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FE Simulation von strukturellen

Epoxy Verklebungen anhand des


TAPO Modells

23. CADFEM ANSYS Simulation Conference

Prof. Dr. Pierre Jousset


Fachbereichsleiter Verbindungstechnik
Rapperswil, 14.06.2018
Inhaltverzeichnis

 Klebstoffe und strukturelle Epoxy Klebstoffe in der Industrie

 Epoxy Verklebungen: Auslegung anhand analytischer und numerischer


Methoden

 Elasto-plastisches Verhalten von Epoxy Klebstoffen

 FE-Simulation mit LS-Dyna anhand des TAPO konstitutiven Modells

 Parameter Identifikation mit LS-Opt

Danksagung: Herr Tural Aliyev, NTU Singapur, Overseas Professional


Internship beim IWK/HSR vom 1.08 bis 31.12 2017, für seine Arbeit mit LS-
Dyna und LS-Opt.

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Klebstoffe in der Industrie

 Klebverbindungen bieten viele Vorteile gegenüber


herkömmlichen Verbindungsarten

 Leichtbau

 Erhöhung der Torsionssteifigkeit

 Reduktion von Spannungsspitzen

 Verbindung unterschiedlicher Werkstoffe

Bildquelle: Sika

Bildquelle: Sika

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Schwerpunkt: Strukturelle Epoxy Klebstoffe

Quelle: Sika Quelle: Sika

Klebstoffraupe Dachverklebung Schweisspunkt Klebstoff Fügeteil

 1 K heisshärtender zähmodifizierter Klebstoff. Dünne Schichten t ~ 0.3 mm

 Typische mechanische Eigenschaften:

 Zugfestigkeit ~ 20-30 MPa

 Bruchdehnung ~ 5 %

 Schlagschälfestigkeit ~ 30 - 40 N/mm

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Motivation und Ziele
 Strukturelle Verklebung: Schlüsseltechnik für den Leichtbau

 Reduzierung des Gesamtgewichts


 Verbindung von unschweissbaren Materialien

 Ziel: Vorhersage des mechanischen Verhaltens verklebter Strukturen bis


zum Versagen. In dieser Arbeit: Modellierung des nichtlinearen Verhaltens
des Klebstoffs vor dem Versagen

Bildquelle: Audi
Hybrid Verklebung und
Bildquelle: Test Euro NCAP Mitsubishi ASX Versagen

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Auslegungsmethoden verklebter Strukturen
 Zwei Kategorien von Auslegungsmöglichkeiten:

 Analytische Methoden: Schnell aber ungenau wenn viele Nichtlinearitäten oder eine
komplexe Geometrie zu berücksichtigen sind.

P Quelle: Structural adhesive joints in

 (Breite=b) engineering, Adams R.D et al, 1997

l b
 Numerische Methoden (Finite Elemente Analyse): Können jeglichen Grad der
Komplexität modellieren, aber benötigen einen höheren Aufwand als analytische
Methoden. F
Klebstoff
F

Substrate

 Gemeinsamkeit: F
F
 Analytische und numerische Methoden benötigen die Auswertung des mechanischen
Verhaltens des Klebstoffs anhand experimentellen Versuchen.

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Mechanisches Verhalten struktureller Klebstoffe

 Das mechanische Verhalten von Klebstoffen ist von vielen Einflüssen abhängig:

 Spannungszustand / Belastungsrichtung

 Belastungszeit und Temperatur

 Dehnrate
Quelle: J.P. Jendreau et al., Fatigue
behaviour of adhesive joints, Procedia
Engineering 133 (2015), 508-517,
 Ermüdung

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Mechanisches Verhalten struktureller Klebstoffe

Verifikation F F

Nichtlineare FE-
Simulation von F F
industriellen verklebten
Berechnungseffizienz
Strukturen
Identifikation der
Materialparameter
n
f (x)   [m
i 1
i ( x )  c i ( x )] 2

Elasto-plastisches konstitutives Modell

3 3
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Elasto-plastisches Verhalten von Epoxy Klebstoffen

 Die Spannungs-Dehnungskurven von Epoxy Klebstoffen zeigen typisches


elasto-plastisches Verhalten.

F F

Nennspannung
30
(MPa)

30
20

20

F (kN)
test 10
test Monotonic loading
10
Cyclic loading
0 0
0.0 10.0 20.0 30.0 0 0.005 0.01 0.015 0.02
Nenndehnung (%) u (mm)

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Beschreibung der Plastizität von Epoxy Klebstoffen: Herausforderungen

 Problem 1: Die Beschreibung der Plastizität für Epoxy Klebstoffe ist komplexer als
bei Metallen und benötigt konstitutive Gesetze, die in den meistens FE
Programmen durch User Subroutines implementiert werden müssen
→ Zeitaufwändig und schwierig

 Lösung 1: LS-Dyna enthält das sogenannte TAPO Modell, das für die
Beschreibung der Plastizität in Epoxy Klebstoffen geeignet ist.

 Problem 2: Das TAPO Modell enthält viele Materialparameter, die nicht direkt
identifiziert werden können

 Lösung 2: Das Programm LS-Opt ermöglicht eine schnelle Identifikation von


Parametern anhand inverser Identifikation.

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Beschreibung der Plastizität

 Die Beschreibung der Plastizität in der FE-Simulation benötigt die Definition:

 der plastischen Verfestigung des Materials

 des Fliessverhaltens (Fliessfunktion) des Materials

 des plastischen Potentials

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Fliessverhalten von Epoxy Klebstoffen

 Das Fliessverhalten von Epoxy Klebstoffen ist komplexer als bei Metallen

Vorhersage der von Mises Plastizitätstheorie Fliessverhalten von Metallen:


√(3J2) unabhängig von I1
Punkte von diversen
Prüfungen

I1 I1

Variation von J2 mit I1 (Spannungsinvarianten).

I1: erste Invariante: hydrostatische Spannung


  q(  )  Y   0
Fy  ,
p p

J2: zweite Invariante des deviatorischen Spannungstensors q  3J 2

Die Fliessfunktion von Epoxy Klebstoffen muss


eine Funktion von J2 und I1 sein

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Nichtassoziiertes plastisches Potential von Epoxy Klebstoffen

 Das Fliessverhalten von Epoxy Klebstoffen ist komplexer als bei Metallen

√(3J2) Assoziierte Plastizität √(3J2) Nichtassoziierte Plastizität

I1 I1
Fliessfunktion f = plastisches Potential g Fliessfunktion f ≠ plastisches Potential g

Fliessregel:

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LS-Dyna TAPO konstitutives Materialmodell

 TAPO: Toughened Adhesive Polymer. Für die Simulation von


zähmodifizierten duktilen Epoxy Klebstoffen

 TAPO Modell = *MAT_252 in LS-Dyna

 Nichtassoziiertes 1 - 2 elasto-viskoplastisches Materialmodell

 Kann das mechanische Verhalten einer Klebverbindung unter


Belastungskombinationen (Zug-Druck und Schub) beschreiben

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TAPO Modell: Inverse Identifikation der Parameter mit LS-Opt
Kraft FEA Iter. 1

Input Datei
FEA Iter. i
Variablen=a1,a2,a2*
FEA Iter. n LS-Dyna
Messung
FE Berechnung

Verschiebung
Berechnete Zielgrösse Messung (Test)

Φ Zielfunktion
Φ

LS-Opt NEIN
Φ<ε

JA

Parametersatz
a1,a2,a2*

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TAPO Modell: Streckgrenze (1)

 Die Streckgrenze Y wird bei Epoxy Klebstoffen anders als bei Metallen definiert:

 Y beschreibt die Verfestigung eines Klebstoffs


zwischen zwei dicken Metallsubstraten unter
Schubbelastung
Epoxy
Klebstoff

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TAPO Modell: Streckgrenze (2)

 Die Parameter Y0, Q, b und H werden mit Reverse Engineering identifiziert

F F

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TAPO Modell: Fliessfunktion und plastisches Potential (1)

 Fliessfunktion:  Nichtassoziiertes plastisches Potential


3 3 3

Die 3 Parameter a1,


a2 und a2* müssen
identifiziert werden.

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TAPO Modell: Fliessfunktion und plastisches Potential (2)
F

F F

 Die Parameter a1, a2 und a2* werden vom Spannungs- bzw. Belastungszustand
beeinflusst und müssen mit mindestens zwei verschiedenen Prüfkörpern mit
verschiedenen Spannungszuständen identifiziert werden.

 Identifikation anhand Reverse Engineering mit LS-Opt

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TAPO Modell: Inverse Identifikation der Materialparameter (1)

 Konvergenz von Iterationen in LS-Opt: TAST Probekörper

 Iterativer Optimierungsprozess in LS-Opt:


Verringerung des Unterschiedes  zwischen
Messung und Simulation anhand der
Methode der kleinsten Quadrate

Messung

F F

Simulation: LS-Dyna/LS-Opt

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TAPO Modell: Inverse Identifikation der Materialparameter (2)

 Konvergenz von Iterationen in LS-Opt: SZ Probekörper

 Iterativer Optimierungsprozess in LS-Opt:


Verringerung des Unterschiedes  zwischen
Messung und Simulation anhand der
Methode der kleinsten Quadrate

Messung F

Simulation: LS-Dyna/LS-Opt

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TAPO Modell: Identifikation eines Parametersatzes

F F

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Fazit

 Das nichtlineare plastische Verhalten von strukturellen Klebstoffen kann in


LS-Dyna anhand des TAPO Modells (*MAT_252) identifiziert werden.

 Das TAPO Modell enthält:

 eine spezifische Verfestigungsfunktion für Epoxy Klebstoffe

 Eine von I1 und J2 abhängige Fliessfunktion

 Ein nichtassoziiertes plastisches Potential

 Das Modell enthält 6 Parameter (plus die elastischen Konstanten E,  und die
Fliessgrenze 0) zum identifizieren.

 Diese Parameter sind abhängig vom Spannungszustand und müssen mit


mehreren Prüfkörpern unter verschiedenen Belastungen identifiziert werden.

 Sie lassen sich anhand Reverse Engineering mit LS-Opt gut identifizieren

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Danke für Ihre Aufmerksamkeit

Weitere Fragen: pierre.jousset@hsr.ch

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