Sie sind auf Seite 1von 3

Neue Geschäfte von, für und mit Nazis

gamma
Nr. 180 – Oktober/Nov. 2007

Antifa-Newsflyer für
Leipzig & Umland Die Eröffnung des “Tønsberg” am Brühl: Anlass einer antifaschistischen Spontandemonstration

Updates U nverhofft kommt oft: im September eröffneten


in Leipzig zwei neue Ladengeschäfte, in denen
sich die örtliche Naziszene treffen und mit Klamot-
Auch zwei nachfolgende “Partys” erzeugten keine
Besucherströme.
Die weitere Entwicklung ist hier völlig offen,
Am 4. August veranstalteten zwölf Nazis der ten eindecken kann. denn örtlich abgeschnitten von nennenswertem
“Freien Kräfte Leipzig” ein “Völkisches Sport- Zunächst präsentierte sich in der Volbedingstra- Publikum und eingemietet in einem unattraktiven,
fest” am ehemaligen Tagebau in Störmthal. Das ße (nahe Berliner Brücke) im Stadtteil Mockau-Süd schwer zu findenden und einzusehenden Objekt
nicht ganz ernst zu nehmende Treffen ist zu ein “Vereinshaus” namens “Aryan Brotherhood Ger- wird auf der Ladentheke nicht viel los sein. Aller-
verstehen als “Reaktion” auf das antirassistische many” der Öffentlichkeit. Der Name wurde gewählt dings will man, und dies ist erneut ein eindeutiger
Fußballturnier, das am selben Wochenende in in Anlehnung an eine berüchtigte Gang US-ameri- Hinweis auf den kommerziellen Hintergrund der
Grünau stattfand und im Umfeld des AJZ “Bun- kanischer Nazis, die sich in dortigen Knästen mit “Aryan Brotherhood”, einen “Security”- und Ord-
te Platte” organisiert wurde. Am selben Abend Auftragsmorden und Drogenschmuggel verdingt. nerdienst hochziehen, jedenfalls lassen sie sich über
kam es nahe der Gaststätte “Seeblick” zu einer Hinter dieser martialischen Legende steckt in Wirk- ihre Website als “AB Security” buchen.
Konfrontation mit einigen Nazis, die sich dort
zum Saufen und Pöbeln eingefunden hatten.
Ebenfalls am 4. August fand in Dresden-Pap-
lichkeit eine Geschäftsidee des Betreibers des Wurz-
ner “Front Records”-Versandes, Thomas Persdorf. In
dem relativ versteckten Gewerbegebiet befindet sich
E in anderer Laden kann unterdessen mit mehr
Umsatz rechnen: am Hallischen Tor/Ecke
Richard-Wagner-Straße, eröffnete am 22. Septem-
pritz der “1. Sachsentag” der “Jungen National- im Erdgeschoss die von außen völlig unscheinbare ber unter dem Namen “Tønsberg” eine Filiale des
demokraten” statt, der inhaltlich ähnlich ausge- Filiale mit einem Verkaufsraum, in dem T-Shirts aus rechtsextremen Modelabels “Thor Steinar”. Gleich-
staltet wurde wie das Pressefest der “Deutschen Front-Records-eigener Produktion zu haben sind. namige Ladengeschäfte führt Thor Steinar in Berlin
Stimme” ein Jahr zuvor. Es reisten 600 bis 700 Ferner gibt es eine Tresen und einen Trainingsraum. am Alexanderplatz (wobei der Mietvertrag mittler-
Nazis an, darunter auch einige aus Leipzig. Es ist anzunehmen, dass Persdorf die nötigen Finan- weile seitens der landeseigenen Wohnungsbaugesell-
zen zur Anmietung der Räume vorgeschossen hat; schaft Berlin-Mitte gekündigt wurde) und seit über
Am 11. August sollte ein Aufmarsch in Burg außerdem ist er Betreiber und Inhaber der zugehö- einem Jahr auch am Dresdner Postplatz. Bereits zwei
(nahe Magdeburg) stattfinden, der allerdings rigen Website und Domain. Tage vor der Eröffnung führten über 250 Antifa-
tags zuvor vom zuständen Oberverwaltungs- schisten eine Spontandemonstration durch, die am
gericht untersagt wurde. Die sich als Organisa- Laden, der erst wenige Stunden zuvor mit “eindeu-
toren zuständig fühlenden Maik Scheffler und tiger” Ware beliefert wurde, vorbeiführte. Am selben
Thomas Gerlach hielten die Mobilisierung aller- Abend gingen Pressemeldungen zufolge sämtliche
dings aufrecht, forderten “Ärsche hoch und auf Scheiben zu Bruch, die Polizei bekam scheinbar
nach Burg” und behaupteten ihren Kameraden nichts mit.
gegenüber einfach, der Aufmarsch sei nicht Die nachfolgende Reihe erfolgreicher Aktionen
verboten worden. Begründung: die Post des Ge- rief freilich auch Nazis auf den Plan: Anlässlich einer
richts sei nicht oder zu spät angekommen; Ger- angemeldeten Kundgebung der Jusos am 27. Sep-
lach hatte schon im Streit mit Worch nach dem tember versammelten sich im und vor dem Laden
von “Freien Kräften” boykottierten Aufmarsch
am 21. Juli behauptet, ihn habe eine wichtige Außen pfui, innen aber auch: die Fassade der “Aryan
Brotherhood“-Filiale in Leipzig-Mockau Neue Naziläden 1
INHALT

Email nicht erreicht. Am selben Tag gab es


Ersatzaufmärsche bzw. Aufmarschversuche in Updates 1
Magdeburg, Halle, Halberstadt und Delitzsch, Noch hat sich die selbsternannte “Bruderschaft” Heß-Gedenken ‘07 2
tags darauf auch in Wernigerode und Merse- allerdings nicht in die lokale Naziszene integrieren Nazis und LOK (II) 3
burg, allesamt mit geringer Beteiligung. können: zur “feierlichen Eröffnung” am 3. Septem-
Lage in Grünau 4
ber blieben die Mitarbeiter des Ladens unter sich.
Neue Geschäfte von, für und mit Nazis (Forts.) Nachtrag zu GAMMA Nr. 179

Am 17. August führten etwa 150 Nazis einen etwa 30 Nazis, unter denen sich auch FKL-Mitglieder “Black Rainbow” und “L.E. Security” konnte den Der rechte Rand des 1. FC Lokomotive
Aufmarsch in Altenburg durch. Anlass ist ein wie Isztvan Repaczki und Hools wie Ricardo Sturm Aktionen gegen den Laden etwas entgegensetzen.
Vorfall vor drei Jahren, als ein Nazi während
des Klebens von Rudolf-Heß-Plakaten von
einem Polizisten angeschossen und dadurch
befanden. Nach einigem Geprolle und dem Vorzei-
gen einer Iran-Fahne verzog sich ein Großteil der
Nazis zunächst hinter einen Imbiss. Als die Kund-
Das kann allerdings ebenso im Kalkül der La-
denbetreiber liegen. Die haben ihren Mietvertrag
nämlich gleich über drei Jahre abgeschlossen - unge-
I n der vergangenen Ausgabe des GAMMA berich-
teten wir über die Überschneidungen des LOK-
Fan-Umfeldes mit der lokalen Naziszene. Der dama-
abzukratzen. Eigentlich erstaunlich ist aber, wer da
am Steuer saß: Nils Larisch, der bis vor kurzem Mit-
arbeiter der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag
Übrigens: der besagte GAMMA-Artikel der ver-
gangenen Ausgabe war auch für die bürgerliche
Presse Anlass für Berichterstattung. Die SÜDDEUT-
leicht verletzt wurde. Als Redner trat u.a. Maik gebung gerade beendet werden sollte, stürmten sie wöhnlich für ein Geschäft mit Innenstadtlage und ein lige Artikel muss um zwei Episoden ergänzt werden, war und in dieser Funktion als “Security” vermut- SCHE schrieb am 29. August über die “Blue Caps
Scheffler auf. teils vermummt und mit aufgesetzten Helmen her- Hinweis darauf, dass der Protest ausgesessen werden welche die Verquickung von Nazi- und Hool-Kultur lich Holger Apfels Aktentasche tragen durfte. La- LE”: “Und in Leipzig ließ die NPD jüngst eine Par-
vor und versuchten, die Kundgebung anzugreifen, soll. Als Vermieter tritt die Berliner Immovaria Betei- nochmals illustrieren. risch tauchte außerdem auf Flyern als Veranstalter teiveranstaltung gleich von einer ganzen Fangruppie-
Am 1. September fand auf dem Gelände der wichen aber ob ligungen AG auf, die auch ein Büro in der Leipziger der NPD-Vorträge im “Lokomotion” auf - und er rung schützen: Die Lok-Ultragruppierung “Blue Caps”
“Gedächtnisstätte” in Borna ein “Sommerfest” der anwesenden Prinz-Eugen-Straße führt. Die Immovaria ist im Der Delitzscher Maik Scheffler schlep- war Gründungsmit- übernahm geschlossen den Ordnungsdienst.”
mit mindestens 50 Teilnehmenden statt, am sel- Antifas und der Besitz des Unternehmers Siegfried Axtmann, einem pte zu einer NPD-Veranstaltung im “Lokomotion” glied des FC Lokomo- In der LVZ war am 23. September - ent-
ben Tag referierte dort Olaf Rose, bekanntlich eingreifenden Hauptsponsor des FC Lokomotive Leipzig. Gegenü- nicht nur seine Freunde von den “Blue Caps” an, tive. Er wurde zwar gegen allen bisherigen Verlautbarungen zum
Mitarbeiter der sächsischen NPD-Fraktion und Polizei zurück. ber der Presse gab Axtmann zu verstehen, dass es am die dort für “Sicherheit” sorgen sollten; Scheffler mittlerweile wegen Thema - zu lesen: “Gewaltbereite Fußball-
noch vor wenigen Wochen Referent im „Loko- Die beteiligten Mietvertrag juristisch nichts zu rütteln gäbe. Wen selbst bemüht sich fleißig weiter um die faschistische “vereinsschädigenden Fangruppen in Sachsen sind laut Polizei zum
motion“, über Rudolf Heß. Nazis wurden an- man da in seiner Immobilie Geschäfte machen lässt, Agitation seiner Fußball-Kollegen. Schon seit März Verhaltens” aus dem Teil rechtsextremistisch. ‘Wir haben in Sach-
schließend nach davon habe man vorher - natürlich - nichts gewusst... des laufenden Jahres ist er in deren Onlineforum Vorstand ausge- sen diesen Nachweis’, sagte Polizeidirektor
Am 3. Oktober trafen sich in Lößnig etwa 80
Nazis aus Leipzig und dem näheren Umland,
beispielsweise aus Delitzsch. Ursprünglich
ihren Personalien
kontrolliert und
einzeln abgefilmt;
B isher waren “Thor Steinar”- und ähnlich ein-
schlägige Klamotten nur im “Untergrund” in
der Kolonnadenstraße, bei “Miss Liberty” und “Mc-
registriert, Mitte August begann er, dort Teile sei-
ner “Front-Versand”-Kollektion feilzubieten. Dazu
schrieb er: “Von dem Geld was eingenommen wird,
schlossen und mit
Hausverbot belegt.
Peinlich ist dem dem
Uwe Kilz am Samstag auf dem 1. Sportrechts-
tag in Leipzig. [...] Als Beispiel für Rechtsex-
tremismus nannte Kilz die Anhänger des 1. FC
sollte am selben Tag ein Aufmarsch in Bor- mit von der Partie Trend” in der City sowie im “Boombastic” im Grün- werden Web-Seiten; Info-Material; Infoveranstal- LOK-Umfeld diese Lok Leipzig. [...] Die Gruppierung ‘blue-caps-
na unter dem Motto “Deutschland ist größer war auch der De- auer Allee-Center zu bekommen. Ein eigener “Thor tungen usw. finanziert(!) sieht es als Spende nur das eindeutige personelle le’ nehme an NPD-Veranstaltungen teil. Laut
Der Betreiber des “Tønsberg”
als die brD” stattfinden, der aus dem Umkreis litzscher Nazika- Steinar”-Store in so prominenter Lage ist ein Novum ihr was dafür bekommt.” Die Motive zeigen u.a. an- Verbindung trotz- Kilz habe Vereinspräsident Steffen Kubald,
der “Freien Kräfte Borna”, die sich mit dem der Stefan Wag- für Leipzig. Ebenso neu ist das offene Auftreten einer gedeutete Hakenkreuze und den Schriftzug “A.J.A.B” dem, so dass sich im Nils Larisch selbst einstiger Hooligan, ‘bestimmte Klientel
“Schutz” der “Gedächtnisstätte” verdingen, an- ner. Dass es sich hier um einen ernsthaften Versuch kameradschaft-ähnlichen Vereinigung wie “Aryan - “All Jews Are Bastards”. LOK-Fan-Forum eine nicht mehr im Griff ’. Spruchbänder wie ‘Wir
gemeldet wurde. Gegen das in der Woche zu- handelte, die größtenteils bürgerlichen Teilnehmer Brotherhood Germany” und die ebenso offene Nut- lange Diskussion ent- sind Lokisten, Mörder und Faschisten’ oder
vor erfolgte Verbot des Aufmarsches wurden der Kundgebung zu attackieren, gab anschließend zung eines Ladengeschäfts. Bedenklich ist, dass bei- spann. Dort heißt es beispielsweise: das Formieren von 50 Mann zu einem Hakenkreuz im
keine Rechtsmittel eingelegt. Nachdem sich am Thomas Gerlach (“Ace”) in einem Artikel im “Frei- de Neugründungen offenbar von einem genügend “Es gibt Leute im Verein bzw. im Umfeld des Ver- Stadion belegten den rechtsextremen Einfluss ebenso
Morgen dennoch einige Nazis in Borna trafen, en Netz” zu verstehen: “Das Szenario ist den meisten großen Klientel ausgehen, dass sich aus ihrem Sor- eins (auch Gründungsmitglieder), denen die Entwick- wie das Tragen einschlägiger Szenekleidung.” (LVZ-
fuhren diese nach Leipzig - ihren eigenen Dar- Aktivisten aus Rostock bekannt und auch für Leipzig timent bedienen will. Zumindest dem “Tønsberg” lung des Vereins nicht passt (insbesondere wohl zu den online, 23.09.2007)
stellungen zufolge, um entweder die zeitgleich wird natürlich gelten, dass man keinen Schritt der könnte durch seine Innenstadtlage wirtschaftlicher Themen Politik und Gewalt). Auch wenn diese Leute Solche und ähnliche Berichte sorgen im LOK-
stattfindende Antifa-Demo gegen das “Tøns- linksfaschistischen Reaktion weichen wird!” Erfolg beschieden sein. - Natürlich nur, wenn nicht nicht mehr repräsentativ für die übergroße Mehrheit Umfeld für heftige Diskussionen darum, ob Nazis
Schefflers antisemitischer Verkaufsschlager
berg” zu stören oder aber durch Connewitz Angespielt wird hierbei auf den Rostocker Thor- angemessen interveniert wird. der Mitglieder und Fans des 1. FC Lok sind, sind sie nicht doch ein Problem seien - wegen ihres “vereins-
zu marschieren. Die Polizei unterband jedoch Steinar-Laden “East-Coast Corner”, um den es vor immer noch in der Lage, dem Verein Schaden zuzufü- schädigenden Verhaltens”. Im offiziellen LOK-Fan-
größere Ansammlungen, so dass die Nazis in einigen Wochen ebenfalls gewaltsame Auseinander- Aktionen gegen das „TØnsberg“ gen, wie die Nummer mit dem LKW zeigt. Man sollte Forum wurde immerhin eingestanden:
Kleingruppen durch Hinterhöfe ziehen muss- setzungen gab. Der Erfolg dieser Taktik ist in Bezug (Quelle: www.left-action.de/antifa) Einiges Aufsehen erregte der so genann- sich dagegen wehren dürfen und das auch öffentlich “Die große Mehrheit, vor allem Anhänger der
ten; einzelne kamen bis nach Dölitz und zur auf Leipzig allerdings zweifelhaft - schon wenige te “Hess-LKW”, der Mitte August durch verschie- tun.“ aktiven Szene im Verein, ist national oder (sehr
Karl-Jungbluth-Straße (laut “Freies Netz” ist Tage nach der Eröffnung war das “Tønsberg” von au- · Do., 20.09.: Spontandemo mit 300 Personen, über dene bundesdeutsche Großstädte tourte und sich Allerdings sind das Mindermeinungen. Ein weit) rechts eingestellt”, und daher gefordert:
das “mitten in Connewitz”). Zwar meinte Maik ßen nicht mehr als Ladengeschäft erkennbar, vor die Nacht werden Scheiben beschädigt unter anderem vor dem Probstheidaer Bruno-Pla- User, der sich seinem Pseudonym zufolge wiederum “Wenn der 1.FC Lok heute nicht mehr der Verein
Scheffler in einem “Aktionsbericht”, dass damit Schaufensterscheiben wurden massive Holzplatten · Sa., 22.09.: Spontandemo zur Eröffnung mit 200 che-Stadion, der Spielstätte des FC Lokomotive, den “Blue Caps” zurechnet, empfahl den Diskutanten ist, den ihr als mehrheitlich offenbar ‘national ge-
“auch in Connewitz (...) ein Häkchen gemacht montiert, auf die daraufhin auch noch Farbbeutel Personen, die Polizei setzt Pfefferspray ein fotografieren ließ. Die Aktion endete abrupt, als die die Lektüre des Films “Geheimakte Hess” - die Pseu- sinnte’ Gründungsmitglieder haben wolltet, wäre es
werden” konnte - der Marsch “durch den be- flogen. Weder die daueranwesende Polizei, die den · Mo., 24.09.: Spontandemo mit 250 Personen hessische Polizei den LKW aus dem Verkehr zog do-Dokumentation entstand bekanntlich unter An- für euch eventuell aus Gründen eurer Selbstachtung
setzten Stadtteil Connewitz” und “zum linksra- Laden als “besonders gefährdetes Objekt” verstärkt · Sa., 29.09.: Spontandemo mit 200 Personen und die Insassen dazu brachte, die Beschriftung des leitung Olaf Roses, der seine Erkenntnisse zum The- besser, wenn ihr euch aus dem Verein 1.FC Lok zu-
dikalen Veranstaltungsort Conney Island” fand bestreift, noch der eigenes abgestellte “Schutz” durch · Mi., 03.10.: Antifademo mit über 2.000 Personen Wagens über mehrere Stunden hinweg eigenhändig ma bereits im “Lokomotion” darzulegen versuchte. rückziehen würdet.”
allerdings nur in ihren Träumen statt. Die ein-
zige wahrnehmbare Aktion war das Aufspannen
eines Transparents in einer Straßenbahntür.

Am 6. Oktober verteilten Mitglieder der Ereignisloses “Heß-Gedenken” 2007 Umrahmt wurde der Anlass durch eine “mit- “Friedensflieger” aufmerksam machen sollte. An- Bezug. Das Thema “Heß” dagegen ist zwar nach wie
“Freien Kräfte Leipzig” vormittags auf dem teldeutsche Heß-Aktionswoche” für Sachsen, Bran- sonsten verliefen alle dokumentierten Aktionen un- vor mobilisierungsträchtig, aber längst kein “Selbst-
Parkplatzgelände des “Paunsdorf-Centers” im
Nordosten Leipzigs Flugblätter an Passanten,
außerdem entspannten sie an einem Parkhaus
N eben Anlässen wie Dresden am 13. Februar
und Halbe/Seelow stellen der Ort Wunsiedel
und der Todestag des “Führerstellvertreters” Rudolf
in Logistik und Mobilisierungserfolg vergleichbare
Ersatzveranstaltung zu organisieren. Ähnlich wie
im vergangenen Jahr gab es lediglich einige kleinere
denburg und Berlin, wie sie ähnlich schon um den
13. Februar in Dresden durchgezogen wurde. Dabei
kam es aber fast ausschließlich zu “niedrigschwel-
koordiniert. Das belegt auch ein Blick auf “Aktions-
berichte” wie die der Website “Jugend-Offensive”: wo
sonst immer mit vermeintlich “kreativen Aktionen”
läufer” - und ohne zentralen Aufmarsch entfällt der
für viele Nazis scheinbar wichtige “Eventcharakter”.
Die im Voraus zu vermutende Durchführung spon-
ein Transparent mit der Parole “Nationaler So- Heß ein zentrales Thema der Naziszene dar. In den Aufmärsche und Aktionen, die in 2007 jedoch eine ligen” Aktionen: in einigen Städten, auch Leipzig, geworben wird, fanden sich ausschweifende wie he- taner Aufmärsche, wie es beispielsweise am 1. Mai
zialismus ist machbar”. vergangenen Jahren wurden umfangreiche Mobili- zahlenmäßige Pleite darstellten: an einer Mahnwa- wurden beispielsweise Plakate und Aufkleber ge- roische Berichte zu einer handvoll selbstgeklebter geschah, blieb ebenfalls aus.
sierungen zu “Großaufmärschen” organisiert, doch che am 17. August in München nahmen 80 Nazis klebt, Parolen gesprüht und einige Transparente an Aufkleber. Das Gros der Leipziger Nazis nahm an den Auf-
Am 9. Oktober spielte “Sieben” im Werk II. schon im letzten Jahr mussten die Nazis auf ihren teil, in Altenburg erschienen zu einem Aufmarsch Brücken befestigt - was in den Jahren zuvor regelmä- Der Versuch, an die Stelle einer zentralen Mo- märschen in Altenburg und Jena teil. Deren einzige
Dabei handelt es sich um ein Musikprojekt des Rundlauf durch das Örtchen Wunsiedel verzichten. am Vortag 130 Personen. Tags darauf marschierten ßig auch ohne eigens annoncierte “Aktionswoche” bilisierung eine Art “dezentrales Konzept” zu setzen, sonstige Aktivität war eine Papierschnippsel-Aktion
Briten Matt Howden, der früher Mitglied der Bis dato konnte weder der “Rechtskampf ” gewon- in Friedrichshafen 250 und in Gräfenberg sowie Jena geschah. Die einzige außergewöhnliche Aktion war kann daher als gescheitert betrachtet werden. Noch auf dem Hauptbahnhof, als Christian Trosse kurz
als rechts-offen bekannten Neofolk-Band “Sol nen werden, also das auf Grundlage des neuen Para- jeweils 300 Nazis. Damit waren am eigentlich rele- der von Nils Larisch gesteuerte und nach einigen im Falle der Dresdner Aktionswoche im Februar vor der Abfahrt nach Altenburg einen Stoß Zettel-
Invictus” war. graphs 130 verhängte Aufmarschverbot in Wunsie- vanten Tag weit weniger als eintausend Nazis auf den Tagen Fahrt von der Polizei gestoppte “Heß-LKW”, kam es zu einigen koordinierten Aktionen, aller- chen mit Heß-Parolen (“Das war Mord”) etwas un-
del weggeklagt werden, noch war es möglich, eine Beinen - ein klarer Misserfolg. der auf den (angeblichen) “Mord” am (angeblichen) dings gab es damals auch einen klaren regionalen glücklich in einen Brunnen warf.

2 3
Termine Vermehrte Naziaktivitäten im Stadtteil Grünau
27./28. Oktober: Bundesparteitag der NPD.
Der genaue Ort ist derzeit noch nicht bekannt,
allerdings mobilisiert ein Antifabüdnis gegen
G rünau galt vor einigen Jahren als Stadtteil,
der fest in Nazihand ist. Mit dem Ende des
Kirschberghauses schienen die Probleme beseitigt
16. Juni: Anlässlich der Antifademo durch Grü-
nau trafen sich etwa 50 Nazis mit dem Ziel, die
Demo zu stören bzw. Demonstrierende anzugrei-
das Treffen. Mehr Infos: www.nazis-stoppen. - mittlerweile steht der Stadtteil aber wieder weit fen. Die Gruppe wurde von der Polizei festge-
mobi, Infoveranstaltung für Gegenaktivitäten oben auf der Agenda organisierter Nazis. Einerseits setzt, dabei wurden auch einige Waffen beschlag-
am 24. Oktober im Conne Island. gilt ihnen das sozial schwache Plattenbaugebiet als nahmt.
ideales Aktionsfeld, in dem mit einigem Zuspruch,
Oktober/November: Antifaschistische vor allem aber weder zivilgesellschaftlicher, noch 18. Juni: Die Tür zur Männertoilette wurde an-
Hochschultage in Magdeburg mit Aktionen antifaschistischer Gegenwehr gerechnet wird. An- gebrannt vorgefunden. Vermutlich handelte es
und Vortragsveranstaltungen. Mehr Infos: dererseits stellt das beinahe drei Jahre bestehende sich um einen versuchten Brandanschlag.
http://agea.blogsport.de “AJZ Bunte Platte” ein ständiges Reizobjekt dar, wie
20. Juli: Eine Frau aus dem AJZ-Umfeld wurde
die sich in der letzten Zeit häufenden Übergriffe auf
an der nahegelegenen OMV-Tankstelle offenbar
9./10. November: 17. antirassistischer und das Gebäude und Jugendliche, die für “links” gehal-
gezielt angegriffen. Das Opfer bekam Schläge ins
antifaschistischer Ratschlag in Nordhausen. ten werden, zeigt. Aus diesem Grund - und weil das
Gesicht und Tritte in den Rücken, auch, nachdem
Mehr Infos und Programm: www.thueringer- Geschehen in den “szene-fernen” Stadtteilen viel zu
es bereits zu Boden gegangen war.
ratschlag.tk wenig beleuchtet wird - veröffentlichen wir an dieser
Stelle eine Chronik über Naziaktivitäten in Grünau 22. Juli: Mindestens 70 Nazis trafen sich zu
10. November: Naziaufmarsch durch das während des letzten halben Jahres, insbesondere sol- einem unangekündigten Aufmarsch am Grüau-
jüdische Viertel in Prag. Angemeldet als Ver- che, die sich im Umkreis des AJZ abspielten. er Allee-Center. Sie wollten vermutlich zum AJZ
anstaltung gegen den Irak-Krieg, wird in einem marschieren, allerdings löste sich der “Spon-
deutschsprachigen Aufruf damit geworben, dass 5. Mai: Während einer Feier im AJZ kam es zu tan”-Aufmarsch beim Eintreffen der Polizei auf.
an diesem Tag „die Rabbiner wieder schwarz- gewalttätigen Übergriffen auf Gäste. Während der Später wurde am AJZ ein “Good Night White
weiß-rote Fahnen sehen“ werden. Achtet auf erste Angriff abgewehrt werden konnte, wurden Pride”-Plakat beschmiert, außerdem wurden die
Ankündigungen zu Gegenaktivitäten! Personen aus dem Umfeld des AJZ später verprü- Parole “Anti-Antifa - ist immer da” sowie einige
gelt. antiamerikanische und antiisraelische Aufkleber
angebracht.
Mehr Infos 13. Mai: Eine Satellitenschüssel des AJZ wur-
de zerstört, ebenso das Tor zur angrenzenden
9. August: Etwa 20 Nazis verteilten Flyer im
Gartenanlage. Außerdem wurde versucht, durch
• Antifa-Rechercheteam Dresden: Alle-Center, außerdem wurde auf Wurfzetteln die
Werkzeugeinsatz in das AJZ-Gebäude einzubre-
http://venceremos.antifa.net/art/review/ Schließung des AJZ gefordert.
chen.
• Recherche Roßwein-Döbeln-Leisnig: 2. September: Ein Jugendlicher wurde in der
http://aardl.blogsport.de/recherche/ 20. Mai: Es gab einen gezielten Einbruchsver-
Nähe seines Wohnortes zusammengeschlagen
such, davon zeugten zerstörte Fensterscheiben
• Antifa-Rechercheteam Nordbayern: und in einen schwarzen PKW gezerrt. Anschlie-
und ein demolierter Stromkasten.
http://www.art-nb.de/ ßend erhielt er einen Schlag ins Genick, wodurch
24. Mai: Eine weibliche Person aus dem AJZ- er das Bewusstsein verlor. Er kam erst wieder zu
• Antifa-Infoblatt (AIB):
Umfeld wurde am Kulkwitzer See angegriffen und sich, als ihn die Täter an der B 2 in der Nähe von
http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/
in die Bauchgegend und den Unterleib getreten. Zwenkau aus dem Auto stießen und mit “Sieg
• Der Rechte Rand: Heil”-Rufen verabschiedeten.
http://www.der-rechte-rand.de/ 10. Juni: Das AJZ erhielt massive Drohungen.
Mit Bezug auf die Antifademo am Samstag darauf 15. September: In der Nacht wurden Schei-
wurde etwa geäußert: “Für das nächste Wochen- ben des AJZ eingeschmissen, als Wurfgeschosse

Redaktionelles ende wünsche ich mir, das keine Kinder anwe- dienten u.a. Bierkrüge aus dem “Seeblick”. Dort
hatten sich kurz zuvor Nazis getroffen.
send sind!”
GAMMA ist ein antifaschistischer Newsflyer. Er
wird von AntifaschistInnen nach Bedarf heraus-
gegeben und informiert über Nazistrukturen und Leipziger und Hallenser Nazis vs. Antifa
-aktionen in Leipzig und dem näheren Umland.

• Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 09.10.2007


• Kontakt-Adresse: gammazine@no-log.org
A m 15. September fand in Quedlinburg ein
Naziaufmarsch statt, Gegenaktivitäten waren
auch in Planung. Zum Aufmarsch fuhren ca. 15
tenden Hallenser Nazis angegriffen. Als sie den Irr-
tum doch noch bemerkten, griffen sie, mittlerweile
ca. 60 Personen, die am Bahnsteig wartenden ca. 30
Nazis aus Leipzig, unter ihnen auch Bekannte von Antifas an. Nach drei erfolglosen Versuchen durch-
Hinweis: unsere Website wird gegenwärtig nicht den „Freien Kräften“ wie Christian Trosse. Zur glei- zubrechen, tauchte die Bundespolizei auf und nahm,
aktualisiert, unsere Mailadresse ist aber in Be- chen Zeit machten sich auch Leipziger Antifas auf verstärkt durch eine anhaltinische Einsatzhundert-
trieb. Ihr könnt euch das GAMMA auf Wunsch den Weg nach Quedlinburg, um an den Protesten schaft, die Personalien von Nazis und Antifas auf.
regelmäßig zumailen lassen. gegen die Nazis teilzunehmen. Ab Halle hätten alle Danach erhielten alle Antifas einen Platzverweis
Beteiligten denselben Zug nehmen müssen, so kam für den gesamten Hauptbahnhof, die Nazis dagegen
Freiheit für Oliver, es am Hallenser Hauptbahnhof zu Auseinanderset- durften nach Quedlinburg weiterreisen, wenn auch
Florian, Axel und Andrej! zungen um den Bahnsteigzugang. Die Leipziger Na- mit Beulen. Aus Quedlinburg wurde übrigens be-
Einstellung der 129a-Verfahren! zis waren bereits mit Handschuhen aus der S-Bahn richtet, dass sich NPD-Anhänger mit „Freien Kräf-
http://einstellung.so36.net gestürmt und hätten fast die vor dem Bahnhof war- ten“ geprügelt hätten.