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Sehr geehrter Herr Bundespräsident !

Pfunds, am 22.8.o8

Es geht um das „Gemeinschafts-Kraftwerk am Oberen Inn“ kurz: GKI

Ich frage mich, sehr geehrter Herr Bundespräsident, wie Sie dazu kommen, die Ausplünderung unseres Lebensraumes „ Oberes Gricht,“ von Prutz bis Martina, oberhalb der Schweizer Grenze, zu sanktionieren, also die Hinrichtung der Schönheit unseres Lebensraumes, die Hinrichtung unserer klimatischen und gesundheitlichen Lebensqualität, die Hinrichtung unserer Wirtschaftsgrundlage, unserer Betriebe und unserer Arbeitsplätze `?!

Ich kann mir das nur so erklären, daß man Sie mit dem neu „angekauften „ Gutachten hinters Licht geführt hat, wie man es mit uns immer wieder versucht.

Vor etwa 2o Jahren ist das erste Gutachten in dieser Sache – „Innableitung durch den Berg, von Martina bis Prutz, erstellt worden In diesem Gutachten hat es sinngemäß geheißen:

„Der Inn wird immerhin noch den Anschein eines Fließgewässers haben.

„Die Luftfeuchtigkeit wird verschwinden, weil dem Fluß die Masse, die

Geschwindigkeit und die Turbulenz fehlen.“

„Die Ufergehölze, als Speicher der Luftfeuchtigkeit, werden absterben.“

„Die 1o- jährige Bauzeit wird der Gesundheit der Menschen und dem Fremdenverkhr nicht dienlich sein !“

Von einer drohenden Klima-Erwärmung, vom Verschwinden der Gletscher, von einer Austrocknung der Berge, war damals noch keine Rede !

Auch keine Rede davon, daß unser „Oberes Gricht“, von Landeck bis Martina (Schweiz), mit 633 mm Niederschlag, das trockenste, niederschlagsärmste Gebiet unseres Landes ist.

Keine Rede davon, daß wir bereits 3 überaus potente und fischreiche Bäche für die Energiegewinnung abgegeben haben und damit Wasser- Hauptlieferant für den Kaunertaler Stausee sind.

Wir, die Betroffenen, haben damals mit Unterschrift zu 9o% gegen das Vorhaben gestimmt.

Darauf hin haben die Kraftwerksbauer für viel Geld ein Neues Gutachten „erkauft“ Ein Gutachten, das alle Besorgnisse und Befürchtungen des ersten Gutachtens so verniedlicht oder überhaupt nicht erwähnt, daß man dem Vorhaben kaum mehr etwas entgegensetzen kann.- Fragt sich nur, ob die Wissenschaftler des ersten Gutachtens Idioten waren, oder die, die das neue erstellt haben, gekaufte,gewissenlose Schreiberlinge

Inzwischen ist es vor etwa 1o Jahren zum Schwellbetrieb der Engadiner Kraftwerke gekommen. Der Inn wird stundenweise zurück gehalten, um dann als 2o-facher Wasserschwall abgelassen zu werden. Die Folge ist, daß in diesen 1o Jahren der 25 km lange , gesunde, fischreiche Fluß zutode kastriert wurde. Laich der Fische und Futtertierchen vertrocknen in der Sonne oder werden vom Schwall fortgeschwemmt, so daß es im Inn keinen Fisch mehr gibt, wenn man ihn nicht einsetzt ! Nicht genug damit, mit ihren Totenkopftafeln hat man uns auch , ohne ein Wort darüber zu verlieren oder gar eine Entschädigung zu bezahlen, den Erholungsraum, den Bächen und dem Fluß entlang, einfach enteignet ! Dieses Verbrechen an unserem Lebensraum ist ohne Zweifel im Einvernehmen mit unserer Landesregierung vor sich gegangen, in Voraussicht, daß man uns in ein paar Jahren, also heute, mit dem allseits verhaßten Schwellbetrieb erpressen kann. So will man uns heute einreden, daß sehr wenig Restwasser immerhin besser sei, als der Wasserschwall !

Nun steht im neuen Gutachten unter anderem, daß jedes Jahr 12o.ooo m3 (hunderzwanzigtausend !) Dreck auf dieses Rinnsal entsorgt werden. Man kann sich vorstellen, daß unser heutiger Fluß, der im wahrsten Sinn die Lebensader, die Seele unseres Lebensraumes ist, in kürzester Zeit zur absolut toten, stinkenden Dreckrinne verkommt, in der nicht einmal mehr ein Fisch existieren kann, den man einsetzt ! Eine Dreckrinne, die jeden Gast erschrecken und abstoßen, statt anziehen wird.

Der Gipfel der Unverschämtheit scheint mir , wenn es da im neuen Gutachten heißt, den Obergrichtlern könne man all die zu erwartenden

Nachteile wohl zumuten, wenn man bedenkt, daß dafür anderswo ein Kohlekraftwerk erspart bleibt !

Wir alle leben hier vom Fremdenverkehr und dieser lebt vor allem von der Schönheit unseres Tales mit dem Inn als unverzichtbarem Bestandteil und vom überaus bekömmlichen Klima. Wir alle befürchten, daß mit diesem Vorhaben, mit der Ableitung des Inn durch den Berg, unser Tal, selbst ohne der Klimaerwärmung, endgültig austrocknen, für Fremdenverkehr und Landwirtschaft, also für unser Verbleiben im Tal, verloren gehen wird.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, machen Sie sich bitte die Mühe über diese Sache nachzudenken, um mit uns diese kapitalistische Rücksichtslosigkeit zu verhindern !

Rudolf Permann. 6542 Pfunds 29

Mit vorzüglicher Hochachtung

Tirol ohne Maulkorb www Permann Dr AG