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Mai – Aktionismus und Erfolglosigkeit

gamma Nr. 178 – Juni/Juli 2007


Antifa-Newsflyer für
Leipzig & Umland
Das war wohl nichts: erfolglose Rangeleien einiger Nazis mit der Polizei am 1. Mai in Erfurt

Updates F ür den diesjährigen 1. Mai gab es erstmals eine


wirksame “Koordination” zwischen NPD und so
genannten “Freien Kräften”. CHRISTIAN WORCH
Pleite. Zwar erschienen um die 1.000 TeilnehmerIn-
nen (laut NPD 1.800), doch die bewegten sich nur
wenige Meter weit vom Hauptbahnhof zum Start-
Am 16. APRil wurde ein ehemaliger Bewoh- war bereit, seine bereits bestehende Anmeldung punkt ihres Aufmarsches. Bis dahin hatten Gegende-
ner der Nazi-WG in der Lindenauer GutsMuths- für Leipzig zugunsten eines Aufmarsches in Erfurt monstrantInnen bereits die Route blockiert. In Folge
straße vom Amtsgericht wegen Verwendens unter dem Label der “Antikap”-Kampagne zurück- kam es zu zaghaften Durchbruchsversuchen einzel-
von Kennzeichen verfassungswidriger Organi- zuziehen. In den vergangenen Jahren hatte er noch ner Nazigruppen. Die Polizei wandelte den vorgese-
sationen und Beleidigung zu einer Jugendstrafe kritisiert, dass die NPD sich nicht an seiner Leipzig- henen Aufmarsch in eine stationäre Kundgebung um.
von drei Jahren und zwei Monaten ohne Be- Mobilisierung beteiligen wollte, sondern entweder Ein in Befürchtung dieser Situation bereits am Vor-
währung verurteilt. einen eigenen “zentralen” Aufmarsch durchführte tag angemeldeter Ersatzaufmarsch in Weimar wurde
oder später den Landesverbänden eine “dezentrale” verboten, der aus Berlin angemietete Lautsprecher-
Am 17. APRil führte die NPD eine Kundge- Mobilisierung diktierte. Der Rückzug aus Leipzig am wagen beschlagnahmt. Abreisende Nazis führten
bung mit Infostand in Bitterfeld durch, an dem 1. Mai war für Worch freilich auch eine Möglichkeit, noch “spontane” Aufmärsche in Apolda (30 bis 40
sich knapp über 20 Nazis beteiligten - inklusive eine ihm unangenehme Kontinuität zu beenden: Personen, darunter 15 aus Halle) und Gotha durch.
Parteiprominenz wie Sascha Roßmüller, Mit- Misserfolge in Serie bei seinen Versuchen, nach In anderen Städten liefen die Aufmärsche eben-
glied des Bundesvorstandes. Zum Schutz der Connewitz zu marschieren, sowie sinkende Beteili- falls nicht ohne Störungen ab: in Neubrandenburg
Vesammlung war Matthias Bady (Halle/Saale) gung an seinen Aufmärschen. erschienen 600 Nazis, rund 500 AntifaschistInnen
mit einigen Kameraden angereist, unter ihnen Die Initiative für die meisten angemeldeten führen eine Gegendemonstration durch und erzwan-
auch Christian Trosse und Thomas Baumann Aufmärsche lag bei der NPD, deren Hauptaugen- gen im Anschluss durch eine Sitzblockade eine
(bekannt als “100% Unkorrekt” im “Hatecore”- merk sich auf Dortmund bzw. Erfurt richtete. Dort Routenänderung der Nazis. In Dortmund tauchten
Forum), die sich im Umfeld der Freien Kräfte traten als Sprecher der Bundesvorsitzende UDO 700 Nazis auf - viele erreichten allerdings nichtmal
Leipzig bewegen. VOIGT bzw. der JN-Vorsitzende STEFAN RO- ihren Treffpunkt, sondern steckten stundenlang in
CHOW auf. Der sächsische NPD-Landesverband Polizeikesseln. Weitere Aufmärsche gab es in Vechta
Am 20. April feierte eine Nazigruppe am Sil- und einige Mitglieder der Landtagsfraktion beteilig- (120 Nazis), Nürnberg (200 Nazis), Bad Bramstedt
bersee lautstark den “Führergeburtstag”. ten sich am Aufmarsch in Erfurt, der Landesvor- (100 Nazis) sowie Rüsselsheim und Raunheim (270
sitzende WINFRIED PETZOLD wurde ebenfalls bzw. 150 Nazis).
Am 21. APRil wurden drei Personen auf dem als Redner angekündigt, nachdem sich die säch-
Marktplatz in Groitzsch durch eine Gruppe von sische NPD darüber echauffierte, nicht in die Pla- • Sonderfall Sachsen?
zehn Nazis attackiert und leicht verletzt. Nach nungen einbezogen worden zu sein. Der Erfurter Allerdings folgten längst nicht alle Nazis dem
der ersten Auseinandersetzung versuchte eine PATRICK PAUL wurde im Nazi-Aufruf als Redner Lockruf der NPD. So fällt vor allem die geringe
kleinere Gruppe Nazis, eine Hochzeitsgesells- den “freien Nationalisten” zugeschlagen, tatsächlich Beteiligung an den kleineren Aufmärschen neben Er-
chaft mit Baseballschlägern anzugreifen, da steht er aber der NPD nahe. Mehr Gehör fanden die furt und Dortmund auf. Zugleich kam es in Sachsen
diese den Opfern des ersten Überfalls zu Hilfe Kameradschaftler in Dortmund, wo CHRISTIAN zu einer Reihe selbsttätiger Aktionen, die sich nicht
geeilt waren. An den Angriffen beteiligt waren WORCH und SIEGFRIED BORCHARDT (“SS-
auch Insassen von PKWs mit Altenburger und Siggi”) sprechen durften.
Nazis am 1. Mai 1
INHALT

Leipziger Kennzeichen. Die thüringische NPD erklärte über ihren


Aufmarsch in Erfurt: “Trotz aller Widrigkeiten war Updates 1
Am 24. APRil verteilte eine Nazigruppe nach- der 1. Mai 2007 für die nationale Opposition ein Worch-Aufmarsch 2
mittags Flugblätter vor der Markkleeberger historischer Tag”. Die dort durchgeführte “Gemein- “Lokomotion” 3
Rathausgalerie. Darin wurde Bezug genom- schaftsdemonstration mitteldeutscher NPD-Ver-
Info des EA-Leipzig 4
bände und freier Kräfte” wurde in Wirklichkeit zur
1. Mai: Aktionismus und Erfolglosigkeit (Forts.)
men auf die Antifademo am darauffolgenden an den Mobilisierungen zu einer der Aufmärsche “Jugendhaus Roßwein” marschieren und dort ran- Die Tatsache, dass die Polizei erst nach zweieinhalb tarischen Kampfes [...] im Mittelpunkt. Trotz alledem Vorjahr. Durch den Wegfall von Leipzig gab es
Sonntag, die von den Nazis wegen angeblich anschlossen, also auch dezidiert nicht dem Konzept dalieren konnten. Dabei gingen vier Fensterscheiben Stunden, nämlich ganz zum Schluss in Oschatz, braucht der Nationale WIderstand eine nationale Op- allerdings eine zahlenmäßige Konzentration in
erwarteter “1000 Linksextremisten” offenbar von “Großdemonstrationen” (Erfurt) oder “Event- und eine Tischtennisplatte zu Bruch, außerdem wur- eingeschritten ist - und dann auch noch relativ er- position im Kreis-, Land- oder Bundestag, um beispiels- Erfurt. Erfreulich ist dabei, dass zumindest die an-
für ein Kreuzberg-Ersatz gehalten wurde. Un- Aufmärschen” (Dortmund mit Auftritten mehrerer de ein Transparent hinterlassen, auf dem zwei Anti- folglos -, nährt diese Einschätzung. Das den Nazis weise [...] logistische und finanzielle Unterstützung zu gemeldeten Naziaktionen nicht ohne Gegenwehr
terzeichnet war das Flugblatt mit “Freie Kräfte Rechtsrock-Bands) folgten. In Radeberg fand ein faschistInnen namentlich benannt und Angriffen auf verschaffte Erfolgserlebnis macht diese Aktionsform leisten. Im Gegenzug braucht eine nationale Opposi- auskamen, die im Falle von Erfurt zu einer kom-
Leipzig” und “Nationale Sozialisten Leipzig”, angemeldeter, jedoch nicht beworbener Aufmarsch “Aktivisten” bezichtigt werden. Anschließend fuhren attraktiv. Dass sich hiesige Naziaktivitäten immer tion in den Parlamenten eine außerparlamentarische pletten Verhinderung und in Dortmund zu langen
als Kontaktdaten wurde die Postfachadresse unter dem Motto “Abwanderung stoppen - Recht auf die Nazis nach Riesa, wobei es der Polizei gelang, die öfter auf “hit and run”-Aktionen stützen, ist in den Bewegung.” (aus “Der Aktivist - Zentralorgan der Verzögerungen führte. Weder das Kalkül der Na-
angegeben, die bisher durch die (mittlerweile Arbeit durchsetzen” statt, an dem sich knapp 70 Na- InsassInnen von elf der betei-ligten PKWs festzu- letzten Monaten - wir meinen hier beispielsweise den Jungen Nationaldemokraten”, Jg. 16, 1/2007, S. 7) zis, auf einen “zentralen” Aufmarsch zu verzich-
scheinbar inaktive) “Bewegung Neues Deut- zis beteiligten. Die Stadt Radeberg machte die vorlie- setzen. Mit noch ca. 100 Nazis fand die “Kaffeefahrt” Aufmarsch in Leipzig-Gohlis und den Aufmarsch- Zugleich findet eine inhaltliche Annäherung ten, noch das Resultat, mindestens zwei personell
schland” genutzt wurde, die im letzten Jahr gende Anmeldung gegenüber Presse und Öffentlich- ihren Abschluss gegen 14.30 Uhr in Oschatz. Dabei Versuch in Leipzig-Lößnig - klar geworden. statt, wie sich am Beispiel der von NPD und Freien gut bestückte Aufmärsche durchzuführen, konnte
die Nachfolge des verbotenen “Schutzbund keit nicht bekannt. kam es zu Rangeleien mit der Polizei, bei der eine gleichzeitig bedienten “Antikap”-Kampagne aufzei- Gegenaktivitäten verhindern.
Deutschland” antrat. In Zeitz nahmen erst zwei dutzend Nazis an Polizistin verletzt und mehrere Personen festgenom- • nPD mit und versus Kameraschaften gen lässt. In Thüringen ist dadurch bereits eine Schwerer zu kalkulieren sind allerdings
einer Linkspartei-Kundgebung teil und meldeten men wurden. Durchgeführte Personalienkontrol- Eine Auswertung der Naziaktivitäten zum 1. gewisse Ununterscheidbarkeit zwischen Strukturen einigermaßen koordiniert durchgezogene unan-
Am 24. APRil empfing der der Landrat des anschließend eine Spontandemo mit etwa 60 Perso- len zeigten, dass sich unter den Nazis Personen aus Mai zeigt einerseits, dass eine zunehmende formale der NPD mit ihren rund 450 eingeschriebenen Mit- gemeldete und unbeworbene Aktionen, von
Muldentalkreises, Gerhard Gey (CDU), eine nen an. Für deren Organisation nicht unbedeutend Potsdam, Riesa, Bautzen, Schildau, Plauen, Görlitz, Kooperation zwischen NPD und Freien Kräften gliedern und Kameradschafts-Organisationen ent- denen insbesondere sächsische Nazis zum wieder-
sechsköpfige Abordnung der NPD, die bei ihm war einmal mehr MAIK SCHEFFLER (Delitzsch). Chemnitz, Leipzig und Dresden befanden. Eine stattfindet. Unter dauerndem Ermittlungsdruck standen. Andererseits aber gibt es einige Ausscher- holten Male Gebrauch machten. Nicht umsonst
als “Volkstreue Jugend” vorstellig wurde. Laut In Pirna tauchten 20 Nazis zum Provozieren an ähnliche “Kaffeefahrt”-Aktion fand bereits im ver- haben letztere immer weniger Probleme, unter dem bewegungen aus der Kooperation, nämlich überall will THOMAS GERLACH künftig “die Provinzen
NPD-Darstellung habe der Landrat der Gruppe einem Linkspartei-Infostand auf, ähnliches geschah gangenen Jahr statt, damals mit Stationen in Baut- Label von NPD/JN aufzutreten oder es für sich zu dort, wo die NPD dem Aktionismus der Freien - oder um Leipzig enger in die strategischen Abläufe
2.000 Euro aus Mitteln des Bundesprojektes in Hoyerswerda bei einer Gewerkschaftskundge- zen, Niesky und Hoyerswerda. beanspruchen. Umgekehrt ist die NPD zumindest in dem Bedarf an Selbstdarstellung ihrer Protagonisten einbeziehen” und die Orte, in denen sonst kaum
“Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokra- bung. Ein Mini-Aufmarsch wurde zudem (wie im Zu den Vorteilen dieser “spontanen” Aktio- einigen Regionen auf deren Personenpotential - d.h.: - nicht entsprechen kann/will oder wo aufgrund ein Fuß auf den Boden zu kriegen ist, “kreativ
tie”, das zweckgebundene Gelder für Projekte vergangenen Jahr) in Freital durchgeführt, an dem nen hieß es im “Hatecore”-Forum: “Du hast keine auch auf deren Aktions- und Gewaltpotential - an- der Kräfteverhältnisse in der Naziszene klar wird, bearbeiten”. Zwar ist die Außenwirkung solcher
gegen Rechtsextremismus vergibt, zugesichert. sich maximal 30 Personen (2006: 80) beteiligten. dummes Geschrei von Antifas und anderen Idioten. gewiesen. In der aktuellen Zeitschrift “Der Aktivist”, dass die Kooperation nicht auf “Augenhöhe” erfolgt, Aktionsformen, gemessen am medialen Echo,
Gey dementierte dies, bestätigte jedoch, er Das organisatorische Hauptaugenmerk säch- DU hast kein Massenaufgebot von Polizei somit kom- dem “Zentralorgan der Jungen Nationaldemokraten” also nicht der propagierten “Volksfront von rechts”, ausgesprochen gering. Der Angriff auf das Jugend-
habe seinen Gesprächspartnern empfohlen, sischer Nazis lag auf der Durchführung einer mst du direkt an den Bürger ran. [...] Man kann alle heißt es dazu in für die NPD ungewöhnlich deutli- sondern entweder einem Zweckbündnis, teilweise be- zentrum in Roßwein verdeutlicht aber die kon-
“sich von extremistischen Tendenzen zu dis- “Demo-Tour”: mit Hilfe eines PKW-Konvois wur- Parolen und Sprüche anwenden, kann mitten drin cher Anbiederung: “...ein Systemwechsel wird nicht im reits einem Aufgehen ehemaliger Kameradschafts- in frontative Komponente, die auf einige Nazis einen
tanzieren”, um in der Öffentlichkeit besser da- den mehrere “Spontan”-Aufmärsche hintereinander Flugblätter verteilen. Man hat den nahen Kontakt Parlament durchgesetzt, sondern auf der Straße und Parteistrukturen und JN-”Stützpunkten” entspricht. besonderen Reiz ausstrahlt und die einen Teil des
zustehen. Dafür habe er seine “Unterstützung” absolviert. Gegen 12 Uhr tauchten etwa 200 Nazis zum Bürger und dies mit einem Auftritt der genau in den Betrieben. [...] Deshalb steht für freie, Natio- Insgesamt waren zum 1. Mai kaum mehr Na- (vor-) politischen Selbstverständnisses “Freier
angeboten. Seine Diskussionsbereitschaft be- in Roßwein auf, die ohne Polizeibegleitung zum das Gegenteil zeigt, sowie die Presse uns hinstellt.” nale Sozialisten die Entwicklung des außerparlamen- zis an öffentlichen Versammlungen beteiligt als im Nationalisten” ausmacht.
gründete er damit, dass “Toleranz keine Ein-
bahnstraße darstellt” - obwohl er im Voraus in
Kenntnis gesetzt wurde, mit wem er sich treffen
will. Im Nachhinein wurde außerdem bekannt, Na endlich: Worch marschiert wieder in Leipzig Geschichtsrevisionisten treffen sich in Lößniger Gartenlokal “Lokomotion”
dass das Landratsamt dem NPD-Fraktionschef
im dortigen Kreistag, Sven Tautermann, eine
ABM-Stelle vermitteln wollte - als Pädagoge in
einem Jugendclub.
A m 21. Juli will CHRISTIAN WORCH seinen
nächsten Aufmarsch in Leipzig durchführen.
Eine entsprechende Anmeldung liegt der Stadt Leip-
Mut gemacht. Keine Route durch die Innenstadt zu
nutzen hat aber viel eher den Grund, dass der Innen-
stadtring an diesem Tag durch den Leipziger Chris-
I n den Nachmittagsstunden der Sonntage am
15.04. und 06.05. fanden im Lößniger Garten-
lokal Lokomotion Saalveranstaltungen des Leipziger
Folge im Umfeld der ersten Veranstaltung einen An-
griff auf das Veranstaltungsgebäude sowie auf einige
PKWs. Da die Veranstaltung am 06.05.07 schon
nicht nur aus Leipzig, sondern wie im Falle MAIK
SCHEFFLERS bspw. aus Delitzsch. Bemerkenswert
ist, dass der Saalschutz in beiden Fällen durch Per-
zig schon seit einigen Wochen vor, das Motto soll topher Street Day belegt ist, deren OrganisatorIn- Kreisverbandes der NPD statt. Beide Veranstaltun- frühzeitig bekannt wurde, war die Polizei besser sonen aus dem Hooliganumfeld des 1.FC LOK
Am 7. mAi besuchten der Kreisvorsitzende des “Arbeit in der Heimat zu gerechtem Lohn” lauten. nen das Erstanmelderecht auf ihrer Seite wissen. gen wurden unter dem Deckmantel „Geschichtlicher vorbereitet. 300 Beamte, zum Teil aus Dresden und Leipzig abgedeckt wurde, u.a. den “Blue Caps LE”.
CDU-Verbandes Leipziger Land, Georg-Ludwig Eine wichtige Veränderung im Gegensatz Worch betrachtet den 21. Juli als Ersatz für seinen Gesprächskreis“ beworben bzw. durchgeführt. Als Potsdam, sperrten wiederum das Gelände großzügig Die Treffen im Lokomotion haben gezeigt, dass
von Breitenbuch, und der Pfarrer von Elstertreb- zu vergangenen Aufmärschen hat Worch einge- Aufmarsch am 1. Mai, auf den er zu Gunsten des Referenten waren OLAF ROSE und GERDA FOR- ab. AntifaschistInnen meldeten eine Spontande- die sächsische NPD wieder verstärkt in Leipzig aktiv
nitz, Hermann Göthel, die “Gedächtnisstätte” führt: Startpunkt wird nicht der Hauptbahnhof “mitteldeutschen” Aufmarsches in Erfurt verzich- STER angekündigt. Rose (parlamentarischer Berater monstration an und zogen am Lokomotion vorbei, werden möchte. Der Leipziger Verband ist zwar der
in Borna, um die dortige Ausstellung in Augen- sein, sondern der S-Bahnhof Stötteritz (Stötteritzer tete. Im Februar ließ Worch im Forum des “Freien der NPD-Landtagsfraktion und aktiv als Geschichts- weitere mögliche Aktionen zahlenmäßig größte im
schein zu nehmen und mit Vereinsmitgliedern Straße/Papiermühlstraße). Die Nutzung von S-Bahn- Widerstandes” daher verlautbaren: “Selbstverständ- revisionist) sollte am 15.04. zum in rechten Kreisen wurden allerdings durch die Freistaat, das schlug
zu diskutieren. Beide kritisierten im Anschluss höfen ist allerdings keine Neuerung: Beim Doppel- lich wird es weitere Demonstrationen in Leipzig geben. als Märtyrer verehrten Rudolf Hess referieren, Gerda Polizei unterbunden. sich jedoch nicht in
das Projekt und äußerten, “dass es an einer his- aufmarsch von Worch und NPD gegen die Wehr- Nicht nur solche, die mit interner Mobilisierung und Forster aus dem Umfeld des rechtsextremen „Col- Die erste Veranstaltung seinen Aktivitäten
torischen Einbindung mangelt”. Gleichzeitig machtsausstellung am 8. Juni 2002 nutzte die NPD ohne öffentliche Werbung stattfinden, sondern auch legium Humanum“ auf der zweiten Veranstaltung wurde durch 40 Nazis be- nieder. Die Unterstüt-
wurde durch einen Pressebericht bekannt, dass den S-Bahnhof Stötteritz, um in Ruhe wieder abrei- längerfristig vorher beworbene von möglichst überre- zum vermeintlichen „alliierten Bombenterror“ auf sucht, die sowohl aus Leipzig, zung durch die Land-
die “Freien Kräfte Borna”, die am 13. Februar sen zu können. Verschiedene Leipziger S-Bahnhöfe gionaler bzw. im Idealfall bundesweiter Bedeutung.” Hamburg. Der Veranstaltungsort war in beiden Fäl- dem näheren Umland, aber tagsfraktion fiel meist
einen “Gedenkmarsch” anlässlich des Jahrestag- gehörten schon zu den Treffpunkten der “Freien Dass der Aufmarsch ausgerechnet für den len nicht gennant, Nazis, welche die Veranstaltungen auch aus Chemnitz angereist spärlich aus. Führungs-
es der Dresden-Bombardierung veranstalteten Kräfte Leipzig” für eine gemeinsame Anreise zu Hochsommer terminiert wurde hat für die Nazis besuchen wollten, sollten über einen Schleusungs- waren. Zu der zweiten Veran- kader aus Dresden
und am 24. März während der Eröffnung der Aufmärschen. Und am 1. Mai des vergangenen eine klare strategische Bedeutung. Einerseits düm- punkt am Völkerschlachtdenkmal zur Veranstaltung staltung kamen ca. 70-80 Nazis, wobei die Hälfte erst traten zwar immer wieder auf Veranstaltungen
“Gedächtnisstätte” an Übergriffen auf Anti- Jahres trafen sich etwa 100 Nazis vor Beginn ihres pelt die Zahl der Nazis, die sich noch an Worchs gelotst werden. gegen 18:00 Uhr über das Gleisbett zum Veranstal- auf, so wie jetzt im Lokomotion; neu ist aber, dass
faschistInnen beteiligt waren, Räumlichkeiten Aufmarsches am S-Bahnhof Anger-Crottendorf, um Aufmärschen beteiligen, so oder so seit längerem An beiden Sonntagen versammelten sich Anti- tungsort gelangte. Nach Beendigung der Veranstal- auch die Organisation in den Händen von Leuten
im Obergeschoss des Hauses nutzen dürfen. von dort aus gemeinsam zum Ostplatz zu laufen. auf niedrigem Niveau vor sich hin. Dabei kann faschisten in der Nähe des Lokomotion, um die Ver- tung wurde ein Großteil der anwesenden Nazis mit wie Jarisch liegt. Außerdem fällt auf, dass die Leip-
Allerdings sind die Nazis wohl auch etwas re- er immerhin auf einen zwar kleinen, aber doch anstaltungen zu behindern. Trafen sich am Sonn- einem LVB-Bus aus der Gefahrenzone gebracht ziger NPD offensichtlich engeren Kontakt zu den
in DER nACHT VOm 10. Zum 11. mAi wurde alistischer geworden. Ziel ist nicht mehr der Stadt- zähen Kern “autonomer Nationalisten” vertrauen, tag, dem 15.04, noch 200 AntifaschistInnen um und zum Ostplatz chauffiert, um sich von dort aus lokalen “Freien Kräften” und zum Umfeld des 1.FC
eine Scheibe des “Linxxnet” in der Bornaischen teil Connewitz, sondern wie in früheren Zeiten denen jeder Anlass recht ist. Andererseits wird spontan gegen die Veranstaltung zu demonstrieren, in Ruhe auf den Heimweg begeben zu können. LOK sucht. Aus dem aktions- und gewaltbereiten
Straße durch einen Steinwurf beschädigt. - wir erinnern uns an den 1. Mai 1998 - das Völker- wohl darauf gehofft, dass sich zur Urlaubszeit weni- so waren es drei Wochen später doppelt so viele. Die Veranstalter des Zweiten „Gesprächskreises“ war Potential dieser sich teilweise überschneidenden
schlachtdenkmal. Dahin ist Worch seit 2001 aber ger AntifaschistInnen einfinden werden, um den angerückte Polizei riegelte das Gebiet um das Loko- NILS JARISCH, der zu den Mitarbeitern der sächs- Zusammenhänge stammt nicht nur ein Teil des Pub-
Am 18. mAi sollte eine Veranstaltung der NPD auch noch nicht vorgedrungen; dass er am 3. Okto- Aufmarsch zu blockieren, noch dazu bei einer Ver- motion in beiden Fällen weiträumig ab und schützte ischen NPD-Landtagsfraktion zählen soll. Auch die likums der sonntäglichen Veranstaltungen. Die NPD
unter dem Motto “Ein Herz für Deutschland” ber “immerhin” bis zum Ostplatz kam, hat ihm wohl lagerung des Spielfeldes in den Leipziger Südosten. die anwesenden Nazis. Denoch gab es Berichten zu TeilnehmerInnen der zweiten Veranstaltung kamen greift auf sie auch gern für Schutzaufgaben zurück.

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»Es war einmal...«
Ein Beitrag des EA Leipzig zum Umgang mit Gerüchten, Klatsch
im “Haus Leipzig” in der Elsterstraße statt- und anderen Informationen aus “zweiter Hand”
finden. Angekündigt worden war ein Vortrag
Winfried Petzolds, des Landesvorsitzenden der „Hast Du schon gehört? Heute Abend haben sich 40 Deshalb!
Nazihools für´s Connewitzer Kreuz angemeldet ...“
sächsischen NPD, unter dem Titel “Das deutsche Wer kennt solche oder ähnliche Erzählungen nicht? Verbreitet Gerüchte und Informationen nicht
Volk im Fadenkreuz - 3.000 Jahre Antigerman- weiter, ohne dass diese bestätigt wurden. Fragt
Mitte März wurde berichtet, dass Punker_in- bei der Person, die euch die Neuigkeit überbringt
ismus”. Die Veranstaltung wurde am Vormittag nen auf dem Vorplatz des Leipziger Hauptbahn- nach, woher er oder sie diese Informationen hat.
abgesagt, am frühen Abend ließen sich lediglich hofs überfallen und brutal zusammen geschlagen Dann überlegt erst mal: kennt ihr diese Person,
wurden. Es gab die unterschiedlichsten Aussagen haltet ihr sie für vertrauenswürdig oder ist sie euch
einzelne Nazis - unter ihnen Petzold - blicken, zu diesem Vorfall. Sie reichten vom Tod eines Hun- eher aus anderem Zusammenhang als Tratschtante
suchten aber alsbald das Weite. Das “Haus Leip- des, Menschen die mehrere Tage im Koma lagen, oder Tratschonkel bekannt?
zig” wird von der ABC Verwaltungs GmbH be- bis zum Messer im Rücken. Wegen der enormen
Brutalität des Ereignisses versammelten sich viele Informationen oder Berichte auf Indymedia
trieben, die auch Betreiberin des Vereinsheims Menschen und demonstrierten spontan von Con- oder in Webblogs sollten von Betroffenen oder Au-
der Gohliser Kleingartensparte “Trommelholz” newitz in die Leipziger Innenstadt. Was an diesem genzeug_innen selbst geschrieben werden. Diese
Tag genau passierte, ist allerdings weiterhin unklar. Regel gilt vor allem für die erste Veröffentlichung
war, in dem die NPD regelmäßig Veranstal- einer Information. Die Infos aus solchen Berichten
Bis heute sind eine Menge Gerüchte und wider-
tungen durchgeführt hat und das im März ab- sprüchlicher Informationen im Umlauf. Ein Großteil sollten dann sobald wie möglich durch Fakten
brannte. Im “Haus Leipzig” trafen sich schon zu der „Berichterstattung“ kann auf Indymedia nach- konkretisiert oder dementiert werden.
früheren Gelegenheiten Nazis. gelesen werden. Jedoch konnte bislang keine der Zu eurem eigenen Schutz und zum Schutz von
Informationen bestätigt werden, Augenzeug_in- Betroffenen bzw. Beteiligten: überlegt euch genau,
nen oder gar Betroffene haben sich, trotz der gan- was ihr wie im Internet veröffentlichen wollt und
Am 27. Mai kam es im Rahmen des dies- zen Aufregung, bislang nicht zu Wort gemeldet. warum. Fragt euch vorher: Welche Informationen
jährigen Wave-Gotik-Treffens zu mehreren Genau dies wäre aber notwendig, um die Betrof- sind wirklich wichtig und auf welche Details kommt
fenen unterstützen zu können und eine dem The- es gerade nicht an? Das gilt erst recht bei Aktions-
Vorfällen. Am Nachmittag spielte die Band ma angemessene Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. berichten. Überlegt also, ob es für Dritte relevant
“Stormfågel” im UT Connewitz (Wolfgang- Dieses Beispiel macht einmal mehr deutlich, ist, dass ihr in der letzten Nacht in der Nähe euer
Heinze-Straße). Etliche der erschienene Fans wie wichtig es ist, bei der Verbreitung von Informa- Schule „ein super geiles Graffiti“ gesprüht habt oder
tionen einige Standards zu beachten. Denn eine welche illegalisierten Substanzen ihr bei der letzten
trugen eindeutige Symboliken, u.a. SS-To- Party„geschmissen“ habt. Seid euch bei Postings im
misslungene bzw. unbedachte Veröffentlichung
tenkopfschädel und Doppelsigrunen, sowie von Ereignissen kann erhebliche Folgen haben. Internet immer bewusst, dass diese nicht nur von
Kleidung der Marke Thor Steinar. Vor Beginn einem kleinen Freundes- oder Szenekreis, sondern
auch von Nazis oder Bullen gelesen werden kön-
des Konzerts kam es zu Gerangel, nachdem Warum? nen und auch gelesen werden. In diesem Zusam-
TrägerInnen von Nazisymbolik vom Besuch des Ein Problem von Gerüchten ist zunächst, dass menhang sei auch noch mal erinnert: NIE aber auch
Konzerts abgehalten wurden. Am selben Tag sie für Unsicherheit und Verwirrung sorgen. Vielen NIE euren richtigen Namen im Internet verwenden!
ist klar, dass irgendetwas passiert ist, aber sie wis- Das bedeutet auch, dass ihr Postings, in denen
kam es auch zu Auseinandersetzungen vor der sen nicht genau was und in welchem Umfang. Und Dritte über ein Ereignis berichten, nicht vorschnell
Parkbühne im Clara-Zetkin-Park. Auch hier genau dieser Zustand schürt Ängste. Dies kann zur Glauben schenken solltet. Und unabhängig davon:
waren Personen in Wehrmachtskluft zugegen. Erlahmung ganzer Strukturen führen. Solange un- glaubt nicht alles, was auf Indymedia, MySpace und
klar ist, was geschehen ist, solange ist auch unklar, Co. zu lesen ist. Dort kann jede und jeder posten,
Laut einem LVZ-Bericht büßte in der Nacht wie am besten zu reagieren ist, um sich selbst nicht also auch Nazis, Bullen und Selbstdarsteller_innen,
zuvor ein Nazi in der Bernhard-Göring-Straße zu gefährden und um die Interessen der Opfer von die auch gerne mal Opfer sein wollen und deshalb
sein Thor-Steinar-Shirt ein. Übergriffen zu schützen. sinnlos übertreiben.
Auch die übertriebene Darstellung von Ge- Damit meinen wir nicht, dass ihr Berichten von
schehnissen ist problematisch. Wenn krasse Vor- Überfällen im Internet oder von Dritten gar nicht
fälle als unbestätigte Geschichten in der Stadt oder mehr glauben sollt. Wir raten euch einfach, an
im Internet kursieren, oder sich im Nachhinein solche Veröffentlichungen und Erzählungen mit
als unwahr oder überspitzt herausstellen, führt einem gesunden Misstrauen und Menschenver-
Termine das zum einen dazu, dass die Betroffenen für un-
glaubwürdig gehalten werden. Zum Zweiten kann
stand heranzugehen und diesen auch nicht aus-
zuschalten, wenn die Meldung sonst wie krass oder
sich mit der Zeit ein gewisser Gewöhnungseffekt unvorstellbar erscheint.
16. Juni: Antifademo in Grünau. Beginn 13 einstellen, Vorfälle werden weniger ernst genom-
men und im Ernstfall bleibt der ein oder die andere Wenn ihr euch über die Richtigkeit der Informa-
Uhr an der Endhaltestelle Lausen. Mehr Infos: dann eben lieber zu Hause. Getreu dem bekannten tionen nicht im Klaren seid, oder nicht wisst, wie ihr
www.ajz-bunte-platte.de.tl Sprichwort: „Wer einmal lügt, dem glaubt man am besten mit Informationen umgehen sollt, könnt
nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht.“ ihr z.B. bei zuverlässigen Antifastrukturen nachfra-
gen, bevor ihr sie weitererzählt, z.B. beim GAMMA.
21. Juli: Naziaufmarsch in Leipzig. Beginn 12 Viele von euch nutzen das Internet, um Infor- An diese Strukturen könnt ihr euch auch wenden,
mationen weiterzuleiten, z.B. Indymedia, Blogs wenn ihr selbst etwas wisst. Falls ihr unbestätigte
Uhr am S-Bahnhof-Stötteritz mit Ziel Völker- oder Communities wie z.B. MySpace. Dann solltet Informationen weitererzählt, macht ausdrücklich
schlachtdenkmal. Infos zu Gegenaktivitäten: ihr euch immer im Klaren sein: jedes Posting ist und sehr deutlich, dass es sich hierbei nur um ein
www.left-action.de/antifa nachvollziehbar. Denn jedem Posting wird einen Gerücht handelt!
eigene IP-Adresse zugeordnet und über diese seid
ihr dann auffindbar!* Wenn ihr im Internet über Na- Wenn ihr selbst Opfer oder Zeug_innen eines
ziüberfälle oder Übergriffe von Bullen etc. berich- Überfalls geworden seid, wendet euch an vertrau-
tet, sollte euch also bewusst sein, dass virtuelle enswürdige Leute oder an Gruppen wie den EA.
Diskussionen und Berichte über Vorkommnisse Diese Strukturen sind in der Lage euch zu beraten
reale Konsequenzen haben. Die Folgen einer un- und zu unterstützen. Sie überlegen gemeinsam
Redaktionelles überlegten Veröffentlichung im Internet sind meist mit euch, welche Möglichkeiten zum Handeln
bestehen, können mit euch zusammen eine wirk-
nicht vorhersehbar. So können sich zum Beispiel
Leute überlegen, eine Spontandemo durch- same Öffentlichkeitsarbeit machen und euch
GAMMA ist ein antifaschistischer Newsflyer. Er zuführen. Postings können aber durchaus auch gegebenenfalls rechtliche Hilfe vermitteln.
wird von AntifaschistInnen nach Bedarf heraus- ein juristisches Nachspiel für euch (oder andere!)
gegeben und informiert über Nazistrukturen und haben, wenn ihr dort z.B. zu Gewalttaten oder
Sachbeschädigung aufruft. Falls ihr über eine Ak- Wendet euch an:
-aktionen in Leipzig und dem näheren Umland. tion berichtet, könnt ihr auch Gefahr laufen, als
• das GAMMA: projekte.free.de/infotelefon und
Zeug_in oder als Beschuldigte_r vorgeladen zu
gammazine@no-log.org
• Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 04.06.2007 werden. Übertriebene Darstellungen im Netz wer-
den von Polizei und Presse nur zu gern verwendet, • den EA-Leipzig: Tel. 0341/211 93 13,
• Kontakt-Adresse: gammazine@no-log.org um gegen linke Aktivitäten zu hetzen oder z.B. Sprechzeiten jeden Donnerstag 17.30 – 18.00 Uhr
• Online: http://projekte.free.de/infotelefon zukünftige Demonstrationen zu verbieten. im linXXnet, Bornaische Str. 3d, 04277 Leipzig
* Wer sich anonym im WWW bewegen will, sollte sich über das Tool “TOR” informieren: http://tor.eff.org/index.html.de
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