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TECHNIK UND FORSCHUNG

Glühlampenlicht und Gesundheit


Ein medizinisches Plädoyer für gesundes Licht

Li9T10_Wunsch_hö Alexander Wunsch

Das Praktische an diesem natürlichen Strah-


lungsverlauf ist die Eindeutigkeit: Kennt man
die Temperatur einer solchen Lichtquelle,
kennt man auch die Art der elektromagneti-
schen Strahlung, die sie abgibt und kann
z.B. ausrechnen, wieviel Prozent der Strah-
lung im UV-, im sichtbaren und im Infrarot-
Bereich liegen. Abbildung 1 stellt die Spek-
tren von Glühlampe, Sonnenlicht und Kom-
1 Spektrale Strahlungs- paktleuchtstofflampe nebeneinander dar.
verteilung von Glüh-
lampe, Sonnenlicht
1 und Energiesparlampe. 3 Warmton = gemütlich?
Die Glühlampe macht ein warmes, gemütli-
1 Einleitung ches Licht – »das kann die Energiesparlampe
Die Tage der Glühlampe sind gezählt – das prophezeien zumindest Politik, Umweltorganisa- doch auch!« So lautet die Aussage derer, die
tionen und Lichttechniker in diesen Zeiten einstimmig. Aber handelt es sich dabei wirklich um sich in diesen Tagen für die Abschaffung der
einen Fortschritt auf ganzer Ebene, oder gibt es vielleicht Aspekte, die in der Argumentation Glühlampe stark machen. Kompaktleucht-
bisher vernachlässigt wurden? Ist die Energieeffizienz eines Leuchtmittels der einzige Parame- stoff-Lampen gibt es schließlich in verschie-
ter, der in Betracht gezogen werden soll, oder gibt es andere Eigenschaften von Licht, z.B. in denen Lichtfarben – wem also das Standard-
der spektralen Energieverteilung, die bei einer solchen Entscheidung ebenfalls eine Rolle spie- modell ein zu kühles Licht erzeugt, dem bie-
len müssen? Tragen Energiesparlampen ihren Namen überhaupt zurecht und sind Glühlam- tet sich die Warmton-Variante an. Doch ver-
pen wirklich nur reine Energieverschwender? Das alles sind Fragestellungen, deren Beantwor- gleicht man die Spektren der Glühlampe
tung einiges Wissen voraussetzt, will man seriös dazu Stellung nehmen. Die Diskussion wurde und der Warmton-Energiesparlampe, er-
schon in den vergangenen Jahren recht einseitig geführt, da die Stimme der Lichtindustrie kennt man sofort, dass hier ein gewaltiger
sehr mächtig ist, wohingegen der Verbraucher meist zu wenig Wissen besitzt, um sein Gefühl Unterschied besteht. Nach der Theorie der
auch zu begründen oder zu artikulieren. Fakt ist jedenfalls, dass die Interessen der Lichtindus- Internationalen Beleuchtungskommission
trie und der Verbraucher in der Frage »Energiesparlampen – ja oder nein?« diametral entge- sollte das menschliche Auge zwar nicht in
gengesetzt positioniert sind: Die Industrie will die Energiesparlampen verkaufen, der Verbrau- der Lage sein, diesen Unterschied wahrzu-
cher tut sich hingegen schwer, dies zu akzeptieren, da ihm das Licht aus Glühlampen einfach nehmen – jedoch grau ist alle Theorie, oft-
besser gefällt. Wäre dies nicht so, könnte man sich die massiven Werbekampagnen für die mals gar fernab der Wirklichkeit. Numerisch
Energiesparlampe, die seit vielen Jahren geführt werden, schließlich sparen. Der Druck auf haben beide Lichtquellen die gleiche Farb-
den Bürger, der weiter die Glühlampe verwenden will, nimmt jedoch immer mehr zu, denn temperatur, nämlich 2700 Kelvin, wo liegt
nun wird er als Umweltsünder gebrandmarkt, wenn er weiter auf seine innere Stimme hört, also das Problem? Es fängt damit an, dass es
die ihm sagt: »Glühlampenlicht ist doch viel gemütlicher und angenehmer«. Die Entschei- zwei unterschiedliche Arten gibt, die Farb-
dung spitzt sich dahingehend zu, dass ihm von Umweltorganisationen, Politik und Lampen- temperatur zu messen: Entweder so, wie es
herstellern suggeriert wird, er solle das Weltklima gefälligst nicht seinem Hang zur Gemütlich- in der Physik üblich ist, in Form einer konti-
keit opfern. nuierlichen Messung über den gesamten
interessierenden Spektralbereich, oder aber
2 Was ist ein natürliches Spektrum? ebenfalls begleitet hat. Diese Lichtquellen so, wie es in der Lichttechnik seit 1931 üb-
Es gibt in der Natur zwar verschiedene Arten unterscheiden sich zwar in der Spektralver- lich ist, in Form einer Dreibereichsmessung,
der Lichterzeugung, z.B. Biolumineszenz, teilung, haben jedoch auch Vieles gemein- der Festlegung des Normbetrachters fol-
Chemolumineszenz, Polarlichter usw., diese sam: Beide weisen sie ein natürliches Spek- gend. Dieser Normbetrachter hat laut Defini-
sollen hier jedoch nicht besprochen werden, trum auf, denn sie liegen auf der Planck´- tion bei drei Wellenlängen die höchste Emp-
da sie für die meisten Lebensvorgänge nicht schen Strahlungskurve. Diese Kurve definiert findlichkeit für Farbensehen, und zwar bei
relevant sind. Die wichtigste natürliche Licht- die temperaturabhängige Strahlungsvertei- 700 nm für Rot, 546,1 nm für Grün und
quelle für den Menschen ist die Sonne, da- lung, wie sie bei einem Schwarzen Körper 435,8 nm für Blau. Die beiden letzten Wel-
nach kommt das Feuer, das die menschliche beobachtbar wäre. Der Schwarze Körper ist lenlängen sind hierbei auf zwei Spektralli-
Entwicklung seit etwa 1,5 Millionen Jahren eine Idealvorstellung, die zwar in der Realität nien von Quecksilber einjustiert, womit man
nicht exakt nachzubilden ist, dennoch fol- eigentlich sagen kann, dass der Normbet-
gen diesem Prinzip eine Reihe von Lichtquel- rachter zu 66 Prozent auf Quecksilber ge-
Alexander Wunsch, Humanmediziner, len in ihrem Strahlungsverhalten mit guter eicht ist. Alles in allem kann man sehen, dass
Heidelberg; www.lichtbiologie.de Annäherung, darunter eben Sonne, Feuer, das auf dem Normbetrachter beruhende
Abbildungen: Alexander Wunsch Kerze, Glühlampe und Halogenglühlampe. System nach CIE1931 sehr viele Vereinfa-

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2 Spektrum einer Kompaktleuchtstofflampe
chungen und Eingeständnisse in sich birgt. direkten Vergleich mit einer bläulicheren mit der Bezeichnung »Nature Color« mit einer
Farbtemperatur von 6500 K und einem angeb-
Es verwundert daher nicht, wenn es sich aus Lichtquelle wirkt das Licht von Standard- lichen Farbwiedergabeindex von RA (92), laut
medizinisch-biologischer Sicht nicht dazu scheinwerfern gelblich. Fazit: Die Farbtem- Herstellerangaben auch für»"Therapeutische
eignet, Lichtquellen so zu beschreiben, dass peratur spielt für die Farbwahrnehmung Anwendungen« geeignet, allerdings ohne the-
die physiologischen Reaktionen und Wahr- keine große Rolle, da das Auge dies ausglei- rapeutische CE-Kennzeichnung.

nehmungen vollumfänglich damit erfasst chen kann. Bleibt noch die spektrale Vertei- 3 Kompaktleuchtstofflampe des selben Herstel-
werden können. Solange jemandem klar ist, lung, die einen wesentlich größeren Einfluss lers in »Warmton 2700 K«.
dass die Angabe einer Farbtemperatur auf auf die korrekte Farbwiedergabe hat: Pig-
der Verpackung einer Leuchtstofflampe mente können nur zurückstrahlen, was im trum« bezog und bezieht sich bei Quecksil-
nichts über die biologische Qualität des da- Licht auch vorhanden ist. Hier müssen also berdampflampen auf einen zusätzlichen
mit erzeugten Lichtes aussagt, gibt es auch alle Lichtquellen, die ein Linienspektrum auf- Strahlungsanteil im Ultraviolettbereich A.
kein Problem. Sobald aber die korrelierte weisen, systembedingt schlechter abschnei- Dies ist jedoch ein Widerspruch in sich, denn
Farbtemperatur dazu verwendet wird, je- den als ein Leuchtmittel mit kontinuierli- für das Auge sind Ultraviolett-Anteile nicht
mandem zu erklären, die Spektren einer chem Spektralverlauf. Nun ist die Glühlampe nur nutzlos, sondern sogar schädlich, da sie
Glühlampe und einer Sparlampe mit Warm- das einzige Leuchtmittel, das die Bezeich- die Entstehung des Grauen Stars fördern.
ton seien vergleichbar, beginnt die Irrefüh- nung »Vollspektrum« für den Bereich des Für die Haut sind die UVA-Anteile ebenfalls
rung, weil praktisch Äpfel mit Birnen ver- sichtbaren Lichtes verdient hat, daher bietet problematisch, da sie zwar das Bindegewebe
glichen werden. Der Gipfel der Irreführung sie auch die besten Voraussetzungen für und Hautzellen schädigen, ohne jedoch zu
wird dann erreicht, wenn Quecksilberlicht eine natürliche Farbwiedergabe. Abbildung einer Produktion des wichtigen Sonnenhor-
als gesundes »Bio-Licht« vermarktet wird. 4 macht deutlich, dass von der LED bezüg- mons, das besser als Vitamin D bekannt ist,
Die Abbildungen 2 und 3 zeigen die Spek- lich Farbwiedergabe derzeit keine Wunder beizutragen. Hierzu wären nämlich stärkere
tren von zwei modernen hochpreisigen En- erwartet werden dürfen. Anteile von UVB erforderlich, besonders im
ergiesparlampen aus dem Baumarkt, wobei Bereich zwischen 290 und 320 nm Wellen-
jeweils die Empfindlichkeitskurve des Auges 5 Vollspektrum-Licht länge, was aber nicht der Fall ist. Da die
in Grün und die spektrale Wirkungskurve für Die Bezeichnung »Vollspektrumlampe« »Vollspektrum«-Lampen neben einem höhe-
Blaulichtschädigung der Netzhaut in Blau kommt nicht etwa daher, dass ein solches ren UVA-Anteil auch eine höhere Farbtem-
mit eingezeichnet ist. Die Spektralmessun- Leuchtmittel tatsächlich ein volles Spektrum peratur aufweisen, lassen sich Effekte, die
gen wurden mit einem MCS 210 der Firma erzeugen würde: Davon kann man sich man in früheren Untersuchungen beobach-
Zeiss durchgeführt. leicht durch einen Blick in ein Spektroskop tet und als positiv interpretiert hat, aus heu-
überzeugen. Diese Benennung geht viel- tiger Sicht eher mit dem erhöhten Blauanteil
4 Farbwiedergabe mehr auf einen Irrtum zurück, der sich nur erklären, der bei solchen Leuchtmitteln
Ein weiterer Wert, der nicht vertrauenswür- etablieren konnte, weil das System der mela- ebenfalls vorhanden ist. Ob die Effekte aber
dig ist, ist der Farbwiedergabeindex. Hier nopsinhaltigen Ganglienzellen der Netzhaut auf lange Sicht betrachtet wirklich positiv
wird unter anderem davon ausgegangen, und dessen Einfluss auf das Hormonsystem sind, sei noch dahingestellt. Man kann mit
die Farbwiedergabe des Auges sei konstant, noch unbekannt war. Das Siegel »Vollspek- Licht ein Doping erreichen, das sich über die
was natürlich nicht stimmt. Während Glüh-
lampen tatsächlich eine gute Farbwieder-
gabe ermöglichen, wird oftmals behauptet,
das eher rötliche Licht stünde einer guten
Farbdarstellung entgegen. Wer so argumen-
tiert, vernachlässigt, dass das Auge unwill-
kürlich eine Art automatischen Weißab-
gleich durchführt. Dies kann jeder selbst be-
obachten, der nächtens auf der Autobahn in
den Rückspiegel schaut: solange kein Xe-
4 Spektrum einer Weiß-
non-Scheinwerfer zum Vergleich existiert,
licht-LED mit starker
erscheinen die normalen Halogenscheinwer- Betonung im kurzwelli-
fer nachfolgender Fahrzeuge weiß – erst im gen Bereich. 4

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Aktivierung der Hypophyse bei gleichzeitiger Variablen bekannt sind. Während z.B. die wicklungen ablesen, sofern es sich nicht um
Dämpfung der Zirbeldrüse vollzieht. Hierbei Handy-Industrie sich in diesem Rahmen nur eindeutige Sofortwirkungen handelt, wie
handelt es sich jedoch um einen schwerwie- auf tatsächlich innerhalb einer überschauba- man sie z.B. im Rahmen eines Sonnenbran-
genden Eingriff in das Hormonsystem, der ren Zeitspanne auftretende Störungen stützt des beobachtet. Da sich moderne Zivilisatio-
den Organismus unter Dauerstress setzt. Die (in der Manier von Physikern), halten ihnen nen in erster Linie unter Kunstlicht aufhalten
systemische Stressreaktion führt naturge- die Kritiker Zellversuche entgegen, die sehr (> 95 Prozent der Zeit), stellt sich als erste
mäß zu kurzfristigen Verbesserungen in der wohl negative Einflüsse erkennen lassen (bei Frage, ob man die Sonne wirklich als den
Performance, ob man nun Schüler, Fabrikar- Zellkulturen finden weniger Reparaturvor- einzigen entscheidenden Faktor gelten las-
beiter oder Legehennen untersucht: Ein Hor- gänge statt als in komplexen Organismen). sen kann. Dies ist aber seit vielen Jahren gu-
moncocktail aus der Hypophyse sorgt dafür. Beide Positionen kämpfen dann meist so ter Brauch auch unter Medizinern, bei licht-
Wäre dies jedoch auch langfristig so gesund, lange ergebnislos gegeneinander, bis man bedingten Schäden zuallererst die Sonne zu
wie es in der ersten Phase der Anpassung nach einigen Jahrzehnten die epidemiologi- bezichtigen. Das geschieht z.B. im Zusam-
anmutet, dürfte die Gesellschaft nicht immer schen Daten hinzuziehen kann – für alle in menhang mit Hautkrebs, bei der Entwick-
kränker werden, je mehr sie dem Quecksil- dieser Zeitspanne Erkrankten kommt dies lung von Grauem Star und bei der Entste-
berlicht ausgesetzt ist. jedoch zu spät, verstreichen doch bei vielen hung der AMD (altersbedingte Makuladege-
Krebsarten zwischen der ersten Zellentar- neration), von der mittlerweile über 30
6 Biologische Besonderheiten tung und dem Auftreten des Tumors zwi- Prozent der über 65-jährigen Bevölkerung in
Licht hat nicht nur positive Wirkungen, es schen zehn und 20 Jahren. In diesem Szena- Industrienationen betroffen ist. Die Sonne
kann auch toxisch, also giftig sein. Seit Para- rio kommt erschwerend hinzu, dass die Me- erfährt in den letzten Jahren eine Art Frei-
celsus wissen wir, dass allein die Dosierung diziner seit geraumer Zeit nicht mehr in der spruch, da sich die Erkenntnisse bezüglich
festlegt, ob ein Ding ein Gift sei – dosis sola Kunst des Heilens unterwiesen werden, son- ihrer gesundheitsfördernden Wirkungen
facit venenum. Nun gilt diese Aussage in dern angehalten sind, streng wissenschaft- deutlich mehren. Die Rolle, die das Kunst-
erster Linie für biologische Systeme, die man lich, also eher physikalisch orientiert, zu ar- licht für unsere Gesundheit spielt, ist dage-
in der Betrachtung strikt von physikalischen beiten und zu denken – mit der Konse- gen erschreckend wenig untersucht, wenn
Systemen trennen muss. Zwischen Physikern quenz, dass die Biologische Gleichung in man bedenkt, dass es sich um den bei wei-
und Biologen wie auch zwischen Lichttech- ihren Betrachtungen in den Hintergrund zu tem dominierenden Lichteinfluss handelt.
nikern und Medizinern können leicht Miss- treten droht. Dazu passt ein Zitat von Thure Hierbei fehlen insbesondere Untersuchun-
verständnisse entstehen, da sie fachgebun- von Uexküll: »Die Physiker glauben längst gen, die die Wirkung von Entladungslampen
den von unterschiedlichen Voraussetzungen wieder an den lieben Gott – nur die Medizi- auf Quecksilberbasis den Wirkungen von
ausgehen müssen: Maschinen können sich ner glauben noch an die Physiker.« Glühlampen gegenüberstellen. Da es hier
(noch) nicht selbst reparieren, Zellen und kaum Untersuchungen gibt, macht es Sinn,
Organismen hingegen schon. Während in 7 Licht als Gift über epidemiologische Betrachtung der Fra-
der rein physikalischen Welt der beobacht- Die toxischen Wirkungen von Licht kann gestellung näher zu kommen. Wenn also
bare Schaden eindeutig mit dem schädigen- man somit am besten entweder aus Zellver- das Quecksilberlicht so gesund wäre, dann
den Einfluss zusammenhängt, verhält es sich suchen oder aus epidemiologischen Ent- sollte man erwarten, dass typische zivilisa-
in biologischen Systemen, die zur Selbstre- tionsbedingte Erkrankungen in ihrem Fort-
paratur fähig sind, grundlegend anders: Der schreiten zumindest stagnieren – das Ge-
beobachtbare Schaden ergibt sich aus der genteil ist jedoch der Fall. Genau diejenigen
Schädigung abzüglich der stattgefundenen Erkrankungen, die auf Störungen des Hor-
Reparatur! Als Gleichung würde das so aus- monhaushaltes zurückzuführen sind, wie
sehen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder
Krebs, nehmen immer mehr zu. Was eben-
Schaden = Schädigung – Reparatur falls immer mehr zunimmt, ist die Verbrei-
tung von Quecksilberdampf-Entladungslam-
Daraus folgt, dass man sämtliche Reparatur- pen in allen erdenklichen Formen. Was hin-
mechanismen und deren Umfang genau gegen immer mehr abnimmt, ist die Ver-
kennen muss, wenn man ein Schädigungs- wendung von Glühlicht. Dies allein wäre na-
potenzial ermitteln will. Da sich die Repara- türlich noch kein Grund, hier einen Zusam-
turmechanismen in vielen Fällen z.B. auf der menhang konstruieren zu wollen. Es sind
Ebene der genetischen Ausstattung bewe- aber in den vergangenen Jahren Erkennt-
gen, wird hier schon ersichtlich, dass sehr 5 nisse hinzugekommen, die einen Zusam-
viele Risikoabschätzungen nicht zuverlässig menhang dennoch nahe legen: Einerseits
durchgeführt werden können, da nicht alle 5 Lichtabhängige Organe und Drüsen. wurde ein Rezeptorsystem im Auge ent-

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deckt, das auf den Blaugehalt von Licht em- 6 Der Blauanteil in hel-
lem Licht sorgt für eine
pfindlich reagiert [1, 2], andererseits wurden hormonell gesteuerte
Studienergebnisse veröffentlicht, die auf Stressreaktion über
eine mögliche Verbindung zwischen Kunst- eine Stimulation der
Hypophyse und über
licht und Brustkrebsentstehung hinweisen
eine Dämpfung der
[3, 4]. Weitere Verdachtsmomente bestehen Melatoninproduktion
auch für einen Zusammenhang mit der Ent- in der Zirbeldrüse. 6
stehung von Dickdarm- und Prostata-Krebs.
Abbildung 5 zeigt die lichtabhängigen ide, blutdruckwirksame Substanzen und 9 Licht und Melatonin
Organe und Drüsen im Körper, die unter der Hormone zur Regulation des Wasserhaus- Solange in der Forschung nur der Zusam-
Kontrolle von Zirbeldrüse und Hypophyse haltes, Sexualhormone – die Liste der Stoffe, menhang zwischen Auge und Hypophyse
stehen. die die Hypophyse ausschüttet, ist nicht nur eine Rolle spielte, war das Thema »Licht und
lang, sondern macht auch nachdenklich. Gesundheit« nicht wirklich ergiebig für die
8 Hormonaktives Licht Jedwede Zivilisationskrankheit, die heute Lichtindustrie, da die Erkenntnisse genauso
Dass Licht auf den Hormonhaushalt wirkt, eine wichtige Rolle spielt, geht mit der Stö- gut in einen Slogan »Kunstlicht und Krank-
weiss man seit der Entdeckung der ersten rung eines oder mehrerer Hormone aus der heit« hätten umgemünzt werden können.
Hormone. Schon im Jahre 1925 beschrieb R. vorangegangenen Aufzählung von Hypo- Erst als Mediziner damit begannen, die
Greving erstmals ein Nervenfaserbündel [5], physenhormonen einher: Störungen der Lichttherapie zur Behandlung der Winterde-
das heute als retino-hypothalamischer Trakt Schilddrüsenhormone führen zu Schilddrü- pression einzusetzen, wurde das Thema wie-
bekannt ist, in dem Lichtsignale von der senerkrankungen; Sexualhormone z.B. sind der interessant, denn hierbei wurde mög-
Netzhaut zum Hypothalamus und zur Hypo- bei der Entstehung von Brustkrebs und an- lichst viel Licht gebraucht, das aus Quecksil-
physe geleitet werden. Obschon in den dar- deren Krebserkrankungen beteiligt; Stress- berdampflampen stammte – eine neue Pro-
auf folgenden Jahrzehnten weitere Forscher hormone wie Adrenalin und Noradrenalin duktlinie war geboren, die sogar dazu die-
– Frey (1935 - 1955), Becher (1955), Knoche lassen den Blutdruck steigen und führen bei nen konnte, den Leuchtstofflampen den
(1956), Blumcke (1958) und andere – mit Erhöhung auf lange Sicht zu Herz-Kreislauf- Weg in die Haushalte zu ebnen und ihr Licht
gleichlautenden Ergebnissen aufwarten kon- Erkrankungen; Cortisol, das auch als Stress- als gesundes Licht darzustellen. Schließlich
nten, dauerte es bis in die 1970er Jahre, bis hormon bezeichnet wird, wirkt auf den Blut- wurde dann im Jahre 2001 ein neues Rezep-
die Existenz des retino- hypothalamischen zuckerspiegel, dämpft die Immunabwehr, torsystem entdeckt [1, 2], das über eine Ver-
Traktes durch autoradiografische und elek- fördert bei länger andauernder Erhöhung bindung zwischen Netzhaut und Zirbeldrüse
tronenmikroskopische Untersuchungen so also die Entstehung chronisch entzündlicher in Wirkung tritt. Dies war die Chance, über
sicher nachgewiesen worden war, dass sie Erkrankungen und begünstigt die Entste- Licht und Hormone reden zu können, ohne
nicht weiter bezweifelt werden konnte und hung von Osteoporose und Diabetes. sich mit so kritischen Produkten wie denen
schließlich anerkannt werden musste. Diese der Hypophyse belasten zu müssen: Die Zir-
in Rede stehende Nervenverbindung zwi- Cortisol und Adrenalin/Noradrenalin entste- beldrüse produziert schließlich in Abhängig-
schen der Netzhaut und dem Hypothalamus hen aus ACTH, dem Adrenocorticotrophen keit von den Lichtbedingungen nur zwei
birgt einiges an pathophysiologischer Hormon, das in der Hypophyse gemeinsam Hormone, nämlich Melatonin und Seroto-
Sprengkraft, schließlich ist der Hypothala- mit MSH, dem melanozyten-stimulierenden nin. Melatonin ist als Schlafhormon be-
mus die zentrale Schaltstelle, von der vege- Hormon, aus POMC (pro-opio-Melanocor- kannt, das zudem vor manchen Krebsarten
tative Nervenimpulse und Hormonsignale tin) gebildet wird. Eine Erhöhung des MSH schützen soll; Serotonin wird populär oft als
ihren Ausgang nehmen [6]. Für die Hormon- hat nicht nur eine vermehrte Stimulation von »Glückshormon« bezeichnet, was allerdings
seite ist die Hypophyse verantwortlich, die Melanozyten zur Folge, es nimmt wie auch eine unzulässige Vereinfachung darstellt, da
als Hirnanhangdrüse am Hypothalamus die Schilddrüsenhormone Einfluss auf den es eine Vielzahl von Funktionen zeigt, je
hängt. Betrachtet man die Reihe der Hormo- Grundumsatz. Ist dieser gestört, kann z.B. nachdem, in welchem Teil des Gehirns oder
ne, die über die Hypophyse reguliert wer- Übergewicht als Folge auftreten. Übrigens im Körper es zur Wirkung kommt. Beide
den, so wird verständlich, warum sich die entstehen die bösartigen Melanome, wie Hormone sind jedenfalls in einer antagonisti-
Lichtindustrie diesen physiologischen Signal- der Name schon nahelegt, aus Melanozyten. schen Koppelung an der Steuerung des Tag-
weg, der anatomisch den Zusammenhang Einer einfachen Logik folgend ist es zumin- Nacht-Rhythmus beteiligt (Abbildungen 7
zwischen Licht und Lebensfunktionen be- dest kein Widerspruch, wenn man annimmt, und 8). Beschäftigt man sich mit aktuellen
schreibt, nur ungern auf die Werbefahnen dass aus einer stimulierten Population von Publikationen zur Wirkung von Licht auf den
schreiben würde, wenngleich sie die produk- Melanozyten auch mehr Melanome entste- Hormonhaushalt, ist praktisch immer nur
tionsfördernden Eigenschaften hellen Lich- hen können. Abbildung 6 zeigt die endokri- vom Melatonin die Rede [8], die ganze Pa-
tes gerne propagiert: Schilddrüsenhormone, nen Aspekte der lichtinduzierten systemi- lette der anderen lichtabhängigen Hormone
Stresshormone, Mineral- und Glucocortico- schen Stressreaktion. kommt so gut wie nie zur Sprache.

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7 Dunkles bzw. rotes Licht veranlasst die Zirbel-


drüse zur Melatoninbildung.

8 Helles blauhaltiges Licht stimuliert die Hypo-


physe, fördert die Serotoninbildung und
hemmt die Melatoninbildung in der Zirbel-
7 8 drüse.

Die Wirkung von Licht wird weitgehend auf ster Linie die Schädlichkeit,z.B. in Hinblick hat die eingetrübte Augenlinse jedoch nicht
die Funktion, die Melatoninbildung zu auf die Hautkrebsbildung, verstärkt worden nur Nachteile für den Betreffenden, sondern
unterdrücken, reduziert und dieser Effekt war. Hier wird eine Parallele zur heutigen schützt durch ihre verminderte Durchlässig-
wird als »gesund« klassifiziert. Zeit erkennbar, in der nach Entdeckung ei- keit auch die Stelle des schärfsten Sehens,
nes Rezeptorsystems im Auge wieder von die so genannte Makula Lutea. Nun ist in
10 Wirksam = gesund? Wissenschaftlern ein Aktionsspektrum er- den vergangenen Jahren auffällig geworden,
Die Definition dessen, was gesund ist, sollte mittelt wurde und sich die Lichtindustrie auf- dass Patienten in den fünf Jahren nach einer
sorgfältig durchgeführt werden, um keine macht, diesen definierten Spektralbereich Staroperation mit Austausch der getrübten
Missverständnisse aufkommen zu lassen: mit Leuchtmitteln zu bedienen, wobei wie- Linse durch eine transparente Kunstlinse sta-
Eine Gleichsetzung von therapeutisch wirk- der einmal beim Verbraucher der Eindruck tistisch signifikant häufiger eine altersbe-
sam mit gesund ist in höchsten Maße irre- erweckt wird, das in Rede stehende Kunst- dingte Makuladegeneration (AMD) entwi-
führend, dennoch lässt sie sich durch die licht sei in seiner Qualität dem Sonnenlicht ckeln. Diese bislang unheilbare Augener-
neuere Geschichte der Lichttherapie hin- überlegen. krankung führt zu einer fortschreitenden
durch verfolgen. Kaum hatte man festge- Zerstörung der Stelle des schärfsten Sehens
stellt, dass Sonnenlichtbestrahlung als The- Circadian bzw. biologisch wirksames Licht und endet meist mit Erblindung. Die AMD ist
rapie für verschiedene Dunkelkrankheiten wird als gesundes Licht angepriesen, ohne mit 50 Prozent die häufigste Ursache für
wie Rachitis oder Tuberkulose eingesetzt darauf hinzuweisen, dass lediglich in einigen erworbene Blindheit in Deutschland. Etwa
werden kann, machte man sich daran, her- Studien belegt ist, dass Licht mit hoher Farb- 30 Prozent der untersuchten Personen über
auszufinden, welche Bereiche des Sonnen- temperatur in der Lage sein kann, gesund- 65 Jahre zeigen heute bereits erste Anzei-
spektrums dafür verantwortlich seien. Dies heitliche Störungen, wie sie z. B. im Schicht- chen der Makuladegeneration. Die Ursache
war augenscheinlich der UV-Bereich, jedoch betrieb auftreten, zu begegnen. Damit ist je- der Erkrankung gilt als unbekannt, wobei
– bezogen auf die Vitamin D-Bildung – nur doch weder bewiesen, dass solches thera- aber hohes Alter, Sonnenexposition sowie
ein bestimmter Ausschnitt. Also wurde das peutisch wirksames Licht auch wirklich ge- Herz-Kreislauferkrankungen begünstigend
Aktionsspektrum der Vitamin D-Bildung er- sund ist, noch ist dadurch belegbar, dass sol- wirken sollen. In einer Vielzahl von Zellversu-
mittelt, das weitgehend mit der Erythem- ches Licht auch Menschen außerhalb von chen wurde festgestellt, dass blaues Licht die
kurve übereinstimmt. Als nächstes suchte Schichtarbeits-Berdingungen förderlich ist. Rezeptorzellen der Netzhaut oxidativ schä-
man nach Lichtquellen, die diesen Bereich Einmal mehr soll hier darauf hingewiesen digt und die Entwicklung der AMD voran-
zwischen 290 und 320 nm ausfüllen konn- werden, dass die Menschen in ihrer geneti- treiben kann. Daher werden an verschiede-
ten und wurde bei der Quecksilberdampf- schen Ausstattung und individuellen Reak- nen Zentren bei Staroperationen anstatt
Entladung fündig. Die Festlegung des Ak- tionslage viel zu verschieden sind, als dass farbloser Ersatzlinsen mittlerweile gelb
tionsspektrums führte schließlich zu einer man von Seiten der Lichtindustrie planen gefärbte Kunstlinsen eingesetzt, um über
immer ausgedehnteren Anwendung von dürfte, aus Arbeitsstätten und öffentlichen das Ausfiltern der kurzwelligen Strahlungs-
konzentriertem UV-Licht, wobei durch aus- Bereichen kollektive Lichttherapie-Räume zu anteile die Makula zu schützen. Patienten
gedehnte Werbekampagnen beim Verbrau- machen. mit farblosen Ersatzlinsen werden häufig
cher nicht nur der Eindruck erweckt wurde, gelbe Schutzbrillen empfohlen, um das Vor-
man könne sich die Schweizer Höhensonne 11 Kunstlicht und Augenerkrankungen anschreiten zu verzögern. Für die Netzhaut
sozusagen ins Wohnzimmer holen, sondern Licht hat nicht nur toxische Wirkungen auf ist blaues Licht gefährlicher als UV-Strah-
auch, dass die konzentrierte UV-Strahlung das Hormonsystem, sondern auch auf das lung, da die ultravioletten Anteile bereits in
aus der quecksilbergefüllten Quarzglasröhre Auge. Seit langem ist bekannt, dass UV- den vorderen Augenabschnitten wie Horn-
gesund sei. In der naiven Ansicht der damali- Strahlung zu einer Eintrübung der Augen- haut und Linse herausgefiltert werden.
gen Zeit herrschte vielfach die Überzeugung linse führt und damit die Entstehung des Sichtbares kurzwelliges Licht hingegen
vor, dass dieses konzentrierte Surrogat sogar Grauen Stars fördert. Nachdem sich pro Jahr dringt ungehindert bis zur Netzhaut vor und
gesünder als das Sonnenlicht selbst sei. Erst über 600 000 Patienten einer Staroperation erzeugt dort oxidativen Stress, wobei beson-
die folgenden Jahre brachten die Erkenntnis, allein in Deutschland unterziehen müssen, ders die Mitochondrien (Zellkraftwerke) der
dass durch die Fokussierung auf einen en- liegt hier entsprechend umfangreiches Da- Photorezeptoren betroffen sind. Licht mit
gen Abschnitt des Sonnenspektrums in er- tenmaterial vor. Nach heutiger Erkenntnis einer Wellenlänge über 650 nm kann durch

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eine Stimulation der Cytochrom-Oxidase, deutlich davor (Abbildung 11). Der Blauan- 9 Je nach Wellenlänge dringt Licht unterschied-
einem wichtigen Enzym der Energiegewin- teil im Licht ist daher für die Entstehung von lich tief in den Augapfel ein.
nung in den Mitochondrien, derartige oxida- Farbsäumen und Unschärfe verantwortlich
10 Schädigungsbereiche von Augenlinse und
tive Schäden wieder kompensieren. Abbil- und führt zu einer Abnahme des Kontrastes.
Netzhaut, Reparaturbereich der Netzhaut,
dung 9 zeigt die Durchlässigkeit des Auges Weil Blau scharfes Sehen erschwert, gibt es Spektren von Kompaktleuchtstofflampen mit
für optische Strahlung. Abbildung 10 stellt im Zentrum der Stelle des schärfsten Sehens 6500 K und 2700 K sowie Glühlicht mit 2700 K.
die Wellenlängenbereiche dar, die für Schä- nur sehr wenige Rezeptoren für kurzwelliges
digungen von Augenlinse und Netzhaut ver- Licht. Wie aus der obigen Abbildung ersicht- Voraussetzungen für scharfes, kontrastrei-
antwortlich sind, sowie den so genannten lich, ist es wichtiger, die Blaustrahlung eher ches Sehen bietet und durch den niedrigen
Nah-Infrarot-Bereich (NIR), für den in einer peripher zu detektieren, da die Strahlung in Anteil an kurzwelliger Strahlung das Auge
Reihe von Untersuchungen gezeigt werden der Schärfeebene der Netzhaut bereits diver- schont. Selbst eine Fluoreszenzlampe mit
konnte, dass Bestrahlung mit Licht aus die- gent ist, wenn die anderen für den Sehvor- numerisch niedriger Farbtemperatur hebelt
sem Abschnitt des Spektrums zu einer Ver- gang wichtigeren langwelligen Anteile die Mechanismen der Blaureduktion im Au-
besserung der Wundheilung und Optimie- scharfgestellt sind. ge durch den hohen Blaugehalt aus. Bezüg-
rung der Energiegewinnung in Mitochon- lich der antioxidativen Kapazität des Gelben
drien führt [9, 10]. Diese Effekte werden be- Zudem ist die Makula mit einem gelben Pig- Flecks spielen nicht nur die kurzwelligen
reits therapeutisch genutzt, z. B. zur Be- ment, dem Lutein, eingefärbt, das über- Photonen eine Rolle, die von Pigmenten und
handlung von Schleimhautläsionen unter schüssige Blauanteile ausfiltert und darüber weißen Flächen reflektiert werden:
Chemotherapie oder Förderung der Wund- hinaus auch noch antioxidative Wirkung
heilung in sauerstoffarmer Umgebung wie zeigt. Wenn man sich nun in der Natur um-
z.B. U-Booten oder Raumstationen [11, 12]. sieht, wird man feststellen, dass die Farbe
Man kann in der Abbildung deutlich sehen, Blau in ihrer gesättigten Form nur sehr selten
dass Quecksilberdampf-Lampen in diesem vorkommt, wenn man vom Himmel und gro-
»Reparaturbereich« unabhängig von der ßen Wasserflächen absieht, die allerdings
Farbtemperaturpraktisch keine Aktivität auf- kein gesättigtes Blau darstellen. Weder beim
weisen, wohingegen sie im kurzwelligen Ab- Himmel noch beim Wasser besteht die Not-
schnitt je nach Farbtemperatur hohe bis sehr wendigkeit, zu fokussieren, womit das
hohe Strahlungsintensitäten erzeugen, die Scharfstellen von Blau unter natürlichen Be-
zudem genau im Blaulicht-Schädigungsbe- dingungen ein seltener Vorgang ist. Wäh- 11
reich der Netzhaut gipfeln. Das Spektrum rend die Natur mit dem magischen Blau sehr
11 Abb. 11: Die chromatische Aberration im
der Glühlampe, das ebenfalls eingezeichnet geizt, können wir in unserer modernen Welt
Auge führt zu verschiedenen Schärfeebenen
ist, erscheint dagegen viel augenfreundli- eine inflationäre Verwendung dieser Farbe für die unterschiedlichen Wellenlängen des
cher, da es kaum kurzwellige Anteile besitzt, beobachten, was dazu führt, dass das Auge Lichtes.
aber im förderlichen Nah-Infrarot ihr volles wesentlich öfter und in hoher Dosierung mit
Potenzial entfaltet. diesem Spektralabschnitt konfrontiert wird.
Die Verwendung von kräftig blauen Pigmen-
12 Kunstlicht und gutes Sehen ten, aber auch reinweiße Flächen (Wände,
Nicht nur im Prisma, sondern auch im Auge Papier usw.) führen dazu, dass unsere Stelle
erfahren die kürzeren Strahlungsanteile eine des schärfsten Sehens mit kurzwelligen Pho-
stärkere Brechung, was als chromatische Ab- tonen geradezu bombardiert wird, was
erration oder Farbfehler bezeichnet wird. leicht zu einer Überlastung der Filterkapa-
Dies führt im Auge zur Entstehung verschie- zität des gelben Pigmentes führen kann.
dener Schärfeebenen für die unterschied-
lichen Wellenlängen des Lichts: Wenn Grün Wenn man nun die Spektren von Glühlampe 12
genau in die Rezeptorebene fokussiert ist, und Quecksilberdampf-Entladungslampe
12 Reduktion der chromatischen Aberration
bündeln sich die roten Strahlungsanteile miteinander vergleicht, wird offenkundig, durch Ausfiltern der kurzwelligen Strahlungs-
geringfügig dahinter, die Blauanteile jedoch dass das Glühlampenlicht wesentlich bessere anteile.

LICHT 11-12/2007 7
TECHNIK UND FORSCHUNG

13 Die blaue Kurve


zeigt die Frequenzen
der solaren Strahlung,
die die Erde in rhythmi-
scher Weise empfängt, Licht auf und geben nach der energetischen
die rote Kurve zeigt Ausbeutung niedrigfrequente Wärme wie-
den Spektralverlauf der
der ab. Die Sonnenstrahlung nährt und
kontinuierlich abgege-
benen »Abfall«-Strah- speist die Lebensvorgänge auf der Erde mit
13 lung. ihrer hochfrequenten Lichtstrahlung mit ei-
nem Gipfel bei etwa 500 nm, wohingegen
Da alle modernen TFT-Bildschirme mit einer ßenordnung von 30 bis 40 Prozent führt, die Erde elektromagnetische Strahlung mit
Quecksilberdampf-Hintergrundbeleuchtung wenn man den Angaben der Hersteller ver- einer Wellenlänge von etwa 10 000 nm kon-
ausgestattet sind, unabhängig davon, ob es traut. Solche Niedervolt-Halogenlampen tinuierlich wieder abstrahlt (Abbildung 13).
sich um LCD-Fernseher, Computer- oder weisen eine Lebensdauer zwischen 3000
Laptop-Monitore handelt, nimmt die Blau- und 5000 Stunden auf und haben noch wei- 15 Der Spielraum des Lebens
belastung der Netzhaut in erschreckendem tere Vorteile, die mit der Wendelgeometrie Diese Ordnungs- und Informationsdifferenz
Maße zu, da die Anwender in den genann- zusammenhängen. Während der Draht für ist laut Björn der thermodynamische »Spiel-
ten Fällen in eine aktive Lichtquelle mit un- die Wendel bei einer Hochvolt-Glühlampe raum des Lebens auf der Erde«. Während
natürlich hohem Blaugehalt blicken. Abbil- sehr lang und dünn sein muss, um den ent- also die Atome, die an den Lebensprozessen
dung 12 zeigt die Schärfeebene bei Verwen- sprechenden Widerstand zu erreichen, ist beteiligt sind, immer wieder verwendet wer-
dung eines Bildschirmschutzfilters der Glühdraht einer Niedervolt-Lampe deut- den können, wird die Quantenenergie der
beziehungsweise einer gelblich getönten lich kürzer und dicker. Daraus ergibt sich ein beteiligten elektromagnetischen Strahlung
Augenlinse. wesentlich kleineres und einheitlicheres immer nur in einer Richtung verändert, näm-
Leuchtbündel, dessen Licht naturgemäß viel lich von hoher Quantenenergie zu niedriger
13 Fehlerkorrekturen leichter über Reflektoren zu lenken ist. Quantenenergie. Betrachten wir nun ver-
In der Diskussion um das beste Leuchtmittel Wenn es also darum geht, Licht in bestimm- schiedene Wärmequellen unter diesem
wird immer wieder angeführt, dass die Glüh- te Richtungen zu dirigieren, gelingt dies mit Aspekt, so wird deutlich, dass z.B. das Was-
lampe ein echter Energieverschwender sei, Niedervolt-Reflektorlampen wesentlich ein- ser in einer Zentralheizung bei einer Tempe-
da sie nur 5 Prozent Licht, aber 95 Prozent facher als mit Kompakt-Leuchtstoffröhren ratur von 60 Grad Celsius (= 333 Kelvin,
Wärme abgibt. Zuerst wollen wir uns fragen, oder Standard-Glühlampen, deren große Strahlungsmaximum bei 8712 nm) eine min-
ob diese Aussage so überhaupt zutrifft. Eine Wendelgeometrie den effektiven Einsatz von derwertigere, ungeordnetere Strahlungs-
normale Glühlampe strahlt angenähert in Reflektoren erschwert. Obwohl es also gro- energie abgibt als eine Glühlampe mit
der Charakteristik eines Schwarzen Körpers ße Unterschiede bei den Glühlampen gibt, 2700 K (Strahlungsmaximum bei 1074 nm).
mit einer Temperatur von etwa 2700 Kelvin. wird den Verbrauchern immer nur eine Wer also behauptet, Wärme sei gleich Ab-
Hierbei liegt das Strahlungsmaximum bei Rechnung aufgemacht, die die »beste« fall, der irrt nicht nur, sondern setzt sich über
1074 nm, 94,9 Prozent der Strahlung wird Energiesparlampe mit der »schlechtesten« grundlegende Gesetzmäßigkeiten hinweg,
im IR-Bereich abgegeben, 0,1Prozent entfal- Glühlampe vergleicht. die für elektromagnetische Strahlung gelten.
len auf den UV-Anteil und übrig bleiben
exakt 5 Prozent für das sichtbare Licht. Wie 14 Ist Wärme mit Abfall gleichzusetzen? 16 Elektromagnetische Eigenschaften von
verändern sich nun diese Werte bei einer Wenn man elektromagnetische Strahlung Kompaktleuchtstoff-Lampen
Glühlampe, die wie eine Halogenlampe mit nach thermodynamischen Gesetzmäßigkei- Die als Ersatz für Glühlampen empfohlenen
höherer Brenntemperatur betrieben wird? ten betrachtet, gibt es einen Aspekt, der in »Energiesparlampen« sind nicht nur bezüg-
Bei einer Temperatur von 3200 Kelvin steigt der Diskussion meist unberücksichtigt bleibt, lich ihres Lichtspektrums minderwertiger,
der UV-Anteil auf 0,4 Prozent an, der IR- nämlich die Entropie. Dieser Begriff lässt sich sondern verunreinigen mit ihren eher simpel
Anteil sinkt auf 89,1 Prozent ab, während nicht nur auf Wärmekraftmaschinen, son- aufgebauten integrierten elektronischen
der sichtbare Bereich mit 10,5 Prozent nun dern auch auf biologische Systeme anwen- Vorschaltgeräten das Stromnetz in erhebli-
mehr als doppelt so intensiv ist. Die Strah- den. Der schwedische Photobiologe Lars chem Umfang. Während für Lampenströme
lungsintensität gipfelt in diesem Beispiel bei Olof Björn formuliert dies in seinem Lehr- normalerweise gilt, dass der Oberschwin-
902 nm. Die Lichtausbeute einer normalen buch »Photobiologie« sinngemäß wie folgt: gungsstrom 3. Ordnung etwa ein Drittel, der
Halogen-Glühbirne ist also schon doppelt so Der Ordnungs- bzw. Informationsgehalt so- Oberschwingungsstrom 5. Ordnung 10 Pro-
hoch verglichen mit einer Standard-Glüh- wie der Energiegehalt elektromagnetischer zent des Grundschwingungsstromes nicht
lampe. Nun gibt es seit einigen Jahren auch Strahlung ist um so höher, je kürzer die je- überschreiten darf, gelten für Energiespar-
noch Halogen-Glühlampen mit Wärmerück- weilige Wellenlänge ist. Die Umwandlung lampen mit einer Leistung kleiner 25 Watt
gewinnungs-Technologie, wobei weniger von Strahlung vollzieht sich statistisch signifi- folgende Grenzwerte für die Oberschwin-
Energie zum Erreichen der Glühtemperatur kant von hoher zu niedriger Frequenz, wofür gungsströme: 3. Ordnung kleiner 86 Pro-
aufgewendet werden muss, was zu einem es in der Natur eine Vielzahl von Beispielen zent, 5. Ordnung kleiner 61 Prozent. Damit
weiteren Anstieg der Effizienz in der Grö- gibt: Organismen nehmen hochfrequentes »verunreinigen« die Kompaktleuchtstoff-

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TECHNIK UND FORSCHUNG

Zur Info:

»Private Haushalte nutzen natürliche Ressour-


cen – wie Rohstoffe, Flächen und Energie – di-
rekt, beispielsweise beim Heizen, und indirekt:
Denn Bürgerinnen und Bürger konsumieren
Waren und Dienstleistungen, deren Herstel-
14 Modulationsspektren von Glühlampe (14a) lung andernorts natürliche Ressourcen bean-
und Kompaktleuchtstofflampe (14b). sprucht.« Obwohl die privaten Haushalte nur
14a etwa ein Viertel der gesamten Energie ver-
brauchen, heißt es weiter: »Vor allem die pri-
lampen das Leitungsnetz etwa dreimal so vaten Haushalte verbrauchen noch zu viel
stark verglichen mit sonst üblichen Leucht- Energie. ... Die Erzeugung des Stroms ist mit
mitteln. Die elektromagnetische Verträglich- erheblichen Umwandlungsverlusten verbun-
den. Diese können bis zu zwei Drittel der Pri-
keit und die Rückwirkungen in das Leitungs-
märenergie ausmachen, die die Kraftwerke
netz sind aber noch nicht alles: Abbildung einsetzen. Dies zeigt, dass – vor dem Hinter-
14 zeigt die Lichtmodulationsspektren einer grund der notwendigen Einsparung knapper
Glühlampe und einer Energiesparlampe im Primärenergieträger – Strategien zur Strom-
einsparung eine sehr hohe Priorität haben.«
Vergleich. Hierbei wurde der Flackeranteil
mit einem E.SmogScout LUX der Firma Glo- Aus einem Hintergrundpapier des Umwelt-
balMIND gemessen und die Frequenzzusam- 14b bundesamtes aus dem Jahre 2006
mensetzung über ein Echtzeit-Frequenzana-
lyse-Programm errechnet und dargestellt. 5 Prozent des Energieverbrauchs für Be- Systemen zur Bereitstellung von Warmwas-
Man kann deutlich erkennen, dass die Glüh- leuchtung in Haushalten entsprechen ser, z.B. zum Duschen dienen kann.
lampe praktisch nur bei 100 Hz flackert, wo- 1,25 Prozent Anteil am gesamten Energie-
hingegen das Licht der Energiesparlampe bei verbrauch. Wenn man nun alle Glühlampen 18 Ökologie ist, wenn der Müll woanders
100, 200, 300 und 400 Hz pulsiert. Wäh- durch so genannte Energiesparlampen erset- entsteht?
rend man bei einer Glühlampe die Modula- zen würde, hätte diese Maßnahme ein Ein- Wir haben in Europa sehr viele Fortschritte
tion bei Verwendung von Gleichstrom völlig sparpotenzial bezogen auf den gesamten gemacht, wenn man Bereiche wie Arbeits-
eliminieren kann, besteht diese Option bei Energieverbrauch in der Größenordnung oder Umweltschutz betrachtet. Das hat je-
der Energiesparlampe nicht. Das Fehlen von von weniger als 1 Prozent. Es handelt sich doch auch seinen Preis: Die Löhne und Ne-
Modulationsfrequenzen ist ein Qualitäts- hierbei also um einen Bereich, der zwar benkosten sowie die Kosten für das Ge-
merkmal von Kunstlicht, dem nach Ansicht großspurig mit 80 Prozent (bezogen auf das sundheitswesen sind auch dadurch derart
des Verfassers bisher viel zu wenig Beach- Verbrauchssegment Beleuchtung in Haus- gestiegen, dass es sich für viele Hersteller
tung ge-schenkt wird. halten) beziffert werden kann, realiter aber nicht mehr lohnt, in Europa zu produzieren.
einer der Bereiche mit dem geringsten Ge- Sie haben sich darauf verlegt, die Produk-
17 Effektive Einsparungen samt-Einsparpotenzial ist. tionsanlagen in Niedriglohnländer zu verla-
Laut Angaben des Bundesumweltamtes aus gern bzw. zu verkaufen und dort produzie-
dem Jahr 2006 verbrauchen private Haus- Wesentlich höhere Einsparpotenziale liegen ren zu lassen. Mit Ökologie oder Menschen-
halte etwa 27 Prozent der gesamten Ener- hingegen in allen Bereichen, wo Wärme er- freundlichkeit hat das jedoch wenig zu tun,
gie, der Rest entfällt auf Verkehr, Industrie, zeugt werden muss, z.B. beim Kochen, Hei- hier wird der »Schwarze Peter« einfach ins
Gewerbe, Dienstleistung und Landwirt- zen und der Warmwasser-Erzeugung. Diese Ausland verschoben. Wenn man sich über-
schaft. In der dritten Ausgabe »Fakten. Bereiche schlagen mit etwa 50 Prozent des legt, was es bedeutet, wenn eine Baumarkt-
Informationen für Journalisten« des VDEW Strombedarfs von Haushalten zu Buche. Ei- kette eine Energiesparlampe für 1,49 EUR
(Verband der Elektrizitätswirtschaft) findet gentlich sollte für die Erzeugung von Wärme verkauft, stößt man auf einige Widerprüche,
man auf Seite 13 eine Liste der zehn besten überhaupt kein Strom eingesetzt werden, da besonders bezüglich des Labels »ökolo-
Spartipps, auf deren erstem Platz sich die nur ein Drittel der Primärenergie dabei ge- gisch«. Direkt übersetzt bedeutet dieses
Anweisung findet: »Verwenden Sie Ener- nutzt wird! Kochen und Heizen mit Gas Wort »die Lehre vom Haushalt der Natur«.
giesparlampen und Leuchtstoffröhren«. Auf bzw. Öl spart also systembedingt mehr als Wenn also ein Unternehmen Gewinne mit
Seite 17 ist dann eine Tortengrafik darge- 60 Prozent der Primärenergie ein. Hier fin- einem Produkt aus Fernost machen kann,
stellt, die den Energieverbrauch in Haushal- den wir also einen Zukunftsmarkt, der ein das zu einem derart niedrigen Preis angebo-
ten in Deutschland einschließlich der PKW- riesiges Entwicklungspotenzial zeigt. ten wird, so kann man sich leicht ausrech-
Nutzung zeigt. Auffällig ist, dass für die Be- nen, was der Hersteller dieses Produktes
leuchtung nur 1 Prozent der Primärenergie Es gibt heute schon so genannte Passivener- nach Abzug von Gewinnspanne, Transport-
verbraucht wird. Orientiert man sich bei Wi- gie-Häuser, die über gute Isolierung und kosten, Verpackungskosten usw. dafür noch
kipedia, so verbrauchen deutsche Haushalte Wärmerückgewinnung im Belüftungssystem bekommt. Hier wird schnell klar, dass weder
hingegen 11 Prozent der Energie zur Lichter- praktisch auf eine Raumheizung verzichten die Energie zur Herstellung so sauber er-
zeugung, was allerdings eher den Gesamt- können. In ein solches zukunftsträchtiges zeugt werden konnte, wie dies den europäi-
verbrauch für Beleuchtung in Deutschland Kon- zept eingebunden können Glühlampen schen Standards entspräche, noch die Men-
beziffert. Da es nicht einfach ist, hier an mit ihrer hochwertigen Strahlungswärme, schen, die in den Produktionsablauf dieses
wirklich verlässliche Daten zu gelangen, soll die sie neben dem Licht abgeben, im Winter toxischen Erzeugnisses mit einbezogen sind,
die nachfolgende Abschätzung von einem zur Heizung derartiger Häuser beitragen, fair für ihre Arbeit entlohnt wurden. Die Pro-
Anteil von 5 Prozent ausgehen, der für die während die Abwärme im Sommer bei ent- duktionsstrasse wird vermutlich schon abge-
Beleuchtung in Haushalten benötigt wird. sprechender Nutzung von Wärmetauscher- schrieben sein, muss sich offenkundig nicht

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TECHNIK UND FORSCHUNG

Ausgewählte Literatur
und Dunkelheit, Klin. Wschr. 14, 1713-1716,
1 BRAINARD G C et al.: Action spectrum for 1935b
melatonin regulation in humans: evidence 7 HOLLWICH F: The Influence of Ocular Light
for a novel circadian photoreceptor, J. Neu- Perception on Metabolism in Man and Ani-
rosci. 21, pp. 6405-6412, 2001 mal. New York: Springer 1979
2 THAPAN K, ARENDT J & SKENE D J: An action 8 REA, M et al.: A model of phototransduction
spectrum for melatonin suppression: evi- by the human circadian system. Brain Res Rev
dence for a novel non-rod, non-cone photo- 50, 213-228, 2005
receptor system in humans, J. Physiol. 535, pp. 9 EELLS J T et al.: Mitochondrial signal trans-
mehr amortisieren und entspricht daher 261-267, 2001 duction in accelerated wound and retinal
sicher auch nicht dem neuesten Standard, 3 SCHERNHAMMER E S et al.: Rotating night healing by near-infrared light therapy, Mit-
shifts and risk of breast cancer in women par- ochondrion 4, pp. 559-567, 2004
was z.B. im Bereich der Dosiereinrichtung für
ticipating in the nurses' health study, J. Natl. 10 EELLS J T et al.: Therapeutic photobiomo-
das Quecksilber leicht dazu führen kann, Cancer Inst. 93, pp. 1563-1568, 2001 dulation for methanol-induced retinal toxi-
dass die Menge von 3 mg pro Leuchtmittel 4 STEVENS R G: Electric power use and breast city, PNAS Vol. 100 No. 6, pp. 3439-3444, 2003
mehr oder weniger stark überschritten wird. cancer: a hypothesis, Am. J. Epidemiol. 125, 11 WHELAN HT et al.: Effect of NASA light-
pp. 556-561, 1987 emitting diode irradiation on wound healing,
Auch kann man davon ausgehen, dass der
5 GREVING R: Beiträge zur Anatomie des J Clin Laser Med Surg. 2001 Dec; 19(6), 305-
Arbeitsschutz und die Sicherungsmaßnah- Zwischenhirns und seiner Funktion, der ana- 314. 2001
men für die Gesundheit der Beschäftigten in tomische Verlauf eines Faserbündels des N. 12 WHELAN HT et al.: NASA light-emitting
solchen Betrieben eher klein geschrieben opticus beim Menschen (Tr. supraopticothala- diodes for the prevention of oral mucositis in
micus), zugleich ein Beitrag zur Anatomie des pediatric bone marrow transplant patients, J
werden. Die Energiesparlampen, die z.B. in unteren Thalamusstiels, Graefes Arch. 115, Clin Laser Med Surg. 2002 Dec; 20(6), 319-324,
China produziert werden, belasten bei der 523, 1925 2002
Herstellung den Energiehaushalt und die 6 JORES A: Aenderungen des Hormongehaltes Weitere Literaturangaben auf Anfrage an:
Atmosphäre der Erde sehr viel stärker, als der Hypophyse mit dem Wechsel von Licht wunschart@mac.com

wenn sie unter den strengen Auflagen z.B.


in Deutschland hergestellt worden wären. ten, die Behandlung und den Transport in wand für eine solche Form der Kontrolle ist
Behältern von mehreren Kubikmetern Fas- ebenfalls mit ins Kalkül zu ziehen, wenn
19 Ökologiepfand für Giftmüll sungsvermögen unbeschadet überstehen. man verlässliche Daten für ein Life Cycle
Das Leben einer Energiesparlampe hat drei Dies wäre jedoch die Voraussetzung dafür, Assessment generieren will.
Phasen: Herstellung, Betrieb und Entsor- dass wirklich keine Schadstoffe in die Um-
gung. Durch die Auslagerung der Produk- welt gelangen. 20 Fazit
tion in Länder, deren Bedingungen wir nicht Licht ist nicht nur Helligkeit, Licht ist ein
wirklich kennen können, entfällt eine ent- Wenn man diesen Aspekt konsequent zu Lebensmittel, das zeigen die Erkenntnisse
sprechende herstellungsbedingte Umwelt- Ende denkt, müsste jede Leuchtstoffröhre der Lichtbiologie der letzten 100 Jahre im-
belastung bei uns, was unsere eigenen Koh- und jede Energiesparlampe mit einem unzer- mer deutlicher. Die aktuelle Diskussion über
lendioxid-Ausstoß-Kontingente natürlich brechlichen und dichten Schutzbehälter aus- ein mögliches Verbot der Glühlampe gibt
schont – die Atmosphäre kennt jedoch keine geliefert werden, der beim Verbraucher so Gelegenheit, die biologische Verträglichkeit
Grenzen. Wir müssen uns innerhalb unserer lange aufbewahrt werden muss, bis das von Kunstlicht aus der heutigen Sicht der
eigenen Grenzen also »nur« noch um die Leuchtmittel zu entsorgen ist. Damit der Ver- Wissenschaft nochmals zu überdenken,
Energie- und Umwelt-Aspekte während des braucher sich auch wirklich an die Entsor- wobei es wichtig ist, die Erkenntnisse der
Betriebs und der Entsorgung kümmern. Was gungsvorschriften hält, wäre ein eher hoch letzten fünf Jahre ebenso mit einzubeziehen
die Betriebszeit anbelangt, so ist die Ener- anzusetzendes Pfand vonnöten, um der Be- wie die beunruhigenden epidemiologischen
giesparlampe tatsächlich zwischen zwei- quemlichkeit der versehentlichen Hausmüll- Aspekte, die auf einen Zusammenhang zwi-
und fünfmal effizienter, wenn man die rei- entsorgung vorzubeugen. Erst wenn sicher schen Kunstlichtexposition und Krebsentste-
nen lichttechnischen Messwerte zugrunde gewährleistet ist, dass selbst bei der unsanf- hung hinweisen. Es ist an der Zeit, nach ei-
legt. Differenziert man jedoch zwischen testen Behandlung keine Giftstoffe freige- nem halben Jahrhundert unter Leuchtstoff-
einer objektiven (messbaren) und einer sub- setzt werden, kann man wirklich von einer lampen, Bilanz zu ziehen und sich zu fragen,
jektiven (gefühlten) Helligkeit, kann dieses umweltgerechten Entsorgung sprechen. Bei ob die Entwarnungen und Beschwichtigun-
Verhältnis schon wieder anders aussehen. einer solchen Vorgehensweise treten wiede- gen der Lichtindustrie berechtigt waren, die
Was nun die Entsorgung der Energiespar- rum andere Faktoren auf die Bühne, die die Karriere des Quecksilberlichtes seit jeher
lampen anbetrifft, so liest sich alles wesent- ihrerseits berücksichtigt sein wollen, nämlich begleitet haben. Verantwortung zeigt sich
lich einfacher, als es schließlich in der Realität die Umweltverträglichkeit und die logisti- nicht dadurch, dass man keine Fehler macht,
ist. Natürlich gibt es mittlerweile Entsor- schen Aspekte solcher Schutzbehälter, die ja sondern dadurch, dass man bereit ist, die
gungsstrassen, also Fabriken, die eine um- auch allen denkbaren Bauformen von Ener- gemachten Fehler zu korrigieren. Aus ganz-
weltschonende Wiederverwertung sicher- giesparlampen Rechnung tragen müssen, heitsmedizinischer Sicht wäre es jedenfalls
stellen sollen – funktioniert das aber auch in um ihre Aufgabe sinngemäß erfüllen zu ein gravierender Fehler, die einzige hormon-
der Praxis so gut, wie es theoretisch anmu- können. Zur Überwachung der Entsorgungs- neutrale und augenschonenende Lichtquel-
tet? Jeder, der schon einmal dem nächsten vorgänge wäre darüber hinaus eine Art Um- le, die dem Verbraucher für die Beleuchtung
kommunalen Wertstoffhof einen Besuch ab- welt-Pass vorzusehen, der Auskunft über seines privaten Umfeldes momentan zur Ver-
gestattet hat, kann feststellen, wie unrealis- Käufer, Kaufdatum, entrichtetes Pfand und fügung steht, per Verbot zu entziehen, da
tisch es ist, davon auszugehen, dass die em- vollzogene Entsorgung Auskunft gibt, bevor die gesundheitlichen Konsequenzen derzeit
pfindlichen Glasröhren, die die Giftstäube der Verbraucher aus der Verantwortung ge- nicht überschaubar sind.
und das leicht flüchtige Quecksilber enthal- nommen werden kann. Der Verwaltungsauf-

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