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Aufgaben zu Zuverlässigkeit und Lastannahmen Univ.-Prof. Dr.

Daniel Straub
Teil B – Lösungsvorschläge TUM, Winter 2009/10

Teil B – Lösungsvorschläge

Aufgabe a)
𝐴𝐴 sei eine Teilmenge von 𝐵𝐵. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit 𝑃𝑃𝑃𝑃(𝐵𝐵|𝐴𝐴)?

Lösungsvorschlag:

Für die Wahrscheinlichkeit Pr⁡ (𝐴𝐴𝑗𝑗 |𝐵𝐵𝑘𝑘 ) eines Ereignisses 𝐴𝐴𝑗𝑗 , unter der Bedingung, dass
vorher ein Ereignis 𝐵𝐵𝑘𝑘 eingetreten ist gilt

Pr�𝐴𝐴𝑗𝑗 ∩ 𝐵𝐵𝑘𝑘 �
Pr�𝐴𝐴𝑗𝑗 �𝐵𝐵𝑘𝑘 � = . (1)
Pr⁡ (𝐵𝐵𝑘𝑘 )

Somit kann man die Wahrscheinlichkeit Pr⁡


(𝐵𝐵|𝐴𝐴) des Ereignisses 𝐵𝐵, gegeben dass 𝐴𝐴 bereits
eingetreten ist, anschreiben als

Pr(𝐵𝐵 ∩ 𝐴𝐴) Pr(𝐴𝐴)


Pr(𝐵𝐵|𝐴𝐴) = = =1. (2)
Pr⁡(𝐴𝐴) Pr(𝐴𝐴)

Dieser Zusammenhang wird einem durch Betrachten von Abbildung 1 einleuchten. Gesucht
ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis 𝐵𝐵 eintritt, wenn vorher das Ereignis 𝐴𝐴 bereits
erfüllt ist. Da 𝐴𝐴 in 𝐵𝐵 enthalten ist, ist in jedem Fall auch 𝐵𝐵 erfüllt, sobald 𝐴𝐴 eintritt. Somit
muss Gleichung (2) den Wert eins ergeben.

Abbildung 1: 𝐴𝐴 als Teilmenge von 𝐵𝐵 im Ereignisraum 𝛺𝛺

Aufgabe b)
Es geht um die Frage, ob ein bestehender Durchlass genügend Kapazität für den erwarteten
Durchfluss aufweist. Es gibt keine klaren Aufzeichnungen, und der Ingenieur schätzt den
maximalen jährlichen Durchfluss 𝑄𝑄 wie folgt (unter der Annahme, dass der Maximalwert
0.5m3/s ist):

Aufgabe a) B: 1/6
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Ereignis 𝐴𝐴 = {0.2𝑚𝑚³ /𝑠𝑠 ≤ 𝑄𝑄 ≤ 0.4𝑚𝑚³/𝑠𝑠}: 𝑃𝑃𝑃𝑃(𝐴𝐴) = 0.6


Ereignis 𝐵𝐵 = {0.35𝑚𝑚³/𝑠𝑠 ≤ 𝑄𝑄 ≤ 0.5𝑚𝑚³/𝑠𝑠}: 𝑃𝑃𝑃𝑃(𝐵𝐵) = 0.6
Ereignis 𝐶𝐶 = 𝐴𝐴 ∪ 𝐵𝐵: 𝑃𝑃𝑃𝑃(𝐶𝐶) = 0.7
Skizzieren sie den Ereignisraum (in einer Dimension) und zeigen Sie die Ereignisse 𝐴𝐴, 𝐵𝐵,
𝐶𝐶, 𝐴𝐴 ∩ 𝐶𝐶, 𝐴𝐴 ∩ 𝐵𝐵. Berechnen Sie 𝑃𝑃𝑃𝑃⁡
(𝐴𝐴 ∩ 𝐵𝐵), 𝑃𝑃𝑃𝑃�𝐴𝐴�, 𝑃𝑃𝑃𝑃�𝐵𝐵 ∪ 𝐴𝐴�, 𝑃𝑃𝑃𝑃(𝐴𝐴|𝐵𝐵), 𝑃𝑃𝑃𝑃(𝐵𝐵|𝐴𝐴),
𝑃𝑃𝑃𝑃�𝐵𝐵|𝐴𝐴�.

Lösungsvorschlag:

Die Skizze mit den Ereignissen 𝐴𝐴, 𝐵𝐵, 𝐶𝐶, 𝐴𝐴 ∩ 𝐶𝐶 und 𝐴𝐴 ∩ 𝐵𝐵 ist in folgender Abbildung 2 zu
sehen.

Abbildung 2: Die Ereignisse der verschiedenen Durchflussereignisse 𝐴𝐴, 𝐵𝐵 und 𝐶𝐶 sowie 𝐴𝐴 ∩ 𝐶𝐶 und
𝐴𝐴 ∩ 𝐵𝐵

Die gesuchten Ereignisse berechnen sich dann wie folgt:


Für die Schnittmenge von 𝐴𝐴 und 𝐵𝐵 ergibt sich

Pr(𝐴𝐴 ∩ 𝐵𝐵) = Pr(𝐴𝐴) + Pr(𝐵𝐵) − Pr(𝐴𝐴 ∪ 𝐵𝐵) = 0.6 + 0.6 − 0.7 = 0.5 .

Das Gegenereignis 𝐴𝐴̅ zu 𝐴𝐴 berechnet man zu

Pr(𝐴𝐴̅) = 1 − Pr(𝐴𝐴) = 1 − 0.6 = 0.4 .

Die Vereinigung von 𝐵𝐵 und 𝐴𝐴 besitzt die Wahrscheinlichkeit

Pr(𝐵𝐵 ∪ 𝐴𝐴̅) = Pr(𝐵𝐵) + Pr(𝐴𝐴̅) − Pr(𝐵𝐵 ∩ 𝐴𝐴̅) =

= Pr(𝐵𝐵) + Pr(𝐴𝐴̅) − (Pr(𝐵𝐵) − Pr(𝐵𝐵 ∩ 𝐴𝐴)) = 0.6 + 0.4 − (0.6 − 0.5) =

= 0.9 .

Für die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von 𝐴𝐴 gegeben 𝐵𝐵 berechnet man

Pr(𝐴𝐴 ∩ 𝐵𝐵) 0.5


Pr(𝐴𝐴|𝐵𝐵) = = = 0.83 .
Pr(𝐵𝐵) 0.6

Aufgabe b) B: 2/6
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Die Wahrscheinlichkeit Pr⁡


(𝐵𝐵|𝐴𝐴) des Eintretens von 𝐵𝐵 gegeben 𝐴𝐴 bestimmt man zu

Pr(𝐴𝐴 ∩ 𝐵𝐵) 0.5


Pr(𝐵𝐵|𝐴𝐴) = = = 0.83 = Pr⁡
(𝐴𝐴|𝐵𝐵) .
Pr(𝐴𝐴) 0.6

(𝐵𝐵| 𝐴𝐴̅) des Eintretens von 𝐵𝐵 gegeben 𝐴𝐴̅ ergibt


Die Wahrscheinlichkeit Pr⁡

(𝐵𝐵 ∩ 𝐴𝐴̅)
Pr⁡ Pr(𝐵𝐵) + Pr( 𝐴𝐴̅) − Pr(𝐵𝐵 ∪ 𝐴𝐴̅)
(𝐵𝐵| 𝐴𝐴̅) =
Pr⁡ = =
Pr(𝐴𝐴̅) Pr⁡ (𝐴𝐴̅)

0.6 + 0.4 − 0.9 0.1


= = = 0.25 .
0.4 0.4

Aufgabe c)
Gemäß Statistik kam es in Deutschland in 2005 zu 438.804 Verletzungs- und Todesfällen im
Straßenverkehr. Die Anzahl Verkehrstote wird mit 5361 angegeben. Sie betrachten nun eine
regionale Statistik und sehen, dass in einer bestimmten ländlichen Region eine
durchschnittliche Wahrscheinlichkeit von 4 ∙ 10−3 besteht, sich während eines Jahres eine
Verletzung bei einem Verkehrsunfall zuzuziehen. Schätzen Sie auf dieser Basis die
Wahrscheinlichkeit ab, dass sich eine zufällige Person aus dieser Region bei einem
Verkehrsunfall eine tödliche Verletzung zuzieht.

Lösungsvorschlag:

Aus der Angabe kann man für die Ereignisse 𝑉𝑉 einer Verletzung und 𝑇𝑇 der tödlichen
5361
Verletzung die bedingte Wahrscheinlichkeit Pr(𝑇𝑇|𝑉𝑉) = = 1.22 ⋅ 10−2 entnehmen. Die
438804
Wahrscheinlichkeit, dass sich nun eine Person aus der genannten Gegend eine tödliche
Verletzung zuzieht, berechnet sich zu Pr(𝑇𝑇 ∩ 𝑉𝑉). Man berechnet diese in Analogie zu
Gleichung (1) zu

1
Pr(𝑇𝑇 ∩ 𝑉𝑉) = Pr(𝑇𝑇|𝑉𝑉) ⋅ Pr(𝑉𝑉) = 1.22 ⋅ 10−2 ⋅ 4.0 ⋅ 10−3 = 4.9 ⋅ 10−5 ⋅ .
Jahr

Aufgabe d)
Zwei Gaspipelines führen über eine Verwerfung, an der ein Erdbeben auftreten kann, wie
dies in Abbildung 3 dargestellt ist. Das Szenario ist ein Erdbeben bei dem sich die
Verwerfung entlang einer Länge von 30km verschiebt. Dabei ist jeder Ort entlang der
Verwerfung gleich wahrscheinlich. Ist die Verschiebung an der Stelle einer Pipeline, dann
wird diese zerstört. Was ist die Wahrscheinlichkeit, dass nach dem Erdbeben kein Gas mehr

Aufgabe c) B: 3/6
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in die Stadt geliefert werden kann? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine
Pipeline beim Erdbeben beschädigt wird?

Abbildung 3. Die Situation in Beispiel (d).

Lösungsvorschlag:

Da die Verwerfung 30km lang ist, kann der Startpunkt derselben zwischen 𝑥𝑥 = 0 km und
𝑋𝑋 = 150 − 30 = 120 km liegen. Analog dazu versagt die erste Pipeline, wenn der Start der
Verwerfung zwischen 55 und 85 km und die zweite, wenn er zwischen 70 und 100 km liegt.
Man definiert die Versagensereignisse 𝐹𝐹𝑗𝑗 zu

𝐹𝐹1 = {55 ≤ 𝑋𝑋 ≤ 85} , 𝐹𝐹2 = {70 ≤ 𝑋𝑋 ≤ 100} .

Die zugehörigen Auftretenswahrscheinlichkeiten Pr⁡


(𝐹𝐹𝑗𝑗 ) bestimmen sich zu

30 30
Pr(𝐹𝐹1 ) = = 0.25 , Pr(𝐹𝐹2 ) = = 0.25 .
120 120
Das Ereignis 𝐾𝐾, dass gar kein Gas in die Stadt gelangen kann, tritt genau dann ein, wenn kein
Gas über Pipeline 1 und Pipeline 2 fließen kann. Man definiert 𝐺𝐺 zu

𝐺𝐺 = {𝐹𝐹1 ∩ 𝐹𝐹2 } ,

woraus sich die Wahrscheinlichkeit Pr(𝐺𝐺) zu

Pr(𝐺𝐺) = Pr(𝐹𝐹1 ∩ 𝐹𝐹2 ) ,

berechnen lässt. Das Ereignis 𝐹𝐹1 ∩ 𝐹𝐹2 tritt ein, wenn [70 ≤ 𝑋𝑋 ≤ 85]. Diese
Wahrscheinlichkeit Pr⁡
(𝐹𝐹1 ∩ 𝐹𝐹2 ) bestimmt sich dann zu

Aufgabe d) B: 4/6
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Pr(𝐺𝐺) = Pr(𝐹𝐹1 ∩ 𝐹𝐹2 ) = = 0.125 . (3)
120
Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine Pipeline beschädigt ist, bedeutet dann die
Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Vereinigung der Ereignisse 𝐹𝐹𝑗𝑗 . Man schreibt

Pr(𝐹𝐹1 ∪ 𝐹𝐹2 ) = Pr(𝐹𝐹1 ) + Pr(𝐹𝐹2 ) − Pr(𝐹𝐹1 ∩ 𝐹𝐹2 ) = 0.25 + 0.25 − 0.125 = 0.375 .

Aufgabe e)
Es besteht die Absicht, die Pipeline 2 um 10km nach Westen zu verlegen. Wie beurteilen Sie
dies im Hinblick auf das mit einem Versorgungsausfall nach einem Erdbeben verbundene
Risiko?

Lösungsvorschlag:

Werden die Pipelines näher zusammen gelegt, so erhöht sich die statistische Abhängigkeit
zwischen den Ereignissen 𝐹𝐹1 und 𝐹𝐹2 . Die Länge des Abschnittes, für den gilt 𝐹𝐹1 ∩ 𝐹𝐹2 , nimmt
zu und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Gasnetzwerk versagt. Diese ist dann
gemäß Gleichung (3)

25
Pr(𝐺𝐺) = Pr(𝐹𝐹1 ∩ 𝐹𝐹2 ) = = 0.208 . (4)
120
Damit steigt die Wahrscheinlichkeit eines Versorgungsausfalls an.

Aufgabe f)
Sie möchten die Versagenswahrscheinlichkeit eines Telekommunikations-Turmes bestimmen.
Die größte Gefahr droht durch Sturm (Orkan), aber auch andere Ereignisse (Alterung,
Sabotage, Erdbeben) können zum Einsturz führen. Sie bestimmen, dass die
Wahrscheinlichkeit eines Versagens in Jahren mit einem Orkan bei 20% liegt; in Jahren
ohne Orkan bei 1%. Die Wahrscheinlichkeit eines Orkanes in einem beliebigen Jahr ist 5%.
Wie hoch ist nun die Wahrscheinlichkeit eines Versagens des Turms in einem beliebigen
Jahr?

Lösungsvorschlag:

Gesucht ist in diesem Fall die Wahrscheinlichkeit Pr⁡


(𝐹𝐹) eines Einsturzes des Turms.

Aufgabe e) B: 5/6
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Nun definiert man das Ereignis eines Orkans als 𝑂𝑂, sein Gegenereignis mit 𝑂𝑂�. Das Ereignis
des Versagens sei als 𝐹𝐹 definiert. Aus der Angabe erhält man die Informationen Pr(𝐹𝐹|𝑂𝑂) =
0.2 , Pr(𝐹𝐹|𝑂𝑂�) = 0.01 , sowie Pr(𝑂𝑂) = 0.05 .
Damit lässt sich die Wahrscheinlichkeit Pr⁡ (𝑂𝑂�) einfach zu

Pr(𝑂𝑂�) = 1 − Pr(𝑂𝑂) = 1 − 0.05 = 0.095

berechnen. Nun sind alle notwendigen Wahrscheinlichkeiten bekannt und man berechnet die
Wahrscheinlichkeit Pr⁡
(𝐹𝐹) eines Einsturzes zu
𝑛𝑛 𝑛𝑛

Pr(𝐹𝐹) = � Pr⁡
(𝐹𝐹 ∩ 𝐴𝐴𝑗𝑗 ) = � Pr�𝐴𝐴𝑗𝑗 � ⋅ Pr�𝐹𝐹�𝐴𝐴𝑗𝑗 � =
𝑗𝑗 =1 𝑗𝑗

= Pr(𝑂𝑂) ⋅ Pr(𝐹𝐹|𝑂𝑂) + Pr(𝑂𝑂�) ⋅ Pr(𝐹𝐹|𝑂𝑂�) = 0.05 ⋅ 0.2 + 0.95 ⋅ 0.01 = 0.0195 .

Aufgabe f) B: 6/6