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Aquaprox (Hrsg.

)
Aquaprox (Hrsg.)

Kühlwasserbehandlung

Mit 63 Abbildungen und 37 Tabellen

123
Aquaprox
6, rue Barbès
B.P. 177
F-92305 Levallois
Frankreich

Französische Originalausgabe erschienen bei Lavoisier, 2006


(ISBN-13: 978-2-7430-0842-0).

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Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.ddb.de> abrufbar.

ISBN 978-3-540-71098-1 Springer Berlin Heidelberg New York

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Vorwort

Klimaanlagen mit integrierten Kühlsystemen gibt es in den meisten Büros, Ein-


kaufscentern oder Krankenhäusern. Fast überall kann man Steinbildung, Korro-
sion und bakteriologische Kontamination feststellen. Um Kühlanlagen nutzen und
verwalten zu können, ist eine gründliche Kenntnis der technischen und chemi-
schen Zusammenhänge nötig.
Das von Praktikern geschriebene Buch schildert die Probleme, die beim Betrieb
von Kühlanlagen auftreten können. Für zahlreiche Industrieprozesse werden An-
lagen zur Kühlung von Produkten oder Stoffen benötigt. Sie sind vor allem in
folgenden Bereichen anzutreffen:
• in der Energieproduktion, um die Dampfverdichtung zu sichern und Motoren
oder Pumpen abzukühlen,
• in der Eisenindustrie bei jeder Stufe der Eisenverarbeitung,
• um Hochöfen sowie Heiβwindschieber, Gussröhren und andere Elemente abzu-
kühlen, die bei einer zu starken Hitze beschädigt werden könnten und deren
mechanischer Widerstand leiden könnte,
• in Stahlwerken für Sauerstoffröhren, Kokillen usw.,
• in Walzanlagen für Längsträger von Öfen, Walzen und Drehteilen,
• in Kokereien für Öfen, Destillationssäulen usw.,
• in der Agrarwirtschaft: Brauereien, Zuckerfabriken, Brennereien, Molkereien,
• in der Konservenindustrie: Schlachthöfe, Fruchtsäfte, Eisproduktion.
In allen Industriebereichen gibt es notwendige Abkühlungsstufen, um das Fer-
tigprodukt zu verpacken oder um die Temperatur bei Sterilisation oder Pasteurisa-
tion zu regulieren:
• in der Papierindustrie: Abkühlung der Schwarzlauge, der Motoren, der Ver-
dichter,
• in der Raffinerie: Abkühlung der Crackingeinheiten, Destillationssäulen,
• in der Chemie und Pharmazeutik: Abkühlung der Reaktoren, in denen organi-
sche mineralische Synthesen verarbeitet werden,
• bei der Verarbeitung von Kunststoffen: Abkühlung der Spinndüsen,
• in der Autoindustrie: Motorproduktion (Aluminiumgießerei), Erzeugung von
Getrieben (Verarbeitung),
• bei der Produktion von Elektroteilen: Klimaanlagen,
• bei Kläranlagen: Abkühlung von Kompressoren.
VI Vorwort

Fachleute aus dem Hause Aquaprox haben sich bereit gefunden, ein Buch über
Wasserbehandlung zu schreiben. Es handelt sich um J. C. Berce und D. Billon-
Lanfray, den ersten Leiter der Handelsabteilung der Firma und seinen Nachfolger.
Aquaprox ist eine Filiale für Wasserbehandlung des Konzerns Protex Interna-
tional. Seit über 70 Jahren beschäftigt sich Protex International mit Feinchemie,
darunter Chemie, Textilchemie, Elektronik, Agrarwirtschaft, Pharmazeutik, Par-
füm und Duftstoffe für technische und kosmetische Produkte und der Wasser-
behandlung.
Aquaprox gibt Antworten auf alle Fragen der Wasserbehandlung. Verträge mit
weltbekannten Firmen sind Beweis für die technische Kompetenz und die effizien-
te Technologie der Rohstoffsynthese von Aquaprox. Die Produktpalette umfasst:
• Kühlanlagen mit Produkten gegen Steinbildung, Korrosion, Keime, Algen,
• Heizkessel: Produkte zur Sauerstoffbindung, alkalinisierende und phosphatisie-
rende Produkte, kesselsteinverhütende Produkte,
• Kläranlagen: Flockungsmittel, Entschäumer zur Verringerung von Schaum,
Produkte zur Geruchsbeseitigung sowie Produkte, die CSB behandeln (Bioad-
ditive).
Das Buch fasst 20 Jahre Erfahrung zusammen und soll eine Hilfe sowohl für
Betreiber als auch für Käufer von Kühlanlagen sein, die Angebotsausschreibungen
kritisch beurteilen wollen. Für Leiter von Industrieunternehmen oder Umweltab-
teilungen soll das Buch praktische Lösungen bieten und persönlichen Überlegun-
gen Raum geben.

Paris, im April 2007 Arnaud Moor


Geschäftsführer Aquaprox
Inhaltsverzeichnis

Einleitung.............................................................................................................. 1

1 Analyse des Wassers .................................................................................. 7


1.1 Physikalische Eigenschaften des Wassers ........................................ 7
1.1.1 Dichte ................................................................................... 7
1.1.2 Thermodynamische Eigenschaften....................................... 8
1.1.3 Wasser-Luft-Systeme ........................................................... 9
1.2 Verschiedene Arten des Wassers.................................................... 10
1.3 Verunreinigende Stoffe des Wassers .............................................. 11
1.3.1 Feste Schwebestoffe........................................................... 11
1.3.2 Gelöste Feststoffe............................................................... 12
1.3.3 Gelöste Gase ...................................................................... 13
1.4 Ausgewählte Einheiten für die Wasseranalyse ............................... 14
1.5 Auswertung einiger Elemente......................................................... 18
1.5.1 Wasserhärte........................................................................ 18
1.5.2 Alkalität: alkalimetrische Titer........................................... 18
1.5.3 Auswertung der Alkalitäten ............................................... 19
1.5.4 Gesamtauswertung der Analyse:
Ionen- und Gewichtsbilanz................................................. 22
1.6 Ausgewählte Methoden und erforderliche Prüfgeräte .................... 23
1.6.1 Bestimmung der Alkalität .................................................. 23
1.6.2 Freie Mineralacidität .......................................................... 25
1.6.3 Gesamthärte ....................................................................... 26
1.6.4 Calciumhärte ...................................................................... 27

2 Wasserbehandlung................................................................................... 29
2.1 Vorbehandlung ............................................................................... 30
2.1.1 Grobabsiebung oder Rechenreinigung ............................... 31
2.1.2 Belüftung oder Oxidation................................................... 31
2.2 Chloren ........................................................................................... 35
2.2.1 Chemie des Chlorens.......................................................... 35
2.2.2 Sonstige Chlorungsmittel ................................................... 35
2.3 Sedimentation oder Absetzung ....................................................... 35
2.3.1 Beschränkung der Methode................................................ 36
2.3.2 Verwendete Apparatur ....................................................... 37
VIII Inhaltsverzeichnis

2.4 Klärung – Koagulation – Ausflockung............................................ 37


2.4.1 Beschreibung des Verfahrens.............................................. 37
2.4.2 Theorie der Koagulation ..................................................... 37
2.4.3 Verwendete Koagulierungsmittel ....................................... 38
2.4.4 Einsatz synthetischer Ausflockungsmittel .......................... 39
2.4.5 Verwendete Apparaturen .................................................... 41
2.5 Kalk-Soda-Enthärtung..................................................................... 42
2.5.1 Beschreibung des Verfahrens.............................................. 42
2.5.2 Verwendete Apparaturen .................................................... 44
2.6 Enthärtung durch Ionenaustauscherharze........................................ 44
2.6.1 Ionenaustausch durch Harze im Natriumkreislauf .............. 44
2.6.2 Entkarbonisierungsenthärtung ............................................ 45
2.6.3 Enthärtung durch Vollentsalzung........................................ 47
2.6.4 Vergleich der Enthärtungsverfahren ................................... 48
2.7 Filterung .......................................................................................... 50
2.7.1 Art der Filterelemente ......................................................... 50
2.7.2 Filtertypen........................................................................... 51
2.7.3 Membrantechniken ............................................................. 51

3 Kühlwasser................................................................................................ 55
3.1 Erhaltung des Rohstoffs Wasser...................................................... 55
3.2 Erhaltung der Energie...................................................................... 56
3.3 Behandlung des Rohstoffs Wasser .................................................. 58
3.4 Kühlkreise ....................................................................................... 62
3.4.1 Arbeitsprinzip ..................................................................... 62
3.4.2 Wärmeübergang.................................................................. 62
3.4.3 Offene Kreisläufe................................................................ 64
3.4.4 Halboffene Kreisläufe......................................................... 65
3.4.5 Geschlossene Kreisläufe ..................................................... 67

4 Kühltürme ................................................................................................. 69
4.1 Arbeitsprinzip.................................................................................. 69
4.2 Berechnungselemente des Kühlsystems mit Verdampfung............. 71
4.2.1 Begriff des Konzentrationszyklus....................................... 71
4.2.2 Ablaufprozentsatz ............................................................... 71
4.2.3 Definition der für die Berechnungen
verwendeten Begriffe.......................................................... 72
4.2.4 Anzahl der Konzentrationszyklen....................................... 73
4.2.5 Schlussfolgerung................................................................. 74
4.2.6 Berechnung des Konzentrationsverhältnisses ..................... 75
4.3 Notwendigkeit der Kühlwasserbehandlung..................................... 76
Inhaltsverzeichnis IX

5 Ablagerungen und Ihre Behandlung...................................................... 83


5.1 Kesselstein...................................................................................... 83
5.1.1 Kesselsteinbildung ............................................................. 83
5.1.2 Einfluss der Temperatur auf das Löslichkeitsprodukt........ 84
5.1.3 Einfluss des pH-Wertes auf das Löslichkeitsprodukt......... 85
5.1.4 Calciumcarbonat ................................................................ 85
5.2 Kesselsteinverhütung...................................................................... 88
Subtraktive Verfahren..................................................................... 88
5.2.1 Additive Verfahren............................................................. 90
5.3 Verschmutzende Ablagerungen...................................................... 95
5.3.1 Prinzip der Ablagerungsbildung......................................... 95
5.3.2 Verhütung der verschmutzenden Ablagerungen ................ 97
5.3.3 Ablagerungsverhindernde Behandlungen .......................... 99
5.4 Kontrolle und Beobachtung.......................................................... 102
5.4.1 Prüfung des Ablagerungsumfangs
auf einer Kontrollfläche ................................................... 102
5.4.2 Prüfung des Leistungsverlusts eines Testaustauschers..... 102
5.4.3 Prüfung eines Kontrollaustauschers ................................. 102

6 Korrosion und ihre Behandlung........................................................... 105


6.1 Theorie der elektrochemischen Korrosion der Metalle ................ 106
6.1.1 Korrosion durch örtliche Zellen ....................................... 106
6.1.2 Korrosion durch Differenzialkonzentration ..................... 108
6.1.3 Mikrobiologische Korrosion ............................................ 110
6.2 Korrosionsarten ............................................................................ 110
6.3 Methoden zur Messung der Korrosion ......................................... 112
6.3.1 Elektrische Methoden der Korrosion ............................... 112
6.3.2 Messungen durch Korrosionskontrolle ............................ 114
6.4 Spontane Korrosionsbeständigkeit der Metalle ............................ 116
6.5 Korrosionsschutzbehandlungen.................................................... 118

7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung.................... 127


7.1 Mikrobiologie der Kühltürme....................................................... 127
7.1.1 Bakterien .......................................................................... 128
7.1.2 Algen................................................................................ 132
7.1.3 Pilze.................................................................................. 133
7.1.4 Biofilm ............................................................................. 135
7.2 Legionärsbakterie oder Legionella pneumophila.......................... 136
7.2.1 Definition und Beschreibung ........................................... 136
7.2.2 Kontamination und Pathologie......................................... 138
7.2.3 Risikoinstallationen.......................................................... 138
7.2.4 Luftkühltürme .................................................................. 139
7.2.5 Risikoanalyse ................................................................... 140
7.2.6 Empfohlene Behandlungen .............................................. 141
X Inhaltsverzeichnis

7.2.7 Gesetzliche Regelung........................................................ 142


7.2.8 Nachkontrolle.................................................................... 142
7.3 Kontrolle der Mikroorganismen .................................................... 143
7.4 Schäden durch biologische Invasion ............................................. 144
7.4.1 Korrosion .......................................................................... 144
7.4.2 Ablagerungen.................................................................... 145
7.4.3 Holzzerstörung.................................................................. 145
7.5 Biozidbehandlungen...................................................................... 146
7.5.1 Oxidierende Biozide ......................................................... 146
7.5.2 Organische Biozide........................................................... 153
7.5.3 Biologische Dispersionsmittel .......................................... 155
7.5.4 Behandlungsarten.............................................................. 155
7.6 Sonstige Behandlungen: UV ......................................................... 156

8 Inbetriebnahme der Kühlanlage ........................................................... 159


8.1 Kühlturm ....................................................................................... 160
8.2 Schutz der Wärmeaustauscher....................................................... 160
8.2.1 Reinigung.......................................................................... 162
8.2.2 Schutzfilm......................................................................... 163
8.3 Kontrolle der Wasserbehandlung .................................................. 164
8.4 Schlussfolgerung ........................................................................... 164

9 Anhang .................................................................................................... 165


9.1 Die Wasseranalyse ........................................................................ 165
9.2 Glossar........................................................................................... 167
9.3 Bibliografie ................................................................................... 175
Einleitung

Wasser gibt es in der Natur in großen Mengen, in flüssigem, gasförmigem und festem
Zustand. Man schätzt, dass es 70 % der Erdoberfläche bedeckt. Der größte Teil des
Wassers kommt als Salzwasser der Meere und Ozeane vor; das Süßwasser stellt nur
einen geringen Anteil des gesamten Wasservorkommens dar. Während des Kreis-
laufs des Wassers (Verdunstung der Meere, atmosphärische Niederschläge, Abfluss
und Rückfluss zu den Meeren) ändert sich dessen Zusammensetzung ständig und
unterscheidet sich mehr oder weniger vom Wasser als „reinem Stoff“, das den Physi-
kern und Chemikern bekannt ist.
Die Geschichte der Kühlwasserbehandlung ist nicht einmal 50 Jahre alt. Die
meisten bedeutenden Entwicklungsarbeiten auf diesem Gebiet entstanden während
des Berufslebens zahlreicher Chemieingenieure, die zum Teil heute noch tätig
sind. Der älteste bekannte Einsatz eines Korrosions-inhibitors stammt aus dem
Jahr 1905, als man feststellte, dass Arsen in der Lage ist, die Auflösung des Eisens
in Salzsäure zu verhindern. Die erste Erwähnung eines Inhibitors für Wasser geht
auf 1922 zurück: Dem Haushaltswasser wurden einige ppm Natriumsilikat zuge-
setzt, um die Korrosion der Bleirohrleitungen abzuwenden. Die Kühlwasserbe-
handlung wurde erstmals im Jahre 1924 erwähnt, als 200 ppm Natriumbichromat
und 50 ppm Natriumhydroxid in einem Kühlwerk verwendet wurden.
Zunächst war Kesselstein der größte Feind. Er wurde mittels äußerer Kühler,
umfangreicher Anlagen und durch häufiges Reinigen mithilfe mechanischer Kes-
selsteinentfernungsvorrichtungen bekämpft. Eine häufig angewendete Behandlung
bestand im gelegentlichen Zusatz einer bestimmten Kupfersulfatmenge zur Zerstö-
rung der Algen im Kühlturm, damit dieser nicht unter der – auf die Wucherung
der Mikroorganismen zurückzuführenden – Gewichtserhöhung zusammenbrach.
Über die Entstehung der Kesselsteinbildung wusste man damals fast nichts.
Bekannt war, dass die meisten Calciumsalze eine umgekehrte Temperatur-Löslich-
keitskurve aufwiesen, die den Einsatz von Wasser mit niedriger Härte empfehlens-
wert machte. Man wusste auch, dass Kesselstein sich eher bei hohen pH-Werten
bildet, und man setzte dem Wasser gelegentlich Säure hinzu. Die Türme wurden
jedoch nie bei einem pH-Wert unter 7,5 betrieben. Man hatte herausgefunden, dass
gewisse organische Stoffe die Struktur der Kesselsteinkristalle verändern und den
Kesselstein somit weniger haftend machen. Es wurden daher manchmal Tannine und
Lignin verwendet.
Der erste Durchbruch war die Erarbeitung der Löslichkeitszahl von Langelier
im Jahr 1936. Parameter, die die Kesselsteinbildung beeinflussen, wurden festge-
legt: Calciumhärte, Gesamtalkalität, pH-Wert, Gesamtheit der gelösten Feststoffe
2 Einleitung

und Hauttemperatur. Aber jeder Schritt zur Lösung des Kesselsteinproblems


brachte neue Fragen. Die Langelier-Zahl bedeutete in Wirklichkeit: „Bei einer
Reihe gegebener Bedingungen bildet jedes natürliche Wasser entweder Kessel-
stein oder ist korrosiv.“
Die Forscher versuchten nun, an die Problematik von zwei Seiten heranzuge-
hen. Zum einen sollte der pH-Wert des Wassers durch Säurezusatz angeglichen
werden, so dass sich eine feine Kesselsteinschutzschicht bildete. Dabei handelte es
sich um die sog. Methode der „kontrollierten Kesselsteinablagerung“. Diese in der
Theorie gute Methode ist in der Praxis jedoch nicht realisierbar. Wenn das warme
äußere Ende des Austauschers geschützt ist, wird das kalte Ende angegriffen.
Wird dagegen das kalte Ende geschützt, ist das warme Ende mit einer dicken Kes-
selsteinschicht bedeckt. Trotz der Einschränkungen war diese Methode nützlich,
denn sie gestattete es, die Betriebsdauer der Wärmeaustauscher um bis zu 50 % zu
erhöhen (bis zu 9 Monate zwischen zwei aufeinander folgenden Reinigungsvor-
gängen).
Die zweite Methode bestand darin, das Wasser so zu behandeln, dass es gewollt
korrosiv wurde, um später einen Korrosionsinhibitor zuzusetzen. Die zu diesem
Zeitpunkt bekannten Korrosionsinhibitoren waren unwirksam, es sei denn, man
setzte sie in unerschwinglichen Mengen zu. Die Chromate schränkten die gleich-
mäßige Korrosion ein, riefen jedoch den Angriff durch Rostnarben hervor. Ebenso
schränkten die Polyphosphate die gleichmäßige Korrosion ein, verwandelten sich
jedoch in Orthophosphate, die eine neue Kesselsteinablagerung mit sich brachten.
Ein neuerlicher Durchbruch fand während des Zweiten Weltkriegs statt. Die
Engländer fanden heraus, dass, wenn man dem Wasser zwei Korrosionsinhibito-
ren zusetzt, die korrosionsverhindernde Wirkung aus der Kombination der beiden
Produkte weitaus höher ist als die Summe ihrer einzelnen Wirkungen. Man nennt
dies „den synergistischen Effekt“. Die besondere Kombination der Engländer
bestand aus Polyphosphat und Nitrit. Zu Beginn waren solche Kombinationen rein
empirischer Art. Viel später wurde entdeckt, dass ein Kathoden- und ein Anode-
ninhibitor verwendet werden musste. Diese Entdeckung wurde als so wichtig
betrachtet, dass man sie äußerst geheim hielt. Ihr Einsatz wurde nicht nur den
Feinden, sondern auch den Verbündeten verweigert.
Kurze Zeit nach dem Krieg wurde das Verfahren bekannt gemacht. Das erste auf
dem amerikanischen Markt erscheinende Produkt war eine Polyphosphat-Eisen(II)-
Cyanid-Formel. Ihr folgte bald eine Polyphosphat-Chromat-Formel. Einige Zeit
danach wurden Zink und/oder gewisse organische Stoffe auf den Markt gebracht.
Dem an den Korrosionsproblemen arbeitenden Ingenieur standen zahlreiche Ver-
bindungen zur Verfügung: Chromat-Zink, Phosphat-Zink, Chromat-Phosphat-
Zink, Zink-organischer Stoff, Chromat-Phosphat-Zink-organischer Stoff usw.
Doch auch hier traten zahlreiche Probleme auf. Kühlwasser lief mit pH-Werten
von 6,0 bis 6,5 um. Diese pH-Bedingungen wirkten sich im Zusammenhang mit
der hohen, warmen Feuchtigkeit und dem fehlenden Licht günstig auf das Pilz-
wachstum in den aus Holz bestehenden Kühltürmen aus. Zwei zerstörerische Pilz-
gattungen in den Kühltürmen machten den Forschern zu schaffen. Es handelte sich
Einleitung 3

um den „weißen Schimmel“, der das Lignin angriff und Zellulose mit schwacher
Struktur zurückließ. Der Angriff erfolgte oft in Tragkonstruktionen, was zu einer
großen Anzahl zusammengebrochener Türme führte. Der „braune Schimmel“ griff
die Zellulose an, was den Zusammensturz des Lignins und damit das Zusammen-
fallen der Apparatewände mit sich brachte. Manchmal fanden die beiden Fäulnis-
vorgänge gleichzeitig statt und das Bauholz der Kühltürme verschwand ganz ein-
fach. Wasserbehandlung war unwirksam, da der Angriff in den nicht eingetauchten
Teilen des Turmes stattfand.
Das Problem wurde auf zweierlei Art gelöst: Zum einen wurden für den Bau
der Kühltürme andere Baustoffe als Holz verwendet, z. B. Asbestzement, Kunst-
stoff, Keramik. Zum anderen wurde das für den Kühlturmbau verwendete Holz
mit einem Kupfersalz vorbehandelt und danach mit einem Arsensalz getränkt.
Man nannte dies die „doppelte Diffusionsbehandlung“. Das in der Holzmasse
niedergeschlagene Kupferarsenid verlieh einen guten Schutz. Eine andere Metho-
de war das Imprägnieren des Holzes mit Kreosot. Beide Praktiken hatten ihre
Anhänger und ihre Gegner, erwiesen sich aber beide als zufriedenstellend. Es
wurden Anwendungen an bestehenden Türmen vorgenommen, deren Holz zuvor
nicht behandelt worden war. Dies verlängerte zwar die Lebensdauer, aber schließ-
lich musste das Holz doch ersetzt werden.
Ein weiteres Problem war das der Sulfat reduzierenden Bakterien. Diese Anae-
robionten können nur in Wasser mit niedrigem pH-Wert existieren. Sie sind in der
Lage, Ummantelungen (Verkapselungen) vorzunehmen und können in Wärmeaus-
tauschern selbst in Gegenwart von sauerstoffgesättigtem Wasser leben. Sie entwi-
ckeln sich auf Sulfaten (die in Form von Schwefelsäure in das System eingeführt
werden) und setzen dabei Schwefelwasserstoff frei. Zwei negative Auswirkungen
sind die Folge: Die an der Metallfläche haftende Biomasse setzt den Wärmeaus-
tausch herab. Der erzeugte Schwefelwasserstoff steht direkt mit dem Metall in
Berührung, was dessen Korrosion hervorruft, während die Biomasse den Korrosi-
ons-inhibitor vom Metall isoliert.
Weitere Schlamm erzeugende Mikroorganismen und Algen versuchte man zu
bekämpfen, indem man dem System regelmäßig Biozide zusetzte. Einmal im
Monat wurden abwechselnd zwei verschiedene Biozide verwendet. Dadurch sollte
verhindert werden, dass sich die Mikroorganismen an ein einziges Biozid gewöh-
nen. Kupferzitrat und Chlorophenate waren die ersten Favoriten. Später ersetzte
Zinntributyl das Kupferzitrat. Die Methode funktionierte recht gut, aber die
Schockversorgung mit Bioziden hatte den Nachteil, dass das System ziemlich
lange ohne Behandlung blieb. Außerdem war eine kontinuierliche Zugabe dieser
Biozide nicht wirtschaftlich.
Eine andere Variante war der Versuch, das System mithilfe einer kontinuier-
lichen Chlorbehandlung vollständig zu sterilisieren. Die erforderlichen Konzentra-
tionen (ca. 1 ppm Restchlor) griffen das Holz im Kühlturm an, vor allem bei Son-
nenlicht. Dies verkürzte die Lebensdauer der Holzkonstruktion um die Hälfte und
die im umlaufenden Wasser gelösten Holzfasern verschlimmerten das Verstop-
fungsproblem (Fouling) erheblich.
4 Einleitung

Ein möglicher Kompromiss war die Stoßbehandlung mit Chlor (es wurde ein
Rückstand von 1 ppm gebildet, wobei das Wasser dreimal wöchentlich vier Stun-
den lang umlaufen musste). Eine andere Methode bestand darin, eine geringe
Chlormenge, d. h. etwa 0,1 ppm Restchlor kontinuierlich umlaufen zu lassen.
Diese Chlorbehandlung wurde durch regelmäßigen Zusatz von Quaternärammoni-
umsalzen verstärkt. Das Salz hat eine schwache Biozidaktivität, jedoch ist es dank
seiner reinigenden Wirkung möglich, Sulfat reduzierende Bakterienkolonien aus-
zuscheiden, so dass der Sauerstoff und/oder das Chlor deren Zerstörung vollenden
können. Gelegentliche Zugaben von Methylen-Bisthiocyanat, die zur Überwa-
chung der Algen bestimmt sind, waren ebenfalls hilfreich.
Ein drittes Problem trat erst später zutage. Unterdessen waren die Wasserche-
miker zufrieden, da der Begrenzungsfaktor für die Reinigung der Wärmeaustau-
scher nicht mehr der Kesselstein, sondern die Verstopfung oder Verschmutzung
seitens des Verfahrensmediums war. Die fünfziger Jahre brachten indes Fortschrit-
te auf dem Gebiet der Inhibitoren und Detergenzien mit sich, die die Tendenz
völlig umkehrten. Das Wasser wurde erneut zum kritischen Punkt.
Diesmal war die Verstopfung (Fouling) der springende Punkt. Sie entsteht aus
der Ablagerung eines anormal in Suspension befindlichen Stoffes, während Kes-
selstein die Ablagerung eines normalerweise in Lösung befindlichen Stoffes ist.
Eine kolloidale Substanz kann auf verschiedene Art und Weise in den umlau-
fenden Wasserstrom eindringen. Man trifft sie im Zusatzwasser an, vor allem,
wenn es sich um unbehandeltes Oberflächenwasser handelt. Sie kann auch aus der
Luft kommen, wenn diese mit dem Wasser des Kühlturmes in Berührung kommt.
Möglich ist ihre Herkunft sowohl von den Zerstörungsprodukten des Bauholzes
des Kühlturmes oder den mazerierenden Algen als auch von den mit der Behand-
lung zusammenhängenden Reaktionsprodukten, insbesondere in Form von Eisen
und Kalziumphosphat. Die Kolloidpartikel neigen dazu, sich im sauren Wasser
negativ aufzuladen, während die Kühlflächen aus Eisen sich eher positiv aufladen,
was zur Ablagerung und folglich zur Verschmutzung führt. Höhere Temperaturen
begünstigen diesen Prozess.
Der Schlamm des Trinkwassers lässt sich durch Ausflockung und Filterung be-
seitigen. Eine reichliche Ansammlung im umlaufenden Wasser kann mithilfe einer
Abzweigungsfilterung kontrolliert werden. Die auf die Phosphate zurückzuführende
Verschmutzung oder Verstopfung wird durch Ausscheidung des Phosphatzusatzes
gehemmt, d. h. durch den Einsatz von Korrosionsinhibitoren auf Chrom-Zink- oder
Chrom-Molybdän-Basis. Die Verwendung anionischer Dispersionsmittel verbes-
sert die Ergebnisse.
Der letzte und vielleicht bedeutendste Durchbruch auf dem Gebiet der Kühlwas-
serbehandlung ist sogar ein zweifacher Erfolg. Um 1968 wurde eine Reihe organi-
scher Verbindungen des Phosphors, die Phosphonate, entwickelt. Diese Produkte
haben die Eigenschaft, die in Lösung befindlichen Kalziumsalze selbst bei einem
pH-Wert von 9,0 ohne Säurezusatz aufrechtzuerhalten. Einige verfügen auch über
korrosionsverhütende Eigenschaften, gestatten jedoch die Verwendung von Korro-
sionsinhibitoren mit geringeren Konzentrationen.
Einleitung 5

Dieser bei einem höheren pH-Wert durchgeführte Vorgang vermindert auch die
Möglichkeit des Vorhandenseins von Sulfat reduzierenden Bakterien im System.
Eine Reihe anionischer Polymere wurde fast zur gleichen Zeit auf dem Markt
eingeführt, es handelt sich um Polyacrylate, deren Verwendung die Neigung zur
Verschlammung oder Verschmutzung des in den Kühltürmen umlaufenden Was-
sers beträchtlich begrenzt.
Die Lösung eines alten Problems wirft jedoch unverändert eine neue Schwie-
rigkeit auf. Neue Probleme machen neue Lösungen erforderlich, so dass die Be-
handlung des in Kühltürmen umlaufenden Wassers weiterhin kompliziert bleibt.
Zurzeit gibt es fünf Hauptachsen der Entwicklung in der Kühlwasserbehandlung:
• die Reduzierung des Wasserkonsums,
• die Erhöhung der Lebensdauer der Apparate durch die Stabilisierung der ther-
mischen oder nominalen Austauschleistungen, die von den Erfindern der Ein-
heiten vorgesehen ist,
• die Einschränkung der Wirksamkeit auf die Umgebung der Abwässer,
• die Sicherheit des Personals, das mit den Behandlungsprodukten in Kontakt ist,
• die Beherrschung des Legionellenrisikos für die Bevölkerung, die den durch die
Verdampfung erzeugten Aerosolen ausgesetzt ist.
1 Analyse des Wassers

Wasser mit der Formel H2O und der molaren Masse 18 besteht aus zwei Atomen
Wasserstoff und einem Atom Sauerstoff. Aufgrund des Vorhandenseins von Was-
serstoffisotopen, insbesondere von Deuterium der Masse 2 (Symbol D), das im
natürlichen Wasserstoff im Molekularverhältnis 1:6000 vorhanden ist, enthält
Wasser einen nicht unwesentlichen Anteil schweres Wasser D2O und halbschwe-
res Wasser HDO; die anderen Isotopen sind unwesentlich.

1.1 Physikalische Eigenschaften des Wassers

1.1.1 Dichte

Wasser zeigt bezüglich der Dichte ein anomales Verhalten (Anomalie des Was-
sers). Flüssiges Wasser weist bei 4 °C seine größte Dichte auf: 1,00000 g/cm3.
Die Abnahme des pH-Wertes in Abhängigkeit von der Temperatur ist ein äu-
ßerst wichtiger Faktor, der unbedingt beachtet werden muss. So hat ein auf 180 °C
erhitztes reines Wasser, das zum Beheizen großer Wohnkomplexe verwendet
wird, einen pH-Wert von etwa 5,75. Es ist also sauer und daher aggressiv.
Um bei 180 °C einen neutralen oder leicht alkalischen pH-Wert zu erhalten,
muss der pH-Wert im kalten Zustand wirklich alkalisch sein und sich dem Wert
10 nähern. Andererseits ändern sich diese Werte, sobald das Wasser gelöste Stoffe
enthält, die H+ - oder OH− -Ionen einbringen können.

Tabelle 1 Wasserdichte des reinen Wassers im Verhältnis zur Temperatur

Temperatur Wasserdichte
(in °C) (g/cm3)
0 0,999
4 1,000
20 0,998
50 0,998
110 0,958
150 0,917
200 0,863
250 0,794
300 0,70
8 1 Analyse des Wassers

Tabelle 2 Variation des pH-Wertes des reinen Wassers im Verhältnis zur Temperatur

Temperatur pH-Wert
(in °C)
0 7,5
50 6,6
100 6,1
160 5,8
200 5,7
250 5,5

Einige pH-Werte seien zum Vergleich angeführt:


• natürliches Wasser hat einen pH-Wert von 5 bis 9,
• Fruchtsäfte haben einen sauren pH-Wert von 2,2 (Zitrone),
• einzehntelnormale Schwefelsäure hat einen pH-Wert von 1,2.

1.1.2 Thermodynamische Eigenschaften

• Schmelztemperatur: 0°C, wenig empfindlich gegenüber Druck-


schwankungen
• Schmelzwärme: 330 kJ–kg−1 (oder 80 kcal/kg)
• Siedetemperatur: 100 °C bei einem Druck von 760 mm Hg,
schwankt je nach den Druckverhältnissen
• Latente Verdampfungswärme: 2250 kJ–kg−1 (539 kcal/kg bei 20 °C),
schwankt ebenfalls mit der Temperatur
(s. Tabelle 3)

Tabelle 3 Verdampfungskonstanten des Wassers

Tempe- Sättigungs- Spez. Flüssig- Spez. Dampf- Massenenthalpie Massenenthalpie


ratur dampfdruck keitsvolumen volumen der Flüssigkeit des Dampfes
(°C) (Kg/cm2) (m3/kg) (m3/kg) (kcal/kg) (kcal/kg)
0 0,00622 0,00100 206,4 0 595,4
50 0,1258 0,00101 12,6 49,95 618,5
100 0,0333 0,00104 1,674 100,04 639,2
150 4,854 0,00109 0,393 150,93 656,0
200 15,85 0,00116 0,127 203,6 667,5
250 40,60 0,00126 0,0501 259,5 670,0
300 87,7 0,00142 0,0218 321,8 657,5
350 168,7 0,00179 0,0089 403,7 617
1.1 Physikalische Eigenschaften des Wassers 9

1.1.3 Wasser-Luft-Systeme

Wenn mit Wasser-Luft-Gemischen gearbeitet wird (Wäscher, Kühltürme), haben


Zuluft und Abluft nicht die gleichen hygrometischen Eigenschaften. Daher ist es
erforderlich, die in der Luft je nach Temperatur und Sättigungszustand enthaltene
Wassermenge zu kennen (s. Tabellen 4, 5 und 6).

Tabelle 4 Wasserdampfmasse in der gesättigten Luft (g/m3)

Relativer 0,0 1,0 2,0 3,0 4,0 5,0 6,0 7,0 8,0 9,0
Luftdruck
Temp. ºC
–20 0,892 0,810 0,737 0,673 0,613 0,557 0,505 0,457 0,413 0,373
–10 2,154 1,978 1,811 1,658 1,519 1,395 1,282 1,177 1,079 0,982
–0 4,835 4,468 4,130 3,813 3,518 3,244 2,988 2,752 2,537 2,340
+0 4,835 5,176 5,538 5,922 6,330 6,761 7,219 7,703 8,215 8,757
+10 9,330 9,935 10,574 11,249 11,961 12,712 13,505 14,339 15,218 16,144
+20 17,118 18,143 19,222 20,355 21,546 22,796 24,109 25,487 26,933 28,450
+30 30,039 31,704 33,449 35,275 37,187 39,187 41,279 43,465 45,751 48,138

Tabelle 5 Sättigungswasserdampf-Gewicht pro kg Trockenluft

Temperatur C° Über einem Gesamtdruck (in mm Hg) von


740 760 780
– 20 0,783 0,763 0,743
– 10 1,76 1,72 1,67
–5 2,61 2,54 2,48
0 3,96 3,87 3,76
5 5,66 5,53 5,36
10 7,95 7,71 7,52
15 11,00 10,80 10,50
20 15,3 14,8 14,5
25 20,7 20,2 19,70
30 28,3 27,5 26,96
35 37,6 36,6 35,60
40 50,1 48,9 47,60
45 67,3 65,3 63,5
50 89,5 86,8 84,3
60 159,0 154,0 149,5
70 291,5 289,9 279,6
80 589,0 554,0 582,2
90 1557,0 1430,00 1317,7
10 1 Analyse des Wassers

Tabelle 6 Trockenluftgewicht und Wasserdampf in Luft mit 75 %, 50 % und 25 % Sätti-


gung; A = Luftgewicht in m3 Luft (in kg), V = Dampfgewicht pro kg Trockenluft (in g)

Temp. ºC A bei 75 % V bei 75 % A bei 50 % V bei 50 % A bei 25 % V bei 25 %


–20 1,390 0,575 1,390 0,38 1,391 0,200
–10 1,339 0,900 1,340 0,57 1,341 0,447
0 1,286 2,880 1,289 2,20 1,290 1,000
10 1,237 5,770 1,240 3,84 1,243 1,920
20 1,184 11,030 1,190 7,37 1,197 3,690
30 1,128 20,500 1,141 13,50 1,153 6,680
40 1,067 35,100 1,087 23,50 1,107 11,500
50 0,994 62,700 1,026 40,60 1,060 19,700
60 0,899 109,000 0,952 68,90 1,004 32,700
70 0,789 189,000 0,867 114,90 0,946 52,400
80 0,665 317,000 0,763 196,80 0,882 82,700
90 0,458 700,000 0,628 340,70 0,799 134,000
100 0,176 2750,000 0,433 700,00 0,689 220,000

1.2 Verschiedene Arten des Wassers

Flüssiges Wasser, das sich durch Kondensation in Höhenlagen bildet, ist verhältnis-
mäßig rein. Bevor es den Erdboden erreicht, löst es Gase und absorbiert lösliche und
unlösliche in der Luft vorhandene Verbindungen. Dieses Wasser ist i. Allg. mit Sau-
erstoff gesättigt, enthält Kohlendioxid und kann durch aus der Industrie kommende
Gase, wie Stickstoffoxide, Schwefelwasserstoffgas und Schwefelgas, verunreinigt
werden. Es kann auch organische Stoffe und Mineralien enthalten, die in Form von
Staub vom Erdboden stammen.
Trifft das Regenwasser auf den Boden auf, können während des Abfließens und
Durchdringens der geologisch durchlässigen Schichten zahlreiche Bestandteile der
Erdkruste gelöst werden. Dies geschieht in Verbindung mit dem Gehalt an gelös-
ten Gasen – insbesondere Kohlendioxid –, die zur Auflösung der Mineralien bei-
tragen.
Das natürliche Süßwasser kann in drei Kategorien eingeteilt werden:
• Regenwasser,
• Oberflächenwasser: Wasserläufe, Tümpel, Seen und Oberflächenbecken,
• Grundwasser: von Quellen, weniger tiefen und tiefen Brunnen kommend.
Regenwasser wird selten verwendet; es gibt jedoch Versuche, es aufzufangen
und als zusätzliches Wasser in den Kühlkreislauf einzuführen. Sein sehr niedriger
Mineralgehalt bildet eine Besonderheit, die für jeden Bereich der Industrie eine
spezielle Verwendung voraussetzt.
Oberflächenwasser ist i. Allg. durch hohen Sauerstoffgehalt und niedrigen Koh-
lendioxidgehalt gekennzeichnet, da es sich im Gleichgewicht mit der Luft befin-
det, die 21 % Sauerstoff und nur etwa 0,03 % Kohlendioxid enthält. Es ist infolge
1.3 Verunreinigende Stoffe des Wassers 11

des Vorhandenseins von Lehm, organischen Abfallstoffen aus Vegetation und


Landwirtschaft meistens trüb und reich an Mikroorganismen. Zudem kann es
durch die Abfälle menschlicher Tätigkeit verschmutzt sein, z. B. durch städtisches
Abwasser, Abfallstoffe aus Landwirtschaft und Viehzucht, Industrieabfälle.
Grundwasser hat je nach vorhandenem Erdreich eine äußerst unterschiedliche
Zusammensetzung; es hat seine Trübung verloren und eine mehr oder weniger
große Härte erhalten. Oft findet man von der Oberfläche kommende Verunreini-
gungen vor. Dies gilt auch für Quellwasser, das die gleiche Zusammensetzung wie
das Grundwasser hat, aus dem es ja hervorgeht.
Tiefenwasser ist i. Allg. viel mineralisierter und äußerst reich an gelöstem Koh-
lendioxid, wobei die Löslichkeit durch den Druck, unter dem es sich befindet,
erhöht wird.
Es sei hier der Vollständigkeit halber noch das Meerwasser erwähnt, das jedoch
im Rahmen dieses Buches nicht behandelt wird. Seine Verwendung als zusätzli-
ches Wasser für den offenen Kreislauf des Kühlwassers entwickelt sich am Mee-
resufer. Es geht aus der geologischen Konzentration aller löslichen Stoffe hervor
und ist hauptsächlich durch seinen hohen Gehalt an Alkali- und Erdalkalihalogen-
iden gekennzeichnet.

1.3 Verunreinigende Stoffe des Wassers

Verunreinigende Stoffe des Wassers sind alle Stoffe, die nicht den reinen Stoff
H2O darstellen.

1.3.1 Feste Schwebestoffe

Feste Schwebstoffe sind feste Teilchen mit einer höheren Dichte als die des Was-
sers; diese Teilchen bleiben nur deshalb im Schwebezustand, weil das Wasser sich
in Bewegung befindet. Je größer die Geschwindigkeit des Wassers ist, desto größer
können die Schwebeteilchen sein. Sie können mineralischer Art sein, wie Sand,
Schlick und Ton, oder aber biologischer Art, wie Bakterien und organische Stoffe.
Die Schwebestoffe sinken oder setzen sich ab, sobald das Wasser weniger oder
nicht mehr bewegt ist. In ruhendem Wasser gilt die Absetzgeschwindigkeitsformel:
1/18g D 2 ( d1 − d 2 )
V=
n
V Absetzgrenzgeschwindigkeit der Teilchen in cm/s
g Beschleunigung in cm/s2
D deren Durchmesser in cm
d1 Dichte der Teilchen in g/cm3
d2 Dichte der Flüssigkeit in g/cm3
n dynamische Viskosität der Flüssigkeit in Poise
12 1 Analyse des Wassers

Die Stokes’sche Regel gibt die Absetzgrenzgeschwindigkeit von Kugeln


gleichgestellten Teilchen in einem Medium mit einer Reynolds’schen Zahl (NRe)
unter 0,3 an.
Für Teilchen mit einer Dichte von 2,65 sind die Fallgeschwindigkeiten in Ta-
belle 7 zusammengefasst.

1.3.2 Gelöste Feststoffe

Die häufigsten gelösten Feststoffe sind:


• Bicarbonate
− Calciumbicarbonat Ca (HCO3)2
− Magnesiumbicarbonat Mg (HCO3)2
− Natriumbicarbonat NaHCO3
− Eisen (II)-bicarbonat Fe(HCO3)2
− Mangan (II)-bicarbonat Mn (HCO3)2
• Chloride
− Calciumchlorid CaCl2
− Magnesiumchlorid MgCl2
− Natriumchlorid NaCl
• Sulfate
− Calciumsulfat CaSO4
− Magnesiumsulfat MgSO4
− Natriumsulfat Na2SO4
• Silikate
− Natriumsilikat Na2SiO3
− Kieselsäure H2SiO3
• Weitere
− Fluoride F−
− Nitrate NO3-
− Nitrite NO2

Tabelle 7 Absetzgrenzgeschwindigkeit für Teilchen mit einer Dichte von 2,65

Durchmesser der Art der Teilchen Zeit bis zum Sinken


Schwebeteilchen in 1 m Tiefe
10 mm Kies 1 Sekunde
1 mm Grobsand 10 Sekunden
0,1 mm Feinsand 2 Minuten
0,01 mm Schlick 2 Stunden
1µ Bakterien (verschiedeneDichte) 4 Tage
0,1 µ Ton 2 Jahre
0,01 µ Kolloide 10 Jahre
1.3 Verunreinigende Stoffe des Wassers 13

1.3.3 Gelöste Gase

Natürliches Wasser enthält im Wesentlichen folgende gelösten Gase:


• Sauerstoff O2,
• Stickstoff N2,
• Kohlendioxid CO2,
• Schwefelwasserstoffgas H2S.
Die in der Flüssigkeit gelöste Gasmenge ist proportional:
• der eigentlichen Löslichkeit des Gases im Wasser,
• der Gaskonzentration in der mit dem Wasser in Berührung stehenden Atmos-
phäre.
Das ist bei Sauerstoff und Stickstoff der Fall. Bei den Säureanhydriden, wie
Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff H2S mit der oben beschriebenen Löslich-
keit, kommen noch die Hydratation und die Ionisation hinzu, die die Löslichkeit
erhöhen.
Nach den Reaktionen:
CO 2 + H 2 0 → ← HCO3− + H + → ← CO3−− + 2H +

hängt die Gleichgewichtsbedingung vom pH-Wert ab. Gleiches gilt für H2S.
Die Löslichkeit der Gase in Wasser (1 l Gas pro 1 l Wasser) unter reiner Gas-
atmosphäre bei 1 bar, auf O °C bezogen, zeigt Tabelle 8.
Tabelle 8 zeigt, dass die im Wasser gelöste „Luft“ reicher an Sauerstoff ist als
atmosphärische Luft. Außerdem geht die Löslichkeit der Gase mit steigender
Temperatur zurück und erhöht sich mit steigendem Druck.
In der Praxis ist der gelöste Sauerstoff vor allem im Oberflächenwasser vor-
handen, besonders in Flüssen, in denen die Auflösung durch die Wasserbewegung
aktiviert wird. Dies ist umso mehr zu beobachten, wenn das Wasser weniger reich
an organischen, dem biologischen Abbau unterworfenen Stoffen ist.
Das im Oberflächenwasser wenig bedeutende Kohlendioxid nimmt im Grund-
wasser in Verbindung mit dem dort herrschenden Druck zu; es kann bis zu einem
Aufsprudeln durch Dekompression kommen (Mineralwasser).

Tabelle 8 Löslichkeit von Gasen in Wasser

0 °C 5 °C 10 °C 15 °C 20 °C 25 °C 30 °C 35 °C

Sauerstoff 0,0489 0,0429 0,0380 0,0342 0,0310 0,0283 0,0261 0,0244


Luftstickstoff 0,0235 0,0209 0,0186 0,0169 0,0155 0,0143 0,134 0,0126
Kohlensäureanhydrid 1,713 1,424 1,194 1,019 1,878 0,759 0,665 0,592
Schwefelwasserstoff 4,670 3,977 3,399 2,945 2,582 2,282 2,037 1,831
14 1 Analyse des Wassers

Tabelle 9 Löslichkeit des Sauerstoffs in Wasser im Gleichgewicht mit der wassergesättig-


ten Luft unter atmosphärischem Druck

Temperatur (°C) Sauerstoff (mg/l)

0 14,8
5 12,8
10 11,3
15 10,2
20 9,2
25 8,4
30 7,6
35 7,1
40 6,6
45 6,1
50 5,6

1.4 Ausgewählte Einheiten für die Wasseranalyse

Innerhalb der gelösten Salze sind außer den Halogenen, die sich in der Trocken-
substanz des Wassers befinden, auch Bicarbonate enthalten, die nur in Lösung
vorhanden sind, wie Calcium-, Magnesium- und Eisenbicarbonate. Diese Salze
findet man in der Carbonat-Trockensubstanz für Magnesium und Calcium. Fol-
gende Reaktion ist zu beobachten:
Ca(HCO3 ) 2 → CaCO3 + CO 2 + H 2 O

Mg(HCO3 ) 2 → MgCO3 + CO 2 + H 2 O .

Das Eisen(II)-carbonat wird durch Decarbonisation, welcher ein Oxidations-


vorgang folgt, zu Eisen(III)-hydroxid.
Fe(HCO3 ) 2 → Fe(OH) 2 + 2 CO 2

2Fe(OH) 2 + 1 2 O 2 + H 2 0 → 2Fe(OH)3 .

Im Falle der Natriumbicarbonate erhält man je nach Verdampfungstemperatur


Carbonat oder Bicarbonat. Diese in verdünntem Medium vorhandenen Salze sind
stark ionisiert und im Wasser befinden sich Ionen wie:
Cl− , F− , HCO3− , CO3−− , Ca ++ , Fe++ , Mg ++ , Na + .

In der Analysepraxis werden gerade diese Ionen bestimmt. Die Analysen


werden daher in Ionen ausgedrückt, und zwar entweder in mg/l, wodurch eine
Aussage über die gelöste Masse erfolgt, oder in Milliäquivalenten pro Liter
(meq/l), wodurch die Anzahl der vorhandenen Ionen ausgedrückt wird. Dadurch
1.4 Ausgewählte Einheiten für die Wasseranalyse 15

Tabelle 10 Ionenkonzentration

Ion Molekular- Wertigkeit mg-Gewicht


gewicht des Milliäquivalents
Ca++ 40,10 2 20,05
Mg++ 24,30 2 12,15
+
Na 23,00 1 23,00
-
OH 17,00 1 17,00
-
CO23 60,00 2 30,00
-
HCO2 61,00 1 61,00
-
Cl 35,46 1 35,46
--
SO4 96,06 2 48,03

ist es möglich, die Analysen rationell auszuwerten, wobei die Summe der Kat-
ionen der Summe der Anionen entspricht, da die Lösung elektrisch neutral ist.
Vier Arten des Ausdrucks der Ergebnisse sind üblich:
1. Ionenkonzentration in mg/l,
2. Ionenkonzentration in meq/l.
Beide Ausdrücke werden durch folgendes Verhältnis in Beziehung gesetzt:
mg / l × V
meq / l =
PM
PM Molekulargewicht oder molare Masse
V Wertigkeit

Anmerkung: meq/l ist gleich dem Äquivalent je Million epm und mg/l ist gleich
ppm (Gewicht) im englischen Sprachraum.
3. In parts per million CaCO3 ausgedrückte Konzentrationen, die z. T. so verwen-
det werden, dass alle Ionen in CaCO3 ausgedrückt werden, da das Calciumcar-
bonat fast stets die bedeutendste Ablagerung darstellt.
4. In Grad ausgedrückte Konzentrationen: Der Grad ist eine willkürliche Einheit,
die in Frankreich 0,2 meq/l entspricht. Die anderen Länder haben ebenfalls ihre
Gradbestimmung, die nicht dem französischen Grad entspricht (s. Tabelle 11).
16 1 Analyse des Wassers

Tabelle 11 Ausdruck der Konzentrationen in Grad

Formel Molekular- Milliäqui- Wert in mg/l


Gewicht valent/l
Grad Grad Grad
Franz. Deutsche Engl.
Härte Härte Härte
1. Ca- und Mg-Salze
Calciumcarbonat CaCO3 100 50 10,0 17,8 14,3
Calciumbicarbonat Ca(HCO3)2 162 81 16,2 28,9 23,1
Calciumsulfat CaSO4 136 68 13,6 24,3 19,4
Calciumchlorid CaCl 2 111 55,5 11,1 19,8 15,8
Ungelöschter Kalk CaO 56 28 5,6 10,0 8,0
Gelöschter Kalk Ca(OH)2 74 37 7,4 13,2 10,5
Magnesiumcarbonat MgCO3 84 42 8,4 15,0 12,0
Magnesiumbicarbonat Mg(HCO3)2 146 73 14,6 26,1 20,9
Magnesiumsulfat MgSO4 120 60 12,0 21,4 17,1
Magnesiumchlorid MgCl 2 95 47,5 9,5 17,0 13,5
Magnesia MgO 40 20 4,0 7,1 5,7
Mg(OH)2 58 29 5,8 10,3 8,2
2. Anionen
Carbonat CO3-- 60 30 6,0 10,7 8,6
Bikarconate HCO3-- 61 61 12,2 21,8 17,4
Sulfat SO4-- 96 48 9,6 17,3 13,7
Sulfit SO3 -- 80 40 8,0 14,3 11,4
Chlorid Cl− 35,5 35,5 7,1 12,7 10,2

Nitrat NO3 62 62 12,4 22,1 17,7
Nitrit NO2− 46 46 9,7 16,4 13,1
---
Phosphat PO4 95 31,66 6,32 11,2 9,03
Silikat SiO2 60 60 12,0 21,4 17,1
3. Säuren
Schwefelsäure H2SO4 98 49 9,8 17,5 14
Salzsäure HCl 36,5 36,5 7,3 12,8 10,3
Salpetersäure HNO3 63 63 12,6 22,5 18
Phosphorsäure H3PO4 98 32,66 6,52 11,6 9,31
4. Kationen und Oxide
Calcium Ca++ 40 20 4,0 7,15 5,7
Magnesium Mg+ + 24,3 12,1 2,43 4,35 3,47
+
Natrium Na 23 23 4,6 8,2 6,6
Na2O 62 31 6,2 11,1 8,8
1.4 Ausgewählte Einheiten für die Wasseranalyse 17

Tabelle 11 (Fortsetzung)

Formel Molekular- Milliäqui- Wert in mg/l


Gewicht valent/l
Grad Grad Grad
Franz. Deutsche Engl.
Härte Härte Härte
Kalium K+ 39 39 7,8 13,9 11,2
K2O 94 47,1 9,4 16,8 13,4
Eisen Fe + + 55,8 27,9 5,6 10,0 8,0
Aluminium Al+++ 27 9 1,8 3,2 2,6
AI2O3 102 17 3,4 6,1 4,85
5. Basen
Soda NaOH 40 40 8,0 14,3 11,4
Kali KOH 56 56 11,2 20,0 16,0
Ammoniak NH 4OH 35 35 7,0 12,5 10
6. Verschiedene Salze
Natrium Bicarbonat N a HC O 3 84 84 16,8 30 24
Natriumcarbonat Na 2CO 3 106 53 10,6 18,9 15,1
Natriumsulfat Na 2SO 4 142 71 14,2 25,3 20,3
Natriumchlorid NaCl 58,5 58,5 11,7 20,9 16,7
Natriumphosphat Na3PO4 164 54,7 10,9 19,5 15,6
Natriumsilikat Na2SiO3 122 61 12,2 21,8 17,4
Kaliumcarbonat K2CO3 138 69 13,8 24,6 19,7
Kaliumbicarbonat KHCO3 100 100 20 35,7 38,5
Kaliumsulfat K2SO4 174 87 17,4 31,1 24,8
Kaliumchlorid KC14 74,5 74,5 14,9 26,6 21,2
Kaliumphosphat K3PO4 212,3 70,8 14,1 25,2 20,2
Eisen(II)-sulfat Fe2SO4 152 76 15,2 27,1 21,7
Eisen(III)-sulfat Fe2(SO4)3 400 66,6 13,3 23,8 19
Eisen(III)-sulfat FeCl3 162,5 54,2 10,8 19,3 15,4
Aluminiumsulfat Al2(SO4) 3 342 57 11,4 20,3 16,3
18 1 Analyse des Wassers

1.5 Auswertung einiger Elemente

Die Standardanalyse von Wasser sieht wie folgt aus:


Gesamthärte (in Form von CaCO3) 115 ppm
Calciumhärte (in Form von CaCO3) 70 ppm
Magnesiumhärte (in Form von CaCO3) 45 ppm
Gesamtalkalität (in Form von CaCO3) 150 ppm
Chloride (in Form von Cl-) 30 ppm
Sulfate (in Form von SO4--) 15 ppm
Siliziumdioxid (in Form von SiO2) 5 ppm
pH-Wert 7,2

1.5.1 Wasserhärte

Wenn Wasser Calcium- und Magnesiumsalze enthält, wird es als hart bezeichnet.
Daraus ergeben sich störende Eigenschaften wie die Möglichkeit der Bildung
harter Ablagerungen durch Erwärmung des Wassers, Schwierigkeiten bei Wasch-
vorgängen mit Seife durch Niederschlag unlöslicher Metallseifen usw.
Es können verschiedene Härten bestimmt werden:
• die Gesamthärte (TH = titre hydrotimétrique)
Sie entspricht der Gesamtheit der im Wasser vorhandenen Calcium- und
Magnesiumionen.
• die Calciumhärte
Sie entspricht dem Gesamtgehalt an Calciumsalzen.
• die Magnesiumhärte
Sie entspricht dem Gesamtgehalt an Magnesiumsalzen.
Man erhält die Gleichung:
Gesamthärte (TH) = Calciumhärte + Magnesiumhärte.
Wenn man Wasser kocht, stellt man fest, dass sich Calcium- und Magnesium-
carbonate absetzen und dass das Wasser nach dieser Behandlung einen Teil seiner
Härte verloren hat. Aus diesem Grunde unterscheidet man:
Gesamthärte (TH) = temporäre Härte + permanente Härte.
Die Gesamthärte (TH) kann in meq/l, in mg CaCO3 pro Liter oder in Graden
ausgedrückt werden (s. Tabelle 11).

1.5.2 Alkalität: alkalimetrische Titer

Wenn man mit einer starken Säure (z. B. H2SO4 oder HCl) ein Wasser mit hohem
pH-Wert titriert, erhält man eine Neutralisationskurve, die zwei Neutralisations-
1.5 Auswertung einiger Elemente 19

punkte aufweist. Der eine Punkt entspricht dem Farbumschlag des Methylorange
und der andere Punkt dem Umschlag des Phenolphthaleins. Jeder dieser Umschlä-
ge entspricht einem besonderen alkalimetrischen Titer.
Der alkalimetrische Titer (TA) entspricht der englischen Abkürzung PA oder
Phenolphthalein Alcalinity = P-Alkalität.
Das ist der erste Neutralisationspunkt mit einem pH-Wert von 8,3, der durch
den Übergang des Phenolphthalein von Rot zur Farblosigkeit gekennzeichnet ist.
Er entspricht der Neutralisierung der freien Basen, Soda, Kalk
Ca(OH) 2 + 2 HCl → CaCl2 + H 2 O

und der halben Neutralisation der Carbonate (Übergang zum Bicarbonat)


Na 2 CO3 + HCl → NaHCO3 + NaCl .
Der komplette alkalimetrische Titer (TAC) entspricht der englischen Abkür-
zung MA oder Methylorange Alcalinity = m-Alkalität.
Das ist der zweite Neutralisationspunkt mit einem pH-Wert von 4,5, der durch
den Übergang des Methylorange von Gelb zu Rosa gekennzeichnet ist. Er ent-
spricht der Neutralisierung der Bicarbonate, d. h. der Hälfte der Carbonate und der
ursprünglich vorhandenen Bicarbonate.

1.5.3 Auswertung der Alkalitäten

Die Kenntnis des TA- und TAC-Wertes ermöglicht die Errechnung der Konzent-
rationen von:

• Hydroxiden OH

• Bicarbonaten HCO3

• Carbonaten CO3 .
Sind TA und TAC gleich, so ist die gesamte Alkalität auf die Hydroxide zu-
rückzuführen.
Wenn TA unter TAC liegt, sind Carbonate und Hydroxide vorhanden. Das be-
deutet, dass der TA-Wert allen Hydroxiden entspricht, plus der Hälfte der Carbo-
nate, und dass der TAC-Wert allen Hydroxiden und allen Carbonaten entspricht.
Folglich ist:
− −−
TA = (OH ) + 1/2 (CO3 )
− −−
TAC = (OH ) + (CO3 )
(OH − ) = 2 TA –TAC
(CO3−− ) = 2 (TAC – TA).

Ist der TA-Wert gleich der Hälfte des TAC-Wertes, so ist die gesamte Alkalität
auf Carbonate zurückzuführen.
20 1 Analyse des Wassers

Wenn TA weniger als die Hälfte von TAC beträgt, sind Carbonate und Bicarbo-
nate vorhanden. Das bedeutet, dass der TA-Wert der Hälfte der auf die Carbonate
zurückzuführenden Alkalität und der TAC-Wert der auf die Bicarbonate zurückzu-
führenden Alkalität plus der auf die Carbonate zurückzuführenden Alkalität ent-
spricht. Folglich ist:
--
(CO3 ) = 2 TA
-
(HCO3 ) = TAC − 2 TA .
Wenn TA gleich Null ist, ist TAC allein auf Bicarbonate zurückzuführen. Ta-
belle 12 fasst die Ergebnisse zusammen.

Fall des sauren Wassers


Wenn der pH-Wert des Wassers <4,5 ist, kann man den TAF oder Titer an starken
Säuren, die m-Acidität, bestimmen. In diesem Fall ist TA = TAC = 0.
Der TAF-Wert ist allein auf gelöstes Kohlendioxid zurückzuführen. Es sind
starke Säuren nicht natürlichen Ursprungs vorhanden (zugesetzt oder von einem
Durchgang über Ionenaustauscherharz stammend). Es sind weder Carbonate noch
Bicarbonate noch freie Basen, sondern nur gelöste Salze vorhanden.

Beziehung zwischen TH und TA


Wenn TAC = O, ist die gesamte Härte permanent.
Wenn TAC < TH, TH – TAC = permanente Härte, TAC = temporäre Härte.
Wenn TAC = TH, ist die gesamte Härte temporär.
Wenn TAC > TH, ist die gesamte Härte temporär.
TAC – TH = auf einwertige Salze, Natrium und Kalium, zurückzuführende Alkali-
tät.
Diese Beziehungen geben uns Auskunft über mögliche Behandlungen des Was-
sers. Die Carbonathärte kann durch eine Behandlung mit reinem Kalk entfernt
werden. Die permanente Härte lässt sich durch eine Behandlung mit Kalk und
wasserfreiem Natriumcarbonat beseitigen (diese Technik wird praktisch jedoch
nicht mehr benutzt).

Tabelle 12 Auswertung der Alkalitäten


-- -
Wenn OH- CO3 HCO3
TA=TAC TAC 0 0
TA> 1/2 TAC 2TA–TAC 2(TA–TAC) 0
TA=1/2 TAC 0 TAC 0
TA< 1/2 TAC 0 2TA TAC–2TA
TA=0 0 0 TAC
1.5 Auswertung einiger Elemente 21

Bedeutung des pH-Wertes


Nach der klassischen Definition ist der pH-Wert der Zehnerlogarithmus des Re-
ziprokwertes der Wasserstoffionenkonzentration:
pH = log 1/ [ H + ] .

Der pH-Wert ist die Maßzahl der Acidität oder der Alkalität einer Lösung, die
mit Hilfe einer von 0 bis 14 gehenden Skala gemessen wird. Das als neutral be-
trachtete reine Wasser hat einen pH-Wert von 7. Die unter 7 liegenden Werte
werden bis 0 immer saurer und die über 7 liegenden werden bis 14 immer alkali-
scher.

Beispiel: Orangensaft und Fruchtsäfte haben einen pH-Wert von ca. 3,5; Zitronen-
saft hat einen pH-Wert von 2,2 und einzehntelnormale Schwefelsäure einen pH-
Wert von 1,2. Was die alkalischen Stoffe betrifft, so hat Natriumbicarbonat einen
pH-Wert von ca. 8,4, Magnesiummilch hat einen pH-Wert von 10,5, Ammoniak
für Haushaltszwecke einen pH-Wert von 11,5 und einzehntelnormales Natrium-
hydroxid einen pH-Wert von 13,0.
Es ist wichtig zu wissen, dass die pH-Wertskala logarithmisch ist. Ein pH-Wert
von 5 ist 10-mal saurer als ein pH-Wert von 6; ein pH-Wert von 4 ist 10-mal sau-
rer als ein pH-Wert von 5 und 100-mal saurer als ein pH-Wert von 6.

Salzgehalt starker Säuren SAF


Bisher haben wir durch die Acidimetrie nur die Salze schwacher Säuren und Ba-
sen eingestuft, d. h. die OH--, HCO3- und CO3-- -Ionen, da sie in Gegenwart von
Phenolphthalein und Methylorange alkalisch sind.
In natürlichem Wasser kommen auch Salze starker Säuren, Sulfate, Chloride,
Nitrate vor. Man kann entweder die einzelnen Ionen getrennt und spezifisch
bestimmen, was i. Allg. bei den Chloriden und Sulfaten der Fall ist, oder die Salze
starker Säuren bestimmen. Die Bestimmung erfolgt in zwei Etappen.
Zunächst wird das zu analysierende Wasser über ein Kationenaustauscherharz
des Zyklus H geleitet, das alle Säuren freisetzt. Dann wird die beim Farbumschlag
des Methylorange in Erscheinung tretende Acidität bestimmt.
Das Ergebnis kann in meq/l oder in französischen Graden ausgedrückt werden;
1 französischer Grad = 0,2 meq/l.
Man bestimmt ebenfalls das in gewissen Wasserarten enthaltene Siliziumdioxid;
es wird in SiO2 ausgedrückt und niemals in ionischer und neutraler Form. Es wird
bei den Berechnungen nicht berücksichtigt, da man nicht weiß, ob es in Ionen- oder
Kolloidform vorkommt. Jedoch selbst in Ionenform ist das Siliziumdioxidion zu
schwach, um titrimetrisch bestimmt zu werden. Beim Gehalt an gelösten Salzen
wird es nur gewichtsanalytisch berücksichtigt.
22 1 Analyse des Wassers

1.5.4 Gesamtauswertung der Analyse:


Ionen- und Gewichtsbilanz

Ionenbilanz
Das Prinzip der Ionenbilanz besteht darin, dass die Summe der Kationen gleich
der Summe der Anionen ist, da das Wasser praktisch neutral ist. Der pH-Wert
spielt aufgrund seiner logarithmischen Skala keine Rolle.

Beispiel: Ein stark saures Wasser mit einem pH-Wert von 4 hat eine Ionenkon-
zentration g/l = 10-4 H+, d. h.:
1/10.000 mg/l, was gewichtsmäßig vernachlässigbar ist.
Wir können die Standardanalyse verwenden und diese in Milliäquivalent pro
Liter ausdrücken.
Wenn der TAC-Wert höher ist als der TH-Wert, ist die gesamte Härte tempo-
rär. Die Differenz TAC–TH = 3,0–2,3 = 0 zeigt das Vorhandensein von einwerti-
gen Carbonationen an (die nicht in der Härte berücksichtigt werden).
Da andererseits der pH-Wert 7,2 beträgt, ist der TA-Wert zwangsläufig gleich
null. Daraus ist zu schließen, dass die Alkalität ausschließlich auf die Bicarbonate
zurückzuführen ist.
Aus dieser Erkenntnis lässt sich der Alkaliionengehalt ableiten:
• Alkalibicarbonate 0,7 meq/l
• Alkalichloride 0,845 meq/l
• Alkalisulfate 0,313 meq/l.
Das ergibt eine Summe von 1,858 meq/g Alkaliionen, von denen wir annehmen,
dass sie Na-Ionen, und nach zusätzlicher Analyse K-, Na-, NH4-Ionen sind.

Tabelle 13 Ionenbilanz

mg/l meq/l Grad

TH-Gesamthärte in CaCO3 115 2,30 11,5


Calciumhärte in CaCO3 70 1,40 7
Magnesiumhärte in CaCO3 45 0,90 4,5
TAC-Gesamtalkalität in CaCO3 150 3,00 15
-
Chloride in Cl 30 0,845 0,42
2-
Sulfate in SO4 15 0,313 0,16
Siliziumdioxid in SiO2 5 —
pH-Wert 7,2 —
1.6 Ausgewählte Methoden und erforderliche Prüfgeräte 23

Tabelle 14 Ionenbilanz in meq / l

Anionen Kationen
Hydroxide 0 Calcium 1,40
Carbonate 0 Magnesium 0,90
Bicarbonate 3,00 Alkalimetalle 1,858
Chloride 0,845
Sulfate 0,313
4,158 4,158

Gewichtsbilanz

Tabelle 15 Gewichtsbilanz

meq / 1 Gewicht in meq Konzentration in mg / l


Bicarbonate 3,0 61 183
Chloride 0,848 35,5 30
Sulfate 0,313 48 15
Calcium 1,40 20 28
Magnesium 0,90 12,1 11
Alkali (Natrium) 1,858 23 43
Siliziumdioxid 5
Gelöste Salze 315

Gehalt an freiem Kohlendioxid

Da Kohlendioxid eine schwache Säure ist, ist es nicht vollständig ionisiert, nicht
einmal bei schwachen Konzentrationen. Ein Teil des CO2 ist in Form von gelös-
tem CO2 vorhanden. Diese Menge ist umso größer, je niedriger der pH-Wert und
je höher TAC ist.

1.6 Ausgewählte Methoden und erforderliche Prüfgeräte

1.6.1 Bestimmung der Alkalität

Prinzip
Die Alkalität wird durch Titrierung mit einer starken Säure bestimmt. Sie ist auf
eine große Anzahl verschiedener Ionen zurückzuführen. Die am häufigsten vor-
kommenden Ionen sind:
24 1 Analyse des Wassers

• die freien Basen (OH- -Ionen)


• die Bicarbonate (HCO3- -Ionen)
• die Carbonate (CO3-- -Ionen).
Weitere Phosphat- und Silikationen können zur Alkalität beitragen.
An ein und derselben Probe werden nacheinander zwei Bestimmungen durch-
geführt:
• der alkalimetrische Titer (TA) oder die P-Alkalität wird durch Umschlag des
Phenolphthaleins bei pH 8,3 bestimmt,
• der komplette alkalimetrische Titer (TAC) oder die m-Alkalität wird durch
Umschlag des Methylorange bei pH 4,3 bestimmt.

Reagenzien und erforderliches Material

Material
• 25-ml-Bürette
• 50-ml-Pipette
• 250-ml-Becherglas oder Erlenmeyerkolben
• Glas- oder Magnetrührer.
Reagenzien
• Schwefelsäure N/50
• Methylorange in Lösung
• Phenolphthalein in Lösung.

Verfahrensweise
In ein 250-ml-Becherglas werden genau 50 ml des zu analysierenden Wassers
einpipettiert, 4 Tropfen Phenolphthalein hinzugeben. Wenn das Phenolphthalein
auf Rot umschlägt, mit H2SO4 N/50 bis zur Farblosigkeit titrieren. Das benötigte
Säurevolumen ist V1. 4 Tropfen Methylorange zusetzen, mit H2SO4 bis zum Um-
schlag von Gelb auf Lachsrosa titrieren; das benötigte Säurevolumen ist V2 (V2 ist
zwangsweise größer als V1, da V2 V1 umfasst).

Ausdruck der Ergebnisse


TA = alkalimetrischer Titer (P-Alkalität) N = Normalität der Säure
in meq/l ausgedrückt TA = V1 × N × 1 000/ml Einwaage
in französischen Graden ausgedrückt TA = V1 × N × 5 000/ml Einwaage
in ppm CaCO3 ausgedrückt TV = V1 × N × 50 000/ml Einwaage
TAC = kompletter alkalimetrischer Titer (m-Alkalität)
in meq/l ausgedrückt TAC = V1 × N × 1 000/ml Einwaage
in französischen Graden ausgedrückt TAC = V2 × N × 5 000/ml Einwaage
in ppm CaCO3 ausgedrückt TAC = V2 × N × 50 000/ml Einwaage
1.6 Ausgewählte Methoden und erforderliche Prüfgeräte 25

Bemerkungen
1. Eindeutigkeit der Farbumschläge
Der Umschlag des Phenolphthaleins ist eindeutig und problemlos.
Der Umschlag des Methylorange ist schwieriger zu beurteilen. Man erhält
schnell zu hohe Ergebnisse, wenn man den Umschlag auf ein reines Rosa an-
statt auf Lachsfarbe bewirkt. Man kann einen Standard der Umschlagtönung
erhalten, indem man in 100 ml destilliertes Wasser einen Tropfen Methyloran-
ge und eine Spachtelspitze saures Kaliumphthalat gibt.
2. Die Umschläge sind deutlicher sichtbar, wenn das Becherglas auf einen weißen
Grund gestellt wird.
3. Im Falle zu stark gefärbten Wassers ist die Bestimmung potenziometrisch bei
pH 4,3 für die m-Alkalität und 8,3 für die P-Alkalität durchzuführen.
4. Diese beiden Bestimmungen können ebenfalls mit Salzsäure N/50 durchgeführt
werden.

1.6.2 Freie Mineralacidität

Prinzip

Es kommt selten vor, dass natürliches Wasser in Gegenwart von Methylorange


sauer ist. Dies kann jedoch bei bereits behandeltem oder durch starke Säuren
(HCl, H2SO4, HNO3) kontaminiertem Wasser der Fall sein.
Die Bestimmung der freien Mineralacidität erfolgt durch Alkalimetrie mit Nat-
riumcarbonat unter Verwendung von Methylorange.

Reagenzien und erforderliches Material

Material
• 25-ml-Bürette
• 50-ml-Pipette
• 250-ml-Becherglas oder Erlenmeyerkolben
• Glas- oder Magnetrührer.
Reagenzien
• Natriumcarbonat N/50
• Methylorange in Lösung.

Verfahrensweise
In ein 250-ml-Becherglas genau 50 ml des zu analysierenden Wassers einpipettie-
ren; 4 Tropfen Methylorange hinzufügen; mit Natriumcarbonat N/50 bis zum
Umschlag von Rot auf Gelb titrieren, wobei V das ml-Volumen des verwendeten
Natriumcarbonats ist.
26 1 Analyse des Wassers

Ausdruck der Ergebnisse


TAF = Titer an starken Säuren (m-Acidität) N = Normalität des Natriumcarbonats
in meq/Liter ausgedrückt TAF = V × N × 1000/ml Einwaage
in französischen Graden ausgedrückt TAF = V × N × 5000/ml Einwaage
in ppm CaCO3 ausgedrückt TAF = V × N × 50.000/ml Einwaage

1.6.3 Gesamthärte

Prinzip

Alle natürlichen Wasserarten enthalten in mehr oder weniger starken Konzentrati-


onen erdalkalische Metallsalze, Calcium und Magnesium, die dem Wasser seine
Härte verleihen. Die Gesamthärte entspricht der Summe aller erdalkalischen Io-
nen, die unabhängig von Anionen existieren.
Die Messung beruht auf der Bestimmung des gesamten Calciums und Magne-
siums mit Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA) unter Verwendung eines Magne-
siumionenindikators. Da das Calcium durch die EDTA stärker vermischt wird als
das Magnesium, erreicht man den Umschlag erst dann, wenn die gesamte Cal-
cium- und Magnesiummenge vermischt ist. Die anderen erdalkalischen Ionen,
Strontium und Barium, werden ebenfalls bestimmt.

Reagenzien und erforderliches Material

Material
• 25-ml-Bürette
• 50-ml-Pipette
• 250-ml-Becherglas oder Erlenmeyerkolben
• Glas- oder Magnetrührer
• 5-ml-Stabpipette.
Reagenzien
• Pufferlösung pH-Wert 10
• Eriochromschwarz T
• EDTA 2 Na titrierte Lösung M/100 = 0,01 M.

Verfahrensweise
In einen 250-ml-Becher genau 50 ml des zu analysierenden Wassers einpipettie-
ren; 5 ml Pufferlösung pH 10 hinzufügen; 1 Spachtelspitze Eriochromschwarz T
zugeben; mit EDTA 0,01 M bis zum Umschlag von Weinrot auf kräftiges Blau
titrieren.
1.6 Ausgewählte Methoden und erforderliche Prüfgeräte 27

Ausdruck der Ergebnisse


Gesamt-TH = Gesamthärte N = Molarität der EDTA
in meq/l ausgedrückt Gesamt-TH = V × N × 2 000/ml Einwaage
in französischen Graden ausgedrückt Gesamt-TH = V × N × 10 000/ml Einwaage
in ppm CaCO3 ausgedrückt Gesamt-TH = V × N × 100 000/ml Einwaage
Die Titrierung muss langsam beendet werden, um eine richtige Messung zu er-
halten. Man kann auch auf 40 bis 50 °C erwärmen, um die Reaktionsgeschwindig-
keit zu beschleunigen.
Der Farbumschlag ist nur dann eindeutig, wenn das zu analysierende Wasser
Magnesium erhält, was häufig der Fall ist. Falls der Umschlag wegen Magne-
siummangels im Wasser nicht deutlich ist, braucht man vor der Titrierung nur ca.
1 ml Magnesiumkomplex der EDTA M/100 hinzuzufügen.

1.6.4 Calciumhärte

Prinzip

Mit dieser Methode soll ausschließlich das Calcium unter den vorhandenen erdal-
kalischen Stoffen bestimmt werden. Wie bei der Gesamthärte erfolgt die Bestim-
mung durch Komplexometrie mit Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA), wobei
der gewählte Calciumionenindikator gegenüber Magnesium unempfindlich ist. Da
der Calciumkomplex der beständigste ist, erfolgt der Umschlag unter diesen Be-
dingungen, bevor das Magnesium interferiert. Strontium und Barium interferieren
ebenfalls nicht.

Reagenzien und erforderliches Material

Material
• 25-ml-Bürette
• 50-ml-Pipette
• 250-ml-Becherglas oder Erlenmeyerkolben
• Glas- oder Magnetrührer
• 5-ml-Stabpipette
Reagenzien
• normales Soda
• Murexid
• EDTA 2 Na Lösung 0,01 M.
28 1 Analyse des Wassers

Verfahrensweise
In ein 250-ml-Becherglas oder einen Erlenmeyerkolben genau 50 ml des zu analy-
sierenden Wassers einpipettieren; 2 ml normales Soda hinzufügen; eine Spur Mu-
rexid zusetzen; mit EDTA M/100 bis zum Umschlag von Lachsrot auf Purpur
titrieren.

Ausdruck der Ergebnisse


Calcium-TH = Calciumhärte (gleiche Berechnungen wie für die Gesamthärte).
Die Magnesiumhärte ist die Differenz zwischen Gesamthärte und Calciumhärte.
2 Wasserbehandlung

Das natürliche Wasser, das uns zur Verfügung steht, ist unbehandelt nicht für den
vorgesehenen Gebrauch geeignet. Wasserbehandlungen unterscheidet man in drei
Phasen:
1. Vor der Verwendung müssen dem Wasser die für den Einsatz erforderlichen
Eigenschaften verliehen werden: Das kann durch Vorbehandlung oder externe
Behandlung erreicht werden.
Für die externe Behandlung werden Ausrüstungen, Filter, Klärgeräte, Luftab-
scheider, Ionenaustauschsysteme, Enthärter usw. benötigt. Diese Einrichtun-
gen sollen die alkalische Wasserhärte herabsetzen und die gelösten Gase und
Schwebestoffe beseitigen.
Die Vorbehandlung ist im Wesentlichen subtraktiver Art; dabei werden die
verunreinigenden Stoffe des Wassers, die für das Einsatzverfahren von Nach-
teil wären, ausgeschieden.
Die Einsatzbedingungen reichen von der einfachen Grobfilterung für Kühl-
wasser mit einmaligem Gebrauch bis zu einer völligen Entsalzung bei der
Hochdruckdampferzeugung. Die Vorbehandlung muss umso gründlicher aus-
fallen, je schwieriger die Einsatzbedingungen sind.
2. Während der Verwendung erfolgt eine ständige Behandlung unter Zugabe von
Zusatzstoffen, um das Wasser in den Grenzen der geforderten Eigenschaften
zu halten. Das Verfahren wird oft mit Sekundärbehandlung oder Direktbe-
handlung bzw. Nachbehandlung bezeichnet.
Es hat drei wesentliche Aufgaben:
• Reduzierung der Korrosion der Einrichtungen auf ein akzeptables Niveau
(<50 µ/pro Jahr für Stahl),
• Aufrechterhaltung des Niveaus von thermischen Veränderungen: Vermei-
dung der Kesselsteinablagerungen und der mineralogischen und biologi-
schen Schlammbildung,
• generelle Vernichtung von Bakterien und besonders von Bakterien des Le-
gionellentyps, der tödlich ausgehende Fälle von Legionellose verursachen
kann.
3. Nach der Verwendung wird das Wasser von nun an als Abwasser bezeichnet.
Die Ableitung in die natürliche Umgebung kann nur durch Einhaltung der gel-
tenden Gesetzgebung erfolgen. Zusätzliche Anwendungen können notwendig
werden.
30 2 Wasserbehandlung

Abb. 1 Arten der Wasserbehandlung

Die beschriebenen Verfahren gehören zwei Gruppen an: der physikalisch-che-


mischen Behandlung und der biologischen Behandlung.

2.1 Vorbehandlung

Das in der Industrie verwendete Wasser stammt i. d. R. aus zwei Quellen: dem
Oberflächenwasser oder dem Grundwasser. Das Oberflächenwasser umfasst Fluss-
und Seewasser, das Grundwasser kommt aus Brunnen.
Weitere Quellen sind die aus Kläranlagen stammenden Abwässer und Indust-
rieabwässer.
Grundwasser ist i. Allg. härter, hat eine höhere Alkalität und enthält mehr gelöste
Feststoffe als Oberflächenwasser. Jedoch ist Grundwasser in seiner Beschaffenheit
2.1 Vorbehandlung 31

das ganze Jahr über gleichmäßiger; es ist weniger trüb und der mikrobiologischen
Verunreinigung gegenüber unempfindlicher als Oberflächenwasser.
Oberflächenwasser ist sofort verfügbar und enthält niedrigere Konzentrationen
an gelösten Feststoffen. In manchen Fällen ist es zweckmäßig, ein Gemisch aus
beiden Wasserquellen zu verwenden.
Die im Rohwasser befindlichen unerwünschten Verunreinigungen bringen Kes-
selsteinablagerungen sowie Verschmutzungs- und Verstopfungsprobleme im Kühl-
system mit sich. Es handelt sich hierbei um:
• feste Schwebestoffe,
• Calcium,
• Siliziumdioxid,
• Alkalität,
• Phosphate,
• Eisen,
• Mangan,
• organische Stoffe,
• gelöste Gase.

2.1.1 Grobabsiebung oder Rechenreinigung

Hier handelt es sich um Zuführstrukturen, die aus Vorrichtungen aller Art beste-
hen. So dienen z. B. Rechen, deren Stäbe in Abständen von einigen Zentimetern
angeordnet sind, dazu, Holzstücke und schwimmendes Gut zurückzuhalten. Siebe
mit Maschenweiten von einigen Millimetern sollen schwimmende Algenmassen
und die in den Becken wachsenden Wasserpflanzen fern halten.

2.1.2 Belüftung oder Oxidation

Bei der Vorbehandlung dient die Belüftung der Ausscheidung der im Wasser
unerwünschten Gase, d. h. Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff, die beide kor-
rosiv sind. Sie spielt ebenfalls eine Rolle bei der Eisen- und Manganbeseitigung,
die in diesem Fall mit einer chemischen Behandlung verbunden ist.
Beim Trinkwasser soll die Belüftung gewisse Geschmacks- und Geruchsrich-
tungen beseitigen.
Beim Abwasser wird während der Belüftung der zur biochemischen Oxidation
der organischen Stoffe erforderliche Sauerstoff zugeführt.

2.1.2.1 Belüftungsprinzip

Das Prinzip besteht darin, Wasser und Luft stark zu vermischen, um den Gleich-
gewichtszustand zwischen den gelösten Gasen und der Atmosphäre zu erreichen
oder sich diesem zu nähern.
32 2 Wasserbehandlung

Die Ausscheidung der Gase durch Belüftung entspricht dem Henry’schen Ge-
setz, das besagt, dass die Löslichkeit eines Gases direkt proportional seines Teil-
druckes in der in Berührung stehenden Atmosphäre ist.
Bei 20 °C enthält das sich mit der Atmosphäre im Gleichgewicht befindliche
Wasser ca.:
• 15,8 ppm Stickstoff,
• 9,4 ppm Sauerstoff und
• 0,5 ppm CO2-Spuren.
Dagegen enthält das Wasser im Sättigungszustand bei 20 °C:
• 1700 ppm CO2 und
• 3900 ppm H2S.
Da der Teildruck dieser beiden Gase in der Atmosphäre praktisch gleich null
ist, kann man zur völligen Ausscheidung dieser Gase gelangen. Voraussetzung ist,
dass der pH-Wert niedrig genug ist, damit man sich nicht in Gegenwart von Bi-
carbonaten oder Sulfhydraten in folgendem Gleichgewicht befindet:
CO 2 + H 2 O > < HCO3− + H + > < CO −−
2 + 2H .
+

Dieses Gleichgewicht wird durch Erhöhung der H+ -Ionenkonzentration, d. h.


durch eine Senkung des pH-Wertes, nach links verlagert.

2.1.2.2 Verwendete Apparaturen

Es werden zwei Apparaturentypen verwendet: Wasserfall- und Diffusionsapparate.

Wasserfallapparate
Nach diesem Prinzip funktionieren viele Apparatetypen:
• freier Tropfenfall,
• Fall auf aufeinanderfolgende Böden zur Erhöhung des Kontaktes,
• Wassereinspritzdüsen zur Verminderung des Tropfendurchmessers.
Oft werden Kokshorden verwendet (die eine katalytische Wirkung zur Eisen-
und Manganausscheidung haben), um die Lufterneuerung zu fördern; im Gegen-
strom werden auch Zwangsumlaufbelüfter verwendet, die an Bodenkolonnen oder
Kühltürme erinnern.

Diffusionsapparate
Die Luftverteilung in diesen Apparaten erfolgt so, dass man die Luft zwingt, mit-
hilfe perforierter Tauchrohre oder poröser Platten in das Wasser einzudringen.
Diese Belüftungsart funktioniert dank einer besseren Kontaktfläche theoretisch
besser als das Wasserfallverfahren. Die Steiggeschwindigkeit der Luftblasen ist
geringer als die Fallgeschwindigkeit der Wassertropfen. Die Kosten der Apparatu-
ren sind allerdings höher als die der Wasserfallapparate.
2.1 Vorbehandlung 33

2.1.2.3 Anwendungsgebiete der Belüftung

Ausscheidung des Kohlendioxids


In vielen Fällen bedient man sich der Belüftung, um das durch eine chemische
Behandlung frei gewordene CO2 zu beseitigen. So wird z. B. das Wasser nach
einer Na-Zeolithbehandlung vor der Belüftung angesäuert.
Die Notwendigkeit der Säuerung geht aus Tabelle 16 hervor. Sie gibt je nach
pH-Wert den gesamten CO2-Anteil an, der in Form von freier Säure, Bicarbonat
und Carbonat vorhanden ist.

Tabelle 16 CO2-Anteil pro Jahr in Abhängigkeit vom pH-Wert


- --
pH-Wert a CO2 /ac a HCO3 /ac a CO3 /ac
2,0 1,0000
2,5 0,9999 0,0001 —
3,0 0,9996 0,0004 —
3,5 0,9986 0,0014
4,0 0,9957 0,0043 —
4,5 0,9866 0,0134
5,0 0,9587 0,0413 —
5,5 0,8800 0,1200
6,0 0,6988 0,3012
6,35 0,5000 0,5000 —
6,5 0,4232 0,5767 0,0001
7,0 0,1883 0,8113 0,0004
7,5 0,0683 0,9303 0,0014
8,0 0,0226 0,9728 0,0046
8,5 0,0072 0,9783 0,0145
9,0 0,0022 0,9530 0,0448
9,5 0,0006 0,8701 0,1293
10,0 0,0002 0,6801 0,3197
10,3 — 0,5000 0,5000
10,5 — 0,4022 0,5978
11,0 — 0,1754 0,8246
11,5 — 0,0630 0,9370
12,0 — 0,0208 0,9792
12,5 — 0,0067 0,9933
13,0 — 0,0021 0,9979
13,5 — 0,0005 0,9995
34 2 Wasserbehandlung

Ausscheidung des Schwefelwasserstoffs


Der Schwefelwasserstoff kann rein chemischen oder biologischen Ursprungs sein,
aber in allen Fällen muss er entweder wegen seines Geruchs oder wegen der Kor-
rosion, die er wie im Fall des Kohlendioxids hervorruft, ausgeschieden werden.
Die Ausscheidung kann nur dann vollständig sein, wenn die Belüftung mit saurem
pH-Wert erfolgt, wie aus Tabelle 17 hervorgeht.

Ausscheidung des Eisens


Eisen ist im Wasser i. Allg. in Form von Eisen(II)-bicarbonat vorhanden. Wenn
man sich damit begnügt, den pH-Wert des Wassers zu erhöhen, erhält man nur
eine unvollkommene Abscheidung des Eisens in Form von Eisen(II)-hydroxid;
man muss daher das Eisen(II) durch Belüftung in Eisen(III) oxidieren: Die enthal-
tene Ausfällung ist dann das sehr wenig lösliche Eisen(III)-hydroxid.
4 Fe (HCO3 ) 2 + O 2 + 2 H 2 O → 4 Fe(OH)3 + 8 CO 2

Da dieser Vorgang dem pH-Wert gegenüber sehr empfindlich ist, ist es erfor-
derlich, einen pH-Wert > 7,5 zu haben, um eine korrekte Ausscheidung des Eisens
zu erhalten.
Das Eisen(III)-hydroxid wird anschließend durch Absetzen oder Filterung mit
oder ohne Koagulation ausgeschieden.

Ausscheidung des Mangans


Das Prinzip ist gleich dem der Ausscheidung des Eisens. Das Mangan wird i. Allg.
zur gleichen Zeit wie das Eisen abgeschieden. Dafür sind allerdings ein etwas
höherer pH-Wert und eine längere Belüftung erforderlich.
Das Mangan muss aufgrund der sehr niedrigen Auflösung des Mangandioxids
(MnO2), das sich spontan und langsam in Wasser mit aufgelöstem Sauerstoff bil-
det, ausgeschieden werden.

Tabelle 17 Prozentgehalt der in Form von H2S vorhandenen Gesamtsulfide

pH-Wert % H2S
5,0 98
6,0 83
6,5 61
7,0 33
7,5 14
8,0 4,8
9,2 0,32
2.3 Sedimentation oder Absetzung 35

2.2 Chloren

Das Chloren ist vor allem für Trinkwasser ein häufig eingesetztes Behandlungs-
verfahren, um dessen Desinfektion zu gewährleisten. Außer seiner bakteriziden
Wirkung bietet das Chloren noch weitere Vorteile:
• Beseitigung der Farbe und des Geruchs,
• Oxidation des Eisens und Mangans,
• Oxidation der Sulfide in Sulfat,
• Zerstörung der organischen Stoffe,
• Oxidation der Nitrite,
• Beseitigung der Bakterienablagerungen.
Bei der Klärung des Wassers wird die Koagulation gleichzeitig mit einer Vor-
chlorierung durchgeführt, wodurch die Koagulation verbessert wird.

2.2.1 Chemie des Chlorens

Das Chlor hydrolisiert in wässriger Lösung unter Freisetzung von Hypochlorsäure,


die das aktive Element darstellt.
Cl2 + H 2 O → HClO + HCl
Unter einem pH-Wert von 6,5 liegt die Hypochlorsäure völlig in saurer Form
vor, während sie bei einem pH-Wert >9 vollständig in der ClO−-Form ionisiert
wird. Die HC1O-Form ist bei weitem die aktivste, was die Vernichtung von Bak-
terien angeht. Das erklärt die relative Effizienz des Chlorens von Wasser, dessen
pH-Wert alkalisch ist (höher als 8).

2.2.2 Sonstige Chlorungsmittel

Die Natrium- und Calciumhypochlorite werden wie Chlor eingesetzt und haben
beim gleichen pH-Wert die gleiche Wirkung, da sie über die gleiche aktive chemi-
sche Eigenschaft verfügen.

2.3 Sedimentation oder Absetzung

Oberflächenwasser wird gewöhnlich aus einem Fluss in ein Becken gepumpt.


Wenn man dieses Wasser zurückhält, können sich die darin befindlichen festen
Schwebestoffe absetzen. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Teilchen absetzen,
hängt von deren Größe und Dichte und von der Viskosität des Wassers ab. Die
Absetzgeschwindigkeiten können nach der Stokes’schen Regel, s. Abschn. 1.3.1,
berechnet werden.
36 2 Wasserbehandlung

Tabelle 18 Zeitdauer bis zur Absetzung einiger fester Teilchen

Durchmesser Größenordnung erforderliche Zeit zur Ablagerung


der Teilchen (mm) einer 30 cm dicken Schicht
1,0 grober Sand 3 Sekunden
0,1 feiner Sand 38 Sekunden
0,01 Schlamm 33 Minuten
0,001 Bakterien 35 Stunden
0,0001 Schlick 230 Tage
0,00001 Kolloiden 63 Jahre

Die Zeitdauer, bis sich feste Teilchen absetzen, ist bei einer Dichte von 2,65 im
Wasser und einer Temperatur von 50 °C in Tabelle 18 aufgeführt.
Dank der Stokes’schen Regel ist es möglich, die Absetzgrenzgeschwindigkeit
von Teilchen zu berechnen, die Kugeln in einer Flüssigkeit mit einer Rey-
nolds’schen Zahl (NRE) unter 0,3 gleichgestellt werden können.

2.3.1 Beschränkung der Methode

Die beschriebene einfache Absetzung wird bei Wasser angewandt, das mit Teilchen
belastet ist, deren Fallgeschwindigkeiten ziemlich hoch sind. Diese Teilchen sind
nicht zu fein und weisen eine hohe Dichte auf. Dadurch beschränkt sich die Metho-
de auf einfache Fälle, d. h. auf natürliches, mit Schlick, Sand, bzw. Ton belastetes
Wasser. Wenn die Teilchen nicht spontan mit genügend großer Geschwindigkeit
sinken können, gibt man Produkte hinzu, die die Geschwindigkeit erhöhen.

Abb. 2 Apparatur zur Sedimentation


2.4 Klärung – Koagulation – Ausflockung 37

2.3.2 Verwendete Apparatur

Bei größeren Anlagen wird ein einfaches Becken benutzt, in dem das Wasser in
verhältnismäßig ausreichendem Ruhezustand gehalten wird. Wenn sich die Abla-
gerungen am Boden befinden, wird die obere Schicht verwendet.
Bei größeren Anlagen werden Apparaturen eingesetzt, die so ausgelegt sind,
dass die Restgeschwindigkeit des Wassers das Absetzen nicht verhindert. Die
Schlammableitung erfolgt bei großen Anlagen kontinuierlich, d. h. entweder durch
Schlammansammlung auf einem geneigten Boden und Ablass am Tiefpunkt oder
mit flachen oder fast flachen Böden, die mit Abstreifvorrichtungen versehen sind.

2.4 Klärung – Koagulation – Ausflockung

2.4.1 Beschreibung des Verfahrens

In vielen Fällen genügt die Sedimentation nicht, um die festen Schwebestoffe


abzuscheiden, da ihre Fallgeschwindigkeit zu gering ist. Es werden daher Ausflo-
ckungsmittel zugesetzt, die die Teilchen zu genügend großen Elementen zusam-
menballen, um eine ausreichende Absetzgeschwindigkeit zu erhalten.
Unabhängig vom Koagulationsverfahren hat die Beschaffenheit des unbehandel-
ten Wassers starke Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der verwendeten
Chemikalien. Eine starke Trübung erhöht die Feststofffracht im Klärbecken, wäh-
rend ein geringer Feststoffgehalt zu wenig Kerne bietet, die in der Lage wären, eine
Flocke zu bilden. Eine hohe Konzentration organischer Stoffe sowie das Vorhan-
densein von Detergenzien oder anderer natürlicher oder synthetischer Dispergier-
mittel können die Kolloidsuspension stabilisieren, weshalb größere Mengen chemi-
scher Ausflockungsmittel erforderlich werden. Eine bicarbonatschwache Alkalität
kann den Einsatz von Kalk erfordern. Eine Verunreinigung durch mikrobiologische
Organismen führt möglicherweise zur Verschmutzung oder Verstopfung der Ein-
richtungen und zur Mitnahme der Flocke infolge der Gasbildung.
Die Auswahl des richtigen chemischen Produkts sowie deren Dosierung für die
Weiterverwendung des unbehandelten Wassers sind daher enorm wichtig. Es kann
nützlich sein, zunächst ein Bassin der Homogenität zu entwickeln, um starke Ver-
änderungen der Wasserqualität zu vermeiden.

2.4.2 Theorie der Koagulation

Der Niederschlag des Ausflockungsmittels vom Typ Aluminium- oder Eisensalz


erzeugt fein geteilte Teilchen des entsprechenden Hydroxids. Die Teilchen sind
positiv geladen und stoßen sich somit gegenseitig ab.
Die Neutralisation der positiven Ladungen durch stark negative Ionen, wie
Chloride oder Sulfate, ruft die Koaleszenz zwischen den Teilchen hervor, wodurch
38 2 Wasserbehandlung

diese vergrößert werden. Es bildet sich ein umfangreiches Präzipitat. Im Laufe


dieser Ausflockung der Hydroxide werden die feinen Teilchen, die die Trübung
des Wassers hervorrufen, in die Flocken eingehüllt und auf diese Weise von der
Flüssigphase abgeschieden.
Jedes Ausflockungsmittel hat einen optimalen pH-Bereich, um eine gute Koa-
gulation zu erzielen, wobei der pH-Wert einem Löslichkeitsminimum der Flocke
entspricht. Dieser pH-Wert kann von der Mineralisierung des zu behandelnden
Wassers abhängen.
Im Allgemeinen erfordert die Koagulation:
• das Vorhandensein einer Mindestmenge an Aluminium- oder Eisenionen, um
eine unlösliche Flocke zu erhalten,
• das Vorhandensein eines starken Anions, wie Sulfat oder Chlorid,
• die Kontrolle des pH-Wertes innerhalb einer bestimmten Spanne,
• die Zugabe von Ausflockungsmitteln, die die Vergrößerung der Flocke und
deren Fallgeschwindigkeit erhöhen.
Das fortlaufende Messen des Zeta-Potenzials kann je nach Qualität des Wassers
dazu dienen, die Dosierung der Koagulation zu regulieren und sie den Verände-
rungen anzupassen.

2.4.3 Verwendete Koagulierungsmittel

Die Koagulierungsmittel können anorganisch oder organisch sein. Zu den häufigs-


ten anorganischen Koagulierungsmitteln gehört das Aluminiumsulfat Al2(SO4)3 •
18 H2O.
Mit dem Aluminiumsulfat werden folgende Reaktionen ausgelöst:
1. Al2 (SO 4 )3 18 H 2 O + 3 H 2 O → 2 Al(OH)3 + 3 H 2SO 4 + 14 H 2 O

2. 2 NaAlO 2 + Ca(HCO3 ) 2 → Ca(AlO 2 ) 2 + 2 NaHCO3


2 NaAlO 2 + Ca(OH) 2 → Ca(AlO 2 ) 2 + 2 NaOH
Das Eisen(III)-Sulfat Fe2 (SO4)3 ergibt folgende Reaktionen:
3. Fe 2 (SO 4 )3 + 3 Ca(OH) 2 → 3 CaSO 4 + 2 Fe(O)3
Fe 2 (SO 4 )3 + 3 Ca(HCO3 ) 2 → 2 Fe(OH)3 + 3 CaSO 4 + 6 CO 2

Das Eisen (II)-Sulfat ergibt folgende Reaktionen:


4. 4 FeSO 4 • 7 H 2 O + 4 Ca(HCO3 ) 2 + 8 Ca(OH) 2 + O 2 →
4 CaSO 4 + 8 CaCO3 + 4Fe(OH)3 + 34 H 2 O
4 FeSO 4 • 7 H 2 O + 4 Ca(OH) 2 + O 2 → 4 CaSO 4 + 4 Fe(OH)3 + 26 H 2 O
2.4 Klärung – Koagulation – Ausflockung 39

Das Eisen(III)-Chlorid ergibt:


5. 2 FeCl3 + 3 Ca(HCO)3 → 2 Fe(OH)3 + 3 CaCl2 + 6 CO 2
2 FeCl3 + 3 Ca(OH) 2 → 2 Fe(OH)3 + 3 CaCl2 .

Die polymeren Aluminiumoxychloride haben die Formel


A ln (OH) m Cl3n − m .

Ihre Moleküle haben den Aufbau eines Mineralpolymers, wobei das Alumini-
um in Form eines polyanionischen Ions vorkommt.
Die koagulierende Wirkung wird in Bezug auf die Aluminiumsalze durch Zu-
gabe einer Anionenmenge, die im Vergleich zu den herkömmlichen Ausflo-
ckungsmitteln erheblich kleiner ist, um 1,5 bis 2,5 gesteigert.
Das Aluminiumsulfat muss mit einem pH von 6 zu 7 angewendet werden.
Das Eisen(III)-chlorid lässt sich mit einem pH zwischen 5 und 11 anwenden.
Es werden auch andere Ausflockungsmittel verwendet:
• das stark alkalisierende Natriumaluminat NaAlO2,
• das Eisen(II)-Sulfat FeSO4 H2O, das bei Nichtvorhandensein von Sauerstoff
eine Ausfällung von Eisen(II)-Hydroxid ergibt, das löslicher als Fe(OH)3 ist.
Die organischen Koagulierungsmittel sind aus Polymerenarten zusammenge-
setzt, wie Polyamine und Polydadmac, die zahlreiche positiv aufgeladene Stellen
haben. Des Weiteren kommen Melaminharze, Formaldehyde und Dicyandiamide
vermehrt zum Einsatz. Sie tragen dazu bei, dass sich die Menge des Schlamms
nach dem Klärvorgang sehr deutlich vermindert. Aus rein ökonomischer Sicht ist
ihre Benutzung vorzuziehen, da durch das Ausscheiden und die Behandlung des
Schlamms Kosten entstehen, wenn die Entladung durch die Zusammensetzung
notwendig geworden ist.

2.4.4 Einsatz synthetischer Ausflockungsmittel

Die Synthesepolyelektrolyten werden mehr und mehr verwendet, um die Wirk-


samkeit zu erhöhen oder um die mineralischen Koagulierungsmittel zu ersetzen.
Sie bestehen aus in Wasser löslichen Polymeren mit hohem Molekulargewicht,
mit Ionisation ihrer funktionellen Gruppen. Sie können
• anionaktiv,
• kationaktiv,
• nichtionogen
sein. Ihre Funktionsweise ist je nach ihrer Polarität verschieden.
40 2 Wasserbehandlung

Ausflockung durch Neutralisierung der Ladung


Die kationischen Polyelektrolyte rufen durch ihre Quatärammonium-Gruppierungen
die elektrische Entladung der Kolloide hervor. Dies geschieht, indem sie sich an der
Grenzfläche Feststoff–Flüssigkeit gemäß einer Reaktion, die der durch Koagulation
mit den Mineralelektrolyten erzeugten Reaktion gleichkommt, adsorbieren.
Diese Ionenneutralisation erhöht beträchtlich das Haftvermögen der angrenzen-
den Teilchen (ein mit der Aufhebung des Zeta-Potenzials zusammenhängender
Vorgang).

Ausflockung durch physikalisch-chemische Adsorption der Polymere


Die anionaktiven und nichtionogenen Polymere rufen die Ausflockung durch
einen mit der Bildung von Wasserstoffverbindungen in Zusammenhang stehenden
Adsorptionsvorgang hervor (Fall der Radikale – CONH2 oder Polyacrylamid).
Dieser Adsorptionsphase folgt die Bildung von Brücken zwischen den Kolloi-
den, die eine Vernetzung mit Flockenbildung mit sich bringt. Diese Vernetzungs-
phase wird weitgehend durch die molare Masse der Polymere begünstigt.

Wahl eines Koagulations-/Ausflockungsmittels

Wichtige, bei der Wahl zu beachtenden Parameter sind:


• die Rührgeschwindigkeit des zu behandelnden Wassers,
• der Gehalt an organischer Materie,
• die Alkalinität an Bicarbonaten.
Eine erhöhte Trübung zieht die Ausscheidung einer großen Menge Schlamm
nach sich, während eine schwache Trübung mit einer geringen Anzahl kleinerer
Flocken einhergeht.
Ein erhöhter Gehalt an organischen Stoffen stabilisiert die Kolloidstoffe und
bedingt eine hohe Dosierung an Koagulierungsmitteln.
Die Koagulations- und Ausflockungsbehandlung wird in zwei Etappen durch-
geführt:
1. Zuerst wird das Koagulierungsmittel in einem kräftigen Schüttelverfahren
dem zu behandelnden Wasser zugefügt.
2. Die Ausflockungschemikalie wird dann in einem schwachen Schüttelverfah-
ren zugesetzt, um die Bildung von großen Flocken zu begünstigen und alle
vorhandenen Schwebeteilchen zusammenzubringen.
Das auf diese Weise behandelte Wasser läuft anschließend durch ein Absatzbe-
cken und der Schlamm wird vom Boden entfernt. Das behandelte Wasser wird im
Überlaufbecken aufgefangen.
Die gebräuchlichste Methode zur Ausarbeitung eines wirksamen Koagula-
tion/Ausflockungs-Programms besteht darin, im Labor mithilfe eines Jar-Tests
(s. Abb. 3) Vergleichsversuche an verschiedenen Chemikalien durchzuführen.
2.4 Klärung – Koagulation – Ausflockung 41

Abb. 3 Vergleichsversuche mittels Jar-Test

Die Schüttelgeschwindigkeit kann nach Belieben variiert werden, so dass ent-


weder eine schnelle Vermischung oder das Anwachsen der Flocke bei einem lang-
samen Rühren erreicht wird und man anschließend die Absetzgeschwindigkeit
messen kann.
Durch diese Vorgehensweise lassen sich folgende Parameter bestimmen:
• die Wirkung von Koagulierungsmitteln – einzeln oder als chemische Verbin-
dung – auf das untersuchte Wasser,
• die annähernde Dosis an Chemikalien,
• die Auswirkungen der verschiedenen Rührgeschwindigkeiten,
• der wirksamste pH-Bereich,
• die Reihenfolge und der richtige Zeitpunkt für die Zufügung der Chemikalien.

2.4.5 Verwendete Apparaturen

Die verwendeten Anlagen sind das Schlammschleier-Absatzbecken oder das Fest-


teilchenkontakt-Absatzbecken.
Das in Abb. 4 dargestellte Schlammschleier-Absatzbecken ist eine kompaktere
Anlage. Das hineingeleitete Rohwasser wird in der Primärzone mit Chemikalien
behandelt und sofort mit den Schlammteilchen, die zur Flockenbildung beitragen,
in Berührung gebracht.
Das unter dem Boden des Konus durchströmende Wasser verliert dank der
Schwerkraft die schwersten Flockenteilchen. Die leichteren Teilchen, die dazu
neigen, sich mit dem Wasser aufwärts zu bewegen, werden vom Schlammschleier
aufgefangen, wodurch die Impfung der Flocke und die Ausscheidung durch Ab-
sorption und Filterung mit Hilfe der Schlammschicht begünstigt werden.
Die Rückhaltezeit beträgt gewöhnlich 60 bis 90 Minuten.
42 2 Wasserbehandlung

Abb. 4 Schlamm-Absetzbecken

Folgende Parameter sind zu beachten:


• Auswahl der für die Zugabe der Ausflockungs- und Koagulierungschemikalien
günstigsten Stellen,
• Geschwindigkeit der Misch- und Rührwerke, die einen entscheidenden Einfluss
auf die Qualität des hergestellten Wassers haben kann,
• regelmäßige Entfernung des Schlamms, da er sonst eine schwer zu entfernende,
kompakte Masse bildet.
Das Festteilchenkontakt-Absetzbecken wird in Abschn. 2.5 beschrieben.

2.5 Kalk-Soda-Enthärtung

2.5.1 Beschreibung des Verfahrens

Das Verfahren hat die Aufgabe, die Ca++- und Mg++-Ionen, die zur Härte des Was-
sers beitragen, auszuscheiden, indem sie durch die kombinierte Wirkung des Kal-
kes und Sodas gefällt werden. Dieser Vorgang hat nicht nur eine erhebliche Her-
absetzung der Härte zur Folge, sondern auch den Vorteil, dass das gelöste CO2
und die Trübung beseitigt und die Siliziumdioxid-, Eisen- und Mangangehalte
reduziert werden.
Das einzige, heute noch gebräuchliche Verfahren ist das Kaltverfahren, mit
dem das Wasser bei seiner Eingangstemperatur behandelt wird.
Folgende chemische Reaktionen finden statt:
2.5 Kalk-Soda-Enthärtung 43

Ca(HCO3)2 +.Ca(OH)2 Æ 2 CaCO3 + 2 H2O


Mg(HCO3)2 + Ca(OH)2 Æ MgCO3 + CaCO3 + 2 H2O
Mg(HCO3)2 + Ca(OH)2 Æ Mg(OH)2 + CaCO3
MgCO3 + Ca(OH)2 Æ Mg(OH)2 + CaCl2
MgCl2 + Ca(OH)2 Æ Mg(OH)2 + CaSO4
NaHCO3 + Ca(OH)2 Æ CaCO3 + NaOH + H2O
Diese Reaktionen zeigen, dass alle Ca- und Mg-Ionen (in den Grenzen ihrer
Löslichkeit) in Form von CaCO3 und Mg(OH)2 ausgeschieden werden, wobei die
Restsalze Chloride, Natriumsulfat und eventuell Soda sind.
Die Reduktion des Siliziumdioxidgehalts ist das Ergebnis der Absorption des
löslichen Siliziumdioxids durch das Magnesiumhydroxid. Je mehr Magnesium-
hydroxid man erzeugt, umso mehr Siliziumdioxid wird ausgeschieden. Ist der
natürliche Magnesiumgehalt des Wassers nicht ausreichend, so kann man Magne-
sium in Form von dolomitischem Kalk oder Magnesiumoxid hinzufügen. Abbil-
dung 5 zeigt dieses Verhältnis.
Der Kalkbedarf kann geschätzt werden:
100 % Kalk-Gewicht in kg für 10 m3 Wasser = CO2 + 0,44 TAC + 0,019 Mg
Freier CO2-Gehalt in ppm
TAC = Gesamtalkalität, in ppm CaCO3
Nichtcarbonathärte gleich Gesamthärte – Gesamtalkalität (TH – TAC).

Abb. 5 Ausscheidung von Siliziumdioxid durch Magnesiumhydroxid bei 20 °C


44 2 Wasserbehandlung

2.5.2 Verwendete Apparaturen

Mit einem Feststoff-Flüssigkeitskontakt-Absetzbecken ist eine korrekte Vergröße-


rung der Kristalle vor der Absetzung gewährleistet. Auf diese Weise wird das Was-
ser mit den schwebenden Kristallen in enge Berührung gebracht. Die Chemikalien
werden in diesem Augenblick zugesetzt. Dadurch findet die Ausfällung schnell
statt, wobei die Schlammpartikel als Kondensationskerne dienen. Die gebildeten
Feststoffe sind so groß und schwer, dass sie schnell ausgeschieden werden können.

Abb. 6 Feststoff-Flüssigkeitskontakt-Absetzbecken

Im Allgemeinen besteht eine deutliche Abgrenzungslinie zwischen Suspension


und klarem Wasser.
Diese Anlagen funktionieren mit einer Überlaufsteiggeschwindigkeit von 3 bis
6 cm/Minute bei einer Rückhaltezeit von etwa einer Stunde. Die Zugabe von Ko-
agulierungsmitteln ist i. Allg. von Nutzen.
Eine gut aufgebaute Anlage scheidet alle schwebenden Feststoffe aus, vermin-
dert die Calciumhärte bis zu 2–3,5 °F, reduziert die Gesamtalkalität bis zu 3–5 °F
und beseitigt Phosphate, Eisen und Mangan.

2.6 Enthärtung durch Ionenaustauscherharze

2.6.1 Ionenaustausch durch Harze im Natriumkreislauf

Das Wasser fließt über starkbasische kationische, in Natriumform regenerierte


Ionenaustauscherharze.
Eine gut funktionierende Wasserenthärtungsanlage sollte i. Allg. ein Wasser mit
einer Restgesamthärte von unter 0,5 °F bereitstellen:
R–Na2 + Ca++ Æ CaR + 2 Na+.
2.6 Enthärtung durch Ionenaustauscherharze 45

Abb. 7 Wasserenthärtungsanlage

Das Ionenaustauschermolekül wird durch eine konzentrierte Salzlösung regene-


riert:
CaR + 2 NaCl Æ Na2R + CaCl2.
Durch das Grundgesetz der Massenwirkung wird die Richtung der Reaktion be-
stimmt. Im Enthärtungskreislauf herrscht das Calciumion vor, deshalb findet die
erste Reaktion statt. Im Regenerationskreislauf ist das Natriumion oder das Was-
serstoffion vorherrschend und so findet die zweite Reaktion statt. Da bei der Re-
generation ein Überschuss an Salz notwendig ist, kann eine entsprechende Härte-
menge nicht durch eine gegebene Menge an verbrauchtem Salz ausgeschieden
werden. Der Salzverbrauch beläuft sich auf ca. 2,3–3,5 kg NaCl pro ausgeschiede-
nem kg an CaCO3.
Das Wasser, das den Ionenaustauscheranlagen zugeleitet wird, darf keine
schwebenden Feststoffe enthalten. Es werden nur Calcium und Magnesium ausge-
schieden; der Gesamtprozentsatz an gelösten Feststoffen bleibt gleich. Aus diesem
Grund wird das Verfahren selten für das Zusatzwasser der Kühltürme angewandt.
Sollte es genutzt werden, muss nur ein Teil des Wassers behandelt werden, da das
Abwasser eine Härte von nahezu Null hat.
Die Verwendung von Harzen im Natriumkreislauf verändert die Alkalität des
Wassers nicht, da die Bicarbonate von Ca und Mg in Natriumbicarbonat umge-
wandelt werden.

2.6.2 Entkarbonisierungsenthärtung

Das Wasser fließt über schwachbasische kationische, in H+-Form regenerierte


Ionenaustauscherharze und anschließend über ein enthärtendes Harz. Eine gut
46 2 Wasserbehandlung

funktionierende Entkarbonisierungsenthärtung sollte ein Wasser mit einer Restge-


samthärte unter 0,5 °F, einem pH zwischen 4,5 und 5 und einer Gesamtalkalität
unter 1 °F liefern.
Die entsprechende Anlage besteht aus Behältern, die den Druck des Wasser-
kreislaufs aushalten können. Weitere angeschlossene Behälter dienen zur Versor-
gung mit Regenerationsmittel. In einer solchen Betriebsanlage verwandeln die
sog. Carboxylharze, die für die Entkarbonisierung verantwortlich sind, die Bicar-
bonate in Kohlendioxid, das in einem Entgasungsturm ausgeschieden wird.
Die Nichtcarbonathärte führt zur Bildung von Säuren, die den zusammengela-
gerten Anionen entsprechen: Salzsäure, Schwefelsäure oder Salpetersäure. Dieser
durch den Gehalt an starken sauren Salzen hervorgerufene freie Säuregrad muss
für einige Anwendungen neutralisiert werden.

Abb. 8 Anlage zur Entkarbonisierungsenthärtung

Abb. 9 Aufbau der Anlage


2.6 Enthärtung durch Ionenaustauscherharze 47

2.6.3 Enthärtung durch Vollentsalzung

Ionenaustauscherharze bestehen aus Synthesepolymerisaten, die durch Vernetzung


(i. Allg. phenolischer oder acrylischer Art) unlöslich gemacht worden sind und
ionisierbare funktionelle Gruppen enthalten. Je nach Art der funktionellen Grup-
pen unterscheidet man:
• Kationenaustauscherharze, die Anionengruppen enthalten, und zwar Karb-
oxylgruppen R–COOH (Austauscher schwache Säuren) oder Sulfogruppen
R–SO3H (Austauscher starker Säuren),
• Anionenaustauscherharze, die Kationengruppen enthalten, und zwar entweder
aminiert, primär, sekundär oder tertiär (man hat dann schwach basische Aus-
tauscher) oder Quaternär-Ammonium (stark basisch).
R—NH2 Primär-Amingruppe

R—NH Sekundär-Amingruppe

CH3

CH3
RN < Tertiär-Amingruppe
CH3

CH3
CH3
RN < Quaternär-Ammoniumgruppe
CH3
CH3
Die Vollentsalzung erfordert den Einsatz von zwei Harztypen. Das saure Harz
tauscht die Kationen aus und das basische Anionenaustauscherharz beseitigt die
im bereits dekationisierten Wasser verbleibenden Anionen.
Die schwachbasischen Austauscherharze scheiden die starken Anionen (Sulfa-
te, Chloride, Nitrate) aus. Dagegen werden die schwachen Anionen (Silikate und
Carbonate oder Bicarbonate) von den starkbasischen Harzen ausgeschieden.
Das die Anlage verlassende Wasser hat schließlich alle seine Ionen verloren;
die von den Harzen zurückgelassenen H+- und OH–-Ionen haben sich verbunden,
um Wasser zu bilden.
Die einfachste Anlage (s. Abb. 10) umfasst nur zwei hintereinander geschaltete
Kationen- und Anionenaustauscher-Kolonnen. Diese Vorrichtung kann nur für
Wasser mit schwacher Bicarbonathärte (mit schwacher CO2-Freisetzung) verwen-
det werden.
48 2 Wasserbehandlung

Abb. 10 Einfache Anlage zur Vollentsalzung

Wie bei der Entkarbonisierungsenthärtung muss eine Abgaskolonne (Ausschei-


dung von Kohlensäure zwischen dem starken Anion und dem starken Kation)
vorgesehen werden.

2.6.4 Vergleich der Enthärtungsverfahren

Die für die Vorbehandlung von Rohwasser angewandten Verfahren sind in Tabel-
le 19 zusammengefasst. Je nach gewünschtem Ziel kann hier die geeignete Lösung
gefunden werden.

Abb. 11 Enthärtung mit zwei getrennten Kolonnen


2.6 Enthärtung durch Ionenaustauscherharze 49

Abb. 12 Enthärtung mit zwei Kolonnen und Lüfter

Tabelle 19 Verschiedene Behandlungsverfahren

Behandlung

Behandlung mit Kalkmilch (kalt)


Flockung mit kationischen Poly-

Flockung mit kationischen Poly-

Flockung mit kationischen Poly-

meren und Deminerailisation mit


Flockung mit kationischen Poly-
Klärung mit Aluminiumsulfat

Reinigung mit Kunstharzen


meren und sauren Zeoliten

Ionenaustauscherharzen
meren und Na-Zeoliten
und Filtration
Rohwasser

meren

Verunreinigungen 0 0 0 0 0 0 0 35
in ppm TA (in CaCO3)
TAC (in CaCO3) 235 235 208 235 0 4 3 70
-
Chloride (in Cl ) 11 14 14 14 14 0 0 14
Calcium (in CaCO3) 144 144 144 0 3 0 0 35
Magnesium (in CaCO3) 96 96 96 0 2 0 0 86
Härte (in CaCO3) 240 240 240 0,1 5 0 0 121
---
Phosphat (in PO 3) 1 1 1 1 1 0 0 0,5
+
Natrium (in Na ) 5 5 5 115 5 0,4 0,01 5
Siliziumdioxid (in SiO2) 6 6 6 6 6 0,02 0,005 6
--
Sulfate (in SO 4) 8 8 21 8 8 0 0 8
-
Nitrat (in NO 3) 5 5 5 5 5 0 0 5
Gesamte gelöste Stoffe 250 250 262 262 35 2 0,03 170
Feste Schwebestoffe 50 0,5 0,5 0,5 0,5 0,1 0,1 0,5
pH-Wert 7,8 7,8 6,8 7,8 7,8 9,0 7,2 10,1
50 2 Wasserbehandlung

2.7 Filterung

Es kommt selten vor, dass das Wasser nach der Ausflockung oder Kalkenthärtung
ganz und gar frei von Schwebestoffen ist. Wird vollkommen klares Wasser benö-
tigt, ist eine Filterung erforderlich.
Die Filterung besteht darin, eine Flüssigkeit durch einen porösen Stoff zu lei-
ten, so dass die darin enthaltenen Feststoffe mit korrekter Sedimentation ausge-
schieden werden. Nach einer chemischen Behandlung sind die meisten koagulier-
ten schweren Teilchen ausgeschieden worden. Nur die feinsten Teilchen, die
Schwebestoffe, erreichen den Filter.
Bei Ankunft auf der Filterschicht setzen sich die Festteilchen mehr oder weni-
ger gleichmäßig auf der Oberfläche ab und halten die nachkommenden Teilchen
an. Die Wirksamkeit des Filters erhöht sich also mit seiner Verstopfung. In der
Praxis beträgt die Eindringung des Filtermediums nicht mehr als einige Zentime-
ter. Die Porosität des Filters, die ständig abgenommen hat, wird nun zu gering und
der Filter kann nicht weiterverwendet werden (zu großer Befrachtungsverlust).
Nun wird eine Gegenstromwäsche vorgenommen, um die in der Filterschicht
angesammelten Teilchen abzuscheiden.

2.7.1 Art der Filterelemente

Filterelemente bestehen i. Allg. aus mehreren aufeinander folgenden Schichten


Sand oder Flintstein verschiedener Korngrößen. Die Korngrößen sind sorgfältig

Abb. 13 Filterelemente
2.7 Filterung 51

auszuwählen, damit gewährleistet ist, dass die langsame Verstopfung des Filters
über die größtmögliche Höhe erfolgt; die Gesamtschicht der Filterelemente ist 30
bis 70 cm hoch (s. Abb. 13).

2.7.2 Filtertypen

Filter unterscheidet man in Druckfilter oder Schwerkraftfilter. Die Filterleistungen


betragen i. Allg. 100 l pro m2 Filterfläche pro Minute. Die Gegenstromwaschleis-
tungen schwanken zwischen 300 und 400 l pro m2 pro Minute, wenn es sich um
Sandfilter handelt, und zwischen 200 und 300 l pro m2 pro Minute bei Anthrazit-
filtern.
Die festen Schwebstoffe können in manchen Fällen durch Filterung aus dem
unbehandelten Wasser ausgeschieden werden; vor allem dann, wenn der Filter
nach jeder Gegenstromwäsche mit einem Kationen-Polyelektrolyten behandelt
wird. Die Filterung kann je nach der für das Zusatzwasser zulässigen Konzentrati-
on an schwebenden Feststoffen nach der Klärung erforderlich sein oder nicht.
Die Filterung wird meist nach der Kalk- und Sodaenthärtung durchgeführt. Die
schwebenden Feststoffe müssen vor dem Ionenaustausch aus dem Wasser ausge-
schieden werden.
Durch die Filterung eines Teils des in den Kühlkreislauf zurückgeführten Was-
sers können die meisten der vorhandenen Schwebestoffe ausgeschieden werden.
Probleme mit dem Anwuchs und Ablagerungen, auf denen sich Biofilme entwi-
ckeln können, werden so in Grenzen gehalten werden.
In der Regel ist die Filterung von 5 bis 10 % des zurückgeführten Durchflusses
ausreichend. Ein Teil der Verursacher von Ablagerungen wird ausgeschieden,
wodurch sich auch das Legionellenrisiko ausschalten lässt. Verfahrenskosten
werden gesenkt und die Leistungen gewinnen an Zuverlässigkeit.
Dimensionierung und Konzeption des Filters hängen von der Zusammenset-
zung und der Korngröße der auszuscheidenden Schwebestoffe sowie von der
Durchlaufmenge des zu behandelnden Wassers ab. Entscheidend ist auch das
gewünschte Ergebnis, ausgedrückt in mg/l der Schwebestoffe oder in Trübung.
Einige technische Verfahren, die durch die Möglichkeit der Ionenfilterung einer
Entsalzung entsprechen, gewährleisten eine sehr gründliche Filterung:
• die Mikrofilterung,
• die Feinstfilterung,
• die Umkehrosmose.

2.7.3 Membrantechniken

Dank der Entwicklung neuer synthetischer Membranen haben die bei der Wasser-
aufbereitung angewandten Membrantrennungsverfahren in den letzten Jahren
einen beträchtlichen Aufschwung erfahren.
52 2 Wasserbehandlung

Eine Membrane ist ein Werkstoff, der die Eigenschaft besitzt, dem Transfer der
verschiedenen Flüssigkeitskomponenten einen selektiven Widerstand entgegenzu-
setzen. Dadurch wird die Trennung von gewissen Flüssigkeitsbestandteilen er-
möglicht.

Mikrofilterung und Ultrafilterung


Unter allen Membranverfahren sind die tangentiale Mikrofilterung (M.F.T.) und
die Ultrafilterung auf industriellem Niveau sehr weit entwickelt.
Die beiden Techniken sind einander sehr verwandt und können in Funktion zur
Größe der Teilchen oder der Makromoleküle, die sie aufteilen, eingeordnet wer-
den. Das Prinzip der Teilung ist eine Differenz des Drucks auf beiden Seiten der
Membrane.
Die Filterung vollzieht sich meistens auf tangentiale Weise, d. h. die Flüssigkeit
zirkuliert parallel zur Membrane. Dadurch wird die Akkumulation der auf der
Oberfläche der Membrane angehaltenen Stoffe, im Gegensatz zur Frontalfilterung,
begrenzt.
Die tangentiale Filterung unterscheidet sich von der Ultrafilterung
• durch die verstärkte Größe der zurückgehaltenen Bestandteile,
• durch einen i. Allg. geringeren Arbeitsdruck (transmembraner Druck <3 bar),
• durch den häufig höheren Filterungsfluss.
Im Prinzip wendet man alles, was in der Ultrafilterung gilt, auch in der Mikro-
filterung an. Das betrifft sowohl die Vorrichtungen als auch den Einfluss der be-
dingt anwendbaren Parameter und die Phänomene der Dichtung.
Die Membrane wird durch das Rückwaschen regeneriert. Dieses erweist sich
oft als ungenügend und muss durch eine angemessene chemische Behandlung
ergänzt werden.

Abb. 14 Filterelemente zur Mikrofilterung (CFM-Dokument)


2.7 Filterung 53

Nach der Verdichtung werden die Filterelemente in der Mehrzahl der Anwen-
dungen weggeworfen. Das betrifft sowohl die Frontalmikrofilterung und die im
Labor verwendeten flachen Membranen als auch die Filterkartuschen auf glatten
oder plissierten Membranen.

Umkehrosmose
Osmose nennt man die Verlagerung des Lösungsmittels (meist Wasser) durch eine
Membrane unter Einwirkung eines Konzentrationsgefälles.
Ein System mit zwei Abteilungen, die durch eine durchlässige, selektive
Membrane getrennt sind, enthält zwei Lösungen mit unterschiedlichen Konzentra-
tionen.
Das Phänomen der Osmose tritt durch einen Wasserfluss ein, der von der ver-
dünnten Lösung zur konzentrierten Lösung geleitet wird.
Versucht man, diesen Wasserfluss durch Druck auf die konzentrierte Lösung zu
verhindern, wird sich die Quantität des durch Osmose umgeleiteten Wassers ver-
ringern. Es kommt schließlich dazu, dass der angewandte Druck so groß wird,
dass sich der Wasserfluss aufhebt.
Wenn man annimmt, dass die verdünnte Lösung reines Wasser ist, wird dieser
Gleichgewichtsdruck osmotischer Druck genannt. Eine Erhöhung des Drucks über
den osmotischen Druck hinaus wird sich durch den Wasserfluss zeigen, der in
umgekehrter Richtung zum osmotischen Fluss verläuft, d. h. von der konzentrier-
ten Lösung zur verdünnten Lösung: Dies ist das Phänomen der umgekehrten Os-
mose. Die umgekehrte Osmose ermöglicht, die aufgelösten Salze, die organischen
−7
Moleküle von 10 mm und die einwertigen Salze unter einem niedrigeren oder
80 bar gleichen Druck zu halten.

Abb. 15 System der Umkehrosmose


54 2 Wasserbehandlung

Dank des technischen Fortschritts und des Wachstums des Marktes im Wasser-
sektor steigt die Konkurrenzfähigkeit der Membrantechnik im Verhältnis zu her-
kömmlichen Wasserbehandlungen immer stärker an. Die Methode der umgekehr-
ten Osmose wird bereits bei mehr als 50 % der Süßwasser-Produktionseinheiten
zum Entsalzen von Meerwasser verwendet.
3 Kühlwasser

3.1 Erhaltung des Rohstoffs Wasser

Die thermodynamischen Eigenschaften des Wassers und seine Verfügbarkeit in


den meisten Industriegebieten haben diesen Rohstoff zu einer idealen Flüssigkeit
für die Übertragung von Wärme in der Industrie und für Kraftwerke gemacht. In
Gebieten, in denen Wasser nur spärlich vorhanden ist, sind Systeme zur Luftküh-
lung vom Typ aerothermischer Batterien entwickelt worden.
Kühlwasser wird in vielen Industriezweigen der entwickelten Länder vor allem
zur Dampfkondensation in Elektrizitätswerken, Wärme- und Kernkraftwerken
oder in der Metallurgie zur Kühlung der Motoren der Hochofenkompressoren
verwendet. In der chemischen und petrochemischen Industrie benötigt man es zur
Kondensation der Destillate und zur Kühlung der in exothermischer Reaktion
begriffenen Produkte. Diese Kühlungen erfordern den Einsatz sehr großer Was-
sermengen:
• für die Produktion einer Tonne Stahl 150 t Wasser,
• für die Produktion einer Tonne Papier 25 m3 Wasser,
• für die Produktion von Elektrizität 3 m3/MWh für den Dampf und 60 m3/MWh
für die Kühlung.
Der gesamte weltweite Verbrauch auf diesem Gebiet ist um ein Vielfaches hö-
her als der Haushaltsverbrauch. Dieses Missverhältnis ist umso größer je indust-
rialisierter das Land ist.
Der Wasserbedarf des industrialisierten Menschen steigt ständig an. Dies ist
bedenklich, weil sich die Süßwasservorräte nicht verändern, da sie mit den meteo-
rologischen Verhältnissen zusammenhängen, die in den meisten Ländern nahezu
konstant bleiben.
Die noch verbreitete einmalige Verwendung des Wassers muss daher nach und
nach durch eine Wiederverwertung ersetzt werden. Gründe hierfür sind:
• Wasserknappheit,
• Veränderung der Qualität des Wassers durch thermische Veränderung (Tempera-
turerhöhung, die zu einer Veränderung der Wasserfauna und -flora führt) oder
chemische Veränderung durch Einleitung schädlicher Nebenprodukte der
menschlichen Tätigkeit, die zur Zerstörung der Fauna und Flora führen.
Auch wirtschaftlich gesehen ist die einmalige Nutzung des Wassers nicht sinn-
voll; das in die Anlagen einlaufende Wasser muss bestimmte Eigenschaften haben,
56 3 Kühlwasser

um für Industrieverfahren verwendet werden zu können. Dadurch wird oft eine


kostenintensive Behandlung erforderlich, die sich nur dann auszahlt, wenn das
Wasser in eine Kreislaufführung gebracht werden kann.
Zahlreiche Länder haben eine Regelung eingeführt, die die Industrie dazu ver-
pflichtet, ihre Wasserentnahmen im Naturbereich einzuschränken und somit das
Wasser wieder aufzubreiten und mehrfach zu verwenden.

3.2 Erhaltung der Energie

Hierunter ist nicht das thermodynamische Prinzip der Energieerhaltung zu verste-


hen, sondern die Ersparnis jeder beliebigen Form von Energie bzw. die Beseiti-
gung der Energieverluste.
Die Erhaltung der Energie kann von der betroffenen Energieart abhängen, den-
noch muss an jeder Stelle einer Industrieproduktionskette darauf geachtet werden,
Energie zu erhalten.
Sobald ein Ausrüstungsteil, z. B. ein Wärmeaustauscher, nicht unter den Bedin-
gungen arbeitet, für die es entwickelt wurde, ist eine Energieverschwendung zu beo-
bachten. Das kann sich entweder darin auswirken, dass dieses Teil seine Aufgabe nur
mangelhaft erfüllt oder dadurch, dass er ein höherer Energieaufwand nötig wird.
Ein durch Funktionsfehler einer Anlage verlorenes Produkt stellt ebenfalls ei-
nen Energieverlust dar; es müssen weitere Energien aufgewendet werden, um
Rohstoffe herzustellen.
Die Herabsetzung der Lebenserwartung einer Apparatur durch Korrosion ist
ebenfalls ein Energieverlust, da zeitlich früher investiert werden muss, um eine
neue Ausrüstung zu beschaffen. Hier lässt sich die Erhaltung der Energie als Ma-
terialersparnis direkt mit einem entsprechenden Geldwert schätzen.
Im Folgenden werden die Wasserkühlsysteme im Hinblick auf Energiever-
brauchsstellen untersucht, d. h. die Stellen, an denen Energie gespart werden kann.
Grundsätzlich hat ein Wasserkühlsystem die Aufgabe, Wärme zu entziehen und
abzuführen. Ein typisches System mit Kühlturm, auch halbgeschlossener Kreislauf
genannt, ist in Abb. 16 dargestellt.
Das Kühlwasser wird aus dem Speicher zur Wärmeaustauschanlage gepumpt,
wo es die Wärme aufnimmt. Es gelangt zum Kühlturm, wo es sich durch Ver-
dampfung abkühlt, um dann zum Speicher zurückzukehren und den Kreislauf
erneut zu beginnen. Jeder Abschnitt des Systems hat spezifische Funktionen zu
erfüllen, so dass ein wirksames Wärmeausgleichsystem entsteht.

Energieverbrauch

Wasser Energie Wärmeübertragung


Zusatz Elektrizität Kesselstein
Verdampfung Dampf Verschmutzungsprodukte
3.2 Erhaltung der Energie 57

Abb. 16 Kühlsystem mit Kühlturm

Andere Wasserkühlsysteme sind:


• Systeme ohne Kreislaufführung mit direkter Zufuhr, bei denen die gesamte
Wassermenge nach Verwendung wieder in die natürliche Umgebung zurückge-
spült wird,
• vollkommen geschlossene Systeme, bei denen die Verdampfung gleich null ist
(s. Abb. 18). Die Verluste entstehen zufällig; es gibt kein Frischwasser. Die
Abkühlung des Wasserkreislaufs erfolgt durch einen Wärmeaustauscher, durch
Wasser oder Luft.
Die Systeme funktionieren grundsätzlich auf die gleiche Art und Weise. Das
Wasser tritt in einen Wärmeaustauscher ein und nimmt dort die Wärme auf. Es

Abb. 18 Offenes und geschlossenes System


58 3 Kühlwasser

verlässt den Wärmeaustauscher wieder (wie in einem Wasserkühlsystem ohne


Kreislaufführung), um durch „neues“ Wasser ersetzt zu werden oder strömt zu
einem anderen Wärmeaustauscher, wo es die ursprünglich aufgenommene Wärme
abgibt (wie in einem geschlossenen Kühlsystem). Das Wasser läuft anschließend
zum Speicher zurück, um den Zyklus erneut anzutreten.

3.3 Behandlung des Rohstoffs Wasser

Wasser ist das gemeinsame Element dieser Systeme und damit eine feststehende
und direkte Energieeinsparquelle. Dies gilt in erster Linie für die Systeme mit
Kreislaufführung und Kühlturm, kann jedoch auch auf Systeme ohne Kreislauf-
führung mit einem einzigen Durchlauf und auf vollkommen geschlossene Systeme
zutreffen.
Die Erhaltung des Wassers bedeutet die Erhaltung der Energie bei der anfängli-
chen Wasserbehandlung, beim Pumpvorgang, bei der Behandlung des im System
umlaufenden Wassers und bei der Abwasserbehandlung. Wir untersuchen, was
dies in einem typischen Kühlsystem oder einem Kühlturmsystem mit Wasserkreis-
laufführung bedeutet, und wie es um den Wasserbedarf steht.

Beispiel: Der Rückführungsdurchsatz beträgt 10.000 m3 pro Stunde mit einem


Temperaturunterschied des Kühlturms von 10 °C (von 43 °C bis 33 °C). Wenn
man eine durchschnittliche Verdampfung von 1 % bei einem Temperaturgefälle
von je 5 °C annimmt, erhält man den in Tabelle 20 ermittelten Wasserbedarf für
verschiedene Konzentrationszyklen.

Tabelle 20 Wasserbedarf eines Kühlturmsystems mit Wasserkreislaufführung

Konzentrations- Frischwasser Verdampfung Ablauf


zyklen m3/Stunde m3/Stunde m3/Stunde
1,2 1200 200 1000 24000
1,5 600 200 400 9600
2 400 200 200 4800
3 300 200 100 2400
4 270 200 70 1680
5 250 200 50 1200
7 230 200 30 720
10 220 200 20 480
3.3 Behandlung des Rohstoffs Wasser 59

Tabelle 20 zeigt deutlich die Einsparung des Frischwasserverbrauchs sobald


der Wasserkreislauf konzentriert wird. Ab einem bestimmten Verhältnis der
Konzentration verringert sich die erwirkte Wassereinsparung. Da man i. Allg. die
Abfuhrprobleme der Austauscher erhöht, indem man das Konzentrationsverhält-
nis erhöht, muss eine Grenze gezogen werden, um diese beiden Verwendungspa-
rameter miteinander zu verbinden.
Die Kosten für Wasser können je nach dessen Herkunft unterschiedlich hoch
sein. Leitungswasser ist am teuersten, oft mindestens zweimal so teuer wie der
Aufwand für eine Behandlung im Werk. Süßwasser ist am billigsten, wenn man
über eine ausgiebige Versorgungsquelle verfügt, die keine Behandlung erforder-
lich macht und nur Pump- und Verteilungskosten mit sich bringt.
Die Einsparungen hinsichtlich der Wasserkosten gelten nicht nur für Frisch-
wasser, sondern auch für Abwasser, das vor seiner Rückführung in die Natur oft-
mals eine Behandlung erfahren muss.
Außerdem sind Einsparungen bei der Handhabung und Wartung der Versor-
gungs- und Kontrolleinrichtungen möglich; diese Kosten können beträchtlich sein.
Es stehen moderne und verlässliche Mittel zur Verfügung, um die Wasserkreis-
laufsysteme zu verwalten, zu analysieren und zu kontrollieren: Bildschirmüberwa-
chung mit Alarmsignalen, Automatisierung der Behandlungen, ständige automati-
sche Kontrolle der verschiedenen Parameter, Verwaltung der Reagenzvorräte.
Es können weitere wirkungsvolle Einsparungen im Zusammenhang mit Wasser
erzielt werden. Dies betrifft insbesondere die Wiederverwendung des Abwassers,
um das Frischwasser zu ersetzen. Die einmal behandelten städtischen oder indus-
triellen Abwässer können unter bestimmten Bedingungen wieder verwendet wer-
den. Einige Unternehmen des öffentlichen Dienstes, Raffinerien, Chemiefabriken
und Stahlwerke in Europa und den Vereinigten Staaten arbeiten bereits mit aufbe-
reitetem Abwasser. Aufgrund des Wassermangels handelt es sich hier um einen
viel versprechenden Komplex.

Ersparnisse in der Wärmeübertragung


Einer der bedeutendsten Energieverluste beim Betreiben eines Kühlsystems ist
wahrscheinlich derjenige, der entsteht, wenn das System unter seinem maximalen
Wärmeübertragungsvermögen arbeitet. Dies ist dann der Fall, wenn sich Ablage-
rungen auf den Wärmeübertragungsflächen befinden. Diese Ablagerungen können
dichte Kalzium- und Magnesiumsalze, Eisen- und Aluminiumverbindungen,
Schlamm und Schlick, mikrobiologischer Schlamm und Schmutz (gelatineartig
und viskös) oder Korrosionsprodukte sein. Die typischen Ablagerungen und ihre
Ursprungsquellen sind in Tabelle 21 und 22 aufgeführt.
Die Ablagerungen verursachen Energieverluste infolge einer schlechten Wär-
meübertragung und eines zusätzlichen Energieverbrauchs beim Pumpvorgang. Sie
können in Extremfällen die Einstellung der Installationen und den sich daraus
ergebenden Verlust an Nutzung bewirken, da die Reinigung der Anlage oder ein
Ersatz des Materials notwendig werden.
60 3 Kühlwasser

Tabelle 21 Ablagerungen künstlichen Ursprungs

Vom Wasser kommend Von der Luft kommend Vom System kommend
nach Durchgang des Wassers organische Gase Korrosionsprodukte
durch das Klärbecken mitge-
rissene Partikel
Schmutzstoffe Schwefelwasserstoff Korrosionsinhibitoren und
deren Reagenzien
Phosphate Schwefeldioxid (SO2) Schmutzstoffe des Verfahrens
Detergenzien Kohlendioxid (CO2)
Abwasser Ammoniak

Die Ursachen der Ablagerungen sind unterschiedlich:


• Mitnahme von Partikeln, die aus dem Klärbecken kommen,
• übermäßige Feststoffkonzentration,
• pH-Kontrolle mit einem zu hohen Wert,
• Unverträglichkeit des Inhibitors,
• übermäßige Inhibitorkonzentration,
• unzureichender Inhibitor,
• atmosphärische Verunreinigung,
• schwache Strömungen,
• Veränderungen der Frischwasserqualität,
• Funktionsstörungen der Anlage,
• vom System kommende Verunreinigung.

Wartungsersparnisse
Hierbei handelt es sich um Kostenersparnisse:
• bei Stillstandzeiten,
• bei Reinigungsmitteln und Arbeitskräften,
• bei einer kürzeren Lebenserwartung der Einrichtungen und/oder
• bei vorzeitigem Ersatz der Einrichtungen.
Die Stillstandzeit ist zunächst eine für die Fabrikation verlorene Zeit. Sie um-
fasst auch die unproduktiven Material- und Lohnkosten. Diese Kosten sind norma-
lerweise in den Produktionskosten inbegriffen; sind diese höher als vorgesehen,
wird der Selbstkostenpreis des Produkts um diese Kosten erhöht, oft sogar in er-
heblichem Ausmaß. Jedes Werk hat seine eigene Methode, um die tatsächlichen
Kosten der Stillstandzeit unter Berücksichtigung der verschiedenen Fabrikations-
techniken zu berechnen.
3.3 Behandlung des Rohstoffs Wasser 61

Tabelle 22 Ablagerungen natürlichen Ursprungs

Ablagerungen natürlichen Ursprungs Von der Luft kommend


Schlick Gase
Schlamm Staub und Bodenstaub
natürliche organische Stoffe organische Stoffe (Vegetation)
gelöste Mineralien mikrobiologische Organismen
mikro- und makrobiologische Organismen Insekten, Vögel usw.

Die Reinigungsmittel- und Lohnkosten sind unterschiedlich je nach durchge-


führter Reinigung, nach Art der gebildeten Ablagerung und je nachdem, ob die
Einrichtungen zur Reinigung zerlegt werden müssen oder nicht.
Der vorzeitige Ersatz der Einrichtungen kann infolge übermäßiger Ansamm-
lung von Ablagerungen oder infolge umfangreicher Korrosion notwendig werden.

Neue Systeme
Wir haben zunächst die bestehenden Systeme behandelt. Neue Systeme oder neue
Zusatzeinrichtungen zu bestehenden Systemen können ebenfalls Gelegenheit zu
Einsparungen geben. So kann man durch Verminderung der Verschmutzungsfak-
toren in den Spezifikationen der Wärmeaustauscher beachtlich sparen. Eine erheb-
liche Herabsetzung der Kosten der Wärmeaustauscher kann mithilfe sauberer
Wärmeaustauschflächen erreicht werden, die man dank des Einsatzes spezifischer
Chemikalien und einer mechanischen Einrichtung oder durch gleichzeitigen Ein-
satz beider erhält.
Wesentliche Ersparnisse lassen sich erzielen, wenn man zur Herstellung der
Rohre anstelle von Legierungen Flussstahl verwendet. Dabei muss der Art und
Weise, wie man die einzelnen Metalle in den Wärmeaustauschern oder im System
kombiniert, besondere Beachtung geschenkt werden. Mit falschen Kombinationen
kann die Lebenserwartung der Einrichtung herabgesetzt oder der Ablagerungsgrad
erhöht werden, wodurch jegliche geplante oder vorgesehene Energieersparnis
zunichte gemacht wird.
Kühlwassersysteme verfügen also über beachtliche Einsparpotenziale. Jedes
System muss sorgfältig überprüft und mit allen Werksabteilungen koordiniert wer-
den, so dass die Einsparungen sowohl in Bezug auf Wasser, Chemikalien, Funk-
tionsweise als auch von der Gestaltung des Systems her erzielt werden können.
Gleichzeitig muss das Augenmerk auf die offensichtlichen und die unbedeuten-
den oder „unmöglich zu realisierenden“ Einsparungen gerichtet werden. In jedem
Kühlsystem verbergen sich etliche Einsparmöglichkeiten, die oft mit äußerst niedri-
gem Kostenaufwand oder sogar ohne tatsächliche Kosten realisiert werden können.
62 3 Kühlwasser

3.4 Kühlkreise

3.4.1 Arbeitsprinzip

Durch seine ständige Verfügbarkeit und seine bemerkenswerten thermodynami-


schen Eigenschaften ist Wasser die ideale Flüssigkeit für den zum reibungslosen
Ablauf der Industrieverfahren notwendigen Wärmeübergang. Die Hauptbestand-
teile eines halboffenen Kreislaufs sind:
• die abkühlenden Apparate: Kondensatoren, Wärmeaustauscher, verschiedene
Flüssigkeitskühler, Wärmekraftmaschinen, Kompressoren und verschiedene
Apparate, deren Kalorien ausgeschieden werden müssen (Hochöfen, Öfen,
Stoffumsetzer usw.),
• ein oder mehrere (luftgekühlte) Kühltürme, deren Aufgabe es ist, die ins Was-
ser abgeleiteten Kalorien durch direkten Luftkontakt in die abzukühlenden Ge-
räte auszuscheiden,
• eine oder mehrere Pumpen, die das kalte Wasser aus den Wannen unterhalb der
Kältegeräte pumpen, um es den zu kühlenden Apparaten zuzuleiten,
• ein Verbindungsrohrsystem und Anhängegeräte wie die umgeleitete Filterung.

3.4.2 Wärmeübergang

Der Wärmeübergang besteht darin, die Wärme eines abzukühlenden Produkts oder
Prozesses an einen Empfänger, das Kühlwasser, zu übertragen.
Das Kühlwasser befindet sich i. Allg. nicht in direktem Kontakt mit dem abzu-
kühlenden Verfahren. Der Wärmeübergang findet durch eine meist metallische
Zwischenwand, die ein guter Wärmeleiter sein muss, statt. Die Oberflächen des
Wärmeübergangs stellen den Hauptteil der Wärmeaustauscher dar.
Es gibt verschiedene Arten von Austauschern, je nach Konfiguration der Aus-
tauschoberfläche und der Art der abzukühlenden Flüssigkeit. Im Falle einer Ab-
kühlung und Kondensierung von Wasserdampf wird der Apparat als Kondensator
bezeichnet; wenn der Empfänger eine zu verdampfende Flüssigkeit ist, nennt man
ihn Verdampfer.
Die in der Industrie am meisten verwendeten Austauscherarten sind der Rohr-
wärmeaustauscher, der Plattenwärmeaustauscher und der Doppelmantelreaktor.

Rohrwärmeaustauscher
Ein Rohrbündel, in dem das Verfahren stattfindet, befindet sich in einem Mantel,
wobei kaltes Wasser durch den von der Außenseite der Rohre und der Wandin-
nenseite gebildeten Zwischenraum fließt. Von dieser Art Austauscher gibt es zahl-
reiche Abwandlungen: z. B. mit einfachem oder zweifachem Durchlauf. Die An-
zahl der Röhren und die abgewickelte Oberfläche können sehr groß sein; bei
einem Kondensator eines Wärmekraftwerks können es einige tausend Röhren sein.
3.4 Kühlkreise 63

Das Rohrbündel kann aus gewöhnlichem Stahl, Inox, einer Kupferverbindung


und anderen Verbindungen mit guter Wärmeleitung bestehen. Die Wahl wird
durch die Art der Flüssigkeit und die wirtschaftlichen Bedingungen bestimmt. Der
Mantel besteht meistens aus gewöhnlichem Stahl. Abbildung 19 zeigt die Abküh-
lung in einem Austauscher mit einmaligem Durchlauf in Gegenstromrichtung. Nur
eine Röhre ist abgebildet.

Plattenwärmeaustauscher
Die Austauschwand besteht nicht aus Röhren, sondern aus Platten. Diese Art Aus-
tauscher wird gewöhnlich aus rostfreiem Stahl hergestellt.

Doppelmantelreaktor
Der in der chemischen Industrie verwendete Austauscher ist eine weitere einfache
Ausführung des Wärmeaustauschers. Das Wasser kreist im Zwischenraum zwi-
schen den beiden Wänden des Reaktors, wobei die durch die chemische Reaktion
erzeugte Wärme abgeschieden werden kann.
Der Wärmeübergang über die Austauscheroberfläche findet durch Übertragung
vom Verfahren zum Metall und dann vom Metall zum Kühlwasser statt. Das auf-
geheizte Wasser kann anschließend durch Konvektion, durch Mischen mit Kalt-
wasser, abgekühlt werden.
Die für den Wärmeübergang von einer kalten Quelle zum Konduktionsempfän-
ger zu beachtenden Parameter sind:
• die Wärmeübergangseigenschaften der Austauscheroberfläche (Wärmeleitfä-
higkeit),
• die Dicke der Wärmeübergangswand,
• die Austauscheroberfläche,
• der Temperaturunterschied zwischen dem Verfahren und dem Kaltwasser,
• die Sauberkeit der Austauscheroberfläche, sowohl seitens des Verfahrens als
auch was das Wasser betrifft. Ablagerungen stellen eine Sperre für den Wär-
meübergang durch Wärmeleitung dar.

Abb. 19 Austauscher mit einfacher Röhre


64 3 Kühlwasser

Tabelle 23 Wärmeleitfähigkeit einiger Metalle und Verbindungen

Werkstoff Wärmeleitfähigkeit (W/m−K)

Kohlenstoffstahl 45
Rostfreier Stahl 15
Reines Kupfer 384
Aluminium 200
Messing mit 30 %igem Zinkanteil 99
Calciumcarbonat 2,6
Calciumsulfat 2,3
Eisenoxid 2,9
Biofilm 0,6

Tabelle 23 gibt Auskunft über die Wärmeleitfähigkeit verschiedener, zur Her-


stellung von Austauschern eingesetzter Metalle und Verbindungen und die der
chemischen oder biologischen Verbindungen, die als Isolatoren fungieren.
Die durch Ablagerungen verursachte Reduzierung der Wärmeleitfähigkeit zieht
einen Produktionsverlust nach sich und bedingt eine Erhöhung der Kühlwasser-
menge.
Die Qualität der Wärmeübertragung eines Austauschers kann durch seinen Über-
tragungskoeffizienten, der durch folgende Formel in Übereinstimmung mit Abb. 21
wiedergegeben wird, verfolgt werden:
K = q/S x ∆TM
∆TM = [(T2 – t1) – (T1 – t2)]/Log² [(T2 – t1)/(T1 – t2)] und
q = Q x (t2 – t1).
K Übertragungskoeffizient (kcal/m² · h · °C)
q Wärme erzeugende Belastung (kcal · h-1)
S Austauscheroberfläche (m²)
∆TM durchschnittlicher Temperaturunterschied an den Austauscherausgängen
T1 Eingangstemperatur des Kühlwassers (°C)
T2 Ausgangstemperatur des Kühlwassers (°C)
t1 Eingangstemperatur des Verfahrens (°C)
t2 Ausgangstemperatur des Verfahrens (°C)
Q Kühlwassermenge (m3/h)
In Abschn. 5.4.3 wird auf die Prüfung des Kontrollaustauschers eingegangen.

3.4.3 Offene Kreisläufe

Bei offenen Kreisläufen handelt es sich um Kreisläufe ohne Wasserrückführung


oder Systeme mit einmaligem Durchlauf (once through system) oder Wasserstrahl.
3.4 Kühlkreise 65

Abb. 20 Offener Kreislauf

Sie werden nicht näher beschrieben, da sie nicht spezifisch ausgestattet sind
und das durch das Industrieverfahren aufgeheizte Wasser in die Natur abgeleitet
wird. Es gibt höchstens Nebenanlagen zur Wasserfilterung und zum gelegentli-
chen Zusatz von Produkten zur Wasserbehandlung. Dieses System ist weit ver-
breitet, wenn große Mengen Wasser zur Verfügung stehen. Aufgrund des großen
Wasserverbrauchs und der erhöhten Temperaturen im Empfängerbereich wird
dieses System immer weniger eingesetzt. Abbildung 20 zeigt ein vereinfachtes
Schema eines offenen Kreislaufs.
Kennzeichnend für den Kreislauf ist die Kühlwassermenge Q und der Tempera-
turunterschied des Wassers zwischen Eingang und Ausgang der abgekühlten Geräte:
∆T (°X) = ts – te.
Eines der Hauptmerkmale dieser Kreislaufart ist die relativ hohe Wassermenge,
die zum Abkühlen benötigt wird. Die am häufigsten auftauchenden Probleme sind
Verschmutzungen und Kesselsteinablagerungen.

3.4.4 Halboffene Kreisläufe

Diese Art von Kreislauf ist in der Industrie weit verbreitet. Nach der Abkühlung
wird das Wasser zurückgeführt, indem es in einem luftgekühlten Turm (Kühlturm)
seinerseits durch Luftkontakt abgekühlt wird. Ein vereinfachtes Schema eines
halboffenen Kreislaufs zeigt Abb. 21.
Es gibt verschiedene Arten von Kühltürmen, die i. Allg. nach der Art ihres
Luftstroms, auch Abzug genannt, eingeordnet werden. Der Abzug kann verschie-
dener Art sein:
• natürlicher Abzug: Bei dieser Turmart, die aufgrund ihrer Form auch hyperbo-
lisch genannt wird, findet die Luftumwälzung als Gegenstrom im Verhältnis
zum abzukühlenden Wasser statt. Solche meist riesigen Türme trifft man in
Wärme- oder Kernkraftwerken an.
66 3 Kühlwasser

Abb. 21 Vereinfachtes Schema eines halboffenen Kreislaufs

Abb. 22 Hyperbelkühlturm mit Gegenstromverfahren


3.4 Kühlkreise 67

Abb. 23 Dreizelliger Kühler mit Saugabzug (Dokument Scam-Alsthom)

• künstlicher Abzug: Bei dieser Art von Turm zirkuliert die Luft mittels einer
mechanischen Ventilation, die von einem seitlichen Ventilator, der die Luft in
den Turm drückt, erzeugt wird.
• Saugabzug: Die Luft wird von einem Ventilator auf der Turmspitze durch den
Turm abgesaugt. Diese Art ist sehr häufig anzutreffen.
In den Türmen mit künstlichem oder Saugabzug zirkuliert die Luft im Gegen-
strom zum abzukühlenden Wasser. Es gibt auch Abweichungen wie z. B. Quer-
ströme. Die Hersteller bieten auch in Reihen angeordnete Modulkühler an, mit
denen der Abkühlungsbedarf an die Betriebsbedingungen angepasst werden kann.

3.4.5 Geschlossene Kreisläufe

In der Praxis bestehen die geschlossenen Kühlkreise aus zwei thermisch miteinan-
der verbundenen Systemen; das eine, vollständig geschlossene (sogar dicht gegen
Wassereinbrüche) ist für den Wasserumlauf und zum Abkühlen des Verfahrens
mithilfe eines Wärmeaustauschers konzipiert. Das andere System – auch Sekun-
därkreislauf genannt – dient dazu, das aufgeheizte Wasser abzukühlen.
Der Sekundärkreislauf ist sehr oft ein halboffener Kreislauf oder ein System
aerothermischer Batterien (Luftkühlung).
Das bekannteste Beispiel ist die Abkühlung von thermischen Motoren mit ge-
schlossenem Wasserumlauf, wobei die Abkühlung des Wassers durch einen Luft-
wärmeaustauscher (Autokühler) stattfindet.
Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass theoretisch kein Wasser ver-
braucht wird. Es macht auch keine Schwierigkeiten, eine homogene Zusammen-
setzung des Wassers in allen Bereichen des Kreislaufs aufrechtzuerhalten. Zwei
Nachteile sind jedoch damit verbunden:
68 3 Kühlwasser

Abb. 24 Schema eines geschlossenen Kreislaufs

• ziemlich umfangreiches Kühlsystem,


• relativ hohe „Niedrig“-Temperatur.
Abbildung 24 zeigt ein vereinfachtes Schema dieser Kühlkreisart. Da ein sog.
geschlossener Kühlkreis in der Praxis nicht vollständig geschlossen ist, muss
Wasser – möglichst in enthärteter und entsalzter Form – hinzugefügt werden. Die
Anlagen sind i. Allg. aus verschiedenen Metallen gebaut, wodurch ein erhöhtes
Risiko für galvanische Korrosion besteht. Drei Behandlungsarten werden häufig
angewandt, um die Korrosion in den Griff zu bekommen:
• Alkali und Sauerstoff reduzierende Behandlung,
• Alkalibehandlung mit einer hochkonzentrierten Nitrit-Molybdat-Mischung, der
ein Dispersionsmittel beigefügt wird,
• Behandlung mit einem organischen Korrosionshemmer im alkalischen Milieu.
Da nur ein geringfügiger Kontakt mit Luft oder einem anderen, eine eventuelle
biologische Verseuchung nach sich ziehenden Element besteht, ist das Risiko für
Bakterienvermehrung in den geschlossenen Kreisläufen praktisch gleich null.
In einem geschlossenen, gut abgedichteten Kreislauf, der mit enthärtetem oder
entsalztem Wasser betrieben wird, ist die Bildung von Kesselsteinablagerungen
auf den Austauscheroberflächen sehr begrenzt bzw. unmöglich.
Bei großer Wasserzufuhr treten jedoch die Risiken für die Bildung von Ablage-
rungen wieder auf: Kesselstein, durch gelösten Sauerstoff verursachte Korrosion
sowie Verschmutzung durch Mikroorganismen, wobei letzterer Vorgang durch
Lecks im Verfahren noch verstärkt werden kann.
4 Kühltürme

4.1 Arbeitsprinzip

Wie schon in Kap. 3 beschrieben, ist ein Luftkühler ein Wärmeaustauscher, durch
den das zu kühlende Wasser in Berührung mit der Umgebungsluft strömt, d. h.,
man lässt es über übereinander angeordnete Horden oder Platten rieseln (Disper-
sionsbereich). Diese Ausstattung bildet den thermischen Austauscher, der – in
einen Turm eingeschlossen – den bestmöglichen Luftumlauf gewährleistet.
Die Aufgabe des Kühlturms besteht einzig und allein darin, warmes Wasser ab-
zukühlen. Man lässt das abgekühlte Wasser bis zu der in Betrieb befindlichen
Anlage strömen, wo die in der Anlage erzeugte Wärme ausgeschieden wird. Da-
durch erwärmt sich das abgekühlte Wasser wieder und wird zum Kühlturm zu-
rückgeleitet, um dort abgekühlt und wieder in Umlauf gesetzt zu werden.
Das Wasser wird durch engen Kontakt mit der Luft durch zwei Vorgänge ge-
kühlt:

Wärmeleitung
Die von dem warmen Wasser kommende Wärme wird durch Kontakt auf die käl-
tere Luft übertragen. Dies macht etwa 15 % bis 25 % des gesamten Wärmeaustau-
sches aus.

Verdampfung
Das Gewicht des verdampften Wassers pro Zeit- und Oberflächeneinheit ist propor-
tional der Differenz zwischen dem Teildruck des Wasserdampfes in der atmosphä-
rischen Luft und dem Wasserdampfsättigungsdruck der Luft bei der Temperatur t.

Die Teildruckdifferenz ist ihrerseits proportional der Differenz zwischen dem


Dampfgewicht pro kg Trockenluft in Kontakt mit dem Wasser und dem Dampf-
gewicht pro kg gesättigte Luft bei der gleichen Temperatur.
In der Praxis liegt die pro Stunde verdampfte Wassermenge zwischen 1 % und
3 % der umlaufenden Wassermenge bei einem Temperaturunterschied von 10 °C,
wobei diese Menge je nach Luftfeuchtigkeit, Wassereintrittstemperatur und je
nach Kühlerbauart schwankt.
70 4 Kühltürme

Verluste durch mechanische Mitnahme


Der enge Kontakt zwischen Luftstrom und Wasserstrom verursacht eine Blasen-
mitnahme, die man mit Ablenkblechen und Zickzackvorrichtung kontrolliert. Es
entsteht dennoch ein Verlust, der zwischen 0,5 % bis 0,0005 % der Durchfluss-
menge des umlaufenden Wassers betragen kann. Eine effiziente Trennung sowie
regelmäßige Pflege des Kühlturms ermöglichen eine Reduzierung des Grades der
Tropfenabsonderung. Dieser Verlust trägt nicht zur Kühlung bei.
Die Blasenmitnahme ist mitverantwortlich für die Verbreitung von Legionel-
lenbakterien.
Um das durch das System strömende Wasser möglichst konstant zu halten,
müssen die Verdampfungsverluste durch Zugabe von Frischwasser ausgeglichen
werden.

Konzentration des Wassers


Würde man absolut reines Wasser, d. h. Wasser, das keinerlei gelösten Feststoff
enthält, verwenden, würde es genügen, das verdampfte Wasser zu ersetzen. Damit
wären die Probleme auf ein Mindestmaß beschränkt.
In der Natur ist jedoch kein absolut reines Wasser vorhanden. Solch ein Wasser
herzustellen, wäre extrem teuer. Das natürliche Wasser enthält gelöste Salze oder
Schwebesalze, gelöste oder in Suspension befindliche organische Stoffe sowie
gelöste Gase, die jedes für sich Probleme verursachen.

Abb. 25 Struktur des Luftkühlungsturms. 1 Metallgerüst; 2 Motor-Ventilator-Gruppe; 3 Trop-


fenabsonderung; 4 Wasserverteiler; 5 “Packing”-Austauscher (Dokument Scam-Alsthom)
4.2 Berechnungselemente des Kühlsystems mit Verdampfung 71

Bei einem hypothetischen Kühlsystem mit einem Wasserfassungsvermögen


von 1000 m3 beträgt die Umlaufgeschwindigkeit 2000 m3 pro Stunde. Seine Ver-
dampfung läge bei 40 m3 pro Stunde (etwa 10 °C Temperaturgefälle im gesamten
Kühlraum). Nimmt man weiterhin an, dass das Zusatzwasser 400 ppm gelöste
Feststoffe enthält, enthalten 1000 m3 anfänglich 400 kg Feststoffe.
Während der ersten 12 Betriebsstunden verdampfen 480 m3 Wasser, wobei die
gelösten Feststoffe im System zurückgelassen werden. In diesem Zeitraum werden
480 m3 Zusatzwasser zugesetzt, die ihrerseits 192 kg gelöste Feststoffe enthalten.
Die Feststoffe im System erreichen jetzt 592 kg. Der Gehalt an gelösten Salzen hat
sich um 50 % erhöht, und nach 24 Stunden desselben Betriebs sind fast 800 ppm
gelöste Salze vorhanden, nach 72 Stunden wären es 1400 ppm gelöste Salze.
Diese Konzentrationserhöhung kann nicht aufrechterhalten werden, da die ge-
lösten Salzmengen zwangsläufig über ihre Löslichkeit hinausgehen würden; die
korrodierenden Ionen würden immer zahlreicher und folglich immer aktiver. Um
eine solche Konzentration zu vermeiden, wird kontinuierlich ein Teil des Wassers
durch Ablauf aus dem System gezogen. Eine kleine Menge – weniger als 0,1 %
des umlaufenden Wassers – wird in der Luft mitgerissen. Der Verlust durch Mit-
nahme in der Luft wird hier vernachlässigt, obwohl dies ein wichtiger Faktor für
die Verbreitung von Mikroorganismen – vor allem von Legionellenbakterien – ist.

4.2 Berechnungselemente des Kühlsystems


mit Verdampfung

4.2.1 Begriff des Konzentrationszyklus

Wie im o. g. hypothetischen Beispiel gesehen, erreicht man nach 72 Betriebsstun-


den ein konstantes Volumen von 1600 ppm gelöster Feststoffe, wenn man von
einem Wasser mit 400 ppm gelöster Feststoffe ausgeht. Der Gehalt an gelösten
Feststoffen (S.D. = solides dissous) wurde mit 4 multipliziert, d. h. es gibt vier
Konzentrationszyklen.

4.2.2 Ablaufprozentsatz

Um die gelöste Feststoffkonzentration von 1600 ppm aufrechtzuerhalten, muss ein


Teil des Wasservolumens von 1600 ppm durch das ursprüngliche Wasservolumen
von 400 ppm ersetzt werden. Die zu ersetzende Menge ist
P = 400 × 100/l 600 = 25 %.
P = Ablaufprozentsatz
72 4 Kühltürme

4.2.3 Definition der für die Berechnungen verwendeten


Begriffe

Q Mangel an Umlaufwasser in m3/h, geschätzt hinsichtlich der Angaben auf


der Plakette der Umlaufpumpe
AT Temperaturunterschiede des Wassers zwischen Einlauf und Auslauf des
Kühlwassers in °C
W Kühlleistung in kcal/h (1 kW = 860 kcal/h)
E Verdampfungsmenge in m3/h. Sie hängt vom Volumen des Kühlwassers (Q)
und dem Temperaturunterschied ab (ΔT). Empirisch gesehen wird 1 % der
Umlaufmenge (Q) für jeden Temperatursturz von 5 °C durch den Kühlturm
verdampft
Ev Lüftungsverlust in m3/h
P Ablaufwassermenge in m3/h, geregelt um die Konzentration an Mineralsalzen
A Zulaufwassermenge in m3/h (kompensiert den durch Ablaufwasser und Ver-
dampfung entstandenen Verlust)
V Kreislaufvolumen, das i. Allg. das Volumen des Bassins plus 20 % bis 50 %
beträgt
τ Zeit als halber Aufenthalt = 0,7 × (V/P). Es handelt sich hier um die Zeit in
Stunden, um eine zu einem bestimmten Moment eingeführte Substanz bis zu
50 % aufzulösen
Rc Konzentrationsverhältnis zwischen dem Salzgehalt des Kreislaufwassers und
dem Salzgehalt des Zusatzwassers

Tabelle 24 Übersetzung der Berechnungselemente des Kühlsystems

Deutsch Symbol Englisch Symbol


Verdampfung E Evaporation E
Konzentrationszyklus C Cycle of concentration C
Zusatzwasser A Make up water M
Ablaufwasser P Blowdown B
Lüftungsverlust V Windage loss W
Gelöste Feststoffe im (SD)A Total solids in make (TS)M
Zusatzwasser up water
Gelöste Feststoffe im (SD)C Total solids in recircu- (TS)R
Umlaufwasser lation water
Nutzvolumen des Systems VU Holding capacity HC
Haltezeitindex ID Holding time index HT
Lecks F Leaks L
Umlaufmenge Q Recirculation rate R
4.2 Berechnungselemente des Kühlsystems mit Verdampfung 73

Das Konzentrationsverhältnis Rc wird i. Allg. durch die Dosierung des Chlors im


Zusatz- und Kreislaufwasser, die Überprüfung der Stabilität des Kalziumdioxids
pro Dosierung und den Vergleich des Verhältnisses mit TH und TAC bestimmt.
Die englischsprachige Literatur zu diesem Thema ist sehr umfangreich. Tabelle
24 gibt die Übersetzung einiger Fachtermini an.

4.2.4 Anzahl der Konzentrationszyklen

Diese Zahl wird nicht willkürlich gewählt; sie wird durch die anfängliche Menge
an gelösten Feststoffen (SD)A und die höchstzulässige Konzentration an gelösten
Stoffen im Umlaufwasser (SD)C bestimmt:
(SD )C (4.1)
C=
(SD )A
Sie kann für jede Verunreinigung des Wassers, die eine Störung hervorrufen
könnte, bestimmt werden. Es wird die Zahl berücksichtigt, die man für die am
ehesten störende Verunreinigung erhält, d. h. die niedrigste Zahl.
Bei den nachfolgenden Berechnungen wird Dauerbetrieb für den Kühler ange-
nommen, d. h. der erreichten Wert (SD)C im Betrieb.
Für jeden in Betracht gezogenen Zeitraum gilt:
A = P + E + V. (4.2)
Da es sich um Dauerbetrieb handelt, besteht Gleichheit zwischen den eintreten-
den und austretenden gelösten Feststoffen:
A (SD)A = (P + V) ( SD)C.
Gleichung (4.1) ergibt:
(SD)C = C × (SD)A.
Man erhält:
A × (SD)A = (P + V) C × (SD)A
A = (P + V) C
C = A/(P + V) = (E + V + P)/ (P + V) = E/(V + P) + 1
Daher gilt:
V + P = E/(C – 1). (4.3)

Man kommt zu: P = E/(C – 1). (4.4)

A=C (4.5)

Man erhält: A = E/(C – 1). (4.6)


74 4 Kühltürme

4.2.5 Schlussfolgerung

Bei einer gegebenen Anlage ist umso weniger Wasser abzuziehen und folglich umso
weniger Frischwasser hinzuzufügen, je höher das Konzentrationsverhältnis ist.
Tabelle 25 zeigt die Werte für eine Verdampfungsmenge von 100 m3.

Tabelle 25 Beispiel für eine Verdampfungsmenge von 100 m3

RC P (m3/h) A (m3/h)
× 1,5 195 300
×2 95 200
×3 45 150
×4 28 133
×5 20 125
×6 15 120
×7 12 117

Abbildung 26 stellt die Menge des erforderlichen Frischwassers in Abhängig-


keit von der errechneten Zahl der Kühlkonzentrationszyklen dar.

Abb. 26 Erforderliche Frischwassermenge in Abhängigkeit von der Zahl der Kühlkonzent-


rationszyklen
4.2 Berechnungselemente des Kühlsystems mit Verdampfung 75

4.2.6 Berechnung des Konzentrationsverhältnisses

Wir haben festgestellt, dass die Parameter des Wasserkreislaufs – wie Frischwas-
ser, Ablaufwasser, Verdampfung und Lüftungsverlust – Durchsatzmengen darstel-
len, die miteinander durch Gl. (4.2) verbunden sind.
In der Praxis ist der Lüftungsverlust sehr gering und kann in einer gut bekann-
ten Anlage vernachlässigt werden. Aus Gl. (4.2) wird dann:
A = P + E.
Es soll nun die Entwicklung der Konzentration eines gegebenen Ions im Kreis-
lauf betrachtet werden, z. B. die des Calciumions, das ebenfalls im Frischwasser
vorhanden ist. Seine Konzentration im Kreislauf kann sich je nach Ablaufwasser-
menge erhöhen oder vermindern.
Wenn man das gewogene Calciumion-Gleichgewicht des Kreislaufs herstellt,
findet man heraus, dass die Konzentrationsveränderung, in Gewicht pro Stunde
des Calciumion ausgedrückt, folgende ist:
ΔM = V (Ca)C – P (Ca)C + A (Ca)A. (4.7)
3
V Gesamtvolumen des Kreislaufs in m
(Ca)C Ca++-Konzentration im Kreislauf in kg/m3
(Ca)A Ca++-Konzentration im Frischwasser in kg/m3
P und A Ablauf- und Frischwasser in m3, das in 1 Stunde abgezogen und zuge-
setzt wird

Obwohl die Calciumionenkonzentration sich mit steigender Verdampfung erhöht,


kann die Konzentrationsveränderung in Abhängigkeit vom Zusatz und Ablauf
ausgedrückt werden, ohne der Verdampfung Rechnung zu tragen. Nachdem Mc-
Coy die Differenzialgleichung der Calciumkonzentrationsveränderung gelöst hat,
schlägt er mehrere Formeln vor, von denen die sog. Konzentrationsgleichung (4.8)
die gebräuchlichste ist:
(C)t = A (C)A/P + [(C)0 – A (C)A/P]e–P(t–to)/V. (4.8)
(CO)0 Konzentration des Calciums am Beginn, zur Zeit t0
(C)t Konzentration des Calciums zur Zeit t

Gleichung (4.8) ermöglicht insbesondere die Bestimmung


• der Konzentration nach einer gegebenen Zeit,
• der zur Erhaltung einer gewissen Konzentration erforderliche Zeit.
Auf die gleiche Art und Weise hat McCoy auch die Verminderungsrate der
Konzentration an zugesetzten Chemikalien, z. B. Chromat, eingeführt. Diese Er-
kenntnis ist wichtig, da sie ermöglicht, den Produktverlust kontinuierlich oder in
gegebenen Zeitabständen auszugleichen und somit dessen Konzentration auf dem
gewünschten Wert zu halten.
76 4 Kühltürme

Es sei darauf hingewiesen, dass die Verminderungsrate unabhängig von Ver-


dampfung und Zusatzwassermenge ist, da der Verlust allein auf den Ablauf zu-
rückzuführen ist.
McCoy schlägt mehrere Formeln vor:
Loge ((C)/(C)0) = –P(t – t0)/VU (4.9)

(C) = (C)0 e–p(t–t0)/V. (4.10)


Die Gln. (4.9) und (4.10) ermöglichen, die zeitliche Entwicklung der Konzent-
rationen eines gegebenen Zusatzmittels vorauszusehen.

4.3 Notwendigkeit der Kühlwasserbehandlung

Außer der Aufgabe, dass das umlaufende Wasser die in Betrieb befindliche Anla-
ge abkühlt, kann es andere, oft unerwünschte Effekte hervorrufen:
• Kesselstein erzeugen,
• Wärmeaustauscher, Innenverkleidungen, Pumpen und Ventile anfressen,
• die Baustoffe des Kühlturms angreifen,
• eine günstige Umgebung für das Wachstum von Mikroorganismen schaffen,
• die Erzeugung von Legionellenbakterien begünstigen und
• zur Umweltverschmutzung beitragen.
Um diese Probleme auszuschließen oder zu minimieren, muss das Wasser be-
handelt werden.
Kesselsteinablagerung auf den Kühlflächen sind zu vermeiden:
• durch Ausscheidung der Kesselstein erzeugenden Elemente mithilfe einer ex-
ternen Behandlung wie:
− Enthärtung im Kalk- oder Sodaverfahren,
− Enthärtung durch Ionenaustausch,
• durch Aufrechterhaltung der kesselsteinerzeugenden Elemente in Lösung mit-
hilfe einer internen Behandlung wie:
− Senken des pH-Wertes mittels Säure,
− Bildung von Verbindungen mithilfe von Sequestriermitteln,
− Keiminhibitoren, die das kristalline Wachstum genügend lange blockieren,
um die Bildung von Mineralablagerungen zu vermeiden.

Der Angriff der Metalle bei Berührung mit Kühlwasser ist zu vermeiden:
• mithilfe von an die vorhandenen Metalle angepassten Korrosionsinhibitoren,
• mithilfe von Dispersionsmitteln, die die Schlammbildung aufhalten und dadurch
die Bildung von Korrosionspfeilern durch differenzielle Lüftung beseitigen.
4.3 Notwendigkeit der Kühlwasserbehandlung 77

Die Verschmutzung der Kühlflächen ist zu vermeiden:


• durch biologische Kontrolle,
• durch teilweise umgeleitete „Gleitstromfilterung“.

Die Verbreitung von Legionellen ist zu verhindern:


• durch die Nutzung der effizientesten Blasenentnahme,
• durch wirkungsvolle und zuverlässige Bakterizide.

Die Verschmutzung durch Ablaufwasser ist zu vermeiden:


• durch die Benutzung ungiftiger Produkte.

Um eine genauere Vorstellung zu vermitteln, soll angenommen werden, dass das


Zusatzwasser folgende Elemente in den angegebenen Mengen enthält:
-
Cl Chloride 30 ppm
Mg++ Magnesiahärte 30 ppm CqCO3
Ca++ Calciumhärte 70 ppm CqCO3
TAC kompletter alkalimetrischer Titer 115 ppm CaCO3
-
SO²4 Sulfate 20 ppm
SiO2 Siliziumdioxid 15 ppm
pH 7,2

Wir nehmen weiterhin an, dass der pH-Wert des umlaufenden Wassers 6,5 bis 8,9
beträgt.

Kesselstein
Jedes Mal, wenn die Konzentration eines Salzes über seiner Löslichkeitsgrenze
liegt, setzt es sich in Form von Kesselstein ab. Die geschieht i. Allg. auf einer
warmen Fläche, da die Löslichkeit bei Wärme schwächer ist als bei Kälte. Die
Kesselstein bildenden Salze, die man am häufigsten im Kühlwasser antrifft, sind
Siliziumdioxid, Calciumsulfat, Calciumphosphat und Calciumcarbonat.
Für Siliziumdioxid und Calciumsulfat bestehen folgende, auf Erfahrung beru-
hende Regeln:
1. Siliziumdioxid setzt sich ab, wenn seine Konzentration im Umlaufwasser
über 50 x (pH- 3,5) liegt.
Bei einem pH-Wert von 6,5 entspricht dies einer Konzentration von 150 ppm,
die zulässige Konzentration beträgt 150/15 = 10 Zyklen. Bei einem pH-Wert von
8,9 wäre die Konzentration 270 ppm und die zulässige Konzentration
270/15 = 18 Zyklen. In jedem Fall wird der höchstzulässige Siliziumdioxidgehalt
des Umlaufwassers durch den Siliziumdioxidgehalt des Zusatzwassers dividiert.
78 4 Kühltürme

2. Calciumsulfat oder Gips schlägt sich nieder, wenn der Wert von 0,4
(THCa × SO4) 500 000 bei Wasser mit hohem pH-Wert überschreitet.
Bei einem pH-Wert von 8,9 beträgt dieser Wert 560 und die zulässige Konzent-
ration 500.00/560 = 893 Zyklen. Bei Wasser mit niedrigem pH-Wert darf der
Wert von 0,4 (THCa in ppm CaCO3) (in ppm SO4) + TA 500.000 nicht über-
schreiten. Bei einem pH-Wert von 6,5 beträgt dieser Wert 3780 und die zuläs-
sige Konzentration sind 500.000/3780 = 144 Zyklen.

Bei Annahme dieser theoretischen Werte darf nicht außer Acht gelassen werden,
dass die Konzentration von Gips ein das Konzentrationsverhältnis begrenzendes
Element ist. Gips provoziert eine physische Zerstörung des Betons, der das geläu-
fige Baumaterial für die meisten Kühltürme ist. In jedem Fall müssen zusätzliche
Informationen vom Hersteller des Betons geliefert werden.

Regel: Je höher die Konzentrationszyklen sind, umso einfacher ist es, Wasser zu
liefern und dieses zu behandeln, da weniger Ablaufvorgänge erforderlich sind.

Die Bedingungen, unter denen sich Calciumcarbonat (der Hauptkesselsteinerzeu-


ger) niederschlägt, sind viel komplexer. Der Niederschlag hängt von der Calcium-
härte, der Gesamtalkalität, der Gesamtmenge an gelösten Feststoffen, der Tempe-
ratur und dem pH-Wert ab.
Die Tendenz des Wassers, Calciumcarbonat abzusetzen, wird durch den sog.
Langelier-Sättigungsindex oder den Ryznar-Stabilitätsindex bestimmt, die in
Kap. 5 ausführlich behandelt werden.

Korrosion
Die Korrosion wird durch zwei verschiedene Elemente in Berührung stehender
Metalle oder durch zwei ungleiche Zonen ein- und desselben Metalls (Anoden-
und Kathodenzonen genannt), die von Wasser umgeben sind, verursacht. Ein
elektrischer Strom geht vom Anodenbereich des Metalls aus, durchquert das Was-
ser bis zum Kathodenbereich sowie das Metall, um zur Anodenzone zu gelangen.
Die Korrosion erscheint an der Stelle, an der der Strom das Metall verlässt (Ano-
de). Das einzige Mittel, diese Art von Zerstörung aufzuhalten, besteht darin, den
Strom anzuhalten. Bei einem solchen Verfahren wird das Metall mit einem Isolier-
stoff überzogen, um eine elektrische Schranke zu bilden.
Eine stark am Metall anhaftende Kesselsteinschicht kann eine solche Schranke
bilden. Wenn die Stabilitätszahl des Umlaufwassers unter 6,0 liegt, erfolgt Kessel-
steinbildung, wodurch die Korrosion verhindert wird. Wenn die Stabilitätszahl
über 6,0 liegt, erfolgt keine Kesselsteinbildung, und es kann Korrosion stattfinden.

Regel: Jedes natürliche Wasser ist Marmor gegenüber entweder korrosiv oder
erzeugt Kesselstein.
4.3 Notwendigkeit der Kühlwasserbehandlung 79

Es scheint zunächst, dass die Korrosion verhindert werden könnte, wenn man die
Stabilitätszahl auf einen Wert festlegen würde, der die Ablagerung einer sehr
dünnen Kesselsteinschicht (kontrollierte Kesselsteinablagerung) mit sich bringen
würde. Dies ist jedoch infolge des Temperatureinflusses auf die Stabilitätszahl
nicht vorteilhaft: Am warmen Ende eines Wärmeaustauschers würde sich Kessel-
stein bilden, während das kalte Ende angegriffen würde.
Eine Reihe von Werkstoffen wurde getestet, um Stahl zu beschichten und es
diesem zu ermöglichen, eine so dünne Isolierschicht zu bilden, dass diese nicht
den Wärmeaustausch beeinträchtigen kann. Diese Werkstoffe werden Korrosion-
sinhibitoren genannt. Die einen werden verwendet, um die Kathodenbereiche zu
isolieren, die anderen, um die Anodenzonen zu bedecken. Sie werden ausführlich
in Abschn. 6.5 behandelt.
Es gibt zwei wirksame Methoden der Kühlwasserbehandlung. Für die erste Me-
thode gilt:

Regel: Das Umlaufwasser wird gewollt korrosiv gemacht, um Kesselstein zu


verhindern, dann wird ein Korrosionsinhibitor hinzugefügt, um die Korrosion zu
vermeiden.

Die einfachste Methode, um das Umlaufwasser korrosiv zu machen, besteht darin,


soviel Säure (i. Allg. Schwefelsäure) zuzusetzen, dass der pH-Wert auf 6,5 ge-
bracht wird. Man wählt den Wert von 6,5, da bei einem wesentlich niedrigeren
Wert die Korrosionsinhibitoren unwirksam werden. Die Erfahrung hat gezeigt,
dass etwa 1 ppm konzentrierte Schwefelsäure hinzugefügt werden muss, um jedes
ppm Gesamtalkalität (in CaCO3 ausgedrückt) aus dem Speisewasser zu entfernen.
Nachdem nun das Wasser korrosiv ist, muss ein Korrosionsinhibitor gewählt
werden, oftmals ein Gemisch für Kathoden- und Anodenbereiche.
Derzeit werden die sehr giftigen Chromat-Zink-Gemische nicht mehr verwen-
det. Die Chromat-Phosphat-Zink-Gemische werden aufgrund der Einwirkung der
Phosphate auf die Eutrophisation der Seen ebenfalls immer weniger benutzt.
Das wichtigste Auswahlkriterium für einen Inhibitor ist seine Ungiftigkeit für
die Umwelt, seine Effizienz wird an zweiter Stelle geprüft. Gegenwärtig sind die
Carboxyphosphonat- oder Zink-Phosphonat-Mischungen am geläufigsten.
Die zweite Methode, um Umlaufwasser korrosiv zu machen, besteht darin, ab-
sichtlich die Bedingungen der Entstehung von Kesselstein hervorzurufen. Man
erreicht sie mit frei genanntem pH, dessen Wert zwischen 8,3 und 8,8 liegt.
Die Funktionsweise mit Alkalischen-pH schränkt natürlich die nötigen Kon-
zentrationen des Korrosionsinhibitors ein. Diese zweite Methode kann die Benut-
zung von Schwefelsäure beinhalten, um den pH- oder den TAC-Wert auf einem
Höchstniveau zu regulieren, das durch ein objektives Konzentrationsverhältnis
definiert wird.
Die Versorgung mit einem Korrosionsinhibitor entspricht in etwa der Menge
der im Ablauf verlorenen Korrosionsinhibitormenge, die um einige % erhöht wird,
um die Beschichtung der Metallteile aufrechtzuerhalten.
80 4 Kühltürme

Der freie pH-Wert entspricht einem Gleichgewichts-pH des Wassers nach Aus-
scheidung des ausgleichenden Kohlendioxids, in Anbetracht der physikalisch-
chemischen Zusammensetzung des Wassers.
Eine zweite Methode, um Kesselsteinablagerung zu vermeiden, besteht darin,
ein Produkt hinzuzufügen, das die Bildung der Ablagerung verhindert; es handelt
sich um einen Kesselsteininhibitor.
Es gibt zwei Familien: Phosphonate und Polyacrylate. Sie bewirken eine Ver-
zögerung des Niederschlags an Calciumsalzen und schwächen die Verkalkung.
Näheres dazu findet sich in Kap. 5.

Verschmutzung
Die Verschmutzung (Fouling) ist die Ablagerung von Substanzen, die sich norma-
lerweise in Suspension befinden, im Gegensatz zur Kesselsteinablagerung, die aus
normalerweise in Lösung befindlichen Stoffen entsteht. Die im Umlaufwasser
enthaltenen schwebenden Schmutzstoffe können aus zahlreichen Quellen stam-
men.
Es kann sich um aus dem Zusatzwasser kommenden Schlamm, um in den Turm
eindringenden Luftstaub oder aber um Holzfasern handeln. Die Schmutzstoffe
können auch von Produkten der während der Behandlung stattfindenden Reaktio-
nen stammen oder sich aus biologischen Kolonien ergeben. Diese biologischen
Kolonien umfassen Bakterien, Algen, Pilze.
Bakterien kann man überall in einem Kühlsystem antreffen. Die störendsten
sind die Schlamm bildenden und Sulfat reduzierenden Bakterien. Die Schlamm
bildenden Bakterien schützen sich durch eine dicke gelatineartige Schicht gegen
äußere Angriffe. Wenn sich die Organismen auf den Kühlflächen ablagern, kann
diese Schicht die Wärmeübertragung erheblich beeinträchtigen. Sie kann auch die

Abb. 27 Verschmutzung eines Plattentauschers


4.3 Notwendigkeit der Kühlwasserbehandlung 81

Korrosionsinhibitoren daran hindern, mit den Metallflächen in Verbindung zu


treten, und somit die Korrosion dieser Flächen hervorrufen.
Die meisten in den Kühlsystemen vorhandenen Bakterien sind Aerobionten; sie
verzehren unter Kohlendioxidbildung die Kohlenstoffverbindungen und den Sau-
erstoff.
Die Sulfat reduzierenden Bakterien ernähren sich von löslichen Sulfaten und
scheiden Hydrogensulfid aus: Sie schaffen daher eine für den Stahl korrosive
Umgebung. Sauerstoff ist für die Sulfat reduzierenden Bakterien toxisch. Sie dürf-
ten sich also theoretisch nicht in umlaufendem Kühlwasser entwickeln. Gewisse
Arten bilden jedoch eine Schutzschicht, wieder andere leben unter der von den
schlammerzeugenden Bakterien gebildeten Schutzschicht.
Eines der am häufigsten verwendeten Biozide ist Chlorid. Die empfohlene Me-
thode besteht darin, dem Wasser, das den Turm verlässt, ständig Chlor zuzusetzen,
so dass das zurückgeleitete Wasser einen Chlorrestgehalt von 0,1 bis 0,2 ppm
aufweist. Es gibt keine einfache Methode, um die erforderliche Chlorkonzentrati-
on zu berechnen. Die geeignete Dosis ist erfahrungsgemäß für jedes System fest-
zulegen.
Schockbehandlungen mit einer größeren Konzentration können nötig sein.
Chlor kann nur dann die Bakterien töten, wenn es mit ihnen in Berührung kommt.
Die von den schlammerzeugenden Bakterien gebildete Schutzschicht verhindert
diesen Kontakt. Bestehen Probleme, so kann der Turm einmal im Monat energisch
mit 20 bis 30 ppm quaternären Ammoniumsalzen behandelt werden, und zwar
gleichzeitig mit der oben beschriebenen Chlorbehandlung.
Das quaternäre Ammoniumsalz ist dazu bestimmt, die Schutzschicht auf- und
abzulösen, und es dem Chlorid zu gestatten, zu den Bakterien zu gelangen. Die
quaternären Ammoniumsalze haben ebenfalls keimtötende Eigenschaften.
Infolge des Vorhandenseins reduzierender Stoffe im Umlaufwasser ist die für
gewisse Systeme erforderliche Chlormenge zu groß, um anwendbar zu sein. In
diesem Fall sind andere Biozide einzusetzen. Sie sind in einer großen Anzahl vor-
handen, und es ist schwierig vorauszusehen, wie jedes von ihnen in der fraglichen
besonderen Situation regieren wird. Versuche sind hier notwendig. Die aktiven, am
häufigsten vorkommenden Wirkstoffe sind Isothiazolone, 2,2-dibromo-3-nitrilo-
propionamide (DBNPA) sowie Natrium-Tetrahydroxyphosphonium (THPS), des-
sen Giftigkeit für die Umwelt sehr gering ist.
Jeder dieser aktiven Wirkstoffe unterscheidet sich hinsichtlich:
• des gegebenen Wirkungsspektrums,
• einer eigenen Wirkungsschnelligkeit für diesen oder jenen Mikroorganismus,
• eines speziellen „Giftigkeitsprofils“, das Informationen wie die tödliche Dosis,
die Lebensdauer hinsichtlich des pH-Wertes und die Beschädigungsdauer zu-
sammenfasst,
• der Kosten.
Die Auswahl des idealen Biozids sollte auf die jedem Kreislauf eigenen Eigen-
schaften abgestimmt sein sowie im Hinblick auf die Qualität des Zusatzwassers,
des Ausscheidungsortes und der Verweildauer getroffen werden.
82 4 Kühltürme

Algen sind mikroskopische Chlorophyllpflanzen. Sie sind i. Allg. grün und brau-
chen Sonnenlicht, um sich zu entwickeln. Sie können gleichzeitig die Luft- und
Wasserströmung mindern. Ihre Masse kann allein schon eine erhebliche Erhöhung
des Gewichts, das das Bauwerk zu tragen hat, mit sich bringen. Abgestorbene Algen
stellen ein zusätzliches Gewicht an festen Schwebestoffen im Umlaufwasser dar.
Da Algen zu ihrer Vermehrung Sonnenlicht benötigen, stellen sie in Kühlern
mit geschlossener Plattform kein schwerwiegendes Problem dar. Wenn in offenen
Kühltürmen ein Algenproblem besteht, muss ein Algenvertilgungsmittel verwen-
det werden.
Pilze sind ebenfalls Pflanzen, jedoch ohne Chlorophyll. Sie wachsen auf einer
Vielzahl von Stoffen, einschließlich Holz, aus denen sie ihre Nahrung ziehen und
die sie dadurch zersetzen. Die übliche Methode zur Bekämpfung der Pilze besteht
darin, für den Bau behandeltes Holz zu benutzen oder aber andere Baustoffe zu
verwenden.
Für den Fall, dass die Verschmutzung nicht biologischen Ursprungs ist, kann
sie natürlich nicht mit Bioziden beseitigt werden. Dann müssen Mittel eingesetzt
werden, die die unlöslichen Produkte, die diese Verschmutzung verursachen, in
einem dispergierten Zustand halten. Hierzu zählen Polyacrylsäuren und deren
Salze. Sie haben die Aufgabe, die elektrostatischen Aufladungen zu zerstören und
das Kolloid im Schwebezustand zu halten oder es sich im Becken des Kühlturmes
absetzen zu lassen. Je nach verwendetem Mittel reicht eine Konzentration zwi-
schen 10 und 30 ppm im Umlaufwasser aus.
Die Problematik der Vermehrung der Mikroorganismen in den Kühlsystemen
und deren Lösung sind Gegenstand von Kap. 7.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Umweltverschmutzung. Oft besteht ein
großer Teil der Abwässer eines Werkes aus dem Ablauf der Kühlsysteme. Die
verwendeten Produkte befinden sich im Ablaufwasser. Die Ausschüttung des
Ablaufwassers in die Natur kann nur im Falle der Ungiftigkeit der verwendeten
Produkte ins Auge gefasst werden. In jedem Fall muss der Ablauf nach den ge-
setzlichen Vorschriften erfolgen.
Es ist daher empfehlenswert, unter den Behandlungsprodukten die am wenigs-
ten giftigen oder die am einfachsten zu entgiftenden zu wählen oder aber die zwi-
schen verschiedenen Produkten bestehende Synergie zu nutzen, so dass stets die
minimale Dosis verwendet werden kann.
5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

Die im Kühlsystem vorhandenen Ablagerungen bestehen meistens aus einer Mi-


schung von organischen, mineralischen und biologischen Produkten. Man unter-
scheidet zwei Arten:
• harte und anhaftende Ablagerungen, die aus Kesselstein mineralischen Ur-
sprungs bestehen,
• verschmutzende Ablagerungen, die staubig sein und Schlamm bilden können,
wenn die Wasserumlaufgeschwindigkeit nicht hoch genug ist, um sie im
Schwebezustand zu halten. Diese Ablagerungen können mehr oder weniger
haftend und mehr oder weniger weich sein. Wenn sie biologischen Ursprungs
sind, können sie jedes beliebige Aussehen annehmen.

5.1 Kesselstein

Kesselsteine sind kristalline, mineralische Ablagerungen, die aus der Bildung von
Kristallen in einer übersättigten Lösung stammen. Sie sind i. Allg. dicht, haben ein
großes Kohäsionsvermögen und haften bestens auf Flächen.

5.1.1 Kesselsteinbildung

Ein leicht löslicher Elektrolyt löst sich in Wasser auf, bis sich eine mit seinen
Ionen gesättigte Lösung bildet. Betrachten wir eine mit festem Calciumsulfat
gesättigte Calciumlösung.
Wenn eine feste Calciumsulfatmenge in Lösung übergeht, muss sich eine glei-
che Anzahl Calcium- und Sulfationen bilden:
CaSO4 (fest) <> Ca++ + SO4- - (gesättigte Lösung).
Wendet man das Gesetz der chemischen Gleichgewichte auf dieses System an,
so erhält man folgenden mathematischen Ausdruck:
[Ca++] [SO4- -] / [CaSO4] = Ke.
Da die Calciumsulfatkonzentration grundsätzlich konstant bleibt, erhält man:
[Ca++] [SO4- -] = Ke [CaSO4] = Kps ,
wobei Kps das Löslichkeitsprodukt genannt wird.
84 5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

Wenn für die chemische Gleichung der Ablagerungsbildung mehrmals das


gleiche Ion verwendet wird, wird die Konzentration dieses Ions in dem Ausdruck
des Löslichkeitsproduktes in die entsprechende Potenz erhoben. So zersetzt sich
das Trikalziumphosphat gemäß folgender Gleichung:
Ca3(PO4)2 <> 3 Ca++ + 2 PO43−
und das entsprechende Löslichkeitsprodukt ist
[Ca++]3 × [PO43-]2 = KPs

5.1.2 Einfluss der Temperatur auf das Löslichkeitsprodukt

Das Löslichkeitsprodukt für Calciumsulfat ist:


• 900.000 bei 25 °C (in ppm ausgedrückt)
• 840.000 bei 60 °C (in ppm ausgedrückt)
• 710.000 bei 80 °C (in ppm ausgedrückt).
Da das Löslichkeitsprodukt bei steigender Temperatur abnimmt, ist das Calcium-
sulfat, wie die meisten Calciumsalze, in warmem Wasser weniger löslich als in kal-
tem Wasser. Die Ablagerung bildet sich daher auf der warmen Wand, wo sie festhaf-
ten kann, und nicht im kälteren Wasser.
Die fragliche Temperatur ist also nicht die Temperatur der umlaufenden Was-
sermasse, sondern die Temperatur des Wassers in dem dünnen Film, der unmittel-
bar mit der Rohrwandung in Berührung steht.

Abb. 28 Temperaturgradient
5.1 Kesselstein 85

In der Praxis gibt es keine Kesselsteinbildung, wenn


[Ca++] [SO4- -] < 500.000,
wobei die SO4- - - und Ca++ -Konzentrationen in ppm ausgedrückt sind.
Wenn das Produkt der Calciumkonzentration (oder 0,4 × Calciumhärte) durch
die Sulfatkonzentration des Umlaufwassers unter 500.000 gehalten wird, bildet
sich kein Calciumsulfatkesselstein (oder Gips) auf den Flächen des Kühlsystems.

5.1.3 Einfluss des pH-Wertes auf das Löslichkeitsprodukt

Temperatur und Konzentration sind nicht die einzigen veränderlichen Größen, die
auf das Löslichkeitsprodukt einwirken. Gewisse kesselsteinerzeugende Bestand-
teile sind in der Gegenwart anderer Ionen empfindlich, insbesondere in der Ge-
genwart von Wasserstoff oder Hydroxylionen, die mit dem pH-Wert in Zusam-
menhang stehen. So ist Siliziumdioxid in alkalischem Wasser löslicher als in
saurem Wasser.
Es ergibt sich wieder eine empirische Gleichung, welche die Siliziumdioxidab-
lagerungen voraussagt und folgendes ausdrückt:
Siliziumdioxid bildet eine Kesselsteinablagerung, wenn die Konzentration im
Kühlwasser 50 (pH-3,5) überschreitet. Bei einem pH-Wert von 6,5 kann man 50
(6,5 – 3,5) = 150 ppm zulassen, bevor sich Kesselstein ablagert.
Calciumphosphat ist ein anderes Produkt, das dem pH-Wert gegenüber emp-
findlich ist. Da sich Phosphorionen selten in natürlichem Wasser befinden, jedoch
als Behandlungsprodukt zugesetzt werden, schwankt deren Konzentration nicht so
stark wie die des Calciums.

5.1.4 Calciumcarbonat

Die Bedingungen, unter denen Calciumcarbonat Kesselstein absetzt, sind kom-


plex. Der Prozess hängt von der Calciumhärte, der Gesamtalkalität, der Gesamt-
menge gelöster Feststoffe, der Temperatur und dem pH-Wert ab.
Das Problem wurde von Langelier erkannt. Er untersuchte das Kohlensäure-
gleichgewicht eines kalkhaltigen Wassers und schaltete alle Gleichgewichte mit
ein, die bei einer gegebenen Temperatur zwischen den H+, OH−, CO3−, HCO3−,
Ca++-Ionen und H2CO3 bestehen, wodurch eine Beziehung zwischen pH-Wert,
Gesamtcalciumhärte, Alkalität und Temperatur hergestellt werden konnte.
Um mühsame Berechnungen zu sparen, wurden die verschiedenen Gleichungen
des Calciumcarbonat-Gleichgewichts in ein Diagramm umgesetzt, s. die Nomo-
gramme von Langelier in Abb.29. Die von Langelier durchgeführte Studie stellt
eine Vorhersagetechnik dar, die ankündigt, ob ein Wasser dazu neigt, Kalkstein zu
lösen oder abzusetzen. Wenn Wasser Kalkstein absetzt, ist es kesselsteinbildend,
wenn es im Gegenteil Kalkstein auflöst, ist es korrosiv.
86 5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

Abb. 29 Langelier-Sättigungsindex

Die Langelier-Sättigungszahl ist gleich dem Unterschied zwischen dem augen-


blicklichen pH-Wert des Wassers und dem Sättigungs-pH-Wert (pH-Wert, bei dem
Wasser weder kesselsteinbildend noch korrosiv ist). Diesen Sättigungs-pH-Wert
5.1 Kesselstein 87

PHS erhält man anhand der Temperatur, der Kalkhärte, der m-Alkalität (TAC) und
des Gesamtgehaltes an gelösten Feststoffen.
In der Praxis
• trägt man die in CaCO3 ausgedrückte Calciumhärte vertikal auf die Diagonale
der pCa auf und liest pCa horizontal ab,
• trägt man die in CaCO3 ausgedrückte Gesamtalkalität auf die Diagonale der
pTAC auf und liest pTAC horizontal ab,
• trägt man die Gesamtfeststoffe in ppm auf die Isotherme „Konstante c“ der ge-
wünschten Temperatur auf und liest den Wert der Konstanten c auf Skala c ab.
Der Sättigungs-pH-Wert ist gleich der Summe
pCa + pTAC + C = pHs
und man erhält
die Langelier-Sättigungszahl = 2 pHs – pH.

Auswertung:
wenn pH – pHs > 0 → kesselsteinbildendes Wasser
wenn pH = pHs → „neutrales“ Wasser
wenn pH – pHs > 0 → korrosives Wasser.

Eine andere, ähnliche Bestimmungsmethode zur Lösung dieses Problems ist der
Ryznar-Stabilitätsindex:
Stabilitätszahl = 2 pHs – pH.
Tabelle 27 zeigt, dass Wasser bei fast jeder Konzentration zur Kesselsteinbil-
dung führt.
Andere Indexzahlen wie die von Puckorius und der Faktor SAL von L. Duvi-
vier werden ebenfalls verwendet.
Der Puckorius-IP-Index lautet:
IP = 2 pHs – pHe
pHe = 1,485 log (TAC) + 4,54.

Die Zahlanalyse ist derjenigen von Ryznar ähnlich.

Tabelle 26 Auswertung nach dem Ryznar-Stabilitätsindex

Ryznar-Stabilitätszahl Tendenz des Wassers


4 bis5 intensive Kesselsteinbildung
5 bis 6 leichte Kesselsteinbildung
6 bis7 leichte Kesselsteinbildung bis leichte Korrosion
>7 Korrosion
88 5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

Um die Tendenz zur Verkalkung eines Wasser zu kennzeichnen und die Gren-
zen der nicht zu überschreitenden Konzentration einzuhalten, kann man auch den
Faktor SAL benutzen, entwickelt von L. Duvivier, der folgender Gleichung ent-
spricht:
SAL = [TAC] × 2/f.
f ist ein Koeffizient, der von der ionischen Kraft des Wasser abhängt. Der SAL-
Faktor hängt von der Temperatur ab. Man bestimmt den Grenzwert auf einer Pi-
lotinstallation, unter normalen Funktionsbedingungen des Umlaufs.
Eine Kesselsteinablagerung, die seltener vorkommt, besteht aus Magnesiumsili-
kat. Sie bildet sich in zwei Phasen; zunächst schlägt sich Magnesiumhydroxid nie-
der und reagiert dann mit dem gelösten Kolloidsiliziumdioxid, was zu einer dichten,
schwer zu entfernenden Kesselsteinablagerung führt. Die Lösung des Problems
besteht darin, die Bildung von Magnesiumhydroxid zu verhindern. Wenn der pH-
Wert des Magnesiumhydroxids unter dem pH-Wert des umlaufenden Kühlwasser
liegt, kann eine Kesselsteinablagerung auf Magnesiumsilikatbasis erfolgen.
Eine wasserfreie Kesselsteinablagerung kann an den äußerst heißen Flächen der
Rohre (d. h. über 120°C) entstehen, selbst bei so niedrigen Löslichkeitsprodukten
wie (Ca++) ٠ (SO4--) = 50.000. Dies ist auf ein Konzeptionsproblem zurückzuführen:
In diesem Fall sind Wärmeaustauscher oder Luftkühler den Wasserkühlern vorzu-
ziehen. Abbildung 30 zeigt den Löslichkeitsvergleich einzelner Kalksteinablage-
rungen.
Es gibt auch Zinkphosphatsteinablagerungen. Sie sind i. Allg. auf eine schlech-
te Anwendung der Wasserbehandlung zurückzuführen.
Die sog. Kesselsteinablagerungen auf Eisenphosphat- und Eisenoxidbasis sind
in Wirklichkeit Verschmutzungsprodukte, die normalerweise nicht haftend sind.

5.2 Kesselsteinverhütung
Zwei Verfahrensgruppen können in Betracht gezogen werden:
• subtraktive Verfahren: Ausscheidung eines oder mehrerer kesselsteinbildender
Ionen,
• additive Verfahren: Zusatz von Substanzen, die das Löslichkeitsprodukt zurück-
gehen lassen, den Kristallwachstumsvorgang beeinträchtigen oder die gebilde-
ten Kristalle vertreiben.

Subtraktive Verfahren

Die subtraktiven Verfahren wurden bereits in Kap. 2 beschrieben: Enthärtung mit


Austauscherharzen und mit Zeolithen sowie die Kalk-Soda-Enthärtung. Diese
Methoden erfordern Investitionen in Form notwendiger Ausgaben für das Verfah-
ren sowie Arbeitskosten. Ihre Inangriffnahme erfolgt nach einer technisch-wirt-
schaftlichen Studie. Entscheidend kann das Kriterium der Verfügbarkeit des vor-
handenen Frischwassers sein.
5.2 Kesselsteinverhütung 89

Tabelle 27 Stabilitätszahlen des bei 38 °C umlaufenden Wassers mit einem pH-Wert von
8,9 bei verschiedenen Konzentrationszyklen

Zyklen Stabilitätszahl Tendenz zur Kesselsteinablagerung


(CaCO3 ohne Behandlung)
1 6.56 keine Kesselsteinablagerung
2 5.40 leichte Kesselsteinablagerung
3 4.70 mäßige Kesselsteinablagerung
4 4.20 bedeutende Kesselsteinablagerung
5 3.70 sehr bedeutende Kesselsteinablagerung

Abb. 30 Löslichkeitsvergleich von Kesselstein erzeugenden Calciumsalzen


90 5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

5.2.1 Additive Verfahren

Es handelt sich hier um Verfahren, die bei fast allen Verdampfungskühlsystemen


einsetzbar sind, auch dann, wenn ein subtraktives Verfahren für das Frischwasser
verwendet wird.

Lösen durch Ansäuern


Die Säuerung ist eines der ältesten Verfahren zur Verhütung der Kesselsteinbildung.
Das Calciumbicarbonat wird gemäß folgender Reaktion in Sulfat umgewandelt:
Ca(HCO3)2 + H2SO4 Æ CaSO4 + 2 H2O + 2 CO2.
Da Calciumsulfat viel löslicher ist als Carbonat, ist diese Behandlung selbst in
einer Anlage wirksam, die mit einer hohen Zykluszahl arbeitet. Ist die Sulfatkon-
zentration des Zusatzwassers bereits hoch, so kann die Zugabe von Schwefelsäure
die Überschreitung des Löslichkeitsprodukts des Calciumsulfats mit sich bringen.
In diesem Fall kann es erforderlich sein, Salzsäure oder eine andere Säure zu ver-
wenden (s. Abb. 31).

Abb. 31 Schwefelsäurezugabe in Abhängigkeit vom ph-Wert des Umlaufwassers


5.2 Kesselsteinverhütung 91

Die meisten Kühlsysteme mit Turm werden immer mehr in basischer Umge-
bung (pH-Wert zwischen 8,0 und 8,5), einige in neutraler Umgebung (pH-Wert
zwischen 7,0 und 7,5) und andere in saurer Umgebung (pH-Wert zwischen 6,0
und 6,5) betrieben. Dieses Problem wird in Kap. 6 behandelt.

Lösen durch Chelat bildende Mittel


Das Lösen durch Chelat bildende Mittel EDTA und NTA (Äthylendiamintetraes-
sigsäure und Nitrilotriessigsäure) ist vor allem bei alkalischen pH-Werten äußerst
wirksam. Jedoch werden diese Produkte in der Stöchiometrie verwendet. Man
findet sie deshalb wenig bei Kühlwassersystemen, dagegen häufig in Siedekes-
seln.

Hinzufügen von Dispersionsmitteln zum Entkalken


Im Gegensatz zu den Mitteln, die die Kalk bildenden Ionenkonzentrationen ein-
schränken, ermöglicht ein Zusatz von Anti-Kalk-Produkten den Ionen, sich über
die Grenzen des natürlichen Niederschlags hinaus zu konzentrieren. Ein physika-
lisch-chemischer Vorgang verzögert die Unlöslichkeit und die Ablagerung an
CaCO3 und damit den Prozess der Kristallbildung, da die Konzentration des Pro-
dukts immer weitgehend substöchiometrisch ist.
Zusätze verhindern nicht den Niederschlag des Calciumcarbonats im thermo-
dynamischen Sinne, da sie auf diesen nicht reagieren. Die verwendeten Konzen-
trationen von einigen ppm sind zu schwach dafür. Der Niederschlag wird nur
aufgeschoben.
Zahlreiche Wissenschaftler haben die Niederschlagsparameter und die Verän-
derungen des Kristallinnetzes in Gegenwart von Entkalkungsmitteln untersucht.
Folgende allgemeine Schlüsse lassen sich aus ihren Arbeiten ziehen:
• die Calciumcarbonatkristalle sind deformiert und haben weniger die Tendenz
sich anzusammeln,
• die für den Niederschlag notwendige Zeit erhöht sich mit der zusätzlichen Kon-
zentration,
• die Quantität an niedergeschlagenem Calciumcarbonat vermindert sich, wenn
sich die zusätzliche Konzentration erhöht.
Die Wirkung dieser Inhibitoren ist nicht sehr bekannt. Das Phänomen dürfte
eher eine Auswirkung auf das Kristallwachstum haben als auf den Prozess der
Nukleation. Das Kristallwachstum wird i. Allg. durch die Verbreitung von Ionen
oder Molekülen auf der Oberfläche mit kontinuierlicher Ablagerung herbeigeführt
oder durch die Fixierung von Ionen oder Molekülen auf einer adsorbierten Schicht
auf der Oberfläche des Kristalls. Wenn sich die Zusätze zu einem bestimmten
Moment der Entwicklung des Kristalls auf der Oberfläche adsorbieren, können sie
den Wachstumsprozess reduzieren und verändern.
92 5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

Die organischen, anionischen Polymere von geringem Molekulargewicht (1000


bis 10.000) können ebenfalls bestimmte, bereits geformte Kristalle verteilen. Tat-
sächlich ionisieren sie sich in wasserhaltiger Lösung, um eine negative Belastung
zu erreichen. Sie bilden auf ihrer Oberfläche eine negative Belastungszone, indem
sie die „kolloidalen“ Partikel von CaCO3 umhüllen. Die so geladenen Kolloide
stoßen sich gegenseitig ab und haften weder untereinander noch an den Wänden.

Kesselsteininhibitoren
Kesselsteininhibitoren teilen sich in zwei Gruppen auf: in Moleküle auf Phosphor-
basis und organische Carboxyl-Polymere.
Phosphorbasismoleküle
Anorganische Polymere
Sie werden durch Entwässerung geeigneter Orthophosphate vorbereitet. Ihre all-
gemeine Struktur ist gekennzeichnet durch die sich wiederholende Verbindung
–P–O–P–.
Tatsächlich handelt es sich um die ersten Kalkinhibitoren, die in industriellem
Maßstab verwendet wurden. Am bekanntesten ist das Natriumhexametaphosphat.
Folgende Nachteile sind mit ihrer Verwendung verbunden:
• sehr geringe Stabilität in wasserhaltiger Umgebung, die auf eine ungenügende
Stabilität der P-O-P-Verbindung zurückzuführen ist,
• ihre Hydrolyse ist besonders von der Temperatur und dem pH-Wert abhängig,
• sie degradieren zu Orthophosphaten, die keinerlei stabilisierenden Eigenschaf-
ten besitzen.
Die Orthophosphate ziehen die Bildung von Calcium-Phosphatablagerungen
mit sich, die – auch wenn sie sich nicht ablagern – den Wärmeaustausch beträcht-
lich verringern. Sie ernähren die Mikroorganismen, die eine exzessive Vermeh-
rung an Algen und Bakterien sowohl im Kühlsystem als auch in natürlicher Um-
gebung, in die das Ablaufwasser (Eutrophisierungsphänomen) geleitet wird, mit
sich bringen können. Ihre stabilisierende Wirkung beschränkt sich auf Maximal-
konzentrationen in Bicarbonaten von 4 bis 5 meq/l.
Aus diesen Gründen werden die Polyphosphate praktisch nicht mehr für die
Behandlung von Wasser verwendet, außer zur Hemmwirkung der Korrosion. Sie
werden in Kap. 6 näher behandelt.
Phosphonsäuren und ihre Salze
Diese Produkte wirken offensichtlich eher durch Hemmung der Kristallbildung als
durch eigentliches Lösen. Im Gegensatz zu den Chelat bildenden Mitteln sind sie
bei geringeren als durch die Stöchiometrie bestimmten Dosen wirksam. Die Hem-
mung würde stattfinden, sobald diese Produkte im Spurenzustand an der Oberflä-
che der kesselsteinerzeugenden Kristallkeime absorbiert werden. Die Kristall-
keime werden am Wachstum gehindert, wobei der Kesselstein in Pseudolösung
verbleibt. Sie agieren durch „Schwellenwirkung“ (threshold effect).
5.2 Kesselsteinverhütung 93

Es handelt sich um organische Produkte, die sich durch Synthese bilden. Sie
werden i. Allg. durch die Reaktion der Phosphorsäure auf die Säureanhydriden
und/oder Chlorsäure vorbereitet, besonders Acet-, Propion-, Butan- und Valerian-
säure. Anstelle von Phosphorsäure kann man die Phosphortrichloridsäure auch
direkt mit einer Carbonsäure reagieren lassen. So ergibt sich die 1-Hydroxyd-
Ethyliden-1,1-Diphosphonsäure (HEDP) aus der Synthese des Phosphortrichlorids
und der Acetsäure in wasserhaltiger Umgebung.
Die Phosphonate, deren Moleküle einen oder mehrere Stickstoffe enthalten,
sind für Chlor relativ empfänglich. Es gibt daher eine Unvereinbarkeit zwischen
der Verwendung von Stickstoff-Phosphonsäuren und den fortlaufenden Injektio-
nen in chlorhaltigem Wasser.
Aufgrund seiner Stabilität in den Systemen mit Chlorverwendung wird häufig
HEDP benutzt. Eine andere Phosphonsäure, die Amino-tri(Methylen)-Phos-
phonsäure (AMP) wird ebenfalls verwendet, ist jedoch empfindlich gegenüber Oxy-
danten wie Chlor.

Die Phosphonsäuren und ihre Salze können sich auf das Kupfer niederschlagen.
Wenn dieses Metall und seine Legierungen (z. B. „Admiralsmetall“) im Umlauf
sind, muss man ihnen einen Korrosionsinhibitor für Kupfer und Kupferlegierun-
gen, wie Benzotriazol oder Tolyltriazol hinzufügen.
Unter bestimmten Bedingungen können die Phosphonsäuren ihre Entkalkungs-
wirkung gegenüber der Alcali-Erde verlieren. Dieses Phänomen, „Trübungszone“
genannt, wird in Abb. 32 dargestellt. Bei größeren Mengen an Phosphonat erscheint
eine Trübung, die aus dem Niederschlag an Calciumphosphonat entsteht. Noch
größere Mengen – der Stöchiometrie nahe – lösen den Niederschlag auf, was jedoch
nicht von ökonomischem Interesse ist. Die Phosphonatkonzentration, durch die der
Niederschlag auftritt, entsteht durch Bedingungen des pH-Wertes und des Calci-
umkonzentrats. Ein erhöhter pH-Wert und sehr starke Calciumkonzentrationen
können bei sehr geringen Phosphonatkonzentrationen zu Niederschlägen führen.
Organische Polymere
Die für die Entkalkungsbehandlung des Wassers verwendeten organischen Poly-
mere gehören zur Familie der Polycaroxylsäuren und ihrer Salze. Ihr Molekular-
gewicht ist relativ gering: 1000 bis 10.000. Es handelt sich in der Mehrzahl um
Polyacryl-, Polymetacryl- und Polymalsäurederivate.
94 5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

Abb. 32 Abhängigkeit der Entkalkungswirkung von der Konzentration

Polyacrylsäure wird aus in Wasser aufgelöster Acrylsäure hergestellt. Potassi-


umpersulfat wird als Katalysator hinzugefügt. Die Temperatur muss kontrolliert
und unverändert beibehalten werden; je nach den Polymeren, die man erhalten
möchte. Die Reaktion der Polymerisierung wird durch die Einführung von Ketten-
stoppern hervorgerufen. Anschließend wird das Präparat gekühlt und die Polyacryl-
säure durch Natriumcarbonatsäure, Potassium oder Ammoniak leicht neutralisiert.
Schließlich, um jeden Geruch zu vermeiden, werden die verbleibenden Monomeren
durch Oxidierung mit Hydrogenperoxid eliminiert. Die Katalysatormenge, die
Temperatur und der Augenblick der Einführung des Kettenstoppers bestimmen das
Molekulargewicht und die Struktur der Polymere.
Vorwiegend werden folgende Formeln von Polyacrylaten verwendet:

Auch Polymetacrylate werden verwendet:


5.3 Verschmutzende Ablagerungen 95

Die Mehrzahl der derzeit auf dem Markt verfügbaren Polymeren widerstehen oh-
ne bemerkenswerte Schäden Temperaturen von 250°C bis 300°C. Sie sind voll-
kommen widerstandsfähig gegen Chlor. Aufgrund der guten Verträglichkeit können
sie zusammen mit ständigen Injektionen von Natriumhypochlorit benutzt werden.
Phosphonate und Mischungen von Phosphonaten und Polymeren sind i. Allg.
bessere Kesselsteinentferner als die Polymere für sich. Sie ermöglichen es, einen
Ryznar-Index von 3,50 beizubehalten.

5.3 Verschmutzende Ablagerungen


Die verschmutzenden Ablagerungen (fouling) bestehen aus mineralischen oder
organischen Feststoffen, die sich ursprünglich im Schwebezustand befanden und
umfangreiche, nicht konsistente Ablagerungen bilden. Sie stören den Wasserum-
lauf, setzen den Wärmeaustausch herab, bilden einen ausgezeichneten Nährboden
für Mikrobenkulturen und mindern die Wirksamkeit der Korrosionsschutzbehand-
lungen. Diese Substanzen sind natürlichen Ursprungs, sie können auch aus Lecks
und Verfahren stammen, vgl. die Tabellen 21 und 22.

5.3.1 Prinzip der Ablagerungsbildung

Große Teilchen

Die Bildung einer Ablagerung ist auf den Einfluss der Schwerkraft zurückzufüh-
ren, wonach das Teilchen nach der Stokes’schen Regel herunterfällt. Nach dieser
Regel ist die Absetzungsgeschwindigkeit im ruhenden Wasser je nach Art des
Schwebestoffes und nach dessen Durchmesser äußerst verschieden, vgl. Tabelle 7.
Da sich das Wasser im Umlauf befindet, kann eine Ablagerung der größeren
Teilchen nur dann erfolgen, wenn die Geschwindigkeit des Flüssigkeitsstroms
niedriger als die Fallgeschwindigkeit ist; die Ablagerungen bilden sich daher in
wenig bewegten Bereichen.

Feine Teilchen
Unterhalb des Mikrons findet die Stokes’sche Regel keine Anwendung mehr, da
die Teilchen der Ursprung elektrostatischer Erscheinungen sind, wodurch sie auf
unbestimmte Zeit im Schwebezustand verbleiben.
Eines dieser feinen Teilchen, dessen Fläche im Vergleich zur Masse sehr groß
ist, soll ausführlich untersucht werden.
Die negativen Ionen der Mitte neigen dazu, an der Oberfläche des Teilchens
adsorbiert zu werden (Abb. 33 a). Dadurch wird ein unbeständiger Zustand her-
vorgerufen, da in der Natur keine freien negativen Ladungen bestehen können.
Es bildet sich also mehr oder weniger eine Schicht positiver Ionen an der Ober-
fläche (Abb. 33 b). Diese positiven Ionen, eine kompakte oder starre Schicht, auch
Stern’sche Schicht genannt, neutralisieren die negativen Ladungen nur teilweise.
96 5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

Abb. 33 Untersuchung eines feinen Teilchens

Des Weiteren ist in der Lösung ein Gemisch aus positiven und negativen La-
dungen vorhanden, und zwar mit einem Überschuss an positiven Ladungen, der
zur vollständigen Neutralisierung (Abb. 33 c) der negativen Ladungen ausreicht.
Die positiven Ladungen sind äußerst beweglich. Der Bereich zwischen der
Stern’schen Schicht und der elektrisch neutralen Lösung ist unter der Bezeichnung
der Gouy’schen Schicht oder diffusen Schicht bekannt. Das Ganze wird mit „dop-
pelter Helmholtzschicht“ bezeichnet.
Die elektrischen Ladungen rufen die gegenseitige Abstoßung der einzelnen
Teilchen hervor, was die sog. Braun’sche Bewegung mit sich bringt. Die einzel-
nen Teilchen können sich daher weder absetzen noch aneinander prallen, um sich
zu größeren Massen, die sich ablagern könnten, zu vereinigen.
Wenn sich ein aufgeladenes Teilchen in Bezug auf seine Umgebung fortbe-
wegt, bewegt sich die Flüssigkeit mit ihm fort. Zwischen der durch das Teilchen
mitgerissenen Flüssigkeit und der Masse der Flüssigkeit besteht eine Schärfläche.
Das Millivoltpotenzial der Gouy’schen Schicht auf der Ebene der Schärfläche ist
das Zetapotenzial.
Das Zetapotenzial, d. h. die auf die Ionisation an der Oberfläche praktisch aller
Teilchen in wässriger Suspension zurückzuführende, normalerweise negative
Ladung (Elektron), ist eine der bedeutendsten Kräfte der Natur. Seine Hauptauf-
gabe besteht darin, die Anfangsabstoßung hervorzurufen, die zur Aufrechterhal-
tung der Individualität der im Wasser schwebenden Zellen erforderlich ist, ob im
Pflanzen- oder im Tierreich. Wenn diese Abstoßungsladung von ihrem normalen
Wert (−15 bis −20 Millivolt) auf null gesenkt wird, erfolgt Koagulation, und es
stellt sich der Tod ein.
5.3 Verschmutzende Ablagerungen 97

Was für lebende Organismen gut ist, trifft nicht unbedingt auf Wasserumlauf-
Kühlsysteme zu. Jedes Mal, wenn das Wasser mit den zum Wärmeaustausch
bestimmten Stahlflächen in Berührung kommt, versucht das Eisen, in Lösung über-
zugehen. Es handelt sich hier nicht um Korrosion, sondern um eine Auflösungser-
scheinung.
Um in Lösung überzugehen, muss sich das Metall ionisieren. Es entsteht also
eine mit einer positiven Ladung bedeckte Fläche. Wenn sich ein negativ geladenes
Teilchen in der Nähe der positiv geladenen Fläche befindet, wird es durch elektro-
statische Wirkung angezogen.
Schließlich kommt es zu einer dicken Schicht, die den Wärmeaustausch mindert;
die Apparatur wird verschmutzt oder verstopft. Die Verschmutzung ist die Ablage-
rung von normalerweise im Schwebezustand befindlichen Stoffen im Gegensatz
zum Kesselstein, der die Ablagerung von in Lösung befindlichen Stoffen ist.
Da das Eisen im Wasser löslicher ist als Kupfer, ist die positive Ladung an sei-
ner Oberfläche größer. Rohrbündel aus Stahl verstopfen sich daher schneller als
Rohrbündel aus „Admiralsbronze“ Kupfer, Zink oder Zinn.
Weitere Ursachen sind Ablagerungen von Mikrobenkolonien, Algen, Bakterien
und Pilzen, die sich durch Zellenwucherung bilden. Sie führen zu organischen
Gebilden wie Pilzmycelium oder faserigen Algen. Selbst wenn die Zellengebilde
aus Einzelzellen bestehen, sind sie untereinander durch oft konsistenten Schleim
verbunden, der einen bedeutenden Verstopfungsfaktor darstellt. Näheres hierzu
findet sich in Kap. 7.

5.3.2 Verhütung der verschmutzenden Ablagerungen

Physikalische Mittel

Obwohl physikalische Mittel höhere Investitionen erfordern als Behandlungen mit


chemischen Produkten, sind sie manchmal unentbehrlich und oft sehr nützlich.
In den Kühlsystemen mit Wasserkreislaufführung ist eine Feinfilterung des
Rücknahmewassers äußerst wirksam, was die Ausscheidung hoher Konzentratio-
nen an verschmutzenden Substanzen betrifft, die aus Zusatzwasser und Luft kom-
men. Es sind zahlreiche wirksame Filtertypen zur Ausscheidung der Feststoffe und
Öle erhältlich. Im Allgemeinen durchströmt eine kleine Menge (gewöhnlich 3 bis
8 %) des Rücknahmewassers den Filter. Aufgrund dieser Tatsache werden die
Schwebeteilchen auf ein Minimum reduziert und die Konzentration an verschmut-
zenden Substanzen wird auf die ziemlich großen Teilchen beschränkt.
Filter und sogar Siebe auf der Höhe der Lufteinlässe der Kühltürme können den
Gehalt an aus der Luft kommenden Schmutzstoffen herabsetzen, insbesondere bei
den Systemen mit Luftreiniger, die in der Textil- und Tabakindustrie verwendet
werden. Siebe müssen immer dann eingesetzt werden, wenn irgendwelche Rest-
stoffe, Vögel oder Insekten Probleme verursachen können.
98 5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

Chemische Mittel
Chemikalien sind die hauptsächlichen Mittel zur Verhütung von Ablagerungen.
Sie stehen in großer Zahl zur Verfügung.
Polymere
• Natürliche organische Polymere wurden als erste verwendet; es handelte sich
um Tannine, Alginate und Stärkemittel. Sie ergaben recht gute Ergebnisse, je-
doch nur, wenn sie in ziemlich hohen Konzentrationen von 50 bis 200 ppm und
mehr verwendet wurden.
• Acrylpolymere mit niedrigem Molekulargewicht, die in viel geringeren Men-
gen wirksam sind, sind heute an deren Stelle getreten. Es handelt sich um Poly-
acrylate in Form von Natriumsalzen. Sie wurden bereits vorgestellt.
• Polymerisate mit niedrigem Molekulargewicht haben eine besonders große
ablagerungsverhindernde Wirkung. Die im Handel erhältlichen Polymere haben
ein Molekulargewicht unter 10.000.
Sie wirken nicht nur als komplex bildende Mittel für die mehrwertigen Ionen
(komplex bildend, aber nicht sequestrierend), sondern auch als Dispergiermittel
durch Adsorption. Da jedoch ihr Molekulargewicht recht niedrig ist, haben sie
keine koagulierende Wirkung.
Sie haben eine dispergierende und gleichzeitig kesselsteinverhütende Wirkung,
indem sie das kristalline Gitter der Niederschläge verformen. Des Weiteren ver-
hindern sie die Ablagerung.
Andere synthetische Polymere wirken auf gleiche Weise, sie sind i. Allg. auf
Maleinsäureanhydridbasis hergestellt.
Polyphosphate
Polyphosphate mit verschiedenen Kettenlängen werden seit vielen Jahren bei der
Behandlung des Eisen(III)-Schlammes und bei der Beseitigung von Kalkstein
verwendet. Sie werden bei der Behandlung der warmen Haushaltswässer einge-
setzt, allein oder zusammen mit Polysilikaten.
Polyphosphate haben jedoch die Eigenschaft, sich langsam zu hydrolisieren und
daher ein wenig von ihrer Wirksamkeit zu verlieren. Diese Frage wird in Kap. 6
behandelt, da die Polyphosphate insbesondere als Korrosionsschutzmittel verwen-
det werden.
Polynaphthylmethansulfonate (PNMS)
Es handelt sich hier um anionische Dispergiermittel, die in ihren Molekülen meh-
rere Naphthylsulfonkerne besitzen, die durch Methylenbrücken miteinander ver-
bunden sind. Sie haben ausschließlich dispergierende Wirkung ohne jegliche
Schaumentwicklung. Sie sind bei allen in Kühlwasser vorkommenden pH-Werten
aktiv.
Sie halten die ablagerungsbildenden Stoffe im Schwebezustand, die folglich
mit dem Ablaufwasser entfernt werden. Sie bewirken eine bemerkenswerte Ver-
flüssigung der mineralischen Ton- und Schlammsuspensionen und ermöglichen
5.3 Verschmutzende Ablagerungen 99

es, den an Trockensubstanz viel reicheren Schlamm aus den Vorbehandlungsanla-


gen abzuführen. Sie werden in Kühlsystemen wenig benutzt.
Tenside
Die eigentlichen Tenside sind Moleküle mit einer langen Hydrophobkette oder
–gruppe und einer solubilisierenden Gruppe mit viel geringerer Länge. Ihre Hauptei-
genschaft besteht darin, die Oberflächenspannung des Wassers herabzusetzen und
emulgierend zu wirken.
Sie werden verwendet, um die verschmutzenden oder die Wasserverdampfung
störenden, öligen Substanzen, die man infolge des Einsatzes von Schmutzwasser
oder aufgrund von Lecks in der Anlage antrifft, zu emulgieren. Sie sind auch bei
der Dispersion von mikrobiologischem Schlamm wirksam. Die Senkung der Ober-
flächenspannung verbessert außerdem die Wirkung der verwendeten Biozide.
Einige dieser chemischen Zusammensetzungen können in Gebieten mit starken
Turbulenzen Schaum bilden.

5.3.3 Ablagerungsverhindernde Behandlungen

Das Wissen um die existierenden Behandlungsmittel ist unentbehrlich, genügt


jedoch allein nicht, um eine ablagerungsverhindernde Behandlung auswählen zu
können. Die Ablagerung kann durch Elemente, die sich im Zusatzwasser befinden,
hervorgerufen werden oder auf solche zurückzuführen sein. Auf jeden Fall ist es
wichtig, die Art der Ablagerung zu kennen. Tabelle 28 zeigt eine typische Analyse
von Ablagerungen.
Probe A stammt aus dem Kühlturmsystem einer großen Chemiefabrik, die für
die Korrosions- und Ablagerungskontrolle Zinkformel/organische Zusammenset-
zung verwendet. Die Verstopfungsstoffe werden durch einen sehr hohen Ab-
brandverlust und das Vorhandensein von Eisenoxid und Zinkoxid sichtbar. In
diesem Fall fällt der Korrosionsinhibitor selbst aus und tritt in Form von Zinkoxid
und Abbrandverlust auf. Diese Ablagerung kann durch Detergenzien und saure
Reinigungsmittel eliminiert werden. Um jedoch ein erneutes Erscheinen zu ver-
hindern, ist es nötig, den Korrosionsinhibitor zu wechseln oder die Dosierung zu
verringern.
Probe B stammt aus einem Kühlwassersystem mit einer Kreislaufführung; ver-
wendet in einer großen Raffinerie. Dies trifft man häufig bei Kühlsystemen an, die
Flusswasser verwenden. Die hohen Anteile an Aluminiumoxid und Siliziumoxid
entsprechen den Schlemmlandböden der Flüsse. Die Konsequenz dieser Ablage-
rung ist die Korrosion der Einrichtungen, also die Bildung von Eisenoxid. Die ande-
ren Bestandteile, die sich durch die Analyse zeigen, stammen aus den im Flusswas-
ser enthaltenen Schadstoffen, die in der Ablagerung eingeschlossen sind. Da kein
Korrosionsinhibitor verwendet wird, werden die verstopfenden Substanzen am
einfachsten durch Schlammverflüssiger entfernt. Ein saures Reinigungsmittel kann
ebenfalls bis zu einem gewissen Grad wirken. Zur Vorbeugung ist jedoch häufig der
kontinuierliche Zusatz eines Dispergiermittels nötig.
100 5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

Tabelle 28 Typische Analyse von Ablagerungen und Schmutzstoffquellen (Trockenprobe:


24 Stunden bei 110 °C)

Test A B C
Asche 30 % 17 % 55 %
AI2O3 2% 35 % 12 %
SiO2 1% 13 % 8%
CaO 10 % 4% 1%
Fe2O3 30 % 25 % 23 %
P2O5 — 4% 1%
ZnO 25 % — —
CO2 2% — —
SO3 — 2% —
Insgesamt 100 % 100 % 100 %

Probe C ist eine Ablagerung aus einem mit Flusswasser gespeisten Kühlsystem
einer Raffinerie. Die Analyse zeigt wieder das Problem der Verschmutzung und
des Einschlusses des Schlamms (AI2O3, SiO2) in der Ablagerung. Eine regelmäßi-
ge Chlorbehandlung hat nicht ausgereicht, um diese Ablagerungen zu vermeiden.
Die Installation eines abgeleiteten Filters könnte das System effizient reinigen.
Es ist nötig, eine effiziente Verflüssigungsbehandlung kombiniert mit Biozid ein-
zurichten, um das System von Problemen aller Art zu befreien.

Funktionsweise des Kühlsystems und seine Eigenschaften


Die Funktionsweise des Kühlsystems und seine spezifischen Eigenschaften müs-
sen kontinuierlich analysiert werden. Das Öffnen der Wärmeaustauscher und die
Überprüfung der Installationen während des programmierten Anhaltens erlauben
es, mögliche Ablagerungen zu kontrollieren. Ansonsten müssen Proben zur Ana-
lyse entnommen werden.

Geschwindigkeit

Jedes Kühlsystem hängt von der gleichmäßigen und konstanten Strömung des
Wassers auf den Oberflächen der Wärmeaustauscher ab. Da sich die verschmut-
zenden Substanzen i. Allg. in Suspension im Wasser befinden, setzen sie sich in
Bereichen mit schwacher Strömung, z. B. in den Becken der Kühltürme oder in
den Luftkondensatoren ab. Dies geschieht vor allem an Stellen, an denen sich die
Geschwindigkeit plötzlich ändert, wie in den Wasserbehältern der Wärmeaustau-
scher oder an den Wandungen und Mänteln der Rohrbündel.
5.3 Verschmutzende Ablagerungen 101

Temperatur
Die Risiken der Verstopfung (oder Verschmutzung) erhöhen sich mit steigender
Temperatur. Dies ist auf den „Brenneffekt“ an den Flächen, auf denen sich die
Schmutzstoffe absetzen sowie auf die Neigung zur Kesselsteinablagerung zurück-
zuführen. Des Weiteren wirken sich die Erhöhung des Korrosionsgrades, die
schnelleren Reaktionen und der Wirkungsverlust gewisser verstopfungsverhin-
dernder Mittel aus.

Art der Ausrüstung


Die Art der verwendeten Ausrüstung kann zur Erhöhung der Verstopfung beitra-
gen. So können die Wärmeaustauscherrohre, die über die Rohrwand hinausgehen,
zu einer schnellen Verschmutzung führen. Die Bimetallelemente der Rohre aus
„Admiralsbronze“ und die Rohrwände oder Ablenkplatten aus Stahl können auf
Korrosionsprodukte zurückzuführende Verstopfungen verursachen.

Ursprung und Behandlung des Wassers

Das in einem Kühlwassersystem verwendete Wasser ist je nach Herkunft oder


erfahrener Behandlung verschieden. Das Wasser, d. h. seine Trübung, Salzhaltig-
keit oder Härte ändern sich je nach den gegebenen Witterungsverhältnissen. Die
Qualität eines behandelten Wassers kann sich während seiner Klärung aufgrund
der zugesetzten Chemikalien ändern. Manchmal kann die gesamte Schlamm-
schicht infolge eines Temperaturwechsels mitgerissen werden (Phänomen der
Nachflockulation).

Beobachtungen und menschliche Kontrollen


Die Betriebsweise der Kühlsysteme muss streng überwacht werden. Ein un-
zweckmäßiger Einsatz der Ausrüstung, z. B. die Verminderung der Strömung
durch die Wärmeaustauscher, kann eine ernsthafte Verschmutzung oder Verstop-
fung hervorrufen. Die Verschmutzung kann kontrolliert werden durch
• die Beseitigung der verschmutzenden Substanzen nach ihrer Bildung,
• ein regelmäßiges Wartungsprogramm,
• eine regelmäßige Säurewäsche zur Ausscheidung der verschmutzenden Sub-
stanzen,
• ein vorbeugendes Programm.
Oft kombiniert man das vorbeugende Programm und die Reinigung, wenn das
vorbeugende Programm nicht vollständig wirksam ist.
102 5 Ablagerungen und Ihre Behandlung

5.4 Kontrolle und Beobachtung

Die Qualitätskontrolle und Entwicklung des Wärmeaustauschers sind eng verbun-


den mit der Auswertung der Qualität der Wasserbehandlung in einem Kühlsystem.
Von der Qualität des Wärmeaustauschers hängt der Nutzeffekt der gesamten Pro-
duktion ab. Die Kontrolle kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden.

5.4.1 Prüfung des Ablagerungsumfangs auf einer


Kontrollfläche

Die Prüfung des Ablagerungsumfangs lässt sich wie folgt vorbereiten:


• Bereitstellung von Reagenzgläsern an einer Stelle mit höchster Temperatur,
• Entnehmen dieser Reagenzgläser nach 4, 6 oder 8 Wochen,
• Prüfung und Analyse der organischen und anorganischen Ablagerung,
• 1 Stunde lang Trocknen bei 110 °C,
• Messen des Ablagerungsumfangs durch magnetische Induktionsvariation, wenn
die Oberfläche magnetisch ist oder durch Foucault-Strom, wenn die Oberfläche
nicht magnetisch ist.
Die für die Untersuchung der Korrosion verwendeten Reagenzgläser können
der Überprüfung von Kesselstein angepasst werden.
Art und Umfang der Ablagerung geben – je nach Dauer – Auskunft über die
Art der Funktionsstörung der Behandlung und die durchzuführenden Korrekturen.
Diese vergleichende Kontrolle auf Zeit hat den Nachteil, dass das Kontrollrea-
genzglas nicht einem Wärmeaustauscher unterworfen wird.

5.4.2 Prüfung des Leistungsverlusts eines Testaustauschers

Nach der Reinigung gibt die Prüfung des Leistungsverlusts eines Austauschers,
der für seine stabile Menge an Wasser und seine schwierigen Wärmeaustauscher-
bedingungen bekannt ist, Auskunft über die Art und die Entwicklung der Ver-
schmutzung.
Diese Methode ist ganz besonders bei einer Verschmutzung biologischen Ur-
sprungs anwendbar.

5.4.3 Prüfung eines Kontrollaustauschers

Hierbei handelt es sich um eine sehr wichtige Maßnahme, da sie die Leistung der
Produktionseinheit ausdrückt. Die Austauschqualität wird durch den Übertra-
gungskoeffizienten dargestellt; vgl. Abschn. 3.4.
5.4 Kontrolle und Beobachtung 103

Abb. 34 T1 = Eingangstemperatur des Kühlwassers; T2 = Ausgangstemperatur des Kühl-


wassers; t1 = Eingangstemperatur des Verfahrens; t2 = Ausgangstemperatur des Verfahrens
(alles in °C)

Das Messen und die systematische Kontrolle des Wärmeübertragungskoeffi-


zienten können also mit der Kenntnis von sechs Werten, vier Temperaturen und
zwei Mengen durchgeführt werden. Auch hier müssen zuverlässige Messungen
zur Verfügung stehen.
Zu den Kontrollmethoden des Kesselsteins und der Verschmutzung gehören
auch analytische Überprüfungsmethoden.
Prüfung des Umlaufwassers
• Vergleich der Konzentrationsverhältnisse: TH Ca, SO4, DI, wenn dies möglich
ist,
• Bakterienzählung.
Prüfung der wiederverwendeten Ablagerungen
• quantitative und qualitative Dosierung der Elemente,
• Analyse durch Spektroskopie mit Röntgenstrahlen, die die Identifizierung der
Mineralverbindungen und ihre Kristallisierungsform ermöglichen.
6 Korrosion und ihre Behandlung

Die Verhinderung der Korrosion in den offenen Systemen mit Kreislaufführung ist
ein Gebiet, auf dem im Laufe der letzten zwanzig Jahre große Fortschritte ge-
macht wurden. Früher wurden die Kühlsysteme mit Kreislaufführung nicht gegen
Korrosion behandelt, weil die bekannten Inhibitoren nur in großen Mengen wirk-
sam waren.
Inzwischen konnte bewiesen werden, dass die Gesamtkosten der Korrosions-
schutzbehandlung im Vergleich zu Zeit- und Ersatzkosteneinsparungen gering
sind. Tatsächlich sind die Korrosionsschutzbehandlungen noch wichtiger als die
kesselsteinverhindernden Behandlungen, da die Lebensdauer der Kühlanlage auf
dem Spiel steht. Die Beherrschung der Korrosion sichert den Fortbestand der
Installation.
Die Korrosion kann ganz allgemein als die fortschreitende Zerstörung der Bau-
stoffe durch ihre Umgebung definiert werden. Dies schließt in erster Linie die
elektrochemische Korrosion der Metalle ein, umfasst jedoch auch die mechani-
schen Erosionen: Erosion durch die in Bewegung befindlichen Feststoffe sowie
Erosion unter dem Einfluss der mit hoher Geschwindigkeit strömenden Flüssigkeit
(Kavitation). Des Weiteren umfasst sie die mikrobiologischen Angriffe auf die
Werkstoffe.

Abb. 35 Einfluss der Umgebung auf die Metalle. 1 Wärmeaustauscher aus Stahl;
2 Wärmeaustauscher aus Aluminium; 3 Kondensator aus Bronze (Kupfer, Zink, Zinn)
106 6 Korrosion und ihre Behandlung

6.1 Theorie der elektrochemischen Korrosion der Metalle

Die elektrochemische Korrosion ist die Oxidierung eines Metalls durch seine
Umgebung; wir betrachten hier als Umgebung nur das Wasser und befinden uns
daher stets in Gegenwart einer elektrochemischen Erscheinung. Man wird feststel-
len, dass die Korrosion stets mit einer Ungleichartigkeitserscheinung in Zusam-
menhang steht.

6.1.1 Korrosion durch örtliche Zellen

Ein Metall, insbesondere eine Legierung, verhält sich aufgrund der Beimengun-
gen, seiner Kristallinität und seiner mechanischen Spannungen stets wie ein hete-
rogener Werkstoff. Aus diesem Grund bestehen zwischen benachbarten Punkten
der Oberfläche schwache, aber tatsächliche Potenzialunterschiede. Da das Metall
mit dem unreinen und folglich leitenden Wasser in Berührung steht, fließt der
elektrische Strom zwischen den Metallflächen durch eine Lösung. Es entsteht
Korrosion an der Stelle, an der der Strom das Metall verlässt und in die Lösung
übergeht. Diese Fläche nennt man Anode. Die Fläche, auf der der Strom erneut
das Metall erreicht, nennt man Kathode. Außer der leitenden Lösung (Elektrolyt)
und den beiden Elektroden (Anode und Kathode) muss ein Elektronendurchgang
vorhanden sein, der den elektrischen Stromkreis ergänzt. Einerseits kann das Me-
tallgefüge den Durchgang für die Elektronen bieten, andererseits lässt sich der
Stromkreis auch durch einen physischen Kontakt zwischen zwei unterschiedlichen
Metallen der Anode und der Kathode vervollständigen.
Der einfachste Fall ist die galvanische Korrosion von zwei ungleichen Metal-
len. Bekannte Beispiele sind ein in ein Bronzeventil eingeschraubtes Stahlrohr und
Flussstahlrohre in einer Rohrwand aus Kupferlegierung eines Wärmeaustauschers.
Ein neutrales Eisenatom verliert zwei Elektronen und wird ein Eisenion Fe++ in
Lösung im Elektrolyten. Die Elektronen fließen in umgekehrter Richtung zur Bron-
zekathode (in Richtung des elektrischen Stromes) und kehren in den Elektrolyten

Abb. 36 Galvanische Korrosion


6.1 Theorie der elektrochemischen Korrosion der Metalle 107

zurück. Sie verbinden sich mit zwei positiv geladenen Wasserstoffionen, um ein
Wasserstoffgasmolekül zu bilden.
Wenn der gesamte Vorgang sich auf dieses äußerst vereinfachte Schema be-
schränken würde, würde die Korrosion aufhören, sobald das System ein Gleich-
gewicht erreicht hat. Diese Bedingung bezeichnet man mit Passivierung. Es finden
jedoch auch andere Reaktionen statt. Durch die Beseitigung der Wasserstoffionen
des Elektrolyten an der Kathode (wodurch Wasserstoffmoleküle erzeugt werden)
wird ein Überschuss an Hydroxylionen (OH-) frei. Letztere reagieren mit den
Eisenionen und bilden das Eisen(II)-hydroxid
Fe++ + 2 OH- Æ Fe (OH)2.
Das Eisen(II)-hydroxid schlägt sich nieder und ermöglicht der Korrosionsreak-
tion sich fortzusetzen.
Wenn Sauerstoff im Wasser vorhanden ist – wie bei umlaufendem Kühlwasser –,
finden weitere Reaktionen statt. Der Sauerstoff reagiert mit dem Eisen(II)-hydroxid
an der Anode, um Eisen(III)-hydroxid zu bilden, das noch unlöslicher ist. An der
Kathode reagiert der erzeugte Wasserstoff mit dem Sauerstoff, um Wasser zu bil-
den. Dabei finden folgende Nebenreaktionen statt:
Fe++ + 2 OH- Æ Fe (OH)2 O2 + 2 H2O + 4e Æ 4 OH-
4 Fe (OH)2 + O2 + H2O Æ 4 Fe (OH)3 4 H+ + 4 OH- Æ 4 H2O.
Bei einer Metallpaarung kann vorausgesagt werden, welches der beiden Metal-
le angegriffen wird. Wenn zwei der in Tabelle 29 angeführten Metalle miteinander
verbunden werden, korrodiert in den meisten Fällen das Metall, das den höheren
Rang einnimmt.
Es wurde festgestellt, dass es nicht erforderlich ist, zwei ungleiche Metalle in
einem System zu haben. Viele Metalle, insbesondere Eisen, können sowohl Ano-
den- als auch Kathodenzonen aufweisen. Werden sie in einen Elektrolyten ge-
taucht, fließt der Strom von der Anodenzone zur Kathodenzone, und es findet eine
Korrosion statt.

Eisen(II)- und Eisen(III)-hydroxid-Ablagerungen

Abb. 37 Korrosion durch Eisen(II)- und Eisen(III)-hydroxid-Ablagerungen


108 6 Korrosion und ihre Behandlung

Tabelle 29 Potenziale bestimmter Metalle im Vergleich zu einer Kalomelelektrode mit


einer einzehntelnormalen Kaliumchloridlösung

Metall Potenzial (in Volt) in einer


normalen NaCl-Lösung
Magnesium − 1,73
Zink − 1,00
Aluminium − 0,85
Kadmium − 0,81
Eisen − 0,63
Blei − 0,55
Zinn − 0,49
Bronze − 0,28
Kupfer − 0,20
Rostfreier Stahl (18-8) − 0,15
Monel − 0,10
Silber − 0,08
Nickel − 0,07
Inconel − 0,04
Anmerkung: Mit einer anderen Bezugselektrode, z. B. einer Wasserstoffelektrode, erhält
man andere Werte.

In der Praxis befinden sich Anoden- und Kathodenzone auf ein- und demselben
Stück Metall, das selbst den Rückweg für die Elektronen bildet.
Die Spannungsunterschiede zwischen Anoden- und Kathodenzone sind u. a. auf
• die Korngrenzen,
• die Kornausrichtung,
• die Korngrößenunterschiede,
• die unterschiedlichen Wärmebehandlungen,
• die Oberflächenrauigkeit des Metalls,
• die Riefen,
• die Unterschiede in der Reaktion bei den verschiedenen Spannungen und
• die sich dort befindlichen Ablagerungen
zurückzuführen.

6.1.2 Korrosion durch Differenzialkonzentration

Selbst ein einwandfrei homogenes Metall kann korrodieren, wenn es in eine nicht-
homogene Flüssigkeit getaucht wird. Abbildung 38 zeigt den klassischen Aufbau
eines Konzentrationselements.
6.1 Theorie der elektrochemischen Korrosion der Metalle 109

Agarbrücke

Abb. 38 Aufbau eines Konzentrationselements, die sog. Agarbrücke

Im Allgemeinen ist das in die dünnste Lösung eingetauchte Metallteil anodisch


im Gegensatz zu dem in die konzentrierteste Lösung eingetauchten Metallteil. In
Abb. 38 beträgt der Spannungsunterschied 0,06 V, und das in die Natriumchlorid-
lösung von 100 ppm eingetauchte Eisen korrodiert.
Diese Art der Korrosion ist sehr weit verbreitet, da die Gegebenheiten für Kon-
zentrationsunterschiede an einer Stelle auf Seiten der Flüssigkeit genauso groß
sind wie die Gefügeunterschiede auf Seiten des Metalls.
Die häufigste Ursache für die Korrosion ist die Differenzialsauerstoffanreiche-
rung. Da sich das Wasser durch Berührung mit der an den nassen, weniger sauer-
stoffangereicherten Wandungen befindlichen Luft mit Sauerstoff anreichert, behält
jedes geringste an der Oberfläche des Metalls abgesetzte Teilchen zwischen sich
und dem Metall einen sauerstoffarmen Bereich im Vergleich zur umlaufenden
Flüssigkeit. Auf diese Weise kommt es zur Bildung eines Konzentrationselements.
Das Eisen löst sich in der sauerstoffarmen Zone (Anode) auf, und die OH-Ionen
bilden sich in der sauerstoffangereicherten Zone (Kathode). Selbst die Tempera-
turunterschiede rufen Spannungsdifferenzen hervor, z. B. durch Unterschied der
Flüssigkeitsdichte oder durch Konzentrationsunterschied eines Elektrolyten.
110 6 Korrosion und ihre Behandlung

6.1.3 Mikrobiologische Korrosion

Für den mikrobiologischen Angriff, der in Kap. 7 genauer beschrieben wird, soll
ein Beispiel angeführt werden, das im Kühlwasser am häufigsten vorkommt.
An den verschmutzten Stellen der Anlagen entwickelt sich eine Anaerobe: De-
sulfovibrio desulfuricans, die in ihrem Metabolismus die Sulfate als Sauerstoff-
quelle benutzt, indem sie Sulfide erzeugt, die das Metall mit der Bildung von
schwarzem Eisensulfid direkt angreifen. Diesen Angriff der Sulfat reduzierenden
Bakterien kann man sichtbar machen, indem man auf die schwarze Ablagerung
Salzsäure gießt, die den charakteristischen Geruch fauler Eier verbreitet.

6.2 Korrosionsarten

Es muss betont werden, dass die Korrosion niemals vollständig vermieden werden
kann. Behandlungen haben daher die Aufgabe, einen annehmbaren Wert und vor
allem eine gleichmäßige Verteilung herbeizuführen.
Die Korrosionsarten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Auswirkungen.

Die gleichmäßige Korrosion


Sie ist durch eine gleichmäßig verteilte Auflösung gekennzeichnet. Es handelt sich
hier um die am wenigsten störende Korrosion, es sei denn, sie überschreitet einen
annehmbaren Wert (in der Größenordnung von 50 Mikronen pro Jahr für norma-
len Stahl).

Die örtliche Korrosion


Diese Korrosion ist viel katastrophaler und tückischer, da sie infolge der örtlichen
Begrenzung trotz der nur geringen abgehobenen Metallmenge zu einer Schwä-
chung der Wand führt, die schnell bis zur Bildung eines Loches gehen kann.

Man unterscheidet die Grübchenkorrosion (pitting), die in der Bildung kleiner,


sich schnell bildender tiefer Löcher besteht. Diese örtlich sehr begrenzte Korrosi-
onsart trifft man vor allem bei hohen Metalloberflächentemperaturen über 60 °C
an. Dieser Angriff steht mit dem Vorhandensein von an der Wand anhaftenden
Mikroluftblasen in Zusammenhang. Die Grübchen entstehen schnell, wenn ein
Kontakt zwischen einer Stahlwand und einer Kupferwand besteht; das Kupfer
befindet sich automatisch zwischen der Kathode und der Anode, dem Eisen,
s. Tabelle 29. Aufgrund dieser Tatsache ist das Kupfer geschützt, und das Eisen
wird angegriffen.
Hieraus lassen sich Schlussfolgerungen ziehen: Es dürfen niemals Biozide auf
Kupferbasis in Apparaturen aus Eisen, verzinktem Eisen oder Aluminium ver-
wendet werden. Die Einführung eines Eisenteils in eine Anlage aus Kupfer führt
zu einer schnellen Zerstörung des Eisens (große Kathode, kleine Anode).
6.2 Korrosionsarten 111

Die Narbenkorrosion ist eine Entwicklung des Grübchenangriffs. Die Korrosi-


onsprodukte bilden über dem Loch eine braun-schwarze Eisenoxidnarbe. Es wird
noch ausgeführt, dass eine andere Art Narbenkorrosion bei den Mikrobenangriffen
eintritt; in diesem Fall enthält die Narbe Eisensulfide.
Die selektive Auflösung oder Trennung ist ein weiterer Gesichtspunkt der elekt-
rochemischen Korrosion. Sie tritt dann ein, wenn einer der Bestandteile einer
Legierung vorzugsweise angegriffen wird. Sie kann gleichmäßig verteilt oder aber
örtlich begrenzt sein.
Dabei kann es sich um die Entzinkung des Messings handeln, die poröses Kupfer
mit seinem roten Aussehen im Gegensatz zur gelben Farbe des Messings hinterlässt.
Weitere Varianten sind die Grafitisation des Gusseisens oder die Auflösung des
Eisens, die eine wenig widerstandsfähige, mit Eisenoxid versetzte Grafitstruktur
hinterlässt sowie die Entaluminisation der Aluminiumbronzen, die vor allem in
Meerwasser vorkommt.
Es können weitere Formen elektrochemischer Korrosion auftreten:
• Angriff an der Wasserlinie, d. h. an der Flüssigkeit-Gas-Trennzone; es handelt
sich hier um eine Korrosion durch Differenzialsauerstoffanreicherung.
• Spannungsrissbildung der Metalle: Die mechanischen Spannungen zwischen
den Kristallen der Legierungen sind Bereiche, in denen die Korrosion leicht an-
greifen kann. Diese Korrosion trifft man weniger häufig bei reinen Metallen an.

Abb. 39 Korrosionsgrad des Flussstahls durch nicht behandeltes umlaufendes Kühlwasser


112 6 Korrosion und ihre Behandlung

Die Erosion ist im Gegensatz zu den vorher beschriebenen Korrosionen aus-


schließlich auf mechanische Einwirkung zurückzuführen. Sie findet statt, wenn:
• ein Medium mit großer Geschwindigkeit auf eine Wand stößt,
• an der Kontaktstelle sehr kurze Hoch- und Niederdruckwechsel auftreten,
• Zugbeanspruchungen des Schutzfilms und des Metalls vorliegen und
• die elektrochemische Korrosion ihren Angriff fortsetzen kann.
Eine zu große Wasserumlaufgeschwindigkeit sowie gewisse Reinigungsvor-
gänge können ebenfalls eine bedeutende Erosion mit sich bringen.

6.3 Methoden zur Messung der Korrosion

Die Einschätzung des vorhandenen Korrosionstyps und -niveaus der verschiede-


nen Materialien im Kühlsystem ist das erste Indiz für das Qualitätsniveau einer
Behandlung. Die Genauigkeit der qualitativen Beobachtungen und das Vertrauen
in die gemessenen quantitativen Werte ermöglichen notwendige Behandlungskor-
rekturen, bevor die Korrosionen schwere Konsequenzen für den Fortbestand des
Arbeitswerkzeugs mit sich bringen.
Es gibt drei Möglichkeiten der Messung:
• mit einem Korrosionsmessgerät,
• durch Korrosionskontrolle und
• durch Überprüfung der Probekörper.
Bei allen Maßnahmen muss der Beobachtungspunkt sorgfältig bestimmt wer-
den, um falsche Interpretationen zu vermeiden. Vor allem müssen Strömungsge-
schwindigkeit und Temperatur bekannt sein und den extremsten Bedingungen des
Kreislaufs entsprechen. Die gewählten Materialien müssen denen des Systems
entsprechen.

6.3.1 Elektrische Methoden der Korrosion

Das Messprinzip bei der linearen Polarisierung besteht darin, einen geringen Po-
tenzialunterschied zwischen zwei Elektroden zu nutzen und den daraus entstehen-
den Strom – proportional zur Strömungsgeschwindigkeit – zu messen. Es gibt
Apparate, die eine unmittelbare Messung der Korrosion durch Weiterverfolgung
des Polarisierungsstroms ermöglichen.
Diese Apparate liefern außer den Korrosionsangaben [in µm pro Jahr oder mpy
(mils per year) ausgedrückt: 1 mpy = 25,7 µm pro Jahr] einen Pitting-Index (An-
gabe für die lokalisierte Korrosion).
Die Elektroden (zwei oder drei flache oder zylindrische) müssen die Material-
abstufung aufweisen, der man folgen will. Sie ermöglichen sowohl isolierte Mes-
sungen mit einem tragbaren Gerät als auch eine kontinuierliche Aufzeichnung des
6.3 Methoden zur Messung der Korrosion 113

Abb. 40 Elektrische Korrosionsmessung (Metal Samples-Dokument)

Korrosionsstromwertes. Die Apparate erfordern eine sehr genaue und manchmal


schwierige Eichung zwischen dem Korrosionsstrom und der Korrosionstiefe.
Die erhaltenen Resultate müssen mit den anderen Kontrollmitteln übereinstim-
men. Die relative Werteentwicklung bleibt das Hauptinteresse dieser Technik. Die
Messgeschwindigkeit ist ein weiterer Vorteil.
Im Falle einer Funktionsstörung des Inhibitordosierungsanschlusses kann dieses
System als Alarm dienen. Die Korrosion folgender Materialien kann verfolgt wer-
den: Carbonstahl, Kupfer, Messing, rostfreier Stahl. Die Information über Grüb-
chenkorrosion muss mit Vorsicht interpretiert werden. Abbildung 40 zeigt ein kom-
merzielles Gerät.

Abb. 41 Beispiele flacher und zylindrischer elektrischer Prüfungssonden (Metal Samples-


Dokument)
114 6 Korrosion und ihre Behandlung

6.3.2 Messungen durch Korrosionskontrolle

Die Metallstangen werden in das zu kontrollierende Umlaufwasser eingetaucht


und in regelmäßigen Abständen zum Wiegen herausgenommen. Der Gewichtsver-
lust pro Oberflächeneinheit drückt die Intensität der einheitlichen Korrosion aus.
Die Abschnitte können als Bypass auf das Netz platziert werden, entweder in
einem Korrosionsgestell oder in einer Korrosionswechsel-Räderschere. Diese
Ausstattungen sind i. Allg. aus PVC oder aus einfachem Stahl. Abbildung 42 zeigt
dieses System.
Es müssen Vorkehrungen und Überlegungen für die Konzeption, die Vorberei-
tung, die Disposition, die Überprüfung der Korrosionsreagenzgläser und ihrer
Reinigung getroffen werden.

Konzeption
• Die Verwendung von Metallen, die auch im einen oder anderen Teil des Kreis-
laufs vorhanden sind, ist zu beachten.
• Die Fixierung der Reagenzgläser erfolgt auf einer PVC- oder Polyamid-Stange
mit Hilfe einer Schraube aus Polyamid. Diese Stange ist auf der Mitte eines
Verschlusses befestigt, der auf einem PVC-Rohr festgeschraubt ist. Das Wasser
verläuft parallel zur Länge der Kontrolllampe.
• Die Kreislaufgeschwindigkeit muss etwa 1 m/s betragen und die Befestigung
darf keine Turbulenzen verursachen.
• Die Reagenzgläser müssen auch bei Anhalten des Kreislaufs im Wasser bleiben.

Vorbereitung
• Jedes Reagenzglas wird vor dem Gebrauch mit Aceton entfettet.
• Die verwendeten Reagenzgläser haben normalerweise folgende Größe:

Abb. 42 Korrosionskontrolle mit Korrosionswechsel-Räderschere


6.3 Methoden zur Messung der Korrosion 115

Länge: 3 Zoll,
Breite: ½ Zoll,
Dicke: 1/16 Zoll,
Oberfläche: 3,38 Quadratzoll.
• Jedes Reagenzglas hat eine Sandoberfläche.
• Die Reagenzgläser gibt es in den gebräuchlichen Materialien: Stahl oder Car-
bon, Admiralsmessing, Kupfer, rostfreier Stahl 304 L und 316 L.

Säuberung
• Die Verweildauer vor jedem Wiegen muss mindestens 30 Tage betragen.
• Dem Wiegen geht eine Phase der Entfettung mit Aceton voraus.
• Die Entkalkung in einer zehnprozentigen Salzsäurelösung muss eine Minute
betragen.
• Das Bürsten und Abspülen in destilliertem Wasser und das anschließende Ein-
tauchen in Aceton dauert einige Sekunden.
• Das Trocknen bei gleichmäßiger Temperatur dauert eine Stunde; gewogen wird
auf genaue mg.

Qualitätsüberprüfung
• Nach der Abmontierung des Reagenzglases wird der Ablagerungstyp (anorga-
nisch, organisch) überprüft.
• Ein Querschnitt der Ablagerung zur Analyse wird erstellt.
• Nach der Entkalkung muss mit einem Binokular (fünfzigfache Vergrößerung)
zur Entdeckung von Narben und Rissen geprüft werden. Weitere Schritte: Iden-
tifizierung des Korrosionstyps, Zählen der Narben pro Reagenzglasfläche.

Interpretation der Resultate


Korrosion in Mikronen pro Jahr:
∆P × 365
D×A×N
∆P Gewichtsverlust in g
D Metalldichte in g/cm²
A Oberfläche des Kontrollgeräts in mm²
N Versuchsdauer in Tagen

Folgende Werte werden als gut betrachtet:


unlegierter Stahl <50 µ/Jahr
rostfreier Stahl <5 µ/Jahr
Nickellegierung vom Typ B oder C <5 µ/Jahr
Kupferlegierung <5 µ/Jahr
Aluminiumlegierung <5 µ/Jahr mit pH 8
116 6 Korrosion und ihre Behandlung

Diese einheitlichen Korrosionswerte müssen durch die Abwesenheit lokalisier-


ter Korrosion (pitting) ergänzt werden.

Prüfung der Kontrollaustauscher


• Man kann leicht auseinandernehmbare Kontrollaustauscher vorsehen und sie in
regelmäßigen Abständen überprüfen.
• Einem Netz oder einem Austauscher können Rohrteile entnommen und im
Labor geprüft werden. Anzahl und Auswahl sind allerdings oft begrenzt.
• Man kann einen Einrohr-Kontrollaustauscher installieren, um den Industrieaus-
tauscher zu simulieren. Auf diese Weise können die Probleme der Oberflächen-
temperatur, der Temperaturgradienten und der Kesselsteinablagerung korrekt
reproduziert werden. Die Korrosionserscheinungen können somit unter den
bestmöglichen Bedingungen durchgeführt werden. Dieser Versuch dauert etwa
einen Monat, wobei der Durchfluss in einer solchen Anlage ständig geprüft
werden muss. Obwohl dieses Verfahren a priori am vorteilhaftesten erscheint,
ist es unzuverlässig infolge des hohen Temperaturgradienten, der am Ein- und
Ausgang des Rohres herrscht und die Korrosion ungewöhnlich stark erhöht.
• Die Entwicklung der Analysen Fe3+, Fe2+, Cu2+ ermöglicht es, Korrosionser-
scheinungen festzustellen, vor allem was das Cu2+ betrifft.

6.4 Spontane Korrosionsbeständigkeit der Metalle

Die Metalle haben ohne vorhergehende Behandlung nicht die gleiche Korrosions-
beständigkeit. Für die weitere Vorgehensweise ist es erforderlich, die Eigenschaf-
ten jedes Metalls überschlägig zu kennen.
Eisenmetall hat ganz allgemein eine schlechte Korrosionsbeständigkeit, vor al-
lem in sauerstoffangereicherter Umgebung, wo Kathodendepolarisation besteht.
Die Korrosion wird bei niedrigen pH-Werten erheblich gesteigert, jedoch tritt ein
Angriff auch in alkalischer Umgebung ein (was auf einen schwachen amphoteren
Charakter zurückzuführen ist). Aufgrund seines geringen Preises ist es das am
häufigsten verwendete Material, selbst wenn man viel größere Dicken vorsehen
muss, um dem korrosiven Verschleiß Rechnung tragen zu können. Ein weiterer
Nachteil ist die große Menge an Korrosionsprodukten, die Verschmutzungsprob-
leme mit sich bringt.

Gusseisen enthält über 1,7 % Kohlenstoff, oft sogar bis 4 %. Es neigt sehr zur
Grafitisation, besonders in saurer oder sehr alkalischer Umgebung.

Rostfreier Stahl, der mindestens 12 % Chrom enthält, wird in belüftetem Wasser


automatisch passiviert, wobei der gelöste Sauerstoff die passivierende Oxidschicht
erneut bildet – jedoch nur bis zu einer Temperatur von 300 °C. Er ist empfindlich
gegen Chloride, die Narben hervorrufen, und gegen Korrosion an den mechani-
schen Beanspruchungen ausgesetzten Stellen.
6.4 Spontane Korrosionsbeständigkeit der Metalle 117

Verzinktes Eisen weist eine weit bessere Beständigkeit auf als Stahl, jedoch ist es
über 65 °C empfindlich gegen die Alkalität des Wassers. Außerdem ist es sehr
empfindlich gegen Kupferionen, die Narben verursachen.

Kupfer ist besonders beständig gegen hartes Wasser, das die Bildung einer Carbo-
natschutzschicht hervorruft. Es ist beständig gegen Alkalität, außer gegen Ammo-
niak und Amine. Dagegen ist es gegen sehr weiches Wasser wenig beständig
(Narben). Eine offenkundige Schwachstelle ist die mangelnde Festigkeit.

Messing und Bronze sind sehr beständig gegen Meerwasser, sind aber der Entzin-
kung unterworfen, sobald der Zinkgehalt 15 % überschreitet. Diese Tendenz wird
durch Hinzufügung von Zinn, Antimon, Phosphor oder Arsen beschränkt.

Zink wird vor allem für die Galvanisation verwendet.

Aluminium hat aufgrund seines geringen Gewichts oft das Holz ersetzt. Da dieses
Metall amphoter ist, wird es sowohl von Wasser mit niedrigem pH-Wert als auch
von Wasser mit hohem ph-Wert angegriffen; schwach saures Wasser mit einem
pH-Wert von 4,6 bis 6 hat praktisch keinen Einfluss. Aluminium ist auch äußerst
beständig bei pH-Werten von 6 bis 8; bei pH-Werten von 8 bis 9 besteht Korro-
sionsgefahr.
Bei einem pH-Wert von über 9 sowie unter 4,5 kommt man in gefährliche Be-
reiche; in den Zonen guter Stabilität fürchtet das Aluminium die Schwermetalle,
die den Angriff erheblich begünstigen. Beimengungen des Metalls selbst haben
mehr als bei anderen Metallen einen beträchtlichen Einfluss auf seine Korrosions-
beständigkeit.

Abb. 43 Einfluss des pH-Wertes auf die Korrosionsgeschwindigkeit


118 6 Korrosion und ihre Behandlung

6.5 Korrosionsschutzbehandlungen

Hier werden die Behandlungen gegen die elektrochemische Korrosion vorgestellt;


die Behandlungen gegen die biologische Korrosion erläutert Kap. 7. Da zur Kor-
rosion ein elektrochemisches Element erforderlich ist, besteht die logische Metho-
de zur Verhinderung der Korrosion darin, dieses Element zu zerstören. Um dieses
Ziel zu erreichen, bedient sich eines der Verfahren einer nicht leitenden Schranke
zwischen Metall und Elektrolyt.
Die Langelier-Gleichung (s. Abschn. 5.1.4) setzt zwangsläufig voraus, dass alle
Wasser korrosiv oder kesselsteinbildend sind. Es gibt Vorschläge, die Korrosion
zu kontrollieren, indem man die Stabilitätszahl so einstellt, dass sich eine feine,
anhaftende Kesselsteinschicht auf der Metallfläche absetzt, die sie vom Elektroly-
ten isoliert.
Die Stabilitätszahl ist jedoch äußerst temperaturempfindlich. Erhält man die
den Schutz gewährleistende Stabilitätszahl von der Durchschnittstemperatur eines
Kühlsystems aus, stellt man fest, dass nur der Mittelteil des Kühlers geschützt ist.
Eine Kesselsteinablagerung erfolgt an den warmen Enden, und die Korrosion
greift die kalten Endpunkte an. Aufgrund dieser Tatsache ist die Methode für die
Kühlsysteme absolut unbrauchbar. Sie wird nicht mehr verwendet.
Das Grundprinzip der Kühlwasserbehandlung besteht heute darin, das Umlauf-
wasser bewusst korrosiv zu machen (u. a. zur Vermeidung von Kesselstein), und
dann eine Inhibitorenverbindung zuzusetzen, um die Korrosion zu verhindern.
Bei einer gleichmäßig verteilten Korrosion (das ist das vorrangige Ziel) werden
folgende Werte akzeptiert:
sehr schwache Korrosion <0 µ pro Jahr
mäßige Korrosion 20 bis 100 µ pro Jahr
unzulässige Korrosion >150 µ pro Jahr.
Es sei daran erinnert, dass die Kühltürme in folgenden pH-Bereichen arbeiten:
pH 6 bis 7 pH 7 bis 8 pH 8 bis 9.
Die Wahl der pH-Zone erfolgt nach dem möglichen Konzentrationsverhältnis,
der Qualität des Zulaufwassers, der Verfügbarkeit und den Kosten des Wassers.
Die Korrosionsinhibitoren sind anorganische oder organische Moleküle, die
deutlich die Korrosion verringern, wenn sie dem Kreislaufsystem beigemischt
werden. Die Auswahl ist groß, lässt sich jedoch auf drei Gruppen einschränken:
• Anioneninhibitoren bilden einen äußerst dünnen Schutzfilm auf den Anoden-
zonen, wenn sie in kleinen Mengen verwendet werden. Wenn sie in größeren
Mengen verwendet werden, besteht der Film auf der ganzen Fläche. Werden sie
allein eingesetzt, müssen große Mengen verwendet werden, um zu wirken. An-
dernfalls können sie, indem sie ungeschützte Zonen hinterlassen, den Angriff
durch Narben begünstigen.
6.5 Korrosionsschutzbehandlungen 119

• Kathodeninhibitoren erzeugen eine Kathodenpolarisation, welche die Reak-


tion an den Kathoden hemmt. Diese Inhibitoren werden als sicherer betrachtet;
selbst bei Unterdosierung neigen sie nicht zum Narbenangriff.
• Organische Inhibitoren bilden einen dritten Typ, der sich vollkommen von
den beiden anderen unterscheidet. Der Monomolekularschutz bleibt durch Ad-
sorption auf dem Metall erhalten, ohne dass eine bemerkenswerte Änderung
des Oxidationspotenzials des Metalls eintritt.

Synergie zwischen den Inhibitoren

Einer der größten Fortschritte auf dem Gebiet des Korrosionsschutzes ist die Fest-
stellung, dass die Mischung von Inhibitoren, meistens Anionen- und Kationenin-
hibitoren, nicht nur eine bessere Wirkung als jeder einzelne Inhibitor haben, son-
dern dass viel kleinere Mengen genügen, um ein ausreichendes Ergebnis zu
erreichen. Günstige Behandlungskosten und eine bessere Wirksamkeit sind die
Vorteile der gemischten Verwendung.

Beschreibung der Inhibitoren


Tabelle 30 gibt einen Überblick über die derzeit verwendeten Inhibitoren.

Polyphosphate (kathodisch)
Polyphosphate sind kondensierte Formen der Phosphorsäure, die in Form von
Alkalisalz verwendet werden. Ihre allgemeine Formel ist:

n ist der Polymerisationsgrad.


n = 0 Orthophosphat, ein Anodeninhibitor
n = 1 Pyrophosphat
n = 2 Tripolyphosphat
Wenn n größer als 3 ist, haben die Produkte keine deutliche kristalline Struktur
mehr, sondern werden glasig. Die am häufigsten verwendeten Inhibitoren sind:
n = 5 Hexametaphosphat und
n = 9 Dekaphosphat.
120 6 Korrosion und ihre Behandlung

Tabelle 30 Inhibitoren zur Korrosionsschutzbehandlung

Anodisch Kathodisch Organisch


Orthophosphate Polyphosphate Phosphonate
Nitrite Zink Thiazole
Orthosilikate Molybdate Triazole
Polysilikate Filmbildende Amine
Tannine

Sie haben folgende Merkmale:


• Die Kathodeninhibitoren bilden einen Film, der Calcium, Eisen und Phosphat
enthält. Sie werden als gefahrlos betrachtet.
• Sie benötigen mindestens 100 ppm Calcium und fällen bei über 400 ppm Cal-
cium aus.
• Sie sind wirksam bei pH-Werten von 6,5 bis 7,5 – ein Bereich, in dem ihre
Hydrolysegeschwindigkeit minimal ist. Ihre Wirksamkeit ist in Bezug auf die
Gesamtkorrosion ziemlich gering, sie verhindern jedoch die Narbenkorrosion.
• Sie reagieren nicht mit den Reduktionsmitteln im Umlaufwasser.
• Sie verursachen i. Allg. Verschmutzung und mindern den Schutz in Wasser mit
schwacher Strömung (über 0,3 m pro Sekunde). In Wasser mit schneller Strö-
mung (über 3 m pro Sekunde) wird der Film leicht beschädigt.
• Sie stellen ein Nährmittel für das Algenwachstum in den Türmen dar. Wenn sie ins
Abwasserbehandlungssystem geleitet werden, können sie in den Absetzteichen
das Wachstum der Algen verursachen. Sie können zur Eutrophierung beitragen,
jedoch durch eine geeignete Behandlung ausgeschieden werden.

Abb. 44 Korrosionsverhinderung mit 2 ppm Polyphosphat


6.5 Korrosionsschutzbehandlungen 121

• Sie schützen Kupfer und Aluminiumlegierungen nicht. In Wirklichkeit greifen


sie diese Legierungen an, jedoch kann diese Erscheinung korrigiert werden.
• Der Hauptnachteil ist ihre Hydrolyse (oder Rückbildung) in Orthophosphaten,
obwohl letztere anodische Korrosionsinhibitoren sind.

Orthophosphate (anodisch)

• Die Anodeninhibitoren können zur Narbenkorrosion (pitting) beitragen.


• Um wirksam zu sein, müssen sie in starken Konzentrationen eingesetzt werden.
• Sie können mit Kalzium Kesselsteinablagerungen und mit Eisen Verstopfungen
hervorrufen und werden daher selten verwendet.

Zink

• Es trägt zur Verstopfung bei, insbesondere bei pH-Werten über 8,0 und bei
Konzentrationen über 3 ppm, obwohl es bei einer Konzentration von 5 ppm und
einem pH-Wert von 6,5 bis 6,7 in Lösung bleibt. Die Ausfällung von Zink-
hydroxid kann durch eine Komplexverbindung mit den Phosphonaten unter
Kontrolle gebracht werden.
• Bei Konzentrationen unter 1 ppm ist es ein Nährmittel für Mikroorganismen.
Bei Konzentrationen über 3 ppm wird es für die in jeglichem biologischen
Abwasserbehandlungssystem vorhandenen Mikroorganismen toxisch.
• Es wird nie allein eingesetzt, sondern oft mit anderen Inhibitoren, da sein Film
(obwohl er sich schnell bildet) ziemlich wenig widerstandsfähig ist.
• Es ist ein Kathodeninhibitor für Stahl. Es schützt allein nicht, greift aber Kupfer
und Aluminiumlegierungen nicht an.

Abb. 45 Reduzierung der Narbenkorrosion durch 2 ppm Polyphospat


122 6 Korrosion und ihre Behandlung

Abb. 46 Korrosionsgrad des mit 60 ppm Polyphosphat behandelten umlaufenden Kühlwas-


sers (40 ppm PO4)

Molybdate (anodisch)

• Sie werden sehr selten allein verwendet, außer in sehr starken Konzentrationen.
Sie sind Kathodeninhibitoren, wenn sie mit Chromaten bei einem pH-Wert von
6,5 verwendet werden.
• Sie werden als giftig betrachtet. Ihre Verwendung ist den Behandlungen ge-
schlossener Kühlsysteme oder Systemen vorbehalten, deren Konzentrations-
verhältnis sehr hoch ist.
• Sie sind sehr teuer.

Polysilikate (kathodisch)

• Poly- und Orthosilikate haben keinerlei Wirkung auf die biologischen Abwas-
serbehandlungen und werden nicht durch reduzierte Bedingungen beeinträchtigt.
• Ihr Leistungsvermögen ist bei pH-Werten unter 7,0 nicht gut, aber ausgezeich-
net in Wasser mit geringem Feststoffgehalt bei pH-Werten über 7,5 und bis 9,0.
Im Allgemeinen werden sie mit anderen Inhibitoren verwendet.
• Sie dürfen nicht verwendet werden, wenn die natürliche Siliziumdioxidkon-
zentration über 150 ppm liegt.
• Der Schutzfilm ist schwer zu bilden und leicht zu zerstören.
• Sie schützen Kupfer und Aluminiumlegierungen.
6.5 Korrosionsschutzbehandlungen 123

Orthosilikate (anodisch)

• Sie sind selbst bei starker Konzentration nicht sehr wirksam.


• Sie können zu einer ernsthaften Narbenkorrosion beitragen.

Nitrite (anodisch)

• Nitrite waren die ersten Anodeninhibitoren, die verwendet wurden.


• Sie werden i. Allg. nicht allein verwendet.
• Sie können einen Angriff durch Narbenkorrosion verursachen.
• Sie erfordern hohe pH-Werte (über 7,5).
• Es sind starke Konzentrationen über 500 ppm erforderlich.
• Sie sind ausgezeichnete Inhibitoren für geschlossene Systeme, eignen sich
jedoch wegen ihrer schnellen Oxidation in Nitrate nicht für offene Umlaufsys-
teme. In Nitrate umgewandelt, dienen sie den Bioorganismen als Nährmittel.
• Sie sind sowohl für Menschen als auch für Tiere sehr toxisch.

Phosphonate (kathodisch)

• Sie haben eine sich den Polyphosphaten annähernde hemmende Wirkung, je-
doch mit einer viel höheren Hydrolysebeständigkeit.
• Die kesselsteinverhütende Wirkung stellt bei weitem ihren Hauptvorteil dar.
• Sie greifen Kupfer an.
• Gewisse Phosphono-Carboxylic-Moleküle weisen ausgezeichnete Schutzeigen-
schaften gegen Korrosion und Kesselstein auf. Ihre schwache Toxizität bildet
einen zusätzlichen Vorteil.

Aromatische Stickstoffe
124 6 Korrosion und ihre Behandlung

Abb. 47 Korrosionsgrad. I Keine Behandlung pH = 9; II Behandlung nur mit Phosphonat,


pH = 9; III Phosphonat/Silikat-Behandlung, pH = 9; IV Phosphonat/Chromat-Behandlung,
pH = 9

Modifizierte Tannine und Lignine (apolar)


Verschiedene Tannin- und Lignintypen werden zur Korrosionsschutzbehandlung
verwendet; ihre Wirkungsweise ist ziemlich unbestimmt: Manchmal vermeiden
sie die Kathodendepolarisation, i. Allg. bilden sie einen undurchlässigen Film oder
verbessern eher die Qualität der Filme. Sie werden in Verbindung verwendet. Sie
rufen selbst bei hohen Temperaturen niemals Korrosionsnarben hervor.

Merkaptobenzothiazole
Es handelt sich um spezifische Korrosionsinhibitoren für Kupfer und seine Legie-
rungen. Sie bieten selbst bei sehr geringen Mengen ausgezeichneten Schutz.
Ihre Wirkungsweise besteht in der Bildung eines kovalenten Komplexes an der
Metalloberfläche, welcher den normalen Schutz der bereits gebildeten Kupferoxi-
de oder -carbonate verstärkt. Ihr Nachteil ist die Empfindlichkeit gegenüber Oxi-
dationsmitteln.
6.5 Korrosionsschutzbehandlungen 125

Triazole
Es handelt sich um Korrosionsinhibitoren für Kupfer und seine Legierungen. Sie
sind stabil gegen Oxidationsmittel.

Synergetische Gemische
Meistens werden zwei oder mehrere Inhibitoren im Gemisch verwendet. Dadurch
werden die Einsatzgrenzen erweitert und die erforderliche Gesamtmenge herabge-
setzt. Dies ist besonders von Vorteil, wenn es sich um toxische Schwermetalle
handelt, deren Ableitungen möglichst minimiert werden müssen.
• Zink-Polyphosphat-Gemische (kathodisch)
Das Vorhandensein von Zink verzögert den Eiseneinschluss im Film und ver-
leiht diesem, obwohl er feiner ist, eine bessere Schutzwirkung. Das ist ein Vor-
teil, wenn man einen hohen Wärmeaustausch wünscht. Dieses System funktio-
niert nahe der Neutralität. Die Dispersionswirkung tritt dank der Polyphosphate
ein. Die i. Allg. verwendete Dosierung ist:
10–20 ppm PO4 und 1–3 ppm Zink.
• Zink-Phosphonat-Gemische (kathodisch)
Dieses Gemisch ermöglicht es, mit höheren pH-Werten zu arbeiten als bei den
vorhergehenden Produkten, da der Schutz gegen Kesselstein sehr viel größer
ist. Um die Korrosion des Kupfers durch die Phosphonate zu vermeiden, fügt
man einen Inhibitor der Familie der Triazole hinzu, wenn dieses Metall und
seine Legierungen im Umlaufsystem vorhanden sind.
• Zink-Tannin- oder Zink-Lignin-Gemische
Die Kathodenwirkung des Zinks und seine schnelle Filmbildung sind Vorteile
der Lignosulfonate. Sie werden oft in Mehrmetallsystemen mit einem organi-
schen Kupferinhibitor verwendet. Die übliche Dosierung ist:
3–5 ppm Zink.
• Phosphonat-Acrylat- oder Polyphosphat-Acrylat-Gemische
Dieses System ist den Nachteilen der Unterdosierung weniger ausgesetzt als die
Systeme mit niedrigem Chromgehalt für die hohen pH-Werte. Es ist dank sei-
ner kesselsteinverhütenden Dispersionswirkung besonders wirksam.
• Zink-Phosphonat-Polyacrylat-Gemische
Diese Formeln weisen sowohl bemerkenswerte korrosions- als auch ablage-
rungsverhindernde Eigenschaften auf.
7 Mikrobiologische Kontamination
und ihre Behandlung

Mikroorganismen sind überall in der Natur vorhanden, ob in der Luft, im Wasser


oder im Boden. Sie spielen eine grundlegende Rolle in der ständigen Kreislauffüh-
rung der Materie, die das Leben unseres Planeten ausmacht.
Das Leben der Mikroben ist für zahlreiche Industrieverfahren von Bedeutung.
Es wird ganz gezielt in der Landwirtschafts- und Lebensmittelindustrie, in der
pharmazeutischen Industrie und in einigen Branchen der chemischen Industrie
genutzt, um Moleküle zu erzeugen, die bisher den Versuchen der chemischen
Synthese widerstanden haben. Mehr und mehr werden Mikroorganismen zur Was-
serreinigung eingesetzt, wo sie die unerwünschten Nebenprodukte unserer Tätig-
keit verzehren.
Dagegen dringen sie ungewollt in die von der Industrie verwendeten Wassersys-
teme ein. Wenn die für eine oder mehrere Arten geeigneten Lebensbedingungen
gegeben sind, ist die Invasion der Mikroben der Ursprung zahlreicher Probleme:
• Verschmutzung der Anlagen und dadurch Betrieb unter schlechten Bedingun-
gen,
• Verbreitung von krankheitserregenden Bakterien, den Legionellen, durch die
von Kühltürmen erzeugten Aerosole,
• Korrosion von Kontaktelementen (Luft- und Wärmeaustauscher, Leitungen),
wodurch deren Lebensdauer verkürzt wird.

7.1 Mikrobiologie der Kühltürme

Wenn auch eine vereinzelte Zelle den Betrieb der Kühltürme in keiner Weise
stört, so sind doch die in den Kühlsystemen herrschenden Verhältnisse für die
Entwicklung von Mikroorganismen äußerst günstig:
• pH-Wert ist ziemlich nahe an der Neutralität,
• Tropentemperatur,
• Überfluss an Mineralsalzen und organischen Verbindungen, die als Nährmittel
dienen,
• ausreichendes Licht zur Fotosynthese.
128 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Während die Konzentration des Wassers i. Allg. 6 nicht überschreitet, kann die
Konzentration an Mikroorganismen aufgrund dieser Tatsache zur gleichen Zeit
mehrere Millionen betragen.
Die Mikroorganismen, die man in den Wasserkühlkreisen antrifft, gehören drei
Hauptgruppen an: Bakterien, Algen und Pilze.

7.1.1 Bakterien

Es handelt sich um mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen, die sich meistens


nicht in das Pflanzen- oder Tierreich einordnen lassen, da die Unterscheidung
zwischen beiden erst in einer höheren Entwicklungsstufe möglich ist.
Zahlreiche Bakterien scheiden Polysaccharide aus, die als Bindemittel der Ab-
lagerungen auf den Oberflächen der Austauscher dienen. Es handelt sich hierbei
um den sog. Biofilm, der die Haftunterlage für frei schwebende Materie, für die
im Wasser vorhandenen Kolloiden darstellt. Er ist Lebensraum für alle Bakterien-
arten, darunter auch der Legionellen. Das auf die Bakterien zurückführende Ge-
wicht dieser Ablagerungen liegt weit unter 1 %.
Die Anwesenheit von Bakterien in einem Kühlkreis hat an sich keine Folgen.
Probleme werden erst durch die Zusammenballung von Reststoffen im Schlamm
und in den Oberflächenverkleidungen verursacht, wo der Wärmeaustausch statt-
findet. Eine große Anzahl von Bakterienarten mit verschiedensten Eigenschaften
ist dort zu finden.

Abb. 48 Korrosionsmechanismen durch Schwefel reduzierende Bakterien


7.1 Mikrobiologie der Kühltürme 129

Bildung von Kolonien


Einige dieser Arten sind einzellig, d. h. die Bakterien bleiben isoliert. Einige bil-
den Kolonien, indem sie mehr oder weniger benachbart bleiben und von verschie-
denen Sekreten zusammengehalten werden. Die Größe der Bakterien schwankt
von 0,1 bis 80 Mikron.

Form der Zellen


• Kugel
• Bazillus oder Stäbchen
• Spirillum (Korkenzieherform, mehr oder weniger gekrümmt)

Fortpflanzung
• Sporenbildung (widerstandsfähige Form)
• keine Sporenbildung (eingekapselt)

Aktivitätstemperatur
• psychrophile Bakterien 0–25 °C
• mesophile Bakterien 25–45 °C
• thermophile Bakterien 45–70 °C

Vorhandensein von Sauerstoff


Aerobionten können nur in belüfteter Umgebung leben, um ihren Sauerstoff redu-
zierenden Metabolismus sicherzustellen. Sie können nicht in der Luft leben und
bedienen sich anderer chemischer Vorgänge (indifferente Bakterien).

Kohlenstoff-Nahrungsquelle
Die Bakterien können autotroph sein: Sie brauchen keine organischen Stoffe, da
ihre Kohlenstoffquelle das Kohlendioxid ist.
Sie können heterotroph sein: Sie verzehren sowohl mineralischen als auch or-
ganischen Kohlenstoff.
Sie können Parasiten sein, die lebenden organischen Stoff benötigen. Als
Saprophyten ernähren sie sich von leblosem organischen Stoff.
In den Kühlsystemen hat die Anwesenheit der Bakterien spezielle Auswirkun-
gen. Die eingekapselten Aerobionten, wie Aerobakter, Pseudomonas, Flavobacte-
rium, bringen i. Allg. Ablagerungsprobleme mit sich, da sie von Polysaccharid-
schleim umgeben sind, der sie vor der Umwelt schützt und ihnen bei Mangel als
Nahrung dient.
Die Sporen bildenden Aerobionten, wie der Bacillus subtilis oder der Bacillus
cereus, sind oft weniger verschmutzend, aber sie sind infolge ihrer Fähigkeit zur
Sporenbildung Bioziden gegenüber weniger empfindlich.
Schwefelbakterien dagegen verursachen außerdem Korrosionsprobleme.
130 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Thiobacillus thiooxidans (aerob) oxidiert den Schwefel oder die Sulfide oder
Sulfate und kann den pH-Wert auf 1 senken. Außerdem leben diese Bakterien mit
den darunterliegenden Anaerobionten in Symbiose.
Desulfovibrio desulfuricans, Sulfat reduzierende Bakterien, setzen Sulfate ge-
mäß folgender Reaktionen in Sulfide um:
10 H+ + SO2- + 4 Fe → H2S↑ + Fe++ + 4 H2O
und
H2S + Fe2+→FeS↓ + H2.
Da Sulfate in fast allen Wasserarten vorhanden sind, ist die Gefahr des Wachs-
tums dieser Bakteriengattung stets gegeben.
Eisenbakterien, wie Gallionella und Crenothrix, brauchen für ihren Metabolis-
mus Eisen als Energiequelle gemäß folgender Reaktion:
4 FeCO2 + O2 + 6 H2O→ 4 Fe (OH)3 + 4 CO2 + 81.000 Kalorien.
Es bilden sich gewaltige Eisenhydroxidmengen, die zu einer bedeutenden Ver-
schmutzung führen. Diese Bakterien können Grübchen oder Narben an den Eisen-
ausrüstungen verursachen.

Nitrifikationsbakterien
Hier handelt es sich um Organismen, die fähig sind, Ammoniak und dessen Deri-
vate in Salpetersäure umzusetzen. Infolge ihres niedrigen pH-Wertes greifen sie
die meisten Metalle an, vor allem Flussstahl. Sie sind schwer zu analysieren, da
sie mit anderen Organismen aller Art zusammenleben. Die bekanntesten sind
Nitrobacter und Nitrosomas.

Tabelle 31 Bakterien und ihre Eigenschaften

Typ Organismen Physische Verursachte Erforderlicher Erforderliche


Merkmale Probleme pH-Wert Temperatur

schlamm- Pseudomonas gelatinös Verstopfung 4 bis 8 20–40 °C


bildend
Flavo- flockend schützen die optimal: 7,4
bacterium korrosiven
Bakterien
keine Sporen Aerobacter schleimig
bildend
Entobacter gelb-grau isolieren das
Metall vom
Inhibitor
eingekapselte Mucoides
Aerobionten
Klebsiella
7.1 Mikrobiologie der Kühltürme 131

Tabelle 31 (Fortsetzung)

Typ Organismen Physische Verursachte Erforderlicher Erforderliche


Merkmale Probleme pH-Wert Temperatur
Proteus
Aerobsporen Bacillus gelatinös Verstopfung 5 bis 8 20–40 °C
bildend subtilis
Bacillus können faserig schützen die
cereus sein, in Faden- korrosiven
form vorkom- Bakterien,
men oder gelb, schwieriger zu
grau oder töten
orange gefärbt
sein
korrosiv Gallionella braun-roter Verstopfung 7,4 bis 9,5 20–40 °C
Schlamm
eisenablagernd Crenothrix lagern Eisen- sogar
oxid ab 10–60 °C
Leptothrix in Fadenform erhöhen die
Korrosion
Sphaerotilus Aerobionten
Streptomyces
Schwefelsäure Thiobacillus Aerobionten Korrosion des 1 bis 6 20–40 °C
erzeugend thiooxydans Metalls
(Aerobionten)
Salpetersäure Nitrobacter Aerobionten Korrosion des 20–40 °C
erzeugend Metalls
Nitrosomas
Schwefel Desulfovibrio schwarzer korrodieren 4 bis 8 20–40 °C
erzeugend Schlamm Metalle
(sulfare-
duzierend)
Aerobionten Clostridium bildet Sporen reduzieren
Chromat
Thiobacillus Anaerobionten fällen Zink aus
Gasbildung
können
unangenehme
Gerüche
verursachen
Die Bakterien der Legionellenart werden in Abschn. 7.2 behandelt.
132 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

7.1.2 Algen

Sie gehören zu den niederen Pflanzen, die im Gegensatz zu den höheren Arten
kein Saft leitendes Gewebe besitzen. Im Gegensatz zu Pilzen sind sie Chlorophyll-
träger. Für ihre Entwicklung brauchen sie Wasser, Luft und Licht. Aus diesem
Grund findet man sie in offenen Becken, vorzugsweise an der Oberfläche, und an
den Strukturen der Kühltürme.

Tabelle 32 Algen und ihre Eigenschaften

Typ Organismen Physische Verursachte Erforderlicher Erforderliche


Merkmale Probleme pH-Wert Temperatur
Grünalgen Chloroccus große ihre massive 5,5 bis 8,9 30–35 °C
Organismen Vegetation
interferiert mit
der entspre-
chenden Wasser-
versorgung
Uiolhnx kautschukartig Verstopfung
Spirogra viskös wirken gegen-
über den
Schwebstoffen
als Falle
Synedra schlaffes Gefüge schützen die
korrosiven
Bakterien
Scenedesmus erzeugen ihre
eigene Nahrung
blau bis blau-
grüne Farbe
brauchen Licht,
um zu überleben
blau-grüne Chlorococcus 6 bis 8,9 35–40 °C
Algen
Oscillatoria
Anacystis
Stichococcus
Phormidium
Diatomeen Cyclotella verwenden das 5,5 bis 8,9 18–35 °C
Navicula lösliche
Flagilaria Siliziumdioxid
Diatoma für ihr Skelett
Asterionella
7.1 Mikrobiologie der Kühltürme 133

Abb. 49 Schematischer Zellaufbau einer Alge

Sie können ein- oder mehrzellig sein und Formen aller Art annehmen; oft sind
sie fadenartig.
• Fädige Algen, wie die Oscillatoria, können 1 m Länge erreichen.
• Die Diatomeen, Einzeller, verwenden das Siliziumdioxid des Wassers, um ihr
Außenskelett aufbauen zu können.
• Die blaugrünen Algen, wie Calothrix, können den Luftsauerstoff fixieren, in-
dem sie ihn in salpetersauren Stickstoff umwandeln.
Wie alle Chlorophyllpflanzen erzeugen sie Sauerstoff und tragen somit – neben
der Belästigung, die sie durch die Verschmutzung verursachen – zu einer Be-
schleunigung der Korrosion bei.

7.1.3 Pilze

Es handelt sich hier um blattgrünfreie Pflanzen, die – wie die Algen – eine starre
Zellulosemembran besitzen. Sie können aus einzelnen Zellkörpern, aus Kolonien
einzelner Individuen oder aus mehr oder weniger verzweigten Fäden bestehen.
Was ihre Nahrung betrifft, hängen sie aufgrund ihres Chlorophyllmangels von
anderen Organismen ab, die ihnen eine organische Kohlenstoffquelle liefern kön-
nen. Sie zersetzen insbesondere den Kohlenstoff des Holzes. Aus diesem Grund
verwendet man möglichst kein Holz in den Wasseraufbereitungsanlagen.
Die Fortpflanzung der Pilze kann ungeschlechtlich durch einfache vegetative
Zellenvermehrung oder geschlechtlich mit Sporenbildung erfolgen. Sporen sind
Formen, die auch in ungünstigen Umweltverhältnissen resistent sind; sie können
sehr lange Zeit inaktiv bleiben, bis die Umgebungsbedingungen wieder günstig
sind. Außerdem sind sie beständig gegen Biozide. Es kann aber schon genügen,
wenn die Biozide die Pilze zwingen, in inaktiver Form zu verbleiben; dann kann
keine Entwicklung stattfinden.
134 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Tabelle 33 Pilze und ihre Eigenschaften

Typ Organismen Physische Verursachte Erforderlicher Erforderliche


Merkmale Probleme pH-Wert Temperatur

Schimmel- Aspergillus fädig, flaumig Fäulnis an der 2 bis 8 0–40 °C


pilze oder verworren Holzoberfläche optimal
(fädig)
Alternaria weiss oder grau Verstopfung 5 bis 6
Penicillium bilden in den bilden
meisten Fällen Korrosions-
Sporen elemente
Fusarium tragen zur
Schlammbil-
dung bei
Mucor
Streptomyces
Cladosporium
Hefepilze Trichoderma lederähnlich tragen zur 2 bis 8 0–40 °C
oder Schlammbil- optimal
kautschukartig dung bei
Torula können Schutz- Verstopfung 5 bis 6
schichten
bilden, die
Sporen gleichen
Monilla bilden
Korrosions-
elemente
Verticillum
Saccharomyces -
Endomyces
Oospora
Basidiom- Poria Basidienpilze ernsthafte 2 bis 8 0–40 °C
zetem Fäulnis im optimal
Innern des
Holzes
(höhere Lenzites weiss bis braun 5 bis 6
Pilze)
können Sporen
bilden
7.1 Mikrobiologie der Kühltürme 135

7.1.4 Biofilm

Die rasche Vermehrung der Mikroorganismen in den Kühlkreisen führt sehr oft
zur Bildung eines Biofilms, der sich auf der Oberfläche der Leitungen und der
verschiedenen Geräte der Vorrichtung ansetzt:
• Wände von Industrieeinrichtungen,
• Kanalisation,
• Bereiche, in denen die Wasserkonzentration verändert ist,
• Schwebepartikel.
Biofilme sind dafür bekannt, dass sie durch die Freisetzung von anhaftenden
Bakterien eine Bakterienverseuchung des fließenden Wassers verursachen.
Einige der abgelösten Mikroorganismen, z. B. die Legionellen, können die Ge-
sundheit der mit den Kühlkreisen in Kontakt stehenden Personen gefährden.
Eine Überwachung des Biofilms ist schwierig, da er dem Eindringen des ver-
wendeten aktiven Biozidwirkstoffs widersteht. Zur Vorbeugung kann ein Disper-
sionsmittel zusammen mit einem Biozidprodukt verwendet werden. Beide können
in derselben Formel bestehen. Bei der Behandlung mit einem oxidierenden Bio-
zidprodukt wird das Dispersionsmittel getrennt, stoßweise oder kontinuierlich
beigegeben.

Abb. 50 Biofilm in den Kühlkreisen (CBE-Dokument der Universität von Montana)


136 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Abb. 51 Ablösung des Biofilms (CBE-Dokument der Universität von Montana)

7.2 Legionärsbakterie oder Legionella pneumophila

Die Legionärskrankheit wurde erstmals 1976 nach einer Epidemie beschrieben,


bei welcher anlässlich des 58. Kongresses der American Legion in Philadelphia
200 Teilnehmer angesteckt wurden; 34 Personen starben. Seither wurden mehrere
Epidemien in Gemeinschaftswohnhäusern, Hotels, Krankenhäusern und Industrie-
anlagen beobachtet, wobei die Übertragung durch Kühltürme, Klimaanlagen und
Warmwasserverteilungsanlagen verursacht wurde. Seit 1987 ist diese Krankheit
meldepflichtig.

7.2.1 Definition und Beschreibung

Bei den Legionellen handelt es sich ursprünglich um Wasser- und Bodenbakterien.


Der gramnegative Bazillenstamm umfasst 43 Arten und 64 verschiedene Gruppen.
Legionella pneumophila ist die Ursache für 90 % der Legionellosen und in mehr
als 80 % der Fälle ist die Serogruppe 1 dieser Bakterienart (Lp1) beteiligt.
Legionellen vermehren sich, wenn die Wassertemperatur zwischen 25 und
45 °C beträgt. Sie überleben unterhalb von 25 °C und wuchern oberhalb dieser
Temperatur. Bei ungefähr 50 °C werden sie innerhalb einiger Stunden abgetötet.
Bei 60 °C beträgt die Abtötungszeit nur ca. 2 Minuten.
Abbildung 53 zeigt die Absterberate der legionella pneumophila in Bezug auf
die Temperatur. Die Bakterie lässt eine große pH-Bandbreite (6 bis 10) zu. Sie
vermehrt sich bei erhöhten Kalzium- und Magnesiumkonzentrationen sowie in
Anwesenheit von Metallrückständen und bestimmten Materialien wie Kautschuk,
PVC, Polyethylen oder Silikon. Andere Gewässer-Mikroorganismen wie Pilze,
7.2 Legionärsbakterie oder Legionella pneumophila 137

Abb. 52 Eine sich auf einer Amöbe entwickelnde Legionelle

Cyanobakterien oder freie Amöben können ihr ebenfalls nichts anhaben. Sie findet
Schutz im Biofilm, s. Abschn. 8.1.
70 °C Abtötung 100 % rasch
60 °C 90 % Abtötung in 2 min
50 °C 90 % Abtötung in 2 Std.
45 °C Wachstum
20 °C Präsenz von lebensfähigen Bakterien

Abb. 53 Absterberate der legionella pneumophila in Bezug auf die Temperatur


(nach G.W. Brundrett)
138 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Der Nachweis der Bakterie erfolgt nach der AFNOR-Norm NFT 90-431 mithil-
fe einer Technik mit Spezialnährboden. Das Ergebnis wird in koloniebildende
Einheit (KBE) pro Liter angegeben. Die Nachweisgrenze liegt zurzeit je nach
Labor bei 50 bis 100 KBE pro Liter. Das Wachstum der Bakterie auf diesem
Nährboden ist relativ langsam und dauert, je nach Art, 5 bis 10 Tage.
Eine neue Methode, die sog. Polymerase-Ketten-Reaktion (Polymerase Chain
Reaction, PCR) ist derzeit in der Entwicklung. Diese Methode hat den Vorteil, dass
schon drei Stunden nach Synchronisierung der Analyse ein Ergebnis über die An-
zahl der vorhandenen Legionellen vorliegt. Sie wird dazu beitragen, das Legionel-
lenrisiko durch kurzfristige Analyseergebnisse in den Griff zu bekommen. Die ge-
ringe Zeitdauer zwischen Entnahme und Ergebnis ermöglicht eine Modifizierung
der Behandlung, bevor die Legionellenkonzentration für den Menschen gefährlich
wird. Da Legionellen in allen Gewässern vorhanden sind, ist es schwierig, den Be-
weis für die Kontamination zu erbringen. Dazu müsste der Stamm beim Kranken
isoliert (geschieht in 20 bis 30 % der Fälle) und anhand genetischer Analysemetho-
den mit diversen Stämmen aus dem Umfeld verglichen werden. Man kann sagen,
dass diese Bakterienfamilie Teil unseres täglichen Lebens ist.

7.2.2 Kontamination und Pathologie

Die Kontamination gefährdeter Personen erfolgt durch Inhalation winziger, als


Aerosole verbreiteter kontaminierter Wassertröpfchen mit einer Größe unter 5 µm.
Diese Aerosole erreichen die Lungenalveolen, befallen die Lungenmakrophagen
und zerstören sie. Die Legionellose ist keine ansteckende Krankheit. Sie tritt in
zwei unterschiedlichen klinischen Formen auf.
Das Pontiac-Fieber ist eine benigne Form, die meistens unauffällig verläuft.
Die Legionärskrankheit stellt sich nach einer Mindestinkubationszeit von 2 bis
5 Tagen in Form einer schweren Lungeninfektion dar (mit einer Sterberate von
15 bis 40 %).
Das Risiko, an einer Legionellose zu erkranken, hängt von zahlreichen indivi-
duellen, vorübergehenden oder dauerhaften Faktoren ab: Alter, Alkoholismus, Taba-
gismus, Immundefizienz und chronische Atemwegskrankheiten. Männer sind ge-
fährdeter als Frauen.

7.2.3 Risikoinstallationen

Die Legionellen sind in ursprünglicher Form in Süßwassergewässern (Seen und


Flüssen) und feuchten Böden vorhanden. Von ihrem natürlichen Lebensraum
aus besiedelt die Bakterie die künstlichen Wasseranlagen, wenn die Bedingun-
gen für ihre Entwicklung gegeben sind. Ihre Vermehrung kann durch die Be-
dingungen in sog. Risikoinstallationen, wie Heißwasseranlagen, Kühlkreisen mit
luftgekühlten Türmen, Jacuzzi-Bädern und Luftbefeuchtern der Klimaanlagen,
begünstigt werden.
7.2 Legionärsbakterie oder Legionella pneumophila 139

Aufgrund der Untersuchung verschiedener Epidemien und isolierter Fälle


konnte die Legionärskrankheit zwei Hauptkontaminationsquellen zugeordnet wer-
den: Kühltürme und Verteileranlagen für Brauchwarmwasser.
Verteileranlagen für Brauchwarmwasser: Ursache zahlreicher Legionellose-
fälle ist die Kontamination durch ein bei der Verwendung von Brauchwarmwasser
(hauptsächlich beim Duschen) erzeugtes Aerosol.
Die Beherrschung des Legionellenrisikos in den Verteileranlagen von Brauch-
warmwasser ist nur möglich über ein Audit der Anlagen. Das bedeutet konkret:
• Modifizierung der Rohrleitungssysteme (ohne „tote Arme“),
• eine fast ständige Zirkulation zur Eingrenzung der Bereiche für Biofilmbildung
(Temperatur unter 60 °C) und
• eine mit den verwendeten Materialien, der Lebensdauer der Anlage und der
Verwendung des Wassers zu sanitären Zwecken kompatiblen Präventivbe-
handlung durch ein Oxidierungsmittel.

7.2.4 Luftkühltürme

Die in Klimaanlagen und in der Industrie gebräuchlichen Wasserkühlkreise mit


Luftkühltürmen stellen aufgrund der Wassertemperatur und des Luftkontakts die
für die Entwicklung der Legionellen idealen Voraussetzungen dar. Die Bakterien
können sich im Wasser der Leitungen entwickeln und dann durch Tropfenabriss in
Form von Mikrotröpfchen in die Außenluft entweichen.
Die durch Kesselstein und Korrosionsprodukte verursachten Ablagerungen so-
wie die oft auf den Oberflächen vorhandenen Biofilme begünstigen ihre Entwick-
lung in großem Maße. In Kap. 4 wurden die Luftkühltürme und ihre Funktions-
weise beschrieben.
Die eine Legionellenkontamination hervorrufenden Aerosole haben zwei Ent-
stehungsursachen:
• Tropfenabriss und
• Wasserausstoß in windige Gebiete.
Der Tropfenabriss betrifft nur die sog. Nasskühltürme (Energieabfuhr durch
Wasserverdunstung). Er kommt in verschiedenen Arten von Kühltürmen vor. Unter-
suchungen über diesen Vorgang haben ergeben, dass
• die Dispersion der Fahne von der Gasausströmgeschwindigkeit, die zwischen
3 und 10 m/s variiert, und der Höhe des Turms beeinflusst wird,
• der Prozentsatz des Tropfenabrisses zwischen 0,1 und 0,0005 % der rückge-
führten Wassermenge beträgt.
Die für diese Abweichung in Frage kommenden Parameter sind im Wesentlichen:
• die Qualität und der Sauberkeitsgrad des Tropfenabscheiders,
• die Erhöhung des Rückführstroms im Verhältnis zum ursprünglich vorgesehe-
nen Nenndurchfluss.
140 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Tabelle 34 Auswirkung des Tröpfchenausstoßes auf die Legionellenverbreitung


(IRH-Dokument)

Legionellen- Tröpfchen- Aerosolmenge Anzahl der beseitigten


konzentration austoßrate (in kg/h) Legionellen
(in KBE/l) (in %)
500.000 0,0005 5 250.000
500.000 0,1 1000 500.000.000
1000 0,0005 5 5000
1000 0,1 1000 1.000.000

Tabelle 34 zeigt, wie sich der Tropfenabriss auf die Ausbreitung der Legionel-
len auswirkt. Die Berechnungen wurden für einen Turm mit einem Rückführstrom
von 1000 m3/h durchgeführt.
Die in Tabelle 34 enthaltenen Informationen zeigen, dass ein gut ausgerüsteter
Turm sogar bei starker Kontaminierung weniger Legionellen in Form von Aeroso-
len in die Atmosphäre ausstößt als ein schlecht konzipierter oder verschmutzter
Turm, der 1000 Legionellen pro Liter enthaltendes Wasser abkühlt. Man stellt auch
fest, dass die Konzentrationsmessung von Legionellen im Kühlwasser (1000 KBE/l
nach der Auflage des Gesetzgebers) nicht ausreicht, um das sanitäre Risiko einzu-
schätzen.

7.2.5 Risikoanalyse

Die Analyse ermöglicht die Erstellung eines Aktionsplans für die Begrenzung des
Kontaminierungsrisikos mit Legionellen und enthält Konzeption, Wartung und
Nachkontrolle. Ihre Durchführung wurde, zusammen mit anderen Maßnahmen, in
einem Beschluss vom 13. Dezember 2004 verordnet. Die Basismethode sieht
folgende Punkte vor:

Audit der Konzeption der Anlage

• Charakterisierung des Kühlkreises


− Art der Türme
− Anzahl der Türme
− im Kühlkreis verwendete Materialien
− Beschaffenheit des Frischwassers, Konzentrationsgrad
− Wasserumlaufsystem
− Becken, „tote Arme“, Wannen
• Charakterisierung der Türme
− Anordnung, Standort
− Leistung
7.2 Legionärsbakterie oder Legionella pneumophila 141

− Anzahl der Belüftungsgebläse


− Art des Wechselkörpers
− vorhandene Tropfenabscheider, Kontrollluke

Audit der Wartungsverfahren und des Wartungshefts

• Häufigkeit und Art der Reinigung


• Entwässerung
• Kesselsteinentfernung
• Desinfizierung der Leitungen und der Türme
• Analyse der physikalisch-chemischen und mikrobiologischen Nachkontrolle
des Kühlkreises

Angewandte Analyse der Wasseraufbereitung

• Behandlungsmethoden gegen Kesselstein, Korrosion, Biozide

Vorschlag für einen Aktionsplan


Nach Kenntnisnahme der Ergebnisse des Audits werden die kritischen Punkte
identifiziert und Maßnahmen ergriffen für:
• Wartungsverfahren
• Bewertung der Wirksamkeit dieser Verfahren und Aufstellung von begleiten-
den Maßnahmen
• physikalisch-chemische und mikrobiologische Nachkontrolluntersuchung
• Aktionsplan: Alarmschwelle, Handlungsschwelle und begleitende Maßnahmen

7.2.6 Empfohlene Behandlungen

Kühlkreise müssen mit Bakteriziden behandelt werden. Im Allgemeinen werden


sie mit Wirkstoffen gegen Kesselstein und Korrosion kombiniert. Die wirksamsten
und am häufigsten angewandten Präventiv- sowie Kurativbehandlungen sind:

• Chlorierung und andere Chlorprodukte,


• Bromieren,
• organische Biozide
zusammen mit einem Biodispergens oder allein. Diese Behandlungen werden in
Abschn. 7.5 beschrieben.
Thermische Behandlungen durch Erhöhen der Temperatur auf über 60 °C kön-
nen bei Industrieanlagen nicht eingesetzt werden. Sie werden nur für Brauch-
warmwasseranlagen angewendet.
142 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Alle in den Kühlkreisen auftretenden Probleme, wie Korrosion, Verkrustung,


Verschmutzung und Mikroorganismen, sind miteinander verzahnt und müssen im
Zusammenhang betrachtet werden.

7.2.7 Gesetzliche Regelung

Folgende Texte sind derzeit gültig bzw. unterliegen einem ständigen Änderungs-
prozess:
• Rundschreiben DGS 97/311 vom 24. April 1997,
• BEH 20-22 vom 20. Mai 1997,
• Rundschreiben DGS 98/771 vom 31. Dezember 1998,
• Anleitung für richtige Anwendungen: Legionella und Kühltürme (Juni 2001),
• Präfektorale Verordnungen über Kühlmaschinenanlagen,
• Bericht des Obersten Rates des Französischen Gesundheitsamts „Legionellenri-
siko-Management“ vom November 2001,
• Rundschreiben DGS 2002/243 vom 22. April 2002,
• Verordnung vom 13. Dezember 2004.
Letztgenannte Verordnung enthält:
• Technologiekontrolle, um dem Legionellenrisiko vorzubeugen,
• vorbeugende Maßnahmen hinsichtlich des Betriebs der Anlage,
• Kontrolle des Legionellenrisikos durch Festsetzen von Grenzen und anzuwen-
denden Verfahren im Falle eines Überlaufs,
• bei der Behandlung zu beachtende Umweltaspekte.
Es soll angestrebt werden, die Legionellenkonzentration auf weniger als 1000 Ko-
lonien bildende Einheiten pro Liter zu beschränken. Die vorgegebene Analyse-
methode ist die Norm NFT 90-431.
Der Präfekt jedes Départements legt in Form einer Verordnung die Regeln fest,
an die sich jeder Industrielle halten muss. Spezifische Änderungen sind möglich,
wenn Einheiten nicht stillgelegt werden können.
Die Analysen sind einmal pro Monat durchzuführen. Unangekündigte Kontrol-
len sind möglich.
In der Anleitung für richtige Anwendungen wird für jeden Kühlkreis mit Turm
die Konsignation der Ergebnisse in einem Nachkontrollheft verlangt.

7.2.8 Nachkontrolle

Die Nachkontrolle umfasst folgende Aufgaben:


• Ermittlung der Ergebnisse aller physikalisch-chemischen und biologischen Ana-
lysen, aber auch der Ergebnisse hinsichtlich Korrosion und Ryznar-Index-Wert,
• Auflistung der im Verlauf der Kontrollbesuche gemachten Beobachtungen,
7.3 Kontrolle der Mikroorganismen 143

• die Legionellenauszählung,
• die Stilllegung des Kühlkreises,
• die unternommenen Säuberungsaktionen.
Die Beherrschung des Legionellenrisikos geht mit einer Gesamtkonzeption dieses
Problems durch Nachkontrolle und strenge Management- und Wartungsstandards
einher. Die Konzeption und die Lage der Kühltürme, die Wahl der Materialien für
den Kühlkreis und die Funktionsgrundlagen sind die wichtigsten Voraussetzungen.
Eine geeignete Wasserbehandlung, die einer regelmäßigen und strengen Nach-
kontrolle unterliegt, sowie eine Evaluierung der Wirksamkeit der Wasserbehand-
lungsverfahren müssen zum Einsatz kommen.

7.3 Kontrolle der Mikroorganismen

Wie schon beschrieben, kann die Wucherung von Mikroorganismen in den Kühl-
kreisen schwere Schäden an den verschiedenen Elementen verursachen. Es ist
deshalb äußerst wichtig, das Ausmaß des Bakterienbefalls im Kühlwasser zu
überprüfen, um die daraus resultierenden potenziellen Probleme zu erkennen und
diesen durch eine wirksame Biozidbehandlung vorbeugend zu begegnen.
Eine vollständige Analyse der vorhandenen Mikrobenfauna und -flora ist nicht
notwendig. In den meisten Fällen genügt eine Auszählung der Gesamtkeime sowie
eine semiquantitative Untersuchung der Sulfat reduzierenden Bakterien. Dadurch
ist es möglich, die wirksamste Behandlung durch Bakterizide zu bestimmen und
ihre Wirksamkeit zu verfolgen.
Die auf dem Markt befindlichen biologischen Analysekits sind einfach zu
handhaben und präzise genug zur Feststellung der Bakterienaktivität im Kühlkreis.
Abbildung 54 zeigt die Referenztabelle dieses Analysetyps mit einmaliger An-
wendung. Die Auszählung der Gesamtkeime ist ein guter Indikator für den Sau-
berkeitsgrad des Kühlkreises

Abb. 54 Bestimmung der Gesamtzahl der aeroben Bakterien (Dokument Sté France Organi-
que)
144 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Tabelle 35 Zustand des Kühlkreises und biozide Wirksamkeit

KBE/ml Zustand des Kühlkreises Behandlung


3
< 10 sehr sauber wirksam
103–105 sauber wirksam
> 105 verschmutzt notwendig
sehr verschmutzt, Risiko
> 107 von Ablagerungen notwendig

Die Ergebnisse der Analysen werden in KBE/ml angegeben (koloniebildende


Einheiten pro ml analysiertem Wasser). Die Werte in Tabelle 35 werden i. Allg.
für den Sauberkeitsgrad und die biozide Wirksamkeit akzeptiert.
Selbst wenn keine direkte Verbindung zwischen Gesamtkeimkonzentration und
Legionellen besteht, bewirkt die Höchstschwelle für die Legionellenkonzentration
von 1000 KBE/l, dass die Anzahl der Gesamtkeime unter 1000 KBE/l liegen muss.
Abbildung 55 zeigt eine Referenztabelle der Untersuchung auf anaerobe Sulfat
reduzierende Bakterien.

7.4 Schäden durch biologische Invasion

7.4.1 Korrosion

Bestimmte Mikroorganismen, die man in den Kühlsystemen antrifft, verwenden


Wasserstoff in ihrem Stoffwechselprozess. Daraus ergibt sich eine Kathodendepo-
larisation. Der von den Algen erzeugte Sauerstoff ruft ebenfalls eine Kathodende-
polarisation hervor.

Verschmutzungsgrad

Abb. 55 Bestimmung der Sulfat reduzierenden Bakterien (Dokument Sté France Organique)
7.4 Schäden durch biologische Invasion 145

Obwohl diese Polarisationserscheinungen wichtig sind, besteht der erste Bei-


trag der lebenden Organismen zur Korrosion darin, eine darunter liegende Erosion
hervorzurufen. Die organische Masse ist sehr oft mit einer großen Menge organi-
scher Ablagerungen vermengt. Diese wird in ihrer Fortbewegung behindert und
bewirkt eine differenzielle Sauerstoffanreicherung an Stellen, die der Wand mehr
oder weniger nahe liegen. Die abgedeckten Metallteile werden stark anodisch und
sind Gegenstand einer intensiven Korrosion. Außerdem verhindern die Ablage-
rungen die Wirkung der örtlichen Korrosionsschutzbehandlungen, was wiederum
die Narbenkorrosion begünstigt.
Viele mikrobiologische Arten haben selbst korrodierende Eigenschaften. Es gibt
die Sulfat reduzierenden Bakterien, die durch Senkung des pH-Wertes ein äußerst
giftiges Schwefelwasserstoffgas freisetzen. Die Bakterien, die Schwefel und Schwe-
felderivate in Schwefelsäure umsetzen, haben die gleiche Wirkung. Gleiches gilt für
die Nitrifikationsbakterien, die auf Kosten der hemmenden Nitrite Nitrate mit Sen-
kung des pH-Wertes erzeugen.

7.4.2 Ablagerungen

Die schleimerzeugenden Organismen, insbesondere die eingekapselten Bakterien,


wirken sich absolut negativ auf die Wärmeübertragung aus. Der äußerst klebende
organische Stoff bildet festhaftende Ablagerungen, in denen alle normalerweise
beweglichen mineralischen Ablagerungen, wie Schlick oder Oxide, eingeschlos-
sen sind.
Wie die Analyse zeigt, sind diese Ablagerungen sehr dick. So kann z. B. in ei-
ner Ablagerung aus 20 % organischem und 80 % mineralischem Stoff der organi-
sche Stoff 90 % des Volumens darstellen, da der organische Anteil aus Schleim
mit 85 bis 90 % Wasser besteht.
In gleicher Weise können die Eisen(III-)-hydroxid erzeugenden Bakterien
mehrmals ihr Hydroxidvolumen erzeugen.
Alle Anhäufungen dieser Art vermindern die Durchsätze und Wärmeaustausch-
kapazitäten im Austauscherteil der Anlage. Im Verdampfungsteil, d. h. im Kühl-
turm, ist die Situation genauso dramatisch. Der Wasser-Luft-Kontakt ist stark
herabgesetzt, da das Wasser über die gelatinöse Masse strömt anstatt sich korrekt
in Tropfen aufzuteilen, wodurch auch hier die Wärmeübertragung reduziert wird.

7.4.3 Holzzerstörung

Holz wird hauptsächlich von verschiedenen Pilzarten angegriffen. Die eingetauch-


ten Bereiche sind dem Angriff der am wenigsten differenzierten Pilze ausgesetzt,
während die aus dem Wasser ragenden Teile von höheren Pilzarten angegriffen
werden.
Holzteile werden deshalb mehr und mehr durch weniger empfindliche Materia-
lien ersetzt, insbesondere durch Kunststoffe.
146 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

7.5 Biozidbehandlungen

Die Biozidbehandlungen umfassen drei Hauptgruppen:


1. Oxidierende Biozide
– Chlordioxid (CIO2)
– Natriumhypochlorit oder Javellauge
– Bromieren
2. Nicht-oxidierende Biozide
3. Dispersionsmittel – Tenside.

7.5.1 Oxidierende Biozide

Chlorbehandlung

Im Jahr 1894 wurde Chlor zum ersten Mal zur Desinfizierung in einem Trinkwas-
sersystem verwendet. Man erwähnt seinen Einsatz bereits 1938 in Kühlsystemen
mit Wasserumlauf, aber es dauert noch einmal zehn Jahre bis die Verwendung
allgemein üblich wird. In der heutigen Zeit ist sie weit weniger gebräuchlich.
Das Chlorgas ist in Wasser vollständig löslich und ergibt folgende Reaktion:
H2O + Cl2 Æ HClO + HCl und HClO Æ H+ + ClO–.
Liegt der pH-Wert unter 5, liegt das Chlor in Form von Chlormolekülen vor.
Wenn der pH-Wert zwischen 5 und 6 liegt, ist das Chlor fast ganz in Form von
unterchloriger Säure HClO vorhanden. Wenn der pH-Wert über 6 liegt, tauchen
ClO- -Hypochloritionen auf und ihre Anzahl wächst bis sie überwiegt, wenn der
pH-Wert 7,5 überschreitet. Abbildung 56 stellt diesen Vorgang grafisch dar.
Das Hypochlorition verleiht den Chlorlösungen ihre desinfizierenden Eigen-
schaften. Das Oxidationsvermögen der unterchlorigen Säure ist sehr hoch. Es
sinkt, wenn der pH-Wert steigt.
Außer mit dem Wasser selbst, reagiert das Chlor auch mit zahlreichen Beimen-
gungen, die man im umlaufenden Kühlwasser antrifft.
Eine wichtige Reaktion findet mit Ammoniak und den Ammoniumverbindungen
statt. Eine weitere bedeutende Reaktion ist die Reaktion mit organischen Stoffen,
aus der toxische chlorhaltige organische Stoffe hervorgehen. Mit Ammoniak erhält
man folgende Reaktionen:
NH3 + Cl2 Æ NH2Cl + HCl (Monochloramin)
NH2Cl + Cl2 Æ NHCl2 + HCl (Dichloramin)
NHCl2 + Cl2 Æ NCl3 + HCl (Stickstofftrichlorid)
Der Ablauf dieser Reaktionen hängt zum großen Teil vom pH-Wert des Was-
sers ab. Bei einem pH-Wert über 8,5 bildet sich nur Monochloramin. Liegt der
7.5 Biozidbehandlungen 147

pH-Wert zwischen 8,5 und 4,5, so bilden sich Monochloramin- und Dichloramin-
gemische. Bei pH-Werten unter 4,5 bildet sich vor allem Stickstofftrichlorid.
Das im Wasser gelöste Chlor besitzt stark oxidierende Eigenschaften. Außer
mit Ammoniak kann es mit anderen mineralischen und organischen Stoffen rea-
gieren, wie mit oxidierbaren Metallen, Eisen- und Mangansalzen (entweder natür-
lich vorhanden oder zur Klärung zugesetzt oder aus der Korrosion der Stahlele-
mente des Systems kommend). Die Nitrite werden zu Nitraten oxidiert.
Im Kühlwasser sind viele organische Stoffe vorhanden, die mit Chlor reagieren.
Sie können vom Holz stammen, sie können aus Schmutzstoffen des Rohwassers –
wie organisches Eisen, Lignine und Humus – und aus Schmutzstoffen des Systems
– wie Phenole, leichte und schwere Kohlenwasserstoffe – sowie aus Chemikalien
bestehen, ohne die für die Wasserbehandlung verwendeten Chemikalien zu be-
rücksichtigen.
Diese organischen Substanzen bilden chlorhaltige organische Stoffe, von denen
einige, die aus dem Zusatz oder der Substitution des Chlors stammen, toxisch sind
und bakterizide, fungizide oder algizide Eigenschaften haben. Die giftigen Stoffe
stellen für das Chlorbehandlungsprogramm einen großen Vorteil dar, insbesondere
bei hohen pH-Werten von 7,5 bis 9.
Da das gelöste Chlorgas im Wasser Säuren bildet (unterchlorige Säure, Salz-
säure), reagieren diese mit der Alkalität des Wassers und neigen dazu, den pH-
Wert zu senken. Jeder zugegebene Chloranteil reduziert die Alkalität (in Form von

% freies Halogenprodukt

Abb. 56 In oxidierenden Halogenlösungen bei 20–25 °C angetroffene chemische Produkte


148 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Abb. 57 Chlorbehandlung

CaCO3) um etwa 1,22 ppm. Wenn der Chlorbedarf verhältnismäßig hoch würde
(von 20 bis 30 ppm), dann könnten niedrige pH-Werte (unter 5) weitgehend zur
Korrosion der Metallelemente beitragen. Es könnten dann alkalische Mittel erfor-
derlich werden, um den pH-Wert nahe der Neutralität zu halten.
Diese Reaktionen sind der Ursprung der sog. Bruchstelle der Chlorbehandlung
(Chlorung). Während die Chlordosis erhöht wird, wächst scheinbar der Chlorrück-
stand, da die meisten praktischen Versuche nicht zwischen dem Chlor der unter-
chlorige Säure und dem Chlor des Chloramins unterscheiden können. Während
dieser Zeit bleibt der Ammoniakstickstoff konstant. Wenn jedoch der Chlorrück-
stand eine gewisse Schwelle erreicht (ca. 8-fache Ammoniakstickstoffkonzentrati-
on), fällt er schnell ab – ebenso der Ammoniakstickstoff. Dies ist auf die Bildung
von Stickstofftrichlorid zurückzuführen.
Die relative Wirksamkeit der chlorhaltigen Stoffe als oxidierendes Biozid ist
folgende:
HClO : ClO : NH2Cl : NHCl2
entspricht ungefähr 1 : 2 : 6 : 12 für identische Kontaktzeiten.
Cl2 + 2 NaCIO2 2 CIO2 + 2 NaCl
5 NaCIO2 + 4 HCl 4 CIO2 +5 NaCl + 2 H2O

Chlordioxid
Chlordioxid ist ein rot-gelbes Gas, das sich bei der Reaktion einer Chlorlösung
oder Salzsäure mit einer Natriumchloritlösung bildet und einen pH-Wert von
7.5 Biozidbehandlungen 149

höchstens 4 besitzt. Da es sich bei Chlordioxid um ein flüchtiges Gas handelt, ist
es praktischer, wenn es in der Nähe des Verwendungsortes produziert wird.
Eine Natriumchloritlösung wird mit vom Chlorometer gelieferten Chlorwasser
oder mit einer Calciumsäure- oder NatriumhypochloritsäureLösung in einem spe-
zifischen Generator gemischt.
ClL2 + 2 NaClO2 Æ 2 ClO2 + 2 NaCl
5 NaClO2 + 4 HCl Æ 4 ClO2 + 5 NaCl + 2 H2O
Das theoretische (Gewichts-)Verhältnis zwischen Chlor und Natriumhypochlo-
rit ist ungefähr 1/3. In der Praxis muss dieses Verhältnis unter 1/2 liegen.
Im Gegensatz zu Chlor bietet Chlordioxid als Biozid zwei Vorteile: es reagiert
nicht mit Ammoniak und seine biologische Aktivität wird durch pH-Schwan-
kungen zwischen 6 und 10 nur wenig beeinträchtigt. Als Algizid ist es dem Chlor
ein wenig überlegen. Das Chlorophyll der Algen wird durch Chlordioxid zerstört.
Wasser tritt aus dem Protoplasma aus, was das Absterben der Pflanze zur Folge
hat. Es ist jedoch teurer als Chlor.

Bromierung
Die Bromierung ist eine vielversprechende Technik und eine Alternative zur Chlo-
rierung, die immer mehr Anwendung findet. Verschiedene Vorstufen von Brom
können verwendet werden:
• gasförmiges Brom,
• Bromchlorid,
• 1-Bromo-3-Chloro-5,5-Dimethylhydantoin (BCDMH),
• Bromsalze und
• ganz besonders Natriumbromid zusammen mit Natriumhypochlorit (Javellauge).

Abb. 58 Chlordioxidherstellung
150 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Die letztgenannte Technik findet große Anwendung in Kühlkreisen, die mit


freien pH-Werten funktionieren.
Bei jeder verwendeten Vorstufe ist das aktive Molekül die Hypobromsäure, die
durch folgende Reaktionen gebildet wird:
Brom: Br2 + H2O Æ HBrO + HBr
Natriumbromid: NaBr + HClO Æ HBrO + NaCl und HbrO Æ H+ + BrO-.
Die Hypobromsäure wird in ein H+-Ion und ein Hypobromition aufgespalten.
HBrO und BrO– sind gleichgewichtig und ihre Proportion hängt vom pH-Wert ab.
In Kühlwassersystemen mit alkalischem pH-Wert ist Hypobromsäure aktiver,
weil stabiler als Hypochlorsäure, wie Tabelle 36 zeigt.
Die Bromierung bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber der Chlorierung.
Obgleich bei der Stickstoffverschmutzung die Reaktion der Hypobromsäure mit
den Stickstoff- oder Ammoniakderivaten identisch mit der des Chlors ist, gilt als
bewiesen, dass diese Reaktion reversibel ist, da die gebildeten Bromamine keine
beständigen Verbindungen sind.
Brom wirkt schneller als Chlor. Es ist nicht so leichtflüchtig wie Chlor und
kann länger und leichter als Lösung verbleiben.
Die Bromierung ist wirksamer mit erhöhten pH-Werten. Das Verhältnis von
HBrO/BrO– und HClO/ClO– ist je nach pH-Wert sehr unterschiedlich, wie Tabelle
36 zeigt.
Die Hypobromsäure ist viel weniger korrosiv als ihr Chlor-Äquivalent und we-
niger umweltschädlich.
Ihre Vorteile wiegen die im Verhältnis zur Chlorierung leicht erhöhten Kosten
(zwischen 1,5 und 2) bei weitem auf. Um Hypobromsäure herzustellen, muss man
über eine Chlorquelle verfügen.
In der Praxis läuft die Bromierung auf eine Hypochlorsäure- und eine Hypo-
bromsäure-Mischung hinaus, die durch die Reaktion zwischen einem Überschuss
an Javellauge und Natriumbromid erzeugt wird. Es ist als HClO/NaBr-Verhältnis
definiert, wobei dieses Verhältnis sich zwischen 1 und 5 bis 10 bewegt. Es ist sehr
wichtig, den Wert dieses Verhältnisses zu kennen, da sich die Konzentration an
Hypobromsäure erhöht je näher das Verhältnis bei 1 liegt und die Biozidwirkung
zunimmt.

Tabelle 36 Prozentsatz von HClO und freiem HBrO im Verhältnis zum pH-Wert

pH % HClO % HBrO
7,0 90 100
7,5 50 95
8,0 25 80
8,5 10 60
9,0 5 35
9,5 0 10
7.5 Biozidbehandlungen 151

Sonstige oxidierende Behandlungen: Ozon


Die Ozonierung wird in Europa seit 1902 zur Desinfizierung des Wassers verwen-
det. In den USA schenkt man dieser Behandlung erst seit einiger Zeit Beachtung.
Ozon, eine allotrope Form des Sauerstoffs, steht an zweiter Stelle der stärksten
bekannten Oxidationsmittel. Es handelt sich um ein aus drei Sauerstoffatomen
bestehendes Molekül mit dem Symbol O3. Bei Gebrauch unter Normalbedingun-
gen befindet es sich in einem gasförmigen Zustand und ist wasserlöslich. Die
Oxidationspotenziale einiger Biozide lauten:
Ozon 2,07
Wasserstoffsuperoxid 1,77
Hypobromit 1,59
Hypochlorit 1,49
Hypojodit 1,45
Chlor 1,36
Brom 1,07
Chloramin 0,75
Jod 0,50
Sauerstoff 0,40
Aufgrund seines niedrigen Molekulargewichts enthält ein Kilogramm Ozon
mehr Moleküle als ein Kilogramm irgendeines anderen Biozids. Nachstehend ist
die Anzahl der Moleküle (× 1018), die in einer 1-ppm-Lösung vorhanden ist, für
die hauptsächlichen Biozide aufgeführt:
Ozon 12,6
Chloramin 11,7
Hypochlorit 11,5
Chlor 8,5
Hypobromit 6,2
Hypojodit 4,2
Brom 3,8
Jod 2,4
Das Ozonherstellungsverfahren besteht darin, Luft oder Sauerstoff zwischen
zwei Elektroden, zwischen denen ein Hochspannungs-Wechselpotenzial aufrecht-
erhalten wird, durchzuleiten. Die beiden Elektroden werden über einen Aufwärts-
transformator gespeist.
Oft wird eine der Elektroden geerdet. Ein dielektrischer Schirm verhindert den
Funkenüberschlag und hält die Entladung in einer regelmäßigen Korona. Diese
wird durch einen blau-violetten Lichtschein sichtbar gemacht. Wenn die Sauer-
stoffmoleküle in die Koronaentladung eindringen, werden sie geladen und in Io-
nen dissoziiert. Diese verbinden sich wieder zu Molekülen, von denen einige mehr
Atome als die beiden anfänglichen Atome enthalten.
152 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Dielektrische Elektrode

Entladungsstrecke

Elektrode

Abb. 59 Ozonherstellung

Schematisch gesehen, enthält ein Ozonisator folgende Elemente:


• Ventilator und Luftfilter,
• Luftkühlsystem, das den Überschuss der bei der Entladung erzeugten Hitze
absorbiert,
• Lufttrockner, mit dem ein Taupunkt von –50 °C bis –70 °C erreicht werden
kann,
• Ozonerzeuger,
• Ozoneinspritzsystem.
Die Auflösung des Ozons im Wasser ist eines der Schlüsselelemente einer gut
funktionierenden Anlage. Die Temperatur hat einen großen Einfluss auf den Auf-
lösungsgrad des Gases. Die Ozonlösungen verhalten sich nach dem Henry’schen
Gesetz; die aufgelösten Mengen hängen von der Temperatur und dem Druck ab.

Abb. 60 Schematischer Aufbau eines Ozonisators


7.5 Biozidbehandlungen 153

Abb. 61 Ozonisator (Dokument Ozomax)

Außerdem ist die Lösung brauchbarer, je größer die Trennfläche Gas/Wasser ist.
Etwa 1 % Sauerstoff wird in Ozon umgewandelt, wenn man einen Luftstrom
verwendet. 1,5 bis 2 % Sauerstoff werden in Ozon umgewandelt, wenn man rei-
nen Sauerstoff verwendet. Der Energiebedarf beträgt 10 bis 13 kWh pro kg umge-
wandelten Sauerstoff, wenn Luft als Sauerstoffquelle verwendet wird.
Ozon hat eine äußerst zerstörerische Wirkung auf die Vegetation. Der Ozon-
rückstand innerhalb eines Arbeitsbereiches darf 0,1 mg/l nicht überschreiten. Es
ist als Biozid aus folgenden Gründen besser als Chlor:
• Ozon reagiert nicht mit Ammoniak,
• Ozon wird nicht vom pH-Wert beeinflusst, obwohl ein pH-Wert von 6 bis 7 für
eine optimale Ozonisierung erforderlich ist,
• Ozon braucht nur 5 Minuten Kontakt, im Gegensatz zu Chlor, der 30 Minuten
braucht,
• mit erhöhter Dosis an Chlor verschwinden die lebenden Organismen nach und
nach; Ozon erzeugt einen Flammpunkt bei einer Konzentration von 0,4 bis
0,5 ppm, oberhalb dessen die lebenden Organismen vernichtet werden.
Zur besseren Wirksamkeit können gekoppelte Techniken (Ozon–UV) ange-
wendet werden.

7.5.2 Organische Biozide

In vielen Fällen scheinen die nichtoxidierenden Biozide wirksamer zu sein als die
oxidierenden. Sie werden meistens zur gleichen Zeit oder besser noch abwech-
selnd mit den Oxidationsmitteln verwendet, um einen größeren Wirkungsbereich
zu gewährleisten. Sind sie gegen die Oxydatonsmittel empfindlich, nimmt man
eine abwechselnde Behandlung vor. Sind die organischen Biozide unempfindlich,
so erhält man eine minimale Dosis des Oxidationsmittels aufrecht und gibt das
Biozid einige Tage lang in regelmäßigen Zeitabständen stärker zu.
154 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Im Laufe der letzten Jahre wurde aufgrund ihrer Toxizität und der negativen
Auswirkung auf die Umwelt auf zahlreiche Moleküle verzichtet. Es handelt sich
um folgende Verbindungen, die nicht mehr in den Kühlsystemen angewendet
werden:
• chlorhaltigen Phenole, wie das Pentachlorphenol,
• Methylen-bis-Thiocyanat,
• Sulfone und Thionine,
• organischen Zinnverbindungen, wie Tributylzinnoxid.
Die wichtigsten der heute auf dem Markt vorhandenen organischen Biozide
sind aus folgenden aktiven Molekülen gebildet:
• den Aldehyden: Formaldehyd und Glutaraldehyd (toxisch),
• 2,2-Dibrom-3-Nitrilopropionamid (DBNPA)

− den Isothiazolinen: insbesondere die Formel


5-chlor-2-methyl-4-isathiazolin-2-one/2-methyl-4-isothiazolin-3-one,
die die am meisten angewandte Formel für Industriegewässer darstellt. Sie
sind sehr wirksam in Bezug auf viele Mikroorganismen. Sie können gemein-
sam mit Chlor- und Brombehandlungen verwendet werden.

− Tetrakishydroxylmethylphosphoniumsulfat (THPS): Es besitzt einen großen


Aktionsradius und ist sehr wirksam in Bezug auf die Legionellen- und Sulfat
reduzierenden Bakterien,
− den quartären Ammoniumsalzen, die durch folgenden Aufbau charakterisiert
sind: der Stickstoff wird vier Mal durch ein organisches Radikal ersetzt, was
ihn kationisch macht; die fünfte Verbindung ist eine Elektrovalenz der Neut-
ralisation.
Für eine bakterizide Wirkung müssen Biozide insgesamt acht bis achtzehn
Kohlenstoffatome besitzen. Es gibt zahlreiche quartäre Ammoniumsalze auf dem
Markt. Sie sind sehr wirksam bei der Kontrolle der Algenentwicklung. Einige
Verbindungen können beim Einspritzen in den Kreislauf eine Schaumbildung
7.5 Biozidbehandlungen 155

hervorrufen. Durch ihren kationischen Charakter sind sie inkompatibel mit den als
Dispergierungsmitteln eingesetzten anionischen Polymeren. Die im Handel be-
findlichen hauptsächlichen Produkte sind die Chloride der Alkyltrimethylammo-
nium- und Alkyldimethylbenzylammonium-Gruppe.

Die nicht oxidierenden Biozide haben im Vergleich mit den oxidierenden Bio-
ziden eine geringere Korrosionswirkung. Sie werden ausschließlich in industriel-
len Wasserkreisläufen und oft in Verbindung mit wirkungsverstärkenden biologi-
schen Dispergiermitteln oder Tensiden verwendet. Ihre Wirkung auf die Mikro-
organismen besteht darin, dass sie deren Metabolismus stören. Sie sind in einer
großen Bandbreite von pH-Werten wirksam. Um Resistenzerscheinungen zu ver-
meiden, injiziert man periodisch stoßweise zwei Biozide abwechselnd. Die Ver-
marktung von Bioziden ist Gegenstand der Richtlinie 98/8/CE des europäischen
Parlaments.

7.5.3 Biologische Dispersionsmittel

Die biologischen Dispersionsmittel sind organische Moleküle aus der Gruppe der
Netzmittel. Sie verändern die Oberflächenspannung des Wassers und begünstigen
die Versetzung des Biofilms und das Eindringen der Biozide (Javellauge, Brom,
synthetische Bakterizide) in die biologischen Ablagerungen. Sie sind nicht toxisch
und können ohne Unterbrechung in den Behandlungen des Kreislaufs angewandt
werden. Bei Säuberungsaktionen werden sie vorrangig verwendet.
Sie können anionisch, nichtionisch oder sogar kationisch sein. Die ionische Ei-
genschaft muss bekannt sein, um Kompatibilitätsproblemen mit anderen im Was-
ser vorhandenen Behandlungsmitteln vorzubeugen.

7.5.4 Behandlungsarten

Bakterizide Behandlungen können auf zweierlei Art vorgenommen werden:


• kontinuierlich und
• diskontinuierlich.
Ziel jeder bakteriziden Behandlung ist es, die Legionellenkonzentration ständig
unter 1000 KBE/l zu halten. Danach wird das Behandlungsprogramm ausgewählt,
das zudem bestimmt wird durch die Wahl eines aktiven Stoffes, seiner Konzentra-
tion und seiner Injektionsart.
156 7 Mikrobiologische Kontamination und ihre Behandlung

Die Aktivstoffe können in zwei Kategorien eingeteilt werden:


• oxidierende Produkte: z. B. Chlorbleichlauge, Bromierung, Chlordioxid,
• organische Produkte: z. B. Isothiazolone, 2,2-Dibrom-3-Nitrilopropionamid
(DBNPA), Tetrahydroxyphosphoniumsulfat (THPS).
Charakteristisch für oxidierende Produkte ist, dass sie keine Remanenz aufwei-
sen, was einen raschen Schwund des Aktivstoffs zur Folge hat. Deshalb kann nur
eine kontinuierliche Behandlung eine Dauerwirkung garantieren. Eigenschaften
der organische Produkte sind:
• eine Minimaldosis für eine Mortalitätsrate von 100 % bei Legionellen,
• eine Halbwertszeit des Aktivstoffes in der Anlage, was bedeutet, dass der Ak-
tivstoff auf natürliche Weise im Kühlkreiswasser abgebaut wird. Dies ist ein
Vorteil hinsichtlich des Umweltschutzes und sollte bezüglich der Wirksamkeit
berücksichtigt werden,
• generell hohe Kosten.
Die Schockbehandlung ist die häufigste Methode bei organischen Bakteriziden.
Die bei jedem Schock injizierte Menge muss so bemessen sein, dass die Konzen-
tration an Aktivstoffen ständig höher ist als die Minimalkonzentration, um eine
Mortalitätsrate von 100 % erreichen zu können. Folgende Elemente müssen bei
der Dosierung berücksichtigt werden:
• die Halbwertszeit der Verweildauer im Wasser des betreffenden Kühlkreises,
• die Halbwertszeit des für die Anwendungsbedingungen vorgesehenen Aktiv-
stoffs.
Dies muss präzise im Angebot dargestellt sein, ebenso wie die aufrecht zu er-
haltende Konzentration, die in ppm an Aktivstoff ausgedrückt werden muss. Es
gibt inzwischen Dosierkits, mit denen die meisten der angebotenen Aktivstoffe
dosiert werden können und wodurch das Vorhandensein der aktiven Substanz
festzustellen ist.

7.6 Sonstige Behandlungen: UV

Der Gesundungseffekt der Sonne durch Aussenden eines unsichtbaren Lichts, des
ultravioletten Lichts, ist bekannt.
Dieses Naturphänomen wurde bei den Apparaten und UV-Sterilisatoren, deren
Prinzip die Erzeugung von ultravioletten Strahlen in einer Behandlungskammer
ist, eingesetzt und noch verstärkt. Die Strahlen inaktivieren die lebenden Zellen,
die in der den Apparat durchfließenden Flüssigkeit enthalten sind. Die DNA und
RNA der Mikroorganismen (z. B. Viren, Bakterien, Hefen, Schimmelpilze) wer-
den durch die UV-Wellenlängen (200 bis 315 Nanometer) geschädigt. Durch die
Schädigung wird die Replikation des genetischen Materials gehemmt und die
Mikroorganismen können nicht überleben oder sich vermehren.
7.6 Sonstige Behandlungen: UV 157

Abb. 62 Bakterizides Aktivitätsspektrum der UV-Strahlen

Diese Technik wird heute zur Eindämmung der Mikroorganismenvermehrung


in den industriellen Kühlwasserkreisen nur selten angewendet.
8 Inbetriebnahme der Kühlanlage

Die erste Inbetriebnahme eines neuen Kühlturmsystems mit Wasserkreislauffüh-


rung ist ein wichtiger, sorgfältig auszuführender Vorgang.
In der Tat kann ein fehlerhaftes Verfahren beim Anfahren der Anlage eine be-
deutende Herabsetzung der Lebensdauer der Wärmeaustauscher und Schwierig-
keiten im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der ursprünglich vorgesehenen
Wärmeübertragung nach sich ziehen. Die Probleme können schon wenige Wochen
nach Inbetriebnahme auftauchen.
Eine gut vorbereitete Inbetriebsetzung hingegen wird ein problemloses Funk-
tionieren und eine längere Lebensdauer der Einrichtungen zur Folge haben. Die
gründliche Vorbereitung beruht auf der Kenntnis des Systems, seiner Konzeption,
seiner Bauweise und der Behandlung in den ersten kritischen Wochen seines
Betriebs.
In jedem Kühlsystem strömt Wasser durch alle Elemente des Systems. Alles,
was das Wasser berührt, mitreißt, befördert und ablagert, kann eines oder mehrere
der zahlreichen Bestandteile des Systems beschädigen. Infolge der Wasserübertra-
gungskapazität können schwere Schäden verursacht werden. Die normale Behand-
lung des Kühlwassers zur Vermeidung der Korrosion, der Ablagerungen, der Al-
gen, nutzt die Kapazität der Beförderung der Chemikalien zu den zu schützenden
Stellen.
Nach dem Bau des Kühlturms und der zugehörigen Rohrleitungen werden die
Austauscher einer Nassprobe unterworfen und ausgespült. Das System wird dann
mit Wasser gefüllt. Zeitweise stagniert das Wasser, während der Bau fertiggestellt
wird und es kann vorkommen, dass es nicht chemisch behandelt wird.
Wird das System in Betrieb gesetzt – i. Allg. ohne oder mit geringer Leistung –,
um es z. B. auf undichte Stellen zu prüfen, wird das Wasser durch den Kühlturm
und die Anlage geleitet. Es kommt mit den Baumaterialien des Turms in Kontakt.
Wenn Wasser mit Beton in Berührung kommt, nimmt es die löslichen Substanzen
daraus auf und reißt sie durch das ganze Kühlsystem mit. Diese löslichen Substan-
zen können sich in den Versorgungsleitungen oder Austauschern absetzen oder
mit anderen im Wasser enthaltenen Stoffen reagieren und sich erneut in der Anla-
ge absetzen.
Dies gilt für jeden beliebigen, in den Rohrleitungen, Austauschern oder im
Speicher des Turms vorhandenen Stoff. Die Stoffe werden vom Wasser aufge-
nommen und entweder aufgelöst oder von einem Ende des Kühlsystems zum
anderen geleitet.
160 8 Inbetriebnahme der Kühlanlage

Oftmals findet man in den Wärmeaustauschern Holzstücke, Papier, Kunststoff


und manchmal Gegenstände, die beim Bau aus Unachtsamkeit in der Anlage ver-
gessen wurden.
Während der Inbetriebnahme sind wichtige und kritische Abschnitte getrennt in
Betracht zu ziehen:
• der Kühlturm,
• der Schutz der Wärmeaustauscher und anderer Abkühleinrichtungen,
• die Kontrollvorrichtungen der Wasserbehandlung.

8.1 Kühlturm
Kühltürme sind wichtige Teile des Kühlkreises. Weil der Kühlturm mit dem Pro-
dukt oder dem Verfahren nicht direkt in Zusammenhang steht, wird ihm weniger
Aufmerksamkeit geschenkt als den Wärmeaustauschern. Wenn der Kühlturm mit
Kesselstein oder Algen bedeckt ist, wird die Kühlung des hergestellten Produktes
nicht so schnell beeinträchtigt wie dies bei den Wärmeaustauschern der Fall wäre.
Auch den Baustoffen wird weniger Beachtung geschenkt als den anderen Elemen-
ten des Systems. Holz wird schon seit vielen Jahren nicht mehr verwendet. Es ist
durch Stahl und Beton ersetzt worden. Der Standort und die Umgebung des Turms
sind ebenfalls in Betracht zu ziehende Faktoren. Der Turm funktioniert wie ein
„Luftwäscher“ und nimmt Staub, Sporen und andere, sich in der zirkulierenden
Luft befindliche Partikel, darunter auch die Legionellenbakterien, auf.

8.2 Schutz der Wärmeaustauscher


In einem Kühlsystem mit Wasserkreislaufführung reagieren die Wärmeübertra-
gungseinrichtungen am anfälligsten auf Korrosion und Ablagerungen. Diese Ein-
richtungen können Rohrwärmeaustauscher mit Umlenkkammer und Rohrboden,

Abb. 63 Schema eines Kühlkreises mit Kühlturm


8.2 Schutz der Wärmeaustauscher 161

Plattenwärmeaustauscher, Doppelwandreaktoren oder auch Kondensatoren sein.


Dies gilt insbesondere für die aus Flussstahl hergestellten Elemente, jedoch auch
für andere, häufig verwendete Metalle.
In einem neuen System werden diese Elemente oft nicht mit einem ausreichen-
den Schutz versehen (die Ersatzelemente oder gereinigten Teile eines alten Sys-
tems dürfen davon nicht ausgenommen werden). Dies kann zu einer schnellen
Korrosion, zu Verstopfung und zum vorzeitigen Auswechseln der betroffenen
Teile führen. Um sich gegen Korrosion zu schützen, genügt es nicht, die Inbe-
triebnahme mit einer sauberen Oberfläche vorzunehmen. Es muss ebenfalls ein
geeigneter Inhibitor eingesetzt werden, um die Metallflächen schnell und wirksam
zu schützen. Ein neues Kühlturmsystem wird oft einer Nassprobe mit unbehandel-
tem oder wenig behandeltem Wasser unterworfen. Die Wärmeaustauscher enthal-
ten dann eine zeitlang stagnierendes Wasser, so dass sich Korrosion und Korro-
sionsprodukte bemerkbar machen können.
Herstellung und Montage der Wärmeaustauscher können zur Anhäufung von
Schmiermitteln, Rost usw. führen, die beseitigt werden müssen, bevor das System
in Betrieb genommen wird. Dieser Schutz muss mit dem korrosionsverhindernden
Programm, das nach Anlauf in Gang gesetzt wird, verträglich sein.
Die gewöhnliche Inbetriebnahme eines Wasserkühlsystems besteht in einer
Wasserspülung der Austauscher, wodurch jedoch der größte Teil der Fremdstoffe
nicht ausgeschieden wird. Anschließend setzt man dem Kühlsystem oft einen
Korrosionsinhibitor mit normaler Wartungskonzentration (oder mehrfach erhöhter
Konzentration) zu, um den Schutz zu gewährleisten. Selbst auf sauberen Flächen
kann es passieren, dass diese Konzentrationen nicht ausreichen, um einen guten
Schutz sicherzustellen. Auf schmutzigen Flächen kann ein intensiver örtlicher
Angriff oder ein Nadelloch (pitting) das Undichtwerden der Rohre oder eine Her-
absetzung der Wärmeübertragung zur Folge haben, was eine Reinigung und Repa-
ratur wenige Wochen nach Inbetriebnahme des Systems erforderlich macht.
Solche Auswirkungen wurden unter vielfältigen Betriebsbedingungen und bei
Einrichtungstypen aller Art beschrieben. Um die Wirkungen der Korrosion zu
zeigen, wurden zahlreiche Labortests durchgeführt: sowohl an Wärmeaustauscher-
rohren aus Flussstahl als auch an Korrosionsproben unter Einsatz starker Dosen
von Inhibitoren auf Chromatbasis und Polyphosphatbasis, die als äußerst wirksa-
me Produkte zur Korrosionsbekämpfung gelten. Es wurden Untersuchungen mit
gleichen Inhibitoren parallel zu normalen Wartungsdosen und bei bis zu 3 bis 6
mal höheren Dosen auf sauberen Flächen aus Flussstahl vorgenommen. Das Er-
gebnis zeigt, dass Korrosion und Narbenkorrosion nur mit starken Dosen und
nicht mit Wartungsdosen gemeistert werden können.
Es konnte ebenfalls nachgewiesen werden, dass Wärmeaustauscherrohre aus
Flussstahl (das Wasser strömt außerhalb des Rohrbündels), die im ursprünglichen
Zustand verwendet wurden, d. h. teilweise noch mit Öl bedeckt waren, eine bedeu-
tende Narbenkorrosion und Ablagerungen erfahren haben. Weil sie vor der ersten
Behandlung nicht richtig gereinigt worden waren, stellte man einen örtlich begrenz-
ten Angriff und Nadellöcher an der Unterseite fest.
162 8 Inbetriebnahme der Kühlanlage

Um ein Kühlturmsystem mit Wasserkreislaufführung korrekt in Betrieb zu


nehmen und um Ablagerungen und Angriff zu vermeiden, ist ein chemisches
Konditionierungsverfahren anzuwenden, das in zwei Phasen abläuft:
• komplette Reinigung,
• Bildung eines Schutzfilms.

8.2.1 Reinigung

a) Reinigung mit Säure

Eine wirksame Methode zur Beseitigung von Eisenoxid (Rost) besteht darin, die
Anlage mit einer gehemmten Säure sauer zu machen. Im Allgemeinen werden bei
einer Reinigung mit einem Tensid oder einem Alkalimittel zunächst Öle und
Rückstände beseitigt, wodurch die Ablagerungen freigelegt werden, die dann mit
Säure entfernt werden können.
Die zur Reinigung verwendeten Tenside werden nach den im Kreislauf vorhan-
denen Metallen ausgewählt: Salzsäure für gewöhnlichen Stahl, Phosphorsäure für
rostsicheren Stahl, Sulfaminsäure für Aluminium und verzinktes Eisen.
Organische, phosphorhaltige Säuren und Ester werden ebenfalls häufig einge-
setzt, vor allem wenn sie bezüglich des Metalls Eigenschaften von Netzmitteln
haben.

b) Säurefreie Reinigung
Die übliche Methode der säurefreien Reinigung besteht darin, ein Gemisch aus
Sequestriermittel und Tensid zu verwenden, um Öle und Fette sowie Gratansätze
und Rost zu beseitigen. Die Phosphatreinigungsmittel wirken gleichzeitig als Ent-
fettungs- und Rostschutzmittel.
Die verwendeten Sequestriermittel sind hauptsächlich die Nartriumsalze der
Ethylendiamintetra-Essigsäure (EDTA) oder der Glukonsäure.

c) Abwechselnde Reinigungen
In bestimmten Fällen führt man abwechselnd eine sehr aktive Säurebehandlung im
kalten Zustand und dann eine Alkalibehandlung im warmen Zustand mit geringe-
rer Geschwindigkeit durch. Letztere hat außerdem den Vorteil, eine einwandfreie
Neutralisierung der Säurereste zu gewährleisten. Letztere müssen in allen Ecken
der Anlage vollkommen neutralisiert werden, da sonst Korrosionsnarben an den
schlecht gespülten Stellen entsehen könnten.
8.2 Schutz der Wärmeaustauscher 163

8.2.2 Schutzfilm

Um die erfolgreiche Verwendung und Kontrolle der üblicherweise in den Wasser-


kühlsystemen eingesetzten Korrosionsinhibitoren zu garantieren, ist die schnelle
Bildung eines kontinuierlichen Schutzfilms notwendig. Die Inhibitorenkonzentra-
tionen, die man normalerweise im Kühlwasser kontrolliert, sind Wartungskonzen-
trationen, die den Schutzfilm auf den Metallflächen aufrechterhalten. Man braucht
3 bis 5 mal höhere Konzentrationen, um einen Schutzfilm herzustellen, der mehre-
re Tage lang bestehen bleibt.
Dies ist äußerst wichtig, wenn man einen guten Schutz wünscht und einen An-
griff der Metallflächen vermeiden will, der bei Nichtvorhandensein eines Inhibi-
tors sehr schwerwiegend sein kann. Die Methode ist bei neuen oder vor kurzem
gereinigten Wärmeübertragungseinrichtungen anzuwenden oder auch, wenn der
Schutzfilm während des Betriebs aus irgendeinem Grund zerstört worden ist.
Diese Dosen werden bei Inbetriebnahme der Anlage mehrere Tage lang auf-
rechterhalten. Bei Auswechslung oder Reinigung eines speziellen, extremen Be-
dingungen ausgesetzten Elements werden für die Dauer von einigen Stunden noch
höhere Mengen verwendet.
Der Einsatz von Inhibitoren auf Phosphatbasis gewährt einen viel besseren
Schutz, da er keine Korrosion mit breiten Grübchen (Pitting) hervorruft. Zusätz-
lich ist eine Rostbeseitigung festgestellt worden. Gewöhnlich braucht man 50 ppm
Phosphat für das ganze System, während hohe Konzentrationen den Schutz in
wenigen Stunden gewährleisten. Diese Inhibitoren sind mit den kontinuierlichen
Schutzprogrammen äußerst verträglich.
Die Verwendung anderer Inhibitoren muss unter dem Gesichtspunkt des Schut-
zes oder des Angriffs der in einem Kühlturm verwendeten verschiedenen Metalle
und unter dem Aspekt der Verträglichkeit mit den anderen Inhibitoren geprüft
werden, so dass ständige Kontrolle und Wirksamkeit sichergestellt sind. Heute
benutzt man in den Systemen aus Legierungen mit vorherrschendem Kupferanteil
nur Kupferinhibitoren.

Tabelle 37 Empfohlene Dosen für Monoinhibitoren

Inhibitor Anlaufkosten/Betriebskosten

Polyphosphat 40–60 ppm/10–30ppm


Zink 10–20 ppm/3–5 ppm
Polysilikat 40–50 ppm/10–20 ppm
Molybdat 40–60 ppm/5–20 ppm
Phosphonat 10–20 ppm/5–10 ppm
164 8 Inbetriebnahme der Kühlanlage

8.3 Kontrolle der Wasserbehandlung

Eine weitere wichtige Betrachtung ist in Bezug auf die Inbetriebnahme neuer
Systeme anzustellen. Es hat keinen Sinn, sich um einen wirksamen Schutz der
Anlage zu Beginn der Inbetriebnahme zu bemühen, wenn die Kontrollen der Was-
serbehandlung nicht ernsthaft durchgeführt werden. Wegen der hohen Kosten
scheuen viele Werke die anfängliche Installation einer Kontrollausrüstung. Im
weiteren Verlauf zerstören eine Senkung des pH-Wertes, der das System „mit
Säure reinigt“, oder eine Senkung der Inhibitorkonzentrationen, die nicht konstant
gehalten werden können, die ursprüngliche Konditionierung und rufen eine begin-
nende Korrosion hervor. Dies geschieht gewiss nicht absichtlich, da die Aufmerk-
samkeit zunächst auf die Herstellung des Produkts gelenkt wird. Nach einem
Schaden sind oft keine oder zu spät verfügbare Arbeitskräfte vorhanden. Wenn die
nachstehend aufgezählten Kontrollen zu Beginn durchgeführt und bei Inbetrieb-
nahme eines neuen Kühlsystems gewährleistet werden, halten sie mit dem gewähl-
ten Behandlungsprogramm lange Zeit den bestmöglichen Schutz aufrecht:
• genaue Kontrolle des pH-Wertes,
• Aufrechterhaltung der Inhibitorendosen auf das 2 bis 3-fache ihres normalen
Niveaus,
• Biozidzusatz, selbst wenn kein offensichtlicher Bedarf besteht,
• kontinuierliche Zugabe der Chemikalien,
• Aufrechterhaltung der Konzentrationszyklen,
• Aufrechterhaltung guter Strömungen durch die Anlage,
• Überwachung der Korrosionsgrade,
• anfängliche Konditionierung des gesamten Systems,
• sofortiges Handeln bei plötzlich auftretender Verschmutzung des Verfahrens
(Leck).
Zahlreiche Ausrüstungen, die die Inbetriebnahme, die Kontrolle und Nachkon-
trolle der Kühlkreisbehandlung erleichtern, stehen zur Verfügung. Durch die Au-
tomatisierung des Kreises, die ständige Kontrolle der Parameter und die Fernüber-
tragung der Informationen ist es möglich, Bordbücher anzulegen und Alarmstufen
für eine schnelle Intervention festzuhalten.

8.4 Schlussfolgerung

Für eine korrekte Inbetriebnahme neuer Kühlsysteme ist es notwendig, die mögli-
chen Probleme zu benennen, zu erkennen, wo sie auftreten können und in der
Lage zu sein, die richtige Entscheidung zu treffen, um sie zu verhindern. Es müs-
sen alle individuellen Elemente des Kühlsystems und das System als Ganzes –
besonders der Kühlturm und die Wärmeaustauscher – geprüft werden. Man muss
immer im Auge behalten, dass das Wasser das System verbindet, dass es die Prob-
leme hervorruft und Schädigungen weitergibt.
9 Anhang

9.1 Die Wasseranalyse

Das wichtigste Auswahlkriterium bei der Suche nach einer Behandlung ist die
Qualität des vorhandenen Wassers. Mithilfe der weiteren Analyse des behandelten
Wassers kann der richtige Verlauf des gewählten Behandlungsverfahrens verfolgt
werden.
Durch die Kontrolle des Kühlwassers sollen Ablagerungen, Korrosion und mik-
robiologische Invasion vermieden werden. Dies geschieht, indem die Konzentra-
tionen an gelösten Salzen, Phosphaten, Siliziumdioxiden usw. in den für den
Schutz notwendigen Grenzwerten aufrecht erhalten werden.
Art und Häufigkeit der Analysen schwanken je nach Nutzungsbedingungen und
der Anzahl der festgestellten Betriebszwischenfälle. Besonders bei großen Kühl-
anlagen sind häufige Analysen aufgrund der Massenträgheit, verbunden mit den
großvolumigen Becken, durch die nur eine sehr langsame Änderung der Konzent-
ration stattfindet, nicht notwendig. Im Allgemeinen genügt eine tägliche Messung
der Kalkhärte, der Konzentration an Chloriden, der Konzentration an Dispersi-
onsmitteln und Korrosionshemmern sowie des pH-Wertes. Jede Woche muss eine
Bakterienzählung vorgenommen werden.
Die Häufigkeit der Analysen und die Wahl der Methode werden mit dem Was-
serbehandler abgestimmt, der die Besonderheit jedes Kühlkreises berücksichtigen
muss.
Die Analysemethoden der Legionellenkonzentration müssen in Einklang stehen
mit der bestehenden Gesetzgebung bei Beachtung der vorgegebenen Normen. Die
Häufigkeit der Analysen schwankt je nach gemessenem Legionellenwert.
Die Analysen werden nach der Methode NFT 90-431 durchgeführt. Im Rahmen
des Legionellenrisiko-Managements können sie mit der PCR-Methode (Polymera-
se-Kettenreaktion) durchgeführt werden.
Zahlreiche Analysen können mit einfachen Mitteln von weniger qualifizierten
Arbeitskräften vor Ort durchgeführt werden. Es gibt spezielle Analysekoffer zur
Wasserbehandlung mit der Ausrüstung und den notwendigen Reagenzien für die
hauptsächlichen Analysen (Titrimetrie und Colorimetrie).
Dennoch ist es wünschenswert, die Richtigkeit der vor Ort durch Routineme-
thoden erhaltenen Ergebnisse in regelmäßigen Zeitabständen im Labor durch
qualifiziertes Personal nachprüfen zu lassen. Einige Analysen sind sowieso nur im
Labor möglich.
166 9 Anhang

Ergebnisgenauigkeit und -werte werden von einigen Faktoren beeinflusst:


Reagenzien: Sie müssen stets im gut ausgestatteten Labor von qualifizierten Ar-
beitskräften präpariert werden. Es darf nicht vergessen werden, ihre Reaktivität zu
prüfen und darauf zu achten, dass das Verfallsdatum nicht überschritten wird.
Probeentnahme: Es ist wichtig, eine repräsentative Probeentnahme des zu analy-
sierenden Wassers vorzunehmen. Die Entnahmestellen werden dementsprechend
ausgesucht. Der Behälter muss mehrmals mit dem zu analysierenden Wasser aus-
gespült werden, ehe er gefüllt wird. Wenn eine Probe aus einem Ventil oder einem
Hahn entnommen wird, lässt man das Wasser vorher einige Minuten laufen. Es
werden nur klare Wasserproben analysiert. Die gewählte Entnahmestelle sollte
durch ein Schild gekennzeichnet werden.
Temperatur: Einige Messungen sind temperaturempfindlich, z. B. der pH-Wert und
die Leitfähigkeit. Die Raumtemperatur (20–25°C) ist für die meisten Analysen
geeignet.
Auf dem Markt vorhandene Analysekoffer und Methoden sind einfach, schnell
und leicht auszuführen und bieten dennoch eine große Präzision und Reproduzier-
barkeit hinsichtlich der Ergebnisse. Sie sind ausreichend für die geläufigsten Ana-
lysen, die für die Kontrolle einer Behandlung in einem Kühlkreis notwendig sind.
Für weniger geläufige oder durch ungewöhnliche Umstände notwendige Analysen
sollte man auf ausführliche Werke wie „Die Wasseranalyse“ von J. Rodier (Dunod)
zurückgreifen.
AFNOR hat einige Referenzmethoden veröffentlicht, die man – wenn hohe
Präzision und Zuverlässigkeit erwünscht ist – bei Streitfällen oder für Forschungs-
arbeiten konsultieren kann.
Mit Mess- oder Analysegeräten können Proben kontinuierlich und mit einer
vorher festgelegten Häufigkeit durchgeführt werden. Dies betrifft die Messungen
des pH-Wertes, der Temperatur, der Leitfähigkeit, der Korrosion oder des freien
Chlors.
Mittels Aufzeichnung der Messungen kann eine repräsentative Datenbank zum
Zwecke der Behandlungsoptimierung und zum Aufspüren eventueller Funktions-
störungen erstellt werden.
9.2 Glossar 167

9.2 Glossar

Absalzung Hierbei wird ein Teil des im Wasserkreislauf vorhandenen Wassers in


den Abfluss geleitet, um das Ansteigen des Salzgehalts im Kreislaufwasser, verur-
sacht durch teilweise Verdampfung in Form von reinem Wasser, in Grenzen zu
halten.
aerob So werden Bakterien genannt, die sich bei Luftsauerstoff, in freier oder
gelöster Form, entwickeln.
Aggressivität (des Wassers) Die mit im Wasser vorhandenem überschüssigem
Kohlendioxid (aggressives Kohlendioxid) zusammenhängende Fähigkeit des Was-
sers, Kalk aufzulösen. Die Kalkauflösung setzt sich fort bis ein Kalk-Kohlensäure-
Gleichgewicht erreicht ist. Ein aggressives Wasser kann keine Kalkablagerungen
bilden. Die Aggressivität des Wassers geht im Verhältnis zu seiner Temperaturer-
höhung zurück. Die Wasseraggressivität wird in einem Versuch an Marmor ge-
messen (nicht zu verwechseln mit Korrosion).
alkalisch Gruppe einwertiger Metalle, die u. a. Natrium und Kalium enthalten. Sie
kommen in der Zusammensetzung von sog. starken Basen (oder Alkalien) vor
(Natriumcarbonat, Kaliumcarbonat).
Alkalität Gehalt einer Lösung an Ionen der OH-Gruppe. Eine Lösung ist umso
alkalischer (oder basischer) je höher ihr pH-Wert über 7 liegt.
anaerob So werden Bakterien genannt, die sich ohne Luftsauerstoff in freier oder
gelöster Form entwickeln.
Anion Negativ geladenes Ion (Beispiel: Cl−, SO4− −, HCO3−, OH−).
Anionenaustauscher Ionenaustauscherharz, das die mineralischen oder organi-
schen Anionen binden und austauschen kann, wobei der Austausch entweder un-
tereinander oder mit dem Hydroxylion OH- erfolgt. Man unterscheidet: schwach
oder mäßig basische Austauscher, die eine Mischung von Aminen enthalten; stark
basische Austauscher, die quartäre Ammonium-Radikale enthalten.
Anlagerung Physikalischer Prozess der Adhäsion von gelösten oder fein verteil-
ten Substanzen auf der Oberfläche eines festen Körpers, z. B Aktivkohle.
Anode Positive Elektrode eines Stromgenerators. Die Anionen fließen in einem
elektrolytischen System zur Anode.
Aufschlämmung Physikalisches Verfahren zur Abtrennung der Schwebestoffe in
einer Flüssigkeit, das sich die Schwerkraft zunutze macht, um sie vollständig oder
teilweise zusammenzubringen und sie auf dem Boden eines Behälters (Absetzbe-
cken) zu sammeln. Bei hohen Schwebstoffbelastungen findet die Aufschlämmung
häufig vor der Filterung statt.
Ausflockung Zusammenballung und Ausfällung von im Wasser schwebenden und
vorab koagulierten Kolloidteilchen. Diese Zusammenballung wird durch den Zu-
satz von Ausflockungsmitteln erleichtert. Durch den Einsatz neuer synthetischer
Polymere konnte die Leistung bei der Ausflockung erheblich erhöht werden.
168 9 Anhang

Ausflockungsmittel Mineralisches oder organisches Mittel, das zur Ausflockung


der im zu behandelnden Wasser vorhandenen, vorab koagulierten Stoffe eingesetzt
wird. Man unterscheidet mineralische (aktives Siliciumoxid), organische, natürli-
che (Alginate) und synthetische (Polyelektrolyten von der Art Polyacrylamid)
Ausflockungsmittel.
Base Substanz, die mehr oder weniger vollständig in einer wässrigen Lösung
zerfällt, um Hydroxylionen OH− zu erzeugen. Je mehr OH− - Ionen sie ins Wasser
abgibt, umso stärker ist die Base. Reagiert mit Säuren zu Salz und Wasser. Unter
den für die Wasserbehandlung verwendeten Basen sind zu nennen: Kalk Ca(OH)2,
Natriumhydroxid NaOH und Kaliumhydroxid KOH.
Biofilm Ein Biofilm ist eine an einer Oberfläche anhaftende Bakterienkolonie. Die
übermäßige Produktion von auf Metalloberflächen mit Wasserberührung festsit-
zenden Biomassen, ggf. zusammen mit Mineralablagerungen sind der Grund für
Probleme mit organischen Verschmutzungen und Korrosion bakteriellen Ur-
sprungs. Biofilme sind auch bekannt für die Bakterienverseuchung des Fließwas-
sers durch Freisetzen der anhaftenden Bakterien. Das ist bei den Legionellen der
Fall.
Bromieren Immer häufiger bei Industriekühlkreisen angewandte Desinfektions-
technik, die gegenüber der Chlorierung viele Vorteile bietet: bessere Leistungen
bei alkalischem Wasser, geringere Korrosion, da die Dosierung des Oxidations-
mittels geringer ist.
Calciumhydrogencarbonat Ein in kalkhaltigem Wasser vorhandenes Salz, das
eine der Ursachen für die Wasserhärte ist. Unter der Formel Ca(HCO3)2 ist es
instabil in wässriger Lösung und tendiert dazu, sich zu CaCO3 und H2CO3 (Koh-
lensäure) zu zersetzen. Durch Hitze wird dieser Vorgang beschleunigt, der zu
Kalkablagerungen (Kesselstein) auf den Austauschern sowie in den Rohrleitungs-
netzen führt.
Chloramine Durch Reaktion von Chlor Cl2 auf Ammoniak NH3 gebildete Substi-
tutionsverbindungen (Beispiel: Monochloramin NH2Cl). In mit einer Dosis unter-
halb des Umwandlungspunkts gechlortem Wasser ist das Restchlor in Form von
Chloraminen (oder gebundenem Chlor) vorhanden. Chloramine werden manchmal
bei der Desinfektion verwendet, wenn eine langsame und nachhaltige Wirkung
erwünscht ist.
Chlorierung Gewöhnlich angewandte Desinfektionstechnik, um die Entwicklung
und Vermehrung der Mikroorganismen in den Griff zu bekommen. Sie besteht
darin, dass in die Kreise aktives Chlor freisetzende, chemische Produkte, wie
Javellauge, Chlorisocyanursäuren und Chlordioxid eingespritzt werden. Vorteil:
große Wirksamkeit im Verhältnis zu den Kosten. Nachteile: korrodierende Wir-
kung auf Stahl und wenig wirksam bei alkalischen pH-Werten, wofür die Bromie-
rung vorzuziehen ist.
Chlorionenkonzentration Konzentrationseinheit von aktivem Chlor in der Chlor-
bleichlauge, Handelsname von Natriumhypochlorit. Eine Chlorionenkonzentrati-
onseinheit entspricht 3,17 Gramm aktivem Chlor pro Liter.
9.2 Glossar 169

Desinfektion Verfahren zur Reduzierung des mikrobiologischen Befalls des Was-


sers.
Eigenwiderstand Widerstand des Wassers in Bezug auf Elektrizität. Gegenteil
der Leitfähigkeit. Wird in Ohm (Ω·cm) gemessen. Das Verhältnis zwischen den
beiden Massen ist: Eigenwiderstand in Ohm · cm = 106/Leitfähigkeit in µS · cm−1.
Eluat (beim Ionenaustausch) Die während eines Regenerierungsprozesses aus
der Ionenaustauschersäule ausgeschiedene Flüssigkeit.
Enthärtung Behandlungsverfahren zur Eliminierung der Wasserhärte (verursacht
durch vorhandene erdalkalische Salze: Carbonate, Sulfate und Calcium- und Mag-
nesiumchloride). Enthärtetes Wasser verursacht keine Verkrustungen. Die Enthär-
tung erfolgt dadurch, dass das Wasser über ein mit Natriumchlorid regeneriertes
Kationenaustauscherharz (Austausch von Calciumionen mit Natriumionen) fließt.
Entkarbonisierung Aufbereitungsverfahren zur Ausscheidung der im Wasser
gelösten Hydrogencarbonate: durch Kalkaufschlämmung, wenn es sich um erdal-
kalische Bicarbonate handelt, mit Bildung von unlöslichen Carbonaten, durch
Ionenaustausch unter Freisetzung von Kohlendioxid, wobei die Chloride und Sul-
fate in der Lösung verbleiben. Einfach entkarbonisiertes Wasser ist nur teilweise
enthärtet, da es außer den Carbonaten noch andere Calcium- und Magnesiumsalze
enthalten kann.
erdalkalisch Gruppe von zweiwertigen Metallen, die unter anderem Calcium,
Magnesium und Barium enthalten. Ihre im Wasser gelösten Salze machen dessen
Härte aus.
Fouling Index (oder Verstopfungsindex) Gibt an, in welchem Maße Wasser
dazu neigt, Verstopfungen hervorzurufen. Dieses Maß wird durch den Verstop-
fungsgrad eines Filters festgelegt.
Französischer Härtegrad Konzentrationseinheit von chemischen Substanzen in
wässriger Lösung. Der bei der Wasserbehandlung zur Anwendung kommende
französische Härtegrad entspricht der Konzentration einer Lösung N/5 000. Ein
französischer Härtegrad (1°) entspricht 0,2 Milliäquivalent pro Liter. Diese Ein-
heit wird angewandt, um den Härtegrad an Calcium, Magnesium und den Ge-
samthärtegrad (TH), den t-Wert (TA) und den m-Wert (TAC) auszudrücken. Er
entspricht den verschiedenen, häufig angewandten Graden wie folgt:
1°F = 10 ppm CaCO3 = 0,56 ° deutscher Härtegrad = 0,7 englischer Härtegrad.
Gegenstromregenerierung Regenerierungsverfahren eines Ionenaustauschers,
bei dem die Regenerierlösung in umgekehrter Richtung (von unten nach oben im
Harzbett) zum behandelnden Wasser fließt. Dieses Verfahren ist im Vergleich zur
Gleichstromregenerierung effektiver.
Gehalt an gelösten Salzen Gehalt an im Wasser gelösten Stoffen. Die Konzentra-
tion wird sehr häufig in Masseneinheiten pro Volumeneinheiten (mg/l oder g/m2)
ausgedrückt oder in Einheiten der elektrischen Ionenladung pro Volumeneinheit
(meq/l oder °F).
Gesamthärte s. Härte.
Gleichstromregenerierung Regenerierungsverfahren eines Ionenaustauschers,
bei dem die Regenerierlösung im Harzbett von oben nach unten fließt.
170 9 Anhang

Härte (des Wassers) Gehalt an Calcium und Magnesium oder Gesamthärte. Der
Gesamthärtegrad TH zeigt insgesamt die Konzentration an Calcium- Ca2+ und
Magnesiumionen Mg2+ an. Der Härtegrad an Calcium (oder Calciumhärte) drückt
die Konzentration an Calciumionen Ca2+ aus. Der Härtegrad an Magnesium (oder
Magnesiumhärte) drückt den Gehalt an Magnesiumionen Mg2+ aus. Die Härtegra-
de werden durch den französischen Härtegrad ausgedrückt. Die Carbonathärte
zeigt die Konzentration an Calcium- und Magnesiumionen, die eventuell in Form
von Carbonaten ausfällen, an. Sie entspricht dem TAC, wenn der TH höher als der
TAC ist, oder dem TH, wenn der TH niedriger als der TAC ist. Die temporäre
Härte zeigt die Konzentration an Calcium und Magnesium, die nach längerem
Sieden des Wassers ausfällen, an. Die permanente Härte zeigt die Konzentration
an Calcium und Magnesium, die nach längerem Sieden im Wasser verbleiben, an.
Halogene (aus dem Griechischen: Salzerzeuger) Elemente der Gruppe VII des
Periodensystems der Elemente: Fluor, Chlor, Brom, Jod.
Hypochlorit Als chemische Verbindung mit dem Radikal ClO− wird es wie Chlor
bei der Desinfektion von Kühlwasser und der Überwachung der Algen- und Bak-
terienentwicklung im Industriewasser- und Haushaltsheißwasserkreislauf einge-
setzt. Auf dem Markt gibt es sie in flüssiger Form: Natriumhypochlorit oder Javel-
lauge bzw. in fester Form (Pulver): Calciumhypochlorit. Beide Arten werden in
Wasser verdünnt oder aufgelöst angewendet.
Ion Elektrisch geladenes Atom oder Atomansammlung, die einen Überschuss
(Anion) oder ein Defizit (Kation) an Elektronen aufweist. Durch Elektronenwan-
derung kommt es zu einem Stromdurchfluss durch einen Elektrolyten. Die positi-
ven Ionen, oder Kationen, enthalten Metalle und Wasserstoff (Beispiel: Ca2+, Na+,
H+). Die negativen Ionen, oder Anionen, enthalten Nichtmetalle und Gruppen wie
SO4− −, HCO3− usw. und das Hydroxylion OH−.
Ionenaustauscherharz Unlösliches Harz, das in Form von Granulat oder Kügel-
chen angeboten wird. Es ist i. Allg. organisch und synthetisch und enthält in seiner
Struktur saure (Kationenaustauscher) oder basische (Anionenaustauscher) Radika-
le. Es kann die auf seine Radikale fixierten, positiven oder negativen Ionen mit in
der Kontaktflüssigkeit gelösten Ionen mit demselben Zeichen austauschen, ohne
sich selbst zu verändern. Die Harze befinden sich in den Ionenaustauschersäulen,
in denen durch Perkolation die Veränderung in der chemischen Zusammensetzung
des zu behandelnden Wassers durchgeführt wird. Diese Harze werden regeneriert.
Anwendungsgebiete: Enthärtung, Entkarbonisierung, Demineralisation.
Ionengleichgewicht des Wassers Zweispaltige (Kationen und Anionen) Ergeb-
nisbilanz der Wasseranalyse, wenn der Gehalt in Milläquivalenten pro Liter oder
in französischen Härtegraden ausgedrückt ist. In dieser Bilanz müssen sich die
Gesamtzahlen die Waage halten, da in einer wässrigen Salzlösung die Summe der
Kationen und Anionen gleich ist.
Javellauge Wässrige Natriumhypochlorit-Lösung (NaClO), die besonders bei der
Wasserdesinfektion eingesetzt wird. Es handelt sich um ein sehr wirksames Oxi-
dationsmittel. Die Konzentration einer Javellauge wird durch ihren Chlorgehalt
ausgedrückt: Ein Grad Chlorgehalt entspricht 3,17 Gramm aktivem Chlor pro
9.2 Glossar 171

Liter. Die im Handel befindliche technische Lösung titriert 47 bis 50° Chlorgehalt,
was 150 g/l aktivem Chlor entspricht.
Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht Wasserzustand, bei dem der Gehalt an Cal-
cium, freiem CO2, Hydrogencarbonaten und Carbonaten so ist, dass sich die
Eigenschaften des Wassers bei Kontakt mit Kalkstein nicht verändern. Es gibt
zahlreiche grafische Methoden, um pH-Gleichgewicht oder pH-Sättigung zu
bestimmen, um anschließend zu berechnen, inwieweit Wasser Kesselsteinbildung
oder Korrosion hervorrufen kann, wenn seine Zusammensetzung bekannt und die
Temperatur vorgegeben ist.
Kationenaustauscher Ionenaustauscherharz, das die mineralischen und organi-
schen Kationen binden und austauschen kann, wobei der Austausch untereinander
oder mit einem Wasserstoffion H+ erfolgt. Man unterscheidet stark saure, durch
Schwefelradikale -SO3H charakterisierte Austauscher sowie schwach saure, durch
Carboxylradikale -COOH charakterisierte Austauscher.
Kathodenschutz Methode, bei der in die zu schützenden Kreisläufe Metallelekt-
roden mit einem im Verhältnis zum schützenden Metall geringerem Potenzial
eingeführt werden. Sie werden zu löslichen Anoden in Bezug auf das Metall, das
zur Kathode wird. Diese Art Schutz wird vor allem für unterirdische Kanalisatio-
nen, für Metalle, die mit Meerwasser in Kontakt stehen, angewendet. Sie im In-
dustriekreislauf einzusetzen, erweist sich als schwierig.
Kesselstein Gewöhnlich harte und sehr festsitzende Ablagerung, die im Wesentli-
chen aus Calciumsalzen (Carbonaten, Sulfaten, Silicaten) besteht.
Kesselsteinansatz Bildung einer harten und festhaftenden, hauptsächlich aus
Calciumsalzen bestehenden Ablagerung von Kesselstein auf den Oberflächen der
Wärmeaustauscher und den anderen Geräten der Anlage sowie in den Rohrnetzen.
Die Ablagerung verdickt sich, wenn die Temperatur steigt.
Kation Positiv geladenes Ion (Beispiele: Ca2+, Na+, H+).
Kathode Negative Elektrode eines Stromgenerators. Die Kationen fließen in
einem elektrolytischen System zur Kathode.
Koagulans Chemisches Mittel, das die Koagulation der im Wasser schwebenden
Kolloidstoffe bewirkt. Die am häufigsten verwendeten sind Aluminiumsalze wie
Sulfat, Polychloride und Eisenchlorid FeCl3. In letzter Zeit sind organische Ko-
agulierungsmittel, speziell Polyamine und PolyDADMAC, auf dem Markt.
Koagulierung Verminderung oder Unterdrückung der negativen elektrischen
Ladung, die von im Wasser schwebenden Kolloidpartikeln ausgeht, durch Koagu-
lierungsmittel wie Aluminiumsulfat oder gewisse kationische Polyelektrolyte.
Dadurch wird eine durch negative elektrische Ladung mögliche Zusammenbal-
lung, Ausflockung und Ausfällung dieser Partikel verhindert.
Kolloid Winziges (1 bis 100 µm oder 0,001 bis 0,1 mm), in einer Flüssigkeit schwe-
bendes Teilchen, auch Mizelle genannt. Durch die Koagulierung-Ausflockung wird
eine Trennung von Kolloiden und Flüssigkeit herbeigeführt.
Konzentration der gelösten Salze Progressive Erhöhung des Gehalts an gelösten
Elementen im Rücklaufwasser infolge der teilweisen Verdampfung des Kreis-
laufwassers im Kühlturm.
172 9 Anhang

Korrodierende Wirkung (des Wassers) Mit seiner physikalisch-chemischen


Zusammensetzung (pH-Wert, spezifischer Widerstand, Sauerstoffgehalt, Chloride
und Sulfate) zusammenhängende Fähigkeit des Wassers, Metalle aufzulösen.
Diese Wirkung des Wassers steigt mit der Temperatur.
Korrosion Angriff auf die Oberfläche eines Metalls durch elektrochemische Ein-
wirkung im belüfteten (Korrosion durch Sauerstoff) oder unbelüfteten (Korrosion
durch Wasserstoff) Medium. Sie kann auch durch Bakterien verursacht werden.
Die Beschädigung der Metalloberfläche durch Abrieb oder Erosion wird durch
mechanische oder physische Einwirkung, zu hohe Durchlaufgeschwindigkeit und
vorhandene Schwebstoffe hervorgerufen.
Korrosionshemmer: Chemische Mittel, die, wenn sie dem Wasser zugesetzt wer-
den, seine korrodierende Wirkung gegenüber Metallen durch Bildung einer
Schutzschicht auf den Metallen, verhindern.
Langsamfilterung Filterung von an Schwebstoffen reichem oder sehr reichem
Wasser auf körnigem Material (Sand oder meistens Anthrazit) ohne Koagulation
und vorausgehende Aufschlämmung. Durch die geringe Filterungsgeschwindig-
keit, 2 bis 5 m3/Tag · m2, kann der Druckabfall ziemlich reduziert werden. Für ein
befriedigendes Ergebnis sind mehrere Filterungsetagen notwendig.
Leitfähigkeit Fähigkeit des Wassers, elektrischen Strom zu leiten. Die Leitfähig-
keit ist das Gegenteil des spezifischen Widerstands. Sie nimmt mit dem Gehalt an
gelösten Salzen zu und hängt von der Temperatur ab. Sie wird gewöhnlich in
Mikrosiemens pro Zentimeter ausgedrückt (µS · cm−1).
m-Wert Gehalt des Wassers an Alkali (Hydroxiden), Carbonaten und Hydrogen-
carbonaten (oder alkalischen und erdalkalischen Carbonaten), der bestimmt wird
durch die Zugabe der Menge an Schwefelsäure, die notwendig ist, damit sich
Methylorange (oder Helianthin) bei einem pH-Wert von 4,3 von gelb nach orange
verändert. Der m-Wert wird in französischen Graden (°F) ausgedrückt. Der ent-
sprechende deutsche Begriff ist der m-Wert, der in deutschen Graden (°dH) aus-
gedrückt wird. Das angelsächsische Äquivalent ist „MA“ (methylorange alcalini-
ty), das gewöhnlich in ppm von CaCO3 ausgedrückt wird.
Milliäquivalent pro Liter (meq/l) Konzentrationseinheit der in einer wässrigen
Lösung gelösten Substanzen. 1 meq/l entspricht einer tausendmal verdünnten
normalen Elektrolytlösung. Das bedeutet, dass die Konzentration einer Lösung
N/1 000 meq/l 5 französischen Graden entspricht: 1 meq/l = 5 °F.
Molarität (einer wässrigen Lösung) Anzahl der in einem Liter Wasser enthalte-
nen Mole einer Substanz.
Nanofiltrierung Querstrom- oder Frontalfiltration durch synthetische (minerali-
sche oder organische) Membranen, wodurch die festen Schwebestoffe vollständig
und die größten gelösten Partikel teilweise eliminiert werden.
Neutralisation Verfahren, das darin besteht, eine Lösung mit einem pH-Wert von
ungefähr 7 zu bekommen: durch Säuerung, wenn ihr ursprünglicher pH-Wert über 7
liegt und durch Alkalisierung, wenn er unter 7 liegt.
Normalität Die normale wässrige Lösung enthält ein Grammäquivalent der in
Betracht kommenden Substanz pro Liter Lösung.
9.2 Glossar 173

Osmose Natürliche Diffusion eines Lösungsmittels durch eine halbdurchlässige


Membrane von einer verdünnten Lösung hin zu einer konzentrierten Lösung. Der
Konzentrationsunterschied erzeugt einen osmotisch genannten Druck, durch des-
sen Wirkung eine Konzentrationsgleichheit auf beiden Seiten der Membrane her-
gestellt wird und infolgedessen die höchstkonzentrierte Lösung verdünnt wird. Die
Osmose spielt eine entscheidende Rolle beim Wasserumlauf in den lebenden Or-
ganismen.
pH-Wert Dezimaler Algorithmus der H+-Ionenkonzentration einer in Mol/l ausge-
drückten Lösung. Der pH-Wert schwankt zwischen 0 und 14; der pH-Wert von 7
entspricht der Neutralität. Je mehr der pH-Wert (unter 7) nach 0 geht, umso saurer
ist das Wasser und umso alkalischer, je mehr sein (über 7 liegender) Wert nahe
bei 14 liegt. Der pH-Wert schwankt mit der Temperatur und wird mit einem
pH-Meter gemessen.
Regenerierung (durch Ionenaustausch) Auf einem gesättigten Ionenaustau-
scherharz ausgeführter Arbeitsvorgang, um es wieder in seinen ursprünglichen
Zustand zu versetzen. Dabei wird eine geeignete, sehr reine (saure, basische oder
Salz-)Lösung auf das Harz perkoliert. Der Regenerierung folgt immer ein lang-
samer und dann ein schneller Spülprozess.
Ryznar-Index Ermöglicht Wasser, das nicht behandelt wird, nach Aspekten der
Kesselsteinbildung und Angriff (auf Marmor) zu quantifizieren. In einem Kühl-
kreis bewegt er sich zwischen zwei Werten, die von der minimalen und maxima-
len Strangoberflächentemperatur, der das Umlaufwasser ausgesetzt ist, abhängen.
Seine Größe hat Einfluss auf Wahl und Dosierung der Rezeptur des Kesselstein-
und Korrosionsverhütungsmittels. Der Ryznar-Index entspricht 2 pH (Sättigungs-
pH-Wert). Die Berechnung des Sättigungs-pH-Werts ist aus einer polynomen
Formel abgeleitet, wobei deren logarithmische Teil am meisten seinen Wert beein-
flusst. Durch folgende Formel wird dies überschlagsweise wiedergegeben: Sätti-
gungs-pH-Wert = 10,287 + (1,448 ·10-4 × Salzgehalt) – (0,0197 × T°) – log 10
(THCa × TAC) mit Salzgehalt in mg/l, mit Temperatur in °Celsius, mit Kalkhärte
und Gesamthärte in französischen Härtegraden.
Säure Substanz, die mehr oder weniger in einer wässrigen Lösung zerfällt, um
Wasserstoffionen H+ zu bilden. Je mehr H+-Ionen sie ins Wasser abgibt, desto
stärker ist die Säure. Für die Wasserbehandlung angewendete Säuren: Schwefel-
säure (H2SO4), Salzsäure (HCl).
Säuregrad Gehalt einer Lösung an Wasserstoff-Ionen H+. Eine Lösung ist umso
saurer, je schwacher ihr pH-Wert ist (unter 7).
SAF Gesamtkonzentration (in französischen Graden oder in meq/l ausgedrückt)
an starken, sauren Salzen (Chloride, Sulfate, Nitrate) in einer Lösung. Salz ist der
aus der Wirkung von Säure auf Base hervorgehende chemische Stoff. Unter den
für die Wasserbehandlung benutzten Salzen sind zu nennen: Natriumchlorid NaCl,
Natriumsilicat Na2SiO3, Eisenchlorid FeCl3, Aluminiumsulfat Al2(SO4)3, 18 H2O.
Ein sehr reines Natriumchlorid wird für Wasserenthärter verwendet.
174 9 Anhang

Schnellfilterung Filterung von mit Schwebstoffen wenig oder sehr wenig belaste-
tem Wasser, mit oder ohne (direkte) Koagulation auf körnigem Material bei Ge-
schwindigkeiten zwischen 4 und 50 m3/h · m2.
Schwebebettverfahren Einrichtungsverfahren bei den Ionenaustauschern, wobei
der Fertigungszyklus von unten nach oben und die Regeneration von oben nach
unten stattfindet.
Schwebestoffe Im Wasser vorhandene, sehr feine Festpartikel. Man unterscheidet
ausfällbare Stoffe, die sich bei ruhendem Wasser auf natürliche Weise durch
Schwerkrafteinfluss absetzen und für die Ausfällung zu feine Kolloidteilchen, die
man durch Zusatz von Koagulierungsmitteln ausscheiden muss.
TA-Wert Maß für den Hydroxidgehalt und die Hälfte des alkalischen und erdal-
kalischen Carbonatgehalt des Wassers. Es ist festgelegt durch die Zugabe der
Menge an Schwefelsäure, die notwendig ist, damit Phenolphthalein sich bei einem
pH-Wert von 8,3 von rot zu farblos verändert. Wenn der pH-Wert unter 8,3 liegt,
ist der TA-Wert gleich null und das Wasser enthält praktisch nur Hydrogencarbo-
nate. Der TA-Wert wird in französischen Graden (°F) ausgedrückt. Der entspre-
chende deutsche Begriff ist der „P-Wert“, der in deutschen Graden (°dH) ausge-
drückt wird. Der engl. Begriff ist „PA“ (phenolphthaleine alcalinity), der
gewöhnlich in ppm von CaCO3 ausgedrückt wird.
Trübung Die Trübung des Wassers ist das Gegenteil seiner Reinheit. Sie hängt im
Wesentlichen von im Wasser befindlichen Schwebestoffen ab. Sie wird gemessen
im Vergleich zu einer Probe destilliertem Wasser, der tropfenweise bis zur Sicht-
barkeitsgrenze eines eingetauchten Gegenstands oder eines Bildes, eine Kittlösung
zugegeben wird. Sie wird in Kitttropfen oder in Jackson-Einheiten oder NTU
ausgedrückt.
Ultrafiltration Filterungsvorgang über synthetische, mineralische oder organische
Membrane, der zwischen Mikrofiltration und Nanofiltrierung angesiedelt ist.
Umkehrosmose Membrantrennungsverfahren zum Herauslösen eines Lösungs-
mittels aus einer Lösung (Beispiel: reines Wasser aus Salzwasser). Durch Umkeh-
rung des natürlichen Osmoseprozesses wird dabei eine in Kontakt mit einer halb-
durchlässigen Membrane stehende Lösung einem dem osmotischen überlegenen
Druck ausgesetzt und das Lösungsmittel auf der anderen Membranseite aufgefan-
gen. Dieses Verfahren benötigt Druckzahlen von 3 bis 100 Bar und ermöglicht die
Ausscheidung von Partikeln von der Größenordnung zwischen 0,2 bis 10 µm
(beinahe alle Ionen und Lösungen).
Wasseraufbereitung Chemische Behandlung des Kühlkreislaufwassers. Die
Wasseraufbereitung besteht darin, dem Kreislaufwasser spezifische chemische
Mittel zuzusetzen, die die Bildung von Kesselstein verhindern und Korrosion
sowie die Entwicklung von Mikroorganismen unter Kontrolle halten.
Wasserenthärtung Aufbereitungsverfahren zur vollständigen Ausscheidung der
im Wasser gelösten Salze. Die Wasserenthärtung findet statt: durch Fließen über
Ionenaustauscherharze, durch Umkehrosmose und durch Destillation.
9.3 Bibliografie 175

Wasserhärtegrad Im Wesentlichen durch Calciumsalze und Magnesiumsalze


bewirkter Gehalt des Wassers an Erdalkaliionen. Die Härte des Wassers wird in
Härtegraden angegeben: 1 deutscher Härtegrad ≈ 10 mg CaO/l.
Wasserklärung Alle Behandlungsmethoden zur Beseitigung der Schwebstoffe,
Trübung und Farbe des Wassers. Die Wasserklärung wird i. Allg. nach einem der
folgenden Pläne durchgeführt: direkte Filterung; partielle Koagulierung, der eine
Ausflockung über Filter folgt; Koagulierung, Ausflockung, Aufschlämmung,
Filterung.
Zusatz(-wasser) Das einem Kühlkreis zugeführte Wasser zur Kompensierung der
durch Verdampfung, eventuelle Lecks und Entsalzung verursachten Verluste.

9.3 Bibliografie
1 J. Chantereau: Corrosion bactérienne et bactérie de la corrosion.
2 J.I. Bregman: Corrosion inhibition.
3 J. Rodier: L’analyse de l’eau.
4 American Public Health Association: Standard methods for the examination
of water and waste water.
5 APTEN: Compte rendus des journées information eau 1976−2004.
6 Sté Degremont: Mémento technique de l’eau.
7 American Water Works Association: Water quality and treatment.
8 Guide de l’eau, édition 2003/2004.
9 F. Squinazi: Biofilms et matériaux.
10 HACH: Analyse spectrophotométrique des eaux.
11 J.-F. Bosich: Prévention de la corrosion.
12 J.W. Mc Coy: The chemical treatment of cooling water.
13 G. Charlot: Les méthodes de la chimie analytique.
14 J.-L. Roubay: Conférence Légionelles (IRH).
15 Y.H. Kim: Coagulants and Floculants.
16 L. Duvivier: Traitement des eaux dans les centrales thermiques.
17 République française: Legionella et tours aéro-réfrigérantes:
guide des bonnes pratiques.