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Johannes Gutenberg Universität Mainz

Musikwissenschaftliches Institut
Proseminar zur Vorlesung „Joseph Haydn“
Dozent: Prof. Dr. Axel Beer
SoSe 2006

Baryton Trios von Joseph Haydn


Hoboken Verzeichnis XI: 1-126

Vorgelegt von:
Jorge E. Porras Alvarado
Am Großen Sand 32
55124 Mainz
Tel.: 017624252398
E-mail: jorge.porras@gmx.net
Musikwissenschaft (HF)
Ethnologie (NF)
Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung.......................................................................................................................3

2 Musik für Baryton......................................................................................................... 5

3 Haydns Baryton Trios....................................................................................................7

3.1 Baryton Trios......................................................................................................... 7


3.2 Katalog...................................................................................................................8
3.3 Besetzung...............................................................................................................9
3.4 Tonart.....................................................................................................................9
3.5 Form.....................................................................................................................10
3.6 Kompositionsmerkmale....................................................................................... 10

4 Zusammenfassung....................................................................................................... 11

5 Literaturverzeichnis..................................................................................................... 13

5.1 Quellen.................................................................................................................13
5.2 Literatur................................................................................................................13

6 Anhang.........................................................................................................................15

2
1 Einleitung

Die Baryton Trios von Haydn sind in einer musikalischen Epoche entstanden, in der die
Streichinstrumente in Mitteleuropa zwei Linien der Entwicklung ableiteten (die
Familien der Viola da Gamba und Viola da braccio). Das Baryton, Mitglied der Familie
der Gamben, wurde wie die Gamben in elitären Gesellschaftskreisen (Adel) gespielt und
als standesgemäßes Instrument1 betrachtet. Der Höhepunkt des Barytons wurde
besonders in der Zeit der Kompositionen Haydns für den Fürsten von Esterházy, Prinz
Nikolaus I Joseph, erreicht. Er hatte Haydn beauftragt, Musik für sein bevorzugtes
Instrument zu komponieren.2 Dank dem Fürsten und seiner Liebe für dieses Instrument
ist das Baryton heute nicht ganz in Vergessenheit geraten.
Einige Musiktheoretiker3 sprechen den Baryton Trios von Haydn, in Bezug auf sein
Gesamtwerk, nur einen geringen Wert zu, wegen ihrer nicht anspruchsvollen
Kompositions- und Spieltechnik im Vergleich zu seinen anderen Werken. Allgemein
sind die Trios dafür bekannt, dass sie leicht zu spielen sind (der Fürst von Esterházy war
nicht gerade ein virtuoser Barytonist) und, dass Haydn die musikalischen Sätze in
einfacher Form bearbeitet hat.4 Ihr Wert liegt darin, dass sie mit dem Ziel geschaffen
wurden, die gegebenen Umstände (verfügbare Besetzung, musikalisches Niveau der
Spieler zu seiner Zeit, die Vorgabe, lustige und gefällige Musik komponieren zu
müssen) bestmöglich auszunutzen: Haydn komponierte zwischen 1765 und ungefähr
1778 in zahlreicher und vielfältiger Weise 126 Trios für Baryton, Viola und Cello.
Danach komponierte er kein Trio mehr.
Der Untergang des Barytons begann damit, dass verschiedene Faktoren zusammen
kamen: Die Familie der Viola da Gamba wurde von der Familie der Viola da Braccio
zwischen 1700 und 1800 ersetzt. Das Baryton war ein Instrument, das schwierig zu
spielen und zu bauen war; außerdem konnte es sich nur in wenigen Kreisen geleistet
werden, das teure Instrument anfertigen zu lassen und deswegen war es kein populäres
Instrument.

1 Siehe Fred Flassig 1998: S. 44-45.


2 Der Fürst von Eszterházy war ein Enthusiast des Barytons und ließ sich persönlich ein Baryton von
J.J. Stadlmann1 in Wien im Jahr 1750 anfertigen. Es ist bekannt, dass der Fürst oft mit den Musikern
seines Hofes zusammen spielte und persönliche Wünsche zu den Kompositionen äußerte, wie z.B., als
er Haydn bat, Solos in seiner Stimme zu schreiben. [Siehe W. Oliver Strunk 1932: S. 221-222].
3 z.B. Georg Feder [siehe Feder 1982: 169] und Reinhard G. Pauly [siehe Pauly 1959: 62].
4 Siehe Absatz 3.5 Form, Seite 10.

3
Nicht nur das Ausbleiben des Erfolgs des Barytons führte dazu, dass Haydn aufhörte
dafür zu komponieren, sondern auch, dass Nicolaus I sein musikalisches Interesse
ungefähr in dem Zeitraum der Jahre 1776 und 1778 der Oper und dem
Marionettentheater zuwandte. Haydn musste sich auf neue musikalische Aufträge seines
Fürsten konzentrieren. Dies hatte zur Folge, dass die Trios lange Zeit verborgen blieben.
Erst 1939 wurden die ersten Notenausgaben einiger Baryton Trios veröffentlicht.5 In
dieser Zeit begann die Musikgesellschaft (ins besonders Musikverlage,
Musikhistoriker/Institute6, Musikwissenschaftler und Baryton Interpreten) in diesen
Trios eine unzureichend behandelte Phase von Haydns Kompositionsprozess zu
erkennen und sah, dass sie für ein besseres Verstehen des Gesamtwerkes Haydns
hilfreich sein können.7
Im folgenden Beitrag werde ich mich mit dieser Thematik beschäftigen und versuchen
der Frage nachzugehen, warum Haydn so zahlreich für ein Instrument und eine
Besetzung komponiert hat, in einer Zeit, wo z.B. Streichquartette, Opern oder
Symphonien größere öffentliche Anerkennung als die Musik für Baryton hatten?
Um diese Frage zu beantworten, werde ich mit dem Kapitel „Musik für Baryton“
anfangen und dann eine Grundbeschreibung des Werkes im Kapitel „Haydns Baryton
Trios“ präsentieren. Dabei werde ich den Katalog, die Besetzung, die Tonart, die Form
und die Kompositionsmerkmale untersuchen.
Bezüglich der Quellen konnte ich mich nur auf die wenigen veröffentlichten Trios
stützen. Literatur über das Thema liegt vor allem vor in den Arbeiten von W. Oliver
Strunk (1932), Efrim Fruchtman (1962) und Fred Flassig (1998).

5 Mehr über dieses Thema siehe Seite 7.


6 Die Handel & Haydn Society Inc. von Boston, Massachusetts, kündigte 1949 die Veröffentlichung
(Aufgabe die noch heute zu vervollständigen ist) des Gesamtwerkes von J. Haydn für das Jahr 1950
an. Im Jahr 1955 wurde das Joseph Haydn-Institut in Köln auch mit dem Ziel der Veröffentlichung
des Gesamtwerks Haydns gegründet. [Pauly 1959: S.59]
7 Eine Schwierigkeit in der Forschung besteht darin, dass die Authentizität der Kopien der Trios (ins
besonders der früheren Trios 1-24, 25-48) noch zu bestätigen ist, weil viele von den Originalfassungen
verloren gegangen sind (sehr wahrscheinlich wie andere Werke bei Esterházys Brand 1779).

4
2 Musik für Baryton
Es bietet sich an, das Thema mit einer kurzen Beschreibung des Barytons zu beginnen.
Dieser Instrumententyp ist um die Mitte des 17. Jh. entstanden und hat sich vorwiegend
in der zweiten Hälfte des 18. Jh. im süddeutsch-österreichischen Raum verbreitet.8 Das
Baryton gehört zu der Familie der Gamben und wurde durch orientalische
Zupfinstrumente beeinflusst. Sein Griffbrett, mit sieben Bünden, dient in der Regel zur
Aufnahme von sechs bis sieben Spielsaiten, die mit einem Bogen gestrichen werden9;
dazu kommt eine Vielzahl mitschwingender Metallsaiten, die man Resonanz-, Aliquot-
oder Bordunsaiten nennt10, die von dem Spieler mit dem Daumen am hinteren Hals
gezupft werden können.

Die Musik für Baryton kann im allgemeinen in zwei Arten klassifiziert werden: als
Erstes die Musik, die für den Fürsten von Eszterházy, von Haydn und Anderen
komponiert wurde11 und als Zweites, die Musik von anderen Komponisten wie Krause,
Haschka und denen, deren Musik in den Schlägl, Ahlgrimm-Fiala, und Kassel
Sammlungen steht.12
Bei dem ersten Typ gebraucht die Kompositionstechnik sehr wenig die hinteren
Metallsaiten des Barytons, und wenn diese gespielt werden, sind sie nicht das
Fundament der Melodie-Struktur der Komposition, sondern ihre Funktion gilt als
Bassbegleitung, die öfters durch ein Cello ersetzt wird. Merkmale des Repertoirs von
Haydn und den anderen Esterházy Komponisten sind:
• Die Musik ist mit dem Baryton auf der Oberstimme geschrieben.
• Die Aliquotsaiten werden nur in 76 von über 200 Kompositionen für Baryton
gespielt.

8 Exemplare des Barytons erschienen in Wien: Magnus Feldlen 1647, England: 1644 erwähnt in
Mersenne „Cogitata Physico-Mathematica“ - 1650 William Turners Baryton, Absam: Andreas Stainer
1660, Linz: Johann Seelos 1684, Hamburg: Joachim Tielke 1686-1687. [Fruchtman, Efrim 1962: S.3].
9 Sechs sind Darmsaiten, die siebte ist aus Metall gefertigt und wird mit dem kleinen Finger der rechten
Hand gespielt.
10 Bei verschiedenen Komponisten variiert die Anzahl dieser Saiten. Ein Standard im süddeutschen
Raum war in der Regel zwischen 9-27 Resonanzsaiten zu benutzen (teilweise sogar von 8 bis 44).
11 Unter den Komponisten die dem Fürsten Esterházy dienten kann man, im Kreis um Haydn, die
nächsten bezeichnen: J. Haydn (Hofkapellmeister), Luigi Tomasini (Konzertmeister der Hofkapelle),
Joseph Burgksteiner (Bratschist), Andreas Lidl (Barytonist, Cellist), Anton Kraft (Barytonist, Cellist),
Pater Primitio Nimecz (Cellist), Joseph Weigl (Cellist). Andere, die nicht im Kreis um Haydn waren,
sind Anton Neumann und Wenzel Pichl.
12 Siehe Fruchtman, Efrim 1962: S.10.

5
• Die Aliquotsaiten werden zu der tessitura der ersten gestrichenen Saiten
intoniert, das heißt sie haben keine Bass-Funktion.
Bei dem zweiten Musiktyp werden die unteren Metallsaiten benutzt, um für eine
ununterbrochene strukturelle Bassbegleitung zu sorgen.13

Es gibt drei Notationstypen der Baryton Musik:


a) Kompositionen für Fürst Nikolaus von Esterházy: notiert in oktavierendem
Violinschlüssel. Sehr ähnlich der Violinen Notation, nur, dass die Nummern, die unter
den Noten erscheinen, bedeuten, dass man die gezupften Saiten spielen muss (siehe
Abbildung 1 und 2).
b) Die Töne der gestrichenen Saiten sind im Violinschlüssel notiert, aber die Töne der
gezupften Saiten sind im Bassschlüssel geschrieben (ohne Nummern).
c) Die Töne der gestrichenen Saiten werden wie auf der Tabulatur der französischen
Laute notiert (davon gibt es insgesamt drei Typen.). Die Nummern unter den Linien
bedeuten gezupfte Saiten.

Joseph Haydn benutzte sieben Spielsaiten (AA,-D-G-c-e-a-d¹) und neun Aliquotsaiten


(A-d-e-fis-g-a-h-cis-d¹) für seine Trios (siehe Abbildung 3 und 4). Haydn nannte die
Stellen auf der Partitur „Gamba“, wo der Barytonist mit gestrichenen Saiten spielen
musste, und „Pariton“ die Stellen, wo die Metallsaiten gespielt werden mussten (siehe
Abbildung 2).

13 Siehe Beispiel in Efrim Fruchtman 1962: S.12.

6
3 Haydns Baryton Trios

3.1 Baryton Trios

Joseph Haydn komponierte nicht nur Trios allein für das Baryton: im Haydn Katalog
sind 175 Werke für verschiedene Instrumente und Baryton geordnet:

1. Sechs „Duetten” für zwei Barytons


2. Zwölf „Sonaten per il Pariton col Violoncello”
3. Zwölf „Divertimenti per il Pariton col Basso”
4. 126 „Divertimenti” für Baryton, Viola und Violoncello
5. 17 „Cassation’s Stück”
6. Drei „Concerto Con Due Violini e Basso” für Baryton

Haydn komponierte die Baryton Werke in den ersten 15 Jahren seines


Kapellmeisterdienstes am Hofe Eszterházy. Er erhielt im Jahr 1771 von seinem Fürsten
die Mahnung:
„Sich selbst embsiger als bisher auf die Composition zu legen, und besonders solche stücke,
die man auf der Gamba14 spiellen mag, und wovon Wir noch sehr wenige gesehen haben, zu
componieren“.[Hoboken, Anthony van 1957: Bd. 1, S. 591.]

Keins von den Trios für Baryton ist zu Haydns Lebzeiten in der Originalfassung im
Druck erschienen. Die ersten Herausgeber der Baryton Trios waren Waldemar Woehl
und Christian Döbereiner im Jahr 1939.15 Das lag wahrscheinlich daran, dass Haydn
selbst die Trios als nicht zur Veröffentlichung geeignet ansah und auch, dass das
Baryton kaum gespielt wurde. Die Verlage interessierten sich damals wenig für diese
Kompositionen (lediglich der Kreis um Haydn am Hof Esterházy zeigte Interesse) 16, die
mit dem Baryton in Vergessenheit geraten sind. Trotz dem geringen zugesprochenen
Wert im Bezug auf Haydns Gesamtwerk von manchen Autoren, sind andere der
Meinung, dass die Baryton Trios eine Phase für Haydn gewesen sein könnte, in der sein

14 Prinz Nikolaus I Joseph nannte das Baryton Gamba, da dieses Instrument zu der Gamben Familie
gehört, und machte keinen Unterschied zu den anderen Instrumenten dieser Familie. [Siehe auch
Hoboken, Anthony van 1957: Bd. 1, S. 581].
15 Waldemar Woehl mit dem Bärenreiter Verlag 1939 in Kassel und Christian Döbereiner mit dem
Schott Verlag 1939 in Mainz.
16 Siehe Fußnote 11.

7
Stil sich entwickelte und in der er für die Streicher Quartette
Kompositionsmöglichkeiten ausprobierte17:

„Haydn style underwent a remarkable change (or series of changes) during the decade 1765
to '75, and, [...] , this change is no less remarkable when measured in the baryton
divertimenti than when measured in the string-quartets or in any of the other forms he
cultivated. Tha exact nature and extent of this change cannot be understood fully unless his
entire production is taken into account; since the divertimenti fill in for us what would
otherwise be breaks in the chain of development it is almost imperative that they be given
careful consideration.“ [W. Oliver Strunk 1932: Seite 246.]

Bei einem Komponist wie Haydn, und der Seriosität seiner Arbeit, sollten die Baryton
Trios nicht unterschätzt werden. Trotz des funktionalen Charakters dieser Musik, hat
Haydn als Kapellmeister bei diesem Auftrag sein Zeichen als Musikmeister
hinterlassen, indem er die Trios in einfacher Form aber mit Beherrschung der
Kontrapunkt- und der Stimmenführungstechnik bearbeitet hat. Diese dienten auch zum
Vorbild für die Kompositionen anderer Schüler und Komponisten, die am Hofe
Esterházy tätig waren.

3.2 Katalog

Haydn ordnete die ersten 96 Trios in vier Bände ein. Die Trios waren einmal in vier
Bänden zusammengestellt, mit je drei Stimmheften, von denen jeder Band 24 Trios
enthielt: Band I (1-24), Band II (25-48), Band III (49-72), und Band IV (73-96). Er
schrieb diese Trios zwischen 1765 und 1771. Die übrigen Trios (97-126) sind spätestens
zwischen 1771/72 – 1778 anzusetzen und wurden nicht in einem fünften Band
zusammengestellt. Außer diesen 126 Trios, bleiben noch sechs Trios18, deren Echtheit
zweifelhaft ist. Das liegt daran, dass sie nicht in originalen Manuskripten vorliegen, und
entweder für andere Besetzung geschrieben wurden (wie z.B. in Hoboken XI: C1) oder
Haydns Nummerierung und Titel fehlte (in Hoboken XI: D2).
Heute sind nicht alle Manuskripte und Kopien der Trios verfügbar. Es wird vermutet,
dass unter anderen viele Trios beim Feuerbrand bei Esterházy 1779 verloren gegangen
sind. Die Sammlungen wo die Manuskripte der übrigen (mehr als die Hälfte) Trios
hauptsächlich lagern, sind das Familienarchiv Esterházy (früher in Eisenstadt, heute in
Budapest), Autographen und Kopien in der Sammlung der Artaria Familie in Wien
(jetzt in der Berliner Staatsbibliothek), Kopien in Besitz der Gesellschaft der

17 Siehe auch Caroline Wood 1987: S.431.


18 Trios in C-dur (C1, C2, C3), D-dur (D1, D2), und in A-dur.

8
Musikfreunde in Wien und Luis Picquot Sammlung (jetzt im Besitz von der Library of
Congress in Washington).

3.3 Besetzung

Haydn schreibt die Trios für Alt, Tenor und Bass Stimmen. Die Besetzung ist Baryton,
Viola und Bass (Cello). Haydn schreibt nicht für zwei Instrumente einer Familie (Viola
und Cello: viola da braccio) und für ein Drittes (Baryton: viola da gamba), sondern für
drei verschiedene Instrumente mit ihren Möglichkeiten und Grenzen.
Haydn selbst hatte einige Stücke in andere Besetzungen übertragen, z.B.: Violine, Viola
und Bass, oder Flöte, Violine und Violoncello. Die Übertragung der Baryton Trios in
andere Besetzungen musste immer wegen der Hauptstimme in transponierender Weise
geschrieben werden, da sie immer vom Baryton gespielt wurde. Ein Beispiel dafür sind
die Sechs Trios für Flöte, Violine und Cello Opus 38:19

Flöten Trios Op.38 Baryton Trios


Hoboken Verzeichnis XI

Nr. 1 in D-Dur ist Nr. 109 in C-Dur


Nr. 2 in G-Dur ist Nr. 118 in D-Dur
Nr. 3 in G-Dur ist Nr. 100 in F-Dur
Nr. 4 in D-Dur ist Nr. 82 in C-Dur
Nr. 5 in C-Dur ist Nr. 103 in A-Dur
Nr. 6 in D-Dur ist Nr. 110 in C-Dur

3.4 Tonart

D-Dur, A-Dur und G-Dur waren für Haydn (und seinen Fürsten) die idealen Tonarten
für das Baryton. Es gibt 13 Trios, die nicht in D-Dur, A-Dur, und G-Dur geschrieben
wurden, die allerdings nur eine Minderheit ausmachen (C-Dur, F-Dur, A-Moll und H-
Moll). Der Grund dafür war, dass das Stimmen des Instrumentes technisch schwierig
war und, dass die anderen Töne (F, C, B, Es, etc.) mit der vorherigen Intonation schwer
zu erreichen waren. Es ist auch bei den Trios bemerkbar, dass die Nicht-Anwendung
„fremder“ Tonarten gegenüber D-, G-, und A-Dur ein Hindernis für mehr ausgearbeitete
Sätze sein könnte.

19 Siehe Caroline Wood 1987: 433.

9
3.5 Form

Mit nur zwei Ausnahmen, Trio 31 (4 Sätze) und 97 (7 Sätze), haben die Baryton Trios
immer drei Sätze, mit einem Menuett als zweiter oder dritter. Der erste Satz ist fast
immer ein langsamer Satz (Adagio), danach kommt Minuetto mit Trio (kann auch am
Ende stehen), und am Ende schließen kleine Fugen die Trios.
Die Stimmen sind im Tonumfang so eng geschrieben, dass sie keine Begleitung des
Cembalo brauchten, aber deswegen könnte jede Stimme auch die Funktion der Anderen
ersetzen (als Hauptstimme oder Begleitstimme).

3.6 Kompositionsmerkmale

Der Begriff Divertimenti (Leichte Komposition, in italienisch: Vergnügen) wurde von


Haydn ursprünglich für die Trios benutzt; ernstere Kompositionen nannte Haydn
„Sonata, trio, quartett“. Seine Entscheidung für diesen Begriff lässt interpretieren, dass
es Haydns Absicht war, diese Stücke als Unterhaltungsmusik zu definieren und
innerhalb dieser Begriffsbestimmung die Kombinationsmöglichkeiten für die
Komposition zu untersuchen. Zum Beispiel behält Haydn die Form der Trios während
der Periode, in der er diese komponiert hat, bei. Das führt zu dem Gedanken, dass er
selbst keinen hohen Anspruch an diese Stücke hatte. Trotzdem können Passagen in den
Moll Sätzen und Adagios der Trios erkannt werden, wo eine erarbeitete
Satzentwicklung suggeriert wird (z.B. im Stil der Fuge). Als Beispiel kann man das Trio
96 in H-Moll nennen.20

20 Trio 96 in h-moll für Baryton ist zu hören in: Eisenstadt: am Hofe des Fürsten Esterházy / Joseph
Haydn ; Gregor Joseph Werner. Köln: EMI-Electrola, © 1970. 33 Upm.

10
4 Zusammenfassung

Joseph Haydn hat innerhalb weniger Jahre eine zahlreiche Sammlung kleinerer Stücke
für das elitärste Instrument Mitteleuropas im 18. Jh. komponiert. Das Baryton war
vielleicht eines der letzten Instrumente, das den Adel symbolisierte, bevor es zusammen
mit der Viola da Gamba veraltete. Zu diesem Zeitpunkt hat Haydn die letzten
wichtigsten Kompositionen (126 Trios) für Baryton geschrieben. Obwohl diese Trios
nicht das totale Potenzial des Instrumentes ausbeuten, stellen sie die repräsentativste
systematische Serie für Baryton dar.
Dieser Zeitraum gilt auch für J. Haydn als Vorbereitung für seine
Meisterwerkkompositionen; die Trios für Baryton sollten nicht als separater Teil seines
kompositorischen Prozesses und abwertend angesehen werden. Als Hofkapellmeister in
Esterházys Schloss hat Haydn viele andere Komponisten beeinflusst. In dieser Hinsicht
waren die Trios wertvoll, weil sie eine Bewegung unter Haydns Schülern auslösten,
auch für Baryton zu komponieren.
Die Trios waren für Haydn nicht nur eine Kompositionsübung, sondern eine Pflicht,
bzw. eine Auftragsarbeit für den Fürsten. Haydn hatte damit die Möglichkeit, ihm zu
gefallen und ein konstantes Einkommen zu haben:

„Another document quoted by Pohl in this connection indicates that the Prince's warning did
not fail of its intended effect. 'I have this moment received from Hayden three pieces which
please me very much,' Prince Nicholas writes on January 4, 1766, to his superintendent. 'You
are accordingly to pay him in my name twelve ducats from the treasury and to tell him at the
same time that he is to write six more pieces like those he has just sent me, together with two
solos, to be delivered as soon as posible.' “ [W. Oliver Strunk 1932: Seite 221-222].

Deswegen kann geschlossen werden, dass Haydn sowohl diesen Stücken


Aufmerksamkeit gegeben hat, als auch seinen anderen Kompositionen. Ein „großer“
Komponist kann nicht nur durch die kompliziertesten Werke erkannt werden, sondern
auch durch seine kleineren, und Joseph Haydn bestätigt dies mit den Baryton Trios.
Die Unterschätzung der Trios hat ihren Gegensatz in der sozialen Funktion, die diese
geleistet haben: Diese Musik hat dem Fürsten von Esterházy die Möglichkeit gegeben,
sein intellektuelles Niveau im Bereich der Musik zu demonstrieren, indem er nicht nur
ein seltsames und kompliziertes Instrument besaß, sondern es auch spielen konnte, und
zwar neben den virtuosen Musikern seines Hofes.

11
Für unsere heutige Zeit bleiben diese Kompositionen nicht nur als Ausstellungsstücke
erhalten, denn sie werden in das Repertoire aktueller Kammermusikensembles
aufgenommen. Es wäre für die Forschung interessant, wenn die Musikwissenschaftler
ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf die Meisterwerke von Komponisten wie Haydn und
andere richteten, sondern sich auch mit kleineren Kompositionen (wie den Trios)
beschäftigen würden, die zu dem Prozess der großen Werke beigetragen haben.

12
5 Literaturverzeichnis

5.1 Quellen

Haydn, Joseph: Divertimenti für Baryton, Viola und Bass. Hrsg. Waldemar Woehl.
Kassel: Bärenreiter-Verl. 1952.

Haydn, Joseph: Divertimento Nr. 113 D-Dur: Hoboken XI 113. Hrsg. Christian
Döbereiner. Trios, Baryton Va Vc H 11, 113. 4 St. (je 5 S.)Mainz: Schott. 1939.

Haydn, Joseph; Werner, Gregor Joseph: Eisenstadt: am Hofe des Fürsten Esterházy /
Joseph Haydn ; Gregor Joseph Werner. Köln: EMI-Electrola, © 1970. 1 Schallplatten,
33 Upm, stereo, 30 cm + Beih.

Orpheon Fondation: The living museum. Video


<http://festesdethalie.org/ORPHEON/orpheonfilm.htm>
<mms://melies.ac-versailles.fr/etabliss/lyc-monnet-lqy/museevivant.wmv>

5.2 Literatur

Braunschweiger Barytontrio, 2007: Einige Informationen zum Baryton.


<http://www.triofatal.de/bbt0.htm> Version 19.11.2007

Brown, Andrew W., 2004: An acoustical study of flat- and round-backed double basses.
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Einstein, Alfred, 1972: Zur deutschen Literatur für Viola da Gamba im 16. und 17.
Jahrhundert. Wiesbaden: Dr. Martin Sändig oHG,. Heft I.

Flassig, Fred, 1998: Die solistische Gambenmusik in Deutschland im 18. Jahrhundert.


Göttingen: Cuvillier.

13
Fruchtman, Efrim, 1962: „The Baryton: Its History and Its Music Re-Examined“. Acta
Musicologica, Vol. 34, Heft 1/2, S. 2-17.

Fuchs, Christian, 2007: Das Baryton.


<http://www.orpheon.org/Seiten/education/BarytonKat.html> Version 21.11.2007

König, Adolf Heinrich, 1985: Die Viola da gamba. Frankfurt a.M.: Bochinsky,. Band
43.

Pamplin, Terence M., 2000: „The Influence of the Bandora on the Origin of the
Baroque Baryton“. Galpin Society Journal, Vol. 53, Apr., S. 221-232.

Sadie, Julie Anne; Terence Pamplin: „Baryton“, in: The New Grove Dictionary of
Music and Musicians (2001), Bd. 2, London: Macmillan 2001. S.828-831

Strunk, W. Oliver, 1932: „Haydn's Divertimenti for Baryton, Viola, and Bass (After
Manuscripts in the Library of Congress)“. Musical Quarterly, Vol. 18, Nr. 2, S. 216-
251.

Wollenberg, Susan,1973: „Haydn's Baryton Trios and the 'Gradus'“. Music & Letters,
Vol. 54, Nr. 2 April, S. 170-178

Wood, Caroline, 1987: „Baryton Trios 97 in D, 111 in G, 87 in A Minor, 101 in C; Six


Trios for Transverse Flute, Violin and Violoncello“. Early Music, Vol. 15, Nr. 3,
August, S. 431, 433, 434.

14
6 Anhang

Abbildung 1: Divertimento Nr. 61 für Baryton, Viola und Cello in D-dur. J. Haydn

Abbildung 2: Divertimento (ohne Nummer) für Baryton, Viola und Cello in D-moll.
J. Haydn

15
Abbildung 3: Intonation des Barytons bei Haydns Trios

Abbildung 4: Tonumfang für die gestrichenen Saiten. J. Haydn

16