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MODALVERBEN DER SUBJEKTIVEN AUSSAGE

Vorbemerkung: Die Modalverben zur subjektiven Aussage werden meistens im


Präsens gebraucht. Bei subjektiven Aussagen über ein Geschehen in
der Vergangenheit gegbraucht man den Infinitiv Perfekt. bei einer
Aussage über ein Geschehen in der Vergangenheit gibt es formale
Unterschiede zwischen der objektiven und der subjektiven Aussage.
(Vor 300 Jahren sollen Soldaten das Schloss völlig zerstört haben.
Vor 300 Jahren soll das Schloss völlig zerstört worden sein.)

DÜRFEN: (nur im Konjunktiv II.)


Das dürfte stimmen / gestimmt haben.

Bedeutung: vorsichtig geäußerte Vermutung, ca. 80%-ige Gewissheit

Umschreibungen: Wahrscheinlich, vermutlich stimmt das.


Ich bin mir ziemlich sicher, dass das stimmt.
Ich nehme an, ...
Viele Anzeichen sprechen dafür, ...

KÖNNEN:
Er kann Recht haben / gehabt haben.
Das könnte ein Versehen sein / gewesen sein.

Bedeutung: eine vermutete Möglichkeit unter weiteren denkbaren Möglichkeiten,


ca. 50%-ige Gewissheit.
Der Konjunktiv II. schwächt die Gewissheit etwas ab.

Umschreibungen: Er hat vielleicht / möglicherweise Recht.


Es ist möglich / denkbar / nicht ausgeschlossen, dass er Recht hat.

Negation: Er kann nicht Recht haben / gehabt haben. (Er muss Unrecht haben.) –
eine vermutete Möglichkeit wird mit fast100%-iger Gewissheit
ausgeschlossen.

MÖGEN:
a) Sie mögen Recht haben / gehabt haben, aber das interessiert niemanden.
Er mag ein guter Ingenieur sein, doch von Kindererziehung versteht er nichts.

Bedeutung: Vermutung, zeigt Sicherheit oder Unsicherheit von 50% zu 50%,


wobei es gleichgültig ist, ob etwas so oder anders ist.

Umschreibung: Obwohl Sie vielleicht Recht haben, interessiert das niemanden.


b) Sie mag noch so schwierig sein, ich komme gut mit ihr aus.

Bedeutung: Unzureichender Gegengrund, gefolgt von einem Satz, der einen


Gegensatz ausdrückt.
Umschreibung: Selbst wenn sich noch so schwierig ist, ich komme gut mit ihr aus.

c) Wie mag der Einbrecher wohl in die Bank gekommen sein?


Wie mag es ihm jetzt wohl gehen?

Bedeutung: Unsicherheit, Ratlosigkeit (nur in Fragen) oder besorgte Frage.

Umschreibung: Wer weiß, wie der Einbrecher in die Bank gekommen ist.
Ich wüsste gern, wie es ihm jetzt geht.

MÜSSEN:
a) Sie muss übertreiben / übertrieben haben.
Sie müsste eigentlich informiert sein / informiert gewesen sein.

Bedeutung: Logische Schlussfolgerung, starke Vermutung aufgrund objektiver


Gegebenheiten, fast 100%-ige Gewissheit.
Der Konjunktiv II schwächt diese Gewissheit etwas ab.

Umschreibung: Bestimmt / Sicher / Gewiss / Zweifellos übertreibt sie.


Mit Sicherheit / Auf jeden Fall / Ohne Zweifel übertreibt sie.
Ich bin überzeugt / mir sicher, dass sie übertreibt.
Alle Anzeichen sprechen dafür, dass sie übertreibt.

Negation: Sie muss nicht übertreiben / übertrieben haben. (Es ist zweifelhaft, ich
bin mir nicht sicher, ob sie übertreibt.) – Unsicherheit, Zweifel, ca.
50%-ige Gewissheit, es bleibt offen, ob der vermutete Sachverhalt
zutrifft.

b) Ursula müsste sich bald anmelden (, sonst bekommt sie keinen Platz mehr)

Bedeutung: Empfehlung, Rat

Umschreibung: Ich würde Ursula raten / empfehlen, dass sie sich bald anmelden.
Es wäre ratsam, dass sich Ursula bald anmeldet.

SOLLEN:
a) Der Händler soll einen Unfall verursacht haben.
Die Renten sollen erhöht werden.

Bedeutung: Weitergabe einer Information, ein Sprecher gibt wieder, was jemand
von einer anderen Person oder einem Sachverhalt behauptet (hat). Seine
Skepsis gegenüber der Äußerung kann er mit dem Modalverb sollen
zum Ausdurck bringen. Auf diese Weise deutet er an, dass die Aussage
ein Gerücht ist, und dass er nicht sicher ist, ob die Behauptung stimmt.
Umschreibung: Man sagt / erzählt sich , dass der Händler einen Unfall verursacht hat.
Ich habe gehört / gelesen / erfahren, dass der Händler ...
Es wird behauptet, dass der Händler ...
Es geht ein Gerücht, dass der Händler ...

b) Sollte sie sich getäuscht haben?

Bedeutung: zweifelnde Frage

Umschreibung: Ist es möglich / denkbar / vorstellbar, dass sie sich getäuscht hat?
Kann / Könnte es sein, dass sie sich getäuscht hat?

WOLLEN:
a) Der Schauspieler Lorenzo Bello will schon immer viele Bewunderer gehabt haben.
Der Angeklagte will die Zeugin nie gesehen haben.

Bedeutung: Eine unbewiesene Behauptung – jemand sagt etwas über sich selbst,
er kann es nicht beweisen, wir zweifeln an die Richtigkeit der Aussage.

Umschreibung: Der Schauspieler behauptet / sagt von sich / versichert, dass er schon
immer viele Bewunderer hatte.

b) Diese Pflanze will einen schattigen Platz haben.

Bedeutung: Notwendigkeit

Umschreibung: Diese Pflanze braucht einen schattigen Platz.


Diese Pflanze muss einen schattigen Platz haben

Ü1: Sagen Sie es anders, verwenden Sie dabei Modalverben der subjektiven Aussage:

1. Ich habe gehört, das Auto ist schon verkauft.


2. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er beim Autounfallverunglückt wurde.
3. Er sagt, dass er ist zur Party eingeladen.
4. Wir haben gelesen, dass der Dieb verhört wurde.
5. Er behauptet, er wurde vor dieser Gefahr nicht gewarnt.
6. Seine Kollegen sagen, er war in dieser Zeit schon längst vor Gefahr gewarnt.
Ü2: Die Modalverben müssen, dürfen, können, mögen, sollen, wollen (im Indikativ oder
Konjunktiv II) können auch zur subjektiven Aussage dienen und die Beziehung des
Sprechers zum Satz ausdrücken. Welcher Satz ist jeweils inhaltlich synonym mit den
Beispielsätzen? Es können auch mehrere Möglichkeiten korrekt sein.

1. Wahrscheinlich ist der Bus in zehn Minuten hier.


(A) Der Bus müsste in zehn Minuten hier sein.
(B) Der Bus könnte in zehn Minuten hier sein.
(C) Der Bus mag in zehn Minuten hier sein.
(D) Der Bus muss in zehn Minuten hier sein.

2. Er wohnt sicher hier irgendwo.


(A) Er mag hier irgendwo wohnen.
(B) Er will hier irgendwo wohnen.
(C) Er kann hier irgendwo wohnen.
(D) Er muss hier irgendwo wohnen.

3. Der Angeklagte behauptet, dass er zur Tatzeit nicht am Tatort war.


(A) Der Angeklagte dürfte zur Tatzeit nicht am Tatort gewesen sein.
(B) Der Angeklagte müsste zur Tatzeit nicht am Tatort gewesen sein.
(C) Der Angeklagte will zur Tatzeit nicht am Tatort gewesen sein.
(D) Der Angeklagte soll zur Tatzeit nicht am Tatort gewesen sein.

4. Man sagt, der neue Chef sei ein Choleriker.


(A) Der neue Chef könnte ein Choleriker sein.
(B) Der neue Chef dürfte ein Choleriker sein.
(C) Der neue Chef muss ein Choleriker sein.
(D) Der neue Chef soll ein Choleriker sein.

5. Es ist möglich, dass er gute Argumente für sein Verhalten hat.


(A) Er könnte gute Argumente für sein Verhalten haben.
(B) Er müsste gute Argumente für sein Verhalten haben.
(C) Er will gute Argumente für sein Verhalten haben.
(D) Er mag gute Argumente für sein Verhalten haben.

6. Was denken Sie, wie alt ist die Schauspielerin wohl?


(A) Was denken Sie, wie alt müsste die Schauspielerin sein?
(B) Was denken Sie, wie alt soll die Schauspielerin sein?
(C) Was denken Sie, wie alt will die Schauspielerin sein?
(D) Was denken Sie, wie alt mag die Schauspielerin sein?

7. Es wird gesagt, dass die Regierung neue Steuern einführen will.


(A) Die Regierung müsste neue Steuern einführen wollen.
(B) Die Regierung soll neue Steuern einführen wollen.
(C) Die Regierung könnte neue Steuern einführen wollen.
(D) Die Regierung mag neue Steuern einführen wollen

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