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rtstote es

Reclam
l •

Aristoteles

Übersetzt und kommentiert


von Tim Wagner und Christof Rapp
I

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I". •

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(
Philipp Reclam jun. Stuttgart


Griechischer Originaltitel:
Vorwort
TOIIIKH

Die Topik wurde lange Zeit weit weniger intensiv rezipiert


als die anderen unter dem Titel »Organon« zusammenge­
fassten Schriften des Aristoteles. Sie galt als ebenso
schwieriger wie unergiebiger Text, zu großen Teilen eher
einem Zettelkasten vergleichbar als einer philosophischen
Abhandlung. Diese Einschätzung ist in den letzten Jahr­
zehnten einer differenzierteren Sicht gewichen. Die Frage
nach der aristotelischen Konzeption der Dialektik, ihren
logischen und semantischen Grundlagen und ihrer philo­

sophischen Verwendbarkeit bildet mittlerweile einen lnter­
essenschwerpunkt der Aristotelesforschung.
Die vorliegende Studienausgabe will eine verlässliche
Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Topik bie­
ten. Die Übers etzung ist bemüht, den griechischen Text
möglichst genau wiederzugeben, auch wenn dies gelegent­
lich mit gewissen Härten im Deutschen verbunden ist. Er­
gänzungen, die das Verständnis erleichtern sollen, stehen
in runden Klammern. Die Übersetzung der Bücher I bis
IV folgt der Textausgabe von Jacques Brunschwig ( 1 967),
die Bücher V bis VIII sind nach der Ausgabe von W. D.
Ross (1958) übersetzt. Die in eckigen Klammern eingefüg­
ten Seiten-, Spalten- und Zeilenangaben beziehen sich auf
RECLA MS UNIVERSA L-BIBLIOTHEK Nr. 18337 die Paginierung der Edition von lmmanuel Bekker, nach
Alle Rechte vorbehalten der Aristoteles üblicherweise zitiert wird. Auf Werke des
© 2004 Philipp Reclam jun . GmbH & Co ., Stuttgart
Aristoteles wird mit Abkürzungen ihrer lateinischen Titel
Gesamtherstellung: Reclam, Ditzingen. Printed in Germany 200 4
RECLAM, UNIVERSAL-BIBLIOTHEK und
verwiesen . Es werden folgende Abkürzungen verwendet:
RECLAM S UNIVERSA L-BIBLIOTHEK sind eingetragene Marken
der Philipp Reclam jun . Gm bH & Co ., Stuttgart APo. Anal ytica posteriora Zweite Analytik
ISBN 3-1 5-018337-5. APr. Anal ytica priora Erste Analytik
Cat. Categoriae Kategorienschrift
www.reclam.de ( De int. De interpretatione IlcQL EQ�flvcta� I Peri
Hermeneias
EE Ethica Eudemica Eudemische Ethik

I
6 Vorwort

EN Ethica Nicomachea Nikomachische Ethik Einleitung


Met. Metaphysica Metaphysik
Rhet. Ars rhetorica Rhetorik
Soph. el. Sophistici elenchi Sophistische 1. Absicht und Aufbau der Schrift
Widerlegungen
Top. Topica _Topik . Die Schrift Topik entfaltet die aristotelische Theorie der
dialektischen Argumentation. >Dialektisch< sind Schlüsse
Verweise auf Textausgaben, Kommentare und For­ und Argumente für Aristoteles dann, wenn sie nicht von
schungsliteratur werden nach dem Muster >Autor, Jahres­ gesicherten oder evidenten Prämissen, sondern von Sätzen
zahl, Seitenzahl< vorgenommen. Ein Literaturverzeichnis ausgehen, die nur anerkannte Meinungen (evöo�a, endo­
befindet sich am Ende der Einleitung. xa) sind. Zumindest in der Topik setzt Aristoteles offenbar
Die knapp gehaltene Kommentierung soll die Lektüre voraus, dass die dialektische Argumentation als eine kon­
des Textes erleichtern, einen vollständigen Kommentar des troverse Disputation vonstatten geht, bei der die Kontra­
Werkes kann sie natürlich nicht ersetzen. Aus Platzgrün­ henten entgegengesetzte Auffassungen vertreten. Einer
den wurde das Hauptgewicht der Kommentierung auf die der Kontrahenten übernimmt die Rolle des Angreifers,
am intensi v:�ten rezipierten Bücher I, II und VIII gelegt. der die Auffassung zu widerlegen versucht, die der andere
Für die Ubersetzung der Bücher IV und V hat Tobias vorgebracht hat. Diesem wiederum fällt die Rolle eines
Krohmer wichtige Vorarbeiten geleistet. Für die Unter­ Verteidigers zu, dessen Ziel es ist, seine Auffassung wider-
stützung bei der Fertigstellung des Manuskripts danken spruchsfrei zu vertreten.
.
wir Philipp Brüllmann, Katja Flügel, Jakub Krajczynski Das Besondere an der dialektischen Argumentations­
und Ursula Rehs. Der Robert-Bosch-Stiftung sind wir für methode ist ihre Universalität; mit ihrer Hilfe können Ar­
die großzügige Unterstützung des Projekts zu Dank ver- gumente zu jeder beliebigen Frage gebildet werden, ohne
pflichtet. dass man Fachkenntnisse in der betreffenden Disziplin be­
·

sitzen müsste . Die Dialektik lehrt, wie einerseits beliebige


Berlin, im Dezember 2003 Tim Wagner, Christo[ Rapp Thesen anzugreifen und zu widerlegen sind und wie ande­

rerseits beliebige Thesen gegen solche Angriffe verteidigt


werden können. Der erste Satz, das Programm der Topik,
lautet daher: »Die Abhandlung beabsichtigt, ein Verfahren
zu finden, aufgrund dessen wir in der Lage sein werden,
über jedes vorgelegte Problem aus anerkannten Meinun­
gen zu deduzieren, und, wenn wir selbst ein Argument
vertreten, nichts Widersprüchliches zu sagen.« (Top. 100a
( 18-21)
Das hier in Aussicht gestellte Verfahren ermöglicht es
den Disputanten nicht nur, zu Problemen aller möglichen
Wissensgebiete Argumente zu bilden, sondern auch, zu ei-
\


,
8 Einleitung Einleitung 9

nem bestimmten Problem verschiedene und sogar konträ­ men der Schrift nicht auf Logik im engeren Sinn begrenzt
re Positionen einzunehmen und möglichst konsistent zu sind sondern zum Beispiel eine Theorie des richtigen De­
vertreten. Eine Argumentationsanleitung, die diesem Uni­ fini:rens und eine Theorie der verschiedenen Prädikati-
versalitätsanspruch genügen soll, kann sich natürlich nicht onstypen umfassen. .
inhaltlich mit allen möglichen Wissensgebieten und allen Die dialektischen Argumente s1nd Schlusse, m1t denen
.
. .

dazu vertretbaren Ansichten auseinandersetzen . Schon ein Gegner gezwungen werden kann, einer Konklusion
aufgrund des Programms der Schrift ist daher zu erwar­ zu zu sti mm en , fal ls er ge eig ne te Pr äm iss en zu ge sta nd en
ten, dass sie die vorgelegten Probleme anhand formaler hat. Ein sol ch es Ar gu me nt, be i de m, we nn b .est im mt e Pr � ­
Kriterien analysiert und entsprechend die Konstruktion missen angenommen wurden, eine Konklus10n notwendi­
von jeweils passenden Argumenten in formaler Hinsicht gerweise aus den vora�sgesetzt�n �rämissen fo�gt, ?ennt
anleitet. Und tatsächlich lehrt die Topik nicht, was man er­ Arist ote les au A.A. oy LOf.-t O� (sy llo gzs mo s), wa s ma n 1n d1e sem
widern soll, wenn etwa jemand die Lust als Übel bezeich­ Zusammenhang am ehesten als >Deduktion� oder >dedu�­
net oder die Seele als Zahl definiert. Vielmehr ist sie daran tives Argument< übersetzen kann. Der B.egr1ff des syllog�s­
interessiert, welche formalen Kriterien zum Beispiel eine m6 s ste ht au ch im M itt elp un kt de r Se hr 1ft Er ste An aly tzk ,
Definition erfüllen muss und wie man jemanden widerle­ in de r Ar ist ote les die ers te fo rm all og isc he Sp rac he in de r
gen kann, der eine formal unzureichende Definition auf­ Geschichte der Philosophie entwickelt, die so genannte

stellt . Bei spezifischen Aussagen untersucht sie, ob es all­ Syllogistik. Während es aber in der Ersten Analyt� k ut?
gemeinere Sätze gibt, die der aufgestellten Behauptung ein e Th eo rie de s log isc h gü ltig en Sc hlu sse s geh t, 1st d1e
widersprechen, und bei allgemeinen Behauptungen unter­ Topik in erster Linie der An:wenduJ:?-g solcher s.chlüsse,
sucht sie umgekehrt, ob das allgemein Behauptete auch d. h. der Argumentationspraxts, g�wtdmet. Das 1�t auc?
auf alle spezifischen Fälle zutrifft, usw. der Grund, warum die beiden Schriften, obwohl s1ch bel­
>Formal< ist ein solches Verfahren ins ofern zu nennen de mit Lo gik be fas sen , ga nz un ter sch ied lic he lnt er � sse n
als es keine Aussagen darüber trifft, welches konkrete Ar� verfolgen: In der Ersten (l nalytik geht es da�I? zu ze1g�n,
gument zu welcher konkreten These passt, sondern dar­ welche gemeinsame logtsehe Form allen gulttgen Schlus­
über, ob eine Konklusion eines bestimmten allgemeinen sen zu gru nd e lie gt, wä hr en d die To pik mö gli ch st vie le ve � ­
Typs aus Prämissen eines bestimmten anderen allgemeinen schiedene Anleitungen und Schemata zusammenstellt, m1t
Typs gewonnen werden kann. Die allgemeinen Typen, un­ deren Hilfe ein gültiger Schluss zu einer jewe�ls ang�streb­
ter denen dabei die Konklusionen und Prämissen zusam­ ten Ko nk lus ion ko nst rui ert we rd en ka nn . D1 e Seh r1ft To ­
mengefasst werden, sind sehr unterschiedlicher Natur: hr ere hu nd ert sol ch er An � eit un ge n z r

pik en thä lt me �
Manchmal handelt es sich um genuin logische Verhältnisse Konstruktion dialektischer Schlüsse. Eine einzelne Anlei­
wie Kontradiktionen, lmplikationen oder die klassenlogi­ tung oder ein einzelnes Schema dieser Art heißt auf �rie­
sche Unterordnung von Arten unter eine allgemefnere chisc h 'tO :rto � (t6 po s, wö rtl ich >O rt, Pla tz< ). Vo n d1e sem
Gattung, manchmal handelt es sich aber auch nur um Ausdruck leitet sich auch der Titel der Schrift her.
�prachliche Abhängigkeitsverhältnisse oder um sachliche Der Topos ist das zentrale lnstrumen� für das von Ari�­
Ahnlichkeiten. Aus diesem Grund erfährt man in der To­ toteles in Aussicht gestellte Argumentat1onsverfahren; I?1t
pik einiges über ,Aristoteles' Logik, wenngleich die The- seiner Hilfe können die jeweils angestrebten Konklus1o-

11
10 Einleitung Einleitung

o n d e r G a tt u n g , B u c h V a u f d ie R e la ti o n d e r
nen al! f verschiedene Argumentationsmöglichkeiten hin die R e la ti e r V I u n d V I I
analysie�t und solche Prämissen aufgespürt werden, aus eigentüm li c h e n E ig e n s c ha ft u n d d ie B ü c h
fi n it io n ; B u c h I I I b e h a n d e lt T o p e n � e s V e r ­
denen die angestrebte Konklusion folgt. Neben solchen auf die De z u n g z u m A k z 1d e n s a n
Topen enthält das dialektische Argumentationsverfahren gleichs u n d s c h li e ß t s ic h a ls E r g ä n
aber noch andere wichtige Momente: Wenn zum Beispiel B u c h I I an.
f�ststeht, aus wel.chen Prämissen eine angestrebte Konklu­
sion !olg�, dann Ist noch nichts darüber gesagt, ob es sich
dabei u:n eine anerkannte Meinung handelt . Ein Kontra­
hent wir? aber nur anerk annten Meinungen zustimmen. 2. D ialektik
Deshalb Ist es für den Dialektiker nützlich sich nicht nur
m�t der logischen Seite des Argumentieren;, sondern auch b e me r k t
mit der Auswahl geeigneter Prämissen zu befassen; Aris­ Am E n d e der Schrift Sophistische W id e r le g u n g e n
v o r a n s te h e n ­
Aristoteles n ic h t o h n e S to lz , d a s s e r in d e n
toteles empfiehl� dem Dialektiker deswegen, sich Listen n a u c h d ie � g e h ? r t) d ie
ane���nnter Me�nungen - auch unter Verwendung ein­ d e n Au s f ü h r u n g e n (z u d e n e T o p i
r ie d e r d ia le k ti s c h e n A r g u rn e n ta u o n m e d e r g e ­
schlagiger Fachliteratur - zusammenzustellen. Schließlich erste Theo � e r E r s te , d e r e in m e ­
muss sich de.r Dial �ktik�r auch überlegen, ob es an jeder legt hab e . I n d e r T � t is t A r is t � te le s �
A u fa rb e itu n g d e s d ia le k ti s c h e n A r g u m e n ti e r e n s
Stelle der Disputation sinnvoll ist, alle Voraussetzungen thodische ti s c h e n G e s p r ä c h � f ü h ­
offen zu legen, oder ob er die Zustimmung des Gegners geleiste t h a t; d ie P r a x is d e r d ia le k .
a b e r m in d e s te n s a u f d ie s o k r a u s c h - p la to m s c h e
e�er erhalten kann, wenn er einige Prämissen zunächst rung g e h t
einmal zurückhält oder durch andere Schlüsse einführt. Philosophie zurück.
. Die u? s erhaltene Schrif� !opik umfasst insgesamt acht
_
Einzelbucher. Manche Editionen führen die thematisch
eng an die Top_i k anknüpfende Schrift Sophistische Wider­ Dialektik vor Aristoteles
legungen als e�n neuntes Buch der Topik . Die Bücher II le a a ls E r fi n d e r d e r
m a l Z e n o n v o n E

.
bis VII der aristotelischen Topik sind fast ausschließlich Aristotele s s o ll e in h d ie
ti k b e z e ic h n e t h a b e n .1 D ie s e r w o ll te a n g e b li c
der Auflistung von Topen gewidmet. Buch I führt die D ialek s g e g e n s o lc h e K r it ik e r
Grundbegriffe de� dialektischen Argumentation ein, wäh- Thesen s e in e s L e h r e r s P a r m e n id e
n , d ie m e in te n , s ic h le ic h t ü b e r d � s s e n L e h � e n
rend Buch YIII die Anordnung der Argumente sowie die ver�eid ig e n s to te ie s e m e
l

lu s ti g m a c h e n z u k ö n n e n ? D a r in k ö n � te A
eher �tr.ategischen Fragen aus Sicht des Angreifers und des r g e h e n s w e 1s e g e s e h e n h � b e n ,
Verteidigers behandelt. Ob die Topenlisten in den mittle­ der D ialekti k v e rw a n d te V o
n n ic h t d ir e k t e ig e n e A u ff a s s u n g e n z u e ta b h e r e n
ren Büchern II bis VII eine ursprüngliche Einheit mit den weil Zen o
Randbüchern I und VIII bildeten, gilt als unsicher, zumal IX
d� Buch .VIII ein� gege.nüb �r Buch I l.eicht verände�te Ter­ 1 V gl. d a z u D ia ge n e s L a er ti u s
er D
2
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rs
.
te ll u n g m
.
P la to n s P armem
.
d es 1 2 8 c - -d .
,
2 D a s jedenfalls entspricht d
minologie aufweist. Die Bucher li bis VII sind nach den Zweifel an d iese r tr a d itio n el len E in sc hätzun g w u rd en z . B . v o n F . S o lm se n,

v!er so genannten :>Prädikabilien« angeordnet; so bezieht »The T ra d itio n a b o u t Z en o of E lea«, in : A . P. D . M o u


ra
re la
cht.
to s (H rs g .), The

sich Buch li auf d1e Relation des Akzidens, Buch IV auf Presocratics, 2. Aufl., Princeto
n 1 9 9 3 , 3 6 8 - 3 9 3 , vo rg eb


12 Einleitung Einleitung 13
versucht, sondern nu: widersprüchliche Konsequenzen Götter glaube, da ich ja an Dämonen glaube. Wenn aber
au� den Annahmen semer Gegner herleitet: Zum Beispiel die Dämonen Kinder von Göttern sind, entweder Bas­
ze1gt e�, dass unte� der Anna?me de.r Vielheit von Dingen tarde von Nymphen oder von irgendwelchen anderen
das Setende zugletch unendlich kletn als auch unendlich Wesen, denen sie zugeschrieben werden, . welcher
groß sein müsste.3 Mensch könnte dann glauben, dass es zwar Ktnder von
Direktes Vorbild für die Praxis der dialektischen Unter­ Göttern gibt, Götter aber nicht? Das wäre nämlich �e­
redung scheint aber eher Sokrates gewesen zu sein. In vie­ nauso abwegig, wie wenn jemand glaubte, dass es Ktn­
len Passagen sokrat.ischer Dialoge werden die Gesprächs­ der von Pferden und Eseln gibt, die Maulesel nämlich,
p�rtner aufgrund emes unbedacht gegebenen Zugeständ­ Pferde und Esel dagegen nicht.
msses in Widersprüche verwickelt; hier ein kurzes Beispiel
aus Platons Apologie des Sokrates (27b-e): Sokrates weist hier nach, dass die verschiedenen Aussa­
Gibt es jemanden, der an dämonische Dinge glaubt an gen seines Anklägers nicht miteinand�r vereinbar sind. Er
Dämonen aber nicht? ' kombiniert dafür zwei Argumentattonsmuster: Erstens
- So jemanden gibt es nicht. - muss alles, was man von einer Sache behauptet, auch auf
Wie gnädig von dir, dass du jetzt endlich, da dich diese die Definition dieser Sache zutreffen; manchmal bemerkt
dazu zwingen, geantwortet hast. D u sagst doch, dass ich man deshalb die Abwegigkeit einer Behauptung erst dann,
an dämonische Dinge glaube und es auch lehre sei es wenn man die verwendeten Begriffe durch ihre Definitio­
dass sie neu' ode� sei es, dass sie althergebracht sind; nen ersetzt. Daher setzt Sokrates hier die Definition der
.
also gl�ube 1ch d e�ner Ausführung zufolge an dämoni­ Dämonen als >Kinder von Göttern< ein. Zweitens muss
sche Dtnge, und dtes beschwörst du auch in der Ankla­ man wenn man die Existenz von Dingen behauptet, die
geschrift. W�nn ich aber an dämonische Dinge glaube, als Wirkung einer bestimmten Ursache anzusehen sind,
dann muss 1ch doch wohl notwendigerweise auch an auch die Existenz der betreffenden Ursache anerkennen.
Dämonen glauben. Oder verhält es sich anders ? Dieses Argumentationsmuster wiederum ve.rsetzt So�rates
E� verhält sich so . Ich gehe davon aus, dass du zu­ in die Lage zu argumentieren, dass man ntcht a� Ktnder
stimmst, da du nicht antwortest. von Göttern glauben kann, ohne an Götter zu glauben,
D ie Dämonen aber halten wir entweder für Götter oder und nicht an dämonische Dinge, ohne an Dämonen zu
für Kinder von Göttern ? Ja oder n e in ? glauben. So erweist er die Anklage, die ihm vo�irft, z.war
- Ja natürlich. - nicht an Götter zu glauben, dafür aber dämonische Dtnge
��nn ich also a� Dämonen glaube, wie du sagst, die zu lehren, als inkonsistent.
f?amonen aber eme Art von Göttern sind, dann ergibt An diesem Beispiel lässt sich zeigen, welches Interesse
steh doch das, weswegen ich sage, dass d Rätsel vor- der Ausarbeitung einer Schrift wie der Topik zugrunde ge­
legen haben mag: In allen literarischen Da�stellungen der
Ich ntcht an Götter glauben soll, dann doch wieder an sokratischen Gespräche wird Sokrates als Jemand darge­
stellt, der über einen fast unerschöpflichen Vorrat an sol­
chen Argumentationsmustern verfügt. Wenn es nun mög­
3 Vgl. Diels/Kranz 29 B2 und B 1.
lich wäre, solche Argumentationsmuster möglichst voll-

,
14 Einleitung Einleitung 15

st�ndig �u samm�ln, und wenn es außerdem noch möglich gehensweise gegenübergestellt. Dabei wird teils unter­
_
ware, diese Anleitungen auf. eine angemessene Wei se zu stellt, teils begründet, dass nur die dialektische Form der
systema��si�ren, dann wäre es nicht mehr nur eine Frage gemeinsamen Wahrheitssuche verpflichtet ist, .da nur im
der personliehen Begabung und des Zufalls, ob man in ei­ Frage-Antwort-Verfahren eine Konsistenzprüfung d.es
ner bestimmten Situation ein Argument findet oder nicht. vermeintlichen Wissens stattfinden kann. Das Verhältnis,
Die Schrift Topik setzt genau diese Idee um: Sie beruht in �em diese Konsistenzprüfung zur höchsten erreichba­
nicht nur auf einer empirischen Sa�mlung solcher Argu­ re� Wissensform steht, ist nicht ganz klar, jedoch gibt es
_
mentationsmuster, sondern struktu�Iert diese gemäß den Stellen, die dem Durchlauf durch alle möglichen elenchoi
Satztypen, auf die sie angewandt werden können, und ver- (Politeia VII 534c) - d. h. der. Aufdeckung aller möglichen · ·
s �cht zumindest ansatzweise, alle möglichen Argumenta­ . Inkonsistenzen - eine für das höchs.te Wissen konstitutive
. tionsva
rianten für einige Oberbegriffe auszuarbeiten. Rolle zusprechen.
·

Als philosophischer Terminus wird der Begriff der Dia­ In spätere.q Dialogen werden neben dem elenchos und
lektik erst bei Platon geprägt; ausgehend von der sokrati­ der peira weitere Verfahrensweisen im Rahmen d�r dialek­
schen Art philosophischer Gesprächsführung werden bei tischen Gesprächsführung thematisiert. Der Dialektiker
Platon die Ausdrücke ÖLaA.eyeo'frat., ÖLaA.ext'LXo� und wird mehr und mehr durch seine Kompetenz in begriffli­
ÖLaA.ext'LX� (dialegesthai, dialektik6s, dialektike) bald cher Zerlegung (ÖLaLQEOL�,. dihairesis) und Zusammen­
'
schon mit bestimmten Frage-Antwort-Techniken ver­ schau (ouvo'VL�, synopsis) gekennzei9hnet (Phaidros 266b);
knüpft. In den frühen Dialogen Platons dominiert der so die Zusammenschau ist das Verfahren, verschie.d ene Enti­
genannte eA.erxo� (elenchos, >Widerlegung<), bei dem eine täten auf der Grundlage gemeinsamer Merkmale zu allge­
Dialogfigur (in der Regel Sokrates) eine Was-is t-X ?-Frage meinen Klasse n zusammenzufassen, die Zerlegung stellt
stellt und der Dialogpartner einen Defi nitionsversuch un­ das gewissermaßen umgekehrte Vorgehen dar, allgemeine
ternimmt; der Fragende versucht die erteilte Antwort Beg riffe sachgerecht in Unterklassen einzuteilen. Diese
meist in indirekter Form zu widerlegen und den Ge­ Kunst der sachgerechten Begriffsteilung scheint in einigen
sprächspartner zu einer neuen Antwort zu veranlassen Spätdialogen fast vollständig mit der Dialektik zusammen­
die dann wiederum kritisch geprüft wird. In den frühere� zufallen (Sophistes 253d, Politikos 285a-2 87a, Philebos
Dialogen steht dieses Verfahren stets im Rahmen einer Er­ 1 6c- 17a). Schließlich wird in mehreren Dialogen die so
pr?bung (1tELQa, peira) des Gesprächspartners hzw. seines genannte·hyp6thesis-Methode mit dem Begriff der Dialek­

WI�sen s. Vorausgesetzt wird dabei, dass jemand, der etwas tik in Verbindung gebracht. Danach besteht d�e Eigentüm­
weiß, Rechenschaft über dieses Wis sen ablegen ("Aoyov lichkeit des dialektischen Verfahrens darin, dass der Dia­
Ötö6vm, l?�on did6nat) kön�en mu ss. Die Aufstellung lektiker - anders als der Mathematiker- seine Grundan­
von Definitionen des vorgehlich Gewussten gelten dabei nahmen (un:o'freoL�, hyp6thesis; Plural: hypotheseis) · nicht
als bevorzugte Form der Rechenschaftsabgabe. einfach setzt, sondern sie zudem rechtfertigen und damit
In den Di�logen zur Sophistik �d Rhetorik (vgl. insbe­ ihren Hypothesencharakter >aufheben< kann (Politei4 VI
sondere den Dialog Gorgias) wird die auf dialektischer _ e Vermögen bewege
510c, VII 533 c); durch das dialektisch
Frage und Antwort beruhende Behandlung eines Pro­ man sich von ein er Voraus setzung zu einer jeweils stärke­
blems immer wieder der rhetorisch-monologischen Vor- ren Voraussetzung, bis man schließlich an den Punkt

-

r
I
16 Einleitung Einleitung 17

komme, wo es keine weiteren Voraussetzungen gibt und Dialektischer Wettstreit


man den Anfang bzw. das Prinzip von allem erreicht (Po­
liteia VII 511b ). Die dialektische Argumentation, zu der die Topik eine
In Politeia VII wird die Dialektik offenbar als abschlie­ Anleitung enthält, vollzieht sich zwischen zwei Gegnern
ßende und höchste Wissensstufe betrachtet und mit der mit verteilten Rollen: Der Angreifer stellt die Fragen, der
Erkenntnis von Ideen und der Idee des Guten verknüpft . Verteidiger muss diese Fragen beantworten. Am Anfang

Sie ste�t in der dort skizzierten Philosophenschulung am der dialektischen Unterredung muss sich der Antworten­
Ende e1ner Abfolge von mathematisch bestimmten Diszi­ de festlegen, welches Glied eines kontradiktorischen Aus­
plinen, nämlich Arithmetik, Geometrie, Stereometrie, As­ sagenpaares er als These vertreten und verteidigen will.
tronomie und Harmonielehre, und ist nur für die wenigen Daraufhin ist es das Ziel des Angreifers, diese These zu
erreichbar, die dieses Curriculum erfolgreich durchlaufen �widerlegen bzw. einen Widerspruch zwischen der Aus­
haben. Auffallend ist, dass neben diesem starken Dialektik­ gangsthese und anderen vom Verteidiger gemachten Zuge­
begriff, der entweder mit dem höchsten Ideenwissen zu­ ständnissen zu erreichen. Dazu darf der Angreifer aus­
s �mmenfällt oder zumindes·t die Methode zur Erlangung schließlich Fragen stellen, die der Verteidiger mit >ja< oder
d1eses Ideenwissens beinhaltet, in einigen späteren Dialo­ >nein< beantworten kann. Der Antwortende hingegen
gen, . vor allem im Parmenid�� (135c-d, 136 a und c), das muss alle Fragen entweder bejahen ode.r verneine? und
Mot1v des philosophischen Ubungsgesprächs (yu,.,.,vaa(a, darf nur unter bestimmten, genau definterten Bedtngun­
gym nasia) an Bedeutung gewinnt, so als diene die dort vor­ gen Nachfragen stellen- etwa dann, wenn e�ne Frage ?es
geführte Anwendung dialektischer Gesprächstechniken Angreifers missverständlich oder mehrdeutig formuhert
nur dem philosophischen Training. Das bedeutet noch war. Die so gesammelten Zugeständnisse versucht der
nich.t, dass bei Platon zwei unvereinbare Dialektikbegriffe Angreifer als Prämissen eines Schlusses zu verwenden,
vorliegen würden; es bedeutet lediglich, dass Platon zum dessen Konklusion die Ausgangsthese des Antwortenden
einen die Möglichkeit eines dialektischen Gesprächs ins widerlegt.4 Sofern es dem Angreifer gelingt, das Ganze
Auge fasst, das nicht selbst schon philosophische Erkennt­ als schlüssiges deduktives Argument zu konstruieren,
nis zum Ziel hat, sondern nur der Einübung von Techniken muss auch der Verteidiger dieser Konklusion zustimmen,
dient, die wirkliche philosophische Erkenntnisse hervor­ da sie aus den von ihm selbst zugestandenen Vorausset-
bringen können; und zum anderen bedeutet es wohl, dass zungen folgt. . .
P �aton �ine . solche Einübung für unbedingt erforderlich Oft ist der Weg zur angestrebten Konkluston ntcht so
h1elt. D1es 1st wohl auch der Hintergrund dafür, dass in einfach, wie es hier klingt: Der Antwortende wird ei� er
Platons Akademie eine Form des dialektischen Wettstreits ihm in Frageform vorgelegten Prämisse nur dann gletch
gepflegt wurde, bei dem die Teilnehmer b�liebige Thesen
in .gleichsam sportlicher Einstellung kunstgerecht zu atta­ 4 Wenn der Antwortende eine bejahende Aussage vertritt (z. B. >Lust ist ein
��leren oder zu verteidigen hatten. Und in dieser Art von Gut<), dann ist er widerlegt, wenn es dem Angreifer gelingt, diese These zu

Ubung scheint das Vorbild für die in der Topik angeleitete bestreiten (indem er zeigt, dass Lust kein Gut ist); vertritt der Antwortende
eine verneinende Aussage (z. B. >Keine Lust ist ein Gut<), dann ist er wider­
Praxis zu liegen. legt, wenn es dem Angreifer gelingt, eine entgegengesetzte bejahe?de Aus­
. .
sage aufzustellen (z. B . dass eine best1mmte Art von Lust e1n Gut 1st).

I
18 Einleitung Einleitung 19

seine Zustimmung geben, wenn es sich um eine allgemein Unterschied zwischen dialektischen und wissenschaftli­
anerkannte Ansicht handelt. Andere Prämissen müssen chen Schlüssen und somit auch zwischen Dialektik und
erst induktiv, durch die Aufzählung von Einzelfällen, oder Wissenschaft im Allgemeinen bedingt. In der Zweiten
deduktiv, durch Zurückführung auf andere Prämissen, Analytik heißt es von den wissenschaftlichen Prämissen,
eingeführt werden. Deshalb kann ein solcher dialektischer die hier als wahre und erste Sätze bezeichnet wurden, au­
Wettstreit über mehrere deduktive Zwischenschritte hin­ ßerdem, sie seien im Verhältnis zur Konklusion vorrangig,
weg geführt werden. Im achten Buch der Topik wird bekannter und ursächlich (APo. 71b 20-25); daraus kann
schließlich vorausgesetzt, dass ein Argumentationswett­ man nicht schließen, dass dialektische Prämissen diese
streit vor einer Art von Jury ausgetragen wird, die am Merkmale nicht aufweisen dürfen, jedoch stehen die wis­
Ende einer Disputation nicht nur beurteilt, ob sich die senschaftlichen Prämissen als wahre und notwendige Ur­
Disputanten an die Regeln gehalten haben und ob einer sachen für die zu erklärende Konklusion fest, während
der beiden entweder widerlegt worden oder beim Versuch man von dialektischen Prämissen höchstens meint, dass
einer Widerlegung gescheitert ist, sondern auch bewertet, sie diese Eigenschaften aufweisen.
ob unnötige Prämissen eingeführt werden mussten und Diese Gegenüberstellung von wissenschaftlichen und
welchen Erklärungswert die für die Widerlegung entschei­ dialektischen Deduktionen anhand des Unterschieds von
denden Prämissen haben. als wahr erwiesenen und nur anerkannten Prämissen wird

an anderen Stellen wiederholt (z. B. Soph. el. 165b 1-4);


I manchmal wird sie auch verkürzt auf die Beschreibung,
Definition der Dialektik dass die Dialektik etwas mit Blick auf die Meinung be­
handle, was die Wissenschaft mit Blick auf die Wahrheit
Zwar ist vom ersten Satz der Schrift Topik an klar, dass behandelt (Top. 105b 30 f.). Diese Gegenüberstellung von
sich die darin behandelte Argumentationsweise durch Fra­ Meinung und Wahrheit legt zusätzlich den Gedanken
ge und Antwort vollzieht, jedoch definiert Aristoteles das nahe, dass die Dialektik als solche gar nicht selbst den
dialektische Argumentieren nicht durch die Frage-Ant­ Übergang zur wahrheitsbezogenen Behandlung derselb�n
wort-Struktur. Dagegen hebt er, wenn es darum geht, dia­ Dinge vollziehen kann. Dies mag auch der Grund se1n,
lektische Argumente von anderen Arten von Argumenten warum Aristoteles in Metaphysik IV 2 schreibt, die
zu unterscheiden, stets darauf ab, dass sich dialektisches Dialektik sei hinsichtlich derselben Dinge erprobend
Argumentieren aus Prämissen vollzieht, die nicht als wah­ (JtELQUO'ttxi]), hinsichtlich welcher die Philosophie erken­
re oder sogar evidente Prinzipien qualifiziert sind, son­ nend. (yv<DQLO'ttxr']) sei (Met. 1004b 25 f.) .
dern nur als anerkannte Meinungen (evöo;a, endoxa) gel­ An verschiedenen Stellen wird die dialektische Prämisse
ten: »Ein Beweis liegt dann vor, wenn die Deduktion aus als eine Frage bezeichnet (APr. 24a 22-25). Der Hinter­
wahren und ersten (Sätzen) gebildet wird der aus sol­ grund dafür ist einerseits sicherlich der Gesprächscharak­
chen, deren Kenntnis ursprünglich auf bes immte wahre ter der Dialektik; jedoch ist die dialektische Prämisse an­
und erste (Sätze) zurückgeht. Dialektisch ist dagegen die dererseits nicht nur deshalb eine Frage, weil sie einem rea­
Deduktion, die aus anerkannten Meinungen deduziert« len Gesprächspartner vorgelegt werden muss, sondern
(Top. lOOa 27-30). Es ist die Art der Prämissen, die den auch, weil die Dialektik eine Festlegung auf den Wahr-
I

20 Einleitung

heitsgehalt der betreffenden Prämisse vermeidet und sie 3. Grundbegriffe der aristotelischen Dialektik
benutzt, ohne sie zu behaupten. An einer anderen Stelle
nämlich bringt Aristoteles den Fragecharakter der dialek­
tischen Prämisse ausdrücklich damit zusammen, dass sich Anerkannte Meinung
die Dialektik nicht - wie eine Wissenschaft - auf eine be­ (f:vöo1;ov, endoxon; Plural: endoxa)
grenzte Gattung von Gegenständen bezieht (APo. 77a
31-35). Vielmehr ist die Dialektik gattungsübergreifend Die Besonderheit der dialektischen Schlüsse wird an ei­
tätig und kann deshalb auch keine Beweise in irgendeiner nem Merkmal ihrer Prämissen festgemacht, nämlich dass
Disziplin geben, weil diese Beweise gattungsspezifische diese (nur) anerkannte Meinungen (endoxa) und kein�
Prinzipien voraussetzen (Soph . el. 172a 13-15). Daher wissenschaftlichen Prinzipien darstellen. Anerkannt se1
können die allgemeinen Topen der Dialektik in keiner ein­ eine Meinung dann, wenn sie (a) entweder von allen .oder
zelnen Gattung jemanden kundig machen bzw. belehren (b) den meisten oder (c) den Fachleuten und von dtesen
(Rhet. 1358a 21 f.). (ca) entweder von allen oder (eh) den meisten oder (cc)
In Metaphysik 111 1 scheint Aristoteles nun trotz des den bekanntesten und anerkanntesten für richtig gehalten
gattungsübergreifenden Charakters der Dialektik doch wird (Top. 100b 21-23). Oft versteht I_Tian diese Bes�im­
noch so etwas wie einen Gegenstandsbereich für die Dia­ mung so, dass ein Satz dann anerkannt 1st, wenn er bet al­
lektik zu umreißen. Dort heißt es, der Dialektiker stelle len anerkannt ist oder bei den meisten anerkannt ist oder
über das Identische und Verschiedene, über das Ähnliche bei den Weisen anerkannt ist usw., so dass die Menge der
und Unähnliche, das Entgegengesetzte und über das Frü­ anerkannten Sätze fast unüberschaubar groß wird. Nur
her und Später Untersuchungen an (Met 995b 20-25). Sätze die von niemandem, nur von einer Minderheit oder
Nun ist es aber offensichtlich nicht so, dass die in der To­ nur ;on nicht-fachmännischen Einzelnen anerkannt sind,
pik beschriebene Dialektik immer nur Be griffe wie >iden­ wären demnach ausgeschlossen. Wahrscheinlicher ist, dass
tis ch/verschieden<, >ähnlich/unähnlich<, >entgegengesetzt<, hier verschiedene Klassen anerkannter Sätze bestimmt
>früher/später< behandeln würde. Daher kommt folgende werden sollen (vgl. Top. 105a 34-37),5 entsprechend dem
Erklärung in Betracht: Identität, Ähnlichkeit, Gegensatz Kriterium, bei welcher Gruppe ein Satz anerkannt ist.
usw. sind genau diejenigen Gesichtspunkte, mit denen die >Anerkannt-sein< ist nämlich ein relativer Ausdruck, so­
Topen der Topik arbeiten. Identität, Ähnlichkeit, Gegen­ dass man streng genommen immer spezifizieren muss, bei
satz usw. wären demnach nicht das Thema der Dialektik, wem ein bestimmter Satz anerkannt ist (Soph. el. 170b 6 f.,
sondern gehörten zu ihrem Instrumentarium. Rhet. 1356b 32-34).
Trotz dieser gruppenrelativen Bedeutung von endoxon
ist zu beachten, dass nicht jedes >Anerkannt-Sein-bei< ein
endoxon definiert. Sobald man den Bereich der allgemei­
nen oder der klar mehrheitlichen Meinungen verlässt,
5 Vgl. zu dieser Interpretation der endoxa Smith 1 993, 343-347 sowie Smith
.

1997, xxüi.
22 Einleitung Einleitung 23

zählt eine Ansicht nur noch dann zu den anerkannten, Deduktion (auA.A.oyLa�o�, syllogism6s)
wenn sie von allen oder den meisten Fachleuten oder we­
nigstens von den anerkanntesten angenommen wird. Aber Im Mittelpunkt der aristotelischen Logik steht ein Be­
auch das ist nicht genug: Ansichten einzelner exponierter griffspaar, das ungefähr dem modernen Begriffspaar >De­
Gestalten gelten auch nur dann als anerkannte, wenn sie duktion - Induktion< entspricht. Der griechische Begriff,
der Meinung der Menge nicht widersprechen (Top. 104a der hierbei mit >Deduktion< wiedergegeben wird, heißt
8-11) oder wenn es zu dem betreffenden Thema keine >syllogism6s< und klingt dem modernen Leser durch das
etablierte Meinung der Menge gibt.6 davon abgeleitete lateinische Wort >Syllogismus< vertraut.
Die Einschränkung, dass eine von Fachleuten anerkannte Was ein Syllogismus ist, wird in Logikeinführungen ge­
Meinung nicht der Meinung der Menge widersprechen meinhin an folgendem Beispiel erläutert:
darf, bereitet den Interpreten gewisse Schwierigkeiten.
Nicht gemeint sein kann, dass Expertenmeinungen nur 1 . Prämisse I »Obersatz«: Alle Menschen sind
dann al.� anerkannt gelten können, wenn sie sich in tatsäch­ sterblich.
licher Ubereinstimmung mit der Meinung der Menge be-­ 2. Prämisse I »Untersatz«: Sokrates ist ein Mensch.
finden, denn erstens gibt es zu vielen solcher Ansichten Konklusion Sokrates ist sterblich.
keine dezidierten Gegenpositionen bei der Menge und
zweitens rührt die Differenz zwischen Common Sense und Bei einem solchen Syllogismus sind genau drei Begriffe
Expertenmeinung oftmals daher, dass die Menge zwar et­ oder Terme im Spiel, nämlich >Mensch<, >Sokrates< und
was vom Wahren trifft, daraus aber die falschen Schlüsse >sterblich<. Aus diesen Termen werden zwei Prämissen
zieht. Tatsächlich wird durch diese Einschränkung daher derart gebildet, dass die Prämissen genau einen Term -
nur eine relativ unbedeutende Klasse von Ansichten ausge­ hier: >Mensch< - gemeinsam haben. Auf diese Weise
schlossen, nämlich so genannte >kontraintuitive<, dem >ge­ kommt ein logisch notwendiger Schluss des Typs >Wenn
sunden Menschenverstand< entgegensetzte Ansichten her­ jedes A ein B und jedes B ein C ist, dann muss jedes A
ausragender Persönlichkeiten, wie die Leugnung der Bewe­ auch ein C sein< zustande. Diese Erklärung des Wortes
gung und der Vielheit durch die Eleaten oder die Leugnung >Syllogismus< geht auf die in Aristoteles' Erster Analytik
des Phänomens der Willensschwäche bei Sokrates.7 entfaltete Theorie der Syllogistik zurück (genau genom­
�en ist das Beispiel unaristotelisch, weil Aristoteles in der
Syllogistik nur allgemeine Begriffe zulässt, >Sokrates< aber
ein singulärer Term ist). Aufgrund der Stellung desjenigen
6 Vgl. dazu Brunschwig 1990, 249: »Dans cette secende interpn!tation de la
hierarchie des types d'evöo�a, l'adjonction !-!� na.QaÖo�o� de 104a 10-11
ne modifie pas le contenu de la definition initiale; une opinion d'expert ne Terms, der beiden Prämissen gemeinsam ist, des Mittel­
comptera comme un evöo�ov que s'il n'existe pas, sur le sujet considere, terms, definiert Aristoteles drei syllogistische Figuren (der
Mittelterm kann in beiden Prämissen Subjekt, in beiden
·

d' opinion determinee admise par tous les hommes, ou par presque tous.
L'evöo�ov en question ne sera donc en conflit, par definition (en vertu de la
definition ainsi comprise), avec aucun autre evöo�ov. Et de meme dans les

JtQq'taoe� [. ..]).
autres cas de figure.«
7 Bolton 1987, 122, Fußn. 6 dagegen meint, dass diese Einzelthesen nicht von The dass is thus wider than >reputable opinions<. It in­
der Gruppe der endoxa ausgeschlossen werden müssen: » But these [views cludes other opinions generally regarded as noteworthy; thus >noted opin­
of Parmenides and Zeno; d. Verf.] are still evöo�a. (though not dialectical ions<, which also retains the connection with evöo�o�, seems preferable. «

'
24 Einleitung Einleitung 25

Prämissen Prädikat oder in der einen Prämisse Subjekt hat. Dass das Wort syllogism6s nicht zwingend den uns
und in der anderen Prädikat sein). Diese drei Figuren kön­ bekannten Begriff des Syllogismus meint, verweist daher
nen nun mit Sätzen unterschiedlicher Quantität belegt einerseits auf ein chronologisches Problem; andererseits
werden: mit a�lgemein bejahenden, mit allgemein vernei­ kommt man zu demselben Schluss, ohne eine chronologi­
nenden, mit partikular bejahenden und partikular vernei­ sche Anordnung der aristotelischen Werke bemühen zu
nenden Sätzen. Daraus ergibt sich eine Vielzahl von Kom­ müssen, denn auch nachdem Aristoteles den technischen
binationsmöglichkeiten, von denen sich aber nur einige Begriff des Syllogismus im Sinne der Syllogistik einge­
wenige als gültige Schlüsse erweisen lassen. führt hatte, konnte er den Ausdruck syllogism6s natürlich
Der Begriff des Syllogismus geht also auf Aristoteles wie bisher im allgemeineren Sinne eines deduktiven Argu­
zurück; dennoch ist >Syllogismus< keine gute Übersetzung ments weiterverwenden.
für das griechische Wort syllogism6s, denn Aristoteles de­
finiert den syllogism6s in einem Sinn, der viel weiter ist als
der uns bekannte Begriff des Syllogismus. Nach seiner Prämisse, Satz (n;go-raaL�, pr6tasis; Plural: protaseis)
. Definition ist ein syllogism6s nämlich »ein Argument
(lvoyo�, l6gos) , in welchem sich, wenn bestimmte Dinge Der Begriff der Prämisse im logischen Sinn wird schon
vorausgesetzt werden, etwas von dem Vorausgesetzten ,mit der Definition des syllogism6s eingeführt: Sie ist das,
Verschiedenes mit Notwendigkeit dadurch ergibt, dass· was vorausgesetzt werden muss (Top. 1OOa 25), damit et­
dieses der Fall ist« (APr. 24b 18ff.; ähnlich in Top. 100a was anderes folgt. Aristoteles prägt den Terminus pr6tasis
25-27). Die Definition stellt klar, dass zwischen Prämissen für Sätze, die als Glieder deduktiver Argumente verwen­
und Konklusion ein notwendiger Zusam·menhang beste­ det werden. Zunächst bezeichnet pr6tasis eine Frage, die
hen muss; von all den Merkmalen, die einen Syllogismus im dialektischen Gespräch gestellt und durch deren positi­
ausmachen - dass er genau zwei Prämissen haben muss, ve Beantwortung eine anerkannte Meinung ausgedrückt
die aus genau drei Termen bestehen, usw. -, ist hier jedoch wird (Top. 1 04a 8-11). Dagegen müssen die protaseis eines
nicht die Rede. Da Aristoteles in der Topik den syllogism6s wissenschaftlichen Beweises (an:ÜÖELI;L�, ap6deixis) nicht
mit fast denselben Worten definiert wie in dem gerade an­ nur anerkannte, sondern »wahre und erste« Sätze sein
geführten Zitat, kann . man davon ausgehen, dass er mit oder auf sie zurückgehen (Top. 100a 27-29, APo. 71b
>syllogism6s< ein zwingendes, also deduktives Argument 21 f.). Im Rahmen der aristotelischen Syllogistik wird eine
meint, aber nich� einen Syllogismus in dem formal stärker pr6tasis definiert als »Aussage, die etwas von etwas bejaht
restringierten Sinn der Syllogistik. oder verneint« (APr. 24a 16). Im einfachsten Fall hat sie
Sicherlich gab es in der Entwicklung der aristotelischen die Form »P trifft (nicht) auf S zu« oder »S ist (nicht) P«.
Logik einen Zeitpunkt, zu dem die Theorie der Syllogistik Zur eigentlichen Prämisse eines Schlusses kann genau
noch nicht entwickelt war, sodass Aristoteles zu diesem genommen nur die beantwortete pr6tasis, also die vorge­
Zeitpunkt auch den technischen Sinn eines Syllogismus legte Frage zusammen mit der positiven oder negativen
noch nicht gekannt haben kann; es ist auch wahrschein­ Antwor dienen. Die als Fragen vorgebrachten Prämissen
lich, dass Aristoteles die Topik oder wesentliche Teile der­ haben aber immer die Form einer Satzfrage des Typs:
selben in dieser vor-syllogistischen Schaffensphase verfasst »Ist Lebewesen die Gattung des Menschen?« Eine dialek-

t
26 Einleitung Einleitung 27

tische pr6tasis kann man zum dialektischen Problem um­ te Blickrichtung ist der des dritten entgegengesetzt. Wäh­
formen, indem man eine Entscheidungsfrage daraus for­ rend dort die sehr nah beieinander liegenden Dinge hin­
muliert, wie »Ist Lebewesen die Gattung des Menschen sichtlich ihrer Unterschiede betrachtet werden, soll das
oder nicht?«. Erkennen von Ähnlichkeiten in erster Linie an »sehr weit
voneinander entfernten« Dingen (Top. 1 08a 12-13) geübt
werden; es kommen dabei auch Ähnlichkeiten in Betracht,
Werkzeug (ögyavov, 6rganon; Plural: 6rgana) die zwischen Dingen aus verschiedenen Gattungen beste­
hen.
Dem Dialektiker stehen vier Werkzeuge (6rgana) zur Ver­ Mit Hilfe der vier Werkzeuge kann der Bereich der
fügung, durch die das Vorgehen beim Argumentieren er­ anerkannten Meinungen, dem sowohl die Probleme als
leichtert wird: »erstens die Prämissen, zweitens einteilen auch die Prämissen dialektischer Gespräche entnommen
zu können, auf wie viele verschiedene Weisen ein Aus­ werden, untersucht und geordnet werden; zugleich wer­
druck verwendet wird, drittens die Unterschiede heraus­ den Verfahren eingeübt, die auch während der Disputa­
zufinden und viertens die l3etrachtung des Ähnlichen« tion von großem Nutzen sein können.
(Top. 1 05a 22-25). Das Erfassen der Prämissen hat zwei
Funktionen: Einerseits sollen die anerkannten Meinungen
aus dem öffentlichen oder fachspezifischen Diskurs ausge­ Prädikabilien
wählt und nach Themen und der Art der Anerkanntheit
geordnet werden; andererseits stellen die vorgefundenen Alle Prämissen und Probleme können aufgrund der darin
anerkannten Meinungen Ausgangspunkte (UQX,lJ, arche; verwendeten Prädikate genau einem von vier Prädikati­
Plural: archai) für die >Herstellung< ähnlicher und damit onstypen zugeordnet werden; diese Prädikationstypen
in ähnlicher Weise akzeptabler Sätze dar. Das zweite später >Prädikabilien< genannt - bilden das Grundgerüst

Werkzeug, das dazu befähigt, die verschiedenen Bedeu­ für die Einteilung der dialektischen Topen. Jedes Prädikat
tungen oder Verwendungsweisen eines Ausdrucks einzu­ gibt demnach eine Definition, eine Eigentümlichkeit, eine
teilen, besteht aus verschiedenen Prüfungen, denen der Gattung oder ein Akzidens von derjenigen Sache an, von
fragliche Ausdruck unterzogen wird, um nicht nur festzu­ der es prädiziert wird. Aristoteles definiert die vier Ver­
stellen, ob er auf mehrere Weisen verwendet wird, sondern hältnisse wie folgt: »Eine Definition ist eine Begriffsbe­
auch, warum eine Namensgleichheit ungleicher Gegen­ stimmung, die das Was-es-hieß-dies-zu-sein bezeichnet.«
stände, eine >Homonymie< (OflWV'UflLU, homonymia) vor­ (Top. 101b 38f.) »Eine Eigentümlichkeit ist das, was zwar
liegt. Das dritte Werkzeug, das im Herausfinden von Un­ nicht das Was-es-hieß-dies-zu-sein bezeichnet, aber nur
terschieden besteht, dient dazu, ein möglichst genaues dieser Sa'che zukommt und an ihrer Stelle ausgesagt wer­
Verständnis der fraglichen Ausdrücke zu entwickeln. Da­ den kann.« (102a 18f.) »Gattung ist das, was in der Kate­
bei sind die Unterschiede zwischen Dingen zu bestimmen, gorie des Was-es-ist von mehreren, der Art nach verschie-
die demselben Gegenstandsbereich angehören, also unter
dieselbe Gattung fallen. Die bei der Verwendung des vier­ ist ( e stens) das, was zwar keines von diesen ist, weder
ten Werkzeugs, der »Betrachtung des Ähnlichen«, gewähl-

Definition noch Eigentümlichkeit noch Gattung, der Sa-

I
28 Einleitung Einleitung 29

ehe aber zukommt, und (zweitens) das, was einer und der­ weiteres als die richtige erscheint. Einen Teilbereich der
selben Sache zukommen und auch nicht zukommen Probleme bilden diejenigen Fragen, bei denen zwischen
kann.« (102b 4-7) Pro und Contra kein Gleichgewicht besteht, sondern eine
Die Vierteilung kommt durch die Anwendung zweier der beiden Antworten den Common Sense und den Au­
Kriterien zustande: (i) Kommt ein Prädikat einem Subjekt genschein auf ihrer Seite hat, während die andere, der
notwendigerweise (im Sinne der Wesensdefinition) zu? herrschenden Meinung widersprechende, von einem be­
(ii) Kommt ein Prädikat ausschließlich diesem Subjekt zu? rühmten Philosophen vertreten wurde. Eine solche >neben
Die Verneinung beider Kriterien definiert das Akzidens, der Meinung< liegende, im wörtlichen Sinn >paradoxe<
die Bejahung beider die Definition, die Bejahung von (i) Auffassung eines der berühmten Philosophen bezeichnet
und Verneinung von (ii) die Gattung, die Verneinung von Aristoteles als >These< (Top. 104b 19f.) Neben den para­
(i) und Bejahung von (ii) die Eigentümlichkeit. Diese ver­ doxen Annahmen, die ihre Beglaubigung durch die Auto­
schiedenen Verhältnisse implizieren signifikante logische rität eines anerkannten >Weisen< erhalten, werden auch
Unterschiede: Sätze etwa, die ein definitorisches Verhält­ widersprüchlich wirkende Behauptungen als >Thesen< be­
nis ausdrücken, implizieren, dass der (definierende) Prädi­ zeichnet, für die eine - in der Regel fragwürdige - argu­
katsterm anstelle des (definierten) Subjektsterms verwen­ mentative Rechtfertigung in Umlauf ist (Top. 104b 24).
det werden kann, ohne dass sich an der Wahrheit eines Die Autorität eines alten Philosophen stellt jedoch keinen
entsprechenden Satzes etwas ändert. hinreichenden Grund dafür dar, die These für wahr zu
halten, sondern lässt es lediglich als sinnvoll erscheinen,
sie einer dialektischen Prüfung zu unterziehen.
Problem, These (rtgoßAfJ�a, pr6blema; 'Ö'Eat�, thesis)

Die Fragestellungen, die in dialektischen Disputationen Topos (LOJto�, t6pos; Plural: t6poi)
untersucht werden, bezeichnet Aristoteles terminologisch
als >Probleme<, die >aufgeworfen< werden. Ein dialekti­ Obwohl sechs Bücher der Schrift Topik allein der Aufzäh­
sches Problem wird definiert als Untersuchungsgegen­ lung von Topen gewidmet sind, findet sich in der ganzen
stand, über den unterschiedliche Ansichten bestehen (Top. Schrift keine Definition des Begriffs. Allgemein gesagt ist
1 04b 1-5). Dialektische Probleme werden als Entschei­ der einzelne Topos eine Anleitung zur Konstruktion dia­
dungsfragen des Typs >Trifft P auf S zu oder nicht?< for­ lektischer Argumente eines bestimmten Typs. Für die
muliert, z. B. >Ist die Seele unsterblich oder nicht?<. Eine überwiegende Zahl dialektischer Topen gilt außerdem,
derartige Frage wird dem Antwortenden am Anfang der dass mit ihrer Hilfe zu einem gegebenen Satz p ein zweiter
Disputation >vorgelegt<; er mus� sich auf eine der beiden Satz q derart aufgefunden werden kann, dass q die Prä­
möglichen Antworten festlegen und diese Position vertei­ misse eines deduktiven Arguments bilden kann, welches p
digen. Jedes Problem ist eine strittige Frage, auf die zwei zur Konklusion hat.8 Genauer genommen finden sich in
Antworten möglich sind. Ein typisches Problem ist da­
durch gekennzeichnet, dass die Antwort nicht auf der 8 Vgl. B yunschwig 1 967, xxxix: »Le lieu est donc une machine a faire des pre­
Hand liegt, sondern keine der beiden Möglichkeiten ohne misses a partir d'une conclusion donnee.«

I
30 Einleitung Einleitung 31

der Topik sowohl Topen, die zur Etablierung, wie auch antiken Erinnerungstechnik.10 Die Erinnerungstechnik der
solche, die zum Umstürzen eines Satzes geeignet sind.9 Orte besteht im Wesentlichen darin, dass man die einzel­
Vor Aristoteles war der Ausdruck >Topos< vor allem in nen Momente einer längeren Liste, die man auswendig ler­
den Lehrbüchern der Rhetorik üblich; dort bezeichnete er nen will, mit bestimmten Orten assoziiert, zum Beispiel
Gemeinplätze oder fertige Versatzstücke der Rede, die mit den einzelnen Häusern in einer Straße. Eine solche
man etwa zum Lob oder Tadel oder zur Erregung von feste Reihe von Orten kann zum Auswendiglernen ganz
Mitleid benutzen konnte. In Anspielung auf diese Technik unterschiedlicher Listen benutzt werden. 1 1 Obwohl aus­
spottet Aristoteles über das unsystematische Vorgehen des führliche Beschreibungen dieser Technik erst aus römi­
Gorgias, der seinen Schülern fertige Argumentbrocken scher Zeit stammen,12 waren die Grundrisse auch Aristo­
zum Auswendiglernen gab (Soph. el. 184a 1-8). Da Aris­ teles schon bekannt (Top. 163b 28-32). Dass Aristoteles
toteles selbst eine universell anwendbare Argumentations­ die Mnemotechnik der Orte bekannt war und dass diese
methode entwerfen möchte, wäre für ihn die Verwendung Technik möglicherweise den ursprünglichen Hintergrund

ausformulierter Versatzstücke natürlich unzureichend. In für die Bezeichnung >Topos< bildet, heißt nun aber nicht,
der einzigen definitionsartigen Bestimmung des Topos dass auch die aristotelischen Topen mit dieser Technik in
(die sich in der Rhetorik , nicht in der Topik findet) betont irgendeinem Zusammenhang stehen müssen. Zwar ist es
Aristoteles dann auch die Allgemeinheit des Topos: »das­ auch aus Aristoteles' Sicht zweifellos nützlich, wenn der
selbe nämlich meine ich mit >Element< und >Topos<, denn Dialektiker die Topen, die er gebrauchen will, zuvor aus­
Element und Topos sind das, worunter viele Enthymeme wendig gelernt hat, zumindest in der Topik ist dafür aber
fallen.« (Rhet. 1403a 18f.) Das hier genannte Enthymem die Orte-Technik schon deshalb verzichtbar, weil die To­
(evttu�11�a, enthymem a) übernimmt in der Rhetorik die pen zunächst in verschiedene Hauptklassen nach den vier
Rolle des dialektischen s yllogism6s. Die Formulierung Prädikabilien unterteilt und innerhalb dieser Hauptklas­
»worunter viele Enthymeme fallen« weist darauf hin, dass sen nach wiederkehrenden Gesichtspunkten organisiert
es sich bei Topen um Gebilde einer allgemeinen Form sind.
handelt, unter die einzelne Enthymeme dann fallen, wenn Der Aufbau der einzelnen Topen folgt keinem starren
sie nach der Anleitung des entsprechenden Topos gebildet Schema. Insgesamt jedoch finden sich an den verschiede­
sind. nen Topen die folgenden wiederkehrenden Elemente:

Warum der Topos ausgerechnet als t6pos, d. h. als >Ort< (i) eine Verfahrensanleitung, gekennzeichnet durch For­
oder >Platz<, bezeichnet wird, kann auf unterschiedliche mulierungen wie >es ist zu prüfen, ob . . . <, >man muss sehen,
Weise erklärt werden. Bisweilen spricht Aristoteles vom ob ... <, (ii) ein allgemeines Argumentationsschema (meis­
Topos als dem Ort, »von dem aus (der dialektische Geg­ tens) der Form >Wenn sich die Terme der P-rämisse so und
ner) angegriffen werden soll« (Top. 155b 5). D.er Topos so verhalten, dann verhalten sich die Terme der Konklusi-
bezeichnet dabei gewissermaßen die eingenommene Posi­
��on in einem argumentationsstrategischen StellungsspieL
Ublicher ist aber die Erklärung des Ausdrucks aus einer 1 0 Vgl. Solmsen 1929, 1 70-175.
1 1 Vgl. H. Blum, Die antike Mnemotechnik, Hildesheim 1 969.
1 2 Vgl. Cicero, De Oratore II 86-88, 351-360; Auetor ad Herennium III

9 Primavesi 1998, 1264f. 1 6-24j29-40; Quintilian, lnstitutio XI 2, 1 1-33.

,
32 Einleitung Einleitung 33

on so und so<;13 manche Topen führen (iii) eine allgemeine kann er den Satz in Frageform dem Gegner vorlegen. Gibt
Regel an, die als Rechtfertigung oder Begründung für das dieser seine Zustimmung zu der Prämisse, kann der Fra­
angegebene Argumentationsschema dient. Des Weiteren gende - erneut unter Rückgriff auf das Argumentations­
bestehen die Topen aus (iv) Beispielen, (v) Hinweisen, ob schema - die Konklusion ziehen, dass die Ameise beseelt
der Topos zum Etablieren oder Umstürzen einer These ge­ ist, weil dem Topos zufolge alles, was der Gattung allge­
eignet ist, und bisweilen (vi) aus Begriffsdifferenzierungen, rnein zukommt, auch den Arten dieser Gattung zukom­
die zur Verwendung des Topos erforderlich sind. Oft feh­ rnen muss. Da der Topos nach dieser Beschreibung auch
len einzelne Bestandteile; dann aber kann· z. B. das allge­ für das Zustandekommen der Konklusion verantwortlich
meine Schema leicht aus den Beispielen erschlossen oder ist, spricht man in der Literatur auch von der >probativen<
der Verfahrensanweisung entnommen werden. Funktion des Topos.14
Schematisch kann man . sich die Verwendung eines To­ Die moderne Aristoteles-Forschung hat bei der Erklä­
pos ungefähr wie folgt vorstellen: Angenommen, ein Dia­ rung des aristotelischen Topos in wichtigen Punkten
lektiker möchte den Satz herleiten, dass die Ameise beseelt Übereinstimmungen erzielt,15 im Detail bleiben jedoch
ist. Er wird daraufhin seinen Fundus an Topen durchge­ zahlreiche Streitfragen bestehen. Eine alte Debatte betrifft
hen, um diejenigen auszuwählen, die auf diesen vorliegen­ die Frage, ob der Topos nur für die Auffindung der Prä­
den Satz passen. Da der Satz einen Artbegriff, nämlich misse (via inventionis) oder auch für den Vollzug des
>Ameise<, enthält, könnte beispielsweise ein Topos geeig­ Schlusses selbst (via expositionis) zuständig ist. Ä ltere Ar­
net sein, der auf dem Verhältnis von Arten und Gattungen beiten wollten nur die erste Aufgabe der Topik , die zweite
beruht. Daher könnte er sich für den Topos >Wenn ein Aufgabe aber der Ersten Analytik zuschreiben. Noch
Prädikat der Gattung allgemein zukommt, dann kommt es grundsätzlicher stellt sich die Frage nach der Art von Lo­
auch jeder Art dieser Gattung zu< entscheiden. Aufgrund gik, die im Hintergrund des Toposgebrauchs am Werk ist.
des darin gegebenen Wenn-dann-Schemas kann er zu­ Nach einer verbreiteten Ansicht beruht die Verwendung
nächst eine zu der angestrebten Konklusion passende Prä­ der Topen auf zwei aussagenlogischen Schlussschemata/6
misse konstruieren; da >Lebewesen< eine Gattung zu
>Ameise< ist, müsste die Prämisse lauten: >Beseeltsein 14 Vgl. de Pater 1965, 1 47: »Le lieu est a la fois une formule de recherche et
kommt den Lebewesen zu< bzw. >Lebewesen sind beseelt<. une formule probative. « ,.

Diese Auffindung einer geeigneten Prämisse beschreibt 1 5 Vgl. vor allem die Arbeiten von Kapp, de Pater, Brunschwig, Smith, Prima­
vesi. Die hier umrissene Funktionsbeschreibung des Topos kann sich im
'

man in der Literatur für gewöhnlich als >inventive< Funk­ Großen und Ganzen auf diese Autoren berufen. Zwei Einschränkungen
tion des Topos. Hat sich der Dialektiker als nächstes da­ sind aber angebracht. Erstens lassen sich nicht alle Topen über einen Kamm
von überzeugt, dass es sich bei der konstruierten Prämisse scheren, so erwähnt Aristoteles z. B. auch sophistische Verfahrensweisen

um einen anerkannten oder akzeptablen Satz handelt, (Top. 1 1 1 b 32 u. a.), die kaum in dieses Schema passen dürften. Zweitens
wird der Topos bei dieser Beschreibung als Anleitung zur Konstruktion
dialektischer syllogismoi angesehen. Dies scheint in j edem Fall die beste Er­
13 Vor allem die Topen in Buch 111 enthalten Regeln der Form >Was auch im­ klärung zu sein, jedoch ist zuzugestehen, dass vom syllogism6s vor allem in
mer so und so ist, ist so und so<; offensichtlich stellt es jedoch kein Pro­ den Büchern I und VIII die Rede ist, während der Topos in diesen Büchern
blem dar, hierin ebenfalls ein allgemeines Schema ausgedrückt zu sehen, so wie gut keine Rolle spielt; umgekehrt nehmen die Toposlisten in den Bü­
ggf. lassen sich Topen dieser Form leicht in die >Wenn . . . , dann . . . <-Versi­ chern II bis VII praktisch nie auf den syllogism6s Bezug.
on überführen. 16 Vgl. �runschwig 1 967, xl-xli.
·

I
'
34 Einleitung Einleitung 35

nämlich dem modus ponendo ponens (wenn p, dann q; nun f :tt lückenlos in die syllogistische Theorie integrieren lie­
p; also q) und dem m odus tollendo tollens (wenn p, dann (�cn. In neuerer Zeit sind jedoch Zweifel aufgekommen,
q; .n� n �icht q; also auch nicht p) . Da zahlreiche Topen ex­ ,b der hypothetische Syllogismus bei Aristoteles wirklich
P!tztt etne >Wenn . . . , dann . . . <-Regel enthalten, ermöglicht durch eine >Wenn . . . , dann . . . <-Prämisse definiert werden
dt�se Auffassung in vielen Fällen eine elegante Erklärung: soll.19 Außerdem scheint Aristoteles in der Topik nur zu
Betm modus ponens lässt sich der Fragende vom Antwor­ verlangen, dass der Antwortende eine einzige (kategori­
tenden eine dem Antezedens entsprechende Proposition sche) Prämisse bestätigt; die zusätzliche Bestätigung eines
bestätigen, um dann auf die dem Konsequens entspre­ hypothetischen Satzes wird in der Regel nicht explizit ver­
chende Proposition zu schließen. Beim modus tollens langt.20 Schließlich vernachlässigen beide genannten Inter­
muss der Antwortende eine dem Konsequens entspre­ pretationen, dass die Topik gerade nicht versucht, alle
chende Proposition verneinen, sodass der Fragende eine Schlüsse auf ein einziges logisches Schema zurückzufüh­
dem Antezedens entsprechende Behauptung negieren ren; vielmehr scheint sich die Topik für die verschiedenen
bzw. widerlegen kann. logischen Implikationen zu interessieren, die sich durch
Was an dieser Deutung stört, ist allein die Tatsache, dass unterschiedliche Analysen eines Satzes ergeben: So rühren
Aristoteles selbst eine Klassenlogik entwickelt, während zahlreiche Topen aus den Regeln her, die aus der Klassifi­
die hier verwendeten Schlussfiguren aus der Aussagenlo­ kation von Sätzen innerhalb des Prädikabiliensystems ge­
gik stammen, die in der Antike zuerst von den Stoikern wonnen werden. Andere Topen beruhen auf Gegensatz­
entwickelt wurde. Außerdem scheint Aristoteles einmal verhältnissen, wieder andere auf sprachlichen und sachli­
die aussagenlogischen Schemata in Form eines Topos kurz chen Verwandtschafts- und Analogieverhältnissen, eine
zu streifen; 1 7 weil es sich aber lediglich um einen Topos andere Gruppe wiederum auf Vergleichen.
unter vielen handelt, deutet auch dort nichts darauf hin,
dass sich Aristoteles bewusst wäre, hier das allgemeine
Konstruktionsprinzip für die topischen Schlüsse berührt
zu haben. 4. Anwendung und Nutzen der Dialektik
Eine alternative Deutung kann auf antike Vorbilder wie
Theophrast und Alexander von Aphrodisias zurückgrei­
fen;18 sie versteht den Topos als die Prämisse eines hypo­ Zur Frage, welchen Nutzen das dialektische Verfahren für
thetischen Syllogismus, und als solcher wird mit Bezug Aristoteles hat, teilt sich die Forschung im We sentlichen
auf Erste Analytik I 44 ein Syllogismus angesehen, der als in zwei Lager: Die eine Seite hebt hervor, dass Dialektik
eine der beiden Prämissen einen >Wenn . . . , dann . . . <-Satz durch die Beschäftigung mit (anerkannten) Meinungen
hat. Der Vorteil dieser Auffassung ist, dass sich auf diese definiert werde, und sieht immer dann eine dialektische
Weise die in der Topik praktizierten Schlussfolgerungen Vorgehensweise gegeben, wenn sich Aristoteles in seinen
17 Vgl. Top. 1 1 1 b 17-23 sowie die Anm. im Kommentarteil hierzu; vgl. au­ 1 9 Vgl. N. Strobach, »Schlüsse aus Annahmen bei Aristoteles. Eine argumen­
ßerdem die Diskussion bei Primavesi 1996, 160. tationstheoretische Deu tung des ouA.A.oyLOJlO� E� un:otteoew�«, in: Zeit­
1 8 In neuerer Zeit wurde diese Deutung von Slomkowski 1 997 stark ge­ schrift für philosophische Forschung 55 (200 1) 246-257.
macht. •
2 0 Vgl. frimavesi 1 996, 87-88 mit Fußn. 1 4.
36 Einleitung Einleitung 37
philosophischen Schriften mit Meinungen anderer ausein­ w .ts für den Dialektiker zusätzlich anfällt, seien lediglich
andersetzt. Die andere Seite betont, dass Dialektik nur in l •ragen der Taktik. Eine Brücke zwischen der nur der in­
einem tatsächlichen Di�log vonstatten geht und dass damit tellektuellen Übung dienenden, >gymnastischen< Verwen­
stets das dialektische Ubungsgespräch gemeint sei.21 Weil dung der Dialektik und dem ernsthafteren philosophi-
Aristoteles in der Tat sehr viele seiner Thesen in kritischer l:hen Gebrauch derselben könnte daher so aussehen:
Auseinandersetzung mit fremden Meinungen entwickelt, Zwar stellt der akademische Disputationswettstreit den
neigen Vertreter des ersten Lagers auch zu der Auffas­ genuinen Ort der Dialektik dar, jedoch sind auch Verwen­
sung, dass Dialektik und philosophische Methode bei dungsweisen denkbar, in denen der Dialektiker für sich al­
Aristoteles tendenziell zusammenfallen. Das zweite Lager lein Thesen ausgehend von anerkannten Ansichten prüft
neigt hingegen dazu, den philosophischen Nutzen der und dabei so verfährt, als habe er es mit Angreifern oder
Dialektik auf den Aspekt des argumentativen Trainings Verteidigern zu tun, die ihre Position dialektisch geschickt
herabzuspielen. Wenn sich jede Form von Dialektik in der zu behaupten wissen.
beschriebenen Art des dialektischen Wetts treits vollzieht, Eine verwandte Kontroverse betrifft die Frage, ob es
dann kann man in der Tat davon ausgehen, dass Dialektik rnit den Mitteln der Dialektik möglich ist, philosophisches
nicht den Kern des philosophischen Tuns betrifft. Nun oder wissenschaftliches Wissen zu erwerben und als Wis­
kann der Vertreter der zweiten Auffassung geltend ma­ sen zu etablieren, oder ob es sich bei der dialektischen
chen, dass zumindest im Buch Topik die Dialektik immer Untersuchung nur um Vorübungen zum eigentlichen Wis­
als Frage-Antwort-Prozedur beschrieben wird; sogar die senserwerb handelt. Für eine nur vorbereitende Rolle der
dialektischen Prämissen werden als Fragen definiert. An Dialektik könnte der Umstand sprechen, dass Aristoteles
der Einsicht, dass Dialektik für Aristoteles ursprünglich die Dialektik so behandelt, als sei sie nur für das Meinen
oder in erster Linie ein Verfahren beschreibt, das sich und Erproben, nicht aber für das Wissen zus tändig (Met.
durch Frage und Antwort vollzieht, führt deshalb kein 1004b 25 f.). Außerdem prüft die Dialektik im Wesentli­
Weg vorbei. chen nur die Konsistenz von Satzmengen, Aristoteles
Jedoch finden sich im Werk des Aristoteles auch Passa­ dürfte jedoch die Konsistenz von Sätzen nicht als hinrei­
gen, in denen er davon auszugehen scheint, dass die bei­ chendes Zeichen für deren Wahrheit erachtet haben. So
den Rollen des dialektischen Wettstreits von einem einzel­ kommen bei der Frage, ob ein Satz als wissenschaftliches
nen Philosophen im Gedankenexperiment übernommen Prinzip dienen kann oder nicht, zusätzlich zur Konsistenz
und durchgespielt werden können (De Caelo 294b 7-10); mit anderen Sätzen noch weitere Eigenschaften ins Spiel:
an einer Stelle der Topik (155b 7-16; vgl. im Kommentar Wissenschaftliche Sätze müssen beispielsweise erklärende
die Anm. zu 155b 3-16) bemerkt Aristoteles sogar, bis zu Kraft besitzen und aus den Grundbegriffen einer Diszi­
einem gewissen Punkt sei das Vorgehen des Dialektikers plin gebildet sein. Aristoteles selbst äußert sich in Topik I 2
dem des für sich selbst forschenden Philosophen ähnlich, zum Nutzen der Abhandlung (vgl. Kommentar) und
räumt ihr dabei auch einen gewissen Nutzen mit Blick auf
21 Für die Gleichsetzung von Dialektik und Philosophie: T. H. Irwin, Aris­
totle's First Principles, Oxford 1988; M. C . Nussbaum, The Fragility of
die wissenschaftlichen Prinzipien ein. Aus diesen Bemer­
kungen geht zweifellos hervor, dass die Dial�ktik einen
..

Goodness, Cambridge 1986; Dialektik als Ubung: Primavesi 1996; ver­


schiedene Verwendungsweisen von Dialektik: Bolton 1 990. gewiss7n Beitrag zur Prüfung und Auswahl w1ssenschaft-

I
38 Einleitung Einleitung 39
licher Prinzipien leistet. Aristoteles führt jedoch nicht ge­ Kirchmann, ]. H. von 1882: Die Topik des Aristoteles. Übers. und
nauer aus, welche Rolle die Dialektik in der philosophi­ erl. Leipzig: Dürr. (Philosophische Bibliothek. 12.)
schen Forschung übernimmt oder übernehmen kann. Und - 1 883: Erläuterungen zur Topik des Aristoteles. Leipzig: Dürr.
so lässt sich die Abhandlung Topik, in der Begriffe und (Philosophische Bibliothek. 1 7.)
Pacius, /. 1597: In Porphyrii Isagogen et Aristotelis Organum
Methoden der Dialektik entwickelt werden, unterschied­
lich charakterisieren: als Handbuch für die Disputations­ Commentarius Analyticus. Frankfurt a. M.: Andreas Wechel.
[Nachdr.: Hildesheim: Olms, 1966.]
übungen der Platonischen Akademie, als Vorstufe des ers­ Rolfes, E. 21 922: Aristoteles, Topik (Organon V). Ü bers. und mit
ten formallogischen Kalküls, als Gründungstext der Argu­ Anm. vers. Hamburg: Meiner. [Nachdr. 1 968.] (Philosophische
mentationstheorie, als Rhetorik des wissenschaftlichen Bibliothek. 12.)
Streitgesprächs, als Darstellung einer zentralen philoso­ Ross, W. D. 1958: Aristotelis Topica et Sophistici elenchi. Rec. bre­
phischen Methode des Aristoteles - oder als ein faszinie­ vique adnotatione critica instr. Oxford: Clarendon Press. (Ox­
render und vielschichtiger Text, auf den in gewisser Hin­ ford Classical Texts.)
sicht alle diese Beschreibungen zutreffen. Tricot, ]. 2 1 965: Aristote, Organon V: Les Topiques. Trad. nouvelle
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40 Einleitung Einleitung 41

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I

Erstes Buch

1
[100a 18] Die Abhandlung beabsichtigt, ein Verfahren zu
finden, aufgrund dessen wir in der Lage sein werden, über
jedes vorgelegte [20] Problem aus anerkannten Meinungen
zu deduzieren und, wenn wir selbst ein Argument vertre­
ten, nichts Widersprüchliches zu sagen. Zuerst muss nun

gesagt werden, was eine Deduktion ist und welche unter­


schiedlichen Arten es von ihr gibt, damit die dialektische
Deduktion erfasst wird, denn diese untersuchen wir im
Zuge der vorliegenden Abhandlung.
[25] Eine Deduktion ist also ein Argument, in welchem
sich, wenn etwas gesetzt wurde, etwas anderes als das Ge­
setzte mit Notwendigkeit durch das Gesetzte ergibt. Ein
Beweis liegt dann vor, wenn die Deduktion aus wahren
und ersten (Sätzen) gebildet wird, oder aus solchen, deren
Kenntnis ursprünglich auf bestimmte wahre und erste
(Sätze) zurückgeht. [30] Dialektisch ist dagegen die De­
duktion, die aus anerkannten Meinungen deduziert. [100b
18] Wahre und erste (Sätze) sind aber diejenigen, die nicht
durch andere (Sätze), sondern durch sich selbst überzeu­
gend sind. Man muss nämlich bei den wissenschaftlichen
[20] Prinzipien nicht nach dem Warum suchen, sondern
jedes der Prinzipien ist an sich selbst überzeugend. Aner­
kannte Meinungen dagegen sind diejenigen, die entweder
von allen oder den meisten oder den Fachleuten und von
diesen entweder von allen oder den meisten oder den be­
kanntesten und anerkanntesten für richtig gehalten wer­
den. Eristisch aber ist eine Deduktion, die aus Meinungen
deduziert, die nur scheinbar, aber nicht wirklich aner­
kannt [25] sind, oder diejenige, die aus anerkannten Mei­
nungen oder aus scheinbar anerkannten Meinungen nur
scheinbar deduziert. Denn nicht alles, was eine anerkannte
Meinung zu sein scheint, ist auch eine anerkannte Mei-


Erstes Buch 47
46 Erstes Buch [100b-101a] I I 01 a-1 01 b]

n�ng. �enn �eine �er g.enannten anerkannten Meinungen 2


a s G e sa g te d ü rf te z u e rl ä u te rn s e in ,
tragt dte Schetnhafttgkett ganz auf der Oberfläche wie es Im A n sc h lu ss a n d
( 2 5]
in g e d ie .f.t b h a n d lu n g n ü tz -
bei d�n Prinzipien der eristischen Argumente der fall ist, für wie viele und für welche D b u n g , fü r d ie B e ­
1 ich is t. S ie is t es fü r d re i D in g e : fü r d ie U
wo d1e Natur des �ehle:s in der Regel sofort denjenigen fü r d �� p h il o so p h � sc h � n Wi s­
:'_ollko�men klar 1st, d1e [30] auch nur ein wenig den gegnungen (mit der Menge), g n ü tz h c h 1s t, v e r­
sen sc h a ft e n . D a ss si e n u n fü r d ie U b u n
Uber�h�k bewahren k�nnen . . [101a] Die erste der genann­ w e n n w ir ü b e r e in V e rf a h r e n
ten ertsttschen Deduktionen 1st ebenfalls als >Deduktion< steht sich von selbst. Denn n k ö n e n , w a s
zu bezeichnen, die andere zwar als >eristische Ded�ktion< verfügen, werden wir leichter a n g re if e � [3 0 ]
v o rl e g t. F ü r d ie B e g e g n u n g e n (m 1t d e r M e n g e )
aber nicht als >Deduktion<, da sie nur scheinbar:' aber nich; man u n s
ir d ie M e in u n g e n d e r L e u te
wirklich deduziert. aber, weil wir uns, nachdem w n d fr e m d e r, s o n ­
gesi c h te t h a b e n , m it ih n e n n ic h t a u fg ru
[5J. Ferner. �ib � es aber neben allen den genannten De­ n si c h te n a u se i a n d e rs e t z e n
duktiOnen dieJemgen. Fehlschl�sse, die aus den eigentümli­ dern aufgrund ihrer eigenen A � .
rd e n u n d d a b e i d a s z u re c h tr ü c k e n , w a s s1 e u n s n tc h t
chen Annahmen bestimmter Wissenschaften entstehen wie w e so p h is c h e n W is ­
richtig zu sagen scheinen. F ü r d ie p h il o
es . bei der Geometrie und den damit verwandten n'iszi­ ir , w e n n w ir z u b e id e n S e it e n
phnen vorkommen kann. Es hat nämlich den Anschein se n sc h a ft e n a b e r, w e il w [3 5 ]
e h e n k ö n n e n , le ic h te r a n je d e m
dass di�se Form sich von den genannten Deduktionen un � hin Schwierigkeiten durchg e rb li c k e n w e r d e n .
sowohl das Wahre als auch d a s F a ls c h e
tersche1det : Denn we?er aus wahren und ersten (Sätzen) d ie e rs te n (S ä tz e ) e in e r je d e n Wi s­
.
[ � 0] deduziert de9emge, der durc� falsche Zeichnungen Fe rn e r is t si e a b e r fü r
is t u n m ö g li c h , a u sg e h e n d v o n
tauscht � noch �u.s anerkannten Metnungen. Er fällt nicht senschaft nützlich: Denn es ie g e n d e n W is se ­
den eigentümlichen Prinzipien e ? . ? ) zu sagen, d a d e i e r v rl �
�nte� �1e Definition, denn er nimmt weder an, was alle für ir g e n d e tw a s ü b e r d ie se (P r1 n Z 1p 1e n �
rtchttg 1ialten, noch die meisten noch die Fachleute und scha ft e n ) v o rr a n g tg
Prinzipien gegenüber allen (a n d e re � S � tz .1lfe der
von diesen weder alle noch die meisten noch die anerkann­ g e g e n n o tw e n d tg , s1 e m 1t H
testen, sondern er bildet [15] die Deduktion aus den An­ [1 0 1b] sind; es ist d a
n te n M e in u n g e n d u r c h z u g e ­
n �hmen, di� zwar der Wissenschaft eigentümlich, aber über sie bestehenden anerkan o d e r im h ö c h st e n
he n . D ie s a b e r is t d a s E ig e n tü m li c h e
ntcht wahr stnd. Indem er entweder die Halbkreise nicht so D a si e e in P rü fu n g sv e rf a h r e n
zeichnet, wie es sich gehört, oder bestimmte Linien nicht Maße Eigene der Dialektik: n z ip ie n v o n a ll e n
is t, e rö ff n et si e e in e n W eg z u d e n P ri
so z�eht, wie sie zu ziehen sind, bildet er den Fehlschluss.
D1� Arten der Dedu�ti�n seien d�rch das Gesagte im Disziplinen.
Umnss erfasst. Allgemem 1st auch mit Hinblick auf alles,
was gesagt wurde, [20] und auf das, was später gesagt wer­ 3
[5] Vollständig im Besitz dieses Verfahrens werden wir
den soll, zu bemerken, dass wir es (nur) so weit bestimmen sein, wenn wir darüber in ähnlicher Weise verfügen wie
wollen, da wir nicht vorhaben, für irgendetwas davon eine über die Rhetorik und die Heilkunst und derartige Fähig­
genaue Erklärung zu geben, sondern wir wollen es nicht keiten. Das bedeutet, dass wir nach Möglichkeit tun kön­
weiter a�s im Umriss abhandeln, weil wir glauben, dass für nen, was wir vorhaben. Denn weder wird der Redner auf
d �s vorh�ge r:de Verfahren die Fähigkeit vollkommen aus­ jede Weise überzeugen noch der Arzt heilen; wenn er aber
reichend 1st, Jedes von ihnen irgendwie zu erkennen.

I
48 Erstes Buch [101b] 1 1 0 l b-1 02a] Erstes Buch 49

keine der Möglichkeiten auslässt, werden wir sagen, [10] lic Formulierung. So liegen [30] nämlich, wen n gefragt
dass er über die Wissenschaft in ausreichender Weise ver­ wird: »Ist >zweibeiniges, sich zu Lande bewegendes Lebe ­
fügt. wesen< die Definition für Men sch? « und »Ist Lebewesen
die Gattung des Menschen?«, Prämissen vor. Wenn aber
4 gefragt wird: »Ist >zweibeiniges, sich zu Lande bewegen-
Zuerst muss betrachtet werden, auf welchen Dingen das Ies Lebewesen< die Definition für Mensch oder nich t?«,
Verfahren beruht. Wenn wir nun erfassen, auf wie viele wird daraus ein Problem. Eben so verhält es sich auch in
und auf welche Dinge sich die Argumente beziehen, wor­ den anderen Fällen. Daher überrascht es nicht, dass die
aus sie gebildet werden und wie wir mit ihnen ohne ])robleme [35] und die Prämissen der Zahl nach gleich
Schwierigkeiten argumentieren, dürften wir die vorliegen­ sind, denn aus jeder Prämisse lässt sich ein Problem bil­
de Aufgabe angemessen gelöst haben. Es ist der Anzahl den, indem man die Formulierung verändert.
nach gleich und dasselbe, woraus die Argumente sind und
worüber [15] die Deduktionen gebildet werden. Die Argu­ 5
mente werden aus Prämissen gebildet, worüber aber die Was Definition, Eigentümlichkeit, Gattung und Akzidens
Deduktionen gebildet werden, das sind die Probleme. sind, muss erläutert werden. Eine Definition ist eine Be­
Jede Prämisse und jed es Problem bezeichnet entweder griffsbestimmung, die das Was-es-hieß-dies-zu-sein be­
eine Eigentümlichkeit oder eine Gattung oder ein Akzi­ zeichnet. Entweder gibt man [102a] die Begriffsbestim­
de ns. De r Unterschied ist nämlich, weil er mit der Gat­ mung anstelle eines Wortes an oder eine Begriffsbestim­
tung verwandt ist, auch zur Gattung zu rechnen. mung anstelle einer Begriffsbestimmung; es ist nämlich
Weil aber vo m Eigentümlichen der eine Teil das Was-es­ auch möglich, die durch eine Begriffsbestimmung be­
,
hieß- dies -zu -sein [20] bezeichnet, der andere dies aber zeichneten Dinge zu definieren. Diejenigen aber, deren
nicht bezeichnet, soll die Eigentümlichkeit in diese beiden Antwort irgendwie aus einem einzelnen Wort besteht, ge­
genannten Teile unterteilt werden, und der eine, der das ben offensichtlich keine Definition der Sache, weil jede [5]
Was-es-hieß-dies-zu-sein bez eichnet, soll >Definition< ge­ Definition eine Begriffsbestimmung ist. Als >definitorisch<
nannt, der .andere nach der gemeinsam für beide angegebe­ tnuss man allerdings auch derartiges gelten lassen wie:
nen Bezeichnung als >Eigentümlichkeit< angesprochen >Das Edle ist das Schickliche<. Ähnlich verhält es sich aber
werden. Au s dem Ge sagten ist also klar, dass durch die auch mit der Frage, ob Wahrnehmung und Wissen dassel­
jetzige Einteilung insgesamt vier (Teile) [25] entstanden be oder verschieden seien. Denn auch bei den Definitio­
sind: entweder Definition oder Eigentümlichkeit oder nen beschäftigt man sich am längsten damit, ob es dasselbe
Gattung oder Akzidens. Allerdings sollte niemand dies so oder verschieden ist. Der Einfachheit halber sollte man al-
auffassen, als würden wir behaupten, jedes von diesen
·

les >definitorisch< nennen, was unter dasselbe [1 0] Verfah­


stelle für sich allein durch die blo ße Nennung schon eine ren fällt wie die Definition. Dass alle soeben genannten
Prämisse oder ein Pro ble m dar, denn wir behaupten nur, Dinge von dieser Art sind, ist von selbst klar. Wenn wir
dass aus ihnen sowohl die Probleme als auch die Prämis­ nämlich in der Lage sind, dialektisch zu prüfen, was d� s­
sen gebildet werden. selbe und was verschieden ist, werden wir auch keine
Problem und Prämisse unterscheiden sich aber durch Schwierigkeiten haben, auf dieselbe Weise Definitionen


50 Erstes Buch [102a] Erstes Buch 51
1 1 02a-102b]
anzugreifen. Denn wenn wir gezeigt haben, dass es nicht ber die Frage, ob da s ei ne zu de rs el be n G at tu n � ge h ?. re
dasselbe ist, werden wir die D efi nition aufgehoben haben: w ie das andere od er zu ei ne r an de re n, de nn de ra rt tg : s f � llt
D as gerade Gesagte [15 ] lässt sich allerdings nicht umkeh­ unter dasselbe V er fa hr en w ie di e G at tu ng . W en n � am hc h
ren, denn, um eine D efi nition aufzustellen ist es nicht dialektisch geprüft w ur de , da ss da s L eb ew es en dt e G a � ­
ausreichend zu zeigen, dass es dasselbe ist . Um sie hinge­ tung des Menschen � � da r te ll , gl ei � he rm aß e � ab er au ch dt e
gen aufzuheben, genügt es zu zeigen, dass es nicht dassel­ des Rindes, wer de n w 1r dt al ek u sc h ge pr uf t ha be r;t , da ss
be ist . beide in dieselbe [1 02b] G at tu ng ge hö re n . W en ?- w 1 � ab er
Ei ne Eigentümlichkeit ist das, was zwar nicht das Was­ s e . ne n 1s t, � 1e de s
zeigen können, da ss es di e G at t� .ng de �
es-hieß-dies-zu-sein bezeichnet, was aber ausschließlich anderen jedoch ni ch t, w er de n w 1r dt al ek tt sc h �-ep ru ft ha -
dieser Sache zukommt und an ihrer Stelle ausgesagt wer­ ben, dass be id e ni ch t zu de rs el be n G at tu ng ge ho re n.
den kann. Beispielsweise ist es eine Eigentümlichkeit [20] .mes v n dt. e­
E in Akz id en s is t (e rs te ns ) da s, w as zw ar ke ?
des Menschen, dass er Lesen und Schreiben lernen kann. sen ist, weder [5] D efi ni ti on no ch E ig en tü m lic � ke tt no ch
D en n wenn etwas ein Mensch ist, dann kann es Lesen und Gattung, de r Sa ch e ab er zu ko m m t, un d (z w et te ns ) ? as ,
Schreiben lernen; und wenn es Lesen und Schreiben lernen was einer und dersel be n Sa ch e zu ko m m en un d au ch m ch t
kann, dann ist es ein Mensch. N ie mand bezeichnet näm­ zukommen kann . Z um B ei sp ie l ka nn de rs � lb : n Sa c ? e
lich als Ei gentümlichkeit etwas, das auch anderem zukom­ >sitzt< zukomm en un d ni ch t zu ko m m en ; m 1t >1S t w et ß<
n:en kann, beispielsweise >Schlafen< als Eigentümlichkeit verhält es sich ähnlich. D en n es sp ri ch t ni ch ts da ge ge r;t ,
eines Menschen, selbst dann nicht, wenn es zufällig zu ei­ dass dieselbe Sach e zu ei ne m Z ei tp un kt w ei � un d zu e � ­
ner bestimmten Zeit ausschließlich ihm zukäme. Wenn nem anderen ni ch t w ei ß is t. [1 0] V on de n be t � en D efi m ­
also auch etwas [25] Derartiges als Ei gentümlichkeit be­ tionen für das Akzid en s is t di e zw ei � e al le rd m s
� . be ss er .
zeichne(wird, dann nicht schlechthin, sondern man m üs s­ B ei der ersten ist es nä m lic h no tw en dt g, w � nn s1 e Je � � nd
te es >zeitweilige< oder >relative< Eigentümlichkeit nennen. verstehen will, da ss er be re it s w ei ß, w as e m e D efi m u � n,
D en� a�f der. rechten Seit� z� � ein is� eine zeitweilige Ei ­ .1st. D te . zwette
. eine E ig en tü m lic hk ei t un d ei ne G at tu ng
gent� mlichkeit, und Zweibeinigkelt 1st gelegentlich eine dagegen reicht allein e au s, u m zu er ke nn en , w as da s G e-
relative Eigentümlichkeit, beispielsweise für den Men­ meinte an sich ist. . ti. gen
schen relativ zu Pferd und Hund. Dass von dem, was auch Z um Akzid en s ge hö re n ab er [1 5] au ch di e � eg en � ei
auf etwas anderes zutreffen kann, nichts anstelle der Sache Vergleiche, die irg�nd w ie m � t � lic k au f A kZ l ? en u en fo r­
ausge�agt werden kann, ist klar. D en n es ist nicht [30] not­ 1e zu m B et sp te l, ob da s S ho . ne od er da s
wendig, dass, wenn etwas schläft, dies ein Mensch ist. muliert werden, w �
Nützliche in hö he re m M aß e w äh le ns w er t 1s t un d ob d .as
Gattung ist das, was in der Kategorie des Was -es-ist von tugendhafte oder das ge nu ss re ic he L eb en an g: ne hm er 1s t
m�hreren, de; Art nach verschiedenen Dingen ausgesagt und was so ns t noch w ie di es e B ei sp ie le fo rm uh er t w er � en
Wird. Unter >In der Kategorie des Was -e s- ist ausgesagt<, ist sollte. B ei allen de ra rt ig en (V er gl ei ch en ) nä m lic h st el lt s1 � h
al� das zu verstehen, womit die Frage, was das Vorliegende die Frage, w el ch em de r be id en D in ge da s A us ge s ag te . m
sei, angemessen beantwortet werden kann. So ist es beim . ht hc h
.

[20] höherem G rade ak zi de nt e� l zu ko � m t. O �fe n �� t


Menschen [35] angemessen, auf die Frage, was er sei, zu spricht nichts da � .. � g ge n, da s em A kz td en s ze tt w et hg u n ?
antworten, er sei ein Lebewesen. Gattungsbezogen ist .ett werden kann. Z um B e1 -
relativ auch zur E tgentumhchk
Erstes Buch 53
52 Erstes Buch [102b-103a] ( 1 03a]
spiel w�rd das Akzidens des Sitzens, wenn zeitweilig nur 7
V er w en -
einer sitzen sollte, eine Eigentümlichkeit sein; wenn er Zuerst müssen wir ab er d ie u n te rs ch ie d li ch en
nicht als Einziger sitzen sollte, dann wird es relativ zu dungsweisen von >iden ti sc h < b es ti m m en . E s sc h ei n t, al s
denjenigen, die nicht sitzen, eine Eigentümlichkeit sein. sollte man den Begriff >i d en ti sc h <, im U m ri ss ge fa ss t, d re i­
Daher spricht auch [25] nichts dagegen, dass ein Akzidens fach unterteilen. D en n w ir si n d ge w o h n t, et w as en tw ed er
relativ und zeitweilig zur Eigentümlichkeit wird. Es wird >der Zahl nach< od er >d er A rt n ac h < o d er >d er G at tu n g
aber nicht schlechthin eine Eigentümlichkeit sein. nach< identisch zu nen n en . D er Z ah l n ac h id en ti sc h sa ge n
wir. wenn mehrere N am en si ch au f ei n e Sa ch e be zi eh en ,
6
'

[1 0] beispielsweise >Kleid u n gs st ü ck < u n d >G ew an d <. D er


'Yir �ollte? aber nicht vergess �n, dass alles, was zu Eigen­ Art nach identisc h sa ge n w ir, w en n es m eh re re (S ac h en )
tumhchkeit, Gattung und Akztdens gesagt wurde, auch im sind, die aber der A rt n ac h n ic h t u n te rs ch ie d en w er d en ,
Hinblick auf die Definition angemessen sein wird. Wenn beispielsweise Mensch v o n M en sc h o d er .P fe r � v o n � fe rd ,
wir nämlich gezeigt haben, dass die Definition nicht aus­ denn diejenigen Dinge sin d d er A rt n ac � 1d e � ti SC � , ? Ie . u n ­
äh n h. ch er W e1 se si n d d ie Je n ig en
schließlich [30] auf ihren Gegenstand zutrifft - wie auch ter dieselbe Art fa ll en . In
bei der Eigentümlichkeit -, oder dass in der Definition Dinge der Gattung n ac h id en ti sc h , d ie u n te r d ie se lb e G at -
nicht die (richtige) Gattung angegeben wurde, oder dass tung fallen, b ei sp ie ls w ei se P fe rd m � t M en sc � .
. , d as s d ie A rt , W ie m an W as se r
et�vas, das in der Formulier':lng der J? efinition behauptet Man könnte meinen [1 5]
ch ie d
wird, auf den Gegenstand ntcht zutrifft - was auch über aus einer Quelle identisch n en n t, n o ch ei n en U n te rs
das Akzidens gesagt werden kann -, werden wir die Defi­ aufweist zu den ge n an n te n V er w en d u n gs w ei se n . So is t es
nition aufgehoben haben. aber nicht, sondern d ie se r F al l m u ss d er gl ei ch en G ru p p e
Da �� ist nach der oben gegebenen Erklärung alles, was zugeteilt werden, wie d ie je n ig en , d ie im H in b li ck au f ei ne
.
Wir btsher aufgezählt haben, in bestimmter Weise definito­ Art irgendwie >identisch < ge n an n t w er d en . D en n al le d er
risch. [35] Aber deswegen sollte man nicht nach einem all­ Art nach identischen Dinge si n d an sc h ei n en d ve rw an d t
gemeinen Verfahren für alles suchen. Denn erstens ist dies und einander ähnlic h . M an be ze ic h n et n äm lic h je d es W as ­
nicht leicht zu finden, zweitens, selbst wenn man es fin­ ser mit jedem als [2 0] id en ti sc h , d a si e ei n e b es ti m m te
det, dürfte es vollkommen unklar und unbrauchbar für die Ähnlichkeit besitzen. W en n W as se r n u n au s d er se lb en
vorliegende Untersuchung sein. Wenn man jedoch für jede Quelle fließt, besteht der U n te rs ch ie d le d ig li ch d ar in , d as s
der unterschiedenen Gattungen ein eigenes Verfahren an­ die Ähnlichkeit d eu tl ic h er au sg ep rä gt is t, d es h al b tr en n en
gi.bt, dürfte . sich �us den Eigentümlichkeiten [103a] jeder wir diesen Fall nich t vo n d en en , d ie m it ir ge n d ei n em B e-
Einzelnen eine leichtere Durchführung des Vorliegenden zug auf ei n e A rt } d en t � sc h . ge n an n t w � rd en . .
ergeben. Daher muss man sie, wie zuvor gesagt wurde, im Mit größter Uberem st 1m m u n g w 1r d an sc h em en d d as ,
Umriss einteilen, von den übrigen (Gattungen) aber muss was der Zahl nach eines is t, v o n al le n >id en ti sc h < ge n an n t.
n:an das einem jeden jeweils am meisten Eigentümliche [25] Und doch pfl eg t m an au ch d ie s au f m eh re re W ei se n
hinzunehme� und es als >definitorisch< und >gattungsbe­ aufzufassen. Hauptsäc h li ch u n d in er st er L in ie w ir d et w as
z�gen< bezeic�nen: .Ungefähr so wurden die genannten als identisch aufgefasst , w en n d as Id en ti sc h e m it se in em
Dinge [5] den JeWeihgen (Gattungen) zugeteilt. Namen oder seiner Defi n it io n an ge ge b en w ir d , w ie b ei
54 Erstes Buch [103a-103b] ( 103b] Erstes Buch 55

der Identität von >Kleidungsstück< mit >Gewand< oder von we nn er an ste lle de r Sa ch e au sg esa gt we rd en ka nn , wi rd es
>sich zu Lande bewegendes, zweibeiniges Lebewesen< mit sich um eine Definition oder um eine Eigentümlichkeit
>Mensch<. In zweiter Linie, wenn das Identische mit einer handeln. - Wenn der Ausdruck nämlich [10] das Was-es­
Eigentümlichkeit angegeben wird, wie bei der Identität hieß- di es- zu -se in be ze ich ne t, ha nd elt es sic h um ein e De ­
von >für Wissen empfänglich< mit >Mensch< oder von >na­ finition wenn er dies aber nicht bezeichnet, um eine Ei­
türlicherweise aufsteigend< mit >Feuer< . Drittens dann, gentü m h ch ke it. De nn die Ei ge ntü ml ich ke it, sag ten wi r, sei
wenn die Identität von [30] einem bloßen Akzidens her­ das, was zwar anstelle der Sache ausgesagt werden kann,
rührt, wie die von >Sitzendes< oder >Gebildetes< mit >So­ jedoch nicht das Was-es-hieß-dies-zu-sein bezeichnet . -
krates<. Denn alle derartigen Angaben haben den Zweck' Wenn er ab er nic ht an ste lle de r Sa ch e au sge sag t we rd en
eine Identität der Zahl nach zu bezeichnen. kann, gehört er entweder zu den Ausdrücken, die in. der
Dass das soeben Gesagte wahr ist, wird man am leich­ Defin iti on de s Su bje kt s ve rw en de t we rd en , od er nic ht .
testen einsehen, wenn man betrachtet, wie wir Bezeich­ Und wenn er zu den in der De finition verwendeten Aus­
nungen durch andere ersetzen. Oft nämlich, wenn wir un­ dr üc ke n ge hö rt, wi rd er en tw ed er die Ga ttu ng [15 ] od er
t�r Verwendung des Namens den Auftrag geben, einen der den (artb ild en de n) Un ter sch ied an ge be n, we il ein e De fin i­
Sitzenden zu rufen, [35] ändern wir die Bezeichnung dann, tion aus Gattung und (artbildenden) Unterschieden be ­
�e�n �erJemg�, dem wi: den . Auftrag gegeben haben, zu­
. _ ni ch t zu r De fin iti on ge ­
steht. W en n de r Au sd ru ck ab er
fallig nicht weiß, wen Wir meinen . Damit er es durch eine hört, ist klar, dass er ein Akzidens der Sache angibt. Denn
Akzidensangabe bes ser verstehe, befehlen wir ihm, den zu Ak zid en s wu rd e da s ge na nn t, wa s we de r De fin iti on no ch
� ns zu rufen, �er sitzt oder der sich gerade unterhält . Es Eigentümlichkeit noch Gattung ist, der Sache aber zu­
Ist klar,. dass Wir dabei annehmen, mit Namen und Akzi­ kommt.
dens dasselbe zu bezeichnen.
9
8 [20] Im An sch lus s hie ran mü sse n die Ga ttu ng en de r Pr äd i­
[103bJ Es soll also, wie ausgeführt, >identisch< dreifach un­ kationen unterschieden werden, in welchen die genannten
terteilt werden. Davon, dass die Argumente aus den zuvor vie r au ftr ete n kö nn en . Vo n ihn en gib t es ze hn , nä ml ich :
genannten Dingen gebildet werden und durch diese und Was-es-ist, Quantität, Qualität, Relation, Ort, Zeit, Lage,
mit Hinblick auf diese, kann man sich zum einen auf in­ Be sit z Tu n, Le ide n. Ste ts we rd en Ak zid en s, Ga ttu ng , Ei -
' .
duktiv:m Weg überzeugen. Wenn sich nämlich j emand gentüm lic hk eit un d De fin iti on ein er Sa ch : un ter [2 ? ] ein e
.
all� Framissen und Probleme genau ansähe, [5] würde sich dieser Kategorien fallen . Denn all� aus dies �n gebildet�n
be ze ich ne n, wa s etw as Ist od er wi e gro ß es ISt
�e1ge�, da �s sie alle aus einer Definition, einer Eigentüm­ Pr äm iss en
lichkeit, einer Gattung oder einem Akzidens entstanden oder wie es be schaffen ist oder eine der übrigen Katego-
sind. rien.

Zum anderen kann man sich davon auf deduktivem Es ist von selbst klar, dass der (Ausdruck), der das Was­
Weg überzeugen. Notwendigerweise kann nämlich jeder es-ist be zeichnet, manchmal eine Substanz bezeichnet,
Ausdruck, der von etwas anderem ausgesagt wird, entwe­ manc hm al ab er au ch ein e Qu an tit ät od er ein e Qu ali tät
der anstelle der Sache ausgesagt werden oder nicht. Und oder etwas aus den übrigen Kategorien. Denn wenn (das

I

I

56 Erstes B u ch [1 0 3 b-104a J f l 04a] Erstes Buch 57


Beispiel) >Mensc�< ?etrachtet wird
das Bet�achtete se1 em Mensch oder [ 3 0 ] u n d j emand sagt, Dialektische Prämissen sind aber auch diejenigen, die
a s e s 1 s t , e i n L e b e w e s e n s a g t er. n anerkannten Meinungen ähnlich sind, und �ie ver­
w: u ': d bezeichnet eine Substanz. Wenn
�1e Far?e �e1ß betra htet wird und dagege� •n.-inten Gegenteile der gültigen anerkan_nten Metnungen
hc�e se1 w:e1ß ode� me Farbe, sag � j e m a n d s agt, das Frag­ nd alle [15] Ansichten, die aus dem Bere1c � der bestehen­
:
Zeichnet e�n e Quah�a. t. Und wenn d t e r , w a s es i s t , und b e ­ n Künste stammen. Wenn es nämlich e1ne anerkannte
trach�et Wird und emer sagt, das Fr i e L ä n g e e i n e r E l l e be­ Meinung ist, das� da�s �lbe Vermögen. Gegensätzliches e�­
von e1?:: �!le, s agt er, was es ist, un a g l i c h e s e i e i n e Länge ..--:.......t dürfte es In gle1chem Maße e1ne anerkannte Mei­
q u a n t l t a t . . d [ 3
A h n h c h verhält es sich b e i d e n a n d e 5 ] b e z e i c h n e t e i n e nung �ein, dass Gegensätzliches mit dems.elben Ve�mögen
nen. Denn sowohl, wenn es selbst vo ren Katego­ wahrgenommen wird . Und we�n es nur e1ne Sc�re1bk�nst
.
a l s � u c h , wenn d 1 e G a t t u n g davon a u n s i c h ausgesagt wird, gibt, dann gibt es auch nur e1ne Kunst . des Floten�p1els,
.
n e t J e d e v o n d 1 e s e n K a t e g o r i e n , was s g e s a g t w ird, bezeich­ wenn es aber mehrere Schreibkünste g1bt, dann g1b � es
_w'enn es a �er von etwas an�erem e t w a s i st. uch mehrere Künste des Flötenspiels. Denn alle d1ese
ze1chn�t es n�c�t das _w'as-es-1st, s a u s g e s a g t wird, be­ Dinge [20] scheinen ähnlich und verwandt zu sein. .
.
oder d1e Quahtat od �r 1rge deine de o n d e r n d i e Quantität Auf ähnliche Weise sind anscheinend aber auch die ver­
.
[ 1 04a] D1ese und so v1ele Dmge si ': r a n d e ren K a t e g o r i e n . neinten Gegenteile der anerkannten Mein�ngen anerkan�­
A7gu�ente handeln und woraus sie n d e s d a h e r, worüber die te Meinungen. Wenn nämlich anerkannt 1st, dass man sei­
Wlr s1e a �er erfassen und ohne Schw g e b i l d et werden. Wi e nen Freunden Gutes tun solle, dann genauso, dass man
a r g u m e n t i e r e n werden, s o l l s p ä t e r g i e r i g keiten m i t ihnen ihnen nichts Böses tun darf. Das Gegenteil ist, dass man
e s a g t werden . seinen Freunden Böses tun muss, die verneinte Form da­
10 von aber dass man ihnen nichts [25] Böses tun darf. In
Z��rs.t ist jetzt ZU Unterscheiden, ähnliche; Weise': wenn man seinen Freunden Gutes tun
P r�m�s s e und w�s ein di lektisches P W a s e i n e dialektische soll, dann auch: dass man seinen Feinden nichts �utes tun
Pram1sse und �ucht [5] J edes Probl � r o b l e m i s t . Nicht jede darf. Auch dies ist die Verneinung des Gegenteils, denn
a�zusetzen. N1emand, der bei Verst e m s i n d als d i a l e k t i s c h das Gegenteil ist, dass man seinen . Feinden Gute� tun
m i s s e. v e r t r e t e n , d i e n i e m a n d f ü r r i ca n d i s t, wird eine Prä­ muss . So verhält es sich aber auch be1 den anderen Fallen. .
was .em �ro ?lem machen, was für al h t i g h ä l t , oder aus e t ­ Als anerkannte Meinung wird sich in . der Gegenübe�­
f en s1 chthch 1 s t . D e n n d a s e i n e enthä l e o d e r die meisten of­ stellung aber auch das konträre Gegentell vom Gegenteil
da� a.nde�e würde niemand vertre l t k e i n e S c hwierigkeit erweisen. Zum Beispiel: Wenn man Freunden Gutes [30]
I P r a m 1 � s e 1 s t d a g e g e n e i n e Frage, d i t e n . E i n e dialektisch � tun muss, dann muss man auch Feinden Böses tun. Es
der b�1 allen oder den meisten ode e a n e r k annt i s t , entwe­ könnte den Anschein haben, als wäre >Freunden �ut�s
von d1esen [ 1 0] entweder bei allen r d e n F a chleuten, und tun< das Gegenteil von >Feinden Bö� e� tun<. Ob ?1es 1n
den bekanntesten, s o fern s i e nich o d e r d e n m e i s t e n oder Wahrheit so ist oder nicht, werden wir 1n den Ausfuhrun-
herrschenden Meinung s t e h t . D e n n t i m W i d e rspruch zur gen über die Gegensätze sagen. .
.
tret�n, was d1e Fachleute für richti m a n w ü r d e d o c h ver­ _ .
Es ist aber klar, dass dte Ansichten aus dem Bereich der
Ansichten d e r Menge nicht entgege g h a l t e n , w e n n es den Künste dialektische Prämissen sind. Man übernimmt näm­
ngesetzt i s t . lich [35] die Ansichten derer, die diese Dinge genau unter-

I
58 Erstes Buch [104a-104b] l l 04b-105a] Erstes Buch 59

s l!cht haben, �n Fragen der Heilkunst beispielsweise ist s keinen Widerspruch gebe, wie Antisthenes sagte, oder
dies der Arzt, In Fragen der Geometrie der Mathematiker. dass sich alles bewege, nach Heraklit, oder dass das Sein
Und ähnlich verhält es sich bei den übrigen Künsten. ines sei, wie Melissos sagte. Sich den Kopf zu zerbrechen,
wenn irgendein Beliebiger etwas behauptet, das unseren
11 Ansichten entgegengesetzt ist, wäre nämlich dumm. Oder
[104b] Ein dialektisches Problem ist eine Fragestellung, die (Thesen sind die Auffassungen), über die wir ein Argu­
entweder au f Wählen und Vermeiden oder auf Wahrheit tnent besitzen, das den Meinungen (der meisten) entge­
und Erkenntnis zielt --:- entweder selbst oder als Beitrag auf gengesetzt ist, [25] zum Beispiel: >Nicht alles, was ist, ist
etwas anderes von dteser Art -, wovon entweder keine entweder entstanden oder ewig<, wie die Sophisten (mit
v?n beiden (Antworten) für richtig gehalten wird, oder dem folgenden Argument) behaupten: >Wer nämlich gebil­
d1e Menge anders denkt als die Fachleute oder die [5] det ist, der ist auch sprachkundig, obwohl er es weder ge­
Fachleute �nders denken als die Menge oder innerhalb je­ worden ist noch ewig ist.< Denn auch wenn jemand dieses
der von betden (Gruppen Meinungsverschiedenheiten be­ (eigentlich) nicht für richtig hält, könnte er es (doch) für
stehen). Einige der Probleme zu kennen ist nützlich mit richtig halten, weil es dafür ein Argument gibt .
Blick �uf das Wählen oder Vermeiden, zum Beispiel: >Soll Auch die These ist also ein Problem, aber nicht jedes
m�n die Lust w�hlen oder nicht?<, einige dagegen nur mit [30] Problem ist eine These, da einige der Probleme so be­
Bhck auf ? as WI� sen, zum Beispiel: >Is t die )Velt ewig oder schaffen sind, dass wir keine von beiden Antworten für
n1c .
. ht ?<. Einige sind aber an sich selbst für keines von die­ richtig halten. Dass aber auch die These ein Problem ist,
sen beideD: nützlich, sondern sind B eiträge zu der Klärung ist klar. Denn aus dem Gesagten folgt notwendig, dass die
von [!0] Irgendwelchen Fragen di. eser Art. Denn viele Menge über eine These anderer Meinung ist als die Fach­
Dinge wollen wir nicht als solche selbst erkennen, son­ leute oder dass innerhalb einer der beiden (Gruppen Mei­
?ern wegen anderer Dinge, um auf diesem Wege durch

nungsverschiedenheiten bestehen), da eine These eine der


Jene etwas anderes zu erkennen. Probleme sind aber auch herrschenden Meinung widersprechende Auffassung ist.
diejenig�n (Fra�estellungen), zu denen es entgegengesetzte [35] Derzeit werden jedoch fast alle dialektischen Proble­
Deduktionen gibt, denn es bereitet Schwierigkeiten zu sa­ me Thesen genannt. Es soll aber keinen Unterschied ma­
gen, ob es sich auf eine bestimmte Weis e verhält oder chen, wie sie genannt werden, denn wir haben sie nicht
nicht, da es überzeugende Argumente für beide Seiten unterteilt, um Namen zu erfinden, sondern damit [105a]
gibt; und diejenigen, zu [15 ] denen wir wegen ihrer Größe uns nicht verborgen bleibt, welche Unterschiede zwischen
über ke�n A�gument verfügen, weil wir glauben, dass es einigen von ihnen bestehen.
.
·

s�hwiertg s �I, das W�rum anzugeben, zum Beispiel: >Is t Man soll weder jedes Problem noch jede These untersu­
d1e Welt ewig oder nicht?< . Denn man könnte wohl auch chen, sondern diejenigen, bei denen jemand Schwierigkei­
derartige Dinge untersuchen. ten haben könnte, weil er Argumente benötigt und nicht
D ie Probleme uD:d die �räm�ssen sollen nun, wie ausge­ Züchtigung oder Wahrnehmung. Denn wem es Schwierig­
. .
fuhrt wurde, definiert sein. Eine These aber ist eine der keiten bereitet zu sagen, ob man [5] die Götter ehren und
herrschenden Meinung widersprechende Auffassung von die Eltern lieben soll oder nicht, benötigt Züchtigung;
.
etnem der [20] bekannten Philosophen, zum Beispiel, dass wem es aber Schwierigkeiten bereitet zu sagen, ob Schnee

I

60 Erstes Buch [1 05a] l 1 05a-105b] Erstes Buch 61
weiß ist oder nicht, der benötigt Wahrnehmung. Auch Letztere verloren hat, es sich wieder beschaffen kann, [30]
sollte man weder diejenigen (Probleme und Thesen) un­ as Erste jedoch nicht< und >Das Gesunde verhält sich zur
tersuch�n, bei welchen der Beweis nah ist, noch diejeni­ esundheit ähnlich wie das Kräftigende zur Körperkraft<.
g�n, bet welchen er übermäßig weit entfernt ist. Denn die ..".�ie erste Prämisse handelt von den verschiedenen Ver­
��nen enthalten keine Schwierigkeiten, die anderen für die wendungsweisen, die zweite von den Unterschieden und
Ubung zu viele. die dritte von den Ähnlichkeiten .

12
14
[1 0] Nachdem diese Dinge definiert sind, muss man noch Die Prämissen sind auf so viele Weisen auszuwählen, wie
eint:ilen, :vie viele Arte:" von dialektischen Argumenten in den Ausführungen [35] über die Prämisse unterschieden
.
es gtbt. D te etne (Art) 1s t dte. Induktion, die andere die
Deduk�ion. Und �as eine �eduktion ist, wurde früher ge­ wurden: indem man sich entweder die Meinungen aller
sagt. Etne Induktion aber 1st der Aufstieg vom Einzelnen vornimmt oder die der meisten oder die der Fachleute und
zum Allgemeinen. Zum Beispiel: Wenn derjenige Steuer­ von diesen wiederum entweder die Meinungen aller oder
.
mann, der steh auskennt, der beste (Steuermann) ist [1 5] der meisten oder der bekanntesten, oder die Gegenteile
und so au.ch beii?- �agenlen�er, dann is t überhaupt in je­ der [105b] anscheinend (anerkannten Meinungen) und al�e
dem B eretch derJentge, der steh auskennt, der beste. Die Ansichten, die aus dem Bereich der Künste stammen . Dte
Induktion ist überzeugender und klarer und anschaulicher Gegenteile der anschein.end anerkannten !"feinun&en �uss
und der Menge vertraut, die Deduktion is t dagegen zwin­ man allerdings in verneinter Form vorbrtngen, w1e froher
gender und gegen die Gegenredner wirksamer. gesagt wurde. . .
' Nützlich ist es ferner auch, selbst Präm1ssen hervorzu­
13
bringen, indem man nicht nur die bestehenden aner�a�n­
ten Meinungen sammelt, sondern [5] auch solche, d1e Ih­
[20] Die Gattungen (der Dinge), über die und aus denen nen ähnlich sind, zum Beispiel: >Dasselbe Wahrnehmungs­
die Argumente gebildet werden, sollen damit also defi­ vermögen bezieht sich auf die Gegensätze<, denn auch
n�ert sein� wie zuvor gesagt wurde. Werkzeuge aber, durch dasselbe Wissen (bezieht sich auf die Gegensätze), und
d:e uns dte Deduktionen leichter gelingen werden, gibt es >Wir sehen, indem wir etwas von außen empfangen, und
v1er: erstens, die Prämissen zu erfassen, zweitens, untertei­ nicht' indem wir etwas aussenden<, denn so verhält es sich
len zu können, auf wie viele verschiedene Weisen ein Aus­ auch bei den anderen Sinnen: Wir hören, indem wir etwas
druck verwendet wird, drittens, die Unterschiede heraus­ von außen empfangen, und nicht, indem wir etwas aus­
zufinden [25] und viertens die Betrachtung des Ähnlichen. senden, und genauso schmecken wir. Und ebenso verhält
In gewisser Weise aber handelt es sich auch bei den letzten es sich bei den [10] anderen Sinnen.
?reien um Prämissen. Man kann nämlich durch jedes von Ferner lässt sich alles, was in allen oder den meisten
thnen. solche Prämissen bilden, zum Beispiel: >Wählens­ Fällen zu gelten scheint, als Ausga?gsp�nkt und gla�b­
wert 1st entweder das Schöne oder das Angenehme oder würdige These nehmen. Denn wer ntcht steht, dass es s1ch
das Nützliche< und >Der Unterschied zwischen Wahrneh­ in einem bestimmten Fall nicht so verhält, gesteht es zu.
mungsvermögen und Wissen besteht darin, dass, wer das Auswählen sollte man die Prämissen auch aus schriftli-
62 Erstes Buch [1 05b] Erstes Buch 63

chen Abhandlungen und dafür Verzeichnisse anfertigen, 15


die man für jede Gatt�?g gesondert anlegt, zum Beispiel I I Olla] Übe r di e Pr äm is se is t d � m it nu n ge nu g ge s � gt w or -
>Uber das Gute< oder >Uber [15] Lebewesen< und über alle 1 n. B ei den Ver w en du ng sw el se n ab er so ll m an n1 ch t nu r
Aspekte des Guten, angefangen mit dem Was-es-ist. Man tn tcrsuchen, auf wie vi el e ve rs ch ie de ne W ei se n ei n A us ­
sollte daneben aber auch die Ansichten von Einzelnen h uck verwende t w ir d, so nd er n m an m us s au ch ve rs u­
verzeichnen, zum Beispiel: >Empedokles sagte, dass es vier h n deren B egriffsb es ti m m un ge n an zu ge be n, zu m B ei ­
Ele��nte der Körper gebe<. Denn es wird wohl mancher l'ici' nicht nur [5 sa ge n, da ss G er ec ht ig ke it un � 'J_'
a pf er ­
]
t ge na nn t w er de n, da s K ra . ft 1g en de
der Außerung eines anerkannten Fachmanns zustimmen . it auf eine Weise gu
Es gibt, um es im Umriss zu bestimmen, drei Gruppen 11d das Gesunde da ge ge n au f ei ne an de re , so nd er n au ch ,
von Prämissen und [20] Problemen, denn es gibt Prämis­ I ss die einen se lb st be st im m te Q ua lit ät en si nd , di e an de -
sen aus den Bereichen der Ethik, der Naturforschung und 1 n aber etwas he rv or br in ge n kö nn en un d ni ch t se lb st be ­
der Logik. Zur Ethik gehören derartige Fragen wie: >Soll titnmte Qualitäten sind . A uf di es e W ei se is t ab er au ch be i
man eher den Eltern oder den Gesetzen gehorchen, wenn I ·n anderen Verwendungsweisen zu verfahren.
beide Verschiedenes verlangen?< Zur Logik gehören Fra­ Ob etwas aber de r A rt na ch au f vi el e W ei se n od er au f
gen wie: >Bezieht sich dasselbe Wissen auf die Gegensätze ine Weise ausg es ag t w ir d, [1 0] is t an ha nd fo lg en de r V er ­
oder nicht?<, zur Naturforschung schließlich solche Fra­ hren zu betrachten : Z ue rs t un te rs uc ht m an da s G eg en ­
gen wie: [25] >Ist der Kosmos ewig oder nicht?< . Ähnlich t il ob es auf vi el e W ei se n au sg es ag t w ir d, un d ob di es e
lassen sich auch die Probleme einteilen . Wie jede der ange­ i h der Art nach od er de m W or t na ch �u nt er sc he id en .
führten Gruppen beschaffen ist, lässt sich zwar nicht ohne Denn in manch en Fä lle n si nd be re it s di e W or te ve rs ch ie ­
weiteres mit Hilfe einer Definition von ihnen angeben, lcn. So is t beispielsw ei se >s ch ar f< be i de r St im m e da s G e­
man·ruuss aber mit Hilfe der durch die Induktion gewon­ K nt ei l vo n >s ch w er <, be i ei ne m K ör pe r ab er vo n >s tu m pf < .
en te .
ll vo n >s ch ar f< au f
nenen Vertrautheit versuchen, jede von ihnen zu erken­ ,"""'ffens ichtlich wird al so da s G eg
nen, indem man die angeführten Beispiele im Blick behält. 1nehrere Weise n au sg es ag t, [1 5] w en n ab er di es , da nn a � ch
[30] Für die Philosophie müssen sie mit Blick auf die , charf< . Denn bei je de r vo n di es en V er w en du ng sw el se n
Wahrheit behandelt werden, auf dialektische Weise aber wird das G eg en te il ve rs ch ie de n se in . E s w ir d nä m lic h
mit Blick auf die Meinung. nicht dasselbe >schar f< da s G eg en te il vo n >s ch w er < un d vo n
Erfassen muss man alle Prämissen in möglichst allgemei­ st um pf < se in , >s ch ar f< is t ab er da s G eg en te il vo n be id � n .
ner Form und aus einer viele machen, beispielsweise aus Wiederum ist >sch w er < be i de r St im m e da s G eg en te ll vo n
der Prämisse, dass auf die Gegensätze dasselbe Wissen be­ � charf<, be i ei ne m K ör pe r ab er vo n >le ic ht <, so da ss >sc hw er <
zogen ist, die Prämissen, dass es auf konträre und auf rela­ uf mehrere Weise n ve rw en de t w ir d, da au ch [2 0] da s G e­
tionale Gegensätze bezogen ist. Auf dieselbe Weise [35] genteil auf m eh re re W � is en ve rw en d � t � ir d. Ä hn lic h is t
. e e1 ne W e1_ se , be 1 e1 ne m L eb ew es en ,
muss man auch diese Prämissen wieder unterteilen, solan­ uch >schön< auf d1
ge sie sich unterteilen lassen, beispielsweise bis zu den Prä­ )hässlich< entg eg en ge se tz t, au f di e an de re W ei se , be i . ei ne m
missen, dass es nur ein Wissen gibt von gut und schlecht Haushalt' >e le nd < so da ss (a uc h) >s ch ön < ho m on ym 1s t.
und von hell und dunkel und von kalt und warm. Ähnlich Einige (A us dr Ü ck e un d ih re G e f:? en te ile ) un te rs ch ei d � n
verhält es sich aber auch bei den anderen.Prämissen. sich den Worten na ch üb er ha up t n1 ch t, de r A rt na ch tr 1t t
64 Erstes Buch [1 06a-1 06b] p o6bJ Erstes Buch 65

aber der Unterschied zwischen ihnen gleich deutlich zu zwischen >hell< und >dunkel< bei Farben >grau<, bei der
Tage, wie beispielsweise [25] bei >hell< und >dunkel<, denn .,timme aber nichts, - und wenn doch, dann >belegt<, denn
man redet von hellen und dunklen Stimmen, genauso aber manche sagen, dass die belegte Stimme in der Mitte liege.
auch von Farben. Den Worten nach unterscheidet sie also ....., aher ist >hell< homonym, ebenso aber auch >dunkel< . Fer­
nichts, der Art nach hingegen tritt der Unterschied zwi­ ner muss man untersuchen, ob bei dem einen Gegensatz­
schen beiden gleich deutlich zu Tage, weil eine Farbe nicht paar mehrere Dinge in [10] der Mitte liegen, bei de� ande­
auf gleiche Weise als hell bezeichnet wird wie eine Stim­ ren aber eines; wie bei >hell< und >dunkel<, denn be1 Farben
me . Deutlich wird dies auch durch die Art der Wahrneh­ gibt es viele Mittelwerte, bei der Stimme jedoch (nur) ei­
mung. Dinge [30] derselben Art werden nämlich von dem­ nen, nämlich >belegt< .
selben Sinn wahrgenommen, das Helle in der Stimme und Daraufhin muss man untersuchen, ob das kontradikto-
das der Farbe erkennen wir jedoch nicht mit demselben rische Gegenteil auf mehrere Weisen verwendet wird.
Sinn, sondern das eine mit d.em Gesichtssinn, das andere Denn wenn dieses auf mehrere Weisen verwendet wird,
mit dem Gehör. dann wird auch [15] das, wovon es das Gegenteil ist, auf
Ganz ähnlich (erkennen wir) auch das Scharfe und das mehrere Weisen verwendet werden. Zum Beispiel wird
Weiche bei Flüssigkeiten und bei Körpern (nicht mit dem­ >nicht sehen< auf mehrere Weisen verwendet, einerseits im
selben Sinn), sondern das zweite mit dem Tastsinn, das Sinn von >keine Sehkraft besitzen<, andererseits im Sinn
erste mit dem Geschmackssinn. Auch bei diesen gibt es von >die Sehkraft nicht gebrauchen<. Aber wenn dieses
keinen Unterschied in der Bezeichnung, weder an den Gegenteil auf mehrere Weisen verwendet wird, d� nn wird
Ausdrücken selbst noch [35] an den Gegenteilen: Denn notwendigerweise auch >sehen< auf mehrere We1sen ver­
>weich< ist das Gegenteil für jedes der beiden . wendet werden . Denn jedem der beiden Sinne von >nicht
Feiner (lassen sich unterschiedliche Verwendungswei­ sehen< ist etwas entgegengesetzt, beispielsweise ist einer­
sen eines Ausdrucks aber auch erkennen,) wenn die eine seits dem Nicht-Besitzen der Sehkraft das [20] Besitzen
einen Gegensatz besitzt, die andere aber schlechthin kei­ entgegengesetzt, andererseits dem Nicht-Gebrauchen der

nen . Beispielsweise ist der Freude des Trinkens die Qual Sehkraft das Gebrauchen .
des Durstes entgegengesetzt, aber die Freude an der Be­ Ferner sind die Formulierungen zu untersuchen, die et-
trachtung der Tatsache, dass die Diagonale [106b] nicht mit was über Privation und Habitus aussagen. Denn wenn
demselben Maß gemessen werden kann wie die Seitenlän­ eine von beiden auf mehrere Weisen verwendet wird, dann
ge, hat kein Gegenteil; . daher wird >Freude< auf mehrere auch die andere. Wenn zum Beispiel >empfinden< auf meh­
Weisen verwendet. Auch dem Lieben ist als einer Gesin­ rere Weisen verwendet wird, sowohl in seelischem als
nung das Hassen entgegengesetzt, als einer körperlichen auch in körperlichem Sinn, dann wird auch >empfindungs­
Aktivität jedoch nichts . Also ist >Lieben< offensichtlich los sein< auf · mehrere Weisen [25] verwendet werden, so­
homonym . wohl in seelischem als auch im körperlichen Sinn. Dass
Ferner muss man auch die Mittelwerte untersuchen, ob die soeben genannten Beispiele einander als Privation und
bei dem einen Gegensatzpaar etwas [5] in der Mitte liegt, Habitus entgegengesetzt sind, ist klar, denn Lebewesen
bei dem anderen aber nichts, oder ob bei beiden etwas in haben von Natur aus beide Arten der Empfindungen, so­
der Mitte liegt, aber nicht dasselbe . Zum Beispiel liegt wohl seelische als auch körperliche.

I
I

66 Erstes Buch [1 06b-107a] [107a] Erstes Buch 67

Ferner sind aber die Ableitungen zu untersuchen. Wenn eine Farbe, bei einer Stimme aber gute Hörbarkeit. Ähn­
nämlich >auf gerechte Weise< [30] auf mehrere Weisen ver­ lich verhält es sich aber auch mit >spitz<, denn es wird
wendet wird, dann wird auch >gerecht< auf mehrere Weisen ebenso wenig in allen Fällen auf dieselbe Weise verwendet.
verwendet werden. Denn zu jedem Sinn von >auf gerechte [15] Ein spitzer Ton ist nämlich schnell, wie diejenigen sa­
Weise< gibt es ein >gerecht<. Wenn beispielsweise >auf ge­ gen, die sich mit arithmetischer Harmonielehre beschäfti­
rechte Weise< sowohl im Sinn von >im Einklang mit seiner gen, ein spitzer Winkel aber ist kleiner als ein rechter, ein
Überzeugung urteilend< als auch im Sinn von >so, wie es spitzes Messer dagegen ist spitzwinklig.
sein soll< verwendet wird, dann verhält es sich mit >gerecht< Zu beachten sind aber auch die Gattungen der Dinge,
ähnlich. Gleichermaßen wird aber auch, wenn >gesund< auf die unter dasselbe Wort fallen, ob sie verschieden und ei­
mehrere Weisen verwendet wird, >auf gesunde Weise< auf nander nicht untergeordnet sind. Zum Beispiel bezeichnet
mehrere Weisen [35] verwendet werden. Wenn beispiels­ 6nos [>Esel, Seilwinde<] sowohl das Lebewesen als auch das
weise das, was Gesundheit hervorbringt, erhält oder an­ [20] Gerät, denn die Begriffsbestimmung des Wortes ist je­
zeigt, >gesund< genannt wird, dann wird auch >auf gesunde weils verschieden, im einen Fall wird man sagen, dass es
Weise< im Sinn von >auf hervorbringende< oder >auf erhal­ ein so und so beschaffenes Lebewesen sei, im anderen, dass
tende< oder >auf anzeigende Weise< verwendet werden. es ein so und so beschaffenes Gerät sei. Wenn aber die
Ähnlich verhält es sich aber mit den anderen Ausdrücken: Gattungen einander untergeordnet sind, ist es nicht not­
Immer wenn der Ausdruck selbst auf mehrere Weisen ver­ wendig, dass die Begriffsbestimmungen verschieden sind.
wendet wird, dann werden auch [107a] die von ihm gebil­ Zum Beispiel sind sowohl Lebewesen als auch Vogel
deten Ableitungen auf mehrere Weisen verwendet werden, Gattungen des Raben; immer wenn wir also sagen, dass
und �enn die Ableitungen, dann er selbst. der Rabe ein Vogel sei, [25] sagen wir auch, dass er ein so
Es stnd aber auch die Gattungen der Prädikationen zu und so beschaffenes Lebewesen sei, so dass beide Gattun­
untersuchen, in welchen das Wort auftreten kann, ob diese gen von ihm ausgesagt werden. Ähnlich aber sagen wir
Kategorien bei allen Verwendungsweisen dieselben sind; immer auch, wenn wir den Raben als geflügeltes zweibei­
• wenn sie nämlich nicht dieselben sind, ist klar, [5] dass der niges Lebewesen bezeichnen, dass er ein Vogel sei. Und
Ausdruck homonym ist. Zum Beispiel bezeichnet >gut< bei auf diese Weise werden also beide Gattungen und auch
Speisen das, was Lust hervorbringt, in der Heilkunde aber ihre jeweiligen Bestimmungen von dem Raben ausgesagt.
das, was Gesundheit hervorbringt, bei der Seele aber eine Bei den Gattungen, die einander nicht untergeordnet sind,
Qualität, zum Beispiel besonnen oder tapfer oder gerecht verhält es. sich nicht [30] so: Denn weder sagen wir immer,
zu sein. Ähnlich verhält es sich auch beim Menschen. Ge­ wenn wir etwas als Gerät bezeichnen, dass es ein Lebewe­
legentlich aber wird es in der Kategorie der Zeit ausgesagt, sen sei, noch sagen wir immer, wenn wir etwas als Lebe­
zum Beispiel das zum rechten Zeitpunkt Gute, denn es wesen bezeichnen, dass es ein Gerät sei.
wird als >gut< bezeichnet, [10] was zum rechten Zeitpunkt Es ist aber nicht nur bei dem Vorliegenden zu prüfen,
geschieht. Oft aber wird es in der Kategorie der Quantität ob die Gattungen vevschieden oder einander untergeord­
ausgesagt, zum Beispiel beim rechten Maß, denn es wird net sind, sondern auch bei dessen Gegenteil. Wenn näm­
auch das rechte Maß >gut< genannt. Daher ist >gut< homo­ lich das Gegenteil auf mehrere Weisen ausgesagt wird,
nym. Ebenso bezeichnet aber auch >hell< bei einem Körper dann offensichtlich auch das [35] Vorliegende .

I
,

Erstes Buch 69
68 Erstes Buch [107a-107b] l I 07b-10 8 a]
h e n o d e r d e r e in e in h ö h e r e m G r a d
Es ist aber auch nützlich, auf die Definition zu schauen hcm Grad z u g e s p r o c
die von Zusammengesetztem gebildet wird, zum Beispiei lN der andere.
u n te r v e r -
r d ie U n t e r s c h ie d e v o n D in g e n , d ie
vom hellen Körper und von heller Stimme. Wenn nämlich l) a ab e f a l­
e r n ic h t u n te r g e o r d n e te G a tt u n g e n
das jew :ils Eig�ntümliche abgezogen wurde, muss diesel­ h iedene e in a n d
e is p ie l w e is e v o n
be Begriffsbestimmung übrig bleiben. Dies trifft aber bei l n, [20] d e r A r t n a c h v e r s c h ie d e n s in d , b
r s c h

1e � e d
.
e s e r
d ie U n te
den h<?monymen �usdrücken nicht zu, beispielsweise 1 , bewesen u n d W is s e n - d e n n �
inge s in d v e r s c h ie d e n - , m u s s m a n p r ü �e n , o b d 1e D m � e ,
auch nicht [107b] bei den soeben genannten Fällen. Denn
d a s s e lb e W o r t f a ll e n , U n te r s c h ie d e v o n v e r s c � ue ­
die eine Definition wird >Körper, der eine so und so be­ lie unter n g e n s m d ,
a n d e r n ic h t u n te r g e o r d n e te n G a tt u
schaffene Farbe hat< lauten, die andere Definition wird l nen e in ö ­
e n d b e i e i e m K �
lauten: :Stimme, die gut zu hören ist<. Wenn nun >Körper< um :B eis p ie l >s c h a r f < b e i e in e r S ti � m � ?-
l' r. D e n n e in e S t im m e u n t e r s c � e 1d e t s 1c � v o n e 1 � � r (� e l­
�nd >Stimme< abgezogen wurden, wird nicht dasselbe in s s s 1e s c h a r f 1s t; a u � a h n h c h e
Jeder der beiden Definitionen übrig bleiben . Das hätte · hen) S ti m m e d a d u r c h , d a .
a u c h e 1n (s c h a r f e r ) K o . r p e r v o n
aber der Fall sein müssen, wenn >hell< in beiden [s] Fällen Weise unte r s c h e id e t s ic h
a h e r [2 5 ] is t >s c h a f< h o m o � y m .
synonym ware. inem (weichen) Körper. D :
••

n te r v e r s c h 1e d e n e , e m a n -
O!t aber schlüpft die Homonymie auch in die Begriffs­ Denn e s s in d U n te r s c h ie d e , d ie u
r d n e te G a tt u n g e n f a ll e n .
bestimmungen selbst unbemerkt hinein. Daher muss man der nicht untergeo _ n d
.
1e U n t r -
u m (l ie g t e in e H o m o n y m 1e v o r ), w e n �
auch die Begriffsbestimmungen betrachten. Wenn bei­ Wiede r h le ­
e , d ie u n te r d a s s e lb e W o r t f a ll e n , v e r s �
spielsweise jem�nd das, was Gesundheit anzeigt, und das, chiede de r D in g
was �esundheit hervorbringt, als dasjenige bezeichnet, den sin d , b e is p ie ls w e is e d ie U n te r s c h
.
ie d e d e r F a � ? e b e 1 d e n
. n Korpern b e ­
>was sich auf angemessene Weise [zur Gesundheit] ver­ örpern und bei den K l � g e n .
.
D e n n b e 1 d e
e s 1c h ts s m n z u tr e n n e n [3 � ] o d e � z u ­
hält<, dann darf man sich damit nicht zufrieden geben, tehen s ie d a r in , d e n G
s in d e s a b e r m c h t d ie s e l-
son? er� [10] muss p:üfen, was mit >auf angemessene Wei­ ammenz u z ie h e n , b e i d e n K lä n g e n
y m e r � u s ­
h ie d e . D a h e r is t >F a r b e < e in h o m o n
se< In Jedem der beiden Fälle gemeint ist, im einen Fall ben Untersc U n e r s c � 1e d e .
e n n d ie s e lb e n D in g e h a b e n d ie s e lb e n �
etwa, so beschaffen zu sein, dass es Gesundheit hervor­ druck, d s c h 1e d b tl d e t,
e r d ie A r t v o n n ic h ts d e n U n te r
bringt, im anderen Fall etwa, so beschaffen zu sein' dass es Da fern W o r t f a l­
d ie D in g e p r ü f e n , d ie u n te r d a s s e lb e
anzeigt, wie der Zustand beschaffen ist . muss m a n a b e r
is t , im a n d e r e n F a ll
Fe�ner \liegt eine Homonymie vor), wenn sie nicht hin­ len' o b e s im e in e n F a ll e in e A r t
.
Sichtlich eines höheren oder ähnlichen Grades miteinander ein Untersc h ie d . [3 5 ] Z u m B e is p ie l is t >h e l� < b e im K ö r p e r
i d e r S ti m m e a b e r e m U n � e r s c h 1e d ,
verglichen werden können, zum Beispiel sind >helle Stim­ eine Art d e r F a r b e , b e
r s c h e id e t s ic h v o n e in e r S tt m m e d a -
m�< und >helles Kleidungsstück< und auch >scharfe Flüssig­ denn eine S ti m m e u n te
k�It< und [15] >scharfe Stimme< unvergleichbar. Denn diese d u rch , d a s s s ie h e ll is t .
Dinge werden weder in ähnlichem Grad >hell< oder
>scharf< genannt, noch ist eines in höherem Grad hell oder 16 .
n d u n g s w e is e n s in d a ls o d u r c h d 1 � s e
scharf als das andere. Daher sind >hell< und >scharf< homo­ Die vielfa c h e n V e r w e .
e n z u u n t e r s u c h e n . D 1e U n te r s c h � e ­
nyme Ausdrücke. Denn alle synonymen Ausdrücke sind und derarti g e V e r f a h r
e n G a tt u n g e n s o ll m a n a b e r [ 10 8 a] 1m
miteinander vergleichbar. Sie werden entweder in ähnli- de inne r h a lb d e r s e lb

I
70 Erstes Buch [108a] [1 08a-1 08b] Erstes Buch 71

Ver�ältn�s zueinand �r b �trachten, beispielsweise fragen, wenn klargestellt wurde, auf wie viele Weisen (der Aus­
worin sich Gerechtigkeit von Tapferkeit unterscheidet druck) verwendet wird - und damit sich die Deduktionen
u�d Klugheit von Besonnenheit, denn alle diese Dinge ge­ auf die Sache als solche beziehen und nicht auf das Wort.
horen zur selben Gattung, und man soll Dinge aus einer Wen� nämlich unklar ist, auf wie viele Weisen (ein Aus­
anderen Gattung im Verhältnis zueinander betrachten druck) verwendet wird, ist es möglich, dass der Antwor­
wenn sie nicht sehr weit voneinander entfernt sind bei� tende . und· der Fragende nicht an dieselbe Sache denken.
spielsweise fragen, worin sich Wahrnehmung von Wissen Wenn aber klargestellt wurde, auf wie viele Weisen (ein
unterscheidet. Bei [5] den sehr weit voneinander entfern­ Ausdruck) verwendet wird und an [25] welche der (Ant­
ten Dingen sind die Unterschiede nämlich völlig offen­ wortende), der etwas einräumt, denkt, dürfte sich der Fra­
kundig. gende wohl lächerlich machen, wenn er das Argument
17
nicht gegen diese Sache richtete. Es ist aber auch nützlich,
Andererseits is t die Ähnlichkeit zwischen den Dingen zu um nicht von Fehlschlüssen getäuscht zu werden .und um
untersuchel_l;, d ie in verschiedenen Gattungen stehen; (eine mit Fehlschlüssen zu täuschen. Wenn wir nämlich wissen,
Form der Ahnlichkeit is t: ) wie sich das eine zum einen auf wie viele Weisen (ein Ausdruck) verwendet wird, wer­
verhält, so verhält sich das andere zu m anderen, zum B ei ­ den wir nicht von Fehlschlüssen getäuscht werden, son­
spiel: >Wie sich das Wissen zu d em verhält, was man wis­ dern wir werden es wissen, falls der Fragende das Argu­
sen kann, so verhält sich die Wahrnehmung zu [1 0] dem, ment nicht gegen dieselbe Sache richtet. Und wenn wir
�as man wahrnehmen kann<, und (eine andere Form d er selbst [30] die Fragen stellen, werden wir selbst Fehl­
Ahnli�h kei t is t: ) wie das eine im einen ist, so is t das andere schlüsse bilden können, falls der Antwortende zufällig
i� a-?der�n , zu m B eispiel: >Wie Sehkraft im Auge ist, so is t nicht weiß, auf wie viele Weisen (der Ausdruck) verwen­
Einsicht In der Seele< und >Wie Ruhe im Meer is t so is t det wird. Dieses ist jedoch nicht in allen Fällen möglich,
Windstille in der Luft<. M an sollte dieses aber in er;ter L i­ sondern immer nur dann, wenn von den vielen Verwen­
dungsweisen die einen wahr sind, die anderen aber falsch.
�ie anhand der sehr weit :voneinander entfernten Dinge Diese Art der Argumentation ist jedoch der Dialektik
uben,. denn dann werden WIE auch bei den übrigen Dingen nicht angemessen, daher müssen sich die [35] Dialektiker
eher 1n der Lage sein, die Ahnlichkeiten z u sehen. Es is t stets davor in Acht nehmen, Disputationen dieser Art
a?er auch bei den Dingen, die in derselben [1 5] Gattung über ein Wort zu führen, es sei denn, dass jemand nicht in
stnd, zu untersuchen, ob auf alle etwas Identisches zu ­ der Lage ist, über das Vorliegende auf andere Art zu dis-
trifft, beispielsweise auf Mensch und auf Pferd und auf put1eren.

Hund. Denn in dem Maße, in dem etwas Identisches auf .


Die Unterschiede herauszufinden 1st sowohl nutzlieh
.. .
sie zutrifft, sind si e ähnlich. für die Deduktionen darüber, ob es dasselbe oder ver­
18
schieden ist, als auch um zu erkennen, [108b] was jede Sa­
che ist. Dass es für die Deduktionen darüber, ob es dassel­
Unters_ucht. zu �aben; auf wi � viele Weisen etwas ausge­ be oder verschieden ist, gewiss nützlich ist, ist klar. Denn
sagt w1rd, 1st einerseits für d1e Klarheit nützlich - denn wenn wir herausgefunden haben, dass sich die vorliegen­
man wird wohl besser wissen, was man einräumt, [20] den Dinge auf irgendeine Weise unterscheiden, werden

I

Erstes Buch 73
72 Erstes Buch [108b] l l 08b]
� a s e lb e is t

lieh, zum B e is p ie l, d a s s d ie R u h e im � e e r � _
wir gezeigt haben, dass sie nicht identisch sind. Es ist [2 5 ]
- b e .
1d e s 1s t n a. m h c h e m e
nützlich, um zu erkennen, was etwas ist da wir üblicher­ wie die W in d s ti ll e in d e r L u f t
it - u n d d e r P u n k t in d e r L in ie u n d d ie E in s
weise �ie e�gentümliche [s] Begriffsbestimmung der Sub­ Unbeweg th e A n f a n g . W ir
in der Zahle n r e ih e - b e id e s is t n ä m li c h e in
stanz einer Jeder Sache mit Hilfe der angemessenen Unter­ r e n
·

d a h e r, d a s s w ir n ic h t u n a n g e m e s s � n d e fi n ie
.1st, als
schiede abtrennen. glauben a ll e n g e m e m s a m
Die Betrachtung des Ähnlichen ist nützlich für die wer d e n , w e n n w ir d a s , w a s b e i
e b e n . D ie je n ig e n , d ie D e fi n it io n e n a u f � t e ll � n ,
induktiven Argumente und für die Deduktionen aus Vor­ Gattung ang c h u n g e fä h r s o : >D 1e E m s
a�.sset� u �gen u?d für die Formulierung von Definitionen. formuli e r e n s ie ü b li c h e r w e is e a u
r A n fa n g d e r Z a h le n r e ih e <, s a g e n s ie n ä m li c � ,
Fur die Induktiven [10] Argumente ist es sicherlich nütz­ [30] ist d e is t k la r, d a s s s 1e
>und der Pu n k t d e r A n f a n g d e r L in ie <. E s
lich, da wir bei der Induktion fordern, aus den Einzelfäl­ e in s a m is t , a ls G a t t u n g a � s e t z e n . .
!en ü�er das, was an ihnen ähnlich ist, das Allgemeine zu d a s , w a s b e id e n g e m u k tw ­
in d d ie W e r k z e u g e , d u r c h w e lc h e d 1e D e d
Induzieren. Denn es .!st nicht leicht, eine Induktion zu bil­ Dieses s b e r, f ü r w e lc h e d a s G e -
den, wenn man die Ahnlichkeiten nicht kennt. nen (gebilde t w e r d e n ). D ie T o p e n a
nannte nützlic h is t, s in d d ie f o lg e n d e n .
Für die Deduktionen aus Voraussetzungen ist es nütz­
.h h, denn es besteht die anerkannte · Meinung, dass es so,
� . . .
WI� es SI� h ? ei etnem der ähnlichen Dinge verhält, auch
bet den ubrigen verhalte. Daher werden wir. wenn wir

üb.er eines v�n di: sen (ähnlichen Dingen) ohn; Schwierig­


k�It�� [15]. disputieren können, zuvor (als Voraussetzung)
dte Ubereinkunft treffen, dass es sich so wie es sich bei
di�sen verhält, �uch bei dem Vorliegende� verhalte; wenn
�1r es . aber f�� Jenes, (übe.r das wir ohne Schwierigkeiten
dt�putieren konnen,) gezetgt haben, werden wir es - ge­
maß der Vora.uss �.tzu.ng - auch für das Vorliegende gezeigt
haben. Da wtr namlich vorausgesetzt haben, dass es sich
so, wie es sich bei jene? verhält, au�h bei dem Vorliegen­
den ver.halte, haben wtr den Beweis aufgestellt. Für die
Formulierung der [20] Definitionen ist es nützlich denn
wenn wir sehen können, was bei jedem dasselbe is ; wer­
den wir kei�e Schwierigkeiten haben, bei der Defi�ition
anzugeben, In welch: Gattung das Vorliegende gesetzt
werde� muss. p enn ?Ie �at:ung dürfte wohl diejenige der
�emetnsamkeite� sein, die 1n erster Linie in (der Katego­

n.e des) Was-es-Ist aus.gesagt wird. Ebenso ist aber auch


dte Betrachtung der Ahnlichkeiten zwischen sehr weit
voneinander entfernten Dingen für die Definitionen nütz-
75
Zweites Buch

u m E r le r n e n v o n L e s e n u n d
111 dann wir d e s e in z
Zweites Buch ie s e n D in g e n k a n n k e in : s
h ;eiben Fä h ig e s s e in . V o n d
f e n , s o n � e r n s 1e
f e n o d e r n ic h t z u t r e f .
il w eise zutref [ 2 0 ]
c h le c h t h m m c h t
h t h in z u o d e r s ie t r e f f e n s
1 ....ffen schlec is p ie l b e i d e r E i ­
d a g e g e n , z u m B e
Von den Pr�? lemen sind die einen allgemein, die anderen 1 . B e i d e n A k z id
e n t ie n
d e r d e r G e r e c h t ig k e it , s p r ic h t
. nschaft, weiß z u s e in , o
[35] part1kul�r. Allge�ein ist beispielsweise: >Jede Lust ist e z u t r e f f e n ; e s g e n ü g t d a ­
1 i hts d a g e g e n , d
a s s s ie t e il w e is .
gu�< und >Ke1n� Lust 1st gut<, partikulär dagegen beispiels­ E ig e n s c h a f t , w e 1ß o d e r g e ­
. h I' nicht z u z e ig e n , d a s s d ie .
�els � : >lrgende1ne Lust 1st [109a] gut< und >lrgendeine Lust f je m a n d e n z u t r if f t , u m z u z e 1g e n , d a s s
1st ?1cht gut<. Es sind aber die Verfahren, um etwas allge­ ....�·ht zu sein, au t n ä m li c h d a s B e ­
d e r G e r e c h t e r is t . E s is
mein aufzustellen oder allgemein zu bestreiten, für beide 1 ein We iß e r o e r
n u r t e il w e is e [ 2 5 ] e in W e iß e r o d
l nken möglich, d a s s e r
Gattungen der Probleme gemeinsam. Denn wenn wir zei­ U m k e h r e n ( d e r F o r m u ­
d a s
I gen, dass es auf a! le zutriff�, we�den wir auch gezeigt ha­ , ;crechter ist. D a h e r is t
ic h t n o t w e n d ig e r w e is e d u r c h -
. li rung) b e i A k z id e n t ie n n
ben, das� es �uf e1n1ge zutrifft. Ahnlieh [5] gilt aber auch:
Wenn w1r ze1gen, dass es auf keines zutrifft, werden wir i ü hrbar. w e r d e n , d ie b e i
. a u c h d ie F e h le r b e s t im m t
auch geze1gt haben, dass es nicht auf alle zutrifft. Zuerst Es m ü s s e n c h s in d . E s g ib t
g v o n ) P r o b le m e n m ö g li
soll nun als <? über die �erfahren gesprochen werden, et­ ( ler Formulierun
e t w a s F a ls c h e s b e h a u p t e t
I von zwei: E n t w e d e r w ir d
was allge�e1n z� be� tre1ten, weil solche für die allgemei­ w i d v e r la s s e n . D e n n e s b e ­
. oder die geltende R e d e w e is e �
ne� und d1e partikularen (Probleme) gemeinsam sind und , d 1 e t w a s F a ls c h e s b e h a u p ­
gehen diejenig e n e in e n F e h le r �
we1l mehr Thesen behaupten, dass etwas zutrifft als dass s N 1c h t - Z u t r e f f e n d e s a u f e t ­
ten und [30] sage n , d a s s e t w a
etw�s nicht zutrifft, und die [10] Disputierenden sie be­ d ie d e n S a c h e n f r e m d e B e ­
was zutreffe. U n d d ie je n ig e n ,
streiten. p ie l e in e P la t a n e >M e n s c h <
nennungen g e b e n , z u m B e is
S � hr schwierig ist es, die von einem Akzidens abgeleite­ B e n e n n u n g .
nennen, verlassen die g e lt e n d e
te e1�ene � enennung umzukehren, denn es ist nur bei den
�kz1dent1e� möglich, dass sie in einer bestimmten Hin­
sicht und n1cht allgemein zutreffen. Die von der Definiti­ 2 a u f
z u u n t e r s c h e n , o b e � a s , d a s [ 3 5 ]
on un? von der Eigentümlichkeit und von der Gattung Ein Top o s is t a ls o , �
irgendeine andere W e is e z u t n ff t , a ls A k z 1 � e n s a n g e � e b e n
abgeleiteten Benennungen la� se? sich notwendigerweise t e r la u f e n m e 1s t e n s b e 1 d e n
e F e h le r u n
um�eh:e? . Wenn es zum Be1sp1el auf etwas z utrifft, ein w u r d e . D e rar t ig
n n j e m a n d s a g e n w ü r d e , e s
Gattungen, beispie ls w e is e , w e . Es
zwe1be1� 1ges Landlebewesen [1 5] z u sein, dann wird es z u , e in e F a r b e z u s e m .
. käme dem W e iß a k z id e n t e ll
wahr se1n, m1 t �mgekehrter Formulie n1:�g zu sagen, dass h t a k z id e n t e ll z u , e in e F a r b e
. . . kommt nämlich de m W e iß n ic
e� e1n zwe1be1n1ges Landlebewesen ist. Ahnlieh verhält es ie G a t t u n g v o n W e iß . E s i s t
zu sein, s o nder n F a r b e is t d
s1ch aber a�ch bei dem von der Gattung Abgeleiteten:
. nun einerseits mög li c h , d a s s d e r je n � g e , d e r e in e B e h a u p ­
W:enn es n�ml1ch auf etwas zutrifft, ein Lebewesen zu h d ie F o r m u li e r u n g e x p � . . mach ,
1z 1t �
se1�, dan� 1st �s �in L � bewesen. Dasselbe gilt aber auch tung aufstellt, e s durc G e r c h u g k e
. kzi­
1t a
. u m B e is p ie l : >E s k o � m t d e r �
b �t der E1gentumllchke1t: Wenn es nämlich auf etwas zu­ [ 1 09b] z 1s t e s a u c h o h n e
T u g e n d z u s e m <. A b e r o f t
trifft, zum Erlernen von Lesen und Schreiben fähig zu dentell zu, eine
76 Zweites Buch [109b J l l 0'Jb-1 1 0a] Zweites Buch 77

expl�zite Fo.rmulierung offensichtlich, dass die Gattung als I i ·h aber auch, [25] wenn es auf keines zutrifft . D i�ser
Akzidens em�ef?hrt wurde, zum Beispiel, wenn jemand l'npos ist umkehrbar zum Aufstellen und zum Bestre1�en
sagt: >Das We.Iß Ist �efärbt< oder: >Das Gehen ist bewegt<. eig ne t. De nn we nn es be i all en zu zu tre ffe n sch ein t �
J? enn es wud kem Gattungsprädikat [5] auf paronyme 1 chdem ein e Ei nt eil un g du rch ge fü hr t wu rd e, od er be 1
Weise von der Art ausgesagt, vielmehr werden alle Gat­ vi len , m us s m an (v om Ge gn er ) fo rd er n .' es au ch .als all ge -
tungen . auf synonyme Weise von den Arten prädiziert, 111 ·in geltend anzuerkennen oder als E1nwand e1nen Fall
denn die Arten lassen den Namen und die Definition ihrer vorzub rin ge n, be i de m es sic h ni ch t so ve rh ält . W en n er
Gattungen zu. Derjenige also, der das Weiß >gefärbt< n:' mlich keines von beidem tut, wird derjenige, der es
na� nte, gab es weder als Gattung an, da er auf paronyme nicht anerkennt, seltsam wirken.
Weise sprach, noch als Eigentümlichkeit oder als Definiti­ [30] Ei n anderer (Top os ) ist, vo m A�zidenspr�dikat � nd
·

o� . J?ie [10] J?efinition und die Eigentümlichkeit treffen vo n dem wo ra uf es ak zid en tel l zu tri fft , Be gr iff sb es tim ­
n�mhch auf mchts anderes zu, gefärbt sind dagegen auch mu ng en � u bil de n, en tw ed er ein ze ln vo n jed em de r be id en
VIele andere Dinge, zum Beispiel: Holz Stein Mensch >der von einem der beiden, und daraufhin zu prüfen, ob
Pferd. Es ist also klar, dass es wie ein Ak;idens �ngegebe� tw as als wa hr an ge no mm en wu rd e, da s in de n Be gr iff sb e­
wurde. timmungen nicht wahr ist . Wenn zum Beispiel (behauptet
Ei n anderer Topos ist, die Dinge zu untersuchen, von wird) ma n kö nn e ein em Go tt Un rec ht tu n, (m us s ma n
denen gesagt wurde, dass sie entweder auf alle oder auf frage�,) was das Unrecht-Tun ist ? Wenn es n�mlich darin
keines. zut�effen. Sie sind aber anhand der Arten zu prüfen besteht, >fr eiw illi g Sc ha de n zu zu fü ge n<, da nn 1st � lar , � ass
un� nicht In den unendlich vielen (Einzeldingen); [15 ] die in Gott nicht Unrecht erleiden kann, denn es 1st n1cht
Prufung folgt dann nämlich eher einer Methode und in tnöglich , [35 ] da ss ein em Go tt Sc ha de n zu ge fü gt :v ir � .
wenigeren Schritten. Man muss sie aber prüfen und von Un d we nn (b eh au pt et wi rd ,) de r Re ch tsc ha ffe ne se 1 ne i­
den ersten Arten ausgehen und dann der Reihe nach bis disch, (mus s m an fra ge n,) we r de r N eid isc he ist un d wa s
zu den unteilbaren A�ten fortfahren. Wen n beispielsweise der N eid ist . W en n nä ml ich N eid >Sc hm erz au fg ru nd de s
ge� agt wurde: >Auf die Gegensätze bezieht sich dieselbe vermeintlichen Wohlergehens eines anständigen Men­
Wissenschaft<, muss geprüft werden, ob die Wissens chaft schen < ist , da nn ist kla r, da ss de r Re ch tsc ha ffe ne ni ch t ne i­
von den relationalen Gegensätzen und von den konträren disch ist. Denn dann wäre er niederträchtig. Und wenn
Gegensätzen und von dem der Privation und dem Habitus (behauptet wird,) der Entrüstete sei neidisch, (�uss m.an
nach Gesagten sowie von dem der Kontradiktion nach fragen:) was ist jedes von beiden? Denn auf d1ese We1se
Gesagten dieselbe ist. [20] Wenn es bei diesen Arten noch wird klar [1 1 0a] werden, ob das Gesagte wahr oder falsch
nicht klar sein sollte, müssen sie wiederum zerteilt wer­ ist . W en n zu m Be isp iel de rje nig e ne idi sch ist , de n da s
den, bis zu den unteilbaren Arten, zum Beispiel ob (die Wohlergehe n de r gu ten M en sch en sch me rz t, un d de rje ni ­
Wissenschaft) vom Gerechten und Ungerechten �der vom ge en trü ste t ist , de n da s W oh ler ge he n de r bö s � n M en sc
. ? en
Doppelten und Halben oder von Blindheit und Sehver­ schmerzt, dann ist klar, dass der Entrüstete n1cht ne1d1sch
n:.ög�n ode.r . vom S�in und Nichtsein (dieselbe ist). Wenn sein wi rd . [5] M an mu ss ab er au ch Be gr iff sb est im mu ng en
namli�h bei Irgendeinem gezeigt wurde, dass sie nicht die­ anstelle der in den Begriffs bestimmungen angeführten
selbe Ist, werden wir das Problem widerlegt haben. Ähn- Wörter he ra nz ieh en un d ni ch t da mi t au fh ör en , bi s ma n
79
78 Zweites Buch \ l l 0a-1 10b] Zweites Buch
[110a]
n e t . D e n n w e n n w i r e t w a s a u f ­
bei etwas Bekanntem angelangt ist . Denn oft ist das Ge­ nd z u m B e s t r e i t e n g e e i g . d e u ­

e r d e n w i r z e i g e n d a s s e m e � e
suchte noch keineswegs klar, wenn die Begriffsbestim­ te l l e n w o l l e n , [ 3 0 ] w ? e 1. g e n k o r m e � .
f t , w e n n w i r e s n i c h t f ü r b e 1 � e z .
mung des Ganzen gegebe � wurde, ab�r es wird ganz klar, u ng z u t r i f w 1� r z e 1 g e n d a s s � s m e l ­
m es aber zu b e s t r e i t e n , w e r d e n � . . d e
wenn man a.�stelle .der 1n d�r Begriffsbestimmung ge­ t r i f f t , w e n n w i r e s m c h t f u r b e 1
brauchten Worter wiederum e1ne Begriffsbestimmung ge­ ner B e d e u t u n g n i c h t z u
nannt hat. igen könner: · . . h t n o. t
.

.
1 g , u n t e r B e
z
B e s t r e t e n � u c
.

i n g s � s t e s b e 1 m �
_

[10] Ferner (soll man) einen Einwand formulieren Al l e r d .U b ereinkunft zu d1sput1eren, weder wenn ge-
n�chdem man für sich selbst aus dem Problem eine Prä� :tug auf eine a l l e z u t r e f f e , n o c h w e � g e s � g t
n:1sse gemac�t hat: Der Einwa?d wird ein Angriff gegen agt w u r d e , d a s s e s a u f 1 r g e z e 1 g t
a u f k e i n e s z u t r e f f e . D e n n w: e n n w
d1e T�ese �e1n. D1eser Topos 1st fast derselbe wie wenn w urde' das s e s z u t n f f t , w e ! d e n
n d a s s e s a u f e i n b e l i e b i g e s n i c h t [ 3 5 ]
�an d1e D1nge untersucht, von denen gesagt wurde, dass habe s s e s a u � a l l e z u t r i f f t . I n ä h n h � h e r
s1e e?twe�er .auf alle oder auf keines zutreffen. Er unter­ wir wi d e r l e g t h a b e n , d a . en, �ass es auf emes
e w e r d e n w i r a b e r , w e n n w 1 r z e 1 g
scheidet s1ch Jedoch _bezüglich der Formulierung. Weis s e s a u f k e i n e s z u t n f f � : .
Ferner muss bestimmt werden, welche Dinge man so zutrifft, widerl e g e n , d a s b e r e m k n f t
s t e l l e n d a g e g e n m u s s z u v o r d i e U �
nenn�n soll, wie es die Menge tut, und [15] welche nicht. Beim A u f i n b e l i e b i g e s z u � n f f t ,
e n w e r d e n , d a s s w e n n e s a u f �
Das 1st sowohl n�tzlich, um .eine Behauptung aufzustel­ getroff r i f f t , w e n n d 1 e s e F o r d e r u n g u b e r -
len, als au�h, um �le �u bestreiten . Zum Beispiel sollen die dann a u c h a u f a l l e z u t g e e .
m z u ­
. z u z e i g e n , d a s � e s � l l �
Sachen m1t den ubl1chen Benennungen bezeichnet wer­ zeuge n d i s t . [ 1 1 0 b ] u �
. s , d 1 e s f u e m e n F a l l
n ä m h c h m c h t a u � .
d�n, aber ;;-elche von den Sachen von dieser Art sind oder trifft, reicht es a b e n , w i e z u m B e 1. s p 1 e l w e n n d 1 e
n1cht, d�r1� soll der Menge nicht mehr gefolgt werden . dialek t i s c h g e p r ü f t z u h a l l e S e e l e n
s c h e n u n s t e r b l i c h i s t , d � s s . � a n n .
Zum Be1sp1el soll als das Gesunde das bezeichnet werden See l e d e s M e n d 1 e U b e r e m k u n f t � e ­
r b l i c h s i n d . D a h e r m u s s z u v o r
was Gesundheit h�rvorbringt, [20] wie es die Menge sagt: unste n n je d e b e l i e b i g e S e e l e u n s .t e r b �1 c h
�b aber da� Vorhegende Gesundheit hervorbringt oder troffen w e r d e n , d a s s w e r m c h t l n ­
t e r b l i c h s i n d . D i e s m u s s a b e :
n1cht, soll .nicht mehr so gesagt werden, wie die Menge, si t, alle Seelen uns s o n d e r n i m n � r d a ?. n , w e n n w 1 r
sondern w1e der Arzt (es beurteilt). mer getan w e r d e n , [ 5 ] : f r a � l e n e n n e n
g e m e i n s a m e D e fi m t t o � �
nicht e i n f a c h e i n e e t e r ( o h n e � c h w 1� n g k e 1 t e n a l l g e ­
können, wie de r G e o m W i n k e l s u m ­
3
a s s d a s D r e 1 e c k e m e

Ferner, wenn (ein Wort) meh�ere Bedeutungen hat, aber mein d e fi n i e r e n k a n n ) , d . ch


d i e z w e i r e c h t e n W i n k e l n e n t s p n � .
fe�tgelegt wurde, dass es zutrifft oder dass es nicht zu­ me h a t k e i t d e s P r ä d i k a t s m c h t v e r b o r g e n
trifft, mu�s dies für eine der verschiedenen [25] Bedeutun­ W en � d i e M e h r d e u t i g z u m A u f ­
s o w o h l z u m B e s t r e i t e n a l s a u c h
gen g.eze1g� werden, falls es nicht für beide möglich ist. ist mu s s m a n u n g e n e s h a t . � u m
_ c h e i d e n , w i e v i e l e B e d e � . _
D1es 1st � el . den :erborgenen Mehrdeutigkeiten nützlich. st;llen unters G e b ü h r n d e < e m e r s e 1 t s d a s N u t z ­
.
�enn namhch d1e . Mehrdeutigkeit nicht verborgen ist, Beispie l , w e n n > d a s � v e r s u c h e n ,
[ 1 0 ]
s e i t s d a s S c h ö n e 1 s t , m u s s m a n
':1rd (der 9' egner) einwenden, dass nicht genau das dialek­ liehe an d e r e r n d e a u f u s t e l l e n o d e r
n g e n ) f ü r d a s V ? r l i e g e �
tisch gepruft wurde, was er bezweifelte, sondern die ande­ beid� (Bedeutu . s p .
1 e l ( m d e m m a n z e 1 g t ) , d a s s d a s
re Eedeutung. Dieser Topos ist umkehrbar zum Aufstellen zu b e s t r e i t e n , z u m B e 1

I
81
80 Zweites Buch [1 10bJ \ I I 0b-1 1 1 a] Zweites B u ch

m u s s m a n ü b e r g e h e n . M a n m � s s � o
Sch �ne und das Nützliche (zutrifft), oder, dass weder das rhleibenden a b e r r g e n 1 s t , t n
v
d i e s e n F ä l l e n v o r g e h e n , w e n n v e r ? o .
Schone noch das Nützliche (zutrifft). Wenn es aber nicht 1 h bei s a u s g e s a g t w t d . A u c h d t e
für beide mö��ich ist, dann muss es für das eine gezeigt w ie v ie le n B e d e u t u n g e n e t w a : . t
ie s s � u f d i e s e s b e z o g e n 1 s t o d e r m c h
w�rden, dabet 1st hervorzuheben, dass es auf das eine zu­ B e h a up t un g , dass d � d e r s e lt;> e n T o p e n a u f g e s t e ll t
trtfft, auf das andere jedoch nicht. Dasselbe Argument gilt l czogen i s t , mus s m t t � t lf <: d s s
B e t s p t e l ( g e z e tg t w � r d e n m u s s ) , �
auch, wenn . es mehrere (Bedeutungen) sind, [15] in die w erden, [35] wie z u m e s b e z o g e n 1 s t , e � t w e d e r t m
man unterteilen muss . Ii es e W i s s e n s c h a f t a u f d i e s . l
o d e r i m S i n n e v o n D i n g e n , d te z u m � t e
Wiederum muss man die Dinge untersuchen, die nicht S inne eines Ziels z id e n t e ll z u k o m m e n d e n D t � ­
auf homonyme, sondern auf andere Weise in mehreren lü hren, oder im Sin n e d e r a k e ­
m , d a s s s i e a u f k e i n e d e r g e n a n n t e n W .�
Bedeutung�n ausgesagt werden. Zum Beispiel kann >Auf g c , oder w i e d e r u g .
t � t a c h f u r
r a u f b e z o g e n i s t . D a s s e l b e A r g u m e n t ';l
mehrere Dt r:ge bezie �t sich eine einzige Wissenschaft< ent­ r� e n d a � Z u s t ä n d e ) , d t e s t e h a u f
wede_r d�s Ztel . ur:d dte �um .Ziel f�hrenden Dinge meinen, die B egierde und a ll e a n d e r e n . .
h e n J? e n n d t � B e g te r d � b � z te h t
so wte steh betspielsweise die Hetlkunst einerseits auf die mehrere Dinge be z i e . [ 1 1 1 a ]
e ts n e l a u f
n t w e d e r w te a u f e m Z t
. e l , z u � B �
Herstellung de: Gesundhe.it und andererseits auf die ge­ sich auf dieses e u f e i n e s d e r D m g e , d t e z u m
su�de Lebensfuhrung bezteht, oder es kann beide Ziele d i e Gesundheit, o d e r w ie a r z ­
B e i s p i e l a u f d i e B e h � n d l u n g d u r c h A
n:etnen, [�0] so wie man sagt, dass dieselbe Wissenschaft Ziel fü h r e n , z u m t e ll z u k o m e n ­
a u f e in e s d e r a k Z i d e n n:
steh auf dte Gegensätze bezieht, denn keines ist in höhe­ neimittel oder wie d e r je i e , d e r S ü ß e s l � e b t ,
ren: Grad ein Ziel als das andere, oder es kann an sich und den D i n e, w � ie z u m B e i s p � e l _n � r
h r t , w e t l e r W em 1s t , s o n d e r n w e t l �
akzt� entell �emeint sein, wie man beispielsweise vom den Wein nicht bege n s i c h d a s S ü ß e , d e n W e m
Dreteck an steh weiß, dass es eine Winkelsumme hat die süß ist. Er b egehrt n ä m l i c h a � 5 ]
e r
a k z i d e n t e l l . D e n n f a ll s d e r W e m s a �
� wei rech� en Winkeln entspricht, von dem gleichsei ;igen aber begehrt er m e h r A f a k z .
t d e n t e l l e W e � s e
Jed?ch ��1ß man es nur akzidentell . Denn es kommt dem wäre, begehrte er ih n n ic h t . � .e t den Relauva
h r t e r i h n a l s o . D i e s � r T o p o s 1 s t b
gl� tchsetttgen (Dreieck) akzidentell zu, ein Dreieck zu beg e . g e h o. . r e n f a s t z u d e n R e la -
s�1n, [25) daher wei� man, dass �s eine Winkelsumme hat, nützlich. Denn d e r a r t tg e D m g e
dte zwe1 rechten Wtnkeln entsprtcht. Wenn es also auf kei- ttva.

ne W�ise möglich .ist, das � die auf �ehrere Dinge bezoge­


ne Wts � enscha�t � 1ese �be 1st, dann 1� t klar, dass dies insge­ 4
s ) , i n d e n b e k a n n t e r e n A u s d r � c k
sa�t nt�?t . mo.gltch Ist;. wenn es Jedoch auf irgendeine Ferner ( i s t e s e i n T o p o e .
t e m e r
ln , z u m B e i s p i e l a n s t e ll e v o n >g e n a u < b .
Wetse n:oghch 1st,. dann 1st klar, dass es möglich ist. u m z u w a n d e e v o n >V te lg e ­
u s a g e n u n d a n s t e ll 1 0 ]
Auffas sung > klar< z
[
.Es mussen so viele Bedeutungen unterschieden werden e it . D e n n n a c h d � m d a s G e s a g � e
wte es nützli� h is �. Wenn wir zum Beispiel etwas aufstel � schäftigkeit< >R a s t lo s �g k � _ z g r e t ­
r d e n 1s t , w tr d d t e T h : s e l e t c h � e r a n �
len �?ll�n, �tnd die Bedeutungen anzuführen, für die [30] bekannter gewo i s t f ü r b e td e s g e e tg n e t , f u r d a s
e� moghch 1st, und man muss (das Prädikat) lediglich in fen sein. Auch dies e r T o p o s
Aufstellen und fü r d a s B e s t r e i t e n .
dte Bedeutungen zerlegen, die nützlich sind, um es aufzu­ d ie G e g e n t e il e d e m s e l b e n z u k o m -
stellen. Wenn aber etwas bestritten ·werden soll, (sind die U m z u z e i g e n , da s s n . W e n n
f d i e G a t t u n g g e s c h a u t w e r d e
Bedeutungen anzuführen,) für die es nicht möglich ist, die men, [ 1 5] muss au
83
\ I I l a-1 1 1 b ] Zweites B u c h
82 Zweites Buch [l l l a]
s s e n s c h a f t b e s i t z t o � e r m i t e i ? e r
nn j e m a n d ] d i e W i t W i r d ,
wir beis�iels:'eis.e zeigen wollen, dass es bei der Wahrneh­ [ 1 1 1 h
n g v o n > W i s s e n s c h a f t < b e z e i c h n �
mung Richtigkelt und Falschheit gibt, (wird das Argu­ ony m e n A b l e i t u o d e r M u s � k o � e r
e r a u c h G r a m m a t i k b e s it z e n
ment la�ten:) Da das Wahrnehmen ein Unterscheiden ist, n n wird s s e n s c h a f t e n o d e r m a � W i r d e m e
gen d e i n e d e r a n d e r e n W i
.1eser W.1ssenschaften vo? 1 h m aussa­
es aber :1cht1ges und falsches Unterscheiden gibt, dürfte es n g d
auch be1 d�r \Yahrnehmung Richtigkeit und Falschheit ge­ I ronym e A b l e i t u .1ker< od r >Musiker<.
,

beispielswe i s e : > G r a m � a � � t t u g
be� . J?abel :'1rd also ausgehend von der Gattung ein Be­ n,
a s e m 1 r g e n d w 1 e v o n � e r G a �
Wenn n u n f ü r e t w z u m B i -
�els uber d1e Art formuliert. Denn das Unterscheiden ist e t e r A u s d r u c k � e h � u p t e t w i r d , [ 5 ] w 1 e �
d1e Gattung d� s Wahr�ehmens. Wer nämlich wahrnimmt, h r g e l e i t b e w e g t , d a n n m u s s g e p r u f t
piel für d i e S e e l e , d a s s S i e s i c h u g
[20] unterscheidet auf Irgendeine Weise. Umgekehrt (kann e n d e i n e r d e r A r t e n v o n B e w e � �
etwas) ausgehend von der Art für die Gattung (gezeigt we r de n , o b e s b e i i r g . z u B e 1 s p 1 e l
d a s s d i e S e e l e s i c h b e w e g t , w 1 e �
werden), denn alles, was der Art zukommt, kommt auch lllögli c h i s t , e h e n o d e r b e i a l l e n � n ­
o d e r V e r g e h e n o d e r E n t s t
der G �ttung �u. Wenn es . zum Beispiel schlechtes und gu­ Wachsen u n g . W e n n s i c h d i e S e e l e n � m l � c h
tes W1ssen �1bt, . �ann g1bt es auch eine gute und eine deren A r t e n d e r B e w e g a s s s 1 e s 1 c h
A r t e n b e w e g t , d a n n i s t k l a r , d
schlechte D1�pos1t1on, denn die Disposition ist die Gat­ uf ke i n e d e r i d e s g e e i n e � , f ü r � a s
g t . D i e s e r T o p o s i s t f ü r b e � .
tung von W1ssen. Der erste Topos ist beim Aufstellen nicht bewe u f s t e l l e n . W e n n s 1 e s 1 c � n a � ­
falsch? der zweite aber wahr. [25] Denn es ist nicht not­ Bestreiten u n d f ü r d a s A [ 1 0 ]
a s s s i e s 1 c h
r A r t e n b e w e g t , d a n n i s t k l a r, d
wendig, dass alles, was der Gattung zukommt, auch der l ich auf e i n e d e d e r A r t e n b e w e g t ,
d w e n n s i e s i c h a u f k e i n e
A �t � ukommt. Denn das Lebewesen ist geflügelt und vier­ bewegt; u n . .s1ch m. cht bewegt. .
beinig, der Mensch aber nicht. Aber alles, was der Art zu­ dann i s t k l a r , d a s s s 1 e . h t � e 1 c h t f a l l t ,
d i e -r :� e s e m c
..

d e r A n g r i f f g e g e n
kommt,__ ko�mt notwendigerweise auch der Gattung zu. Wenn
d v o n d e 1_1 D � fi m t w n e n � � p r u f t w e r d e n ,
Wenn naml1ch der Mensch rechtschaffen ist, dann ist auch muss s i e a u s g e h e n m u o n e n d e r v o r -
u s g e h e n d v o n w i r k h c h e n D e fi
?as Lebewesen rechtschaffen. Für das Bestreiten hingegen ntweder a u s g e h e n d v o n � c _h e i n b a r e n , ';l n d
1st der erste (Topos) wahr, der [30] zweite aber falsch. l iegenden S a c h e o d e r a o c h 1 c h t
d e i n e r e i n z i g e n D e fi m t 1 o n n �
Denn alle� , was der Gattung nicht zukommt, kommt auch wenn es a n h a n d m e h r e r e r p r u f � n .
l l t , d a n n m u s s m a n e s a n h a n
der Art n1cht . zu. Aber es ist nicht notwendig, dass alles, leicht fä t e r s e i n a n z u g r e i f e n , n a c h d e m e i � e
was der Art n1cht .zu�ommt, der Gattung nicht zukommt. [ 1 5] D e n n e s w i r d l e i c h . v o n D e fi m -
e l e g t w u r d e . D e n n d e r A n g n f f
Da es notwendig 1st, dass von den Dingen, von denen Definition f e s t g
.
d1e Gattung. ausg �sagt wird, auch irgendeine der Arten tione n i s t l e i c h t e r . e r d e n w a s e s
e i m V o r l i e g e n d e n b e t r a c h t e t w !
au.sge� agt w1rd, w1rd alles, was die Gattung besitzt oder E s m u s s b g e n d e d e r F a l l 1 � t , o d e r
s e n Z u t r e f f e n d a s V o r l i e
m �t e1ner P.aronymen A?leitu �g [35] von der Gattung be­ ist, b e i d e s d e r F a l l i s t , w e n n d � s V o r h e g e n d e
zeichne.t w1rd, notw� n�1gerwe1se auch irgendeine der Ar­ was notw e n d i g e r w e i s e , ( m u s s m a n
e n n m a n e t w a s a u f s t e l l e n w t l l .
ten b �s1tzen oder m1t e1ner paronymen Ableitung von ir­ der Fall ist. W Z u t r e f f e n d a s V o r h e ­
u s fi n d e n , ) w a s e s i s t , b e i d e s s e n .
ge�deiner . der Arten bezeichnet werden. Wenn zum Bei­ her a D e n n ':' e n n v o n J e n e m & e ­
gende d e r F a l l s e i n w i r d . . [ 2 0 ]
a V o r l e ­
sp.lel von Irgendetwas >Wiss�nschaft< ausgesagt wird, dann s e s z u t n f f t , d a n n w 1 r d a u c h d � �
w1rd davon auch >Grammatik< oder >Musik< oder irgendei­ zeigt w u r d e , d a s a s b e s t r e 1 t e n w 1 l l ,
w i e s e n s e i n . W e n n m a n a b e r e t w
ne der anderen Wissenschaften ausgesagt werden· und
.
'
gende b e
84 Zweites Buch 85
Zweites Buch [ 1 1 1 b-1 12a] (1 12a]
(�uss man herausfinden,) was der Fall ist, wenn das Vor­ e se n ü tz li c h u n d ih r a n g e m e ss e n z u � e in s � h e in t, a b � r
T h se 1 e s, [ ] w e 1�
liegende de� Fall ist. De �n wenn wir gezeigt haben wer­ nicht wirklich nützlich und a n g e m e ss e n 1s t, �
den, dass .n1cht der �all 1st, was dem Vorliegenden folgt, e r d a s A rg u m e n t v e rt ri tt , e s z u rü c k w e is t, se 1
de rj e n ig e , d .eme aner�annte Abduku. on
werden w1r das Vorliegende widerlegt haben. es, weil aufgrund der These t, u n d m a n v e r-
Ferner muss auf die Zeit geschaut werden, ob (die Be­ mit B e z u g auf es zustande g e k o m m e n 1s
hal!Pt?ng des Gegners) irgendwo unstimmig ist, wie zum sucht, es aufzuheben. a s, m .
1t B h . c k w -
Be1sp1el [25] wenn er sagte, dass das, was sich ernährt not­ Der verbleib ende Fall tritt e in , w e n n d �
wendig�rweise wächst, (ist die Behauptung unstim:mig,) f d ie A r g u m e n te g e b il d e t w e rd e n , w e d e r n o tw e n d tg
rau A n tw o r te n d e a u f
denn ?1e �ebewes.�n ernähren sich immer, sie wachsen n o c h sc h e in b a r n o tw e n d ig is t, a b e r d e r . .
id e rl e g u n g e n v e r st n c k t w tr d .
aber n1cht 1mmer. �hnlic� ist a?er auch unstimmig, wenn andere Weise in abwegige W n a n n te n D .
ts k u s­
er sagt, dass das W1ssen e1n Er1nnern ist denn dieses be­ Ma n m u ss si c h v o r d e r le tz te n [1 0 ] d e r g e
e n n si e st e h t in k e in e r V e r­
zieht sich auf die vergangene Zeit, jenes �ber auch auf die sionsweisen in Acht nehmen. D ll ig fr e m d . D s­
Gegenw�rt _ und die Zukunft. Denn man sagt, dass wir das bindung mit der D ialektik � u d is t . ih r v ö �
G :genw�rt1ge un� das Zukünftige wissen können, bei­ so ll d e r A n tw o rt e n d e m c h t d te B e h e r r sc h u n g v e r h e ­
ha lb H in b li c k a u f
SJ?lelswelse, dass e1ne Mondfinsternis sein wird. Es ist aber ren' sondern den D ingen zust im m e n , d ie im
n1cht möglich, sich an etwas anderes zu erinnern [30] als T h e se n u tz lo s si n d , w o b e i e r je w e il s h e
. rv o rh e b e n
die sc h e u: e , e r a b e r
an das Vergangene. m u ss , d a ss e s ih m z w a r n ic h t so z u se in �
d e r R e g e l h a b e n d te F r a g e n ­
trotzdem zustimme. Denn in e k e i e K o n� lu ­
5 de n g rö ß e re S c h w ie r ig k e it e n , [ � 5 ] w e n n si �
th n e n a ll e d e ra rt tg e n D m g e
Ferner gibt es die sophistische Verfahrensweis e. Sie be ­ sion bilden können, nachdem
steht ?ari-?, zu eine� derartigen (Argument) hinzuführen, eingeräumt wurden. . . .
das w1r le1cht angre1fen können. Dies wird manchmal not­ F erner (i st ein Top os), dass Je d e r, d e r a u f tr � e n d e m e
in g e g e sa g t h a t, d a Je d e B e ­
wen?ig, manchmal scheinbar notwendig, manchmal weder Weise etwas gesagt hat, viele D n se q u e n z e n h t.
sche1nbar noch (wirklich) [35 ] notwendig sein. hau p tu n g n o tw e n d ig e rw e is e m e h re re K o �
e r g sa g t h a t, d a ss e s e m
No twendig nun ist es dann, wenn man - nachdem der Zum Beispiel hat derjenige, d � w e se n .
1s t u n d
J\ntwortend� eine der (Prämissen) zurückgewiesen hat Mensch ist, auch gesagt, da ss e s e n
� � � !- b
d1� gegen �he Th��e nützlich sind - die Argumente mi� ss e s b e se e lt is t u n d d a ss e s z w e tb e m tg 1s t u n d d a ss e s
. . da so d a ss , [2 0 ] w e n n
Bl1ck auf d1.ese (Pram1sse) b1ldet, und sie zufälligerweise so für Einsicht und Wissen empfä n g li c h is t,
.
be��haf�en 1st, dass man s1e leicht angreifen kann. o n se q u e n z e n w id e rl e g t w o rd e n is t, a u c h d ie � r ­
eine d e r K u ss st e h
Ahnl1ch verhält es sich aber auch, wenn man eine Ab ­ sp rü n g li c h e B e h a u p tu n g (w id e rl e � t is t) . M a n m
rc h d te U m w a n d l n g e t� a s
duktion [1 12a] mit Be zu g auf etwas aufgrund des Voraus­ aber davor hüten, dass du m a l

1s t e s n a m ­
gesetzten gebildet hat und dann versucht, es aufzuheben. Sch w ie ri g e re s h e rv o rg e b ra c h t w ir d . M a n c h
Den? wenn dieses aufgehoben worden ist, wird auch das le ic h te r, <,i ie K o n se q u e n z a u fz u h e b e n , m a n c h m a l a b e r
li c h
Vorliegende aufgehoben sein. das Vo rliegende selbst.
Scheinbar notwendig ist es aber immer dann wenn das
wogegen die Argumente gebildet werden, zwa� gegen di�
87
86 Zweites Buch [112a-1 12b]
s g elte in der Regel , notw endig
as, von dem �an sagt, e zutref fe, ob-
6
Bei den Dingen, auf die notwendigerweise eines von bei­ t dass es auf alle
den zutrifft, wie auf den Menschen [25] die Krankheit ohl es mcht au a e zutn g< das Ge-
gesagt i ur d e dass >notwendi
oder die Gesundheit, werden wir - wenn wir in Bezug auf uch, wenn po] . b das Gegenteil von >in
eines von beiden keine Schwierigkeiten haben, dialektisch > ten< e
zu prüfen, ob es zutrifft oder nicht zutrifft - auch bei dem
• • ·

anderen keine Schwierigkeiten haben. Dies ist umkehrbar


für beides geeignet: Wenn wir nämlich gezeigt haben, dass . 1e t e1n no .
das eine zutrifft, werden wir gezeigt haben, dass das ande­ wenn behaupt �t wtr ' was gelegent-
man das
re nicht zutrifft. Wenn wir aber gezeigt haben, dass es
nicht zutrifft, [30] werden wir für das andere gezeigt ha­
ben, dass es zutrifft. Es ist also klar, dass der Topos für bezetchn et. Denn we e Regel. Wenn aber
. ilt es in der
beides nützlich ist. , o etwa �
Ferner ist ein Topos für den Angriff, das Wort gemäß nicht festg elegt wurde in der
der Analogie im übertragenen Sinn zu verwenden, als ob notwendig � gel en � ang e se � z td: rd �
die Sache
dar
aber
er so dis ­
tst es mog ' d ss ma n üb
es angemessener wäre, das Wort in diesem Sinn zu verste­ Regel der Fall l st, . bezeichnet worde n.
>not wen d 1g<
hen als im üblichen. Zum Beispiel (kann man behaupten),
· ·
.

eupsychos [>beherzt<] sei nicht derjenige, der tapfer ist, wie


es die zur Zeit übliche Bedeutung ist, sondern derjenige, Menschen se1en , [�0] an � obwo hl es
endtg beze tc h net wor den wäre,
[35] der eine gute psyche [>Seele<] hat, da ja auch euelpis dies als notw
[>guter ..Hoffnung<] derjenige sei, der die guten Dinge er­ au c p e
hofft. Ahnlieh (kann man) aber auch (behaupten), eudai­ Ferner muss man
festge setzt w ur � e, � eil es aufg ru nd ein e s an ­
mon [>glücklich<] sei derjenige, dessen daimon [>Geist<] seiner selbs t sein schein e wie etwa
Nam ens etwa s an d er es zu
.ln F reude und L ust �nd Genuss
rechtschaffen ist, wie Xenokrates sagte, dass eudaimon deren.
derjenige sei, der eine rechtschaffene Seele habe, denn sie Prod1k<;> s d as Vergn . ügen derse lben Sac h e, .
. stn d a ber alles Name n
sei für jeden dasselbe wie der Geist. untertetlte. Dtes . d te dass das Freue n [25]
[1 12b] Da von den Dingen die einen notwendig der Fall ente zu '
sind, die anderen in der Regel und die dritten gelegentlich, dem Genleßen a Zl
sich selbst akzide ntell zuko mme.
wird sich immer ein Topos für den Angriff ergeben, wenn etwas
Notwendiges als etwas in der Regel Geltendes behauptet
wird oder etwas in der Regel Geltendes als Notwendiges ­ 7 . . esetzt en Ausd rücke zwar auf
entweder es selbst oder das Gegenteil von >in der Regel<. Da. die kont rar entge geng . . die Verkn üp-
dr v e rk n u ft werde n' .
[5] Denn wenn Notwendiges wie etwas in der Regel Gel­
. · ·

tendes behauptet wird, besagt das offensichtlic.h, dass es fungen aber . nur au .. vter rücke erf s-
e en esetz ten Ausd �
nicht auf alle zutreffe, obwohl es auf alle zutrifft, so dass er egen
ein Fehler vorliegt; (ebenso,) wenn behauptet wird, dass sen, wie sle betm Wt
89
88 Zweites Buch [112b-1 13a] l l I 3a] Zweites Buch

a s e in e z u w ä h le n , d a s a n d e r e a b e r z u
s��n kön�en. Dass sie auf sechs Weisen verknüpft werden V rbindung is t d h a f t e n C h a ­
a s e in e g e h ö r t z u m t u g e n d
konnen, 1st klar: Entweder wird jeder der beiden konträr ··-rmeiden und d s c h le c h t e n . E s is t a u f g r u n d
entgegengesetzten Ausdrücke mit jedem der beiden entge­ .. ... kter da; and e r e a b e r z u m r e
r , d a s s d ie s e lb e ( V e r k n ü p f u n g ) m e h r e
ge�g�setzt�n Ausdrücke verknüpft sein, dabei gibt es zwei s Gesagten kla s _
1s t >d e n F r e u n d e n G u t e s
Mogl1chke1ten - zum Beispiel >den Freunden Gutes tun< o nträre Gegen s ä t z e [ 1 5 ] h a t . E
F r e u n d e n S c h le c h t e s t u n < e n t g e g e n g e ­
und >den Feinden Schlechtes tun< oder umgekehrt >den u n< nämlich >den s t u n <. E b e n s w e r d e ?
Freunden Schlechtes tun< und >den Feinden Gutes tun< tzt und auch >den F e in d e n G u t e _?
r a u c h b e i je d e m d e r a n d e r e ? , w e � � s 1e a u f � 1e
oder beide _(en�gegengesetzten Ausdrücke) beziehen sich ich abe

_ r s u c h t w e r d e n , z w e 1 k o n t r a r e G e g e � s a t ­
au� e�nen �1nz1gen (Ausdruck), auch dabei gibt es zwei Ieiche Weise un t e e g e n s .
a t z e n
n M a n s o ll t e v o n � e n � o n t : ä r e n G _ These
Mogl1chke1ten [35] zum Beispiel >den Freunden Gutes z zeige . m b h c k a u f d 1e
tun< und >den Freunden Schlechtes tun< oder >den Feinden
-

lc njen ig e n a u s w ä h le n , d e r 1 m H
Gutes tun< und >den Feinden Schlechtes tun< oder ein n U tzlieh ist. e m A k z id e n s k o n t r ä r e n � g e -
einziger (Aus�ruck) bezieht si�h . auf beide (e�tgegenge­ [20] Ferner, wen n e t w a s d

s s m a n p r ü f e n , o b e s a u f d a s z u t n f f t ,
setzten Ausdrucke), auch dabe1 g1bt es zwei Möglichkei­ g ngesetzt i s t m u a u f z u t f fe .
a � w u r d e , d a s s d a s A k z id e n s d a r � �
ten - zum Beispiel >den Freunden Gutes tun< und >den v o n dem g e s u t r e � fe n s o l � e , d a n n d u r f � e
Feinden Gutes tun< oder >den Freunden Schlechtes tun< Wenn je n e s n ä m li c h d a r a u f z � .
e ff e n . D e n n e s 1s t u n m o g h c h , d a s s d 1e
und >den Feinden Schlechtes tun<. d ieses nicht z u t r e z u t r e f f e n .
s e t z t e n D in g e z u g le ic h a u f d a s s e lb _ k etw s
[1 13a� Die beiden zuerst genannten Verknüpfungen bil­ ntgegenge b v o n
_emem �u b je � �
den ke1nen konträren Gegensatz. Denn >den Freunden Oder (man muss prüf e n ) , o
a g t w u r d e , d a s s n o t w e n d 1g e r w e 1 � e d � e
Gutes tun< ist . >den. Fei�de-? Schlechtes tun< nicht entge­ derartiges ausge s . e n , w e b e 1-
n t g e g e n g e s e t z t e n D m g e z u � r e f f �
gengesetzt, be1des 1st namhch zu wählen und gehört zu [2 5] konträr e n g , d a s s d 1e I d � e n m u n s
demselben Charakter. Ebenso (bilden auch) >den Freun- pielsweise bei _d e r � e h � u p t u .
. den Schlechtes tun< und >den Feinden Gutes tun< (keinen s 1c h n a m h c h e r g e b e n , d a s s s 1e s 1c h s o w o � l
eien. E s wird it e r h in b e r a c � , d a s s s � e
��gensatz), [5] beides ist nämlich zu vermeiden und ge­ b e w eg e n a ls a u c h r u h e n , w e � 1;1 _
m b a r u n d d e n k b a r s m d . D 1e . e m _g e n , d 1e
hort zu demselben Charakter. Etwas das man vermeiden , inn li c h w a h r n e h }
a m h c � , d s s
I d e e n e x is t ie r e n , g la u b e � n �
soll, wird nich� für den konträren Gegensatz von etwas, festsetzen, dass die e n n s ie a b e r m u n s s m d , 1s t
das �an ;ertp.elden soll, gehalten, es sei denn, mit dem ei­ ie ruhen und d e n k b a r s in d . W
s s i e u n b e w e g t � in d . � a w ir u n s b � w � ­
nen 1�t e1n Uberm�ß, mit dem anderen aber ein Mangel s unmöglich, d a s g e n , d 1 m
] s ic h a u c h a ll D m g e m 1t b e w e �
g�me1nt, . denn das Ub �rmaß scheint zu den Dingen zu ge­ gen, müssen [30 :
1e a u c h w a h r n e h m � a r s m d ,
.
h�ren, �1e man vermelden soll, und mit dem Mangel ver­ uns sind. Klar i s t a b e r , d a s s s
n s s in d . D e n n w ir e r k e n n e n d 1e F o r m ,
halt es s1ch genauso. Die übrigen. vier bilden einen konträ­ wenn sie denn in u r n e h m u n g
in z e ln e n is t , m it H il f e d e r W a h
ren Gegensatz. Denn >den Freunden [10] Gutes tun< ist die in jedem E
>�en Fre��d�n Schlechtes tun< konträr entgegengesetzt, sie der Sehkraft. n e in A k z id e n s f e s t g e s e t z t
ruhren naml1ch von verschiedenen Charakteren her und Wiederum m u s s m a n , w e n
k o n t r ä r e n t g e g e n g e s e t z t is t , p r ü f e n , o b
das eine ist zu wählen und das andere zu vermeiden. wurde d e m e t w a s p f ä n g li c h is t , a u c h f ü r d a s
Ebenso verhält es sich auch bei den anderen: Bei jeder das, V:as für da s A k z id e n s e m
90
Zweites Buch [ l l 3 a-l l 3 b i Zweites Buch 91
konträre Gegenteil emp f· ng1Ic" .
selbe' was für dIe � h I s t . [ 3 5 ] D e n n e s i s t da s
" k ontraren ·

. . ' hung umgekehrt: [20] Zwar folgt auf Mensch Lebewe­


� auf Nicht-Mensch folgt aber nicht Nicht-Lebewesen,
..

Zorn folgt, dürfte wohl d!r Wir . ' ass � er Hass dem
n,

ndern es folgt umgekehrt auf Nicht-Lebewesen Nicht­


M nsch. Bei allen (Kontradiktionen) muss es in dieser Art
zu prufen, ob auch das kont er . �rn. u� Ist ordert werden. Wenn zum Beispiel das Edle angenehm
räre
' t, dann ist das Nicht-Angenehme nicht edel. Wenn dieses
. n
muttgen S e e l e n t e i l e n t s t e h t n a m 1 c 1 e .LIe be ntc· h t (Im · i 'ht der Fall ist, dann auch nicht jenes. Ebenso gilt aber
uch: Wenn das Nicht-Angenehme nicht edel ist, dann ist
I. s Edle angenehm. Es ist also klar, dass [25] die umge­
dass der begehrliche S ee1entel" ' w �nn be�auptet Wird, kehrte Folgebeziehung bei der Kontradiktion in beide
1 unwiss end 1 S t . De
müsste auch fu··r w1s· sen e ·· · nn er Richtungen umkehrbar ist.
·
Bei den konträren Gegensätzen ist zu prüfen, ob dem
1 u r tssen emp ta·· ng1I·ch I·st. konträren Gegenteil das konträre Gegenteil folgt, entwe­
DI·es I· st also, wie gesagt nützl · der in derselben Richtung oder in umgekehrter Richtung,
h ' um e t as z u b e s tr e .
Um aber (die These)
a�fz t i J v.: i t e n . ·owohl für das Aufstellen als auch für das Bestreiten.
Auch derartiges ist durch Induktion zu erfassen, [30] so­
. en � w tr na m h weit es nützlich ist. In derselben Richtung besteht die Fol­
ben, da ss (d as ' w or au f das AkZldens zu treff ch ge zeig t ha - gebeziehung beispielsweise bei Tapferkeit und Feigheit,
..
. Zl ens n1c t denn der einen folgt Tugend, der anderen aber Schlechtig­
·· keit, und der einen folgt, dass man sie wählen soll, der an­
. . n. enn Wir a er zetgen' dass das deren, dass man sie vermeiden soll. Also besteht bei diesen
kontrar Entgegenges etzte zutrt Dingen die Folgebeziehung in derselben Richtung, denn
. .
k ontrar E n t g e g e n g e s e t z t e e m "f f t o .der .dass es t·ur · das
p a n g I ch Ist, werden wir was man wählen soll, ist dem, was man vermeiden soll,
überhaupt nicht gezetgt ha ben . f ·· 1
konträr entgegengesetzt. Ebenso verhält es sich aber auch
· , d a s s a
g I
·
c g e z e t g t worden bei den anderen. [35] In umgekehrter Richtung aber be­
setn, dass es z utreffen kann. steht die Folgebeziehung im folgenden Beispiel: Der Kör­
perkraft folgt Gesundheit, der Schwäche aber nicht
8 Krankheit, vielmehr folgt der Krankheit Schwäche. Es ist
[ 1 5] Da es vier Arten also klar, dass [1 14a] bei diesen Dingen die Folgebeziehung
e r u m g e e r t e in umgekehrter Richtung besteht. Die umgekehrte Rich­
hung zu prüfen' sowohl bei_ m B . n F o lgebezie­ tung stellt sich jedoch bei den konträren Gegensätzen sel­
.
Auistellen' Si· e Slnd a ber durch e s t r e i t e n a l s a u c h beim
I n d u k .
tion ten ein, vielmehr besteht bei den meisten die Folgebezie­
Wenn zum B e i s iel der . zu erfassen . hung in derselben Richtung. Wenn nun dem konträren
Gegenteil weder in derselben Richtung noch in umge­
n eren. enn ter Ist dte Folge kehrter Richtung das konträre Gegenteil folgt, [5] dann
be- folgt von den (in der These) genannten Dingen offenkun-


.-
- -----....
-
92 Zweites Bu ch ( l 14a -1 14b] Zweites Buch 93
[1 14a]
dig keines dem anderen. Wenn aber bei den konträren Ge­ 9 .

gensätzen (die Folgebeziehung in irgendeiner Richtung iederum sind die ve rw an dt en A us dr üc ke un d dt e .

A b l et -
besteht), dann muss auch von den genannten Dingen eines ngen sowohl für das B es tr ei te n al s � u ch f � r da s A u fs t � ll en
detp. anderen folgen. u prüfen. Als >ver w an d t< w er d en em es te tl s so l � h e J? m ge
A hn lie h w ie di e ko nt rä re n G eg en sä tz e sind aber auch zeichnet, die sich beisp ie ls w ei se ve rh al te n w te >d te ge ­
.
die Fälle .von Privation und Habitus zu prüfen, mit dem n d >d er G er ec h te < m it B li ck au f d ie
. och, dass bei den Pr chten (Handlungen)< u
. Untersch ed Jed d >d ie ta p fe re n (H n d lu n ge n )< u ? -d > ? er
: ivationen die umge­ ;c rechtigkeit un �
d
kehrte Richtung (der Folgebeziehung) nicht besteht viel­ ' I ' pfere< m it B li ck au f d ie T ap fe rk et t. A n d er en te tls sm
meh� kommt die �olgebeziehung notwendigerweis� im­ uch das Hervorb ri n ge n d e u n d [3 0] d as E rh al te n d e ve r­
mer In ? erselben Richtung zustande, [10] wie der Sehkraft wandte Ausdrücke mit B li ck au f d as je n ig e, w as si e h er vo r­
zwar die Wahrnehmung folgt, der Blindheit jedoch das bringen und erhalte n , w ie zu � B ei sp ie � >d i �. � g su n d en < D � n ­
Fehlen der Wahrnehmung. · ·· - mit Blick auf die Gesun d b et t u n d >d te k ra ft tg en d en < D m -
D e� n W ah rn eh m un g un d Fe hl en der Wahrnehmung mit Blick auf die K ra ft . A u f d ie se lb e W ei se ve rh äl t es si ch
.sind einande . D er ar ti ge s be ze ic h n et m an al so
r entgegengesetzt wie Habitus und Privation ber auch bei d en an d er en
denn das eine von beiden ist ein Habitus und das ander� üblicherweise als >ver w an d te A u sd rü ck e< , al s >A bl ei tu n g _en <
eine Privation. l ezeichnet man aber beisp ie ls w ei se : >a uf ge re ch te W et se <
Auf ähnliche Weise wie bei Habitus und Privation muss und >auf tapfere Weise< un d > � u f ge su n d e W ei se < un d al le s,
auch bei den Relativa vorgegangen werden . Auch be i diesen t w tr d E s sc he m_ t ab er [3 5] au ch
was in dieser Art au sg es ag .
besteht die F<?lg�beziehung in derselben Richtung. [15] das was zu den Ablei tu n ge n ge h ö rt , zu d en ve rw an d te n
.
Wenn zum Beispiel das Dreifache ein Vielfaches ist dann ö re n , zu m B ei sp ie l >a u f ge re ch t : W ei s : <
A u�drücken zu geh tt
ist auch das Drittel ein vielfach Geteiltes. Denn das Dreifa­ mit Blick auf die Gerec h ti gk ei t, >a u f ta pf er e W et se < m
che :vird rela.tiv zum Drittel ausgesagt, das Vielfache aber Blick auf die Tapferk ei t. V er w an dt w er d e Il: al so � ll e A u � ­
relativ zum vielfach Geteilten. Wenn wiederum das Wissen lb en W o rt fa m .
th e ge b or en , b et -
drücke genannt, die zu derse uf
ein Auffassen ist, dann ist das, was man wissen kann, auch pielsweise >G erechtig � � � k it <, ge re h t< , >d as G er ec h te <,. >a
etwas, was man auffassen kann. Und wenn das Sehen ein gerechte Weise<. O ff en st eh th eb gt lt , � a ss w e �? vo n em � m
Wahr� ehn:en ist, dann ist auch das Sichtbare wahrnehmbar. o rt fa m th . e ge b or en , ge ze tg t
der Dinge die zur se lb en W
[20] Ein Einwand dagegen könnte lauten dass bei den Re­ wurde, da;s es gut od er [1 14 b] lo be n sw er t is t, _d i� s au � h fü r
lativa nicht notwendigerweise die Folgeb�ziehung, von der He übrigen gezeigt word en is t. W e ll:n zu m B e �� p te l d te G e­
soeben gesprochen wurde, besteht, denn das Wahrnehmba­ rechtigkeit zu den lo be n sw er te n D m ge n ge ho rt , . da nn ge ­
re .könne �an auc� wissen, die Wahrnehmung sei aber kein hören auch der Gerechte un d d as G er ec h te un d d te ge re ch ­
�Isse� . Dieser �Inwand scheint allerdings nicht wahr zu te Weise zu den lob en sw er te n D in ge n . M an w ir d ab er sa ­
s�In. �Iele bestreiten nämlich, dass es vom Wahrnehmbaren gen, dass [>auf gerechte Wei se < u n d ] >a u f lo be n sw er te W ei se <
ein Wissen gebe. Und zudet? 'ist das Gesagte für die entge­ nach derselben Art von A bl ei tu n g vo n d em L o b en sw er te n
ge�gesetzte (B ehauptung) nicht weniger nützlich, zum Bei­ kommt [5] wie >auf ge re ch te W ei se < vo n d er G er ec ht ig k ei t.
sp.Iel (um zu sagen), dass man das [25] Wahrnehmbare nicht Es ist aber nicht nu r b ei d em G es ag te n se lb st , so n d er n
wissen kann, denn die Wahrnehmung ist kein Wissen . . auch bei dem kon tr är en G eg en te il da s k on tr är e G eg en te il
94 Zweites Buch [1 1 4b] I I 1 4b-1 15 a] Zweites Buch 95

zu prüfen, beispielsweise, dass das Gute nicht notwendi­ 10


gerw�ise an�enehm ist, denn das Schlechte ist nicht (not­ ( 5 J Wiederum ist bei den ähnlichen Ding_en _zu Rrüfe�, ob
·

wendtgerwetse) unangenehm, oder wenn das zweite, dann i sic h äh nl ich ve rh alt en . W en n zu m Be tsp tel e1n W tss en
auch �as e�ste. Oder w�nn die Gerechtigkeit Wissen ist, ich auf mehreres bezieht, dann auch eine Meinung, und
dann Ist dte Ungerechtigkeit Unwissenheit. Und wenn wenn de r Be sit z de r Se hk ra ft da rin be ste ht , zu se he n,
>auf gerechte Weise< [10] >auf wissende Weise< und >auf iann besteht auch der Besitz des Gehörs darin, zu hören.
kun�ige Weise< ist, dann wird >auf ungerechte Weise< >auf Ebenso ve rh ält es sic h ab er au ch be i de n an de re n D in ge n,
_
unwissende We1se< und >auf unkundige Weise< sein. Und ow oh l be i de nj en ige n, di e ein an de r w irk lic h äh nl ich sin d,
wenn das zweite nicht, dann auch nicht das erste, wie bei ls auch be i de nj en ige n, di e es zu sei n sc he in en . D ies er
de� eben Gesagt�n. Ehe� nämlich scheint >auf ungerechte 'fopo s ist fü r be id es nü tz lic h. W en n es sic h nä m lic h be i
W'_etse< �auf kundtge Wetse< als >auf unkundige Weise< zu irgendeinem der ähnlichen Dinge so verhält, dann verhält
se1n. D1eser Topo s wurde jedoch bereits früher im Ab ­ s sich au ch be i [30 ] de n an de re n äh nl ich en D in ge n so .
schnitt über. die Folgebeziehung der konträren Gegensätze Wenn es sich aber bei irgendeinem der ähnlichen Dinge
genan.-?t. N1chts anderes fordern wir jetzt, als dass der nicht so ve rh ält , da nn au ch be i de n an de re n ni ch t. Es
komrare Ge gensatz [15 ] dem konträren Gegensatz folgt. i t jedoch auch zu prüfen, ob es sich be i einem �nd bei
Ferner muss man sowohl für das Bestreiten als auch für anehferen D in ge n äh nl ich ve rh ält . D en n ge leg en tli ch be -
das A�fstel!en die Prozesse des Entstehens und Vergehens teh t ein U nt er sc hi ed . W en n zu m Be isp iel da s W iss en ein
_
un.? dte Dmge, �1e etwas hervorbringen und zerstören, Denken ist, dann heißt, viele Dinge zu wissen, (an) viele
p�ufen. �ovon dte Entstehung zu den guten Dingen ge ­ Ding e zu de nk en . D ies ist ab er ni ch t wa hr .. D en n es . ist
h �>rt, das 1st selbst gut, und wenn es selbst gut ist, ist auch Jnöglich, viele Dinge zu wissen,_ [35] a� er ntc_ht, an vtele
dte Entstehu�g gut. Wenn aber die Entstehung zu den Ding e zu de nk en . W en n nu n d1 es es ni ch t sti m m t, da nn
schlechten Dmgen gehört, dann gehört es auch selbst [19a] stimmt auch jenes nicht, was mit Hinblick auf einen (G e­
zu den schlechten Dingen, (und wenn es selbst zu den genstand ge sa gt wu rd e, nä m lic h) , da ss da s W iss en ein
schlechten Dingen gehört, dann gehören auch die Entste­ Denken sei.
hun�en zu ?en [20] schlechten Dingen). Be i dem Vergehen Ferner aufgrund des höheren und geringeren Grades:
verhalt_ es s1c� umgekehrt: Wenn das Vergehen nämlich zu Es gibt vier Topen über den höheren und geringeren
den guten Dmgen gehört, dann gehört es selbst zu den Grad. Einer, ob dem höheren Grad ein höherer Grad
schlechten �ingen. Wenn das Vergehen aber zu den folgt, wie zum Beispiel: Wenn die Lust gut ist, dann ist
schlechten Dtngen gehört, dann gehört es selbst zu den auch die größere Lust in höherem Maße [1 1 5a] gut. Und:
�ten. Dasselbe Ar_gument trifft auch bei den Dingen zu, Wenn Unrecht tun schlecht ist, dann ist größeres Unrecht
dte etwas hervorbringen oder zerstören. Wovon die Din­ tun in höherem Maße schlecht. Dieser Topos ist für beides
ge, die e� hervorbringen, gut sind, das gehört selbst zu den geeignet. Wenn nämlich der Steigerung des Zu�rundeli� ­
g_uten Dmge�? wovon aber die Dinge, die es zerstören, gut genden die Steigerung des zukommend�n Akz1dens, w� e
smd, das gehort selbst zu den schlechten Dingen. gesagt, folgt, dann ist klar, da� s es zu�rtfft. [5] We�n � 1e
aber nicht folgt, dann trifft es ntcht akzidentell zu. Dtes 1st
durch Induktion zu erfassen.
Zweites Buch 97
96 Zweites Buch [1 15al ( 1 1 5a-1 15 b]
f n. Wenn nämlich das ei n e au f d as ei n e Su b je k t n ic h t
Ein .an �erer (Topos ist), w.enn eine� von zweien ausge­ an d er e au f d as an d er e Su b ­
sagt Wird. Wenn es auf das nicht zutrifft' bei dem das Zu­ utrifft, dann wird auch das e Su b ­
j kt nicht zutreffen. Wen n ab er d as ei n e au f d as ei n
t.t:effen wahr�cheinlicher ist, dann trifft es auch auf das ch d as an d er e au f d as an d er e
nicht zu, bei dem es weniger wahrscheinlich ist. Und j kt zutrifft, dann wird au
wenn es �u� da� zutrifft, bei dem das Zutreffen weniger 'ubjekt zutreffen.
wah :sc�einh�h Ist, dann auch auf das, bei dem es wahr­
scheinlicher Ist. 11
[ 25] So viele Möglichkeite n g ib t es al so , au sg eh en d v o n

Wiederum, wenn zwei über eines ausgesagt werden: em ge ri n ge re n G ra d u n d d em äh n li ­


�enn das � wovon mehr geglaubt wird, dass es zutreffe, Je m höheren und d
mcht zutnf�t, [10] dann auch das nicht, wovon es weniger ·hen Grad anzugreifen. w as zu
Ferner aufgrund d er H in zu fü gu n ge n : W en n d as ,
(g� glaubt wtrd). Und wenn das, wovon weniger geglaubt n ic h t gu t o d er n ic h t w ei ß is t,
Wird, dass es zutreffe, zutrifft, dann auch das ' wovon es twas anderem, das zuvor n w ir d
h inzugefügt wird, diese s g u t o d er w ei ß m ac h t, d an
mehr (geglaubt wird). w ei ß se in , w o z u es n äm li ch d as
Fe�ner, wenn zwei über zwei ausgesagt werden: Wenn das Hinzu gefügte gut oder d en
( ;anze macht. Ferner , w en n zu ei n em V o rl ie g en [3 0]
d.as eine, �on welchem mehr geglaubt wird, dass es dem d as d ie B es ch af fe n h ei t v er st är k t,
einen SubJekt zukommt, nicht zukommt, dann kommt twas hinzugefügt wird, se r B e­
d ie ihm zukam, dan n w ir d au ch es se lb st v o n d ie
auch das andere dem anderen Subjekt nicht zu' wenn aber v er h äl t es si ch ab er b ei d en an ­
das, von welchem weniger geglaubt wird, dass es zukom­ schaffenheit sein. Ähnlich n ic h t in
deren (Hinzufügun ge n ). D ie se r T o p o s is t je d o ch
me, dem Subjekt zukommt, [15] dann kommt auch das d er n n u r in d en je n ig en , in w el ­
andere dem anderen Subjekt zu. .tllen Fällen nützlich, son fe n d en
chen eine Steigerun g d es in h ö h er em G ra d Z u tr ef
Ferner (ergeben sich) daraus, dass etwas mit einem ähn­ t si ch ab er n ic h t u m k eh re n , u m
.hchen Gra� (an �ahrscheinlichkeit) zutrifft oder zuzu­ uftritt. Dieser Topos läss d ie Sa ­
twas zu bestreiten. D en n w en n d as H in zu ge fü gt e

treffen schemt, drei Möglichkeiten, wie aufgrund des hö­ t, d an n w ir d d ar au s ü b er h au p t


heren Grades bei den drei zuletzt genannten Topen gesagt che nicht [35] gut mach w ed er
n icht klar, dass es se lb st n ic h t g u t is t. D en n [ 1 15 b]
wurde. h le ch te m h in zu ge fü gt e G u te n o t­
Wenn nämlich eines auf zwei mit einem ähnlichen Grad Jnacht das zu etwas Sc et w as
wendigerweise das G an ze gu t, n o ch m ac h t d as zu
(an Wa?rscheinlichkeit) zutrifft oder es anscheinend tut e W ei ß e n o tw en d ig er w ei se d as
dann Wird es � wenn es auf das eine nicht zutrifft, auch au f Schwarzem hinzugefügt
d.as ande:e nicht zutreffen, und es wird, wenn es auf das anze weiß.
Wiederum: wenn et w as in h ö h er em u n d ge ri n ge re m
e1ne zutrifft, auch auf das andere zutreffen. d , d an n tr if ft es au ch sc h le ch th in zu .
Wenn zwei [20] auf dasselbe mit einem ähnlichen Grad Grad ausgesagt wir ic h t in
Was nämlich nicht gut o d er w ei ß is t, w ir d au ch n
( �n �ahrschei�lichkeit) zutreffen, dann wird, wenn das ge ri n ge re m G ra d gu t o d er w ei ß ge ­
e1�e nicht zutrifft, auch das andere nicht zutreffen und es höherem oder [5] in h er em
nannt werden. Denn das Sc h le ch te w ir d n ic h t in h ö
Wird, wenn das eine zutrifft, auch das andere zutr;ffen. ra d gu t al s ir ge n d et w as G en an n te s,
Ge ? aus ver� ält es sich aber auch, wenn zwei auf zwei oder geringerem G ch t. D ie -
. � . sondern in höherem od er ge ri n ge re m G ra d sc p le
mit einem ahnliehen Grad (an · Wahrscheinlichkeit) zutref-
99
98 Zweites Buch [1 15bJ ( l t5b] Zweites Buch

ser Topos lässt sich aber nicht umkehren, um etwas zu be­ nicht die Zeit, sondern, dass es fü r je m a n d en , d e r in e in e .m
streiten. Vieles nämlich, was nicht in höherem und in ge­ bestimmten Zustand ist, vorteil h a ft is t. D e n n d e � Z e � t­
ringerem Grad ausgesagt wird, trifft schlechthin zu . punkt macht keinen Unterschied, w en n m a n n u r m d le -
>Mensch< wird nämlich nicht in höherem und in geringe­ em Zustand ist. a s h .
in u z u -
rem Grad ausgesagt, [10] aber daraus folgt nicht, dass es Schlechthin ist das, wovon d u [3 0 ] o h n e et w �
kein Mensch ist. fügen sagen wirst, dass. es. (bei�pie ls w e i � e) sc h ö n se 1 o d er
Auf dieselbe Weise muss aber auch die Hinsicht und die das Gegenteil. Zum Be1sp1el w 1r st d u m c h t sa g en , � � ss es
Zeit und der Ort geprüft werden. Denn wenn etwas in ir­ chön sei, den Vater zu opfern, so n d e rn , d a ss e s fu r b � ­
n .
ic h t sc h le c h th in
gendeiner Hinsicht möglich ist, dann ist es auch schlecht­ 'timmte Personen schön sei. E s is t a ls o
hin möglich. Ebenso verhält es sich aber auch mit der Zeit sc h ö n . H in g e g e n w ir st du o h n e et w a s h in z u z u fü g e n s a ­
e h re n . D e n es .
1s t
oder dem Ort. Was nämlich schlechthin unmöglich ist, das gen, dass es schön sei, die � ö . . tt e r z u �.
ist weder in irgendeiner Hinsicht noch zu irgendeiner Zeit schlechthin schön. Daher w ir d d a sJ en ig e, w a s sc h � n o d er
noch an irgendeinem Ort möglich . schändlich oder [35] irgendetwa s an d er es � er a rt ig es z u
[15] Ein Einwand (könnte lauten): >In einer bestimmten ·ein scheint, ohne dass etwa s h in z u g ef ü g t w 1r d , sc h le c h t-
Hinsicht sind zwar manche Leute von Natur aus recht­ hin sch ö n o d er sc h än d li ch g en an n t.
schaffen, beispielsweise die Freien oder die Besonnenen,
sie sind aber nicht schlechthin von Natur aus rechtschaf­
fen.< Ähnlich: >Es ist zwar möglich, dass etwas Vergängli­
ches zu einer bestimmten Zeit nicht vergeht, aber es ist
unmöglich, dass es schlechthin nicht vergeht<. Auf diesel­
be Weise: >Es ist zwar an einem bestimmten Ort vorteil­
haft, eine besondere Diät [20] einzuhalten, zum Beispiel in
ungesunden Gegenden, aber nicht schlechthin<. Ferner:
>Es ist zwar möglich, dass an einem bestimmten Ort ein
Einziger ist, aber es ist nicht möglich, dass schlechthin nur

ein Einziger ist<.


Und auf dieselbe Weise: >Es gilt zwar an einem be­
stimmten Ort als s·chön, seinen Vater zu opfern, zum Bei­
spiel bei den Triballern, es ist aber nicht schlechthin
schön<. Hier v;:ird aber nicht der Ort bezeichnet, sondern,
dass es für bestimmte Personen schön ist. [25] Denn es •

macht keinen Unterschied, wo sie sind. Es wird nämlich


I

überall für sie schön sein, weil sie Triballer sind. Wieder­
um: >Es ist zwar zu einer bestimmten Zeit vorteilhaft,
Arzneimittel zu nehmen, zum Beispiel wenn man krank
ist, aber nicht schlechthin<. Aber auch das bezeichnet
'


[ 1 16a-1 16b] Drittes Buch 101

Drittes Buch Weiterhin ist aber das, was wesentlich etwas Bestimmtes
ist, wählenswerter als das, was nicht in der Gattung ist,
1
zum Beispiel ist die Gerechtigkeit wählenswerter als. der
[1 16a] Welches von zwei oder mehreren Dingen wählens­ Gerechte, denn jene ist in der Gattung des G�ten, d�eser
werter oder besser ist, muss aus Folgendem geprüft wer­ (25] nicht, und jene ist wesentlich �t, �ieser mcht .. N1chts
den. .zuerst sei. aber bestimmt, dass wir die Untersuchung wird nämlich als das, was wesentl1ch d1e Gattung 1st, aus­
[s] n1cht für D1nge durchführen, die weit auseinander ste­ gesagt, wenn es nich.t in der Gat�ng. ist, wie z"?m �eis�iel
hen und einen großen Unterschied zueinander aufweisen ­ der weiße Mensch n1cht wesentl1ch e1ne Farbe 1st. Ahnhch
niemand gerät nämlich bei der Frage in Schwierigkeiten, verhält es sich aber auch in den anderen Fällen.
ob das Glück oder der Reichtum wählenswerter ist -, son­ Auch ist das aufgrund seiner selbst Wählenswerte wäh­
dern für eng verwandte Dinge und für solche, bei denen lenswerter als das aufgrund einer anderen Sache Wählens­
wir im Zweifel sind, für welches von beiden man sich eher werte, [30] wie zum Beispiel gesund zu sein wählenswerter
ist als Leibesübungen zu treiben, jenes ist nämlich auf­
�ntscheiden soll, wei� man keinen Vorzug des einen gegen­ grund seiner selbst wählenswert, dieses aufgrund einer a?­
uber dem anderen s1eht. [1 0] Offensichtlich wird in sol­
chen Fällen, wenn ein Vorzug gezeigt worden ist oder deren Sache. Auch das an sich selbst Wählenswerte 1st
mehrere Vorzüge gezeigt worden sind, der Verstand aner­ wählenswerter als das akzidentell Wählenswerte; zum Bei­
kennen, dass �as wählenswerter ist, bei dem sich ergibt, spiel ist gerechte Freunde zu �ab :n W:�hl:nswert �r als ge­
dass es vorzuz1ehen ist. rechte Feinde zu haben. Das e1ne 1st naml1ch an s1ch selbst
Zuerst ist also das, was längere Zeit andauert oder be­ wählenswert, das andere akzidentell.
ständiger i�t, wählenswerter als das, was dies in geringe­ Denn gerechte Feinde zu haben, wählen wir �kzi� entell,
rem Maße 1st. Und das, was der Vernünftige [1 5] oder der (35] damit sie uns keinen Schaden zufüge? · D1� s 1�t aber
gute Mann oder das richtige Gesetz eher wählen würde dasselbe wie im vorigen Fall, es unterscheidet s1ch Jedoch
oder diejenigen, die tugendhaft sind, wenn sie mit Blick in der Ausdrucksweise. Gerechte Freunde zu haben, wäh­
auf eine jede Sache ihre Wahl treffen, insofern sie solche len wir nämlich aufgrund seiner selbst, auch wen� f�r uns
sind, oder diejenigen, die im jeweiligen B ereich Fachleute nichts dabei herauskommen sollte, selbst wenn s1e 1n ln­
sind, entweder die meisten oqer alle, wie zum B eispiel in dien sind; gerechte Feinde zu haben, wählen wir aufgrund
4.er Heilkunst oder der Zimmermannskunst, was von den einer anderen Sache, damit sie uns keinen Schaden zu-
Arzten die meisten oder alle wählen würden, oder was fügen. .
. ..
[1 16b] Auch das, was an sich selbst d1e Ursache fur e1n
.
ü b erhaupt die meisten oder alle oder alles (wählen wür­
den), wie zum B eispiel das Gute, denn alles [20] strebt Gut ist' ist wählenswerter als das, was akzidentell Ursache
nach dem Guten. Man muss aber anführen, wofür das, für ein Gut ist, wie die Tugend gegenüber dem glücklichen
was gesagt werden soll, nützlich ist. Schlechthin besser Zufall, denn jene ist an sich selbst die Ursache für die Gü­
und wählenswerter ist das, was es nach der besseren Wis­ ter. dieser aber akzidentell, und wenn es sonst noch etwas
senschaft ist, für etwas B estimmtes aber das was es nach vo� dieser Art gibt. Ähnlich verhält es sich aber auch
der zuständigen Wissenschaft ist. ' beim Gegenteil: Denn das, was an sich selbst [5] die Urs�­
che eines Übels ist, ist eher zu meiden als das, was akz1-
1 02 Drittes Buch
I
[116b] l 1 16b-1 1 7a] Drittes Buch 1 03
dentel� die Ursache �ine� Übels ist, wie
. d ie S c h lechtigkeit was [25] zu einem anderen Ziel führt, zum Beispiel das,
'

gegenuber dem �ngunst1gen Zufall, d


e n n je n e is t an sich was zum Glück beiträgt, gegenüber dem, was zur Klug-
I

selbst schlecht, dteser aber akzidentell


A u�h das schlech�hin Gute ist wählen . heit beiträgt.
. s w e r t e r a ls das, .
Auch das Mögliche ist wählenswerter als das Unmoglt- . .
was fu: J emand Best1mmten gut ist, zum
u n d s e m . .
ge�enuber �em Geschnittenwerden, d B e is p ie l da s G e ­ che. Ferner ist von zwei hervorbringenden Ursache�
� e n n jenes
1st sc�lec�thu� gut, d1eses [1 0] aber für diejenige wählenswerter, deren Wjrkung bess�r ist; ?et
.
ten, namltch fur den, der des Schnittes j e m a n d Bestimm­ hervorbringender Ursache und :Vtrkung verhalt es.. steh
A u c h d a b e d a r f . nalog, wenn die eine Wirkung dte ande �e um mehr uber­
.1ch s , was von Natur aus so ist, gegenüber dem,
� t v on Natur aus so ist, wi� die Gerechtig w a s trifft als Letztere ihre eigene hervorbringende Ursache,
k e it gegen­ �
wen zum Beispiel das Glück die Gesundheit um mehr
uber dem gerec�ten Menschen, J ene ist
aus (gerecht), d1eser aber (hat die Eig n ä m li c h von Natur übertrifft als [30] die Gesundheit das, :vas gesund mach.t,
Auch ?as, was dem B esseren und Eh e n s c h a f t ) e rworben . dann ist das, was das Glück hervorbringt, besser als dte
kommt, 1st wählenswerter, z u m Beisp r e n w e r t e r en z u ­ Gesundheit. Denn um so viel, wie das Glück die Gesund­
Gott zukommt, gegenüber dem, was e ie l d a s , w as einem heit übertrifft um so viel übertrifft auch das, was glück­
in e m M e n s c hen z u ­ ;
lich macht, d s, was gesund macht; die Gesundheit über­
kommt, oder das, was der Seele zuk
dem, was dem Körper zukommt . o m m t ' gegenüber trifft aber das, was gesund macht, um weniger, so dass das,
�uch die Eigentümlichkeit einer bes was glücklich macht, das, was g�sund macht, um mehr
.
wahlenswerter als die Eigentümlichkeit s e r e n Sache ist übertrifft als die Gesundheit das, was gesund macht,
e in e r s c h le c h te ren :
übertrifft [35] Es ist also klar, dass das, was glücklich
a c h
?. e, zum Beispiel das dem G tt Eigentü
b e r
� p sJ dem dem Menschen E1gentümlichen; den ? m li c h e g e g e n ­ macht, wählenswerter ist als die Gesundheit, denn es
s�cht�1ch �essen, was beiden gemeinsam n hin­ übertrifft dasselbe um mehr.
s1e s1.ch mcht, hinsichdich des Eigentü is t , u n t e r s c heiden Ferner ist das an sich Schönere und Ehrenwertere und
das etne das andere. m li c h e n übertrifft Lobenswertere wählenswerter, zum Beispiel Freundschaft
Auch das, was in dem Besseren oder Fr gegenüber Reichtum �nd Gere.chtigkeit gegenüber Stärke,
e n w e r ü h e r e n o d e r E h ­ Erstere gehören nämltch an stch zum Ehrenwert�n und
� �eren ist, ist � esse�, z u m B eispiel Gesundheit gegen Lobenswerten die anderen [1 1 7a] gehören dazu ntcht an
u b e r Starke und Scho. nhe1t. Erstere ist n ­ �
und T�ockenen sowie i m Warmen un ä m li c h i m Feuchten sich, sondern ufgrund einer anderen �ache. Niemand ehrt
gesagt m den [20] ersten Elementen, aus d K a lt e n , a lso kurz nämlich den Reichtum aufgrund seiner selbst, sondern
sen be� teht, Letztere sind in den späte d e n e n d as L e b e w e ­ aufgrund einer anderen Sache, die Fre?ndschaft . dagegen
de�m d1e Stär�e i s t in den Sehnen und K r e n ( B e s t a n dteilen) · ehrt man an sich, auch wenn für uns nichts dabe1 heraus­
_ n o c h e n , die Schön � kommen sollte.
he1t aber schemt eme Symmetrie der G
Auch da� Ziel scheint wählenswerter li e d e r z u s ein.
was z u m Z1el führt. Auch i s t von zwe z u s e in als das 2
i D in g e n das wäh � [5] Ferner, wenn sich zwei Dinge sehr ähnli�h si�d und
lenswerter, �as dem Ziel näher ist. Und
was z u m Z1el des Lebens führt, wäh ü b e r h a u p t i s t das, wir nicht in der Lage sind, einen Vorzug des einen Im Ver­
lenswerter als das, gleich zum anderen auszumachen, dann muss man auf das

--
--
1 05
1 04 Drittes B u ch
p t 7 a-117b] ,

nicht glaubt , dass sie vernü nftig


Anfüh rer, weil man umgek ehrt;
ls
Tapfe rkeit verhält es sich
ind . Bei der [30]
rklich ung der Tapfe rkeit
nn in der Jugen d ist die Verwi Be­
o verhäl t es sich auch bei der
ehr vonn öten. Ebens von den Be-
die Jung en werden mehr
nnenheit; denn n.
Kierden geplagt als die Ältere unter den
was unter allen Umstän den oder
Auch das, nswe rter, wie zum
meiste n nützli cher ist, ist wähle [35]
Tap­
eit und Beson nenhe it gegen über
�eispiel Gerec htigk r, die Letzte re nur
Die Erste ren sind nämli ch imme
ferkeit: Auch das, bei dem wir, wenn
dann und wann nützli ch . fen, ist wäh­
n, des ande ren nicht mehr bedür
lle es habe wenn alle es habe n noch
lenswerte r als das, bei dem wir, '

und
edürf en, wie bei Gerech tigkeit
des Ubrige
. .

n dazub wären , hätte


wenn nämli ch alle gerec ht [1 17b ]
Tapferkeit; Nutze n mehr, wenn aber alle tapfe r
die Tapfe rkeit keine n
wäre die Gerec htigk eit nützli ch.
wären , ang und dem Verlus t, aus dem
Ferne r aus dem Unterg teilen : Wovo n
und dem Erwe rb und den Gegen
Entstehen rem Maße zu meide n ist, das ist
der Unter gang [5] in höhe mit den Ver­
nswe rter . Ebens o verhä lt es sich
selbst wähle teilen; wenn nämli ch der Verlu st
lusten und den Gegen ist es selbs t
nteil eher zu meide n ist, dann
und das Gege und dem Erwe rb ver­
wähle nswe rter. Mit dem Entst ehen und
wovon nämli ch der Erwe rb
hält es sich umgek ehrt; selbst wäh-
wählen swer ter ist, das ist auch
das Entst ehen
lenswerter. p o s i s t d e r, d a s s d a s d e m G u t e n
[ 1 0] Ei n an d er e r T o das dem Gu­
wähle nswe rter ist; auch
Nähe re besser und Gerech tigkei t gegen über dem Ge­
ten Ähnlic here, wie die r als es selbs t
das, was einer Sache , die besse
rechten. Auch rter, wie man von Ajax
ist, ähnli cher ist, ist wähle nswe ähnli­
Odyss eus, weil er dem Achil l
sagt, er sei besse r als wand, dass es nicht
Es ergib t sich dagege n der Ein
cher ist. sprich t dageg en, dass Achill
wahr ist; denn nicht s ähnli-
[15]
cht der beste ist, in der ihm Ajax
nicht in der Hinsi

I
1 06 Drittes Buch Drittes Buch 1 07
[1 1 7b] [11 8a]
e h e r ist, ll:nd ?ass d e-: andere (Odysseus) gut, a b e r nicht [1 1 8a] Ferner sind di e D in ge w äh le ���s e te r, an de ne n
. .
(�e� Ac?tll) ahnltch 1s t . Z u beachten is t aber auch, ob es en , al s d1 eJ m ge n, an de ne ?
die Freunde Anteil ha be n kö nn �
htnstchtltch des Lächerlichen ähnlich ist' wie d e r Aff sie keinen An te il ha be n kö n n en . F er n er 1s t da s, w as w 1r
? e m _ _M e.nschen ähnlich ist, das Pferd aber nicht, d e r Aff� eher für einen F reund tu n w ol le n , w äh le ns w er te r al � d � s,
1s t �amhch, obwohl e r d e m Menschen ähnlicher is t nicht was wir für je man d B el ie bi ge n tu n w ol � en ; zu m B e1 sp 1e l
schoner. ' 1h m G ut es zu tu n
ist jemanden gerecht zu be ha n d el n u _nd
��ede_rum [�0] bei zwei Dingen, wenn eines dem B ess e ­ wählenswerter als nu r de n A n sc he m zu er w ec ke n; de n
r�? ahnhcher 1st, das an��re a? er d e m Schlechteren, dann Freunden [5) w ol le n w ir nä m lic h eh er G ut es tu n al s nu r
d� rfte das deJ? Bess eren Ahnltchere besser sein. Dagegen den Anschein zu erwec ke n , b ei be li eb ig an de re n is t es u m -
.
gtbt es aber em�n Emwand: N1c_ hts spricht nämlich dage­
gen, dass das e1ne d e m B esseren nur wenig ähnelt, wäh­ gekehrt. .. . d "
1e
Auch die D in ge au s d em U be rf lu ss sm d be ss er al s
reJ?-d da� and�re d e m Schlechteren stark ähnelt, w ie bei­ notwendigen, manchm al ab er au ch w äh le n sw er te r. B es se r
_
spielsweise AJaX dem Achtlies nur wenig ähnelt, Odysseus en , da s gu te L eb en
als das L eb en ist nä m lic h da s gu te L eb
d e m Nestor dagegen [25] stark. Auch wenn das eine d e m ist aber aus dem berflu Ü ss , d as L eb en se lb st je d o ch et w as
B e ss eren zum Schlechteren hin ähnelt, das andere aber Notwendiges . Manch m al is t ab er da s B es se re n ic ht au ch
d e m Schlechteren z u m B e ss eren hin, wie das Pferd d e m das Wählenswerte re ; es is t nä m lic h ni ch t, w en n es � es se r
E se l und der Affe d em Menschen. ist, notwendigerweise [1 0) au ch w äh le n sw er te r; � o 1s t zu
E in a�derer ToJ?.o� ist, dass das Auffälligere besser is t als philosophieren sich er lic h be ss er al s G el d zu ve rd 1e n en , es
? as wentger �uffalhge, und ?ass das Schwierigere (besse le ns w er te r fu_ _ r _
Je m an de n, de m es am
r ist aber nicht w äh
1s t �ls das Leichtere), denn w 1r schätzen es höher.' etwas zu Notwendigen fehlt. >A us d em Ü b � rf lu ss � is t e � in:�as i er
? es1��en, das man weniger leicht [30] bekommt. Auch das dann, wenn je man d da s N ot w en d 1g e b es � tz t, st eh da ro be r
In hoherem Maße Eigentümliche is t besser als das in h ö ­ hinaus aber etwas von d en sc hö n en D m ge n ve rs ch a �ft .
herem Maße G e�einsame. Auch das, was wir in geringe­ Man kann vielleicht un ge fä hr sa g� n, da ss da s N o tw en d � ge
rem U mfan� m1t schlechten Menschen teilen müssen wählenswerter, da s au s [1 5] d em U be rf lu ss ab er be ss er 1s t.
[d�nn was mcht von Unanneh�lichkeiten begleitet ist, is � Auch was man sich n ic ht vo n ei n em an de re n be sc ha ff en
_
wahlenswerter als �as, was von thnen begleitet ist.] m an si ch au ch vo n ei ­
kann ist wählensw er te r al s da s, w as
F e r�er, wen� dteses schlechthin besser ist als jenes, nem �nderen be sc ha ff en ka nn , w ie es zu m B ei sp ie l de r G e­
dann 1st das Beste von den D tn . gen in d er T ap fe rk ei t er g h t . A u ch w � nn
diesem Bereich b e s­
se r als das B e� te von den Dingen im anderen B e reich; rechtigkeit gegenüber _ �
t
dieses zwar ohne je n es w äh le n sw er t 1s t, Je n es ab er m ch
.
wenn zum B etsptel [35] der Mensch besser is t als das K lu gh ei t n ic ht w äh le n sw er t
. ohne dieses, wie Mac h t oh n e
Pferd, dann 1s t der beste Mensch besser als das beste ist, Klugheit ohne [2 0) M ac h t ab er w äh le n sw er t. � u ch
Pferd. Und wenn das B e st e (von diesen) besser is t als das wenn wir von zwei D inge n ei ne s ve rl eu gn en , d � m �t de r
.
B es�e (von Jenen), dann is t dieses auch schlechthin besser e, d an n 1s t Je �s ,
Eindruck entsteht, wir be sä ß en da s an d er �
als Jenes; wenn zum Beispiel der beste Mensch besser is t das zu besitzen w ir d en E in d ru ck er w ec ke n w ol le n , w ah ­
als das beste Pferd, dann ist der Mensch auch schlechthin lenswerter, wie wir zum B ei sp ie l de n F le iß ve rl eu gn en , d a­
besser als das Pferd. mit der E in dr uc k en ts te ht , w ir se ie n vo n N at ur au s be ga bt .
1 08 Drittes Buch [1 1 8a-1 1 8b] [1 1 8b] Drittes Buch 1 09
Ferner ist das wählenswerter, bei dessen Abwesenheit rem Maße wählenswerter ist, wählenswerter als das, was
man sc?wächer tadeln muss, wenn jemand darüber unge­ in geringerem Maße wählenswerter ist. Ferner ist .�as, wo­
halten 1st. [25] Und das ist wählenswerter, bei dessen Ab­ von das [5] Übermaß wählenswerter ist als das Ubermaß
wesenheit man stärker tadeln muss, wenn jemand darüber (des anderen), auch selbst wählen��erter, wie Freund­
nicht ungehalten ist. schaft gegenüber Geld. Denn da� Ubermaß an Freund­
schaft ist wählenswerter als das Ubermaß an Geld. Und
3 man dürfte wohl eher das wählen, was man durch eigenes
F�rner ist von deD: Di�gen, die unter eine Art fallen, dasj e­ Zutun hat, als das, was man durch das Zutun eines ande­
nige bess�r, d�s dte etgentümliche Tüchtigkeit besitzt, als ren hat, wie die Freunde gegenüber dem Geld.
.
das, was s1e ntcht besitzt . Wenn aber beide sie besitzen is t [10] Ferner aus der Hinzufügung: wenn etwas, das dem­
das besser, was sie in höherem Maße besitzt. '

selben hinzugefügt wurde, das Ganze wählenswerter


Wenn ferner das eine jenes gut macht, in dem es anwe­ macht. Man muss sich aber davor in Acht nehmen, Fälle
send ist, das andere es aber [30] nicht macht, dann ist das, vorzubringen, in denen das Gemeinsame das eine der hin­
was es macht, wählenswerter, wie auch das wärmer ist, zugefügten Dinge gebraucht oder auf andere Weise mit
was etwas erwärmt, als etwas, das dies nicht tut. Wenn ihm zusammenwirkt, das andere aber nicht gebraucht und
beide Dinge das bewirken, dann ist dasjenige wählenswer­ auch nicht auf andere Weise mit ihm zusammenwirkt, wie
ter, was es in höherem Maße macht, wie zum Beispiel, Säge und Sichel (jeweils in Verbindung) mit Zimmer­
wenn das eine sich auf die Seele auswirkt, das andere aber mannskunst . [15] Denn in dieser Verbindung ist die Säge
auf den Körper. wählenswerter, schlechthin ist sie aber nicht wählenswer­
Fe r J?- er
.lichketten des N is t etwas m it B lic k auf di e A bleitungen, die Mög­ ter. Wiederum ist das wählenswerter, was, wenn es zu ei­
utzens, die Handlungen [35] und die Leis­ nem geringeren Gut hinzugefügt wird, das Ganze zu ei­
t�ngen (zu ? eurteilen), und diese mit Blick auf jenes, denn nem größeren macht . Auf ähnliche Weise ist es aber auch
Sie folg:n einander. Wenn zum Beispiel die gerechte Art ausgehend vom Abziehen zu beurteilen.
und Weise wählenswerter is t als die tapfere Art und Weise, Wenn nämlich, nachdem jenes von diesem abgezogen
dann ist auch die Ge:echtigkeit wählenswerter als die Tap­ wurde, dieses Verbleibende ein geringeres Gut ist, dann
_
ferkeit. Und wenn dte G erechtigkeit wählenswerter ist als dürfte jenes ein größeres sein, was auch immer es ist, des­
die Tapferkeit, dann is t auch die gerechte Art und Wei se sen Abzug das Verbleibende zu einem geringeren macht.
wählenswerter als die tapfere Art und Weise. Ganz ähnlich [20] Auch (ist zu prüfen), ob das eine aufgrund seiner
verhält es sich aber auch in den anderen Fällen. selbst wählenswert ist, das andere aber aufgrund der Mei­
[1 1 8b] Ferner, wenn im Vergleich zu demselben das eine nung, wie die Gesundheit gegenüber der Schönheit. Die
ein größeres G ut ist, das andere aber ein kleineres dann Definition von >(wählenswert) mit Blick auf die Meinung<
is t das größere Gut wählenswerter. Oder wenn (i� Ver ­ ist aber: >das, um dessen Besitz man sich nicht bemühen
gleich zu zwei unterschiedlichen Gütern) das eine von würde, wenn niemand sonst davon wüsste< . Auch wenn
beiden ein größeres G ut is t als das größere, dann is t es das eine aufgrund seiner selbst und aufgrund der Meinung
wählenswerter. Aber wenn von zwei Dingen beide wäh­ wählenswert ist, das andere aber nur aufgrund eines der
lenswerter sind als ein .drittes, dann is t das, was in höhe- beiden (Faktoren, ist jenes wählenswerter). Auch was eher

,
1 10 Drittes Buch
\

[ 1 1 8 b- 1 1 9 a ] [1 19a] Drittes Buch 111


aufgrund seiner selbst hoch geschätz
wohl besser als auch wählenswerter. [ t w ir d , dieses i s t s o ­ werter ist, dann ist auch [5] das hoch Geschätzte :rählens­
als an sich höher geschätzt ansehen, w 2 5 ] M a n k ann etwas wert und wenn das Nützlichere wähle.�sw�rter 1 st, .?ann
ner selbst, ohne dass etwas anderes a s w ir aufgrund sei­ ist auch das Nützliche wählenswert. Ahnhch verhal� es
men scheint, wählen würden . d a b e i h e r a uszukom­ sich aber auch bei den anderen Dingen, die sich auf d1ese

Ferner ist zu unterscheiden, auf wie Weise vergleichen lassen. Denn bei eini�en Dingen sagen
wählenswe�t �enannt wird und um w v ie le Weisen etwas wir aufgrund des gegenseitigen Ve�gle1ches. sofort, da�s
ob zum B eispiel um des Nutzens od e l c h e r D inge willen, beide wählenswert sind oder dass e1nes es 1st, zum Bel­
des Angenehmen willen . Denn was f e r d e s S chönen oder spiel wenn wir das eine >von Natur aus gut<, das andere
i s t � n ü t ü r
zlic? ist, ist wählenswerter [30] alsa ll e s o d e r f ü r d a s >nicht von Natur aus gut< [10] nennen, es i�t nämlich klar,
�� das, ( d e m
nutzheb zu sem) m. cht auf diese We dass das von Natur aus Gute wählenswert 1st .
aber beiden dasselbe zukommt, mu i s e z u kommt. Wenn
welchem von beiden es in höherem s s m a n u ntersuchen
eines zum B eispiel angenehmer oder M a ß e z ukommt o b
cher ist . Wiederum i s t das wählens s c h ö n e r o d e r n ü � z l i ­ mein wie möglich zu fassen, wenn s1e namhc� . so ge��sst
w e r t e r. was um des
B esseren :Villen wählenswert ist, zum wurden, sind sie in einer größeren Zahl von Fallen nutz­
T�gend �dlen Wählens'Y.erte gegenüb B e i s p iel das um der lieh. Es ist aber möglich, einige der genannt�n (Tope�) [15]
.
Willen Wahlenswerten. Ahnlieh verh e r d e m u m der L u s t zu verallgemeinern, indem man die Formulierung e1n we­
bei den zu meidenden Dingen, es ist ä lt e s s ich aber auch nig verändert, zum Beispiel: Das von Natur aus so un� so
.
meiden, wa� �em Wähle swerten m n ä m li c h e h er das zu Beschaffene ist mehr so und so beschaffen als das n1�ht
[35] zum B eisptel Krankheit gegen � e h r i m Wege steht, von Natur aus so und so Beschaffene. Auch wenn �as e1ne
v?m Angent; hmen und davon, tüchti ü b e r H ä s slichkeit, denn das, was es besitzt oder dem es zukommt� zu e1ne� so
die Krankheit stärker ab . g z u s e in , hält einen und so Beschaffeneo macht, das andere d1es aber n1cht
.hegF e r n e r a u s�eh�nd dav�n, dass man zeigt, dass macht dann ist dasjenige mehr von der entsprechenden
ende auf a. hnhebe Weise zu meiden u das Vor ­ Besch�ffenheit, was (das Besitzende) dazu m�cht, als das,
Denn etwas, das so bes chaffen ist, n d z u wählen ist: was es nicht dazu macht; wenn es aber be1de machen,
wäh�en als auch meiden könnte, ist w d a s s m a n e s sowohl dann das, was es in höherem Maße dazu macht. .
als em anderes, das nur wählenswert e n ig e r w ählenswert [20] Ferner, wenn gegenüber demse�ben das e1ne mehr
ist. und das andere weniger so besch�ffen 1st: Auch wenn das
4 eine mehr so und so beschaffen 1st als e1n so und so Be­
[ 1 1 9a] Die Vergleiche der Dinge
m it e in schaffenes, das andere aber (lediglich mehr so und so b.e­
�urchzuführen, ie es a n der sind also schaffen ist) als ein nicht so und so Beschaffene� , dann 1st
� . g e s a g t w u r d e . D i e s e lben Topen
smd aber �_uch nutzhch, um für j ede klar, dass das erste mehr so und so beschaffen 1st. F�rner
dass es wahlenswert oder zu verm s B e l i e b ige zu zeigen, aus der Hinzufügung: wenn etwas, das demselben hinzu­
muss nur den Ums tand abziehen, e id e n i s t , denn man gefügt wurde, das Ganze zu einem ?Iehr so '!nd so Be­
übertrifft. Wenn nämlich das höher d a s s e s ein anderes schaffenen macht, oder wenn es zu e1nem wen1ger so un�
Geschätzte wählens- so Beschaffeneo hinzugefügt wurde und das Ganze zu e1-

,
·
-·-·---

112 Drittes Buch [119a-1 19b] [119b] Drittes Buch ·


1 13

nem mehr [25] so und so Beschaffenen macht. Ebenso dann ist auch et w as vo n de m , w as au f un ge re ch te W ei se
aber auch aus dem Abziehen: Wenn nämlich, nachdem et­ geschieht, gut. Un� w en n I? an ir & en de tw as L us tv .ol le �
was abgezogen wurde, das Verbleibende weniger so und meiden solli da nn 1s t au ch 1r ge nd em e L us t zu m e1 de n,
so beschaffen ist, dann ist (das Abgezogene) mehr so und nach demse hen M us te r gi lt ab er au ch : W en n ir ge nd et �v as
s� beschaff�n. A�ch .was mit dem Entgegengesetzten we­ Lustvolles nü tz lic h is t, da nn is t ir ge nd ei ne L us t nü tz hc �.
ntger vermischt 1st, 1st mehr so und so beschaffen zum Und bei den Din ge n, du rc h di e et w as ze rs tö rt w ir d, so ·
�" ? e
rn'
Bei.spiel ist das mit dem Schwarzen weniger Ver ischte s E nt st eh en s un d V er ge he ns ve rh al t
bei den Vorgängen de �
wetßer. Ferner, .n� ben dem zu�or Gesagten: Was die ange­ es sich genaus o. W en n nä m lic h ir g � nd et w as , ? as em e L � st
messene Defi ?1t �on ?es Vorhegenden eher zulässt, [30] oder ein Wissen ze rs tö rt , [1 0] gu t 1s t, da nn du rf te au ch lr ­
weni1: zum Betsptel dte Definition von >weiß< lautet: >Far­ gendeine Lus t od �r ir �e nd �i n W iss en zu de n sc hl ec ht en
I I
be, dte den Gesichtssinn trennt<, dann ist das weißer. was Dingen gehören. A hn hc h gi lt ab er au ch : W e ?- n da s V er �. e­
' '
� rt ,
I

in höherem Grade eine Farbe ist, die den Gesicht sinn hen irgendeines Wissen s zu de n gu te n D m ge n ge ho
trennt. oder das Entst eh en ir ge nd ei ne s W iss en s zu de n sc hl e � h­
ten dann wird irge nd ei n W iss en zu de n sc hl ec ht en D m ­
6 �
ge gehören; w en n es zu m B ei sp ie l gu t is t, zu ve rg es s � n,
Wenn. das Probl�m aber partikulär und nicht allgemein ge­ was man Schändlic he s ge ta n ha t, od er sc hl ec �t , da ra n . en n­
stellt 1st, dann sind zuerst alle genannten allgemeinen To­ nert zu wer d de n da nn dü rf te es sc hl ec ht se 1n , zu w ts se n,
pen zum Aufstellen und Bestreiten nützlich. Wenn wir es was man Schän lic he s [1 5] ge ta n ha t . In de n an de re n Fä l­
n�mlich allgeme.in �iderlegen oder [35] aufstellen, zeigen len verhält es sich ab er ge na us o. In al le n Fä lle n is t nä m lic h
w1r es auch partikular, denn wenn es auf alle zutrifft dann das Anerkannte ähnlich.
auch auf ein Bestimmtes, und wenn auf keines dan auch� Ferner aus dem hö he re n, ge ri ng er en un d gl ei ch en G ra d:

nicht auf ein Bestimmtes. Am vorteilhaftest n und im h eh er irg en de in es de r D in ge au s e� ne r an d � ­
Wenn nämlic
höchsten Grade gemeinsam sind aber die Topen aus den ren Gattung so un d so be sc ha ff en is t, ab er vo n J� ne n ke l­
Entg�gensetzungen, den verwandten Ausdrücken und den nes so be sc ha ffen is t, da nn dü rf te au ch de r fr ag hc �e G e­
Able�tungen. J?en� die Forderung >�enn jede Lust ein genstand nicht so be sc ha ff en se i� ; w en n zu m B ei sp 1e l eh � r
II
Gut 1st, dann 1s � Jeder Sch �erz ein Ubel< wird genauso . t al s 1r ge nd .
m e L us t, be r ke m
irgendein Wissen [20] gu t 1s � �
a�zuerke�nen sein [1 19b] wie >Wenn eine bestimmte Lust Wissen gut is t, da nn dü rf t e es au ch ke m e L �� t se m A
: ge­ uc h
e1n Gut 1st, dann ist ein bestimmter Schmerz ein Übel<. un d ge n . ng er en G: ra d ve rh al t es s1� h
aus dem gl ei ch en
Ferne:, wenn �rgende�ne Empfindung keine Fähigkeit ist, nauso: E s w ird nä m lic h m ög lic h se m , so w oh l zu w id er le ­
���n 1s � auch Irgendeine Empfindungslosigkeit keine Un­ gen als auch au � fz u te lle n; ab ge se �e n da � on , . da ss be id es
fahtgkett. Und wenn irgendetwas, das man auffassen kann, ch en G ra d m gh . ch 1s t, 1s t es au sg e­
ausgehend vom gle1 � .
gewus �t w�rden ka.nn, dann ist auch irgendeine Auffas­ hend vom ge rin ge re n G ra d nu r m og hc h �u fz � st el le � , zu ­
sung ein W�ssen. Wiederum, wenn irgendeine von den un­ rückzuweisen aber ni ch t. W en n es nä m hc h 1m gl ei ch en
gerechten (Handlungen) gut ist, dann ist auch irgendeine Grade (wah rs ch ei nl ic h) is t, da ss irg e � de in e �ä hi g� e� t g � t
von den gerechten [5] schlecht. Wiederum, wenn etwas ist und dass ein W iss en es is t, [2 5] 1r ge nd em e Fa h1 gk e1 t
von dem, was auf gerechte Weise geschieht, schlecht ist, aber gut is t, da nn is t es au ch da s W is se n. W en n es ab er

115
Drittes Buch

1 14 Drittes Buch [119b-120a] [1 20a]


er näml ich gem eint hat, dass
weniger (wahrscheinlich i · · . weitere Bestimmung. Wenn zeige n, dass
.. . Lust gut ist, muss man allge m ein
ssen 1st 1rgen
w, eme Fah�gke1t · aber gut irgendeine nde wide rle­
.

.1st, dann ist es auch das w· ssen. . wenn man das Vorl iege
�' enn aber uberhaupt kei- keine Lust gut ist, [10] man, wenn er geme int hat,
ne Fähigkeit gut ist, dann 1st es n1c. gen will. Desgle ichen muss zeigen , dass
gut ist, allge mein
· .

. dass irgendeine Lust nicht zu widerle ­


ist. Auf ande re Weise ist es nicht
ur au ste. en ann. jede Lust gut i r g e n d e i n e L u s t n i c h t
gen. D e n n w e n n w i r z e i g e n , d a s s wi­
N" h t nur ausgehend von emer and eren Gattung kann Vorlie gend e keine swegs
lC
.
man aber zurückwe�en, �ondern au �h ausgehend von der- gut ist oder gut ist, wird das eine Art be­
also kla r, dass man es nur auf
selben indem man derlegt. Es ist aufst ellen kann. Denn
streite n, aber auf zwei Arten gut ist,
w· elsplel . die These aufgestellt [15]
mein zeige n, dass jede Lust
wurde, dass irgendein sowohl wenn wir allge dass irge ndei ne L ust gut ist,
als auch wenn wir zeige n, A uf ähn ­
Vorlie gende gezeigt word en sein.
g . ' a as, von dem man es am wird es für das t i s c h z u p r ü f e n i s t , o b
s e w e r d e n w i r, w e n n d i a l e k
meisten glaubt es n · ht 1St.
lC liche Wei i s t , w e n n w i r z e i g e n , d a s s k e i n e
'
[35] Ferner (kann man aus eh . irgend e i n e L u s t n i c h t g u t ist, auf zwei
irgend eine nich t gut
lC e Welse fordert, Lust gut ist oder dass mein als auch partikulär, dialek­
wenn es in einem F all zukomme oder nicht zukomme' Arten, sowo hl [20] allge nicht gut ist.
. dass irgend eine L ust
dann auch in allen anderen' wenn zu m B elSPl..e1 d"Ie Seele tisch geprüft haben, mt wurd e, wird man sie auf
des Menschen unsterblich ist' dann a':lch d�e anderen, Wenn aber die Thes e bestim iel festg e­
gen könne n, wenn z um Beisp
wenn Erstere aber nicht' dann auch mcht die anderen . zwei Arten widerle r besti mmte n Lust
wurde , dass gut zu sein zwar eine
Wenn also die These aufgestellt wurde, dass es auf etwas setzt ande ren abe r nicht zuko m mt;
_
zutrifft ' muss ma n ze1 en . zuko mmt, einer besti mmten , dass jede
end e wird, egal, ob man zeigt
denn das Vorlieg wide rlegt worde n sein.
Lust gut ist oder dass keine gut ist, einzi ge

ese aufgestellt �r­ festge setzt hat, dass nur eine


de, dass es auf etwas nicht zutrifft' d�nn muss man zeigen, Wenn er aber [25]
Art en wide rlegen : Denn
dass es auf etwas zutrifft ' d enn es Wlrd aufgrund der H - Lust gut ist, kann man es auf drei als eine
dass jede oder kein e oder mehr
pothese fol indem wir zeigen , de wide rlegt habe n.
Lust gut ist, werde n wir das Vorli egen Bei­
weiter besti mmt wurde , zum
' es partl u är gestellt wurde '
· denn Wenn die These ab er unter den Tugen den ein Wis­
. .
er fordert' dass derJenige. ' der d�m part1"kulären zuge- spiel, dass nur die Klugh eit rlegen , denn
man sie auf vier Arte n wide
stimmt hat' dem Allgemeinen zustimme '. [5] d� er fordert, sen ist, kann Tuge nd ein Wisse n ist,
wenn es auf eines zutreffe ' d ann auch m gle1cher Weise wenn gezeigt wurd e, dass jede ander e ist,
kein e es ist, oder , dass es eine
auf alle. oder, dass [ 30]
oder , dass selb st die Klug­
Wenn ein Problem nun un . . zum Beispi el die Gere chtigke it, wider legt
.

ist, dann wird das Vorl iegen de


heit kein Wissen
' us gut 1St o er nicht gut ist ohne worden s e i n .
1 16 Drittes B u c h
[120a-120b]
zu sc auen von dem gesagt w on etwas Viertes Buch
kommt od :r nicht zukommt, Wi � r d e , d a s s etwas ihm zu-
gestell ten Problemen F rner e a u c h bei den allgemein
Gattungen schauen ind: mu s � ma n �ber auch auf die 1
r e n r t e n a [ 12] Danach soll das betrachtet werden, was sich auf die
f ··h er gesagt wurde Wenn es n . . . ngekommen I·st, Wie·
ru Gattung und die Eigentümlichkeit bezieht. Diese Dinge
.
fen. scheint oder auf keines, mus a m h c h a u f alles z u z u t r e f -
sm . sind Elemente der auf die Definitionen bezogenen (Ver­
' o r e r a s s e r dem A l l g e m e i - fahren). Auf diese (Gattungen und Eigentümlichkeiten)
nen zustimmt oder als E1nwand ,. n_ selbst aber richten sich die Untersuchungen der Dialekti­
.
dem .es Sich nicht so verha""l t. Fe e i n e n F a l l vo � bringt
· , bei .
rner m u .. ker selten .
2 1 ens er Art nach [15] Wenn man also eine Gattung für irgendein Seiendes
oder der Zahl nach zu best1.mm ' festsetzt, muss man zuerst alles, was mit dem Genannten
.
von zutrifft' zum B ei· spi· e1 dass d e n p r 'ü fe n , ob kei·nes da-
' i e Z e i t . verwandt ist, daraufhin betrachten, ob sie von irgendetwas
b ewe t n . . [ 1 2 0 b ] weder s1ch nicht ausgesagt wird, wie beim Akzidens. Wenn zum Bei­
spiel das Gute als Gattung der Lust festgesetzt wurde (ist
' e er S i c ewegt n o c h B e - zu prüfen), ob irgendeine Lust nicht gut ist; wenn es näm­
wegun ist Ähnl · lich so ist, dann ist klar, dass das Gute nicht die Gattung
der Lust ist. Denn die [20] Gattung wird von allem ausge­
sagt, was unter dieselbe Art fällt .
Dann, ob sie nicht in (der Kategorie des) Was-es-ist
ausgesagt wird, sondern als Akzidens, wie das Weiße vom
Was mit dem Akzidens zusam . . . Schnee oder das Selbstbewegende von der Seele; weder ist
von derartigem und auf dI"ese w . m en hangt I s t aufgrund
eise anzugrei�fen.
'
v '
nämlich der Schnee wesentlich weiß, weshalb das Weiße
nicht die Gattung des Schnees ist, noch ist die Seele we­
sentlich das, was sich bewegt, es kommt [25] ihr aber akzi­
dentell zu, sich zu bewegen, wie (es) auch dem Lebewesen
häufig (akzidentell zukommt) zu gehen und ein Gehendes
zu sein. Ferner scheint >sich bewegend< nicht das Was-es­
ist zu bezeichnen, sondern ein Tun oder Leiden. Ähnlich
aber auch >weiß<, denn es macht nicht klar, was der Schnee
I

ist, sondern wie er beschaffen ist, so dass keines von bei­


den in (der Kategorie des) Was-es-ist ausgesagt wird - die
Gattung aber wird in (der Kategorie des) Was-es-ist aus­
gesagt.
[30] Besonders muss man bei der Definition des A.kzi­
dens darauf achten, ob sie zur angegebenen Gattung passt,
118 Viertes Buch [120b-121a] Viertes Buch 1 19
[1 21 a]
wie in den soeben besprochenen Fällen. Es ist nämlich des Seienden oder des Einen an g eb en w ü rd e: E s w ü rd e
möglich, sich selbst zu bewegen, und auch, es nicht zu sich nämlich ergeben, dass d ie (v er m ei n tl � ch e) � at tu � g an
tun, ähnlich aber auch, weiß zu sein und es nicht zu sein . der Art teilhätte. Denn v o n al le m , w as 1s t, w 1r d >S ei en d <
Daher ist keines von beiden Gattung, sondern beide sind

und >eins< ausgesagt, daher a u ch d er en B eg ri ff sb es ti m -


Akzidentien, da wir das als Akzidens bezeichneten, was mungen.
·

[35] einer Sache zukommen und nicht zukommen kann. [20] Ferner, ob von ir g en � et w a s d ie an g eg eb en e A rt
.1e G ttung aber m. cht,
Ferner, ob die Gattung und die Art nicht in derselben w ah rh ei ts g em äß a u sg es a g t w 1r d , d �
Abteilung stehen, sondern diese eine Substanz und jene zum B eispiel wenn das , w as d er F al l 1s t, o d er d as , .w as
eine Qualität ist oder diese eine Relation und jene eine man wissen kann, al s G at tu n g d es se n , w as I? a n m e1 n en
Qualität. Zum Beispiel sind der Schnee und der Schwan kann, festgesetzt wird. Den n v o n � em , w as m c � t d er � al l
Substanzen, das Weiß aber ist keine Substanz, sondern ist, wird ausgesagt, dass m an es m em en k an n - v 1e le � n a m ­
eine Qualität. Daher ist das Weiß weder Gattung des lich von dem, was nicht der F a ll is t, k a n n m a n m e1 � en -
Schnees noch des Schwans. [121a] Dagegen gehört das dass aber das was der Fa ll is t, o d er d a s, w as m a n w 1s se n
Wissen zu den Relationen, das Gute und das Schöne sind kann, nicht v�n dem ausgesagt w ir d , w as n ic h t d er F a ll � st ,
aber Qualitäten . Daher ist das Gute oder das Schöne nicht ist offenkundig. Daher ist w ed er [2 5] d as , w as d er F al l 1s t,
die Gattung des Wissens. Denn die Gattungen der Rela­ noch das was man wisse n k an n , d ie G at tu n g d es se n , w as
tionen müssen auch selbst zu den Relationen gehören wie man mei�t. Wovon nämlich die A rt a u sg es a g t w ir d , d av o n
beim Doppelten. muss auch d ie G a tt u n g a u sg es a g t w er d en . .e1ner
Denn das Vielfache, [5] das die Gattung des Doppelten Wiederum, ob das in d ie G a tt u n g G es et z te a n k
ist, gehört auch selbst zu den Relationen. Allgemein ist zu der Arten teilhaben kann. Un m ö g li ch is t n äm li ch , d as s et ­
sagen, dass die Gattung unter dieselbe Abteilung fallen was an der Gattung, aber an k ei n er d er A rt en te il h a t ! �­fa l � s
muss wie die Art. Wenn die Art eine Substanz ist, dann es nicht selbst eine [30] d er A rt en n ac h d er er st en E ln te
auch die Gattung, und wenn die Art eine Qualität ist, lung wäre. Diese aber hab en n u r an d er G at tu n g te tl .
dann ist auch die Gattung eine Qualität. Wenn zum Bei­ Wenn nun die B ewegu n g al s G a tt u n � d er L u st an g es e : z t
�piel das Weiß eine Qualität ist, dann auch die Farbe. wurde, muss geprüft werden , o b d 1e L u st w ed er
. �er u.. ?n­ e1 � e
Ahnlieh aber auch bei den anderen . Ortsbewegung no ch ei n e V er än d er u n g n o c � em e
[10] Wiederum, ob es notwendig oder möglich ist, dass gen der angegebenen A rt en d er B ew e� n g 1s t. E �. ts t n am ­
die Gattung an dem teilhat, was in die Gattung gesetzt lich klar dass sie an keiner d er A rt en te ll h ab en d u rf te , u n d
wurde. Definition des Teilhabens ist aber: das Zulassen daher a�c h nicht an der G at tu n g , d a es n o tw en d ig is t, d as s
der Begriffsbestimmung dessen, woran es teilhat. Es ist das an der Gattung Teilhaben d e 5] a u ch a n ir g en d ei n er
[3
L u st k e1. n e A rt d er B e ­
also· offenkundig, dass die Arten an der Gattung teilhaben, der Arten teilhat. Daher dü rf te d ie
die Gattungen aber nicht an den Arten. Denn zwar erfüllt wegung sein, noch eines d er E in z el d in g e, d i � u n � er ir g � n d ­
die Art die Begriffsbestimmung der Gattung, aber nicht eine Art der B ewegung fallen . D en n a � �ch h e E m z el d m g e
die Gattung die der Art. [15] Zu untersuchen ist also, ob haben an der Gattung u n d d er A rt te 1l , w 1e et w a d er b e ­
die angegebene Gattung an der Art teilhat oder teilhaben stimmte Mensch sowo h l an M en sc h al s a u ch a n L eb ew e-
kann. Zum Beispiel, wenn jemand etwas als die Gattung sen teilhat.

,
Viertes Buch 121
l l2 1b- 122a]
1 20 Viertes Buch [121b]
2
[121b] Ferner, ob das in die Gattung Gesetzte über mehr u e n is t a b e r a u c h , o b e tw a s a 1_1 d e r e s G a tt u n g d e r
Zu scha d 1e a n g e e b n e G a t­
gesagt wird als die Gattung, etwa das, was man meinen ange g e b e n e n [2 5 ] A r t is t, d a s w e d e r & �
kann, gegenüber dem, was der Fall ist . Denn sowohl das, f a s s t n o c h u n te r d ie s e r s te h t. Z u m B � 1s p 1 � l, w e n n
tung u m G e r e c h u g k e 1t s e tz te ,
was der Fall ist, als auch das, was nicht der Fall ist, kann jeman d d a s W is se n a ls G a tt u n g d e r .
man meinen, so dass das, was man meinen kann, keine Art c h d ie T u g e n d is t (d e r e n ) G a tt u n g , u n d k e m e d e r
den n a u e r . J:? e s h lb
dessen, was der Fall ist, sein dürfte . Derrn stets wird die beiden G a tt u n g e n u m f a s s t d ie je w e il s a n d � �
Gattung über mehr Dinge gesagt als die Art. s W is s e n n ic h t G a tt u n g d e r G e r e c � t1 g k e 1t s e 1n .
kann d a 1m m e r, w e n n
Wiederum, ob die [5] Art und die Gattun'g über gleich D e n n e s s c h e in t s ic h s o z u v e r h a lt e n , . d a � s
viele Dinge gesagt werden, zum Beispiel wenn von den r t u n te r z w e i G a tt u n g e n s � e h t, d 1e e u : e d � v o n d u r � h
eine A E s e r g 1b t s 1c h a b e r m
Dingen, die allen folgen, das eine als Art, das andere aber die [3 a n d e r e e in g e s c h lo s s e n w 1r d .
als Gattung angesetzt würde, wie >seiend< und >eins<, auf
0 ]
F ä ll e n f o lg e n d e S c h w ie r � g k e it . M a n c h e h a lt � n
ein ig e n e n d ls a u c h fu . r
alles nämlich (trifft) >seiend< und >eins< (zu). Daher ist kei­ nämli c h d ie K lu g h e it so w o h l fü r e m e T u g �
nes vom jewe�.ls anderen Gattung, da es von gleich vielem s e n , u n d k e in e d e r b e id e n � a tt u n g � n w � rd v o n d e r
ein W is . 1 d m c h t v o n a l­
gesagt wird . Ahnlieh aber auch, wenn das Erste und der jeweils a n d e r e n e in g e s c h lo s s e n . F r 1h
� � : h w .
Anfang ineinander gesetzt werden. Denn der Anfang ist e s ta n d e n , d a s s d ie K lu g h e 1t e m W 1s s e n s e 1 . W e n n
len z u g s d a s � e sa g te
ebenso Erstes wie das [10] Erste Anfang ist, so dass entwe­ a b er n u n je m a n d z u g e s te h e n w o ll te , d a �
der beide Genannten dasselbe sind oder keines vom je­ is t, so sc h e in t e s d o c h n o tw e n d 1g z u � e m , d a ss
wahr [3 5 ]
n d e r d e r b e 1d e u n te r
weils anderen Gattung ist. Element aber in Bezug auf alle Ga tt u n g e n d e r s e lb e n A r t u n te r e in a ?
derartigen Fälle ist, dass die Gattung über mehr gesagt e n G a tt u n g s te h e n , w ie e s a u c h � e 1 � e r T u g e n � u n d
derselb a m h c h u n te r d ie s e l-
wird als die Art und der Unterschied. Der Unterschied d W is se n d e r F a ll is t. B e id e fa ll e n n
wird nämlich über weniger gesagt als die Gattung.
.

[15] Zu schauen ist aber auch, ob die angegebene Gat­ p o s it io n . E s m u s s a ls o g e p r u f t w e r d e n , o b k e m e s


eine Dis u n g z u k o m m t . W e n n
tung auf irgendeines von den der Art nach ununterschie­ von b e id e n d e r a n g e g e b e n e n G a tt
denen Dingen nicht zutrifft oder nicht zuzutreffen ä m li c h w e d e r e in e G a tt u n g u n te r d e r a n d e r e n � te h t
[1 22a] n h e n , d a n n d u . r ft e
scheint, um sie aufzustellen aber, ob sie zutrifft. Denn alle noch b e id e u n te r d e r s e lb e n G a t � n g s te
der Art nach ununterschiedenen Dinge gehören zur seihen das Angeg e b e n e n ic h t G a tt u n g s � 1n .
Gattung. Wenn man es nun von einem zeigen kann, ist n m u s s m a n a b e r a u c h d 1e G a tt u � g d e r a n g e g e b e -
Prüfe . .
a c h s th ..
o h e r e G a t­
klar, dass sie auf alle zutrifft; und wenn von einem, dass nen G a tt u n g u n d s o a u c h im m e r d 1e n
nicht, dann ist klar, dass sie auf keines zutrifft. Zum Bei­ s ie a ll e v o n d e r A r t a u s g � sa g t w e r d e n [5 ] u n d o b
tung, ob u s g e s a g t w e r d e n . � s
spiel, wenn jemand unteilbare Linien postulierte und Un­ sie in (d e r K a te g o r ie d e s ) W a s -e s -1 s t a
teilbares [20] als deren Gattung behauptete. Denn das Ge­ n n ä m li c h a ll e h ö h e r e n G a tt u n g e n v o n d e r A r t 1n
müs s e w r d e n . W e n n
nannte ist nicht Gattung der Linien, die eine Teilung zu­ (d e r K a te g o r ie d e s ) W a s - e s - is t a u s g e s a g t �
lassen, obwohl sie der Art nach ununterschieden sind. Es g e n d w o U n s ti m m ig k e it e n a _u f tr e te n , 1s t k la r, d a ss
nun ir t.
sind nämlich alle geraden Linien der Art nach voneinan­ das Angegebene n ic h t d ie G a tt u n g 1s .
der ununterschieden. e r u m , o b d ie G a tt u n g a n d e r A r t te tl h a t, e n tw e d e r
Wie d
1 22 Viertes Buch [122a] [122a-1 22b] Viertes Buch 1 23

i de nj en ig en D in ge n, vo n de ne n di e an ­

sie selbst oder eine der höheren Gattungen. Denn an kei­ Wieder um ist be
ner von den niedrigeren hat die höhere teil . Für das Be­ gegebene Art als G at tu ng au sg es ag t w ird , da ra uf Z? ac h­
streiten [10] ist der Topos wie beschrieben zu verwenden. ten ob au ch di e fü r di es e A rt an ge ge be ne G at tu ng In (d er
Für das Aufstellen aber so: Wenn zugestimmt wird, dass Ka�egorie de s) W as -e s- ist di es er D in ge au sg es ag t w ird ,
die genannte Gattung der Art zukommt, jedoch bestritten eben so ab er au ch , ob di es au f all e üb er ge or dn et en G at tu n­
wird, dass sie der Art als Gattung zukommt, genügt es zu gen zutri fft . Er ge be n sic h nä m lic h hi er be i i � ge n ? w o l! n­
zeigen, dass eine der höheren Gattungen von der Art in stimmigkeiten, ist da s A ng eg eb en e of fe ns ich tli ch ni ch t
(der Kategorie des) Was-es-ist ausgesagt wird . Wenn näm­ [35] Gat tu ng . D en n w en n es G at tu ng w är e, da nn � üs ste n
lich eine (Gattung) in (der Kategorie des) Was-es-ist aus­ alle (Begriffe ), di e üb er ih m ste he n, un d es se lb st Im W as ­
gesagt wird, dann werden alle, sowohl die ihr übergeord­ es-is t vo n de nj en ig en D in ge n au sg es ag t w er de n, vo n de ­
neten als auch [15] die untergeordneten, wenn sie über­ nen auch di e A rt im W as -e s-i st au sg es ag t w ird . Fü r da s
haupt von der Art ausgesagt werden, in (der Kategorie Bestr eit en ist es als o nü tz lic h, w en n di e G at tu ng ni ch t in
des) Was-es-ist ausgesagt werden . Daher wird auch die an­ (der Kateg or ie de s) W as -e s-i st de rje ni ge n D in ge au sg es ag t
gegebene Gattung in (der Kategorie des) Was-es-ist ausge­ wird' von dene n di e A rt au sg es ag t w ird , fü r da s A uf ste lle n
sagt . Dass aber, wenn eine in (der Kategorie des) Was-es­ aber, w en n [12 2b ] sie in (d er Ka teg or ie de s) W as -e s-i st au s­
ist ausgesagt wird, dann auch alle übrigen in (der Katego­ gesagt wird . D en n es w ir ? sie � er ge be n, da ss .di e G at tu ng
rie des) Was-es-ist ausgesagt werden, ist durch Induktion und di e A rt de ss elb en D in gs In (d er Ka te go rie de s) W as ­
zu erfassen . es-ist au�g es ag t w er de n, so da ss da ss elb e un te r zw ei G at ­
Wenn aber [20] bestritten wird, dass die angegebene tu ng en fä llt . N ot w en di ge rw eis e st � he n als o di e . G � ttu ng en
Gattung der Art überhaupt zukommt, genügt es nicht zu unterein an de r. W en n sic h nu n ze ig t, da ss da sJe ni ge , w as
zeigen, dass eine der höheren Gattungen in (der Kategorie wir als Gattu ng au fst ell en w ol len , [5] ni ch t un te r de r A rt
des) Was-es-ist von der Art ausgesagt wird . Wenn zum steht, da nn ste ht of fe nb ar di e A rt un te r ih r, so da ss ge ze ig t
Beispiel jemand Ortsbewegung als Gattung des Gehens wäre, dass sie Gattung ist .
angibt, dann reicht es nicht aus, wenn man zeigt, dass das Es sind aber auch die Begriffsbestimmungen der Gat-
Gehen eine Bewegung ist, um zu zeigen, dass es auch tungen da ra uf hi n zu pr üf en , ob sie zu de r an ge ge be ne n
Ortsbewegung ist, da es auch andere Bewegungsarten Art und zu de n D in ge n, di e an de r A rt te ilh ab en , pa ss en .
gibt; vielmehr muss zusätzlich gezeigt werden, [25] dass Notw en di ge rw eis e w er de n nä m lic h di e Be gr iff sb es tim ­
das Gehen an keiner der Bewegungsarten teilhat, die sich mungen der G at tu ng en vo n de r A rt un d vo n de .r: D in ge n,
aus derselben Einteilung der Bewegung ergeben, wenn die an de r A rt te ilh ab en , au sg es ag t . Tr et en als o Irg en dw o
nicht an der Ortsbewegung. Denn, was an der Gattung Unstimm ig ke ite n au f, ist kl ar, [10 ] da ss da s A ng eg eb en e
teilhat, hat notwendigerweise auch an einer der Arten teil, nicht Gattung ist.
die sich aus deren erster Einteilung ergeben. Wenn folglich Wieder um , ob er de n U nt er sc hi ed als G at tu ng an ge ge -
das Gehen weder an Wachsen noch an Schwinden noch an be n ha t, zu m Be isp iel U ns te rb lic he s als G at tu ng vo n G ot t .
den anderen Bewegungsarten teilhat, hat es wohl offen­ Unsterb lic h ist nä m lic h ein U nt er sc hi ed vo n Le be w es en ,
sichtlich an der Ortsbewegung teil. [30] Daher dürfte die da es einerse its ste rb lic he un d an de re rs eit s un ste rb lic he
Ortsbewegung Gattung des Gehens sein . Lebe w es en gi bt . O ffe nb ar [15 ] lie gt als o ein Fe hl er vo r .


1 24 Viertes Buch [122b] ( 122b-123a] Viertes Buch 125

Denn .ein . Unterschied ist von nichts Gattung. Dass dies Es wird sich nämlich ergeben, dass die Art von gleich vie­
wahr Ist, Ist klar. Es zeigt nämlich kein Unterschied das len oder von mehr Dingen ausgesagt wird. Es wird aber
Was-es-ist an, sondern eher eine Qualität wie gehend oder immer der Unterschied von gleich vielen Dingen wie die
zweibeinig. Art oder von mehr Dingen [123a] als die Art ausgesagt.
Auch, ob er den Unterschied als Art in die Gattung ge­ Ferner, ob er die Gattung in den Unterschied gesetzt hat,
setzt hat, zum Beispiel, dass das Ungerade wesentlich eine zum Beispiel, dass die Farbe wesentlich zusammenziehend
Zahl sei. Denn das Ungerade ist ein Unterschied der Zahl sei oder die Zahl wesentlich ungerade; und ob er die Gat­
und keine [20] Art. Der Unterschied scheint aber nicht an tung wie einen Unterschied aussagte. Denn es ist möglich,
der Gattung teilzuhaben. Alles nämlich, was an der Gat­ dass jemand auch eine solche These vertritt, dass zum Bei �
tung teilhat, ist entweder eine Art oder ein Einzelding, der spiel Mischung ein Unterschied von Verschmelzung se1
l!nte�schied ist aber weder Art. noch Einzelding. Offen­ oder [5] Ortsveränderung ein Unterschied von räumlicher
st�hthch hat also der U nterschted nicht an der Gattung Bewegtheit. Alle diese Fälle sind aber durch dieselben
tetl, so dass auch das Ungerade nicht eine Art sein kann, (Verfahren) zu prüfen. Denn die Topen laufen auf etwas
sondern ein Unterschied ist, weil es nicht an der Gattung Gemeinsames hinaus: Die Gattung muss von mehr Dingen
teilhat. ausgesagt werden als der Unterschied, und sie darf nicht
[25] Ferner, ob er die Gattung in die Art gesetzt hat, am Unterschied teilhaben. Wenn sie aber auf diese Weise
zum Beispiel, dass B erührung wesentlich Zusammenhalt angegeben wird, kann sich keiner der genannten (Fehler)
sei, oder Mischung wesentlich Verschmelzung, oder wie ergeben: das s nämlich die Gattung von weniger Dingen
P!aton Ortsveränderung als räumliche Bewegtheit defi­ ausgesagt wird [10] als der Unterschied und an ihm teilhat.
niert hat. Es ist nämlich nicht notwendigerweise Berüh­ Wiederum, wenn keiner der Unterschiede der Gattung
rung ein Zusammenhalt, sondern umgekehrt Zusammen­ von der angegebenen Art ausgesagt wird, dann wird auch
halt eine Berührung. Denn nicht alles, was sich berührt, nicht die Gattung ausgesagt. Zum Beispiel wird von der
hängt zusa�men, sondern was zusammenhängt, [30] be­ Seele weder das Ungerade noch das Gerade ausgesagt, da­
rührt sich. Ahnlieh verhält es sich aber auch in den übri­ her auch nicht Zahl. Ferner, ob die Art von Natur aus frü­
gen Fällen. Weder ist nämlich jede Mischung Verschmel­ her ist und [15] die Gattung mit aufhebt; denn das Gegen­
zung - denn die Mischung trockener Stoffe ist nicht Ver­ teil scheint zu gelten. Ferner, wenn es möglich ist, die ge­
schmelzung -, noch ist jede Ortsveränderung räumliche nannte Gattung oder den Unterschied abzutrennen, wie
Be.wegthei �. Denn Gehen scheint nicht räumliche Bewegt­ von Seele die Bewegung oder von Meinung das Wahre und
heit zu sein. Denn >räumliche Bewegtheit< wird nur auf Falsche, dann kann keines von den Genannten Gattung
solche J?inge an.gewendet, die unabsichtlich ihre Lage än­ oder Unterschied sein. Es scheinen nämlich die Gattung
dern, w1e es bet unbeseelten Gegenständen [35] der Fall und der Unterschied zu folgen, solange es die Art gibt.
ist. Offensichtlich wird aber in den angeführten (Beispie­
len) die Art auch von mehr Dingen ausgesagt als die Gat­ 3
tung, obgleich es umgekehrt sein müsste. [20] Man muss aber auch schauen, ob das, was in die Gat­
Wied �rll:m, ob er den Unterschied in die Art gesetzt hat, tung gesetzt wurde, an etwas teilhat oder teilhaben kann,
zum Betsptel, dass das Unsterbliche wesentlich göttlich sei. was der Gattung entgegengesetzt ist. Es wird dann näm-
1 26 Viertes Buch [1 23a-123b ] I L23b] Viertes Buch 127

lieh dieselbe Sache zugleich an Entgegengesetztem teilha­ konträre Gegenteil im konträren Gegenteil steht, wenn es
ben, da sich die Gattung nie von ihr trennen lässt und sie twas der Gattung konträr Entgegengesetztes gibt. Jedes
dennoch auch an etwas teilhat oder teilhaben kann, was hinzeine von diesen wird aber durch die Induktion offen­
der Gattung entgegengesetzt ist. Ferner, ob die Art an et­ ichtlich. Wiederum muss geprüft werden, ob das der Art
was teilnimmt, �as �en Dingen, die unter [25] die Gattung •ntgegengesetzte in überhaupt keiner Gattung steht, son­
fallen, schlechthin nicht zukommen kann. Wenn zum Bei­ dern selbst eine Gattung ist, wie zum Beispiel das Gute.
spiel die Seele am Leben teilhat, von den Zahlen aber un­ Wenn nämlich dieses nicht in einer Gattung steht, [10]
möglich eine leben kann, dann ist die Seele auch nicht eine dann wird auch nicht dessen Gegenteil in einer Gattung
Art von Zahl. tehen, sondern selbst eine Gattung sein, wie es auch auf
Geprüft werden muss aber auch, ob die Art homonym das Gute und Schlechte zutrifft: Keines von diesen beiden
zur Gattung ist, indem man die genannten Elemente, die teht nämlich in einer Gattung, vielmehr ist jedes von bei­
sich auf die Homonymie beziehen, verwendet. Denn die den selbst eine Gattung. Ferner muss man, wenn es so­
Gattung und die Art sind synonym. wohl zur Gattung als auch zur Art etwas Entgegengesetz­
[30] Da aber jede Gattung mehrere Arten hat, muss man tes gibt, prüfen, ob es bei dem einen Gegensatzpaar etwas
schauen, ob es unmöglich ist, dass es eine andere Art der Mittleres gibt, bei dem anderen aber nicht.
besagten Gattung gibt. Wenn es nämlich unmöglich ist, Gibt es nämlich bei den Gattungen etwas Mittleres,
dann kann offensichtlich das Genannte überhaupt keine dann auch [15] bei den Arten; und gibt es bei den Arten
Gattung sein. etwas Mittleres, dann auch bei den Gattungen, wie es der
Man muss a � er auch prüfen, ob er die Gattung durch Fall ist bei Tugend und Schlechtigkeit und bei Gerechtig­
.
ei�en metaphorischen Ausdruck angegeben hat, zum Bei­ keit und Ungerechtigkeit: Jedes von beiden (Gegensatz­
spiel >Zusammenklang< (als Gattung) der Besonnenheit. paaren) hat ein Mittleres. - Ein Einwand hiergegen wäre,
Jede Gattung wird nämlich [35] im buchstäblichen Sinn dass es nichts Mittleres zwischen Gesundheit und Krank­
von ihren Arten ausgesagt, >Zusammenklang< wird aber heit gibt, zwischen schlecht und gut aber schon. - Oder
von Besonnenheit nicht im buchstäblichen, sondern im man schaut, ob es zwar etwas Mittleres für beide gibt, so­
metaphorischen Sinn ausgesagt. Denn Zusammenklänge wohl bei den Arten als auch bei den Gattungen, aber die­
gibt es nur bei Tönen. ses nicht in gleicher Weise, sondern [20] so, dass es bei
[123b] F � rner, wenn es etwas der Art Entgegengesetztes dem einen (Gegensatzpaar) durch Verneinung, bei dem
.
gibt, dann Ist es zu überprüfen. Es gibt mehrere Weisen der anderen aber als Zugrundeliegendes (abgegeben wird). Es
Untersuchung. Erstens: Ob auch das konträre Gegenteil in ist nämlich eine anerkannte Meinung, dass es sich bei bei­
��rse.lben Gattun� steht, wenn es kein konträres Gegenteil den auf gleiche Weise verhält, wie bei Tugend und
fur die Gattung gibt. Es müssen nämlich die konträren Ge­ Schlechtigkeit und Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Bei
genteile in derselben Gattung stehen, wenn es kein konträ­ beiden wird nämlich das Mittlere durch Verneinung ange-
res Gegenteil für die Gattung gibt. [5] Wenn es aber ein geben.
Ferner, wenn es nichts gibt, was der Gattung entgegen­
·

konträres Gegenteil für die Gattung gibt, ist zu schauen,


o� das konträre Gegenteil (der Art) im konträren Gegen­ gesetzt ist, muss man nicht nur prüfen, ob das der Art
teil (der Gattung) steht. Es ist nämlich notwendig, dass das Entgegengesetzte in derselben Gattung steht, sondern
·-
128 Viertes Buch [123b-124a] [124a] Viertes Buch 1 29
auch [25] beim Mittleren. Denn in der Gattung, in der die [10] Wiederum ist bei den Ableitungen und bei den ver­
Extreme stehen, steht auch das Mittlere, wie bei weiß und wandten Ausdrücken zu prüfen, ob sie in gleicher Weise
schwarz. Denn deren Gattung ist ebenso Farbe wie von folgen, sowohl für das Bestreiten wie für das Aufstellen.
allen anderen dazwischen liegenden Farben. - Ein Ein­ Es kommt nämlich zugleich einem und allen zu oder es
wand wäre, dass zwar Mangel und Übermaß in derselben kommt nicht zu. Wenn zum Beispiel die Gerechtigkeit
Gattung stehen, beide fallen nämlich unter Schlechtes, eine Art von Wissen ist, dann ist auch gerechterweise wis­
während das Maßvolle, obgleich es das Mittlere zwischen sentlich und der Gerechte ein Wissender. Ist aber hiervon
diesen ist, nicht zum Schlechten, [30] sondern zum Guten etwas nicht richtig, dann auch nichts von den übrigen.
gehört. - Man muss aber auch darauf achten, ob der Gat­
tung etwas entgegengesetzt ist, der Art aber nichts. Wenn 4
nämlich der Gattung etwas entgegengesetzt ist, dann auch [15] Wiederum bei den Dingen, die sich ähnlich zueinan­
der Art, so wie Tugend der Schlechtigkeit entgegengesetzt der verhalten. Zum Beispiel verhält sich das Angenehme
ist und Gerechtigkeit der Ungerechtigkeit. Ebenso mag zur Lust ähnlich wie das Nützliche zum Guten. Jedes von
dies aber auch in anderen Fällen bei der Prüfung einleuch­ beiden bewirkt nämlich das jeweils andere. Wenn folglich
tend erscheinen. - Ein Einwand ergibt sich jedoch bei Ge­ die Lust wesentlich gut ist, dann ist auch das Angenehme
sundheit und Krankheit: [35] Denn zwar ist überhaupt die wesentlich nützlich. Offensichtlich ist es nämlich etwas,
Gesundheit der Krankheit entgegengesetzt, aber einer be­ was Gutes bewirkt, weil die Lust gut ist. [20] Auf gleiche
stimmten Krankheit ist, obgleich sie eine Art der Krank­ Weise muss man aber auch auf die Vorgänge des Entste­
heit ist, nichts entgegengesetzt, zum Beispiel dem Fieber hens und Vergehens achten. Wenn zum Beispiel >ein Haus
und dem Augenleiden und jeder der anderen. bauen< >tätig sein< ist, dann ist >ein Haus &ebaut .haben< >�ä­
[124a] Um zu bestreiten, muss man also auf so viele tig gewesen sein<, und wenn >lernen< >steh erinnern< 1st,
Weisen verfahren. Denn wenn das Gesagte nicht zutrifft, dann ist >gelernt haben< >sich erinnert haben<, und wenn
ist offensichtlich das, was als Gattung angegeben wurde, >sich auflösen< >vergehen< ist, dann ist >sich aufgelöst ha­
nicht Gattung. Wenn man aber aufstellen will, ist dreierlei ben< >vergangen sein< und Sich-Auflösen eine Form von
zu beachten: Erstens, ob das der Art Entgegengesetzte in Vergehen.
der genannten Gattung steht, wenn der Gattung nichts Und [25] gleichermaßen muss man auf das achten, was
entgegengesetzt ist; wenn [5] nämlich das (der Art) Entge­ etwas hervorbringt, und das, was etwas zerstört, und auf
gengesetzte in dieser (Gattung) steht, dann ist klar, dass die Fähigkeiten und Verwendungen von etwas, und über­
dies auch für das Vorliegende gilt; (zweitens), ob das Mitt­ haupt muss man die Dinge in Hinsicht jeder beliebigen
lere in der genannten Gattung steht; denn in der (Gat­ Ähnlichkeit sowohl beim Bestreiten wie beim Aufstellen
tung), in der das Mittlere steht, stehen auch die Extreme; so prüfen, wie wir bei den Vorgängen des Entstehens und
falls der Gattung etwas entgegengesetzt ist, muss man Vergehens sagten. Wenn nämlich das, was zum V�rgehen
wiederum (drittens) prüfen, ob auch das (der Art) Entge­ führt, das ist, was zum Sich-Auflösen führt, dann 1st auch
gengesetzte in dem (der Gattung) Entgegengesetzten das Vergehen ein Sich-Auflös�n. Und wenn das, wa� et­
steht; ist dies nämlich der Fall, dann steht offensichtlich was entstehen lässt, [30] etwas 1st, was etwas hervorbringt,
auch das Vorliegende im Vorliegenden. dann ist auch das Entstehen ein Hervorgebracht-Werden
1 30 Viertes Buch 131
Viertes Buch [124a-124b] [1 24b]
un� die Entstehung eine Hervorbringung. Ebenso (verhält Denn wenn das, was ni ch t gu t is t, ni ch t an ge ne hm is t,
es steh) aber auch bei den Fähigkeiten und Verwendungen dann ist das Angen eh m e gu t, so da ss da s G ut e G at tu ng
�on etwas.: We.�� nä �lich �ine �ähigkeit eine Dispos ion � des Angenehmen ist.
1st, dann 1st >fah1g sein< >disponiert sein<, und wenn Ver- [1 5] Wen n aber d ie A rt re la ti v zu et w as is t, m u ss m an

wendung von etwas Tätigsein ist, dann ist >etwas verwen­ prüfen, o b auch d ie G at tu n g ; el at iv zu et w as is t. G
.1e G attung,eh ö rt
den< > �ätig sein< und >etwas verwendet haben< >tätig gewe­ nämlic h d ie A rt zu de n R el at iv a, d an n au ch d
sen sein<. wie dies bei Doppeltes un d V ie lf ac he s de r F al l is t. B ei d es
[35] Wenn aber das Gegenteil der Art eine Privation ist, gehört nämlich zu de n � el at iv a . G eh ör t ab er di e G � tt u � g
. tw en d .
ig er w ei se fu r
dann kann man auf zwei Weisen bestreiten. Erstens' wenn zu den Relativa, dann gilt d as ni ch t no
das Gege�teil _ in d.er �ngegebenen Gattung steht: Denn die Art. Denn Wissen ge hö rt zu d en R el at iv a, G ra m m at ik
entweder 1st dte Pnvat10n schlechthin überhaupt nicht in aber nicht. - Oder es is t m ö gl ic h er w ei se n ic h t ei n m al [2 0]
derselben Gattung oder sie ist nicht in der äußersten�· das zuerst Gesag te w ah r: D ie T u ge n d is t n äm li ch w es en t­
wenn zum. Beispiel die äußerste Gattung zu Sehen Wahr lich schön un d w es en tl ic h gu t, un d di e T ug en d ge hö rt zu
n �hmung . 1st, dann wird Blindheit keine Wahrnehmung den Relativa; Gutes un d Sc h ö n es si n d ab er k ei n e R el at iv a, ·

sem. Zwettens . aber, :w-e�n sowohl der Gattung [124b] wie sondern Qualitäten.
a ch der Art eme Pnv at10n entg egen gese tzt ist, aber nich t Wiederum, ob d ie A rt ni ch t re la ti v zu d em se lb en au sg e­
. "'! in si ch tl ic h d er G at tu n g. W en n
dte entgegengesetzte Art in der entgegengesetzten Gat­ sagt wird, als solche u n d h
tung steht, dann kann auch nicht die angegebene (Art) in zum Beispiel Dop pe lt es al s D op pe lt es de s H al be n
.Ielfaches be ­
der angegebenen (Gattung) stehen. Dies ist für das Be­ zeichnet wird, [2 5] d an n m us s m an es au ch al s V
streiten wie beschrieben zu verwenden, für das Aufstellen des Halben bezeichnen . W en n ab er n ic h t, d an n k an n au ch
aber nur auf eine einzige Weise: Denn wenn die entgegen­ das Vielfac he ni ch t G at tu ng de s D op pe lt en se in .
gesetzte Art in de� entgegengesetzten Gattung steht, [5] Ferner, ob sie ni ch t re la ti v zu d em se lb en au sg es ag t
dann steht auch dte angegebene Art in der angegebenen wird, hinsichtlich der Gat tu ng u n d hi ns ic ht lic h al le r .G at ­
Gattung. Wen n. zum Bei�piel Blindheit Unvermögen zur tungen der Gattung. W en n n äm li ch D o p p el t� .s [3 0] V Ie lf a­
Wahrnehmung Ist, dann Ist Sehen eine Art von Wahrneh­ ches des Halben is t, da nn w ir d es au ch al s U be rr ag en de s
mung. des Halben bezeichnet w er de n, un d es w ir d ü be rh au pt
Wiederu!fl muss man auf die Kontradiktionen in umge­ hinsichtlich aller höh er en G at tu n ge n in R el at io n zu r H äl f­
kehrter Rethenfolge s �h �uen, wie es beim Akzidens gesagt te bezeichnet werd en k ö n n en . - E in E in w an d h ie rg eg en
ist, dass die Art n ic h t no tw en d ig er w ei se re la ti v zu d em se l­
:w-urde. W�nn zum Betsptel das Angenehme wesentlich gut he un d hi ns ic ht li ch de r G at ­
ts.t, dann �st d�s, �as �icht gut ist, nicht angenehm. Ver­ ben verwendet wird, al s so lc
.
h �elte es s�ch namhch mcht so, könnte [10] auch etwas, das tung: Denn Wissen is t im m e � W is se n, da s si ch au f ei n � n
mcht gut tst, angen�hm sein. Wen n aber das Gute Gattung Gegenstand des W is se ns be zi eh t, Z us ta nd ab er u n d D is ­
d�s Ange?ehmen 1st, dann kann unmöglich etwas, das position werden nicht au f ei ne n G eg en st an d de s W is se ns ,
n �cht gut 1st, ange?ehm sein. Wovon nämlich die Gattung sondern auf die Seele bezogen. ie
nicht ausgesagt Wird, davon auch keine der Arten. Auch [35] Wiederum (i st zu pr üf en ), ob d ie G at tu ng u n d d
für das Aufstellen ist es auf gleiche Weis e zu beachten: Art mit Blick auf die Abl ei tu ng en au f d ie se lb e W ei se au s-

I
Viertes Buch 133
1 32 Viertes Buch [124b-125a] [125a]
gesagt werden, zum Beispiel (in Verbindung mit) >für et­ Fällen ergibt sich jedoch, d as s si e n ic h t b ez o g en au f g le ic h
was< oder etwas< oder auf andere derartige Weise. viele D inge ausgesagt w er d en . D en n b e!. m D o p p el te n [2 0]
>von

Wie närr:lich die Art, so wird auch die Gattung ausgesagt, sagt man Doppeltes von et w as , b ei m U b e rr ag en d en u n d
etwa be1 >Doppeltes< und den Gattungen darüber. Denn Übertreffenden aber vo n et w as u n d u m et w as . D en n al le s
man sagt sowohl >poppeltes von etwas< als auch >Vielfa­ Überragende �nd bertreffe Ü n d e ü b er ra g t et w a � . u m et w as ·

ches vonetwas<. Ahnlieh verhält es sich aber auch bei und ist dabei U berragend es v o n et w a s. D a h er s1 n d d 1e G e ­
>Wissen<, (in Verbindung mit) >von etwas< [125a] werden nannten keine Gattung en d es D o p p el te n , d a si e n ic h t au f
so�o�l si� sel.bst a�s. auch die Gattungen ausgesagt, zum gleich viele Dinge wie die A . rt b ez o g en au sg e � ag t w er d en . .-
Be1sp1el d1e D1spos1t1on und der Zustand. Einwand: In ei­ Vielleicht is t es nicht allg em ei n w ah r, d as s d 1e A rt u n d d 1e
nigen Fällen verhält es sich nicht so. So werden >verschie­ Gattung auf g le ic h v ie le D in g e b ez o g en si n d .
den von< und >entgegengesetzt< (mit dem Dativ) >dem< [25] Man muss aber auch se h en , o b v o n d em E n tg eg en -
(aus �esagt�, >and.ers< ab.er, obwohl es die Gattung von die­ gesetzten das Entgegen g es et z te G a tt u n g is t. _w en n z u m
_t
sen 1st, (w1rd) n1cht m1t >dem<, sondern [im Griechischen Beispiel das Vielfache Gattun g d es D o p p el te n 1s t, d an n _ 1s
mit dem Genitiv] >als. etwas< (ausgesagt). auch der Bruchteil Gattu n g d er H ä lf te . E s m u ss n äm h ch
[5] Wiederum (ist zu prüfen) ob Relativa, die mit Blick das Entgegengesetzte Gattung � d s E n tg � g en g es e � z te n se in .
a�f di� Ableitu?gen . auf gle�che Weise ausgesagt werden, Wenn also je mand setzte, d as W 1s se n se 1 w es en th ch W a h r­
s1ch n1cht auf d1e gle1che We1se umkehren lassen wie etwa nehmung, wird auch der G eg en st an d d es W is se n s w es e � t­
bei dem Doppelten und dem Vielfachen; diese b ;iden wer­ lich ein Gegenstand der Wahrn eh m u n g se in m ü ss en . D 1e s
de.n nämlich sowohl selbst als auch nach der Umkehrung ist aber nicht wahr. Denn n ic h t je d er [3 0] G eg en st an d d es
m1t etwas< ausgesagt;
>von von etwas sind nämlich sowohl Wissens ist ein G e genstand der W ah rn eh m u n g . E in ig e G e ­
die Hälfte als auch der Bruchteil . Auf dieselbe Weise aber genstände des Wissens gehö _ re n n ä m li ch z � d en n u r d en k ­
verhält es sich auch beim Wissen [10] und der Annahme · baren Gegenständen. Des h a lb 1s t au ch m ch t G eg e � st an d
sie selbst werden nämlich mit etwas< ausgesagt und der Wahrnehmung Gattung der G eg en st än d e d es W 1s se n s.
>von

nach der Umkehrung auf die gleiche Weise: >das für etwas Wenn aber dies nicht wahr is t, d an n is t a u ch n ic h t W ah r-
Gewusste< und >das für etwas Angenommene<. Wenn es nehmung Gattung von Wissen. . .e1nen notwendig . er-
sich nun bei einigen nicht auf die gleiche Weise umkehren W ei l a b er v o n d en R el at io n en d 1e
lässt, dann ist klar, dass das eine nicht Gattung des ande­ weise in oder an denjenig en D in g en si n d , in B ez u g au f d ie
ren sein kann. sie verwendet werden - [35] z u m B ei sp ie l D is p o si ti o n ,
Wiederum, ob Art und Gattung nicht bezogen auf Glei­ Zustand und Gleichmaß: D ie g en an n te n D in g e k ö n n en
ches ausgesagt werden. [15] Denn es scheint dass sie in nämlich in keinem ander en v o rk o m m en al s d em je n ig en ,
gleiche: We!se und auf gleich viele Weisen au� gesagt wer­ worauf bezogen sie ausgesagt w er d en - , an d er e n ic � t n o t­
den, w1e be1m Geschenk und der Gabe. Man sagt nämlich wendigerweise in denjenigen D in g en v o rk <?. m � en , m B e ­
>das Geschenk< (in Verbindung mit) >von etwas< und >für zug auf die sie ausgesagt w er d � n , so n d e � n m o g h c � er w e1 se
.
-
jeman?< und >die Gabe< >von etwas< und >für jemand<. Die zum Beispiel, wenn das W1s sb ar e d 1e S ee le 1s t: J? en n
Gabe 1st aber Gattung des Geschenks, denn ein Geschenk nichts hindert [40] die See le d ar an , v o n si ch se lb st W 1s se n
ist eine Gabe, die man nicht zurückgeben muss. In einigen zu haben, aber es is t nicht no tw en d ig er w ei se n u r in ih r,

I
Viertes Buch
1 35
1 34 Viertes Buch [125a-125b] [1 2 5 b - 1 26a] .
r F u r c h t u n � >� e s G � w i ?- n s t r e b e n s <.
denn es kann [125b] eben dies Wissen auch in einem ande­ >Behe r r s c h u n g d e : g e g e n a n n t ,
>s a n f t m ü t ig < w 1r d n � m h c h d e q e m
ren se�n -, wieder andere aber überhaupt nicht in denjeni­ >Tapfer< und w e 1s t , >b e � e r r s c h t < � a g e g e n ,
gen Dtngen vorkommen können, in Bezug auf die sie aus­ der keine Gefüh ls r e g u n g a u f
r e g u n g e n e m p fi n d e t , s 1c � a b e r m c h � v o n
g�sagt .wer�en - zum Beispiel kann das konträre Gegenteil wer zwar Gefü h ls n Je � e s
lä s s t . V ie ll e ic h t s c h li e ß t s 1c h a 2 5 ]
ihnen bestimmen
ntcht In seinem Gegenteil vorkommen oder Wissen im �
h e F ä h ig k e it a n , d a s s , w e n n e tn e r e tn e
Wissbaren, wenn nicht gerade das Wissbare eine Seele hiervon eine so lc . a d u r c h � e ­
oder .ein �e�sch ist -, [5] muss man also prüfen, ob er et­ r e g u n g e m p fi n d e n s o ll t e , e r m c h � d .
Gefühls e h e r r s c h e n k o . n n t e . F r e 1 � 1 � h
s 1n ? te eine Gattu � g gesetzt hat, was nicht in sie ge­ stimmt würde, s o n d e r n s ie b . -
�� . . a s e s h ie ß , t a p f e r z u s e m u n d s a n f t m u t � g
hort. Dtes 1st zum Betsptel der Fall, wenn er Erinnerung ist es nicht dies , w _ n , d a s s s 1e
e r n d ie s e s b e s t e h t v ie lm e h r d a n
als Fortbesta.nd . des Wtssens �ezeichnet . Denn jeglicher zu sein, sond g e n e m p fi n d e n .
Fortbestand 1st In und an demJenigen, das fortbesteht, so überh a u p t k e in e G e f ü h ls r e g u n . .
t m a n a b e r a u c h d a s , w a s a u f u g e n d e m e
dass auch der Fortbestand des Wissens im Wissen ist . Manchmal s e t z a t t u n g , z u m
V e r b in d u n g s t e h t , a ls e in e G
Folglich ist auch die Erinnerung im Wissen, da sie doch Weise mit etwas in v o n Z o r n u n d A ? n a h m e a ls
Fortbestand d·es Wissens ist. Das aber kann nicht sein. [1 0] Beispiel S c h m e r z a ls G a t t u n g
Ü e u g u n g . B e id e g e n a n n t e n D m g e f o lg e n
Denn jede Erinnerung ist in der Seele . die [30] von berz is e d e n a n g e g e b e n e n A r t e n ,
Es .ist aber der beschriebene Topos auch dem Akzidens nämlich in einer g e w is s e n W e
v o n ih n e n G a t t u n g . D � n n z w a r � � p fi � ­
gemeinsam. Denn es macht keinen Unterschied, ob man doch .es i s t kein e s e r f r u h e r m
c h m e r z , d e r S c h m e r z 1 s t a b
nun Fortbestand als Gattung von Erinnerung bezeichnet det der Zornige S n ic h t d e r Z o r n U r s a c h e d e s
oder aber sagt, es käme ihr akzidentell zu fortzubestehen. ihm entstanden . E s is t n ä m li c h
r n v ie lm e h r d e r S c h ;'l l e r z U r s a � h e d e s
Denn wenn die Erinnerung in einer beliebigen Weise Schmerzes, s o n d e e r z 1s t .
e r Z o r n ü b e r h a u p t k e m S c h m [ 3 5 ]
Fortbestand des Wissens ist, dann wird dasselbe Argu­ Z o r n e s s o dass d Ü z e u g u n g n ic h t A n n a h m e . E s
ment darauf passen. Demg;mäß ist a b e r a u c h b e r
h , d ie s e lb e A n a h m e v o n e t w a s : u _h a ­
ist nämlich m ö g li c ? . u n m o g h c h ,
ü b e r z e u g t z u s e m . D a s 1s t a b e r
5 b e n o h n e davon r t d e r A n n a h m e _
1 s t . D � n n e s
[15] Wiederum ist zu prüfen, ob er einen Zustand unter we�n die b erzeug Ü u n g e in e A
s s e t w a s d a s s e l ? e b le ib t , w e n n � s s 1c � s o
die Tätigkeit eingeordnet hat oder eine Tätigkeit unter den ist unmögli c h , d a s f .
a ll t , w 1e e s
e s g ä n z li c h a u s s e m e r A r t h e r a u
Zustand, zum Beispiel die Wahrnehmung unter die Bewe­ verändert, d a s s lb e L e b e e s e n b a ld M e n s c h ,
gung durc � den Körper. Denn die Wahrnehmung ist ein au c h u n m ö g li c h is t , d a s s d a s s e �
is t . S o ll t e a b e r Je m a n d s a g e n , _d a s s
Zustand, dte Bewegung dagegen eine Tätigkeit. Ebenso bald k e in M e n s c h [ 4 0 ]
o t w e n d ig e r ­
s a n n im m t , d a v o n a u c h n
aber auch, wenn er Erinnerung als >Zustand der zurückbe­ derjenige, der etwa n n w e r d e n >A n n a h m e < u n d
�alt�nen Annahme< beze�c�net. Denn keine Erinnerung weise überzeugt s e i, [ 1 2 6 a ] d a
n g le ic h v ie le n D � n g e n a u s g e s a � � w e r d e n ,
1st e1n Zustand, sondern s1e 1st eher eine Tätigkeit. Ü
> berzeug u n g < v o a r e . D e n n
h n ic h t a u f d ie s e W e 1s e G a t t u n g w
[20] Auch diejenigen machen einen Fehler, die den Zu­ so dass sie auc in g e n a u s g e s a g t w e r d e n .
stand dem sich ihm anschließenden Vermögen zuordnen d ie G a t t u n g m u s s v o n m e h r D .
c h d a r a u f z u s e h e n , o b � e id e v <;m � a t u r m
zum Beispie! inde� sie Sanftmut als Beherrschung de� E s ist a b e r a u r t 1s t , 1 s t a u c h
in d . W o r in n ä m li c h d 1e A
Zornes bezeichnen und Tapferkeit und Gerechtigkeit als derselben Sache s

,
1 36
Viertes Buch
[126a] Viertes Buch 137
die Gattung. Worin zum Beisp
iel
Farbe. Und worin Grammatik, weiß ist, [5] ist auch
jemand Scham als Furcht auch Wissen . Sollte also
bezei

Schmerz, dann wird sich herau chnen oder Zorn als


die Gattung nicht in dersel sstelle n, dass die Art und
Denn die Scham ist im denke ben Sache vorhanden sind:
aber im mutigen; und der Schm nden Seele nteil, die Furch t
diesem ist nämlich [10] auch die erz ist im begehrenden - in
im mutigen. Deshalb sind die Lust -, der Zorn dagegen
Gattungen, da die Arten von angeg eben en Dinge nicht
che sind. Ebenso gilt aber: IstNatur nicht in dersel ben Sa­
den Seelenteil, kann sie nicht Freun dschaft im begehren­
Denn jedes Wollen findet man eine Art des Wollens sein.
Dieser Topos ist auch beim im denkenden SeelenteiL
Akzide
derselben Sache [15] findet sich ns nützlich. Denn in
ge, dem es akzidentell zuko das Akzid ens und dasjeni­
mmt.
Akzidens nicht in dersel ben Sache Desha lb gilt: Wenn ein
fensichtlich nicht akzidentell zuko ersch eint, kann es of­
Wiederum muss man prüfen, ob mme n.
ten Gattung nur in einer gewis die Art an der genann­
die Teilha be an der Gattung sen Hinsicht teilhat. Denn
gewissen Hinsicht zu bestehen. schei nt nicht (nur) in einer
nicht (nur) in einer gewissen Der M ensch ist nämlich
auch die Grammatik nicht (nur) Hinsic ht ein Lebewesen, und
sicht [20] ein Wissen. Ähnlich in einer gewissen Hin­
verhä
ren Fällen. Folglich ist zu prüfe lt es sich auch in ande­
einer gewissen Hinsicht an der n, ob irgend etwas (nur) in
Beispiel der Fall ist, wenn gesag Gattu ng teilhat, was zum
wesentlich wahrnehm bar oder t wird, das Lebewesen sei
sen ist (nur) in einer gewissen sichtb ar. Denn ein Lebewe­
Hinsic
sichtbar. Hinsichtlich seines Körp ht wahrnehmbar und
nehmbar und sichtbar, hinsichtlich ers ist es nämlich wahr­
Deshalb können Wahrnehmb seine r Seele aber nicht.
Gattungen [25] von Lebewesen ares und Sicht bares nicht
Manchmal wird auch unbemerkt sein .
seiner Teile gesetzt, zum Beisp das Ganze in einen
iel, wenn man das Lebewe-

I
1 39
Viertes Buch
1 38 Viertes Buch [126b] [126b-1 27a]
. . . . Unste rblich keit als >ewig es
die
nicht nur in eine, sondern in beide genannten (Gattungen) Den
gesetzt werden. Leben< bezel chnen . � des Lebe ns zu seln.
e1n M er k ma l
Ferner geben sie manchmal in umgekehrter Weise die ·
wa r 1st, w1r '
·

Gattung wie einen Unterschied an und den Unterschied m te r c


wie eine Gattung, zum Beispiel die Überraschung [15] als räumt , dass aus elne . .� . dann sagen dass er eln
Ü bermaß an Verwunderung und die Überzeugung als In­ . K ·
emer w1r d nam l 1c h ' . b el·
den kann [4o] . nder n es würde slch
tensität der Annahme. Denn weder das Übermaß noch die ande res Lebe n erhlel te, s_o [127a]
besti mmte s
h ft oder ein
Intensität sind Gattungen, sondern sie sind Unterschiede . Des a 1St a
Es scheint nämlich die Überraschung eine übermäßige Merk mal finde n.
Verwunderung und die Überzeugung eine intensive An­ Unsterblichk�it. .. fen, o b d· e sage n dass Gattu ng ei-
nahme zu sein, so dass die Verwunderung und die Annah­ Wiederum 1St zu ru
l? . . chaft sie ist,
en :Eigens
me Gattungen sind, das Übermaß und die Intensität sind s1e en 1n >
dagegen Unterschiede. [20] Ferner, wenn jemand das zum Belsp
· le
· 1 ' we nn
. . gung der L u ft. [5 ]
W . nd l st nam. lieh eher Bewe
Übermaß und die Intensität wie Gattungen angibt, dann nen. Der: � . nun bewe gt oder
ft ob sie sich
werden auch unbeseelte Dinge Überzeugungen haben und es a
überrascht sein. Denn die Intensität und das Übermaß von in Ruhe v�� .� har r . J? obgle ich sich dle Luft
h Wind
jedem sind in jenem, dessen Intensität und Übermaß sie es 1ese e '
sind. Wenn also die Überraschung ein Übermaß an Ver­ J:?:lCht .b
· eweg t ' wenn von diese r Art.,
v1 wenn
aber auc h bei allem ande ren
wunderung ist, dann wird die Überraschung in der Ver­ Ahnh ch
b e i diese m einrä umen muss , dass p o]
wunderung sein, so dass die [25] Verwunderung über­ man nun aber � uc h . d nn muss man derartlges
rascht sein wird . Ebenso wird aber auch die Überzeugung en
in der Annahme sein, wenn sie Intensität der Annahme Jedoch mcht bel a . wird sond ern nur
wah helts gema ··ß � u s g esagt
ist, so dass die Annahme überzeugt sein wird. Demjeni­ tung nicht . : eben e G attun g wahr-
d
gen, der es so angibt, wird ferner widerfahren, dass er die g � w
Intensität >intensiv< und das Übermaß >Übermäßig< nennt. heltsgema ß ausge s � . ausge sagt zu wer-
Gattu ng mc ah h el tsge mäß
Denn es gibt eine intensive Überzeugu�.g [und eine lieh die . ee. Denn man
übermäßige Uberraschung]. Ist also [30] die Uberzeugung � � hl m und Schn
eine Intensität, dann kann die Intensität intensiv sein; ähn­ >Er e, � ml
lich ist aber auch die Überraschung übermäßig: Wenn der Schla mm [15]
r n och der Schlamm Erde,
Weder ist aber der Schn ee asse des
folglich die Überraschung ein Übermaß ist, dann kann das ·
er an e eh enen Dinge Gattu ng
.
Übermaß übermäßig sein. Keines von beiden scheint aber
richtig zu sein, wie auch nicht das Wissen wissend und die e .
Bewegung beweglich ist. auf lhre Arte n zutre . E edokles von >Wasser, m
[35] Manchmal machen sie auch den Fehler, eine Eigen­ ht. e l n 1 S t
schaft von etwas unter das als seine Gattung einzuordnen, Holz vergoren< sprlc
dessen Eigenschaft es ist. Zum Beispiel (machen diesen Wasser. I

,
1 40
Viertes Buch
[127a-127b] [127b] Viertes Buch 141
6
[20] Man muss aber auch .. [5] Man muss aber auch prüfen, ob die Gattung zur Art

wurde, von überhau t . :h ru f en, o b d�s, was angegeben


nicht synonym ist. Denn die Gattung wird von allen Ar­
ten synonym ausgesagt.
Ferner (muss man prüfen), ob er, wenn sowohl der Art
n t unterscheidet, wie als auch der Gattung etwas entgegengesetzt ist, die bessere
�eispiel weiße Gegensr: d �:C zum der entgegengesetzten (Arten) in die schlechtere Gattung
. vone1nan einordnet. Es wird sich dann ergeben, [10] dass die andere
en. . a er ann das Art in der anderen Gattung steht, da die entgegengesetz­
·
.

nicht Gattu ng von etw Weiße ten Arten in entgegengesetzten Gattungen stehen, so dass
. as se1n.. [25]
Wiederum muss man die bessere Art in der schlechteren Gattung und die
schlechtere in der besseren sein wird . Es scheint aber, dass
f
.

di�at:, die allen Din en c I : ezeichnet. Die Prä­


f�t:s von der besseren Art auch die Gattung die bessere ist.
ra Auch muss man prüfen, ob, wenn dieselbe Art sich auf
gen folgen. Wenn er . I ate, dte allen Din-
1 S ähnliche Weise zu beiden verhält, er sie in die schlechtere
und nicht in die bessere eingeordnet hat, [15] zum Beispiel
von Ihnen ausgesagt w a en D�ngen, da es
ird . [30] D�Ie G attung die, Seele in die Gattung Bewegung oder Bewegtes . Diese
von nichts ande.rem
, als von 1"hren .Arten Wird nämli ch scheint nämlich auf ähnliche Weise etwas Ruhendes wie
kann auch >eins < eine � usgesagt.. Daher etwas Bewegtes an sich zu haben. Deshalb gilt: Wenn die
. Art von >seiend < sein.
der Fa11 eintreten, dass Es Wird a1 �o Ruhe besser ist, dann gehört die Art in diese Gattung.
von allen Dingen, von
Gattung ausgesagt wird' denen die Ferner muss man für das Bestreiten auf mehr und weni­
. a uch dIe " Art ausgesagt Wir . d' weil
>seiend< und >eins< schl . v ger achten: ob die Gattung ein Mehr zulässt, die Art es
ech th In
aber nicht zulässt, weder [20] sie selbst noch das nach ihr
·
ausgesagt werden. Wen rt vo_n w�!u er Dingen
n 35 � Benannte. Wenn zum Beispiel Tugend ein Mehr zulässt,
dann auch die Gerechtigkeit und der Gerechte . Man sagt
g eic VIelen Dmgen nämlich, dass einer gerechter sei als ein anderer. Lässt also
sagt werd en wie die G ausge- die angegebene Gattung ein Mehr zu, während es die Art
tt d
on;t mt, dann von gletch nicht zulässt, weder sie selbst noch das nach ihr Benannte,
VIelen. Wenn aber d" dann kann auch das [25] Angegebene nicht ihre Gattung
G
mehr D mge ausgesagt sein.
werden als sie.

Wiederum gilt: Wenn das, was mehr oder in ähnlicher


[ 127b] Fern er (ist zu . Weise den Eindruck erweckt, Gattung zu sein, es aber
rüfe
nicht ist, dann ist offensichtlich auch nicht das, was ange­
f geben wurde, Gattung. Dieser Topos ist aber vor allem in
Gattung sein kann n1e �nsichtlich nicht dessen solchen Fällen nützlich, in denen anscheinend mehrere
· Ga t t u n
·· ·
e Iegen en ausgesagt. Begriffe in (der Kategorie des) Was-es-ist ausgesagt wer­
·

den und weder bestimmt ist noch wir sagen können, [30]

I
1 43
Viertes Buch
1 42 Viertes Buch [127b-128a] [ 1 2 8 a- 1 28b]
h u n t e r s c h e i d e n d e A r t e n g i b t .
sonder n m e h r e r e u n d s i c i n .
welcher davon Gattung ist. Es scheinen zum Beispiel so­ i r d s i e d a n n n ä m l i c h G a t t u n g s e
wohl >Sc�merz< als �uch >Annahme, geringgeschätzt zu Offensichtlich w i n e a n g e g e b e n e A r t g i b t , m u s s g e -
Wenn e s a b e r n u r e s - i s t v o a n ­
werden< 1m .:Vas-es-Ist des Zorns ausgesagt zu werden . , o b d i e G a t t u n g a u c � i m . W a s - .� . r:
De?n der �urnende empfindet Schmerz und nimmt an, prüft w e r d e n w1rd s1ch amhch w1ed � r
deren Arten ausge sagt wird. Es r: h e i -
ge �Inggescha tzt zu werden. Dieselbe Prüfung ist aber auch v o n m e h r e r e n u n d s 1 c h u n t e r s c
. heraus s t e l l e n , d a s s s i e
be1m Vergleich der Art mit einer anderen anzuwenden. n a u s g e s a g t w i r d .
Denn wenn das, :vovon man mehr oder in ähnlicher Weise denden Arte e n s o s c h e i n t , d a s s a u c h d � r U n t e r -
D a e s a b e r e i n i g e n w 1 r d , m u s s
g�aubt� da�s es 1n der [35] angegebenen Gattung steht [20 ]
a s - e s - i s t v o n d e n A r t e n a n g e g e b
mcht 1� d1es.er Gattung steht, dann kann offensichtlich schied i m W h i e d a b g e g r n z t w e r d e n ,
i e G a t t u n g g e g e n d e n U n t e r s c � n s ,
auc�. n1cht d1e a?geg�bene Art in dieser Gattung stehen. d ä h n t e n E l e m e n t e b e d 1 e n t : E r s t e
indem m a n s i c h d e r e r w t a l s ? e r U n ­
Fur das � estre1ten 1st der Topos wie beschrieben zu ver­ i r d v o n m e h r D i n g e n a u s g e s a g
wenden, fur das Aufstellen aber so: Wenn sowohl die die Gatt u n g w e d e s � a s - e s - 1 s t p a s s t
z w e i t e n s , f ü r d i e A n g a b
[128a] angege�ene Gattung wie auch die Art ein Mehr zu­ terschied; der Unter schied - denn wer
die Gattu ng besse r als [25]
d e u t l i c � , w a s
lass.en, dann 1st der Topos nicht nützlich. Denn nichts n L e b e w e s e n n e n n t , m a c h t e h e r
spr1ch� dagegen, dass, auch wenn beide es zulassen das den Mens c h e e h e n d e s n e n n t ; d n t t e n s ,
n s c h i s t , a l s w e n n e r i h n G
eme mc�t Gattung ?es anderen ist. Denn sowohl schÖn als ein Me i m m e r d i e Q u a l i t ä t d e r G � t t u n & a n ,
de'r U n t e r s c h i e d z e i g t r s c h i e d - 1 c h t .
auch we1ß la� sen �1n Mehr zu, und keines der beiden ist u t d i e s d i e G a t t u n g v o m U n t e ?
Gattung des JeW�Ils. anderen: Der Vergleich von Gattung umgekehr t t e s n e n n t , s a g t , w 1 e d a s
e r d e n M e n s c h e n G e h e n d
und [5] .A�ten. m�te1n�nder 1st allerdings nützlich. Wenn Denn w i s t , w e r i h n a b e r L e b e w e s e n n e n n t ,
. Lebewes e n b e s c h a f f e n
z�m Be1sp1el 1n ahnl1cher We1se dies wie jenes Gattung e i n G e h e n d e s b e s c h a f f e n i s t . . .
�e1n kann und das eine von.. bei?en auch Gattung ist, dann sagt nicht, wie i s t a l s o d e r U n t e r s c h i e d g e g e n d 1 e
[30] A u f d i e s e W e i s e a s s , w e n n d a s
1st es auch das a�dere . In ahnl1cher Weise gilt aber auch: g r e n z e n . D a m � n a b e r g l a u b t , d .
Ist das, was wen1ger Gattung . zu sein scheint, Gattung, Gattung a b z u . .
1 s s e n d .
1 s t , a u c h d 1 e M u ­
h e , s o f e r n e s m u s 1 s c h 1 s t , w
da�n auch, was es mehr zu se1n scheint. Wenn zum Bei­ Musisc s e n i s t u n d d a s s , w e n n d a s G e h e n d e
sik eine F o r m v o n W i s i n e F o r m d e r
spiel �her Fähigkeit Gattung von Beherrschtheit als Tu­ a s G e h e n b e w e g t , d a s G e h e n e
ge?d 1st, Gattung aber Tugend ist' dann auch Fa··h 1g · k e1·t . s i c h du r c h d n a n n t e W e i s e p r ü f e n , i ?­
t , m u s s m a n a u f d i e g e
· s1c· h aber auch in zutreffender Weise auf die Art
D1es 1·asst B ewegung is a s s t e h e � s o l l . W � n n z u m B e l ­
welcher G a t t u n g e t w [ 3 5 ]
t , m u s s a n
�nwenden. [10] Ka�n nämlich in ähnlicher Weise dies wie e F o r m v o n U b e r z e u g u � g � � rr1:
� enes Art der vorh � genden Gattung sein, das eine davon s p i e l W i s s e n ein d e , s o f e r n e w e 1 ß , u b e r z e u g t 1 s t .
prüfen, o b d e r W i s s e n
. ; v o n � b e r ­
1st aber Art, dan� 1st es auch das andere. Und wenn das, h i s t W t s s e n d a n n e m e F o r l l!
O f f e n s i c h t l i c u f d t e s e W e t s e z u
v:ovon ll!an wen1ger glaubt, dass es eine Art davon ist, zeugung . A u c h in a n d e r e n F ä l l e n i s t a
e1ne Art 1s�, dann auch das, wovon man es eher glaubt. . .
De� Welteren muss man für das Aufstellen prüfen ob prüfe n. w a s e m e r S a � h e t m m e r f o l g t
. Ferner i s t von d e m j e n ig e n , d a s s e s
r b a r i s t , s c h w e r z u b e s t t m m e n ,
und n i c h t u m k e h i m m e r f o l g t ,
angege?en wurde, 1n (?er Kategorie des) Was-es-ist ausge­ a t t u n g i s t , w e n n d i e s j e n e m [ 1 2 8 b ]
sagt w1rd, wenn es n1cht nur eine [15] angegebene Art, nicht G

'
,
1 44 •
Viertes Buch
[128b]
während j enes diesem nicht i
Fünftes Buch
a r e s , u m g ekehrt a b e r nicht . I m m e r . et -
.
I s t es s o In Anspruch zu nehmen, W . . a. er 1
.
m e r Folgende Gattung Ist, s o fern e i e d a n n , wenn das t m - Ob aber das Angegebene eine Eigentümlichkeit ist oder
r e umkehrbar (ausgesagt werden k s n i c h t [ 5 ] fu· · r das a�de- nicht, ist durch Folgendes [15] zu prüfen.
ann Angegeben wird die Eigentümlichkeit entweder an sich
F ä l l e n gelten l a s s e n E i n E � � { m
. an e s m c t In allen und immer oder in Bezug auf anderes und manchmal. An
e r w e r e n e sich ist es zum Beispiel dem Menschen eigentümlich, das
.. .
nam tch Wtrd, ist nicht - und nicht
1 . n D t n g e fo.lgt - was von Natur aus zahme Lebewesen zu sein, in Bezug auf
nic. ht alles' was ntcht I·st, Wtrd -, da. u m k e h r bar Ist - denn anderes dagegen ist es zum Beispiel der Seele gegenüber
.
·

s s a b e r d e nnoch >ntch t- .
seten d ntcht
< dem Körper eigentümlich, dass sie gebietend, er aber ge­
horchend ist; immer ist es zum Beispiel wiederum Gott
[ 1 0] Was mit der Gattung zusam eigentümlich, [20] ein unsterbliches Lebewesen zu sein,
b e s c h r i e b e n anzugehen. m e nh a
· · n g t , . .
I s t a1s o wte manchmal ist dagegen zum Beispiel irgendeinem Men­
schen eigentümlich, im Gymnasium herumzugehen.
Wenn die Eigentümlichkeit in Bezug auf ein anderes an­
gegeben wird, dann ergeben sich entweder zwei oder vier
Probleme . Falls dasselbe nämlich dem einen zugesprochen,
dem anderen dagegen abgesprochen wird, entstehen nur
zwei Probleme, [25] zum Beispiel, wenn die Eigentümlich­
keit des Menschen in Bezug auf ein Pferd ist, dass jener
zweibeinig ist. Denn jemand könnte sowohl versuchen zu
zeigen, dass ein Mensch nicht zweibeinig ist, als auch, dass
das Pferd zweibeinig ist. Auf beiden Wegen wird die Ei­
gentümlichkeit zum Wanken gebracht. Falls aber beiden
etwas zugesprochen und beiden etwas abgesprochen wird,
werden es vier Probleme sein, zum Beispiel wenn eine Ei­
gentümlichkeit von Mensch in Bezug auf Pferd ist, [30]

dass jener zweibeinig, dieses dagegen vierbeinig ist. Denn


man kann sowohl versuchen zu zeigen, dass ein Mensch
nicht zweibeinig ist, als auch, dass er von Natur aus vier­
beinig ist; und man kann sowohl versuchen zu zeigen, dass
das Pferd zweibeinig ist, als auch, dass es nicht vierbeinig
ist. Auf welche Weise auch immer es aber bewiesen wird,
es wird das Zugrundegelegte aufgehoben.
146 Fünftes Buch
[128b-129a] Fünftes Buch 147
Die Eigentümlichkeit an sich ist
auf alles [35] angegeben wird aber das, was in Bezug
und
Beispiel die Eigentümlichkei t des von allem trennt, zum
ches und für Wissen empfänglic Menschen; ein sterbli­
Eigentümlichkeit in Bezug auf hes Lebewesen zu sein.
ein
was nicht von allem, sondern von anderes ist aber das,
terscheidet, zum Beispiel die Eigen etwas Festgelegtem un­
in Bezug auf das Wissen, dass tümlichkeit der Tugend
dagegen nur im vernünftigen jene in mehreren, dieses
Seelen
entsteht, die von Natur aus Vernu teil und bei solchen
nft
tümlichkeit, die immer gilt, ist das, haben. Eine Eigen ­
zutrifft und niemals ausbleibt, zum was [129a] zu jeder Zeit
lichkeit des Lebewesens, aus Beispi el die Eigentüm­
mengesetzt zu sein; eine Eigen Seele und Körper zusam­
tümlic
gilt, ist das, was zu einer bestim hkeit, die manchmal
nicht mit Notwendigkeit immer mten Zeit zutrifft und
Eigentümlichkeit eines bestimmten folgt, zum Beispiel die
Marktplatz herumzugehen. Menschen, [5] auf dem
Was in Bezug auf anderes eigen
geben, dass man den Unterschie tümlic h ist, ist so anzu­
und immer oder in der Regel d nennt, den es bei allen
gibt. Dem Menschen - und zwar und in den meisten Fällen
zum Beispiel in Bezug auf das jedem und immer - ist
zweibeinig ist; denn [10] jeder Pferd eigentümlich, dass er
zweibeinig, kein Pferd ist dageg Mensc h ist auch immer
der Regel und in den meisten en jemals zwei beinig. In
dem vernünftigen Seelenteil in Fälle n ist aber zum Beispiel
den begehrenden eigentümlich, Bezug auf den mutigen und
diese gehorchen. Nicht immer dass er gebietet, während
nünftige Seelenteil, sondern es gebie tet nämlich der ver­
ihn geboten. Andererseits wird wird auch manchmal über
mutigen und den [15] begehrende auch nicht immer über den
sondern sie gebieten· manchmal n Seelenteil geboten,
M e n s c h e n schlecht i s t . auch, wenn die Seele des
Aus logischer Sicht am frucht
gentümlichkeiten sowohl diejeni barste n sind von den Ei­
gen, die es an sich und
1 49
148 Fünftes Buch [129b] [ 1 29b-1 30a] Fü nftes Buch
t ü m li c h k e it in b e i d e n H i n s i c h ­
kannteres. Zum einen ist sie nicht durch Bekannteres eigentümlich ist , d ie E ig e n
t e r e s w i e a u c B e k a � n t e r e s
festgesetzt, wenn die Eigentümlichkeit die er angibt ten sowohl d urc B e k a n n ? a l s
h
a f d ie e � e 1s e d e r B e s t t z d e r
schl ��ht�Ün u?beka�nter ist als dasjenig�, als dessen Ei� angegeben, es d�r f t � a ls o ': .� .
E tg e n t u m h c h k e tt d e s L e b e w e -
ge.ntu �.hc � keit .er s1� ge�annt hat. Die Eigentümlichkeit Wahrnehmung n c h t tg a ls
s e i n . . .
w1rd n�ml1ch n1cht r1cht1g festgesetzt sein . Denn der Er­ sens an g e g e b e n .
e m e s d e r m
.
d � r E tg e n -
[30] Dann, um zu b e s t r e tt e n : o b
kenntnis wegen stellen wir die Eigentümlichkeit auf, sie ist u f m e h e r e W e ts e n v e r ­
it a n g e g e b e n e n W o r t : a �
�lso d�rch Bekannteres anzugeben, auf diese Weise näm­ tümlichke o r m u h e r u ? g a l� g a ? z e
e r a u c h , o b d te F
hch w1rd man es eher hinreichend verstehen. Zum Beispiel wendet wird, od ig e n t ü m h c h k e tt m c h t
n n e s w ir d d ie
mehrdeutig ist. De .
hat er, wenn �r festsetzt, [10] .4ass es eine Eigentümlichkeit

B e _
t s p t e l b e d e u t e t � � a h r ? e h ­
des Feuers se1, das der Seele Ahnlichste zu sein mit >Seele< richtig fes t g e s e t z t s e in Z u m -
, d ie W a h r n e h m u n g s f � h �g k e �t z u
ei? gegenüber >Feuer< Unbekannteres verwe�det. Denn men< mehre r e s : e in e r s e it s
_ , d ie W a h r n e h m u n g s f a h tg k e tt z u
w1r w1ssen eher, was das Feuer ist, als was die Seele ist. b e s i t z e n , u n d ander e r s e it s
>v o n N a t u r a u s . w a h � n e � ­
Also.. dü7fte d.as der Seele Ähnlichste nicht richtig als Ei­ g e b r a u c h e n , da h e r w ir d
c h t n c h u g
]
m
[ 3 5
ü m li c h k e it d e s L e b e w e s e n s
gentumhchke1t des Feuers festgesetzt sein. Zum anderen mend< als Eigent .
.
aber, w�nn nicht. bekannter ist, dass diese jener zukommt . aufgestellt sein. .
r t n o c h e m e F o r m u h e -
s o ll w e d e r e m W o
Denn s1e muss n1cht nur bekannter als die Sache sein, son­ Deshalb ( 1 30a h n e t , v e r w e n d e t w e r ­
z e ic
]
n t ü m li c h k e it b e
dern [15] es muss auch bekannter sein, dass sie ihr zu­ rung, die die Eige _ a u s g e s a g t w e r d e n k a n n ,
e h r e r e W e ts e n
kommt. Denn wer nicht weiß, ob sie ihr zukommt wird den, wenn sie auf m t e u n k a r a c h t ; d e n n
d e u t ig e d a s G e s a g � �
auch nicht wissen, ob sie nur ihr zukommt. Daher' wird weil das Mehr t e , w � 1ß ? tc h t , . w e lc h : r
ü b e r p r ü f e n � ö c h
wenn eines von beidem sich ergibt, die Eigentümlichkei� derjenige, der sie g e m e m t t s t . D t e E i -
n e d e s M e h r d e u u g e n .
der b e i d e n S i n
[ 5 ]
u.?kl �r w�rden. Zum Beispiel hat er, wenn er als Eigen­ r k e n n t m s e g e n a n g e ­
k e it w ir d n ä � li c h d e r E :v
t� ml �chkeit des Feuers festsetzt, dass es das Erste ist, wo­ gentümlich r n t w e n d t , d a s s d e n ­
z li c h d a z u 1s t e s f e r n e � �
rin s1ch von Natur aus die Seele befindet, ein gegenüber geben. Z u s ä t _ f d � e s e W e 1s � a n g e b e n ,
e n t ü m li c k e tt a u
d.em �euer Unb�kannteres verwendet, nämlich, ob [20] jenigen, die die Eig ?
e n n Je m a n d d te D e � u k ­
g u n g g e s c h te h t , w
s1ch d1e Seele darin befindet und ob es das Erste ist worin eine Art Widerle S _
m n d e s m e h r d e u u g e n
d e n u n p a s s e n d e n
sie sich befindet, es dürfte also das Erste, worin ;ich die tion bezogen auf
�eele :on Natur aus befindet, nicht richtig als Eigentüm­ Ausdrucks b i l d e t . r e in e s d e r W o r t e ? o c h
U m aber auf z u s t e ll e n : o b w e d e
lichkeit des Feuers festgesetzt sein . d e u t ig i t . D e E tg e n ­
a ls g a n z e m e h r � �
Um aufzustellen aber: ob die Eigentümlichkeit durch die Formulierung
[ 1 ]
a u f g e ­

ä m li c h a u f d ie s e W e ts e n c h u g
Bekannteres festgesetzt wurde, und zwar durch Bekannte­ tümlichkeit wird n e d e r >K ö r p e r < m e h r e ­
B e i s p i e l b e d e u t e t w
r�s in beiden Hinsichten. Denn auf diese Weise wird die stellt sein. Z u m a c h o b e n b e w e g t < u n d
s s ic h a m b e s t e n n
Eigentümlichkeit richtig festgesetzt sein. Von den zum res noch >das wa b e i d e n Z u s a m m e n g e ­
n z e , a u s d i e s e n
A:ufs�ellen geeignet�n [25] �open . zur Richtigkeit zeigen es auch nicht d�s Ga r p e r , d e r s _
te h a m b e s ­
a u f d ie s e W e i s e >K ö
d�e e1nen nur auf d1ese We1se, d1e anderen aber schlecht­ setzte daher ist t ü m li c h k e it d e s F e u e r s
e w e g t < a ls E ig e n
hin, dass es richtig ist. Zum Beispiel hat derjenige der ten n�ch oben b
sagt, dass der Besitz der Wahrnehmung dem Lebe�esen richtig aufgestellt.

I
151
1 50 [ 1 30a-1 30b] Fünftes Buch
Fünftes Buch [130a]
n d s t a t t d e r W o : t e d i e D e fi � i t i o ­
[15� Da�n, ':m z': bestreiten: wenn dasjenige, von dem Zwe i t e n s , w e n n j e m a a l s � � g n ­
. W e n n z u m B e i s p i e l b ] J e m a n d �
dte Etgentumhchkett angegeben wird, mehrere Bedeutun-
. nen e i n s e t z t : [ 1 3
d
0
i e > S u b s t a n z , d 1 e s 1 c h
h k e i t d e r E r d e a n g i b t , s i e s e i
gen ?at, . er aber nicht bestimmt hat, für welche von ihnen tümlic e i s t e n n a t u r g e m ä ß n a c h u n t e n b e ­
er d1� E�gent� ml�chkeit festsetzt. Es wird nämlich die Ei­ von d e n K ö r p e r n a m m u n d s o ? e ­
. h a t e r a n s t e l l e v o n > K ö r p e r < > S O
ge��umltchkett ntcht richtig angegeben sein. Aus welchen wegt<, d a n n i n u n d d a s s e l b e sm d
f f e n e S u b s t a n z < e i n g e s e t z t . E
Grunden . abe: dies so ist, ist aus dem zuvor Gesagten scha e s o u n d s o b e s c h a f fe n e S u b s t a n z .
wohl erstchtltch. Denn e� �ird sie � notwendigerweise nämlic h K ö r p e r u n d e i n s a g t h b e .
l i c h m e h r m a l s S u b s t a n z [ 5 ] g e . � �
dasselbe ergeb�n. Zum Betsptel [20] 1st >Wissen von die­ Er wird n ä m t ü m l i c h k e l t e n n c h t l g
l b i s t k e i n e d e r b e i d e n E i g e n
se i?< mehr� euttg, entweder heißt es nämlich, dass dieses Desha .
Wtssen besttzt, andererseits � das � dieses sein Wissen ge­ angegeben. e r : o b d e r s e l b e A u s d r u c k m c h t
braucht, od.er aber, dass es e1n Wtssen über dieses ist oder Um a u f z u s t e l l e n a b i r d n ä l i h
r w e n d e t w i r d . A u f d i e s e W e i� e w � �
da� s das. Wts � en �her ?ieses angewendet wird, dann wird me h r m a l s v e b e n s m . Z u m B e 1 s p 1 e l
. ü m l i c h k e i t r i c h t � g a n � e g e . �
ketne Etgentl! mhchkett .von >Wissen von diesem< richtig die E i g e n t E g e n t u m h c � k e l � d e s M e n s c h e n
a?gege�en �e1n, wenn ntcht bestimmt ist, in welchem der hat d e r j e n i g e , d e r a l s � � e b e w e s n ,
e i d a s f ü r W 1 s s e n e m p f a n g h e b e �
Stnne dte Etgentümlichkeit zugeschrieben wird. angib t , e r s n d e t , a u f � 1 e s � W e 1 s e
n e n A u s d r u c k m e h r m a l s v e r w e
Ur:n auf � ustellen aber: wenn das, wovon die Eigen­ kei h k e i t d e s M e n s c h e n n c h t 1 g a n g e -
.. [25]
tumhchkett �ngegeben wird, nicht auf mehrere Weisen ist [ 1 0 ] d i e E i g e n t ü m l i c
geben . .iten: ob .Irgendetwas a1s E Igentum- . ..
ve.rwe�? et . wtrd, so ?dern auf eine einzige und einfache. Es u b e s t r e
wtrd namltch. auf dtese Weise die Eigentümlichkeit richtig D a n n' u m z h a f f e n i s t , d a s s e s a l ­
t a n g e g e b e n w u r d e , d a s s o b e s c
a?gegeb �n se1n. Zum Beispiel wird >Mensch< auf eine ein­ lichkei a s , w a s n i c h t v o n a n d e r e m t r e � n t ,
ztge Wetse verwe�det, daher ist >von Natur aus zahmes lem z u k o m m t . D e n n d l i c h k e 1 t e
s s e i n . W a s a b e r i n d e n E i g e n t � m ?
Lebewesen< als Etgentümlichkeit des Menschen richtig wird n u t z l o a � c h b 1 � e n D e fi n � ­
d , m u s s t r e n ? e n - w i � � .
festgesetzt. a u s g e s a g t wir d 1 e E
.1gentu_ mhchke1t mcht ncht1g
Da n, um u be tre � ten: b dasselbe mehrmals gesagt t i o n e n . E s wird a l s o [ 1 5 ]
j e i g e , � e r b e ­
. ? � �
. � [30] Z u m B e i s p i e l i s t , d a d e r �
wtrd 1n �er EtgeJ?-tumhchkeit. Häufig geschieht dies nämlich festgesetzt sein. h k e i t d e s W i s s � n s s e 1 e s , e m : A n ­
h a u p t e t , d i e E i g e n t ü m l i c r s c � m t e r n
a':� h be1 der Eigentümlichkeit unbemerkt wie bei Defi­ , d i e v o n A r g u m e n t e n m c h t z � e �
nl�Ion�n. �enn. dies eingetreten ist, wird die Eigentümlich­ nah m e z u s e i n m. d e r E i g e n t u n: h c � ­
i n e i s t , e t w a s s o B e s c h a f f e n e s
keit ntcht r1cht1g festgesetzt sein. Denn wenn etwas mehr­ und e n s < - , d a s a l l e n z u k o m m t , d 1 e E I ­
kei t v e r w e n d e t - d a s > e i e g t .
mals �enan?t wird, verwirrt das den Zuhörer. Notwendi­ t d e s W i s s e n s n i c h t r i c h t i g f e s t g e l .
g:rwetse w1rd es unklar; und darüber hinaus entsteht der gentümlic h k e i e r w e n d e t w 1 r d , d a s
a b e r a u f z u s t e l l e n : o b n i c h t s v
Eindruck, dass man Unsinn redet. [35] Dass man dasselbe Um w a s , d a s v n e � a s � r e � n t . f: s
geme i n s a m i s t , s o n d e r n e t <? . � 1 c h k e 1 t
mehrmals sagt, geschieht aber auf zweierlei Weise: Zum ei­ a u f d i e s e W e i s e d 1 e E 1 g e n t� m
n�n, wenn �a� meh�m�ls denselben Ausdruck aufführt, wird n ä m l i c h [ 2 0 ]
m B e i p i e l , w e n n d e r Je m g e , . d e r
r i c h t i g gewäh l t s e i n . Z u � n s s e 1 e s ,
wte zum � etsptel �erJentge, der als Eigentümlichkeit des e E ig e n t ü m l i c h k e l t d e s L e b e w e s e
F�uers ang�bt, es .sei der Körper, der unter den Körpern am behaup t e t , d i .msames verwendet, dann
eine Seele zu habe n , n i c h t s G e m e
leichtesten 1st - dteser hat nämlich mehrmals Körper gesagt.

,
1 52 Fünftes Buch [131 a] Fünftes Buch 1 53
[130b-13 1 a]
i �t auf diese Weise die Eigentümlichkeit des Lebewesens - bewesen sei es eigentümlich, die Substanz, deren Art [5] der
eine Seele zu haben - richtig festgelegt . Mensch ist, zu sein, eine von dessen (Arten) verwendet,
pann?. u � zu widerlegen: ob er mehrere Eigentümlich­ dann ist die Eigentümlichkeit nicht richtig festgelegt.
ketten fur dteselbe Sache angegeben hat, ohne zu erklären, Um aufzustellen aber: ob er weder es selbst noch ir­
�ass e: m �hre�e fes�ges� tzt hat. Denn [25] die Eigentüm­ gendeine seiner (�rten) ve�endet �at. E� w�rd die Eigen­
hchke lt wtrd mcht nchttg aufgestellt sein. Wie nämlich bei tümlichkeit nämhch auf diese Weise richtig festgesetzt
· ·
D �fimtt�men zu der Formulierung, die die Substanz er­ sein. Zum Beispiel, wenn derjenige, der als Eigentümlich­
klart, mchts Weiteres hinzugesetzt werden darf so ist keit des Lebewesens setzt, es sei aus Seele und Leib zu­
a �ch bei Eigentümlichkeiten nichts zu der Formuiierung, sammengesetzt, weder es selbst noch irgendeine seiner
dte das Ausgesagte zur Eigentümlichkeit macht hinzuzu­ (Arten) verwendet, [10] dann ist auf diese Weise die Eigen­
fü�en. De�n .das so BeSchaffene ist nutzlos. Zu� Beispiel, tümlichkeit des Lebewesens richtig angegeben.
wenn der! emge, der .behauptet, die Eigentümlichkeit des Auf dieselbe Weise muss man aber auch die anderen
Feuers se1 e.s' de� fe�nste . und lei�hteste Körper zu sein, prüfen, wie sie es bekannter machen oder nicht bekannter
[30] m�hr Etgent �mhchketten angtbt, denn jedes der bei­ machen. Um zu bestreiten: ob er etwas verwendet, das
?en :w1r� wa�rh�ttsget?äß nur von Feuer ausgesagt, dann entgegengesetzt oder überhaupt [15] von Natur aus zu­
1s � dte Etgentumhchkett des Feuers - es sei der feinste und gleich oder aber später ist. Es wird nämlich die Eigentüm­
letchteste Körper - nicht richtig festgelegt. lichkeit nicht richtig angegeben sein. Denn die entgegen­
. Um aufzustellen aber: wenn nicht mehrere Eigentüm­ gesetzten Dinge sind von Natur aus zugleich. Was aber
h.chkeiten . für ?ieselbe Sache angegeben werden, sondern von Natur aus zugleich oder später ist, macht es nicht be­
e�ne . Es Wird die Eigentümlichkeit nämlich auf diese Weise kannter. Zum Beispiel, wenn derjenige, der sagt, dem Gu­
_
nchttg festgeset:t �ein. Z � m �eispiel, [35] wenn derjenige, ten sei es eigentümlich, das dem Schlechten am meisten
?er sagt, dem Flusstgen se1 es eigentümlich, der Körper, der Entgegengesetzte zu sein, das Gegenteil des Guten ver­
J �de F ?rm a�nehmen. kann, zu sein, eine einzige Eigentüm­ wendet, [20] dann ist die Eigentümlichkeit des Guten
h �hkett angtbt und mcht mehrere, dann ist auf diese Weise nicht richtig angegeben.
dte Eigentümlichkeit des Flüssigen richtig aufgestellt. Um aufzustellen aber: ob er weder etwas zusätzlich ver­
wendet hat, was entgegengesetzt ist noch überhaupt von
Natur aus zugleich noch später ist. Es wird nämlich auf
3
Dann,.u m zu bestreiten: ob er das, dessen Eigentü
mlichkeit diese Weise die Eigentümlichkeit richtig angegeben sein.
er angtbt, se l? st verwendet hat oder irgendeine se Zum Beispiel, wenn derjenige, der als Eigentümlichkeit
iner (Ar­
ten) . [1 3 1a] D�e Eigentümlichkeit wird nämlich nic
ht richtig des Wissens angibt, es sei die zuverlässigste Auffassung,
a�fg:stellt. se m . Denn des Lernens wegen wird d
ie Eigen­ nichts verwendet, was entgegengesetzt oder von Natur
tumhc�kett angegeb :n . Etwas ist aber im Vergleic
. h z u sich aus zugleich oder [25] später ist, dann ist auf diese Weise
s �lb st 1 � gletcher Wet se unbekannt, andererseits
ist irgend­ die Eigentümlichkeit des Wissens richtig ange�ebe�. .
eine seiner (Arten) später, so d a ss sie nicht beka
nnter ist. Dann, um zu bestreiten: ob er etwas als Eigentumhch­
Deshalb kann sich durch diese kein genaueres Ver
ständnis keit angibt, was nicht immer folgt, sondern etwas, das
ergeben . Z u m Beispiel, wenn derjenige, der sagt,
dem L e - manchmal keine Eigentümlichkeit ist. Es wird nämlich die
154 Fünftes Buch [131a-131b] [1 31 b] Fünftes Buch 155

Eigentümlichkeit nicht richtig angegeben sein. Denn we­ da nn ist di e Ei ge nt üm lic hk eit ni ch t ric ht ig an ge ge be n,
?er [30] trifft auf dasjenige, von dem wir verstehen, dass es wenn er es ohne eine Erklärung sagte.
Ihm zukommt, auch der �ame mit Notwendigkeit zu, U m aufzuste lle n ab er : ob [15 ] m an be i de r A ng ab e de r
n)Ch kann der Name mit Notwendigkeit demjenigen momen ta ne n Ei ge nt üm lic hk eit du rc h ein e Er kl är un g kl ar ­

mcht zugesprochen werden, vom dem man versteht, dass ste llt e da ss m an ei ne m om en ta ne Ei ge nt üm lic hk ei t fe stg e­
e� ih� nicht zukommt, so dass die Eigentümlichkeit nicht setzt hat. Es w ird di e Ei ge nt üm lic hk eit nä m lic h au f di es e
nchtig aufges �ellt ist. Au�erd�m wi:d, sobald er sie ange­ Weise ric ht ig fe st ge se tz t se in . Zu m Be isp ie l, w .en n de rj � ni ­
geben .hat, mc�t offens�chthch sem, ob sie zukommt, ge, der sagt , es se i irg en de in em M en sc he n eig en tü � lic h,
wenn s1e derart 1st, dass s1e auch fehlen kann. Es wird also mom en tan he ru m zu lau fe n, di e U nt er sc he id un g vo rn im m t,
[35] di.e Eigentümlichkeit nicht klar. Zu m Beispiel, wenn dann ist auf di es e W eis e di e Ei ge nt üm lic hk eit ric ht ig au f-
.
derJemge, der angibt, dem Lebewesen se i es eigentümlich
.
gestellt. . .
sich manchmal zu bewegen und manchmal zu stehen et� Wiederum, um zu bestreiten: ob er etwas derartiges als
was de�artiges als Eigentümlichkeit angibt, das manchmal die [20] Ei ge nt üm lic hk eit an ge ge be n ha t.' vo n d .em ma n
auch mcht als Eigentümlichkeit vorkommt' dann ist die nich t an de rs als du rc h W ah rn eh m un g s1c he r se in ka nn ,
Eigentümlichkeit nicht richtig aufges tellt. dass es zu ko m m t. Es w ird di e Ei ge nt üm lic hk ei t ni ch t
l!m . aufzustellen aber: ob er etwas, was notwendiger­ richt ig fe stg es et zt se in . D en n al les W ah rn eh m � ar e ist ,
weise Immer zukomm�, als Eigentümlichkeit angegeben m un g en tz .
ieh t, un ge w 1ss . U n­
wenn es sic h de r W ah rn eh
ha� . [� 31 b.J Denn auf diese Weis e wird die Eigentümlich­ klar ist nä m lic h, ob es no ch zu ko m m t, w eil es nu r du rc h
keit nch�Ig fe�.tge�egt s �in. Zum Beispiel, wenn derjenige, die Wahrnehmung erkannt wird.
der als �Igentumhchkeit der Tu gend setzt, sie sei das, was Dies ist w ah r be i de n D in ge n, di e ni ch t m it N ot w en di g­
den Besitzenden � t m�cht, etwas als Eigentümlichkeit keit immer folg en . [2 5] Zu m Be isp iel , w en n � er je ni ge , de r
ver:ven�et, was diesem Immer folgt, dann ist auf diese eit de r So nn e fe sts et zt , s1e se i. de r am
als Eigent üm lic hk
Weise d1e Eigentümlichkeit der Tugend richtig festg�setzt. hells te n leu ch te nd e St er n, de r üb er di e Er de w an de rt, et ­
[5] Dann, um zu bestreiten: ob er bei der Angabe einer was derarti ge s be i de r Ei ge nt üm lic hk eit . ve rw en d � t, d � s
.
m. omentanen Eigentümlichkeit nicht erklärt hat' dass er rc h di e W ah rn eh m un g er ka nn t w 1rd , da nn 1st d1 e
nur du
e1ne . .m o.ment�ne .Eige?tümljchkeit angibt. D enn die Ei - Eigentümlic hk eit de : So nn e ni c � t ric ht ig � ng eg eb en : ub� en n
g�n�mhchkeit Wird mcht nchtig aufgestellt sein. Erstens in , so ba ld di e So nn e sin kt , ob sie . er
es w ird un ge w iss se
n.amhch b�.darf alles, was gegen die Gewohnheit geschieht, die Erde wan de rt, w eil es sic h [30 ] da nn un se re r W ah rn eh ­
e1�er �rkl�rung: Es pflegen aber alle in der Regel das als mung entzieht.
-
Eige�tumhchke�t �nzugeben, was immer folgt. Zweitens U m aufzuste lle n ab er, ob etw as de ra rti ge s al s di e Ei ge n­
[10] Ist aber deqemge, der nicht erklärt, wenn er eine m o­ tümlichkeit an ge ge be n w or de n ist , da s ni ch t (n ur ) du rc h
men�ane Eige�tümlichkeit angeben möchte, unklar. Man Wah rn eh m un g kl ar ist , od er etw as de ra rti ge s, da s, au ch
soll Jedoc� k�men Anlass zum Tadel geben . Zu m Beispiel, wenn es w ah rn eh m ba r ist , of fe ns ich tli ch no tw en di g zu ­
wenn derJenige, der als Eigentümlichkeit eines bestimm­ kom . m t Es w ird nä m lic h au f di es e W eis e di e Ei ge nt üm ­
ten Men�chen �estsetzt, dass er mit irgendjemandem zu­ lichkeit richt ig fe stg es et zt se in . Zu m Be isp iel , w en n de rje ­
sammensitze, eine m omentane Eigentümlichkeit festsetzt, nige, de r fe st se tz t, de r Fl äc he se i es ei ge nt üm lic h, da s zu

Fünftes Buch 1 57
1 56 Fünftes Buch [131 b-132a] [1 32 a]
sein, was primär gefärbt ist, zwar etwas Wahrnehmbares U m aufzustellen ab er : o b je m an d d ie E ig en tü m li ch k ei t
verwendet - [35] gefärbt - jedoch etwas derartiges, von in das Was -e s- is t d es se n ge se tz t h at , w ov on er d ie E ig en ­
dem klar ist, dass es immer folgt, dann ist die Eigentüm­ tümlichkeit angibt und d as Ü br ig e an fü gt . E s w ir d n äm ­
lichkeit der Fläche richtig angegeben. lich auf diese Wei se d ie E ig en tü m li ch k ei t ri ch ti g an ge ge ­
D nn, m zu bestreiten: ob er die Definition als Eigen­ ben worden sein. Z u m B ei sp ie l, w en n d er je n ig e, d er al s
.. � � n fe st se tz t d a ss er � as
t�ml �chke �t a�gege? en . hat. Es wird nämlich die Eigen­ Eigentümlichkei t d es .M en sc he [2
?1, dte Etg
� ] . entu. m­
tumltchkett ntcht rtchttg angegeben sein. Denn [1 32a] die für W is se n em pf än gl tc he L eb ew es en se
Eigentümlichkeit soll nicht das Was-es-hieß-dies-zu-sein lichkeit angibt, indem er si e in d as W as -e s- is t se tz t, da nn
anzeigen. Zum Beispiel, wenn derjenige, der sagt, es sei ist auf diese Weise d ie E ig en tü m li ch k ei t d es M en sc h en
dem Menschen eigentümlich, ein zweibeiniges Lebewesen richtig festgesetzt.
zu sein, als Eigentümlichkeit des Menschen angibt, was
das Was-es-hieß-dies-zu-sein anzeigt, dann ist die Eigen­ 4
w or d en
tümlichkeit des Menschen nicht richtig angegeben. Ob also die Eigentü m li ch k ei t ri ch ti g an ge ge be n
Um aufzustellen aber: ob zwar etwas [5] als Eigentüm­ ist oder nicht rich ti g, is t d u rc h d ie se D in ge zu pr üf en . O b
lichkeit angegeben wird, was anstelle der Sache ausgesagt aber das G es agte überh au p t ei n e E ig en tü m li ch k ei t o d er
werden kann, aber nicht das Was-es-hieß-dies-zu-sein an­ keine Eigentümlichkeit is t, is t au s F ol ge n d em zu be tr ac h­
zeigt. Es wird nämlich auf diese Weise die Eigentümlich­ ten. Denn die Topen , d u rc h d ie sc hl ec ht hi n au fg es te llt
keit richtig angegeben sein. Zum Beispiel, wenn derjenige, wird, [25] dass die E ig en tü m lic hk ei t ri ch ti g fe st ge se tz t is t,
der als Eigentümlichkeit des Menschen festsetzt dass er werden dieselben sein wie d ie je n ig en , d ie es üb er h au p t zu r
'

e1n von Natur aus zahmes Lebewesen sei, zwar als Eigen-
.

Eigentümlichkeit mache n . Ü be r d ie se so ll nu n ge sp ro ch en
tümlichkeit angibt, was anstelle der Sache ausgesagt wer­ werden.
den k�nn, aber nicht das Was-es-hieß-dies-zu-sein anzeigt, Zuerst is t nun al so , u m zu b es tr ei te n , au f je d es E in ze l-
dann 1st auf diese Weise die Eigentümlichkeit des Men­ ne, von dem die E ig en tü m li ch k ei t an ge ge be n w u rd e, zu
schen richtig angegeben. schauen, zu m B eispiel, ob si e en tw ed er k ei n em zu k om � t
[10] Dann, um zu bestreiten: ob er die Eigentümlichkeit oder nicht in der Hin si ch t w ah rh ei ts ge m äß au sg es ag t w tr d
angegeben hat, ohne sie unter das Was-es-ist gesetzt zu oder ob sie nicht je d em vo n ih n en [3 0] in d er H in si ch t ei ­
haben. Denn bei den Eigentümlichkeiten muss man, wie gentümlich ist, in d er d ie E ig en tü m lic hk ei t an ge ge be n
bei d�n Defin��ionen, als erstes die Gattung angeben, dann wurde. Denn es wird da s al s ei ge n tü m lic h F es tg es et zt e
sogletch das Ubrige hinzufügen und auf diese Weise ab­ nicht eigentümlich sein . Z u m B ei sp ie l, w en n n ic ht zu tr if ft ,
grenzen. Deshalb wird, was nicht auf diese Weise festge­ dass der G eo meter n ic h t d u rc h ei n A rg u m en t ge tä u sc h t
werden -k ann - den n d er G eo m et er tä u sc h t si ch , w en n fa l­

setzt wird, als Eigentümlichkeit nicht richtig angeben k ei n e


worden sein. Zum Beispiel, [15] wenn derjenige, der sagt, sche Figuren gezeichnet w er d en - , d an n k an n es
dem Lebewesen sei es eigentümlich, eine Seele zu haben Eigentümlichkeit des W is se n d en se in , n ic ht d ur ch ei n A r-
sie nicht unter das Was-es-ist des Lebewesens setzt, dan� gument getäuscht zu werden. -
ist die Eigentümlichkeit des Lebewesens nicht richtig fest­ U m aber aufzu st el le n : [3 5] o b si e au f je d es E in ze ln e zu
gesetzt. trifft und in der Hinsich t zu tr if ft . D en n es w ir d da s, w o-
158 Fünftes Buch [1 32a-132b] ( l 32b-133a] Fünftes Buch 1 59

von behauptet wurde, dass es nicht eigentümlich ist, ei­ nige, der angibt, d em Kör � p e m it d en � ei ns te n � ei lc he n s � i
. bj ek t al s E t­
gentümlich sein. Zum Beispiel, wenn [1 32b] es auf jeden s ei ge nt üm lic h, F eu er zu se m , ht er be t d � s Su
se _
in
Menschen zutrifft, ein für Wissen empfängliches Lebewe­ entümlichkeit des P rä di k at s an . D an n W ir d F eu er zu
sen zu sein, und zwar in der Hinsicht, dass er ein Mensch nicht die E igen tü m li ch k ei t d es K ö rp er s m it d en fe in st en
ist, dann ist >für Wissen empfängliches Lebewesen< eine Teilchen sein.
Eigentümlichkeit des Menschen. Das Su bj ek t wird ab er de sw eg en ni ch t [2 5] di e E ig � n -
Der Topos zum Bestreiten ist aber: ob von dem, wovon tümlichkeit d es se n se in , w as vo m Su bj ek t au sg es ag t W ir d,
der Name wahr ist, die Begriffsbestimmung nicht auch weil d as se lb e meh re re n u nd d er A rt n ac h ve rs ch ie de ne n
wahr ist, und ob von dem, wovon die Begriffsbestimmung igentümlich sein wird. D en n da ss el be (S u bj ek t) ha t m eh -
wahr ist, [5] der Name nicht auch wahr ist. Für das Auf­ rere und der Art nac h ve rs ch ie d en e (P rä di k at e) , di e nu r
stellen aber: ob von dem, wovon der Name, auch die Be­ von ihm ausgesagt w er d en u n d vo n w el � h en al le � d � s
griffsbestimmung, und, wovon die Begriffsbestimmung, ubjekt zur Eigen tü m li ch k ei t w ü rd e, fa lls Je m an d d te E t-
auch der Name ausgesagt wird . gentü m lic hk ei t de ra rt au fs te lle n w ü rd e.
Dann, um zu bestreiten: ob von dem, wovon der Name Um aufzustellen ab er : ob d as , w as de m Su bj ek t (z u -
ausgesagt wird, die Begriffsbestimmung nicht ausgesagt kommt), als d es se n E ig en tü m lic hk ei t an ge ge be n w or de n
wird, und ob von dem, wovon die Begriffsbestimmung ist. [30] E s wird nä m lic h da nn da s al s ni ch t ei ge nt ü m l � ch
ausgesagt wird, der Name nicht ausgesagt wird. [10] Es Festgesetzte eigentümlich se in , fa lls es nu r vo n d en D m ­
wird nämlich das als eigentümlich Festgesetzte nicht ei­ gen, als deren Eigen�m l � ch ke it es fe s ge
� � et zt w u rd e, au s­
gentümlich sein. Zum Beispiel, wenn >am Wissen teilha­ gesagt wird. Zum B et sp te l w en n de q em ge , de r sa gt , � er
bendes Lebewesen< von Gott wahr ist, >Mensch< aber Erde sei es eigentümlich, de r A rt na ch de r sc hw er st e K or ­
nicht ausgesagt wird, dann kann am Wissen teilzuhaben per zu sein, als E igentümlic hk ei t d � s Su bj ek ts an ß ib t, :v as
keine Eigentümlichkeit des Menschen sein. von der Sache alleine au sg es ag t W ir d u nd al s E ig en tu m ­
Um aufzustellen aber: ob von dem, wovon die Begriffs­ lichkeit ausgesagt wir d, da nn is t di e E ig en tü m li ch k ei t d er
bestimmung, auch der Name, und, wovon der Name aus­ Erde richtig festgesetzt worden. .
gesagt wird, auch die Begriffsbestimmung [15] ausgesagt [3 5] Dann, um zu bestre it en : o b er d ie E ig en tü n :l ic h k et t
wird. Es wird nämlich das als nicht eigentümlich Festge­ im Hinblick auf d ie Tei lh ab e an ge ge be n ha t . E s w ir d da nn
setzte eigentümlich sein. nämlich da s, was als E ig en tü m lic hk ei t fe st ge se tz t w u rd e,
Zum Beispiel, wenn von dem, wovon >eine Seele besit­ nicht eigentümlich se in . D en n w as [1 33 a] im H in bl ic k . au f
zen< wahr ist, >Lebewesen< wahr ist, und von dem, wovon die Teilhabe zu ko m m t, fä llt m it un te r da s W as -e s- hi eß ­
das Lebewesen wahr ist, eine Seele zu besitzen wahr ist, dies-zu-sein. Derartige s dü rf te ei n be st im m te r U n � er ­
dürfte das Besitzen einer Seele dem Lebewesen eigentüm­ schied sein, der vo n ei ne r be st im m te n A rt au sg es ag t W ir d .
lich sein. Zum Beispiel, w en n de rj en ig e, d er sa gt , d em M en s ch en
.
Dann, um zu bestreiten: ob er das Subjekt als Eigen­ sei es eigentümlich , zw ei be in ig zu se in , hi er be i d ie E ig en ­
tümlichkeit [20] dessen angegeben hat, was vom Subjekt tümlichkeit im H in bl ic k au f d ie T ei lh ab e an gi bt , da nn
ausgesagt wird. Es wird nämlich das als eigentümlich Fest­ wird [5] >zweibeinig< ke in e E ig en tü m lic hk ei t d es M en -
gesetzte nicht eigentümlich sein. Zum Beispiel gibt derje- schen sein.

I
160 Fünftes Buch [1 33a J [133a-133b] Fünftes Buch 161

U n : au �zustellen aber: ob die Eigentümlichkeit


.1m Hmb �1ck uf die �eilhabe angegeben wird noch das weder tümlich, bestimmten Leuten gut zu erscheinen. Denn er­
� strebenswert und wünschenswert ist dasselbe.
Was-es-hieß-dies-zu-sein klar macht, aber anstelle der Sa­ Um aufzustellen aber: ob dasselbe, sofern es dasselbe
c�e ausgesagt werden kann. Es wird dann nämlich das als ist, dieselbe Eigentümlichkeit hat. Denn es wird [30] das
m �ht . eigentümlich Festgesetzte eigentümlich sein. Zum als nicht eigentümlich Festgesetzte eigentümlich sein.
Beispiel, wenn derjenige, der als Eigentümlichkeit des Le­ Zum Beispiel, wenn es dem Menschen eigentümlich ist,
bewesens fests�tzt, �on . Natur aus Wahrnehmung zu ha­ sofern er Mensch ist, eine dreiteilige Seele zu haben, ist
�en, e � weder 1m Hmbhck auf die Teilhabe als Eigentüm­ eine dreiteilige Seele haben auch eine Eigentümlichkeit des
lichkeit noch etwas, das das Was-es-hieß-dies-zu-sein klar Sterblichen, sofern er sterblich ist. Dieser Topos ist aber
macht, [10] aber anstelle der Sache ausgesagt werden kann auch beim Akzidens nützlich. Denn denselben Dingen
angibt, dann ist >von Natur aus Wahrnehmung haben; muss, sofern sie dieselben sind, dasselbe zukommen oder
dem Lebewesen eigentümlich. nicht zukommen.
J?ann � � m zu bestreiten: ob die Eigentümlichkeit nicht [35] Um zu bestreiten: ob der Art nach identischen
gleichzeitig, sondern entweder später oder früher als der Dingen nicht immer der Art nach identische Dinge eigen­
�an:e zukommen kann. Es wird nämlich das als eigen­ tümlich sind. Denn es wird [133b] das als eigentümlich
tumlic � Fe� tgesetzte nicht eigentümlich sein, entweder nie Festgesetzte dem Genannten nicht eigentümlich sein.
oder mcht Immer. [15] Zum Beispiel, wenn es möglich ist, Zum Beispiel, wenn Mensch und Pferd der Art nach
.
��ss Jemandem >Mensch< sowohl früher als auch später als identisch sind, es aber nicht immer eine Eigentümlichkeit
>uber den Marktplatz gehend< zukommt, dann wird über des Pferdes ist, von selbst still zu stehen, dann wird es
den Mar.kplatz zu gehen keine Eigentümlichkeit des Men­ auch keine Eigentümlichkeit des Menschen sein, sich von
schen sein, entweder nie oder nicht immer. selbst zu bewegen. Denn sich von selbst zu bewegen und
l!m a_u�zustellen aber: ob sie notwendigerweise immer von selbst still zu stehen sind der Art nach identisch, [5]
gleichzeitig zukommt, ohne dabei Definition oder Unter- da sie jedem von beiden zukommen, insofern sie Lebewe­
schi �? z� sein. Es wird dann nämlich das als nicht [20] ei­ sen sind.
gentumhch Festg�setzte . eig.entümlich sein. Zum Beispiel, Um aufzustellen aber: ob der Art nach identischen Din­
v:.enn �s notwendi.�er�eise Immer zugleich zukommt, das gen immer der Art nach identische Dinge eigentümlich
fur Wissen empfangliehe Lebewesen zu sein und ein sind. Denn es wird das als nicht eigentümlich Festgesetzte
!vfensch zu sein, ohne dass es Unterschied oder Definition eigentümlich sein. Zum Beispiel, wenn es dem M�� schen
Ist, dann ist >für Wissen empfängliches Lebewesen< eine .
eigentümlich ist, >ZU Lande lebend und zweibeinig< zu
Eigentümlichkeit des Menschen . sein, ist es auch dem Vogel eigentümlich, >geflügelt und
. Dann, um z � best : eiten:. ob dieselben Dinge, sofern sie zweibeinig< zu sein. Denn jedes von diesen beiden (Paa­
dieselben [25] smd, mcht dieselbe Eigentümlichkeit haben. ren) ist [10] der Art nach identisch, sofern das eine (Paar)
I?.en� das �ls eigentümlich Festgesetzte wird nicht eigen­ aus zwei Arten derselben Gattung besteht, da es sich dabei
�mlic� sein. Zum Beispiel, wenn dem Erstrebenswerten um Lebewesen handelt, das andere aus Unterschieden ei­
mcht eigen.tümlich ist, bestimmten Leuten gut zu erschei­ ner Gattung: von Lebewesen.
nen, dann 1st es auch dem Wünschenswerten nicht eigen- Dieser Topos ist aber irreführend, sobald der eine der
1 62 Fünftes Buch [133bJ Fünftes Buch 1 63
[1 33 b- 13 4a ]
beiden genannten (Unterschiede) nur einer einzigen Art dasselbe, ein Mensch zu se in , w ie fü r ei n en w ei ß en M en ­
zukommt, der andere aber vielen, wie (der Unterschied) schen, ein weißer Mensch zu sein. , w en n
auf vier Beinen zu gehen. [35] Ferner sind d ie A b le it u n ge n zu b et r� ch � en .
[15] Da jedoch >identisch< und >verschieden< auf mehrere man sagt, dass [1 34a] der W � is s n d e w ed er d as1 em g e 1s t, d as
Weisen verwendet werden, ist es eine schwierige Aufgabe, durch kein Argument u m g es tl m m t w er d en � an n , so n d er n
es jemandem, der es sophistisch nimmt, als Eigentümlich­ derj enige, de� du�ch kein A � � rg u e t u m g es tl m m t v.:- er d en
keit von einer und nur einer bestimmten Sache anzugeben. kann noch die Wissensc h af t d as 1e n zg e, d as d u rc h k e1 n A r­
Denn was einer Sache zukommt, der es akzidentell zu­ gum�nt umgestimmt werden � k n n , so n d er n d ieje n ig e, d ie
kommt, wird auch dem Akzidens zukommen, wenn es durch kein Argument u m g es ti m m t w er d en k an n . D e n
.s1chn
mit der Sache zusammen genommen wird, deren Akzi­ gegen den, der alles M ö g li ch e ei n w en d et , m u ss m an
dens es ist. Was zum Beispiel dem Mensch zukommt, wird mit alle m M ö g li ch en zu r W eh r se tz en .
auch dem weißen Menschen [20] zukommen, sofern es ein '

weißer Mensch ist, und was dem weißen Mensch zu­ 5


kommt, wird auch dem Menschen zukommen. Es könnte [5] Dann, u m zu bestr ei te n : o b er zw ar d as v o n � at u r au s
wohl jemand die Mehrheit der Eigentümlichkeiten in Zukommende angeben w il l, es ab er d u rc h se 1n e A u s­
Zweifel ziehen, indem er behauptet, das Subjekt sei als drucksweise so festsetz t, d as s si e d as im m er Z u k o m m en d e
al s E ig en tü m li ch k el. t
solches etwas anderes als zusammen mit dem Akzidens, bezeichnet. Denn es scheint d as , w as
zum Beispiel, wenn er >Mensch< als solches zu etwas ande­ festgesetzt wurde, ins W an k en zu g er at en . Z u m B ei � p ie l,
rem als >weißer Mensch< erklärte; ferner, [25] indem er den wenn derjenige, der sa g t, d as s es d em M en sc h en el ge n ­
Besitz zu etwas anderem machte als das im Hinblick auf tümlich sei' zwei Beine zu h ab en , d as v o n N at u r au s Z u ­
diesen Besitz bezeichnete Ding. Denn was dem Besitz zu­ ko m m en d e an ge b en w il l, [1 0] si ch ab � r so au sd rü c � t, d as �
kommt, wird auch dem im Hinblick auf diesen Besitz be­ er etwas immer Zukommen d es b ez e1 ch n et , d an n 1s t zw e1
zeichneten Ding zukommen, und was dem im Hinblick Beine zu haben keine E ig en tü m li ch k ei t d es M en sc h en .
auf einen Besitz bezeichneten Ding zukommt, wird auch Denn nic h t je d er M en sc h h at zw ei B ei n e.
dem Besitz zukommen. Zum Beispiel, wenn vom Wissen­ U m aufzustellen aber : o b er d as v o n N at u r au s Z u k o m -
den gesagt wird, dass er in einem bestimmten Zustand mit mende angeben will und es au c � d u ch
; : . s in e A u s � ru � � s­
Hinblick auf das Wissen sei, dann wird es dem Wissen weise so bezeichnet. E s w ir d d ie E 1g en tu m h ch k ei t n am ­
nicht eigentümlich sein, [30] durch kein Argument umge­ lich auf diese Weise n ic h t in s W an k en g er at en . Z u m
stimmt zu werden. Denn es wird auch der Wissende durch Beispiel, wenn derjenige, d er al s E i & en tü m li ch � ei t . d es
kein Argument umzustimmen sein. Menschen [1 5] angib t, er se i d as fü r W 1s se n em p fa J?- g h ch e
Um aufzustellen, muss man aber sagen, dass das, dem es Lebewesen' auch durch se in e A u sd ru ck sw ei se d 1e v o n
akzidentell zukommt, nicht etwas. völlig anderes ist als das Natur aus zukommend e E ig en tü m li ch k ei t an ze ig en w il l,
Akzidens, wenn es mit dem Ding, dem es zukommt, zu­ dann wird auf diese Weise d ie E ig en tü m li ch k ei t d es M e? ­
sammen genommen wird, dass sie aber dennoch als etwas schen, das für Wissen em p fä n gl ic h e L eb ew es en zu se 1n ,
Verschiedenes bezeichnet werden, sofern sie auf verschie­ nicht ins Wanken geraten. ar ti. ge n
dene Weise sind. Denn es ist für einen Menschen nicht Ferner ist es eine schw ie ri ge A u fg ab e, fü r al le d er
16 4

Fünftes Buch [134a-134b] [134b] Fünftes Buch 165


Dinge, die in Bezug auf ein and eres Erstes oder selbst als [5] Wenn er nicht hi nz uf üg t, da ss es vo n N � _tu r au s zu ­
Erste ausgesagt.. w�rden? die Eigentümlichkeit anzugeben. .e1l es moghc __

h 1s t, da ss
. entümlichk kommt macht er einen F eh le r, w
[20] Wen� du namhch e1ne Eig eit für das in Be­ das vo� Natur au s Z uk o m m en de ih m n ic ht (t � ts ä � hl ic h)
zug auf e1n anderes Ausgesagte angibst, wird sie auch auf zukommt, zum Bei sp ie l ei n em M en sc he n , zw e1 B em � zu
d�s Erste zutreffe�. Wenn du sie dagegen für das Erste an­ hab en. Wenn er aber nic ht be st im m t, da ss er da s ta ts � ch ­
.
gibst, dann w1rd s1e auch von dem in Bezug auf ein ande­ (m ac ht er ei n en � eh le r) : w e l es
lich Zukommende an gi bt �
res Ausge�agten ausg�sagt w�rden . Zum Beispiel, wenn je­ sich nicht um etwas de ra rt ig es ha n de lt , da s Je n e � (t at � ac h­
m�nd ang1bt� der Flache se1 es ei. gentümlich, gefärbt zu lich) zukommt, zum B ei sp ie l � em M e � sc he n , v1 er � m g � r
se1n, dann w1rd gefärbt zu sein auch auf den Körper zu­ zu haben. [1 0] Wen n er ab er m ch t er kl ar t, da ss er em pn ­
treffe�: Wenn aber vom Körper, dann wird es auch von mär oder in Bezug au f ei n an de re s A us ge sa gt es fe � ts et zt
der Flache ausgesagt werden. [25] Daher wird für das wo­ (macht er einen F eh le r) : w ei l vo n de m , w ov on d1 e � e­
von die Begriffsbestimmung wahr ist ' nicht auch der griffsbestimmung w ah r is t, ni ch t au c � de r N a � e w ah r 1s t,
Name wahr sein. wie gefärbt sein, sei es vo n F lä ch e, se 1 es vo � K or pe r an ge ­
Es .ergibt sich jedoch bei einigen der Eigentümlichkeiten, geben, Eigentümlichkeit is : t � en n er ab er m ch t d � zu sa gt ,
dass. 1n der Regel dadurch ein Fehler entsteht, dass nicht dass er die Eigentü m lic hk � 1t m B ez u g d � ra uf an g1 bt , da s _s
b.estl��t :rur�e, auf welche Weise und welchen Dingen sie es besitzt oder besessen w 1r d (m ac h t er em en F �h le r) : � e1 l
e1�entumhch s1nd. Denn alle versuchen, die Eigentümlich­ es keine Eigentümlichkei t is t. [1 5] F al ls er nä � h ch a ?- g1 bt ,
kelt so an�ugeben, dass sie entweder von Natur aus zu­ was eigentümlich is t, in so fe rn es be se ss en w 1� d, w 1r d es
kom�t, :r1e dem Menschen, zwei Beine zu haben, [30] oder auch dem B es itzenden zu k om m en ; fa lls ab er , m so fe rn es
.
( �atsa�hhch) zukommt, wie einem bestimmten Menschen d em B es es se n en , w ie w en n al s E ig en ­
besitzt dann au ch
v1�r F1nger zu haben, oder der Art nach, wie dem Feuer die tümlichkeit des Wis se n s od er d es W is se n de n fe st ge se tz t
.
fe1nsten Te1lchen zu haben, oder schlechthin, wie dem Le­ um ge st � m m t w er de n zu kö n­
wird, durch ke in A rg um en t
bewesen d.as Leben, oder in Bezug auf ein anderes zu­ nen. Wenn er aber n ic ht zu vo r d eu th ch m ac ht , (d as s es zu ­
kommt, v:.1e �er Seele bes �nnen zu sein, oder primär, wie kommt), weil es teilh at od er a?- de es
; � � n ih te � lh at � m ac ht
dem ver.nunft1ge? Seelentell vernünftig zu sein, oder auf­ er ebenfalls einen Fehle r) : w ei l d1 e E 1g en tu m hc hk e1 t au ch
grund e1�es Besitzes desselben, wie [35] dem Wissenden, bestimmten ande re n D in ge n zu k om m en w i� d . F al ls . er s � e
durch ke1n Argument umgestimmt werden zu können - nämlich [20] angibt, w ei l an de re s an ih m te il � at , w 1r ? s1 e
denn er wird durch nichts anderes als dadurch dass er dem Teilhabenden zukom m en . F al ls ab er , w e1 l es te � lh at ,
et:ras Bestimmt�� besitzt, durch �ein Argume�t umge­ dann wird sie den D in ge n zu ko m m en , an de ne n es te ilh at .
stlmmt .werden konne? -, oder als e1nem Besitz, [1 34b] wie Zum Beispiel, wenn er L eb en al s E ig en tü m lic hk ei t ei ?- es
d�m W1ssen, durch ke1n Argument umgestimmt werden zu bestimmten L eb ew es en s od er d es L eb ew es en s an g1 bt .
konnen, oder dadu�ch, dass an ihm teilgehabt wird, wie an Wenn er aber nic ht un te rs ch ie de n ha t, da ss si e de r A rt
dem Lebewesen d1e Wahrnehmung - denn zwar nimmt nach zukommt: weil si e nu r ei n em d er un te r d ie A rt fa l­
a�ch anderes wahr, zum Beispiel der Mensch, aber dieses lenden Dinge zukommen w ir d , vo n ? er er di e E ig en � ü m ­
n1�mt w�hr, weil es bereits teilhat -, oder dadurch, dass es lichkeit festsetzt. D en n de r Su pe rl at iv k om m t nu r em em
.
te1lhat, w1e e1nem bestimmten Lebewesen das Leben. L ei ch te st e. M an ch m al m ac ht er
zu, wie dem Feuer [25] d as

,
Fünftes Buch 1 67
166 Fünftes Buch [ 13 4b-13 Sa I [ 1 3 5a]
aber auch einen Fehler dadurch, dass er >der Art nach< � d l u n a s
hi�zufügt. Es wird nämlich eine einzige Art der genannten ü m li c h k e lt a n g 1b t - � e n n d a s � .
ene Eigent , d a n n 1 S t d a s S c h ic k li c h e k e m e
Dinge geben müssen, sobald er den Zusatz >der Art nach< §chickliche sind id Edlen. e n t is c h -
macht. Das ist aber in einigen Fällen nicht so, wie zum Eigen t ü m li c h k e it d e s t z t h a t , d s
Beispiel bei Feuer. Es gibt nämlich nicht nur eine Art von f z u s t e ll e n a b e r : o b e r e � a s g e s e �
Um a u [ 1 5 ]
Feuer. Denn Glut, Flamme und Licht sind der Art nach D n n e s W l r
verschieden, obgleich jedes Feuer [30] ist. Deshalb darf die r S a c h e A u s s a g b a r e s g e s e t z t h � t . : . .
anstelle de F e s t g e s e t z t e e lg � n t u � l i c � s e u:� .
Art bei den genannten Dingen nicht verschieden sein, das als nich t e ig e n t ü m li c h i c h � e lt
n n d e r je n ig e , d e r a ls E lg e n t u n:t l
wenn er den Zusatz >der Art nach< macht, weil den einen Zum Beispiel, we e s e e l t e S u b s t a n z z u s e m , m c h t
�ehr, .den anderen aber weniger die genannte Eigentüm­ von Lebewesen fests e t z t , b d e r n
lichkeit zukommt, wie dem Feuer die feinsten Teilchen zu t ü m li c h k e it s e in e r s e l b s t f e s t s e t z t , . s o n
e t w a s a ls E i g e n . . r s e l b s t 1 S t , e r e s
ig e n t ü m li c h k e lt s e m e
haben: Denn das Licht hat feinere Teilchen als die Glut etwas das nicht E S a c h e A u s s a & b a r e s s e t z t , d a n n
und die Flamme. · aber �ls ein anstelle d e r .elt des Lebe-
Dies darf aber nicht entstehen, es sei denn, der [35] e s e e l t e S u b s t a n z < e in e E ig e n t ü m li c h k
is t >b
Name würde eher von dem ausgesagt, worauf auch die wesens. e l d e n a u s e l -
Begriffsbestimmung eher zutrifft. Wenn aber nicht dann D a n n m u s s m a n , u m z u b e s t r e it e n·

, b ·
. . � 1
. ·
[20]
d e n D in g e n p r ü f e n , o b d l e � lg e n t u � ­
wird auc� nicht von dem, worauf die Begriffsbesti�mung chen Teilen besteh e n . e il e z u t n f f t
e n g e s e t z t e n n ic � t a u � d 1e T
eher zutrifft, [135a] der Name eher zutreffen. Zusätzlich lichkeit des Zusamm
hierzu wird sich aber herausstellen, dass die Eigentüm­ a ls e lg e t u m lC
D e n n d a n n w ir � d a s �
lichkeit für dasjenige, dem sie überhaupt zukommt, und ausgesagt wird. .lich sem. Es erg.lbt slch aber,
für das, dem sie am meisten zukommt als einem unter Festgeset z t e n ic h t e ig e n t ü m .Je man� kann [25]
dem Ersteren, identisch ist, wie dem Feuer die feinsten dass d ie s b e i e in ig e n d e r F a ll i s t . D e n �
it f ü r e in a u s g le ic h e n T e i l e n b e s t e ­
Teilchen zu haben. Denn auch von Licht wird dasselbe die eine Eigentümlich k e . f d a s G a n z e
Eigentümlichkeit sein. [5] Denn das Licht hat die feinsten in g a n g e b e n , m a n c h m a l, m d e m e r a u .
hendes D
Teilchen. Wenn also ein anderer die Eigentümlichkeit so o n b e ld e lr
s i c h a u f s t e l l t . K e l? e s v rl: w_
angibt, muss sie angegriffen werden. Man selbst soll aber Ausgesagtes für . Z u m B e l s p l. e l , w e n n d e q e m g e ,
keinen (Anlass für einen) Einwand geben, sondern man aber richt ig a n g e g e b e n s e in . e .
l g e ­
muss bei der Festsetzung der Eigentümlichkeit von vorn­ a n z e b l i c k t u n d s a g t , d e m M e e r s � l e s . �
der au f d a s G s e r z u s m , e m e E i -
herein unterscheiden, auf welche Weise man die Eigen­ tümlich , d ie g r ö ß t e M e n g e a n S a lz w a s : .
tümlichkeit angibt. c h e , d le n � c t
Dann, um zu bestreiten: ob er es als Eigentümlichkeit t e h e n d e n D i n g a n g ib t , Je d o c h e m e s o l [ � 0 ]
. b e s in b e s t i m t e s M e e r 1 S t ? lc h t
seiner selbst festgesetzt hat. [10] Denn es wird das als ei­ auf den Tei l zutrif f t - d e n n e n:t . e n -
n S a lz w a s s e r , d a n n 1 S t e s m c h t E l g
gentümlich Festgesetzte nicht eigentümlich sein. Denn es die größte Menge a
selbst erklärt für sich das ganze Sein. Was aber das Sein er­ � t , z u m B e l s p l e '
klärt, ist keine Eigentümlichkeit, sondern eine Definition. n e r a b e r a u f d e n T e i l b l i c
zu sein. Wen e n t ü m li c h k e lt d e r L u f t s e t z t ,
Zum Beispiel, wenn derjenige, der sagt, die Eigentümlich- wenn derjenige, der a ls E ig

,
1 68 Fünftes Buch [135a-13Sb] [13Sb-136a] Fünftes Buch 169
atembar zu sein, von eine .
m besti ten a
len Be stehenden die Eige hk.
rn_ �s gle�chen Tei­ gentümlich ist. Denn es wird das Relative dem Relativen
a b e r angibt d i e nur a u f . ntü m lic. e t t angtbt, e m e s o l c h e nicht eigentümlich sein . Zum Beispiel, wenn einerseits das
� bestt�mte L u ft z utriff
nicht von der ganzen au . �, a b e r Doppelte in Relation zum [20] Halben ausgesagt wird, an­
:�; a dererseits aber das Übertreffende in Relation zum Über­
' n tst atemb ar zu sem mcht
Etgentümlichkeit der Luft. troffenen, es aber keine Eigentümlichkeit des Doppelten
Um aufzu stelle n aber· · . ist, zu übertreffen, dann ist es auch keine Eigentümlich­
.
[l)Sb]
keit des Halben, übertroffen zu werden.
. ·
etgentümlich ist im Hinbl utn Jian erersens aber thnen Um aufzustellen aber: ob das Relative dem Relativen ei­
'ck au f as Gan e Denn e
d a s als n i c h t e i g e n t ü m l i c h :Z · s wird gentümlich ist. Denn es wird das Relative dem Relativen
F t es 7tzte etgent mlich
��
Zum Beispiel wenn es der � sein . eigentümlich sein . Zum Beispiel, wenn einerseits das Dop­
ist, sich von Natur aus n r e I n s g e s a m t eigentümlich pelte in Relation zum Halben ausgesagt wird, andererseits
ach unten. zu bew�g e , d .
d o ch a u c h e i n e r b e s t i m m t . . � Ie s J e - [25] Zwei zu Eins in Relation zu Eins zu Zwei, es aber
en
·

eine Eigentümlichkeit des Doppelten ist, Zwei zu Eins zu


Erde, sich von Natur aus na n e I g e n tumhchkeit von sein, dann wird es auch eine Eigentümlichkeit des Halben
ch unten zu bewegen.
sein, Eins zu Zwei zu sein .
6 Drittens aber: ob dem Habitus das nach dem Habitus
Dann ist es aus den Entgeg Ausgesagte nicht eigentümlich ist. Denn es wird die Priva­
ens

aus den konträren Um e t z u ? g e n zu prüfen, zuerst tion dem nach der Privation Ausgesagten nicht eigentüm­
.. z u bestre1ten: o b das K
d em K ontraren nicht eigen · . ? ntrare lich sein . Und wenn das [30] nach der Privation Ausgesag­
tüml t c h
.

I St. J?. en� es Wird das


·
··

Konträre dem Konträren . . te der Privation nicht eigentümlich ist, wird auch das nach
dem Habitus Ausgesagte dem Habitus nicht eigentümlich
' sein . Zum Beispiel, wenn nicht gesagt wird, eine Eigen­
t. esten, es aber keine E Ig . . a s . e s t� a er dem Schiech-
entu. mlIChkeit der G erech . . tümlichkeit der Taubheit sei, Wahrnehmungslosigkeit zu
I s t , B e s t e s z u s e i n da . . . tigkeit sein, dann ist auch nicht Eigentümlichkeit des Gehörs,
d
' c ec t e s t e s z u sein Wahrnehmung zu sein.
. U m a u f z u s t e l l e n a b e r : o b das . . . Um aufzustellen aber: ob das nach dem Habitus Ausge­
sagte dem Habitus eigentümlich ist. Denn es wird auch
Kon trären ei entüm . a u c das Kon trare dem [35] das nach der Privation Ausgesagte der Privation ei­
ontrar entgegenges etz t I· s , gentümlich sein . Und wenn das nach der Privation Ausge­
·

strebenswerten aber das z � d e m Er- sagte der Privation eigentümlich ist, dann wird auch [136a]
M 'd d das nach dem Habitus Benannte dem Habitus eigentüm­
. n Ist, erstre e. nswert z u s .
Wird es auch eine Eigen ein, da�n lich sein. Zum· Beispiel, wenn das Sehen eine Eigentüm­
tümlichkeit des Schlechte
d a s s man e s m e i d e n s o l l n sem, lichkeit des Sehvermögens ist, insofern wir ein Sehvermö­
Zweitens aber aus d en gen haben, dann ist das Nicht-Sehen auch der Blindheit
relativen eigentümlich, insofern wir kein Sehvermögen haben, ob­
e ative e m Relativen n i c
h t ei- gleich wir es von Natur aus haben.

,
1 70
Fünftes Buch
[136a] Fünftes Buch 171
[5] Dann aus Bejah ung und
Verne
der Prädikate selbs t. Dieser Topos inung, zuerst aus der
streiten nützlich, zum Beispiel, ist aber nur beim Be­
das bejahend Ausgesagte ihm wenn die Bejahung oder
wird ihm nicht die Verneinung e i g e n t ü mlich ist. Denn es
nend Ausgesagte eigen tümlich und auch nicht das vernei ­
sein.
andererseits die Verneinung und Und [1 0] wenn ihm
sagte eigentümlich ist, wird ihm das verneinend Ausge­
das bejahend Ausgesagte eigen nicht die Bejah ung und
wenn es eine Eigentümlichkeit des t ü m l i c h s e in. Z u m B eispiel,
zu sein, dann ist >nich t beseel Lebew esens ist, beseel t
lichkeit des Lebewesens . t zu sein< keine Eigentüm­
Zweitens aus den Dingen, die
nicht ausgesagt werd en, [15] und ausge sagt werden oder
nen sie ausgesagt werd en oder aus den Dingen, von de­
Um zu bestreiten: ob die Bejah nicht ausgesagt werden.
gentümlich ist. Denn es wird ung nicht der Bejahung ei­
der Verneinung eigentümlich auch die Vern einung nicht
die Verneinung nicht der Vernei sein. Und wenn andererseits
dann wird auch die Bejahung nung eigentümlich ist,
tümlich sein . Zum Beispiel, wenn nicht der Bejah ung eigen ­
keit des Menschen ist, [20] ein es keine Eigentümlich­
wird Nicht -Lebewesen auch kein Lebew esen zu sein, dann
e Eigentümlichkeit von

Nicht-Mensch. Und wenn Nic


tümlichkeit von Nicht-Mensch h t - L e b e w e sen keine E i g e n ­
auch keine Eigentümlichkeit des zu sein scheint, wird es
wesen z u s e 1 n .
• Mens chen sein, ein Lebe-
Um aufzu stellen aber: ob die
lichkeit der B ejahung ist. Den Bejahu ng eine Eigentüm­
nung eine Eigentümlichkeit der n e s w i r d auch die Vernei­
wenn die Verneinung [25] eine Vernei nung sein. Und
neinung ist, dann wird auch die Eigent ümlichkeit der Ver­
lichkeit der Bejahung sein. Zum Bejah ung eine Eigentüm­
leben eine Eigentümlichkeit Beispi el, wenn nicht zu
dann ist zu leben eine Eigent von Nicht- Lebewesen ist,
Und wenn zu leben eine Eigentümliümlic hkeit von Lebewesen.
chkeit von Lebewesen

-�-
1 72
Fünftes Buch
[136b] Fünftes Buch 1 73
Beispiel, wenn es eine Eige
von Natur aus als solch e ntüml ichkeit der Klugheit ist,
lenteils zu sein, und jede die Tuge nd des vernü nftigen See­
der
Weis e aufgefasst wird, dann übrig en Tugenden auf solche
ist
keit von Besonnenheit, von es auch eine Eigentümlich­
gend des begehrenden Seele Natu r aus als solche die Tu­
nteils zu sein .
7
[15] Dann aus den Ablei
tu
Ablei tung keine Eigentüml ngen . Um zu bestreiten : ob die
es wird die Ableitung ichkeit der Ableitung ist. Denn
kein
tung seirl . Zum B eispiel, w e Eige ntümlichkeit der Ablei ­
enn
gentümlichkeit von auf >ger auf >edle< Weise keine Ei­
das >Edle< keine Eigentü echte < Weis e ist, dann ist auch
mlich
Um aufzu stellen aber: ob keit des >Gerechten<.
lichkeit der Ableitung ist. die Ablei tung eine Eigentüm ­
tung [20] eine Eigentüm Den n es wird auch die Ablei­
Beispiel, wenn es eine Eige lichk eit der Ableitung sein. Zum
ntüm
>der auf zwei Beinen Gehe lichkeit von >Mensch< ist,
M enschen< die Eigentüm nde< zu sein, wird von >dem
Gehenden< heißen. lichk eit >dem auf zwei Bein en
Nich t nur auf das als solches
auf die Ableitungen zu Gesagte selbs t ist mit Blick
scha uen,
Gegenteile, wie auch bei den sond ern auch auf dessen
den ist. Um zu bestreiten : früh eren Topen gesagt wor­
genteils kein e Eigentümlichk ob die Ableitung des Ge­
[25]
eit
teils ist. D enn es wird auch der Ablei tung des Gegen­
keine Eigentümlichkeit der die Ablei tung des Gegenteils
Zum B eispiel wenn auf Ablei tung des Gegenteils sein .
>edle <
keit von auf >gerechte< Weis Weise keine Eigentümlich­
Weis e keine Eigentümlichk e ist, dann ist auch auf >unedle<
Um aufzustellen aber: ob eit von auf >ungerech te< Weise.
,, eine Eigentümlichkeit der die Ableitung des Gegenteils
ist. Denn es wird auch die [30] Ableitung des Gegenteils
Ablei tung des Gegenteils Ablei tung des Gegenteils eine
Eigentümlichkeit von >Gut sein . Zum Beispiel, wenn es eine
es< ist, >Bes tes< zu sein, wird
es

I
1 74 Fünftes Buch
[137a] [137a-137b] Fünftes Buch 1 75
sein' [15] dann I S t es auch kei.n . . .
e
·

..

Auf dieselbe Weise [137b] ist es aber auch aus dem Wer­
sem . Wenn es dennoch eine Eige � �zog�ne Wissen zu den und Zugrundegehen zu nehmen in Bezug auf das Sein
ist� das auf das Edl e bezo ene � t u m h c hkeit d e r Klugheit und in Bezug auf tdie aus diesent, wie es auch beim Be­
Wis ·
·

streiten gesagt worden ist.


. . .
S chandlIche bezo ene Wissen. e r s e e n s e i n , das. auf das Dann ist auf die Idee des Festgesetzten zu achten. Um zu
.
bestreiten: ob es der Idee nicht zukommt oder ihr nicht auf
Fur das Aufstellen ist dieser 't0 . die Weise zukommt, [5] auf welche das ausgesagt wird, von
.
si.eht brauch bar.· D enn das sich g . p o s a ber In keiner Hin-
·

dem die Eigentümlichkeit angegeben worden ist. Denn es


.

. .
bIndet eines mit mehreren. l e i c h Verhaltende [2 0] ver- wird das als eigentümlich Festgesetzte nicht eigentümlich
D�nn um zu bestreiten: ob das . sein. Zum Beispiel, wenn es dem Menschen-Selbst nicht
vo zukommt, unveränderlich zu sein, insofern er ein Mensch
Ist. Denn es wird we o n e m Sein A u s g e s a g t e n ist, sondern, sofern er eine Idee ist, wird unveränderlich zu
sein keine Eigentümlichkeit des Menschen sein.
Um aufzustellen aber: ob es der Idee zukommt und ihr
Werden Ausgesagten Zu B I. es von dem auf die Weise zukommt, auf welche [10] jenes zukommt,
sehen nicht [25] ei e�tümf h � s p i
. e'. wenn es dem Men-
I
von dem ausgesagt wird, von dem festgesetzt wurde, es sei
ihm nicht eigentümlich . Denn es wird das als nicht eigen­
W i r tümlich Festgesetzte eigentümlich sein. Zum Beispiel,
.
de zu gehen eine Eigentümlichk . a s e ew. esen zugrun- wenn es dem Lebewesen-Selbst zukommt, aus Seele und
zugrunde zu gehen. e i t d avon sem, als Mensch Körper zusammengesetzt zu sein, und zwar, sofern es ein
Auf dieselbe Wei s e ist es aber Lebewesen ist, wird es eine Eigentümlichkeit des Lebewe­
sens sein, aus Seele und Körper zusammengesetzt zu sein.
�erden, Wie [30] es jetzt
In e z u g a u d a s S e i n u n d
a u s d em S e .
i n .
i n
8
B
·

Werden und Zugrundegehen gesagt . e z u g a u f das Dann aus dem Eher und Weniger. Erstens [15] um zu be­
Um aufzustellen aber· ob dem . . w o rd e n I S t. streiten: ob das eher (Zukommende) dem eher (Zukom­
I , menden) nicht eigentümlich ist. Denn es wird auch nicht
n�t wurde. Denn auch dem von � as I m selbst zugeord­ das weniger (Zukommende) dem weniger (Zukommen­
Wird das von dem Werden e m � erd�n �usgesagten den) eigentümlich sein und auch nicht das am wenigsten
g e en u s e s (Zukommende) dem am wenigsten (Zukommenden), aber
grundegehen Ausgesagte. Zum � �g ten das von dem Zu­ auch nicht das am ehesten (Zukommende) dem am ehes­
Beis I ten (Zukommenden) qnd nicht das schlechthin (Zukom­
zu werden . auch dem Mensch' c z u S �In, Wird sterbhch mende) dem schlechthin (Zukommenden). Zum Beispiel,
wenn es dem, was eher ein Körper ist, nicht eigentümlich
··
·
.
-

' s ensc zugrunde zu gehen. ist, eher gefärbt zu sein, wird es auch dem, was weniger
ein Körper ist, eigentümlich sein, weniger gefärbt zu sein,
1 77
1 76

Fünftes Buch
Fünftes Buch [137b-1 38a] [ 1 3 8 a]
(Zuko J?m � n-
. ns aber um zu bestreiten: ob das eher
[20] und auch nicht dem, was ein Körper ist, überhaupt Zwette
nden) [5] nicht eigen tümh c � tst .
gefärbt zu sein.
w1rd auch as g e1-
Um aufzustellen aber: ob das eher (Zukommende) dem Denn es Lebewese n
. ·
·

nn es eher dem
eher (Zukommenden) eigentümlich ist. Denn es wird auch
das weniger (Zukommende) dem weniger (Zukommen­ 1
habe n, es a er e1n e Ei-
den) eigentümlich sein, und das am wenigsten (Zukom­ n
Wisse .zu wird es auch keine
n zu h ab en,
mende) dem am wenigsten (Zukommenden), aber auch
das am meisten (Zukommende) dem am meisten (Zukom­
�stell en a er . � [10]
menden), und auch das schlechthin (Zukommende) dem Um aufz . 1St. auc h d a s Eh er dem Eher
D en n es w1r d
schlechthin (Zukommenden). Zum Beispiel, wenn es dem, gentü ml1Ch. · . .
e1sp1
.
e l ' wenn es wenig er d em
.
. .. Zum B
was eher ein Lebewesen ist, eigentümlich ist, eher Wahr­ e1gentuml1Ch. se1n. : . . von Natur aus zahm zu se1r:,
t
nehmung zu haben, ist es auch dem, was weniger [25] ein es a e r
Lebe wese n zu le en, auch
Lebewesen ist, eigentümlich, weniger Wahrnehmung zu als dem . aus za h m zu sein ' wird es
haben, und dem, was es am meisten ist, am meisten, und ·
en e1ge n
·

tüm 1c se1n ·

.
dem, was es am wenigsten ist, am wenigsten und dem, was dem Leb ewes . . ob es dem)· en1gen, dem
. estre1ten .
es schlechthin ist, schlechthin. t g
ch ts , mc
Und aus dem Schlechthin ist auf diese Dinge zu achten.
Um zu bestreiten: ob das schlechthin (Zukommende) dem
es
wird
eher
auch
eige ?-
ntc�t
tümh
de � )ent

� :
. ge d e es weniger
aber jene
eigen
m
tümli
eigent üm­
ch

ch sem. [1 5] enn es
schlechthin (Zukommenden) nicht eigentümlich ist. [30] ist' eigen tümh . m e1gen . tu. . mlich sein. Zum
. ·
·

t d1ese .
Denn es wird auch nicht das Eher dem Eher noch das We­ a
es eher er
niger dem Weniger, aber auch nicht das Am-Meisten dem
Am-Meisten und es wird auch nicht das Am-Wenigsten
Beispi . el,
tümlich 1St,
wenn
gefar
..
bt zu se1n,
. es
.
: ber der Fläch
Körpe
e nicht
r nicht
eige �
e1-
­
. 1St, . 1St . g efärbt zu se1n auch dem . .
dem Am-Wenigsten eigentümlich sein . Zum Beispiel, tüml1Ch . Fläch e eigen tüm l 1C h 1St,
. · Wenn es a b er d er . .
wenn es keine Eigentümlichkeit des Menschen ist, tüchtig gentu . rnl 1c h . eh se1n
··

e1· entu ··

m 11 ·

zu sein, ist es auch nicht dem, was eher ein Mensch ist, ei­
gentümlich, eher tüchtig zu sein.
ogl1c ' ass
Um aufzustellen aber: ob das Schlechthin dem Schlecht­ Denn es 1St unm
hin eigentümlich ist. Denn es wird auch das [35] Mehr gentümlich ist. . . ob das ' was eher eigen-
. ens ab er, u m zu b estre1ten. ·
w1r d
dem Mehr und das Weniger dem Weniger und das Am­ V1ert . . . . . 1·ch
1 ist. Denn es
. e1 entum .
Wenigsten dem Am-Wenigsten und das Am-Meisten dem
Am-Meisten eigentümlich sein. Zum Beispiel, wenn es auch das, was wem ge � et � }.Lebewesen eher
n es dem
eine Eigentümlichkeit von Feuer ist, sich von Natur aus
nach oben zu bewegen, wird es auch [138a] dem, was eher
Feuer ist, eigentümlich sein, sich eher von Natur aus nach ar
25 e1
oben zu bewegen. Auf dieselbe Weise sind alle diese Din­ bar zu se1n, W1r �
Lebewesen s se1n .
ge aus den anderen (Vergleichstermini) zu prüfen . keit des
Fünftes Buch 1 79
1 78 Fünftes Buch [138a-138b] [1 38 b]
e n s c h e n e ig e n t ü m li c h is t , z u s e ­
auf gleiche W e is e d e m M
. Um aufz�stellen aber: ob das, was weniger eigentümlich n a b e r k e in e E ig e n t ü m li c h k e it d e s
hen und zu hör e n , s e h e
1st als . es, ��ge�tün:lich ist. D�nn es wird auch das, was a u c h k e in e E ig e n t ü m li c h k e it
Menschen is t , w ir d e s [ 1 0 ]
eh�r e1gentumhch 1st als es, eigentümlich sein. Zum Bei­ n s e in z u h ö r e n .
des M e n s c h e e W e i-
spiel, wenn es dem Lebewesen weniger eigentümlich ist n a b e r : o b d a s , w a s ih m a u f g le ic h
U m aufzust e ll e n n
Wahrnehmun� zu h.aben als zu leben, Wahrnehmung z� ih m e ig e n t ü m li c h is t . E s w ir d d a
se eigentümli c h is t ,
h�ben aber e1I?-e E1� entümlichkeit des Lebewesens ist h e W e is e e ig e n t ü m li c h is t , ih m e i­
auch d a s , was a u f g le ic
w1rd es auch eme E1gentümlichkeit des Lebewesens sei� e is p ie l, w e n n e s a u f g le ic h e W e is e
gentümlich se in . Z u m B
zu leben. d e r S e e le is t , d a s z u s e in , w a s a ls
eine Eigent ü m li c h k e it
[30] Dann aus den auf gleiche Weise zukommenden u n d d a s M u t ig e a ls T e il e h a t , a ls
Erstes das Ver n ü n f t ig e
D1�gen .. Zue:.st, �m .zu be�treit�n: ob das, was auf gleiche e il z u h a b e n a b e r d e r S e e le e ig e n ­
T
.
e r s t e s das M u t ig e a ls
ih r a u c h e ig e n t ü m li c h s e in , a ls
tümlich ist , w ir d e s
em es m gle1�her �eise eigentümlich ist. Denn es wird
[ 1 5 ]
e a ls T e il z u h a b e n .
auch..da�, was. 1n gle1cher :Veise eigentümlich ist, keine Ei- Erstes d a s Vernünftig s d e m je n ig e n , d e m
b e r , u m z u b e s t r e it e n : o b e
gent�ml�ch�elt dessen se1n, dem es in gleicher Weise ei­ , Drittens a n ic h t e ig e n t ü m li c h
e is e e ig e n t ü m li c h is t ,
g�ntumhc� 1st. Zu?J- B �ispiel, wenn dem mutigen Seelen­ es auf gleiche W e m e s a u f g le ic h e
w ir d a u c h d e m je n ig e n , d
tell auf gl�.1ch� We1se e1gen�ümlich ist, mutig zu sein, wie ist. D e n n es li c h s e in . W e n n e s
t ü m li c h is t , n ic h t e ig e n t ü m
de?J- ver_nunf�.1ge� See�ente1l, vernünftig zu sein, es aber Weise eigen e s a u c h n ic h t d e m
n t ü m li c h is t , d a n n w ir d
ke1n.e E1ge�tuml�chke1t [35] des mutigen Seelenteils ist aber jenem eige p ie l, w e n n e s d e r
n t ü m li c h s e in . Z u m B e is
�ut1� zu �em, w1rd :rer�ünftig zu sein auch keine Eigen� anderen eige e e ig e n t ü m li c h is t
r G lu t a u f g le ic h e W e is
tumhchke1t des vernunft1gen Seelenteils sein. Flamme und de h t e ig e n t ü m li c h is t
e s a b e r d e r F la m m e n ic
U� a�fzu.stell�n abe:: ob das, was auf gleiche Weise ei- zu b r e n n e n , [2 e n t ü m li c h k e it d e r
E ig
]
e
0
z u brennen, d a n n w ir d e s a u c h k e in
. gentun:hch 1st� e1�e Eigentümlichkeit dessen ist dem es W e n n e s a b e r d e r F la m m e e ig e n ­
Glut sein z u br e n n e n .
auf g.le1che. We1se elßentümlich ist. Denn es wird ;uch das ir d e s d e r G lu t e ig e n t ü m li c h s e in .
tü m li c h is t , w h b a r .
�as �n gle 1cher We1se . [ 138b] eigentümlich ist, eine Eigen� ll e n is t d ie s e r T o p o s a b e r u n b r a u c
. F ü r das A u f s t e ic h
t�ml�ch�e1t dessen se1n, dem es in gleicher Weise eigen­ s ic h a b e r d e r (T o p o s ) a u s d e n s
E s untersch e id e t
tuml�ch 1st. Z�m Beis.piel,. wenn es dem vernünftigen See­ g e n v o n d e m a u s d e n a u f g le ic h e
gleich verha lt e n d e n D in
lentell auf g�.e1c�e :Veise. eigentümlich ist, das zu sein, was in g e n , w e il b e i d e m e in e n g e m ä ß
Weise zukomme n d e n D
zuerst verstand1g . 1st, w1e dem mutigen, das zu sein, was w ir d , o h n e d a r a u f z u a c h t e n ,
der Analogie g e n o m m e n 2 5 ]
-
[
zuer�t b�son�en 1st, zuerst verständig sein aber eine Ei­ h r e n d m a n b e i d e m a n d e r e n m it b e
o b etwas z u k o m m t , w ä
gentumhchke1t d� s vernünftigen Seelenteils ist, dann wird e t w a s z u k o m m t .
denkt, o b e s
es auch dem mut1gen Seelenteil eigentümlich sein' das ' was
zuerst [5] besonnen ist, zu sein.
�weitens. abe:, um zu bestreiten: ob das was ihm auf 9
o b e r, w e n n e r d ie E ig e n t ü m li c h -
Dann, u m z u b e s t r e it e n :
gl�1che We1se e1ge?-tümlich ist, nicht eigen;ümlich ist. Es a c h a n g e g e b e n h a t , s ie a u c h d e r
keit der Mö g li c h k e it n
w1rd. . da�n �uch �1cht das, was ihm auf gleiche Weise ei­ E ig e n t ü m li c h k e it e in e s N ic h t -
Möglichkeit na c h a ls d ie
gentumhch 1st, eigentümlich sein. Zum Beispiel, wenn es

,
1 80 Fünftes Buch [138b-139a] [1 39a] Fünftes Buch 181

Seienden angegeben hat, wenn die Möglichkeit dem zukommen. Zum Beispie l, w en n je m an d al s E ig en t� m li ch ­
t, d er le ic h te st e K ö rp er Z? se 1 � . [1 5]
Nicht-Seienden nicht zukommen kann. Denn es wird [30] keit von Feuer angib
das als eigentümlich Festgesetzte nicht eigentümlich sein . Wenn nämlich das Feu er z u g ru n d e g eg an g en 1s t, w 1r � es
) K ö rp er g eb en , d er am le ic h ­
Zum Beispiel, wenn derjenige, der sagt, es sei der Luft ei­ einen bestimmten (anderen
n e E ig en tü m li ch k ei t v o n F eu er is t,
gentümlich, atembar zu sein, eine Eigentümlichkeit der testen ist, so dass es kei
Möglichkeit nach angibt - denn das, was geatmet wird, ist d er le ic h te st e K ö rp er z u se in .
: o b d ie E ig en tü m li ch k ei t n ic h t im
atembar -, er aber die Eigentümlichkeit auch in Bezug auf Um aufzustellen aber
e is t. E w ir d n äm li ch au f d ie ­
Nicht-Seiendes angibt - denn auch wenn es kein solches Superlativ festgesetzt word � . � .
ch k el t r1 ch t1 g f st g e et z � se 1n Z u m
Lebewesen gäbe, das von Natur aus Luft atmet, könnte es se Weise die Eigentümli � � :
d er al s E 1g en tu m h ch k e1 t d es
Luft geben; freilich kann es unmöglich [35] das Atmen ge­ Beispiel, wenn derjenige,
v o n N at u r au s z ah m e L eb ew es en
ben, wenn es kein Lebewesen gibt, so dass es keine Eigen­ Menschen festsetzt das
zu sein die Eigenilimlichk ei t n ic h t im S u p er la ti v an g ib t,
tümlichkeit von Luft ist, atembar zu sein, sobald es kein
t ri ch -
solches Lebewesen geben wird, das atmet, dann wird kei­ [20] da�n wird auf die se W ei se d ie E ig en tü m li ch k ei
ne Eigentümlichkeit von Luft sein, atembar zu sein. tig festgesetzt.
[139a] Um aufzustellen aber: ob er, wenn er die Eigen­
tümlichkeit der Möglichkeit nach angegeben hat, sie ent­
weder in Bezug auf Seiendes oder auf Nicht-Seiendes als
Eigentümlichkeit angegeben hat, wenn die Möglichkeit
dem Nicht-Seienden zukommen kann. Denn es wird das
als eigentümlich Festgesetzte eigentümlich sein . Zum Bei­
spiel, wenn er als Eigentümlichkeit des Seienden angibt, '

[5] des Leidens und Tuns fähig zu sein, indem er eine Ei­
gentümlichkeit der Möglichkeit nach angibt, hat er die Ei­
gentümlichkeit in Bezug auf Seiendes angegeben - denn
sobald es Seiendes gibt, wird es auch des Leidens und
Tuns fähig sein -, so dass es eine Eigentümlichkeit des Sei­
enden ist, des Leidens und Tuns fähig zu sein.
Dann, um zu bestreiten: ob er die Eigentümlichkeit im
Supe�lativ aufgestellt hat. [10] Denn es wird das als eigen­
tümlich Festgesetzte nicht eigentümlich sein. Es ergibt
sich nämlich in den Fällen, in denen die Eigentümlichkeit
auf diese Weise angegeben wird, dass darauf, worauf die
Begriffsbestimmung zutrifft, der Name nicht zutrifft.
Denn selbst wenn die Sache zugrunde gegangen ist, wird
die Begriffsbestimmung um nichts weniger sein . Am meis­
ten wird es nämlich immer einem bestimmten Seienden
l 1 39b] Sechstes Buch 1 83

Sechstes Buch tlargestellten Topen über die Gattung und über die Eigen­
tümlichkeit geprüft werden.
Es bleibt aber noch zu sagen, wie man der Sache nach­
1 �ehen muss, wenn nicht definiert wurde oder wenn nicht
D ie Untersu�hun� der Definitionen hat fünf T richtig definiert wurde. Zuerst soll nun betrachtet werden,
ei le : [25]
D en n (z u zeigen Is t) entweder, d as s es als Gan ob nicht richtig definiert wurde. Es ist nämlich leichter,
zes nicht
wahr is t, die B egriffsb stimmung von dem au (die Definition) irgendwie zustande zu bringen, als sie auf
� szusagen,
worauf das Wort zutrifft - denn die Definit richtige Weise zustande zu bringen. Es ist also klar, dass
ion von
M �n sc h m u ss für alle M en sc h en wahr se in Oder bei diesem, da es schwieriger ist, mehr Fehler entstehen,
. (e s ist zu

z ei g en ), d as s es nicht in die Gattung gesetzt wu [10] daher ergibt sich der Angriff leichter bei diesem als
rde ob­
wohl es ei n e Gattung gibt, oder d as s es nicht in
die �nge­ bei jenem.
m es se n e Gattung g es et zt wurde - d en n d er D efi Es gibt aber zwei Formen, etwas nicht richtig anzuge­
n ierende
�u ss (d �s Definiendum) in die Gattung se tz en und dann ben: die eine besteht in der Verwendung unklarer Aus­
d�e �rtbtldenden Unterschiede anfügen; [30] es drucksweise - denn der Definierende muss die nach Mög­
. scheint
namhc� v�>n d�n in d er J? efinition genannten lichkeit klarste Ausdrucksweise verwenden, da [15] die
Dingen
hauptsachlich die Gattung die Substanz d es Definie Definition um des Verstehens willen angegeben wird -;
ndums
z u � ezeichnen. Oder (e s is t zu zeigen), d as s die die zweite liegt vor, wenn die Begriffsbestimmung länger
B eg riffs­
b es ti n:J?lu n g der S ac h e nicht eigentümlich ist - ist, als sie sein muss, denn alles in der Definition Hinzuge­
denn die
D efi nition m u ss eigentümlich sein, wie auch zuvo fügte ist überflüssig. Jede der genannten Formen zerfällt
r bereits
gesagt wurde. Oder (e s is t zu zeigen), d as s obwo wiederum in mehrere Teile .
hl alles
Genannte richtig g em ac h t wurde, weder d �finie
rt wurde
n o ch angegeben wurde, was es für das D efi niend 2
um hieß
d i�s zu sein. E s b le ib t n eb en d em Genannten
. . (n o ch z� Ein Topos über die Unklarheit (besteht darin, zu prüfen),
prufen), ob zwar d efi m er t wurde, ab er nicht [35] ob [20] das Gesagte mit irg�?detwas homonym ist. Zum
richtig
definiert wurde. Beispiel: >Entstehen ist der Ubergang ( ins Sein< oder >Ge­
O b es al so nicht w ah r is t, auch die B egriffsbestim
mung sundheit ist die Aus geglichenheit von Wärn:e und �älte<.
(von dem auszusagen), worauf das Wort zutrif .
ft ist mit Hier sind nämlich >Ubergang< und >Ausgeglichenheit< ho­
Hilfe � er Top en üb r d as Akzidens z u prüfen. D

dort nchtet� st. eh d t� g es am te Betrachtung auf d
: n n au ch monym. Es ist also nicht klar, welchen der verschiedenen
ie Frage, Sinne des auf m�hrere Weisen verwendeten Ausdrucks er
o b es wahr Is t oder n ic h t . [1 39 b] Im m er nämlich aussagen wollte. Auf ähnliche Weise aber (muss geprüft
wenn wir
d i�lektisch untersu h en , d as das Akzidens zut�if werden), ob er das Definiendum, wenn es auf mehrere
� � ft, sagen
Wir, dass es wahr Is t; ab er Immer wenn (wir d Weisen verwendet wird, aussagte, ohne (die Verwen­
ialektisch
u� tersuchen), d as s es n ic h t zutrifft, (s ag en wir dungsweisen) zu unterscheiden . [25] Dann ist nämlic.h un­
), d as s es
m ch t wahr 1s t. O b es ab er nicht in die angemesse klar, für welche von ihnen die Definition angegeben wur­
ne Gat­
tll:n g gesetzt wurde, o d er o b die angegebene B eg de, und es kann der Vorwurf erhoben werden, dass die
. riffsbe­
stimmung n ic h t eigentümlich is t, [5] m u ss mit H Begriffsbestimmung nicht auf alles passt, wofür die Defi-
ilfe der
184 Sechstes Buch [139b-140a] Sechstes Buch 1 85
I
[140a]
nition angegeben wurde. Vor allem kann derartiges aber Ä
weder herrscht eine hnli ch k ei t, g em äß w el ch er d as G e­
get�n werden, wenn ihm die Homonymie verborgen ist. setz ein Maß 'oder ein B il d is t, n o ch w ir d es ü b li ch er w ei se
Es 1st aber auch möglich, nachdem man selbst (als Fragen­ gesagt. Wenn er also das Ges et z b u ch st äb li ch al s � � o d .er
der) unterteilt hat, auf wie viele Weisen der in der Defini­ Bild bezeichnet sagt er et w as F al sc h es - d en n et n B tl d 1s t
tion angegebene (Ausdruck) verwendet wird, [30] eine De­ das, was [1 5] durch N ac h ah m u n g en ts te h t, d i � s k o m m t
duktion zu bilden. Wenn es nämlich für keine der Weisen aber d em Gesetz nicht zu -, w en n er es ab er n tc h t b u ch ­
hinreichend gesagt wurde, dann ist klar, dass es auf (diese) stäblich meint, dann ist off en si ch tl ic h , d as s er si ch u n k la r
Weise nicht definiert wurde. ausdrückt und schlech te r al s d u rc h ir g en d ei n e m et ap h o ri -
Ein anderer (Topos besteht darin zu prüfen), ob ein me­ e A
sch usdrucksweise.
taphorischer Ausdruck verwendet wurde, ob zum Beispiel Ferner (muss man prüfe n ), o b d ie B e � ri ff sb es ti �n:� r:u g
das Wissen als >zuverlässig< bezeichnet wurde oder die des Gegenteils aus d em G es ag te n u n k la r 1s t. D en n d te Je n � ­
Erde als >Amme< oder die Besonnenheit als >Zusammen­ gen, die (die Definitio n ) ri ch ti g an g eh �� · fü g en a ?' ch d te
klang<. Alles metaphorisch Gesagte ist nämlich unklar. [35] Gegenteile an. [20] Oder (m r_n an u ss p ru fe n ), o b . m ch t o � ­
�s ist aber .�uch möglich, demjenigen, ·der sich metapho­ fensichtlich ist wovon es - an st eh au sg es ag t - d te D efi n i­
risch ausdruckt, den Vorwurf zu machen, als habe er im tion ist, sonde;n (ob es so schw er z u er k en n en is t) w ie au f
eigentlichen Sinn gesprochen. De�n die (metaphorisch) den Bildern der Alten, w o m an au ch n ic h t er k en n en
formulierte Definition pa�st nicht, wie zum Beispiel bei könnte, was jedes davon d ar st el lt , w en n es n ic h t je m an d
der Besonnenheit. Denn Zusammenklänge gibt es nur bei dazugeschrieben hätte.
·

Tönen. Zudem, wenn Zusammenklang die Gattung der


Besonnenheit wäre, [140a] dann befände. sich dasselbe in 3
zwei Gattungen, die einander nicht enthalten. Es enthält O b sie also unklar ist, m u ss au sg eh en d v o n d er ar ti g en
nämlich weder der Zusammenklang die Tugend noch die (Verfahren) untersucht werden . O b er ab er d ie D efi n it io n
zu lang formuliert hat, ist zu er st d ar an z u p rü fe n , o b

Tugend den Zusammenklang. [2 5]


er
Ferner (muss man prüfen), ob unübliche Ausdrücke er etwas verwendet hat , w as al le m z u k o m m t, en tw ed
verwendet werden, zum Beispiel bezeichnete Platon das überhaupt allen Din g en , o d er d en je n ig en , d ie z u .d er se l � en
�uge als >brauenüberschattet< oder die Spinne als >giftbis­ Gattung gehören wie d�s D efi n ie n d u m . J? en n � 1e se s w tr d
slg< oder [5] das Mark als >knochengeboren<. Alle unübli­ notwendig für mehr\ D tn g e au sg es a �t se tn . D te G at tu n g
chen Ausdrücke sind nämlich unklar. muss es nämlich v o n d en an d er en D tn g en ab so n d er n u n d
Manches wird aber weder homonym noch metapho­ der Unterschied muss es vo n d en D in g en ab so n d er n , d ie
.risch ö re n . W as sc h le ch th in al le m � u ­
noch buchstäblich verwendet, zum Beispiel: >Das zu derselben Gattung geh le n D tn ­
Gesetz ist das Maß oder das Bild des von Natur aus Ge­ kommt, sondert es vo n ' n ic h ts ab . [3 0] W as ab er al
rechten ..<�Derartiges ist noch schlechter als die Metapher. gen zukommt, die � n te r d ie se lb e G at tu n g fa ll en , so n d er t .
.te zu derselben G attung ge­
Denn dte Metapher macht das Bezeichnete irgendwie mit es nicht von den Dtngen ab, d g en .
Hilfe [10] der Ahnlichkeit bekannt - denn alle, die Meta­ hören daher ist es sinnlo s, ei n d er ar ti g es h in z u z u fü
P.hern bilden, tun dies mit Hinblick auf eine bestimmte O d�r (es ist zu prüfen), o b d as H in z u g ef ü � te z � ar ei ­
Ahnlichkeit .:..., derartiges aber macht nichts bekannt, denn gentümlich ist, wenn diese s ab e'r ab g ez o g en w tr d , d te v er -

I

1 86 Sechstes B u ch [ 1 40a-1 40b j [140b-141a] Sechstes Buch 1 87


?leibende B e g riffsbestimmung (noch immer

.
t s t und d �e S u b s anz klar mach ) e ig e n t ü m li c h flüssigen Elementen gilt:) wenn die verbleibende Begriffs­
� t. [ 3 5 ] Z u m B e is p ie l is t in bestimmung eigentümlich ist, wird auch die gesamte
d e r ��gnffs b e ttmmung von M
�. e n s c h das hinzugefügte eigentümlich sein.
)�mpfanghch fur Wi s s e n < überfl
ü s s ig . D e n n auch wenn Schlechthin nämlich (gilt): [20] Wenn zum Etgentumlt-
. .. · .

dte s e s a b g e�oge w!rd, is t die


. �
s t im m u n g �tgentumltch und m a
verbleibende B egriffs be ­ irgendetwas beliebiges Wa�res hinzu�e�ügt wir�,
e s allgemem zu s a g e n : 1 40 b ] U � ht d ie Substanz klar. Um wird die ganze Begriffsbesttm�ung (wt�derum� ��­
. � berflüs s ig is t alles, nach ntümlich sein. Wenn aber irgendeines der Dtnge, dte In
d e s s e� Abzug dte verbletbende
. �e ( B e g riffs bestimmung) das -- Begriffsbestimmung (angegeben werden), nicht allen
.fi m e n d u m klar macht. Von d ie s e r Ar.t is t auc �
....

nitton von S e le, w e n s ie >Zah h d ie D e fi ­


·

gen zukommt, die unter dieselbe Art fallen, dann kann


� � l, die sich s e lb s t bewegt< ·

t die ganze Begriffsbestimmung eigentümlich sein. Sie


l a�ttet, d e n n dte S e e�e tst auch d
. as, was sich s e lb s t bewegt, kann nämlich nicht anstelle der Sache ausgesagt werden.
":':t e �laton s te defimerte. O d e r das G e s a g t e is t zwar e Zum Beispiel >zweibeiniges Land-Lebewesen, das vier El­
tumhch, macht aber nicht [5] die ig en­
Substanz klar, nachdem .ten groß ist<: Denn die Begriffsbestimmung v?n die� er Art
)Z a�l< abgezogen wurde. Auf w
elche von beiden Weis e n nicht anstelle der [25] · Sache aussagbar, we1l es ritcht al­
e � steh verh�lt, is t schwer auf
zuklär!!n. Alle (Fälle) von die unter dieselbe Art fallen, zukommt, vier Ellen
d te s e r �rt smd s o zu behande
. ln, w ie es vorteilhaft is t . groß zu sein.
Z u m Betsptel (sagt man), d a s s d
ie D e fi n itio n von Schleim Wiederum (ist zu prüfen), ob er dasselbe mehrmals ge­
lautet: )unverdaute Feuchtigkeit
, d ie s ic h zuerst von der sagt hat, indem er beispielsweise s �gt, dass die Begi�rde
Nahru?g absetzt<. D a s , was zue . .
rst ist, is t nämlich eines ein >Streben nach Lust< se1. Denn Jede Begterde bezteht
�nd ��c�t viele; daher is t das hinzugefügte )unver sich auf Lust, daher bezieht sich auch das, was mit der Be­
u � erflu� s tg . D e daut<
� auch [ 1 0] �e n n d ie s e s abgezogen wird, gierde identisch ist, auf Lust. Also ergibt sich als Definiti­
w�rd dte v e r� lerb n d e B egnffs
� bestimmung eigentümlich on von Begierde: [30] >auf Lust bez� genes Streben n�ch
s e m . D e n? es tst mcht möglich,
d a s s ,s ic h von der Nahrung Lust< denn es macht keinen Unterschted, ob man >Begter­
sowohl d�e s es als auch etwas an

. .
d e r Schletm tst m c h t das, was s
deres z u e r s t a b s e t z t . Oder · de< od er )Streben nach Lust< sagt, so dass jedes von beiden
ich schlechthin zuerst von auf Lust bezogen sein wird. Oder dies ist gar nicht abwe­
d e r Nahrung a b s e t z t , s o n d e r n
Unverdauten absetzt, s o d a s s
das, was ,sich zuerst vom gig, denn auch der Mensch ist �wei� eini�, dahe: ':i�d
. )u n v e r d aut< hinzugefügt auch das was mit dem Menschen tdenttsch 1st, zwetbetntg
w �rden �u s s - d e n n dte auf an
gnffsbesttmmung is t n ic h t wahr,
dere Weis e formulierte B e­ sein es i ;t aber das zweibeinige Land-Lebewesen mit dem
allem [ 1 5] zuerst absetzt.
wenn e r siCh nicht von Me�schen identisch, daher wird das zweibeinige Land-Le­
Ferner ( is t z u prüfen), o b irgend bewesen zweibeinig sein, [35] j edoch ohne dass sich daraus
eines der D in g e die in etwas Abwegiges ergäbe. Denn es wird nicht von La�d­
d �r B eg�iffs b e s t im m u n g (angeg
eben werden), nicht allen Lebewesen >Zweibeinig< prädiziert - so würde nämltch
Dmge? zukommt, d ie u n t e r d ie
s e lb e Art fallen. D e n n e in e von demselben >zweibeinig< zweimal prädiziert -, sondern
d�rart�g e ( B griffs b e s t im m u n
. � g ) definiert schlechter als es wird von zweibeinigem Land-Lebewesen [141a] >Zwei­
dteJemgen, dte etwas verwenden
, das allen s e ie n d e n D in ­ beinig< ausgesag�� so dass >zweibei?ig< lediglich ei�mal
g e n zukommt. D e n n b e i d ie s
e n ( D e fi n itionen mit . über- prädiziert wird. Ahnlieh verhält es steh aber auch be1 der
• •

.,
188 Sechstes Buch [141a] [141a-141b] \
Sechstes Buch 1 89
Begierde: Denn es wird nicht vom Streben prädiziert, dass [25] oder nich t, m us s au sg eh en d vo n de n fo lg en de n (V er -
es auf Lu st bezogen ist, sondern von allem zusammen, so fahren) geprüft werden. . .
? ass auch . hier die Prä?ikation (nur) einmal erfolgt. [5] Es Zuerst (ist zu pr üf en ), ob er es ve rs äu m t � at , d1 e D e � m -
1st aber n1cpts Abwegtges, dasselbe Wort zweimal auszu­ tion du rc h Fr üh er es un d Be ka nn te re s zu bt �d en . D a na m ­
sprechen, sondern (abwegig ist), dasselbe J;llehrmals von lich die D efini tio n an ge ge be n w ird , um da s � e � ag te zu
etwas auszusagen, wie Xenokrates sagt, dass >die Klugheit erkennen, w ir ab er ni ch t au sg eh en d vo n Be he bt ge rn er ­
(die Fähigkeit), das Seiende zu definieren und zu betrach­ kenn en , so nd er n au sg eh en d vo n de m . Fr üh er en un d Be -
ten< sei. Da s Definieren(-Können) ist nämlich eine Art kannteren w ie au ch in de n [3 0] Be w ei se n - de nn so ve r­
von Betrachten( -Können), daher sagt er zweimal dasselbe, hält es sic h au ch be i je de r Be le hr un g un d je de m Le rn en -:-'
wenn er >und betrachtet< noch ei�mal hinzufügt. Ähnlich ist offensichtli ch , da ss de rje ni ge , de r ni ch t du rc h de ra rt i­
verhält es sich aber auch [10] bei denjenigen, die sagen, ges (Frü he re un d B ek an nt er e) de fin ie rt e, (ü be rh a �p t)
dass >die Erkältung die Privation der natürlichen Wärme< nicht definierte. A nd er nf all s m üs st e es m eh re re D efi ni tio ­
sei; denn jede Privation ist (die Wegnahme) dessen, was nen desse lb en ge be n. Es ist nä m lic h kl ar, da ss de rje ni � e,
von Natur zukommt, so dass es überflüssig ist, >natürlich< der (die Definitio n ) du rc h � rü he re s ll; � d Be ka n �� er es (b 1l­
(�u >Wärme<) hinzuzufügen, stattdessen ist es ausreichend, dete), bess er de fim er te ; be 1d e (D efi m tw ne n)
.1st es aber anschemend m us st e ?- da ­
s1e als >Privation der Wärme< zu bezeichnen, da >Privation< her Definitionen desselben sein. So
von selbst deutlich macht, dass von d�r natürlichen (Wär­ nicht, [35] de nn fü r jed es de r Se ien de n gi bt es (g en au ) ein e
me) die Rede ist. (Form da s) zu se in w as es ist . D ah er w är e, w en n es m eh ­
[15 ] Wiederum (ist zu prüfen), ob das allgemein Ausge­ rere Definitio ne n d � ss el be n ge be n so llt e, da s Se in de s D e­
sagte auch partikulär hinzugefügt wurde, ob beispielswei­ finiendu m s id en tis ch m it de m , w as jed e de r be id en D efi ni -
s � gesagt wurde, dass das, was recht und billig ist, >eine tionen dazu ei- kl är te . D ie se s ist je do ch [1 41 b] ni ch t je w ei ls
eingeschränkte Form des Nützlichen und Gerechten< ist; dasselbe da di e D efi ni tio ne n ve rs ch ie de n sin d. E s ist al so
denn das Gerechte ist etwas Nützliches, daher ist es in klar, da ; s de rje ni ge ni ch t de fin ier te , de r ni ch t du rc h Fr ü-
dem Nützlichen enthalten. Al so, ,�st >und Gerechten< (hin­ heres und Bekannteres definierte. .
zuzufügen) überflüssig, denn (damit) wurde es zu dem all­ Es kann auf zw ei W eis en au fg ef as st w er de n, da ss d1 e
gemein Ausgesagten auch partikulär hinzugefügt. Und Definition ni ch t du rc h Be ka nn te re s fo rm ul ier t w ur de ,
(ebenso v.erhält es sich), wenn jemand die Heilkunst als (man ve rs te ht da ru nt er ) nä m lic h, da ss vo
. n D � ng en au sg ,e­
>die Wissenschaft yon der Gesundheit [20] der Lebewesen gangen wurde , di e en t w ed er sc hl ec h � hm w em ge r � ek an ? t
und der Menschen< definiert oder das Gesetz als >das Bild s w em . ge r be ka nn t sm d. D en n be 1d es 1st
· oder [5 ] fü r un
des von Natur aus Edlen und Gerechten< - denn das Ge - möglich. Schlec ht hi n ist al so da s Fr üh � .re b e � an nt er a � s d � s
rec hte ist ·etw as Ed les , daher sagt er mehrmals dasselbe. P nk t al s d1 e L1 1e un d � 1e L1 - ,
' Spätere, zu m Be isp ie l d r
� �. ?.-
nie al s di e Fl äc he un d d1 e Fl ac he al s de r K or pe r, w 1e au ch
4 "'

die Eins (sc hl ec ht hi n be ka nn te r ist ) al s di e Za �� , de ? n � ie


Ob also. richtig oder Il:icht richtig (definiert wp�de), ist ist früh er al s al le Za hl en un d ist ih r Pr in zi p. A hn l1c h 1st
durch diese und derartige (Verfahren) zu prüfen. Ob er aber auch de r Bu ch st ab e (fr üh er ) al s di e Si lb e. Fü r un s [1 0]
aber definierte und da s Was-es-hieß-dies-zu-sein angab verhäl t es sic h je do ch ge leg en tli ch um ge ke hr t, am m ei st en

'

f
1 90 Sechstes Buch [141b] [141b-142a] Sechstes Buch 191
'

fällt nämlich der Körper unter die Wahrnehmung, die Flä­ derartige Definitionen der Wahrheit entsprechen, [35] die
I

che mehr als die Linie, die Linie aber mehr als der Punkt. aus dem gebildet sind, was für den jeweils Einzelnen be­
Der Menge sind nämlich derartige (augenfällige) Dinge kannter ist, sagen müssen, dass es mehrere Definitionen
zuvor bekannt, denn diese können von jedem gewöhnli­ desselben gibt. Den n für verschiedene (Menschen) sind
chen Verstand begriffen werden, jene (schlechthin be­ verschiedene Dinge bekannter und nicht für alle (Men­
kannteren) Dinge aber sind (nur) einem genauen und au­ schen) dieselben, daher müsste für jeden Einzelnen [142a]
ßergewöhnlichen Verstand zugänglich. eine andere Defi nition angegeben werden, da es dann nö­
[15] Schlechthin ist es also besser zu versuchen, das Spä­ tig wäre, die Definition aus dem zu bilden, was für den je­
tere durch das Frühere bekannt zu machen, denn dies ist weils Einzelnen bekannter ist. Ferner sind für dieselben
die wissenschaftliebere Vorgehensweise. Allerdings ist es (Menschen) zu verschiedenen Zeiten andere Dinge in hö­

g�genüber denjenigen, die durch derartiges (Frühere) herem Maß.e bekannt: Am Anfang sind es die sinnlich
ntcht zu erkennen vermögen, vielleicht notwendig, die Be­ wahrnehmbaren Dinge, wenn sie es aber genauer nehmen,
griffsbestimmung durch das zu bilden, was ihnen bekann- verhält es sich umgekehrt, so dass [5] diejenigen, die be­
ter 1st. haupten, dass die Defi nition durch die für den jeweils Ein­

Zu den Definitionen von dieser Art gehören sowohl die zelnen bekannteren Dinge anzugeben ist, für denselben
'

des [20] Punktes als auch die der Linie sowie die der Flä­ (Menschen) nicht immer dieselbe Definition anzugeben
che, alle erklären nämlich das (schlechthin) Frühere durch hätten. Es ist also klar, dass man nicht durch derartige
das Spätere, denn sie sagen, dass (der Punkt) die Grenze Dinge definieren soll, sondern durch die schlechthin be­
der Linie sei, (die Linie) die der Fläche, (die Fläche) die kannteren. Denn nur auf diese Weise dürfte immer eine
des Körpers. Man darf. aber nicht vergessen, dass diejeni­ und dieselbe Definition zustande kommen. Vielleicht ist
gen, die auf diese Wei se definieren, nicht erklären können, aber auch das schlechthin Bekanntere nicht für alle, [10]
'

was es für das Definiendum hieß, dies zu sein, es sei denn, sondern für diejenigen, die über einen guten Verstand ver­
dass zufällig dasselbe sowohl für uns [25] als auch fügen, bekannter; wie auch das schlechthin Gesu�de für
schlechthin bekannter ist, denn derj enige, der auf richtige diejenigen, die einen guten Körper haben (ges·und Ist). Je­
�eise definiert, definiert durch die Gattung und den (art­ des derartige muss also genau angegeben, in der dialekti­
bildenden) Unterschied, diese gehören aber zu den Din­ schen Diskussion aber so verwendet werden, wie es nütz­
gen, die bekannter un� früher als die Art sind. Denn die lich ist. Mit der größten Übereinstimmung kann die Defi ­
Gattung und der Unterschied heben die Art auf, daher nition aufgehoben werden, falls die Begriffsbestimmung
V sind diese früher als die Art. Sie sind aber auch bekannter; weder aus den schlechthin [15] bekannteren noch aus den
[30] de�n, wen� die Art bekannt ist, dann sind notwendig für uns bekannteren Dingen gebildet wurde.
, auch die Gattung und · der Unterschied bekannt - wer Eine Wei se, nicht durch das Bekanntere (zu definieren),

nämlich weiß, was ein Me nsc h ist, der weiß auch, was ein besteht also darin, das Frühere durch das Spätere zu erklä­
Lebewesen i�t und was zweibeinig ist -, wenn aber die ren, wie wir zuvor sagten. Eine andere (liegt vor), wenn
Gattung und der Unterschied bekannt sind, ist nicht not ­ uns die Begriffs bestimmung für das, was im Rahezustand
wendig auch die Art b·ekannt, daher ist die Art weniger und bestimmt ist, durch das angegeben wird, was unbe­
bekannt. Ferner werden diejenigen, die behaupten, das s stimmt und [20] in Bewegung ist. Denn das Bleibende und

,

192 Sechstes Buch [142a-142b] [142b] Sechstes Buch 1 93


B estimmte ist früher als das, was unbestimmt und in Be- Das Ungerade und das Gerade [10] sind abgeteilt, denn
wegung 1st.

beide sind Unterschiede der Zahl.


Es gibt aber drei Weisen, (die Definition) nicht aus dem Ähnlich verhält es sich aber auch, wenn das Übergeord­
Früheren (zu bilden): Erstens, wenn das Gegenteil durch nete durch. das Untergeordnete definiert wird, zum Bei­
das Gegenteil definiert wird, beispielsweise >gut< durch spiel, wenn das Gerade als >Zahl, die halbiert werden
>schlecht<. Die Gegenteile sind nämlich von Natur zu­ kann< definiert wurd·e oder das Gute als >Zustand der Tu­
gleich. Einige glauben, dass sich dasselbe Wissen auf beide gend<. Denn das Halbe ist von der Zwei abgeleitet, die ge­
(Gegenteile) bezieht, so dass [25] das eine auch nicht be­ rade ist, und die Tugend ist etwas Gutes, so dass diese [15]
kannter als das andere ist. Man darf aber nicht vergessen, jenen untergeordnet sind . Ferner ist es notwendig, dass
dass manche Dinge vielleicht nicht auf andere Weise defi­ derjenige, der das Untergeordnete verwendet, auch (das
niert werden können, wie zum Beispiel das Doppelte ohne Übergeordnete) selbst verwendet. Wer nämlich >Tugend<
das Halbe (nicht zu definieren ist), und alle, die an sich im verwendet, verwendet auch >gut<, da die Tugend etwas
Verhältnis ZU etwas ausgesagt werden. Denn bei allen der­ Gutes ist, ähnlich verwendet aber auch derjenige, der
artigen Dingen ist das Sein damit identisch, sich auf eine >halb< verwendet, >gerade<, da >halbieren< bedeutet: >durch
bestimmte Weise zu etwas zu verhalten, so dass [30] es un­ zwei teilen< und die Zwei gerade ist.
möglich ist, das eine ohne das andere zu kennen. Eben
deshalb ist es notwendig, in der Begriffsbestimmung des 5
einen auch das andere mit zu umfassen. Kennen muss man [20] Allgemein ausgedrückt ist es also ein Topos (zu prü­
alle derartigen Dinge, verwenden muss man sie aber so, fen), ob versäumt wurde, die Begriffsbestimmung durch
wie es nützlich zu sein scheint. Früheres und Bekannteres zu bilden, die Teile davon sind
Eine andere: wenn das Definiendum selbst verwendet die genannten (Verfahren). Ein zweiter aber, ob versäumt
wurde. Dies bleibt verborgen, [35] wenn vom Definien­ wurde, die Sache in die Gattung zu setzen, obwohl sie in
dum nicht das Wort selbst verwendet wird, zum Beispiel, einer Gattung ist. Ein derartiger Fehler findet sich in allen
wenn [142b] die Sonne als >Stern, der am Tag leuchtet< de­ (Definitionen), in denen das Was-es-ist nicht an den An­
finiert wird. Denn wer >Tag< verwendet, verwendet >Son­ fang der Begriffsbestimmung gesetzt wurde, beispielswei­
'
ne<. M an muss aber, um derartige (Fehler) ausfindig zu se in der Definition des Körpers [25] als >das, was drei Di­
machen, das Wort durch die Begriffsbestimmung erset- mensionen hat< oder wenn jemand den Menschen als >das,
'
.J zen, zum Beispiel den Tag als >Bewegung der Sonne über was zu zählen weiß< defini�rte. Es wurde nämlich nicht
der Erde< bestimmen. Es ist nämlich klar, dass derjenige, gesagt, was es ist, was drei Dimensionen hat, oder was es
v

der >Bewegung der Sonne über [5] der Erde< sagt, >Sonne< ist, was. zu zählen weiß. Die Gattung hingegen will das
gesagt hat, so dass >Sonne< verwendet, wer >Tag< verwen­ Was-es-ist bezeichnen und wird,v on den in der Definition
dete. ausgesagten Dingen zuerst festgesetzt. ·

Wiederum: wenn mit_ dem Abgeteilten das Abgeteilte [30] Ferner (ist zu prüfen)� ob,' wenn das Definiendum in
de-finiert wurde, zum Beispiel das Ungerade als >das um Bezug zu mehreren Dingen steht, versäumt wurde, es im
eins größere Gerade<. Di� Dinge, die aus derse�bep. Gat­ Bezug zu allen anzugeben, ob zum Beispiel die grammati­
tung abgeteilt wurden, sind nämlich von Natur. zugleich. ke [>Fä�igkeit des Lesens und. Schreibens<] als >nach Diktat
·

,(
. .

,
194 Sechstes Buch [142b-143a] [143a-143b] Sechstes Buch 195
zu schreiben wissen< definiert wurde, denn außerdem ist stanz jeder Sache hängt mit der Gattung zusammen. Es ist

noch das Lesen nötig. Derjenige nämlich, der (nur) das dieses aber dasselbe wie (der Fehler), es nicht in die [20]
Schreiben angibt, definiert um nichts . besser als derjenige, Gattung. zu setzen, die am nächsten liegt. Wer es nämlich
der (nur) das Lesen angibt, so dass sie von keinem der bei­ in die nächstgelegene setzt, hat alle übergeordneten (Gat­
den (definiert wird), sondern von demjenigen, der beides tungen) ausgesagt, da alle übergeordneten Gattungen von
sagt, [35] da es unmöglich ist, dass es mehrere Definitionen den untergeordneten prädiziert werden. Daher ist es in die
desselben gibt. In einigen Fällen [143a] verhält es sich nächstgelegene Gattung zu setzen oder zu der übergeord­
wahrheitsgemäß so, wie gesagt wurde, bei einigen aber neten Gattung müssen alle (artbildenden) Unterschiede
hinzugefügt werden, durch welche die nächstgelegene
,

nicht, beispielsweise in den Fällen, wo etwas nicht an sich


mit Bezug auf beides ausgesagt wird, wie (man sagt, dass) Gattung defininiert ist, denn auf diese Weise dürfte nichts
die Heilkunst Gesundheit und Krankheit hervorbringt. [25] ausgelassen werden, sondern anstelle des Wortes dürf­
Das eine wird nämlich an sich ausgesagt, das andere akzi­ te mit der Begriffsbestimmung die untergeordnete Gat­
dentell. Denn [5] es ist der Heilkunst schlechthin fremd, tung ausgesagt werden. Wer aber nur die übergeordnete
Krankheit hervorzubringen. Daher ist (in diesem Fall) die Gattung aussagt, sagt nicht auch die untergeordnete Gat­
mit Bezug auf beides angegebene Definition um nichts tung aus. Wer nämlich >Pflanze< sagt, sagt nicht >Baum<.
'
besser als diejenige, die sich nur auf das eine bezieht, son­ •

dern vielleicht ist sie sogar schlechter, denn es ist auch je­ 6
der beliebige andere fähig, Krankheit hervorzubringen. Wiederum ist auf ähnliche Weise bei den Unterschieden
Ferner (ist zu prüfen), ob (die Definition) mit Bezug auf zu prüfen, ob er auch die [30] Unterschiede der Gattung
das Schlechtere statt mit Bezug auf das Bessere [10] ange­ aussagte. Wenn er nämlich nicht durch die der Sache ei­
geben wurde, wenn es mehrere Dinge sind, mit Bezug auf gentümlichen Unterschiede definierte, oder auch über­
welche das Definiendum ausgesagt wird. Es scheint sich haupt etwas derartiges sagte, was von nichts der Unter�
nämlich jedes W�ssen und j ede Fähigkeit auf das Beste zu schied sein kann, zum Beispiel >Lebewesen< oder >Sub­
beziehen. stanz<, ist klar, dass er nicht definierte; denn von nichts
Wiederum muss man prüfen, ob versäumt wurde, das sind die genannten Dinge Unterschiede. Man muss aber
Gesagte in die angemessene Gattung zu setzen, indem auch schauen, ob es etwas vom genannten Unterschied
man von den über die Gattung aufgestellten Elementen Abgeteiltes gibt. [35] Wenn es dies nämlich nicht gibt,
·ausgeht, wie früher gesagt wurde. dann ist klar, dass das Genannte nicht der Unterschied der
[15] Ferner (ist zu· prüfen), ob er in der Formulierung Gattung sein dürfte. Denn jede Gattung wird in voneinan­
die Gattungen überschreitet, indem er zum Beispiel sagt, der abgeteilte Unterschiede [143b] zerlegt, wie das Lebe­
die Gerechtigkeit sei >ein Zustand, der Gleichheit hervor­ wesen in das >auf dem Land lebende< und das >geflügelte<
·

bringt< oder >das Gleiche verteilt<; wer auf diese Weise die und das >im Wasser lebende< (zerlegt wird). Oder (es ist zu
Gerechtigkeit definiert, geht über die (Grenzen der) Tu- prüfen), ob es einen abgeteilten Unterschied gibt, aber von
gend hinaus. , der Gattung nicht wahrheitsgemäß ausgesagt wird. Denn
Indem er die Gattung der Gerechtigkeit weglässt, gibt es ist klar, dass keiner der beiden ein Unterschied der Gat­
er nicht an, was es für sie heißt, dies zu sein, denn die Sub- tung sein dürfte, es werden nämlich alle [5] abgeteilten


,
1 96 Sechstes Buch [143b] [143b-144a] Sechstes Buch 1 97

Unterschiede wahrheitsgemäß von der angemessenen Gat­ Daher ist der [30] Topos nur gegep. diejenigen nützlich,
tung ausgesagt. Auf ähnliche Weise (muss) aber auch (ge­ die sagen, dass jede Gattung der Zahl nach eine sei. Dieses
prüft werden), ob er zwar wahrheitsgemäß ausgesagt tun aber diejenigen, welche die (Existenz der) Ideen be­
�ird, aber keine Art bildet, wenn e� zur Gattung hinzuge­ haupten; sie sagen nämlich, dass >die Länge selbst< oder ·
• fügt\.wird. Denn es ist klar, dass dieser nicht der artbilden­ >das Lebewesert selbst< Gattungen sind .
de Unterschied der Gattung sein dürfte. Denn jeder artbil­ Vielleicht ist es aber in einigen Fällen notwendig, dass
dende · Unterschied bildet zusammen mit der Gattung eine der Definie·rende die Verneinung verwendet, zum Beispiel
Art. Wenn es selbst aber kein Unterschied ist, [10] dann ist bei den Privationen; denn blind ist, >wer [35] .kein Sehver­
auch das Gehannte kein Unterschied, da dieses (von je­ mögen besitzt und es von Natur aus besitzen .m-üsste<. Es
nem) abgeteilt ist. besteht aber kein Unterschied zwischen dem Zerlegen der
Ferner (ist zu prüfen), ob er die Gattung durch Vernei­ Gattung durch Verneinung und [144a] dem Abteilen durch
nung zerlegt, wie qi�jenigen, welche die Linie als >Länge eine solche Bejahung, bei der die Verneinung notwenqig
ohne Breite< definieren,• denn damit ist nur bezeichnet, abgeteilt ist, beispielsweise, wenn (die Fläche als) >Länge,
dass sie keine Breite hat. Es wird sich also ergeben, dass die eine Breite pat< definiert wurde; >eine Breite haben< ist
\ die .� Gattung an der Art teilhat, denn jede Länge hat . ent­ nämlich von >ke�..ne Breite haben< abgeteilt, aber von nichts
weder keine Breite oder sie hat eine J3reite, [15] da bei al­ anderem, so dass wiederum die Gattu�g durch eine Ver­
lem entweder die Bejahung oder die Verneinung wahr ist, neinung zerlegt ist.
so dass auch die Gattung der Linie, nämlich >Länge<, ent­ [5] Wiederum (ist zu prüfen), ob er die Art als Unter- .
weder keine Breite oder eine Breite haben wird. >Länge schied angegeben hat, wie es diejenigen tun, welche äie
ohne Breite< ist aber die Begriffsbestimmung der Art, ge­ Schmähung als >Vermessenheit in Verbindung mit Hohn<
nauso aber auch >Länge mit Breite<, denn >ohne Breite< definieren; d�er Hohn ist nämlich eine Art von Vermessen­
und >mit Breite< sind · Unterschiede; [20] die . Begriffsbe­ heit, so dass der Hohn kein Unterschied, sondern eine A�t
stimmung der Art besteht aber aus dem Unterschied und 1St.

der Gattung, so dass die Gattung wohl die Begriffsbestim-


.,
Ferner (ist zu prüfen), ob er die Gattung als Unter- ,
mung der Art zulässt. Ahnlieh verhält es sich aber auch schied genannt hat, beispielsweise die Tugend [10] als
mit der (Begriffsbestimmung) des Unterschiedes, da einer >Haltung, die gut und rechtschaffen ist< (definiert hat); das
,
der beiden genannten Unterschiede notwendig von der Gute ist nämlich die Gattung der Tugend.' Oder das Gute
Gattung prädiziert. wird. Der genannte Topos ist nützlich ist keine Gattung, sondern ein Unterschied, wenn es näm­
gegenüber denjenigen, die behaupten, dass es Ideen gebe. lich wahr ist, dass sich dasselbe nicht in zwei Gattungen
Wenn es nämlich [25] >die Länge selbst< gibt, wie wird befinden kann, von denen keine die andere enthält�. Denn
' ·
v flann von der Gattung ,prädiziert werden, dass es sie ohne weder enthält das Gute die Haltung noch enthält die Hal­
Breite oder mit Breite gibt? Es müsste nämlich von allen tung das Gute. Nicht jede Haltung ist nämlich · gut, und
.
Längen ·(lediglich) einer der beiden (Unterschiede) wahr nicht alles, was gut ist, [15] ist eine Haltung, so dass nicht
sein, wenn es überhaupt von · der Gattung wahr sein soll. beide Gattungen sein dürften. Wenn die Haltung also die
'
Dies ist aber nicht der Fall, es gibt nämlich sowohl Län­ Gattung der Tugend sein sollte, ist das· Gute offensichtlich
gen ohne Breite� als auch Längen mit Breite. · keine· Gattung, sondern vielmehr ein Unterschied. Ferner ?
(
.

'


)

t
1 98 Sechstes Buch [144a-144b] [144b] Sechstes Buch 1 99
bezeichnet >Haltung< zwar das, was die Tugend ist, >gut< vom Unterschied prädiziert wurden; es ist nämlich un­
bezeichnet aber nicht das Was-es-ist, sondern eine Quali­ möglich, da der Unterschied über mehr ausgesagt wird als
tät. Man glaubt aber, dass der Unterschied eine Qualität die Arten. Ferner wird folgen, dass der Unterschied eine
bezeichnet. Art ist, wenn von ihm wirklich irgendeine der Arten prä­
[20] Man muss aber schauen, ob der angegebene Unter­ diziert wird. Wenn nämlich >Mensch< prädiziert werden
schied statt einer Qualität ein Dies-da bezeichnet; denn wird, ist der Unterschied offensichtlich >Mensch<. Wieder- .
man glaubt, dass jeder Unterschied eine Qualität klar um (liegt ein Fehler vor), wenn der Unterschied nicht frü­
macht. her [10] als die Art ist, denn der Unterschied soll zwar
Man muss aber auch prüfen, ob der Unterschied dem später als die Gattung, aber früher als die Art sein.
Definiendum (nur) akzidentell zukommt. Kein einziger Es ist aber auch zu prüfen, ob der genannte Unterschied
(artbildender) Unterschied gehört nämlich zu den [25] ak­ zu einer anderen Gattung gehört, die weder (in der fragli­
zidentell zukommenden Dingen, ebensowenig wie die chen Gattung) enthalten ist noch (diese) enthält. Denn an­
Gattung; denn es ist nicht möglich, dass der (artbildende) scheinend gehört derselbe Unterschied nicht zu zwei Gat­
Unterschied etwas zukommt und nicht zukommt. tungen, von denen keine die andere enthält. Andernfalls
Ferner, wenn von der Gattung der Unterschied prädi­ [15] wird aber folgen, dass auch dieselbe Art zu zwei Gat­
ziert wurde oder die Art oder irgendeines der Dinge, die tungen gehört, von denen keine die andere enthält . Jeder
unter die Art fallen, dann dürfte sie nicht definiert worden der Unterschiede bringt nämlich seine eigene Gattung mit
sein. Denn keines [30] der genannten Dinge kann von der sich, wie >sich zu Lande bewegend< und >zweibeinig< (je­
Gattung prädiziert werden, da von allen Dingen die Gat­ weils) >Lebewesen< mit sich bringen. Daher (müsste gel­
tung über die meisten ausgesagt wird. Wiederum (ist zu ten): Wovon der Unterschied (ausgesagt werden kann),
prüfen), ob die Gattung vom Unterschied prädiziert wur­ (kann) auch jede der beiden Gattungen (ausgesagt wer­
de; denn die Gattung wird anscheinend nicht von dem den), es ist also klar, dass die Art in zwei Gattungen
Unterschied prädiziert, sondern von den Dingen, von de­ (steht), von denen keine [20] die andere enthält. Oder es
nen der Unterschied (prädiziert wird), zum Beispiel wird ist nicht unmöglich, dass derselbe Unterschied zu zwei
>Lebewesen< vom Menschen und vom Rind und von den Gattungen gehört, von denen keine die andere enthält,
anderen [35] Landlebewesen (prädiziert), nicht vom Un­ sondern es muss hinzugefügt werden, (dass es unmöglich
terschied selbst, der von der Art ausgesagt wird. Wenn ist,) wenn nicht beide (Gattungen) derselben (höheren
nämlich von jedem der Unterschiede >Lebewesen< prädi­ Gattung) untergeordnet sind . >Sich zu Lande bewegendes
ziert würde, müssten wohl viele Lebewesen von der Art Lebewesen< und >fliegendes Lebewesen< sind nämlich Gat­
prädiziert werden; [144b] denn die Unterschiede werden tungen, von denen keine die andere enthält, und in beiden
von der Art prädiziert. Ferner werden die Unterschiede Fällen ist >zweibeinig< ein (artbildender) Unterschied. Da­
alle entweder Arten oder Einzeldinge sein, wenn es sich her muss hinzugefügt werden, dass nicht [25] beide dersel­
um Lebewesen handelt. Jedes der Lebewesen ist nämlich ben untergeordnet sind, denn diese beiden sind >Lebewe­
entweder eine Art oder ein Einzelding. sen< untergeordnet. Es ist aber auch klar, dass der Unter­
Auf ähnliche Weise ist aber auch zu prüfen, ob die Art schied nicht die eigene Gattung im Ganzen mit sich
oder [5] irgendeines der Dinge, die unter die Art fallen, bringt, da es möglich ist, dass derselbe (Unterschied) zu
'
' -

[145a] Sechstes Buch 201


200 Sechstes Buch [144b-145a]
I

angegeben hat, ha � er ei ne n Fe hl er ge m ac ht , de nn hi n-
'

zwei Gattungen gehört, von denen keine die andere ent­


sichtlic h de r U nt er sc hi ed e än de rn w ir un s üb er ha up t
hält, sondern notwendig nur das eine oder andere mit sich
bringt u?-d d�e (Gattungen), die dieser (eigenen) überge­ nicht. ·
.

Und (ein Fehl er lie gt vo r) , w en n er de n · U nt er sc hi ed


�rdnet Sind, Im Ganzen, wie die [30] Zweibeinigkeit das in ge an ge ge be n ha t, oh ne
Sich zu Lande bewegende oder das fliegende Lebewesen von irg en de in em de r re la tiv en D
ihn relativ zu et w as an de re m an zu ge be n. D en n di e U nt er ­
, mit sich bringt.
· '

schiede der relativen D in ge sin d eb en fa lls re la tiv ? [1 5] w ie


Man muss aber auch schauen, ob als Unterschied einer
auch be im Wi ss en . D ie se s w ird nä m lic h in be tr ac ht en de s
Substanz ange�eben wurde, dass sie in irgendetwas ist.
und handlung sle ite nd es un d he rv or br in ge nd es ei ng et ei lt.
Denn es hat n1cht den Anschein, dass eine Substanz sich
Jede von diesen (For m en de s W iss en s) be ze ic hn et ab er
von einer Substanz dadurch unterscheidet, wo sie ist.
eine Rel at io n, de nn m an be tr ac ht et et w as un d st el lt et w as
Daher wird auch von manchen getadelt, das Lebewesen
�urch (die Unterschiede) >sich zu Lande bewegend< und her und tut etwas.
>Im Wasser lebend< zu zerlegen, weil >sich zu Lande bewe­ Man muss aber auch · prüfen, ob [20] der Definierende
jedes de r re la tiv en D in ge m it Be zu g au f da s an gi bt , w oz u
gend< und >im Wasser lebend< einen Ort bezeichnen. Oder
es von Natur au s be st im m t is t. D en n in ei ni ge n Fä lle n
in [35] diesen Fällen ist der Tadel unberechtigt, denn >im
ec k) ve rw en de t
�asser leb �nd< bezeichnet weder, dass es in irgendetwas kann es nur zu dem na tu rg em äß en (Z w
n Fä lle n ab er
Ist, noch einen Ort, sondern eine bestimmte Qualität. werden, aber zu ni ch ts an de re m , in an de re
Be isp ie l da s Se hv er ­

Denn auch wenn es auf dem Trockenen sein sollte wird es auch ·zu einem ande re n (Z w ec k) , zu m
Sc ha be ise n w oh l
>im Wasser lebend< sein. Ebenso wird aber das L �ndlebe­ mög en nu r zu m Se he n; w äh re nd m it de m
auch irgend je m an d W as se r sc hö pf en kö nn te . A be r de n­
wesen, sollte es im Wasser sein, [145a] ein Landlebewesen
noch: wenn jem an d da s Sc ha be ise n al s >W er kz eu g zu m
und nicht >im Wasser lebend� sein. Aber dennoch: wenn
Was sers ch öp fe n< de fin ie rt e, [2 5] hä tte · er ei ne n Fe hl er ge ­
der Unterschied bezeichnet, dass es in etwas ist' wird er
macht, denn da zu ist es ni ch t vo n N at ur au s be st im m t.
offensichtlich fehlerhaft sein.
Die Definition de sse n, w of ür et w as vo n N at ur au s be ­
Wiederum (ist zu prüfen), ob er ein Leiden als Unter­
al s K lu ge r m it
l

oz u es de r K lu ge

schied angegeben hat, denn jedes Leiden verändert die stimm t ist , la ut et ab er : >w
Substanz, wenn es stärker wird, der Unterschied ist aber dem angemessenen Wissen verwenden würde<.
Oder (es liegt ei n Fe hl er vo r) , w en n er ni ch t da s Er st e
[5] nicht so beschaffen. Denn es hat mehr den Anschein' in ge au s­
dass der Unterschied das bewahrt, dessen Unterschied er angegebe n ha t, fa lls es m it Be zu g au f m eh re re D
gesagt wird, wen n er zu m Be isp ie l di e K lu gh ei t al s di e Tu ­
ist, und es ist schlechthin unmöglich, dass ·etwas ohne den
gend des Menschen od er de r Se el e an ge ge be n ha t [30 ] un d
jeweils eigenen Unterschied existiert. Wenn nämlich >sich
er st er Li ni e is t
zu Lan�e bewegend< nicht existierte, gäbe es den Men­ nicht als di e de s D en kv er m ög en s. D en n in
. sc�en nicht. Man kann überhaupt sagen, dass eine Sache die Klugheit di e Tu ge nd de s D en kv er m ög en s, m it H in ­
blick auf dieses werde n nä m lic h so w oh l di e Se el e al s au ' ch
keines von den Dingen als Unterschied haben kann hin­
si�htlich derer sich der Träger ändert, denn alle dera;tigen der Mensch klug genannt.
Ferner hat er ei ne n Fe hl er ge m ac ht , w en n da sje ni ge ,
Binge [10] verändern die Substanz, wenn sie stärker wer­
dem er das Definien du m al s Le id en od er al s D is po si tio n
den. Wenn er daher irgendetwas derartiges als Unterschied



202 Sechstes Buch [145a-145b] [145b-146a] Sechstes Buch 203

oder irgendetwas anderes zusprach, nicht dafür empfäng­ men scheint, sind w ir ra tlo s, [2 0] w as vo n be id em w ir tu n
lich ist. Denn jede Disposition [35] und jedes Leiden sollen.
kommt von Natur aus (nur) in dem zustande, dessen Dis­ Ferner m us s m an m it H in bl ic k au f al le Z ei tr äu m e da r-
position oder Leiden es ist, wie auch das Wissen (nur) in auf achten, ob si ch ir ge nd w o U ns tim m ig ke ite n er ge be n,
der Seele zustande kommt, weil es eine Disposition der zum Beispiel, w en n er da s U ns te rb lic he al s >je tz t un ze r­
Seele ist. Gelegentlich machen sie aber auch bei derartigen störbares Le be w es en < de fin ie rt e; de nn da s je tz t un ze rs tö r­
Dingen Fehler, zum Beispiel diejenigen, die [145b] sagen, bare Lebewesen w ird au ch je tz t un st er bl ic h se in . O de r
dass der Schlaf >Aussetzen der Wahrnehmung< sei und die dies wird in di es em Fa ll ni ch t fo lg en , de nn (d ie Fo rm ul ie ­
Ratlosigkeit >Gleichheit entgegengesetzter Überlegungen< rung) >je tz t un ze rs tö rb a � < is t m eh rd e :u tig , [� 5] da m it � st
ss es je tz t n1 ch t ze rs to- rt
und der Schmerz >gewaltsame Trennung der von Natur nämlich entweder ge m e1 nt , da
aus verbundenen Teile<. Denn der Schlaf kommt der wurde oder da ss es je tz t ni ch t ze rs tö rt w er de n ka nn od er
Wahrnehmung nicht zu - das müsste er aber, wenn er da ss es jetz t so be sc ha ff en is t, da ss es ni em al s ze rs tö rt
wirklich ein Aussetzen der Wahrnehmung wäre -, ebenso werden ka . nn Im m er w en n w ir al so sa ge n, da ss ei n Le be ­
(?] kommt weder die Ratlosigkeit den entgegengesetzten wesen jetzt un zers tö rb ar ist , m ei n en w ir, da ss � s je tz t ei n
sc ha ff en _
1s t, da ss es n1 em al s ze r­
Uberlegungen zu noch der Schmerz den von Natur aus Lebewesen is t, da s so be
verbundenen Teilen; denn auch die unbeseelten Dinge stört werde n ka nn , di es w ar ab er m it de m U ns te rb lic he n
müssten Schmerz spüren, wenn der Schmerz bei ihnen identisch, so dass si ch ni ch t er gi bt , da ss es (n ur ) [3 0] je tz t
vorhanden wäre. Von dieser Art ist aber auch die Definiti­ unsterblich ist.
on der Gesundheit, wenn sie >Gleichgewicht von warm A be r de nn oc h: w en n es so se in so llt e, da ss di e an ge ge -
und kalt< lautet, denn es wäre notwendig, dass das Warme bene B egriffsbestim m un g je tz t
.
od er � rü he � zu tr iff t, ab � r
und das Kalte gesund sind. Ein [10] Gleichgewicht von et­ da s, worauf sich da s W or t be z1 eh t, n1 ch t (je tz t od er fr u­
was kommt nämlich in den Dingen vor, deren Gleichge­ her) zutrifft, da nn w ir d es ni ch t id en tis ch se in . D er To po s
wicht es ist, so dass ihnen wohl die Gesundheit zukom­ is t so zu verwenden, wie es gesagt wurde.
men müsste. Ferner unterläuft es denen, die so definieren,
dass sie das Hervorgebrachte als das Hervorbringende an­ 7
setzen oder umgekehrt, denn die >Trennung der von Na­ E s ist aber auch zu pr üf en , ob [3 5] da s D efi ni er te in hö he -
tur aus verbundenen Teile< ist nicht Schmerz, sondern sie rem Maße von et w as an de re m au sg es ag t w ir d al s vo n de m
bringt Schmerz hervor; ebenso ist nicht das >Aussetzen durch die B eg ri ff sb es tim m un g A ng eg eb en en , w ie zu m
der Wahrnehmung< Schlaf, [15] sondern dieser bringt jenes Beispiel, w en n di e G er ec ht ig ke it al s >F äh ig ke it, da s G le i­
hervor, denn entweder werden wir durch das Aussetzen che zu verteilen< be st im m t w ur de . E s is t nä m lic h in hö he ­
schlafen oder (die Wahrnehmung) wird durch den Schlaf rem M aß e derjen ig e ge re ch t, de r si ch da zu en ts ch lie ßt , da s
aussetzen. Ebenso darf man aber wohl auch annehmen Gleiche zu ve rt ei le n, al s de rj en ig e, de r da zu (n ur ) fä hi g is t,
'

dass die >Gleichheit entgegengesetzter Ü berlegungen< Rat- so da ss [1 46a] die G er ec ht ig ke it w oh l ni ch t di e >F äh ig ke it ,


losigkeit hervorbringt, denn immer wenn wir zu beiden das Gleiche zu ve rt ei le n< se in dü rf te , de nn es w är e (s on st )
Seiten hin überlegen und uns dann alles auf ähnliche Weise auch im höch st en M aß e de rj en ig e ge re ch t, de r im hö ch s­
gemäß jeder der beiden Möglichkeiten zustande zu kom- te n Maße fähig ist, das Gleiche zu verteilen.

204 Sechstes Buch [1 46a] [1 46a-146b] Sechstes Buch 205

Fern er (ist zu prüfen), ob zwar die Sache ein Mehr zu­ sind nämlich bei denselben Dingen die Gegenteile eben­
lässt, das durch die Begriffs bestimmung Angegebene es falls identisch. Es ist aber dem Schönen das Unschöne ent­
aber nicht zulässt, oder ob umgekehrt zwar das [5] durch gege ng ese tzt , de m für die Oh ren An ge ne hm en ab er da s
· die B e�riffs bestimmung Angegebene es zulässt, die Sache für die Ohren Unangenehme, also ist offensichtlich das
aber nicht. Entweder müssen es nämlich beide zulassen Unschöne mit de m für die Ohren Unangenehmen iden­
oder keines von beiden, wenn wirklich das durch die Be­ tisch. Wenn als o etwas [30] zwar für die Augen angenehm
griffsbes timmung Angegebene mit der Sache identisch ist. ist, für die Ohren aber nicht, wird es sowohl sch ön als
Ferner (ist zu prüfen), ob zwar beide ein Meh r zulassen auch un sch ön sein. Au f ähnliche Weise werden wir aber
die Steigerung aber nicht zugleich annehmen, wie zu� '
zeigen, da ss etwas sowohl seiend als auch nicht-seiend ist .

� eispiel, wenn die Liebe die >Begierde nach dem Beischlaf< Ferner mu ss man [35] prüfen, ob sic h irgendeine Un­
Ist, [10] denn wer mehr liebt, begehrt den Beischlaf nicht stimmigkeit ergibt, wenn von den Gattungen und von den
in höherem Maße, so dass nicht beide zugleich ein Mehr Unterschieden und von allen anderen in de n De finitionen
zulassen, zumindest dies müsste aber der Fall sein' wenn angeg eb en en Di ng en Be gri ffs be sti mm un gen an ste lle de r
sie identisch wären. Worte gebildet werden.
Ferner (ist), wenn zwei bestimmte Dinge vorliegen, (zu
Pr:üfen,� ob v�:>n de�, wovon die Sache mehr ausgesagt 8
Wird, d1� � egr1ffsbest1mmung weniger ausgesagt wird, wie Wenn aber das Definierte relativ ist, entweder an sic h oder
.
z�m Be1sp1el, [1 5] wenn das Feuer als >Körper mit äußerst gemäß seiner Ga\ttung, mu ss man prüfen, ob versäumt
_
feinen Teilen< bestimmt wurde. Feuer ist nämlich mehr die wurde, in der De finition zu sagen, relativ zu was [14 6b] es
Flamme als das Licht, >Körper mit äußerst feinen Teile n< ausgesagt wird, entweder an sic h oder gemäß seiner Gat­
ist aber weniger die Flamme als das Licht. Es müsste aber tung, zu m Beispiel, wenn das Wissen als >unumstößliche
beides demselben meh r zukommen, werin sie identisch Annahme< definiert wurde, oder der Wille als >schmerzlo­
wären. Wiederum (ist zu prüfen), ob das eine auf ähnliche ses Erstreben<. De nn die Substanz aller Relativa ist relativ
Weise beiden vorliegenden Dingen zukommt, das andere zu etwas anderem, da das Sein für jedes der Relativa genau
aber [20] nicht auf ähnliche Wei se beiden, sondern dem ei- damit identisch war, sich auf bestimmte Weise auf etwas
nen mehr. ·

ZU be zie he n. [5] Es mü sst e als o da s Wiss en als >A nn


ahme
Ferner (liegt ein Fehler vor), wenn die Definition mit d,essen, was man wi sse n kann<, bezeichnet werden und der
Hinblick auf zwei Din ge von jede m der beiden einzeln Wille als >Er str ebe n de s Gu ten <. Ä hnlich verhält es sic h
angegeben wurde, zum Beispiel das Schö ne als >das für die aber auch, we nn die .grammatike [>Fähigkeit de s Le sen s
Augen oder für die Ohr en Angenehme< oder das Seiende und Schreibens<] als >Kenntnis der Buchstaben< definiert .
al� . >das w�s fähig ist, zu leid�n oder hervorzubringen<. Es
?. wurde, denn es müsste in der Definition entweder angege­
w1rd naml1ch dass elbe zugleich schö n und unsc hön sein, ben werden, relativ wozu (das D.efiniendum) sel bst ausge­
ebenso aber auch dass elbe sowohl seiend als auch nicht­ sag t wi rd, od er, rel ati v wo zu die Ga ttu ng au sge sag t wi rd. ·

seiend. [25] Den n das für die Ohren Angenehme wird mit Oder (es liegt ein Fehler vor), wenn da s, was relativ zu et­
dem Schönen iden tisch sein, so dass das für die Ohren was· gesagt wurde, nicht relativ zu m. Ziel [10] angegeben
Unangenehme mit dem Unschönen identisch sein wird, es wurde. Zi el aber ist das, was in jed em das Be ste ist oder
. .
..

,
206 Sechstes Buch [146b 1 Sechstes Buch 207
[146b-147a]
A n g ri ff st e ts g e g e n d a s F e h le n d e
weswegen die anderen Dinge sind . Es muss also entweder sein an. M a n sollte den
w ir d n ic h t d a ri n b e st eh en ,
das Beste oder das Letzte ausgesagt werden, zum Beispiel, richten . D e n n ein Erdbeben
dass die Begierde sich nicht auf das Angenehme, sondern dass die Erde auf irgendein e A rt u n d i ? ir g en � e in e m M a ß
bewegt wird, desgleichen wi�d �
auf die Lust bezieht, denn wegen dieser wählen wir auch n d n ch t d a n n b e st e h e n ,

1r g en d em em M a ß [3 5] L u ft
das Angenehme . dass auf irgendeine Art und m
Es ist aber auch zu prüfen, ob es ein Entstehen ist, rela­ bewegt wird.
e fi n it io n e n v o n ) S tr eb u n g en z u
tiv wozu etwas angegeben wurde, oder eine Verwirkli­ Ferner ist b e i den (D
chung. Es ist nämlich nichts von dieser Art ein Ziel, denn prüfen, ob versäumt wurde, >a� sc h ei n en ? < h in z u z u fü g en ,
D 1n g en , b e 1 d en en es p a s � t,
[15] das Verwirklicht-Sein und Entstanden-Sein sind in wie auch b e i vielen anderen
n ie rt ), d a ss d er W il le [1 47 a] em
höherem Maße Ziele als das Entstehen und Verwirklichen . zum B e is p ie l (wenn e r defi
n < o d er d ie B e g ie rd e e in >S tr eb en
Oder dieses ist nicht in allen Fällen wahr: Beinahe jeder >Streben nach d e m Gute
will nämlich lieber genießen als mit dem Genießen aufhö­ nach d e m Angenehmen< se i, a b er n �ch t (s a g t) : n a ch d em
: >a n sc h ei n en d A n g en eh m � n <.
ren, so dass (hier) wohl das Verwirklichen mehr zum Ziel >anscheinend Guten< oder
d a s v er b o rg en , w as (w rk ­
gemacht sein dürfte als das Verwirklicht-Sein. Oft ist nämlich den Strebenden �
[20] Wiederum ist in einigen Fällen zu prüfen, ob er ver­ lich) gut oder angenehm is t, . so d a ss (d a s E rs tr eb te ) m c � t
m 1s t, so n d er n u r so z u se m
säumt hat, die Quantität oder die Qualität oder den Ort notwendig gut oder angeneh 1_1
ät te er a ls o au ch d 1e [5 ] A n g ab e
oder die anderen Unterschiede zu bestimmen, zum Bei­ scheint . E ntsprechend h
b er a u ch d as G e an n te d a ­
spiel anzugeben, welche und wie viel Ehre derjenige an­ formulieren m ü ss e n . Falls er a �
strebt, der >ehrgeizig< ist. Denn nach Ehre streben alle, so zugesagt haben sollte, muss m a n ih n , w e n n er d 1� � � ff as ­
dass es nicht weiterhilft, vom Ehrgeizigen zu sagen, dass su n g vertritt, d a ss e s Ideen gebe, z u d e n � d e e n h m fu h re n .
as a n s h em en d (s o u n d so
er nach Ehre strebe, vielmehr müssen auch die genannten D e n n es gibt keine Idee vo 1_1 etw �
d w o h l d 1e Id ee v o n d er Id ee
Unterschiede hinzugefügt werden. Desgleichen muss aber B e schaffen e m ), vielmehr w1r
d ie B e g ie rd e se lb st v o m A n g e ­
auch [25] beim >Geldgierigen< gesagt werden, nach wie viel ausgesagt, beispielsweise
se lb st v o m G u te n se lb st .
Geld er strebt, oder beim >Zügellosen<, um welche Lüste nehmen selbst und der Wun sc h
o m a n sc h ei n en d G u te n n h
es ihm geht. Denn nicht der wird >zügellos< genannt, der E s wird also keine (Idee) v ��
g en eh m en g eb en , d en n es w ar e
sich von jeder beliebigen Lust beherrschen lässt, sondern v o m anscheinend [1 0] An
d G u te o d er A n g en eh m e
derjenige, den eine bestimmte Lust beherrscht. Oder abwegig, wenn es das >anscheinen
ebenfalls (ist es fehlerhaft), dass sie die Nacht als >Schatten selbst< geben sollte.
(auf) der Erde< definieren oder das Erdbeben als >Bewe­
gung der Erde< oder die Wolke als >Verdichtung der Luft< 9 . . .
ch u m d ie D e fi n 1t 1o n e1 n s
oder den Wind als >Bewegung der Luft<, [30] denn es müs­ Ferner m u ss man, wenn e s si �
b e n d e sc h a u en , w e n n ab r el ­
sen Quantität, Qualität, Ort und Ursache hinzugefügt Habens handelt, auf das Ha �
a b e n B e i d e n a n d er en D 1n g e n
werden . nes Habenden, auf das H . .
Ä hnlich verhält es sich aber auch bei den anderen Din­ si ch ä h n li ch . W en n b 1-
von dieser Art aber verhält es :
es en tl ic h d as N ü tz li ch e � st ,
gen dieser Art, denn wer irgendeinen beliebigen Unter­ spielsweise das Angenehme w .
e m e s a n g en eh m 1s t, w es en th ch
schied weglässt, der gibt nicht das Was-es-hieß-dies-zu- [1 5] dann is t derjenige, d

I

Sechstes Buch 209


208 Sechstes Buch [1 47a-147b] [147b]
te r a n g e e b e n e n B e g ri ff sb � st im ­
derjenige � dem es n�� zlich ist. U� es allgemein ZU sagen: v o n (diesen) beiden spä �

il s ls t, so d a ss a u c h d 1e u
In derartigen Definitionen geschieht es, dass der Definie­ mungen diejenige d e s Gege�te . m u g m. cht auf kor­
rende auf gewisse Weise mehr als eines definiert. Denn, sprünglich a n g eg eb en e B e g n ff sb e st lm � .
a a b er e1 n 1g e d er G e g e � ­
wer das Wissen definiert, der definiert auf gewisse Weise rekte Wei se angegeben wurde . D 1e
d er en a u sg es a g t w er d en , w
auch die Unwissenheit, desgleichen aber auch das Wissen­ teile als Privation [5] der an n ­
e in e P ri v a ti o n d er G le ic h h ei t a
de und das Nichtwissende und (was es heißt) zu wissen etwa die Ungleichheit als s
< w ir d d a s g � n a � n t, w a
und �icht zu wi� sen. Denn �20] wenn das Erste klargewor­ gesehen wird - d e n n >ungleich .

d a ss d a s e1 n e, p r1 v a t1 v a u sg
den 1st, dann s1nd auch d1e anderen auf gewisse Weise nicht gleich ist -, ist also klar, ­
ig er ei se d u rc h d a s a n d er e d e �
klargeworden. Es ist also bei jedem der Dinge von dieser sagte Gegenteil notwend :' . at1v
a b er n 1c h t m eh r d u rc h d a s p r1 v
Art darauf zu achten, ob irgendetwas nicht überein­ niert wird, das andere e
k a n n ), d e m a ra u s w ü rd
stimmt, indem man die Elemente anwendet, die von den Ausgesagte (definiert we.rden � �
-
e n d u rc h d a s Je w e 1l s a n d er e er
Gegensätzen und den Ableitungen ausgehen. folgen, dass je d e s v o n be1d
Ferner ist bei den Relativa zu prüfen, ob die Art in Be­ kannt wird.
F a ll d e r G eg en te il e a u f ei n en
zug auf etwas a�gegeben wurde, das dem entspricht, in Man m u ss [1 0] also im
B ei sp ie l (w ü r e er eg a � ­
derartigen Fehler achten; z u m
Bezug worauf d1e Gattung angegeben wurde. Wenn sich ? �
so ll t , d a ss d 1e 1e 1c h h e1 t
z� m Beispiel die [25] Annahme auf das Angenommene be­ gen), wenn jemand d e fi n�eren . � 9
h
ic h h ei t< se 1, d en n er h a tt e d u rc
Zieht, dann bezieht sich die bestimmte Annahme auf das >das Gegenteil der Ungle e ­
rt . F er n er m u ss , w e r. so d
bestimmte Angenommene, und wenn das Vielfache auf das privativ Ausgesagte definie e­
a s D e fi n ie n d ': m se lb st (1 � D
den Bruchteil, dann das bestimmte Vielfache auf den be­ finiert, notwendigerweise d s
er d eu th ch , w en n w 1r d a
stimmten Bruchteil. Denn wenn es nicht auf diese Weise finiens) verwenden. D ie s wird ab es
m u n g er se tz en , d e n n
Wo rt durch die B egriffsbestim
angegeben wurde, ist offenkundig ein Fehler unterlaufen .
[1 5]
. hei. t< sagt
Man �uss aber auch schauen, ob für das Entgegenge­ macht keinen Un te rs ch ie d , o b m a n >U n g le ic h
E s w ä re a ls o d ie G le ic h ­
setzte d1e entgegengesetzte Begriffsbestimmung gilt, [30] oder >Privation d er Gleichheit<. ss
a ti o n d er G le ic h h ei t< , so a
heit >das Gegenteil d er Priv
ob beispiels�eise die des Halben der des Doppelten ent­

er w en d et h ä tt e . F a ll s a b e r k em es
geg�ngese��t 1st. Wenn nämlich das Doppelte das >um ein er (das D e fi niendum) v ,
a u sg es a g t w er d en so ll te
Gleiches Ubertreffende< ist, dann ist das Halbe das >um der b e id e n Gegenteile privativ . e
ri ff sb es ti m m u n g au f äh n h ch
ein Gleiches Übertroffene<. Und bei den Gegenteilen ver­ könnte dennoch die B eg
in , z u m B ei sp i el k ö n n te d a s G � te
hält es sich genauso: Die entgegengesetzte Begriffsbestim­ Weise gebildet worden se . .
te n < b es t1 m � t w o rd en s em
mung des Gegenteils wird nämlich durch irgendeine als >das Gegenteil d es Schlech . -
te d as G eg en te d d es G u te n 1s t
der Verknüpfungen der Gegenteile gewonnen. Wenn bei­ D a klar ist dass das Schlech e ­
r A rt m u ss d ie B eg ri ff sb
spiels:'eise �ützlich das ist, >was Gutes hervorbringt<, v o n d e n [�0] Gegenteilen diese ,
_ e W ei se an eg eb en er d en -
dann 1st schadlieh das, >was Schlechtes hervorbringt< [35] stimmung nämlich auf ähnlich . � :v
­
e fi m e n d u m (1 m D e fi m e n s) v er
oder >was Gutes zerstört<; eines von beiden ist notwendi­ folgt wiederum, d a ss das D
B eg ri ff sb e st im m u n g d es
gerweise dem ursprünglich Gesagten [147b] entgegenge­ wendet wurde. D e n n in der u te
th a lt en . W en n d a h er d a s G
setzt. Wenn also keines von beiden dem ursprünglich Ge­ Schlechten is t das G u te en c h
t, (u n d ) d a s S c h le c h te si
sagten entgegengesetzt ist, dann ist klar, dass wohl keine >das Gegenteil d e s Schlechten< is

,
210 Sechstes Buch [147b-148a] [148a] Sechstes Buch 21 1

nicht vom Gegenteil des Guten unterscheidet, ist das Gute 10


A b le it u n g e d er B eg ri ff sb e-
>das Gegenteil des Gegenteils des Guten<. Es ist also klar, [1 0] Ferner (ist zu prüfen), ob J?-
d e B e­
p re ch en d en A b le tt u n g en : _
[25] dass er (das Definiendum) verwendet hat. stimmung mit den ents
� � 1e l
·

se n . en n z u m e1 s
.

Ferner
·

(ist zu prüfen), ob d·as privativ Ausgesagte ange­ griffsbestimmung zusammen p as �


· . ri n g t< , d an n 1s t e1 n e
v o rb
·.

h er
·

geben wtrd, ohne dass angegeben wurde, wovon es eine heilsam is t >was Gesun d h ei t
n g en d e
heilsame Art und W�i se eine >G
Privation ist, zum Beispiel von dem Habitus oder dem es u n d h ei t h er v o rb ri
as g eh ei lt h at , is t >d a s, w as G e-
Gegenteil oder wovon auch immer es eine Privation ist. Art und Wei se.< und das, w
Bn� (es ist zu 'r�fen), o ? yersäu�t wurde hinzuzufügen, sundheit hervorgebracht hat<.
J fe n , o b d ie Id ee m it d er au s � e-
wortn es naturhcherwetse zustande kommt, entweder M a n muss aber auch prü
sa m i en p as st . D n n m an ch m al ls t
schlechthin oder, worin es natürlicherweise zuerst zustan­ sagteD; [1 5] Definition zu ? � . .
1e rt z u m B e1 sp 1e l P la to n , ln ­
de kommt, zum Beispiel, wenn die [30] Unwissenheit als dies nicht der Fall: So defin
en d er L eb ew es en >s te rb li ch < h in ­
Privation bezeichnet wird, ohne zu sagen, dass sie eine dem er in den Definition
Privation des Wissens ist, oder ohne hinzuzufügen, worin zufügt. D ie Idee, beispielswei se >d er M � n sc h se � b st <, v.:- ir d
se in , so d as s d 1e B eg ri ff sb es ti m ­
sie natürlicherweise zustande kommt, oder. obwohl es nämlich nicht sterblich
sc h li h t g e-
hinzugefügt wurde, ohne anzugeben, worin sie zuerst (zu­ mung nicht zu der Idee p�ss t. · E s w ir d ab er , ? ·

stand � k ?mmt), wenn zum Beispiel nicht gesagt wurde,


'
sagt, in denjenigen (Defi n it io n en ), w o > � er v o : b n n g en d <
g ef ü g t is t, n o tw en d 1g z w ts ch en d er
dass ste >1� Denkvermögen< entsteht, sondern (nur gesagt oder >erleide�d< hinzu
io n ei n M is sk la n g en ts te h en ,
wurde:) >lm Menschen< oder >in der Seele<. Immer näm­ Idee und der [20] Definit
s es Id ee n eh e, la u b en ,
lich, wenn e� irgend eine von diesen (Angaben) nicht ge­
. denn diejenigen, die sagen, das � �
u n d u n b ew eg l1 ch se te n . G e­
macht hat, wtrd er e1nen Fehler begangen haben. Desglei­ dass die Ideen unaffizierbar
er n d er Id ee n le h re ) ab er si n d d er -
chen aber auch, wenn er die Blindheit nicht als >die Priva­ genüber diesen (Vertret
tion der Sehkraft [35] im Auge< bezeichnet, denn man artige Argumente nützlich. .
o b er o n e1 n m
_

h o m o y m en
muss, um es korrekt anzugeben, das [148a] Was-es-ist der Ferner (i st zu prüfen), � � �
n sa m e B eg n ff sb es t1 m m u g fu � al le
·P rivation angeben und das, wovon es die Privation ist, Ausdruck eine gemei J?-
g eg eb en h at . D en n es sm d d 1e S y ­
·und was das ist, wovon es eine Privation ist. (Verwendungsweisen) an
em [2 5] :W o en ts p re ch en ­
Man muss aber auch schauen, ob er mittels Privation nonyme, von welchen es eine d i"!
t. D ah er g tl t d 1e an g eg eb n e
definierte, was nicht privativ ausgesagt wird, wie auch bei de B egriffsbestimmung gib �
d er u n te r d as W o rt fa ll en d en D t� ­
d er >Unwissenheit< wohl diejenigen glauben dürften, dass Definition von keinem
.
etn [5] derartiger Fehler vorliegt, die von Unwissenheit ge, wenn si e wirklich auf den g es am te n h � m o n y m .
en At� s­
id et ab er au ch d 1e v o n D 10 n y s1 0 s
. nicht im verneinenden Sinn sprechen. Denn nicht dasjeni­ druck p a ss t., Darunter le _
en s, w en n d te se s al s >B ew e­
ge, was kein Wissen hat, scheint nichts zu wissen, sondern formulierte Definition des Leb
dasjenige, was sich getäuscht hat. gung, die natürlicherwei se m it E rn � h ru n g z u sa � en g � ­
), d en n d ie s tn ff t au f Ti er e m ch t m
Daher sagen wir weder von unbeseelten Dingen noch hört< (bestimmt wird
en z u . >L eb en < ab er [3 0] sc h ei n t
von Kleinkindern, dass sie unwissend sind� Daher wird höherem Maß als auf Pflanz
t z u w er d en , so n d er n in ei ­
>Unwissenheit< nicht als Privation des Wissens ausgesagt. nicht nur auf eine Art ausgesag
an d er em ab er au f d ie P fl an z en
nem Sinn auf die Tiere, in
(


I .

\__.. ·

I
[ 1 48b] Sechstes Buch 213
212 •
Sechstes Buch [148a-148b]
ge b en , d en n b ei d e [1 5] d em W o rt en t­
zuz�treffen. Es ist gewiss auch möglich, die Definition mit rere Definitionen
es ti m m u n ge n p as se n zu ih n en ,
Absteht so anzugeben, als würde jede (Verwendungsweise sprechenden B egriffsb
s au ch d ie sp ät er an ge ge b en e. W ie d er ­
von) >LebeJ?-< synonym uild .als nur eine Art ausgesagt. sowohl die früher al
. em er ei n en d er au f m eh re re W ei ­
Ntchts verhtndert aber, dass man, obwohl man die Homo­ um, wenn jemand, nachd
sd rü ck e d efi n ie rt h at u n d d ie B eg ri ff s­
nymie überblickt und die Definition nur für eine von bei­ sen verwendeten Au
t zu al le m p as st , zw ar n ic h t sa gt , d as s d er
den (Verwendungsweisen) [35] angeben möchte, ohne es bestimmung nich
i, ab e:f b eh au p te t, d as s d as W o rt
zu merken, eine B�griffsbestimmung angibt, die nicht Ausdruck homonym se
eig�ntüml�ch, sOndern beiden (Verwendungsweisen) ge­ (selbst) nicht zu alle m p as se , w ei l au ch d ie B � gr �ff sb es ti � ­
. m ss m an [2 0] d em J n tg en er � I­
meinsam 1st. Aber ketner der beiden Fehler ist weniger mung nicht passe, dann � �
ar (1 n d er R eg el ) an d te R ed ew ei se
falsch, unabhängig davon, auf welche Weise sie zustande dern, d as s man sich zw
b er li ef er t u n d v er b in d li ch is t, st at t d er ­
k�men. Da bei eini�en Ausdrücken aber deren Homony­ zu halten hat, die ü
n , si ch ab er in ei n ig en F äl le n
m�e unbemerkt bletbt, [1 48b] sollte zwar der Fragende sie artige D in ge zu veränder
Wie Synonyme verwenden - denn die Definition des einen nic h t so w ie d ie M en ge au sd rü ck en so ll .
(Sinl?-s) wird nicht zu der des anderen passen, so · dass es
schemt, als sei auf diese Weise keine Definition gelungen 11
b u n d en em an ge ­
denn diese muss zu dem ganzen synonymen Ausdruck Wenn aber die Defi n it io n v o n et w as V er
n , o b , w en n m an d ie B eg ri ff b e­
passen -, der Antwortende selbst hingegen muss (die ho­ geben �urde, ist zu prüfe �
v er b u n d en en (E le m en te ) ab zt eh t,
monymen Verwendungsweisen) unterscheiden. stimmung d es einen der
f d as v er b le ib en d e zu tr if ft . [2 5] W en n
Da aber manche Antwortenden einerseits immer dann die verbleibende au
k u n d ig au ch d ie
[5� behaupt.en, dass ein synonym�r �usdruck homonym dies ' nicht der Fall ist, d an n tr ifft of fe n
b ei ­
ganze (Definition) nic h t au f d as G an ze zu . W en n m an
se1, wenn dte angegebene Begriffsbestimmung nicht zu al­
ad e L in ie al s >G re n ze ei n � r
lem passt, andererseits stets behaupten, dass ein homony­ spielsweise die endliche ge� . .
M it te lp u n k t 1n ei n er F lu ch t m it
mer Ausdruck synonym sei, wenn sie zu beiden (Verwen­ endlichen Fläche, wo der
t< d efi n ie rt , d an n w ir d , w en n d ie B e­
d�ng��eisen) passt, muss zuvor bezüglich derartiger Fälle den Eckpunkten lieg
li ch en L in ie >G re n ze ei n er en d li ­
etne Ubereinkunft getroffen werden oder es muss zuvor griffsbestimmung der end .
er ad e< [3 0] d u rc h d as V er bl ei b en d e
\ durch Deduktion entweder gezeigt werc\en, dass (der in chen Fläche< lautet, >g
en , al so d u rc h : >w o d er M it te lp u n k t in
Frage stehende Ausdruck) homonym oder dass er syno- definiert se in müss
u n k te n li eg t< . A b er d ie u n en d li ­
. nym ist, was immer er sei. Sie gestehen nämlich mehr zu einer Flucht mit den Eckp
wenn sie nich� vo!.aussehen, was [10] folgen wird. Fall; che (gerade Linie) hat w ed er ei n en M � tt el p u n k t n o c � E ck ­
I

. d e, d ah er 1s t d as V er b le ib en d e
aber, wenn keme Uberemkunft getroffen wurde, jemand punkte und is t doch gera .
m u n g d es ve rb le ib en d en (E le -
b �haup�en � ollte, dass der synonyme Ausdruck homonym nicht die B egriffsb.estim
·

se1, �e1l dte angegebene Begriffsbestimmung nicht auch ments).


r) , w en n d as D efi n i n d u m u ­
zu dtesem p �sst, dann ist zu prüfen, ob die Begriffsbestim­ Ferner (liegt ein Fehler vo � �
d ie an g.e ge b en e B eg ri ff sb es ti m ­
mung von dtesem auch zu den anderen passt, denn offen­ sammengesetzt is t und
efi n ie n d u m gl ei ch gl ie d ri g is t. D ie B e­
kundig dürfte es den anderen synonym sein. Wenn dies mung mit d em D
aber nicht der Fall ist, dann wird es von den anderen meh- griffsbestimmung wird al s >g le ic h gl ie d ri g< b ez ei ch n et , [3 5]

,
214 [149a-149b] Sechstes Buch 215
Sechstes Buch [1 48b-1 49a]

wenn sie aus ebenso vielen Nomen und Verben besteht Wenn es sich jedoch so verhalten sollte, muss offensicht­
wi � es Bestandteile (des Definiendums) gibt. Denn in der� lich die Gattung, und nicht der Unterschied, ersetzt wer­
art1gen Fällen muss eine Ersetzung von diesen (Bestand­ den. - Wenn man aber nicht ein Wort durch ein Wort,
teilen) durch die Worte geschehen, entweder von allen sondern ein Wort durch eine ·B egriffsbestimmung [25] er­
oder von einigen, da jetzt (im Definiens) nicht mehr Wor­ setzt, ist klar, dass eher vom Unterschied als von der Gat­
te verwen1et werden .a�s zuvor (im Definiendum). Es tung eine Definition anzugeben ist, da die Definition um
muss aber 1n der Defin1t1on [149a] anstelle der Worte eine des Verstehens willen angegeben wird. Denn der Unter­
Begriffsbestimmung angegeben werden, am besten für schied ist weniger bekannt als die Gattung.
alle, andernfalls für die meisten. Auf diese Weise dürfte
näml�ch auch ii? �all der einfachen Di�ge definiert wer­ 12
den, mdem (led1ghch) das Wort ersetzt wird, beispielswei­ Wenn er aber die Definition des Unterschieds angegeben
se >Gewand< durch >Kleidungsstück<. hat, ist zu prüfen, ob [30] die angegebene Definition auch
[5] Fern�r liegt aber ein größerer Fehler vor, wenn ebenso für etwas anders gilt. Wenn er zum Beispiel die un­
.durch wen1ger bekan
nte Worte ersetzt wurde zum Bei­ gerade Zahl eine >Za�l, die eine Mitte ha�< ne� nt� mus� er
spiel >weißer Mensch< durch >lichtes Sterbli�hes< denn darüber hinaus definieren, auf welche We1se s1e e1ne M1tte
diese Formulierung ist keine Definition und weni�er klar hat. Denn >Zahl< kommt in beiden zusammengesetzten
(als der ursprüngliche Ausdruck). Ausdrücken vor, dagegen wird >ungerade< durch die Be­
E � ist . aber bei der Ersetzung der Worte auch zu prüfen, griffsbestimmung ersetzt. Es haben aber auch Linien und
ob s1e mcht. mehr d �sselbe bezeichnet, zum Beispiel, wenn Körper eine Mitte, ohne ungerade zu sein. D�her [35]
das theoretische W1ssen als [10] >theoretische Annahme< dürfte dies nicht die Definition von >ungerade< se1n. Wenn
bezeichnet wird. Die Annahme ist nämlich nicht dasselbe aber >eine Mitte haben< auf mehrere Weisen verwendet
wie das Wissen, zumindest dies müsste aber der Fall sein wird, muss definiert werden, auf welche Weise (die Zahl)
wenn auch das Ganze dasselbe sein sollte. Denn >theore� eine Mitte hat. Daher wird dieses (Argument) entweder
1 tisch< ist beiden zusammengesetzten Ausdrücken gemein­ ein Tadel sein oder eine Deduktion, dass nicht definiert
sam, der Unterschied kommt durch das andere zustande. wurde.
�erner (ist), we�n eines der Worte ersetzt wurde, (zu Wiederum (ist zu prüfen), ob es zwar das gibt, wovon
prufen,) [15] ob n1cht der Unterschied, sondern die Gat­ die Begriffsbestimmung angegeben wurde, aber das, was
tung ausgetaus�ht wurde, wie dies im soeben genannten unter die Begriffsbestimmung fällt, nicht gibt, wie zum
Fall ge.schehen 1st. Denn >theoretisch< ist weniger bekannt Beispiel, wenn das Weiße [149b] als >mit Feuer gemischte
als ;W1ss�n<, dieses bildet die Gattung, jenes den Unter­ Farbe< definiert wurde. Es ist nämlich unmöglich, das Un­
schied, d1e Gattung ist aber von allen Dingen das bekann­ körperliche mit dem Körperlichen zu mischen, daher
teste. Daher hätte man statt der Gattung den Unterschied kann es eine mit Feuer gemischte Farbe nicht geben, das
ersetzen sollen, da [20] er weniger bekannt ist. Weiße aber gibt es.
- Oder sollte dieser Tadel lächerlich sein? Denn nichts Ferner haben diejenigen, die bei den relativen Ausdrü­
spricht dagegen, dass der Unterschied, und nicht die Gat­ cken nicht unterscheiden, in Bezug worauf etwas ausge­
tung, durch das bekannteste Wort ausgedrückt wird. sagt wird, [5] sondern es so formulieren, dass mehrere

216 Sechstes Buch [ 14 9b-1 50a] Sechstes Buch 217
[ 1 49b]
Dinge umfasst sin�, e?tweder ill!- Ganzen oder bei ein bemerkt nimmt<. Es ist nämlich klar, dass derartig jeweils
Un.recht, zum Beispiel, wenn Je mand die Heilkunst ig e m
>�Issenschaft vom Seienden< bezeichnet. Wenn näm a ls der gute Redner und der gute Dieb sein werden. Denn
d1e Heilkunst eine Wissenschaft von nichts Seiendem li c h nicht derjenige, >der unbemerkt [30] nimmt<, sondern der-
dann ��t er offensichtlich im Ganzen Unrecht, wenn is t jenige, >der unbemerkt nehmen will<, ist ein Dieb. .
V?� e1n1gem, von anderem dagegen nicht, dann hat a b e ; Wiederum (ist zu prüfen), ob er das, was man seiner
e!n1gem U�recht. �enn es muss von allem gelten, we e r b e i selbst wegen wählen soll, als etwas angegeben hat, das et­
s�ch und mcht akzidentell [1 0] ausgesagt wurde, da n n an was hervorbringt oder tut oder auf irgendeine Art wegen
.
s1ch auf das Se1ende bezieht, wie sich es auch bei den ss si e anderer Dinge wählenswert ist, ob er beispie�sweis.e d�e
deren relativen �us�rücken verhält: Alles, was gew a n ­ Gerechtigkeit als >Gesetze bewahrend< oder d1e We1she1t
�erd�n kann?. w1rd m Bezug auf das Wissen ausge u ss t als >Glück hervorbringend< bezeichnete. Denn das Bewah­
.
Ahn�1ch verhalt es s1ch aber auch bei den anderen, d sa g t. rende oder Hervorbringende gehört zu den Dingen, die
relativen Ausdrücke umkehrbar sind. Ferner: wenn es a a ll e man anderer Dinge wegen wählen soll. [35] Oder nichts
jenige, der die Angabe nicht an sich, sonde�n akzid d e r ­ spricht dagegen, dass etwas seiner selbst wegen Wähl�ns­
mac�t, auf richtige Weise angeben sollte, dann dürf e n te ll wertes auch anderer Dinge wegen wählenswert ist, so hegt
[1 �] Jeden de� relativen Ausdrücke in Bezug auf te e r doch derjenige, der das seiner selbst wegen Wählenswerte
Dmge, statt m Bezug auf eines aussagen. Nichts ve m e h re r e auf diese Weise definiert, um nichts weniger falsch, denn
dert� dass dasselbe sowohl seiend als auch weiß als r h in ­ in erster Linie liegt das Beste einer jeden Sache in der Sub­
gut .1st, so das� es eine richtige Angabe wäre, es in B a u c h stanz, seiner selbst wegen wählenswert zu sein ist ab �r
e z u g besser als es eines anderen wegen zu sein, so dass auch d1e
�uf. Jede von d1es�n (Eigenschaften) anzugeben, wenn der­ Definition eher hätte Ersteres bezeichnen müssen.
Jemge, der es akz1de�tell angibt, es auf richtige Weis
ge�en sollt�. Zudem 1st es aber unmöglich, dass eine e a n ­
artige Begnffs bestimmung demjenigen, wovon sie ang d e r ­ 13
be� wurde, eigentümlich ist, denn nicht nur [20] von e g e ­ [150a] Man muss aber, wenn jemand eine Definition von
He1lkunst, sondern auch von den vielen anderen Wi d e r etwas angibt, auch prüfen, ob er etwas als >diese< Dinge
schaften wird gesagt, dass sie sich auf Seiendes bezie ss e n ­ oder als >aus diesen< oder als >dieses mit jenem< definiert.
so da�s jede eine >Wissenschaft vom Seienden< sein w h e n Wenn nämlich (etwas als) >diese< (Dinge definiert wird),
� s 1st a!so klar, dass etwas derartiges die Definition vo ir d : dann wird sich ergeben, dass es beiden und keinem von
��m�r W1ssen�chaft ist, denn die Definition muss eig n beiden zukommt, zum Beispiel, wenn die Gerechtigkeit
tumheb und mcht (auch anderen Sachen) gemeinsam e n ­ als >Besonnenheit und Tapferkeit< definiert wurde. [5]
.
Gelegentlich aber definieren sie nicht die Sache so se in . Falls nämlich von zwei (Menschen) jeder der beiden je­
dern �ie Sache [25] in gutem Zustand oder in Volleddu n ­ weils eine von beiden (Eigenschaften) besitzt, werden bei­
V<?n dieser Art sind die Definitionen des Redners u n g . de gerecht sein und keiner von beiden (wird gerecht sein),
D1ebes, �e�n nämlich .?er Redner derjenige ist, >d nd d e s da beide zwar Gerechtigkeit besitzen, jeder der beiden sie
v�rmag, In Jedem das Uberzeugende zu betrachten e r e s aber nicht besitzt. Wenn aber das Gesagte noch nicht sehr
mchts auszulassen<, der Dieb hingegen derjenige, >der u n d abwegig zu sein scheint, dann deshalb, weil sich derart�ges
un- auch in anderen Fällen ergeben kann - denn es spricht
218 Sechstes Buch [150a] [150a-150b] Sechstes Buch 219
nichts dagegen, dass zwei eine Mine besitzen, obwohl kei­ Wenn aber sowohl die Teile als auch das Ganze zuerst in
ner von beiden sie besitzt -, aber zumindest [10] scheint es einer bestimmten (Sache) sind, muss man prüfen, ob das
doch wohl völlig abwegig zu sein, dass ihnen Entgegenge­ Ganze in einer (Sache ist), die Teile aber in einer anderen
setzte.s zukom.mt . Dies wird sich jedoch ergeben, wenn (sind), statt in derselben zu sein. Wiederum (ist zu prüfen),
der eine von Ihnen Besonnenheit und Feigheit besitzen ob die Teile gemeinsam mit dem Ganzen vergehen, denn
sollte, der andere aber Tapferkeit und Unbeherrschtheit. umgekehrt [35] muss folgen, dass das Ganze vergeht, wenn
Bei� e werden nämlich Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit die Teile vergehen, dagegen ist es nicht notwendig, dass
besitzen, denn wenn die Gerechtigkeit >Besonnenheit und auch die Teile vergehen, wenn das Ganze vergeht. Oder
Tapferkeit< ist, dann wird die Ungerechtigkeit >Feigheit (es ist zu prüfen), ob zwar das Ganze gut oder schlecht ist,
und Unbeherrschtheit< sein. [15] Es sind im Allgemeinen die (Teile) aber keines von beiden; oder umgekehrt, ob die
all� Möglichkeiten anzugreifen, indem man zeigt, dass die (Teile) zwar gut oder schlecht sind, das Ganze aber keines
Teile und das Ganze nicht dasselbe sind, in Bez ug auf das von beiden, denn weder kann etwas Gutes oder Schlechtes
gerade Gesagte nützlich, denn derjenige, der auf solche aus Dingen [150b] entstehen, die keines von beiden sind,
Weise definiert, behauptet anscheinend, dass die Teile mit noch kann aus guten oder schlechten Dingen etwas entste­
dem Ganzen identisch seien. Am besten lassen sich die hen, das keines von beiden ist. Oder (es ist zu prüfen), ob
Argumente aber bei den Dingen einsetzen, bei denen die das eine in höherem Maße gut ist als das andere schlecht,
Zusammensetzung der Teile offensichtlich ist, wie bei ei­ das aus diesen (Entstandene) aber nicht eher gut ist als
nem Haus und den anderen Dingen [20] von dieser Art. schlecht, wie zum Beispiel, wenn die Schamlosigkeit defi­
Offenbar spricht nämlich nichts dagegen, dass es, obwohl niert wurde als >aus Tapferkeit und falscher Meinung< ent­
es die Teile gibt, das Ganze nicht gibt, daher sind die Teile standen, denn die Tapferkeit ist in höherem Maße gut als
nicht dasselbe wie das Ganze. die [5] falsche Meinung schlecht ist. Es hätte nun auch das
Wenn er aber nicht gesagt hat, dass das Definiendum aus diesen (Entstandene) dem Mehr folgen müssen und
>diese< Dinge, sondern dass es >aus diesen< sei, muss man entweder schlechthin gut oder in höherem Maße gut als
zuerst prüfen, ob nicht die Natur der genannten Dinge da­ schlecht sein müssen. Allerdings ist dies nicht notwendig,
ge.gen spricht, dass aus ihnen eine (Sache) wird. Einige wenn nicht jedes von beiden an sich gut oder schlecht ist;
Dinge verhalten sich nämlich so zueinander, [25] dass kei­ von den hervorbringenden Dingen sind nämlich viele
nesfalls eines aus ihnen wird, beispielsweise Linie und nicht an sich gut, sondern in Verbindung (mit anderem),
Zahl. Ferner (muss man prüfen), ob zwar das Definierte oder es ist umgekehrt zwar jedes von ihnen [10] gut, in
der Natur nach zuerst in einer bestimmten (Sache) ent­ Verbindung sind sie jedoch schlecht oder weder gut noch
steht, die Dinge, >aus< welchen es sein soll, aber nicht der schlecht. Das gerade Gesagte zeigt sich aber am deutlichs­
Natur nach zuerst in einer bestimmten (Sache entstehen), ten bei den Dingen, die Gesundheit oder Krankheit bewir­
sondern jedes von ihnen in einer anderen (entsteht). Aus ken: Bei einigen Heilmitteln verhält es sich nämlich so,
diesen dürfte jenes dann nämlich offenbar nicht sein, denn dass zwar jedes von ihnen gut ist, falls sie aber beide in
den Dingen, in welchen die Teile (entstehen), kommt mit Verbindung miteinander gegeben werden, schlecht.
Notwendigkeit auch das Ganze zu, [30] so dass das Ganze Wiederum (liegt ein Fehler vor), wenn das Ganze, sollte
nicht zuerst in einer (Sache), sondern in mehreren wäre. es aus einem besseren und einem schlechteren (feil) beste-

I
220 Sechstes Buch [150b] [ 15 Ob-151 a] Sechstes Buch 221
hen, nicht einerseits [15] schlechter ist als der bessere von den fraglichen Dingen auf keine Weise wahr ist, dann
.r
(Teil), andererseits besser als der schlechtere. - Allerdings wird die angegebene Definition offensichtlich von nichts
ist dies nicht notwendig, es sei denn, dass die Dinge, aus (wahr) sein, da auf keine Weise >dieses mit [151a] jenem<
denen es zusammengesetzt ist, an sich gut sind, andern­ ist. Wenn aber von den unterschiedenen Weisen diejenige
.falls spricht nichts dagegen, dass das Ganze nicht gut ist, wahr ist, gemäß welcher beide zur seihen Zeit zutreffen,
wie es sich etwa in den zuvor genannten Fällen verhielt. dann muss man prüfen, ob womöglich nicht beide in der­
Ferner (ist zu prüfen), ob das Ganze mit einem der (Tei­ selben Beziehung ausgesagt wurden, wie etwa wenn die
le) synonym ist, denn das.,darf nicht der Fall sein, [20] wie Tapferkeit als >Kühnheit mit richtiger Absicht< definiert
auch bei den Silben nic4t, denn die Silbe ist mit keinem der wurde; es ist nämlich möglich, zwar Kühnheit bezüglich
Buchstaben, aus denen sie zusammengesetzt ist, synonym. des Stehlens zu besitzen, [5] richtige Absicht aber bezüg­
Ferner (ist zu prüfen), ob er es unterlassen hat, die Art lich dessen, was gesund ist, dennoch ist derjenige, der die­
der Zusammensetzung anzugeben, es reicht nämlich für se mit jener zur seihen Zeit besitzt, auf keine Weise tapfer.
das Erkennen nicht aus zu sagen, dass etwas >aus diesen< Ferner, auch wenn es in beiden Fällen in Bezug auf dassel­
Dingen ist. Denn nicht >aus diesen< Dingen zu sein, son­ be ausgesagt wurde, beispielsweise in Bezug auf das, was
dern >auf diese Weise aus diesen< Dingen zu sein, ist die heilsam ist, denn nichts spricht dagegen, Kühnheit und
[25] Substanz eines jeden Zusammengesetzten, wie beim richtige Absicht in Bezug auf das zu haben, was heilsam
Haus: es ist nämlich, wenn diese (Dinge) auf beliebige ist, dennoch ist derjenige, der auf solche Weise diese mit
Weise zusammengesetzt wurden, kein Haus. jener hat, noch nicht tapfer. [10] Denn weder in Bezug auf
Wenn er aber (eine Definition der Form) >dieses mit je� Verschiedenes darf jede von ihnen ausgesagt werden noch
nem< angegeben hat, muss man zuerst sagen, dass >dieses beide in Bezug auf dasselbe Zufällige, sondern sie müssen
mit jenem< entweder dasselbe ist wie >diese< Dinge oder in Bezug auf das Ziel der Tapferkeit, beispielsweise in Be­
wie >aus diesen<. Wer nämlich >Honig mit Wasser< sagt, zug auf die Gefahren des Krieges oder was sonst in höhe­
meint entweder Honig und Wasser oder das [30] aus Ho­ rem Maße ihr Ziel sein sollte, ausgesagt werden.
nig und Wasser (Hergestellte). Einige der auf solche Weise angegebenen (Definitionen)
Wenn er also zustimmt, dass >dieses mit jenem< mit ei­ [15] fallen aber auf keine Weise unter die genannte Eintei­
ner der beiden genannten Möglichkeiten identisch ist, lung, wie etwa. die des Zorns als >Schmerz mit der Aanah­
dann werden dieselben (Angriffstopen) anwendbar sein, me, gering geschätzt zu werden<. Denn dies will deutlich
welche in Bezug auf diese beiden zuvor angeführt wurden. machen, dass der Schmerz aufgrund einer solchen Annah­
Ferner muss, nachdem unterschieden wurde, auf wie viele me entsteht. Aber >aufgrund von< etwas zu entstehen ist
Weisen eines >mit< einem anderen ausgesagt werden kann, gemäß keiner der genannten Weisen identisch damit, die-
geprüft werden, ob >dieses mit )enem< auf keine Weise aus­ ses >mlt< Jenem zu se1n.
• • •

gesagt werden kann. Wenn beispielsweise eines >mit< ei­ • •

nem anderen (auszusagen) [35] entweder (heißen kann), 14


dass sie in derselben, dafür empfänglichen Sache sind, wie [20] Wiederum muss, wenn er sagte, dass das Ganze die
die Gerechtigkeit und die Tapferkeit in der Seele, oder, Zusammensetzung von diesen Dingen ist, zum Beispiel
dass sie am seihen Ort sind, oder zur seihen Zeit, dies aber das Lebewesen die Zusammensetzung der Seele und des

,
-
222 Sechstes Buch [151a-151b] [15th] I
Sechstes Buch 223

Körpers, zuerst geprüft werden, ob unterlassen wurde zu kannt ist und anscheinend nicht auf richtige Weise angege­
sagen, wie die Zusammensetzung beschaffen ist, wie etwa, ben wurde. Denn wenn der Teil aufgehoben wurde, dann
wenn er sagte, Fleisch oder Knochen seien als >Zusam­ wird auch die gesamte Definition aufgehoben sein. Von
mensetzung von Feuer und Erde und Luft< definiert. den Definitionen müssen diejenigen, die unklar sind, ge­
Denn es reicht nicht aus, >Zusammensetzung< zu sagen, prüft werden, inde� man sie . zugleic.h beric�ti�t und in
sondern [25] es muss darüber hinaus auch definiert wer­ eine neue Gestalt brtngt, damtt auf dtese Wetse trgendet­
den, wie die Zusammensetzung beschaffen ist. Denn was klar werde und sich ein Angriffspunkt ergebe. Denn
Fleisch entsteht nicht, wenn diese Dinge auf beliebige es ist notwendig, dass der Antwortende entweder [10] das
Weise zusammengesetzt werden, sondern, wenn sie auf annimmt, was der Fragende ausgewählt hat, oder selbst
diese Weise zusammengesetzt werden, entsteht Fleisch, erklärt, was mit der Begriffsbestimmung eigentlich ausge­
wenn aber auf jene Weise, entstehen Knochen. Es hat je- drückt werden soll.
. doch den Anschein, dass keines der beiden genannten Ferner, wie es in den Versammlungen üblich ist, ein Ge ­
Dinge überhaupt dasselbe ist wie eine Zusammensetzung, setz einzuführen, und, wenn das eingeführte besser ist, das
denn jede Zusammensetzung hat eine Auflösung als Ge­ bisher geltende aufzuheben, so sollte man auch bei den
gensatz, dies ist aber bei keinem der beiden genannten Definitionen verfahren und selbst eine and�re Definition
Dinge der Fall. Wenn es ferner in gleicher Weise überzeu­ [15] einbringen, denn, wenn sich zeigt, dass sie besser ist
gend ist, dass entweder jedes Zusammengesetzte eine Zu­ und das Definiendum deutlicher erklärt, wird .offensicht­
sammensetzung [30] ist oder keines, von den Lebewesen lich die bislang zugrunde gelegte aufgehoben werden, da
aber jedes einzelne zwar zusammengesetzt, jedoch keine es nicht mehrere Definitionen derselben Sache gibt.
Zusammensetzung ist, dann dürfte wohl auch von den an­ In Bezug auf alle Definitionen ist es jedoch ni�ht das
deren zusammengesetzten Dingen keines eine Zusammen- un bed eu ten dst e Ele me nt, für sic h sel bst das Vo rlte gen de
setzung setn. . treffend zu definieren oder eine auf richtige Weise [20]

Wiederum wurde, wenn auf etwas der · Natur nach die formuliert·e Definition zu übernehrfien, denn es ist not­
Gegenteile in gleicher Weise zutreffen, aber nur durch ei­ wendig, durch geistige Betrachtung eines Musterbeispiels
nes der beiden definiert wurde, offensichtlich nicht (rich­ sowohl das zu sehen, was der Definition von den Dingen
tig) definiert. Andernfalls würde folgen, dass es mehrere fehlt, die erforderlich sind, als auch das, was überflüssiger­
Definitionen derselben (Sache) gibt. Denn [35] wodurch weise hinzugefügt wurde, damit man ohne Schwierigkei-
wurde sie mehr defi·niert, durch dieses oder durch jenes ten Angriffe formulieren kann.
·

Was mit den Definitionen zusammenhä1.1gt, soll hiermit


·

andere, wenn doch der Natur nach beide in gleicher Weise


an ihr vorkommen? Von dieser Art ist aber [15th] die De­ gesagt worden sein.
finition der Seele, wenn sie >Substanz, die für Wissen emp­
fänglich ist< lautet, denn die Seele ist in gleicher Weise
auch für Unwissenheit empfänglich.
Man muss aber, auch wenn man über nichts v�rfügt, um
·

die ganze . Definition anzugreifen, weil das Ganze . nicht


bekannt ist, [5] irgendeinen der Teile angreifen, falls er be- (



I• .....
- .___;____.. --

[152a] I Siebentes Buch 225

zeigt haben, dass. sie identisch sind. Denn es ist, wenn un-

Siebentes Buch
ter den Griechen die Bewohner der Peloponnes und die
Spartaner am tapfersten sind, nicht notwendig, dass die
.
1 Bewohner der Peloponnes mit den Spartanern identisch
Ob sie aber im engsten der genannten Sinne von >identisch< sind, [15] da die Bewohner der Peloponnes und die Sparta­
identisch oder verschieden sind - gesagt wurde, dass iden­ ner nicht der Zahl nach eines sind, (sondern) es ist notwen­
tisch im engsten Sinn [30] das ist, �as der Zahl nach eines ist dig, dass das eine von dem anderen enthalten wird, wie die
- muss ausgehend von den Ableitungen und den verwand­ Spartaner von · den Bewohnern der Peloponnes. Andern­
ten Ausdrücken und den Gegenteilen betrachtet werden. falls wird sich ergeben, dass jeder besser ist als der andere,
Wenn nämlich die Gerechtigkeit mit der Tapferkeit iden­ falls nicht die einen die anderen enthalten. Es ist (dann)
tisch ist, dann auch der Gerechte mit dem Tapferen und die nämlich notwendig, [20] dass die Bewohner der Pelopon­
gerechte Art und Weise mit der tapferen Art und Weise. nes besser sind als die Spartaner, wenn nicht die einen von
Ahnlieh verhält es sich auch bei den Gegenteilen. Wenn den anderen enthalten werden, denn sie sind besser als alle
nämlich diese Dinge identisch sind, dann sind es auch ihre übrigen. Ebenso ist es notwendig, dass auch die Spartaner
Gegenteile in jedem Sinn, in dem man [35] von Entgegen­ besser sind als die Bewohner der Peloponnes, denn auch
setzung spricht. Es macht nämlich keinen Unterschied, ob sie sind besser als alle übrigen. Daher werden diese besser

man das diesem oder jenem Entgegengesetzte nimmt, da sie sein als die anderen. [25] Es ist also klar, dass das, was >aJtl
identisch sind. Wiederum ausgehend von den hervorbrin­ besten< und >am größten< genannt wird, der Zahl nach ei­
genden [152a] und zerstörenden Dingen und dem Entste­ nes sein muss, wenn man zeigen will, dass es identisch ist.
hen und Vergehen und überhaupt von den Dingen, die sich Daher hat es auch Xenokrates nicht gezeigt, denn das
auf ähnliche Weise zu jedem von ihnen verhalten. Diejeni­ glückliche und das gute Leben sind nicht der Zahl nach ei­
gen Dinge nämlich, die schlechthin identisch sind, deren nes, so dass sie nicht notwendigerweise identisch sind,
Entstehen und Vergehen sind identisch, desgleichen die weil beide in höchstem Grade wählenswert sind, sondern .

hervorbringenden und die zerstörenden Dinge. (es ist lediglich notwendig), dass das eine unter das [30]
[5] Es muss aber, wenn man sagt, dass eines von beiden andere fällt.
etwas arp ·meisten ist, auch untersucht werden, ob auch . Wiederum muss man, wenn das eine mit etwas (Drit­
von dem anderen dieser identischen Dinge in derselben . tem) identisch ist, untersuchen, ob auch das andere damit
Hinsicht gesagt wird, dass es etwas am meisten sei, wie identisch ist. Denn wenn sie nicht beide mit demselben

zum Beispiel Xenokrates zeigt, dass das glückliche Leben identisch sind, sind sie es offensichtlich auch nicht unter-
und das gute Leben identisch· seien, da von allen Lebens­ einander.
·

formen das gute und das glückliche (Leben) am wählens­ Ferner muss man sie ausgehend von den Akzidentien

wertesten seien. Es ist nämlich eines, was am wählenswer­ und von den Dingen, deren Akzidentien sie sind, untersu­
testen [10] und am größten ist; bei den anderen Dingen chen. Was auf das eine von beiden akzidentell zutrifft, [35]
dieser Art verhält es (sich ähnlich. Es muss aber jedes der das muss auch auf das andere von ihnen akzidentell zu­
>am �ählenswertesten< oder >am größten< genannten Dinge treffen. Und worauf das eine von ihnen akzidentell zu­
der Zahl nach eines sein. Andernfalls wird man nicht ge- trifft, darauf muss auch das andere akzidentell zutreffen.


'

I
226 [152b-153aJ Siebentes Buch 227
.

Siebentes Buch [152a-1 52b]


Wenn aber irgendetwas von diesen Dingen nicht zusam­ mehr voll mit Luft wäre, sodass unter einer bestimmten
\
menstimmt, dann sind sie offensichtlich nicht identisch. Annahme, sei sie falsch oder wahr - das macht keinen Un­
Man muss aber auch schauen, ob sie beide nicht unter terschied - das eine von ihnen aufgehoben wird, das ande­
dieselbe Kategorie fallen, sondern das eine eine Qualität re nicht. Daher (drücken sie) nicht dasselbe (aus).
und das andere eine Quantität oder eine Relation aus­ [25] Allgemein gesagt, sollte man a�sgehend von jedem
d�ckt. Wiederum, ob [152b] die Gattung jedes der beiden möglichen Prädikat und von den Dingen, von denen sie
ntcht .dieselbe ist, sondern die eine (Gattung) das · Gute ausg�sagt werden, untersuchen, ob sich irgendwo Unstim­
und dte andere das Schlechte ist oder die eine Tugend und migkeiten ergeben. Was nämlich von dem einen ausgesagt

?ie a�dere W�ssen ist� Oder, ob die Gattung zwar dieselbe wird, das muss auch von dem anderen ausgesagt werden,
1st, dte von Jedem ausgesagten Unterschiede aber nicht und wovon das eine ausgesagt wird, davon muss auch das
dieselben sind, sondern (ob etwa) von dem einen (gesagt andere ausgesagt werden.
wird), dass es theoretisches Wissen, von dem anderen aber, [30] Ferner muss man, da >identisch< auf mehrere Wei­
dass es praktisches Wissen sei. [5] Ebenso �her auch bei sen verwendet wird, untersuchen, ob sie auf andere Wei- .
den anderen. sen identisch sind. Die Dinge nämlich, die der Art oder
Ferner, ausgehend vom Mehr, ob das eine ein Mehr zu­ der Gattung nach identisch sind, sind entweder nicht not­
lässt, das a'ndere aber nicht, oder ob zwar beide es zulas­ wendigerweise der Zahl nach identisch oder sie können es
se�, aber nicht zugleich. Wie derjenige, der mehr liebt, den nicht sein. Wir untersuchen aber, ob sie auf diese Weise
Betschlaf nicht mehr begehrt, so dass Liebe und Begehren identisch sind oder nicht.
des Beischlafs nicht identisch sind. Ferner (ist zu prüfen), ob das eine ohne das andere sein
[10] Ferner aus der Hinzufügung: ob, wenn jedes zu kann, denn dann [35] wären sie nicht identisch.
demselben hinzugefügt wird, das (jeweils) Ganze iden­
ti�ch bleibt. ode7 ob, wenr;t von jedem dasselbe abgezogen 2
wtrd, das (Jewetls) Verbletbende verschieden ist, wie zum Dies sind also die Topen, die sich auf die Identität bezie­
Beispiel, wenn jemand sagt >das Doppelte des Halben< sei . hen. Au's dem Gesagten wird aber deutlich, dass alle auf
. dasselbe wie >das Vielfache des Halben<; wenn nämlich die Identität bezogenen destruktiven Topen auch in Bezug
von jede� der Ausdruck >des Halben< abgezogen wird, auf eine Definition nützlich sind, wie zuvor gesagt wurde.
müsste das (jeweils) Verbleibende dasselbe [15] ausdrü­ Wenn nämlich das Wort und die Begriffsbestimmung
cken. Sie drücken aber nicht dasselbe aus. Denn >das Dop ­ nicht dasselbe ausdrücken, [153 a] kann die angegebene Be­
pelte< und >das Vielfache< drücken nicht dasselbe aus. griffsbestimmung .offensichtlich nicht die Definition sein.
Man muss nicht nur untersuchen, ob sich eiwas Un­ Von den konstruktiven Topen ist dagegen keiner in Bezug
�ögliches bereits durch die Feststellung (der Identität) er­ auf die Definition nützlich. Es reicht nämlich nicht aus zu
gtbt, sondern ob es aus der Annahme möglicherweise zu­ zeigen, dass das unter die Begriffsbestimmung und das un­
trifft, wie bei «lenjenigen, die sagen, dass >leer< und >voll ter den Namen (Fallende) identisch sind, . um zu etablie­
mit Luft< dasselbe sei. [20] · Denn es ist offensichtlich, dass ren, dass (die Begriffsbestimmung) die Definition ist, viel­
etw�s, falls die Luft daraus entfernt würde, nicht in gerin­ mehr [5] muss eine Definition auch alle anderen geforder­
gerem, sond·ern in höherem Grad leer wäre, aber nicht ten (Eigenschaften) besitzen.
I

I
228 Siebentes Buch [153a] [153a-153bJ Siebentes Buch

229
3 (Sache definiert), dann ist es notwendig, dass die genannte
Man muss also stets auf diese Weise und mittels dieser (Ver­ (Begriffsbestimmung) die vorliegende (Sache definiert).
fahren) versuchen, eine Definition aufzuheben. Wenn wir Da [30] es m�hrere Verknüpfungen der konträren Gegen­
sie aber aufstellen wollen, müssen wir zuerst wissen, dass teile gibt, muss man diejenige auswählen, bei der die ent­
von den Dialektikern niemand oder nur eine Minderheit gegengesetzte Definition im höchsten Grade klar zu sein
eine Definition durch eine Deduktion aufstellt, vielmehr scheint. Als Ganze muss man aber die Begriffsbestimmun­
nehmen alle etwas von der Art als Prinzip, wie es diejeni­ en so betrachten, wie es gesagt wurde, in ihren Teilen auf
gen tun, die sich mit [10] Geometrie oder Arithmetik oder olgende Weise: Zuerst, ob die angegebene Gattung richtig
anderen derartigen Lehrgegenständen befassen. Zweitens angegeben wurde. Wenn nämlich das Entgegengesetzte in
gehört es zu einer anderen Abhandlung, mit Genauigkeit der entgegengesetzten Gattung ist, das Vorliegende aber
anzugeben, was eine Definition ist und auf welche Weise nicht in derselben (Gattung) ist, [35] dann ist klar, dass es
man definieren muss, jetzt aber (beschäftigen uns diese in der entgegengesetzten (Gattung) sein muss, da die ent­
Fragen) nur so weit, dass es für die gegenwärtige Anwen­ gegengesetzten Dinge notwendigerweise in derselben Gat­
dung ausreichend ist. Daher sei nur gesagt, dass eine De­ tung oder in den entgegengesetzten Gattungen sind. Und
duktion der Definition und des Was-es-hieß-dies-zu-sein wir fordern, dass die entgegengesetzten Unterschiede von
möglich ist. [15] Wenn nämlich die Definition eine Begriffs­ den entgegengesetzten Dingen ausgesagt werden, wie von
bestimmung ist, die das Was-es-hieß-dies-zu-sein der Sa­ dem Weißen und dem Schwarzen; denn das eine trennt
che ausdrückt, und (wenn) nur die in der Definition ausge­ den Gesichtssinn, das andere [153b] zieht ihn zusammen.
sagten Dinge in (der Kategorie des) Was-es-ist der Sache

Wenn daher von der entgegengesetzten (Sache) die ent­


ausgesagt werden dürfen, in (der Kategorie des) Was-es-ist gegengesetzten (Unterschiede) ausgesagt werden, dann
aber die Gattungen und die Unterschiede ausgesagt wer­ dürften von der vorliegenden (Sache) die angegebenen
den, dann wird offensichtlich, dass, falls man dasjenige (Unterschiede) ausgesagt werden, so dass, wenn die Gat­
nimmt, das als einziges in (der Kategorie) des Was-es-ist tung und die Unterschiede richtig angegeben wurden, of­
[20] ausgesagt wird, die dieses enthaltende Begriffsbestim­ fensichtlich die angegebene (Begriffsbestimmung) eine
mung eine Definition wäre. Denn es ist nicht möglich, dass Definition sein dürfte. Oder es ist nicht notwendig, dass
etwas anderes eine Definition ist, da nichts anderes in (der von [5] den entgegengesetzten Dingen die entgegengesetz­
Kategorie des) Was-es-ist der Sache ausgesagt wird. ten Unterschiede ausgesagt werden, wenn die entgegenge­
Dass es also möglich ist, dass eine Deduktion der Defi­ setzten Dinge nicht in derselben Gattung sind; bei den
nition zustande kommt, ist offenkundig. Ausgehend von Dingen, deren Gattungen entgegengesetzt sind, hindert
welchen (Topen) man sie aber aufstellen muss, [25] wurde aber nichts daran, denselben Unterschied von beiden aus­
an anderer Stelle genauer definiert; für das vorliegende zusagen, wie von der Gerechtigkeit und von der Unge­
Verfahren sind dieselben Topen nützlich. Es ist nämlich rechtigkeit, die eine ist nämlich eine Tugend, die andere
auf die Gegenteile und die anderen Entgegensetzungen ·zu eine Schlechtigkeit der Seele, so dass >der Seele< in beiden
achten, indem man die Begriffsbestimmungen als Ganze Fällen als Unterschied ausgesagt wird, [10] da es auch eine
und in ihren Teil�n untersucht. Wenn nämlich die ent- Tugend und eine Schlechtigkeit des Körpers gibt. Aber
gegengesetzte (Begriffsbestimmung) die entgegengesetzte dieses ist zumindest wahr, dass die Unterschiede der ent-

I
'

230 Siebentes Buch [153b] [153b-154a] Siebentes Buch 23 1


gegengesetzten Dinge entweder entgegengesetzt oder Zerstörung >die Auflösung der Substanz<. Ebenso verhält
identisch sind. Wenn also von der entgegengesetzten (Sa­ es sich mit den anderen Fällen. Wenn daher eine wie auch
che) der entgegengesetzte (Unterschied) ausgesagt wird, immer beschaffene (Ableitung) angenommen wurde, sind
von dieser (Sache) aber nicht, dann ist klar, dass der ge­ auch [35] alle übrigen zugestanden.
nannte (Unterschied) von dieser (Sache) ausgesagt werden Und aus den Dingen, die sich auf ähnliche Weise zuein­
dürfte. Allgemein gesagt, wird, da die Definition aus Gat­ ander verhalten. Wenn nämlich das Gesunde Gesundheit
tung und [15] Unterschieden besteht, wenn die Definition hervorbringt, dann wird das Kräftigende Körperkraft her­
der entgegengesetzten (Sache) klar ist, auch die Definition vorbringen und das Nützliche das Gute hervorbringen.
der vorliegenden (Sache) klar sein. Denn das Entgegenge­ [154a] Denn jedes der genannten Dinge verhält sich auf
setzte ist entweder in derselben Gattung oder in der ent­ ähnliche Weise zu seinem eigentümlichen Zweck, so dass,
gegengesetzten (Gattung), ebenso sind aber auch die von wenn die Definition von einem dieser Dinge ist, dass es
den entgegengesetzten Dingen ausgesagten Unterschiede den Zweck hervorbringt, die Definition von jedem der
entweder entgegengesetzt oder identisch. Daher ist klar, übrigen Dinge eben diese sein wir4:
dass entweder von der vorliegenden (Sache) dieselbe Gat­ Ferner aus dem Mehr und dem Ahnlichen, auf wie viele
tung ausgesagt wird wie auch [20] von der entgegengesetz­ Weisen es möglich ist [5] aufzustellen, indem man zwei
ten (Sache), die Unterschiede aber entgegengesetzt sind - Dinge mit zwei Dingen vergleicht. Wenn zum Beispiel
entweder alle (Unterschiede) oder einige - und die übri­ dieses mehr eine Definition von diesem ist, als jenes von ·
gen (Unterschiede) identisch sind, oder umgekehrt die jenem, aber jenes weniger (Definitorische) eine Definition
Unterschiede identisch sind, die Gattungen aber entgegen­ ist, dann (ist) auch das mehr (Definitorische eine Definiti­
gesetzt, oder beide entgegengesetzt, sowohl die Gattungen on). Und wenn dieses ebenso sehr von diesem wie jenes
·

als auch die Unterschiede. Denn es ist nicht möglich, dass von jenem, und wenn das eine von dem einen, dann auch
beide identisch sind; in diesem Fall hätten entgegengesetz­ das andere von dem anderen. Wenn man eine Definition
te (Sachen) dieselbe Definition. mit zweien vergleicht oder zwei Definitionen mit einer,
[25] Ferner aus den Ableitungen und verwandten Aus­ nützt die Untersuchung aus [10] dem Mehr nichts, denn es
drücken. Es ist nämlich notwendig, dass die Gattungen kann weder eine (Definition) von zwei (verschiedenen Sa­
den Gattungen folgen und die Definitionen den Definitio­ chen) geben noch zwei Definitionen derselben (Sache).
(

nen. Wenn zum Beispiel das Vergessen >der Verlust des


Wissens< ist, wird zu vergessen heißen, >das Wissen zu ver­ 4
lieren< und vergessen zu haben >das Wissen verloren zu Die gerade genannten Topen aber und die aus den Ablei­
haben<. Wenn also eines der Genannten zugestanden wur­ tungen und aus den verwandten Ausdrücken (gebildeten)
de, [30] ist es notwendig, auch die übrigen zuzugestehen. sind am vorteilhaftesten. Daher muss man sich auch vor
Ebenso wird aber auch, wenn die Zerstörung >die Auflö­ allem diese aneignen und sie zur Hand haben, [15] denn
sung der Substanz< ist, das Zerstören >das Auflösen der sie sind in den meisten Fällen sehr nützlich. Von den an­
Substanz< sein und die zerstörende Art und Weise >die (die deren aber muss man die möglichst allgemein (anwendba­
Substanz) auflösende Art und Weise<, und wenn das Zer­ ren beherrschen). Sie sind nämlich von den übrigen am
störende >das die Substanz Auflösende< ist, dann ist die wirkungsvollsten, zum Beispiel die Betrachtung der Ein-
232 Siebentes Buch [154a-1 54b] [154b] Siebentes Buch 233
zelfälle und der Blick auf die Arten, ob die Begriffsbestim­ eigentümlich sein soll. Zum Zurückweisen ist es hingegen
mung (zu ihnen) passt, da die Art synonym ist. Dies ist nicht notwendig, das Allgemeine zu zeigen. Denn es
aber nützlich gegen diejenigen, die behaupten, dass es Ide­ reicht aus zu zeigen, dass . [5] die Begriffsbestimmung von
en gebe, [20] wie zuvor gesagt wurde. Ferner (ist darauf zu irgendetwas, das unter den Namen fällt, nicht wahr ist.
achten), ob eine Bezeichnung im übertragenen Sinn ver­ Und selbst wenn man sie allgemein zurückweisen müsste,
wendet oder als etwas anderes von sich selbst ausgesagt wäre es zum Zurückweisen nicht notwendig, dass sie um­
wurde. Und wenn irgendein anderer Topos allgemein und kehrbar ist. Denn um es allgemein zu bestreiten, reicht es
wirkungsvoll ist, soll man ihn anwenden. aus zu zeigen, dass von nichts, wovon der Name ausgesagt
wird, die Begriffsbestimmung ausgesagt wird. Umgekehrt
5 ist es aber nicht notwendig, außerdem zu zeigen, dass von
Dass es aber schwieriger ist, eine Definition aufzustellen den Dingen, von denen die Begriffsbestimmung nicht [10]
als sie i:u bestreiten, wird aus dem Folgenden klar: [25] Es ausgesagt wird, der Name ausgesagt wird. Ferner wird die
fällt nämlich nicht leicht, es zu sehen und aus dem Gefrag­ Definition, wenn sie zwar auf alles zutrifft, was unter die
ten zu gewinnen, zum Beispiel, dass die in der Begriffsbe­ Bezeichnung fällt, aber nicht nur darauf, aufgehoben sein.
stimmung angegebenen Dinge einerseits eine Gattung, an­ Ähnlich verhält es sich mit der Eigentümlichkeit und
dererseits ein Unterschied (sein müssen), und dass in (der der Gattung. In beiden Fällen ist es nämlich leichter zu
Kategorie des) Was-es-ist die Gattung und die Unterschie­ bestreiten als aufzustellen. Für [15] die Eigentümlichkeit
de ausgesagt werden. Ohne diese Dinge ist es aber un­ ist dies nun aufgrund des Gesagten offensichtlich. Denn in
möglich, eine Deduktion der Definition zustande zu brin­ der Regel wird die Eigentümlichkeit in einer Verknüpfung
gen. Wenn nämlich irgendwelche anderen Dinge [30] in (von Wörtern) angegeben, so dass es möglich ist, sie zu­
(der Kategorie des) Was-es-ist der Sache ausgesagt wer­ rückzuweisen, indem man eines (der Elemente) aufhebt;
den, ist unklar, ob das Gesagte oder etwas Verschiedenes um sie aufzustellen ist es dagegen notwendig, alle deduk­
die Definition davon ist, da die Definition die Begriffsbe­ tiv zu etablieren. Beinahe alle anderen Dinge, die über die
stimmung ist, die das Was-es-hieß-dies-zu-sein bezeich­ Definition gesagt werden, werden auch auf die Eigentüm­
net. Dies ist aber aus dem Folgenden klar: Es ist nämlich lichkeit passen, [20] denn derjenige, der sie aufstellen will,
einfacher, eine Konklusion zu ziehen als viele. Zum Zu­ muss zeigen, dass sie auf alles zutrifft, was unter die Be­
rückweisen reicht es also aus, dialektisch gegen eines zu zeichnung fällt, dagegen reicht es zum Bestreiten aus, zu
argumentieren, wenn wir nämlich eines bestritten haben, zeigen, dass sie auf eines nicht zutrifft.
[35] werden wir die Definition zurückgewiesen haben. Aber auch wenn sie auf alles zutrifft, (was unter die Be­
Zum Aufstellen ist es hingegen notwendig, den Nachweis zeichnung fällt,) aber nicht nur darauf, wird sie auch auf
zu führen, dass alles in der Definition (Ausgesagte) zu­ diese Weise aufgehoben, wie es schon bei der Definition
trifft. Ferner muss zum Aufstellen die Deduktion allge­ gesagt wurde. Hinsichtlich der Gattung aber (ist klar),
mein vorgebracht werden. Es muss nämlich von [154b] al­ dass die einzige Weise, sie aufzustellen, [25] darin bestehen
lem, wovon der Name (ausgesagt wird), auch die Definiti­ muss, zu zeigen, dass sie auf alles zutrifft, dagegen gibt es
on ausgesagt werden, und außerdem muss sie mit Bezug zwei Weisen, sie aufzuheben: Denn die anfängliche Be­
auf diese umkehrbar sein, wenn die angegebene Definition hauptung ist sowohl widerlegt, wenn man gezeigt hat,
234 Siebentes Buch [1 54b-155a] [155a] Siebentes Buch 235

dass sie auf keines zutrifft, als auch, wenn man gezeigt hat, auch weder die Eigentümlichkeit notwendigerweise [15] als
dass sie auf etwas nicht zutrifft. Ferner reicht es zum Auf­ Gattung zu noch das Akzidens als Gattung oder. als Ei�en­
stellen nicht aus zu zeigen, dass es zutrifft, sondern man tümlichkeit, sondern es trifft einfach zu. Daher 1st es � 1cht
muss auch zeigen, dass es als Gattung zutrifft, zum Be­ möglich, die einen ausgehend von den anderen anzugreifen,
streiten ist es dagegen ausreichend zu zeigen, dass es auf außer bei der Definition. Damit ist klar, dass es von allen
eines oder auf [30] alle nicht zutrifft. Es hat den Anschein, am leichtesten ist, die Definition aufzuheben, sie aufzustel­
als ob es, wie bei allem anderen, leichter wäre zu zerstören len dagegen am schwierigsten, denn man m� ss jene Dinge
als aufzubauen, so ist es auch bei diesem leichter zu be­ deduktiv etablieren - und zwar: dass [20] d1e ausgesagten
streiten als aufzustellen. Dinge zutreffen und dass das Angegebene die Gattung ist
Beim Akzidens ist es leichter, das Allgemeine zu be­ und dass die Begriffsbestimmung eigentümlich ist - und
streiten als es aufzustellen, denn um es aufzustellen, muss noch darüber hinaus (muss man zeigen), dass die Begriffs­
man zeigen, [35] dass es auf alles zutrifft, um es zu bestrei­ bestimmung das Was-es-hieß-dies-zu-sein erklärt, und die­
ten, reicht es aus zu zeigen, dass es auf eines nicht zutrifft. ses muss auf die richtige Weise durchgeführt werden.
Das Partikuläre ist umgekehrt leichter aufzustellen [155a] Von den anderen Dingen ist die Eigentümlichkeit (der
als zu bestreiten, denn um es aufzustellen, reicht es aus zu Definition) am ähnlichsten. Es ist nämlich leichter, sie auf­
zeigen, dass es auf etwas zutrifft, dagegen muss man, um zuheben, da sie in der Regel aus mehreren (Ausdrücken)
es zu bestreiten, zeigen, dass es auf keines zutrifft. besteht, [25] sie aber aufzustellen ist am schwierigsten, da
Es ist also klar, dass von alleq Dingen die Definition am vieles zusammengebracht werden muss, und außerdem,
leichtesten zu bestreiten ist, denn da in ihr mehrere Dinge weil sie nur auf die Sache zutrifft und an ihrer Stelle aus-
ausgesagt sind, bieten sich am meisten (Angriffsmöglich­ gesagt wird.
keiten), aus [5] mehreren ergibt sich aber schneller eine De­ Am leichtesten von allen ist das Akzidens aufzustellen.
duktion; es ist nämlich wahrscheinlicher, dass ein Fehler In den anderen Fällen muss man nämlich nicht nur zeigen,
vorliegt, wenn es viele (Dinge sind, die ausgesagt werden), dass sie zutreffen, sondern auch, [30] dass sie auf diese
als dann, wenn es wenige sind. Ferner ist es auch möglich, Weise zutreffen. Beim Akzidens ist es jedoch ausreichend
die Definition mit Hilfe der anderen Dinge anzugreifen. zu zeigen, dass es einfach zutrifft. Am schwierigsten ist es
Gleichgültig, ob die Begriffsbestimmung nicht eigentüm­ aber das Akzidens zu bestreiten, denn es bietet die we­
lich ist, oder ob das Angegebene nicht die Gattung ist, oder nigs �en (Angriffsmöglichkeiten). Man fügt nämlich beim
ob etwas von den in der Begriffsbestimmung ausgesagten Akzidens nicht hinzu, auf welche Weise es zutrifft, so dass
Dingen nicht zutrifft - die Definition wird aufgehoben es bei den anderen zwei Weisen gibt, sie aufzuheben: ent­
sein. [10] Gegen die anderen kann man jedoch weder alles weder, indem man zeigt, dass es nicht [35] zutrifft, oder
einsetzen, was bei den Definitionen gilt, noch von den an­ man zeigt, dass es nicht auf diese Weise zutrifft, das Akzi­
deren (Prädikationsklassen), denn nur die.(Argumente), die clens kann man dagegen nur aufheben, indem man zeigt,
für das Akzidens gelten, gelten auch für alle anderen Ge­ dass es nicht zutrifft.
·

nannten. Denn jedes der Genannten muss zutreffen. Wenn Die Topen, durch die wir ohne Schwierigkeiten gegen
aber die Gattung nicht als eine Eigentümlichkeit zutrifft, ist jedes Problem vorgehen können, sind damit in einigerma­
die Gattung keineswegs aufgehoben. Ähnlich trifft aber ßen ausreichender Weise aufgezählt worden.
'
[155b-1 56a] Achtes Buch 237

Achtes Buch Argument klarer wird. Außer diesen muss keine Prämisse
erfasst werden, [25] sondern durch diese muss man versu­
chen, die Fragen zu entwickeln und zu fori?ulieren . . Die­
1 jenigen aber, die sich auf das Verbergen nchten, d1enen
[1 55b] Nach diesen Dingen soll über die Anordnung (der dem Streitgespräch, da aber jede derartige Unternehmung
Fragen) und darüber, wie man fragen muss, gesprochen sich auf jemand anderen richtet, ist es notwendig, auch
werden. Es muss aber derjenige, der die Fragen formulie­ diese (verbergenden Prämissen) zu verwenden.
ren will, erstens den Topos (Ort) [5] finden, von dem aus Die notwendigen Prämissen also, durch welche die .
angegriffen werden soll, zweitens aber die Fragen formu­ Deduktion zustande kommt, [30] sollte man nicht gerade­
lieren und einzeln für sich selbst anordnen, darüber hinaus heraus anbieten, sondern man sollte möglichst weit über
und drittens muss er sie schließlich jemand anderem stel­ ihnen stehen bleiben, indem man beispielsweise nicht for­
len. Bis zum Finden des Topos verläuft nun die Untersu­ dert, dass dieselbe Wissenschaft sich auf die konträren Ge­
chung des Philosophen und des Dialektikers ähnlich, diese gensätze bezieht, falls man dies nehm�n will, son�ern �ass
Dinge aber dann anzuordnen und die Fragen zu formulie­

ren, ist dem Dialektiker eigentümlich, [1 0] denn alles der­ sie sich auf das Entgegengesetzte bez1eht; wenn d1es nam­
artige richtet sich auf jemand anderen. Den Philosophen lich zugestanden wurde, lässt sich auch deduzie��n, dass
und jemanden, der für sich selbst forscht, kümmert es dieselbe sich auf die konträren Gegensätze bezieht, da
nicht, wenn das, aufgrund dessen die Deduktion zustande konträre Gegensätze (einander) entgegengesetzt sind.
kommt, zwar wahr und bekannt ist, aber vom Antworten­ Wenn er es aber nicht zugestehen sollte, dann ist es durch
den nicht zugestanden wird, weil es nah an der anfängli­ Induktion zu erfassen, [35] indem man (Prämissen über)
chen (These) ist und der Antwortende voraussieht, was partikuläre konträre Gegenteile anbi�tet. Den� entweder
_
durch Deduktion oder durch Induktion s1nd die notwen­
sich ergeben wird. Vielmehr wird der Philosoph sich digen Prämissen zu erfassen, oder die einen durch Induk­
wahrscheinlich sogar darum bemühen, dass [1 5] die Axio­ tion' die anderen durch Deduktion, sofern sie aber beson­
me in höchstem Maße bekannt und nah sind, denn von ders einleuchtend sind, kann man sie auch selbst anbieten.
diesen gehen die wissenschaftlichen Deduktionen aus. Denn es ist, wenn man (in der Deduktion über der not­
Wohe� man nun die Topen nehmen soll, wurde früher wendigen Prämisse) stehen bl�ibt, [1 56a� wie auch in �er
gesagt. Uber die Anordnung aber und die Formulierung Induktion stets weniger deutlich, was sich ergeben wird;
der Fragen soll (nun) gesprochen werden, wobei auch die und zugleich ist es leicht, die nützlichen (Prämissen) selbst
Prämissen unterschieden werden sollen, die neben den anzubieten, wenn man sie nicht auf jene Weise erfassen
notwendigen Prämissen noch zu erfassen sind; [20] >not­ kann.
wendige< (Prämissen) werden aber diejenigen genannt, Die erwähnten (Prämissen), die es außer diesen (not-
durch welche die Deduktion zustande kommt. Neben die­ wendigen) noch gibt, sind mit Blick auf diese (notwendi­
sen sind noch vier zu erfassen: Sie dienen entweder der In­ gen Prämissen) zu erfassen, jede soll . aber �uf folgende
duktion und dazu, das Allgemeine anzugeben, oder sie Weise verwendet werden: Wenn man Induktiv argumen­
tragen zur Breite des Arguments bei oder sie richten sich tiert, [5] (steige man) von den Einzelfällen zum Allgemei­
auf das Verbergen der Konklusion oder darauf, dass das nen und von den bekannten Dingen zu den unbekannten
[156a-156b] Achtes Buch 239
238 Achtes Buch [156a J
(auf) - in höherem Maße bekannt aber sind die sinnlich (Ausdrücke) selbst gilt, so nd er n fü r d ie ve rw an dt en A us ­
wahrnehmbaren Dinge, entweder schlechthin oder für die drücke. Denn sie erlie ge n se lb st d em F eh ls ch lu ss , [3 0] da ss
� enge. Wenn man aber (die Konklusion) verbirgt, dedu­ sie das Al.lgemeine nicht zu ge st eh en , w en n si e d ie (D efi � i­
Ziere man zusätzlich Prämissen, durch welche die Deduk­ tion) annehmen, d ie fü r di e ve rw an dt en A us dr üc ke g1 lt .
tion der anfänglichen (These) zustande kommen soll' und Wenn zum Beispiel an ge no m m en w er de n so ll, da ss >d er
von diesen (Prämissen) so viele wie möglich. Dies aber Zornige nach Ver ge lt un g w eg en ve rm ei nt lic h er G er in g­
dürfte darin bestehen, wenn jemand nicht nur die [10] not­ schätzung strebt<, nach de m fe st ge le gt w ur de , da ss de r
wendigen, sondern auch manche derjenigen (Prämissen) >Zorn das Streben na ch V er ge lt un g w eg en ve rm ei nt lic h er
�eduziert, die mit Blick auf die notwendigen nützlich Geringschätzung< ist; de nn of fe nk un di g er ha lt � n w ir
s1nd. Ferner spreche man die Konklusionen nicht aus, wohl, wenn dies an ge no m m en w ur de , da s A llg em ei ne , au f
sondern deduziere sie später alle gemeinsam, denn auf die­ das wir es abgesehen hab en . D en je n ig en ab er , d ie (F or m u ­
se Weise dürfte man sich am weitesten von der anfängli­ lierungen) anbieten , in de ne n di e (A us dr üc ke ) se lb st vo r­
chen These entfernt halten. kommen, [35] geschieht es hä ufi g, da ss de r A nt w or te nd e
um es all emein zu sagen: Wer mit der Absicht fragt, sie ablehnt, weil er be i ih ne n eh er ü be r ei ne n E in w an d
. � er Z or ni ge st re bt ni ch t na ch V er ­
(d1e Konklusion) zu verbergen, muss die Fragen so stellen, verfügt, zum Beispiel: >d
dass, .nachdem das ge �amte Argument in Form von Fragen geltung; denn wir k ön ne n d en E lt er n zü rn en , oh ne na ch
entwickelt [15] und d1e Konklusion ausgesprochen wurde, Vergeltung zu streben<. ef ­
>Warum?< gefragt wird. Dies wird aber am ehesten auf die Dieser Einwand al le rd in gs is t vi el le ic h t ni ch t zu tr
gerade beschriebene Weise gelingen; wenn nämlich nur die fend, denn bei manch en be st eh t ei ne au sr ei ch en de V er ge l­
letzte Konklusion formuliert wurde, bleibt unklar, auf tung bereits darin, Sc hm er z zu zu fü ge n od er [1 56 b] B ed au ­
welche Weise sie sich ergibt, weil der Antwortende nicht ern hervorzurufen; de nn oc h w ir d de r A nt w or te nd e üb er
v?raussieht, aus welchen (Prämissen) sie sich ergibt, wenn etwas Überzeuge n d es ve rf üg en un d d am it ni ch t d en E in ­
dte früheren Deduktionen nicht gegliedert dargestellt druck erwecken, dem A ng eb ot en en au f un ve rn ün ft ig e
wurden . Am wenigsten [20] dürfte die Deduktion der Weise die Zustim m un g zu ve rw ei ge rn . B ei de r D efi ni ti on
Konklusion gegliedert sein, wenn nicht die (für die Kon­ des Zornes dagegen is t es ni ch t ge na us o ei nf ac h, ei ne n
klusion erforderlichen) Annahmen von uns festgesetzt Einwand zu finden. an
wurden) sondern (nur) diejenigen, aus welchen die De­ Ferner (ist es nütz lic h ), es so an zu bi et en , al s w ür de m
duktion zustande kommt. es nicht seiner se lb st w eg en , so nd er n u m ei ne r an de re n (S a­
Nützlich ist es aber auch, die Axiome, aus denen die che) willen [5] anbieten ; vo rs ic ht ig si nd si e nä m li� h be i de m ,
Deduktionen gebildet werden, nicht im Zusammenhang was mit Bezug au f d ie T he se nü tz lic h is t . K ur z ge sa gt , m an
zu erfassen, sondern abwechselnd eines für diese, [25] ei­ sollte es so unklar w ie m ög lic h m ac he n, ob m an w ill , da ss
nes. f�r jene Konk!usion; denn wenn die angemessenen das Angeboten e an ge no m m en w er de od er da s G eg en te il.
.
(Pram1ssen) nebeneinander gestellt werden, ist eher offen­ Denn wenn es unklar is t, w as m it B ez ug au f da s A rg um en t
sichtlich, was sich aus ihnen ergeben wird. nützlic h is t, da nn ge st eh en si e eh er zu , v: as �i
. e g ! au be � .
Man soll aber auch, wo es möglich ist, die allgemeine [1 0] Ferner (ist es nü tz lic h ), du rc h d 1e A h nl ie h k el t zu
Prämisse durch eine Definition erfassen, die nicht für die fragen, denn das ist üb er ze ug en d un d ve rb ir gt eh er da s

, l
240 Achtes Buch [156b] (156b-157a] Achtes Buch 241

Allgemeine; beispielsweise: >Wie sich dasselbe Wissen und bieten, die Sta rrs inn ige n ge ste he n die er ste n I? in g � m � is­
d�eselbe Unwi�senh�it auf die kqnträren Gegensätze be­ tens zu, [35] wenn nicht vollkommen offenstchtl�ch 1st,
z�ehen, so bezteht steh auch dieselbe Wahrnehmung auf was da ra us f� lge n wi rd , ge ge n En �e ab e � w � rd en s.te da nn
dte konträren Gegensätze.< Oder umgekehrt: >Da dieselbe starrsinnig. Ah nli eh ist es au c � � 1t de nJe mg en , dt e gla � ­
Wahrnehmung (auf die Gegensätze bezogen ist), ist es set . n, na ch de m s1e
ben be im An tw or ten sch ar fst nn tg zu
auch dasselbe Wissen.< Dies aber ist der Induktion ähn­ nä�lich die ersten Dinge festgesetzt h�ben, bestr.eiten .sie
lich, jedoch nicht wirklich dasselbe. [15] Dort wird näm­ gegen En de äu ße rst sp itz fin dig , da ss (d te Ko nk lus 10n ) ste h
lich das Allgemeine ausgehend von den Einzelnen erfasst, aus dem Gesetzten ergebe; sie setzen jedoch freihändig et­
bei den ähnlichen Dingen ist das Erfasste jedoch nicht das was fes t, we il sie au f ih re Ge sc hic kl ich ke it ve rtr au en un d
Allgemeine, unter das alle ähnlichen Dinge fallen. annehmen, [15 7a] dass ihnen nichts geschehen könne. Fer­
M
.steh an so llt e ab �r au ch ge leg en tli ch ein en Einwand gegen ner (is t es nü tzl ich ), sic h we its ch we ifig au szu ?, fi:i ck en un d
selbst vorbrtngen. Denn die Antwortenden verhalten Dinge einzubauen, die für das Argument volhg nut�los
sich arglos gegenüber denjenigen, die [20] auf redliche Art sind, wi e es au ch die jen ige n tu n, �ie du r � h fal � ch e � etc h­
anzugreifen scheinen. Nützlich ist es aber auch anzumer­ nungen täuschen, denn wenn es vtele Dmge smd, 1st u�­
ken, dass >derartiges allseits bekannt und gebräuchlich< sei, kla r. in we lch em de r Fe hle r ste ck t. De sh alb set ze n dte
denn sie zögern, an dem Bewährten zu rühren' wenn sie Fra�enden auch manchm� heimlich etwas in ei?-em weit­
keinen Einwand haben, zugleich aber hüten sie sich auch, schwe ifi ge n (A rg um en t) hm zu , [5] wa s wo �l m ch t zu ge -
an derartigem zu rühren, weil auch sie selbst davon Ge­ standen würde, böte man es als solches an.
brauch machen. Für das Verbergen sollten also die genannten (Verf�h-
. . Ferner (sollte man) nicht zu eifrig sein, auch wenn es ren) verwendet werden, für den Schmuck aber Indu�uon
tnsgesamt nützlich wäre, denn [25] sie widersprechen eher un d Un ter tei lu ng de r ve rw an dt en Di ng e. W ie als o dte In ­
denjenigen, ?ie sich eifrig bemühen. Und (es ist nützlich), .
duktion beschaffen ist, ist klar. Das U ntertetlen dagegen
es so anzubteten, als ob es ein Vergleich wäre, denn was ist so etw as wi e: >E in e W iss en sc ha ft ist be sse r als ein e (an ­
wegen einer anderen (Sache) angeboten wird und nicht dere) Wissenschaft entweder, . weil sie genauer. ist, oder,
durch sich selbst nützlich ist, das räumen sie eher ein. we il sie sic h au f [10 ] be sse re Ge ge ns tän de be zte ht <, un �:
Ferner (sollte man) nicht dasjenige selbst anbieten, was >Von den W iss en sch aft en sin d di e ein en be tra ch ten d, dt e
angenommen werden soll, sondern etwas, woraus es mit an de re n ha nd lu ng sle ite nd un d di e dr itt en he rv or br in ­
�otw�ndigkeit folgt, denn sie gestehen es eher zu, weil gend<. Al le de ra rti ge n (A � ssa ge J? ) sc hm ü � ke n zw ar d � s
nt�ht 1n derselben Weise deutlich ist, was daraus folgen Ar gu me nt au s, sie vo rz ub nn ge n 1st ab er mc ht no tw en dtg
wtrd; und [30] wenn dies angenommen wurde, ist jenes für die Konklusion.
angenommen. Und (man sollte) erst gegen Ende nach dem Für die Klarheit sollte man Beispiele und Vergleiche
·

fragen, wovon man am meisten will, dass es angenommen bringen; [15 ] di e Be isp iel e so llt en ab er ve tra
� � u sei n un d
werde; denn sie schütteln meistens bei den ersten Dingen au s de n (Z us am m en hä ng en sta m m en ), dt � w 1r ke nn ��'
den Kopf, weil die meisten der Fragenden zuerst das sa­ solche wie von Homer und nicht solche w1e von Cholrl­
gen, worum sie sich am eifrigsten bemühen. Gegenüber lo s, de nn au f di es e W eis e dü rft e da s An ge bo ten e klar er
einigen aber (ist es nützlich), derartige Dinge zuerst anzu- se1n.

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242 Achtes Buch [157a-157b] Achtes Buch 243
[157a]
2 ben sollte, wie etwa die Zwei unter den geraden Zahlen
Verwen?en soll man aber im dialektischen Gespräch die die ein zig e [15 7b ] Pr im za hl ist ; we r nä ml ich etw as ein we n­
Deduktwn eher gegenüber den Dialektikern als gegenüber det, muss den Einwand entweder auf eine andere Sache
�er Menge, [20] umge�ehrt aber die Induktion eher gegen­ stü tze n od er sag en , da ss di ese di e ein zig e ist . Ge ge n di eje ­
uber der Menge; daruber wurde aber auch früher schon nigen aber, die etwas gegen das Allgemeine einwenden,
g�sprochen. � s ist aber in einigen Fällen möglich, mittels den Ei nw an d jed oc h nic ht ge ge n es sel bs t, so nd ern ge ge n
ei.?er I!ldu�twn das . Allg�meine zu erfragen. In einigen einen homonymen Ausdruck vorbringen, beispielsweis.e
Fallen Ist d1es aber mcht emfach, weil den ähnlichen Din­ (einwen de n), jem an d kö nn te nic ht [5] die eig en e Fa rb e
gen k�in allen gemeinsamer Name beigelegt wurde; so bald oder nicht die eigene Hand oder den eigenen Fuß haben,
a!lerdmgs das Allgemeine angenommen werden soll, sagen denn der Maler könnte eine andere Farbe als die eigene
Sie: >Und so verhält es sich bei allen so beschaffeneo Din­ und de r Ko ch ein en an de ren Fu ß als de n eig en en ha be n,
gen<, [25] es gehört aber zu den schwierigsten Fragen, wel­
. muss man Fragen stellen, nachdem man es unterteilt hat;
che d�r vorgebrachten Dmge so beschaffen sind und wel­ wenn nä ml ich die Ho mo ny mi e ve rb or ge n ble ibt , sch ein t
c�e mcht. Und we�en dieser (Schwierigkeit) führen sie gegen die Prämisse zu Recht etwas ei�gewan_dt worden zu
eman.der oft�als be1 den Argumenten in die Irre, die ei­ sein. W en n er ab er da s Fr ag en ve rh tn de rt, In de m er de n
n�n, mdem s�e sagen! es sei ähnlich, was nicht ähnlich ist, Einwand nicht gegen den homonymen Ausdruck, sondern
�1e �nd�ren, mdem s1e behaupten, es sei nicht ähnlich, .was gegen die Sache selbst richtet, [10] muss man, nachdem
a�nhch 1st. Daher so!lte man �ersuchen, in allen derartigen man da s ab ge zo ge n ha t, wo ge ge n sic h de r Ei nw an d ric h­
F�llen [30] selbst eme Bezeichnung für (alle ähnlichen tet, das Übrige anbieten, indem man es zum Allgemeinen
D��g�) z.u finden, so dass es weder dem Antwortenden ma ch t, bis er da s an ge no mm en ha t, wa s nü tzl ich ist .
moghch .1st z� be�aupten, der angeführte Fall sei (den an­ Zum Beispiel beim Vergessen und Vergessen-haben: Sie
deren) mcht ahnhc�� no�h dem Fragenden möglich ist, so gestehe n nä ml ich nic ht zu , da ss de rje nig e, de m Wi sse n ve r­
.
z� tun, �ls �b etwas ahnlieh genannt würde; denn viele der loren gegangen ist, es vergessen hat; denn wenn der Gegen:
mcht (w1rkhch) ähnlich genannten Dinge scheinen ähnlich stand (d es W iss en s) sic h ve rän de rt, ha t er zw ar da s Wi sse n
genannt zu werden. verloren, er hat es aber nicht vergessen. Man muss also, [15 ]
. W en n .er ab �
. r, na ch �e m man ein e In du kt io n aufgrund nachdem man das abgezogen hat, wogegen sich der Ein­
v�eler (Emzelfa�le) gebildet hat, das Allgemeine nicht zu ­ wand richtet, das Übrige aussagen, zum Beispiel: >Wenn je­
gibt, [35] dann 1st man berechtigt, einen Einwand zu for­ mandem Wissen verloren geht, obwohl der Gegenstand
?ern. ';Venn man aber selbst nicht gesagt hat, dass es sich (�es W iss en s) fo rtb est e� t, da nn , we il er es v � rg ess en � at: <
m. bestimmten Fälle.n so verhält, ist man nicht berechtigt, Ahnlieh (verhält man sich) aber auch gegenuber denJeni-
(em� Ant.wort auf d1e Frage) zu fordern, in welchen Fällen gen, die etw a� da ge ge n ein we nd en , d � ss � em .gr öß er � � � ut
.
es Sich nicht so verhält. Denn man muss zuvor eine In ­ ein größeres Ubel entgegengesetzt set; sie brtngen namltch
duktion gebildet haben, um auf diese Weise einen Ein­ vor, dass de r Ge su nd he it, ob wo hl sie ein ge rin ge r�� Gu t als
wand fordern zu dürfen. Und es ist zu fordern dass die di e gu te kö rp er lic he Ve rfa ssu ng ist , ein gr öß er es U be l en t­
. Ei nw än de ni cht ge.gen das �nge�otene selbst vo�gebracht g.egensetzt sei [20] denn die Krankheit ist ein größe�es
werden, wenn es mcht nur eme emzige derartige Sache ge- Ubel als die Schwäche. Auch hier muss man nun das abzte-
-

· ·

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244 Achtes Buch [15 8a] Achtes Buch 245


[1 57b-158a]
hen, wogegen der Einwand sich richtet; nachdem dies Man soll die Präm is se n an bi et en , di e au f vi el es zu tr ef ­
n_ä�ich abgez<?ge? wur�e, d�rfte er �das Allgemeine) eher fen, gegen die es , ab � r en tw ed e � üb er � � up � ke in en E in ­
einra�men, b ��spiels!'eise d1e Prämisse: >Dem größeren wand gibt oder nur � e ne n, de r be 1 o ? er � ac �h ch � r B e �ra ch ­
�ut 1st das großere Ubel entgegengesetzt, wenn nicht das 1s t. W en n s1 e na m hc h m c ? t m de r
·

tung nicht zu se he n [5 ] .
e1ne das andere mit sich bringt, wie etwa die gute körperli­ Lage sind zu über bl �c ke n, in w el c� en Fä lle n es s1 ch m ch t
che Verfassung die Gesundheit<. Dieses sollte man aber so ve rh äl t, rä um en s1 e es al s w ah r e1 n. .
nicht nur nach einem Einwand vorbringen, sondern auch Man darf aber ni ch t di e K on kl us io n al s Fr ag e fo rm uh e-
dann, w�nn [�5] er ohne E�nw�nd die Zustimmung verwei­ ren. Andernf al ls ha t es , w en n er si e ab le hn t, de n A ns ch ei n,
gert, weil er Irgendetwas In d1eser Art vorhersieht. Nach­ es sei keine Deduk tio n zu st an de ge ko m m en . O ft le hn en
�em näml�ch abgezogen wurde, wogegen der Einwand sich sie sie nämlic h ab , se lb st w en n m an si e ni ch t al s Fr ag e fo r­
r��htet, w1r� er gezwungen s.�in, (das Allgemeine) einzu­ muliert sondern al s da s vo rg eb ra ch t ha t, w as si ch er gi bt ,
raumen, weil er anhand des Ubrigen nicht vorhersieht in [1 0] und inde m si e di es tu n, gl au be n di ej e � ig � n, di e ni � ht
welchen Fällen es sich nicht so verhält. Wenn er es aher überblicken, was si ch au s de n ge se tz te n (P ra m 1s se n) er gi b .t,
nicht ein�äumt, wird er auf die Forderung nach einem Ein­ nicht, dass si e w id er le gt w or de n si nd . W en n m an al so ( d � e
wand keine Antwort geben können. Es sind aber solche KonkluSion) als Fr ag e fo rm ul ie rt , oh ne zu sa ge n, da ss s1e
Prämissen so beschaffen, dass sie für manches falsch sind sich ergibt, da nn ha t es , w en n er si e ab le hn t, de n A ns ch ei n,
für anderes aber wahr; [30] in solchen Fällen ist es m?,glich: es sei überhaupt ke in e D ed uk tio n zu s an
� . <? de ge k m m e ? ·
dass, na�hdem man (etwas) abgezogen hat, das Ubrige E s schein t ab er ni ch t je de s A llg em ei ne e1 ne di al ek tis ch e
wahr bleibt. Wenn man aber eine Prämisse anbietet die für Prämisse zu sein , [1 5] zu m B ei sp ie l: >W as is t de r M en sc h? <,
. viele Dinge gilt! und er keinen Einwand vorbrin�t, d�mn oder: >Auf w ie vi el e W ei se n w ir d de r A us dr uc k >g ut < ve r­
muss man (von 1hm) f�rdern, sie einzuräumen. Dialektisch wende t? < Eine di al ek tis ch e Pr äm is se is t nä m lic h . (e in e Fr a­
ist nämlich eine Prämisse, gegen welche es, wenn sie in die­ ge), auf die m an m it >J a< od er ; N ei n< an �w o � en ka nn , � as
ser Weise für viele Dinge gilt, keinen Einwand gibt. ra ge n) m ch t m ..
og hc h 1s t. D ah r sm d
bei den genannte n (F �
Wenn es aber möglich ist, dasselbe sowohl ohne das derartige Fragen keine di a� ek tis c� en Fr ag en , es
.1n der Formuh� erung, se de nn ,
l!nmögliche als auch [35] durch das Unmögliche zu dedu­ man selbst bestimmt oder unterteilt
Zieren, obwohl es für denjenigen, der einen Beweis führt beispielsw ei se : >I st es so , da ss m an >g ut < au f di es e . od er je ne
und kein dialektisches Gespräch, keinen Unterschied Weise verwende n ka nn ?< , [2 q] de nn au f de ra rt ig es ka nn
macht, ob er es auf diese oder jene Weise deduziert hat, man leic ht ei ne en tw ed er zu st im m en de od er ab le hn en de
s�llte doch· derje'nige, der sich mit einem anderen dialek­ Antwort geben. D ah er m us s m an ve rs uc he n, di e Pr äm is ­
ti�ch unterredet, die Deduktion durch das Unmögliche sen in dieser Form an zu bi et en . Z ug le ic h is t m an ab �r w oh l
nicht verwenden. Denn wer ohne das Unmögliche dedu­ auch berechtig t, je ne n zu fr ag en , au f w ie vi el e W ei se n >g u � <
ziert, dem ist nicht zu widersprechen. Wenn er aber das verwendet wird wen n m an se lb st (d ie V er w en du ng sw el ­
Unmögliche deduziert, [15 8a] dann werden sie, außer sen) unterteilt u� d an ge bo te n ha t, er ab er m it ke in er ei nz i-
we� e� alfzu offen�ichtlich ist, dass dies falsch ist, sagen, gen einverstanden ist. .e1t d1. e Fragen zu eu. em
es sei nicht unmöglich, so dass die Fragenden nicht errei­ [25] Wer aber über eine lange Z �
chen, was sie wollen. einzigen Argument st el lt, . de r fr ag t sc hl ec ht . W en n na m -
, ,
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246 Achtes Buch [1 58a-1 58b] Achtes Buch 247
[158b]
lieh der Befragte die Fragen beantwortet, ist klar, dass (der greifen, in denen solche Ausdrüc�e ve�en�et worden
Fragende) viele Fragen stellt oder immer dieselbe, weil er sind, [10] bei denen erstens unklar 1st, ob s1e emfach oder
entweder geschwätzig ist oder keine Deduktion hat, denn auf mehrere Weisen ausgesagt wurden, und von welchen
jede Deduktion wird aus wenigen (Prämissen) gebildet. man außerdem nicht weiß, ob sie buchstäblich oder meta­
Wenn (der Antwortende) aber nicht antwortet, liegt der phorisch vom Definierenden. ve�endet w�rden. �ei l sie
Fehler (des Fragenden) darin, nicht [30] zu tadeln oder ab­ unklar sind kann man nämlich nicht angreifen; we1l man
zubrechen. aber nicht �eiß, ob dies daran liegt, dass sie metaphorisch
formuliert wurden, (15] kann man nicht tadeln.
' 3
Es sind aber dieselben Hypothesen sowohl schwer anzu­ Insgesamt muss man aber davon au �gehen, dass je�es
greifen als auch leicht zu vertreten. Vo n dieser Art sind Problem wenn es schwer angreifbar 1st, entweder e1ne
aber sowohl die von Natur aus ersten als auch die letzten Definiti�n erfordert oder zu den auf mehrere Weisen oder
(�ätze). Denn die ersten (Sätze) benötigen ein� Definition, metaphorisch verwendet�n �� sdrücken ge?ört oder nicht
die letzten werden dagegen durch viele (Schritte) zustande weit (genug) von den Pnnztpten entfernt 1st, denn zuerst
gebracht, [35] wenn man eine von den ersten (Sätzen) ab ist uns genau dies nicht ?e"?tlic�: auf welche [20] �� r �e­
zusammenhängende (Argumentation) erhalten will; an­ nannten Arten die Schwierigkelt entsteht. Wenn namlich
dernfalls wirken die Angriffe sophistisch, denn es is t un ­ die Art (der Schwierigkeit) deutlich is�, dann ist �lar, ?a� s
möglich, etwas zu beweisen, wenn man nicht mit den an­ man entweder definieren oder unterteilen oder s1ch die 1n
gemessenen Prinzipien beginnt und bis zu den letzten der Mitte liegenden Sätze verschaffen muss; durch diese
(Sätzen) fortfährt. Allerdings fordern die Antwortenden nämlich werden die letzten (Sätze) begründet. ·
weder, dass definiert werde, noch beachten sie es, wenn Auch ist es bei vielen der Thesen, wenn die [25] Defini-
der Fragende definiert hat. Aber wenn nicht deutlich ge­ tion nicht richtig angegeben wurd�, nicht . ei�fach, �ie dia�
macht wurde, was [1 58 b] das Vorliegende überhaupt ist, Iektisch zu erörtern und anzugre1fen, be1spielswe1se (be1
dann ist es nicht leicht anzugreifen. Meistens is t etwas der Frage), ob einem eines .oder m�_hreres kont�är entge­
derartiges im Zusammenhang m it den Prinzipien der Fall; gengesetzt ist. Wen n aber d�e kontr�ren �egensatze sach­
denn durch diese werden zwar die anderen (Sätze) bewie­ gemäß definiert wurden, wtrd es letcht sem zu e�kennen,
sen, sie selbst können aber nicht durch andere (Sätze be ­ ob es möglich ist, dass mehreres. demselbe?- kontr�r entge­
wiesen werden), sondern es ist notwendig, jedes einzelne gengesetzt ist oder nicht. Auf. dteselbe �etse verfa.h!t man
von ihnen mit Hilfe einer Definition zu erkennen. auch in den anderen Fällen, 1n denen e1ne Defin1t1on er-
[5] Es sind aber auch diejenigen (Sätze), die de m Prinzip forderlich ist .
Es hat aber den Anschein, dass es auch in der Mathema-
�llzu -?ahe .sind, schwer angreifbar; denn es ist nicht mög­ tik [30] in einigen Fällen wegen ?es Fehlens e�ner D ��niti­
lich, sich viele Argumente gegen sie zu verschaffen, weil es on schwierig ist, den (geometnschen) Bewe1s �u fuhren,
in. der M�tte zwischen ihnen und de m Prinzip nur wenige beispielsweise dafür, dass die parallel zu �iner Sette �erlau­
Dinge gibt, durch welche man die (Sätze) begründen fende Linie bei einem Parallelogramm dte Grundseite und
muss, die diesen (Prinzipien) nachgeordnet sind. Von allen die Fläche im seihen Verhältnis teilt. Sobald aber die Defi ­
D efi nitionen sind aber am schwersten diejenigen anzu- nition angegeben wurde, ist das Gesagte klar. Den n Linien
• •

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248 Achtes Buch [158b-159a] [159a] Achtes Buch 249

und Flächen haben dieselbe reziproke Subtraktion; und


'

tige Weise fragt. Es ist aber die Aufgabe des Fragenden,


dies ist die Definition [35] von >dasselbe Verhältnis<. Ein­ das Argument so zu führen, dass der Antwortende dazu
fach gesagt, die ersten der Elemente sind sehr leicht be­ gebracht wird, [20] von dem, was aus der These notwendig
wiesen, wenn die Definitionen, beispielsweise, was eine (folgt), das Inakzeptabelste zu sagen, die Aufgabe des
�inie und was ein Kreis sei, festgesetzt wurden, abgesehen Ant�orten�en d�gegen, den Anschein zu erzeugen, dass
davon, dass zumindest bei diesen Dingen jeweils nicht vie- es ntcht an thm ltegt, wenn das Unmögliche oder das der
les anzugreifen ist, da es nicht viel Mittleres gibt. . herrschenden Meinung Widersprechende folgt, sondern
an de� These; denn es ist wohl der Fehler, am Anfang et­
·

Aber wenn die Definitionen der Prinzipie.n nicht festge­


setzt wurden, ist �ies schwierig, vielleicht sogar völlig � as einzuräumen, was man nicht hätte einräumen sollen,
[159a] unmöglich. Ahnlieh wie bei diesen verhält es sich ein anderer als der, das Eingeräumte nicht auf die richtige
auch bei den Begriffsbestimmungen. Weise zu verteidigen.
. Man darf also, wenn die These schwer angreifbar ist,
nt�ht ve.rgessen, d�ss das ein.e oder andere der genannten 5
Dtnge eingetreten 1st. Wann Immer es aber [5] eine größe­ [25] Da aber diese Dinge für diejenigen, die der Übung
re Aufgabe ist, mit Blick auf das Axiom und auf die Prä­ und Prüfung wegen Argumente entwickeln, nicht defi­
misse dialektisch zu disputieren als mit Blick auf die The­ niert sind - denn die Lehrenden und Lernenden haben
se, könnte man sich fragen, ob man dies einräumen soll nicht dieselben Ziele wie die Streitenden, noch haben diese
oder nicht. Wenn er es nämlich nicht festsetzt, sondern es dieselben Ziele wie diejenigen, die sich miteinander um
fordert und mit Blick darauf disputiert, wird es eine grö­ der Untersuchung willen auseinandersetzen; der Lernende
ßere Aufgabe sein als das am Anfang Festgesetzte. Wenn muss nämlich stets einräumen, was er glaubt; denn es ver­
r es aber festsetzt, wird er aus weniger Ü berzeugendem sucht auch [30] niemand, jemanden etwas Falsches zu leh­

uberzeugen (wollen). Wenn man [10] das Problem nicht �en; bei d.en Streitenden. dagegen muss der Fragende um
schwieriger machen darf, ist es .e inzuräumen. Wenn man Jeden Preis den Anschein erwecken, etwas auszurichten,
durch Bekannteres deduzieren soll, dann nicht. Oder: Der der Antwortende aber den Anschein erwecken, sich nichts
Lernende soll es nicht einräumen, wenn es nicht bekann- anhaben zu lassen; bei den dialektischen Zusammenkünf­
. ter ist; der Übende soll es aber einräumen, wenn es auch ten dag�gen von denjenigen, die die Argumente nicht um
nur wahr zu sein scheint. Daher ist klar, dass vom Fragen­ de� Strett�s, sondern der Prüfung und Untersuchung wil­
den und vom Lehrenden nicht in derselben Weise gefor- len entwickeln, wurde überhaupt noch nicht dargelegt,
, worauf der [35] Antwortende zielen muss, und was er ein­
dert wird einzuräumen.
räumen �uss und w�s nicht, um die These auf richtige
4 o?er nicht auf richtige Weise zu verteidigen - da wir also
[15] Auf welche Weise man also die Fragen formulieren

nichts von den anderen übernehmen konnten, werden wir


und an ?r�nen . soll, w:nrde damit fast zur Genüge behan­ selbst versuchen, etwas darüber zu sagen.
d�lt. Hinsichtlich der Antwort muss aber zuerst definiert Notwendigerweise vertritt also der Antwortende ein
werden, was die Aufgabe desjenigen ist, der auf die richti­ Argument, nachdem er eine These. eingeräumt hat, die
ge Weise antwortet, wie auch desjenigen, der auf die rich- entweder akzeptabel oder inakzeptabel oder keines von

, •


250 A chtes Buch [159a-159b] [159b-160a] Achtes Buch 251

beidem ist, und zwar [159b] akzeptabel oder inakzeptabel Ähnlich verhält es sich, wenn die These weder inakzep­
entweder schlechthin oder eingeschränkt, nämlich für je­ tabel noch akzeptabel ist. Denn auch dann muss man alles,
mand Bestimmten, entweder für ihn selbst oder für je­ was der Fall zu sein scheint, einräumen und von den Din­
mand anderen. Es macht aber keinen Unterschied, auf gen, die nicht (allgemein) für richtig gehalten v.:-erden, di� ­
welche der beiden Weisen sie akzeptabel oder inakzepta­ jenigen, die in höherem Grade akzeptabel s1nd als d1e
bel ist, denn das Verfahren des richtigen Antwortens, das Konklusion; auf diese Weise werden nämlich die Argu­
heißt: des Einräumens oder Nicht-Einräumens des Ge­ mente in höherem Grade akzeptabel sein. Wenn nun das
fragten, wird dasselbe sein. Wenn die These inakzeptabel Vorliegende schlechthin akzeptabel oder inakzeptabel ist,
ist, muss [5] die Konklusion notwendigerweise akzeptabel [25] dann muss man mit Blick auf das schlechthin für rich­
sein, wenn aber akzeptabel, dann inakzeptabel. Denn der tig Gehaltene den Vergleich durchführen. Wenn das Ein­
Fragende zieht stets die der These entgegengesetzte Kon­ geräumte aber nicht schlechthin akzeptabel oder inakzep­
klusion. Und wenn das Eingeräumte weder akzeptabel tabel ist, sondern für den Antwortenden, dann muss er
noch inakzeptabel ist, dann wird auch die Konklusion von mit Blick auf das, was er selbst für richtig hält oder nicht
dieser Art sein. Da aber derjenige, der auf die richtige für richtig hält, beurteilen, was einzuräumen ist und was
Weise deduziert, das gestellte Problem aus akzeptableren . nicht. Wenn der Antwortende aber die Meinung eines
und bekannteren (Prämissen) beweist, ist es offensicht­ anderen verteidigt, dann muss er offenkundig jede (Prä­
lich, dass [10] der Antwortende, wenn das Vorliegende misse) mit Blick auf dessen Gedanken einräumen oder ab­
schlechthin inakzeptabel ist, weder etwas einräumen soll­ lehnen. [30] Daher geben auch diejenigen, die fremde Mei­
te, was nicht schlechthin der Fall zu sein scheint, noch, nungen vertreten, zum Beispiel, dass gut und schlecht das­
was zwar der Fall zu sein scheint, aber weniger als die selbe sei, wie Heraklit sagt, nicht zu, dass die Gegensätze
Konklusion der Fall zu sein scheint. Denn wenn die These nicht zugleich demselben zukommen können, nicht, weil
inakzeptabel ist, dann ist die Konklusion akzeptabel, so es ihnen nicht so scheint, sondern weil man im Sinne He­
dass die angenommenen (Prämissen) alle akzeptabel sein raklits so reden muss. Dies tun aber auch diejenigen, die
müssen und in höherem Grade akzeptabel als die vorlie­ die Thesen voneinander übernehmen, sie zielen [35] näm­
gende (Konklusion), wenn man durch das Bekanntere das lich auf das, was derjenige, der die These aufgestellt hat,
[15] weniger Bekannte folgern will. Daher, wenn eine der sagen würde.
gefragten (Prämissen) nicht von dieser Art ist, sollte der
Antwortende sie nicht einräumen. Wenn die These aber

6
schlechthin akzeptabel ist, dann ist klar, dass die Konklu­ Damit ist klar, worauf der Antwortende zielen soll, sei es,
sion schlechthin inakzeptabel ist. Man muss also sowohl dass das Eingeräumte schlechthin, sei es, dass es für je­
alles einräumen, was (allgemein) für richtig gehalten wird, mand Bestimmten akzeptabel ist. Da aber notwendiger­
als auch die (Prämissen), die zwar nicht (allgemein) für weise alles, was gefragt . wird, entweder akzeptabel oder
richtig gehalten werden, aber weniger inakzeptabel sind inakzeptabel oder keines von beiden ist, und da das Ge­
als es die Konklusion ist; man wird nämlich den Anschein fragte entweder auf das Argument bezogen oder nicht auf
erwecken, hinreichend dialektisch [20] disputiert zu ha­ das Argument bezogen ist, [160a] muss man, wenn es rich­
ben. tig zu sein scheint und nicht auf das Argument bezogen ist,
252 Achtes Buch [160a] [160a-160b] Achtes Buch 253

es einräumen und dazu anmerken, dass es richtig zu sein gen, dass er nicht folgen kann, denn oft ergibt sich etwas
scheint. Wenn es nicht richtig zu sein scheint und nicht auf ganz und gar Lästiges daraus, wenn man das unklar Ge­
das Argument bezogen ist, muss man es zwar einräumen, fragte einräumt. Wenn das Gesagte zwar verständlich,
aber dazu anmerken, dass man es nicht für richtig hält, um aber mehrdeutig formuliert ist, muss man, wenn [25] es in
nicht einfältig zu wirken. Wenn es auf das Argument bezo­ jedem Sinn wahr oder (in jedem Sinn) falsch ist, es einfach
gen ist und richtig zu sein scheint, muss man sagen, dass es einräumen oder ablehnen, wenn es aber im einen Sinn
zwar so zu sein scheint, [5] dass es aber der anfänglichen falsch, im anderen aber wahr ist, dann muss man dazu an­
(These) zu nah ist und dass man das (anfangs) Eingeräumte merken, dass es mehrdeutig formuliert wurde und dass es
aufheben würde, wenn man dieses einräumte. Wenn das im einen Fall falsch, im anderen aber wahr ist. Denn wenn
Axiom auf das Argument bezogen, aber zu inakzeptabel man dies später einteilt, ist unklar, ob man die Zweideu­
ist, muss man zwar sagen, dass es sich ergeben würde, tigkeit bereits am Anfang durchschaut hat. Wenn man
wenn man dieses einräumte, dass das Angebotene jedoch aber die Zweideutigkeit nicht vorausgesehen, [30] sondern
zu einfältig sei. Wenn es aber weder akzeptabel noch inak­ die Prämisse eingeräumt hat, weil man nur auf einen der
zeptabel ist, dann muss man es, wenn es nicht auf das Ar­ beiden Sinne geachtet hat, muss man zu dem Fragenden,
gument bezogen ist, ohne weitere Unterscheidung einräu­ der (das Argument) mit Blick auf den anderen Sinn führt,
men, [10] wenn es aber auf das Argument bezogen ist, sagen: >Ich habe es nicht mit Blick auf diesen Sinn einge­
muss man dazu anmerken, dass man die anfängliche (The­ räumt, sondern mit Blick auf den anderen<. Wenn nämlich
-

se) aufheben würde, wenn man es einräumte. Auf diese viele Dinge unter dasselbe Wort oder dieselbe Wortver­
Weise wird nicht nur der Antwortende den Anschein ver­ bindung fallen, ist die Auseinandersetzung einfach. Wenn
meiden, dass er durch eigene Schuld etwas erleidet, wenn die Frage aber sowohl klar als auch eindeutig