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Rechtssichere EU-konforme Online-Shops

Vortrag am 4. Online & Dialog Marketing Forum + ecommerce


Zürich 11. September 2008

Lukas Fässler
Rechtsanwalt & Informatikexperte
6300 Zug

I I I I I I I II IIII III IIII IIIIII III IIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII


© Lukas Fässler Rechtsanwalt Zug 2006

Inhaltsverzeichnis

ƒ 1. Ausgangslage Schweiz
ƒ Wettbewerbsnachteile für CH-Shops
ƒ Wettbewerbsnachteile für CH-Kunden

ƒ 2. Ausgangslage Europa
ƒ Einige Richtlinien
ƒ Gerichtsentscheide

ƒ 3. Verantwortung der CH eShop-Betreiber


ƒ Sorgfaltspflichten der Geschäftsleitung / Verwaltungsrat
ƒ Haftung für Verschulden

ƒ 4. EU-Konformität von CH-Shops


ƒ Selbstcheck
ƒ Konformitätsprüfung

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1. Ausgangslage Schweiz

ƒ Kein eCommerce-Gesetz

ƒ Es gilt Obligationenrecht / Kaufrecht

ƒ eCommerce-Recht EU gilt nicht für CH-Shops (??)

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1a. Wettbewerbsnachteile für CH-Shops (1)

ƒ CH-Domain richtet sich nicht nur an CH-Verbraucher

ƒ CH eShop richtet sich an grundsätzlich alle Verbraucher, die ihn


besuchen

ƒ Wettbewerbsrechtlich gilt das Auswirkungsprinzip

ƒ CH eShop muss sich ausdrücklich vorbehalten, nur an CH-Verbraucher


zu liefern und Prozesse entsprechend steuern (Adress-Plausibilisierung)

ƒ Die meisten CH eShop erfüllen die EU-Gesetzesanforderungen nicht.

ƒ CH eShop kann rechtliche Probleme mit EU-Verbraucher bekommen

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1b. Wettbewerbsnachteile für CH-eShops (2)

Die meisten CH e-Shops erfüllen nicht:


ƒ Mindestanforderungen an die Anbieterkennzeichnung

ƒ Mindestanforderungen an Allgemeine Geschäftsbedingungen AGB

ƒ Gewährung eines jederzeitiges Widerrufsrechts

ƒ Spezielle Zusatz-Anforderungen an den Bestellvorgang


ƒ Transparenzgebot bezüglich Produktebeschrieb
ƒ Transparenzgebot bezüglich Produktepreis

ƒ Die unerbetene Zusendung von Newslettern (Werbung) ist verboten

ƒ Nichtumsetzung von EU-Gerichtsentscheiden (vorab D)

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1c. Wettbewerbsnachteile für CH-Kunden

Wieso bestelle ich als CH-Verbraucher besser nicht bei


einem CH eShop?

ƒ Er muss mir kein Widerrufsrecht einräumen -> kaufe besser in EU-Shop

ƒ Die Kosten bei Widerruf sind auf die Rücksendekosten beschränkt

ƒ Er gibt mir meist keine 2 Jahresgarantie -> in der EU Pflicht

ƒ Die meisten AGB sind einseitig zugunsten der CH Shops abgefasst (Garantie &
Haftung unzulässig reduziert)

ƒ Ich muss keine Mehrwertsteuer im Ausland bezahlen

ƒ Konsumentenschutz in EU ist viel hartnäckiger (Deklarationspflichten, einseitige


Klauseln etc.)

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2. Ausgangslage in EU
Richtlinie Fernabsatz 97/7/EG vom 20. Mai 1997

ƒ Widerrufsrecht mindestens 7 (14) Tage ohne Begründungspflicht und


ohne Strafzahlung (Art. 6 Abs. 1)
ƒ Schriftliche Informationen über die Bedingungen des Widerrufs
(Art. 5 Abs.1), sonst Verlängerung auf 3 Monate (Art. 6 Abs. 1)

ƒ Auferlegung nur der unmittelbaren Kosten der Rücksendung (Art.


6 Abs. 1)

ƒ Verzicht auf innerstaatliches EU-Recht (Herkunftslandprinzip - Art.


12)

ƒ Im Falle eines Missbrauchs einer Zahlungskarte die Stornierung


der Zahlung möglich ist (Art. 8)
ƒ Im Falle eines Missbrauchs einer Zahlungskarte die Zahlung
gutgeschrieben oder erstattet wird (Art. 8)

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Richtlinie e-commerce 2000/31/EG vom 8. Juni 2000

ƒ Allgemeine zusätzliche Informationspflichten (Art. 5)


ƒ z.B. Handelsregisternummer / Mehrwertsteuernummer
ƒ Preise immer mit Steuern und Versandkosten (sofern geschuldet)

ƒ Erweiterte Informationspflichten (Art. 10)


ƒ Einzelne technische Schritte anzeigen, die zum Vertragsabschluss führen
ƒ Technische Mittel zur Erkennung und Korrektur von Eingabefehlern vor Bestellabgabe
ƒ AGB und Vertragsbestimmungen speicherbar und reproduzierbar

ƒ Klagemöglichkeiten (Art. 18)


ƒ Nach innerstaatlichem Recht verfügbare Klagemöglichkeiten inkl. vorläufiger
Massnahmen getroffen werden können

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Richtlinie 93/13/EWG vom 5. April 1993 über missbräuchliche Klauseln in
Verbraucherverträgen

ƒ Missbräuchliche Klauseln
ƒ .... wenn sie zum Nachteil des Verbrauchers ein erhebliches und ungerechtfertigtes
Missverhältnis der vertraglichen Rechte und Pflichten der Vertragsparteien verursachen
(Art. 2)
ƒ Haftungsausschluss / Kurzfristige Preiserhöhungen / einseitige nachträgliche
Bestimmungen / Abänderung der Beweislast
ƒ Beweislast
ƒ Unklare Abfassung der AGB geht zulasten des Anbieters (Art. 5)
ƒ Unverbindlichkeit
ƒ Missbräuchliche Klauseln sind unverbindlich (Art. 6)
ƒ Rechtswahl
ƒ „Schweizerisches Recht“ schützt nicht (Art. 6 Abs. 2)
ƒ Ausländische Gerichte
ƒ Personen und Organisationen können die innerstaatlichen Gerichte anrufen um zu
entscheiden, ob Vertragsklauseln missbräuchlich sind (Art. 7 Abs. 2)
ƒ Staatliche Bestimmungen
ƒ Mitgliedstaaten können strengere innerstaatliche Bestimmungen erlassen (Art. 8)

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Gerichtsentscheide EU

ƒ Gelten nicht für CH

ƒ Haben aber Auswirkungen auf CH eShops, die in EU


Verbraucher (Kunden) bedienen
ƒ => Herkunftslandprinzip

ƒ Wer EU-Kunden hat, sollte unbedingt umsetzen. Er ist


sonst vor Abmahnungen oder Klagen von Verbraucher
& Konsumentenschutz-Organisationen nicht sicher.

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Gerichtsentscheide (1)

Landgericht Frankfurt Urteil vom 28-06-2006 – AZ 2/2 O 404/2005

Aufgrund einer Klage der Verbraucherzentrale Hamburg hat das LG der T-Online AG
die Verwendung bestimmter Klauseln in ihren online bereitgestellten Allgemeinen
Geschäftsbedingungen (AGB) verboten.

Als verbraucherunfreundlich stufte das LG den Ersatzlieferungspassus ein, wonach das


Unternehmen im Falle der Nichtlieferbarkeit eines Produktes berechtigt sein soll, “ein in
Qualität und Preis gleichwertiges Produkt zu liefern oder vom Vertrag zurückzutreten”.
Auch die Klausel, wonach die Rücksendung samt Originalverpackung zu erfolgen habe,
erklärten die Richter für unwirksam.

Gleiches gelte auch für das Recht zur jederzeitigen Veränderung der AGB.

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Gerichtsentscheide (2)

Bundesgerichtshof Urteil vom 05-10-2005 – AZ VIII ZR 382/04

In Bezug auf das Rückgaberecht und den Widerruf darf der Online-Betreiber nicht in
Allgemeinen Geschäftsbedingungen festhalten, dass der Käufer nur eine
Gutschrift auf sein Kundenkonto erhält und die bereits geleistete Zahlung nicht
zurückerstattet erhält.

Wenn Geldleistungen auszugleichen sind, so ist der Gegenseite der Geldwert


zurückzuzahlen. Dafür reicht eine Gutschrift nicht, da es sich dabei um ein abstraktes
Schuldversprechen handelt, welches lediglich eine neue Forderung des Berechtigten
gegenüber dem Verpflichteten begründen kann.

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Gerichtsentscheide (3)

ƒ Ab dem 1. April 2008 gelten die neuen Muster zur


Widerrufsbelehrung.

ƒ Der Text ist jetzt im Bundesgesetzblatt vom 12. März


2008 (BGBL. I, 292) verkündet worden.
http://www.bmj.de/files/-/3052/BGB_Info_VO_120308.pdf

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Gerichtsentscheide (4)

Bundesgerichtshof Oktober 2007

ƒ Der Deutsche Bundesgerichtshof hat entschieden, dass es den


jugendschutzrechtlichen Anforderungen nicht genügt, wenn
pornographische Internet-Angebote den Nutzern nach Eingabe einer
Personal- oder Reisepassnummer zugänglich gemacht werden. Gemäss
dem Bundesgerichtshof ist erforderlich,

ƒ … dass eine “effektive Barriere” für den Zugang Minderjähriger besteht.


Einfache und naheliegende Umgehungsmöglichkeiten müssen
ausgeschlossen sein (…) denn jugendliche könnten sich leicht die
Ausweisnummern von Familienangehörigen oder erwachsenen Bekannten
beschaffen.

ƒ Dieses Erfordernis kann heute nur mit einer digitalen Signatur erfüllt
werden.

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Gerichtsentscheide (5)

Landgericht Braunschweig, Urteil vom 23.04.2008- 9 O 368/08 (41)‫‏‬

ƒ Die gezielte Verwendung einer geschützten Marke als Keyword in


einer AdWords-Kampagne stellt eine Markenrechtsverletzung dar.

ƒ Die Verantwortlichkeit ist grundsätzlich ab dem Zeitpunkt gegeben, ab


dem der Werbende davon erfährt, dass seine Anzeige auf ein
geschütztes Zeichen reagiert. Dann ist er verpflichtet das
entsprechende Keyword für seine Kampagne auszuschliessen.

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3. Verantwortung von Shop-Betreibern


Haftung

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Sorgfaltspflichten für Vertriebskanal Internet

ƒ Vorbereitung und Planung


ƒ Kundenkreis
ƒ Mindestanforderungen Gesetze CH oder EU

ƒ Betrieb
ƒ Laufende Anpassungen
ƒ Änderungen Gesetzesgrundlagen CH oder EU
ƒ Nachvollzug von Gerichtsentscheiden (insbesondere D)

Vorwurf der Grobfahrlässigkeit gegenüber GL und VR, wenn die


notwendigen Abklärungen und Anpassungen nicht zeitgerecht
umgesetzt werden

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4. EU-Konformität von CH eShop

ƒ Wie kann GL / VR seine Sorgfaltspflichten


sicherstellen?

ƒ Muss ich alle Gesetzesbestimmungen / Richtlinien /


Gerichtsentscheide selber kennen ?

ƒ Gibt es keine einfachen Hilfsmittel ?

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Selbstcheck - Voraudit - Zertifizierung

ƒ Selbstcheck mit 10 Hauptanforderungen (Fitness-Test)


ƒ www.e-comtrust.ch

ƒ Checkup mit sämtlichen Anforderungen


ƒ Stichprobe-Prüfung nach EU-Konformität
ƒ Massnahmenkatalog

ƒ Zertifizierungsaudit
ƒ MUSS-Kriterien alle erfüllen
ƒ SOLL-Kriterien Erfüllen innert 3 Monaten
ƒ Kann-Kriterien Erfüllen bis nächstes Audit in 12 Monaten
ƒ Empfehlungen freiwillige Umsetzung (Verbesserungen)

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CWA 14842 : 2003 - Zertifizierung


Start

MUSS-Kriterien erfüllt?
ja nein

MUSS-Kriterien umsetzen
Vertrauenssiegel SOFORT Keine Frist an Shop-Betreiber

SOLL-Kriterien erfüllt?
ja nein

Vertrauenssiegel SOFORT Vertrauenssiegel SOFORT


Aber: SOLL-Kriterien umsetzen
innerhalb 3 Monate
ja nein

Zertifikat 1 Jahr Zertifikatsentzug

KANN-Kriterien erfüllt?
ja nein

Vertrauenssiegel SOFORT Vertrauenssiegel SOFORT


Aber: KANN-Kriterien umsetzen
© Lukas Fässler, Rechtsanwalt, Zug 2008 Ende innerhalb 12 Monaten

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Zertifikatsverfahren

ƒ Auditergebnisse
ƒ Massnahmenplan
ƒ Umsetzung

ƒ Vergabe des Vertrauenssiegels

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Kosten / Nutzen
ƒ Schnelle und umfassende Beurteilung der EU- Anforderungen

ƒ Nutzen: alle notwendigen Umsetzungsmassnahmen


zusammengefasst in Berichtsform

ƒ Kostengünstig: Checkup: CHF 777.00


Zertifikat: CHF 1‘968.00 / Jahr
CHF 164.00 / Monat
ƒ Zeitpunkt der Umsetzung ist freiwillig

ƒ Vertrauenssiegel hebt mich von anderen CH eShops klar ab


ƒ Marketingmassnahme
ƒ Kundenvertrauen - Freistellungsmerkmal
ƒ Erfüllung der Sorgfaltspflicht
ƒ Risikoreduktion auf vertretbares Mass
ƒ Haftungsrisiko massiv eliminieren

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CH eShops im Verfahren

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Ausbildung
41 zertifizierte CeCC-Consultants

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Informationen

ƒ www.e-comtrust.ch

ƒ www.shop-hilfe.ch

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Danke

www.e-comtrust.ch www.fsdz.ch

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