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Handreichung für

den Anfangsunterricht
in der Grundschule
Inhalt

03 1 Vorwort

04 2 Prinzipien zur didaktisch-


methodischen Gestaltung

06 3 Differenzierte Unterrichts-
gestaltung

08 4 Fördern und Fordern

10 5 Anfangsunterricht in den Fächern


Deutsch, Mathematik und Sach-
unterricht
10 5.1 Allgemeine Hinweise
12 5.2 Deutsch
16 5.3 Mathematik
22 5.4 Sachunterricht

26 6 Unterstützungsmaterialien

27 7 Quellenverzeichnis

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1 Vorwort

Die Grundschule legt den Grundstein für die Die zunehmende Heterogenität der Schulan-
schulische Entwicklung eines Kindes. Dabei fänger erfordert, sich noch mehr auf die unter-
kommt dem Anfangsunterricht eine entschei- schiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler
dende Bedeutung zu. Insbesondere in den ers- einzustellen. Die Auswahl der »richtigen Me-
ten beiden Schuljahren wird das Fundament thode«, des »besten Weges« stellt an die Profes-
für eine erfolgreiche Teilnahme an einem sys- sionalität der Lehrkräfte hohe Anforderungen.
tematisch aufeinander aufbauenden Unterricht Dabei ist der Aufbau von klaren Strukturen die
gelegt. Das Erlernen der Kulturtechniken Lesen, grundlegende Voraussetzung für die Individua-
Schreiben und Rechnen steht dabei im Mittel- lisierung des Unterrichts.
punkt des Anfangsunterrichts.
Die Handreichung wendet sich an alle, die im
Frau Prof. Ursula Carle formuliert sehr tref- Anfangsunterricht unterrichten. Sie zielt des
fend die anspruchsvollen Aufgaben, vor de- Weiteren darauf ab, inhaltliche Schwerpunkte
nen alle Klassenlehrer einer ersten Klasse der pädagogischen Arbeit in den Klassenstufen
stehen. »Eine erste Klasse zu übernehmen ist 1 und 2 zu benennen und methodische Um-
etwas ganz Besonderes. Die Kinder sind noch setzungsmöglichkeiten insbesondere in den
nicht an den schulischen Alltag gewöhnt. Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunter-
Erstklassenlehrer(innen) setzen Maßstäbe für richt anzubieten. Sie hat Orientierungsfunktion
alles, was später auf das Kind zukommt. Ge- und stellt Hilfen und Empfehlungen dar, die
lingt es in den ersten Wochen die neue Klas- durch persönliche Erfahrungen der Pädagogen
se zur Lerngemeinschaft zu integrieren, die vor Ort jederzeit individuell ergänzt werden
mit grundlegenden Regeln und Arbeitsformen können und sollten.
umgehen kann, so ist dies ein Beweis für ein
gelingendes 1. Schuljahr. Diese Aufgabe ist eine Viele werden sich ermutigt und bestätigt füh-
besondere Herausforderung. Nicht nur, weil die len, weil sie auf lange Jahre erfolgreiche Ar-
Leistungsunterschiede 2 bis 4 Entwicklungsjah- beit zurückschauen können. Vielen kann die
re betragen können.« (vgl. Die Grundschulzeit- Handreichung Ratgeber sein, um Fragen zu
schrift, Heft 254, Mai 2012). klären oder Verunsicherungen und Ängsten zu
begegnen. Vielleicht regt sie auch dazu an, das
Konzept des Anfangsunterrichtes der Schule zu
überdenken. In jedem Fall soll sie dazu beitra-
gen, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich
auszutauschen und damit den Anfangsunter-
richt weiter zu qualifizieren.

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2 Prinzipien zur didaktisch-
methodischen Gestaltung

Prinzip der Anerkennung Kombiniert mit dem Klassenlehrerprinzip und Der Auftrag der Grundschule ist in der Leis-
Jeder Schüler wird als kompetent in seiner unterstützt durch ein am Entwicklungsbedarf tungsbeschreibung verankert. Diese bildet die
bislang erreichten Lernentwicklung mit seinen ausgerichtetes Fachpersonal entstehen so für Grundlage für die Lehrpläne. Wichtig dabei ist
Stärken und Schwächen angenommen und den Schüler Verlässlichkeit und Strukturierung die Einheit von Wissenserwerb, Kompetenzent-
wertgeschätzt. Lernen braucht Erfolg (-szuver- (siehe Abb. 1). wicklung und Werteorientierung.
sicht), eine angst- und stressfreie, von Lern-
freude getragene Atmosphäre und realistische
Ermutigung. Dazu gehört das konkrete »Spie- 1. Stufe z. B. Lese-, Schreib-, Rechen-, Mnemo-, Recherche-,
geln« mit einer Wertschätzung auf dem jeweils Lern- und Arbeitstechniken Strukturierungs-, Visualisierungs- und Präsentations-
erreichten Kompetenzniveau sowie das Aufzei- techniken, Techniken der Arbeits-, Zeit- und Lernregulation,
gen der nächsten Schritte der Lernentwicklung. Motivations-, Konzentrations-, Kooperations- und
Kommunikationstechniken
Die pädagogische Leistungsbewertung hat
Diagnose– und Lernberatungsfunktion. Dabei
rangiert im Anfangsunterricht die individuelle 2. Stufe ❚ Basisstrategien (Erwerb, Verstehen, Festigung,
Bezugsnorm (Lernfortschritt im Vorher-Nach- Lernstrategien Überprüfen und Abruf von Wissen)
her-Vergleich) vor der sozialen Bezugsnorm. ❚ Regulationsstrategien (Befähigen zur Selbstreflexion
Die Leistungsermittlung und Leistungsbewer- und –steuerung)
tung umfasst vielfältige Formen. Lernerfolgs- ❚ Stützstrategien (Fördern eines guten Lernklimas
rückmeldungen sind vor allem konkret ge- und Entwicklung von Motivation und Konzentration)
staltet und auf künftiges Lernen ausgerichtet.
Getragen vom Vertrauen in die Leistungsfähig-
keit des Schülers dienen sie der stärkenorien- 3. Stufe Fähigkeit, selbständig Lernvorgänge zu planen,
tierten Lernförderung sowie dem Aufbau eines Lernkompetenz zu strukturieren, zu überwachen, zu korrigieren und
realistischen Selbstkonzeptes. auszuwerten

Abbildung 1
Prinzip der Kontinuität
Jeder Schüler wird mit seinem altersbezogenen
Erfahrungshintergrund und seinem außerschu- Lernkompetenz ist Voraussetzung und Ergebnis
lischen Lebensumfeld, in welchem informelles erfolgreichen Lernens. Nach Stolzbacher um-
Lernen (Lernprozesse die sich außerhalb von fasst sie vier Dimensionen (siehe Abb. 2):
Bildungseinrichtungen in den individuellen Le-
bens- und Erfahrungszusammenhängen voll-
ziehen) erfolgt, wahrgenommen. Sachkompetenz: Methodenkompetenz:
elementares Fach- und Weltwissen Bewältigungsstrategien für wesentliche
Eine didaktische Kernaufgabe ist die fortlau- Anforderungen, Arbeitstechniken,
fende Lernstandsermittlung. Sie ist die Grund- Selbststeuerung des Lernprozesses
lage zur Verdeutlichung von Lernfortschritten,
zur Planung von Lehren und Lernen einschließ-
lich notwendiger Unterstützungssysteme.

Der Unterricht führt überwiegend von der ge-


meinsamen Arbeit am Rahmenthema zu fach-
Lernkompetenz
spezifischen Lerninhalten und individuellen
Lernplänen. Sozialkompetenz: Selbstkompetenz:
Wissen, Fähigkeiten und Einsichten Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten,
Der Aufbau einer klassenspezifischen Lernkul- zuRegeln, Ritualen, Interaktion, positives Selbstbild und Selbstwertgefühl
tur erfordert eine »äußere Ordnung«. Diese be- Kommunikation, Konfliktbewältigung und
zieht sich vor allem auf kooperativen Lernformen, Verantwor-
❚ Bezugspersonen ❚ Material tungsbewusstsein
❚ Zeiten ❚ Situationen
❚ Räume Abbildung 2

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Prinzip der Passung 1. Ebene Lernen ist an aktives Handeln mit konkretem
Lernprozesse werden passend zu den Lernvor- enaktiv Material gebunden
aussetzungen und -möglichkeiten des einzelnen
2. Ebene Lernen ist an bildliche Darstellungen geknüpft, kann
Schülers sowie gestützt auf lerninhalts-
ikonisch jedoch ohne konkrete Handlungen erfolgen
spezifische Stufenmodelle (z. B. zu Schrift-
spracherwerb, Mengen-, Zahlverständnis, 3. Ebene Lernen ist nicht mehr auf die bildliche Darstellung ange-
Raumvorstellung, …) für den nächsten Schritt symbolisch wiesen, es nutzt sprachliche Formulierungen oder formale
der Lernentwicklung gestaltet (Kompetenzori- Darstellungen (Zeichen, Buchstaben, Formel, …)
entierung). (vgl. Jürgens, Lebendiges Lernen in
Abbildung 3
der Grundschule)

Neben dieser diagnostischen Differenzierung haltensweisen unverzichtbar. Innere Vorstel- ❚ eine Fokussierung auf lernzielrelevante
gewinnt die dialogische Differenzierung, bei lungsbilder, Muster oder Modelle entstehen Kernfragen aus.
welcher der Schüler immer mehr in die Steu- beim Schüler überwiegend durch handlungs-
erung seines Lernprozesses einbezogen wird, orientierte und gegenständliche Auseinander- Die Lernarrangements verfügen über ein ausge-
zunehmend an Bedeutung. setzung mit dem Lerninhalt. Darauf bezogene wogenes Verhältnis zwischen Instruktion und
sprachintensive Lernformen können das Auslö- Selbstregulation, zwischen Einzelarbeit und Ko-
Die Arbeit an gemeinsamen Inhalten oder Rah- sen von Denkprozessen und den Aufbau kogni- operation sowie zwischen Ruhe, Konzentration,
menthemen schließt die auf Lernstandsermitt- tiver Schemata befördern. Spiel und Bewegung.
lungen gestützte didaktische Differenzierung
für Gruppen oder einzelne Schüler ein. Für die Erarbeitung von Sachverhalten gilt die Prinzip der Langsamkeitstoleranz
konsequente Einhaltung dieser Abfolge der Lernen braucht Investitionen in Zeit als
Prinzip der Aktivierung Darstellungsebenen (siehe Abb. 3). Dabei ba- ❚ individuelle Lernzeit besonders zum Wahr-
Lernen als vorrangig eigenaktiver Vorgang sieren die Lernprozesse solange auf einer oder nehmen und Verarbeiten von Informationen
umfasst angeleitete Erkundungs- und Refle- mehreren dieser Darstellungsebenen, wie es und Impulsen, zum Einprägen, Ausprobieren,
xionsmöglichkeiten. Der Schüler erfährt sich der einzelne Schüler für erfolgreiche Verste- Verwerfen von Ideen, Nachdenken, Neuorien-
in individuell bedeutsamen, sinnorientierten hensprozesse benötigt. tieren, …und besonders zum produktiven
Handlungskontexten als Lerner selbstwirksam Umgang mit Fehlern;
und wertgeschätzt. Dies wirkt nachhaltig auf Prinzip der Balance ❚ zusätzliche Lernzeit für Lernschleifen, ver-
seine intrinsische Motivation. Der Anfangsunterricht praktiziert im Grund- tiefendes Üben, Wiederholen, … nach Bedarf;
satz eine offene Lernkultur mit vielfältigen aber ❚ Zeit in kooperativen bzw. gemeinschaftli-
Lernen als dialogischer Vorgang braucht: lernzieladäquaten Lern- und Arbeitsformen. chen Arbeitsformen zur Versprachlichung
❚ kooperative Lernformen mit konkret lernziel- Diese werden flankiert von lehrergelenkten von Denkansätzen, Ergebnissen, Meinun-
bezogenen Interaktionen und Zusammenar- instruierenden Unterrichtsphasen, zur Orien- gen, zur Entwicklung von Sozialkompetenz
beit vor allem zwischen Schülern benachbar- tierung, Einführung, Anleitung, Reflexion oder und für die Verarbeitung von verschiedenen
ter Stufen der Lernentwicklung, bei denen Präsentation, für alle gemeinsam oder in Klein- Sichtweisen.
sich Schüler z. B. gegenseitig austauschen, gruppen, für Kinder mit ähnlichen Lernständen
etwas vermuten, sich etwas erklären oder oder Problembereichen. Erfolgreiches Lernen braucht ein tiefgründiges
sich vergewissern inhaltliches Verstehen grundlegender Tatsa-
❚ auf Verstehensprozesse orientierte Lernge- Sukzessive wachsende, gesicherte und für den chen (Begriffe, Objekte, Schrittfolgen, Einsicht
spräche zwischen Lehrer und Schüler, dazu einzelnen Schüler leistbare Entscheidungsfrei- in Zusammenhänge, Ursache-Folge-Relation-
gehören z. B. Impulse, Fragen, Anleitungen, räume zielen auf die zunehmende Fähigkeit en, Wechselwirkungen und Gesetzmäßigkeiten)
Erklärungen, Reflexionen, dialogische Diffe- zur eigenverantwortlichen Selbststeuerung des verbunden mit Gelegenheiten und der Fähig-
renzierung, lautes Denken Lernprozesses. keit zur Versprachlichung.
❚ Metakommunikation über das Lernen, dabei
reflektieren Schüler mit zeitlicher und inhalt- Effektive Lernarbeit zeichnet sich durch Problemlösefähigkeit entwickelt sich allmäh-
licher Distanz über Lernprozesse ❚ Klarheit und Transparenz in den lich durch individuell verschieden häufige und
Anforderungen, reflektierte Erfahrung mit bestimmten Aufga-
Für den Aufbau weichenstellender Primärer- ❚ Optimierung der aktiven Lernzeit, bentypen.
fahrungen ist eine anschauungsbasierte Er- ❚ gute Organisation und
arbeitung zu Begriffen, Situationen, Zusam- Aufgabenorientierung,
menhängen, Verfahren, Strategien oder Ver-

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3 Differenzierte
Unterrichtsgestaltung

Die Grundschule wird ihrer Aufgabe, alle Schü- Die Formen der Differenzierung sind entspre-
ler in ihrer Individualität und mit ihren unter- chend der jeweiligen Lernsituation variabel
schiedlichen Entwicklungsvoraussetzungen und kombinierbar. Die Passfähigkeit von aktuellem
vorschulischen Lernerfahrungen anzunehmen, Lernstand und Lernangebot, von Analyse und
zu fördern und zu fordern, in dem Maße ge- Förderung muss dabei der Entscheidung zur
recht, wie sie Differenzierung im Unterricht methodischen Umsetzung zugrunde liegen.
und im Schulalltag zulässt und gestaltet. Dif-
ferenzierung ist daher ein Anspruch, der auch Mit dem Blick auf die Entwicklung der Qualität
rechtlich im Schulgesetz und in der Schulord- des Unterrichts sind aus der Vielzahl der Diffe-
nung für Grundschulen manifestiert ist. renzierungsformen die auszuwählen, die u. a.
eine Ausgewogenheit
Differenzierender Unterricht setzt Lernarran- ❚ von individuellem und gemeinschaft-
gements gemessen an den individuellen Lern- lichem Lernen,
ständen der Schüler voraus. Die Planung soll ❚ von grundlegendem und interessen-
in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen bezogenem Lernen,
Fremd- und Selbstdifferenzierung im Dialog ❚ von Lernzeit und Lernumgebung
zwischen Lehrer und Schüler erfolgen. gewährleisten.

Es werden Maßnahmen der inneren und äu- Die Formen der inneren Differenzierung ste-
ßeren Differenzierung unterschieden. Zur äu- hen im Vordergrund, um der Heterogenität der
ßeren Differenzierung gehört die Bildung von Schüler gerecht zu werden (vgl. LP S.VI). Dies
separaten Fördergruppen oder die Gestaltung erfordert eine verantwortliche Analysetätigkeit,
von Förderunterricht. Konsequenz in der Strukturierung von Material
und Aufgaben, Vereinbarung von klaren Regeln
Maßnahmen zur inneren Differenzierung erfol- sowie Offenheit in der Planung.
gen über (siehe Abb. 4)

Sozialformen Organisatorische Formen Inhaltliche Formen

❚ Einzelarbeit ❚ verschiedene Lernorte ❚ differenzierte Angebote, die


❚ Partnerarbeit ❚ Stationenlernen mehrkanaliges Lernen fördern
❚ Gruppenarbeit ❚ Freiarbeit ❚ differenzierte Lernumfänge
❚ Klassenunterricht ❚ Wochenplanarbeit ❚ differenzierte Anforderungsstufen
❚ Werkstattunterricht ❚ unterschiedliche Zugänge zu Lerninhalten
❚ freie Planarbeit ❚ individuelle Lern- und Lösungsstrategien
❚ Gestaltungstag/Expertenforum ❚ Selbstreflexionen
❚ projektorientierter Unterricht ❚ Selbstkontrollen

Abbildung 4

Differenzierungsaspekte können sein Ein guter Anfangsunterricht umfasst lehrer-


❚ Vorerfahrungen und Interessen zentrierte Phasen ebenso wie geöffnete Unter-
❚ Lernzeit richtsformen. Gelungener Anfangsunterricht
❚ Komplexitätsgrad wird durch die sinnvolle Verknüpfung verschie-
❚ Art der Inhalte dener Unterrichtsformen gestaltet.
❚ Gewährung von Entscheidungsfreiräumen
❚ Lernprodukt (Text, Plakat, Mindmap,
Vortrag…)
❚ Einsatz unterschiedlicher Lehr- und
Lernmittel
❚ Kooperationsformen

06 |
1 angelehnt an Peschel, 2003 und »Integrative
Begabtenförderung – Ein Beitrag zur Schul- und
Unterrichtsentwicklung an Sachsens Grundschulen«,
Vergleich von Formen individueller Förderung,
SMK 2008

Formen geöffneten Unterrichts1

Konzeptschwerpunkt Voraussetzungen/ Schülerrolle/ Kontrolle Differenzier-


Material Lehrerrolle ungsmöglichkeiten

Wochenplan- Selbstbestimmung Wochenplan und differenzierte Vorgaben in der Regel durch Pflicht- und
unterricht bezgl. der zeitlichen themenbezogene durch die Lehrkraft Lehrkraft, evtl. auch Wahlaufgaben
Organisation Begleitmaterialien durch Material oder
Partner

Werkstatt- selbstgesteuertes Werkstattangebote, Organisieren des überwiegend durch qualitative und


unterricht Lernen durch Bedienen »Chefbetreuung«, be- selbstgesteuerten Material, Partner oder quantitative
aus einem system- grenztes, systematisch Lernens durch umfang- den zuständigen Chef Anforderungen
atischen Lernangebot strukturiertes umfang- reiches Angebot und
reiches Angebot an Kompetenzdelegation
handlungsorientierten (Chef)
in der Regel mehrere
Fächer und Sozialfor-
men berücksichtigende
Angebote
Stationen- mehrkanaliges, an verschiedenen Vorbereitung mehr- durch Material, Partner Zusatzstationen,
lernen zielgleiches Lernen an festen Stationen zum kanaliger, ganzheit- oder Lehrkraft Variation der Aufgaben
vorgegebenen Angebo- Lernthema zugewiesene licher Lernangebote an den Stationen
ten zu einem Thema Materialien

Freiarbeit selbstständiges, mit Arbeitsmaterialien Auswahl der Arbeits- durch Arbeitsmittel, in Selbstdifferenzierung
individuelles Lernen vorbereitete Lernum- mittel für alle Schüler Abhängigkeit davon
in einer vorbereiteten gebung evtl. durch Partner oder
Umgebung unter Hilfe zur individuellen die Lehrkraft
Nutzung verschiedener Selbsthilfe
Sozialformen
Projekt- kooperatives für alle bedeutendes Unterstützung des Er- durch begleitende individuelle Lern- und
orientierter Erfahrungslernen Projektthema, Material- fahrungslernens durch Reflexion, Präsentation Lösungsstrategien, un-
Unterricht organisation durch alle Beratung terschiedliche Zugänge
Beteiligten zu Lerninhalten
Freie vom ermittelten Lernstandermittlung, eigenverantwortliches Selbstkontrolle, überwiegend
Planarbeit Lernstand ausgehende Materialangebot als Planen des Lernens Partnerkontrolle, Selbststeuerung
Selbstbestimmung der »Grundstock« durch in der Gemeinschaft Lehrerkontrolle
Wahl der Aufgaben, Schüler beliebig zu entsprechend ihrer
Materialien, Lernorte, erweitern, Themenvor- Interessen, Stärken und
Lernpartner und Bear- gabe und Zeitvorgabe Schwächen
beitungszeit, planvolles
Vorgehen Beratung und
Koordination durch
die Lehrkraft
Gestaltung- individuelles, selbst- Selbstbeschaffung Impulse zum selbstge- durch Präsentation Selbstbestimmung
stag/ Ex- regulierendes Lernen in der Materialien durch steuerten Lernen
pertenforum einer Gemeinschaft im Schüler, Zeitrahmen
derzeitigen Interessen- und räumliche Hilfe zur Strukturierung
gebiet und Begabungs- Bedingungen durch und Integration der
bereich Lehrkraft, Kriterien für Ergebnisse
Präsentation, weit-
gehender Verzicht auf
didaktische Arbeitsmittel

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4 Fördern und Fordern

Die Schulanfänger unterscheiden sich vonein- Dies kann nur gelingen, wenn die Schule
ander in erheblichem Maße in ihren
❚ Lernerfahrungen die Individualität die besonderen Fähigkeiten Verständnis
❚ emotionalen, sozialen, körperlichen der Schüler bestärkt der Schüler fördert füreinander weckt
Voraussetzungen
❚ sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten die Übernahme von Ver- die bisherige Lern- und
differenzierte Lernwege
❚ praktischen Fertigkeiten antwortung für das eigene Leistungsbereitschaft aufgreift,
anbietet
❚ Erwartungshaltungen, Interessen, Lernen ermöglicht fortführt und weiterentwickelt
Bedürfnissen
❚ Lernmotivationen Abbildung 5

❚ Lerngeschwindigkeiten und ihren


❚ Lernarten. Formen der Förderung

Die Grundschule vermittelt in einem gemeinsa- Interne Förderung Externe Förderung Förderung durch
men Bildungsgang für alle Schüler Grundlagen (Integratives Förderkonzept) (Förderunterricht) Zusatzangebote
für weiterführendes Lernen. Die daraus resul-
tierende Vielfalt der Schülerschaft darf nicht Abbildung 6
als Nachteil sondern als Chance für einen an-
spruchsvollen Unterricht gesehen werden. Das
bedeutet, dass gleichermaßen auf Stärken und Ziel dabei ist in erster Linie, Schüler in ihrer ❚ Erfolgserfahrung im Alltag der Klasse
Schwächen der Schüler eingegangen werden Persönlichkeit zu stärken, ihr Selbstwertgefühl ermöglichen statt bloßes Hinterherfördern
muss. Dabei soll jeder Schüler so gefördert und und Selbstvertrauen, Leistungsfreude und Leis- ❚ Individualisierung von Leistungen statt
gefordert werden, dass er sein motorisches, in- tungswillen aufzubauen bzw. zu erhalten. Homogenisierung
tellektuelles, emotionales und soziales Potenzi- ❚ Kernauftrag für alle Kinder statt nur
al bestmöglich weiterentwickeln kann. Zunächst ist der individuelle Entwicklungsbe- Sondermaßnahme für Einzelne
darf festzustellen, um differenzierte Angebote (vgl. Bartnitzky, Individuell Fördern –
Fördern und Fordern im Anfangsunterricht ha- erstellen zu können, die sowohl auf die allge- Kompetenzen stärken)
ben eine besondere Funktion zu erfüllen. meine Entwicklung des Schülers, als auch auf
die verschiedenen Lernbereiche der Unter- (siehe Abb. 6)
Die ersten Schulerfahrungen sind oft ent- richtsfächer zugeschnitten sind.
scheidend für den Lernerfolg und die weiteren Interne Förderung
Bildungswege. Für jeden Schüler ist es daher Fördern und Fordern haben folgende Ziele Die Förderung wird möglichst im Regelunter-
wichtig, dass der Beginn der Schulzeit positiv ❚ Reduzierung von Lernschwierigkeiten richt, einschließlich der Stunden zur differen-
erlebt wird. (siehe Abb. 5) durch gezielte Hilfen zierten Förderung in der Schuleingangsphase,
❚ Vertiefung von spezifischen Kenntnissen als binnendifferenzierte Maßnahme organi-
Schüler, die deutliche Schwierigkeiten bei der und Fähigkeiten siert. Durch eine anregende Lernumgebung
Bewältigung von Anforderungen der ersten ❚ Sicherung von Lernvoraussetzungen und geöffnete Unterrichtsformen bringen die
beiden Schuljahre aufweisen, entwickeln in für nachfolgende Lernprozesse Schüler ihre Interessen, Fähigkeiten und Nei-
nachfolgenden Klassenstufen in der Regel noch ❚ Systematisierung des Gelernten gungen ein und erweitern diese. Ebenso wird
schwerwiegendere Leistungsrückstände. ❚ Vertiefung, Übung und Anwendung dabei auf verschiedene Bedürfnisse und indi-
❚ Erprobung von speziellen Fähigkeiten viduelle Lernvoraussetzungen eingegangen.
Darum muss Fördern und Fordern immanenter der Kinder Durch den stundenweisen Einsatz von Zweit-
Bestandteil des Unterrichts sein z. B. durch Sys- ❚ Vorbereitung spezieller Vorhaben der lehrern im Anfangsunterricht werden die Schü-
tematisieren, Wiederholen, Üben, Reflektieren, Klasse in Kleingruppen ler auch separat und individuell, entsprechend
Dokumentieren, Anwenden, selbstständiges (vgl. Bartnitzky, Horst, S. 315) ihrem individuellen Förderbedarf unterrichtet.
Planen. Somit können Leistungsrückstände ab- Es können auch Förderschleifen in Form von
gebaut und Begabungen gefördert werden. Folgende Gedanken sind für eine erfolgreiche zeitlich befristetem Förderunterricht eingebaut
Förderung grundlegend werden.
❚ Kompetenzorientierung statt Defizitblick
❚ sinnhaftes Lernen statt Abarbeiten von
Inhalten

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Externe Förderung
Förderunterricht umfasst die vielfältigen For-
men äußerer Differenzierung, in denen zeitlich
parallel oder zusätzlich zum Regelunterricht,
kontinuierlich gearbeitet wird. Die Schüler
werden aus dem Klassenverband herausge-
nommen und je nach ermitteltem Förderbedarf
allein oder in Fördergruppen unterrichtet.

Im zeitlich befristeten Förderunterricht können


sich die Schüler speziellen Aufgaben zuwenden,
Lernvoraussetzungen erarbeiten, Rückstände
aufarbeiten und Fragestellungen eigenständig
nachgehen. Möglichst in enger Bindung an den
Regelunterricht werden gezielte Fördermaß-
nahmen durchgeführt.

Förderung durch Zusatzangebote


Eine Variante der Förderung stellt die äußere
Differenzierung in Form von Zusatzangeboten
dar. Diese Maßnahmen können durch zusätz-
liche Kursangebote, tutorielle Begleitung oder
gezielte Trainings außerhalb der Unterrichts-
zeit, möglichst im Rahmen von Ganztagsan-
geboten, umgesetzt werden. So können alle
Schüler z.B. auch mit Teilleistungsschwächen
oder besonderen Begabungen gefördert wer-
den.

Spezielle Inhalte der Förderung im Anfangsun-


terricht sind
❚ Schulung bzw. Weiterentwicklung
grundlegender Kompetenzen für den
Schriftspracherwerb und das
mathematische Lernen
❚ Schulung von Wahrnehmungsfähigkeiten
z. B. optische / akustische Differenzierungs-
fähigkeit
❚ Ausbau der Stützfunktionen für
das Lernen wie Motivation, Konzentration,
Ausdauer, logisches Denken, Aufgaben-
verständnis
❚ Vermittlung und Aufbau von
Lernkompetenzen

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5 Anfangsunterricht in den Fächern
Deutsch, Mathematik und Sachunterricht

Unterricht ist das Kernstück der pädagogischen Fachlichkeit und Aufgabenkultur ellen Lernfortschritte berücksichtigt. Besonders
Arbeit in der Schule. Dabei bilden die Schwer- Fachlich fundierter Unterricht setzt den exak- im Anfangsunterricht müssen Leistungsbewer-
punkte der Qualitätssicherung im Unterricht ten Gebrauch der im Lehrplan ausgewiesenen tungen ermutigend sein. (siehe Abb. 7)
eine wesentliche Grundlage für die Gestaltung Fachbegriffe voraus. Abrufbares Grundlagen-
und Begleitung von Unterricht. Die für Sachsen wissen entsteht durch In einem Unterricht mit offenen Angeboten
bereits seit 2009 geltenden und 2012 aktuali- ❚ gründliche Erarbeitung können Beobachtungen gut durchgeführt wer-
sierten einheitlichen Schwerpunkte und Krite- ❚ regelmäßiges Üben und Wiederholen den. Schwerpunkte dafür können sein:
rien (vgl. Schulleiterbrief von Juni 2012 ) finden ❚ gedächtnismäßige Sicherung ❚ Bringt der Schüler eigene Ideen ein?
auch im Anfangsunterricht Anwendung. ❚ Welche Aufgaben wählt der Schüler aus?
Die Schüler lernen fachspezifische Schrittfol- ❚ Kann der Schüler Bekanntes auf Neues
gen und Verfahren kennen und wenden sie zu- übertragen?
5.1 Allgemeine nehmend sicher an. ❚ Welche Lösungsstrategien entwickelt
der Schüler?
Hinweise Leistungsermittlung und Leistungs- ❚ Wie ausdauernd und genau arbeitet
bewertung (LEBE) der Schüler?
Planung des Unterrichts Leistungsermittlung und Leistungsbewertung ❚ Benötigt er eine klare Aufgabenstellung?
Grundlage für die Planung des Unterrichts ist sind Maßnahmen, die im schulischen Prozess ❚ Benötigt er zusätzliche Hilfen?
der Lehrplan. Die Auswahl und der Einsatz der täglich angewendet werden. Sie dienen der ❚ Wie arbeitet der Schüler mit anderen
Lehrwerke sind diesem unterzuordnen. Aus der Analyse des Lernstandes, der Kontrolle des Ler- zusammen?
vorzunehmenden Lehrplananalyse ergibt sich nerfolgs und der weiteren Gestaltung der Lern- ❚ Kann der Schüler eigene Lösungswege
die Planung für die Klassenstufen 1 und 2 als prozesse. LEBE umfasst vielfältige Formen. Ins- erklären?
pädagogische Einheit. Das umfasst die Jahres- besondere im Anfangsunterricht werden durch ❚ Kann er Aussagen zu seinem Lernprozess
planung mit inhaltlichen Schwerpunkten, die die verbalen Einschätzungen die unterschied- treffen?
zeitliche Wichtung und die Abstimmung mit lichen Lernvoraussetzungen und die individu-
anderen Fächern. Merkmale einer guten Pla-
nung sind
❚ Berücksichtigung des aktuellen Lernstandes Chancen und Ziele der verbalen Einschätzung im Anfangsunterricht
der Schüler und Ausrichtung am Leistungs- Die Lerngeschichte Der persönliche Die Anstrengung Der Schüler wird in
stand der Schüler des Schülers wird Lernfortschritt wird des Schülers wird seiner Individualität
❚ Orientierung am Erfahrungshintergrund berücksichtigt. bekräftigt (individuel- gewürdigt. gewürdigt und er-
und an den Interessen der Schüler le Bezugsnorm). mutigt, seine Stärken
❚ Beachtung der Klassenzusammensetzung und Interessen weiter
(u.a. Anzahl Jungen und Mädchen) zu entwickeln.
❚ Rhythmisierung (innere und äußere)
❚ Einbindung aktueller Ereignisse (Flexibilität) Das inhaltliche Lernen, Das Leistungsergebnis Die Leistungsfähigkeit
❚ Einbeziehung verschiedener Lernorte und das Leisten um der wird in Beziehung zu wird durch behutsame
externer Partner Sache willen wird in den den grundlegenden Hinweise weiter entwickelt.
❚ Beachtung der Besonderheiten des Vordergrund gerückt. Anforderungen gesetzt.
Schulstandortes
Ziel
❚ Festlegung zu Bewertungsrichtlinien
❚ bestmögliche Entfaltung der kindlichen Persönlichkeit
❚ erhalten von Lernfreude, Leistungszuversicht und Selbstvertrauen
Abbildung 7

10 |
Leistungsermittlung und Leistungsbewertung Im Anfangsunterricht werden die Schüler all-
❚ erfolgen auf der Analyse des Lernprozesses mählich auf die Benotung vorbereitet (s. § 15
und der Lernergebnisse. SOGS).
❚ berücksichtigen den individuellen
Lernfortschritt und Die Grundlagen zur LEBE sind in folgenden Ma-
❚ liegen in der pädagogischen Verantwortung terialien verankert:
des Lehrers (s. § 14 SOGS). ❚ Sächsische Lehrpläne für Grundschulen
❚ Schulgesetz für den Freistaat Sachsen –
SchulG, § 42 Abs. 2
Sachliche Bezugsnorm ❚ Schulordnung für Grundschulen - SOGS,
insbesondere Abschnitt 5
Legen die inhaltlichen, auf den Lerngegen-
❚ Empfehlungen zur LEBE in der Grundschule
stand bezogenen Anforderungen fest und
vom Mai 2005
sind damit gruppenunabhängig.
❚ Positionspapier zu LEBE,
Soziale Bezugsnorm Comenius-Institut 2005
❚ Schwerpunkte für die Qualitätsentwicklung
Setzt die Schülerleistung ins Verhältnis zur und -sicherung im Unterricht vom Januar
Leistung der gesamten Lerngruppe. 2008
Individuelle Bezugsnorm

Beziehen sich auf den Lernfortschritt


des einzelnen Schülers.
Abbildung 8: vgl. Positionspapier
Comenius-Institut

Im Anfangsunterricht finden hauptsächlich die


sachliche Bezugsnorm und die individuelle Be-
zugsnorm Anwendung.

Folgende pädagogische Aspekte sind dabei zu


beachten:
❚ Alle Schüler wollen etwas leisten, sie müssen
zur Leistung motiviert und herausgefordert
werden. Sie wollen zeigen, was sie können.
❚ Alle Schüler brauchen Rückmeldungen zu ih-
ren Leistungen. Fortschritte im Lernprozess
und Lernergebnisse sollen ermutigend und
stärkend gewürdigt werden.
❚ Leistungsermittlung und Leistungsbewer-
tung sind nachvollziehbar zu gestalten und
den Schülern und Eltern transparent zu er-
läutern. Es ist wichtig, die Schüler von An-
fang an in die Reflexion und Bewertung von
Leistungen einzubeziehen.
❚ Professionelles Handeln bedarf der Verstän-
digung im Team und der Reflexion. Dabei ist
eine konstruktive Fehlerkultur zu entwickeln.
❚ Leistungsermittlung und Leistungsbewer-
tung stehen in engem Zusammenhang mit
dem pädagogischen Konzept der Schule und
dem didaktisch-methodischen Konzept der
Lehrkraft.

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5.2 Deutsch Kompetenzbereiche und Teilbereiche im Fach Deutsch
Lesen – mit Texten
Sprache ist Träger von Sinn und Überlieferung, Sprechen und Zuhören Schreiben
und Medien umgehen
Schlüssel zum Welt- und Selbstverständnis und
❚ zu anderen sprechen ❚ über Schreibfertigkeiten ❚ über Lesefähigkeiten
Mittel zwischenmenschlicher Verständigung.
❚ verstehend zuhören verfügen verfügen
Sie hat grundlegende Bedeutung für die kog-
❚ Gespräche führen ❚ richtig schreiben ❚ über Leseerfahrungen
nitive, emotionale und soziale Entwicklung der
❚ szenisch spielen ❚ Texte planen verfügen
Kinder. Aufgabe des Deutschunterrichts in der
❚ über Lernen sprechen ❚ Texte schreiben ❚ Texte erschließen
Grundschule ist es, den Schülern eine grund-
❚ Texte überarbeiten ❚ Texte präsentieren
legende sprachliche Bildung zu vermitteln,
damit sie in gegenwärtigen und zukünftigen Methoden und Arbeitstechniken
Lebenssituationen handlungsfähig sind. Die
Methoden und Arbeitstechniken werden jeweils im Zusammenhang mit den
Beherrschung der deutschen Sprache ist für
Inhalten jedes einzelnen Kompetenzbereichs erworben.
alle Kinder eine wichtige Grundlage für ihren
Schulerfolg, denn Sprache ist in allen Fächern Sprache und Sprachgebrauch untersuchen
Medium des Lernens (vgl. Bildungsstandards im ❚ grundlegende sprachliche Strukturen und Begriffe kennen
Fach Deutsch für den Primarbereich). ❚ sprachliche Verständigungen untersuchen
❚ an Wörtern, Sätzen, Texten arbeiten
❚ Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sprachen entdecken
Fachspezifische Hinweise
Abbildung 9: vgl. Bildungsstandards im Fach Deutsch im Primarbereich

Planung des Unterrichts


Das Ziel ist ein Deutschunterricht, in dem das chen fördert. Lernen im Deutschunterricht ist Fachlichkeit und Aufgabenkultur
Sprechen, Lesen, Schreiben und Nachdenken als aktiver Prozess zu gestalten. Die Schüler Ausgehend vom Entwicklungsstand und der
über Sprache(n) nicht isoliert nebeneinander setzen sich entdeckend mit Sprache auseinan- Erfahrungswelt der Schüler entwickelt der
stehen, sondern möglichst in für die Kinder be- der (vgl. LP S. 3, 9). Deutschunterricht die individuellen sprachlich-
deutsamen Situationen miteinander verknüpft kommunikativen Fähigkeiten der Schüler syste-
werden. Der Unterricht ist so zu gestalten, dass Alle Lernbereiche müssen ausgewogen mit matisch weiter und schafft Grundlagen für die
eine sinnvolle Verbindung der Lernbereiche zu Blick auf die im Lehrplan ausgewiesenen Zeit- Bewältigung sprachlicher Anforderungen der
einem integrativen Deutschunterricht gewähr- richtwerte berücksichtigt werden. Bei der Lebenspraxis sowie für die sachgerechte Nut-
leistet wird. Die Orientierung darauf hat zur Erstellung der Stoffverteilungspläne ist vom zung von Medien.
Konsequenz, dass im Lehrplan getrennt aufge- Lehrplan auszugehen und nicht von den Vor-
führte Inhalte aufeinander bezogen und syste- schlägen der Schulbuchverlage. Den Schülern Im Lernprozess der Schüler haben die Schlüs-
matisch miteinander verbunden werden. Das muss Gelegenheit gegeben werden, ihre Leis- selkompetenzen Lesen und Schreiben eine
gilt insbesondere für den Lernbereich »Sprache tungen zu reflektieren (Feedback). (siehe Abb. 9) grundlegende Bedeutung für alle anderen
untersuchen«, da das Nachdenken über Spra- Fächer. Eine der wichtigsten Aufgaben des
che die Sprachbewusstheit in allen Lernberei- Deutschunterrichtes ist daher die Entwicklung

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schriftsprachlicher Kompetenzen (vgl. Bartnitz- Kinästhetische Wahrnehmung ❚ Arbeit mit der Anlauttabelle
ky, Individuell Fördern – Kompetenzen stärken) ❚ Mimikspiele ❚ Schreiben am PC
❚ Lippen- und Zungenturnen mit Einsatz
»Kinder, die schon auf dem Weg in die Schrift des Spiegels Kennen und Anwenden erster recht-
sind, müssen Bestätigung und Anreiz zur Wei- ❚ Nachahmen von Geräuschen schriftlicher Regelmäßigkeiten und damit
terentwicklung erfahren; zugleich aber muss ❚ Reime, Abzählverse, Zungenbrecher verbundener Arbeitstechniken
Kindern mit eingeschränkten oder fehlenden »Die Schüler entdecken, dass die Schriftsprache
Vorerfahrungen Funktion und Eigenart der Senso- und feinmotorische Fähigkeiten bestimmten Regelmäßigkeiten folgt und ent-
Buchstabenschrift vermittelt werden und die ❚ Handgeschicklichkeit (Nachahmen wickeln Gespür für richtiges Schreiben. Sie ler-
Kinder müssen dabei unterstützt werden, ihren von Bewegungsabläufen und Einhaltung nen erste rechtschriftliche Regeln kennen. Die
Weg in die Schrift zu finden.« (vgl. Bartnitzky, der Lineatur) Schüler werden zum Nachdenken über Sprache
Individuell Fördern – Kompetenzen stärken) ❚ Stiftdruck angeregt und entwickeln Freude und Kreativi-
tät im Umgang mit Sprache.« (vgl. LP S. 6)
Der Erwerb der Schriftsprache setzt u.a. die Im Anfangsunterricht erwerben die Schüler die
folgenden Wahrnehmungsfähigkeiten und Fer- Grundlagen für das Verstehen und Verwenden Die folgenden Lehrplanziele müssen durch ziel-
tigkeiten voraus, die durch regelmäßiges Üben der Schriftsprache in enger Verbindung von Le- orientiertes Üben in sinnvollen Zusammenhän-
entwickelt und gefestigt werden müssen. sen und Schreiben in den folgenden Bereichen: gen umgesetzt werden:
❚ In der Laut- und Buchstabenebene
Phonematische Wahrnehmung Sicherung der Buchstabenkenntnis ❚ Selbstlaute, Mitlaute, Zwielaute,
❚ Heraushören gleicher Anfangslaute ❚ Einführung der Buchstaben innerhalb Umlaute (bei Mehrzahl und Verkleinerungs-
❚ Erkennen der Stellung eines Lautes im Wort eines Rahmenthemas unter Beachtung der formen)
❚ Erfassen der Anzahl der Laute eines Wortes Schrittfolge: Hören – Sehen und Fühlen – ❚ Auslautverhärtung
❚ Erkennen und Hören ähnlich klingender Schreiben ❚ In der Wortebene
Laute mit Beobachtung der Sprech- ❚ Vielfältige Übungen zur Sicherung der ❚ Großschreibung von Substantiven (Konkreta)
werkzeuge Laut-Buchstaben-Beziehung ❚ Wortbausteine: Wortstamm, Vorsilbe,
Nachsilbe, Endung
Rhythmisch-melodische Wahrnehmung Druckschrift als Erstschrift ❚ Flexionsformen
❚ Nachahmen der Rhythmen durch »Unter Berücksichtigung der Erfahrungen der ❚ Zusammensetzung
Klopfen, Hüpfen, Klatschen, … Kinder mit Schrift beim Lesen wird auch beim ❚ In der Satzebene
❚ Unterscheiden von hoch, tief, laut, leise, Schreibenlernen von der Druckschrift ausge- ❚ Großschreibung von Satzanfängen
lang, kurz gangen.« (vgl. LP S. 3) Ein Druckschriftlehrgang ❚ Satzschlusszeichen
❚ Silbengliederung von Wörtern durch ist dafür jedoch nicht zwingend erforderlich. ❚ Beherrschen des Orientierungswortschatzes
Klatschen, Schwingen, Laufen (vgl. LP S. 7) bestehend aus den klassenbezogenen und
❚ Rhythmisches Sprechen und Klatschen ❚ Anknüpfen an vorschulische Erfahrungen individuellen Wörtern sowie ausgewählten
von Wörtern und Sätzen und Lebensumfeld der Schüler Funktionswörtern
❚ Nutzen der kognitiven und schreib- ❚ Einblick gewinnen in den Umgang mit einem
Visuelle Wahrnehmung motorischen Vorteile der Druckschrift Wörterbuch (Aufbau, Suchhilfen)
❚ Differenzieren von Formen, Mengen (Entlastung der Muskulatur) ❚ Kennen von Arbeitstechniken
und Bildern ❚ Frühzeitiger Einsatz in anderen Lern- ❚ Nachdenken über Schreibweisen
❚ Feststellen gemeinsamer Formmerkmale bereichen und Unterrichtsfächern möglich ❚ Wortfamilien suchen
bei Buchstaben ❚ Lesen und Schreiben unterstützen sich ❚ Wörter in Wortbausteine zerlegen
❚ Differenzieren ähnlich aussehender gegenseitig ❚ Kontrollieren von Schreibweisen
Buchstaben und Zeichen ❚ Ermöglichen von zahlreichen freien und ❚ Nachschlagen
❚ Erkennen von Wortbildern realen Schreibanlässen von Anfang an ❚ Abschreiben
❚ Unterscheiden ähnlicher Wortbilder ❚ Vorbereiten auf die Schulausgangsschrift ❚ Alphabetisches Ordnen
❚ Raum- Lage- Orientierung (vielfältiges ❚ Zweckmäßiges Ausführen von
Anwenden der Wörter links / rechts, Befähigung zum lautgetreuen Schreiben Fehlerkorrekturen
oben / unten, vor / neben / hinter beim ❚ Regelmäßige Lautierübungen
Sprechen, Zeigen, Malen, Bewegen) ❚ Einsatz von lautgetreuen einfachen Wörtern
❚ Auge-Hand-Koordination ❚ Anwendung der Pilotsprache (gedehntes
leises Mitsprechen beim Schreiben)

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Anwenden der Schulausgangsschrift Texte planen Texte schreiben Texte überarbeiten Texte präsentieren
»Die Schüler eignen sich in einem sachsyste- und würdigen
matischen Lehrgang die Schulausgangsschrift
Schreibanlässe Erlebtes, Erdachtes, Sich über Texte Vorlesen in der
an und schreiben gut lesbar. Dabei achten sie
erkennen Gehörtes, Beobach- beraten (Schreib- Gruppe oder vor
auf eine zweckentsprechende Gestaltung des
tetes nachvollziehbar konferenz) der Klasse
Geschriebenen.« (vgl. LP S. 6)
aufschreiben
❚ Erfassen der Buchstabenformen und
-verbindungen Ideen entwickeln Wortschatz dem Kontrollierend lesen Ausstellen der
❚ Schreiben von Wörtern, Sätzen und Texten (Ideenfelder, Cluster, Sinn entsprechend (Unstimmigkeiten fertigen Schreib-
❚ Entwicklung eines angemessenen Erzählfaden) verwenden (Wörter- entdecken) produkte
Schreibtempos sammlungen,
sprachliche Vorbil-
Dabei muss beachtet werden, dass Schüler mit der)
Linkshändigkeit spezifischer Hilfestellung be-
Texte situations- und Sprachproben wie Gelungene Passagen
dürfen.
adressatengerecht Ergänzen, Weglas- besonders würdigen
entwickeln sen, Umstellen
Entwickeln einer positiven Einstellung
zum Schreiben Nachdenken über Texte verbessern
Im Mittelpunkt steht das schreibende Kind sprachliche Mittel (Rechtschreibhilfen
mit seiner eigenen Wahrnehmung und seinen nutzen, Ände-
individuellen Ausdrucks- und Mitteilungsbe- rungsvorschläge
dürfnissen. Freie Texte werden bis zum Ende einarbeiten)
der Grundschulzeit geschrieben. Sie bieten den
Kindern Gelegenheit, ihre Erlebnisse aufzu- Abbildung 10
schreiben oder Geschichten selbst zu erfinden.
Dem Lehrer geben sie Aufschluss über den je- Vor allem bei der Förderung schwacher Leser Texten Informationen entnehmen
weiligen Sprachentwicklungsstand und damit muss die geeignete Leselehrmethode ange- ❚ Geben von ja/nein- Antworten auf
Hinweise auf notwendige Lern- und Förder- wandt werden. Voraussetzungen für das Lesen Sätze oder kleine Texte
angebote (vgl. Böttcher, Becker-Mrotzek, Texte ist eine sichere Laut-Buchstaben-Zuordnung ❚ Finden von »Schummelwörtern« in Sätzen
bearbeiten, bewerten und beurteilen). beim Schüler. ❚ Erfüllen von Malaufträgen zum Text
(siehe Abb. 10) ❚ Übungen mit Wortaufbau und -abbau ❚ Äußern von Erwartungen zum Inhalt
❚ Bilden von Silben mit den erarbeiteten des Textes
❚ Nutzen von freien Schreibanlässen Buchstaben, intensives Silbenlesen ❚ Zeigen, Vorlesen, Unterstreichen von
(z. B. Schreiben von Ich-Texten, zu Bildern, ❚ Zusammensetzen der geübten Silben Schlüsselwörtern
zu Büchern, für den Klassenbriefkasten, zu Wörtern ❚ Ordnen von Textabschnitten
für das Klassentagebuch) ❚ Verwenden von Texten, die Silbenlücken ❚ Zuordnen von Bildern zu den
❚ Äußern in gebundenen Schreibsituationen enthalten Textabschnitten
❚ Finden von Überschriften zu Textabschnitten
Anwenden formaler Mittel zur Entwicklung der Lesekompetenz oder dem gesamten Text
Gestaltung schriftlicher Arbeiten Lesetechnik weiterentwickeln
❚ Einteilung des Schreibraumes ❚ Üben des ganzheitlichen Erfassens Texte / Bücher für das eigene Lesen auswählen
❚ Textanordnung häufig vorkommender Wörter ❚ Bereitstellen von Kinderbüchern, Kinder-
❚ Hervorhebung ❚ Erlesen längerer Wörter durch silbenweises zeitschriften als anregende Lernumgebung
❚ Beschriftung Erschließen (Silbenbogen darunter ziehen, ❚ Schaffen von einladenden Leseorten in
❚ Fehlerkorrektur Wörternach Silben zweifarbig markieren) der Klasse und in der Schule
❚ Hinführen zum Lesen mit angemessener ❚ Einrichten von freien Lesezeiten zum
Förderung des Lesenlernens Betonung durch vorheriges Einteilen von selbstvergessenen genießenden Lesen
Lesenlernen ist eine wichtige Voraussetzung Sätzen in Sinneinheiten
für erfolgreiches Lernen. Dafür gibt es unter- ❚ Wiederholtes Lesen eines Textes mit
schiedliche Zugänge, wobei Lesen und Schrei- Erfassen der Lesezeit
ben eng aufeinander bezogen werden. ❚ Tandemlesen mit einem Partner

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Texte präsentieren Fachspezifische Differenzierung ❚ Beachtung der unterschiedlichen Lerntypen
❚ Vorlesen geübter Texte oder Textteile »Entscheidend für guten Unterricht ist die wirk- (audiovisuelle Lernmittel)
❚ Gestaltung von Texten mit passenden same Förderung jedes Einzelnen, seines Lernens ❚ Differenzierte Hausaufgaben
Bildern und seiner Entwicklung in allen Bereichen.« ❚ Auswahl der Sozialform
❚ Stellung zum Text nehmen, Meinungen (Fauser, Schratz, Was kann man von guten ❚ Differenzierte Textangebote in ver-
äußern Schulen lernen?) schiedenen Schriftgrößen und Schriftarten
❚ Weiterschreiben gelesener Geschichten, ❚ Lerntempo
Vortragen des eigenen Teils Aufgabe der individuellen Förderung ist vor
allem, an den Lernständen und Lernbedürf-
Entwicklung einer Gesprächskultur nissen der Schüler anzuknüpfen, ihr Lernen
Der Lernprozess im Unterricht vollzieht sich im zu begleiten, ihre Anregungen aufzunehmen,
Erleben und Wahrnehmen von Sprechen und Lernergebnisse in ihrer Vielfalt zuzulassen und
Zuhören, im Reflektieren ausgeführter Sprech- Reflexion zu ermöglichen.
handlungen und im Erproben und Üben von
Sprechhandlungsalternativen. Eine förderliche Lesekultur sowie Sprach- und
Kommunikationsförderung, insbesondere für
»Gesprächsfähig sind Kinder, wenn sie sachan- Jungen, sollen über das Fach Deutsch hinaus
gemessen und partnerbezogen miteinander in allen Fächern der Grundschule Anwendung
sprechen. Sie finden sich in verschiedenen Ge- finden.
sprächssituationen zurecht, sie können Hörer-
und Sprecherrollen einnehmen, einen Gegen- Der geschlechtersensiblen Leseförderung soll-
stand oder einen Sachverhalt richtig erfassen te in der Grundschule weiterhin zunehmend
und verständlich wiedergeben, als Person au- Beachtung geschenkt werden. Folgende Mög-
thentisch sein und sich in der Kommunikation lichkeiten dazu bieten sich an (vgl. Sächsisches
und Zusammenarbeit mit anderen an Regeln Bildungsinstitut, Erprobung von Gender-Main-
halten.« (Potthoff, Gespräche mit Kindern) streaming-Strategien an sächsischen Schulen):
❚ Nutzen verschiedener kommunikativer Situ- ❚ inhaltliche Differenzierung nach
ationen in Pausen und Spielsituationen so- Interessen an bestimmten Lesestoffen und
wie im Unterricht (u.a. Morgenkreis, Erzähl- geschlechterspezifischen Inhalten
kreis, Streitschlichtung, Fachgespräch, Lese-, ❚ methodische Differenzierung
Schreib- und Rechenkonferenz, Partner- und (Jungen sprechen auf bestimmte Methoden
Gruppengespräch, Diskussion, Präsentation) anders an als Mädchen)
❚ Schaffen einer Atmosphäre, die das ❚ phasenweise differenzierter
Sprechen und Zuhören fördert Leseunterricht für reine Jungen- oder
❚ Gemeinsames Aufstellen von Gesprächs- Mädchengruppen
regeln ❚ Einbeziehung von außerunterrichtlichen
❚ Reflektieren des eigenen Gesprächs- Vertretern (vorzugsweise männliche
verhaltens Personen)
❚ Aktives Zuhören
❚ Weiterentwicklung des Frageverhaltens der Auswahl an Differenzierungsmöglichkeiten:
Schüler zu einer Fragekompetenz - der Leh- ❚ Interessen und Begabungen beachten
rer muss Situationen schaffen, die Fragen im ❚ Geschlechterspezifische Auswahl an Texten,
Unterricht zulassen und fordern Ganzschriften, Gedichten ermöglichen
❚ Gesprächsanteil der Schüler erhöhen ❚ Beachten von Entwicklungsbesonderheiten
(Integration, LRS, DaZ, Hochbegabung)
Die Anforderung an jeden Schüler, sich weitge- ❚ Zugang zu verschiedenen Schreibmaterialien
hend sprachrichtig zu äußern, gilt grundsätz- und Lineaturen
lich in allen Situationen und Fächern. ❚ Individuelle Hilfen für Linkshänder zur
Verfügung stellen
❚ Ständige Verfügbarkeit von Anschauungs-
material, Nachschlagewerken oder Lösungs-
hilfen

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5.3 Mathematik Fachspezifische Hinweise Fachlichkeit und Aufgabenkultur

Der Mathematikunterricht in der Grundschule Planung des Unterrichts Zahlenräume erobern


greift die frühen mathematischen Alltagser- Die Lernbereiche Geometrie, Arithmetik und Schulanfänger verfügen bereits über vielfältige
fahrungen der Schüler auf, vertieft und erwei- Größen sind im Unterricht eng miteinander zu Erfahrungen mit Zahlen auf unterschiedlichem
tert sie und entwickelt aus ihnen grundlegende vernetzen. Da im Mathematikunterricht stets Niveau. Sie sind in der Lage zu zählen, Anzahlen
mathematische Kompetenzen. Auf diese Weise von der Lebenswirklichkeit der Schüler ausge- zu vergleichen und spielerisch erste Rechnun-
wird die Basis für das Mathematiklernen in gangen werden soll, findet das Sachrechnen in gen auszuführen. Diese Vorkenntnisse müssen
den weiterführenden Schulen und für eine le- allen drei Lernbereichen Anwendung. in den ersten Unterrichtswochen genutzt wer-
benslange Auseinandersetzung mit mathema- den.
tischen Anforderungen des täglichen Lebens Viele Schulanfänger entwickeln bereits im
geschaffen. Der Mathematikunterricht in der Kindergartenalter ein mathematisches Zah- Nach der Feststellung des aktuellen Lernstan-
Grundschule darf nicht auf die Aneignung von lenverständnis, entdecken Regelmäßigkeiten, des zu Beginn der 1. Klasse bieten sich Mög-
Kenntnissen und Fertigkeiten reduziert werden. messen, wiegen und haben Vorstellungen zu lichkeiten für differenziertes und individuelles
Das Ziel ist die Entwicklung eines gesicherten geometrischen Sachverhalten. Deshalb kommt Arbeiten. Beispielsweise können die Schüler ihr
Verständnisses mathematischer Zusammen- sowohl der Differenzierung als auch der Indivi- eigenes Zahlenbuch gestalten. Dabei wird ih-
hänge. Die Entwicklung der mathematischen dualisierung im Anfangsunterricht eine große nen ermöglicht, auf den einzelnen Seiten ihren
Grundbildung hängt nicht nur davon ab, wel- Bedeutung zu. Für die meisten Schüler ist die offenen Zahlenraum zu dokumentieren (»Meine
che Inhalte unterrichtet wurden. Mindestens in Anschauung bei Mengen und beim Rechnen Lieblingszahlen/Zahlen, die ich kenne/Aufga-
gleichem Maße ist wichtig, wie sie unterrichtet besonders wichtig. Der Sprung zum abstrakten ben, die ich schon rechnen kann« ...). Die Lehrer
wurden, d. h. in welchem Maße den Schülern Arbeiten kann erst vollzogen werden, wenn die erhalten somit zugleich einen Einblick in die
Gelegenheit gegeben wurde Probleme zu lösen, Schüler sie nicht mehr benötigen. Kenntnisse und Denkweisen der Schüler. Das
über Mathematik zu kommunizieren. simultane Erfassen von strukturierten Mengen
Von zentraler Bedeutung für einen erfolgrei- Für einen Erfolg sichernden Anfangsunterricht bis zu 5 Elementen ergibt weitere Möglichkei-
chen Mathematikunterricht in der Grundschule in Mathematik müssen folgende Punkte be- ten, an der Zahlbegriffsentwicklung und am
sind: Darstellen von Mathematik, Problemlö- rücksichtigt werden: Zahlenverständnis zu arbeiten. Wichtig dabei
sen, Argumentieren, Kommunizieren und Mo- ❚ aktives entdeckendes Lernen fördern ist die Verdeutlichung des Zusammenhangs
dellieren (vgl. Bildungsstandards im Fach Ma- ❚ Stärken und Schwächen der Schüler zwischen Menge – Zahlwort – Ziffer. Hierfür
thematik für den Primarbereich). erkennen und beachten eignen sich Punkt- und Würfelbilder, Dominos
❚ Wechsel geeigneter Unterrichtsformen und Quartettspiele besonders gut.
❚ Anschauungsmaterial einsetzen
❚ individuelle Übungsphasen einbauen
❚ eigenes Lernen reflektieren

16 |
Um die enge Verbindung von Arithmetik und
Geometrie herzustellen, bekommen die Schü-
ler Aufträge, die sich auf das Veranschaulichen
von Objekten mit Hilfe von Würfelmengen be-
ziehen:

»Baue einen Dreier/Vierer.«


Hierbei werden die Schüler verschiedene
Anordnungen erzielen.
2+2=4 1·3=3 3+3=6
2·2=4 2·3=6

Wie entsteht daraus 3 · 3 ?

Welche Würfeltürme stellen gerade oder ungerade Zahlen dar?

Eine weitere Möglichkeit, Mengen zu erfassen,


ist das Führen einer Strichliste. Dabei erhalten
die Schüler erste Einblicke in das Erfassen von
Daten und das Lesen von Statistiken. Sie erken-
nen, inwieweit sich Objekte durch bestimmte Abbildung 11
Merkmale von anderen unterscheiden.
❚ Lösungsstrategien bildlich darzustellen der Lösungsweg als auch der Zeitaufwand sind
Themen für Strichlisten können sein: und zu beschreiben. individuell.
unsere Klasse (Jungen, Mädchen, (siehe Abb. 11)
Haarfarbe, Geburtstage, Haustiere...) Wie löse ich die Aufgabe 4 · 8?
Zur Demonstration wird auf die schiefe Ebene Hier sollten die Schüler mithilfe von
unsere Schule (Anzahl der Schüler der Würfeltürme ein Blatt Papier gelegt. Die Material (z. B. Steckwürfel) selbst das
in der Parallelklasse...) Lernenden sprechen über ihre Beobachtung Ergebnis entdecken.
(»Das Blatt rutscht nach unten. Der Würfelturm
Sportunterricht (Ballprellen, Zielwerfen...) ist nicht gerade.«). Verdopplung von 2 · 8

Entdeckendes Lernen Verdopplung von 4 · 4


Weitere Anregungen für Erkundungen bei der Mathematiklernen ist ein aktiver und entde-
Erweiterung des Zahlenraumes können in der ckender Prozess jedes Schülers. Dabei bauen Nutzen der Tausch-, Nachbar- oder
Schule und im Lebensumfeld der Schüler ge- sich Bilder im Kopf auf, die zu Vorstellungen Zerlegungsaufgaben
funden werden. über Zahlen, Beziehungen und Rechenoperati-
onen führen.
Festigung und Vernetzung
Für das Übertragen von Zahlvorstellungen auf Entdeckendes Lernen ist nur in einem offe-
das Anwenden der Rechenoperationen sowie nen und anregenden Lernklima möglich. Es
zur Festigung und Vernetzung der Grundauf- setzt voraus, dass die Schüler die aktive Rolle
gaben sind übernehmen. Das heißt, alle - die Schnellen,
❚ geometrische Veranschaulichungen für die Langsamen und die Schwächeren - können
das Bilden von Termen zu nutzen, entdeckend lernen. Dies erfordert Zeit und Ge-
❚ Grundaufgaben durch Operieren mit geo- duld. Entdeckendes Lernen geschieht auf un-
metrischen Veranschaulichungen zu lösen, terschiedlichem Entwicklungsniveau und mit
❚ Zahlbeziehungen für Lösungsstrategien verschiedenen Ergebnissen. Das Ziel ist für alle
zu nutzen, Schüler gleich, aber sowohl der Materialeinsatz,

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Aufgabe: 15 + 18
Lösungsmöglichkeiten am Rechenstrich

+5 +10 +3 +10 +5 +3 +2 +3 +10

15 20 30 33 15 25 30 33 18 20 23 33

Abbildung 12

Problemlösendes Lernen auf eigenen Wegen Anschließend werden gefundene Wege in einer Strategische Türmchen (Rechenpäckchen)
Dazu eignen sich offene, herausfordernde Auf- Rechenkonferenz vorgestellt. Hierbei verstän-
gaben: digen sich die Schüler über unterschiedliche Wie geht es weiter?
Möglichkeiten zur Lösung. Sie lernen miteinan-
der und voneinander und üben sich in Kommu- 1+2+3=
Finde möglichst viele Additionsaufgaben
mit dem Ergebnis 10. nikation, Akzeptanz und Toleranz.
2+3+4=
Welche Additions- und Subtraktions- Produktives Üben
Das Herstellen, Verändern und Entdecken von 3+4+5=
aufgaben kennst du über das Ergebnis
10 hinaus? Strukturen bestimmen die wesentlichen Akti-
vitäten eines konstruktiven, kreativen und auf 4+5+6=
Du hast vier Zahlenkärtchen. Entdeckung ausgerichteten Übens. Das Ziel des
Bilde Aufgaben damit. Übens im Mathematikunterricht kann nicht
eine Vielzahl von bearbeiteten Rechenpäckchen Magische Quadrate
Zu welcher Ergebniszahl findest du die sein, sondern ist eine vielseitige Vernetzung des
meisten Multiplikationsaufgaben? Gelernten, um es langfristig abrufbar zu halten. Welche Zahlen fehlen?

Fülle diese Rechenmauer mit selbst Alle Schüler sollen Summe


gewählten Zahlen aus. ❚ einen Zahlensinn,
❚ ein Verständnis der Rechenoperationen,
❚ einen flexiblen Einsatz der Rechenstrategien,
❚ ein Problemlöseverhalten,
❚ das Anwenden von mathematischen
Kenntnissen in Alltagssituationen u. ä.
entwickeln. (vgl. Lorenz, Lernschwache
Rechner fördern) Zauberdreiecke

Setze die Zahlen 1 bis 6 so in das


Schüler sollen eigene Rechenwege zu vorgege- Zauberdreieck ein, dass die Summe der
benen Aufgaben finden. Dabei können sie die Seitenzahlen 10 ist.
Aufgaben mithilfe von Material (z. B. Steckwür-
fel, Zwanzigerfeld, Rechenstrich) selbstständig
lösen. Die Lösung wird rechnerisch und zeich-
nerisch dargestellt. Die Schüler haben die Mög-
lichkeit, Lösungswege auszuprobieren, Fehler
machen zu dürfen oder Umwege zu gehen.
(siehe Abb. 12)

18 |
Geometrische Musterreihen Arithmetische Muster- und Zahlenreihen

Setze das Muster fort. Ergänze die fehlende Zahl. Setze das Muster fort.

Erfinde selbst Musterreihen.


(zeichnen oder ausschneiden und anders
zusammensetzen, legen und kleben;
Verwenden anderer Materialien wie z. B.
verschieden farbige Plättchen)

20 18 16 14 12 …

Erfinde selbst Muster- und Zahlenreihen.


(zeichnen oder ausschneiden und anders zusammensetzen, legen und kleben;
Verwenden anderer Materialien wie z. B. verschieden farbige Plättchen)

Textaufgaben

Bilde mit den Zahlen Aufgaben.


Sie sollen folgende Ergebnisse haben:

a) gleich 20
b) gleich 5
c) gerade Zahl
d) ungerade Zahl
e) kleiner als 20
f) größer als 20

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Sachaufgaben

Die Summe der Seitenzahlen beträgt 13.


Auf welchen beiden Seiten hast du das Buch geöffnet?

Schreibe Aufgaben zu den Bildern.

Beantworte die Frage.


»Wie viele Tulpen kann ich kaufen?«

Was kannst du rechnen?


»Was kann ich kaufen?«

20 |
Fachspezifische Differenzierung Wichtig für den Umgang mit Anschauungsmit- Im Anschluss eignen sich Übungen zum Nach-
teln sind folgende Grundsätze: spuren auf Wegeplänen. Diese Erfahrungen
Geeigneter Umgang mit Lernmitteln ❚ Das Arbeitsmittel steht allen Schülern können bei der Bearbeitung von Labyrinthen
Die anfängliche Arbeit mit unstrukturiertem jederzeit zur Verfügung. angewandt werden.
Material (z. B. Kastanien, Murmeln, Wende- ❚ Die Darstellung und der Umgang mit
plättchen, Steckwürfel) wird durch den Einsatz dem Arbeitsmittel muss im Unterricht
von strukturierten Lernmitteln, die eine deutli- thematisiert und mit geeigneten Aufgaben-
che Fünfer- und Zehnergliederung aufweisen, stellungen geübt werden.
abgelöst. Dieses Material ist bei der Erfassung ❚ Die Dauer der Benutzung des Arbeits-
größerer Zahlen bis 100 notwendig. Es vermei- mittels als Stütze für das Rechnen bestimmt
det den Zwang zum zählenden Rechnen. jeder Schüler selbst. Die Lehrkraft greift bei
Bedarf steuernd ein.
Folgende didaktischen Kriterien der Beurtei-
lung von Lernmitteln sollten beachtet werden Entwicklung des Wahrnehmungs- und
(vgl. Kriterien zur Beurteilung von Arbeitsmit- Vorstellungsvermögen
teln nach Radatz 1996): Die Entwicklung des Wahrnehmungs- und Vor-
❚ Erlaubt das Material simultane Zahl- stellungsvermögens ist eine wichtige Voraus-
auffassung und –darstellung bis 5? setzung für mathematisches Lernen überhaupt.
❚ Erlaubt das Material quasi simultane Es bildet die Grundlage für das Mengenver-
Zahlauffassung und –darstellung ständnis, die Zahlauffassung, die Orientierung
bis 10 bzw. 20? im Zahlenraum sowie für die mathematische
❚ Erlaubt das Material Handlungen, die an Begriffsbildung.
das kindliche Verständnis für die mathe-
matischen Operationen Addieren und Übungen zur Körperwahrnehmung helfen da-
Subtrahieren, Verdoppeln und Halbieren, bei, räumliche Erfahrungen zu sammeln. Unter-
Zerlegen und Zusammensetzen von Zahlen stützend wirken Aufgaben zur Wahrnehmung
anknüpfen? der rechten und linken Körperhälfte mit Lie-
❚ Erlaubt das Material Handlungen, die dieses dern, Versen und Spielen.
Verständnis weiter entwickeln, stabilisieren
und erweitern? Das »Begreifen« geometrischer Körper durch
❚ Ist die Übersetzung der Handlungen in Fühlen und Benennen unterstützt die Begriffs-
Bilder und Symbole auch für Schüler leicht bildung. Die differenzierte Darstellung geomet-
möglich? rischer Objekte schult die Wahrnehmung.
❚ Erlaubt das Material zählendes Rechnen?
❚ Unterstützt das Material die Ablösung Daran anknüpfend spielt das Erkennen und
vom zählenden Rechnen? Fortsetzen von Mustern eine wichtige Rolle.
❚ Erlaubt das Material Handlungen, die Zur Förderung der Konzentration und der Sorg-
heuristische bzw. operative Strategien des falt können Figuren, Musterreihen, Parkette
Rechnens im Zahlenraum bis 20 entwickeln und Ornamente zusammengesetzt, beschrie-
helfen? ben, erfunden, gelegt, nachgelegt und gezeich-
❚ Erlaubt das Material den Schülern die net werden.
Entwicklung vielfältiger individueller
Lösungswege für Rechenaufgaben? Lagebeziehungen und Möglichkeiten zur ge-
❚ Gibt es zu dem im Zahlenraum bis 20 danklichen Orientierung im Raum lassen sich
eingesetzten Material strukturgleiche im Lernbereich Geometrie vielfältig trainie-
Fortsetzungen für das Rechnen im ren. Darüber hinaus tragen das Gehen und
Zahlenraum bis 100? Beschreiben von Wegen im Schulhaus, zum
❚ Kann das Material auch für andere Schulhof, zur Turnhalle o. ä. zur Raumorien-
Unterrichtsinhalte genutzt werden? tierung bei. Das dient gleichzeitig zur Vorberei-
tung des Sachunterrichtsthemas »Begegnung
mit Raum und Zeit«.

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5.4 Sachunterricht Fachspezifische Hinweise Fachlichkeit und Aufgabenkultur

Sachunterricht hat die Aufgabe, die Schüler an Planung des Unterrichts Im Anfangsunterricht werden fachspezifische
grundlegendes Wissen aus Gesellschaft, Natur Mit Blick auf die Bildungsempfehlung kommt Kenntnisse und Arbeitstechniken, wie im Lehr-
und Technik heranzuführen. Ausgehend von dem Fach eine gewachsene Bedeutung zu. Auf plan ausgewiesen, angebahnt. (siehe Abb. 13)
den Erfahrungen und Interessen der Schüler die Verwendung der exakten Fachbezeichnung
sowie von den Bezügen zum späteren Fach- wird besonderer Wert gelegt, um der Stellung Folgende Arbeitstechniken finden vorrangig
unterricht wird die inhaltliche Bandbereite der des Faches und dem breiten Spektrum der Anwendung:
Themen in Lernbereichen strukturiert. Darin Lehrplaninhalte Rechnung zu tragen. ❚ Sammeln (Blattsammlung, Steine …)
sind die Intentionen des bundesweit diskutier- ❚ Ordnen/Zuordnen/Benennen/Vergleichen
ten Perspektivrahmens Sachunterricht aufge- Obwohl Sachunterricht eng mit der Entwick- (Laub- und Nadelbäume, Wuchsformen,
nommen. lung der Sprachfähigkeit verknüpft ist, kann Blätter, Früchte, Blattformen …)
Sachunterricht nicht im Fach Deutsch aufge- ❚ Beobachten (Vögel und Bäume im
Die Schüler sollen neben dem Erwerb von hoben werden. Auch wenn in der Stundentafel Jahreslauf, Entwicklung von der Blüte zur
Wissen fachspezifische Denk-, Arbeits- und für die Grundschule die Fächer Deutsch und Frucht, Keimversuche …)
Verfahrensweisen erlernen sowie in der Aus- Sachunterricht gemeinsam in einem Fächer- ❚ Betrachten (Blüten, Kleintiere …)
einandersetzung mit den Themen zu Urteils- block ausgewiesen sind, wird Sachunterricht ❚ Nutzung der Lupe/Becherlupe als
und Entscheidungsfähigkeit geführt werden. (in Klassenstufe 1 zwei Unterrichtsstunden, in fachspezifische Arbeitsgeräte
Vielfältiges methodisches Herangehen z. B. Klassenstufe 2 drei Unterrichtsstunden) von ❚ Nutzung des Schulgartens als Lernort
durch Beobachten, Vergleichen, Ausprobieren, Anfang an als eigenständiges Fach unterrichtet ❚ Ausprobieren (Licht und Schatten, …)
Erkunden, Experimentieren, Informationen ver- und im Klassen- und Notenbuch als selbständi- ❚ Untersuchen (Blüten, …)
arbeiten, trägt dazu bei, dass die Schüler sich in ges Unterrichtsfach geführt. ❚ Versuche (Luft, …)
ihrer Umwelt zurechtfinden und sie angemes- ❚ Anbahnen des Experimentierens
sen verstehen. Die Jahresplanung orientiert sich an den Jah- ❚ Schrittfolge beachten
reszeiten und an fachübergreifenden Aspekten. ❚ Sachinformationen aus verschiedenen
Die Auswahl der Wahlpflichtlernbereiche kann Medien entnehmen (Nachschlagewerke,
durch Lehrer und Schüler gemeinsam erfolgen. Suchmaschinen, …)

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Betrachten Beobachten Die Nutzung außerschulischer Lernorte (z.B.
Museen, Schulgarten, Biotop, Bauernhof, Wie-
Beobachten schließt Betrachten ein. sen, Gewässer, …) und der Einsatz externer
Partner sind dafür unverzichtbar.
Schüler wendet sich einem Gegenstand/ Schüler wendet sich einem Vorgang /
Objekt zu, welches sich im Ruhezustand Verlauf zu: z.B. Veränderungen von Pflanzen,
befindet: z. B. Originale, Modelle, Präparate, Entwicklung von Tieren bzw. Menschen, Fachspezifische Differenzierung
Bilder, Fotografien, Skizzen, Karten… Verhalten, Wetter, Bau eines Gebäudes, Anknüpfend an die Lernvoraussetzungen und
Verkehr, Funktionsweise einer Maschine, so- das Expertentum der Schüler finden individuel-
ziale Phänomene, Umgang mit Behinderten, le Neigungen, Stärken und Interessen besonde-
Konflikte auf dem Schulhof, Verhalten am re Anerkennung. Interessante Fragestellungen,
Zebrastreifen… Forscheraufträge, das Einbeziehen von Schü-
lerfragen, von lokalen oder regionalen Gege-
Ziel: Ziel: benheiten und des aktuellen Weltgeschehens
Ermittlung der Merkmale eines Informationen unmittelbar und realitäts- sind ebenso Bestandteil des Unterrichts wie
Gegenstandes/ Objektes nah - Garant für Faszination und Motivation Möglichkeiten der Reflexion über Lernprozes-
se. Aufgabenformate werden so gewählt, dass
Abbildung 13
Handlungsorientierung und das Anwenden er-
Quelle: Handbuch: »Methoden im Sachunterricht« D. von Reeken
lernter Arbeitstechniken möglich sind.
Der Lehrplan bietet zahlreiche Differenzie-
Im Sachunterricht wird auf die Anwendung rungsmöglichkeiten. Diese sind angegliedert an
von fachlich richtigen Begriffen und auf deren Lehrplaninhalte. (siehe Abb. 15)
inhaltliche Verständigung geachtet. (siehe Abb.
14)

Lernbereich Fachbegriffe

LB 3 »Begegnungen mit Pflanzen und Tieren«

Beherrschen von grundlegendem Wurzel, Stamm, Ast, Zweig, Krone, Laubblatt


Wissen über Bäume

Kennen der Entwicklungsstadien Wurzel, Stängel, Blatt, Blüte, Frucht, Samen


von Blütenpflanzen

LB 4 »Begegnung mit Phänomen


der unbelebten Natur«

Kennen von Wettererscheinungen Skala, Gefrier- und Schmelzpunkt


und Zeichen der Natur

Abbildung 14

Ein weiterer Schwerpunkt des Anfangsunter- Die didaktischen Grundsätze des Sachunter-
richts ist die Vermittlung der Artenkenntnis richtes sind bereits im Anfangsunterricht zu
unter Berücksichtigung regionaler Besonder- berücksichtigen:
heiten. Der Lehrplan gibt verbindlich an: ❚ Handlungsorientierung
❚ Methodenvielfalt
LB 3 »Begegnungen mit Pflanzen und Tieren« ❚ Begegnungen mit Originalen
❚ fünf Vertreter der Laubbäume ❚ sachgerechter Einsatz geeigneter Medien
❚ drei Vertreter der Nadelbäume ❚ Ausprägung von Werten und Einstellungen
❚ vier Vertreter der Frühblüher

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Auswahl inhaltlicher Differenzierungsbeispiele

Lernbereich Lehrplaninhalte Möglichkeiten der inhaltlichen Differenzierung

LB 1 Anwenden von Formen des gemeinsamen und Verantwortlichkeiten vereinbaren Verhaltensregeln


»Zusammen leben individuellen Lernens selbst aufstellen (bildlich oder in Schriftform)
und lernen« ❚ Mitgestalten der Lerngemeinschaft und der -umgebung

LB 2 Gestalten eines gesunden Frühstücks Vielfalt der Obst-und Gemüsearten aus der Region,
»Mein Körper und aus aller Welt; Transportwege, fairer Handel
meine Gesundheit«

LB 3 Kennen jahreszeitlicher Veränderungen in der Natur


»Begegnungen mit ❚ Veränderungen an Laubbäumen Art und Umfang der Beschriftung (Blattsammlungen)
Pflanzen und Tieren«
Beherrschen von grundlegendem Wissen über Bäume
❚ Unterscheiden von drei Vertretern der Nadelbäume Suchen von idividuellen Gedächtnisstützen zur
Unterscheidung (Eselsbrücken/ Mnemotechniken)

❚ Unterschied zwischen Laub- und Nadelbaum Alter des Baumes nach Anzahl der Astwirtel*,
Jahresringe bestimmen
Kennen der Entwicklungsstadien von Blütenpflanzen
❚ Ausbildung der Frucht bei Obstgehölzen Verarbeitung von Früchten

Anwenden des Wissens über Blütenpflanzen bei


gärtnerischen Arbeiten
❚ Schaffen günstiger Wachstumsbedingungen für Pflanzen Zeigerpflanzen**

Kennen von Tieren in ihren unterschiedlichen


Lebensräumen
❚ frei lebende Kleintiere in der Region Arbeit mit verschiedenen Nachschlagewerken

❚ Pflege von Heimtieren Arbeit mit Sachbüchern und elektronischen


Nachschlagewerken

LB 4 Einblick gewinnen in das Phänomen Licht


»Begegnung mit ❚ Wirkung des Sonnenlichts Sterne und Mond als Lichtquelle/Reflektor
Phänomen der unbe-
lebten Natur« ❚ Beziehung zwischen Lichtquelle, Gegenstand von Schattenform auf Original schließen
und Schatten

Kennen wesentlicher Eigenschaften der Luft


durch Probieren und Experimentieren
❚ Erzeugen von Geräuschen und Tönen durch bewegte Luft Blitz und Donner, Orientierung der Fledermäuse

Kennen von Wettererscheinungen und Zeichen der Natur Differenzierung der Wahrnehmungsfähigkeit

Kennen wesentlicher Eigenschaften des Wassers durch


Experimentieren
❚ Wasser als Lösungsmittel weitere Experimente zum Mischen und Trennen

Abbildung 15

24 |
* Astwirtel: Kreis von Blättern oder Zweigen an
ein und demselben Stängelknoten, (auch Quirl)
Quelle: WAHRIG »Die deutsche Rechtschrei-
bung« Bertelsmann Lexikon Verlag

** Zeigerpflanzen sind Pflanzenarten mit spezi-


ellen Ansprüchen an den Standort, an dem sie
wachsen. Dort treten sie auch vermehrt auf. Sie
'zeigen', welche Eigenschaften der Boden hat.

Beispiele:
❚ humusreicher Boden:
Brennnessel, Löwenzahn, Vogelmiere…
❚ nährstoffarmer Boden:
Gänseblümchen, Heidekraut, Hirtentäschel,
Margerite, Stiefmütterchen, Weißklee…

Quelle: www.ahabc.de/focus/focus-12.html

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6 Unterstützungsmaterialien

Das Sächsische Staatsministerium für Kultus Chronisch kranke Schüler im Schulalltag


und das Sächsische Bildungsinstitut haben Empfehlungen zur Unterstützung und Förde-
verschiedene Unterstützungsmaterialien ver- rung (SMK 2009)
öffentlicht, die zusätzlich Empfehlungen und
Handlungsorientierungen für den Übergang Handreichung für den Unterricht im Fach
vom Kindergarten in die Grundschule und den Kunst an Grundschulen (SBI 2010)
Unterricht, insbesondere in der Grundschule
geben. Sie können über das Shopsystem des Handreichung für den Unterricht im Fach
zentralen Broschürenversandes kostenlos be- Werken an Grundschulen (SBI 2012)
stellt oder als pdf-Datei heruntergeladen wer-
den können.

Große Übergänge für kleine Leute


Praxishandbuch für Kindertageseinrichtungen
und Grundschulen (SMK 2011)

Das Kind im Mittelpunkt


Mein Kind kommt in die Schule - ein Ratgeber
für Eltern (SMK 2009)

Mehrsprachigkeit in Kindertages-
einrichtungen und Grundschulen
Ein Orientierungsrahmen für Leiterinnen und
Leiter von Kindertageseinrichtungen und
Grundschulen (SMK 2010)

Ein guter Start


Grundschulen in Sachsen (SMK 2011)

Kinder brauchen Respekt und Resonanz


Dokumentation des Projekts zur Förderung
von Kindern mit verhaltens- und leistungs-
bedingten Besonderheiten (SMK 2011)

Schwierigkeiten beim Erlernen


des Rechnens
Empfehlung zur Förderung von Schülern (SMK
2010)

Handlungsorientierung LRS
Empfehlung für Grundschulen, Mittelschulen,
Gymnasien und berufsbildende Schulen (SMK
2008)

Integrative Begabtenförderung
Ein Beitrag zur Schul- und Unterrichtsentwick-
lung an Sachsens Grundschulen (SMK 2010)

26 |
7 Quellenverzeichnis

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Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Referat 32 Grundschulen
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
Bürgertelefon: 0351 5642526
E-Mail: info@smk.sachsen.de
www.bildung.sachsen.de

Verfasser:
Annett Bauer, Evelyn Brandenburger, Petra Braun, Renate Dittmar,
Dr. Jutta Frotscher, Marika Götze, Winnie Heine, Susann Koppisch,
Matthias Lessig, Carmen Liebelt, Heike Magotsch, Kathrin Schmidtgen,
Annette Treffkorn, Annett Urbitsch

Gestaltung:
Löser & Partner

Druck:
Druckerei Wagner
Verlag und Werbung GmbH

Redaktionsschluss:
November 2012

Auflagenhöhe:
2.000 Stück

Bezug:
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden unter:
www.publikationen.sachsen .de

Verteilerhinweis:
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Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der
Öffentlichkeit herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von deren
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zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden.

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die des Nachdruckes von Auszügen und der fotomechanischen Wiedergabe,
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