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Universität Augsburg 12.06.

2007
Lehrstuhl für Soziologie SoSe 2007
Einführung in die soziologischen Theorien
Dozent: Fabian Karsch
Referenten: Miroslava Koleva, Petra Wallenta

Systemtheorie nach Niklas Luhmann:

1. Allgemeine Systemtheorie
(„Supertheorie“)

Entwicklung :
- in den 30er Jahren des 20.Jhs aufgetaucht
- Universalitätsanspruch der Systemtheorie
- Das System der „Weltgesellschaft“
- Leitdifferenz von Luhmann: System und Umwelt
- Systemtheorie und die Biologie

2. Autopoiesis

Autopoietisch = operativ geschloßen und damit autonom


autos = selbst, poiein = machen

- Weltgesellschaft: das unfassende System( System im System erzeugen)


z.B. Recht / Unrecht im Rechtsystem
Wahr/ Falsch im Wissenschaftssystem
- Code – sorgt für die operative Schließung des Systems
- Autopoiesiche operierende Systeme

Begriff des autopoietischen Systems

Operative
Geschlossenheit
Kognitive
Offenheit
Autopoiesis

Strukturdeterminiertheit Umweltangepasstheit

Temporalität
3. Autopoietische Wende

- Der Wechsel des Paradigmas provoziert von der System-Umwelt-Theorie zur Theorie
selbstreferentieller Systeme, Umlagerungen
z.B von Planung zu Evolution
von struktullerer Stabilität zu dynamischer Stabilität
- seit der „autopoietischen Wende“ Differenzierung in modernen Gesellschften
radikaler geworden
- Übertragung des Modells auf soziale Zusammenhänge : Kommuniktion

4. Beobachung
- Was ist Beobachtung? – Unterscheidung
- Luhmann : beobachtet und analysiert ,wie sich Organismen durch ständige
Regelung ihrer Körpertemperatur in einer variablen Umwelt stabil halten
- Diskurs zur „Identifizierung eines Phantoms“: unter „Weltgesellschaft“ und
„Globalisierung „ ganz Unterschiedliches verstanden wird

5. Psychische Systeme

Operationsbasis:

- autopoietische Systeme, die aus Gedanken bestehen


- schließen Gedanken an Gedanken an
 beobachtete Gedanken = Vorstellung
 beobachtete Vorstellung = Bewusstsein
- Bewusstsein ist Operationsbasis psychischer Systeme

Unterscheidung von psychischen Systemen

- Abkehr vom Begriff menschlicher Vernunft


- Versetzung des Menschen in die Umwelt der Gesellschaft
Mensch ist kein Teil der Gesellschaft, nur ihrer Umwelt
- Dekomposition der Vorstellung des Menschen
 Unterscheidung von Mensch als organischen und psychischen System
 Beides autopoietische, eigenständig operierende Systeme
 Es gibt keine Einheit von Geist und Körper

Identitätsbegriff:

- Operationen des Systems beziehen sich nur auf sich selbst


- Identifizierung als Differenz von dem, als was sich das System nicht identifiziert
- Eigene Vorstellung eines Systems von sich selbst soll von anderen psychischen Systemen
übernommen werden
 differentielle Identitäten können nicht in einen auf Einheit abgestellten Vernunftbegriff
übernommen werden
⇒ keine gemeinsame Vernunft psychischer Systeme
6. Soziale Systeme

- bestehen aus aneinander anschließenden Kommunikationen als Operationsbasis


- Gesellschaft = soziales System
 besteht aus vielen sozialen Systemen und sozialen oder kommunikativen Wirklichkeiten
- Teilsysteme unterscheiden sich in ihren spezifischen Funktionen für Gesellschaft

- Interaktions- und Organisationssysteme für Erfüllung gesamtgesellschaftlicher oder


spezieller (geringere Reichweite) Funktionen für die Gesellschaft
- Kommunikative Wirklichkeiten = soziale Sachverhalte ohne Systemcharakter
 bestehen neben sozialen Systemen in der Gesellschaft
- soziale Systeme sind durch Kommunikation und handeln gekennzeichnet

7. Kommunikation

= Mechanismus, durch den die Gesellschaft sich konstituiert

 Rolle für soziale Systeme:


1. Element, aus dem sie sich aufbauen
2. Operationsmodus: bringt neue Element in einem selbsttragenden Prozess hervor
(Kommunikation entsteht aus vorangegangener Kommunikation)

- besteht aus Einzelkommunikationen


- Einzelkommunikation = Einheit der dreifach-selektiven Differenz:
1. Information ( Inhalt)
2. Mitteilung ( z.B. schriftlich, verbal, gestisch,...)
3. Verstehen ( ermöglicht Anschlusskommunikation)

- Verstehen schließt Einzelkommunikation ab, weitere Kommunikationen werden


angeschlossen
- Kern: Differenz zwischen Mitgeteiltem/ Gemeintem und Empfangenem/ Verstandenem
 Annahme der doppelten Kontingenz:
beteiligte psychische Systeme füreinander schwarze Kästen

- psychische Systeme (Personen) sind kein Teil des sozialen Systems, nur eigenselektiv an
Kommunikation beteiligt
- Kommunikation benötigt Personen  Strukturelle Kopplung zwischen sozialen und
psychischen Systemen
- Handeln = selektiver Akt des Mitteilens (Umwandlung einer Information in eine
Mitteilung)

Quellen:

- Detlef Krause, Luhmann Lexikon, Stuttgart 2001


- Margot Berghaus, Luhmann leicht gemacht, Köln 2004
- Luhmann, Soziale Systeme, S. 28