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Prüfung im Fach Werkstoffkunde I, II

Prüfungstermin: 30. Juli 2007


Bereich: Werkstoffkunde II, Kunststoffe
(Dozent: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. W. Michaeli)

Matr.-Nr.: ...................................... Name: ........................................................................

Unterschrift: ..............................................................

− Geben Sie Ihre Matrikelnummer, Ihren Namen und Ihre Unterschrift deutlich lesbar auf
dem Deckblatt des Aufgabenpaketes an!
− Kontrollieren Sie, ob die Aufgaben-/Lösungsblätter 2 bis 15 vorhanden sind!
− Lassen Sie die Blätter zusammengeheftet!
− Schreiben Sie die Antworten/Lösungen nicht auf den Prüfungsbogen!
− Verwenden Sie kein eigenes Papier! Schreiben Sie Ihre Antworten/Lösungen auf die
dafür vorgesehenen Seiten!
− Das Endergebnis muss aus dem niedergeschriebenen Lösungsweg ersichtlich sein!
− Falls Sie die Klausur vorzeitig beenden oder abbrechen, informieren Sie unbedingt die
Aufsicht!
− Zugelassene Hilfsmittel: Zeichengerät, nichtprogrammierbarer Taschenrechner!
Andere Hilfsmittel sind nicht erlaubt!

Aufgabe Punkte Prüfer

10

11

12

13

14

15

Summe

Seite 1
9. Aufgabe (10 Punkte)

In den meisten Fällen handelt es sich bei Kunststoffen um synthetisch hergestellte Produkte.
Ausgangspunkt für die Synthese der monomeren Bausteine sind wenige Grundchemikalien, die
zumeist aus fossilen Rohstoffen gewonnen werden.

a.) Nennen Sie drei der wichtigsten Rohstoffe für die Monomergewinnung!
(1,5 Punkte)

Eines der wichtigsten Verfahren zur Herstellung von Kunststoffen ist die Polymerisation.

b.) Tragen Sie in die Tabelle ein, um welche Art von Reaktionsablauf es sich bei der
Polymerisation handelt und ob Nebenprodukte entstehen oder nicht!
(1 Punkt)

Reaktionsablauf Entstehende Nebenprodukte (ja/nein)

c.) Die Reaktionskinetik des bei der Polymerisation vorliegenden Reaktionsablaufs wird in drei
zeitlich aufeinanderfolgende Phasen bzw. Reaktionsteilschritte unterteilt. Benennen Sie
diese drei Phasen! (1,5 Punkte)

Phase 1

Phase 2

Phase 3

Die mechanischen Eigenschaften von Kunststoffen werden wesentlich durch die Einsatztemperatur
bestimmt. Deshalb werden zur Beurteilung der Materialeigenschaften Kurzzeitzugversuche bei
verschiedenen Temperaturen durchgeführt.
Für zwei verschiedene Kunststoffe sind die auf diese Weise ermittelten temperaturabhängigen
Verläufe von Zugfestigkeit und Bruchdehnung hier qualitativ auf der nächsten Seite dargestellt:

Seite 2
Materialprobe 1
Zugfestigkeit [N/mm2]

Dehnung [%]
Temperatur [°C]

Materialprobe 2
Zugfestigkeit [N/mm2]

Dehnung [%]

Temperatur [°C]

Seite 3
Kunststoffe lassen sich je nach ihrer Molekülstruktur in 3 Klassen einteilen, bei denen eine Klasse
noch weiter in teilkristalline und amorphe Kunststoffe unterteilt wird.

d.) Tragen Sie in die Tabelle ein, um welche dieser insgesamt vier Klassen es sich bei den
beiden Materialien handelt! (1 Punkt)

Werkstoffgruppe

Material 1

Material 2

e.) Markieren Sie in beiden Diagrammen die folgenden Zustände in denen sich die Proben bei
den entsprechenden Temperaturbereichen befinden (sofern im jeweiligen Diagramm
vorhanden)! (1,5 Punkte)
• spröder Zustand
• Weichelastischer Zustand

f.) Markieren Sie in beiden Diagrammen auf dem Lösungshilfsblatt die folgenden Bereiche
(sofern im jeweiligen Diagramm vorhanden)! (2,5 Punkte)
• Gebrauchsbereich (GB)
• Zersetzungsbereich (ZB)
• Erweichungsbereich (EB)

Sie helfen Ihren Kommilitonen bei der Renovierung ihrer WG. Sie reißen den Bodenbelag heraus
und verlegen neue Elektroleitungen in der Wohnung. Ihr Kommilitone behauptet, dass es sich bei
dem Bodenbelag nie im Leben um PVC handelt. Sie halten dagegen und bieten eine Wette an.

g.) Mit welcher einfachen Analysemethode können Sie mit den Ihnen zur Verfügung stehenden
Mitteln beweisen, dass es sich bei dem Bodenbelag um einen Kunststoff handelt, der
Halogene enthält und somit mit großer Wahrscheinlichkeit um PVC? (0,5 Punkte)

Ihr Kommilitone kommt beim Grillen auf die Schnapsidee Kunststoffabfälle im Grill zu
verbrennen. Sie wissen, dass das sehr unvernünftig sein kann, können Ihren betrunkenen
Kommilitonen aber nicht davon abbringen.

h.) Die Probe, die im Grill gelandet ist, schmilzt nicht und verkohlt in der offenen Flamme. Um
welche, der in Aufgabe 1c diskutierten Werkstoffgruppen handelt es sich wahrscheinlich?
(0,5 Punkte)

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10. Aufgabe (10 Punkte)

Kunststoffe zeigen im Gegensatz zu Metallen eine ausgeprägte Abhängigkeit des mechanischen


Werkstoffverhaltens von der Zeit und der Temperatur. Für Kunststoffe besteht weiterhin kein
linearer Zusammenhang zwischen aufgebrachter Last und sich einstellender Verformung. So ist für
die Werkstoffantwort auf eine mechanische Belastung neben der Temperatur entscheidend, mit
welcher Geschwindigkeit eine Deformation aufgebracht wird bzw. wie lange die Belastung auf den
Werkstoff einwirkt.

a) Die Werkstoffantwort auf eine Belastung mit einer zeitlich konstanten Kraft setzt sich aus
zeitabhängigen und zeitunabhängigen Anteilen zusammen. Nennen sie die
unterschiedlichen Verformungsanteile und geben sie jeweils an, ob die Verformung
zeitabhängig oder zeitunabhängig ist und ob sie reversibel oder irreversibel ist. (4,5 P)

zeitabhängig/ reversibel/
Verformungsanteil
zeitunabhängig irreversibel

b) Zur Beschreibung des Werkstoffverhaltens existieren verschiedene Feder-Dämpfer-


Modelle. Zeichnen sie das Maxwell-Modell und tragen sie die zugehörigen Kennwerte ein.
(1,5 P)

Seite 5
c) Welcher Verformungsanteil kann mit diesem Modell nicht berücksichtigt werden? (0,5 P)

d) Für welchen Versuch wird das Maxwell-Element zur Beschreibung des Materialverhaltens
häufig verwendet? (0,5 P)

Das am häufigsten durchgeführte Prüfverfahren zur Ermittlung des Langzeitverhaltens von


Kunststoffen ist der Zeitstand- oder Kriechversuch. Zur Darstellung der Ergebnisse von
Kriechversuchen wird für jede Belastungsspannung die jeweils gemessene Dehnung der Proben
über der Zeit als Kurvenpunkte aufgetragen. Aus den zusammengehörenden Wertetripeln können
dann andere Darstellungsformen generiert werden.

d) Eine mögliche Darstellungsform ist das Kriechmoduldiagramm. Zeichnen sie ein


Kriechmoduldiagramm mit vier unterschiedlichen Kurvenzügen. Achten sie auf die
Achsenbeschriftung und kennzeichnen sie die Kurven nach der Höhe der aufgebrachten Last
(3 P).

Seite 6
11. Aufgabe (10 Punkte)

Ein Extrusionsanlage besteht neben der Dosierung und dem formgebenden Werkzeug immer aus
einem Einschneckenextruder.
a) Beschriften Sie bitte die 3 Bereiche des Extruders. (1,5 P)
b) Geben Sie an, welchen Zustand der Kunststoff in den jeweiligen Bereichen hat. (1,5 P)

1 2 3

Bereich des
Extruders

Zustand des
Kunststoffes

c) Geben Sie bitte die richtige Förderrichtung des Extruders an. (0,5 P)

Förderrichtung des Extruders

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Nach der Bearbeitung in einer Extrusionsanlage kühlt der Kunststoff ab. Beim Abkühlen aus der
Schmelze können Makromoleküle, die eine regelmäßige Kettenstruktur aufweisen, kristalline
Strukturen ausbilden.

d) Nennen Sie bitte die drei wesentlichen Stufen der Kristallisation von thermoplastischen
Kunststoffen. (1,5 P)

Um bei teilkristallinen Thermoplasten z.B. gute mechanische Eigenschaften zu erreichen, wird ein
hoher Kristallisationsgrad angestrebt.

e) Nennen Sie bitte zwei Möglichkeiten, einen hohen Kristallisationsgrad zu erreichen. (1,5 P)

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Vor der Weiterverarbeitung werden die Kunststoffe in der Aufbereitung an die Anforderungen
angepasst, welche an die Bauteile oder Halbzeuge gestellt werden. Bei der Aufbereitung kann
zwischen der Aufbereitung von Kautschuken und Thermoplasten unterschieden werden.

f) Nennen Sie für beide Aufbereitungsgebiete jeweils eine typische Aufbereitungsmaschine


und die Verfahrensweise dieser Maschine (diskontinuierlich oder kontinuierlich). (2P)

Thermoplastaufbereitung Kautschukaufbereitung

Maschine

Verfahrensweise
(diskonti., konti. )

In der Thermoplastaufbereitung werden zur Anpassung der Eigenschaften Zuschlagstoffe zugefügt.

g) Nennen Sie 4 Obergruppen der Zuschlagstoffe, welche einem Thermoplasten zugefügt


werden. (2P)

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12. Aufgabe (10 Punkte)

a) Eine Möglichkeit zur Herstellung von Kunststoffbauteilen ist das Spritzgießen. Nennen Sie
bitte 4 wesentliche Baugruppen einer Spritzgießmaschine. (2 P)

b) Nennen sie bitte die vier Phasen des Spritzgießprozesses. (2 P)

c) Bitte nennen sie zwei für das Spritzgießverfahren typische Formteilfehler bzw.
Strukturmerkmale, die während der Kavitätsfüllung entstehen können und schom im
Vorfeld mithilfe der FEM ermittelt werden können. (1 P)

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d) Mithilfe des Thermoformverfahrens lassen sich Folien zu 3-dimensionalen Körpern
umformen. Nennen sie bitte die drei wesentlichen Verfahrenschritte beim Thermoformen.
(1,5 P)

e) Beim Spritzgießprozess treten während des Formfüllvorgangs durch die


Geschwindigkeitsunterschiede über dem Formteilquerschnitt Orientierungen auf. Dies sind
unter anderem Faser- und Molkülorientierungen. Wodurch unterscheiden sich diese Arten
von Orientierungen? (0,5 P)

f) Die in das Spritzgießbauteil eingebrachten Orientierungen bestimmen in hohem Maße die


Eigenschaften der Formteile. Wie verändern sich folgende Eigenschaften bei zunehmender
Orientierung? (1,5 P)
(Verwenden Sie hierbei „+“ für steigenden und „-“ für fallende Tendenz der Eigenschaft.)

Eigenschaft Änderung

mechanische Eigenschaften
quer zur Orientierungsrichtung
E-Modul in
Orientierungsrichtung
Wärmeleitfähigkeit in
Orientierungsrichtung

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g) Nennen sie für die in der Tabelle angegebenen Werkstoffgruppen Anhaltswerte für die
kritische Dehnung: (1,5P)

Werkstoffgruppe kritische Dehnung

amorphe Thermoplaste

teilkristalline Thermoplaste

fasergefüllte Duroplaste

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13. Aufgabe (5 Punkte)

Um die Strukturen von Kunststoffen auswerten zu können, müssen zunächst geeignete Proben
präpariert werden. Wie in der Übung gelernt, ist das Schneiden ein mögliches
Präparationsverfahren. Es gibt jedoch auch einige Präparate, die sich nicht durch Schneiden
präparieren lassen.
a) Nennen Sie bitte zwei verschiedene Beispiele, die sich nur mittels Schleifen und Polieren
präparieren lassen, um eine gute Analyse zu gewährleisten. (1 P)

Mechanische Präparationsverfahren verursachen plastische Dehnungen oder verursachen ein


Verschmieren der Strukturunterschiede. Aus diesem Grund kann man mittels Ätzen das
unbeeinflusste Grundmaterial freilegen.

b) Nennen Sie bitte zwei verschiedene Prozessparameter beim Ätzen, die für jeden
Anwendungsfall optimiert werden müssen (1 P).

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Die Eigenschaften von Kunststoffen hängen in einem erheblichen Umfang von der vorliegenden
Molekülorientierung sowie den Eigenspannungen ab.

c) Um diese Orientierungen bestimmen zu können, kann man die mechanischen Eigenschaften


orientierter Formteile bestimmen. Tragen Sie in folgender Tabelle drei mechanische
Eigenschaften ein, die sich in Abhängigkeit der Orientierungen verändern. Kennzeichnen
Sie ebenfalls, ob diese Eigenschaften in und senkrecht zur Orientierungsrichtung steigen
bzw. fallen (3 P).
(Verwenden Sie hierbei „+“ für steigenden und „-“ für fallende Tendenz der Eigenschaft.)

Eigenschaft In Orientierungsrichtung Senkrecht zur


Orientierungsrichtung

Festigkeit

Modul

Bruchdehnung

Ausdehnungs-
koeffizient

Lineare
Kompressibilität

Wärmeleitfähigkeit

Schlagzähigkeit

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14. Aufgabe (10 Punkte)

Faserverbundkunststoffe (FVK) sind ein Verbund aus einer Polymermatrix und Verstärkungsfasern.
a) Nach theoretischen Gesichtspunkten müssten bereits die reinen Faserwerkstoffe ideale
Konstruktionswerkstoffe sein. Warum? Nennen Sie zwei Eigenschaften, die die reine Faser
als idealen Konstruktionswerkstoff erscheinen lässt. (1 P)

b) Infolge eines schwerwiegenden Nachteils können diese Materialien als alleiniger


Konstruktionswerkstoff jedoch keine Verwendung finden – worin besteht dieser Nachteil?
(0,5 P)

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, zwischen einer Vielzahl von Werkstoffen als
Matrixwerkstoffe für Werkstoffverbunde zu wählen. Neben polymeren Matrixsystemen bei FVK
können auch metallische oder keramische Materialien zum Einsatz kommen.
c) Worin bestehen grundsätzlich die Aufgaben der Matrix in einem Faserverbundwerkstoff?
Nennen Sie zwei Aufgaben. (1 P)

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d) Bei polymeren Matrixsystemen werden prinzipiell zwei große Gruppen unterschieden.
Benennen Sie die beiden Gruppen und nennen Sie jeweils einen Beispielwerkstoff. (2 P)

Matrixsystem Zugehöriger Beispielwerkstoff

Durch die Kombination eines Matrixsystems mit Verstärkungsfasern entsteht ein Kunststoff-
Laminat. Die mechanische Auslegung eines mehrschichtigen Laminats lehnt sich in groben Zügen
an die konventionelle Vorgehensweise bei den klassischen Konstruktionswerkstoffen an.
e) Wie lauten die drei Schritte des allgemeinen Berechnungsablaufs bei faserverstärkten
Kunststoffen? (1,5 P)

1.

2.

3.

Bei der Verarbeitung von Verstärkungsfasern zu Kunststoff-Laminaten unterscheidet man


verschiedene Lieferformen.
f) Nennen Sie drei Lieferformen von Verstärkungsfasern. (1,5 P)

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Die Verstärkungsfasern können in Abhängigkeit von ihrer Länge in drei Kategorien eingeteilt
werden: Endlosfasern, Langfasern und Kurzfasern.
f) Nennen Sie für jede Verstärkungsart ein Verarbeitungsverfahren. (1,5 P)

Art der Verstärkung Verarbeitungsverfahren

Endlosfasern

Langfasern

Kurzfasern

In den letzten Jahren haben faserverstärkte Kunststoffe eine immer größere Verbreitung gefunden,
von der Luft- und Raumfahrttechnik über den Fahrzeugbau bis zu Anwendungen im Freizeitbereich
und in der Medizintechnik.
g) Auf welchen Eigenschaften beruht der Erfolg von faserverstärkten Kunststoffen? Nennen
Sie zwei Eigenschaften. (1 P)

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15. Aufgabe (5 Punkte)

a) Kunststoffe unterscheiden sich in Bezug auf ihre Wärmeausdehnung erheblich von


anderen Werkstoffen. Ordnen Sie in der nachfolgenden Tabelle die Materialien
entsprechend der Höhe der jeweiligen Wärmeausdehnung. Tragen Sie hierzu die Zahlen 1
bis 4 in die entsprechenden Felder ein (höchster Wert = 1, niedrigster Wert = 4). (2P)

Duroplaste

Thermoplaste

Glas

Eisen

b) Polyamide werden für eine Vielzahl von technischen Anwendungsmöglichkeiten in der


Kunststoffverarbeitung eingesetzt. Obwohl es eine Anzahl von Polyamidsorten gibt
verfügen alle Polyamide über bestimmte Eigenschaften. Tragen Sie in die folgende Liste
mindestens vier dieser Eigenschaften ein (2P).

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c) Bei thermoplastischen Elastomeren (TPE) handelt es sich um eine Werkstoffart, welche
die Verarbeitungseigenschaften von Thermoplasten und die Gebrauchseigenschaften von
Elastomeren in sich vereint. Bei den Bindungsmechanismen unterscheiden sich die
thermoplastischen Elastomere von üblichen Elastomeren. Benennen Sie die beiden
Bindungsarten. (1P)

Thermoplastische Elastomere

Elastomere

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Prüfung im Fach Werkstoffkunde I, II
Prüfungstermin: 30. Juli 2007
Bereich: Werkstoffkunde II, Kunststoffe
(Dozent: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. W. Michaeli)

Matr.-Nr.: ...................................... Name: ........................................................................

Unterschrift: ..............................................................

− Geben Sie Ihre Matrikelnummer, Ihren Namen und Ihre Unterschrift deutlich lesbar auf
dem Deckblatt des Aufgabenpaketes an!
− Kontrollieren Sie, ob die Aufgaben-/Lösungsblätter 2 bis 15 vorhanden sind!
− Lassen Sie die Blätter zusammengeheftet!
− Schreiben Sie die Antworten/Lösungen nicht auf den Prüfungsbogen!
− Verwenden Sie kein eigenes Papier! Schreiben Sie Ihre Antworten/Lösungen auf die
dafür vorgesehenen Seiten!
− Das Endergebnis muss aus dem niedergeschriebenen Lösungsweg ersichtlich sein!
− Falls Sie die Klausur vorzeitig beenden oder abbrechen, informieren Sie unbedingt die
Aufsicht!
− Zugelassene Hilfsmittel: Zeichengerät, nichtprogrammierbarer Taschenrechner!
Andere Hilfsmittel sind nicht erlaubt!

Aufgabe Punkte Prüfer

10

11

12

13

14

15

Summe

Seite 20
9. Aufgabe (10 Punkte)

In den meisten Fällen handelt es sich bei Kunststoffen um synthetisch hergestellte Produkte.
Ausgangspunkt für die Synthese der monomeren Bausteine sind wenige Grundchemikalien, die
zumeist aus fossilen Rohstoffen gewonnen werden.

a.) Nennen Sie drei der wichtigsten Rohstoffe für die Monomergewinnung!
(1,5 Punkte)

Erdöl

Erdgas

Kohle (oder: Kalkstein, Flussspat) (Seite 40, Abschnitt 1.2.1)

Eines der wichtigsten Verfahren zur Herstellung von Kunststoffen ist die Polymerisation.

b.) Tragen Sie in die Tabelle ein, um welche Art von Reaktionsablauf es sich bei der
Polymerisation handelt und ob Nebenprodukte entstehen oder nicht!
(1 Punkt)

Reaktionsablauf Entstehende Nebenprodukte (ja/nein)


Kettenreaktion Nein (S. 26 unten)

c.) Die Reaktionskinetik des bei der Polymerisation vorliegenden Reaktionsablaufs wird in drei
zeitlich aufeinanderfolgende Phasen bzw. Reaktionsteilschritte unterteilt. Benennen Sie
diese drei Phasen! (1,5 Punkte)

Phase 1 Startreaktion

Phase 2 Kettenfortpflanzungsreaktion oder Wachstumsreaktion

Phase 3 Abbruchreaktion (Seite 27 oben)

Die mechanischen Eigenschaften von Kunststoffen werden wesentlich durch die Einsatztemperatur
bestimmt. Deshalb werden zur Beurteilung der Materialeigenschaften Kurzzeitzugversuche bei
verschiedenen Temperaturen durchgeführt.
Für zwei verschiedene Kunststoffe sind die auf diese Weise ermittelten temperaturabhängigen
Verläufe von Zugfestigkeit und Bruchdehnung hier qualitativ auf der nächsten Seite dargestellt:

Seite 21
Materialprobe 1: Amorpher Thermoplast
spröder EB weichelastischer ZB
Glaszustand Zustand
Zugfestigkeit [N/mm2]

Dehnung [%]
Gebrauchsbereich Temperatur [°C]

Materialprobe 2: Duroplast
Glaszustand, hart, spröde ZB
Zugfestigkeit [N/mm ]
2

Dehnung [%]

Gebrauchsbereich
Temperatur [°C]

Seite 22
Kunststoffe lassen sich je nach ihrer Molekülstruktur in 3 Klassen einteilen, bei denen eine Klasse
noch weiter in teilkristalline und amorphe Kunststoffe unterteilt wird.

d.) Tragen Sie in die Tabelle ein, um welche dieser insgesamt vier Klassen es sich bei den
beiden Materialien handelt! (1 Punkt)

Werkstoffgruppe

Material 1 Amorpher Thermoplast (S. 45)

Material 2 Duroplast (S. 46)

e.) Markieren Sie in beiden Diagrammen die folgenden Zustände in denen sich die Proben bei
den entsprechenden Temperaturbereichen befinden (sofern im jeweiligen Diagramm
vorhanden)! (1,5 Punkte)
• spröder Zustand
• Weichelastischer Zustand

f.) Markieren Sie in beiden Diagrammen auf dem Lösungshilfsblatt die folgenden Bereiche
(sofern im jeweiligen Diagramm vorhanden)! (2,5 Punkte)
• Gebrauchsbereich (GB)
• Zersetzungsbereich (ZB)
• Erweichungsbereich (EB)

Sie helfen Ihren Kommilitonen bei der Renovierung ihrer WG. Sie reißen den Bodenbelag heraus
und verlegen neue Elektroleitungen in der Wohnung. Ihr Kommilitone behauptet, dass es sich bei
dem Bodenbelag nie im Leben um PVC handelt. Sie halten dagegen und bieten eine Wette an.

g.) Mit welcher einfachen Analysemethode können Sie mit den Ihnen zur Verfügung stehenden
Mitteln beweisen, dass es sich bei dem Bodenbelag um einen Kunststoff handelt, der
Halogene enthält und somit mit großer Wahrscheinlichkeit um PVC? (0,5 Punkte)

Beilsteinprobe (S. 50 – 2.3.6)

Ihr Kommilitone kommt beim Grillen auf die Schnapsidee Kunststoffabfälle im Grill zu
verbrennen. Sie wissen, dass das sehr unvernünftig sein kann, können Ihren betrunkenen
Kommilitonen aber nicht davon abbringen.

h.) Die Probe, die im Grill gelandet ist, schmilzt nicht und verkohlt in der offenen Flamme. Um
welche, der in Aufgabe 1c diskutierten Werkstoffgruppen handelt es sich wahrscheinlich?
(0,5 Punkte)

Duroplast

Seite 23
10. Aufgabe (10 Punkte)

Kunststoffe zeigen im Gegensatz zu Metallen eine ausgeprägte Abhängigkeit des mechanischen


Werkstoffverhaltens von der Zeit und der Temperatur. Für Kunststoffe besteht weiterhin kein
linearer Zusammenhang zwischen aufgebrachter Last und sich einstellender Verformung. So ist für
die Werkstoffantwort auf eine mechanische Belastung neben der Temperatur entscheidend, mit
welcher Geschwindigkeit eine Deformation aufgebracht wird bzw. wie lange die Belastung auf den
Werkstoff einwirkt.

a) Die Werkstoffantwort auf eine Belastung mit einer zeitlich konstanten Kraft setzt sich aus
zeitabhängigen und zeitunabhängigen Anteilen zusammen. Nennen sie die
unterschiedlichen Verformungsanteile und geben sie jeweils an, ob die Verformung
zeitabhängig oder zeitunabhängig ist und ob sie reversibel oder irreversibel ist. (4,5 P)

zeitabhängig/ reversibel/
Verformungsanteil
zeitunabhängig irreversibel

elastisch zeitunabhängig reversibel

viskoelastisch zeitabhängig reversibel

plastisch zeitabhängig Irreversibel (S. 65)

b) Zur Beschreibung des Werkstoffverhaltens existieren verschiedene Feder-Dämpfer-


Modelle. Zeichnen sie das Maxwell-Modell und tragen sie die zugehörigen Kennwerte ein.
(1,5 P)

Ee

ηp

(S. 71)

Seite 24
c) Welcher Verformungsanteil kann mit diesem Modell nicht berücksichtigt werden? (0,5 P)

Viskoelastische Verformungsanteil (S.91)

d) Für welchen Versuch wird das Maxwell-Element zur Beschreibung des Materialverhaltens
häufig verwendet? (0,5 P)

Relaxationsversuch (S.70)

Das am häufigsten durchgeführte Prüfverfahren zur Ermittlung des Langzeitverhaltens von


Kunststoffen ist der Zeitstand- oder Kriechversuch. Zur Darstellung der Ergebnisse von
Kriechversuchen wird für jede Belastungsspannung die jeweils gemessene Dehnung der Proben
über der Zeit als Kurvenpunkte aufgetragen. Aus den zusammengehörenden Wertetripeln können
dann andere Darstellungsformen generiert werden.

d) Eine mögliche Darstellungsform ist das Kriechmoduldiagramm. Zeichnen sie ein


Kriechmoduldiagramm mit vier unterschiedlichen Kurvenzügen. Achten sie auf die
Achsenbeschriftung und kennzeichnen sie die Kurven nach der Höhe der aufgebrachten Last
(3 P).
Kriechmodu E c

σ4
σ3
σ2
σ1
σ+

log t (S. 93)

Seite 25
11. Aufgabe (10 Punkte)

Ein Extrusionsanlage besteht neben der Dosierung und dem formgebenden Werkzeug immer aus
einem Einschneckenextruder.
a) Beschriften Sie bitte die 3 Bereiche des Extruders. (1,5 P)
b) Geben Sie an, welchen Zustand der Kunststoff in den jeweiligen Bereichen hat. (1,5 P)

1 2 3

Bereich des
Einzugsbereich Aufschmelzbereich Schmelzebereich
Extruders

Zustand des
Feststoff Feststoff/Schmelze Schmelze (S. 165)
Kunststoffes

c) Geben Sie bitte die richtige Förderrichtung des Extruders an. (0,5 P)

Förderrichtung des Extruders Von rechts nach links oder → (S. 165)

Seite 26
Nach der Bearbeitung in einer Extrusionsanlage kühlt der Kunststoff ab. Beim Abkühlen aus der
Schmelze können Makromoleküle, die eine regelmäßige Kettenstruktur aufweisen, kristalline
Strukturen ausbilden.

d) Nennen Sie bitte die drei wesentlichen Stufen der Kristallisation von thermoplastischen
Kunststoffen. (1,5 P)

Keimbildung

Kristallwachstum (primäre Kristallisation)

Nachkristallisation (sekundäre Kristallisation) (S. 169)

Um bei teilkristallinen Thermoplasten z.B. gute mechanische Eigenschaften zu erreichen, wird ein
hoher Kristallisationsgrad angestrebt.

e) Nennen Sie bitte zwei Möglichkeiten, einen hohen Kristallisationsgrad zu erreichen. (1,5 P)

Langsamere Abkühlgeschwindigkeit

Zugabe von Nukleirungsmitteln (S. 172)

Seite 27
Vor der Weiterverarbeitung werden die Kunststoffe in der Aufbereitung an die Anforderungen
angepasst, welche an die Bauteile oder Halbzeuge gestellt werden. Bei der Aufbereitung kann
zwischen der Aufbereitung von Kautschuken und Thermoplasten unterschieden werden.

f) Nennen Sie für beide Aufbereitungsgebiete jeweils eine typische Aufbereitungsmaschine


und die Verfahrensweise dieser Maschine (diskontinuierlich oder kontinuierlich). (2P)

Thermoplastaufbereitung Kautschukaufbereitung

Doppelschneckenextruder, Innenmischer, Walzwerk /


Maschine
Buss Ko-Kneter Transfermix-Extruder

Verfahrensweise kontinuierlich diskonti / konti (S. 157-159)


(diskonti., konti. )

In der Thermoplastaufbereitung werden zur Anpassung der Eigenschaften Zuschlagstoffe zugefügt.

g) Nennen Sie 4 Obergruppen der Zuschlagstoffe, welche einem Thermoplasten zugefügt


werden. (2P)

Stabilisatoren

Gleitmittel

Farbmittel

Antistatika

Alternaiv: Füll- und Verstärkungstoffe, Weichmacher (S. 162-163)

Seite 28
12. Aufgabe (10 Punkte)

a) Eine Möglichkeit zur Herstellung von Kunststoffbauteilen ist das Spritzgießen. Nennen Sie
bitte 4 wesentliche Baugruppen einer Spritzgießmaschine. (2 P)

Schließeinheit

Plastifiziereinheit

Steuer- und Regeleinheit

Maschinenbett

Alternaiv: Werkzeug (S. 204)

b) Nennen sie bitte die vier Phasen des Spritzgießprozesses. (2 P)

Plastifizierphase

Einspritzphase

Nachdruckphase

Rüstkühlphase (S. 205)

c) Bitte nennen sie zwei für das Spritzgießverfahren typische Formteilfehler bzw.
Strukturmerkmale, die während der Kavitätsfüllung entstehen können und schom im
Vorfeld mithilfe der FEM ermittelt werden können. (1 P)

Bindenähte

Lufteinschlüsse (S. 209)

Seite 29
d) Mithilfe des Thermoformverfahrens lassen sich Folien zu 3-dimensionalen Körpern
umformen. Nennen sie bitte die drei wesentlichen Verfahrenschritte beim Thermoformen.
(1,5 P)

Erwärmen

Umformen

Abkühlen (S. 222)

e) Beim Spritzgießprozess treten während des Formfüllvorgangs durch die


Geschwindigkeitsunterschiede über dem Formteilquerschnitt Orientierungen auf. Dies sind
unter anderem Faser- und Molkülorientierungen. Wodurch unterscheiden sich diese Arten
von Orientierungen? (0,5 P)

Molekülorientierungen können relaxieren (S. 212)

f) Die in das Spritzgießbauteil eingebrachten Orientierungen bestimmen in hohem Maße die


Eigenschaften der Formteile. Wie verändern sich folgende Eigenschaften bei zunehmender
Orientierung? (1,5 P)
(Verwenden Sie hierbei „+“ für steigenden und „-“ für fallende Tendenz der Eigenschaft.)

Eigenschaft Änderung

mechanische Eigenschaften -
quer zur Orientierungsrichtung
E-Modul in +
Orientierungsrichtung
Wärmeleitfähigkeit in + (S. 215)
Orientierungsrichtung

Seite 30
g) Nennen sie für die in der Tabelle angegebenen Werkstoffgruppen Anhaltswerte für die
kritische Dehnung: (1,5P)

Werkstoffgruppe kritische Dehnung

amorphe Thermoplaste 0,7-0,9 %

teilkristalline Thermoplaste 1,5 – 2,5 % (2,0 %)

fasergefüllte Duroplaste 0,2 % oder 0,4-0,6 % (S. 137)

Seite 31
13. Aufgabe (5 Punkte)

Um die Strukturen von Kunststoffen auswerten zu können, müssen zunächst geeignete Proben
präpariert werden. Wie in der Übung gelernt, ist das Schneiden ein mögliches
Präparationsverfahren. Es gibt jedoch auch einige Präparate, die sich nicht durch Schneiden
präparieren lassen.
a) Nennen Sie bitte zwei verschiedene Beispiele, die sich nur mittels Schleifen und Polieren
präparieren lassen, um eine gute Analyse zu gewährleisten. (1 P)

Glasfaserverstärkte Kunststoffe

Schäume

Alternativ: Beschichtungen, Polymergemische, Kristalline und amorphe Bereiche von


teilkristallinen Polymeren (S. 179)

Mechanische Präparationsverfahren verursachen plastische Dehnungen oder verursachen ein


Verschmieren der Strukturunterschiede. Aus diesem Grund kann man mittels Ätzen das
unbeeinflusste Grundmaterial freilegen.

b) Nennen Sie bitte zwei verschiedene Prozessparameter beim Ätzen, die für jeden
Anwendungsfall optimiert werden müssen (1 P).

Auswahl einer geeigneten Flüssigkeiten

Ätztemperatur

Alternativ: Konzentration der Flüssigkeit, Ätzzeit (S. 180)

Seite 32
Die Eigenschaften von Kunststoffen hängen in einem erheblichen Umfang von der vorliegenden
Molekülorientierung sowie den Eigenspannungen ab.

c) Um diese Orientierungen bestimmen zu können, kann man die mechanischen Eigenschaften


orientierter Formteile bestimmen. Tragen Sie in folgender Tabelle drei mechanische
Eigenschaften ein, die sich in Abhängigkeit der Orientierungen verändern. Kennzeichnen
Sie ebenfalls, ob diese Eigenschaften in und senkrecht zur Orientierungsrichtung steigen
bzw. fallen (3 P).
(Verwenden Sie hierbei „+“ für steigenden und „-“ für fallende Tendenz der Eigenschaft.)

Eigenschaft In Orientierungsrichtung Senkrecht zur


Orientierungsrichtung

Festigkeit + -

Modul + -

Bruchdehnung - =, +

Ausdehnungs- - +
koeffizient

Lineare - +
Kompressibilität

Wärmeleitfähigkeit + -

Schlagzähigkeit + - (S 197)

Seite 33
14. Aufgabe (10 Punkte)

Faserverbundkunststoffe (FVK) sind ein Verbund aus einer Polymermatrix und Verstärkungsfasern.
a) Nach theoretischen Gesichtspunkten müssten bereits die reinen Faserwerkstoffe ideale
Konstruktionswerkstoffe sein. Warum? Nennen Sie zwei Eigenschaften, die die reine Faser
als idealen Konstruktionswerkstoff erscheinen lässt. (1 P)

Festigkeit der reinen Faser

Steifigkeit der reinen Faser

Alternativ: Beständigkeit gegen hohe Temperaturen, Beständigkeit gegen aggressive


Medien (S.244)

b) Infolge eines schwerwiegenden Nachteils können diese Materialien als alleiniger


Konstruktionswerkstoff jedoch keine Verwendung finden – worin besteht dieser Nachteil?
(0,5 P)

Fasern sind zu spröde (S.244)

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, zwischen einer Vielzahl von Werkstoffen als
Matrixwerkstoffe für Werkstoffverbunde zu wählen. Neben polymeren Matrixsystemen bei FVK
können auch metallische oder keramische Materialien zum Einsatz kommen.
c) Worin bestehen grundsätzlich die Aufgaben der Matrix in einem Faserverbundwerkstoff?
Nennen Sie zwei Aufgaben. (1 P)

Fixierung der Fasern in der gewünschten geometrischen Anordnung

Übertragung der Kräfte auf die Fasern

Alternativ: Stützung der Fasern bei Druckbeanspruchung (Stabilität), Schutz der


Fasern vor Einwirkungen von Umgebungsmedien (Feuchtigkeit, Chemikalien)
(S.250)

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d) Bei polymeren Matrixsystemen werden prinzipiell zwei große Gruppen unterschieden.
Benennen Sie die beiden Gruppen und nennen Sie jeweils einen Beispielwerkstoff. (2 P)

Matrixsystem Zugehöriger Beispielwerkstoff

Duroplastisch UP, VE, EP, PF

Thermoplastisch PP, PA, PET, PC, PES, PEEK, PEI (S.250-251)

Durch die Kombination eines Matrixsystems mit Verstärkungsfasern entsteht ein Kunststoff-
Laminat. Die mechanische Auslegung eines mehrschichtigen Laminats lehnt sich in groben Zügen
an die konventionelle Vorgehensweise bei den klassischen Konstruktionswerkstoffen an.
e) Wie lauten die drei Schritte des allgemeinen Berechnungsablaufs bei faserverstärkten
Kunststoffen? (1,5 P)

1. Mikromechanik (Berechnung der Eigenschaften von UD-ES)

2. Makromechanik

3. Versagensanalyse (S.257-258)

Bei der Verarbeitung von Verstärkungsfasern zu Kunststoff-Laminaten unterscheidet man


verschiedene Lieferformen.
f) Nennen Sie drei Lieferformen von Verstärkungsfasern. (1,5 P)

Rovings

Vliese / Wirrfasermatten

Gewebe / Geflechte / Gelege (S. 249)

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Die Verstärkungsfasern können in Abhängigkeit von ihrer Länge in drei Kategorien eingeteilt
werden: Endlosfasern, Langfasern und Kurzfasern.
f) Nennen Sie für jede Verstärkungsart ein Verarbeitungsverfahren. (1,5 P)

Art der Verstärkung Verarbeitungsverfahren

Endlosfasern Wickeln, Flechten, Pultrusion, Handlaminieren, Tapelegen,


RTM, Infusion
Langfasern Pressen, Spritzgießen, Schleudern, Faserspritzen

Kurzfasern Spritzgießen (S. 263-271)

In den letzten Jahren haben faserverstärkte Kunststoffe eine immer größere Verbreitung gefunden,
von der Luft- und Raumfahrttechnik über den Fahrzeugbau bis zu Anwendungen im Freizeitbereich
und in der Medizintechnik.
g) Auf welchen Eigenschaften beruht der Erfolg von faserverstärkten Kunststoffen? Nennen
Sie zwei Eigenschaften. (1 P)

Umfassende Gestaltungs- und Konstruktionsmöglichkeiten

Niedriges Eigengewicht im Verhältnis zur mechanischen Festigkeit

Alternativ: Hohe Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse, Geringe Leitfähigkeit


von Wärme, Keine Leitfähigkeit von Elektrizität, Niedriger Montage- und
Wartungsaufwand des Produktes (S. 262)

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15. Aufgabe (5 Punkte)

a) Kunststoffe unterscheiden sich in Bezug auf ihre Wärmeausdehnung erheblich von


anderen Werkstoffen. Ordnen Sie in der nachfolgenden Tabelle die Materialien
entsprechend der Höhe der jeweiligen Wärmeausdehnung. Tragen Sie hierzu die Zahlen 1
bis 4 in die entsprechenden Felder ein (höchster Wert = 1, niedrigster Wert = 4). (2P)

Duroplaste 2

Thermoplaste 1

Glas 4

Eisen 3 (S. 129)

b) Polyamide werden für eine Vielzahl von technischen Anwendungsmöglichkeiten in der


Kunststoffverarbeitung eingesetzt. Obwohl es eine Anzahl von Polyamidsorten gibt
verfügen alle Polyamide über bestimmte Eigenschaften. Tragen Sie in die folgende Liste
mindestens vier dieser Eigenschaften ein (2P).

hohe Festigkeit

hohe Steifigkeit

hoher Verschleißwiderstand

hohe Formbeständigkeit in der Wärme (S. 114)

Alternativ: hohe Härte, gute Gleit- und Notlaufeigenschaften, hohes


Dämpfungsvermögen, hohe Beständigkeit gegen Lösemittel, Kraftstoffe und
Schmiermittel, gesundheitliche Unbedenklichkeit, wirtschaftliche Verarbeitung,
aromatische Polyamide sind von wasserheller Transparenz, aliphatische Polyamide
sind teilkristallin und deshalb opak, mechanische Eigenschaften hängen vom
Feuchtigkeitsgehalt ab, Feuchtigkeitsgehalt beeinflusst die Abmessungen des Formteils

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c) Bei thermoplastischen Elastomeren (TPE) handelt es sich um eine Werkstoffart, welche
die Verarbeitungseigenschaften von Thermoplasten und die Gebrauchseigenschaften von
Elastomeren in sich vereint. Bei den Bindungsmechanismen unterscheiden sich die
thermoplastischen Elastomere von üblichen Elastomeren. Benennen Sie die beiden
Bindungsarten. (1P)

Thermoplastische Elastomere Nebenvalenzkräfte

Elastomere kovalente Bindungen (S. 119)

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