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Rena Schwarting | Universität Bielefeld | Fakultät für Soziologie

Leitfaden und Anregungen


für „funktionales Schreiben und Lesen“
in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
von Rena Schwarting | Email: rena.schwarting@uni-bielefeld.de |
Erster Stand: 28. Oktober 2010 | Geringfügig Überarbeitet: 20. Oktober 2015

Inhalt

1.   Einleitung 2  

2.   Kriterien zur Bewertung von Hausarbeiten 2  

2.1   Formale Kriterien 3  


2.1.1   Layout, Ausdruck und Sprache 3  

2.1.2   Aufbau der Arbeit 4  

2.2   Inhaltliche Kriterien 8  


2.2.1   Problem-Lösung als Schema „funktionalen Schreibens“ 8  

2.2.2   Problemeingrenzung und Argumentationsstruktur 10  

2.3   Methodische Kriterien 11  


2.3.1   Literaturauswahl und Literaturbearbeitung 12  
2.3.2   Datenerhebung und Dateninterpretation 13  

3.   Zusammenfassung und allgemeine Hinweise 13  

4.   Literatur 15  

5.   Anhang 16  
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1. Einleitung
Wozu wissenschaftliches Schreiben während des Studiums? Im Gegensatz zur Prüfungs-
form der Klausur bietet wissenschaftliches Schreiben die Möglichkeit, sich in der eigenstän-
digen Formulierung, der strukturierten Auseinandersetzung und der schriftlichen Präsentati-
on eines wissenschaftlich relevanten Themas zu üben. Wissenschaftliches Schreiben ist
daher nicht nur in der akademischen Ausbildung eine Form der vergleichenden Leistungs-
kontrolle seitens der Prüfer, sondern stellt neben der Aneignung von Sachkenntnissen eine
wesentliche berufliche Schlüsselqualifikation dar. Im Studium hilft wissenschaftliches Arbei-
ten als Vorbereitung auf das Anfertigen von weiteren Texten und Hausarbeiten im Allgemei-
nen und auf die abschließende Bachelor- oder/und Master-Arbeit im Besonderen.

Als Modell und Maßstab für die Anfertigung von Hausarbeiten dienen die Kriterien für die
Publikation von Artikeln in wissenschaftlichen Fachzeitschriften (siehe Autorenhinweise der
Zeitschrift für Soziologie oder des American Journal of Sociology).

Aber wie verfasse ich eine wissenschaftliche Hausarbeit? Zur Beantwortung dieser Frage gilt
es zunächst die Anforderungen an einen wissenschaftlichen Text zu klären. Die meisten
Wissenschaftseinrichtungen (Universitäten, Fakultäten, Forschungsinstitute) fassen Ihre je-
weiligen Ansprüche i.d.R. in Form von so genannten Leitfäden zusammen. Ein bewährtes
Standardwerk ist beispielsweise der Leitfaden Howard S. Beckers über „Die Kunst professi-
onellen Schreibens“ (2000) oder das berühmte Handbuch „A Manual for Writers of Research
Papers, Theses, and Dissertations of Research Papers, Theses, and Dissertations“ von Kate
L. Turabian (2007), das erstmals 1937 veröffentlicht wurde und seitdem mehrfach überarbei-
tet in Neuauflagen erschien ist.

Die Bewertungskriterien an wissenschaftliche Arbeiten lassen sich allgemein in formale (Ka-


pitel 2.1), inhaltliche (Kapitel 2.2) und methodische Aspekte (Kapitel 2.3) gliedern. Die fol-
genden Abschnitte geben damit eine Einführung in die wichtigsten Anforderungen wirt-
schafts- und sozialwissenschaftlicher Texte, die zugleich als Orientierung für das Anfertigen
von Hausarbeiten im Rahmen eines sozial- oder wirtschaftswissenschaftlichen Studiums
dienen können.

2. Kriterien zur Bewertung von Hausarbeiten


Eine wissenschaftliche Arbeit orientiert sich wie bereits genannt an wissenschaftlichen Krite-
rien. Was unter „wissenschaftlich“ zu verstehen ist, ist jedoch selbst in der Wissenschaft um-
stritten. Je nach Studiengang, Lehrveranstaltung, Lehrstuhl und erreichter Semesterzahl des
Verfassers können die Kriterien unterschiedlich gewichtet und beurteilt werden. Zudem gilt:

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Je nach Textart (Protokoll, Referat, Hausarbeit, Essay, Artikel, Exposé) versteht man unter
„wissenschaftlich“ in unterschiedlicher Akzentuierung Kriterien wie u.a. die plausible Darstel-
lung der Forschungsproblems, das methodische Vorgehen, oder die Verweisung auf bisher
publizierte Texte. Allgemein sind folgende formale, inhaltliche und methodische Kriterien zu
beachten.

2.1 Formale Kriterien

Formale Kriterien behandeln im Allgemeinen die äußere Struktur einer Arbeit. Zu dieser zählt
im Folgenden neben Layout, Ausdruck und Sprachstil (2.1.1), der Aufbau der Arbeit (2.1.2)
und die Zitierweise (2.1.3).

2.1.1 Layout, Ausdruck und Sprache


Der reine Text (ausschließlich des Titelblatts, sämtlicher Verzeichnisse, des Anhangs und
der eidesstattlichen Erklärung) sollte einseitig auf DIN-4 Blättern gedruckt sein und nicht
mehr als 13-15 Seiten bzw. ca. 4.000 Wörter umfassen. Alle Textblätter sind zu nummerie-
ren. Für die Formatierung des Textes gilt:

Seitenränder oben und unten: jeweils 2,5 cm


links 3 cm und rechts 2 cm

Schriftarten Times New Roman (12pt für normalen Text; 10pt für Fußnoten)
Arial (11pt für normalen Text; 9pt für Fußnoten)
Syntax (12pt für normalen Text; 10pt für Fußnoten)

Ausrichtung Blocksatz
Silbentrennung 0,75
Zeilenabstand 1 ½ zeilig

Längere Zitate oder Fußnoten können von den genannten Vorgaben abweichen und mit ein-
fachem Zeilenabstand und/oder mit kleinerer Punktzahl geschrieben werden. Insgesamt
empfiehlt sich, die automatische Formatierungsfunktion des jeweiligen Schreibprogramms zu
nutzen.

Es gelten die Regeln der Deutschen Rechtschreibung. Diese sind im Duden verfügbar. In
Bezug auf Sprache und Satzstruktur empfiehlt sich eine verständliche Ausdrucksweise und
die Formulierung von kurzen Sätzen im Aktiv. Der Schreibstil sollte konkrete, logische, nach-
vollziehbare Gedanken formulieren (vgl. Rossig/Prätsch, 2008, S. 166). Als Anleitung für

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einen guten Schreibstil empfiehlt sich das Werk „Deutsch für junge Profis“ von Wolf Schnei-
der (2010).

Gesonderte Anforderungen an die Formatierung von Seminararbeiten, insbesondere an Ab-


schlussarbeiten, gibt die Prüfungsordnung des jeweiligen Studiengangs bzw. der Fakultät.

2.1.2 Aufbau der Arbeit


Eine wissenschaftliche Arbeit ist chronologisch gegliedert und enthält – neben den inhaltli-
chen (Unter-)Kapiteln (siehe Kapitel 2.2) – ein Deckblatt, unterschiedliche Verzeichnissen,
einem Textteil und ggf. einen Anhang:

- Das Deckblatt enthält Name des Verfassers, Titel der Arbeit, Universität/Fakultät, Stu-
diengang, Veranstaltungstitel, Dozent/Betreuer, Matrikel-Nummer und die Anzahl der
Fachsemester. Das Deckblatt wird nicht nummeriert. Als „Aufhänger“ kann ggf. auch
eine zum Titel der Arbeit passende Karikatur, ein Foto oder eine Grafik abgebildet wer-
den.

- Abkürzungs-, Inhalts-, Abbildungs- und Symbolverzeichnisse stehen vor dem Reintext,


(max. 3 Gliederungsebenen, mind. 2 Punkte für eine Gliederungsebene notwendig). Es
empfiehlt sich eine fortlaufende dezimale Nummerierung der Abschnitte (1.; 1.1.; 1.2.;
usw.). Die enthaltenden Darstellungen (Abbildungen, Tabellen) sind korrekt durchzu-
nummerieren und mit Überschriften zu versehen. Als Abkürzungen sind ohne weiteres
nur geläufige Kürzel aus dem Duden anerkannt: usw., etc., u.a., vgl., z.B., Abb., Ab-
schn., Art., USA. Diese Abkürzungen sind nicht ins Abkürzungsverzeichnis aufzuneh-
men, jedoch im gesamten Text einheitlich zu verwenden.

– Der Textteil gliedert sich in Einleitung (Thema, Fragestellung, begründete Gliederung


der Arbeit), Hauptteil (Bearbeitung der Forschungsfrage bzw. der Arbeitshypothese)
und Schlusswort (Zusammenfassung der Argumentation, der zentralen Ergebnisse und
Formulierung offener Fragen).

– Das Literaturverzeichnis steht nach dem Reintext. Die vollständigen Literaturangaben


werden in alphabetischer Ordnung (nach Autorennamen) am Ende der Arbeit aufge-
führt.

– Der Anhang enthält ergänzende Informationen, folgt unmittelbar nach Text. Inhaltlich
unterschiedliche Anhang-Teile sind zu nummerieren (z.B. A, B, C, …) und mit Über-
schriften zu versehen. Abbildungen und Tabellen des Anhangs werden nicht in den
Verzeichnissen erfasst.

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– Eine eidesstattliche Erklärung1, die insbesondere bei Abschlussarbeiten erforderlich ist,


befindet sich als Anlage im Anhang und enthält keine Seitenangabe.

Abb. 1: Beispiel für die Gliederung des Inhaltsverzeichnisses

Inhalt der Arbeit

1. Einleitung ....................................................................................................... S.
1.1. Eigenes Interesse am Thema.......................................................................... S.
1.2 Bedeutung des Themas für die Forschung/ die Praxis.................................... S.
1.3. Forschungsstand und eigener Beitrag............................................................. S.
1.4. Aufbau der Arbeit............................................................................................. S.

2. Überschrift zum ersten Themenbereich...................................................... S.


2.1 Einordnung, Definitionen................................................................................. S.
2.2 Darstellung Material/ Theorie/ Empirie – erster Schritt.................................... S.
2.3 Verortung Problem/ Theorie/ Empirie – zweiter Schritt.................................. S.
2.4 Schlussfolgerungen und Überleitung zum nächsten Teil................................ S.

3. Überschrift zum zweiten Themenbereich................................................... S.


3.1 Einführung in das Problem, Beispiel, vergleichende Theorie......................... S.
3.2 Darstellung Material/ Theorie/ Empirie – erster Schritt................................... S.
3.3 Interpretation Material/ Theorie/ Empirie – zweiter Schritt.............................. S.
3.4 Zwischenfazit.................................................................................................. S.

4. Schlusskapitel ............................................................................................... S.
4.1 Rückbezug auf die in der Einleitung aufgeworfene Frage............................... S.
4.2 Zusammenfassung der Ergebnisse................................................................. S.
4.3 Ausblick auf Praxis/ sich anschließende Fragen............................................. S.
5. Literatur ......................................................................................................... S.

Wichtig bei der Gliederung der Arbeit ist, dass der Gang der Argumentation nachvollziehbar
und logisch abgebildet sowie in eine übersichtliche Form gebracht wird. Für AutorIn und Le-
serIn ist es hilfreich, wenn neue Gedanken und Argumente durch neue Kapitel in der Gliede-
rung bzw. Absätze im Text kenntlich gemacht sind. Für die Einführung eines neuen Gliede-
rungspunktes kann ein Textumfang von mindestens 2 Seiten als Richtwert dienen.

Die Literatur sollte alle fremden bibliographischen Quellen enthalten, die in der Arbeit implizit
oder explizit Verwendung finden. Die Quellenangaben sind nach Autoren alphabetisch zu
sortieren. Das Verzeichnis kann ggf. mit einfachen Zeilenabstand und hängendem Absatz
formatiert werden. Jede Quellenangabe im Literaturverzeichnis enthält die Daten, die benö-
tigt werden, um das Buch oder den Aufsatz aufzufinden. Insbesondere bei Aufsätzen in

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Ich versichere hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit [Thema der Arbeit] selbständig und ohne fremde
Hilfe angefertigt habe. Alle von anderen Autoren wörtlich übernommenen Stellen wie auch die sich an die
Gedankengänge anderer Autoren eng anlegenden Ausführungen sind als solche gekennzeichnet und mit
Quelle belegt. Die Arbeit wurde in gleicher oder abgewandelter Form bei keiner weiteren Prüfungsstelle
eingereicht.

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Sammelbänden sind die entsprechenden Seitenzahlen anzugeben. Zur weiteren Orientie-


rung kann das Literaturverzeichnis einer wissenschaftlichen Publikation dienen.

Für Monographien gilt beispielhaft:


Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. Auflage. Erscheinungsort: Verlag.

Bei Aufsätzen in Zeitschriften gilt beispielhaft:


Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. In: Titel der Zeitschrift. Jahrgangsnummer/ Heft-
nummer, Seitenangabe.

Bei Aufsätzen in Sammelbänden gilt beispielhaft:


Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. In: Vorname Nachname (Hrsg.), Titel des Sam-
melbands. Untertitel, Erscheinungsort: Verlag, Seitenangabe.

Bei Mehrfachautorschaften gilt beispielhaft:


Nachname, Vorname / Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. In: Vorname Nachname /
Vorname Nachname (Hrsg.), Titel. Untertitel, Erscheinungsort: Verlag, Seitenangabe.

Bei Internetquellen gilt beispielhaft:


Nachname, Vorname / Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. Verfügbar unter: Angabe
der URL. (Stand: Datum der Verfügbarkeit)

Bei Festschriften, Dissertation oder Habilitationen ist wie bei Monographien zu verfahren und
zusätzlich die Art der Schrift und die Hochschule anzugeben. Bei Rechtsquellen und Geset-
zestexten sind diese bei entsprechendem Umfang in einem gesonderten Rechtsquellenver-
zeichnis aufzuführen, das neben den genannten Angaben ggf. das aktuelle (Änderungs-
)Datum und das Aktenzeichen enthält. Mit Internet-Quellen sollte „medienkompetent“ umge-
gangen werden. Die Suchergebnisse sind dabei abhängig von der Suchmaschine. Allgemein
sollte bei der Online-Recherche sorgfältig auf die Institution und das Impressum der Websei-
te geachtet werden.

2.1.2.1 Zitierweise
Zitate sind schriftliche Fixierungen von Aussagen fremder AutorInnen. Ist ein Zitat wortwört-
lich übernommen, wird es direkt durch entsprechende „Anführungsstriche“ kenntlich gemacht
und die Autorenquelle in Klammern zitiert: „...“. In den meisten Disziplinen hat sich das so

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genannte Harvard-System als Zitierweise durchgesetzt, das direkt nach dem Zitat in einer
Klammer die Quelle angibt: (AutorIn Erscheinungsjahr: Seitenzahl). Hat der/die AutorIn in
einem Jahr mehrere Bücher oder Artikel publiziert, aus denen zitiert wird, so wird der Jah-
resangabe ein a, b, c etc. angehängt: (AutorIn 2010b: 3). Das „b“ (oder „c“, etc.) wird im Lite-
raturverzeichnis mit aufgeführt. Bei mehr als drei AutorInnen wird der Erstgenannte aufge-
führt und dahinter ein „et al.“ angehangen: (vgl. AutorIn et al. Erscheinungsjahr: Seitenzahl).

Auch nicht wörtlich übernommene Überlegungen sind durch Hinweis auf den zugrundelie-
genden Text in einer nachgestellten Klammer kenntlich zu machen. D.h., ist ein Zitat sinn-
gemäß in die eigene Argumentation eingeführt worden, wird indirekt zitiert: (vgl. AutorIn Er-
scheinungsjahr: Seitenzahl). Wurden Zitate aus Publikationen direkt übernommen, in denen
diese bereits als Zitate aufgeführt sind, so ist diese ebenfalls kenntlich zu machen (z.B. Auto-
rIn Jahreszahl: Seitenzahl, zitiert nach AutorIn der vorliegenden Publikation Jahreszahl: Sei-
tenzahl). Im Literaturverzeichnis sind in diesem Fall beide Texte anzugeben.

Mit längeren direkten Zitaten ist sparsam umzugehen. Sie sind an den Stellen angebracht,
wo es auf den Wortlaut ankommt und sollten i.d.R. nicht mehr als 2-3 Sätze umfassen. Aus-
lassungen oder Änderungen innerhalb der Zitate sind durch drei Punkte in eckigen Klam-
mern zu setzen: [...]. Hervorhebungen, die nicht im Original stehen, müssen ebenfalls als
solche kenntlich gemacht werden wie beispielsweise durch den Hinweis: Hervorhebung vom
Verf. oder. Anmerkungen vom Verf. Indirekte Zitate sind generell zu bevorzugen, da diese
die eigene Gedankenleistung zum Ausdruck bringen. Die Unterscheidung zwischen indirek-
ten und direkten Zitaten ist daher von entscheidender Bedeutung für die Bewertung der Ar-
beit.

Auch direkte oder indirekte Zitate aus persönlichen Befragungen oder Gesprächen bei
schriftlicher Dokumentation und Nachweisbarkeit mit einer Quelleangabe zu belegen: (vgl.
Gespräch mit Frau Prof. Dr. Muster, Firma, Ort, Datum, siehe Anhang).

Fußnoten können entweder die Quellennachweise der direkten oder indirekten Zitate enthal-
ten oder ergänzende Hinweise zum eigenen Text geben, die nur vermittelt relevant für die
Argumentation sind. Fußnoten werden im Text durch hochgestellte arabische Ziffern ge-
kennzeichnet. Dabei empfiehlt sich die automatische Einfügung Fußnote/Referenz des jewei-
ligen Schreibprogramms zu verwenden.

Insgesamt gilt beim Zitieren ein für die Problemstellung funktionales Maß an Quantität. Ein
Auflisten von nicht gelesenen bzw. zu vielen Quellen ist nicht angemessen. Nicht die Anzahl
der Quellen ist entscheidend, sondern deren Qualität und Verwendung innerhalb der Arbeit.
Eine wissenschaftliche Arbeit muss dabei alle Angaben enthalten (siehe Kapitel 2.1.2), die
es ermöglichen, die ausgewählten Belege auf ihre theoretische Richtigkeit zu überprüfen.

In Bezug auf die genannten formalen Kriterien können je nach Wissenschaft, Fakultät oder
Lehrstuhl spezielle Anforderungen gelten. Unabhängig davon, welche konkreten Vorgaben

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gestellt werden, sollte die Arbeit jedoch einheitliche Zitier- und Schreibweisen verwenden.
Weit schwieriger als die Erfüllung der formalen Kriterien wiegt der Weg, eigene Gedanken zu
einem Fachgebiet für eine wissenschaftliche Zielgruppe schriftlich aufzuarbeiten und zu prä-
sentieren. Im nächsten Kapitel werden deshalb die inhaltlichen Anforderungen an wissen-
schaftliches Arbeiten behandelt.

2.2 Inhaltliche Kriterien

Eine wissenschaftliche Arbeit sollte nicht als reine Reproduktion des Forschungsstandes
missverstanden werden. Eine Einführung in die jeweiligen theoretischen Grundlagen des
Themas ist zwar ein wesentlicher Bestandteil des Textes, einen analytischen Gehalt erhält
dieser jedoch erst durch eine klar abgegrenzte Problemstellung, die unter ausgewählten Ge-
sichtspunkten bearbeitet wird.

2.2.1 Problem-Lösung als Schema funktionalen Lesens und Schreibens


Wissenschaftliches Arbeiten orientiert sich an einem “Problem-Lösungs”-Verständnis:
„Whenever there is a gap between where you are now and where you want to be, and you
don't know how to find a way to cross that gap, you have a problem.“ (Hayes 1980, zitiert
nach Bodner 1991: 2). Eine Problemlösung ist dem Mathematiker Grayson Wheatley zufolge
das, was man tut, wenn man nicht weiß, was zu tun ist (Wheatley 1984, zitiert nach Bodner
1991: 2, eigene Übersetzung des Verf. R.S.).

Als eine erste Anregung für die Identifizierung einer Problemstellung kann die Schematisie-
rung der eigenen Ideen in die Unterscheidung von „Problem“ und möglichen „Lösungen“
sein. Ein Problem-Lösungs-Schema strukturiert das eigene Erkenntnisinteresse an einem
Thema in der Form, dass zwischen Fragen und Antworten oder einer These und Argumen-
ten unterschieden werden kann. Die analytische Unterscheidung zwischen Frage/Antwort
oder These/Argument kann deshalb als eine erste eigenständige Leistung des wissenschaft-
lichen Autors angesehen werden. Problem-Lösungs-Schemata erlauben es bereits zu Be-
ginn des Schreib- und Rechercheprozesses, die eigenen Überlegungen zu einem relevanten
Thema in eine Ausgangsform zu bringen, von der aus eine konkrete Gliederung entworfen
werden kann. Fragen zur soziologischen Problemfindung sind beispielsweise, welche Ent-
scheidungsprobleme Programme in einer bestimmten Organisation lösen oder welche Funk-
tion die Einrichtung von Stabstellen in Verwaltungen hat.

Die eigene „Problem-Lösungs-Suche“ sollte sich nach dem persönlichen Erkenntnissinteres-


se orientieren. Die inhaltliche Herausforderung beim Verfassen einer wissenschaftlichen Ar-
beit liegt darin, ein Problem in der Weise einzugrenzen, dass es mit den dafür verfügbaren
knappen Ressourcen (Zeit, Literatur, Kompetenzen) bearbeitet werden kann. Die Formulie-

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rung der Problemstellung ist dabei gleichbedeutend mit ihrer Begrenzung. Die Problemstel-
lung sollte dabei in der Weise analytisch „neu“ sein, dass sie eine noch nicht behandelte
Frage bzw. These aufzeigt oder ein bereits behandeltes Problem unter einem neuen Ge-
sichtspunkt bearbeitet. Eine Mindestanforderung an den eigenen Text sollte sein, die eigene
zentrale These in einem vollständigen Satz formulieren zu können. Die zentrale Frage bzw.
These ist deshalb bereits in der Einleitung zu nennen, denn sie dient als Orientierung und
Maßstab für die Gliederung und Argumentation der eigenen Arbeit.

Hinweise für ein problembezogenes Lesen – im Unterschied zu einem „narrativen Lesen“ –


lassen sich zusammengefasst dem Artikel des Germanisten Carlos Spoerhase (2015) mit
dem Titel „Lese lieber ungewöhnlich“ entnehmen, der Anleihen aus dem jüngstem Band „Di-
gital Paper“ des Wissenssoziologen Andrew Abbott entnimmt:

„Weshalb sollte man Bücher überhaupt an einem Stück von Anfang bis Ende lesen? Und das
auch noch mehrfach? Wie Peter Stallybrass in seinem wegweisenden Aufsatz über „Bücher und
Rollen“ als Lektüremedien zeigt, nutzen geisteswissenschaftliche Lektürepraktiken gerade das
Potential, das der Kodex für ein diskontinuierliches Lesen bietet. Die akademische Lektüre ist
ein permanentes Hin- und Herblättern. Ein intensives Arbeiten mit Inhaltsverzeichnissen und
Registern. Ein konstantes Unterbrechen der Lektüre, um zu unterstreichen und zu annotieren.
Geisteswissenschaftler sind Spezialisten für diskontinuierliche Lektüre.

Das ununterbrochene und vollkommen absorbierte Lesen eines Buches von Anfang bis Ende,
das so häufig als primäre geisteswissenschaftliche Tugend gehandelt wird, findet Stallybrass
dagegen ironischerweise in der Geschichte der undisziplinierten Romanlektüre ausgeprägt; die-
se sei aber ein Missbrauch des Buches, da sie den Kodex wie eine Rolle benutze. Am dras-
tischsten geschehe dies bei der Lektüre von „packenden“ Romanen und „page-turnern“. Wenn
die heutige Klage eine Vergangenheit aufruft, in der Bücher noch in einer kontinuierlichen Lek-
türe von der ersten bis zur letzten Seite entrollt worden sind, so verkehrt diese Klage die Ge-
schichte des gedruckten Buches: Die versunkene Lektüre von Romanen ist nämlich nur ein
„brillant-perverses Zwischenspiel in der langen Geschichte diskontinuierlicher Lektüre“.

Der Wissenssoziologe Andrew Abbott hat die akademische Lektürepraxis mit der Romanlektüre
kontrastiert und den Verfahrenscharakter dieses Kontrastes hervorgehoben. In seinem provo-
kant betitelten Buch über „Digitales Papier“ (Digital Paper. A Manual for Research and Writing
With Library and Internet Materials, Chicago 2014) hebt Abbott hervor, dass seine Studierenden
leider häufig „narrativ“ lesen würden. Hierzu formuliert er den etwas ruppigen Ratschlag: „Spare
dir das für Tolstoi auf!“ Der Ratschlag, nicht „narrativ“ zu lesen, gilt nicht nur für den Umgang mit
Forschungsliteratur, sondern auch für die Lektüre von Quellen: „Lies Primärliteratur nie wie ei-
nen Roman.“ Sobald man sich dabei ertappe, mehr als fünf Minuten ohne Unterbrechung durch
Hin- und Herblättern gelesen zu haben, solle man innehalten und streng prüfen, ob man nicht in
den falschen Lektüremodus verfallen sei.
Ausgehend von diesen Warnungen formuliert Abbott für die Beobachtung geistes- und sozial-
wissenschaftlicher Lektüre eine wichtige Heuristik, wenn er den narrativen Lektüremodus in sei-
ner Beschränktheit skizziert und daneben noch die große Anzahl an weiteren Modi des akade-
mischen Lesens wie meditatives Lesen, argumentatives Lesen, scannendes Lesen oder Stel-
lenlektüre beschreibt. Und er trifft damit auch für die Philologie einen wichtigen Punkt: Auch in
der Literaturwissenschaft sollte man normalerweise nichts „wie einen Roman“ lesen, nicht ein-
mal einen Roman. Narrative Lektüren tendieren tatsächlich dazu, Lektüren ohne spezifische
Fragehorizonte zu sein. Eine geisteswissenschaftliche Lektüre erfolgt aber aus bestimmten

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Perspektiven und Problemstellungen, weil sie der Herstellung von mündlicher oder schriftlicher
Anschlusskommunikation über ihre Gegenstände dient. Das Lesen erfolgt hier immer im Blick
auf die Produktionen eigener Beiträge, und mögen diese zunächst auch nur in der Aneignung
fremder Textpassagen im Modus des Exzerpierens bestehen. Schon das Exzerpieren verweist
darauf, dass die Lektüre immer auf das Schreiben des Lesers bezogen ist.“ (Spoerhase 2015)

2.2.2 Problemeingrenzung und Argumentationsstruktur


Ein erster Schritt zur Problemeingrenzung kann beinhalten, Definitionen zu zentralen Begrif-
fen der Problemstellung zu recherchieren und sich themenadäquat für einen einheitlichen
Terminus zu entscheiden. Der Begriff sollte dabei logisch in den gewählten theoretischen
Rahmen verortet werden können und im Hinblick auf die eigene Problemstellung relevant
sein. Einige zentrale Fachbegriffe in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sind bei-
spielsweise: Organisation, Markt, Transaktion, Preismechanismus, Kommunikation, Integra-
tion, Koordination, Hierarchie, etc. Bei fremdsprachiger Literatur ist die Auswahl geeigneter
Übersetzungen kenntlich zu machen und zu begründen.

Folgende Arbeitsschritte und Techniken können bei der konkreten Formulierung einer For-
schungsfrage bzw. einer These für die eigene Arbeit helfen:

Abb. 2: Studientechniken wissenschaftlichen Arbeitens

• Notieren erster Gedanken (insbesondere in Bezug auf die Relevanz des Themas und die ge-
wählte Problemstellung),
• Anfertigen eines Clusters oder Brainstorming,
• Rückgriff auf alte Notizen,
• Überblickende Literaturrecherche und -sichtung,
• Formulieren einer abgrenzbaren Forschungsfrage bzw. Arbeitshypothese,
• Definieren von relevanten Begriffen,
• Skizzieren erster Haupt- und Teilargumente ggf. anhand eines Pfeildiagramms,
• Abwägen von Gegenargumenten und Verortung der eigenen Position in Bezug auf das gewähl-
te Problem bzw. Fragestellung,
• Dokumentieren von Recherchen (ggf. nach ihrer Aktualität und ihres Umfangs) insbesondere
von Artikeln in Fachzeitschriften und Zeitungen,
• Planung des Schreibprozesses,
• Formatieren der Textdatei (inklusive des Inhalts- und Literaturverzeichnisses)
• Vorstellung und Diskussion des Vorhabens mit KommilitonInnen oder mit der/m BetreuerIn,
• ggf. Modifizieren der Forschungsfrage und der Gliederung und Anpassen der Argumentation,
• Exzerpieren von geeigneten Zitaten mit denen Argumente belegt werden können,
• Vertiefenden Literaturrecherche nach relevanten Argumentationsbelegen,
• Kommentierung der Argumente und ggf. Aufbau eines Systems zur Einordnung der kommen-
tierten Literaturauswahl,
• Ausarbeiten und Reflexion erster Textteile,
• Prüfen der Kohärenz größerer Teile, kleiner Abschnitte und einzelner Aussagen hinsichtlich
ihres Beitrags zur Lösung des Problems bzw. zur Beantwortung der Forschungsfrage,
• Überarbeiten verfasster Textteile (ggf. kürzen, überarbeiten, erneutes Nachlesen und/oder Re-
cherchieren)
• Abschließen der Textarbeit und Distanzierung vom Text

(Eigene Darstellung in Anlehnung an: Kissling/Perko 2006: 7).

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Eine wissenschaftliche Arbeit lässt sich inhaltlich auf drei Ebenen gliedern: Idealerweise las-
sen sich Sätze zu Abschnitten, und Abschnitte zu Kapiteln zusammenfügen. Satz, Abschnitt
und Kapitel werden deshalb auch als Mikro-, Meso- und Makrostruktur einer Arbeit unter-
schieden. Alle drei Ebenen sollten in der Regel eine klare Argumentationskette erkennen
lassen. D.h. wie bei einer Kette verknüpft jeder Satz, jeder Abschnitt und jedes Kapitel einen
alten mit einen neuen Gedanken. Diese Regel dient als Orientierung, sie sollte jedoch nicht
wie im Folgenden Beispiel übertrieben werden:

Der Hund spielt auf dem Hof. Auf dem Hof steht ein Trecker. Der Trecker ist blau....

Als erste Orientierung für das Verfassen des Textteils gilt eine Dreiteilung in Einleitung,
Haupttext und Schlussbetrachtung. Der Hauptteil umfasst dabei mindestens 2-4 gleichgroße
Kapitel. Die Einleitung verortet das Thema in der Literatur, informiert den Leser über den
aktuellen Stand der Forschung, begründet die Wahl der Problemstellung und stellt die zent-
rale Frage bzw. These der Arbeit heraus. Zur Bearbeitung der Forschungsfrage bzw. Ar-
beitshypothese wird am Ende der Einleitung das Vorgehen der Arbeit abgeleitet.

Der Hauptteil ist gemäß der Vorgehensbeschreibung in entsprechend gleichgroße (Unter-


)Kapitel gegliedert. Die Gliederung der Arbeitsschritte orientiert sich dabei an der vorange-
hend entwickelten Argumentationsstruktur zur Bearbeitung des gewählten Problems. Die
(Teil-)Überschriften der Kapitel sollten dabei so präzise formuliert sein, dass sie Aufschluss
über die Konzeption des Textes geben. Eine Argumentation ist dann schlüssig und stringent,
wenn sie eine konsistente Gliederung aufweist: Jeder Argumentationsstrang bzw. Analyse-
schritt wird dabei logisch aus dem vorangegangen Untersuchungsabschnitt abgeleitet. Für
den Leser wird deshalb vor Beginn jeden Kapitels der darin behandelte Untersuchungsschritt
explizit begründet und die sich daraus entwickelten Ergebnisses am Ende jeden Kapitels
zusammengefasst. Diese so genannten „Lead-Ins“ machen die Struktur des Textes für Auto-
rIn und LeserIn explizit und transparent und dienen damit schließlich für beide Seiten als
Navigationshilfe.

Der Schlussteil schließt die Untersuchung des gewählten Problems. Er fasst die zentralen
methodischen Schritte der Argumentation und die wesentlichen inhaltlichen Ergebnisse der
Arbeit zusammen. Schließlich werden offene und weiterführende Fragen formuliert.

2.3 Methodische Kriterien

Die Recherche, ggf. eigene Erhebung und Interpretation von wissenschaftlichen Informatio-
nen und Daten sind ebenso zentral wie die genannten formalen und inhaltlichen Kriterien. Im

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Folgenden Kapitel werden abschließend Hinweise für eine schnelle und systematische Lite-
ratur- und Datenbearbeitung vorgestellt.

2.3.1 Literaturauswahl und Literaturbearbeitung


Der Mindestnachweis an die Eigenständigkeit wissenschaftlichen Arbeitens besteht in der
Auseinandersetzung der Literatur. Diese kann nur geleistet werden, wenn eine Forschungs-
frage bzw. eine Arbeitshypothese in Bezug auf ein sozial- oder wirtschaftswissenschaftliches
Problem formuliert und begründet wurde. Es sollte bei der Literaturauswahl deshalb darauf
geachtet werden, dass nur solche Texte verarbeitet werden, die zur Lösung des identifizier-
ten Problems beitragen. Auch das Leseverhalten sollte problemorientiert sein. Denn: Das
gezielte und selektive Lesen bzw. Suchen nach geeigneten Fragen/Antworten bzw. The-
sen/Argumenten für die gewählte Problemstellung trägt zum höheren Verständnis und zur
schnelleren Literaturbearbeitung bei. Die Literaturauswahl bestimmt damit bereits den "roten
Faden" der Gliederung bzw. des Textes.

Neben der Literaturrecherche in Bibliotheksbeständen und elektronischen Datenbanken der


Bibliotheken empfiehlt sich eine Internet-Recherche über die wissenschaftliche Suchmaschi-
ne „Google Scholar“ (http://scholar.google.de/). Verfügt die Universität über Lizenzen für be-
stimmte Zeitschriften und Zeitungen (beispielsweise J-Store, Sage Publications, EBSCO
Host, SSRN, Emerald, WISO oder Springerlink) bietet sich insbesondere die Verwendung
des VPN-Clients oder des Uni-Netzwerks (über einen universitätseigenen Rechner) an, um
einen Zugang zu den entsprechenden Texten zu erhalten. In diesen Fällen dient die IP-
Adresse der Universität als automatischer LogIn.

Eine Minimalstrategie bei der Lektüre eines recherchierten Textes sollte sein, die zentrale
Frage bzw. These des Textes markieren und nennen zu können. Dieses Vorgehen ist für die
eigene Textarbeit wichtig, weil man darin enthaltene Antworten und Argumente für die eige-
ne Arbeit als Belege oder Gegenthesen überblicken und verwenden kann sowie diese in
verwendete Literaturverwaltungsprogramme abgetragen kann (wie BibTex, Citaci, EndNote,
BibTex, Papers oder Zotero).

„Gute“ Publikationen stellen i.d.R. das Hauptproblem und die daran orientierte Forschungs-
frage bzw. Arbeitshypothese in der Einleitung vor. Die Qualität eines Textes und der analyti-
sche Stellenwert für die eigene Argumentation richten sich entsprechend daran, inwiefern
die/er AutorIn plausible Antworten und Argumente im Hinblick auf die entwickelte Frage bzw.
Hypothese aufzeigen kann.

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2.3.2 Datenerhebung und Dateninterpretation


Für die Identifizierung von Lösungsmöglichkeiten für ein bestimmtes Problem können ver-
schiedene Herangehensweisen gewählt werden wie beispielsweise Heurismen2, Algorith-
men, Theorien, Modelle oder empirische Datenerhebungen. Empirische Daten werden u.a.
im Rahmen von strukturierten Beobachtungen, Befragungen, Interviews oder Experimenten
gewonnen. In Bezug auf die systematische Auswertung empirischer Daten zu einem gewähl-
ten Forschungsproblem wird zwischen quantitativen (bzw. standardisierten) und qualitativen
(bzw. nicht standardisierten) Methoden unterschieden. Quantitative Daten werden vorwie-
gend mit statistischen Auswertungsmethoden ausgewertet, während für qualitative Daten
interpretative und hermeneutische Analyseverfahren herangezogen werden.

Aufgrund des damit verbundenen Forschungsaufwands werden empirische Forschungen


i.d.R. in gesonderten Seminararbeiten (beispielsweise in Veranstaltungen aus dem Bereich
Statistik und Sozialforschung) und umfangreicheren Forschungsberichten oder Abschlussar-
beiten angewandt.

3. Zusammenfassung und allgemeine Hinweise


Die genannten formalen, inhaltlichen und methodischen Kriterien müssen zur Annahme der
Hausarbeit erfüllt sein. Hausarbeiten mit einer überdurchschnittlich hohen Anzahl an Recht-
schreib-, Komma- und Zeichensetzungsfehlern werden zur Überarbeitung zurückgegeben.
Es empfiehlt sich daher den Text vor Abgabe von einer dritten Person Korrektur lesen zu
lassen. Eventuell kann diese Person auch inhaltliche oder methodische Verbesserungsvor-
schläge geben (beispielsweise für die Kürzung von Passagen, die Umformulierung von Sät-
zen, Umstellung der Gliederung, Ergänzung bzw. Präzisierung von Überleitungen, etc.).

Hausarbeiten, die keine plausibel begründete Fragestellung oder Arbeitshypothese und/oder


die keine daran orientierte transparente und konsistente Argumentationsstruktur enthalten,
werden ebenfalls zur Überarbeitung zurückgegeben. Die zentrale Kontrollfrage für inhaltliche
und methodische Stringenz ist, inwiefern die einzelnen (Unter-)kapitel und insbesondere die
Schlussbetrachtung eigene oder fremde Antworten und Belege in Bezug auf die Ausgangs-
frage bzw. Ausgangsthese geben. Kurz: Hat der Text einen „roten Faden“ und ist dieser für
den Leser a) theoretisch/methodisch plausibel und b) in seiner formalen Gliederung transpa-
rent?

Zur Überprüfung der eigenen wissenschaftlichen Arbeitsweise dient eine Checklist, die Kon-
trollfragen zur Bewertung der eigenen Hausarbeit aufführt (siehe Anhang). Eine solche

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Heurismen sind erkenntnisleitende Methoden, die i.d.R. auf Erfahrungsregeln, abgeleiteten Modellen und
Annahmen beruhen.

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Checklist kann darüber hinaus als Diskussionsgrundlage für die Bewertung des Textes durch
Dritte herangezogen werden.

Hausarbeiten sind im Wintersemester werden bis zum 31. März und im Sommersemester bis
zum 30. September als Hardcopy oder als PDF-Datei per Email angenommen. Alle Arbeiten
werden elektronisch auf Copyright-Verstöße überprüft.

Voraussetzung für die Vorbesprechung einer Hausarbeit ist die Abgabe einer kurzen
Ideenskizze zu einer ausgewählten Problemstellung der Veranstaltung. Die Ideenskizze ent-
hält erste Gedanken in Bezug auf eine Forschungsfrage bzw. Arbeitshypothese, die theoreti-
schen Argumente, mit denen die These plausibilisiert werden soll, die methodische Heran-
gehensweise, eine vorläufige Gliederung und eine Auswahl relevanter Literaturquellen. Die
Skizze ist per E-Mail einzureichen und wird im Rahmen eines vereinbarten Beratungsge-
sprächs diskutiert.

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4. Literatur

Abbott, Andrew D. (2014): Digital paper: a manual for research and writing with library and internet materials.
Chicago  ; London: The University of Chicago Press.
Bänsch, Axel (1992): Wissenschaftliches Arbeiten. Seminar- und Diplomarbeiten, München/Wien: Oldenbourg,
S. 71-74.
Becker, Howard S. (2000). Die Kunst des professionellen Schreibens. Ein Leitfaden für die Geistes- und Sozial-
wissenschaften. Frankfurt am Main: Campus.
Bodner, Geoge M. and McMillen, T.L.B. (1986): Cognitive restructuring as an early stage in problem solving. In:
Journal of Research in Science Teaching, 23, pp. 727-737.
Bodner, Geoge M. (1991): Toward a Unified Theory of Problem Solving: Views From the Content Domain. Smith,
M. U. (Ed.). Hillesdale, NJ, pp. 21-34.
Ebster, Claus; Stalzel, Liselotte (2008): Wissenschaftliches Arbeiten für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler.
3., überarbeitete Auflage. Wien: UTB-Verlag.
Eco, Umberto (2010): Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. Doktor-, Diplom- und Magisterar-
beit in den Geistes- und Sozialwissenschaften. 13. Auflage. Tübingen: UTB-Verlag.
Esselborn-Krumbiegel, Helga (2008): Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben,
3. durchgesehene Aufl., Paderborn: Schöningh.
Hayes, John R. (1980): The complete problem solver. Philadelphia: The Franklin Institute.
Großmaß, Ruth et al. (2006): Tipps zu Studientechniken und Lernmethoden. Zentrale Studienberatung der Uni-
versität Bielefeld (Hrsg.). Bielefeld. Online verfügbar unter: http://www.uni-
bielefeld.de/Universitaet/Einrichtungen/ZSB/studientechniken.html (15.12.2010).
Kissling, Walter / Perko, Gudrun (Hrsg.) (2006): Wissenschaftliches Schreiben in der Hochschullehre. Reflexio-
nen, Desiderate, Konzepte. Innsbruck: StudienVerlag.
Kruse, Otto (2007): Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium, 12. völlig neu
bearb. Auflage, Frankfurt am Main/New York: Campus Verlag.
Popper, Karl R. (2000): Von den Quellen unseres Wissens und unserer Unwissenheit. In: ders., Vermutungen
und Widerlegungen. Das Wachstum der wissenschaftlichen Erkenntnis, Tübingen: J.C.B. Mohr Verlag.
Rossig, Wolfram E., Prätsch, Joachim (2008): Wissenschaftliche Arbeiten: Leitfaden für Haus-, Seminararbeiten,
Bachelor- und Masterthesis, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen, 7. Auflage, BerlinDruck.
Schneider, Wolf (2010): Deutsch für junge Profis. Wie man gut und lebendig schreibt. Berlin: Rowohlt Verlag.
Smith, Mike U. (1988): Toward a unified theory of problem solving: a view from biology. Paper presented at the
annual meeting of the American Educational Research Association in New Orleans.

Spoerhase, Carlos (2015): Lese lieber ungewöhnlich. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 03.11.2015. Online
verfügbar unter: http://www.faz.net/-gsn-89g9d.

Turabian, Kate L. (2007): A Manual for Writers of Research Papers, Theses, and Dissertations  : Chicago Style for
Students and Researchers. Chicago: University of Chicago Press.

Wheatley, Grayson H. (1984): Problem solving in school mathematics. MEPS Technical Report 84.01, School
Mathematics and Science Center. Purdue University. West Lafayette, IN.

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5. Anhang
Einige leitende Fragen für die Selbstkontrolle wissenschaftlicher Texte

Kriterien Kontrollfragen

Thema und gewähltes Problem • Sind das Thema und die Fragestellung selbst gewählt, eigenmotiviert und
problemorientiert formuliert?
• Ist die Fragestellung bzw. Arbeitshypothese an den Umfang der Arbeit
angepasst?

Tiefe der Argumentation und • Werden Argumentationsketten logisch abgeleitet (oder lediglich persönli-
Problembehandlung che Behauptungen und bloße Mutmaßungen aufgestellt)?
• Orientiert sich die Argumentation an dem gewählten Bezugsproblem und
dessen Problemkontext?
• Werden Argumente selbständig formuliert?

Schlüssigkeit der Problembewäl- • Ist die Gliederung problemorientiert strukturiert?


tigung • Orientiert sich die Argumentation des Textes an der Gliederung?
• Ist ein „roter Faden“ in und zwischen den Kapiteln transparent und nach-
vollziehbar expliziert?
• Zeigt die Schlussbetrachtung Lösungsvorschläge, Ergebnisse und offene
Fragen in Bezug auf die Problemstellung auf?

Qualität der relevanten Argu- • Ist die Gliederung bzw. die Argumentationsstruktur stringent und präzise?
mentation • Werden theoretische Positionen relevanter Autoren kritisch reflektiert und
differenziert abgewogen?
• Wurde die deskriptive Darstellung von der Bewertung getrennt?

Format und Formatierung • Ist Rechtschreibung, Interpunktion und Zitierweise korrekt?


• Sind alle direkten und indirekten Quellen im Literaturverzeichnis aufge-
nommen und systematisch aufgeführt?

Ausdruck und Sprache • Sind Ausdrucksweise, Textfluss, Satzstruktur und Sprachstil angemessen
und verständlich gewählt?

Terminologie • Sind relevante Fachbegriffe und Modelle eindeutig definiert, begründet


und einheitlich verwendet?
• Wurden ggf. schwammige, unnötige und mehrdeutige Begriffe und Model-
le aus dem Forschungsfeld begründet ausgeschlossen?

Literaturbasis • Ist die Literatur differenziert ausgewählt und qualitativ und quantitativ an
die Problemstellung angepasst?
• In welchem Umfang finden sich die im Literaturverzeichnis ausgewiese-
nen Quellen tatsächlich im Text wieder?
• Wurde die Literatur ohne Verfälschungen ausgewertet und zitiert?

Kreativität • Ist die Fragestellung in Bezug auf ein eigens identifiziertes empirisches
Problem originell gewählt oder behandelt die Arbeit eine (klassische) Fra-
ge, die bereits (mehrfach) in der Literatur gestellt und behandelt wurde?
• Wurde die Argumentationsstruktur zur Bearbeitung des Problems eigen-
ständig entwickelt?
• Wurden eigene Beispiele herangezogen und praxisrelevante Anwen-
dungsfälle vorgestellt?

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