervall monoton sein (vgl.
die Lösung zu Aufgabe 4).