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Deutsches Aussprachewörterbuch

Eva-Maria Krech · Eberhard Stock


Ursula Hirschfeld · Lutz Christian Anders

Deutsches
Aussprachewörterbuch

mit Beiträgen von


Walter Haas · Ingrid Hove · Peter Wiesinger

Autoren der Beiträge zur Eindeutschung fremder Namen und Wörter:


Mariana Alvarez · Robert Bannert · Evdokia Balassi · William Barry
Peter Colliander · Eberhard Gärtner · Mária Gósy
Beata Grzeszczakowska-Pawlikowska · Cordula Hunold · Antti Iivonen
Claudia Müller · Songül Rolffs · Aoussine Seddiki · Elmar Ternes
Livia Tonelli · Reinhard Wenk · August Wilhelm Zickfeldt

unter Mitarbeit von


Ines Bose · Uwe Hollmach · Baldur Neuber

Walter de Gruyter
Berlin · New York

앝 Gedruckt auf säurefreiem Papier, das die US-ANSI-Norm über Haltbarkeit erfüllt.

ISBN 978-3-11-018202-6

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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lässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfil-
mungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Printed in Germany
Einbandgestaltung: Christopher Schneider, Laufen
Satz: Dörlemann-Satz GmbH & Co. KG, Lemförde
Grafiken: Dirk Meyer, Halle
Druck und buchbinderische Verarbeitung: Hubert & Co. GmbH und Co. KG, Göttingen
Vorwort V

Vorwort

Das Deutsche Aussprachewörterbuch vermittelt eine Neukodifizierung der Standardaussprache


und gibt Empfehlungen für deren situationsangemessenen Gebrauch.
Es beruht auf umfangreichen neuen Untersuchungen der Sprechweise sowie der Hörerwartun-
gen in verschiedenen öffentlichen Kommunikationsbereichen. Das Wörterbuch berücksichtigt
damit stilistische Differenzierungen der Standardaussprache und beschreibt unterschiedliche Aus-
prägungsgrade der Artikulationspräzision beim Vorlesen von Texten sowie beim freien Sprechen.
Zugleich vermittelt das Deutsche Aussprachewörterbuch für 19 verschiedene fremde Sprachen
die Grundlagen der Eindeutschung. Darüber hinaus beschreibt es die Standardaussprache in
Österreich sowie in der deutschsprachigen Schweiz und wird damit der Entwicklung der deut-
schen Sprache zu einer plurizentrischen Sprache gerecht.
Das Wörterverzeichnis enthält ca. 150.000 deutsche und eingedeutschte Stichwörter. Es er-
fasst dabei eine große Zahl von zusammengesetzten Wörtern sowie von Wortgruppen, die kom-
plexe Akzentstrukturen und deren Auswirkungen auf die Lautrealisationen verdeutlichen.
In das Wörterverzeichnis eingefügte Info-Kästen informieren über Aussprachebesonderhei-
ten und verweisen auf die ausführlichen Ausspracheregeln in Kapitel 5.
Dem Deutschen Aussprachewörterbuch ist eine Audio-CD beigefügt, die die Beispiele aus dem
Regelteil enthält.
An der Erarbeitung der vorliegenden Neukodifizierung der Standardaussprache hat eine
große Zahl von Fachkolleginnen und -kollegen mitgewirkt. Wir danken:
– Georg Heike für die Unterstützung bei der Initiierung des Projektes und zugleich ihm und
seinen damaligen Mitarbeitern am Institut für Phonetik der Universität Köln für eine kon-
struktive Zusammenarbeit,
– unseren Mitautoren Peter Wiesinger sowie Walter Haas und Ingrid Hove für die Kapitel zur
Standardaussprache in Österreich und in der deutschsprachigen Schweiz,
– den Autorinnen und Autoren der Eindeutschungsbeiträge: Mariana Alvarez (Spanisch),
Robert Bannert (Schwedisch), Evdokia Balassi (Neugriechisch), William Barry (Englisch),
Peter Colliander (Dänisch), Eberhard Gärtner (Portugiesisch), Mária Gósy (Ungarisch),
Beata Grzeszczakowska-Pawlikowska (Polnisch), Cordula Hunold (Chinesisch), Antti
Iivonen (Finnisch), Claudia Müller (Niederländisch), Songül Rolffs (Türkisch), Aoussine
Seddiki (Arabisch), Elmar Ternes (Französisch), Livia Tonelli (Italienisch), Reinhard Wenk
(Russisch, Slowakisch, Tschechisch), August Wilhelm Zickfeldt (Norwegisch),
– Uwe Hollmach für seine umfangreichen soziophonetischen und phonetischen Untersuchun-
gen sowie für Wortschatzarbeiten bei der Vorbereitung der automatischen Transskription,
– Ines Bose für ihre aufwendige Mitarbeit an der Einrichtung der automatischen Transkription
und der Transkription französischer Stichwörter sowie für ihre Mithilfe bei der Korrektur,
– Baldur Neuber für seine Unterstützung des Projektes und seine Mitarbeit bei der Zusammen-
stellung des Wortschatzes und bei der Korrektur,
– Max Mangold für sein Interesse an dem Wörterbuch und für seine Anregungen.
Für phonetische Untersuchungen des gegenwärtigen Gebrauchs der Standardaussprache
danken wir: Cornelia Demme (Dubielzig), Ruth-Brigitte Fredrich †, Juliane Graf, Josephine
Hoppe, Daniel Klaaß, Franziska Kräuter, Uta Kroemer, Michael Küster, Susanne Lembke, Sie-
VI Vorwort

grun Lemke, Philine Lüssing, Björn Meißner, Anke Pietsch, Ute Schikora, Ulrike Semper und
Christiane Ulbrich. Anregungen verdanken wir darüber hinaus insbesondere den phonetischen
Analysen von Gottfried Meinhold und Beate Rues.
Des Weiteren sei allen gedankt, die an der Vorbereitung und Durchführung den soziophone-
tischen Befragungen mitgewirkt haben, so insbesondere: Henner Barthel, Christian Gutowski,
Sigrun Lemke, Philine Lüssing, Rudolf Rausch und Kerstin Werner.
Bei der Zusammenstellung des Wortschatzes, bei der Transkription und den Korrekturen
haben uns geholfen: Claudia Adam, Barbara Blumtritt, Oliver Ehmer, Franzisca Eisenschmidt,
Ilona Fey, Marit Fiedler, Martin Fleschenberg, Sven Grawunder, Evelina Grigorova, Alexandra
Haufe, Wilfried Hermann, Tiana Hickel, Aline Hoffmann, Thomas Hoffmann, Fiona Hynes,
Christian Keßler, Julia Kiesler, Daniela Köhler, Ulrike Kölsch, Anita Kunert, Siegrun Lemke,
Ileana Moise, Augustin Ulrich Nebert, Jana Post, Kerstin Reinke, Josephine Rocholl, Ingmar
Rothe, Beate Rues, Oleksandr Rudkivskyy, Tobias Sachse, Nele Saworski, Teresa Scheibe-Ahansal,
Irene Schirmacher, René Schmidt, Elisabeth Schönfeld, Ulrike Trebesius, Lucia Thaut, Olaf Um-
lauft, Uta Wallraff, Ilka Wiese, Helena Witschas, Duygu Yelegen, Anne Zarend sowie Studierende
der Sprechwissenschaft mehrerer Jahrgänge. Für ihre umfangreiche Mitarbeit an der Transkrip-
tion danken wir insbesondere Swetlana Nossok, Friderike Lange und Elena Travkina.
Wir danken Claudia Karbe, Sprecherin der Beispielwörter für die Audio-CD, sowie Friderike
Lange und Philipp Nawka für die Bearbeitung der Aufnahmen.
Dirk Meyer danken wir für die Gestaltung der Grafiken.
Unser ganz besonderer Dank gilt Peter Müller für die automatische Transkription, die Ver-
waltung sämtlicher Daten, die Aufnahme der DVD sowie insgesamt für seine umfangreiche Tä-
tigkeit und Unterstützung bei allen computertechnischen Belangen.
Für finanzielle Förderung danken wir
– dem Institut für Sprechwissenschaft und Phonetik an der Martin-Luther-Universität Halle-
Wittenberg,
– der Volkswagen-Stiftung,
– dem Max-Planck-Institut Nijmegen und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wis-
senschaften,
– der Vereinigung der Freunde und Förderer der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
e. V.,
– dem Verlag Walter de Gruyter.

Insbesondere danken wir Heiko Hartmann, dem verantwortlichen Cheflektor im Verlag de


Gruyter, für seine stete Förderung des Projektes.

Eva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders

Halle (Saale) im Juni 2009


Inhalt VII

Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . V
Verbreitung und Gliederung des Deutschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Transkription . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

A Die Standardaussprache in Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

1 Standardaussprache – Begriff und Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6


2 Geschichte, Grundsätze und Methoden der Ausspracheregelung in Deutschland . . . . 8
3 Struktur und Auswahl des Wortschatzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
4 Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache . . . . . . . . . 24
4.1 Vokale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
4.1.1 Distinktive Merkmale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
4.1.2 Quantität und Wortakzent . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
4.1.3 Vokalverbindungen innerhalb der Silbe . . . . . . . . . . . . . . . . 26
4.1.4 Phonem-Graphem-Beziehungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
4.2 Konsonanten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
4.2.1 Distinktive Merkmale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
4.2.2 Besonderheiten und Probleme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
4.2.3 Phonem-Graphem-Beziehungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
4.2.4 Auftretensbeschränkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
4.3 Morpheme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
4.3.1 Freie Morpheme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
4.3.2 Gebundene Morpheme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
4.3.2.1 Morpheme vor dem Stamm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
4.3.2.2 Morpheme nach dem Stamm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
4.4 Silben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
4.4.1 Silbenschemata und Konsonantenverbindungen . . . . . . . . . . . 35
4.4.2 Silbengrenzen und Vokalquantität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
4.5 Wörter und Wortgruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
4.5.1 Akzentuierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
4.5.1.1 Prinzipien und Grundregeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
4.5.1.2 Akzentzusammenstoß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4.5.1.3 Rhythmisch bedingte Nebenakzente . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4.5.1.4 Variation von Akzentmustern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4.5.2 Rhythmisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
4.5.3 Melodisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
5 Ausspracheregeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
5.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
5.2 Akzentuierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
5.2.1 Wortakzentuierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
5.2.1.1 Einfache deutsche Wörter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
VIII Vorwort

5.2.1.2 Einfache fremde Wörter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47


5.2.1.3 Komposita aus deutschen und/oder fremden Wörtern . . . . . . . . 47
5.2.2 Akzentuierung in Wortgruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
5.3 Koartikulation und Assimilation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
5.3.1 Koartikulation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
5.3.2 Assimilation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
5.4 Aussprache der Vokale/Diphthonge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
5.4.1 Kennzeichnung der Artikulationsmerkmale . . . . . . . . . . . . . . 51
5.4.2 Allgemeine Ausspracheregeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
5.4.2.1 Der Glottisschlageinsatz (Glottisplosiv) . . . . . . . . . . . . . . . . 52
5.4.2.2 Quantität und Qualität der Vokale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
5.4.3 i-Laute [iÉ I i C] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
5.4.4 e-Laute [eÉ E e EÉ] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
5.4.5 a-Laute [aÉ a] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
5.4.6 ü-Laute [yÉ Y y y*] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
5.4.7 ö-Laute [PÉ { P] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
5.4.8 u-Laute [uÉ U u u8] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
5.4.9 o-Laute [oÉ O o O8] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
5.4.10 Schwa-Laut [«] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
5.4.11 Nasalierte Vokale [E)É E) ¨É ¨ A)É A) o)É o)] in Wörtern
aus dem Französischen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
5.4.12 Diphthong [aE8] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
5.4.13 Diphthong [aO8] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
5.4.14 Diphthong [OÎ] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
5.5 Aussprache der Konsonanten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
5.5.1 Kennzeichnung der Artikulationsmerkmale . . . . . . . . . . . . . . 73
5.5.2 Allgemeine Ausspracheregeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
5.5.2.1 Aspiration der Plosive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
5.5.2.2 Spannung (Fortis-/Lenis-Artikulation) und Stimmbeteiligung . . . . 76
5.5.2.3 Auslautverhärtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
5.5.2.4 Zusammentreffen gleicher Konsonanten nach
Präfixen und an Wortgrenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
5.5.3 Frikative [f v v9] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
5.5.4 Frikative [s z z9] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
5.5.5 Frikative [S Z Z(] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
5.5.6 ˚ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Frikative [ J J] . 83
5.5.7 Frikativ [x] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
5.5.8 r-Laute [å  å9 R r Œ ?] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
5.5.9 Hauchlaut [h] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
5.5.10 Plosive [p b b9] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
5.5.11 Plosive [t d d9] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
5.5.12 Plosive [k g g(] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
5.5.13 Lateral [l] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
5.5.14 Nasal [m] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
5.5.15 Nasal [n] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
5.5.16 Nasal [N] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
6 Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache . . . . . . . . . . . . . . 98
6.1 Bedingungen und Erscheinungsformen phonostilistischer Differenzierungen . 98
Inhalt IX

6.2 Phonostilistische Merkmale bei unterschiedlicher Sprechspannung


in verschiedenen öffentlichen Situationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
6.2.1 Standardaussprache mit hoher bis mittlerer
Artikulationspräzision . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
6.2.2 Standardaussprache mit sehr hoher Artikulationspräzision . . . . . . 102
6.2.3 Standardaussprache mit verminderter Artikulationspräzision . . . . 103
6.2.3.1 Vokalismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
6.2.3.2 Konsonantismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
6.2.4 Ausgewählte Aussprachetendenzen bei verschiedenen Graden
der Artikulationspräzision (Übersicht) . . . . . . . . . . . . . . . . 110
6.2.5 Häufige schwache Formen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
6.3 Standardaussprache und Gesang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
6.3.1 Sprechen und Singen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
6.3.2 Gesang in der Klassischen Musik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
6.3.3 Gesang in der Popularmusik und Volksmusik . . . . . . . . . . . . . 119
7 Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen . . . . . . . . . . . . 120
7.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120
7.2 Grundlagen der Eindeutschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122
7.3 Eindeutschung von Namen und Wörtern
ausgewählter Herkunftssprachen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
7.3.1 Arabisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126
7.3.2 Chinesisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
7.3.3 Dänisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133
7.3.4 Englisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138
7.3.5 Finnisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143
7.3.6 Französisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
7.3.7 Italienisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156
7.3.8 Neugriechisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162
7.3.9 Niederländisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167
7.3.10 Norwegisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171
7.3.11 Polnisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175
7.3.12 Portugiesisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181
7.3.13 Russisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
7.3.14 Schwedisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196
7.3.15 Slowakisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200
7.3.16 Spanisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206
7.3.17 Tschechisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211
7.3.18 Türkisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217
7.3.19 Ungarisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
8 Literatur (Auswahl) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223

B Die Standardaussprache in Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 229

1 Das österreichische Deutsch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .


. . . . . . 229
2 Zur Geschichte der Standardaussprache in Österreich . . . . . . . . . . .
. . . . . . 230
3 .
Der Gebrauch der Standardaussprache in Österreich und ihre Ausprägungen . . . . . 233
4 Allgemeines zur Standardaussprache in Österreich . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . 235
4.1 Gliederung, Akzeptanz, Materialgrundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235
X Vorwort

4.2 Die Silbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 236


4.3 Der Vokaleinsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 236
5 Die Kurz- und Langvokale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 237
5.1 Kurzes [i] – [u] – [y] und langes [iÉ] – [uÉ] – [yÉ] . . . . . . . . . . . . . . . . 237
5.2 Kurzes [E] – [O] – [{] und langes [eÉ] – [oÉ] – [PÉ] . . . . . . . . . . . . . . . 237
5.3 Die Realisierung von langem <ä> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 237
5.4 Kurzes [a] und langes [aÉ] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
5.5 Die Diphthonge [ae8] – [ao8] – [OP8] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
5.6 Nasalvokale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
5.7 Besondere Vokalverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
6 Die Konsonanten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
6.1 Die Plosive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
6.2 Die Frikative . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241
6.3 Die Liquide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243
6.3.1 Das <l> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243
6.3.2 Das <r> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 244
6.4 Assimilierungen und Tilgungen von Konsonanten . . . . . . . . . . . . . . . 245
7 Die unbetonten Nebensilben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245
7.1 Die <e>-hältigen Vorsilben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245
7.2 Die <e>-hältigen Nachsilben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246
7.3 Das Suffix <-ig> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247
8 Besondere Vokalquantitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247
9 Besondere Aussprachen von Fremdwörtern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248
10 Besondere Akzentuierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 249
11 Empfehlungen für eine österreichische Standardaussprache . . . . . . . . . . . . . . . 252
11.1 Akzentuierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252
11.2 Vokale/Diphthonge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252
11.2.1 Vokaleinsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252
11.2.2 Vokalquantität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252
11.2.3 Kurz- und Langvokale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253
11.2.4 Diphthonge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253
11.3 Konsonanten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253
11.3.1 Plosive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253
11.3.2 Frikative . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 254
11.4 Unbetonte Silben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255
11.5 Fremdwörter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255
12 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 256

C Die Standardaussprache in der deutschsprachigen Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . 259

Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259
1 Die Sprachsituation der Deutschschweiz . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259
1.1 Standardsprache und Dialekt . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259
1.2 Aussprachekonvention . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260
1.3 Nationale Varietäten . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261
2 Aussprachehinweise für die deutschsprachige Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . 261
2.1 Allgemeine Hinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261
2.2 Vokale und Diphthonge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262
Inhalt XI

2.2.1 Glottisschlag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262


2.2.2 Langvokale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262
2.2.3 Kurzvokale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262
2.2.4 a-Laute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263
2.2.5 Diphthonge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263
2.2.6 Vokalquantität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263
2.2.7 Übersicht zur Aussprache der Vokale . . . . . . . . . . . . . . . . . 264
2.3 Konsonanten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265
2.3.1 Intervokalische Konsonanten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265
2.3.2 Plosive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265
2.3.3 s-Laute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265
2.3.4 r-Laute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 266
2.3.5 ich- und ach-Laute und die Buchstabenverbindung <ch> . . . . . . 266
2.3.6 Der Buchstabe <h> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 266
2.3.7 Die Buchstabenverbindung <qu> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 266
2.3.8 Der Buchstabe <v> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267
2.3.9 Übersicht zur Aussprache der Konsonanten . . . . . . . . . . . . . . 267
2.4 Affixe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267
2.4.1 Die Präfixe <be-> und <ge-> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267
2.4.2 Die Präfixe <er->, <ver->, <zer-> und <her-> . . . . . . . . . . . . 268
2.4.3 Das Suffix <-e> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268
2.4.4 Die Suffixe <-en>, <-em> und <-el> . . . . . . . . . . . . . . . . . 268
2.4.5 Die Suffixe <-er>, <-ern>, <-ers> und <-ert> . . . . . . . . . . . . 268
2.4.6 Das Suffix <-ig> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268
2.4.7 Übersicht zur Aussprache der Affixe . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269
2.5 Aussprache fremder Wörter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269
2.5.1 Fremde Suffixe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269
2.5.2 Fremdwörter: Einzelfälle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 270
2.6 Akzentuierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 270
3 Wortliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 272
4 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277

Hinweise zum Gebrauch des Wörterverzeichnisses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278


Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280

Wörterverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283

Audio-CD

Internationales Phonetisches Alphabet (1. innere Einbandseite)


1

Verbreitung und Gliederung des Deutschen

Weltweit gibt es etwa 130 Millionen Menschen, die Deutsch als Muttersprache sprechen. In meh-
reren Ländern besitzt die deutsche Sprache den Rang einer nationalen Amtssprache, d. h. sie
wird im Parlament sowie in sonstigen staatlichen Institutionen, wie z. B. Verwaltung und Schu-
len, offiziell verwendet. Alleinige Amtssprache ist sie in Deutschland, Österreich und Liechten-
stein. In der Schweiz ist sie nationale Amtssprache neben Französisch und Italienisch sowie ne-
ben der regionalen Amtssprache Rätoromanisch. In Luxemburg ist sie nationale Amtssprache
neben Französisch und Letzeburgisch. Als regionale Amtssprache dient sie (neben Französisch)
in Ostbelgien und (neben Italienisch) in Südtirol. Deutschsprachige Minderheiten (mit Minder-
heitenrechten zur Pflege ihrer Muttersprache) gibt es in etwa 25 Staaten, dazu gehören Argen-
tinien, Australien, Brasilien, Dänemark, Frankreich, Israel, Kanada, Mexiko, Namibia, Polen,
Rumänien, Russland (und andere aus der Sowjetunion hervorgegangene Staaten), die Slowakei,
Südafrika, Tschechien, Ungarn, Uruguay und die USA.
Die deutsche Sprache ist nicht einheitlich, sondern durch vielfältige Varietäten gekennzeich-
net. Diese Teilsysteme von Sprachen unterscheiden sich, bei zahlreichen Übereinstimmungen,
durch konkrete Merkmale/Varianten voneinander. Die Unterschiede sind jedoch nicht so gravie-
rend und umfangreich, dass der Eindruck von verschiedenen Sprachen entstünde.
Regionale Varietäten z. B. weisen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine große
Vielgestaltigkeit auf. So gibt es Unterschiede zwischen dem Niederdeutschen im Norden, dem
Mitteldeutschen sowie dem Oberdeutschen im Süden. Innerhalb dieser großräumigen Gebiete
lassen sich klein- und kleinsträumige Dialektregionen unterscheiden. Die Landesgrenzen zwi-
schen Deutschland, Österreich und der Schweiz fallen dabei nicht mit Dialektgrenzen zusam-
men. So zeigt das in weiten Teilen Österreichs gesprochene Deutsch u. a. teilweise Übereinstim-
mungen mit dem Bairischen; an der alemannischen Dialektregion haben z. B. Dialekte, die in
Österreich, in der Deutschschweiz sowie in Deutschland gesprochen werden, einen Anteil. In-
wieweit die Bewohner kleinerer oder größerer Sprachregionen ihren Dialekt verwenden, hängt
von verschiedenen Faktoren ab, z. B. von dem Stellenwert des Dialekts in dieser Region, aber
auch von Beruf und sozialer Zugehörigkeit, von der kommunikativen Situation, von den Ge-
sprächspartnern, von den Äußerungsinhalten, von der eigenen Absicht sowie vom eigenen An-
spruch.
Insbesondere seit dem 19. Jahrhundert haben sich durch Ausgleichsvorgänge zwischen
Dialekten großräumige Umgangsvarietäten herausgebildet. Sie weisen in Deutschland und
Österreich fließende Übergänge zu den Dialekten, aber auch zur Standardaussprache auf. In der
Schweiz gibt es demgegenüber keine Umgangsvarietäten, es besteht vielmehr ein Nebeneinander
von Standardaussprache und Dialekten (Diglossie).
Neben den verschiedenen regionalen Varietäten lassen sich für das Deutsche auch überregio-
nale Standardvarietäten unterscheiden. Diese umfassen übergreifend die geschriebenen und die
gesprochenen Formen. Zu Letzteren gehört die Standardaussprache, die Gegenstand dieses
Wörterbuches ist.
Da sich das Deutsche zu einer plurizentrischen Sprache entwickelt hat, bildeten sich jeweils
eigene Standardvarietäten (und damit Standardaussprachen) in Deutschland, Österreich und
der Deutschschweiz heraus. Sie sind jedoch z. T. auch über die eigenen Landesgrenzen hinaus im
2 Verbreitung und Gliederung des Deutschen

Gebrauch. Das »Deutsche Aussprachewörterbuch« beschreibt diese drei Varietäten, und zwar in
Teil A und im Wörterverzeichnis für Deutschland, in Teil B für Österreich und in Teil C für die
Deutschschweiz. Dabei werden auch stilistische Differenzierungen der Standardaussprachen
dargestellt, wie sie sich, bei fließenden Übergängen, vor allem in unterschiedlichen Graden der
Artikulationspräzision zeigen. Darüber hinaus geht es für Österreich auch um regionale und so-
ziolektale Varianten. Weitere Differenzierungen innerhalb der Standardaussprache(n), so emo-
tionaler und idiolektaler Art, berücksichtigt das »Deutsche Aussprachewörterbuch« demgegen-
über nicht.
Transkription 3

Transkription

Im »Deutschen Aussprachewörterbuch« wird nach der aktuellen IPA-Tafel transkribiert (Inter-


nationales Phonetisches Alphabet). Die folgende Übersicht enthält die Zeichen für die Tran-
skription deutscher und eingedeutschter Namen und Wörter, die im Teil A und im Wörterver-
zeichnis verwendet werden:

VOKALE c1
iÉ Stil StiÉl u8 Linguist lINgu8"Ist
I Stille St"Il« oÉ Oder "oÉdŒ
i Filet fil"eÉ O Osten "Ostn`
C Nation natsC"oÉn o Olive ol"iÉv«
eÉ Beet beÉt O8 Toilette tO8al"Et«
E Bett bEt OÉ Shaw SOÉ
e Eleganz eleg"ants « Beruf b«å"uÉf
EÉ Gerät g«å"EÉt ? Uhr uÉ?
aÉ Maß maÉs Œ Vater f"aÉtŒ
a Masse m"as« A)É Blanc blA)É
yÉ Güte g"yÉt« A) Cambrai kA)bå"EÉ
Y Hütte h"Yt« E)É Gratin gåat"E)É
y Büro byå"oÉ E) Impromptu E)på9o)t"yÉ
y* Libyen l"iÉby*«n o)É Chanson SA)s"o)É
PÉ Böhmen b"PÉm«n o) Bonmot bo)m"oÉ
{ Löffel l"{f+ ¨É Verdun vEd"¨É
P Ödem Pd"eÉm ¨ Lundy l¨d"iÉ
uÉ Buch buÉx aO8 Bau baO8
U Bucht bUxt aE8 Eis aE8s
u Duell du"El OÎ Leute l"OÎt«
4 Transkription

KONSONANTEN

f Feld fElt  Art aÉt


v Welt vElt h Hand hant
v9 Quelle kv9"El« p Post pOst
s Pass pas b Bahn baÉn
z Sohn zoÉn b9 Hausbau h"aO8sb9aO8
z9 Absage "apz9aÉg« t Ton toÉn
T Southampton saO88T"Emptn` d Dom doÉm
D Worthington v"{É?DINtn` d9 aufdrehen "aO8fd9åeÉ«n
S Schiff SIf k Kabel k"aÉb+
Z Gelee Zel"eÉ g Gabe g"aÉb«
Z( Obstgelee "oÉpstZ(el®eÉ g( Aufgabe "aO8fg(aÉb«
 Becher b"EΠl Land lant
J Jahr JaÉ m Mai maE8
J˚ Schaltjahr ˚
S"altJaÉ n Not noÉt
x Fach fax N Hang haN
å Rand åant ³ Beamte b«"³amt«
å9 Freitag få9"aE8taÉk

Hinzu kommen in den eingedeutschten Namen und Wörtern weitere Zeichenkombinationen,


z. B. [u8a] in ital. Gualtiero.

DIAKRITIKA

" Akzent in Wort oder Wortgruppe Vater f"aÉtŒ


mein Vater maE8n f"aÉtŒ
Æ Nebenakzent in Wort oder Wort- Halbvokal h"alpv9ok®aÉl
gruppe ein halbvolles Glas aE8n h®alpfOl«s g(l"aÉs
… Länge des Vokals Beet beÉt
8 Unsilbigkeit des Vokals Bein baE8n
) Nasalierung des Vokals Jean ZA)É
9( Entstimmlichung von Konsonan- Absage "apz9aÉg«
ten Schaltjahr ˚
S"altJaÉ
`" Silbigkeit von Konsonanten Rätsel å"EÉts+
liegen l"iÉg>
ÿ ¡ verschliffene Silben- bzw. Wort- heiß servieren haE8s ¡ z9Ev"iÉå«n
grenze Landtag l"ant¥taÉk
Transkription 5

Anmerkungen:
1. Das Akzentzeichen wird vor den akzentuierten Vokal, nicht – wie sonst üblich – vor die
akzentuierte Silbe gesetzt, da im Deutschen der Akzentvokal immer eindeutig bestimmbar
ist, nicht aber die Silbengrenze. Sie liegt nach kurzen Vokalen innerhalb des folgenden ambi-
syllabischen, d. h. zu beiden Silben gehörenden Konsonanten, z. B. in kassieren, Neuruppin.
Da das in der Transkription nicht angezeigt werden kann, wird [kas"iÉå«n], [nOÎåUp"iÉn]
transkribiert. Dies ist auch in Zusammensetzungen und Wortgruppen beim Zusammen-
treffen gleicher Konsonanten der Fall, z. B. Hunderttausend [hUndŒt¥t"aO8zn`t], mein Name
[maE8n ¥ n"aÉm«].
2. Der Glottisschlag wird im absoluten vokalischen Wortanlaut nicht transkribiert, z. B. Abend
["aÉbËt]. Er wird nur im vokalischen Silbenanlaut nach Präfixen sowie in Zusammensetzun-
gen und Wortgruppen angegeben, z. B. beantworten [b«"³antv9Otn`], am Abend [am "³aÉbËt],
Sonnabend [z"On³aÉbËt].
3. Lange Vokale können in nichtakzentuierter Position stark verkürzt werden, das diakritische
Zeichen [É] wird jedoch beibehalten, unabhängig von der Akzentposition und von möglichen
Kürzungen.
4. Ein hochgestelltes Transkriptionszeichen signalisiert eine Abschwächung der Artikulation.
5. [å] wird – wegen der optischen Nähe zum Schriftzeichen <R> – für den velaren Frikativ ver-
wendet (statt [V]).

In den Teilen B und C sowie in den Abschnitten zur Eindeutschung von Namen und Wörtern
ausgewählter Herkunftssprachen (vgl. Kap. A. 7.3) werden weitere Zeichen des Internationalen
Phonetischen Alphabets (siehe vordere innere Einbandseite) genutzt.
6 Die Standardaussprache in Deutschland

A Die Standardaussprache in Deutschland

A. 1 Standardaussprache – Begriff und Funktionen


Die Standardaussprache – früher auch als »allgemeine Hochlautung« bezeichnet – steht in enger
Beziehung zum standardsprachlichen (früher: »hochsprachlichen«) Gebrauch von Wortschatz,
Grammatik und Schreibung. Sie ist die mündliche Form der Standardvarietät in der Bundes-
republik Deutschland, verfügt in geografischer und sozialer Hinsicht über eine weite Geltung
und wird insbesondere durch die elektronischen Medien verbreitet. Die Standardaussprache
kann von jedem Muttersprachler verstanden werden und hat sich als funktionstüchtig und kom-
munikationsgünstig erwiesen. Sie besitzt ein hohes Prestige, da sie besonders in öffentlichen
und/oder offiziellen Situationen genutzt bzw. erwartet wird.
Darüber hinaus wird die Standardaussprache vielfach auch in nicht öffentlichen Situationen
gebraucht, und zwar sowohl beim reproduzierenden Sprechen (Vorlesen) als auch beim freien
Sprechen. Ihr Anwendungsgebiet reicht damit von der feierlichen Rede in großen Räumen bis
zum Gespräch zwischen wenigen Kommunikationspartnern. Dieser breiten Verwendungsfähig-
keit entspricht ihre stilistische Vielfalt. Die phonostilistischen Differenzierungen zeigen sich vor
allem in unterschiedlichen Graden der Artikulationspräzision. Dialektale oder regional gefärbte
umgangssprachliche Realisationen gehören jedoch nicht zur Standardaussprache.
Als spezielles Merkmal von Standardvarietäten und damit auch der jeweiligen Standardaus-
sprache gilt des Weiteren, dass sie meist schriftlich in Regelwerken festgelegt sind, d. h. sie sind
kodifiziert. Bei solchen Kodifikationen handelt es sich um explizite, formulierte, gesetzte Nor-
men. Sie sind von den impliziten, nicht formulierten Normen zu unterscheiden, die sich im
Kommunikationsprozess intern im Bewusstsein der Sprechenden/Hörenden herausgebildet ha-
ben und entscheidend ihre Erwartungen prägen. Diese wirken ihrerseits auf den Sprechgebrauch
zurück, indem bestimmte Aussprachevarianten – situationsbezogen – akzeptiert oder abgelehnt
werden. Kodifikationen müssen folglich sowohl den sich wandelnden Sprechgebrauch als auch
die sich wandelnden Erwartungen vom Sprechgebrauch berücksichtigen, wenn sie als gültige
Norm anerkannt sein wollen. Das erfordert zugleich, den Sprechgebrauch und seine Akzeptanz
regelmäßig durch neue empirische Untersuchungen zu überprüfen und die Kodifikation ent-
sprechend zu überarbeiten.
Implizite, nicht formulierte, interne Normen, die u. a. auch als gedankliche Übereinkünfte
bzw. Konventionen bezeichnet werden, sind hinsichtlich aller Varietäten von Sprachen wirksam,
so z. B. gleichermaßen bezogen auf Dialekte wie auf die Standardaussprache; anderenfalls wäre
eine erfolgreiche Kommunikation im Rahmen der jeweiligen Varietät beeinträchtigt. Explizite,
formulierte, kodifizierte Normen gehören demgegenüber nur der Standardaussprache zu.
Kodifikationen der Aussprache sind schließlich von reinen Deskriptionen zu unterscheiden.
Diese stellen genaue Beschreibungen der Sprechweise auch von Nonstandardvarietäten (z. B. von
Dialekten) dar, besitzen aber keine regulierende, präskriptive Funktion. Deskriptionen des
Sprechgebrauchs der Standardaussprache sind jedoch notwendige Vorstufen für den Prozess der
Kodifizierung/Normierung, der sich an den deskriptiv erfassten Varianten orientiert.
Aufgrund der Erwartungen der Hörenden ist die kodifizierte Standardaussprache für die
Gruppe der Berufssprecher im engeren Sinn in hohem Maße verbindlich. Das betrifft z. B. Spre-
Standardaussprache – Begriff und Funktionen 7

cher in den elektronischen Medien in Sendungen mit überregionaler Orientierung, Sprecher


(Schauspieler, Rezitatoren) solcher künstlerischer Texte, die eine hohe Artikulationspräzision er-
fordern, ebenso Lehrende im Bereich Deutsch als Fremdsprache, Sänger und Gesangspädagogen,
sprachheiltherapeutisch und -pädagogisch Tätige sowie letztlich alle diejenigen, die diese Berufs-
sprecher/-sänger auf phonetischem, rhetorischem und (sprech)künstlerischem Gebiet ausbilden.
Als Empfehlung mit größerer Normtoleranz dient die Kodifikation demgegenüber Berufs-
sprechern im weiteren Sinn, wie z. B. Persönlichkeiten, die in Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft
und Politik in der Öffentlichkeit wirken, sowie Pädagogen aller Fachrichtungen und in allen
Institutionen. Sofern diese Berufssprecher die Absicht haben, die Standardaussprache zu ge-
brauchen, können sie die Ausspracheregelung als Orientierung nutzen. Dies trifft auch auf alle
Nichtberufssprecher zu, die sich aus unterschiedlichen Gründen für die Standardaussprache in-
teressieren oder sie verwenden wollen.
Die kodifizierte Standardaussprache weist damit einen unterschiedlichen Grad an Verbind-
lichkeit auf. Negative Sanktionen bei Nichtbefolgung bleiben jedoch meist begrenzt. Im Gegen-
satz zu Regelungen für den Gebrauch der geschriebenen Sprache (vgl. Grammatik, Orthografie)
stellt die Kodifikation der Standardaussprache keine strenge, in jedem Fall verpflichtende Vor-
schrift dar. Soll sie allerdings ihre Funktionen als Empfehlung, Korrektiv oder auch als Präskrip-
tion erfüllen, dann ist sie in hohem Maße darauf angewiesen, von den potenziellen Nutzern
akzeptiert zu werden, d. h. ihre Befolgung muss als kommunikations- und prestigefördernd er-
kannt worden sein.
Die Standardaussprache ist so vor allem durch folgende Merkmale charakterisiert:
x Sie ist dialektneutral und enthält keine regional gefärbten umgangssprachlichen Formen.
x Sie wird überregional und in allen sozialen Gruppen verstanden und verfügt damit über eine
weite Geltung.
x Sie wird besonders in offiziellen öffentlichen Situationen genutzt bzw. erwartet.
x Ihre Verwendung ist in solchen Situationen prestigefördernd.
x Sie ist durch unterschiedliche Grade der Artikulationspräzision (phonostilistische Differen-
zierungen) gekennzeichnet, die ihre Anwendung auch im nicht öffentlichen Bereich ermög-
lichen.
x Sie ist kodifiziert und kann somit als explizite Norm regulative Funktionen erfüllen.
x Ihre Kodifikation berücksichtigt den erwarteten und den realen Sprechgebrauch, der ständi-
ger Überprüfung bedarf.
x Die kodifizierte Norm ist in unterschiedlichem Maß verbindlich. Ihre Nichtbefolgung kann
unter bestimmten Bedingungen negative Sanktionen auslösen.

Die Standardaussprache zeigt vielfältige Übergänge zu umgangssprachlichen Realisationen, so


insbesondere bei ihrer Verwendung im nicht öffentlichen, privaten Bereich. Diese Übergangsfor-
men werden im »Deutschen Aussprachewörterbuch« bei der Beschreibung der Standardausspra-
che für Deutschland (Teil A) sowie im Wörterverzeichnis nicht berücksichtigt. (Zu dem teilweise
speziellen Verständnis von Standardaussprache, wie es sich für Österreich und die Schweiz he-
rausgebildet hat, vgl. die Teile B und C).
8 Die Standardaussprache in Deutschland

A. 2 Geschichte, Grundsätze
und Methoden der Ausspracheregelung in Deutschland

Der Jahrhunderte währende Prozess des Werdens, der gesellschaftlichen Anerkennung und der
Verbreitung der deutschen Sprache war zunehmend von Bestrebungen zu ihrer Vereinheitlichung
und Pflege begleitet, die von unterschiedlichen sozialen Gruppen, Persönlichkeiten und Institu-
tionen getragen wurden. Diese Bestrebungen, die vielfältige Ausgleichsprozesse beförderten und
unterstützten, bezogen sich zunächst vor allem auf das geschriebene, nach und nach aber auch auf
das gesprochene Wort. Nicht zuletzt spielte die Frage nach dem Verhältnis beider Realisationswei-
sen zueinander oftmals eine große Rolle, zumal es unterschiedlich interpretiert wurde. Nach viel-
fältigen Vorüberlegungen und Vorarbeiten gab es insbesondere seit dem 18. und 19. Jahrhundert
zunehmend Bemühungen, die Aussprache einer bereits relativ einheitlichen (hoch)sprachlichen
Form des Geschriebenen durch schriftlich fixierte Empfehlungen zu regeln.
Dieser Prozess erhielt im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts einen zusätzlichen Impuls, als
es in der Folge der Reichsgründung von 1871 um eine vereinheitlichende amtliche Regelung der
Orthografie ging, die für das ganze Reich Gültigkeit haben sollte. Sie wurde nach wiederholtem
Anlauf schließlich 1901 erreicht und zu diesem Zeitpunkt auch von Österreich und der Schweiz
übernommen. Der Name Konrad Duden ist mit dieser Entwicklung bis heute eng verbunden. Es
lag also nahe, parallel zur Festlegung der Schreibung ebenso eine vereinheitlichende Kodifizie-
rung der Aussprache erlangen zu wollen.
Die Vorstellungen darüber, wie eine solche Regelung der Aussprache zu erreichen sei, diffe-
rierten allerdings. In der Hauptsache spielten gegen Ende des 19. Jahrhunderts folgende Ansatz-
punkte eine Rolle, die jedoch alle ihre historischen Vorläufer hatten:
(a) der Bezug auf die Sprechweise in einer einzelnen Region,
(b) der Bezug auf die Aussprache der Gebildeten in verschiedenen Regionen sowie
(c) der Bezug auf die Aussprache in einem bestimmten Anwendungsbereich – auf der Bühne.

Zu (a)
Noch an der Schwelle zum 20. Jahrhundert gab es Versuche, die Sprechweise in einer be-
stimmten, ausgewählten Region zu favorisieren und diese als Grundlage einer Regelung für
ganz Deutschland zu empfehlen. Eine solche Auffassung vertrat z. B. der damalige Vorsit-
zende des Deutschen Sprachvereins in Stuttgart Karl Erbe mit seiner Schrift »Fünfmal sechs
Sätze über die Aussprache des Deutschen« (1897), in der er dem Schwäbischen diese Funktion
zuschrieb. Diese und ähnliche Auffassungen wurden an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhun-
dert im Allgemeinen Deutschen Sprachverein teilweise kontrovers diskutiert. Sie konnten sich
letztlich nicht durchsetzen, da es in Deutschland kein ausgeprägtes geistig-kulturelles und
politisches Zentrum wie in anderen Ländern gab, das in Aussprachefragen überall als bei-
spielgebend anerkannt worden wäre.

Zu (b)
Bei diesem Ansatz ging es darum, die Aussprache der Gebildeten in verschiedenen Regionen
Deutschlands zu ermitteln und die auftretenden Unterschiede zu einer überregional gültigen
Kodifizierung zu vereinen. Diese Bemühungen beruhten weitgehend auf einem wissenschaft-
lichen Fundament, das durch die Entwicklung der Phonetik im 19. Jahrhundert geschaffen
worden war.
Ein für die Orthoepie wichtiger Vertreter dieser Richtung war der Phonetiker Wilhelm
Viëtor. Die wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden seiner Zeit nutzend, versandte er in
Geschichte, Grundsätze und Methoden der Ausspracheregelung in Deutschland 9

verschiedene Regionen Fragebögen, die er von ausgewählten, gebildeten Personen ausfüllen


ließ. Neben der ortsüblichen Aussprache der Laute interessierten ihn u. a. Artikulationsbasis,
Redetempo und Akzentfragen, und zwar beim Vorlesen, im familiären Gespräch der Gebil-
deten sowie in einer stärker dem Dialekt verbundenen Aussprache. Auch wenn die Berichte
der befragten Laien eine unterschiedliche Qualität aufwiesen, zeigten sie dennoch eine Reihe
konkreter Ausspracheformen, die tendenziell auf heutige Untersuchungsergebnisse verwei-
sen. Dies betrifft teilweise z. B. den r-Laut, die Elision des Schwa-Lautes in den unbetonten
Endungen <-en, -em, -el> oder auch die Aspiration der Plosive. Viëtor diskutierte die Ver-
wendung reduzierter Formen ausführlich in seiner Aussprachelehre, die 1885 in erster Auf-
lage unter dem Titel »Die Aussprache der in dem Wörterverzeichnis für die deutsche Recht-
schreibung zum Gebrauch in den preußischen Schulen enthaltenen Wörter« erschienen ist.
Sie wurde vor allem unter ihrem späteren Titel »Die Aussprache des Schriftdeutschen« be-
kannt und enthielt bereits in der ersten Auflage ein Wörterverzeichnis mit rund 4000 tran-
skribierten Beispielen. »Die Aussprache des Schriftdeutschen« kann als erstes systematisch
angelegtes, wissenschaftlich fundiertes Regelwerk für die deutsche Aussprache angesehen
werden. Das Buch erschien bis 1941 in 13 Auflagen, die nach dem Tod Viëtors (1918) von Ernst
A. Meyer besorgt wurden.
Obwohl sich Viëtor in dieser Schrift zunächst – zeitbedingt – auf eine Orthografie-Regelung
für Preußen bezog und damit eine Vereinheitlichung der Aussprache in preußischen Schulen
im Blick hatte, wollte er mit seinen Ausspracheempfehlungen dazu beitragen, »dass eine
reine, des geeinten Deutschlands würdige Aussprache, wie auf der Bühne, so auch in der
Schule, in der Kirche und überall sonst zur Geltung kommt, wo nicht engerer Verkehr der
Mundart ihr Recht sichert« (Viëtor 1885, IV). Entsprechend diesem Grundsatz übernahm er
die in der Aussprachelehre diskutierten Lautreduktionen in sein Wörterverzeichnis nicht.
Dieses enthielt vielmehr Empfehlungen, die der stark verdeutlichenden Aussprache auf der
Bühne gerecht werden sollten. Denn allein die »Bühnensprache« verstand er »als Norm«
(Viëtor 1885, 7; 1941, 12). Hiermit im Einklang steht seine spätere Unterstützung der von
Theodor Siebs kodifizierten Bühnenaussprache.
Viëtors Grundkonzeption wurde in allen Auflagen der »Aussprache des Schriftdeutschen«
beibehalten. Sinngemäß findet sie sich ebenso in seinem erstmals 1912 erschienenen »Deut-
schen Aussprachewörterbuch«, das zuletzt 1931 in 4. und 5. Auflage herausgekommen ist.
Es enthielt keine Aussprachelehre, dafür aber ein umfangreiches Wörterverzeichnis mit ca.
35.000 Stichwörtern, die Viëtor bereits seit der 1. Auflage von 1912 nach dem Internationalen
Phonetischen Alphabet (IPA) transkribiert hat. Reduktionen und Assimilationen der Laute
wurden auch in dieses Wörterverzeichnis nicht aufgenommen.

Zu (c)
Den Status einer weithin als verbindlich angesehenen Aussprachenorm erlangte nicht Viëtors
Kodifikation, sondern eine Regelung, in der als Ausgangspunkt der Bezug auf die Bühnen-
aussprache gewählt wurde.
Seit der Herausbildung der deutschen Nationalliteratur hatte das Interesse an der Aussprache
der Schauspieler zugenommen. Am bekanntesten sind Goethes »Regeln für Schauspieler«
(1803/1824). Hierin heißt es einleitend: »Wenn mitten in einer tragischen Rede sich ein Pro-
vinzialismus eindrängt, so wird die schönste Dichtung verunstaltet und das Gehör des Zu-
schauers beleidigt«.
Die Schauspieler, die aus den verschiedensten Regionen stammten, aber auch in anderen
Gebieten verständlich sein mussten, waren seit jeher in ihrer Lautung auf Ausgleich bedacht
gewesen. So war es für sie aus beruflichen Gründen notwendig, Regionalismen in der Aus-
10 Die Standardaussprache in Deutschland

sprache weitgehend zu vermeiden. Diese Bestrebungen verstärkten sich seit der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts, als es um ihre Sprechweise in klassischen Theaterstücken ging.
Goethes Bemühungen setzten sich so im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts fort, indem
vor allem Theaterleute eine zunehmende Vereinheitlichung der Aussprache der Schauspieler
forderten und für diese Berufsgruppe einzelne Ausspracheempfehlungen vorlegten. In der
Praxis gewannen neben dem Theater im 19. Jahrhundert zusätzlich die Deklamierklubs
an Bedeutung, in denen die Aussprache ebenfalls mit vereinheitlichender Tendenz realisiert
wurde. Die Aussprache der Schauspieler und Deklamatoren, die zwar noch nicht einheitlich
war – denn es gab keine umfassenden, verbindlichen Richtlinien – wies somit bei relativer
Stabilität gegen Ende des 19. Jahrhunderts dennoch bereits einen hohen Grad an Überregio-
nalität auf, wie ihn sonst die Sprechwirklichkeit nicht zeigte.
Es war schließlich der Germanist Theodor Siebs, der die Sprechweise von Schauspielern als
Kodifizierungs- bzw. Normierungsgrundlage für die Erarbeitung einer Ausspracheregelung
wählte.

Im 20. Jahrhundert erschienen darüber hinaus weitere Aussprachekodifizierungen. Im Folgen-


den werden die wichtigsten Regelungen skizziert.

Zum »Siebs«

Theodor Siebs hatte 1896 nach Anfragen bei einigen bedeutenden Theatern die Bestätigung er-
halten, dass eine ausgleichende Regelung der Bühnenaussprache wünschenswert und notwendig
ist. Für die Verwirklichung seines Projektes sicherte er sich sodann die Unterstützung des Deut-
schen Bühnenvereins und der Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner sowie von
deren jeweils einflussreichsten Vertretern. Neben namhaften Angehörigen des Deutschen Büh-
nenvereins konnte er so die führenden Wissenschaftler Eduard Sievers (Leipzig) und Karl Luick
(Graz) als Mitarbeiter gewinnen. Dieses Gremium beriet 1898 über das Projekt, wobei auch die
Wissenschaftler Wilhelm Viëtor (Marburg) und Joseph Seemüller (Innsbruck) das Vorhaben
durch schriftliche Stellungnahmen unterstützten. Die Ergebnisse der Beratungen wurden von
Theodor Siebs 1898 unter dem Titel »Deutsche Bühnenaussprache« herausgegeben.
Diese 1. Auflage des Regelwerkes enthielt neben einleitenden Beiträgen von Siebs und Sievers
in ihrem Hauptteil eine zusammenhängende Aussprachelehre. Ein Wörterverzeichnis mit tran-
skribierten Beispielen war noch nicht beigefügt.
Bereits ebenfalls 1898 beschloss der Deutsche Bühnenverein in einer Generalversammlung, die
Regeln den Bühnen als Richtschnur für die deutsche Aussprache zu empfehlen. Damit wurde die
Gültigkeit der Kodifizierung gleichsam institutionell abgesichert. Durch die zusätzliche Vermitt-
lung der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (1908) erhielt das Buch, entsprechend dem
besonderen Wunsch der Schauspieler, in den nachfolgenden Auflagen ein Wörter- und Namens-
verzeichnis.
Siebs nannte als ersten Grundsatz für die Regelung, dass nicht eine neue Aussprache vor-
geschrieben, sondern der bestehende Gebrauch festgestellt werden sollte. Nach seinem Bericht
ermittelte er somit während der Vorstellungen den Sprechgebrauch der Schauspieler im klassi-
schen Versdrama an bedeutenden deutschen Bühnen. Auf dieser Basis wurden ausgleichende Re-
geln formuliert, in denen es um die Artikulation des Einzelwortes bei höchster Deutlichkeit und
Fernwirkung ging. Lautreduktionen und Assimilationen wurden nicht einbezogen, da sie sich
bei verminderter Sprechspannung nach Auffassung von Siebs von selbst einstellen. 1908 befragte
Siebs zusätzlich die Schauspieler zu der Kodifizierung. Er traf auf eine positive Resonanz und si-
Geschichte, Grundsätze und Methoden der Ausspracheregelung in Deutschland 11

cherte sich so zunächst weitgehend die Akzeptanz der Regelung durch jene Berufsgruppe, für die
die Kodifizierung ursprünglich vor allem hilfreich sein sollte.
Gleichzeitig mehrten sich jedoch die Stimmen, die forderten, die »Deutsche Bühnenausspra-
che« auch für Bereiche außerhalb des Theaters als maßgebliche Regelung anzuerkennen, so z. B.
für die Schule. Eine solche Erweiterung ihres Geltungsbereiches wurde deklariert, als mit der
13. Auflage von 1922 das Werk als Zusatz den umfassenderen Titel »Hochsprache« erhielt. Die Re-
gelung selbst blieb im Grundsätzlichen jedoch unverändert. Der Anspruch aber, eine ausschließ-
lich auf ein exponiertes Anwendungsgebiet zugeschnittene Kodifizierung und damit eine über-
deutliche Sprechweise allgemein als richtungweisend zu erklären, stieß in der Fachwelt vielfach
auf Ablehnung und Widerspruch.
Diese Problematik war jedoch nicht nur Gegenstand der Diskussion, die den »Siebs« jahr-
zehntelang begleitete, sondern sie hatte vor allem zur Folge, dass die Praktikabilität der Regelung
eingeschränkt war (zur besonderen Rezeptionsgeschichte des »Siebs« in Österreich vgl. Teil B).
Denn insbesondere der Rundfunk verlangte seit Mitte der 1920er-Jahre dringend nach einer
neuen Übereinkunft. Theodor Siebs konnte allerdings mit seiner 1931 als Handschrift gedruckten
»Rundfunkaussprache« diesen Bedarf nicht abdecken, denn die »Rundfunkaussprache« unter-
schied sich hinsichtlich der Grundauffassung nicht vom bisherigen »Siebs«, sondern führte
lediglich im Wörterverzeichnis schwerpunktmäßig fremde Wörter und Namen auf. Da jedoch
auch in den folgenden zwei Jahrzehnten – während der Zeit des Nationalsozialismus – trotz
unterschiedlicher Versuche anderer Autoren keine brauchbare Regelung erschien, die das Defizit
des »Siebs« hätte überwinden können, blieb weiterhin der »Siebs«, der seit 1930 in 15. Auflage
vorlag, die einzige als verbindlich angesehene Kodifizierung der Aussprache.
Einige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges initiierte der Deutsche Ausschuss für Sprech-
kunde und Sprecherziehung – Theodor Siebs war 1941 gestorben – Bemühungen um eine Neu-
auflage des Regelwerkes. Es wurde ein Arbeitsausschuss gebildet, dem auch die Vertreter der
Sprechwissenschaft an den Universitäten Jena und Halle, Irmgard Weithase und Hans Krech,
1953 detaillierte Vorschläge zur grundsätzlichen Neubearbeitung des »Siebs« unterbreiteten.
Diese Vorschläge, deren Realisierung umfangreiche empirische Untersuchungen des aktuellen
Sprechgebrauchs erfordert hätten, ließen sich aus Sicht des Arbeitsausschusses jedoch nicht ver-
wirklichen und gegenüber den neuen Herausgebern des »Siebs«, Helmut de Boor und Paul Diels,
nicht durchsetzen. Sie wurden daher auch in der späteren Beratung des Erweiterten Siebs-Aus-
schusses, in der die Richtlinien für die Neubearbeitung festgelegt wurden, nicht berücksichtigt.
Die 16. Auflage des »Siebs« erschien 1957 folglich hinsichtlich der Grundposition unverän-
dert. Entsprechend heißt es: »Bewußt und wohlüberlegt ist die Regelung der alten Bühnen-
aussprache im wesentlichen unverändert beibehalten worden …« (Siebs 1957, 6). Ungeachtet
dessen wurde jedoch der Anspruch auf größte Allgemeingeltung bekräftigt, indem die Regelung
die Bezeichnung »Deutsche Hochsprache« nunmehr als übergreifenden Titel erhielt.
Eine deutliche Veränderung des »Siebs« brachte schließlich die 19. Auflage von 1969 (heraus-
gegeben von Helmut de Boor, Hugo Moser und Christian Winkler). Aber auch sie konnte –
obwohl beabsichtigt – den genannten Widerspruch zwischen idealisierender Kodifikation und
praktischer Verwendbarkeit nicht lösen. So wurde zum einen die ursprüngliche Regelung für die
Bühne als »ideale Höchstnorm« (Siebs 1969, Vorwort) unverändert beibehalten und nunmehr
als »reine Hochlautung« oder auch als »Idealnorm der reinen Hochlautung« (ebd., 6) bezeich-
net. Zum anderen wurde zwar ergänzend eine gemäßigte Hochlautung beschrieben, welche die
»verwirklichte Ideallautung« sei (ebd., 7), ohne dass diese jedoch einem solchen Anspruch genü-
gen konnte. Denn für eigene phonetische Untersuchungen jener verwirklichten Ideallautung
werden im »Siebs« keine Belege angeführt, und auch entsprechende Forschungsergebnisse,
wie sie vor allem an der Universität Halle erarbeitet worden waren, nutzte der »Siebs« nur teil-
12 Die Standardaussprache in Deutschland

weise und inkonsequent. Die gemäßigte Hochlautung wurde vielmehr lediglich »in vielen Bera-
tungen erarbeitet« (Siebs 1969, 15). Diese Sachlage kennzeichnet den »Siebs« auch in den noch
folgenden Ausgaben, die als unveränderte Nachdrucke der 19. Auflage erschienen sind.

Zum »Wörterbuch der deutschen Aussprache« (WDA)

Das Scheitern der Bemühungen um eine grundsätzliche Neubearbeitung des »Siebs« (1953)
führte dazu, dass die Fachvertreter der Universitäten Jena und Halle eine eigenständige Kodifi-
zierung entwickelten.
1953 hatte Irmgard Weithase (Jena) im Rahmen eines Forschungsauftrages zum Thema »Die
Normierung der deutschen Allgemeinsprache« mit der Arbeit an einem Aussprachewörterbuch
begonnen. Ebenfalls 1953 wurde in Halle durch Hans Krech die Orthoepieforschung begründet.
Erste hallesche Untersuchungsergebnisse lagen wenig später vor (1954 zur Aspiration der Plosive,
1955 zur Aussprache im Gesang und 1956 zur Realisierung des ungespannten e-Lautes).
Nach der Übersiedlung von I. Weithase nach München (1958) wurde das Forschungsprojekt
ab 1959 von einer Arbeitsgruppe in Halle unter der Leitung von Hans Krech fortgeführt.
Bis 1958 waren in Jena neben Studien zur Geschichte der gesprochenen deutschen Sprache
(Weithase 1961), Teile des Wortschatzes und erste Transkriptionen erarbeitet worden. Entspre-
chend der Neukonzipierung des Projektes 1959 in Halle erwies es sich jedoch als erforderlich, den
Wortschatz beträchtlich zu erweitern, die vorliegenden Transkriptionen auf der Grundlage von
Ergebnissen empirischer Untersuchungen des Sprechgebrauchs zu konkretisieren bzw. zu verän-
dern und die entsprechenden theoretischen Grundlagen zu erarbeiten. Damit wurden zugleich
die Zahl der unmittelbar in die orthoepische Forschung einbezogenen Personen erheblich ver-
größert, eine Reihe wichtiger Institutionen eingebunden und die Arbeit am Wörterbuch auf eine
breite Basis gestellt.
Der halleschen Arbeitsgruppe gehörten so Vertreter der Sprechwissenschaft, der Phonetik,
des Rundfunks, des Theaters, Films, Fernsehfunks und der Synchronisation, der Schule und des
Verlages an. Ziel war es, ein »Aussprachewörterbuch der allgemeinen deutschen Hochlautung«
zu schaffen. Mit dieser Bezeichnung war nach H. Krech (1958, 103) »die Ausrichtung des Werkes«
gekennzeichnet. Es ging folglich nicht darum, die spezielle Bühnenaussprache zu kodifizieren,
sondern Ausspracheformen, wie sie sich allgemein, also überall dort als angemessen herausge-
bildet hatten, wo es sich um formbewusstes Sprechen auf der Basis des Standards handelte. Diese
Ausspracheformen, hier auch bereits als ›Standardaussprache‹ bezeichnet, wurden vor allem
durch Funk, Fernsehen und Film verbreitet.
Mit dem Wechsel der Kodifizierungsgrundlage war zugleich der Entwicklung der genannten
Massenmedien in den vorausgegangenen Jahrzehnten Rechnung getragen worden. Außerdem
wurde damit berücksichtigt, dass die Sprechweise in diesen Medien, die zudem frei von über-
deutlichen Lautausformungen war, täglich in einem Ausmaß auf die Bevölkerung einwirkt und
entsprechende Hörerwartungen prägt, wie es die Bühnenaussprache niemals hatte erreichen
können.
Nach einem von Hans Krech entwickelten Konzept waren vor allem folgende Grundpositio-
nen bei der Arbeit am Aussprachewörterbuch zu berücksichtigen:
(1) Wechsel der Kodifizierungsgrundlage von der Bühnenaussprache zu medienvermittelten, zu-
sammenhängend gesprochenen, natürlichen Äußerungen von Berufssprechern, die keine
dialektalen oder regiolektalen Merkmale aufweisen;
(2) Fundierung der Neukodifizierung durch empirische phonetische Untersuchungen des ak-
tuellen Sprechgebrauchs an sinnvollen Ganztexten;
Geschichte, Grundsätze und Methoden der Ausspracheregelung in Deutschland 13

(3) Neubestimmung der Untersuchungsmethode durch Nutzung eines »objektiv-subjektiven


Abhörverfahrens«, das die Unterstützung der auditiven Untersuchungen durch apparate-
technische Mittel (Hörhilfen, optische Verdeutlichungen) vorsieht;
(4) Berücksichtigung des phonetischen, situativen und gegebenenfalls emotionalen Kontextes
bei der Untersuchung einzelner Aussprachemerkmale und damit Erfassen koartikulatorisch,
assimilatorisch und stilistisch bedingter Aussprachevarianten;
(5) im Prozess der Kodifizierung/Normierung durch Experten: Ableitung verallgemeinernder
Regeln aus den ermittelten und statistisch abgesicherten Daten.

Bei der Untersuchung des Sprechgebrauchs wurde die Aussprache von Berufssprechern aus ganz
Deutschland analysiert (vgl. H. Krech 1961a, 49). Dem lag die Überzeugung zugrunde, dass ein
Aussprachewörterbuch angesichts der bestehenden innerdeutschen Grenze nicht zur Vertiefung
gegensätzlicher sprachlich-kultureller Entwicklungen beitragen darf.
Als Untersuchungskorpus dienten in erster Linie ausgewählte Sendungen des Rundfunks.
Darüber hinaus wurden Schallplatten ausgewertet sowie Aufnahmen der Deutschen Zentral-
bücherei für Blinde (Leipzig). Im Einzelnen handelte es sich um Nachrichten, Programmansagen,
Verlesen von Sachtexten wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Art, Rezitationen von
Lyrik und Prosa klassischer und moderner Autoren sowie Hörspiele. Beabsichtigt war außer-
dem, auch die Realisierung der Standardaussprache in Österreich und in der deutschsprachigen
Schweiz zu berücksichtigen. Dieses Vorhaben genehmigten jedoch die zuständigen Behörden der
DDR nicht.
Insgesamt umfasste das Untersuchungskorpus einen relativ breiten Ausschnitt aus möglichen
Realisierungsformen der Standardaussprache. Auf diese Weise wurden zugleich unterschiedliche
Varianten der Standardaussprache analysiert und die Ergebnisse in den einzelnen Spezialunter-
suchungen (s. u.) zu den verschiedenen Kommunikationsformen und Textsorten in Beziehung
gesetzt. Damit lassen sich hier bereits erste Ansätze dafür finden, was sich inzwischen zu syste-
matischen Untersuchungen phonostilistischer Differenzierungen entwickelt hat.
Zur Ermittlung des aktuellen Sprechgebrauchs diente nach einem von Hans Krech entwickel-
ten Programm eine Vielzahl empirischer Untersuchungen. Sie erstreckten sich auf den Vokalis-
mus, den Konsonantismus, die Prosodie und die Aussprache im Gesang. Die umfangreichsten
und frühesten Erhebungen, bei denen an jeweils rund 10.000 Beispielen die Realisation phone-
tischer Merkmale überprüft wurde, waren die Untersuchungen
x zur Aspiration der Plosive (G. Lotzmann 1958/1975),
x zum Schwa-Laut (G. Meinhold 1962a),
x zum Glottisschlageinsatz (E.-M. Krech 1964/1968),
x zum r-Laut (H. Ulbrich 1966/1972).

Weitere Untersuchungen bezogen sich auf


x die Gesangsaussprache (J. Schwiefert [Suttner] 1955; E.-M. Schuppener [Krech] 1955; G. Beyer
1977),
x die Aussprache des ungespannten e-Lautes (R. Teske 1956),
x die Realisation fremdsprachiger Vokale und Konsonanten (R. Teske 1960),
x die Realisation der Plosive in den Lautverbindungen [St] und [Sp] (G. Meinhold 1962b),
x die Aussprache der Lenis-Plosive im Anlaut und nach stimmlosem Laut (G. Meinhold/
E. Stock 1963),
x die Aussprache der Lautkombination [kv] (E. Kurka 1965),
x den Nasalitätsanteil bei Vokalen (W. Trenschel 1967/1977/1994),
x die Relevanz des Glottisschlages für das Erfassen der Wortbedeutung (E.-M. Krech 1970),
14 Die Standardaussprache in Deutschland

x die Melodisierung (E. Stock 1969/1980),


x die Akzentuierung (U. Stötzer 1975; E. Stock/U. Stötzer 1981),
x die Aussprache ausgewählter Vokale in unbetonten offenen Silben eingedeutschter Fremd-
wörter (E. Neitzel 1975),
x die Realisation ausgewählter Synsemantika (S. Alschner 1976).

Die beiden letztgenannten Untersuchungen waren bereits jeweils systematisch auf unterschied-
liche phonostilistische Bereiche bezogen.
Die Ergebnisse der Untersuchungen dienten als Grundlage für die Neukodifizierung. Diese
erschien 1964 als »Wörterbuch der deutschen Aussprache« (WDA) in erster Auflage. (Autoren:
Eva-Maria Krech, Eduard Kurka, Helmut Stelzig, Eberhard Stock, Ursula Stötzer und Rudi Teske,
unter Mitwirkung von Kurt Jung-Alsen). Als Leiter des Autorenkollegiums wirkte Hans Krech,
der auch die phonetischen Untersuchungen initiiert und bis zu seinem Tod (1961) betreut hatte.
Das WDA kam bis 1974 in weiteren drei Auflagen heraus. Die 1. Auflage erschien zusätzlich in der
Bearbeitung und Übersetzung von N. Morciniec als Lizenzausgabe für Polen (Warschau 1974)
und die 2. Auflage von 1969 zugleich als Lizenzausgabe für die Bundesrepublik Deutschland
und Westberlin beim Max Hueber Verlag München. Eine erweiterte Auflage kam 1982 als neue
Erstauflage unter dem Titel »Großes Wörterbuch der deutschen Aussprache« (GWDA) heraus.
Als hauptverantwortlich für das GWDA sowie für die 2. bis 4. Auflage des WDA zeichnete Ursula
Stötzer.
Die durch die Untersuchung zusammenhängend gesprochener Äußerungen deutlich ge-
wordenen Assimilationen und Lautschwächungen wurden im WDA ausführlich beschrieben
und im Wörterverzeichnis markiert. Ihre detaillierte Berücksichtigung im Wörterverzeichnis er-
folgte sodann im GWDA. Auch gesonderte Untersuchungen zur Phonostilistik (G. Meinhold
1973) ließen sich schließlich für das GWDA nutzen.
Die im WDA kodifizierten Ausspracheformen wurden außerdem einem Akzeptanztest
unterworfen (P. Winkler 1973). Verglichen mit der im »Siebs« dargestellten sogenannten ›reinen
Hochlautung‹ sowie mit Äußerungen, die als gehobene Umgangssprache klassifiziert wurden,
erwies sich in umfangreichen sprachpsychologischen Tests die Kodifizierung des WDA als am
meisten kommunikationsgünstig.

Zum Duden-Aussprachewörterbuch

Noch vor dem Erscheinen der 1. Auflage des WDA (1964) war bereits 1962 ein »Aussprache-
wörterbuch« im Dudenverlag herausgekommen, das von Max Mangold und der Dudenredak-
tion erarbeitet worden war. Diese Kodifikation zeichnete sich durch ein umfangreiches Wörter-
verzeichnis mit ca. 110.000 Stichwörtern aus. Hinsichtlich der Grundkonzeption war sie dem
»Siebs« verpflichtet. So wurde ausdrücklich »an der Bühnenhochlautung als einziger Norm«
festgehalten (Duden 1962, Vorwort) und diese als »ideale Norm« bezeichnet (ebd., 28). Im Un-
terschied zum »Siebs« wurde jedoch daneben dem Einfluss von Funk, Film und Fernsehen auf
den Sprechgebrauch Aufmerksamkeit geschenkt: Dies führte zum einen zu einer bereits wesent-
lich stärkeren Berücksichtigung fremder Wörter und Namen, die in diesen Medien einen breiten
Raum einnehmen; zum anderen enthielt der Einführungsteil schon relativ ausführliche Angaben
zu einer »gemäßigten Hochlautung« (ebd., 39 ff.), die aber nicht für das Wörterverzeichnis be-
rücksichtigt wurden. Empirische phonetische Untersuchungen der ›gemäßigten Hochlautung‹
(den Terminus übernimmt 1969 der »Siebs«) werden nicht belegt. Schließlich sei hervorgehoben,
dass die 1. Auflage des Duden-Aussprachewörterbuches – und zwar als erstes Aussprachewörter-
Geschichte, Grundsätze und Methoden der Ausspracheregelung in Deutschland 15

buch überhaupt – die »Lautlehre fremder Sprachen« (1962, 80 ff.) systematisch in knapper Form
dargestellt hat.
Seit der 2. Auflage (1974) folgte das Duden-Aussprachewörterbuch einer veränderten Konzep-
tion: Der grundsätzliche Bezug auf die Bühnenaussprache wurde aufgegeben und damit nicht
mehr eine Idealnorm kodifiziert, sondern eine »allgemeinere Gebrauchsnorm« (Duden 1974, 29).
Diese erhielt – wie zuvor schon im WDA – die Bezeichnung ›Standardaussprache‹. Sie soll »für
alle Sprechsituationen« gelten, »in denen man sich nicht der Mundart oder der Umgangssprache
bedient« (ebd., Vorwort). Zwar finden sich auch für diese Kodifizierung im Duden-Aussprache-
wörterbuch keine Hinweise auf eigene Untersuchungen des Sprechgebrauchs, dafür aber erfolgt
ein ausdrücklicher Bezug auf die im Zusammenhang mit dem WDA ermittelten Untersuchungs-
ergebnisse. Sie wurden zum großen Teil für die Kodifizierung genutzt (vgl. ebd., 29).
Die Aussprache auf der Bühne wurde im Duden-Aussprachewörterbuch ausschließlich im
Sinne der Siebsschen Bühnenaussprache gesehen (z. B. ohne Lautreduktionen). Sie wurde auch
nicht als phonostilistische Variante der Standardaussprache zugeordnet, sondern neben der
Standardlautung als gesonderte Kategorie von ›genormter Lautung‹ (in der 2. Auflage noch als
›Hochlautung‹ bezeichnet) verstanden.
Dieser Grundkonzeption folgten im Wesentlichen auch alle weiteren, jeweils neu bearbei-
teten, erweiterten und aktualisierten Auflagen des Duden-Aussprachewörterbuches (so 19903,
20004, 20035, 20056).

Zur Erarbeitung des »Deutschen Aussprachewörterbuches« (DAWB)

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990, die nicht zuletzt eine erhebliche Verbesserung
der Forschungsbedingungen und -möglichkeiten zur Folge hatte, wurde eine Neubearbeitung des
GWDA angestrebt. Ausgangspunkt für das Vorhaben war eine Kooperation des Institutes für
Sprechwissenschaft und Phonetik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Leiter Eber-
hard Stock) und des Institutes für Phonetik der Universität zu Köln (Leiter Georg Heike). Stock
und Heike bildeten zusammen mit E.-M. Krech eine Projektgruppe, der neben Angehörigen bei-
der Institute vor allem Mitarbeiter der Universität Leipzig, speziell des Herder-Institutes, ange-
hörten. Mit der Einbeziehung des letztgenannten Lehr- und Forschungsbereichs wurde die bis-
herige Betrachtungsweise erweitert und die kontrastive Phonetik in Bezug auf die Eindeutschung
fremder Namen und Wörter verstärkt in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.
Das Forschungsprojekt erhielt von 1991 bis 1995 eine umfangreiche Förderung durch die
Volkswagen-Stiftung. Seit Mitte der 1990er-Jahre wurde die Arbeit am Wörterbuch ausschließ-
lich vom halleschen Institut getragen. Das Kölner Institut hatte zuvor vor allem an der Model-
lierung der Artikulation, speziell der Erklärung der Koartikulation, der Silbenproblematik und
an einem ›Sprechenden Wörterbuch‹ gearbeitet (Heike 1992, 1–44; Heike 1996, 57–59; Heike/
Greisbach/Kröger 1991, 465–471; Esser et al. 1996a, 76–84; Esser/Klinker, 1996b).
Das vorliegende »Deutsche Aussprachewörterbuch« (DAWB) steht in der Nachfolge des
WDA/GWDA, indem es bei vergleichbarer Zielstellung von den genannten konzeptionellen und
methodologischen Grundpositionen ausgeht. Um jedoch eine dem heutigen Forschungsstand
und den Erfordernissen der Gegenwart entsprechende Neukodifizierung erarbeiten zu können,
war es erforderlich, die in den 1950er-Jahren entwickelte Konzeption zu erweitern. Die wichtigs-
ten Neuerungen betrafen:
– die Absicherung der Kodifikation nicht nur durch erneute phonetische Untersuchungen des
Sprechgebrauchs, sondern auch durch soziophonetische Untersuchungen zu den Erwartun-
gen der Hörenden an den Sprechgebrauch,
16 Die Standardaussprache in Deutschland

– die phonologische Fundierung der Ausspracheregelung,


– die Einbeziehung frei gesprochener Äußerungen (neben vorgelesenen Texten) in die Unter-
suchungen,
– die systematische Berücksichtigung phonostilistischer Differenzierungen,
– die Berücksichtigung komplexer Akzentstrukturen durch die erweiterte Aufnahme von Kom-
posita und Wortgruppen in das Wörterverzeichnis,
– den Ausbau der Grundlagen für die Eindeutschung fremder Wörter und Namen,
– die Veränderung der Transkription im Ergebnis der phonetischen Untersuchungen.

Weitere Veränderungen betrafen:


– die beträchtliche Vergrößerung und Aktualisierung des Wortschatzes,
– die Berücksichtigung nationaler Standardvarietäten und somit die Aufnahme von Kapiteln
zur Standardaussprache in Österreich sowie in der deutschsprachigen Schweiz,
– die Beifügung einer Audio-CD mit Beispielen aus dem Einführungsteil.

Diese notwendigen Veränderungen und Erweiterungen erwiesen sich im Verlauf der Arbeit als so
umfangreich und tiefgreifend, dass sie nicht im Rahmen einer Neuauflage des GWDA zu leisten
waren. Sie verlangten vielmehr die Erarbeitung eines vollständig neuen Aussprachewörterbuches.
Da die Standardaussprache keine vollkommen einheitliche Varietät darstellt, sondern je nach
Anwendungsbereich/Situation Differenzierungen aufweist, mussten als Ausgangsbasis für die
Neukodifizierung der aktuelle situationsspezifische Sprechgebrauch sowie die Erwartungen der
Bevölkerung an den Sprechgebrauch in verschiedenen Anwendungsbereichen ermittelt werden.
Bei den umfangreichen und systematisch angelegten Akzeptanzuntersuchungen (E. Stock/
U. Hollmach 1997; U. Hollmach 2007) wurden deutschlandweit rund 1600 Probanden (Laien)
befragt, die verschiedenen sozialen und Altersgruppen angehörten und aus allen Sprachland-
schaften der Bundesrepublik stammten. Es interessierte dabei vor allem, welche Aussprachefor-
men für ausgewählte Sprechsituationen bevorzugt bzw. erwartet werden. Die Probanden hatten
dazu über 40 Mitschnitte von gesprochener Sprache aus Funk und Fernsehen auditiv zu beurtei-
len. Die am stärksten und am häufigsten für eine Situation/Textsorte favorisierten Aufnahmen
erhielten damit Modellcharakter.
Das Ziel, Empfehlungen für eine situativ angemessene Verwendung der Standardaussprache
vorzulegen, erforderte zugleich, die Differenzierungen der Standardaussprache in unterschied-
lichen Anwendungsbereichen bereits für die Erarbeitung des Untersuchungskorpus systema-
tisch zu berücksichtigen (E.-M. Krech 1996a). Dabei konnte es nicht um die Vielzahl möglicher
Anwendungsbereiche gehen. Vielmehr erwies sich eine Beschränkung auf Situationen als sinn-
voll, in denen der Gebrauch der Standardaussprache vorzugsweise angestrebt, verwirklicht und
erwartet wird. Das betrifft vor allem Äußerungen in öffentlichen Situationen. Als Untersuchungs-
material boten sich damit nach wie vor Äußerungen in ausgewählten Sendungen der elektroni-
schen Medien an, in denen eine überregionale Akzeptanz angestrebt wurde. Berücksichtigung
fanden die beiden stark kontrastierenden Textsorten Nachrichten (im konventionellen Stil) sowie
Gespräche (ausgewählte Talkshows). Damit waren eindeutig vorgelesene und frei gesprochene
Äußerungen erfasst.
Zur Bereitstellung des konkreten Untersuchungskorpus wurden aus jeweils 100 Aufnahmen
von Nachrichtensprechern sowie von Gesprächsteilnehmern für jede dieser Textsorten 50 Aufnah-
men ausgewählt, die den Modellaufnahmen entsprachen, welche bei den Akzeptanzuntersuchun-
gen für die Nachrichtensprecher und für die Sprechweise in öffentlichen Gesprächen ermittelt
worden waren. Diese Modellaufnahmen dienten damit als Grundorientierung bei der Zusammen-
stellung des konkreten Untersuchungsmaterials.
Struktur und Auswahl des Wortschatzes 17

Die phonetischen Analysen des Sprechgebrauchs wurden mit Hilfe eines auditiven, compu-
tergestützten Verfahrens nach einem einheitlichen Konzept durchgeführt (E.-M. Krech 1996b).
Sie erstreckten sich zum einen auf eine Überprüfung der für das WDA/GWDA ermittelten Er-
gebnisse, zum anderen auf die Untersuchung weiterer Fragestellungen. Zu den hauptsächlichen
Untersuchungsgegenständen zählten (chronologische Reihenfolge):
x die intervokalischen Lenis-Plosive, die Realisierung der Endkonsonanten in schwachen For-
men sowie die Realisierung der Endung <-en> nach Nasalen (M. Küster 1990),
x die Realisierung der Phoneme /s/ und /z/ (C. Demme [Dubielzig]/U. Kroemer 1993),
x der r-Laut (J. Graf/B. Meißner 1995; B. Meißner 1999),
x die Realisierung des langen e-Lautes vor <r> sowie des langen <ä> (S. Lembke/U. Semper
1997, unveröff. Material),
x die Synsemantika (B. Meißner 1997, unveröff. Material),
x der Schwa-Laut (S. Lemke 1998; F. Kräuter/U. Schikora 1997, unveröff. Material),
x Quantität und Qualität der Vokale in nicht akzentuierten offenen Silben eingedeutschter
Wörter (E.-M Krech/C. Dubielzig 2002 b),
x die Diphthonge (C. Ulbrich 2003),
x Vergleich der Prosodie in der Standardaussprache in Deutschland, Österreich und der
Deutschschweiz (C. Ulbrich 2005),
x die Aspiration der Plosive (U. Hollmach 2007),
x Vergleich der Realisationen ausgewählter Konsonanten in der Standardaussprache in Öster-
reich und in Deutschland (D. Klaaß 2009).
Außerdem wurden Untersuchungsresultate zur Qualität des a-Lautes (R.-B. Fredrich/G.
Meinhold 1989) genutzt.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen stellten Deskriptionen des Sprechgebrauchs dar. Die er-
mittelten umfangreichen und differenzierten Daten wurden durch Experten bewertet und in
verallgemeinernden und gegebenenfalls vereinfachenden Regeln zusammengefasst.

A. 3 Struktur und Auswahl des Wortschatzes


Die Beschreibung der bundesdeutschen Standardaussprache in diesem Buch bezieht sich auf
Wörter und Namen, die in der öffentlichen Sprechkommunikation gebraucht werden und
hauptsächlich nicht zu den Fachsprachen, beispielsweise der Medizin, Informatik oder Physik,
gehören. Sie sind deutscher oder fremder Herkunft und können einerseits als Simplizia (nicht
zusammengesetzte Wörter) und andererseits als Komposita (Verknüpfungen zweier frei auftre-
tender Wörter), als Bindestrichwörter und als Verbindungen eines Grundwortes mit Präfixen
oder Suffixen auftreten. Komposita und präfigierte bzw. suffigierte Wörter werden im Folgenden
als Zusammensetzungen bezeichnet. Hinzu kommen feste Wortgruppen sowie einfache und ver-
schieden zusammengebildete Namen.
Mit den rund 150 000 Eintragungen im Wörterverzeichnis wird versucht, dieser Differen-
ziertheit und Vielfalt gerecht zu werden.
Für die Auswahl und Überprüfung des Wortschatzes wurden u. a. folgende Publikationen
herangezogen (detaillierte Angaben siehe Literaturverzeichnis):
– Wortschatz Universität Leipzig (http://www.wortschatz.uni-leipzig.de),
– Großes Wörterbuch der deutschen Aussprache,
– Wörterbuch der deutschen Aussprache,
– Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache,
18 Die Standardaussprache in Deutschland

– Duden. Aussprachewörterbuch,
– Duden. Die deutsche Rechtschreibung,
– Duden. Das Fremdwörterbuch,
– Duden. Deutsches Universalwörterbuch,
– Der Brockhaus in Text und Bild,
– Wahrig. Deutsches Wörterbuch,
– Wahrig. Die deutsche Rechtschreibung,
– Quasthoff: Deutsches Neologismenwörterbuch,
– Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache,
– Dornseiff: Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen,
– Drosdowski/Scholze-Stubenrecht: Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten,
– Muthmann: Rückläufiges deutsches Wörterbuch,
– Kempcke: Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache,
– Langenscheidt Taschenwörterbuch Deutsch als Fremdsprache,
– Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache,
– Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache,
– LEO-Internetwörterbuch Deutsch – Englisch.

Außerdem wurden verschiedene Internetsuchmaschinen und -quellen wie Google und Wikipe-
dia sowie spezielle Sammlungen der Autoren und Mitarbeiter einbezogen.

Deutsche Wörter und Namen

Zu den deutschen Wörtern und den meist aus ihnen abgeleiteten Namen zählen hier zunächst
solche, die sich auf eine zum ursprünglichen Bestand der Sprache gehörende Wurzel (Basis- oder
Stammmorphem) zurückführen lassen. Man spricht deshalb auch von heimischen oder Erb-
wörtern. Mittels der verschiedenen Verfahren der Wortbildung, vor allem der Zusammenset-
zung und der Bildungen mit Präfixen und Suffixen, entstehen aus diesen Wurzeln Wortfamilien
mit Wörtern verschiedener Wortarten, die für die Ausspracheregelung interessant sind, weil
durch Substantivierung, Komparation usw. der Phonembestand und die Akzentuierung verän-
dert werden können, z. B. groß, größer, vergrößern, Vergrößerung, Größe, größtenteils, mittelgroß,
Großhandel, Großmaul, Gernegroß, zweieurostückgroß. Hinzu kommen abgeleitete Namen wie
Groß, Große, Großbart, Größer, Größler, Gröst, Großgrimma, Großwig, Großhub. Dabei werden im
Deutschen mitunter auch Wörter zweier Wortarten allein dadurch unterschieden, dass statt des
ersten Kleinbuchstabens der entsprechende Großbuchstabe geschrieben wird; hierdurch können
Wörter ungleicher Bedeutung entstehen, die aber die gleiche Aussprache haben und deshalb im
Wörterverzeichnis nicht zweifach aufgeführt werden, z. B. arm – Arm.
Zu den deutschen Wörtern werden auch solche gestellt, die zwar fremder Herkunft sind, aber
vollkommen assimiliert wurden. Bis ins hohe Mittelalter wurden aus dem Altgriechischen und
Römisch-Lateinischen sowie dem Kirchen- und Mittellatein viele Wörter übernommen und
so integriert, dass sie heute nicht mehr als fremd erkannt werden. Zu ihnen zählen beispielsweise
Brief, Eimer, Mauer, Schule, Spiegel, Straße, Tinte, Tisch, dichten, kochen, opfern, schreiben.
Andere Wörter wie Melodie, Patron, Regiment, Resonanz, Sakrament, intonieren, komponieren,
regieren hatten dagegen eine ungewöhnliche Wortstruktur und behielten deshalb den Charakter
des Fremden. Ihre unvollständige Integration wird auch orthoepisch angezeigt. Sie werden par-
tiell mit fremden Lauten und/oder mit fremder Akzentuierung verwendet und zählen deshalb zu
den fremden Wörtern.
Struktur und Auswahl des Wortschatzes 19

Fremde Wörter und Namen

Als fremd werden hier Wörter und Namen bezeichnet, die auf nichtdeutsche Wurzeln zurück-
gehen und bei der Übernahme in das Deutsche nicht vollständig assimiliert wurden. Der Grad
der Anpassung an die Besonderheiten des Deutschen hängt dabei meist vom Zeitpunkt der
Aneignung ab. Deshalb werden hier ältere Entlehnungen von jüngeren Entlehnungen unter-
schieden. Die Grenzen zwischen ihnen sind allerdings fließend, was sich vor allem an Übernah-
men aus dem Französischen und Italienischen zeigt.
Das Deutsche hat Bezeichnungen wie Demonstration, Existenz, Republik, Retusche, ambiva-
lent, neutrophil, relevant und auch Namen wie Hippokrates, Hortensie, die als Beispiele für ältere
Entlehnungen angeführt werden können, im Laufe der Geschichte meistens schubweise in gro-
ßem Umfang aus anderen Sprachen übernommen. Sie sind in den allgemeinen Sprachgebrauch
eingegangen; die Mehrzahl von ihnen hat eine stabile Gebrauchshäufigkeit, eine gewisse Anzahl
ist jedoch veraltet. Die grammatische und orthografische Form der Aneignung war von Zeit-
strömungen und von der jeweiligen Herkunftssprache abhängig. Diese Wörter wurden weitge-
hend assimiliert, ihre Phonem-Graphem-Beziehungen entsprechen von wenigen Ausnahmen
abgesehen denen des Deutschen; die fremde Akzentuierung blieb aber erhalten (vgl. A. 5.2). Für
die Ausspracheregelung bildeten sich je nach Sprache spezifische Beschreibungstraditionen
heraus, die durch die Gebrauchshäufigkeit, den Gebrauchswert und die oft verwickelte Integra-
tionsbiographie der Wörter bedingt waren. Dabei bestand seit jeher die Tendenz, Wortgut aus
Sprachen, die in der Schule gelernt wurden (z. B. Französisch und Englisch) weniger stark ein-
zudeutschen. Diese Bedingungsvielfalt muss eine Kodifizierung der deutschen Standardausspra-
che berücksichtigen. Durchweg geltende Ausspracheregeln lassen sich daher nicht aufstellen.
Als Herkunftssprachen dienten neben dem Spanischen, dem Portugiesischen, dem Arabi-
schen, dem Russischen und anderen vor allem:
– das Lateinische und Griechische, z. B. Philosophie, konfiszieren, legal;
– das Italienische, z. B. Serenade,Valuta, dito;
– das Französische, z. B. Delikatesse, Promenade, rekrutieren.

Zu Übernahmen aus dem Englischen, zunächst aus dem britischen Englisch, kam es erst im
18. Jahrhundert. Im 20. Jahrhundert wurde daraus durch die wissenschaftlich-technische, öko-
nomische und politische Spitzenstellung der USA ein unaufhaltsam wachsender Strom von Ang-
lizismen und Amerikanismen, der nicht nur die Fachlexik erweiterte, sondern von Tagesmoden
begünstigt in fast alle Lebensbereiche eindrang.
Viele der fremden Wörter erwiesen sich als außerordentlich produktiv und konstituierten
mit ihren Wortstämmen sowie mit fremden, aber auch deutschen Affixen zum Teil reich geglie-
derte Fremdwortfamilien, z. B. adaptieren, adaptiv, Adapteur, Adaption, Adaptionismus, Adapter,
Adaptivität. Es entstandenen Ableitungen unterschiedlicher Typen, z. B. Raffiniertheit, tempera-
mentvoll, Blamage, übersensibel, abreagieren, interdisziplinär, Donquichotterie, Telekommunika-
tion, atonal. Daneben wurden wie in allen anderen Kultursprachen Internationalismen ge-
bräuchlich, und zwar auch außerhalb der Fachsprachen z. B. Angloamerikanismus, Demokratie,
Kapitalismus.
Der Begriff <fremde Wörter> deckt also ein vielfältiges Spektrum von Benennungs- und Wort-
bildungsmöglichkeiten ab. Ihm werden in diesem Buch wegen der gleichen orthoepischen Be-
handlung auch Namen zugeordnet, die seit langem eingebürgert sind. Neben geografischen Na-
men handelt es sich dabei vor allem um Personennamen, die wie Wörter aus fremden Sprachen
übernommen bzw. nach fremden Mustern, mit fremden Wortstämmen oder fremden Affixen
gebildet wurden, z. B. Agricola, Albertus, Borutzki, Bülow, Dubois, Duvetine, Fontane, Kopernikus,
20 Die Standardaussprache in Deutschland

Leibniz, Lindgren, Savigny, Toussaint. Vielfach wurden heimische Namen auch latinisiert, z. B.
Althusius aus Althaus.
Den älteren Entlehnungen stehen zahllose schwach assimilierte Namen und Benennungen ge-
genüber, die zum Großteil erst in der jüngsten Vergangenheit aufgegriffen worden sind und für
die es meist noch keine durch Gebrauch gefestigte Eindeutschung gibt. Sie werden hier als jüngere
Entlehnungen bezeichnet und bilden eine gesonderte Gruppe. Zu ihnen zählen insbesondere
Personennamen, geografische Namen und Produktnamen, z.B. Abiko, Rafsandschani, Wojtyła,
Pétur, Al Qaida, Netanja, Skai, Fujitsu, auch Benennungen wie Errorlevel, Dschihad. Ihre Zahl
steigt durch die Intensivierung der interkulturellen Austauschbeziehungen stark an. Sie fallen
häufig schon in der Schreibung durch fremde Buchstaben, fremde Buchstabenkombinationen
oder Buchstaben/Buchstabenkombinationen in ungewohnten Positionen auf. Ihre Phonem-Gra-
phem-Beziehungen werden den deutschen Regeln zwar ebenfalls angepasst (vgl. A. 7), die grafi-
sche Eindeutschung geht jedoch nicht so weit wie bei den älteren Entlehnungen. Außerdem treten
hier deutlich mehr fremde Phoneme und deren Allophone auf und die fremden Silbifizierungs-
regeln bleiben mehr oder weniger modifiziert in Kraft. Bei Wörtern, deren Phonem-Graphem-
Beziehungen auffällig von denen des Deutschen abweichen, wird deshalb im Wörterverzeichnis
die Herkunft angegeben.
Eine Ausspracheregelung des Deutschen muss auch diese Übernahmen geregelt eindeutschen.
Denn Assimilationen nach Gutdünken lassen meist unberücksichtigt, dass es im Deutschen gute
Tradition ist, in höherem Maße als im Englischen, Französischen oder Russischen Besonderhei-
ten der jeweiligen Herkunftssprachen zu beachten. Folgende Besonderheiten werfen häufig or-
thoepische Probleme auf (ausführlicher in A. 7):
– ungewohnte Muster der Wortakzentuierung;
– fremde Grapheme, fremde Phoneme und damit fremde Phonem-Graphem-Beziehungen;
– fremde Schriftsysteme, wobei für manche Systeme unterschiedliche Arten der Transliteration
bestehen;
– Mittlersprachen, die die Akzentuierung und die Phonem-Graphem-Beziehungen beeinflus-
sen und der Herkunftssprache ihre Eigenart aufdrücken.

Sehr viele der hier anzuführenden Wörter und Namen sind nur vorübergehend im Gebrauch.
Meist unvorhersehbar gewinnen sie an Aktualität, werden dann in der Sprech- und Schreibkom-
munikation kurzzeitig mit hoher Frequenz realisiert und verlieren schnell wieder an Gebrauchs-
häufigkeit. Ein Wörterbuch kann einem solch schnellen Wechsel nicht folgen – es muss sich auf
andere Weise dem Problem stellen. Es kann das für die Herkunftssprache geltende Prinzip der
Eindeutschung am Verhältnis von fremder und eingedeutschter Aussprache behandeln und die-
ses Prinzip an häufig gebrauchten Übernahmen aus der betreffenden Sprache demonstrieren.
Dies geschieht im Kapitel A. 7, beispielartig auch im Kapitel A. 5 und im Wörterverzeichnis.

Zur Auswahl von Wörtern und Namen für das Wörterverzeichnis

Anders als ein Sachlexikon oder ein Universalwörterbuch muss ein Aussprachewörterbuch Wör-
ter und Namen präsentieren und dabei am Gebrauch orientiert sein. Da es aber unmöglich ist,
alle in der standardgemäßen öffentlichen Kommunikation verwendeten Ausdrücke und Benen-
nungen in ein solches Buch aufzunehmen, musste bei der Auswahl mit Blick auf die Benutzer-
interessen differenziert werden. Dabei wurde, wie im vorausgegangenen Abschnitt erläutert,
auch die Fähigkeit in Rechnung gestellt, aus angebotenen Beispielen oder Mustern (z. B. Belege
für Phonem-Graphem-Beziehungen, Akzentmuster) Rückschlüsse auf nicht aufgenommene
Struktur und Auswahl des Wortschatzes 21

Bezeichnungen zu ziehen. Die wichtigsten Auswahlkriterien waren wechselweise Aktualität bzw.


Gebrauchshäufigkeit und orthoepischer Anspruch. Die systematische Darbietung der verschie-
denen Gruppen von Wörtern und Namen war dabei nachrangig. Vollständigkeit ließ sich bei
keiner Gruppe erreichen, jedoch gab es Stufungen.

Gruppen mit relativer Vollständigkeit


Relative Vollständigkeit konnte nur bei den Simplizia deutscher Herkunft und solchen, die als
ältere Entlehnungen einzustufen sind, angestrebt werden.
Wörter, die aus Simplizia deutscher Herkunft und älteren Entlehnungen mit Präfixen, Suffi-
xen oder unfreien Wortbildungselementen gebildet wurden, sind außerordentlich zahlreich, und
viele von ihnen werden in der öffentlichen Sprechkommunikation sehr häufig verwendet. Den-
noch lassen sie sich in einem Aussprachewörterbuch nicht vollständig erfassen. Es wurde jedoch
versucht, bei den einzelnen Simplizia die wichtigsten Arten der jeweiligen Ableitungen und Zu-
sammensetzungen mit Beispielen zu belegen.

Gruppen mit unterschiedlich großen Anteilen


a) Namen
– Einen relativ großen Anteil haben einfache deutsche Namen.
– Der Anteil fremder Namen ist sehr viel geringer und hängt von der Herkunftssprache ab.
– Bei zusammengesetzten Namen deutscher und fremder Herkunft ist die Gesamtzahl sehr ge-
ring.

b) Jüngere Entlehnungen
– Fremde Wörter, die als jüngere Entlehnungen bezeichnet werden müssen, sind je nach Her-
kunftssprache unterschiedlich stark vertreten.
– Besonders groß ist der Anteil eingedeutschter Wörter englischer, französischer und russi-
scher Herkunft.

c) Feste Wortgruppen
Zu den festen Wortgruppen und den ähnlich aufgebauten Namen zählen etwa cum grano salis,
Haus und Hof, im Dunkeln tappen, ein Buch mit sieben Siegeln, wie aus dem Ei gepellt, unser täglich
Brot; Walther von der Vogelweide, Hugo von Sankt Viktor, Pontius und Pilatus usw. Es handelt sich
um lexikalische Konstruktionen, die wie ein Wort im Gedächtnis gespeichert sind und beim
Sprechen auch mit einer festen rhythmischen Kontur wie ein Einzelwort (phonetisches Wort)
gebraucht werden. Sie gehören daher genauso zum Wortschatz wie deutsche und fremde Wörter.
Ihr Spektrum reicht von phraseologischen Termini (z. B. das Rote Kreuz, Freie und Hansestadt
Hamburg) bis zu Sprichwörtern, Bauernregeln, Losungen, geflügelten Worten u. ä., die auch
als wohlgeformte Sätze vorliegen (z. B. Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird! Wo ein
Wille ist, ist auch ein Weg!).

Die Auswahl in diesem Buch beschränkt sich weitgehend auf Wortgruppen, die idiomatisiert
sind, d. h. deren Gesamtbedeutung die Bedeutungen der beteiligten Einzelwörter in den Hinter-
grund drängt, darunter vor allem auf:
– idiomatisierte Phrasen aus dem Lateinischen, Griechischen, Französischen usw., die häufig
als Zitate gebraucht werden, z. B. cherchez la femme, ad calendas graecas;
– phraseologische Termini, z. B. Graue Panther, schwarzes Loch;
– mehrteilige Namen, z. B. Konrad der Sanftmütige, Freiburg im Breisgau.
22 Die Standardaussprache in Deutschland

Die Zahl solcher festen Wortgruppen ist sehr groß und der Übergang zu unfesten, aus der Situa-
tion heraus gebildeten Wortgruppen (vgl. A. 5.2.2) fließend. Deshalb werden in diesem Buch nur
sehr häufig gebrauchte Wendungen berücksichtigt und beispielhaft Akzentstrukturen sowie ar-
tikulatorische Verkettungen vorgeführt.

d) Zusammensetzungen
Einen besonderen Platz nehmen Zusammensetzungen inklusive Bindestrich-Wörter bzw. -Na-
men ein. Sie sind in diesem Aussprachewörterbuch relativ stark vertreten, trotzdem stellt ihr
Anteil am Wortbestand nur einen kleinen Ausschnitt aus der sehr großen Zahl derer dar, die in
der öffentlichen Kommunikation gebraucht werden. Wegen ihrer Bedeutung werden Kompo-
sita, d. h. aus selbstständigen Wörtern zusammengesetzte Formen, im Folgenden detailliert be-
handelt:
Komposita sind komplexe Wortbildungsprodukte, die ihrerseits Komposita und damit kom-
plex sein können: Schreib + tisch, schwarz + rot + gold, Atom-waffen + moratorium. Sie können
unterschieden werden nach der:
– Zahl der Konstituenten – Zweigliedrige Komposita werden am häufigsten gebraucht; sie
werden deshalb auch in Lexika am häufigsten präsentiert. Ihre Anzahl ist unbegrenzt, zumal
auch die Doppelnamen hierzu zählen (z. B. Sachsen-Anhalt, Leutheusser-Schnarrenberger).
Drei- und viergliedrige Komposita treten viel seltener auf, fünf- und höhergliedrige sind die
Ausnahme. Mehrgliedrige Komposita werden deshalb in diesem Buch nur vereinzelt ange-
führt.
– Wortart – An der Bildung von Komposita können im Prinzip alle Wortarten beteiligt sein.
Die übergroße Mehrheit aber besteht aus substantivischen Komposita, wobei jedoch ein Sub-
stantiv als Grundwort nicht nur mit Substantiven kombiniert sein kann. Zur Produktivität
dieser Wortklasse gehört es, dass auch alle anderen Wortarten als erste Konstituente auftreten
können, z. B. Adjektive: Schön + schrift, Verben: Essen-s + zeit, Pronomina: Ich + AG, Adver-
bien: Sofort + Programm, Konjunktionen: Wenn-dann + Relation, Präpositionen: Mit +
mensch. Selbst Phrasen und Kurzwörter übernehmen diese Funktion: Gute-Nacht + Kuss,
Last-Minute + Reisen; EU + Kommission, KFZ + Steuer. Einen Sonderfall stellen die verbalen
Komposita dar, weil die Grenze zwischen einem Kompositum, in dem syntaktisch benach-
barte Glieder in einem Wort integriert sind (z. B. wohlbekannt) und der entsprechenden
Wortgruppe (wohl bekannt) fließend sind, z. B. (beim) Radfahren und (mit dem) Rad fahren.
– Herkunft der Konstituenten – Es kann sich um ursprünglich deutsche und fremde Wörter
oder um Kombinationen beider handeln, z. B. Bahnhof, großjährig, Jugendkriminalität, Reak-
tionszeit, medienadäquat, Asylverfahrensberatung, Notfallhärteregelung.
– Bedeutungsstruktur – Orthoepisch muss zwischen zwei Arten von Komposita unterschie-
den werden. In Determinativkomposita wird ein Grundwort durch das Davorsetzen eines
zweiten Wortes determiniert, z. B. Reise determiniert Tasche f Reisetasche. In Kopulativkom-
posita werden Glieder gleicher Ordnung zusammengerückt, z. B. geistig-kulturell, Nordrhein-
Westfalen. Die Verhältnisse komplizieren sich, wenn die Konstituenten selbst Komposita
sind. Die Akzentverteilung hängt dann von der Interpretation des Kompositums ab, z. B. Ra-
dioprogramm+zeitschrift oder Radio+programmzeitschrift. Aber auch rhythmische Gegeben-
heiten haben Einfluss, z. B. wird in Musik+hochschule ein Akzentzusammenstoß vermieden,
indem der Nebenakzent nicht auf hoch, sondern auf schule gelegt wird.
– Trennbarkeit – Eine kleine Gruppe der Komposita wird unter bestimmten Kontextbedin-
gungen auch getrennt verwendet. Das betrifft fast ausschließlich Komposita mit einem Verb
als Grundwort. Verben bilden mit unflektierbaren Wörtern wie ab, an, auf, aus, bei, ein, her,
nach, zu, zurück, daher, herab, vorbei, hinunter, hinüber usw. häufig Komposita, die größten-
Struktur und Auswahl des Wortschatzes 23

teils trennbar sind, z. B. abfahren – (ich) fahre ab, beitreten – (ich) trete bei. Mit durch, hinter,
über, um, unter, wider können aber neben trennbaren auch untrennbare Komposita gebildet
werden; sie weisen eine unterschiedliche Wortakzentuierung auf, z. B. überhängen – er hängt
sich den Mantel über, überfrieren – die Straße überfriert. In Einzelfällen bilden die letztge-
nannten Wörter mit dem gleichen Verb ein trennbares und ein bedeutungsdifferentes un-
trennbares Kompositum, z. B. umreißen – ich reiße den Stuhl um, umreißen – ich umreiße den
Plan; übersetzen – sie setzen zum anderen Ufer über, übersetzen – sie übersetzen einen Text. In
diesen Fällen hat der Wortakzent wortunterscheidende Funktion, was im Deutschen selten
ist.

Komposita werden in Universalwörterbüchern in großer Zahl ausgewiesen und in der Sprech-


wie Schreibkommunikation ohne Einschränkung genutzt. Sie machen einen großen Teil des
Wortschatzes jeder Form der sprachlichen Kommunikation aus. Zu ihnen zählen auch die für
einen Begriff stehenden oder als Namen verwendeten vielfältig aufgebauten Konstruktionen aus
Wortgruppen, die mit Bindestrichen zusammengefügt sind, z. B. süß-sauer, Halle-West, Doppel-
bett-Couch, (die) thomas-mannschen (Romane), (das) Entweder-oder, Public-Relations-Chef, In-
dustrie-und-Handels-Kammer, De-la-Motte-Fouqué.
In das Wörterverzeichnis sind gebrauchshäufige Komposita vor allem dann aufgenommen
worden, wenn sich ihre phonetische Realisierung nicht ausreichend aus den phonetischen Ge-
gebenheiten der Konstituenten erklärt. Dies betrifft den suprasegmentalen wie den segmentalen
Bereich. Gegenüber den Simplizia haben Komposita suprasegmentale Besonderheiten, so
kommt es
1. zu einer Auf- bzw. Abwertung der ursprünglichen Wortakzente, d. h. zu deren Differenzie-
rung in Haupt- und Nebenakzente, z. B. in Digitalkompression [digit"a†lkOmpå9Esi8®o†n] oder
in Analog-Digital-Wandler [anal®o†k d9igit"a†l v®andlŒ];
2. zu weiteren Schwereabstufungen in Abhängigkeit von der Konstituentenstruktur und dem
Silbenumfang des Wortes, z. B. Regenwassersammelbecken [å®e†g>vasŒz"am«lbEk>], dabei er-
halten die Konstituenten Wasser [v"asŒ] und [b"Ek>] auf der ursprünglichen Wortakzentsilbe
automatisch »Sekundärakzente« (reduzierte Nebenakzente); diese werden im Wörterver-
zeichnis nicht gesondert angezeigt;
3. zur Akzentverschiebung durch das Aufeinandertreffen zweier Akzentsilben in der Kon-
struktion (z. B. in Verdiensturkunde statt [fŒd"i†nst®³u†?kUnd«] mit verschobenem Akzent
[fŒd"i†nst³u†?k®Und«]).

Veränderungen im segmentalen Bereich entstehen vor allem:


1. durch das Auftreten von Fugenelementen, z. B. Geburtstag, Diebesbande, Straußenfeder,
Schmerzensgeld, Eierschale, Nachtigall, Gasometer;
2. durch die progressive Stimmlosigkeitsassimilation an der Fuge zwischen den Konstituenten,
z. B. Des-Dur, Giftdeponie, Bildband, Erdrinde, Hanfseil, Tagundnachtgleiche, (der) Was-
machst-du-denn-Blick.

Die notwendige Differenzierung der Komposita nach Art, Gebrauchshäufigkeit und lexikali-
scher Häufigkeit kann in einem orthoepischen Wörterbuch nur ungefähr berücksichtigt werden.
Die Stichwortauswahl wird in erster Linie von phonetischen Problemen bestimmt. Außerdem
sollen die ausgewählten Beispiele Muster für Rhythmisierung und Wortbildung bieten.
24 Die Standardaussprache in Deutschland

A. 4 Phonologische und phonetische Grundlagen


der Standardaussprache

Grundlage der Standardaussprache ist die Standardsprache mit ihren Elementen und Struktu-
ren. Sie liefert für die Aussprache die erforderlichen Vorgaben, nämlich
– eine geordnete Menge von Sprachlauten (Vokale und Konsonanten),
– Regeln für den Silben- und Wortaufbau,
– Regeln für die Wortakzentuierung,
– Muster für die Akzentuierung, Gliederung und Melodisierung in Wortgruppen und komple-
xen Äußerungen.

Die Sprache ist also nicht nur einfach eine Menge von Wörtern und Satzformen, die beim Spre-
chen benutzt wird. Sie ist vielmehr ein Zeichensystem mit einer komplexen Struktur. Eine Aus-
spracheregelung (vgl. A. 5) muss deshalb auch auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber
zurückgreifen.

4.1 Vokale

4.1.1 Distinktive Merkmale

Im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen verfügt das Deutsche über eine größere Zahl von Vo-
kalen. Phonologisch gesehen handelt es sich um ein sehr differenziertes Vokalsystem mit 16 Vo-
kalphonemen, die bei wechselseitigem Austausch neue Wörter ergeben und somit bedeutungs-
unterscheidend wirken. Aus /hand/ (Hand) wird beispielsweise /hUnd/ (Hund), wenn /a/ durch
/U/ ersetzt wird.

Tabelle 1: Vokale des Deutschen nach ihren distinktiven Merkmalen

vorn Mitte hinten


nichtlabial labial
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
hoch gespannt iÉ yÉ uÉ
ungespannt I Y U
mittelhoch gespannt eÉ PÉ oÉ
ungespannt E EÉ { « O
flach a aÉ

Für die Charakterisierung der einzelnen Vokale werden folgende Unterscheidungsmerkmale


(distinktive Merkmale) genutzt, vgl. auch A. 5.4.1:

Grad der Zungenhebung


Die Zunge wölbt sich hoch bzw. mittelhoch auf oder sie flacht sich ab. Dementsprechend
haben die Vokale das Merkmal »hoch«, »mittelhoch« oder »flach«.
Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache 25

Richtung der Zungenhebung


Der vordere Zungenrücken wölbt sich zum vorderen Gaumen auf, der mittlere Zungenrü-
cken zum mittleren Gaumen und der hintere Zungenrücken zum hinteren Gaumen. Das ent-
sprechende Merkmal ist folglich »vorn«, »Mitte« oder »hinten«.
Durch die vordere und die hintere Zungenaufwölbung werden Vokalreihen gebildet, die
Aufwölbung des mittleren Zungenrückens erzeugt dagegen lediglich einen Vokal, den Schwa-
Laut (Zeichen: /«/), das E der nichtakzentuierbaren Nebensilben. Allerdings ist auch das vo-
kalisierte R (Zeichen: [?]) ein Mittelzungenvokal. Es kann aber nicht als Phonem (Sprach-
laut), sondern nur als Allophon (Sprechlaut), als vokalische Realisation des Konsonanten /å/,
gewertet werden.

Labialität
Die vordere Vokalreihe wird durch das Merkmal »labial«, eine kräftige Lippenrundung und
-vorstülpung, zusätzlich differenziert: Es gibt Vorderzungenvokale ohne Lippenrundung
(nichtlabiale Vorderzungenvokale, z. B. /I E/) und solche mit Lippenrundung (labiale Vorder-
zungenvokale, z. B. /Y {/).
Auch die Hinterzungenvokale wie /U O/ werden mit Lippenstülpung artikuliert. Innerhalb
dieser Vokalreihe wirkt die Lippenstülpung aber nicht lautunterscheidend. Das Deutsche hat
(im Gegensatz zu anderen Sprachen) keine nichtlabialen Hinterzungenvokale.

Quantität
Charakteristisch für die deutschen Vokale ist die Verwendung der Merkmale »kurz« und
»lang«: Abgesehen von der Artikulation des /«/ werden mit jeder Kombination der drei ge-
nannten Merkmale (Hebungsgrad der Zunge, Hebungsrichtung der Zunge, Lippenaktivität)
jeweils ein Lang- und ein Kurzvokal gebildet, so dass insgesamt sieben Vokalpaare entstehen
(vgl. dazu jedoch das Merkmal Qualität).

Qualität
Die Gegenüberstellung lang – kurz ist mit einem Qualitäts-, d. h. Klangunterschied gekop-
pelt. Anders als die Langvokale werden die Kurzvokale mit etwas weniger Spannung, größe-
rer Mundöffnung, geringerer Lippenbeteiligung und geringerer Zungenaufwölbung gebildet.
Sie haben folglich das Merkmal »ungespannt« und die entsprechenden Langvokale das Merk-
mal »gespannt«. Deutlich wird dies an den unterschiedlichen Transkriptionszeichen für
Lang- und Kurzvokale.
Für die A-Vokale, die mit Zungenabflachung gebildet werden, trifft dies nicht zu. Hier
wird nur ein kurzes von einem langen A unterschieden, was wiederum mit den Transkrip-
tionszeichen deutlich gemacht wird: einerseits /a/ und /aÉ/, andererseits /U/ und /uÉ/.
/iÉ/ – /I/
/eÉ/ – /E/
/aÉ/ – /a/
/yÉ/ – /Y/
/PÉ/ – /{/
/uÉ/ – /U/
/oÉ/ – /O/
Eine Besonderheit des deutschen Vokalsystems besteht schließlich darin, dass neben dem
langen gespannten /eÉ/ und dem kurzen ungespannten /E/ auch ein langes ungespanntes /EÉ/
vorhanden ist. Es wird mit etwas geringerer Zungenaufwölbung und größerer Mundöffnung
26 Die Standardaussprache in Deutschland

als das kurze ungespannte /E/ gebildet, steht in Tabelle 1 (vgl. oben) aber neben dem kurzen
ungespannten.
Eingedeutschte fremde Wörter (vgl. A. 3) können außerdem kurze gespannte Vokale
sowie nasalierte Vokale aufweisen, die nicht zum ursprünglichen deutschen Vokalsystem ge-
hören (vgl. A. 5.4).

4.1.2 Quantität und Wortakzent

Unter dem Einfluss des Akzents variiert die Dauer der Langvokale. Akzentuiert sind sie deutlich
länger als nicht akzentuiert. In der Lautfolge worin beispielsweise wird ein langes O gesprochen,
wenn die erste Silbe akzentuiert ist. Folglich wird ein gespannter Vokal mit Längezeichen transkri-
biert, also [v"oÉåIn]. Wechselt der Akzent dagegen auf die zweite Silbe, so wird das O verkürzt.
Der Grad der Kürzung kann der Quantität eines Kurzvokals nahe kommen, dennoch handelt es
sich nicht um einen Kurzvokal. Nach der hier vertretenen Auffassung gehört zu einem Kurzvokal
im Deutschen neben der Kürze, dass er nicht dehnbar ist und dass er einen festen Anschluss an
den folgenden Konsonanten hat. Im Gegensatz dazu sind Langvokale in der Quantität veränder-
lich, also dehnbar und kürzbar, und sie werden an folgende Konsonanten weich bzw. lose ange-
schlossen. Beides trifft im obigen Beispiel für das O auch dann zu, wenn der Akzent in worin auf
der zweiten Silbe liegt. Deshalb wird im Wörterverzeichnis dieses Buches auch hier ein langes ge-
spanntes O transkribiert, also [voÉå"In]. Ein vergleichbarer Fall sind auslautende Vokale in nicht-
letzten Komponenten von Komposita und Bindestrichwörtern, z. B. Kinofilm, ideo-motorisch.
In dieser Position entstehen auch bei Akzentlosigkeit keine Kurzvokale, sie müssen als lang ge-
kennzeichnet werden, also [k"iÉnoÉfIlm] und [®ideoÉ mot"oÉåIS]. Das gleiche Problem tritt in Zu-
sammensetzungen fremder Herkunft auf, wenn Präfixe und Halbpräfixe auf Vokal enden, z. B.
Anthropogenetik, Antimaterie. Je stärker die Fuge zwischen den Komponenten im Bewusstsein ist
und z. B. bei Kontrastivität die Aussprache beeinflusst, desto länger wird der Vokal artikuliert. In
diesem Wörterbuch wird jedoch die Länge nichtletzter auslautender Vokale nur in Komposita
und Bindestrichwörtern, nicht aber in Präfixen und Halbpräfixen angegeben.

4.1.3 Vokalverbindungen innerhalb der Silbe

Neben den einfachen Vokalen hat die Standardaussprache auch drei Diphthonge, und zwar [aE8]
z. B. in zwei, Mai, [aO8] z. B. in aus, Frau, und [OÎ] z. B. in häufig, Leute. In wenigen Ausrufen wie
pfui, hui tritt außerdem ein vierter Diphthong auf, das [U£]. Die deutschen Diphthonge werden
hier als einsilbige Vokalverbindungen beschrieben. Bei ihrer Bildung geht die Artikulationsein-
stellung des ersten Vokals stufenlos gleitend in die des zweiten über. Dabei nimmt die Intensität
ab (fallende Diphthonge).
Weil Diphthonge innerhalb einer Silbe artikuliert werden, sind Verbindungen von Vokal +
Vokal wie z. B. in Zuarbeit keine Diphthonge. Denn in solchen Fällen liegt zwischen den beiden
Vokalen jeweils eine Silbengrenze, die, von Ausnahmen abgesehen (vgl. A. 5.4.2.1), zusätzlich
durch einen Glottisplosiv angezeigt wird: [ts"uɳab®aE8t]. Auch die Lautfolge langer Vokal +
vokalisiertes R in Wörtern wie Meer, Ohr, Uhr wird nicht als Diphthong bezeichnet, weil dem
vokalischen Laut für das R ein Konsonant zugrunde liegt, der bei Flexion auch wieder konsonan-
tisch in Erscheinung tritt, z. B. [uÉ?] (Uhr), aber ["uÉå«n] (Uhren).
Fremde Wörter und auch ihre Eindeutschungen können weitere Diphthonge bzw. Triph-
thonge enthalten (vgl. A. 7).
Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache 27

4.1.4 Phonem-Graphem-Beziehungen

Die Unterschiede zwischen den deutschen Vokalen werden weitgehend durch die Schreibung
wiedergegeben. Die aus dem Lateinischen übernommene Buchstabenschrift besitzt zwar keine
gesonderten Buchstaben für die Lang- bzw. die Kurzvokale, dennoch hat die Orthografie meh-
rere grafische Möglichkeiten entwickelt, um die unterschiedliche Quantität der Vokale in der
Standardaussprache anzuzeigen. Für die Signalisierung von Vokalkürze gilt:
a) Ist ein akzentuierter Vokal vor einem einzelnen Konsonanten kurz, so ist der Buchstabe für
den Konsonanten fast immer verdoppelt worden (für <kk> wird <ck>, für <zz> wird <tz>
geschrieben). Seit die neuen Rechtschreibregeln am 1.8.2006 in Kraft getreten sind, gilt dies
auch für /s/ nach kurzem Vokal, z. B. <Riss> (früher <Riß>, wobei in Namen auch Ausnah-
men vorkommen (z. B. Keßler [k"EslŒ]) und vorkamen (z. B. Süssmuth [z"yÉsmuÉt]). Ausge-
nommen sind mehrere einsilbige Wörter wie bin, hat, ab, bis, dran.
b) In etlichen Fremdwörtern wie Fassade, Batterie wurde der Buchstabe für den einzelnen Kon-
sonanten auch verdoppelt, obwohl der kurze Vokal nicht akzentuiert ist.

Die Vokallänge dagegen ist grafisch wie folgt kenntlich gemacht worden:
a) Die Buchstaben für akzentuierte /aÉ/, /eÉ/ und /oÉ/ vor einem einzelnen Konsonanten wurden
in einer kleinen Gruppe von Wörtern verdoppelt, z. B. Saal, Beet, Boot.
b) /iÉ/ wurde in einzelnen deutschen Wörtern mit <ih> und <ieh> angezeigt, z. B. ihn, Vieh, in
den meisten Wörtern jedoch mit <ie>, z. B. schief. Das Letztere gilt auch für Suffixe mit /iÉ/,
z. B. Philosophie, Kanonier, marschieren.
c) Gehört der einzelne Konsonant nach langem akzentuiertem Vokal zur Gruppe /m n l å/, so
wurde etwa in der Hälfte der Fälle ein Dehnungs-h eingesetzt, z. B. lahm, Wahn, Höhle, sehr.
d) /s/ wurde nach langem Vokal mit <ß> wiedergegeben, z. B. Fuß (aber Fluss).

Diese grafischen Anzeigen sind jedoch nur unvollständig durchgesetzt worden. Es blieben unter-
schiedliche Wiedergabemöglichkeiten für die gleichen Phoneme erhalten und sie wurden viel-
fach bei gleichlautenden, aber semantisch verschiedenen Wörtern zur Unterscheidungsschrei-
bung genutzt, z. B. malen gegenüber mahlen, wieder gegenüber wider. In der folgenden Tabelle
werden zunächst die grafischen Bezeichnungsmöglichkeiten für die Vokale in deutschen Wör-
tern aufgelistet.

Tabelle 2: Phonem-Graphem-Beziehungen der Vokale in deutschen Wörtern

Phoneme Grapheme Beispiele


iÉ i, ie, ih, ieh, y wir, sieben, ihm, Vieh, Schwyz
I i Bitte
eÉ e, ee, eh leben, Beere, Reh
E e, ä stellen, kräftig
EÉ ä, äh Käse, lähmen
aÉ a, aa, ah, ae baden, Staat, Bahn, Baesweiler
a a Klasse
yÉ ü, üh, ui Schüler, früh,Duisburg
Y ü Glück
28 Die Standardaussprache in Deutschland

Phoneme Grapheme Beispiele


PÉ ö, öh, oe, oey lösen, Höhle, Goethe, Oeynhausen
{ ö Löffel
uÉ u, uh, ue Buch, Stuhl, Hueber
U u Gruppe
oÉ o, oo, oh, oe, oi Boden, Boot, wohnen, Soest, Voigt
O o voll
« e Gabe
aE8 ei, ai, ey, ay Wein, Mai, Norderney, Bayern
aO8 au Auge
OÎ eu, äu heute, träumen

In den älteren Entlehnungen aus fremden Sprachen (vgl. A. 3) treten weitere Phonem-Gra-
phem-Beziehungen auf. Die Neuregelung der Rechtschreibung hat allerdings durch die Einfüh-
rung von Schreibdubletten für viele der betroffenen Wörter die eindeutschende Schreibung be-
fördert. In denjenigen Fällen, in denen der Assimilationsprozess als abgeschlossen betrachtet
werden kann, wird im Wörterverzeichnis dieses Buches nur noch eine Form angegeben.

Tabelle 3: Phonem-Graphem-Beziehungen der Vokale in fremden Wörtern (Auswahl)

Phoneme Grapheme Beispiele


i i (in akzentloser offener Silbe) Idol
e e (in akzentloser offener Silbe) Republik
eÉ é Doublé
PÉ eu Amateur
E (in akzentuierter Silbe EÉ) ai (nur vor <r>) Pair
y ü (in akzentloser offener Silbe), y Büfett, Typologie
yÉ y Typ
Y y Ägypten
P ö (in akzentloser offener Silbe) Böotien
u u (in akzentloser offener Silbe) Hubertus
o o (in akzentloser offener Silbe) porös
oÉ eau Niveau
O au Chauffeur
u (in akzentuierter Silbe uÉ) ou Bourscheid

Die Phonem-Graphem-Beziehungen für fremde Wörter und Namen werden für einige Her-
kunftssprachen im Kapitel A. 7 detailliert dargestellt.
Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache 29

4.2 Konsonanten

4.2.1 Distinktive Merkmale

Das Deutsche hat 20 Konsonantenphoneme, die bedeutungsunterscheidend wirken. Wird im


Wort Band beispielsweise /b/ durch /v/, /h/, /z/,/å/, /l/, /f/ oder /t/ ersetzt, so entstehen die Wör-
ter Wand, Hand, Sand, Rand, Land, (er) fand, Tand usw. Es gibt vier Paar (die zwei Phoneme
eines Paars unterscheiden sich nur durch die Spannung) Frikative (Reibelaute, Engelaute), ein
fünftes Paar entsteht, wenn dem /S/ das nur in fremden Wörtern auftretende /Z/ (in der Tabelle
mit * angezeigt) gegenübergestellt wird. Daneben hat das Deutsche drei Paar Plosive (Ver-
schlusslaute), drei Nasale (Nasenlaute), einen Lateral (Seitenlaut) und einen Hauchlaut. Als Un-
terscheidungsmerkmale (distinktive Merkmale) werden genutzt, vgl. auch A. 5.5.1:

Artikulationsmodus
Es gibt die Artikulationsmodi frikativ, plosiv, nasal, lateral. Die Frikative werden mit einer Enge
gebildet, die Plosive mit Verschluss. Der Gegensatz zwischen nasal und nichtnasal unterscheidet
die Reihe der nichtnasalen Lenis-Plosive /b d g/ von den Nasalen /m n N/. Sie werden an den glei-
chen Artikulationsstellen wie die Plosive und ebenfalls mit Mundverschluss gebildet, haben aber
eine freie Nasenpassage. Der Lateral ist durch eine seitliche Öffnung gekennzeichnet.

Spannung
Der deutsche Konsonantismus hat als wichtige Besonderheit den Gegensatz zwischen fortis
(stark gespannt) und lenis (schwach gespannt). Mit seiner Hilfe werden sowohl die Fortis-Fri-
kative den Lenis-Frikativen als auch die Fortis-Plosive den Lenis-Plosiven gegenübergestellt.

Artikulationsstelle
Die Artikulationsstellen sind: labial (Lippen), alveolar (Zahndamm), präpalatal (vorderer Hart-
gaumen), palatal (mittlerer bis hinterer Hartgaumen), velar (weicher Gaumen), glottal (Kehl-
kopf). Plosive und Nasale werden als labial, alveolar oder velar beschrieben, Frikative zusätzlich
als präpalatal oder palatal. Außerhalb dieser Konsonantenreihen stehen der Lateral /l/ und der an
der Glottis gebildete Hauchlaut /h/.

Mit diesen Merkmalen bilden die Konsonanten des Deutschen ein weitgehend symmetrisch ge-
ordnetes System.

Tabelle 4: Konsonanten des Deutschen nach ihren distinktiven Merkmalen

labial alveolar präpalatal palatal velar glottal


fortis f s S  x
Frikative
lenis v z *Z J å h
fortis p t k
Plosive
lenis b d g
Nasale m n N
Lateral l
30 Die Standardaussprache in Deutschland

4.2.2 Besonderheiten und Probleme

Der Konsonantismus der deutschen Standardaussprache weist folgende Besonderheiten auf:


a. Der Konsonant /å/ wurde lange als Vibrant, als Schwing- oder Zitterlaut beschrieben. Die
meisten bundesdeutschen Sprecher realisieren jedoch beim Gebrauch der Standardaussprache
vor akzentuiertem Vokal, der wichtigsten Position, ein Reibe-R. Das gerollte R (Zungenspit-
zen- oder Zäpfchen-R) ist die seltenere Variante, die nur im Kunstgesang häufiger realisiert
wird. Demzufolge wird hier der zugrunde liegende Sprachlaut als Frikativ bezeichnet. Er
unterscheidet sich phonologisch vom Fortis-Frikativ /x/ allein durch das Merkmal lenis. Die
Internationale Lautschrift sieht dafür das Zeichen [V] vor. In diesem Wörterbuch wird je-
doch das Zeichen [å] verwendet, das zwar eigentlich für einen uvularen Frikativ steht, aber
unzweideutig an das Graphem <R> erinnert.
b. In einigen Positionen tritt für /å/ regelgerecht ein dunkler Mittelzungenvokal auf (Zeichen:
[?]), z. B. in er [eÉ?]. [?] ist folglich kein Phonem (Sprachlaut), sondern ein Allophon (Sprech-
laut). Mit ihm wird ein Konsonantenphonem vokalisch realisiert. Bei der Realisierung
der nicht akzentuierten Affixe <er-, her-, ver-, zer-, -er> verschmilzt das [?] mit dem voran-
stehenden Schwa-Laut zu einem Silbenkern, der mit dem Zeichen [Œ] angezeigt wird, z. B. in
eher ["eɌ].
c. // und /x/ werden oft als ein Phonem zusammengefasst, weil sie sich vorgeblich kontext-
bedingt gegenseitig ausschließen: // tritt danach nur nach Vorderzungenvokalen, /aE8/ und
/OÎ/ sowie den Konsonanten /l n å/ auf, /x/ dagegen nur nach Hinterzungenvokalen, /a/, /a†/
und /aO8/. Folgende Fakten sprechen jedoch für zwei Phoneme: a) Die Artikulationsstellen
beider Konsonanten unterscheiden sich deutlich (vgl. Tabelle 4), b) // bildet mit /J/ ein Paar
und /x/ mit /å/, wodurch der Parallelismus im Konsonantensystem verstärkt wird, c) korrekt
gebildete, wenngleich selten gebrauchte Wörter mit der Diminutivendung /«n/ wie Kuhchen
und Tauchen (ein kleines Tau) werden bei Ersetzung des // durch /x/ zu neuen Wörtern:
/k"uÉx«n/ statt /k"uÉ«n/, /t"aO8x«n/ statt /t"aO8«n/.
d. Die Verbindungen /pf/ und /ts/, die unter der Bezeichnung Affrikaten vielfach als ein selbst-
ständiger Sprachlaut dargestellt werden, fehlen in der obigen Tabelle. Sie werden hier als zwei
Sprachlaute, als Verbindungen zwischen Plosiv und Frikativ aufgefasst, weil sich die Sonder-
stellung »ein Sprachlaut« nicht zweifelsfrei begründen lässt. Denn es gibt eine weitere Plosiv-
Frikativ-Verbindung, die Folge /kå/ (z. B. in Krach, Krebs), die in der gleichen Art wie /pf/
und /ts/ artikuliert wird, aber nie als ein Sprachlaut aufgefasst worden ist. Darüber hinaus
finden sich andere Verbindungen zwischen Plosiv und Frikativ, etwa /p/ + /s/ (z. B. in Psycho-
logie, Gips), /t/ + /S/ (z. B. in Peitsche, klatschen), /k/ + /s/ (z. B. in Xaver, Hexe, wachsen, Keks,
Knacks, unterwegs). Die Bewertung der genannten Plosiv-Frikativ-Verbindungen ist strittig.
Sie war es schon, als versucht wurde, für das Deutsche eine Orthografie zu entwickeln. Denn
die Verbindung /ts/ wurde als ein Laut interpretiert und mit nur einem Buchstaben wieder-
gegeben (z. B. in Zeit), für die Verbindung /pf/ dagegen nutzte man zwei Buchstaben (z. B. in
Pferd), weil man sie offensichtlich nicht als einen Laut verstand. Bis heute steht die Ein-Laut-
Interpretation (monophonematisch) der Zwei-Laut-Interpretation (biphonematisch) ge-
genüber.
e. Eine Besonderheit der bundesdeutschen Standardaussprache besteht darin, dass Vokale und
Diphthonge wort- und silbeninitial oft mit einem an der Glottis gebildeten Plosiv (Zeichen:
[³]) einsetzen (vgl. A. 5.4.2.1). Dieser Glottisplosiv, auch Glottisschlag genannt, signalisiert
zwar Silben- bzw. Wortgrenzen und kann damit auch zur Wortunterscheidung beitragen. Im
Gegensatz zu den anderen Plosiven ist er aber kein Sprachlaut; er wird auch durch keinen
speziellen Buchstaben signalisiert.
Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache 31

4.2.3 Phonem-Graphem-Beziehungen

Die Phonemunterscheidungen im deutschen Konsonantismus werden durch die Schreibung


weitgehend korrekt wiedergegeben. Nur in wenigen Fällen (Wiedergabe von /s/ und /z/ durch
<s>, Wiedergabe von // und /x/ durch <ch>, Zweifachbeziehung von <v> zu /f/ und /v/, Zwei-
fachbeziehung von <s> zu /S/ und /s/) fehlt die ein-eindeutige grafische Kennzeichnung. Im Ein-
zelnen bestehen folgende Beziehungen:

Tabelle 5: Phonem-Gaphem-Beziehungen der Konsonanten in deutschen Wörtern

Phoneme Grapheme Beispiele


f f, ff, v Feld, hoffen, Vater, Versuch
v w, v Welt, Vase, Jever
s s, ß, ss was, reißen, Tasse
z s Reisen
S sch, s Schule, spielen
 ch, g Licht, ewig
J j Jacke
x ch Buch
å r, rr, rh rot, Herr, Rhein
h h Hut
p p, pp Oper, doppelt
b b, bb Ober, Ebbe
t t, tt, dt, th, tth Tür, bitte, Stadt, Thomas, Matthias
d d, dd reden, paddeln
k k, ck, c, ch können, Zucker, Coburg, Chemnitz
g g, gg liegen, Egge
l l, ll Lampe, hell
m m, mm Mann, kommen
n n, nn Name, Mann
N ng, n singen, Bank
pf pf Pfennig
ts z, tz Zahl, Platz
ks x, chs, ks,cks, Text, wachsen, links, (du) bäckst
kv9 qu Quelle, bequem

In den älteren Entlehnungen aus fremden Sprachen (vgl. A. 3) treten weitere Phonem-
Graphem-Beziehungen auf, die von den ursprünglich deutschen Korrespondenzen abweichen.
Die Neuregelung der Rechtschreibung hat mit der Einführung von Schreibvarianten auch für die
32 Die Standardaussprache in Deutschland

konsonantischen Phonem-Graphem-Beziehungen eine weitere Eindeutschung angestoßen. Die


fremden Schreibungen können deshalb aber nicht unbeachtet bleiben.

Tabelle 6: Konsonantische Phonem-Graphem-Beziehungen in fremden Wörtern (Auswahl)

Phoneme Grapheme Beispiele


f ph Phonetik, Alphabet
s c Necessaire, Facette
S ch Anchovis, Sketch
Z j, g Journal, Etage
J y Yoga, Mayonnaise
x cch Bacchus
å rh Rhetorik, Hämorrhoiden
t th Theater, Asthma
k c, qu, cch Clementine, Kommuniqué, Zucchini
g gh Ghana, Joghurt
ts c, zz Penicilin, circa, Pizza
ts t vor i + Vokal Pretiosen, partiell
tS c, cc Cellist, Cembalo, Gucci

Die Phonem-Graphem-Beziehungen für fremde Wörter und Namen werden für einige Her-
kunftssprachen im Kapitel A. 7 detailliert dargestellt.

4.2.4 Auftretensbeschränkungen

Die Tabellen 4, 5 und 6 präsentieren die konsonantischen Phoneme als scheinbar gleichwertige,
gleichbelastete Elemente. Sie sind aber nicht gleichwertig. Schon ihre Auftretensmöglichkeiten
im Wort unterscheiden sich beträchtlich. Während /f S å b t d g m n l/ nahezu uneingeschränkt
vor und nach Vokalen, wort- und silbeninitial bzw. -final auftreten können, gelten für die rest-
lichen Sprachlaute in deutschen Wörtern u. a. folgende Beschränkungen:
/s/ nicht wortinitial
// nicht wortinitial nur silbenfinal oder silbeninitial nach Vorderzungenvokalen, /aE8/,
/OÎ/ und /l n å/
/x/ nicht wortinitial, nur silbenfinal oder silbeninitial nach Hinterzungenvokalen, /a aÉ/
und /aO8/
/J/ nur wort- und silbeninitial vor Vokal
/h/ nur wort- und silbeninitial vor Vokal
/N/ nicht wortinitial und nur nach kurzem Vokal
/v z/ nicht nach Kurzvokalen.

In Wörtern, die aus anderen Sprachen übernommen und mehr oder weniger stark eingedeutscht
worden sind, finden sich auch fremde Phoneme (z. B. das englische /T/ in Thetford D[T"EtfOt],
Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache 33

vgl. Kap. A. 7). Außerdem treten Phoneme in Positionen auf, die den deutschen Verteilungs-
regeln widersprechen. So zeigt sich etwa im Wort Chemie (/em"iÉ/), das griechische Wurzeln hat,
// auch wortinitial.
Diese Differenzierungen erschweren die Aufstellung übersichtlicher Ausspracheregeln ge-
nauso wie der Umstand, dass die fremden Phoneme nur zum Teil mit fremden Graphemen oder
Graphemkombinationen angezeigt werden. Noch einschneidender wirkt sich jedoch die unter-
schiedliche Bindungsfähigkeit der Konsonanten aus, ihre Kombinierbarkeit mit anderen Konso-
nanten (vgl. A. 4.4.1). Sie bestimmt die für das Deutsche spezifischen Silbenstrukturen.

4.3 Morpheme

Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Elemente der Sprache. Von ihnen hängt
im Deutschen weitgehend die Wortakzentuierung ab. Hinsichtlich der Ausspracheregelung ist
zwischen freien und gebundenen Morphemen zu unterscheiden.

4.3.1 Freie Morpheme

Freie Morpheme, auch Grundmorpheme genannt, bezeichnen entweder Sachverhalte und Ob-
jekte der Wirklichkeit (z. B. Hand, blau) oder Beziehungen innerhalb des Satzes (z. B. und, sie).
Sie sind generell akzentuierbar, werden aber oft nicht akzentuiert. Auch in Zusammensetzungen,
die sie bilden können, tragen sie häufig nur einen Nebenakzent oder gar keinen Akzent.
Freie Morpheme, die Sachverhalte oder Objekte benennen, fungieren als Stammmorpheme
für die Wortbildung. Mit dem Wortstamm Streit beispielsweise können folgende Wörter gebildet
werden: streiten, stritt, gestritten, zerstritten, abstreiten, bestreiten, Streiter, Streiterin, Streitbar-
keit, Streiterei, Streitigkeiten, streitbar, streitig, unstreitig, strittig, unbestritten usw. Außerdem tritt
dieser Wortstamm in vielen Komposita auf, z. B. Streitfall, Streitgedicht, Streitmacht, Streitham-
mel, streitversessen, Familienstreit, Teilstreitkräfte, Zivilrechtsstreitwert. Um einen Wortstamm
herum kann also eine Wortfamilie bestehen, zu der allerdings die Komposita meist nicht gezählt
werden.

4.3.2 Gebundene Morpheme

Bei den gebundenen Morphemen handelt es sich vor allem um wort- und formbildende Ele-
mente, die besonders bei Verben, Substantiven und Adjektiven einem Wortstamm oder einem
bereits zusammengesetzten Wort angefügt werden, wobei sie entweder dem Stamm vorausgehen
oder ihm folgen. Die Wortakzentuierung kann von beiden Fügungsarten abhängen.

4.3.2.1 Morpheme vor dem Stamm

Hierbei handelt es sich um Präfixe und um die sogenannten Halbpräfixe, die mit anderer (oft
geschwächter) Bedeutung auch frei auftreten. Sie differieren nach der Wortart des abgeleiteten
Wortes.
34 Die Standardaussprache in Deutschland

Verben
Als Präfixe fungieren z. B. be-, de-, ent-, er-, ge-, ver-, zer-. Sie sind nicht akzentuierbar.
Halbpräfixe sind z. B. ab-, an-, auf-, aus-, ein-, durch-, her-, hin-, hinter-, los-, vor-, über-, un-
ter-, wider-, hinunter-, herüber-. Sie können mit manchen Verben trennbar verbunden sein und
werden dann akzentuiert.

Substantive
Präfixe sind z. B. ant-/anti-, ex-, fehl-, ko-, miss-, mit-, nicht-, schein-, un-, vize-. Sie tragen
gewöhnlich den Wortakzent. In fremden Wörtern werden darüber hinaus häufig folgende eben-
falls akzentuierbare Präfixe verwendet: auto-, de-/des-, dis-, dys-, epi-, hyper-, hypo-, in-/il-/im-/
ir-, mega-, mikro-, per-, poly-, semi-, sub-, ultra-. Meist akzentlos sind dagegen z. B. allo-, iso-,
neo-.
Als Halbpräfixe fungieren z. B. affen-, alt-, bomben-, ehren-, halb-, heiden-, hilfs-, höllen-,
maximal-, muster-, pfunds-, pseudo-, riesen-, star-, top-, ultra-. Sie sind gewöhnlich akzentuiert.

Adjektive
Als Präfixe werden z. B. verwendet: a-, anti-, bi-, des-/dis-, epi-, hetero-, hyper-, in-, mono-,
multi-, non-, para-, prä-, pro-, pseudo-, semi-, sub-, un-. Sie werden meist akzentuiert.
Halbpräfixe sind z. B. blitz-, bitter-, extra-, hoch-, stock-, super-, tief-, tod-, voll-, über-, unter-,
ultra-. Sie tragen gewöhnlich einen Akzent, oft aber nur den Nebenakzent.

4.3.2.2 Morpheme nach dem Stamm

Hierzu gehören zunächst wortbildende Suffixe und die sogenannten Halbsuffixe, die wie die
Halbpräfixe auch selbstständig auftreten können. Sie unterscheiden sich ebenfalls nach der Art
des abgeleiteten Wortes.

Verben
Bei Verben werden die nichtakzentuierbaren Suffixe -en/-n, -eln/-ln, -igen und bei fremden Wör-
tern die akzentuierten Suffixe -ieren und -isieren verwendet.

Substantive
Bei Substantiven finden sich viele nichtakzentuierbare Suffixe wie -e, -er, -heit, -keit, -ler, -ling,
-nis, -schaft, -tum, -ung und einige nichtakzentuierbare Halbsuffixe wie -frau, -mann, -gut,
-werk, -zeug. Den Akzent tragen dagegen -ei, -ist, -iker und viele fremde Suffixe, z. B. -(at)ion,
-ator, -ant/-ent, -är, -eur/-euse, -(er)ie, -ismus, -itä.

Adjektive
Bei Adjektiven werden z. B. die Suffixe -bar, -ig, -isch, -lich, -sam und die Halbsuffixe -echt,
-förmig, -gerecht, -fest, -frei, -los, -leer, -mäßig, -reich, -sicher, -stark, -voll, -wert, -würdig nicht
akzentuiert. Meist akzentuiert dagegen werden die fremden oder zu fremden Wörtern tretenden
Suffixe, z. B. -abel/-ibel, -al, -all/-ell, -ant/-ent, -ar/-är, -esk, -iv, -oid, -ös/-os.
Dem Stamm folgen auch die Flexionsmorpheme. Sie zeigen bei Substantiven und Adjekti-
ven die Deklination an (z. B. des Stifts, dem klugen Manne), bei Verben die Konjugation (z. B. ich
rufe, er ruft) und bei Adjektiven die Komparation (z. B. weiter, am höchsten). Sie sind nicht akzen-
tuierbar.
Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache 35

4.4 Silben

Die Position des Wortakzents hängt im Deutschen zwar weitgehend von der Morphemstruktur
des Wortes ab, realisiert und hörbar aber werden die Akzente erst beim Sprechen. Die prosodi-
schen Schwer-Leicht-Abstufungen, die bei der fließenden Artikulation erzeugt werden, haben
nicht das Morphem, sondern die (Sprech-)Silbe als kleinste Einheit. Beispiele für Silbenstruktu-
ren stützen sich deshalb nicht auf Phonemfolgen, sondern auf die Realisierung der Phoneme
beim Sprechen, also auf die phonetische Form der Silbe.
Durch skandierendes Sprechen (von Abzählreimen z.B.) können Muttersprachler von Kind-
heit an Wörter ohne Mühe in Silben zerlegen. Diese Gliederung ist vielfach bedeutungsunabhän-
gig und erfordert in solchen Fällen auch kein sprachliches Wissen. Zwar können die Silbengrenzen
(Zeichen: [.]) nicht immer festgelegt werden, die Silbenanzahl in einem Wort aber wird normaler-
weise erkannt. Die Festlegung von Schreibsilben, wie sie für die Worttrennung am Zeilenende
erforderlich ist, beruht weitgehend auf den Sprechsilben und zeigt vielfach die Silbengrenzen an;
sie kann aber auch von den Bedeutungselementen des Wortes abhängen, z.B. Trennung nach
Sprechsilben: Diph-thong, dagegen Trennung nach Bedeutungselementen: Di-phthong.

4.4.1 Silbenschemata und Konsonantenverbindungen

Silben bestehen aus dem Silbenkern und aus den beiden Randbereichen, dem Silbenkopf
(»Head«) vor dem Kern und dem Silbenschwanz (»Koda«) nach dem Kern.
Der Silbenkern ist obligatorisch und meist ein Vokal; es kann sich aber auch um einen Nasal
oder ein /l/ handeln, z. B. in den zweisilbigen Wörtern haben [h"aÉ.bm`], Tafel [t"aÉ.f+]. In fremden
Wörtern können auch andere Konsonanten den Silbenkern bilden, z. B. Brno [b"å`nOÉ].
Die beiden Randbereiche (Silbenkopf und Silbenschwanz) können leer oder auf verschie-
dene Weise konsonantisch besetzt sein, z. B. Theater [te."aÉ.tŒ], transversale [tå9ans.v9E.z"aÉ.l«].
Dabei treten im Silbenkopf fast durchweg andere Konsonantenverbindungen auf als im Silben-
schwanz. Dies ergibt sich aus dem Strukturschema für Silben. Danach stellt der Silbenkern einen
Sonoritätsgipfel (höchstmögliche Stimmhaftigkeit) dar und in den Randbereichen nimmt die
Sonorität beim Vorhandensein von Konsonanten in einer oder mehreren Stufen ab. Damit ergibt
sich für die Konsonantengruppen:
x Fortis-Frikative und Fortis-Plosive haben keine Sonorität; sie stehen in Konsonantenverbin-
dungen unmittelbar an den Silbengrenzen, z. B. Pracht [pRß axt], krank [kå9aNk].
x Lenis-Plosive können zwar stimmhaft sein, aber verbunden mit Sonorkonsonanten (Nasale
und /l/) stehen sie ebenfalls an den Silbengrenzen, z. B. Grund [gåUnd]. Diese Tendenz wird
dadurch bestärkt, dass im Deutschen am Silbenende alle Lenis-Phoneme außer [å] als Fortes
realisiert werden (Auslautverhärtung, vgl. A. 5.5.2.3), z. B. wird Grund /gåUnd/ als [gåUnt] ge-
sprochen. Lenis-Frikative gehen im Deutschen keine Verbindungen mit Sonorkonsonanten
ein.
x Sonorkonsonanten und das aus einem Sonorkonsonanten entstandene [å] sind stimmhaft
wie Vokale, wenn auch mit geringerer Intensität. Verbunden mit anderen Konsonanten ste-
hen sie unmittelbar neben den Vokalen, z. B. im Silbenkopf: Strich [Stå9I], blau [blaO8], im Sil-
benschwanz: alt [alt], Kunst [kUnst].

Die Kombinations- oder Bindungsfähigkeit der einzelnen Konsonanten bestimmt sich also
tendenziell nach ihrem Sonoritätsgrad, wobei allerdings auch sprachspezifische Auftretens-
beschränkungen mitspielen und die Position in der Silbe ausschlaggebend ist:
36 Die Standardaussprache in Deutschland

Im Silbenkopf, der null bis drei Konsonanten aufweisen kann, ergeben sich folgende Mög-
lichkeiten:
a) Einzelkonsonanten: Einzeln können alle Konsonanten auftreten, z. B. Buhne [b"uÉ.n«], Vase
[v"aÉ.z«]. Jedoch gibt es Einschränkungen hinsichtlich der Position der Silbe im Wort,
z. B. kann /x/ am Silbenanfang vorkommen, wie in Bu-che, die Silbe [x«] kann aber nicht am
Wortanfang stehen.
b) Zweigliedrige Konsonantenverbindungen: Als erstes Glied tritt am häufigsten /S/ auf; mit
sinkendem Anteil folgen /k g p f/ und dann die anderen Plosive. Als zweites Glied ist /å/ am
häufigsten, ihm folgen /l n v/ und in je einer Verbindung /f s p t/, z. B. Schrei [Så9aE8]/, klein
[klaE8n], Gnade [gn"aÉd«], Schwanz [Sv9ants].
c) Dreigliedrige Konsonantenverbindungen: Sie setzen mit den Verbindungen /ts/ und /pf/ so-
wie mit /Sp/ und /St/ ein. Als drittes Glied kommen nur /å/, /l/ und /v/ vor, z. B. Zweig
[tsv9aE8k], Pfropf [pfå9Opf], Spreu [Spå9OÎ], Streich [Stå9"aE8`].

Der Silbenschwanz ist in mehrsilbigen Wörtern von den Silbengrenzen abhängig, die von
Silbifizierungsgewohnheiten und teilweise von den Morphemgrenzen bestimmt werden. In ein-
silbigen Wörtern kann der Silbenschwanz aus null bis fünf Konsonanten bestehen, wobei Fol-
gendes möglich ist:
a) Einzelkonsonanten: Einzeln finden sich alle konsonantischen Phoneme. Dabei ist zu beach-
ten, dass am Silbenende wegen der Auslautverhärtung Lenis-Phoneme als Fortes-Realisatio-
nen auftreten.
b) Mehrgliedrige Konsonantenverbindungen: Als erstes Glied treten überwiegend /å/ und /l/
sowie die Nasale auf. Als Folgeglied finden sich am häufigsten Fortis-Konsonanten. Verbin-
dungen dieser Art sind sprachhistorisch vielfach durch /«/-Elision entstanden. Sie kommen
aber häufig auch durch Flexion zustande, z. B. kommst [kOmst], darfst [dafst], kämpfst
[kEmpfst]. Die Zahl der betreffenden Verbindungen ist beträchtlich: Es gibt etwa 40 zwei-
gliedrige (z. B. hart [hat]), 60 dreigliedrige (z. B. Schmalz [Smalts]), 30 viergliedrige
(z. B. verkorkst [fŒk"Okst]) und einige wenige fünfgliederige Verbindungen (z. B. schimpfst
[SImpfst], (des) Arzts [aÉtsts].

Im Wörterverzeichnis sind diese Abhängigkeiten und die unterschiedlichen Bindungsfähigkeiten


der Konsonanten nur zu einem Teil erkennbar. Da flektierte Wortformen (vor allem deklinierte
Substantive und konjugierte Verben) in Aussprachewörterbüchern traditionell nur wenig beachtet
werden, finden sich dort gerade für die im Fremdsprachenunterricht Deutsch problematischen Fi-
nalstrukturen auch keine Ausspracheangaben. Auch die teils beträchtlichen Konsonantenhäufun-
gen an der Konstituentengrenze von Komposita (z.B. Herbststurm, Schriftsprache) haben bisher
keine Beachtung gefunden; sie werden in diesem Wörterbuch erstmals berücksichtigt.

4.4.2 Silbengrenzen und Vokalquantität

Für die Festlegung der (Sprech-)Silbengrenze im Simplex gelten folgende Konventionen:


a) Eine Silbengrenze liegt üblicherweise zwischen zwei Lauten, z. B. [h"aÉ.bË], [k"aÉ.laO8.Œ].
b) Nach kurzem Vokal wird ein einzelner Konsonant unabhängig von der grafischen Wiedergabe
ambisilbisch gebraucht, d. h., er gehört dann zu beiden betroffenen Silben und die Silben-
grenze liegt in ihm. In waschen beispielsweise wird /S/ beim silbenweisen Sprechen sowohl
der ersten als auch der zweiten Silbe zugeordnet: [v"aS.Sn`]; Gleiches gilt für Kasse [k"as.s«],
Becher [b"E.Œ], Bodden [b"Od.dn`], Paket [pak.k"eÉt], Komma [k"Om.maÉ], Falle [f"al.l«].
Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache 37

c) Bei zwei Konsonanten nach Vokal und vor weiterem Vokal liegt die Silbengrenze nach
dem ersten Konsonanten, z. B. halten [h"al.tn`], Karte [k"a.t«], Kasper [k"as.pŒ]. Bei drei und
mehr Konsonanten tritt meist nur der letzte Konsonant zur folgenden Silbe, z. B. Polster
[p"Ols.tŒ], Ärzte ["EÉ?ts.t«], jedoch können auch zwei Konsonanten zur folgenden Silbe treten,
z. B. schimpfen [S"Im.pfn`].

Silbengrenzen werden jedoch in Komposita sowie in Wörtern mit angefügten (gebundenen)


Morphemen zu einem erheblichen Teil vom Morphemaufbau der Wörter bestimmt:
a) Die Grenze zwischen den Gliedern eines Kompositums ist immer auch eine meist klar
erkennbare Silbengrenze, z. B. Fotozelle [f"oÉtoÉ.tsEl«], von Ausnahmen wie Politikersatz (Po-
litik-Ersatz vs. Politiker-Satz) abgesehen.
b) Die Morphemgrenze zwischen Präfixen bzw. Halbpräfixen und dem freien Morphem ist im-
mer auch eine Silbengrenze, z. B. Extraklasse ["Ekstå99aÉ.klas«], obwohl bei zwei Konsonanten
nach Vokal und vor einem weiteren Vokal (siehe oben unter c)) die Silbengrenze zwischen [k]
und [l] liegen müsste.
c) Die Morphemgrenze zwischen Suffixen, die mit Vokal beginnen (z. B. -ei, -ung), und
dem freien Morphem bleibt bei der Silbifizierung unberücksichtigt. Die Morphemgrenze
zwischen freien Morphemen und Wortbildungselementen, die wie z. B. -frei, -leer, -arm
usw. zu Suffixen tendieren, ist dagegen immer auch eine Silbengrenze, z. B. ausdrucksarm
["aO8sd9åUks.³am], obwohl bei zwei Konsonanten nach Vokal vor weiterem Vokal (siehe oben
unter c)) die Silbengrenze zwischen [k] und [s] liegen müsste.

Sind die Silbengrenzen am Silbenschwanz nach diesen Regeln bestimmt worden, so können für
die Vokalquantität folgende Aussagen getroffen werden:
a) Der Vokal ist kurz und ungespannt, wenn die Silbe »geschlossen« ist, d. h. auf einen oder
mehrere Konsonanten endet, z. B. bunt [bUnt].
b) Der Vokal ist lang und gespannt, wenn die Silbe »offen« ist, d. h. ohne Konsonant endet, z. B.
baden [b"aÉ.dn`].
c) Der Vokal ist ebenfalls lang und gespannt, wenn die Silbe »potenziell offen« ist, d. h. auf nur
einen Konsonanten endet, der bei Flexion zur folgenden Silbe tritt, z. B. gut [guÉt] weil
[g"uÉ.t«]).
Ist eine Flexion nicht möglich, so kann der Vokal lang oder kurz sein, z. B. wen [veÉn] gegen-
über wenn [vEn], nach [naÉx] gegenüber Nach(bar) [n"ax.b9aÉ].

Diese Regelung wird jedoch durch Veränderungen der Lautfolge bei der Wortbildung durch-
brochen. Denn es besteht Stammmorphem-Konstanz, d. h., die mit dem Wortstamm gegebene
Vokalquantität bleibt bei der Ableitung von Wörtern, also in Wortfamilien, im Allgemeinen er-
halten. So verändert sich beispielsweise die Vokalquantität des Wortes jagen [J"aÉ.g>] auch dann
nicht, wenn in Ableitungen wie Jagd [JaÉkt], jagdbar [J"aÉkt.b9aÉ] die geschlossene Silbe eigentlich
Vokalkürze nach sich ziehen müsste. Diese Konstanz der Vokalquantität gilt meist auch, wenn
der Stammvokal wechselt, z. B. Ofen [oÉ.fn`], Öfchen ["PÉf.«n]. Ausnahmen gibt es aber auch in
diesem Fall, z. B. wachsen [v"aksn``], aber Wuchs [vuÉks].
In fremden Wörtern, und zwar in älteren Entlehnungen, trifft diese Regelung nur für Vokale
in akzentuierten Silben zu. Verlagert sich der Akzent, so wird aus einem langen gespannten Vokal
ein kurzer gespannter Vokal, z. B. illyrisch [Il"yÉåIS], aber Illyrismus [Ilyå"IsmUs].
Eine Besonderheit ist die Silbengrenze bei Konsonantenverbindungen aus Frikativen/Plosi-
ven und /l m n å/. Betroffen sind Wörter und Namen deutscher, zum Teil auch fremder Herkunft
wie Dagmar, Dogma, Edmund, handlich, Handlung, Löbner, Siegmund, Signal, Signatur, unsre,
38 Die Standardaussprache in Deutschland

Wagner, Wagnis, widmen. Nach der orthoepischen Konvention liegt die Silbengrenze in einer
Reihe dieser Wörter anders als orthografisch vorgeschrieben nicht nach, sondern vor dem Fri-
kativ bzw. Plosiv, so dass die Lenis-Phoneme auch nicht fortisiert werden, z. B. [d"O.gmaÉ],
[d"a.gmaÉ]). Es gibt also keine Auslautverhärtung, und es können ungewöhnliche Konsonan-
tenverbindungen im Silbenanfang, z. B. [gm bn], sowie – ebenfalls ungewöhnlich – kurze (un-
gespannte) Vokale in offener Silbe auftreten, wie z. B. in [d"O.gmaÉ]. Aus dieser Sicht wird die
Aussprache mit Auslautverhärtung, also z.B. [d"Ok.maÉ], als Regionalismus bewertet, wohingegen
die Aussprache [v"It.m«n] für widmen als Ausnahme akzeptiert wird. Hieraus resultieren auch
Unterscheidungen wie z. B. zwischen Handlung [h"an.dlUN] und handlich [h"ant.lI] oder zwi-
schen Wagner [v"aÉ.gnŒ] und Wagnis [v"aÉk.nIs].
Für viele Sprachbenutzer ist der Wortaufbau nicht immer durchsichtig. Sie setzen Sprechsilben
nach deutschen Mustern an, verschieben dabei Silbengrenzen und verändern infolgedessen die
Vokalqualität, z.B. wird für Deskription statt [de.skå9IptsC"oÉn] dann [dEs.kå9IptC"oÉn] gesprochen.

4.5 Wörter und Wortgruppen

Beim Sprechen werden keine einzelnen Wörter produziert und aneinandergereiht. Es werden
vielmehr Äußerungen als Bewegungsganzes erzeugt, die zwar aus einem einzelnen Wort bestehen
können, aber als Äußerung immer eine prägende rhythmisch-melodische Gestalt haben. Diese Ge-
stalten erwachsen aus den Erfordernissen der Situation. Sie vermitteln Gliederung und Struktur
des Gesprochenen, ermöglichen dadurch das Hörverstehen und transportieren darüber hinaus
Informationen, die dazu beitragen, die Kommunikationsabsicht der Sprechenden zu erschließen.
Rhythmisch-melodische Gestalten, die durch Pausen voneinander abgegrenzt werden, sind
eine sprachspezifische Kombination von:
x Veränderungen der Tonhöhe, die unabhängig von der individuellen Stimmgattung als Ton-
höhenverlaufsmuster und als Akzentuierungsmittel gebraucht werden;
x Veränderungen der Lautheit, die mit anderen Mitteln zusammen vor allem Hervorhebungen
bewirken;
x Veränderungen der Sprechgeschwindigkeit, die als Dehnungen oder Raffungen in Erschei-
nung treten und somit auch Akzentuierungsmittel sind;
x Veränderungen der wortübergreifenden Klangfarbe, die als sehr auffälliges Mittel der emo-
tionalen Markierung dienen;
x Veränderungen lautübergreifender Artikulationsmerkmale wie der Artikulationsspannung,
der Nasalität oder der Geräuschintensität.

Entspricht die Form der rhythmisch-melodischen Gestalten nicht den Erwartungen, so wirkt das
Gesprochene eigenartig, fremd oder unkorrekt. Diese Gestalten sind jedoch äußerungsspezi-
fisch, situativ und individuell variabel. Bei emotionaler Ausdrucksweise beispielsweise können
die Tonhöhen-, Lautheits- und Geschwindigkeitsveränderungen je nach Art und Ausprägungs-
grad der emotionalen Beteiligung größer oder kleiner sein.
Mit den genannten Mitteln wird alles generiert, was diese rhythmisch-melodischen Gestalten
strukturiert:
a. die Akzentuierung in Wörtern,
b. die Akzentuierung in Wortgruppen,
c. die Abgrenzung solcher Gruppen als rhythmische Gruppen des Gesprochenen mittels Pausen
und anderer Grenzsignale,
d. die Melodisierung der rhythmischen Gruppen.
Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache 39

4.5.1 Akzentuierung

Akzentuierungen finden sich in einfachen Wörtern (Simplizia), zusammengesetzten Wörtern


(z. B. Komposita) und auch Wortgruppen, die aber bisher im Wörterverzeichnis nur vereinzelt
enthalten sind. Betroffen sind dabei deutsche Wörter, fremde Wörter oder Kombinationen aus
beiden. Die Muster der Akzentuierung können mit Regeln beschrieben werden. Sie bilden zu-
sammen mit den Regeln für die Rhythmisierung (A. 4.5.2) und Melodisierung (A. 4.5.3) ein pro-
sodisches System, das zu den phonologischen Grundlagen gehört. Da jedoch die Akzentuierung
im Deutschen auf besondere Weise die Aussprache der Vokale und Konsonanten beeinflusst,
werden die Akzentuierungsregeln nicht in diesem Kapitel, sondern unter den Ausspracheregeln
(A. 5.2) dargestellt. Im Folgenden werden Prinzipien und Grundregeln angeführt und zusätzlich
Besonderheiten und Akzentuierungstendenzen betrachtet, die im fließenden Sprechen auftreten
und zum Teil phonologische Regeln für kontextabhängige Realisierungen sind.

4.5.1.1 Prinzipien und Grundregeln

Stärker als in vielen anderen Sprachen wird die Aussprache im Deutschen durch eine kräftige,
zentralisierende Akzentuierung beeinflusst. Die Akzentverteilung in Wörtern und Wortgruppen
und die besondere Verwendung der prosodischen Mittel bei der Akzentsignalisierung schaffen
eine charakteristische rhythmische Kontur, die als Schwer-Leicht-Struktur wahrgenommen wird.
Trägerelemente dieser Struktur sind die Silben und innerhalb der Silben die Vokale. Durch die
Akzentuierung im fließenden Sprechen werden unregelmäßige, aber sprachspezifische Wechsel
von »schweren« akzentuierten Silben und »leichten« akzentlosen Silben geschaffen. Schwer und
Leicht sind das Ergebnis der prosodischen Gestaltung: schwere (akzentuierte) Silben sind meist
gedehnt, lauter, präziser artikuliert und durch stärkeren Tonhöhenkontrast markiert. Sie wech-
seln beim Sprechen in unregelmäßiger – aber nicht regelloser – Folge mit leichten (akzentlosen)
Silben ab, mit Silben, die schneller und mit geringerer Lautheit gesprochen werden und deren
Artikulation angesichts des relativ hohen Sprechtempos stärker durch Reduktionen geprägt ist.
Dies gilt vor allem für Wortgruppen, aber auch für zwei- und mehrsilbige Wörter. Beides ist mit-
einander verbunden: Die Akzentsilben der Wörter sind potenzielle Stellen der Wortgruppen-
akzentuierung. Dabei können auch einsilbige Wörter einen Wortgruppenakzent tragen.

Wortakzentuierung
Bei der Wortakzentuierung sind einfache Wörter und Namen deutscher und fremder Herkunft
zu unterscheiden; ferner sind den einfachen Wörtern (Simplizia) die zusammengesetzten Wör-
ter (Komposita) gegenüberzustellen.
x Für deutsche Wörter gilt: Während in vielen Sprachen der Wortakzent formal geregelt ist
(im Französischen z. B. liegt er auf der letzten gesprochenen Silbe, im Polnischen auf der
vorletzten usw.), ist er im Deutschen vor allem von der Morphemgliederung des Wortes und
von den Silbenstrukturen abhängig (vgl. A. 4.3 und 4.4). Meistens wird der Wortstamm oder
dessen erste Silbe akzentuiert; Präfixe, Suffixe und Verbalpartikeln, die auf vielfache Weise
den Wortstämmen angehängt werden können, sind, von Ausnahmen abgesehen, akzentlos
(Regeln in A. 5.2.1).
x Bei fremden Wörtern sind hinsichtlich der Akzentuierung ältere Entlehnungen (vor allem
aus dem Griechischen und dem Lateinischen – siehe A. 3) von jüngeren Entlehnungen zu un-
terscheiden. Jüngere Entlehnungen behalten im Normalfall das durch die Herkunftssprache
festgelegte Akzentmuster. Dies gilt auch für Wörter und Namen aus dem Französischen,
40 Die Standardaussprache in Deutschland

selbst wenn sie seit langem im Gebrauch sind. Ältere Entlehnungen werden tendenziell auf
der letzten langen Silbe akzentuiert. Die für die Wort- und Formenbildung verwendeten
deutschen Suffixe und eine größere Zahl fremder Suffixe sind jedoch nicht akzentuierbar
(Regeln in A. 5.2.1.2).
x Komposita sind Zusammensetzungen aus zwei oder mehreren selbstständigen Wörtern. Sie
haben vielfältige Strukturen mit variantenreichen Akzentuierungsmustern (vgl. A. 5.2.1.3).
Durch die Wortverkettung kommt es zu einer Abstufung ursprünglicher Wortakzente und
damit zu einer Differenzierung in Haupt- und Nebenakzente. Zweigliedrige Komposita, also
Zusammensetzungen aus zwei Wörtern, kommen sehr häufig vor, dreigliedrige weniger oft,
vier- und mehrgliedrige Komposita sind deutlich seltener. Komposita können mittels Spezifi-
zierung eines Grundwortes (Determination) oder durch Aneinanderreihung (Kopulation)
entstehen. Determinativkomposita sind zumeist aus zwei Gliedern zusammengesetzt. Die
Akzentuierung ist überwiegend semantisch motiviert: Das Wichtigere, die (meist) vor dem
Grundwort stehende nähere Bestimmung, trägt den Hauptakzent, das weniger Wichtige
bzw. Allgemeine/Unspezifizierte, das Grundwort, kann einen Nebenakzent erhalten. In drei-
und mehrgliedrigen Komposita ist die Akzentverteilung zumeist von der Bedeutungsstruktur
abhängig. Sehr oft bestimmen Komposita, die z.B. als determinierendes Glied an der Zusam-
mensetzung beteiligt sind, die Platzierung des Hauptakzents. In manchen Fällen hängt die
Akzentuierung aber auch von der Interpretation des inhaltlichen Zusammenhangs, von mit-
gedachten Kontrasten oder von eingeübten rhythmischen Mustern ab, so dass die Stelle des
Hauptakzents von der Wortstruktur her allein nicht voraussagbar ist. Außerdem hängt die Ver-
teilung von Nebenakzenten nicht nur von der Bedeutungsstruktur, sondern auch vom Silben-
umfang der Glieder ab. Im Wörterverzeichnis werden nur wenige, für das jeweilige Akzent-
muster charakteristische Nebenakzente eingetragen. In Kopulativkomposita, die vorwiegend
aus zwei oder drei Gliedern bestehen, wird das jeweils letzte Glied mit Hauptakzent hervor-
gehoben; vorausgehende Glieder können jeweils einen Nebenakzent erhalten. Hier zeigt sich
im Sprachgebrauch eine Tendenz zur Akzentverschiebung auf das erste Glied, z.B. taubstumm.

Die Wortakzentstellen sind relativ fest und weitgehend unabhängig von den situativen Bedin-
gungen. Bei hinweisender (z. B. Darum musst du gehen!) oder kontrastierender Akzentuierung
(z. B. An- und Verkauf) bzw. bei emotionaler Sprechweise kann es jedoch zu Akzentverschiebun-
gen kommen.

Wortgruppenakzentuierung
Fließendes Sprechen (d. h. normales, fortlaufendes kommunikationsbestimmtes Sprechen)
kann frei produziert oder nach Textvorlagen re-produziert werden. In beiden Fällen wird es in
Wortgruppen gegliedert, deren Umfang entweder inhaltlich motiviert ist oder durch Störungen
in der Sprechproduktion bestimmt wird. In Wortgruppen werden Einzelwörter vielfach zusätz-
lichen Regeln unterworfen, zu denen vor allem folgende zählen:
x Wird ohne hinweisende oder kontrastierende Absicht gesprochen, so können autosemanti-
sche Wörter einer Gruppe mit einem Wortgruppenakzent hervorgehoben werden, synse-
mantische Wörter dagegen nicht.
x Beim langsamen Sprechen treten mehr Wortgruppenakzente auf als beim schnellen Sprechen.
x Das Gewicht der akzenttragenden Wörter ist unterschiedlich. Im Normalfall wird ein Akzent
als Wortgruppen-Hauptakzent aufgefasst, die übrigen Akzente als Wortgruppen-Nebenak-
zente. Hauptakzent und Nebenakzente unterscheiden sich nach der Stellung der akzentuier-
ten Wörter, nach ihrer Bedeutung und nach der Intensität der Signalisierung (Regeln dazu in
A. 5.2.2).
Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache 41

4.5.1.2 Akzentzusammenstoß

Kommt es in Komposita zum Akzentzusammenstoß, d. h., folgen die Akzentsilben zweier


Konstituenten unmittelbar aufeinander, so besteht die Tendenz zu einer Akzentverschiebung,
weil zwei Akzente nacheinander den Sprechfluss beeinträchtigen. Voraussetzung für die
Verschiebung ist, dass der betroffenen Akzentsilbe eine akzentuierbare Silbe folgt (in diesem
Kapitel gilt für die Unterscheidung von Haupt- und Nebenakzent: Hauptakzent – fett und
unterstrichen, Nebenakzent – fett). In Verdienst + urkunde läge ein solcher Zusammenstoß
vor, so dass Verdiensturkunde gesprochen wird. Auf gleiche Weise entstehen Musikhochschule
(eigentlich … hochschule), herausarbeiten (eigentlich … arbeiten) usw. In Wortgruppen lässt
sich das gleiche Phänomen beobachten, z. B. Fotos aus aller Welt ausstellen (eigentlich … aus-
stellen).

4.5.1.3 Rhythmisch bedingte Nebenakzente

Fremde Wörter vor allem lateinischer Herkunft bestehen nicht selten aus fünf und mehr Silben
und sind damit länger als die meisten einfachen deutschen Wörter. Eine solche Silbenkette, mit
gleichem Gewicht erzeugt, widerspricht dem Bedürfnis nach einem Wechsel von Schwer und
Leicht. Es besteht folglich in solchen Ketten die Tendenz, neben der am Wortende stehenden Ak-
zentsilbe den Wortanfang hervorzuheben. Dies prägt die rhythmische Kontur vieler Wörter. Das
Wörterverzeichnis dieses Buches trägt dem Rechnung, indem Wörter mit 4 und mehr Silben vor
dem Akzent auf der ersten Silbe einen Nebenakzent erhalten, z. B. Falsifikation.
In mehrsilbigen deutschen Wörtern, vor allem wenn sie semantisch von Gewicht sind, ent-
steht durch das fließende rhythmisierende Sprechen ebenfalls die Tendenz, zusätzlich zum
Hauptakzent Silben, die eigentlich nicht akzentuierbar sind, mit einem Nebenakzent herauszu-
heben, z. B. Selbstständigkeit, Scheinselbstständigkeit. Anders als bei fünf- und mehrsilbigen
fremden Wörtern ist diese Nebenakzentuierung jedoch stärker text- und situationsbedingt. Sie
wird deshalb nicht in der Transkription des Wörterverzeichnisses notiert.
In Wortgruppen sind Nebenakzente prinzipiell rhythmisch bestimmt, d. h., es gibt je nach
Sprechtempo und Nachdruck des Sprechens eine stärker hervorgehobene Haupt- und mehrere
Nebenakzentsilben, zwischen denen nicht akzentuierte Silben liegen.

4.5.1.4 Variation von Akzentmustern

Diese im vorausgegangenen Abschnitt beschriebene Rhythmisierungstendenz korrespondiert


mit der wachsenden Neigung, in inhaltlich dominierenden fremden Wörtern den Hauptakzent
auf die erste Silbe zu verlagern. Viele Personen aus Politik und Wirtschaft markieren in der Öf-
fentlichkeit und besonders bei Medienauftritten ihre Äußerungen auf diese Weise. Man hört z. B.
Globalisierung statt Globalisierung, Demokratie statt Demokratie, Terrorismus statt Terrorismus
usw. Die Absicht bei solcher Akzentuierung ist offenbar, dem Sprechen Nachdruck zu verleihen
und es bedeutungsvoll erscheinen zu lassen. Phonetisch gesehen spricht diese Abwandlung ge-
wohnter Muster dafür, dass Akzentpositionen auch im Deutschen nicht unveränderlich sind und
dass die erste Silbe mehr Gewicht hat als andere akzentlose Silben. Mitunter kann auch ein kon-
trastiver Aspekt eine Rolle spielen, wenn beispielsweise in Optimismus wegen des mitgedachten
Gegensatzes zu Pessimismus die erste Silbe, also Optimismus akzentuiert wird, weil diese Silbe
den Bedeutungsunterschied zwischen beiden Wörtern trägt.
42 Die Standardaussprache in Deutschland

Auch beim Sprechen versgebundener Dichtungen können Akzentuierungsmuster variiert


werden, und zwar dann, wenn der eigentliche Wortakzent nicht mit der metrisch bedingten
Hebung (Akzentuierung) übereinstimmt. So können akzentlose Silben auf Grund des Metrums
ein leichtes Gewicht erhalten (leichte Hebung) und umgekehrt kann der ursprüngliche Wort-
akzent eine Abschwächung erfahren, wenn er nicht mit einer metrischen Hervorhebung zusam-
menfällt (metrische Drückung). In solchen Fällen wird ein Ausgleich angestrebt (schwebende
Betonung), so dass sich der Kontrast zwischen Akzentuiertem und Nicht-Akzentuiertem ver-
mindert, vgl. z. B. den Anfang von Goethes Gedicht »Mignon«: Kennst du das Land, wo die Zitro-
nen blühn …: Hier verlangt der sprachliche Sinn (und auch die Wortart: Personalpronomen und
Artikel) du und die nicht zu akzentuieren. Das Versmaß erfordert jedoch eine Hebung. Bei die-
ser kann es sich wegen des Ausgleichs jedoch nur um eine sehr leichte Hebung handeln. Kennst
dagegen wird man nicht übermäßig stark akzentuieren, da das Versmaß dem entgegensteht
(metrische Drückung).

4.5.2 Rhythmisierung

Das Deutsche wird oft als Sprache mit einem akzentgesteuerten (»akzentzählenden«) Rhythmus
bezeichnet. Dieser Höreindruck entsteht durch zwei gegenläufige Tendenzen, auf die schon ver-
wiesen wurde:
a) die akzentuierten Silben werden durch eine starke Spannungszentralisation ausgezeichnet,
sie werden meist präzise artikuliert und durch besondere Lautheit, besonderen Tonhöhen-
verlauf und zeitliche Dehnung herausgehoben;
b) für akzentlose Silben besteht dagegen eine generelle Schwächungstendenz; sie werden eher
flüchtig und mit gerafftem Tempo artikuliert und es gibt eine deutliche Tendenz zur Redu-
zierung von Lautmerkmalen und Lauten. Je mehr akzentlose Silben vorhanden sind, desto
stärker ist die Schwächungstendenz.

Die Rhythmisierung beim Sprechen bringt diese Tendenzen mit einer charakteristischen Schwer-
Leicht-Kontur zum Ausdruck. Rhythmisierungen bauen immer auf den Wortgruppenakzenten
auf, die akzentlose Silben bzw. Wörter an sich heranziehen und damit gruppenbildend wirken.
Meist ist eine solche Akzentgruppe jedoch zu fragmentarisch, als dass sie von den benachbar-
ten Gruppen abgetrennt werden könnte. Zwei, drei oder mehr Akzentgruppen aber, die beim
Sprechen als inhaltlich zusammengehörig charakterisiert werden sollen, können eine größere
Gruppe, eine rhythmische Gruppe bilden, die mittels Pausen aus der Äußerung herausgeglie-
dert wird.
Die möglichen Stellen für eine Pause sind die Grenzen der Akzentgruppen. Sie ergeben sich
aus dem Anschluss akzentloser Wörter an Wörter mit einem Wortgruppenakzent. Angeschlos-
sen werden:
a) vorausgehende Pronomen, Artikel, Konjunktionen, Präpositionen, z. B. (du sprichst), (der
Berg), (und auf dem Dach) usw.
b) nachfolgende Pronomen, Hilfsverben an der Stelle von Verben, sonstige akzentlose Wörter,
z. B. (und so sprach er), (in den Bach fallen), (auf Deck sein).

Akzentgruppen werden als Einheit artikuliert, d. h., die zu dieser Einheit gehörenden Silben wer-
den ohne Unterbrechung und mit artikulatorischer Verkettung als Ganzes hervorgebracht. Ob
eine Akzentgruppe mit benachbarten Gruppen verschmilzt, hängt von syntaktischen Gegeben-
heiten und vom Sprechtempo ab. Zur Verschmelzung tendieren Akzentgruppen innerhalb von
Phonologische und phonetische Grundlagen der Standardaussprache 43

Satzgliedern, kurzen Nebensätzen und einfachen Hauptsätzen; in der Folge neigen die so entstan-
denen Einheiten zur Abgrenzung durch Pausen (Zeichen: –), z.B. (Es begann) (zu regnen) – (und
alles) (hastete) (zum Bus). (Er fragte) (seinen Nachbarn) – (ob er im Garten) (schon gegossen habe).
Die Realisierung möglicher Akzent- und Pausenstellen und damit auch die Häufigkeit von
Akzenten und Pausen hängt jedoch immer von der Situation der Sprechenden bzw. von ihrer
Situationsbeurteilung ab. Erregtes Sprechen wird sich auch in dieser Hinsicht deutlich von
ruhig-sachlichen Äußerungen unterscheiden, und beim Rezitieren sowie beim Sprechen auf der
Bühne werden solche natürlichen Ausdrucksweisen in typisierter Form nachgebildet. Grund-
sätzlich sind jedoch zwei Bedingungskonstellationen zu unterscheiden:
1. Beim reproduzierenden Sprechen (Vorlesen, Realisierung eines fertigen Textes) folgt die Ak-
zentverteilung und Pausengliederung überwiegend dem syntaktischen Bau und der Aussage-
absicht. Mögliche Pausenstellen sind die Grenzen von Satzgliedern und Gliedsätzen. Pausen
innerhalb dieser Einheiten haben Hervorhebungsfunktion.
2. Beim frei produzierenden Sprechen (spontanes Sprechen, Sprechen ohne ausformulierte
Textvorlage) treten neben syntaktisch und inhaltlich begründeten Pausen und Akzenten auch
Verzögerungspausen auf und daneben Akzentuierungen, die Hörende als inhaltlich nicht
gerechtfertigt auffassen können. Sie ergeben sich aus Schwierigkeiten bei der Produktion
der Äußerung (Suche nach dem geeigneten Wort, Konzentrationsstörungen usw.). Solche
Verzögerungspausen und Spontanakzentuierungen haben keine Regeln. Sie hängen von der
Sprachfähigkeit des Einzelnen ab.

Freie oder feste Wortgruppen treten beim Sprechen als Satzglieder (Subjekte, Objekte usw.) oder
Gliedsätze oder als Teile dieser Einheiten in Erscheinung. Ihre rhythmisch-melodische Realisie-
rung ist dabei abhängig von der Verteilung der Pausen.

4.5.3 Melodisierung

Grundlage der Melodisierung ist die Akzentverteilung in den rhythmischen Gruppen. Jede Gruppe
hat einen oder mehrere Wortgruppenakzente, die als Stützen des Melodieverlaufs fungieren.
Die für das Hörverstehen wichtigste syntaktische Funktion trägt der Endlauf der Melodie. Das
ist jener Teil, der in der Silbe vor dem letzten Wortgruppenakzent einsetzt. Mit seiner Hilfe wer-
den rhythmische Gruppen als abgeschlossen oder als nicht abgeschlossen gekennzeichnet. Es
wird also angezeigt, ob eine Gruppe durch eine weitere ergänzt werden soll, damit den Hörenden
eine relativ vollständige Aussage übermittelt wird, oder ob eine solche Ergänzung nicht geplant
ist. Durch den Endlauf wird außerdem angewiesen, eine abgeschlossene Gruppe entweder als Aus-
sage bzw. Aufforderung oder als Frage zu verstehen. Schließlich wird auch die Haltung der Spre-
chenden gegenüber den Hörenden deutlich, ob nämlich kontaktbetont, freundlich oder sach-
lich, distanzierend gesprochen wird.
Der Melodieverlauf an der Spitze einer rhythmischen Gruppe hängt vom Vorhandensein
akzentuierter oder akzentloser Silben ab. Handelt es sich um akzentlose Silben, so beginnt der
Verlauf im unteren Drittel des Sprechstimmumfangs. Er hat zunächst fallende Tendenz und
steigt dann zur ersten akzentuierten Silbe auf. Beginnt die rhythmische Gruppe dagegen mit einer
akzentuierten Silbe, so setzt der Verlauf in ihr mittelhoch ein, und die folgenden Akzentsilben
liegen gestuft tiefer, so dass eine »fallende Treppe« entsteht.
Der Endlauf hat vier Grundformen mit jeweils verschiedenen Aussagewerten:
a) Die Melodie fällt in oder von der letzten Akzentsilbe an in einem kleinen Intervall bis an die
untere Grenze des Stimmumfangs; die Akzentsilbe liegt nur wenig höher oder tiefer als die
44 Die Standardaussprache in Deutschland

vorausgehende Silbe. Dieser Endlauf signalisiert Abgeschlossenheit bei Aussagen, Ausrufen,


Befehlen und Fragen mit Fragewort (Ergänzungsfragen, z. B. Wer bist du?). Er wirkt sachlich,
informationsbetont und entschieden; kann auch bei Entscheidungsfragen (Fragen, die Ja
oder Nein als Antwort verlangen, z. B. Kommst du?) verwendet werden, wenn diese als solche
ausreichend gekennzeichnet sind.
b) Die Melodie fällt in oder von der letzten Akzentsilbe an in einem großen Intervall bis an die
untere Grenze des Stimmumfangs; die Akzentsilbe liegt beträchtlich höher als die vorausge-
hende Silbe. Mit diesem Endlauf wird Abgeschlossenheit angezeigt, wenn mit großer Erregung
oder sehr gefühlvoll gesprochen wird. Er tritt vor allem bei emphatischer Akzentuierung und
bei Kontrastakzentuierung auf.
c) Die Melodie steigt in oder von der letzten Akzentsilbe an in einem großen Intervall bis in das
obere Drittel des Sprechstimmumfangs; die Melodie in der Akzentsilbe ist anfangs tiefer als
in der vorausgehenden Silbe. Dieser Melodieverlauf ist für freundliche Entscheidungsfragen
kennzeichnend. Er wirkt kontaktbetont und wird deshalb auch bei Ergänzungsfragen, bei
(meist kurzen) Aussagen und Anreden (z. B. Hallo! Seid gegrüßt!), Höflichkeit und Sehnsucht
genutzt. Er kann aber auch in warnenden und drohenden Äußerungen auftreten.
d) Die Melodie steigt oder fällt in oder von der letzten Akzentsilbe an in einem kleinen Intervall;
die Akzentsilbe liegt höher als die vorausgehende Silbe. Dieser Endlauf signalisiert Nicht-
abgeschlossenheit. Er wirkt in Äußerungen, die nicht durch Pausen unterteilt sind, unent-
schlossen und unsicher.

A. 5 Ausspracheregeln
5.1 Einführung

Die Regeln beziehen sich auf die Standardaussprache in der Bundesrepublik Deutschland, wie
sie beim Vorlesen von Sachtexten in öffentlichen Situationen verwendet und erwartet wird. Sie
verstehen sich als Empfehlungen zum Gebrauch der Standardaussprache und bilden die Grund-
lage für die Kodifizierung im Wörterverzeichnis.
Zu stilistisch bedingten standardsprachlichen Varianten der hier beschriebenen Aussprache-
formen, z. B. zum Gebrauch der Standardaussprache beim freien Sprechen in öffentlichen Situa-
tionen, vgl. Kapitel A. 6; zur Standardaussprache in Österreich und in der deutschsprachigen
Schweiz vgl. die Teile B bzw. C.
Regional, sozial oder idiolektal bedingte Ausspracheformen werden in den Regeln und bei
der Beschreibung der Lautbildung nicht angeführt.
Die Ausspracheregeln, die auf den phonologisch-phonetischen Grundlagen aufbauen (vgl.
A. 4), basieren zum großen Teil auf Ergebnissen von phonetischen Untersuchungen. Diese
beziehen sich auf zusammenhängend gesprochene Texte. Damit ließen sich die Auswirkungen
des phonetischen Kontextes erfassen, dem prosodische und segmentale Merkmale (z. B. Akzen-
Ausspracheregeln 45

tuierung und Lautumgebung) zugehören. Die Regeln vermitteln Realisierungsvarianten der


Vokal- und Konsonantenphoneme im Rahmen dieses Kontextes und verdeutlichen damit zu-
gleich vielfältige koartikulatorisch bedingte Lautassimilationen. Die Ergebnisse phonetischer
Untersuchungen spiegeln sich in den Ausspracheregeln allerdings nicht in jedem Detail. Sie wur-
den vielmehr für die Kodifizierung unter Berücksichtigung der hauptsächlichen Realisierungs-
tendenzen verallgemeinernd und vereinfachend zusammengefasst.
Der Einfluss des phonetischen Kontextes wird durch einen Überblick über Koartikulations-
und Assimilationserscheinungen vorab charakterisiert. Den Regeln zur Aussprache der Vokale
und Konsonanten sind Anmerkungen zur Bildungsweise (Artikulation) der Laute vorange-
stellt. Die ihnen beigefügten grafischen Skizzen vermitteln (in vereinfachter Form) Grund-
orientierungen. Alle Angaben zu Lautphysiologien beziehen sich auf folgende schematische Dar-
stellung der Artikulationsstellen:

Schematische Darstellung der Artikulationsstellen

Soweit nicht anders vermerkt gelten die Regeln für deutsche sowie für fremde Wörter und Namen,
die seit längerem, insbesondere aus dem Griechischen und Lateinischen, in die deutsche Sprache
übernommen wurden und in diesem Buch als ältere Entlehnungen bezeichnet werden (vgl. A. 3).
Gelegentliche Hinweise auf besondere Ausspracheformen in später übernommenem Wortgut,
sogenannte jüngere Entlehnungen, erfolgen nur exemplarisch und nur, wenn diese Wörter auch
im Kontext der deutschen Sprache geläufig sind. Dies betrifft vor allem Übernahmen aus dem
Englischen und Französischen, z. B. fair, Mail, Safe, Sir, Service, Trainer; Boulevard, Chanson,
Coup, Dessert, Ensemble, Etat, Fond, Toupet. Zu systematischen Darstellungen der Aussprache
solcher jüngeren Entlehnungen aus ausgewählten fremden Sprachen (mit Gegenüberstellungen
von originaler und eingedeutschter Form) vgl. Kapitel A. 7.
46 Die Standardaussprache in Deutschland

5.2 Akzentuierung

5.2.1 Wortakzentuierung

c2 5.2.1.1 Einfache deutsche Wörter

Im Deutschen ist die Akzentuierung einfacher Wörter vor allem vom Morphemaufbau abhän-
gig. Die Grundregeln lauten:

Akzentuiert werden
a) in der Mehrzahl der Wörter die Stammsilbe (unabhängig von Flexion und Wortbildungsver-
änderungen), bei zweisilbigem Stamm die erste Silbe, z. B. fangen, gefangen, Gefangenschaft;
antworten, bearbeitet, versuchen; je nach der Entstehungsgeschichte gilt dies auch für Namen,
z. B. Goethe, Hegel, Schiller;
b) die Affixe <ur-, -ei, -ieren>, z. B. Ursache, Fleischerei, marschieren, marschiert;
c) die Präfixe <miss-> und <wider->
x in Substantiven, z. B. Misserfolg, Missvergnügen, Misstrauen; Widerrede, Widerruf, Wider-
stand;
x in Adjektiven, z. B. misstrauisch, missverständlich; widerrechtlich, widerwärtig;
x in Verben, wenn nicht unmittelbar auf das Präfix das Stammmorphem folgt, z. B. missge-
stalten, missverstehen,
aber: missglücken, misstrauen, widerrufen, widersetzen, widersprechen, weil hier dem
Präfix das Stammmorphem folgt; bei <wider-> gibt es Ausnahmen, z. B. widerhal-
len, widerklingen;
d) das Präfix <un->, wenn es sich um die Abwandlung eines Wortes handelt, das unter gleichen
Bedingungen einsetzbar ist, z. B. Untiefe, Untreue, ungekocht,
aber: unaussprechlich, unsäglich, (»sprechlich« und »säglich« werden als Wörter nicht
verwendet); in emotional hervorgehobenen oder kontrastiv verwendeten Wör-
tern kann sich die Akzentuierung verschieben, z.B. unmöglich, unheimlich, ebenso:
unaussprechlich, unsäglich;
e) Präfixe, mit denen Verben eine unfeste Verbindung eingehen, z. B. ablaufen (es läuft ab),
nachgeben (ich gebe nach);
aber:
x wenn Zusammensetzungen mit dem gleichen Morphem fest und unfest auftreten, ent-
steht der Ausnahmefall, dass die Akzentuierung wortunterscheidend wirkt, z. B. überset-
zen (ich übersetze das Buch) – übersetzen (ich setze mit dem Boot über), umfahren (ich um-
fahre das Hindernis) – umfahren (ich fahre den Pfahl um); auch bei anderen Wortarten
gibt es solche Ausnahmefälle, z. B. August (Personenname) und August (Monatsname),
blutarm (arm an Blut) und blutarm (sehr arm);
x wird einem trennbaren Verb oder einer Ableitung <wieder-> vorangestellt, ändert sich
die Akzentuierung nicht, z. B. wiederaufbauen, wiederherstellen, Wiedergutmachung;
f) in zweisilbigen Kurzwörtern meist die erste Silbe, z. B. Kripo, Uno, Bafög, Zivi; in dreisilbigen
häufig die zweite Silbe, z. B. UNESCO, Gestapo.
Ausspracheregeln 47

5.2.1.2 Einfache fremde Wörter c3

Angesichts der Vielfalt der Herkunftssprachen und der jeweils unterschiedlichen Eindeut-
schungsbiographien jedes Wortes und Namens lassen sich keine einfach überschaubaren Akzen-
tuierungsregeln aufstellen. Zu jeder Regel gibt es eine Vielzahl von Ausnahmen.
Jüngere Entlehnungen, das sind Namen und Wörter, die erst in den letzten Jahrzehnten
übernommen worden sind, behalten fast durchweg den fremden Wortakzent bei (vgl. A. 7).
Für ältere Entlehnungen z. B. aus dem Griechischen und Lateinischen, wie Demokratie, elo-
quent usw. gilt Folgendes:
a) Es besteht vielfach die Tendenz, die letzte Silbe hervorzuheben. Dies betrifft auch eine Reihe
von Suffixen wie <-al, -ität, -är, -ös>, z. B. Idee, Philatelie; analog, kompakt, Konspekt, Kos-
tüm, Zertifikat; legal, Universität, konträr, generös.
b) Ist das fremde Wort mit einem deutschen Suffix, wie z. B. <-isch, -ig, -haft, -keit, -reich, -voll,
-ung> verbunden, dann wird die vorletzte Silbe akzentuiert, z. B. allergisch, gnomhaft, phan-
tasievoll.
c) Nicht akzentuiert werden mehrere fremde Suffixe, wie <-um, -us, -os, -ak, -as, -ans, -iker>,
z. B. Museum, Realismus, Pathos, Kognak, Informatiker. Zu diesen Suffixen zählt auch <-or>,
das aber in Pluralformen (es folgt die Endung <-en> mit nicht akzentuierbarem Schwa-Laut
[«]) zu akzentuieren ist, z. B. Doktor – Doktoren.
d) In Wörtern mit fünf und mehr Silben, die am Wortende akzentuiert sind, ergibt sich rhyth-
misch bedingt eine zusätzliche, schwächere Akzentuierung (Nebenakzent) am Wortanfang,
z. B. Falsifikation, Kosmetologie.

(Für die Unterscheidung von Haupt- und Nebenakzent gilt in diesem Kapitel: Hauptakzent –
fett und unterstrichen, Nebenakzent – fett).

5.2.1.3 Komposita aus deutschen und/oder fremden Wörtern c4

Komposita (vgl. A. 4.5.1.1 sowie A. 3) können aus zwei und mehr Gliedern bestehen. Sie haben
vielfältige Akzentuierungsmuster mit Haupt- und Nebenakzenten, deren Verteilung durch die
Beziehung zwischen den Gliedern bestimmt wird:
a) In zweigliedrigen Determinativkomposita wird ein Grundwort durch das Davorsetzen
eines zweiten Wortes determiniert; der Akzent des Grundwortes wird zu einem Nebenakzent
abgeschwächt, der Akzent des determinierenden Wortes wird zum dominierenden Akzent
des Kompositums, z. B. Reise determiniert Apotheke f Reiseapotheke, Hand determiniert
Apparat f Handapparat.
In zweigliedrigen Kopulativkomposita (oft mit Bindestrich geschrieben) werden Glieder
gleicher Ordnung zusammengerückt; der Akzent des ersten Wortes wird zum Nebenakzent
reduziert, der Akzent des zweiten Wortes wird zum dominierenden Akzent des Komposi-
tums, z. B. rosarot, geistig-kulturell, Nordrhein-Westfalen, Meyer-Eppler.
b) In dreigliedrigen Komposita sind gewöhnlich zwei der Wörter bereits als Kompositum ver-
bunden. Es sind folgende Strukturen möglich:
a+ (b+c, determinativ): Hauptakzent auf (b), Nebenakzente auf (a) und (c) f Tageshöchst-
temperatur, Dateienunterverzeichnis,
Ausnahme: Hauptakzent auf (a), Nebenakzente auf (b) und (c), wenn (b) und (c) immer
als Kompositum verwendet werden (feste Verbindung, eigener Lexikoneintrag): f Reise-
aktentasche, Kinderschreibgarnitur;
48 Die Standardaussprache in Deutschland

(a+b, determinativ) +c: Hauptakzent auf (a), Nebenakzente auf (b) und (c) f Badewannen-
halterung, Kugelschreibermine;
(a+b, kopulativ) +c: Hauptakzent auf (b), Nebenakzente auf (a) und (c) f Schwarzweiß-
Malerei; Analog-digital-Wandler; Theodor-Fontane-Platz;
(a+b+c, kopulativ): Hauptakzent auf (c), Nebenakzente auf (a) und (b) f schwarz-rot-gold.

In Wörtern wie Betriebssportgemeinschaft oder Unfallversicherungsträger können die Struk-


turbeziehungen aber unterschiedlich interpretiert werden, so dass der Hauptakzent auf
dem jeweils ersten oder zweiten Wort liegen kann.
c) In vier- und mehrgliedrigen Komposita ist die Akzentuierung ebenfalls von der Struktur
abhängig, es können aber auch Rhythmisierungsaspekte eine Rolle spielen, so dass die Posi-
tion des Hauptakzents wechseln kann. Beispielsweise liegt in Regenwassersammelbecken die
Struktur (a+b)+(c+d) vor, d. h., das erste zweigliedrige Kompositum determiniert das zweite
zweigliedrige Kompositum. Der Hauptakzent müsste folglich auf (a) liegen und Neben-
akzente erhielten (b), (c), (d). Hinweisend oder kontrastierend könnte aber auch (c) den
Hauptakzent erhalten. Zusätzlich motivierend hierfür wäre die übergroße Länge der Silben-
kette nach einem Prominenzgipfel am Anfang.
d) Einen Sonderfall bilden Buchstabenwörter, die in der Regel auf dem letzten Teil akzentuiert
werden, z. B. DAAD, GmbH.

Folgen die Akzentsilben zweier Konstituenten unmittelbar aufeinander, so kommt es häufig zu


einer Akzentverschiebung, z. B. Verdiensturkunde (eigentlich Verdienst + urkunde), Musikhoch-
schule (eigentlich: Musikhochschule), Hauseigentümer (eigentlich: Hauseigentümer).
Der Nebenakzent wird im Wörterverzeichnis nur dann angegeben, wenn zwei oder mehr
akzentuierbare Silben in derjenigen Komponente vorhanden sind, die nicht den Hauptakzent
trägt, oder wenn eine Akzentverschiebung angezeigt werden soll.

c5 5.2.2 Akzentuierung in Wortgruppen

In Wortgruppen, die syntaktisch gesehen entweder frei oder relativ stabil sind, werden die Akzente
der Einzelwörter nach bestimmten Regeln zu Haupt- bzw. Nebenakzenten abgestuft (erstes Bei-
spiel jeweils feste Wortgruppe, zweites Beispiel unfeste Wortgruppe):
a) Jede Wortgruppe hat einen Gruppen-Hauptakzent, alle anderen autosemantischen Wörter
(Substantive, Adjektive, Adverbien, Verben, Hilfsverben an der Stelle von Verben) können
einen Gruppen-Nebenakzent erhalten: wieder auf dem Damm sein; ein Buch aus der Biblio-
thek.
b) Wird ein Verb durch Objekte, Adverbien usw. ergänzt, so liegt der Gruppen-Hauptakzent
auf der (letzten) Ergänzung: die Dinge beim Namen nennen, ich werde morgen meinen Vater
besuchen. Aber: Er begrüßt den Gast (von dem, wie der bestimmte Artikel zeigt, schon gespro-
chen wurde).
c) Wird ein Substantiv durch Objekte, Adjektive usw. ergänzt, so liegt der Gruppen-Haupt-
akzent auf dem letzten akzentuierbaren Wort: ein weißer Fleck auf der Landkarte, eine Menge
bunter Kugeln.
d) In Aufzählungen erhält das letzte Glied den Gruppen-Hauptakzent: Blut und Wasser; Eier,
Milch und Mehl.
Ausspracheregeln 49

5.3 Koartikulation und Assimilation c6

Der Sprechbewegungsablauf wird zentral als Zusammenspiel motorischer Aktionen entworfen


und gesteuert. Dabei vollziehen die Artikulationsorgane kontinuierliche, gleichzeitig ablaufende
Dauerbewegungen, die sich wechselseitig beeinflussen. Diese Erscheinung wird Koartikulation
(Synkinese) genannt.
Durch die Einflüsse der Koartikulation kann ein Laut wahrnehmbare und physiologisch, au-
ditiv bzw. akustisch beschreibbare Veränderungen seiner Merkmale erfahren. Der Effekt solcher
koartikulatorisch bedingten Veränderungen wesentlicher Lautmerkmale wird als Assimilation
bezeichnet. Alle assimilatorischen Lautveränderungen sind besonders stark ausgeprägt bei hoher
Sprechgeschwindigkeit, geringer Sprechspannung und in nicht akzentuierter Position des Lautes.

5.3.1 Koartikulation

Die synchrone Bewegung der verschiedenen Artikulatoren schließt ein, dass sich bei der Bildung
eines Lautes einzelne Organe, die an der Lautbildung nicht unmittelbar beteiligt sind, bereits in
Positionen befinden bzw. hineinbewegen, die sie erst beim folgenden oder einem der nächsten
Laute einnehmen müssen. Beim Wort Kies im Vergleich zu Kuh wird beim [k] die Artikulations-
stelle dem folgenden Vokal angeglichen und liegt bei Kies weiter vorn (postpalatal) als bei Kuh
(velar). Im Wort Ruhm wandeln die Lippen bereits während der Bildung des [å] ihre unge-
rundete in eine gerundete Stellung, die beim [uÉ] erforderlich wird. Andererseits bewegen sich
bestimmte Organe bei der Bildung eines Lautes noch aus ihrer Position heraus, die sie beim
vorigen Laut oder einem Laut vor ihm eingenommen hatten: Im Wort sogar geben die Lippen
ihre gerundete Stellung erst während der Bildung des [g] auf, um beim [aÉ] die ungerundete
Position zu erreichen, zugleich wird der Kiefer geöffnet und der Zungenrücken gesenkt. Wäh-
rend einer Lautbildungsphase laufen also Bewegungen ab, die neben der aktuellen Lautbildung
auch aus Bildungsmerkmalen der Nachbarlaute erklärbar sind. Die Koartikulation ist typisch für
die Produktion fließenden Sprechens; Ausnahmen sind lang ausgehaltene Vokale beim Singen
oder Rufen und die Bildung von Interjektionen (Ah!).

5.3.2 Assimilation

Häufig hat die Koartikulation direkte Auswirkungen auf die Realisierung eines Segments im
Sinne einer Angleichung relevanter, hörbarer Lautmerkmale (partielle Assimilation) oder des
gesamten Lautes (totale Assimilation). Die im Folgenden angeführten Assimilationserscheinun-
gen beziehen sich, sofern nicht anders vermerkt, auf das Vorlesen von Sachtexten (vgl. A. 6.2.1).
Die Assimilation kann die Artikulationsstelle und das artikulierende Organ bei der Ausspra-
che von Konsonanten betreffen (z. B. velarer Nasal statt eines alveolaren Nasals: hacken [h"ak>]
statt [h"ak«n], hier kommt außerdem die nasale Verschlusslösung des [k] hinzu) oder sie kann
Stimmhaftigkeitsmerkmale betreffen (Stimmhaftigkeitsverlust des [z] in Festsaal [f"Estz9aÉl]). Ein
Beispiel für totale Assimilation, bei der sich ein Laut völlig an einen anderen angleicht, ist das
Wort Aussprache ["aOS¡Spå9aÉx«], bei dem bei sehr schnellem, ungespanntem Sprechen bzw. in der
Gesprächssituation statt des [s] ein [S] erscheinen kann (vgl. A. 6.2.3.2). Die Lautveränderung in
diesem Wort kann allerdings auch als Elision (koartikulationsbedingter Lautschwund) aufge-
fasst werden (Aussprache ["aO8Spå9aÉx«]). Assimilationen sind im Deutschen oftmals mit Elisionen
verbunden, beispielsweise bei der Realisation der Endungen.
50 Die Standardaussprache in Deutschland

Bei Kontaktassimilation erfolgt die Angleichung eines Lautes an einen benachbarten Laut,
bei Fernassimilation erfolgt die Angleichung an einen entfernteren Laut. Alle folgenden Beispiele
sind Belege für Kontaktassimilationen.
Progressive Assimilation liegt vor, wenn ein Laut seine Merkmale auf den folgenden Laut
überträgt; bei regressiver Assimilation werden Merkmale des Nachfolgers auf den Vorgänger
übertragen. Beispiele für progressive Assimilation sind der Stimmhaftigkeitsverlust (Entsonori-
sierung) von Lenis-Lauten nach Fortis-Lauten (Fußball [f"uÉsb9al]), Beispiele für regressive Assi-
milationen sind nasale Verschlusslösungen von Plosiven vor [n] (bitten [b"Itn`]) bzw. laterale
Verschlusslösungen von Plosiven vor [l] (Wedel [v"eÉd+]). Daneben gibt es Assimilationen in
beide Richtungen gleichzeitig (reziproke Assimilation); so bestimmt in Regen [å"eÉg>] der Plosiv
die Artikulationsstelle und das artikulierende Organ des folgenden Nasals (progressiv) und zu-
gleich der Nasal die Sprengung des vorhergehenden Plosivs, die nicht oral, sondern nasal erfolgt
(regressiv, vgl. auch die folgende Tabelle).
Meist wird der Assimilationsgrad vom Sprecher nicht bewusst gesteuert, er kann von ihm
aber in bestimmten Situationen (Beispiel: Dichtungsvortrag) auch planvoll als Mittel der Aus-
drucksgestaltung eingesetzt werden.
Im Deutschen treten Assimilationen bei einer generellen Dominanz progressiver Assimila-
tionen vor allem als partielle Assimilationen auf. Bei den Konsonanten können Assimilationen
der Artikulationsstelle und des artikulierenden Organs, des Artikulationsmodus und der
Stimmbeteiligung erscheinen. Die folgende Tabelle gibt Beispiele für Assimilationserschei-
nungen:

Assimilation Beispiele
Artikulationsstelle/ progressive Assimilation: Rappen [å"apË]
artikulierendes Organ bei Ausfall des [«] Assimilation Raben [å"aÉbË]
des Nasals an den voraus- Recken [å"Ek>]
gehenden Plosiv im Suffix [«n] Regen [å"eÉg>]
nach [p], [b], [k], [g]
regressive (Nasalitäts-)Assimi- Angela [aNg"eÉlaÉ]
lation: Assimilation des Nasals in Gera [IN g"eÉåaÉ]
an folgenden Plosiv, daher in Köln [IN k"{ln]
beim freien Sprechen vielfach
Bildung von [N] statt [n], wenn
auf [n] ein [k] oder [g] folgt
Artikulationsmodus nicht akzentuierte Präfixe er-, erheben [Œh"eÉbË]
her-, ver-, zer-; Endung -er: [å] herbei [hŒb"aE8]
verliert konsonantische Eigen- Verlag [fŒl"aÉk]
schaften, wird als [Œ] realisiert; Zerfall [tsŒf"al]
Lehrer [l"eÉåŒ]

r nach langem Vokal außer nach Tier [tiÉ?]


[aÉ]: [å] verliert konsonantische Teer [teÉ?]
Eigenschaften, wird als [?] reali- Tür [tyÉ?]
siert Törchen [t"PÉ?«n]
Tor [toÉ?]
Tour [tuÉ?]
Ausspracheregeln 51

Assimilation Beispiele
Stimmbeteiligung progressive Stimmlosigkeits- ausbauen ["aO8sb9aO88«n]
assimilation: Stimmhaftigkeits- aufdrehen ["aO8fd9åeÉ«n]
verlust von Lenis-Plosiven Festgabe [f"Estg(aÉb«]
und -Frikativen nach Stimm- Höchstwert [h"PÉstv9eÉ?t]
losigkeit
Verschlusslösung Verschluss wird bei aufeinan- Markt [makt]
bei Plosiven derfolgenden inhomogenen Abt [apt]
Plosiven nur einmal gelöst
Einmalbildung aufeinanderfolgende gleiche abplatzen ["ap¡platsn`]
zweier Konsonanten Laute bzw. aufeinanderfolgende Hauptteil [h"aO8pt¥taE8l]
Laute, die sich ausschließlich Hackklotz [h"ak¥klOts]
im Fortis-Lenis-Merkmal zurückgeben [tsuÉå"Yk¡g(eÉbË]
unterscheiden: Schifffahrt [S"If¥faÉt]
Laute werden nicht getrennt Wohlleben [v"oÉl¥leÉbË]
gebildet, hochragen [h"oÉx¡å9aÉg>]
Längung des Lautes, aufwärts ["aO8f¡v9Ets]
bei Plosiven nur eine aussehen ["aO8s¡z9eÉ«n]
Verschlusslösung

5.4 Aussprache der Vokale/Diphthonge

5.4.1 Kennzeichnung der Artikulationsmerkmale

Vokale/Diphthonge sind in deutschen Wörtern stimmhafte orale, in fremden Wörtern z.T. oral-na-
sale Öffnungslaute, die in der Mittellinie des Gaumens keine Berührung durch den Zungenrücken
aufweisen. (Zur Charakterisierung der distinktiven Merkmale der Vokale/Diphthonge vgl. A. 4.1.1).
Die Artikulation der Vokale variiert je nach dem Grad und der Richtung der Zungenhebung,
nach dem Mundöffnungsgrad und der Lippeneinstellung. Es werden damit unterschieden:
x nach dem Grad der Zungenhebung: hohe, mittelhohe und flache Vokale; der Öffnungsgrad
des Mundes ist bei den hohen Vokalen am geringsten und nimmt mit geringer werdender
Zungenhebung zu;
x nach der Richtung der Zungenhebung: vordere, mittlere und hintere Vokale;
x nach der Lippeneinstellung (Labialisierung): gerundete und ungerundete Vokale.

Danach ergeben sich folgende Zuordnungen:


x ungerundete (nicht labialisierte) Vorderzungenvokale: Der Vorderzungenrücken wölbt sich
hoch (i-Laute) oder mittelhoch (e-Laute) zum vorderen harten Gaumen auf (palatal);
x gerundete (labialisierte) Vorderzungenvokale: Der Vorderzungenrücken wölbt sich hoch
(ü-Laute) oder mittelhoch (ö-Laute) zum vorderen harten Gaumen auf (palatal);
x gerundete (labialisierte) Hinterzungenvokale: Der hintere Teil des Zungenrückens wölbt sich
hoch (u-Laute) oder mittelhoch (o-Laute) zum hinteren Teil des Gaumens auf (palatal-velar);
x ungerundeter (nicht labialisierter) Mittelzungenvokal: Der mittlere Teil des Zungenrückens
wölbt sich mittelhoch zum mittleren Teil des harten Gaumens (palatal) auf (Schwa-Laut);
x ungerundete (nicht labialisierte) Vokale mit flachem Zungenrücken (a-Laute).
52 Die Standardaussprache in Deutschland

Nasalierte Vokale unterscheiden sich von den nicht nasalierten durch Senkung des Velums.
Diphthonge sind einsilbige Vokalverbindungen.

Im Zusammenhang mit den folgenden Ausspracheregeln werden bei der Beschreibung der Bil-
dungsweise der Vokale Merkmale, die stets gleich bleiben, nicht jeweils im Einzelnen aufgeführt.
Das betrifft den Zungenspitzenkontakt, die Velumfunktion und die Stimmbeteiligung:
x Bei allen Vokalen/Diphthongen (auch bei den Hinterzungenvokalen) hat der vordere Zun-
genrand einen lockeren Kontakt mit den unteren Schneidezähnen.
x Für alle Vokale/Diphthonge gilt: Das Velum ist angehoben. (Bei den nasalierten Vokalen in
fremden und eingedeutschten Wörtern wird die Velumfunktion gesondert beschrieben).
x Vokale sind immer stimmhaft, sofern es sich nicht um geflüsterte Äußerungen handelt.

5.4.2. Allgemeine Ausspracheregeln

5.4.2.1 Der Glottisschlageinsatz (Glottisplosiv)

Charakteristisch für die deutsche Sprache ist der häufige Gebrauch des Glottisschlages als einer
Form des Stimmeinsatzes. Unter Stimmeinsatz wird der Beginn der Phonation nach vorausge-
hender stimmloser Phase (Pause, stimmloser Laut, Unterbrechung der Phonation nach stimm-
haftem Laut) verstanden. Es handelt sich um die Zeitspanne des Übergangs von der Atemstel-
lung der Glottis in die Schwingungsphase der Stimmlippen, einschließlich des dazu gehörenden
auditiven und akustischen Ergebnisses.
Beim Glottisschlageinsatz (auch fester Einsatz genannt) werden die Stimmlippen von der
Atemstellung zunächst zum Vollverschluss der Glottis zusammengeführt. Erst wenn dieser Ver-
schluss gelöst worden ist, entströmt die subglottal gestaute Luft und versetzt die Stimmlippen in
Schwingungen. Bei der Lösung des Verschlusses ist ein leichtes Knackgeräusch, der Glottisschlag,
hörbar. Artikulatorisch handelt es sich beim Glottisschlag somit um einen Glottisplosiv. Er ist
im Deutschen phonologisch nicht relevant und verfügt auch über kein eigenes orthografisches
Zeichen.

c7 Der Glottisschlageinsatz wird in der deutschen Standardaussprache ausschließlich bei silben-


anlautenden Vokalen verwendet, wenn diese im Stamm- oder im Präfixanlaut stehen. Er besitzt
in diesen Positionen eine grenzsignalisierende Funktion: Er markiert den Beginn einer neuen,
vokalisch anlautenden Silbe und erleichtert damit die Worterkennung (z. B. Sprech-erzieher, Hör-
erwartung). Besonders in Formen wie Spiegel-ei [Sp"iÉg+³aE8] gegenüber Spiege-lei [SpiÉg«.l"aE8],
nicht euer [nIt "³OÎŒ] gegenüber nicht teuer [nIt ¥ t"OÎŒ], ver-eisen [fŒ"³aE8zn`] gegenüber ver-
reisen [fŒ.å"aE8zn`], von Ina [fOn "³iÉnaÉ] gegenüber von Nina [fOn ¥ n"iÉnaÉ] trägt er (neben anderen
Merkmalen) zur auditiven Identifikation bei und kann so die Verständlichkeit erhöhen.
Die Realisation des Glottisschlages wird vor allem von der Akzentuierung und der allgemei-
nen Sprechspannung beeinflusst: Vor akzentuiertem Vokal findet er sich in der Mehrzahl aller
Fälle. Vor nicht akzentuiertem Vokal reduziert sich dagegen, besonders in Wortgruppen, die
Häufigkeit seines Gebrauchs. Insbesondere lehnen sich bei stark verminderter Sprechspannung
die nicht akzentuierten Synsemantika (z. B. Konjunktionen, Pronomen, Präpositionen) eng an
den vorausgehenden Laut an (Enklise), so dass unter dieser Bedingung der Glottisschlag unter-
bleibt (s. u.).
Die Markierung des Glottisschlages durch das Transkriptionszeichen [³] im absoluten Wort-
anlaut erfolgt ausschließlich in diesem Teilkapitel, um die Ausspracheregeln zu verdeutlichen, in
Ausspracheregeln 53

allen anderen Kapiteln und im Wörterverzeichnis wird im absoluten Wortanlaut auf das Zeichen
verzichtet.

(1) Der Glottisschlag (Glottisplosiv) wird realisiert vor silbenanlautendem Vokal:


a) im absoluten Wortanlaut (nach Sprechpausen, akzentuiert und nicht akzentuiert), z.B. Abend
["³aÉbËt], Autor ["³aO8toÉ?], Ebene ["³eÉb«n«]; Arterie [³at"eÉåi«], Entlastung [³Entl"astUN], Er-
ziehung [³Œts"iÉUN]
b) im nicht absoluten Wort- und Silbenanlaut
x nach Präfixen (<be-, de-, ent-, er-, ge-, ver-, zer->) und Halbpräfixen (z. B. <auf-, aus-,
durch-, vor-> (akzentuiert und nicht akzentuiert): z. B. beenden [b«"³Endn`], veralten
[fŒ"³altn`]; deaktivieren [de³aktiv"iÉå«n], Deodorant [de³odoå"ant], durcharbeiten
[d"U³ab®aE8tn`], vorenthalten [f"oÉ?³Enthaltn`]
x an der Wortfuge von Komposita bzw. Bindestrich-Wörtern (akzentuiert und nicht akzen-
tuiert): z. B. Bundesethikrat [b®Und«s"³eÉtIkå9aÉt], Sachsen-Anhalt [z®aksn` "³anhalt]; Chor-
auftritt [k"oÉ?³aO8ftå9®It], Hausarbeit [h"aO8s³ab®aE8t], Sprecherzieher [Spå9"E³ŒtsiÉŒ]
x in Wortgruppen (akzentuiert und nicht akzentuiert): z. B. die Antwort (bekommen)
[diÉ "³antv9Ot], pro anno [på9oÉ "³anoÉ]; (ein) Buch aufschlagen [b"uÉx ³aO8fSl®aÉg>]; in nicht
akzentuierter Position ist der Gebrauch des Glottisschlages innerhalb der Wortgruppe
(vor allem nach stimmhaften Lauten) weniger häufig als in akzentuierter Position
x in Buchstabenwörtern bei akzentuiertem Vokal, z. B. DNA [deÉ.En"³aÉ].

(2) Der Glottisschlag (Glottisplosiv) wird nicht realisiert: c8


a) bei Suffixen mit vokalischem Silbenanlaut, z. B. Feier [f"aE8Œ], freuen [få9"OΫn]; breiig
[bå"aE8I], reuig [å"OÎI]; Bejahung [b«J"aÉUN], Trauung [tå9"aO8UN]
b) wenn eine Verschiebung der Sprechsilbengrenze (abweichend von der Etymologie) zum all-
gemeinen Sprechgebrauch gehört, z. B. darin [da.å"In], hinaus [hI.n"aO8s], voran [fo.å"an],
(aber: vorerst [foÉŒ"³eÉŒst] neben: [f"oÉŒ³eÉŒst]); Interesse [Int«.å"Es«], Pädagoge [pE.dag"oÉg«];
(der Punkt zur Markierung der Sprechsilbengrenze wird in den genannten Beispielen nur in
diesem Kapitel verwendet, nicht im Wörterverzeichnis)
c) silbenanlautend in Namen und in fremden Wörtern nach Vokal, wenn dieser nicht zu einem
vokalisch auslautenden Glied in Komposita oder zu einem vokalisch auslautendem Präfix
gehört (vgl. (1) b) akzentuiert und nicht akzentuiert: z. B. Deismus [de"IsmUs], Mäander
[mE"andŒ], Spion [Spi"oÉn]; Chaos [k"aÉOs], Maria [maå"iÉaÉ], Museum [muz"eÉUm], Thea
[t"eÉaÉ]; Pharao [f"aÉåaoÉ], Stereo [st"eÉåeoÉ] (neben [St"eÉåeoÉ]); die zusammentreffenden
Vokale werden beide silbisch gesprochen;
aber: in einigen Einzelwörtern ist es daneben auch üblich, den zweiten Vokal, sofern er ak-
zentuiert ist, mit Glottisschlag neu einzusetzen, z. B. Beate [be"³aÉt«] neben [be"aÉt«],
Theater [te"³aÉtŒ] neben: [te"aÉtŒ];
d) bei Synsemantika in Wortgruppen und Komposita, z. B. Haus und (Hof) [haO8s Unt], (da)
bin ich (gewesen) [bIn I], sich in (das Haus begeben) [zI In]; in Zahlwörtern, z. B. einund-
zwanzig. (Der Glottisschlag kommt bei Synsemantika in Wortgruppen nur vor akzentuier-
tem Vokal vor, so bei starker Kontrastbetonung, z. B. Haus und Hof, da bin ich gewesen).

Fehlt der Glottisschlag nach stimmhaften Lauten, dann wird die Phonation meist nicht unter-
brochen, d. h. es findet überhaupt kein Neueinsatz statt, z. B. (die) Tür abschließen [t"yÉŒ apSl®iÉsn`]
neben: [t"yÉŒ ³apSl®iÉsn`]. Dies trifft auch zu, wenn intervokalisches [h] stimmhaft gesprochen wird.
Nach Konsonanten kann außerdem bei Fehlen des Glottisplosivs zusätzlich eine Verschiebung
der Sprechsilbengrenze eintreten, indem Enge- oder Verschlusslösung des Konsonanten mit der
54 Die Standardaussprache in Deutschland

Öffnung des Vokals zusammenfällt und dieser seine silbenanlautende Position verliert. Ursprüng-
lich stimmlose Konsonanten können dabei ihren Fortischarakter einbüßen und bei weiterer
Spannungsminderung zusätzlich stimmhaft werden. Folgende Realisationen sind so z. B. bei
der Wortgruppe (da) hab ich gesagt in der Standardaussprache gebräuchlich: [haÉp "³I g((«zaÉkt],
und mit enger Anlehnung an das vorausgehende Wort (Enklise): [haÉ.b9 ¡ I g(«z"aÉkt], [haÉ.b ¥ I
g(«z"aÉkt] (vgl. auch A. 6). (Der Bogen hat hier die Funktion, die Enklise anzuzeigen).

5.4.2.2 Quantität und Qualität der Vokale

Die Aussprache der Vokale ist durch unterschiedliche Quantität (lang/kurz) und Qualität (ge-
spannt/ungespannt) charakterisiert.

c9 Deutsche Wörter:
Zwischen Quantität und Qualität der Vokale besteht ein enger Zusammenhang.
Es gilt im Allgemeinen die Regel:
x Lange Vokale sind gespannt (Ausnahme: der lange ungespannte e-Laut [EÉ] wie in Träne).
x Kurze Vokale sind ungespannt.

Die a-Laute unterscheiden sich (abgesehen von der Differenzierung in nasalierte und nicht na-
salierte Realisationen in fremden und eingedeutschten Wörtern) nur hinsichtlich der Quantität,
nicht der Qualität.
Quantität und Qualität der Vokale stehen darüber hinaus im Zusammenhang mit Silben-
struktur und Akzentuierung:
x Geschlossene Silben enden auf einen oder mehrere Konsonanten,
x offene Silben enden auf einen Vokal,
x potenziell offene Silben enden auf nur einen Konsonanten, der in abgeleiteten oder flektier-
ten Formen zur nächsten Silbe tritt.

Als Grundregel gilt:

Akzentuierte Vokale sind


a) kurz und ungespannt in geschlossenen Silben (sofern keine flektierten oder abgeleiteten For-
men möglich sind, in denen der Vokal in einer offenen Silbe vorkommt), z. B. Kun-de, Wild,
wil-dern; Kurt;
b) lang und gespannt
x in offenen Silben, z. B. le-ben, ru-fen,
x in potenziell offenen Silben, z. B. langer Vokal in Bad [baÉt] wie in ba-den [b"aÉdn`], rot
[åoÉt] wie in ro-te [å"oÉt«], (der) Weg [veÉk] wie in We-ge [v"eÉg«]. In diesen Fällen bleibt
die mit dem Wortstamm gegebene Vokalquantität auch in abgeleiteten Formen erhalten.

Akzentuierte Vokale deutscher Simplizia können bei Kompositionsbildung den Akzent verlie-
ren, z. B. Brot aber Kastenbrot, rot aber rotgrün. Sie werden daher oft kürzer artikuliert, trotzdem
aber als lang und gespannt transkribiert, weil sie nicht die Merkmale eines Kurzvokals (nicht
dehnungsfähig, enger Anschluss an den folgenden Konsonanten) besitzen.
Dies trifft auch auf nicht akzentuierte Vokale zu, die in einsilbigen Wörtern sowie akzentu-
iert in Zusammensetzungen lang gesprochen werden, z. B.
Ausspracheregeln 55

damit [daÉm"It], weil: Einzelwort [daÉ] und akzentuiert in Zusammensetzungen [d"aÉmIt]


soviel [zoÉf"iÉl], weil: [zoÉ], [z"oÉfiÉl]
sowohl [zoÉv"oÉl], weil: [zoÉ]
woher [voÉh"eÉ?], weil: [voÉ], [v"oÉheÉ?]
zufrieden [tsuÉfå9"iÉdn`], weil: [tsuÉ]
zurück [tsuÉå"Yk], weil: [tsuÉ]
zusammen [tsuÉz"am«n] weil: [tsuÉ].

In zusammenhängend gesprochenen Äußerungen ist es daneben auch gebräuchlich, in nicht


akzentuierter Position den Vokal zu kürzen, z. B. damit auch: [dam"It], sowohl auch: [zov"oÉl],
zurück auch: [tsuå"Yk].
Zu stilistisch bedingten, zusätzlichen Veränderungen der Qualität vgl. Kapitel A. 6.

Weitere Orientierungen für die Aussprache der Vokale liefert das Schriftbild:
Vokale sind
a) kurz und ungespannt
vor doppelt geschriebenen Konsonanten (für <kk> wird <ck>, für <zz> wird <tz> geschrie-
ben), z. B. Sonne, Riff; Rücken, Sack; Nutzen, Witz;
b) lang und gespannt
x bei Doppelschreibung des Vokals (Moos),
x bei Schreibung <ie> (viel),
x vor Dehnungs-h (Mehl),
x vor <ß> (Fuß).

Eingedeutschte Wörter: c 10
Es werden in den Ausspracheregeln unterschieden:
(a) kurze ungespannte Vokale (wie in deutschen Wörtern)
x in geschlossenen Silben, z. B. kontra [k"Ontå9aÉ],
x vor doppelt geschriebenen Konsonanten, z. B. Karosse [kaå"Os«], Kommerz [kOm"Ets];
(b) lange gespannte Vokale (wie in deutschen Wörtern) in offenen und potenziell offenen Silben,
z. B. Nomen [n"oÉm«n], synchron [zYnkå9"oÉn];
(c) kurze gespannte Vokale in akzentlosen offenen Silben, z. B. Dekret [dekå9"eÉt];
(d) unsilbische Vokale [C], [y*], [u8], [O8] vor Vokal, z. B. Linguist [lINgu8"Ist], loyal [lO8aJ"aÉl], Nation
[natsC"oÉn];
(e) nasalierte Vokale [E)], [A)], [¨], [o)]: akzentuiert (lang) und nicht akzentuiert (kurz), z. B. Ver-
dun [vEd"¨É], Bonmot [bo)m"oÉ].

Ausnahmen zu (a) und (b) sind Fälle, in denen durch die Schreibung in der Herkunftssprache
die Quantität der Vokale vorgegeben ist, z. B. sind im Slowakischen kurze Vokale unmarkiert
<u>, lange markiert <ú>.
Im Wortauslaut werden akzentuierte und nicht akzentuierte Vokale (außer [«]) in deutschen
und eingedeutschten Wörtern und Namen (auch in Wortgruppen) als lange gespannte Vokale
transkribiert. Dies betrifft ebenso Vokale im Auslaut von nicht letzten Teilgliedern bei Binde-
strichwörtern sowie in Komposita, d. h. in Zusammensetzungen von Wörtern und Namen, die
auch frei auftreten (freie Morpheme), z. B. Drama [då"aÉmaÉ], Lotto-Schein [l"OtoÉ SaE8n], Auto-
dach ["aO8toÉdax], cum grano salis [kUm gå®aÉnoÉ z"aÉlIs].
Zu Ausnahmen in jüngeren Entlehnungen vgl. A. 7.
56 Die Standardaussprache in Deutschland

5.4.3 i-Laute [i…] [I] [i] [ i 8]

Bildungsweise
Die i-Laute sind ungerundete hohe Vorderzungenvokale:
Der vordere Teil des Zungenrückens wölbt sich stark zum vorderen harten Gaumen auf.
Die Mundöffnung ist gering.
Bei den gespannten i-Lauten [iÉ] und [i] ist der Vorderzungenrücken etwas mehr gehoben,
die Spannung etwas stärker und die Mundöffnung etwas geringer als beim ungespannten
i-Laut [I].
Beim unsilbischen gespannten i-Laut [C] ist die Hebung des Vorderzungenrückens noch et-
was stärker als bei den silbischen gespannten i-Lauten, so dass in der Enge zwischen Vorderzun-
genrücken und vorderem harten Gaumen ein leichtes Reibegeräusch entstehen kann.

Ausspracheregeln
c 11 Langer gespannter i-Laut [i…] wird gesprochen für:
<i> akzentuiert in offenen oder potenziell offenen Silben, z. B. Arthritis [atå9"iÉtIs], Tiber
[t"iÉbŒ]; Lid (Li-der) [liÉt], Stil [StiÉl] (auch: [stiÉl]); Berlin [bEl"iÉn], Fabrik [fabå"iÉk],
Kredit [kå9ed"iÉt] (auch: [kå9ed"It]), Prinzip [på9Ints"iÉp]; (er) gibt (ge-ben) [giÉpt]; Maria
[maå"iÉaÉ], Orion [oå"iÉOn], Pius [p"iÉUs]
<i> unabhängig von der Akzentuierung im Wortauslaut (auch in Wortgruppen) sowie im
Auslaut von nicht letzten Teilgliedern in Bindestrichwörtern und in Komposita, z. B. Pi
[piÉ], Ski [SiÉ]; Juli [J"uÉliÉ], Taxi-Fahrt [t"aksiÉ faÉt], Gummiband [g"UmiÉbant]
<i> nicht akzentuiert in geschlossenen Silben vor <l, m, n, r>, z. B. Emil ["eÉmiÉl]; Achim
["axiÉm] (auch: ["axIm]); Baldachin [b"aldaxiÉn], Hölderlin [h"{ldŒliÉn]; Fakir [f"aÉkiÉ?],
Kaschmir [k"aSmiÉ?]
<ie> akzentuiert in offenen, potenziell offenen und geschlossenen Silben, z. B. Biene [b"iÉn«],
ziehen [ts"iÉ«n]; Offizier (Offizie-re) [Ofits"iÉ?], Sieb [ziÉp];
im Wortauslaut, z. B. Energie [enEg"iÉ], Knie [kniÉ];
auch vor <ß>, z. B. Grieß [gåiÉs], Spieß [SpiÉs];
auch vor <ck> in einzelnen Namen, z. B. Wieck [viÉk], Tieck [tiÉk]
<ieh> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. (er) sieht [ziÉt], Vieh [fiÉ]
<ih> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. ihm [iÉm], ihn [iÉn], ihr [iÉ?], Ihle ["iÉl«], Schlemihl
[Sl"eÉmiÉl]
<y> in einzelnen Namen, z. B. Gysi [g"iÉziÉ], Schwyz [Sv9iÉts]; auch nicht akzentuiert im Wort-
auslaut, z. B. Betty [b"EtiÉ], Romy [å"oÉmiÉ]
Ausspracheregeln 57

<y> in Wörtern aus dem Englischen im Wortauslaut, z. B. Cherry [tS"EåiÉ], City [s"ItiÉ]
<ea> teilweise in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Beat [biÉt], clean [kliÉn], Deal [diÉl], Team
[tiÉm];
aber: langer gespannter e-Laut, z. B. Steak [steÉk]
<ee> in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Jeep [dZiÉp], Leeds [liÉts], Meeting [m"iÉtIN]

Kurzer ungespannter i-Laut [I] wird gesprochen für: c 12


<i> akzentuiert in geschlossenen Silben, wenn diese nicht durch Flexion zu offenen Silben
werden können (einschließlich vor doppelt geschriebenen Konsonanten) sowie in un-
flektierbaren Wörtern, z. B. April [apå9"Il], Himbeere [h"ImbeÉå«], Licht [lIt]; Bitte
[b"It«], Schiff [SIf]; im [Im], in [In], mit [mIt];
Ausnahme: langer gespannter i-Laut in Pik [piÉk]
<i> akzentuiert in offenen Silben in einigen eingedeutschten Wörtern, z. B. City [s"ItiÉ], Ka-
pitel [kap"It+], Limit [l"ImIt], Mini [m"IniÉ]
<i> nicht akzentuiert in geschlossenen Silben eingedeutschter Wörter, z. B. diffus [dIf"uÉs],
Forint [f"oÉåInt], gratis [gå"aÉtIs]; Fazit [f"aÉtsIt], Logik [l"oÉgIk], Technik [t"EnIk]
<i> in Suffixen, z. B. <-ich, -icht, -ig, -ige(n), -iglich, -igs(t), -igt,
-in(nen), -is, -isch, -lich, -ling, -nis(se)>, z. B. Erlebnis [Œl"eÉpnIs], ewig ["eÉvI], Frühling
[få9"yÉlIN], Lehrerin [l"eÉå«åIn], modisch [m"oÉdIS]

Unterschiedliche Qualität und Quantität für: c 13


<i, ie> vor <sch> und <r>:
langer gespannter i-Laut, z. B. Nische [n"iÉS«]; dir [diÉ?], mir [miÉ?], wir [viÉ?]; vier [fiÉ?]
kurzer ungespannter i-Laut, z. B. Bischof [b"ISOf] (auch: [b"ISoÉf]), mischen [m"ISn`], wi-
schen [v"ISn`]; Hirse [h"Iz«]; vierzehn [f"ItseÉn], vierzig [f"ItsI]

Kurzer gespannter i-Laut [i] wird in eingedeutschten Wörtern in nicht akzentuierter Position c 14
gesprochen für:
<i> in offenen Silben, z. B. Brigade [båig"aÉd«], Dialog [dial"oÉk], Hemisphäre [hemi.sf"EÉå«],
Techniker [t"EnikŒ] (auch: [t"EnIkŒ])
<i> vor nicht akzentuiertem Vokal nach silbenanlautendem <r>, z. B. Gloria [gl"oÉåiaÉ],
Karies [k"aÉåiEs], Kurie [k"uÉåi«]
<i> vor Vokal nach Plosiv, Frikativ oder Nasal + <l, m, n, r>, z. B. Baldrian [b"aldåiaÉn],
Bosnien [b"Osni«n], Kadmium [k"atmiUm], Nauplius [n"aO8pliUs], Omnium ["OmniUm]
<i> vor Vokal nach <ch, qu>, z. B. brachial [båaxi"aÉl], Kolloquium [kOl"Okv9iUm] (auch:
[kOl"oÉkv9iUm])

Unsilbischer i-Laut [ i 8] wird in eingedeutschten Wörtern gesprochen für: c 15


<i> vor Vokal, sofern nicht Plosiv, Frikativ, Nasal oder Lateral + <l, m, n, r> vorangehen,
z. B. Akazie [ak"aÉtsC«], Filiale [filC"aÉl«], grandios [gåandC"oÉs], Gremium [gå"eÉmCUm],
Nation [natsC"oÉn], Nubier [n"uÉbCŒ]
<i> meist nach silbenanlautendem <r> vor akzentuiertem Vokal, z. B. glorios [gloåC"oÉs],
kariös [kaåC"PÉs]
58 Die Standardaussprache in Deutschland

5.4.4 e-Laute [e…] [E] [e] [E…]

Bildungsweise
Die e-Laute sind ungerundete mittelhohe Vorderzungenvokale:
Der vordere Teil des Zungenrückens wölbt sich mittelgradig zum vorderen harten Gaumen.
Der Mund ist etwas mehr geöffnet als bei den hohen Vokalen.
Bei den gespannten e-Lauten [eÉ] und [e] ist der Vorderzungenrücken etwas mehr gehoben,
die Spannung etwas stärker und die Mundöffnung etwas geringer als bei den ungespannten
e-Lauten [EÉ] und [E].
Der Unterschied zwischen [eÉ] und [EÉ] wird in der Aussprache meist nicht stark verdeut-
licht, so dass häufig ein Vokalklang zwischen [eÉ] und [EÉ] mit einer Tendenz zu [eÉ] entsteht.
Das kurze [E] ist hiervon nicht betroffen, sondern behält seine Qualität als ungespannter Vokal
bei.

Ausspracheregeln
c 16 Langer gespannter e-Laut [e…] wird gesprochen für:
<e> akzentuiert in offenen oder potenziell offenen Silben, z. B. Brezel [bå"eÉts+], Leben
[l"eÉbË], sehen [z"eÉ«n], Thema [t"eÉmaÉ]; (er) lebt (le-ben) [leÉpt], Problem [på9obl"eÉm];
Andreas [andå"eÉas], Museum [muz"eÉUm];
Ausnahme: vor <ch, sch> kurzer ungespannter e-Laut, z. B. Becher [b"EŒ], frech [få9E];
fesch [fES]
<e> unabhängig von der Akzentuierung im Wortauslaut (auch in Wortgruppen) sowie im
Auslaut von nicht letzten Teilgliedern in Bindestrichwörtern und in Komposita, z. B. ade
[ad"eÉ], (in) spe [speÉ], je [JeÉ]; Faksimile [fakz9"iÉmileÉ], (Perpetuum) mobile [m"oÉbileÉ];
Aloeextrakt ["aÉloeɳEkstå99®akt];
in nicht akzentuierter Position wird in häufig gebrauchten eingedeutschten Wörtern
auch [«] gesprochen, z. B. Ave ["aÉveÉ] neben ["aÉv«]
<ee> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. (die) Beete [b"eÉt«], Meer [meÉ?], Tee [teÉ]; Porree
[p"OåeÉ]
<eh> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. Kehle [k"eÉl«], Mehl [meÉl]; Reh [åeÉ], Zeh [tseÉ]
<ea> teilweise in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Steak [steÉk]
<é, ée> akzentuiert in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Café [kaf"eÉ], Séparée (auch Sepa-
ree) [zepaå"eÉ]
<er> akzentuiert am Ende von Wörtern aus dem Französischen, z. B. Baiser [bEz"eÉ], Mont-
pellier [mo)p«lC"eÉ], Premier [på9emC"eÉ] (auch: [på9«mC"eÉ])
Ausspracheregeln 59

<et> akzentuiert am Ende von Wörtern aus dem Französischen, z. B. Filet [fil"eÉ], Toupet
[tup"eÉ];
aber: beibehalten der französischen Aussprache mit [EÉ] in Namen, z. B. Daudet [dod"EÉ]
(neben [dod"eÉ])
<a> in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Cape [keÉp], Safe [seÉf]
<ai> in Wörtern aus dem Englischen, sofern nicht <r> folgt, z. B. Aids [eÉts], Mail [meÉl]

Kurzer ungespannter e-Laut [E] wird gesprochen für: c 17


<e> akzentuiert in geschlossenen Silben, wenn diese nicht durch Flexion zu offenen Silben
werden können (einschließlich vor doppelt geschriebenen Konsonanten), z. B. Chef
[SEf], emsig ["EmzI], hetzen [h"Etsn`], Recht [åEt]; hell [hEl], Neffe [n"Ef«];
Ausnahme: langer gespannter e-Laut in einigen Einzelwörtern, z. B. Dresden [då"eÉsd9n`],
Keks [keÉks], Krebs [kå9eÉps], Meltau [m"eÉltaO8], nebst [neÉpst], Schleswig [Sl"eÉsv9I], stets
[SteÉts]; dem [deÉm], wem [veÉm], wen [veÉn]
<e> vor <ch, sch> in offenen oder potenziell offenen Silben, z. B. Becher [b"EŒ], brechen
[bå"En`], frech [få9E], fesch [fES]
<e> vor <ß> in einigen Namen, z. B. Heß [hEs], Keßler [k"EslŒ]
<e> nicht akzentuiert in geschlossenen Silben eingedeutschter Wörter, z. B. Menthol
[mEnt"oÉl], Ressort [åEs"oÉ?]; Hades [h"aÉdEs], Limes [l"iÉmEs], Moslem [m"OslEm], Tan-
dem [t"andEm]
<e> nicht akzentuiert in einigen deutschen Präfixen, z. B. empfinden [Empf"Indn`], empören
[Emp"PÉå«n], entlassen [Entl"asn`];
(zur Aussprache der Präfixe <be-, ge-> sowie <er- her-, ver-, zer-> vgl. die Regeln zum
Schwa-Laut A. 5.4.10 bzw. zu den r-Lauten A. 5.5.8)
<ä> akzentuiert in geschlossenen Silben, wenn diese nicht durch Flexion zu offenen Silben
werden können (einschließlich vor doppelt geschriebenen Konsonanten), z. B. ändern
["EndŒn], März [mEts]; Stätte [St"Et«]
<ä> nicht akzentuiert in offenen und geschlossenen Silben eingedeutschter Wörter, z. B. prä-
sent [på9Ez"Ent], prädestinieren [på9EdEstin"iÉå«n], Präsidium [på9Ez"iÉdCUm];
Anästhesie [anEstez"iÉ], Ästhetik [Est"eÉtIk]
<a> teilweise in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Camping [k"EmpIN], Cash [kES]
unsilbisch wird der kurze ungespannte e-Laut gesprochen im Diphthong [aE8] für <ai, ay, ei, ey>
z. B. Mai [maE8], Bayern [b"aE8Œn], Reise [å"aE8z«], Ceylon [ts"aE8lOn]

Kurzer gespannter e-Laut [e] wird in eingedeutschten Wörtern in nicht akzentuierter Posi- c 18
tion gesprochen für:
<e> in offenen Silben, z. B. elegant [eleg"ant], Metronom [metå9on"oÉm]; Geologie [geolog"iÉ],
Koffein [kOfe"iÉn], Theater [te"³aÉtŒ] (auch: [te"aÉtŒ]); dekodieren [dekod"iÉå«n], Deskrip-
tion [de.skå9IptsC"oÉn] (auch: [dEs.kå9IptsC"oÉn], wenn <de-> nicht mehr als Ableitungs-
silbe empfunden wird), reanimieren [åe³anim"iÉå«n], Reduktion [åedUktsC"oÉn]
<é> in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Séparée [zepaå"eÉ]

Langer ungespannter e-Laut [E…] wird gesprochen für: c 19


<ä> akzentuiert in offenen oder potenziell offenen Silben, z. B. mähen [m"EÉ«n], Präsens
[på9"EÉzEns], Träne [tå9"EÉn«], Trophäe [tå9of"EÉ«]; Aktivität (Aktivitä-ten) [aktivit"EÉt], Ge-
rät (Gerä-te) [g«å"EÉt]
<ä> vor <ß>, z. B. Gefäß [g«f"EÉs], gemäß [g«m"EÉs];
Ausnahme: kurzer ungespannter e-Laut in einigen Namen, z. B. Häßler [h"EslŒ]
60 Die Standardaussprache in Deutschland

<ä, ae> im Wortauslaut, z. B. Bajä [b"aÉJEÉ], Kannä [k"anEÉ]; (Dies) irae ["iÉåEÉ], (Curriculum)
vitae [v"iÉtEÉ]
<ä> akzentuiert in geschlossenen Silben, wenn die Grundform langen Vokal hat, oder wenn
im Stamm nur ein Konsonant folgt, z. B. Bärte (Bart) [b"EÉ?t«], zärtlich [ts"EÉ?tlI]; Mäd-
chen [m"EÉt«n];
auch nicht akzentuiert (nach akzentuiertem Präfix), z. B. abträglich ["aptå9EÉklI]
<äh> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. ähnlich ["EÉnlI], nähren [n"EÉå«n]; jäh [JEÉ], zäh [tsEÉ]
<ai> vor <r> in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Airbag ["EÉ?bEk], fair [fEÉ?]
<ai> in Wörtern aus dem Französischen, z. B. au pair [op"EÉ?]

c 20 Unterschiedliche Quantität für:


<ä> vor <ch, tsch>, auch vor <ts/tz>:
langer ungespannter e-Laut, z. B. gemächlich [g«m"EÉlI], nächste [n"EÉst«]; Gespräch
[g«Spå9"EÉ]; Grätsche [gå"EÉtS«], Kardätsche [kad"EÉtS«], Kartätsche [kat"EÉtS«]; Rätsel
[å"EÉts+], Fläz [flEÉts]
kurzer ungespannter e-Laut, z. B. mächtig [m"EtI]; lächeln [l"E+n], Wäsche [v"ES«];
plätschern [pl"EtSŒn]; Lätzchen [l"Ets«n]

c 21 Unterschiedliche Qualität und Quantität für:


<e> vor <r>:
langer gespannter e-Laut, z. B. Erde ["eÉ?d«], erst [eÉ?st], Gerhard [g"eÉ?hat], Herde
[h"eÉ?d«], Schwert [Sv9eÉ?t], werden [v"eÉ?dn`], Wermut [v"eÉ?muÉt], Wert [veÉ?t]
kurzer ungespannter e-Laut, z. B. Erbse ["Eps«], Herberge [h"EbEg«], Herz [hEts],
Herzog [h"EtsoÉk], Kerbe [k"Eb«], werben [v"EbË]

5.4.5 a-Laute [a…] [a]

Bildungsweise
Bei den Lauten [aÉ] und [a] nimmt die Zunge im Mundraum eine flache Lage ein.
Die Mundöffnung ist groß.
Die a-Laute unterscheiden sich nur hinsichtlich der Quantität, nicht der Qualität.
Ausspracheregeln 61

Ausspracheregeln
Langer a-Laut [a…] wird gesprochen für: c 22
<a> akzentuiert in offenen oder potenziell offenen Silben,
z. B. Babel [b"aÉb+], nahe [n"aÉ«], sagen [z"aÉg>]; Bad (Ba-des) [baÉt], Formular
[fOmul"aÉ], Kandidat [kandid"aÉt], Lokal [lok"aÉl], Organ [Og"aÉn];
Ausnahme: kurzer a-Laut in offener Silbe vor <sch> z. B. Flasche [fl"aS«], Tasche [t"aS«]
<a> unabhängig von der Akzentuierung im Wortauslaut (auch in Wortgruppen) sowie
im Auslaut von nicht letzten Teilgliedern in Bindestrichwörtern und in Komposita,
z. B. Hurra [huå"aÉ]; Fulda [f"UldaÉ], Malta [m"altaÉ]; Sofakissen [z"oÉfaÉkIsn`], fama est
[f®aÉmaÉ "³Est]
<a> vor <ß>, z. B. Maß [maÉs], Spaß [SpaÉs], Straßburg [Stå9"aÉsb9Uk];
Ausnahme: kurzer a-Laut in einzelnen Namen, z. B. Gaßler [g"aslŒ]
<a> nicht akzentuiert in Suffixen, z. B. nutzbar [n"Utsb9aÉ], Rinnsal [å"InzaÉl], wirksam
[v"Ikz9aÉm];
Aber: kurzer a-Laut in einigen Wörtern auf <-am>, z. B. Sesam [z"eÉzam], Wigwam
[v"Ikv9am]
<a> unabhängig von der Akzentuierung im Auslaut vor <r>, z. B. Adebar ["aÉd«baÉ],
Februar [f"eÉbåuaÉ], Oskar ["OskaÉ]; zwar [tsv9aÉ]
<aa> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. Aal [aÉl], Saale [z"aÉl«], Staat [StaÉt]
<ah> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. fahren [f"aÉå«n]; Wahl [vaÉl]; Schah [SaÉ]
<ae> in einigen norddeutschen Namen, z. B. Baesweiler [b"aÉsv9aE8lŒ], Raesfeld [å"aÉsfElt]

Kurzer a-Laut [a] wird gesprochen für: c 23


<a> akzentuiert und nicht akzentuiert in geschlossenen Silben, wenn diese nicht durch
Flexion zu offenen Silben werden können (einschließlich vor doppelt geschriebenen
Konsonanten) sowie in unflektierbaren Wörtern, z. B. Alter ["altŒ], bald [balt], Magde-
burg [m"akd9«bUk]; Masse [m"as«], satt [zat]; Pantomime [pantom"iÉm«], Transport
[tå9ansp"Ot]; ab [ap], an [an], was [vas]
<a> in offenen Silben vor <sch>, z. B. Tasche [t"aS«], waschen [v"aSn`]
<a> nicht akzentuiert in offenen Silben eingedeutschter Wörter, z. B. Gratulation [gåatu-
latsC"oÉn], Kapitel [kap"It+]; laotisch [la"oÉtIS], Ukraine [ukå9a"iÉn«]; anonym [anon"yÉm],
aphonisch [af"oÉnIS], Atom [at"oÉm]
<u> teilweise in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Shuttle [S"at+]

Unterschiedliche Quantität für: c 24


<a> vor <ch, rsch, rt, rz, tsch>:
langer a-Laut, z. B. Gemach [g«m"aÉx], nach [naÉx]; (sie) brachen [bå"aÉxn`], stachen
[St"aÉxn`]; Barsch (= Fisch) [baÉS]; Art [aÉt], Bart [baÉt], zart [tsaÉt]; Arzt [aÉtst]
(auch: [atst]), Harz [haÉts], Quarz [kv9aÉts]; Bratsche [bå"aÉtS«], latschen [l"aÉtSn`]
kurzer a-Laut, z. B. Dach [dax], flach [flax], Nachbar [n"axb9aÉ]; Kachel [k"ax+], lachen
[l"axn`]; barsch [baS], Marsch [maS]; hart [hat], Start [Stat]; schwarz [Sv9ats]; klat-
schen [kl"atSn`], Matsch [matS]
62 Die Standardaussprache in Deutschland

5.4.6 ü-Laute [y…] [Y] [y] [y*]

Bildungsweise
Die ü-Laute sind gerundete hohe Vorderzungenvokale:
Der vordere Teil des Zungenrückens wölbt sich stark zum vorderen harten Gaumen auf.
Die Lippen sind gerundet und vorgestülpt; die Mundöffnung ist gering.
Bei den gespannten ü-Lauten [yÉ] und [y] ist der Vorderzungenrücken etwas mehr gehoben,
die Spannung ist etwas stärker, die Lippen sind etwas mehr gerundet und die Mundöffnung ist
etwas geringer als beim ungespannten ü-Laut [Y].
Beim unsilbischen gespannten ü-Laut [y*] ist die Hebung des Vorderzungenrückens noch
etwas stärker als bei den silbischen gespannten ü-Lauten, so dass in der Enge zwischen Vorder-
zungenrücken und vorderem harten Gaumen ein leichtes Reibegeräusch entstehen kann. Das
Reibegeräusch kann auch in einer bilabial oder labiodental gebildeten Enge entstehen.

Ausspracheregeln
c 25 Langer gespannter ü-Laut [y…] wird gesprochen für:
<ü> akzentuiert in offenen oder potenziell offenen Silben, z. B. blühen [bl"yÉ«n], Güte
[g"yÉt«]; Büdchen (Bu-de) [b"yÉt«n], grün [gåyÉn], Kostüm [kOst"yÉm];
aber: vgl. Wechsel von Qualität und Quantität vor <ch, sch, st>
<ü> unabhängig von der Akzentuierung im Wortauslaut (auch in Wortgruppen) sowie im
Auslaut von nicht letzten Teilgliedern in Bindestrichwörtern und in Komposita, z. B.
Menü [men"yÉ], Parvenü [pav«n"yÉ]; Aküsprache ["akyÉSpå9aÉx«]
<ü> vor <ß>, z. B. Füßchen [f"yÉs«n], süß [zyÉs];
Ausnahme: kurzer ungespannter ü-Laut in einzelnen Namen, z. B. Schüßler [S"YslŒ]
<ü> nicht akzentuiert in <-mütig> und <-tüm->, z. B. freimütig [få9"aE8myÉtI], gutmütig
[g"uÉtmyÉtI]; eigentümlich ["aE8g>tyÉmlI], irrtümlich ["ItyÉmlI], Ungetüm ["Ung«tyÉm]
<üh> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. Bühne [b"yÉn«], kühl [kyÉl]; früh [få9yÉ], Gesprüh
[g«Spå9"yÉ]
<ui> in einigen Namen, z. B. Duisburg [d"yÉsb9Uk], Juist [JyÉst]
<y> akzentuiert in offenen Silben, z. B. Analyse [anal"yÉz«], Lyrik [l"yÉåIk]; My [myÉ], Ny
[nyÉ]
<u, ue> akzentuiert in Wörtern aus dem Französischen im Wortauslaut, z. B. Bellevue [bElv"yÉ],
Fondue [fo)d"yÉ], Impromptu [E)på9o)t"yÉ], Revue [åev"yÉ] (auch: [å«v"yÉ])
Ausspracheregeln 63

Kurzer ungespannter ü-Laut [Y] wird in akzentuierter und nicht akzentuierter Position ge- c 26
sprochen für:
<ü> in geschlossenen Silben, wenn diese nicht durch Flexion zu offenen Silben werden
können (einschließlich vor doppelt geschriebenen Konsonanten), z. B. brüsk [båYsk],
fünf [fYnf], Hütte [h"Yt«], Mücke [m"Yk«], Würde [v"Yd«];
aber: vgl. Wechsel von Qualität und Quantität vor <ch, sch, st>
<ue> in einzelnen Namen, z. B. Mueller [m"YlŒ]
<y> in geschlossenen Silben, wenn diese nicht durch Flexion zu offenen Silben werden kön-
nen, z. B. Hymne [h"Ymn«], Sylt [zYlt]; Gymnastik [gYmn"astIk], System [zYst"eÉm]

Wechsel von Qualität und Quantität für: c 27


<ü> vor <ch, sch, st> in akzentuierter Position und in geschlossener und offener Silbe:
langes gespanntes [y…], z. B. Büchner [b"yÉnŒ], Küchler [k"yÉlŒ]; Flüche [fl"yÉ«]; Rüsche
[å"yÉS«]; düster [d"yÉstŒ], Wüste [v"yÉst«]
kurzes ungespanntes [Y], z. B. süchtig [z"YtI], tüchtig [t"YtI]; Küche [k"Y«]; Büschel
[b"YS+]; flüstern [fl"YstŒn], Küste [k"Yst«], rüsten [å"Ystn`]; Nüstern [n"YstŒn] (auch:
[n"yÉstŒn])

Kurzer gespannter ü-Laut [y] wird in eingedeutschten Wörtern in nicht akzentuierter Posi- c 28
tion gesprochen für:
<ü> in offener Silbe, z. B. Büfettier [byfEtC"eÉ], Büro [byå"oÉ]
<y> in offener Silbe, z. B. Dryade [dåy"aÉd«], Dynamit [dynam"iÉt] (auch: [dynam"It]), Myom
[my"oÉm], Physik [fyz"iÉk], Kryometer [kå9yom"eÉtŒ]
<u> in Wörtern aus dem Französischen in offener Silbe, z. B. Dumas [dym"aÉ]

Unsilbischer ü-Laut [y*] wird in eingedeutschten Wörtern in nicht akzentuierter Position ge- c 29
sprochen für:
<y> teilweise vor nicht akzentuiertem Vokal, jedoch seltener, wenn Plosiv, Frikativ, Nasal
oder Lateral + <l, m, n, r> vorangehen, z. B. Libyen [l"iÉby*«n]
<u> vor akzentuiertem und nicht akzentuiertem Vokal in Wörtern aus dem Französischen,
z. B. Etui [ety*"iÉ] (auch [Ety*"iÉ] oder stärker eingedeutscht: [Etv9"iÉ]), Nuance [ny*"A)És«]
(auch: [ny*A)És] sowie stärker eingedeutscht: [ny"aNs«]); Tuilerien [ty*il«å"iÉ«n]

5.4.7 ö-Laute [P…] [{] [P]


64 Die Standardaussprache in Deutschland

Bildungsweise
Die ö-Laute sind gerundete mittelhohe Vorderzungenvokale:
Der vordere Teil des Zungenrückens wölbt sich mittelgradig zum vorderen harten Gaumen.
Die Lippen sind gerundet und vorgestülpt.
Der Mund ist etwas mehr geöffnet als bei den hohen Vokalen.
Bei den gespannten ö-Lauten [PÉ] und [P] ist der Vorderzungenrücken etwas mehr gehoben,
die Spannung etwas stärker, die Lippen sind etwas mehr gerundet und die Mundöffnung ist
etwas geringer als beim ungespannten ö-Laut [{].

Ausspracheregeln
c 30 Langer gespannter ö-Laut [P…] wird gesprochen für:
<ö> akzentuiert und nicht akzentuiert in offenen oder potenziell offenen Silben, einschließ-
lich Wortauslaut, z. B. böig [b"PÉI], Flöte [fl"PÉt«]; Bischöfe [b"ISPÉÊ«]; obszön [Ops.ts"PÉn],
schön [SPÉn]; Diarrhö [diaå"PÉ], Malmö [m"almPÉ];
Ausnahme: kurzer ungespannter ö-Laut vielfach vor <ch, sch>, z. B. Knöchel [kn"{+],
löschen [l"{Sn`]
<ö> akzentuiert in geschlossenen Silben, die nicht durch Flexion zu offenen Silben werden
können (in einigen Einzelwörtern), z. B. Behörde [b«h"PÉ?d«], Börde [b"PÉ?d«], Gehöft
[g«h"PÉft], Grönland [gå"PÉnlant], höflich [h"PÉflI]
<oe> akzentuiert in offenen und geschlossenen Silben bei Namen, z. B. Goethe [g"PÉt«],
Schroeder [Så9"PÉdŒ]; Loest [lPÉst];
aber: langer gespannter o-Laut in Soest [zoÉst]
<oey> vereinzelt in Namen, z. B. Oeynhausen ["PÉnhaO8zn`]
<öh> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. Böhmen [b"PÉm«n], Föhn [fPÉn]
<eu> akzentuiert in Wörtern aus dem Französischen, z. B. adieu [adC"PÉ], bleu [blPÉ], Milieu
[milC"PÉ]; Ingenieur [InZenC"PÉ?], Malheur [mal"PÉ?];
aber: offener ö-Laut [{] in französischen Namen, z. B. Vasseur [vas"{É?]

c 31 Kurzer ungespannter ö-Laut [{] wird in akzentuierter Position gesprochen für:


<ö> in geschlossenen Silben, wenn diese nicht durch Flexion zu offenen Silben werden kön-
nen (einschließlich vor doppelt geschriebenen Konsonanten), z. B. Böll [b{l], fördern
[f"{dŒn], Köln [k{ln], können [k"{n«n];
Ausnahme: langer gespannter ö-Laut, z. B. Behörde [b«h"PÉ?d«], höflich [h"PÉflI]
<ö> in offenen Silben vielfach vor <ch, sch>, z. B. Knöchel [kn"{+], Köcher [k"{Œ], röcheln
[å"{+n]; Böschung [b"{SUN], Frösche [få9"{S«], löschen [l"{Sn`]
<ö> vor <ß> in einigen Namen, z. B. Krößner [kå9"{snŒ]
unsilbisch wird der kurze ungespannte ö-Laut gesprochen im Diphthong [OÎ] für <äu, eu>, z. B.
Säure [z"OÎå«], Freude [få9"OÎd«]

c 32 Wechsel von Qualität und Quantität für:


<ö> vor <st>:
langes gespanntes [P…], z. B. in Österreich ["PÉstŒåaE8], rösten [å"PÉstn`], trösten [tå9"PÉstn`]
kurzes ungespanntes [{], z. B. in Köster [k"{stŒ], köstlich [k"{stlI], östlich ["{stlI]

c 33 Kurzer gespannter ö-Laut [P] wird in eingedeutschten Wörtern in nicht akzentuierter Posi-
tion gesprochen für:
<ö> in offenen Silben, z. B. Föderation [fPdeåatsC"oÉn], Ödem [Pd"eÉm], Ökologie [Pkolog"iÉ]
<eu> in offenen Silben in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Dejeuner [deZPn"eÉ], Feuille-
ton [fPJ«t"o)É] (auch: [fPJ«t"ON] und [f"PÉJ«tON])
Ausspracheregeln 65

5.4.8 u-Laute [u…] [U] [u] [u8]

Bildungsweise
Die u-Laute sind gerundete hohe Hinterzungenvokale:
Der hintere Teil des Zungenrückens wölbt sich stark zum hinteren Teil des harten Gaumens.
Die Lippen sind gerundet und vorgestülpt; die Mundöffnung ist gering.
Bei den gespannten u-Lauten [uÉ] und [u] ist der hintere Teil des Zungenrückens etwas mehr
gehoben, die Spannung etwas stärker, die Lippen sind etwas mehr gerundet und die Mundöff-
nung ist etwas geringer als beim ungespannten u-Laut [U].
Beim unsilbischen gespannten u-Laut [u8] kann bilabial eine Enge entstehen, in der ein
schwaches Reibegeräusch erzeugt wird.

Ausspracheregeln
Langer gespannter u-Laut [u…] wird gesprochen für: c 34
<u> akzentuiert in offenen oder potenziell offenen Silben, z. B. Bruder [bå"uÉdŒ], Nutria
[n"uÉtå9iaÉ], Ruhe [å"uÉ«]; Blut (blu-ten) [bluÉt], Kur [kuÉ?], opportun [OpOt"uÉn]; Duo
[d"uÉoÉ]
<u> unabhängig von der Akzentuierung im Wortauslaut (auch in Wortgruppen) sowie im
Auslaut von nicht letzten Teilgliedern in Bindestrichwörtern und in Komposita, z. B.
Gnu [gnuÉ], Tabu [tab"uÉ]; Hindu [h"InduÉ], Iglu ["iÉgluÉ]; Kanusport [k"aÉnuÉSpOt]
<u> vor <ß>, z. B. Fuß [fuÉs], Gruß [gåuÉs];
Ausnahme: kurzer ungespannter u-Laut in einzelnen Namen, z. B. Bußmann [b"Usman],
Nußler [n"UslŒ]
<u> akzentuiert in <ur->, z. B. Urknall ["uÉ?knal], Urlaub ["uÉ?laO8p], Ursache ["uÉ?zax«];
Ausnahme: kurzer ungespannter u-Laut in Urteil ["UtaE8l]
<u> nicht akzentuiert im Suffix <-tum>, wenn in flektierten Formen in offener Silbe [yÉ] ge-
sprochen wird, z.B. Altertum (Altertümer) ["altŒtuÉm], Bistum [b"IstuÉm], Irrtum ["ItuÉm]
<u> nicht akzentuiert in einzelnen Namen auf <-un>, z. B. Gudrun [g"uÉdåuÉn], Heidrun
[h"aE8dåuÉn]
<ue> in einzelnen Namen, z. B. Hueber [h"uÉbŒ], (Nikolaus von) Kues [kuÉs]
<uh> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. Buhle [b"uÉl«], Huhn [huÉn]; Kuh [kuÉ], Schuh [SuÉ]
<oo> teilweise in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Boom [buÉm], cool [kuÉl], Pool [puÉl];
aber: teilweise auch kurzer ungespannter u-Laut, z. B. Look [lUk]
<ou> akzentuiert in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Clou [kluÉ], Rouge [åuÉS]
66 Die Standardaussprache in Deutschland

c 35 Kurzer ungespannter u-Laut [U] wird gesprochen für:


<u> akzentuiert in geschlossenen Silben, wenn diese nicht durch Flexion zu offenen Sil-
ben werden können (einschließlich vor doppelt geschriebenen Konsonanten), z. B. Bus
[bUs], Hund [hUnt], Kunde [k"Und«]; dumm [dUm], Futter [f"UtŒ]
<u> akzentuiert in <un->, z. B. Unglück ["UnglYk], unreif ["UnåaE8f ], Unsinn ["UnzIn]
<u> nicht akzentuiert in <-um> in eingedeutschten Wörtern, wenn der Vokal in flektierten
Formen nicht in eine offene Silbe gelangt oder wenn der Plural auf [aÉ] oder [«n] ge-
bildet wird, z. B. Natrium [n"aÉtå9iUm], Publikum [p"uÉblikUm]; Praktikum (Praktika)
[på9"aktikUm], Visum (Visa) [v"iÉzUm]; Stadium (Stadien) [St"aÉdCUm], Zentrum (Zen-
tren) [ts"Entå9Um]

c 36 Unterschiedliche Qualität und Quantität für:


<u> vor <ch, chs, sch, st> und vor <r> + Konsonant:
(teilweise entsprechend Vokalqualität und -quantität in flektierten Formen)
langer gespannter u-Laut, z. B. Tuch [tuÉx], Fluch [fluÉx]; Wuchs [vuÉks]; (er) wusch
[vuÉS]; husten [h"uÉstn`], pusten [p"uÉstn`], Schuster [S"uÉstŒ], Wust [vuÉst]; Geburt
[g«b"uÉ?t] (auch: [g«b"Ut])
kurzer ungespannter u-Laut, z.B. Bucht [bUxt], Frucht [få9Uxt], Geruch [g«å"Ux], Spruch
[Spå9Ux]; Fuchs [fUks]; Busch [bUS]; Brust [båUst], Frust [få9Ust], Lust [lUst]; Furt [fUt],
Kurt [kUt]
<u> in nicht flektierbaren Wörtern:
langer gespannter u-Laut, z. B. nun [nuÉn], nur [nuÉ?]
kurzer ungespannter u-Laut, z. B. um [Um], warum [vaÉå"Um], wiederum [v"iÉd«åUm]

c 37 Kurzer gespannter u-Laut [u] wird in eingedeutschten Wörtern in nicht akzentuierter


Position gesprochen für:
<u> in offenen Silben, z. B. Kulanz [kul"ants], Manuskript [manu.skå9"Ipt] Musik [muz"iÉk],
Mutation [mutatsC"oÉn]; Influenza [Influ"EntsaÉ]; Februar [f"eÉbåuaÉ]
<ou> in offenen Silben in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Souvenir [zuv«n"iÉ?](auch
[suv«n"iÉ?]), Tourist [tuå"Ist]

Unsilbischer u-Laut [u8] wird in einigen eingedeutschten Wörtern gesprochen für:


<u> vor Vokal, z. B. Linguist [lINgu8"Ist], Sueton [su8et"oÉn]
Ausspracheregeln 67

5.4.9 o-Laute [o…] [O] [o] [O8]

Bildungsweise
Die o-Laute sind gerundete mittelhohe Hinterzungenvokale:
Der hintere Teil des Zungenrückens wölbt sich mittelgradig zum hinteren Teil des harten
Gaumens auf.
Die Lippen sind gerundet und vorgestülpt.
Der Mund ist etwas mehr geöffnet als bei den hohen Vokalen.
Bei den gespannten o-Lauten [oÉ] und [o] ist der hintere Teil des Zungenrückens etwas mehr
gehoben, die Spannung etwas stärker, die Lippen sind etwas mehr gerundet und die Mundöff-
nung ist etwas geringer als beim ungespannten o-Laut [O].
Beim unsilbischen ungespannten o-Laut [O8] kann bilabial eine Enge entstehen, in der ein
schwaches Reibegeräusch erzeugt wird.

Ausspracheregeln
Langer gespannter o-Laut [o…] wird gesprochen für: c 38
<o> akzentuiert in offenen oder potenziell offenen Silben, z. B. Boden [b"oÉdn`], Kodex
[k"oÉdEks], Lohe [l"oÉ«]; Dom (Do-me) [doÉm], Nation [natsC"oÉn]; Boa [b"oÉaÉ], Koautor
[k"oɳaO8toÉ?]
<o> unabhängig von der Akzentuierung im Wortauslaut (auch in Wortgruppen) sowie
im Auslaut von nicht letzten Teilgliedern in Bindestrichwörtern und in Komposita,
z. B. Büro [byå"oÉ], wo [voÉ]; anno ["anoÉ], desto [d"EstoÉ], Risiko [å"iÉzikoÉ], Tornado
[tOn"aÉdoÉ]; Mikado-Spiel [mik"aÉdoÉ SpiÉl]
<o> vor <ß>, z. B. Floß [floÉs], groß [gåoÉs];
Ausnahme: kurzer ungespannter o-Laut in einigen Namen, z. B. Voß [fOs], Voßler
[f"OslŒ]
<o> nicht akzentuiert in der Endung <-or>, z. B. Faktor [f"aktoÉ?], Senator [zen"aÉtoÉ?]
<oe> in einigen deutschen Namen, z. B. Coesfeld [k"oÉsfElt], Itzehoe [Its«h"oÉ], Soest [zoÉst]
<oh> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. Kohle [k"oÉl«], Sohn [zoÉn]; froh [få9oÉ], Stroh [Stå9oÉ]
<oi> in einigen deutschen Namen, z. B. Grevenbroich [gåeÉvn`bå"oÉx], Roisdorf [å"oÉsd9Of],
Voigt [foÉkt]
<oo> innerhalb der gleichen Silbe, z. B. (die) Boote [b"oÉt«], Moor [moÉ?], Zoo [tsoÉ]
<o> in Wörtern aus dem Französischen vor stummem Endkonsonanten, auch vor <r> +
stummen Konsonanten, z. B. Depot [dep"oÉ], Gounod [gun"oÉ], Trikot [tå9ik"oÉ] (auch:
[tå9"IkoÉ]); Corps [koÉ?], Ressort [åEs"oÉ?];
68 Die Standardaussprache in Deutschland

aber: Aussprache mit [O] in französischen Namen, z. B. Chambord [SA)b"OÉ?] (neben:


[SA)b"oÉ?])
<oa> in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Goal [goÉl], Toast [toÉst]
<ow> in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Bowle [b"oÉl«], Bowling [b"oÉlIN];
aber: Realisierung als Diphthong, z. B. Clown [klaO8n], Cowboy [k"aO8bOÎ]
<ow> nicht akzentuiert in Wörtern aus slawischen Sprachen, z. B. Buckow [b"uÉkoÉ] (auch:
[b"UkoÉ]), Bülow [b"yÉloÉ], Güstrow [g"Ystå9oÉ], Pankow [p"aNkoÉ];
Ausnahme: kurzer ungespannter o-Laut + [f], z. B. Sacharow [z"axaåOf]
<aux, eau, eaux> in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Bordeaux [bOd"oÉ], Clairvaux
[klEv"oÉ], Niveau [niv"oÉ], Plateau [plat"oÉ]; Beaulieu [bolC"PÉ]

c 39 Kurzer ungespannter o-Laut [O] wird gesprochen für:


<o> in geschlossenen Silben, wenn diese nicht durch Flexion zu offenen Silben werden kön-
nen (einschließlich vor doppelt geschriebenen Konsonanten), auch in einigen unflek-
tierbaren Wörtern
akzentuiert: z. B. Brombeere [bå"OmbeÉå«], Dolmetscher [d"OlmEtSŒ]; kommen [k"Om«n],
Ross [åOs]
nicht akzentuiert: z. B. Format [fOm"aÉt], Portal [pOt"aÉl]; Kollektiv [kOlEkt"iÉf], Kom-
merz [kOm"Ets]; ob [Op], vom [fOm], von [fOn];
Ausnahme: langer gespannter o-Laut in akzentuierter Position, z. B. Lotse [l"oÉts«],
Mond [moÉnt], Vogt [foÉkt]
unsilbisch wird der kurze ungespannte o-Laut gesprochen im Diphthong [aO8] für <au>, z. B.
Haus [haO8s]

c 40 Unterschiedliche Qualität und Quantität für:


<o> vor <ch, r, st>, auch vor Konsonant + <st>:
langer gespannter o-Laut, z. B. hoch [hoÉx]; vor [foÉ?], vorwärts [f"oÉ?vEts]; Kloster
[kl"oÉstŒ], Ostern ["oÉstŒn], Trost [tå9oÉst]; Obst [oÉpst], Propst [på9oÉpst]
kurzer ungespannter o-Laut, z. B. doch [dOx], Hochzeit [h"OxtsaE8t], kochen [k"Oxn`],
Loch [lOx], noch [nOx], Woche [v"Ox«]; vorn [fOn], Vorteil [f"OtaE8l]; kosten [k"Ostn`],
Most [mOst], Post [pOst], Rost [åOst]; sonst [zOnst]

c 41 Kurzer gespannter o-Laut [o] wird in eingedeutschten Wörtern in nicht akzentuierter Posi-
tion gesprochen für:
<o> in offenen Silben, z. B. kooptieren [ko³Opt"iÉå«n], Olive [ol"iÉv«], Phonetik [fon"eÉtIk],
sozial [zotsC"aÉl]; Poet [po"eÉt]
<au, eau> in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Beauté [bot"eÉ], Chauvinist [Sovin"Ist]

Unsilbischer ungespannter o-Laut [O8] wird in eingedeutschten Wörtern gesprochen für nicht
akzentuiertes:
<o> vor <i> oder <y> in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Memoiren [memO8"aÉå«n],
Toilette [tO8al"Et«] (stärker eingedeutscht: [tol"Et«]); Doyen [dO8aJ"E)É], loyal [lO8aJ"aÉl]
Ausspracheregeln 69

5.4.10 Schwa-Laut [´]

Bildungsweise
[«] ist ein ungerundeter Mittelzungenvokal (auch Reduktions- oder Zentralvokal genannt):
Die Zunge liegt entspannt im Mundraum und zeigt in ihrem mittleren Bereich eine mittel-
gradige Wölbung nach oben.
Die Mundöffnung ist größer als bei den hohen Vokalen, aber geringer als beim a-Laut.

Ausspracheregeln
Der Schwa-Laut [«] ist im Deutschen nicht akzentuiert.

[´] wird gesprochen für:


<e> in den Präfixen <be-, ge-> in deutschen Wörtern, z. B. Beruf [b«å"uÉf], Gericht [g«å"It] c 42
<e> im Auslaut sowie in Flexionsformen, z. B. Mappe [m"ap«], Sonate [zon"aÉt«]; (er) bittet
[b"It«t], (du) fragtest [få9"aÉkt«st], Anomalien [anomal"iÉ«n] (in der Singularform Ano-
malie zeigt <e> jedoch nur die Länge des i-Lautes an)

Realisierung des Schwa-Lautes [´] in den Suffixen <-en, -em, -el>: c 43


[«] fällt in den Suffixen <-en, -em, -el>, abhängig vom phonetischen und stilistischen Kontext,
vielfach aus.
Bei Schwund des [«] ist für die Aussprache zu beachten:
x Geht den Suffixen <-en, -em> ein Plosiv oder Frikativ (ausgenommen [å]) voraus, dann
wird der nachfolgende Nasal silbisch gesprochen, z. B. lesen [l"eÉzn`].
x Geht dem Suffix <-en> der Lateral [l] voraus, dann wird der nachfolgende Nasal nicht sil-
bisch gesprochen, z. B. fühlen [fyÉln].
x Geht dem Suffix <-en> ein [p], [b], [k] oder [g] und kein weiterer Plosiv voraus, dann
wird der Nasal [n] in Bezug auf die Artikulationsstelle an den vorangehenden Plosiv ange-
glichen:
Nach den bilabialen Plosiven [p b] wird [n`] zum bilabialen Nasal [Ë], z. B. leben [l"eÉbË],
nach den palatal/velaren Plosiven [k g] wird [n`] zum palatal/velaren Nasal [>], z. B. liegen
[l"iÉg>].
x Im Suffix <-el> wird der Lateral silbisch gesprochen, z. B. Hegel [h"eÉg+].
70 Die Standardaussprache in Deutschland

c 44 [´] im Suffix <-en>:


[«] wird gesprochen:
x nach Vokalen/Diphthongen, Nasalen, [å], [J], z. B. blühen [bl"yÉ«n], bauen [b"aO8«n], kommen
[k"Om«n], hören [h"PÉå«n], Bojen [b"oÉJ«n]
x in der Diminutivendung <-chen>, z. B. Mädchen [m"EÉt«n], Pferdchen [pf"eÉ?t«n]
x in <-igen>, z. B. beruhigen [b«å"uÉIg«n], besichtigen [b«z"ItIg«n]
x nach <g>, wenn ein weiterer Plosiv vorangeht (besonders in Namen), z. B. Gründgens
[gå"Yntg(«ns], Röntgen [å"{ntg(«n], Wittgenstein [v"Itg(«nStaE8n]

[«] wird nicht gesprochen:


x nach den Plosiven [t] und [d], nach Frikativen (außer nach [å] und [J]) sowie nach dem
Lateral [l], z. B. raten [å"aÉtn`], wetten [v"Etn`]; Frieden [få9"iÉdn`], reden [å"eÉdn`]; lachen [l"axn`],
rufen [å"uÉfn`], sprechen [Spå9"En`], wissen [v"Isn`]; holen [hoÉln]
x nach den Plosiven [p] und [b], z. B. Lippen [l"IpË], pumpen [p"UmpË]; leben [l"eÉbË], treiben
[tå9"aE8bË]
x nach den Plosiven [k] und [g], z. B. Haken [h"aÉk>], Rücken [å"Yk>]; liegen [l"iÉg>], sagen
[z"aÉg>]
x nach Plosiven und Frikativen (außer nach [å] und [J]) im ersten von zwei aufeinander fol-
genden <-en>, z. B. (die) Lebenden [l"eÉbËd«n], Liegenden [l"iÉg>d«n], Ratenden [å"aÉtn`d«n];
Rufenden [å"uÉfn`d«n], Wissenden [v"Isn`d«n]

c 45 [´] im Suffix <-em>


[«] wird gesprochen:
nach Vokalen/Diphthongen, Nasalen, [å] und [l], z. B. neuem [n"OΫm], grünem [gå"yÉn«m],
klarem [kl"aÉå«m], vollem [f"Ol«m]

[«] wird nicht gesprochen:


nach Plosiven und Frikativen (außer nach [å]), z. B. bestem [b"EstË], großem [gå"oÉsË]

[´] im Suffix <-el>:


[«] wird gesprochen:
nach Vokalen/Diphthongen, [å] und [l], z. B. Pleuel [pl"OΫl], Barrel [b"Eå«l]

[«] wird nicht gesprochen:


nach Plosiven, Frikativen (außer [å]) und nach Nasalen, z. B. Fackel [f"ak+], Gabel [g"aÉb+],
Löffel [l"{f+], Mangel [m"aN+]

5.4.11 Nasalierte Vokale [E)…] [E)] [{)…] [{) ] [A)…] [A)] [o)…] [o)]
in Wörtern aus dem Französischen

(Zur Aussprache nasalierter Vokale in Wörtern aus anderen Sprachen vgl. Kapitel A. 7)

Bildungsweise
Die nasalierten Vokale unterscheiden sich von den entsprechenden nicht nasalierten Vokalen
nur durch die Position des Gaumensegels:
Bei den nasalierten Vokalen ist das Gaumensegel gesenkt, so dass der Phonationsstrom un-
gehindert zugleich durch Mund und Nase gleitet.
Ausspracheregeln 71

Ausspracheregeln
In akzentuierter Position werden die nasalierten Vokale lang gesprochen, in nicht akzentuierter
Position kurz.

Nasalierte Vokale [E)…] [E)] werden gesprochen für: c 46


<ain> z. B. Refrain [åefå9"E)É] (auch: [åefå9"EN], [å«få9"E)É]), Souterrain [zutEå"E)É] (auch:
[z"uÉtEåEN] oder [sutEå"E)É])
<ein> z. B. Teint [tE)É]
<en> nach unsilbischem i-Laut [C], z. B. Bohemien [boemC"E)É] (auch stärker eingedeutscht
[bohemC"E)É])
<im> z. B. Impromptu [E)på9o)t"yÉ], Timbre [t"E)Ébå«]
<in> z. B. Gratin [gåat"E)É], Pointe [pO8"E)Ét«]

Nasalierte Vokale [{)…] [{)] werden gesprochen für:


<um> z. B. Parfum [paf"¨É] (auch: Parfüm [paf"yÉm])
<un> z. B. Verdun [vEd"¨É], lundi [l¨d"iÉ]

Nasalierte Vokale [A)…] [A)] werden gesprochen für: c 47


<am> z. B. Cambrai [kA)bå"EÉ], Enjambement [A)ZA)b«m"A)É]
<an> z. B. Cancan [kA)k"A)É], Nuance [ny*"A)És«] (auch: [ny*A)És], [ny"aNs«]), Orléans [Ole"A)É]
<em> z. B. Empereur [A)p«å"{ÉŒ], Empire [A)p"iÉŒ]
<en> z. B. Ensemble [A)s"A)Éb+] (auch: [aNs"amb+]), Pendant [pA)d"A)É]
72 Die Standardaussprache in Deutschland

<aen> z. B. Caen [kA)É]


<ean> z. B. Jean [ZA)É]

Nasalierte Vokale [o)…] [o)] werden gesprochen für:


<om> z. B. Komtess [ko)t"Es] (auch: [kOmt"Es])
<on> z. B. Bonmot [bo)m"oÉ], Chanson [SA)s"o)É], pardon [pad"o)É] (auch: [pad"ON])

5.4.12 Diphthong [aE8]

Bildungsweise
Der Diphthong [aE8] ist eine einsilbige Verbindung zwischen dem ungerundeten flachen Vokal
[a] und dem ungerundeten mittelhohen ungespanntenVorderzungenvokal [E]:
Die zu Beginn der Diphthongartikulation flach im Mundraum liegende Zunge wölbt sich in
einer Gleitbewegung mittelgradig zum vorderen harten Gaumen auf.
Die Mundöffnung verringert sich.
Die Bildung des Diphthongs ist durch einen kontinuierlichen Übergang vom ersten zum
zweiten Vokal gekennzeichnet; dabei nimmt die Intensität ab.

Ausspracheregeln
c 48 Beide Vokale des Diphthongs sind kurz, der a-Laut ist silbisch, der e-Laut unsilbisch und unge-
spannt.

Der Diphthong [aE8] wird in akzentuierter und nicht akzentuierter Position gesprochen für:
<ai> in offenen und geschlossenen Silben, z. B. Aichinger ["aE8INŒ], Kaiser [k"aE8zŒ], Hai
[haE8]; Aischylos ["aE8sylOs], Kain [kaE8n]; Bonsai [b"OnzaE8], Taifun [taE8f"uÉn]
<ei> in offenen und geschlossenen Silben, z. B. Eiweiß ["aE8vaE8s], Leiden [l"aE8dn`]; einfach
["aE8nfax], meist [maE8st]; Blei [blaE8], Konterfei [k"OntŒfaE8]
<eih> z. B. Geweih [g«v"aE8], Verleih [fŒl"aE8]
<ay> in Namen, z. B. Bayern [b"aE8Œn], Haydn [h"aE8dn`]
<ey> in Namen, z. B. Ceylon [ts"aE8lOn], Dilthey [d"IltaE8]
<i> teilweise in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Outsider ["aO8tsaE8dŒ], Pipeline
[p"aE8plaE8n], Spikes [SpaE8ks]
<y> in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Byron [b"aE8å«n], dry [dåaE8], Flyer [fl"aE8Œ]

5.4.13 Diphthong [aO8]

Bildungsweise
Der Diphthong [aO8] ist eine einsilbige Verbindung zwischen dem ungerundeten flachen Vokal
[a] und dem gerundeten mittelhohen ungespannten Hinterzungenvokal [O]:
Die zu Beginn der Diphthongartikulation flach im Mundraum liegende Zunge wölbt sich in
einer Gleitbewegung mittelgradig zum hinteren Teil des harten Gaumens auf.
Die Lippen gehen von einer ungerundeten in eine gerundete Position über.
Die Mundöffnung verringert sich.
Die Bildung des Diphthongs ist durch einen kontinuierlichen Übergang vom ersten zum
zweiten Vokal gekennzeichnet; dabei nimmt die Intensität ab.
Ausspracheregeln 73

Ausspracheregeln
Beide Vokale des Diphthongs sind kurz, der a-Laut ist silbisch, der o-Laut unsilbisch und unge- c 49
spannt.

Der Diphthong [aO8] wird in akzentuierter und nicht akzentuierter Position gesprochen für:
<au> in offenen und geschlossenen Silben, z. B. kaufen [k"aO8fn`], Maus [maO8s]; Bau [baO8];
Auktion [aO8ktsC"oÉn], Aurikel [aO8å"iÉk+]
<ao> in Einzelwörtern, z. B. Kakao [kak"aO8]
<ow> teilweise in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Clown [klaO8n], Cowboy [k"aO8bOÎ];
aber: z. B. Bowle [b"oÉl«]

5.4.14 Diphthong [O{8 ]

Bildungsweise
Der Diphthong [OÎ] ist eine einsilbige Verbindung zwischen dem gerundeten mittelhohen
ungespannten Hinterzungenvokal [O] und dem gerundeten mittelhohen ungespannten Vorder-
zungenvokal [{]:
Der Zungenrücken, der zu Beginn der Diphthongartikulation zum hinteren Teil des harten
Gaumens angehoben ist, wird in einer Gleitbewegung nach vorn, in Richtung zum vorderen
harten Gaumen, verschoben.
Die Lippen bleiben gerundet, der Öffnungsgrad des Mundes ändert sich nicht.
Die Bildung des Diphthongs ist durch einen kontinuierlichen Übergang vom ersten zum
zweiten Vokal gekennzeichnet; dabei nimmt die Intensität ab.

Ausspracheregeln
Beide Vokale des Diphthongs sind kurz und ungespannt; der o-Laut ist silbisch, der ö-Laut un- c 50
silbisch.

Der Diphthong [O{8 ] wird in akzentuierter und nicht akzentuierter Position gesprochen für:
<äu> in offenen und geschlossenen Silben, z. B. Äußerung ["OÎs«åUN], Säure [z"OÎå«]; käuf-
lich [k"OÎflI]
<eu> in offenen und geschlossenen Silben, z. B. heute [h"OÎt«], Rheuma [å"OÎmaÉ]; neun
[nOÎn], Orpheus ["OfOÎs]; Pneu [pnOÎ], scheu [SOÎ]
<oi> z. B. Boiler [b"OÎlŒ], Konvoi [kOnv"OÎ]
<oy> z. B. Nestroy [n"Estå9OÎ], Oybin [OÎb"iÉn];
auch in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Cowboy [k"aO8bOÎ], Boykott [bOÎk"Ot]

5.5 Aussprache der Konsonanten

5.5.1 Kennzeichnung der Artikulationsmerkmale

Die Beschreibung der Realisierungsvarianten und der Bildungsweise erfordert, über die Berück-
sichtigung der distinktiven Merkmale der Phoneme hinaus (vgl. A. 4.2.1), differenziertere Anga-
ben zum artikulierenden Organ bzw. zur Artikulationsstelle und zum Artikulationsmodus:
Bei den Konsonanten der deutschen Standardaussprache handelt es sich entsprechend ihrem c 51
Artikulationsmodus um:
74 Die Standardaussprache in Deutschland

Frikative (Reibelaute, Engelaute): Im Mundraum wird eine Enge gebildet, der Nasenraum ist
verschlossen: [f v s z S Z  J x å]; eine Enge im Bereich der Glottis besteht bei [h].
Plosive (Verschlusslaute): Mund- und Nasenraum werden verschlossen: [p b t d k g].
Bei der Artikulation der Plosive lassen sich drei Phasen unterscheiden:
Implosion (Verschlussbildung),
Plosion (Halten des Verschlusses),
Explosion (Verschlusslösung).
Diese Differenzierung ist für die Aussprache von Belang, da die einzelnen Phasen nicht in
allen Fällen realisiert werden. So entfällt z. B. beim Zusammentreffen von mehreren Plosiven
an Wort- oder Silbengrenzen koartikulatorisch bedingt vielfach die Verschlusslösung bei den
nicht letzten Plosiven (vgl. A. 5.3.2).
Die Verschlusslösung erfolgt des Weiteren bei den Plosiven nicht ausschließlich oral, son-
dern vor unsilbischem oder silbischem Nasal auch nasal, z. B. Ätna ["EÉtnaÉ] (auch ["EtnaÉ]),
haben [h"aÉbmÆ]. Nach [t] kann der Verschluss vor [l] und [+] auch lateral gelöst werden (vgl.
A. 5.5.11).
Vibranten (Schwinglaute): im Mundraum wird ein intermittierender Verschluss gebildet, der
Nasenraum ist verschlossen: [r R].
Nasale (Nasenlaute): Der Mundraum wird verschlossen, der Nasenraum geöffnet: [m n N].
Lateral (Seitenlaut): Der Mundraum wird in der Mittellinie des Gaumens (koronal-alveolar) ver-
schlossen, aber seitlich geöffnet, der Nasenraum ist verschlossen: [l].

Artikulierendes Organ und Artikulationsstelle bei der Engebildung:


Die Engebildung im Mundraum erfolgt bei:
x [f v]: zwischen Unterlippe und oberer Zahnreihe (labio-dental);
x [s z]: zwischen Zungenrücken oder Zungenspitze und Alveolen (dorsal/apikal-alveolar);
x [S Z]: zwischen vorderem Zungensaum und Alveolen bzw. vorderem harten Gaumen
(koronal-alveolar/präpalatal);
x [ J]: zwischen Zungenrücken und hartem Gaumen (dorsal-palatal);
x [x å]: zwischen Zungenrücken und hinterem harten Gaumen bzw. Velum (dorsal-
postpalatal/velar; die Artikulationsstelle verschiebt sich bei [å] koartikulatorisch
bedingt je nach benachbartem Laut zwischen palatal und velar, so vor (oder nach)
Vorderzungenvokal: palatal, z. B. Regen, Wirt; vor (oder nach) Hinterzungen-
vokal: velar, z. B. Roggen, Kurt; beim [x] liegt die Artikulationsstelle im velaren
Bereich.
Engebildung zwischen den Stimmlippen (glottal): [h].

Artikulierendes Organ und Artikulationsstelle bei der Verschlussbildung:


Der Verschluss im Mundraum erfolgt bei:
x [p b m]: zwischen den Lippen (bilabial);
x [t d n]: zwischen vorderem Zungensaum oder Zungenrücken und Alveolen bzw. oberen
Schneidezähnen (koronal/dorsal-alveolar/dental);
x [k g N]: zwischen Zungenrücken und hinterem harten Gaumen bzw. Velum (dorsal-post-
palatal/velar); die Artikulationsstelle verschiebt sich koartikulatorisch bedingt je
nach benachbartem Laut zwischen postpalatal und velar, so (vor oder nach) Vorder-
zungenvokal: postpalatal, z. B. Kiel, Ring ; vor oder nach Hinterzungenvokal: velar,
z. B. Kohl, Gong;
x [r]: intermittierend durch Vibration der Zungenspitze (apikal-alveolar);
x [R]: intermittierend durch Vibration des Zäpfchens (uvular);
Ausspracheregeln 75

x [l]: partiell: zwischen vorderem Zungensaum und Zahndamm (koronal-alveolar) bei


gleichzeitiger Öffnung zwischen den seitlichen Zungenrändern und Backenzäh-
nen (lateral).

Der Verschluss des Nasenraumes erfolgt durch Anheben des Velums; es schließt wegen der star-
ken Sprechspannung besonders bei den stimmlosen Fortes fest ab. Es ist ausschließlich bei den
Nasalen gesenkt.
Entsprechend der Tendenz, die Laute so weit wie möglich vorn im Ansatzrohr zu bilden, gilt
für diejenigen Konsonanten, bei denen die Zungenspitze nicht aktiv an der Lautbildung betei-
ligt ist, dass der vordere Zungensaum Kontakt mit den unteren Schneidezähnen hat. Das betrifft
[p b k g m N f v  J å R x h].

5.5.2 Allgemeine Ausspracheregeln

5.5.2.1 Aspiration der Plosive

Charakteristisch für die Standardaussprache ist die vielfach auftretende kräftige Geräuschbil-
dung bei den Fortis-Plosiven [p t k]. Die gespannte Artikulation dieser Laute kann dazu führen,
dass ihr Verschluss mit deutlichem Explosions- und nachfolgendem Hauchgeräusch gelöst wird
(Aspiration).
Die Häufigkeit der Aspiration und der Grad ihrer Ausprägung nehmen generell mit einer
Erhöhung der allgemeinen Sprechspannung und mit einer Verlangsamung der Sprechgeschwin-
digkeit zu. Die Aspiration ist damit auch unmittelbar abhängig von der Akzentuierung und kommt
besonders häufig und ausgeprägt in stark akzentuierten Silben vor, d.h. vor allem, wenn Wort- und
Ausspruchsakzent zusammenfallen. Sie wird darüber hinaus durch die Lautumgebung beeinflusst.
Die Markierung der Aspiration durch das Zeichen [î] erfolgt nur in diesem Kapitel zur Ver-
deutlichung der Regeln; im Wörterverzeichnis wird darauf verzichtet.
Es gibt folgende Aussprachetendenzen:

[p t k] werden meist deutlich aspiriert: c 52


x vor stark akzentuiertem Vokal im Wort- und Silbenanlaut, auch wenn zwischen Plosiv und
Vokal ein <l, n> oder <r> steht, z. B.
Paar [pîaÉ], Plan [pîlaÉn], verprassen [fŒpîå9"asn`];
Tier [tîiÉŒ], Troja [tîå9"oÉJaÉ], getreu [g«tîå9"OÎ];
Kiel [kîiÉl], Akkordeon [akî"OdeOn], Knabe [kîn"aÉb«];
x nach stark akzentuiertem Vokal im absoluten Wortauslaut vor einer Pause und ebenso im
stark akzentuierten Silbenauslaut, wenn ein Vokal folgt, z. B. Galopp [gal"Opî], Lob [loÉpî],
abessen ["apî³Esn`]; Verrat [fŒå"aÉtî], Wind [vIntî]; Musik [muz"iÉkî], Weg [veÉkî].

[p t k] werden nicht aspiriert: c 53


x bei nasaler Verschlusslösung, wenn der dem Plosiv folgende Nasal, der auch nach Ausfall
des Schwa-Lautes [«] assimiliert sein kann, an der gleichen Artikulationsstelle gebildet wird,
z. B. Abmessung ["apmEsUN], Ätna ["EÉtnaÉ] (auch: ["EtnaÉ]);
Haken [h"aÉk>], Lumpen [l"UmpË], raten [å"aÉtn`] (vgl. A. 5.4.10);
x bei lateraler Lösung des Verschlusses, wenn auf [t] ein [l] oder [+] folgt, auch in Wortgruppen,
z. B.
Atlas ["atlas], endlich ["EntlI], Sattel [z"at+]; mit Lust [mIt l"Ust] (vgl. A. 5.5.11);
76 Die Standardaussprache in Deutschland

x in den Lautverbindungen [pf ps pS ts tS ks], auch in Wortgruppen, z. B. Pferd [pfeÉ?t],


Napf [napf], ob viel [Op f"iÉl]; Psalm [psalm], Raps [åaps]; hübsch [hYpS];
nichts [nIts], Ration [åatsC"oÉn], Zaun [tsaO8n]; deutsch [dOÎtS], Kitsch [kItS]; Luchs [lUks],
Xanten [ks"antn`];
(der Verschluss geht ohne Explosion in den folgenden Frikativ über);
x im ersten von aufeinander folgenden nicht homorganen Plosiven, z. B. Abt [aptî], Akt
[aktî];
bei drei aufeinander folgenden nicht homorganen Plosiven kann die Aspiration im ersten
und auch im zweiten Plosiv fehlen, z. B. Hauptkasse [h"aO8ptîkîas«], Marktplatz [m"aktî-
pîlats] neben: [h"aO8ptkîas«], [m"aktpîlats];
(der Verschluss des ersten bzw. ersten und zweiten Plosivs geht ohne Explosion in den Ver-
schluss des folgenden Plosivs über);
x in den Lautverbindungen [Sp st St], z. B. Sprecher [Spå9"EŒ], Beispiel [b"aE8SpiÉl]; Instanz
[Inst"ants]; Stuhl [StuÉl]; (der Verschluss wird oral gelöst, es folgt jedoch meist kein Hauchge-
räusch).

Unter allen anderen Bedingungen ist die Aspiration von [p t k] meist nur schwach ausgeprägt
oder sie fehlt völlig.

5.5.2.2 Spannung (Fortis-/Lenis-Artikulation) und Stimmbeteiligung

Eine Reihe von Konsonanten wird als Fortis- oder Lenis-Laute gesprochen. Dabei besteht ein en-
ger Zusammenhang zwischen der Fortis-/Lenis-Artikulation und der Stimmbeteiligung:
Die Fortes [p t k f s S  x] sind stark gespannt und stimmlos.
Die Lenes [b d g v z Z J å] sind schwach gespannt und stimmhaft.

c 54 Die Lenes werden nach vorangehenden stimmlosen Fortes ebenfalls stimmlos artikuliert (Ent-
stimmlichung): [b9 d9 g( v9 z9 Z( å9], z. B. froh [få9oÉ], zwei [tsv9aE8]. In solchen Fällen lässt sich z. B.
stimmloses [b9] (Lenis) von stimmlosem [p] (Fortis) lediglich durch die Spannung unterschei-
den. Diese progressive Stimmlosigkeitsassimilation (vgl. A. 5.3) ist für die Standardaussprache
charakteristisch und bleibt weitgehend auch bei der Eindeutschung fremder Wörter und Namen
wirksam (vgl. A. 7).
Die stimmlosen Lenes [b9 d9 g(] können auch im absoluten Wortanlaut nach Pause vorkom-
men, z. B. Boden [b9"oÉdn`], Dank [d9aNk], Gunst [g(Unst]. Diese mögliche Entstimmlichung wird
jedoch weder in Teil A (Standardaussprache in Deutschland) noch im Wörterverzeichnis durch
die Transkription angezeigt.
Sofern es sich nicht um geflüsterte Sprache handelt, sind die Nasale, das Zungenspitzen-R [r]
und der Lateral [l] stimmhaft; der Hauchlaut [h] ist stimmlos, kann aber in intervokalischer
Position auch stimmhaft werden.

5.5.2.3 Auslautverhärtung

c 55 Am Wort- und Silbenauslaut (auch vor Konsonanten) werden für [b d g v z] die entsprechenden
stimmlosen Fortis-Laute [p t k f s] gesprochen. Dies gilt auch für eingedeutschte Wörter und Na-
men, wobei im Wortauslaut auch [Z] zu [S] werden kann (vgl. A. 7.2), z. B. Bad [baÉt], (du) lebst
[leÉpst], Rouge [åuÉS]. Die Auslautverhärtung zieht bei anschließenden, ursprünglich stimmhaf-
Ausspracheregeln 77

ten Lenis-Plosiven und Lenis-Frikativen eine progressive Stimmlosigkeitsassimilation nach sich,


z. B. abgeben ["apg(eÉbË], verwendbar [fŒv"Entb9aÉ].
Die Auslautverhärtung entfällt, wenn vor dem darauf folgenden Suffix ein <l>, <n> oder <r>
eingefügt ist, z. B. Handlung [h"andlUN], Redner [å"eÉdnŒ], übrig ["yÉbåI].
Gelangen [b d g v z] durch Flexion oder Ableitung in den Silbenanlaut, dann werden
sie ebenfalls stimmhaft gesprochen, z. B. Stab [StaÉp], Stäbe [St"EÉb«], aktiv [akt"iÉf], Aktivität
[aktivit"EÉt]; (er) las [laÉs], lesen [l"eÉzn`], (er) reist [åaE8st], reisen [å"aE8zn`].

5.5.2.4 Zusammentreffen gleicher Konsonanten nach Präfixen und an Wortgrenzen

Nach Präfixen sowie in Komposita/Bindestrichwörtern und in Wortgruppen können an den Sil-


ben- bzw. Wortgrenzen Konsonanten aufeinander treffen, die gleich artikuliert werden oder sich
nur durch den Spannungsgrad (Fortis-Lenis-Realisation) unterscheiden. Eine unterschiedliche
Stimmbeteiligung wird durch Entstimmlichung der Lenis-Konsonanten aufgehoben.
Für die Aussprache ist zu beachten:
Es wird nur ein Konsonant realisiert, d. h. es gibt nur eine Enge- bzw. Verschlussbildung und
eine Enge- bzw. Verschlusslösung. Der Konsonant kann jedoch geringfügig gelängt werden. In
ihm liegt die Wort- und damit die Silbengrenze, d. h. er ist ambisilbisch und gehört damit sowohl
zur vorausgehenden als auch zur folgenden Silbe; die Silbengrenze ist verschliffen.
In der Transkription wird der Laut doppelt angegeben, die artikulatorische Einheit aber
durch einen Bogen verdeutlicht, der beide Lautzeichen verbindet. Folgende Kombinationen tre-
ten auf:
auffinden ["aO8f¥fIndn`], Schifffahrt [S"If¥faÉt], auf Ferienfahrt [aO8f¥f"eÉåi«nfaÉt]; c 56
Kaufvertrag [k"aO8f¥fŒtå9aÉk], Aufwind ["aO8f¡v9Int];
Aussicht ["aO8s¡z9It], Schlusssatz [Sl"Us¡z9ats], heiß servieren [haE8s ¡ z9Ev"iÉå«n];
Waschstraße [v"aS¡Stå9aÉs«], (den) Fisch schmecken [f"IS ¡ SmEk>];
Kirschgelee [k"IS¡Z(el®eÉ];
Pechjahr [p"E¡J˚aÉ], freudig jauchzen [få9ÎdI ¡ ˚J"aO8xtsn`];
Buchrücken [b"uÉx¡å9Yk>], nach rechts [naÉx ¡ å9"Ets];
Fahrrad [f"aÉ¥åaÉt], Geschirr reinigen [g«S"I ¥ åaE8nIg«n];
Abbild ["ap¡b9Ilt], Halbpension [h"alp¡paNzC®oÉn] (auch: [h"alp¡pA)zC®oÉn]), (einen) Job brauchen
[dZ"Op ¡ b9åaO8xn`];
Betttuch [b"Et¥tuÉx], Landtag [l"ant¥taÉk], Zeitdruck [ts"aE8t¡d9åUk], (dem) Land dienen
[l"ant ¡ d9iÉn«n];
Musikkultur [muz"iÉk¥kUlt®uÉŒ], wegkehren [v"Ek¥keÉå«n], (den) Weg gehen [v"eÉk ¡ g(eÉ«n];
Raummaß [å"aO8m¥maÉs], im Meer [Im ¥ m"eÉ?];
annehmen ["an¥neÉm«n], Brennnessel [bå"En¥nEs+], in Nizza [In ¥ n"ItsaÉ];
volllaufen [f"Ol¥laO8fn`], viel lesen [fiÉl ¥ l"eÉzn`].
78 Die Standardaussprache in Deutschland

5.5.3 Frikative [f] [v] [v9]

Bildungsweise
Labio-dentale Frikative:
Der Innenrand der Unterlippe wird gegen die oberen Schneidezähne geführt, so dass eine
Enge entsteht, an der sich die ausströmende Luft reibt.
[f] ist stark gespannt (Fortis) und stimmlos, das Reibegeräusch ist kräftig.
[v] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmhaft, das Reibegeräusch ist vermindert.
[v9] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmlos, das Reibegeräusch ist vermindert.

Ausspracheregeln
c 57 [f] wird gesprochen für:
<f, ff > in einfachen Wörtern, z. B Feld [fElt], Freude [få9"OÎd«], Kiefer [k"iÉfŒ], Lift [lIft],
Schlaf [SlaÉf]; Affäre [af"EÉå«], Neffe [n"Ef«], Schiff [SIf]
<ff, fff, fv> nach Präfixen sowie in Komposita/Bindestrichwörtern und in Wortgruppen an
Silben- bzw. Wortgrenzen, z. B. Auffahrt ["aO8f¥faÉt], auffinden ["aO8f¥fIndn`], Lauf-
feuer [l"aO8f¥fOÎŒ]; Auspuffflamme ["aO8spUf¥flam«], Schifffahrt [S"If¥faÉt]; Kaufvertrag
[k"aO8f¥fŒtå9aÉk]; [f] wird nur einmal artikuliert, kann aber geringfügig gelängt sein
(vgl. A. 5.5.2.4)
<v> im Silbenanlaut vor Vokal und vor <l, r>, z. B. Vater [f"aÉtŒ], Veilchen [f"aE8l«n],
Vers [fEs], Versuch [fŒz"uÉx], Vogel [f"oÉg+]; Bremerhaven [båeÉmŒh"aÉfn`], Hannover
[han"oÉfŒ], Havel (Fluss) [h"aÉf+], Varnhagen [f"anhaÉg>], Vischer [f"ISŒ] (Aus-
nahmen s. unter [v]); Vlies [fliÉs]; Vranitzky [få9an"ItskiÉ] (auch: [våan"ItskiÉ]), Vries
[få9iÉs], Vroni [få9"oÉniÉ] (auch: [vå"oÉniÉ])
<v, w> im Wort- und Silbenauslaut (vgl. 5.5.2.3), z. B. aktiv [akt"iÉf], brav [båaÉf], Substantiv
[z"UpstantiÉf]; Levkoje [lEfk"oÉJ«];
Jewtuschenko [JEftUS"ENkoÉ], Litewka [lit"EfkaÉ];
aber: substantivisch [zUpstant"iÉvIS]
<ph, pph> in Wörtern aus dem Griechischen, z. B. Aphasie [afaz"iÉ], Apostroph [apOstå9"oÉf],
Phonetik [fon"eÉtIk]; Sappho [z"afoÉ] (auch: [z"apfoÉ])
<w> in Namen aus slawischen Sprachen, die auf <-ow, -ew> enden, z. B. Krylow
[kå9"yÉlOf], Prokofjew [på9ok"OfJ(Ef];
aber: in den meisten Namen, die auf <-ow> enden, ist das <w> stumm, z. B. Buckow
[b"UkoÉ](neben [b"uÉkoÉ]), Bülow [b"yÉloÉ], Pankow [p"aNkoÉ]; dies trifft auch auf
abgeleitete Formen zu, z. B. Buckower [b"UkoÉŒ](neben [b"uÉkoÉŒ])
Ausspracheregeln 79

[v] wird gesprochen für: c 58


<v> vor Vokal im Wort- und Silbenanlaut eingedeutschter Wörter sowie in einigen deut-
schen Namen, z. B. Vase [v"aÉz«], Vestibül [vEstib"yÉl], Virus [v"iÉåUs];
Aktivität [aktivit"EÉt], Klavier [klav"iÉŒ], privat [på9iv"aÉt];
Jever [J"eÉvŒ], Kleve [kl"eÉv«], Travemünde [tå9aÉv«m"Ynd«];
die Aussprache schwankt z. B. in Pulver [p"UlvŒ] (auch: [p"UlfŒ])
<w> im Wortanlaut sowie im Silbenanlaut nach stimmhaftem Laut, z. B. Wild [vIlt], Wrack
[våak]; Klangwelt [kl"aNvElt], Lawine [lav"iÉn«], Löwe [l"PÉv«]
<wh> in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Whisky [v"IskiÉ]
<ww> in Einzelwörtern, z. B. Struwwelpeter [Stå9"Uv+peÉtŒ]

[v9] wird gesprochen für: c 59


<v, w> im Silbenanlaut nach stimmlosen Konsonanten, z. B. Endventil ["Entv9Ent®iÉl], Hausvisite
[h"aO8sv9iz®iÉt«], Schlussvokal [Sl"Usv9ok®aÉl], Sven [sv9En];
abwerten ["apv9eÉŒtn`], entwischen [Entv9"ISn`], schwarz [Sv9ats], Swinemünde
[sv9iÉn«m"Ynd«], zwei [tsv9aE8], (vgl. A.5.3.2 und 5.5.2.2)
<w> nach <f> nach Präfixen und in Komposita, z. B. aufwaschen ["aO8f¡v9aSn`], Aufwind
["aO8f¡v9Int], Kopfwunde [k"Opf¡v9Und«]; es wird nur einmal [v9] artikuliert, das Reibege-
räusch kann jedoch geringfügig gelängt sein, (vgl. A. 5.5.2.4)

[kv9] wird gesprochen für:


<qu> z. B. bequem [b«kv9"eÉm], Quadrat [kv9adå"aÉt], Quelle [kv9"El«];
der Verschluss des Plosivs geht bei der Lautverbindung [kv9] ohne Explosion in den fol-
genden Frikativ über.

5.5.4 Frikative [s] [z] [z9]

Bildungsweise
Dorsal/apikale-alveolare Frikative:
Die Lautbildung kann auf zwei verschiedene Arten erfolgen:

Dorsale Artikulation:
Die Zungenspitze berührt die unteren Schneidezähne.

Der vordere Zungenrücken wölbt sich in Richtung der Alveolen der oberen Schneidezähne auf.
Die seitlichen Zungenränder legen sich den oberen Backenzähnen bzw. dem Gaumen an, und
die Mittellinie der Zunge weist eine schmale Längsrille auf.
80 Die Standardaussprache in Deutschland

Durch diese Rille wird die ausströmende Luft in einem dünnen Strahl auf die Schneiden der
unteren Frontzähne geleitet. Sie reibt sich in der Enge zwischen Zungenrücken, Gaumen und
Schneidezähnen, und es entsteht ein zentriertes, scharfes Reibegeräusch.

Apikale Artikulation:

Die Zungenspitze liegt nicht an, sondern schwebt frei hinter den Alveolen der oberen Schneidezähne.
In dieser Enge reibt sich die durch die schmale Längsrille in der Mittellinie der Zunge aus-
strömende Luft.
[s] ist stark gespannt (Fortis) und stimmlos, das Reibegeräusch ist kräftig.
[z] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmhaft, das Reibegeräusch ist vermindert.
[z9] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmlos, das Reibegeräusch ist vermindert.

Ausspracheregeln
c 60 [s] wird gesprochen für:
<s> im offenen und gedeckten Silbenauslaut, auch vor <p, t, sch>, z. B. Haus [haO8s], Islam
[Isl"aÉm], Kurs [kUs]; Krebs [kå9eÉps], nebst [neÉpst], Raps [åaps], Koks [koÉks], Klecks
[klEks]; Disput [dIsp"uÉt], Knospe [kn"Osp«]; Frist [få9Ist], Industrie [IndUstå9"iÉ], Kasten
[k"astn`], Realist [åeal"Ist], (er) reist [åaE8st];
aber: reisen [å"aE8zn`]); Hausschuh [h"aO8sSuÉ], Tagesschau [t"aÉg«sSaO8];
(zur Aussprache von <s> vor <p> oder <t> im Anlaut vgl. A. 5.5.5 unter [S])
<s> vor den Ableitungssilben <-bar, -chen, -haft, -heit, -lein, -lich, -ling, -los, -nis, -schaft,
-tum, -wärts>, z. B. boshaft [b"oÉshaft], Häuschen [h"OÎs«n], lesbar [l"eÉsb9aÉ], löslich
[l"PÉslI], Röslein [å"PÉslaE8n]
<s> im Silbenanlaut nach stimmlosen Konsonanten vor [«] (auch wenn [«] reduziert wurde),
z. B. Erbse ["Eps«], gipsen [g"Ipsn`], Kapsel [k"aps+], Kekse [k"eÉks«], Rätsel [å"EÉts+]
<s> im Wort- und Silbenanlaut eingedeutschter Wörter, auch wenn dem <s> in der gleichen
Silbe ein <p> vorangeht, z. B. Skandal [skand"aÉl], Slalom [sl"aÉlOm], Sphäre [sf"EÉå«],
Szene [sts"eÉn«]; Chanson [SA)s"o)É], Seine [sEn] (auch: [sEÉn]), Sou [suÉ]; Psalm [psalm],
Psyche [ps"yɫ]
<ss> in einfachen Wörtern, z. B. Messe [m"Es«], Missionar [mIsCon"aÉ], wissen [v"Isn`], wusste
[v"Ust«]; Fass [fas]
<ß> im Silbenan- und -auslaut deutscher Wörter, z. B. beißen [b"aE8sn`], Fuß [fuÉs], Heißluft
[h"aE8slUft], Maßstab [m"aÉsStaÉp]
<c> in Wörtern aus dem Englischen und Französischen, z. B. Cent [sEnt], City [s"ItiÉ], lan-
cieren [laNs"iÉå«n], Nuance [ny*"A)És«] (auch: [ny*A)És], [ny"aNs«]), Romancier [åomA)sC"eÉ],
Service [s"{É?vIs]
Ausspracheregeln 81

[ts] wird gesprochen für: c 61


<z, zz, tz> z. B. erzählen [Œts"EÉln], Herz [hEts], Zahl [tsaÉl]; Razzia [å"atsCaÉ]; Hitze [h"Its«],
Schatz [Sats]
<c> in eingedeutschten Namen, z. B. Barcelona [bats«l"oÉnaÉ], Cäsar [ts"EÉzaÉ], Celsius
[ts"ElzCUs], Circe [ts"Its«], Cypern [ts"yÉpŒn]
<t> vor unsilbischem [C] in eingedeutschten Wörtern, z. B. Latium [l"aÉtsCUm], Nation
[natsC"oÉn], Nuntius [n"UntsCUs], partiell [patsC"El], Tertiär [tEtsC"EÉŒ]

[ks] wird gesprochen für:


<x, chs> z. B. Max [maks], Nixe [n"Iks«], Xanten [ks"antn`]; Luchs [lUks], wachsen [v"aksn`]

[sk] wird gesprochen für:


<sch> in Wörtern aus dem Italienischen, z. B. Maraschino [maåask"iÉnoÉ], Scherzo [sk"EtsoÉ]

[z] wird gesprochen für: c 62


<s> im Wortanlaut vor Vokal, z. B. Saturn [zat"Un], Sonntag [z"OntaÉk]
<s> im Silbenanlaut nach stimmhaftem Laut vor Vokal oder wenn in einer Nebenform
ein Vokal folgt, z. B. Amsel ["amz+], Felsen [f"Elzn`], Gesang [g«z"aN], intensiv [IntEnz"iÉf];
langsam [l"aNzaÉm], Mühsal [m"yÉzaÉl]; unsre ["Unzå«] (Nebenform unsere), winsle
[v"Inzl«] (Nebenform winsele)

[z9] wird gesprochen für: c 63


<s> im Silbenanlaut nach stimmlosem Konsonanten vor Vokal (außer vor [«]), eingeschlos-
sen die Ableitungssilben <-sal, -sam>, z. B. Absage ["apz9aÉg«], Rhapsode [åapz9"oÉd«],
Aufsicht ["aO8fz9It]; ratsam [å"aÉtz9aÉm], Schicksal [S"Ikz9aÉl], (vgl. A. 5.3.2 und 5.5.2.2)
<s> nach <s, ss, ß> an Silben- bzw. Wortgrenzen nach Präfixen und in Komposita/Binde-
strichwörtern, z. B. Aussicht ["aO8s¡z9It], Tagessieger [t"aÉg«s¡z9iÉgŒ]; Schlusssatz [Sl"Us¡z9ats];
Großsegel [gå"oÉs¡z9eÉg+]; es wird nur ein [z9] artikuliert, das Reibegeräusch kann jedoch
geringfügig gelängt sein, (vgl. A. 5.5.2.4).

5.5.5 Frikative [ S ] [ Z ] [ Z(]


82 Die Standardaussprache in Deutschland

Bildungsweise
Koronal-alveolar/präpalatale Frikative:
Die Lippen sind gerundet und vorgestülpt.
Die Zunge liegt löffelförmig im Mundraum, wobei sich im Vorderzungenrücken eine breite
Längsrille ausbildet und sich der vordere Zungenrand den Alveolen der oberen Schneidezähne
nähert.
Die ausströmende Luft erzeugt in dieser Enge ein Reibegeräusch.
[S] ist stark gespannt (Fortis) und stimmlos, das Reibegeräusch ist kräftig.
[Z] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmhaft, das Reibegeräusch ist vermindert.
[Z(] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmlos, das Reibegeräusch ist vermindert.

Ausspracheregeln
c 64 [S] wird gesprochen für:
<sch> im Silbenan- und Auslaut, z. B. Schema [S"eÉmaÉ], Schule [S"uÉl«], Tisch [tIS], waschen
[v"aSn`];
aber: geht der Diminutivendung <-chen> ein <s> voraus, dann steht die Buchstaben-
folge <sch> nicht für einen einheitlichen Laut [S], sondern für die Laute [s] + [], zwi-
schen denen eine Silbengrenze verläuft, z. B. Röschen [å"PÉs«n] (genauer: [å"PÉs.«n])
<s> im Wortanlaut vor <p> oder <t> sowie im Silbenanlaut deutscher Wörter nach Präfi-
xen, z. B. Spiel [SpiÉl], Spezialist [SpetsCal"Ist], Spiekeroog [Sp"iÉkŒ³oÉk];
aufspringen ["aO8fSpå9IN«n], Gespött [g«Sp"{t]; Stahl [StaÉl], Station [StatsC"oÉn], Stralsund
[Stå9"aÉlzUnt]; bestreiken [b«Stå9"aE8k>], verstehen [fŒSt"eÉ«n];
Anmerkung:
In einigen Fällen ist im Wortanlaut eingedeutschter Wörter neben der Lautung mit [S]
auch eine Realisation mit [s] gebräuchlich, z.B. Spezifik [Spets"iÉfIk] (auch: [spets"iÉfIk]),
Sponsor [Sp"OnzoÉŒ] (auch: [sp"OnzoÉŒ]); Stagnation [StagnatsC"oÉn] (auch: [stagnatsC"oÉn]);
aber: im nicht absoluten Silbenanlaut oder wenn zwischen Frikativ und Plosiv eine Sil-
bengrenze liegen kann, wird in eingedeutschten Wörtern [sp] und [st] gesprochen, z. B.
Aspekt [asp"Ekt], Aspirant [aspiå"ant], Perspektive [pEspEkt"iÉv«], Prospekt [på9osp"Ekt];
Institut [Instit"uÉt], Instrument [Instå9um"Ent], Konstitution [kOnstitutsC"oÉn];
<ch> in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Chagrin [Sagå"E)É], Champagner [Samp"anJŒ]
(auch: [SA)p"anJŒ]), Chanson [SA)s"o)É], Château [Sat"oÉ]
<sh> in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Cash [kES], Shaw [SOÉ], Shop [SOp], Shuttle [S"at+]
<sc> in Wörtern aus dem Italienischen vor <e, i>, z. B. Crescendo [kå9ES"EndoÉ]

c 65 [tS] wird gesprochen für:


<c, cc> in Wörtern aus dem Italienischen vor <e, i>, z. B. Cello [tS"EloÉ], Cembalo
[tS"EmbaloÉ]; Puccini [pUtS"iÉniÉ]
<ch> in Wörtern aus dem Englischen und Spanischen, z. B. Champion [tS"EmpC«n], Chap-
lin [tS"EplIn], Chile [tS"iÉl«], Couch [kaO8tS]; Macho [m"atSoÉ]
<ge, dge> in Wörtern aus dem Englischen, z. B. College [k"OlItS], Bridge [båItS]
<cz> in Namen aus dem Polnischen, z. B. Czermak [tS"Emak], Nadoleczny [nadOl"EtSnIÉ]

c 66 [Z] wird gesprochen für:


<g> in Wörtern aus dem Französischen vor <e, i>, z. B. Garage [gaå"aÉZ«], Gelee [Zel"eÉ]
(auch: [Z«l"eÉ]), Regime [åeZ"iÉm]
<ge> in Wörtern aus dem Französischen vor <a, o, u>, z. B. Georgette [ZOZ"Et], Sergeant
[sEZ"ant]
Ausspracheregeln 83

<j> in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Enjambement [A)ZA)b«m"A)É], Jalousie [Zaluz"iÉ],


Journal [ZUn"aÉl]

[dZ] wird gesprochen für: c 67


<j> in Wörtern aus dem Englischen, z. B. Jeans [dZiÉns], Jeep [dZiÉp], Jim [dZIm], jobben
[dZ"ObË]
<g> in Wörtern aus dem Englischen vor <e, i, y>, z. B. Geffrey [dZ"Efå9iÉ], Gin [dZIn]
<gi> in Wörtern aus dem Italienischen vor <a, o, u>, z. B. Giovanni [dZov"aniÉ], Perugia
[peå"U.dZaÉ]

[Z(] wird gesprochen für: c 68


<g> im Silbenanlaut nach stimmlosem Konsonant, z. B. das Genie [das Z(en"iÉ]
<g> nach [S] in Komposita, z. B. Kirschgelee [k"IS¡Z(el®eÉ]; es wird nur ein [Z(] artikuliert, das
Reibegeräusch kann jedoch geringfügig gelängt sein (vgl. A. 5.5.2.4).

.
5.5.6 Frikative [ç] [ J ] [ J˚ ]

Bildungsweise
Dorsal-palatale Frikative:
Der Vorderzungenrücken wölbt sich zum vorderen Teil des harten Gaumens auf und bildet
hier eine Enge.
Die seitlichen Zungenränder legen sich dem Gaumen an, und die Mittellinie der Zunge weist
eine Längsrille auf.
Die ausströmende Luft wird durch diese Rille auf die Enge zwischen Vorderzungenrücken
und Gaumen geleitet, so dass ein Reibegeräusch entsteht.
[] ist stark gespannt (Fortis) und stimmlos, das Reibegeräusch ist kräftig.
[J] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmhaft, das Reibegeräusch ist vermindert.
˚ ist schwach gespannt (Lenis) und stimmlos, das Reibegeräusch ist vermindert.
[J]

Ausspracheregeln
[ç] wird gesprochen für: c 69
<ch> nach den Vorderzungenvokalen <e, i, ä, ö, ü, y >, nach den Diphthongen [aE8] und [OÎ]
sowie nach Konsonanten, z. B. höchst [hPÉst], Küche [k"Y«], Licht [lIt], nächst
[nEÉst], Psyche [ps"yÉ«], Recht [åEt]; Deich [daE8], laichen [l"aE8n`]; feucht [fOÎt],
räuchern [å"OÎŒn]; Furcht [fUt], Kelch [kEl], Lerche [l"E«], manch [man]
<ch> in der Diminutivendung <-chen>, z. B. Frauchen [få9"aO8«n], Püppchen [p"Yp«n]
84 Die Standardaussprache in Deutschland

<ch> im Anlaut vor <e> oder <i> in eingedeutschten Wörtern, z. B. Chemie [em"iÉ], China
["iÉnaÉ], Chinin [in"iÉn]
<g> in der Endung <-ig >, sofern sich keine Silbe mit <-lich> oder mit auslautendem [] an-
schließt, z. B.
ewig ["eÉvI] aber: ewiglich ["eÉvIklI],
König [k"PÉnI] aber: königlich [k"PÉnIklI],
Königreich [k"PÉnIkå9aE8]
lustig [l"UstI], wenig [v"eÉnI]; wenigstens [v"eÉnIstn`s], Fähigkeit [f"EÉIkaE8t]

c 70 [J] wird gesprochen für:


<j> im Silbenanlaut vor Vokal, z. B. Jacke [J"ak«], jemals [J"eÉmaÉls], Jemen [J"eÉm«n], jovial
[JovC"aÉl], Justiz [JUst"iÉts]; Boje [b"oÉJ«], Kajüte [kaJ"yÉt«]
<y> im Silbenanlaut vor Vokal in Wörtern aus dem Englischen und Französischen, z. B. Yan-
kee [J"ENkiÉ], York [JOÉ?k]; loyal [lO8aJ"aÉl]

c 71 [lJ] wird gesprochen für:


<ll> nach <i> vor Vokal in Wörtern aus dem Französischen und Spanischen, z. B. Billard
[b"IlJat], Pavillon [p"aÉvIlJON] (auch: [pavIlJ"o)É]), Sevilla [zev"IlJaÉ], Vanille [van"IlJ«]

[nJ] wird gesprochen für:


<gn> in Wörtern aus dem Französischen und Italienischen, z. B. Champagner [Samp"an-
JŒ](auch: [SA)p"anJŒ]), Lasagne [laz"anJ«]
.
c 72 [ J˚ ] wird gesprochen für:
<j> nach stimmlosem Konsonanten, z. B. Schaltjahr [S"altJaÉ]˚
<j> nach [] an Wortgrenzen in Komposita oder Wortgruppen, z. B. Pechjahr [p"E¡J˚aÉ],
˚
fröhlich jagen [få9®PÉlI ¡ J"aÉg>]; ˚ artikuliert, das Reibegeräusch
es wird nur einmal [J]
kann jedoch geringfügig gelängt sein (vgl. A. 5.5.2.4).

5.5.7 Frikativ [x]

Bildungsweise
Dorsal-velarer Frikativ:
Der hintere Teil des Zungenrückens wölbt sich zum weichen Gaumen auf, so dass eine Enge
entsteht.
Die ausströmende Luft erzeugt in dieser Enge ein kräftiges Reibegeräusch.
[x] ist stark gespannt (Fortis) und stimmlos.
Ausspracheregeln 85

Ausspracheregeln

[x] wird gesprochen für: c 73


<ch> nach <a, o, u> und nach dem Diphthong [aO8], z. B. acht [axt], Fach [fax]; autochthon
[aO8tOxt"oÉn], Loch [lOx]; Buch [buÉx], Kuchen [k"uÉxn`]; Rauch [åaO8x], tauchen [t"aO8xn`]
<cch> in Wörtern aus dem Griechischen, z. B. Bacchus [b"axUs], Saccharin [zaxaå"iÉn]

5.5.8 r-Laute [Â] [é] [Â9] [R] [r] [å] [å]

Für das R gibt es mehrere Realisierungsvarianten. Grundsätzlich unterscheidet man konsonan-


tische und vokalische Formen.
Konsonantische Realisationen sind das Reibe-R [å] sowie daneben Zäpfchen-R [R] und Zun-
genspitzen-R [r].
Das Reibe-R ist die weitaus häufigste konsonantische Aussprache. Daher wird in diesem
Wörterbuch für die konsonantischen Realisationen ausschließlich das Reibe-R [å] angegeben.
Reduziert sich beim Reibe-R die Geräuschkomponente, dann steht dafür das hochgestellte
Zeichen []. Mit [å9] wird die entstimmlichte Variante des Reibe-R gekennzeichnet.
Vokalische Realisationen werden mit [Œ] umschrieben, bei nicht silbischer Aussprache mit
hochgestelltem Zeichen [Œ].
Die silbische Aussprache [Œ] steht für <er-, -er> in Affixen, die nichtsilbische für <r>.

Bildungsweise

Reibe-R [Â]
Dorsal-postpalatal/velarer Lenis-Frikativ:
Der hintere Teil des Zungenrückens wölbt sich vor oder nach Hinterzungenvokalen zum wei-
chen Gaumen auf; vor oder nach Vorderzungenvokalen verschiebt sich die Zungenhebung in
Richtung harter Gaumen (postpalatal). Es bildet sich eine Enge, in der die ausströmende Luft ein
leichtes Reibegeräusch erzeugt.
Die Stimmlippen schwingen (außer nach stimmlosem Laut).
Wenn sich die Aufwölbung der Hinterzunge vermindert, wird das Reibegeräusch weiter re-
duziert und es lässt sich vielfach nur noch aus Klangfarbenveränderungen der Lautumgebung
auf einen intendierten r-Laut schließen.
86 Die Standardaussprache in Deutschland

Zäpfchen-R [R]
Uvularer Vibrant:
Der hintere Teil des Zungenrückens wölbt sich in Richtung Zäpfchen auf. Das Zäpfchen führt
bei der Ausatmung flatternde Bewegungen aus, so dass zwischen Zäpfchen und gehobener Hin-
terzunge ein intermittierender Verschluss entsteht.
Die Stimmlippen schwingen; nach stimmlosem Laut kann Entstimmlichung eintreten.

Zungenspitzen-R [r]
Apikal-alveolarer Vibrant:
Die Zungenspitze nähert sich den Alveolen bzw. den oberen Schneidezähnen und führt bei
der Ausatmung flatternde Bewegungen aus, so dass ein intermittierender Verschluss entsteht.
Die Stimmlippen schwingen.

Vokalisiertes R [å]
Die Mittelzunge wölbt sich leicht zum harten Gaumen auf. Die Luft kann jedoch ungehindert
ausströmen, so dass ein ungerundeter Mittelzungenvokal entsteht.
Die Mundöffnung richtet sich nach der Lautumgebung.
Die Klangfarbe hängt ebenfalls von der Lautumgebung ab und schwankt vor allem zwischen
[a] und [O] bzw. zwischen [a] und [«]; auch Realisationen als [«Œ] sind gebräuchlich.
Die Stimmlippen schwingen.

Ausspracheregeln
c 74 Reibe-R [Â] (sowie seltener und mit nur geringer Vibration bis zu zwei Schlägen: Zäpfchen-
oder Zungenspitzen-R) wird gesprochen für:
<r, rr, rh, rrh> in einfachen Wörtern vor Vokal, z. B.
begierig [b«g"iÉåI], Beruf [b«å"u†f], raten [å"a†tn`];
Ausspracheregeln 87

Arrest [aå"Est], Herrin [h"EåIn], zerren [ts"Eå«n];


Rhapsode [åapz9"oÉd«], Rhein [åaE8n]; Myrrhe [m"Yå«]
<r> nach stimmhaftem Plosiv oder Frikativ vor Vokal, z. B. anbringen ["anbåIN«n], Draht
[dåaÉt], grün [gåyÉn], Wrack [våak]

Die reduzierte Form [é] wird gesprochen für: c 75


<r, rr, rrh> nach kurzem Vokal (außer in den nicht akzentuierten Affixen <er-, her-, ver-,
zer-, -er>), z. B. Erfurt ["EfUt], Firmament [fImam"Ent], Markt [makt]; Herr [hE],
Zerrbild [ts"EbIlt]; Katarrh [kat"a]
<r> nach langem <a>, z. B. Karfreitag [kaÉfå9"aE8taÉk], klar [klaÉ], Notar [not"aÉ], wahr
[vaÉ]

Entstimmlichtes Reibe-R [Â9] wird gesprochen für:


<r, rh> nach stimmlosen Konsonanten, z. B. Kreis [kå9aE8s], Strich [Stå9I];
Aufruf ["aO8få9uÉf], froh [få9oÉ], Schrei [Så9aE8]

Vokalisiertes (silbisches) R [å] wird gesprochen für: c 76


<er-> in den nicht akzentuierten Präfixen <er-, her-, ver-, zer->, z. B. erleben [Œl"eÉbË], herbei
[hŒb"aE8], Versuch [fŒz"uÉx], Zerfall [tsŒf"al];
Ausnahme: Aussprache mit Reibe-R im nicht akzentuierten Präfix <her-> in einem
Wort, das nicht mehr als Zusammensetzung empfunden wird, z. B. herein [hEå"aE8n]
<-er> im nicht akzentuierten Suffix im offenen und gedeckten Auslaut <-er, -ern,
-ers, -ert>, z. B. Vater [f"aÉtŒ], Vaterland [f"aÉtŒlant]; flüstern [fl"YstŒn];
(des) Vaters [f"aÉtŒs]; geliefert [g«l"iÉfŒt];
aber: Wechsel des <r> in silbenanlautende Position, z. B. Maler [m"aÉlŒ], aber: Malerin
[m"aÉl«åIn]

Vokalisiertes (nichtsilbisches) R [å] wird gesprochen für: c 77


<r> nach langem Vokal (außer nach langem <a>), z. B. Kur [kuÉŒ], Lektor [l"EktoÉŒ], Meer
[meÉŒ], Monteur [mONt"PÉŒ], vorlesen [f"oÉŒleÉzn`]
<r> im Präfix <her-> in akzentuierter Position, z. B. herstellen [h"eÉŒStEln]

Anmerkung zu <rr, rrr>: c 78


Trifft in Komposita an der Wortgrenze sowie nach den nicht akzentuierten Präfixen
<er-, her-, ver-, zer-> silbenauslautendes auf silbenanlautendes <r>, dann werden zwei
unterschiedliche Realisierungsvarianten des R gesprochen, und zwar die jeweils auslau-
tende (vokalische oder konsonantische) und die anlautende (konsonantische):
auslautende vokalische + anlautende konsonantische Realisierungsvariante:
nach langem Vokal (außer nach langem <a>), z. B.
herrufen [h"eÉ?åuÉfn`], Tierreich [t"iÉ?åaE8], Vorrecht [f"oÉ?åEt]
nach <-er-, her-, ver- zer->, z. B. erreichen [Ό"aE8n`], verreisen [fΌ"aE8zn`], zerrinnen
[tsŒå"In«n]; Oberrhein ["oÉbŒåaE8n], Unterredung [UntŒå"eÉdUN]
auslautende konsonantische + anlautende konsonantische Realisierungsvariante:
nach kurzem Vokal, z. B. Geschirrreinigung [g«S"I¥åaE8nIgUN]
nach langem <a>, z. B. darreichen [d"aÉ¥åaE8n`], Fahrrad [f"aÉ¥åaÉt];
beim Zusammentreffen von zwei konsonantischen Realisierungsvarianten tritt eine
Lautreduktion ein (vgl. A. 5.5.2.4).
88 Die Standardaussprache in Deutschland

5.5.9 Hauchlaut [h]

Bildungsweise
Glottaler Frikativ:
Die ausströmende Luft erzeugt im Kehlkopf ein schwaches Reibegeräusch (Hauchgeräusch).
Indem sich die Glottis schließt, leitet dieses zum folgenden Vokal über, auf den die artikulie-
renden Organe im Mundraum bereits eingestellt sind.
[h] ist in der Regel stimmlos, kann aber in intervokalischer Position auch stimmhaft gespro-
chen werden.

Ausspracheregeln
c 79 [h] wird gesprochen für:
<h> im Silbenanlaut vor Vokal, außer vor dem Schwa-Laut [«] und vor nicht akzentuier-
ten <i, u> in Suffixen, z. B. Hand [hant], human [hum"aÉn], Inhalt ["Inhalt], lachhaft
[l"axhaft], Verhalten [fŒh"altn`]

[h] ist stumm bei:


<h> nach langem Vokal, z. B. froh [få9oÉ], kahl [kaÉl], Mullah [m"UlaÉ], sehr [zeÉŒ], (du) siehst
[ziÉst], wahr [vaÉ]; fahren [f"aÉå«n], Rehbock [å"eÉbOk], Wähler [v"EÉlŒ]
<h> im Silbenanlaut vor [«] und vor nicht akzentuierten <i, u> in Suffixen, z.B. Mühe [m"yÉ«],
sehen [z"eÉ«n]; fähig [f"EÉI], ruhig [å"uÉI]; Begehung [b«g"eÉUN], Erziehung [Œts"iÉUN]
<h> nach <r, t, k, b, d, g, l>, wenn diese Buchstaben der gleichen Silbe angehören, z. B. Rhein
[åaE8n], Rheuma [å"OÎmaÉ]; Therme [t"Em«], Thomas [t"oÉmas]; Khaki [k"aÉkiÉ]
(daneben bereits orthografisch Kaki), Khmer [kmeÉŒ]; Bharat [b"aÉåat], Bhutan
[b"uÉtan]; Buddha [b"UdaÉ], Dhaka [d"akaÉ]; Ghana [g"aÉnaÉ], Ghetto [g"EtoÉ](daneben
bereits orthografisch Getto); Lhasa [l"aÉzaÉ]

5.5.10 Plosive [p] [b] [b9]

Bildungsweise
Bilabiale Plosive:
Die Lippen liegen aufeinander und verschließen den Mundraum.
Das Velum ist angehoben und verschließt die Nasenpassage, so dass sich der Luftstrom in der
Mundhöhle staut (Implosions- und Plosionsphase).
Die Verschlusslösung (Explosionsphase) kann in folgenden Varianten geschehen:
Ausspracheregeln 89

x oral durch Öffnen der Lippen:


diese Verschlusslösung kann bei [p] mit deutlichem Explosions- und nachfolgendem Hauch-
geräusch verbunden sein (vgl. A. 5.5.2.1)
x nasal durch Senken des Velums:
wenn auf <p, b> ein silbisches [Ë] folgt, z. B. nach Ausfall des Schwa-Lautes [«] im Suffix
<-en> (vgl. A. 5.4.10).

Beim Zusammentreffen gleicher Plosive an Wort- oder Silbengrenzen in Komposita/Bindestrich-


wörtern sowie nach Präfixen wird nur eine Verschlussbildung und -lösung realisiert (vgl. A. 5.5.2.4).
[p] ist stark gespannt (Fortis) und stimmlos, Aspiration ist möglich.
[b] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmhaft.
[b9] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmlos.

Ausspracheregeln
[p] wird gesprochen für: c 80
<p, pp> in einfachen Wörtern, z. B. Paul [paO8l], preisen [på9"aE8zn`];
Kapitän [kapit"EÉn], spät [SpEÉt]; Lump [lUmp];
Appell [ap"El], Käppchen [k"Ep«n], Suppe [z"Up«]; salopp [zal"Op]
<bp, pp, ppp> in Komposita, z. B. Halbpension [h"alp¡paNzC®oÉn]; Laptoppreis [l"EptOp¡på9aE8s];
Pappplakat [p"ap¡plak®aÉt]; [p] wird nur einmal artikuliert, die Verschlussphase kann je-
doch geringfügig gelängt sein (vgl. A. 5.5.2.4)
<b, bb> im Wort- und Silbenauslaut, z. B. Lob [loÉp]; Gelübde [g«l"Ypd9«], glaubhaft [gl"aO8phaft],
Labsal [l"aÉpz9aÉl], löblich [l"PÉplI], Siebdruck [z"iÉpd9åUk]; schrubb! [Så9Up], (du)
schrubbtest [Så9"Upt«st] (vgl. A. 5.5.2.3)
<p, b> in den Lautverbindungen [pf ps pS], z. B. Pfanne [pf"an«], Hopfen [h"Opfn`], Napf [napf];
Krebs [kå9eÉps], nebst [neÉpst]; hübsch [hYpS];
der Verschluss des Plosivs geht in diesen Lautverbindungen ohne Explosion in den fol-
genden Frikativ über.
Anmerkung zur Aspiration: Die Verschlusslösung erfolgt bei [p] vor akzentuiertem Vokal sowie
im akzentuierten Wort- und Silbenauslaut (abhängig von der Gesamtspannung) häufig
mit deutlicher Aspiration, z. B. Paul [pîaO8l], Lump [lUmpî], salopp [zal"Opî]; Lob [loÉpî],
schrubb! [Så9Upî].
Die Aspiration wird im Wörterverzeichnis nicht markiert (vgl. A. 5.5.2.1).

[b] wird gesprochen für: c 81


<b> im Wort- und Silbenanlaut vor Vokal und vor stimmhaften Konsonanten, z. B. Beet
[beÉt], Blei [blaE8], Brot [båoÉt]; heben [h"eÉbË], Kabarett [kabaå"Et] (auch: [k"abaåEt]);
im absoluten Wortanlaut kann auch eine reduzierte Stimmhaftigkeit vorkommen; sie
wird im Wörterverzeichnis nicht markiert (vgl. A. 5.5.2.2);
<b, bb> im Silbenauslaut, wenn folgendem Suffix ein zum Stamm gehörendes <l>, <n> oder
<r> vorausgeht oder wenn in einer Nebenform auf <b, bb> ein <e> folgt, z. B. Ebnung
["eÉbnUN], übrig ["yÉbåI]; neblig [n"eÉblI] (Nebenform: nebelig [n"eÉb«lI]), kribblig
[kå9"IblI] (Nebenform: kribbelig [kå9"Ib«lI])
<bb> in einfachen Wörtern zwischen Vokalen, z. B. Hobby [h"ObiÉ], Rabbi [å"abiÉ]

[b9] wird gesprochen für: c 82


<b> im Silbenanlaut nach stimmlosem Konsonanten, z. B. aufbrechen ["aO8fb9åEn`], Hausbau
[h"aO8sb9aO8], Rotbuche [å"oÉtb9uÉx«], (vgl. A. 5.3.2)
90 Die Standardaussprache in Deutschland

<bb, pb, ppb> beim Zusammentreffen gleicher Plosive an Silben- bzw. Wortgrenzen nach Prä-
fixen und in Komposita, z. B. Abbild ["ap¡b9Ilt]; Typberatung [t"yÉp¡b9«åaÉtUN]; Pappbecher
[p"ap¡b9EŒ]; es wird nur einmal [b9] artikuliert, die Verschlussphase kann jedoch gering-
fügig gelängt sein (vgl. A. 5.5.2.4).
<p> ist stumm: im Wortauslaut von Wörtern aus dem Französischen, z. B. Coup [kuÉ]

5.5.11 Plosive [t] [d] [d9]

Bildungsweise
Koronal/dorsal-alveolar/dentale Plosive:
Der Verschluss kann auf zwei verschiedene Arten gebildet sein:
x Koronale Artikulation:

Der vordere Zungensaum liegt den Alveolen und oberen Schneidezähne an.
x Dorsale Artikulation:

Der Vorderzungenrücken liegt den Alveolen und oberen Schneidezähnen an, während der
vordere Zungensaum Kontakt mit den unteren Schneidezähnen hält.

In beiden Fällen berühren die seitlichen Zungenränder die Alveolen der Backenzähne. Das Ve-
lum ist angehoben und verschließt die Nasenpassage, so dass sich der Luftstrom in der Mund-
höhle staut (Implosions- und Plosionsphase).
Die Verschlusslösung (Explosionsphase) kann in folgenden Varianten geschehen:
x oral durch Aufheben des Zungenkontaktes mit den Alveolen; diese Verschlusslösung kann bei [t]
mit deutlichem Explosions- und nachfolgendem Hauchgeräusch verbunden sein (vgl. A. 5.5.2.1)
Ausspracheregeln 91

x nasal durch Senken des Velums, wenn auf <t, d> ein silbisches [n`] folgt, z. B. nach Ausfall des
Schwa-Lautes [«] im Suffix <-en> (vgl. A. 5.4.10)
x lateral durch Lösen des Kontaktes zwischen seitlichen Zungenrändern und Alveolen der Ba-
ckenzähne, wenn auf <t, d> ein [l] oder [+] folgt.

Beim Zusammentreffen gleicher Plosive an Wort- oder Silbengrenzen in Komposita/Bindestrich-


wörtern sowie nach Präfixen wird nur eine Verschlussbildung und -lösung realisiert (vgl. A. 5.5.2.4).
[t] ist stark gespannt (Fortis) und stimmlos, Aspiration ist möglich.
[d] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmhaft.
[d9] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmlos.

Ausspracheregeln

[t] wird gesprochen für: c 83


<t, tt, dt> in einfachen Wörtern, z. B. Teller [t"ElŒ], total [tot"aÉl], Traum [tå9aO8m], raten
[å"aÉtn`]; Fest [fEst], Hut [huÉt]; Brettchen [bå"Et«n], Mutter [m"UtŒ], Fagott [fag"Ot];
Stadt [Stat], Städte [St"EÉt«]
<dt, tt, ttt> in Zusammensetzungen, z. B. Wandteller [v"ant¥tElŒ]; mitteilen [m"It¥taE8ln]; Ballett-
truppe [bal"Et¥tå9Up«], Betttuch [b"Et¥tuÉx];
[t] wird nur einmal artikuliert, die Verschlussphase kann jedoch geringfügig gelängt
sein (vgl. A. 5.5.2.4)
<d> im Wort- und Silbenauslaut, z. B. Rad [åaÉt]; Adverb [atv9"Ep], anwendbar
["anvEntb9aÉ], sündhaft [z"Ynthaft] (vgl. A. 5.5.2.3)
<t, d> im Silbenauslaut vor [l] und [n], z. B. Atlas ["atlas], randlos [å"antloÉs], redlich
[å"eÉtlI], der Verschluss des [t] wird häufig lateral gelöst;
Ätna ["EÉtnaÉ] (auch: ["EtnaÉ]), der Verschluss des [t] wird häufig nasal gelöst
<th, tth> im Silbenaus- und Anlaut, z. B. Korinth [koå"Int], Theorie [teoå"iÉ], Zither [ts"ItŒ];
Matthias [mat"iÉas]

[ts] wird gesprochen für: c 84


<t> vor unsilbischem [C] in eingedeutschten Wörtern, z. B. Aktie ["aktsC«], Latium
[l"aÉtsCUm], partiell [patsC"El], Ration [åatsC"oÉn]
<z, zz, tz> z. B. Herz [hEts], Lanze [l"ants«], Zunge [ts"UN«]; Razzia [å"atsCaÉ]; Katze [k"ats«],
Witz [vIts].
Der Verschluss des Plosivs geht in der Lautverbindung [ts] ohne Explosion in den
folgenden Frikativ über.
Anmerkung zur Aspiration: Die Verschlusslösung erfolgt bei [t] vor akzentuiertem Vokal sowie
im akzentuierten Wort- und Silbenauslaut (abhängig von der Gesamtspannung) häufig
mit deutlicher Aspiration, z. B. Teller [tî"ElŒ], Fagott [fag"Otî]; verwandt [fŒv"antî]; Rad
[åaÉtî]; Korinth [koå"Intî], Thomas [tî"oÉmas]. Die Aspiration wird im Wörterverzeich-
nis nicht markiert (vgl. A. 5.5.2.1).

[d] wird gesprochen für: c 85


<d> im Wort- und Silbenanlaut vor Vokal und vor stimmhaften Konsonanten, z. B. Dank
[daNk], desolat [dezol"aÉt], Droge [då"oÉg«];
baden [b"aÉdn`], bedienen [b«d"iÉn«n], Verdruss [fŒdå"Us];
im absoluten Wortanlaut kann auch eine reduzierte Stimmhaftigkeit vorkommen; sie
wird im Wörterverzeichnis nicht markiert (vgl. A. 5.5.2.2);
92 Die Standardaussprache in Deutschland

<d, dd> im Silbenauslaut, wenn folgendem Suffix ein zum Stamm gehörendes <l>, <n> oder
<r> vorausgeht oder wenn in einer Nebenform auf <d, dd> ein <e> folgt, z. B. niedrig
[n"iÉdåI], Radler [å"aÉdlŒ], Redner [å"eÉdnŒ]; Handlung [h"andlUN] (Nebenform: Han-
del [h"and«l], auch wenn der Schwa-Laut [«] ausfällt: [h"and+]); schnoddrig [Sn"OdåI]
(Nebenform: schnodderig [Sn"Od«åI])
<dd> in einfachen Wörtern zwischen Vokalen, z. B. Bodden [b"Odn`], Widder [v"IdŒ]

c 86 [d9] wird gesprochen für:


<d> im Silbenanlaut nach stimmlosem Konsonanten, z. B. Abderhalden [apd9Œh"aldn`], auf-
drehen ["aO8fd9åeÉ«n], Weißdorn [v"aE8sd9On] (vgl. A. 5.3.2)
<dd, td> beim Zusammentreffen gleicher Plosive an Silben- bzw. Wortgrenzen nach Präfixen
und in Komposita, z. B. Sanddorn [z"ant¡d9On], süddeutsch [z"yÉt¡d9OÎtS]; Zeitdruck
[ts"aE8t¡d9åUk];
es wird nur einmal [d9] artikuliert, die Verschlussphase kann jedoch geringfügig ge-
längt sein (vgl. A. 5.5.2.4).
<t, d> ist stumm: im Wortauslaut von Wörtern aus dem Französischen, z. B. Depot [dep"oÉ], Etat
[et"aÉ], Kuvert [kuv"eÉŒ]; Boulevard [bul«v"aÉ] (auch: [bUlv"aÉ]), Fond [fo)É] (auch:
[fON])

5.5.12 Plosive [k] [g] [g(]

Bildungsweise
Dorsal-postpalatal/velare Plosive:
Der hintere Teil des Zungenrückens ist aufgewölbt und bildet einen Verschluss mit dem
Gaumen. Die Verschlussstelle befindet sich je nach der Lautumgebung postpalatal oder velar
(vgl. A. 5.3.1).
Das Velum ist angehoben und verschließt die Nasenpassage, so dass sich der Luftstrom in der
Mundhöhle staut (Implosions- und Plosionsphase).
Die Verschlusslösung (Explosionsphase) kann in folgenden Varianten geschehen:
x oral durch Aufheben des Kontaktes zwischen Zungenrücken und Gaumen; diese Verschluss-
lösung kann bei [k] mit deutlichem Explosions- und nachfolgendem Hauchgeräusch ver-
bunden sein (vgl. A. 5.5.2.1)
x nasal durch Senken des Velums, wenn auf <k, g > ein silbisches [>] folgt, z. B. nach Ausfall des
Schwa-Lautes [«] im Suffix <-en> (vgl. A. 5.4.10).
Ausspracheregeln 93

Beim Zusammentreffen gleicher Plosive an Wort- oder Silbengrenzen in Komposita/Binde-


strichwörtern sowie nach Präfixen wird nur eine Verschlussbildung und -lösung realisiert (vgl.
A. 5.5.2.4).
[k] ist stark gespannt (Fortis) und stimmlos, Aspiration ist möglich.
[g] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmhaft.
[g(] ist schwach gespannt (Lenis) und stimmlos.

Ausspracheregeln
[k] wird gesprochen für: c 87
<k, ck, kk> in einfachen Wörtern, z. B. Koch [kOx], Luke [l"uÉk«], Physik [fyz"iÉk]; Hecke [h"Ek«],
Ruck [åUk]; Akkordeon [ak"OdeOn], akkurat [akuå"aÉt]
<gk, kk, ckk> in Zusammensetzungen, z. B. wegkehren [v"Ek¥keÉå«n]; Musikkultur [muz"iÉk¥kUl-
t®uÉŒ]; Rückkehr [å"Yk¥keÉŒ];
[k] wird nur einmal artikuliert, die Verschlussphase kann jedoch geringfügig gelängt
sein (vgl. A. 5.5.2.4)
<kh> in eingedeutschten Wörtern, z. B. Khaki [k"aÉkiÉ] (daneben bereits orthografisch Kaki),
Khan [kaÉn], Khmer [kmeÉŒ], (vgl. auch die Ausspracheregeln für <h> A. 5.5.9)
<ch> im Wort- und Silbenanlaut meist vor <a, o, u, l, r>, selten vor <e, i>, z. B. Chaos [k"aÉOs],
Chor [koÉŒ], Chur [kuÉŒ], Chlodwig [kl"oÉtv9I], Chronik [kå9"oÉnIk]; Chemnitz [k"EmnIts],
Chiemsee [k"iÉmzeÉ], Orchester [Ok"EstŒ];
auch in Wörtern aus dem Italienischen, z. B. Chianti [kC"antiÉ], Chigi [k"I.dZiÉ], Marchese
[mak"eÉz«]; Ischia ["IskCaÉ], Maraschino [maåask"iÉnoÉ]
<ch> nach Vokal in deutschen Wörtern, wenn ein zum Stamm gehörendes <s> folgt, z. B.
Achse ["aks«], Fuchs [fUks], Sachsen [z"aksn`]
<g, gg> im Wort- und Silbenauslaut, auch im gedeckten Auslaut, z. B. Weg [veÉk], weglassen
[v"Eklasn`], biegsam [b"iÉkz9aÉm], sagbar [z"aÉkb9aÉ], sieghaft [z"iÉkhaft], Wagnis
[v"aÉknIs]; Augsburg ["aO8ksb9Uk], flugs [flUks], (du) magst [maÉkst]; Brigg [båIk], flagg!
[flak]; (du) joggtest [dZ"Okt«st]; (du) flaggst [flakst] (vgl. A. 5.5.2.3)
<g> in der Endung <-ig>, wenn sich eine Silbe mit <-lich> oder mit auslautendem [] an-
schließt, z. B. ewiglich ["eÉvIklI], königlich [k"PÉnIklI], Königreich [k"PÉnIkå9aE8];
aber: ewig ["eÉvI], König [k"PÉnI]
<c> im Wort- und Silbenanlaut vor <a, o, u, l, r>, z. B. Café [kaf"eÉ], Camping [k"EmpIN]; Co-
burg [k"oÉbUk]; Cuxhaven [kUksh"aÉfn`], Lucullus [luk"UlUs]; Clou [kluÉ]; Cranach
[kå9"aÉnax], Crew [kå9uÉ]
<qu> in Wörtern aus dem Französischen, z. B. Mannequin [m"an«kE)É] (auch: [man«k"E)É]),
Queue [kPÉ]

[ks] wird gesprochen für:


<x> z. B. Max [maks], Nixe [n"Iks«], Xanten [ks"antn`].
Der Verschluss des Plosivs geht in der Lautverbindung [ks] ohne Explosion in den fol-
genden Frikativ über.
Anmerkung zur Aspiration: Die Verschlusslösung erfolgt bei [k] vor akzentuiertem Vokal sowie
im akzentuiertem Wort- und Silbenauslaut (abhängig von der Gesamtspannung) häufig
mit deutlicher Aspiration, z. B. Bank [baNkî], Koch [kîOx]; Ruck [åUkî]; Khan [kîaÉn];
Chaos [kî"aÉOs], Orchester [Okî"EstŒ]; Marchese [makî"eÉz«]; Weg [veÉkî]; Calvin
[kî"alviÉn], Clou [kîluÉ]. Die Aspiration wird im Wörterverzeichnis nicht markiert
(vgl. A. 5.5.2.1).
94 Die Standardaussprache in Deutschland

c 88 [g] wird gesprochen für:


<g> im Wort- und Silbenanlaut vor Vokal und vor stimmhaften Konsonanten, z. B. Galle
[g"al«], regieren [åeg"iÉå«n], Sage [z"aÉg«]; begreifen [b«gå"aE8fn`], Gnade [gn"aÉd«],
Gdingen [gd"IN«n], Glut [gluÉt];
im absoluten Wortanlaut kann auch eine reduzierte Stimmhaftigkeit vorkommen; sie
wird im Wörterverzeichnis nicht markiert (vgl. A. 5.5.2.2);
<g, gg> im Silbenauslaut, wenn folgendem Suffix ein zum Stamm gehörendes <l>, <n> oder
<r> vorausgeht oder wenn in einer Nebenform auf <g, gg> ein <e> folgt, z. B. aneig-
nen ["an³aE8gn«n], (ich) segle [z9"eÉgl«] (Nebenform: segele [z9"eÉg«l«]); Schmuggler
[Sm"UglŒ], (ich) baggre [b9"agå«] (Nebenform: baggere [b9"ag«å«])
<gg> in einfachen Wörtern zwischen Vokalen, z. B. Bagger [b"agŒ], Brügge [bå"Yg«], Dogge
[d"Og«], Flagge [fl"ag«], Fugger [f"UgŒ], Waggon [vag"ON]
<gh, gu> im Wort- und Silbenanlaut eingedeutschter Wörter, z. B. Ghana [g"aÉnaÉ], Ghetto
[g"EtoÉ] (daneben bereits orthografisch Getto), Joghurt [J"oÉgUt];
Baguette [bag"Et], Guernica [gEn"iÉkaÉ], Guido [g"iÉdoÉ], Guillaume [giJ"oÉm]

c 89 [g(] wird gesprochen für:


<g> im Silbenanlaut nach stimmlosem Konsonanten, z. B. abgießen ["apg(iÉsn`], Aufgabe
["aO8fg(aÉb«], ausgraben ["aO8sg(åaÉbË], entgleisen [Entg(l"aE8zn`] (vgl. A. 5.3.2)
<gg, ckg> beim Zusammentreffen gleicher Plosive an Silben- bzw. Wortgrenzen nach Präfixen
und in Komposita, z. B. Weggefährte [v"eÉk¡g(«fEÉ?t«]; Rückgang [å"Yk¡g(aN];
es wird nur einmal [g(] artikuliert, die Verschlussphase kann jedoch geringfügig ge-
längt sein (vgl. A. 5.5.2.4).

5.5.13 Lateral [l]

Bildungsweise
Koronal-alveolarer Lateral:
Die Zungenspitze bzw. der vordere Zungensaum legt sich den Alveolen der oberen Schneide-
zähne an, so dass in der Mittellinie des Gaumens ein Verschluss entsteht.
Die ausströmende Luft gleitet durch die Öffnungen zwischen den seitlichen Zungenrändern
und Backenzähnen.
Die Stimmlippen schwingen.
Ausspracheregeln 95

Ausspracheregeln
[l] wird gesprochen für: c 90
<l, ll> in einfachen Wörtern, z. B. lachen [l"axn`], Palais [pal"EÉ], verlosen [fŒl"oÉzn`], Wahl
[vaÉl]; Kollaps [k"Olaps], Rille [å"Il«], tendenziell [tEndEntsC"El], Zoll [tsOl]
<ll, lll> an Silben- bzw. Wortgrenzen nach Präfixen und in Komposita/Bindestrichwörtern, z. B.
Vielliebchen [fiÉl¥l"iÉp«n]; Falllinie [f"al¥liÉnC«], volllaufen [f"Ol¥laO8fn`];
[l] wird nur einmal artikuliert, der Laut kann jedoch geringfügig gelängt sein (vgl. A.
5.5.2.4)

[lJ] wird gesprochen für: c 91


<ll> nach <i> vor Vokal in Wörtern aus dem Französischen und Spanischen, z. B. Billard
[b"IlJat], Bouillon [bUlJ"ON] (auch: [bUlJ"o)É]), Medaille [med"alJ«], Sevilla [zev"IlJaÉ],
Vanille [van"IlJ«]

[+] (silbische Form) wird gesprochen für: c 92


<l> bei Ausfall des Schwa-Lautes [«] in der Endung <-el> nach Nasalen, Frikativen (außer
nach [å]) und Plosiven, z. B. Klingel [kl"IN+], Krümel [kå9"yÉm+]; Kreisel [kå9"aE8z+], Schau-
fel [S"aO8f+], Sichel [z"I+], Zipfel [ts"Ipf+]; Hantel [h"ant+], Nudel [n"uÉd+], Hegel [h"eÉg+],
Kabel [k"aÉb+], Pappel [p"ap+] (vgl. A. 5.4.10)

5.5.14 Nasal [m]

Bildungsweise
Bilabialer Nasal:
Die Lippen werden locker aufeinander gelegt und verschließen den Mundraum.
Das Velum ist gesenkt, so dass der Phonationsstrom durch die Nase gleitet.
Die Stimmlippen schwingen.

Ausspracheregeln
[m] wird gesprochen für: c 93
<m, mm> in einfachen Wörtern, z. B. Maler [m"aÉlŒ], jambisch [J"ambIS], biegsam [b"iÉkz9aÉm],
Sumpf [zUmpf]; Komma [k"OmaÉ], Lamm [lam]
<mm, mmm> an Silben- bzw. Wortgrenzen nach Präfixen und in Komposita/Bindestrichwör-
tern, z. B. Raummaß [å"aO8m¥maÉs]; Kammmacher [k"am¥maxŒ];
[m] wird nur einmal artikuliert, der Laut kann jedoch geringfügig gelängt sein (vgl.
A. 5.5.2.4)
96 Die Standardaussprache in Deutschland

c 94 [mÆ] (silbische Form) wird gesprochen für:


<m> bei Ausfall des Schwa-Lautes [«] in der Endung <-em> nach Plosiven und Frikativen
(außer nach [å]), z. B. bestem [b"EstË], welchem [v"ElË]
<n> bei Ausfall des Schwa-Lautes [«] in der Endung <-en> nach <b, p>, z. B. geben [g"eÉbË],
Lappen [l"apË] (vgl. A. 5.4.10)

5.5.15 Nasal [n]

Bildungsweise
Koronal/dorsal-alveolarer Nasal:
Der Verschluss im Mundraum kann auf zwei verschiedene Arten gebildet sein:
x Koronale Artikulation:

Der vordere Zungensaum liegt den Alveolen der oberen Schneidezähne an.
x Dorsale Artikulation:

Der Vorderzungenrücken liegt den Alveolen der oberen Schneidezähne an, während der vor-
dere Zungensaum Kontakt mit den unteren Schneidezähnen hält.

Das Velum ist in beiden Fällen gesenkt, so dass der Phonationsstrom durch die Nase gleitet.
Die Stimmlippen schwingen.
Ausspracheregeln 97

Ausspracheregeln
[n] wird gesprochen für: c 95
<n, nn> in einfachen Wörtern (außer vor <g, k>), z. B. Name [n"aÉm«], zentral [tsEntå9"aÉl],
hören [h"PÉå«n], Kind [kInt]; kennen [k"En«n], Konnex [kOn"Eks], Lehrerinnen
[l"eÉå«åIn«n], Kinn [kIn]
<n> im Präfix <kon-> vor Konsonanten (außer vor <g, k>) in eingedeutschten Wörtern,
z. B. Konflikt [kOnfl"Ikt], Kontrast [kOntå9"ast], Konzept [kOnts"Ept], (vgl. auch unter
[N])
<n> vor <g, k> in zusammengesetzten deutschen Wörtern, z. B. angeben ["angeÉbË],
Rheinquelle [å"aE8nkv9El«]
<n> in den Präfixen <en-, in-, syn->, auch vor <g, k> sowie vor <ch> (=Aussprache [k])
in eingedeutschten Wörtern, z. B. endothym [Endot"yÉm], Enklave [Enkl"aÉv«], enko-
dieren [Enkod"iÉå«n]; Ingredienzien [IngåedC"EntsC«n], Inkarnation [InkanatsC"oÉn],
inklusive [Inkluz"iÉv«], inkognito [Ink"OgnitoÉ];
synkopieren [zYnkop"iÉå«n], synchron [zYnkå9"oÉn]
<nn, nnn> an Silben- bzw. Wortgrenzen nach Präfixen und in Komposita/Bindestrichwörtern,
z. B. annehmen ["an¥neÉm«n], Sternennacht [St"En«n¥naxt]; Brennnessel [bå"En¥nEs+],
Kennnummer [k"En¥nUmŒ];
[n] wird nur einmal artikuliert, der Laut kann jedoch geringfügig gelängt sein, (vgl.
A. 5.5.2.4)

[n`] (silbische Form) wird gesprochen für: c 96


<n> bei Ausfall des Schwa-Lautes [«] in der Endung <-en> nach <t, d> und Frikativen
(außer nach [å]), z. B. raten [å"aÉtn`], reden [å"eÉdn``], rufen [å"uÉfn`], (vgl. A. 5.4.10)
<n> nach <d> oder <t> im Auslaut, z. B. Haydn [h"aE8dn`]

5.5.16 Nasal [N]

Bildungsweise
Dorsal-postpalatal/velarer Nasal:
Der hintere Teil des Zungenrückens ist aufgewölbt und bildet einen Verschluss mit dem
Gaumen. Die Verschlussstelle befindet sich je nach der Lautumgebung postpalatal oder velar
(vgl. A. 5.3.1).
Das Velum ist gesenkt, so dass der Phonationsstrom durch die Nase gleitet.
Die Stimmlippen schwingen.
98 Die Standardaussprache in Deutschland

Ausspracheregeln
c 97 [N] wird gesprochen für:
<ng> vor <i, u> in nicht akzentuierter Position, vor dem Schwa-Laut [«], vor dem Suffix
<-er> (gesprochen als [Œ] vgl. A. 5.5.8) und vor Konsonanten, z. B.
gängig [g"ENI]; Inge ["IN«]; Finger [f"INŒ];
englisch ["ENlIS], Ingwer ["INvŒ], Zingst [tsINst]
<ng> im Auslaut, z. B. Achtung ["axtUN], Gesang [g«z"aN], Gong [gON]
<n> vor <k, ks, x, qu>, z. B. Ankara ["aNkaåaÉ], Ränke [å"ENk«], Schrank [Så9aNk]; links
[lINks]; Sphinx [sfINks]; Delinquent [delINkv9"Ent]
<n> vor <g> und folgendem <a, o, u> in eingedeutschten Wörtern und Namen, z. B. Fango
[f"aNgoÉ], Mongole [mONg"oÉl«], Ungarn ["UNgan]
<n> im Präfix <kon-> in eingedeutschten Wörtern vor <g, k>, z. B. Kongress [kONgå"Es],
konkret [kONkå9"eÉt]

c 98 [N" ] (silbische Form) wird gesprochen für:


<n> bei Ausfall des Schwa-Lautes [«] im Suffix <-en> nach <g, k>, z. B. biegen [b"iÉg>],
Haken [h"aÉk>] (vgl. A. 5.4.10).

A. 6 Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache


6.1 Bedingungen und Erscheinungsformen phonostilistischer Differenzierungen

Es gehört zu den Kennzeichen der Standardaussprache, dass sie überregional und in unter-
schiedlichen sozialen Gruppen genutzt bzw. akzeptiert wird. Diese Verbreitung schließt den Ge-
brauch der Standardaussprache unter vielfältigen Bedingungen und damit in unterschiedlichen
Anwendungsgebieten ein, so in öffentlichen oder privaten Bereichen, in formellen und weniger
formellen Situationen, beim reproduzierenden oder beim freien Sprechen.
Die Standardaussprache wird jedoch in den verschiedenen Anwendungsbereichen nicht voll-
kommen gleich realisiert. Sie weist vielmehr jeweils charakteristische Varianten auf, die als pho-
nostilistische Differenzierungen bezeichnet werden und verschiedene Register charakterisie-
ren. Sie tragen zusammen mit standardsprachlichen Varianten in Lexik und Syntax zur
stilistischen Differenzierung von gesprochenen Texten bei.
Die phonostilistischen Differenzierungen umfassen Varianten der prosodischen Gestaltung
der Äußerung sowie, hiervon beeinflusst, unterschiedliche Grade der Artikulationspräzision:
Die Prosodie, und damit die rhythmische Struktur der Äußerung, variiert z. B. hinsichtlich
der Häufigkeit und Ausprägung der Akzentuierung sowie hinsichtlich der Sprechgeschwindig-
keit. Letztere kann eine relative Kontinuität aufweisen oder durch einen häufigen oder ausge-
prägten Wechsel, die sogenannte Geschwindigkeitsfluktuation, gekennzeichnet sein.
Der Gebrauch der prosodischen Mittel kann seinerseits die Artikulationsspannung beein-
flussen, indem z. B. eine erhöhte Sprechgeschwindigkeit in nicht akzentuierten Passagen die Ar-
tikulationsspannung vermindert und so eine geringere Artikulationspräzision zur Folge hat.
Auch ausgeprägte Akzentuierungen können in nachfolgenden Silben zu starken Verminderun-
gen der Sprechspannung (Relaxation) und damit zu einer geringeren Artikulationspräzision
führen. Umgekehrt begünstigt eine mehr langsame, rhythmisch gleichmäßigere Sprechweise die
Realisierung einer höheren Artikulationspräzision.
Verminderungen der Artikulationspräzision betreffen den Vokalismus und Konsonantis-
mus. Sie äußern sich in Lautschwächungen (Reduktionen), die bis zum Lautschwund (Elision)
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache 99

führen können und erstrecken sich besonders auf nicht akzentuierte und beschleunigte Silben,
Wörter oder Wortfolgen, sofern sich die erhöhte Sprechgeschwindigkeit mit einer verminderten
Sprechspannung verbindet. Auch Assimilationen tragen zur phonostilistischen Differenzierung
bei, indem der Grad ihrer Ausprägung und ihre Häufigkeit (abhängig von den prosodischen Ver-
änderungen) in den verschiedenen Anwendungsbereichen variieren.
Veränderungen der Artikulationspräzision können sich auf deutsche und fremde Wörter er-
strecken, weniger dagegen auf Namen, deren Aussprache meist eine hohe Artikulationspräzision
erfordert. Wird diese nicht realisiert, kann ihre Verständlichkeit beeinträchtigt sein, da sich ihre
Aussprache bei verminderter Artikulationspräzision nicht aus dem Kontext erschließen lässt.
Die Anwendungsbereiche der Standardaussprache sind weitgehend durch äußere situative
Bedingungen bzw. Merkmale gekennzeichnet, die allerdings nicht unmittelbar und obligat eine
bestimmte Sprechweise auslösen, sondern diese immer nur vermittelt über die inneren Bedin-
gungen des Sprechers beeinflussen. In Wechselwirkung vor allem mit seinem Wissen und seinem
Erfahrungsschatz sowie seiner aktuellen Befindlichkeit bewertet und interpretiert der Sprecher
die äußere Situation und entwickelt auf dieser Basis seine eigenen Intentionen, die er gemäß sei-
nem sprechkommunikativen Können realisiert.
Grundsätzlich begünstigt jedoch eine Reihe von Bedingungen eine jeweils stärkere Artikula-
tionspräzision. Hierzu gehören u. a.: Reproduzierendes Sprechen von standardsprachlichen
Sach- und literarischen Texten, Öffentlichkeit, Offizialität, formelle Situationen, Inszeniertheit
der situativen Bedingungen, geringer Bekanntheits- und Vertrautheitsgrad zwischen den Kom-
munikationspartnern sowie mit der Umgebungssituation, sachbetonte Mitteilung als kommu-
nikative Absicht des Sprechers, großer Hörerkreis, Sprechen ohne Mikrofon bei akustisch un-
günstigen Verhältnissen sowie allgemein pädagogische und sprechtherapeutische Situationen.
Angesichts der Vielzahl möglicher Anwendungsbereiche der Standardaussprache kann es bei
einer Aussprachekodifikation lediglich um Situationen und Sprechweisen gehen, für die die For-
mulierung von Empfehlungen sinnvoll ist. Das trifft auf Äußerungen in öffentlichen Situatio-
nen zu. Das Aussprachewörterbuch berücksichtigt daher ausschließlich die Sprechweise in öf-
fentlichen Situationen.
Obwohl die Artikulationspräzision beim Sprechen in der Öffentlichkeit tendenziell höher ist
als in privaten Situationen, gibt es dennoch auch beim öffentlichen Sprechen je nach den kon-
kreten kommunikativen Bedingungen unterschiedliche Grade in der Ausprägung von Sprech-
spannung und Artikulationspräzision.
Daher werden in diesem Wörterbuch unterschieden:
1. eine hohe bis mittlere Artikulationspräzision,
angewendet vor allem beim reproduzierenden Sprechen, z. B. beim Vorlesen von Nachrich-
tentexten in Funk und Fernsehen (vgl. A. 6.2.1);
2. eine sehr hohe Artikulationspräzision,
angewendet vor allem beim reproduzierenden Sprechen, z. B. beim feierlichen Vortrag (vgl.
A. 6.2.2);
3. eine verminderte Artikulationspräzision,
angewendet vor allem beim freien Sprechen, z. B. bei öffentlich geführten Gesprächen in
Funk und Fernsehen (vgl. A. 6.2.3).

Über die Berücksichtigung der phonostilistischen Merkmale in den verschiedenen Anwen-


dungsbereichen hinaus enthält das Kapitel eine tabellarische Zusammenstellung der wichtigsten
Aussprachetendenzen bei unterschiedlichen Graden der Artikulationspräzision (vgl. A. 6.2.4),
eine Übersicht über häufige schwache Formen (vgl. A. 6.2.5) sowie Hinweise zur Anwendung der
Standardaussprache im Gesang (vgl. A. 6.3). Die nicht zur Standardaussprache gehörende soge-
100 Die Standardaussprache in Deutschland

nannte Überlautung, wie sie z. B. beim Sprechen unter Lärmbedingungen oder auch beim Dik-
tieren im elementaren Deutschunterricht gelegentlich beobachtet werden kann, bleibt unbe-
rücksichtigt.
Die Beschreibung phonostilistischer Differenzierungen im Rahmen einer Aussprachekodifi-
kation ist notwendig, weil Verminderungen der Artikulationspräzision, d. h. auch eine Zunahme
assimilatorisch bedingter Lautreduktionen, nicht in allen Sprachen nach gleichen Gesetzmäßig-
keiten ablaufen. Sie sind daher für den Deutsch lernenden Ausländer ebenso wenig ohne Weite-
res erschließbar wie für Sprecher regional geprägter Umgangssprachen, und sie ergeben sich bei
nachlassender Sprechspannung auch nicht von selbst. Umgekehrt bereitet es z. B. der letztge-
nannten Sprechergruppe häufig Probleme, eine (angemessen) hohe Artikulationspräzision zu
realisieren, ohne zu unangebrachten Übertreibungen zu gelangen.

6.2 Phonostilistische Merkmale bei unterschiedlicher Sprechspannung


in verschiedenen öffentlichen Situationen

6.2.1 Standardaussprache mit hoher bis mittlerer Artikulationspräzision

Die in öffentlichen Situationen besonders häufig verwendeten und erwarteten Aussprachevari-


anten, die auf hoher bis mittlerer Sprechspannung beruhen, dienen als Grundlage für die vorlie-
gende Kodifizierung. Sie werden in Kapitel A. 5 ausführlich beschrieben, stellen die Bezugsebene
bei der Eindeutschung fremder Wörter und Namen dar (vgl. Kap. A. 7) und sind im Wörterver-
zeichnis transkribiert. Sie werden im Folgenden daher nicht im Einzelnen wiederholt.
Die hohe bis mittlere Sprechspannung und Artikulationspräzision, die diesen phonostilisti-
schen Bereich kennzeichnen, basieren auf einer zwar abwechslungsreichen rhythmischen Struk-
tur der Äußerungen, die indessen nicht die gleiche Variabilität wie beim freien Sprechen aufweist.
Auch wenn die Sprechgeschwindigkeit höher ist als z.B. beim feierlichen Vortrag, so kommen
doch kurzzeitige Beschleunigungen (Geschwindigkeitsfluktuationen) von Wörtern oder Wort-
gruppen, die zu ausgeprägten Lautreduktionen führen, wesentlich seltener vor als beim freien
Sprechen.
Eine hohe bis mittlere Artikulationspräzision findet sich z. B.
x beim Vorlesen von Nachrichtentexten und anderen Sachbeiträgen in Funk und Fernsehen
(sofern der Sender eine überregionale Akzeptanz anstrebt);
beim öffentlichen (auch beim nicht medienvermittelten) Vorlesen und Vortragen von über-
wiegend sachbezogenen standardsprachlichen Texten (z. B. wissenschaftliche und populär-
wissenschaftliche Vorträge);
x in der sprechkünstlerischen Kommunikation:
beim figurendarstellenden Sprechen des Schauspielers auf der Bühne, im Hörspiel, im Film,
bei der Synchronisation, im Bereich der Kleinkunst u. ä., sofern Textvorlage, räumliche Situa-
tion und gegebenenfalls Medienvermittlung sowie Vorgaben der Regie dies erfordern;
bei der Rezitation literarischer Texte, wenn diese z. B. inhaltlich, formal sowie situativ bedingt
keine sehr hohe Sprechspannung und Artikulationspräzision verlangen.

Aussprachevarianten, die aus hoher bis mittlerer Sprechspannung resultieren, sind jedoch auch
unter anderen Bedingungen möglich, so z.B. grundsätzlich beim feierlichen Vortrag (vgl. A. 6.2.2),
ebenso in öffentlichen Gesprächen (vgl. A. 6.2.3), aber auch im nicht öffentlichen privaten Be-
reich. Die Nutzung dieser vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten hängt dabei u. a. von der
sprachlich-kommunikativen Kompetenz der Kommunikationspartner, ihrer Situationsinterpre-
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache 101

tation sowie von der Intention des Sprechers und seinem Vertrautsein mit standardsprachlicher
Lautung ab.
Im Folgenden werden lediglich jene Merkmale benannt, die für eine hohe bis mittlere
Sprechspannung typisch sind, aber in Bereichen mit sehr hoher bzw. reduzierter Artikulations-
präzision hiervon abweichend vorkommen; auf detaillierte Regeln wird verwiesen.
x Der Glottisschlageinsatz der Vokale ist im absoluten Wortanlaut sowie im Silbenanlaut
nach Präfixen und an der Wortfuge von Komposita die charakteristische Einsatzart (vgl. A.
5.4.2.1).
Bei verminderter Sprechspannung kann sein Gebrauch seltener werden.
x Der Schwa-Laut [´] wird in den Endungen <-en, -em, -el> in bestimmten Positionen elidiert
(vgl. A. 5.4.10):
a) im Suffix <-en>: nach Plosiven, Frikativen (außer nach [å] und [J]) und nach dem Late-
ral; der nachfolgende Nasal wird silbisch gesprochen (außer nach dem Lateral), z. B. reden
[å"eÉdn`], rufen [å"uÉfn`]; fühlen [f"yÉln];
nach [p], [b], [k] und [g] wird der Nasal hinsichtlich der Artikulationsstelle an den vo-
rangehenden Plosiv assimiliert, z. B. Haken [h"aÉk>], Leben [l"eÉbË];
b) im Suffix <-em>: nach Plosiven und Frikativen (außer nach [å]); der nachfolgende Nasal
wird silbisch gesprochen, z. B. (von) höchstem (Nutzen) [h"PÉstË], (in) diesem (Haus)
[d"iÉzË];
c) im Suffix <-el>: nach Plosiven, Frikativen (außer nach [å]) und Nasal; der nachfolgende
Lateral wird silbisch gesprochen, z. B. Gabel [g"aÉb+], Löffel [l"{f+], Mangel [m"aN+].
Die Elision des Schwa-Lautes ist seltener beim langsamen Sprechen und sehr hoher Sprech-
spannung, sie nimmt dagegen bei reduzierter Artikulationspräzision zu.
x Vokale in nicht akzentuierten offenen Silben eingedeutschter Wörter werden kurz ge-
spannt gesprochen, z. B. Protest [på9ot"Est], Relevanz [åelev"ants].
Kurze ungespannte Realisationen, wie sie vor allem bei verminderter Sprechspannung vor-
kommen, sind seltener.
x Die Aspiration der Fortisplosive [p t k] erfolgt im Wort- und Silbenanlaut vor stark akzen-
tuiertem Vokal sowie im Wort- und Silbenauslaut nach stark akzentuiertem Vokal. Ausge-
nommen sind z. B. Fälle mit nasaler oder lateraler Verschlusslösung des Plosivs sowie die Po-
sition des Plosivs in speziellen Konsonantenverbindungen, z. B. Peter [pî"eÉtŒ], Wand [vantî],
aber ohne Aspiration (häufig verbunden mit einer Lenisierung des Plosivs): Ätna, Atlas,
Raps, Spiel, Stuhl. (Zu weitergehenden Reduktionen der Aspiration vgl. A. 5.5.2.1).
Bei Verminderung der Artikulationspräzision reduzieren sich Häufigkeit und Ausprägung
der Aspiration.
x Auslautverhärtung: Im Wort- und Silbenauslaut werden die Lenis-Laute [b d g v z Z] als For-
tis-Laute [p t k f s S] realisiert, ausgenommen, wenn folgendem Suffix ein <l, n> oder < r >
vorausgeht, z. B. glaubhaft [gl"aO8phaft], aber: Ebnung ["eÉbnUN]. (vgl. A. 5.5.2.3).
Lenisierungen wie bei reduzierter Artikulationspräzision kommen nicht vor.
x Bei einander folgenden inhomogenen Plosiven wird der vorletzte (gelegentlich auch alle
nicht letzten Plosive) meist total assimiliert; es erfolgt somit häufig nur mit dem letzten Plo-
siv eine Verschlusslösung, z. B. Marktplatz (vgl. A. 5.3.2).
Bei sehr hoher Sprechspannung werden demgegenüber die Plosive häufig separat artikuliert;
bei verminderter Artikulationspräzision nehmen dagegen die Assimilationen zu.
x Bei einander folgenden gleichen Konsonanten an Wortgrenzen in Komposita/Bindestrich-
wörtern und in Wortgruppen sowie an Silbengrenzen nach Präfixen wird nur eine Enge- bzw.
Verschlussbildung und eine Enge- bzw. Verschlusslösung realisiert, z. B. Schifffahrt [S"IÊ¥faÉt];
in Nizza [InÅn"ItsaÉ]; aussuchen ["aO8s¡z9uÉxn`], enttäuschen [Ent¥t"OÎSn`] (vgl. A. 5.5.2.4).
102 Die Standardaussprache in Deutschland

Abweichend von dieser Aussprache werden bei sehr hoher Artikulationspräzision die Laute
häufig auch voll realisiert.
x Beim Zusammentreffen von Plosiv und Nasal wird der Verschluss des Plosivs nasal und beim
Zusammentreffen von Plosiv und Lateral lateral gelöst, z. B. Ätna, Atlas.
Dazu gehören auch die Fälle, wenn nach Elision des Schwa-Lautes [«] in den Endungen <-en,
-em-, -el> der vorausgehende Plosiv mit Nasal oder Lateral zusammentrifft, z. B. bitten
[b"Itn`], Hegel [h"eÉg+].
Bei sehr hoher Artikulationspräzision kommen diese Assimilationen demgegenüber seltener
vor.
x Im absoluten Wortanlaut können die Lenis-Plosive [b d g] auch entstimmlicht vorkommen.
Bei sehr hoher Artikulationspräzision tritt diese Reduktion der Stimmhaftigkeit selten ein,
beim freien Sprechen demgegenüber häufiger.
x Die r-Laute werden in folgenden Varianten realisiert (vgl. A. 5.5.8):
a) r-Frikativlaute:
– prävokalisch, auch nach Plosiv und Frikativ, (r-Vibrationslaute kommen nur sehr sel-
ten vor), z. B. reden [å"eÉdn`], greifen [gå"aE8fn`];
– nach Kurzvokal (außer in unbetonten Affixen mit <er>) und nach langem a-Laut mit
reduzierter Geräuschkomponente, z. B. Herr [hE], wahr [vaÉ]
b) Vokalisierte Formen:
– in den Affixen <-er, er-, her-, ver-, zer-> für <er>, z. B. Vater [f"aÉtŒ], Versuch [fŒz"uÉx]
– nach langem Vokal (außer nach langem a-Laut), z. B. Kur [kuÉ?], Meer [meÉ?]
Abweichungen hiervon sind für die Aussprache bei sehr hoher, aber auch bei reduzierter
Artikulationspräzision typisch.

6.2.2 Standardaussprache mit sehr hoher Artikulationspräzision

Die sehr hohe Sprechspannung und Artikulationspräzision, wie sie vor allem beim reprodu-
zierenden Sprechen vorkommen kann, basiert meist auf einer allgemeinen Verlangsamung der
Sprechgeschwindigkeit, die auch nicht akzentuierte Äußerungsteile betrifft. Punktuelle Be-
schleunigungen von Wörtern oder Wortgruppen gibt es selten. Das Ergebnis ist eine rhyth-
misch relativ gleichmäßige Sprechweise, die eine tendenziell höhere Artikulationspräzision
begünstigt.
Eine sehr hohe Artikulationspräzision kann z. B. angemessen sein:
x beim feierlichen Vortrag, wenn es um einen vom Alltäglichen abgehobenen Gegenstand geht
und eine große Öffentlichkeit erreicht werden soll,
ebenso bei wissenschaftlichen Vorträgen vor großem Hörerkreis, vor allem, wenn sie in
einem festlichen Rahmen gehalten werden;
x in der sprechkünstlerischen Kommunikation:
beim Sprechen des Schauspielers auf der Bühne, z. B. in klassischen Stücken und besonders
bei versgebundenen Texten (außerdem abhängig von Regie und Raumverhältnissen);
bei der Rezitation von Lyrik, und zwar vor allem dann, wenn die Dichtungen einen getrage-
nen, bzw. der Erhabenheit einer poetischen Aussage entsprechenden Vortrag mit sehr hohem
Spannungsgrad verlangen. Selbst beim Vortrag nicht versgebundener literarischer Texte
kann eine sehr hohe Artikulationspräzision angebracht sein.
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache 103

Im Folgenden werden einige Beispiele mit sehr hoher Artikulationspräzision angeführt, wie
sie sich unter den genannten Bedingungen (anders als beim Sprechen mit hoher bis mittlerer
Artikulationspräzision (vgl. A. 6.2.1) oder anders als in öffentlichen Gesprächssituationen (vgl.
A. 6.2.3) ergeben können:
x Der Schwa-Laut [´] wird in den Endungen <-en, -em, -el> in sämtlichen Positionen, d. h.
auch nach Plosiven und Frikativen, häufig voll realisiert, z. B. bitten [b"It«n], rufen [R"uÉÊ«n],
teilen [t"aE8l«n], führen [f"yÉR«n], kennen [k"En«n]; großem [gR"oÉs«m]; Hegel [h"eg«l].
x Nasale bzw. laterale Verschlusslösung der Plosive vor den Endungen <-en, -em, el> ent-
fallen, wenn der Schwa-Laut erhalten bleibt; ebenso entfallen bei voller Realisation des
Schwa-Lautes Assimilationen des nachfolgenden Nasals hinsichtlich der Artikulations-
stelle an den Plosiv, z. B. leben [l"eÉb«n] (und nicht: [l"eÉbË]), Haken [h"aÉk«n] (und nicht:
[h"aÉk>]).
x Beim Zusammentreffen von Plosiv und Nasal wird der Verschluss des Plosivs häufig nicht
nasal und beim Zusammentreffen von Plosiv und Lateral häufig nicht lateral, sondern oral
gelöst, z. B. Ätna, Atlas.
x Einander folgende inhomogene Plosive werden häufig jeweils mit separater Implosions-,
Plosions- und Explosionsphase realisiert, z. B. Marktplatz. Eine zusätzliche Aspiration der
nicht letzten Plosive tritt jedoch nicht ein.
x Einander folgende gleiche Konsonanten an Wortgrenzen in Komposita/Bindestrichwörtern
und in Wortgruppen sowie an Silbengrenzen nach Präfixen werden bei sehr langsamer
Sprechweise häufig voll realisiert, z. B. Hauttyp [h"aO8ttyÉp], Kaufvertrag [k"aO8ffERtRaÉk], am
Mittag [am m"ItaÉk], viel lesen [fiÉl l"eÉz«n], annehmen ["anneÉm«n].
x Die Stimmhaftigkeit der Lenes [b d g] bleibt im absoluten Anlaut meist erhalten. (Nach
stimmlosem Konsonanten wird jedoch die progressive Stimmlosigkeitsassimilation, wie für
alle anderen phonostilistischen Bereiche der Standardaussprache, wirksam, z. B. begehren
[b«g"eÉå«n], aber: heiß begehren [h"aE8s b9«geÉå«n]).
x r-Laute: Neben dem Reibe-R [å] sowie neben vokalisierten Formen kommen vermehrt auch
die r-Vibrationslaute [r] und [R] vor, und zwar von diesen besonders das Zäpfchen-R [R]. Das
betrifft folgende Positionen:
a) prävokalisch, z. B. raten [R"aÉt«n], bringen [bR"IN«n], führen [f"yÉR«n];
b) postvokalisch nach kurzem Vokal, z. B. Wort [vORt];
c) in den nicht akzentuierten Präfixen <er-, her-, ver-, zer->, z. B. erleben [ERl"eÉb«n];
d) nach langem a-Laut, z. B. klar [klaÉR].
Die Vokalisierung bleibt demgegenüber nach langem Vokal (außer nach [aÉ]) meist erhal-
ten, z. B. Chor [koÉ?]. Dies trifft auch auf <er> in den nicht akzentuierten Suffixen zu, z. B. Mutter
[m"UtŒ], wandern [v"andŒn].

6.2.3 Standardaussprache mit verminderter Artikulationspräzision

Eine verminderte Artikulationspräzision, wie sie vor allem beim freien Sprechen (ohne ausfor-
mulierte oder memorierte Textvorlage) vorkommt, ist meist an eine rhythmisch stärker bewegte
Sprechweise als z. B. beim Vorlesen von Sachtexten gebunden. Die Sprechweise ist tendenziell ab-
wechslungsreicher, und die prosodischen Mittel werden häufig relativ kontrastreich eingesetzt.
Akzentuierung und Gliederung durch Pausen üben neben syntaktischen vermehrt auch expres-
sive Funktionen aus, und die Sprechgeschwindigkeit unterliegt oftmals starken Schwankungen,
d. h. die Geschwindigkeitsfluktuation ist erhöht. Diese Gegebenheiten wirken sich auch auf die
Artikulationsspannung aus, die ebenfalls größeren Schwankungen ausgesetzt sein und z. B. nach
104 Die Standardaussprache in Deutschland

besonders starken Akzentuierungen auch stark abfallen kann. Die Folge ist eine Zunahme der
Lautschwächungen in diesen Positionen.
Dies betrifft im Allgemeinen nicht die semantisch wichtigen Äußerungsteile, sondern vor
allem nicht akzentuierte Passagen, die bei deutlich verminderter Artikulationsspannung oft
besonders schnell gesprochen werden. Solche Formen mit hoher Sprechgeschwindigkeit und
starken Lautreduktionen kommen vor allem in Wörtern vor, die keine selbstständige, kontext-
unabhängige lexikalische Bedeutung besitzen (Synsemantika) und in der Regel nicht akzentuiert
sind. Dazu zählen z. B. Artikel, Konjunktionen, Präpositionen, Personalpronomen, Hilfs- und
Modalverben. Demgegenüber sind Äußerungsteile mit einer langsameren und ausgeglicheneren
Sprechgeschwindigkeit meist durch eine geringere Ausprägung der Lautreduktionen gekenn-
zeichnet.
Es kann sich jedoch auch darum handeln, dass die zunehmenden Lautschwächungen nicht
auf besonders schnell gesprochene Äußerungsteile mit verminderter Artikulationsspannung
beschränkt bleiben, sondern ebenfalls in langsamer gesprochenen Wörtern oder Wortgruppen
beim freien Sprechen verwendet werden. Desgleichen finden sie sich auch beim Vorlesen von
Sachtexten. Schließlich können umgekehrt beim freien Sprechen eine hohe Sprechspannung
und damit auch nicht reduzierte Formen vorkommen. Da eine hohe Sprechspannung jedoch für
diese stilistische Ebene untypisch ist, werden Beispiele mit hoher Artikulationspräzision im Fol-
genden nicht gesondert angeführt.
Auf folgende Anwendungsbereiche sei verwiesen:
x Eine verminderte Artikulationspräzision findet sich u. a. in öffentlich geführten Gesprächen,
z. B. in ausgewählten, von Funk oder Fernsehen übertragenen Talkshows.
In solchen Gesprächsrunden können zusätzliche Differenzierungen der Artikulationsspan-
nung davon abhängen, inwieweit die Äußerungen offizieller oder nicht offizieller Art sind, ob
es sich – je nach Intention des Sprechers – um sachbetontes Informieren bzw. Diskutieren
handelt oder ob neben einer meinungsbildenden auch eine deutliche phatische und eine
Unterhaltungsfunktion im Vordergrund stehen. In jedem Fall handelt es sich jedoch in erster
Linie um direkte Kommunikation, indem sich der jeweilige Sprecher unmittelbar auf die
konkret anwesende Hörergruppe und deren Reaktionen (und weniger auf ein Massenpubli-
kum) einstellt. Aber: Die mediale Vermittlung der Gespräche, die die Rezeption durch eine
große Hörerschaft ermöglicht, kann, sofern sie dem Sprecher bewusst ist und er eine über-
regionale Akzeptanz anstrebt, dem Gebrauch einer mehr lässigen Gesprächsstufe entgegen-
wirken, ebenso die Tatsache, dass in den öffentlichen, medienvermittelten Gesprächen die
Kommunikationspartner zwar einander bekannt, aber in der Regel nicht miteinander ver-
traut sind.
x Eine verminderte Artikulationspräzision findet sich u. a. auch in der Sprechweise des Schau-
spielers, wenn dieser in seinem Spiel Figuren in Dialogsituationen darstellt. Dies trifft (wegen
des vorwiegend intimen Rahmens und der dazwischen geschalteten elektronischen Medien)
vor allem auf die Sprechweise im Film, bei der Synchronisation und im Hörspiel zu. Auch in
Bereichen der Kleinkunst, z. B. im Kabarett, kann eine reduzierte Artikulationspräzision an-
gemessen sein. Ebenso können auf der Bühne im größeren Theatersaal Textvorlage und Regie
den Gebrauch einer verminderten Artikulationspräzision erfordern, wobei jedoch stets die
Verständlichkeit gewährleistet sein muss. (Dass der Schauspieler darüber hinaus auch vor der
Aufgabe stehen kann, bei entsprechenden Texten gezielt Umgangssprache oder Mundart zu
realisieren, bleibt unbenommen).

Eine besonders geringe Artikulationsspannung ist ebenfalls z. B. bei nicht öffentlichen, inoffi-
ziellen und informellen Gesprächen zwischen miteinander vertrauten Kommunikationspart-
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache 105

nern im Alltags- und Privatbereich gebräuchlich. Diese stilistische Ebene, die verstärkt fließende
Übergänge zu regionalen Umgangssprachen sowie zu Sozio- und Idiolekten zeigt, wird in diesem
Aussprachewörterbuch jedoch nicht berücksichtigt.
Die nachstehend benannten, ausgewählten Varianten beschreiben demgegenüber Tenden-
zen, welche sich in öffentlich geführten Gesprächen beim Gebrauch der Standardaussprache be-
obachten lassen. Sie haben exemplarischen Charakter und kommen meist nicht alle gleichzeitig
vor.
Es ist davon auszugehen, dass in den öffentlichen Gesprächen alle Assimilationen und Laut-
schwächungen wirksam sind, wie sie bereits für das Vorlesen von Sachtexten beschrieben wurden
(vgl. A. 5.3 sowie A. 6.2.1). Sie werden im Folgenden daher nicht detailliert wiederholt. Es geht
vielmehr nur um zusätzliche Lautschwächungen, die für das freie Sprechen in den ausgewählten
Gesprächssituationen charakteristisch sind. Auf regional, sozial oder idiolektal bedingte Aus-
spracheformen, die nicht der Standardaussprache zugehören, aber im Kontext von Standardaus-
sprache vorkommen können, wird nicht verwiesen.
Im Einzelnen lassen sich für diesen phonostilistischen Bereich folgende Tendenzen beobachten:

6.2.3.1 Vokalismus

Im Vokalismus kann eine verminderte Artikulationsspannung zu einer Verringerung der Vokal-


länge führen, sodann über qualitative Veränderungen (gespannte Vokale werden ungespannt rea-
lisiert) bis zum Lautschwund. Die Lautschwächungen im Vokalismus sind insgesamt weniger aus-
geprägt als im Konsonantismus. Eine Ausnahme bildet der Schwa-Laut [«], der von der Reduktion
stark betroffen ist.
x Der Gebrauch des Glottisschlageinsatzes kann bei stark verminderter Sprechspannung vor
allem in sehr schnell gesprochenen Wortgruppen und in nicht akzentuierter Position in sei-
ner Häufigkeit abnehmen.
x Die Kürzung der Vokallänge bei langen gespannten Vokalen und die Veränderung der
Vokalqualität durch Reduktion der Spannung (gespannt f ungespannt) erfolgen im We-
sentlichen in nicht akzentuierten Positionen, besonders bei Synsemantika, z. B. (er ruft) den
(Vater) [d9eÉn] f [d9en], (wir gehen auf) die (Straße) [d9iÉ] f [d9i]; damit [daÉm"It] f [dam"It],
sowohl [zoÉv"oÉl] f [zov"oÉl], zufrieden [tsuÉfå9"iÉdn`] f [tsufå9"iÉdn`] f [tsUfå9"iÉdn`].
Ist die Veränderung der Vokalqualität mit einer Zentralisierung des Vokals verbunden, bei
der sich die Artikulation in Richtung [«] verschiebt, so handelt es sich oftmals um ein Merk-
mal der mehr lässigen Form des Gesprächs in nicht öffentlichen Situationen, z. B. (bist) du
(gesund) [d9uÉ] f [d9«], (wie heißt) sie [z9iÉ] f [z9«]. In anderen Synsemantika kann die Reduk-
tion zum [«] jedoch auch zu öffentlich geführten, mehr formellen Gesprächen gehören, z. B.
(nach) dem (Essen) [d9eÉm] f [d9em] f [d9«m], und [Unt] f [Un] f [«n] (f [n]).
x [e…] f [E] vor vokalisiertem r-Laut kommt nur in nicht akzentuierten Positionen und in
Synsemantika vor, z. B. (auf) der (Straße) [d9eÉ?] f [d9e?] f [d9E?]. In anderen Fällen wird die
Aussprache [eÉ] meistens beibehalten, z. B. Meer [meÉ?], Wert [veÉ?t].
Grundsätzlich gibt es jedoch zwischen [eÉ] und [EÉ] – wie auch beim reproduzierenden Spre-
chen – einen breiten Übergangsbereich, in dem sich beide Vokalqualitäten einander an-
nähern. Dies betrifft auch die Aussprache von langem <ä> vor vokalisiertem r-Laut, z. B.
Märchen [m"E6É?«n], wobei das [EÉ] nicht vollkommen ungespannt gesprochen wird, sondern
sich an [eÉ] annähert.
x Der Schwa-Laut [´] in den Suffixen <-en, -em, -el> wird, anders als beim reproduzieren-
den Sprechen, in allen Positionen (ausgenommen die Diminutivendung <-chen>) nahezu
106 Die Standardaussprache in Deutschland

grundsätzlich elidiert, so auch nach Vokalen, Nasalen und [å], z. B. bauen [b9aO8n], kommen
[kOm], können [k{n] (mit Totalassimilation des auslautenden Nasals und ggf. Dehnung des
[m] bzw. des vorangehenden [n]), hören [hPÉ?n].
Nach Plosiven nehmen bei Elision des Schwa-Lautes die Reduktions- und Assimilationspro-
zesse im Vergleich zum reproduzierenden Sprechen tendenziell weiter zu.
x Der unsilbische i-Laut [i]8 in eingedeutschten Wörtern wird häufig frikatisiert, z. B. Filiale
[filC"aÉl«] f [filJ"aÉl«] und (mit kurzem ungespannten i-Laut): [fIlJ"aÉl«], (das) Gremium
[g(å"eÉmCUm] f [g(å"eÉmJUm], kurios [kuåC"oÉs] f [kuåJ"oÉs].
x Kurze gespannte Vokale in nicht akzentuierten offenen Silben eingedeutschter Wörter
werden häufig kurz ungespannt gesprochen:
– in eingedeutschten Wörtern aus dem Griechischen bzw. Lateinischen, z. B. Physiker
[f"yÉzikŒ] f [f"yÉzIkŒ], reflektieren [åeflEkt"iÉå«n] f [åEflEkt"iÉ?n]. Diese ungespannten
Vokalqualitäten kommen am seltensten bei /o/ vor. Sie sind primär vom Eindeutschungs-
grad bzw. der Gebrauchshäufigkeit des fremden Wortes abhängig und daher vielfach in
bestimmten Einzelwörtern verbreitet.
– Auch eine Reduktion bis zum Schwa-Laut [«] ist in Einzelwörtern (teilweise auch bereits
beim Vorlesen von Sachtexten mit mittlerem Spannungsgrad) gebräuchlich, z. B. Mathe-
matik [matemat"iÉk] f [mat«mat"Ik].

Kurze ungespannte Vokale werden im öffentlich geführten Gespräch im Allgemeinen nicht


reduziert. Ebenso zeigt die Aussprache der Diphthonge keine Unterschiede zu der beim Vorlesen
von Sachtexten. (Monophthongierungen z. B. von [aE8] f [eÉ] sind regional bedingt und gehören
nicht zur Standardaussprache).

6.2.3.2 Konsonantismus

Im Konsonantismus kann eine geringere Artikulationsspannung zu einer Vielzahl von Laut-


reduktionen führen. Sie werden in stärkeren Lautassimilationen bis hin zu Totalassimilationen
deutlich sowie in Lenisierungen, Phonisierungen, Frikatisierungen, Reduktionen der Stimmhaf-
tigkeit und in Elisionen. Die einzelnen Laute oder Lautklassen sind hiervon jedoch in unter-
schiedlicher Art und Häufigkeit betroffen:

a) Plosive
Die Plosive unterliegen Reduktionsprozessen besonders häufig.
Bei den Fortis-Plosiven [p t k] geht es aufgrund nachlassenden Aspirationsdruckes und Minde-
rung der Artikulationsspannung vor allem um folgende Reduktionen:
x Reduzierung der Aspiration,
x Lenisierungen (sie treten am häufigsten bei [t] und [p] auf, der Gebrauch der stimmlosen
Lenes [d9] und [b9] nimmt damit zu; besonders bei [t] können die Lenisierungen auch bis zu
Phonisierungen führen: [t] f [d]),
x Zunahme von Totalassimilationen bzw. Elisionen.
Bei den Lenis-Plosiven [b d g] handelt es sich vorrangig um
x Frikatisierungen,
x die Zunahme von Totalassimilationen,
x die Reduktion der Stimmhaftigkeit.
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache 107

Im Einzelnen sind (verglichen mit dem Vorlesen von Sachtexten) u. a. folgende Realisationen ge-
bräuchlich bzw. als Tendenz erkennbar:
x Die Aspiration der Fortis-Plosive wird, besonders bei [t] und [p], in ihrer Ausprägung wei-
tergehend reduziert.
x Die Auslautverhärtung, die z. B. bei der Realisation von <b, d, g> im Wort- und Silben-
auslaut eintritt (außer wenn folgendem Suffix ein <l, n> oder <r> vorausgeht), wird
durch Verminderung der Artikulationsspannung weniger deutlich realisiert (Lenisierung),
z. B. Stab [StaÉp] f [Sd9aÉb9], Weg [veÉk] f [veÉg(]; möglich [m"PÉklI] f [m"PÉg(lI], wirklich
[v"IåklI] f [v"Iåg(lI].
x Weitere Lenisierungen (Fortis-Plosive werden zu stimmlosen Lenis-Plosiven) sind:
– [p] und [t] im Anlaut von Ableitungen, z. B. Lappen [l"apË] f [l"ab9Ë], hatten [h"atn`]
f [h"ad9n`];
– [t] vor <-e, -en, -er> nach Frikativ, vor allem nach [s] und [S], z. B. erste ["eÉ?st«]
f ["eÉ?sd9«], (sie) wischten [v"IStn`] f [v"ISd9n`];
bei sehr hoher Sprechgeschwindigkeit und weiterer Minderung der Sprechspannung
kann diese Lenisierung bis zu einer leichten Phonisierung führen, z. B. ["eÉ?sd«]. Lenisie-
rung und Phonisierung des Plosivs gehen dabei mit einer Verminderung des Reibe-
geräuschs beim vorangehenden Frikativ einher;
– [p] und [t] im Anlaut nach [S], z. B. Spinne [Sp"In«] f [Sb9"In«], Stuhl [StuÉl] f [Sd9uÉl];
– [p] und [k] vor Frikativen, besonders vor <s>, z. B. (du) lobst [loÉpst] f [loÉb9st]; (du)
fliegst [fliÉkst] f [fliÉg(st].
x Die nasale Verschlusslösung der Fortis- und Lenis-Plosive vor den Suffixen <-en> und
<-em> sowie die laterale Verschlusslösung vor <-el> werden (bei Elision des Schwa-Lautes)
noch konsequenter als beim reproduzierendem Sprechen mit mittlerem Spannungsgrad rea-
lisiert, z. B. häufig auch in der Endung <-igen>: [Ig«n] f [Ig>]. Die Reduktion kann in diesen
Fällen sogar bis zur Frikatisierung führen.
Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen die nasale Verschlusslösung, besonders der Lenis-Plo-
sive, vollständig unterbleibt und eine Totalassimilation eintritt: Implosions- und Plosions-
phase werden artikuliert, die Verschlusslösung (Explosionsphase) vollzieht sich jedoch
erst mit dem folgenden Laut: Die Totalassimilation der Lenis-Plosive [b d g] findet sich vor
allem bei einigen Synsemantika. Bei besonders häufigen Wörtern (z. B. haben) ist sie mit
einer Kürzung des vorangehenden akzentuierten Vokals verbunden, z. B. haben [h"aÉbË]
f [haÉm] f [ham], werden [v"eÉ?dn`] f [veÉ?n]. Dies betrifft auch die Position vor <-em>,
z. B. halbem [h"albË] f [halm].
x Die Verschlusslösung unterbleibt im ersten von zwei aufeinander folgenden inhomogenen
Plosiven noch häufiger als beim Vorlesen von Sachtexten, die einen mittleren Spannungs-
grad erfordern, z. B. Akt, Haupt, (er) lobt.
Bei drei aufeinander folgenden inhomogenen Plosiven können der erste und auch der zweite
vollständig assimiliert sein, z. B. Hauptkasse, Objektkunst.
Implosions- und Plosionsphase der nicht letzten Plosive werden artikuliert, indem sich die
Artikulationsstelle verschiebt, die Verschlusslösung erfolgt jedoch nur einmal, und zwar mit
dem letzten Plosiv. Die Verschlussphase kann verlängert sein.
(Folgen gleiche Plosive (und auch andere gleiche Konsonanten) an Wortgrenzen in Kompo-
sita und in Wortgruppen sowie nach Präfixen aufeinander, dann deckt sich die Aussprache
mit der beim Vorlesen von Sachtexten mit mittlerem Spannungsgrad, vgl. A. 5.5.2.4).
x Totalassimilation von [p t k] vor Frikativen und Plosiven, insbesondere nach <l> und nach
Nasalen, sind häufig, z. B. dringen(d)st, en(t)scheiden, lin(k)s, Sum(p)f, zerlum(p)t, (du) er-
häl(t)st.
108 Die Standardaussprache in Deutschland

x Die Lautverbindung [p] + [f] wird im absoluten Anlaut meist zu [f] reduziert, z. B. Pfeil
[pfaE8l] f [faE8l].
x Elision von [t] im Auslaut von Synsemantika ist sehr häufig, z. B. ist [Is], nicht [nI], jetzt
[jEts], und [Un].
x Frikatisierungen betreffen meist nur Lenis-Plosive in intervokalischer Position sowie zwischen
Vokal und Lateral. Sie sind besonders häufig bei [b] und bleiben im Wesentlichen auf sehr
schnell gesprochene Wörter beschränkt, z.B. (ich) habe [h"aÉB«], (ein) halbes (Stück) [h"alB«s].
Frikatisierungen von [g] finden sich in öffentlichen Gesprächen höchstens in Einzelwörtern,
z. B. in der Endung <-ige(n)> damalige [d"aÉmaÉlIg«] f [d"aÉmaÉlIV«] f [d"aÉmaÉlV«]. (For-
men wie (ich) lege [l"eÉV«] sind dagegen Indiz für eine mehr lässige Sprechweise im nicht
öffentlichen Alltagsbereich).
Unabhängig hiervon sind Frikatisierungen von Lenis-Plosiven insbesondere bei der Realisa-
tion der Synsemantika häufig, z. B. aber ["aÉBŒ] und mit verkürztem Akzentvokal: ["aBŒ].
x Entstimmlichungen von [b d g] im absoluten Wortanlaut, auch vor <l, n, r>, nehmen zu,
z. B. Beet [b9eÉt], dumm [d9Um], Gleis [g(laE8s], Gnu [g(nuÉ], Brett [b9åEt].

b) Frikative
Die Frikative unterliegen Reduktionsprozessen nicht so stark wie die Plosive.
Folgende Tendenzen sind zu erkennen:
x Lenisierung:
– Das Reibegeräusch vermindert sich bei [], [x] und [f], besonders vor [S] und [z], z. B.
sich schonen; Buchseite; aufschauen.
– [z] wird im absoluten Wortanlaut (nach Pause) vor Vokal häufiger als beim reproduzie-
renden Sprechen als stimmloser Lenis-Frikativ realisiert, z. B. sagen [z"aÉg>] f [z9"aÉg>].
x Elision/Totalassimilation: Der Fortis-Frikativ [s] wird in Komposita im Wort- und Sil-
benauslaut vor [S] meistens elidiert bzw. total assimiliert, z. B. Tagesschau [t"aÉg«sSaO8] f
[t"aÉg«SaO8] oder [t"aÉg«S¡SaO8].

c) r-Laute
Die Reduktion der r-Laute zeigt sich bei Abnahme der Artikulationsspannung in einer Vermin-
derung des Reibegeräusches beim [å] sowie in der Zunahme von Vokalisierungen und Total-
assimilationen. Gleichzeitig geht der Gebrauch der r-Vibrationslaute noch weiter zurück. Die
Reduktion der r-Laute bezieht sich auf folgende Positionen:

Prävokalische Position:
x Im Wort- und Silbenanlaut (auch nach Plosiv oder Frikativ), z. B. raten, Brot, schreiben, wird
der r-Frikativlaut oft mit reduziertem Reibegeräusch gesprochen.
x Im Silbenanlaut von nicht akzentuierten Endungen, wie z. B. <-rem> und <-ren>, wird der
r-Frikativlaut meist vokalisch assimiliert, z. B. (bei Schwa-Elision) hören [hPÉ?n].

Postvokalische Position:
x Nach Kurzvokal (ausgenommen die nicht akzentuierten Affixe <-er, er-, her-, ver-, zer->)
liegt meistens, und zwar im höheren Maße als beim reproduzierenden Sprechen mit mittle-
rem Spannungsgrad, Totalassimilation des r-Lautes vor, daneben gibt es auch Vokalisierun-
gen. R-Frikativlaute kommen nur noch sehr selten vor. Bei Totalassimilationen ist der voran-
gehende Vokal gelängt, z. B. Wort [vOt] f [vO?t] f [vOÉt].
x Nach langem a-Laut besteht die Tendenz, den r-Laut zu elidieren; r-Frikativlaute spielen
keine Rolle mehr, z. B. Paar [paÉ] f [paÉ].
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache 109

d) Nasal [n]
Von den Nasalen [m], [n] und [N] ist im Wesentlichen nur [n] von Reduktionsprozessen be-
troffen:
x Die Assimilationen von [n] hinsichtlich der Artikulationsstelle an die vorangehenden Plo-
sive [p] [b] [k] und [g] besitzen unter phonostilistischem Aspekt nur insofern Bedeutung, als
sie durch den häufigen Ausfall des Schwa-Lautes im Suffix <-en> beim freien Sprechen eben-
falls häufig vertreten sind, z. B. Lappen [l"apË], legen [l"eÉg>].
x Totalassimilationen können vor allem im Wort- und Silbenauslaut vor folgendem Nasal auf-
treten, z. B. einmal ["aE8nmaÉl] f ["aE8ma], wenn man [v"En man] f [v"Eman].
x Assimilation des [n] an folgendes [f], z. B. fünf [fYnf] f [fYmf], ist selten und verweist eher
auf eine mehr lässige Sprechweise in nicht öffentlichen Alltagssituationen.

e) Lateral [l]
Reduktionserscheinungen beim [l] äußern sich in Elisionen bzw. Totalassimilationen. Sie be-
treffen besonders den Wort- und Silbenauslaut in häufig gebrauchten, sehr schnell gesprochenen
Silben oder Wörtern, z. B. mal [maÉl] f [maÉ] f [ma] (auch in Komposita, z. B. in Zahlwörtern);
also ["alzoÉ] f ["azo] (bei gleichzeitiger Kürzung des auslautenden Vokals).
6.2.4 Ausgewählte Aussprachetendenzen bei verschiedenen Graden der Artikulationspräzision (Übersicht)
110

Merkmale Sehr hohe Artikulationspräzision Hohe bis mittlere Reduzierte


(detaillierte Angaben vgl. A.6.2.2) Artikulationspräzision Artikulationspräzision
(detaillierte Angaben vgl. A. 6.2.1) (detaillierte Angaben vgl. A. 6.2.3)

Vokalismus:

Glottisschlag große Häufigkeit vor Vokal im Stamm- und Präfixanlaut Verringerte Häufigkeit

Quantität meist lange gespannte Vokale in Synsemantika, nicht akzentuiert auch in meist Kürzung der Vokallänge,
und Qualität Zusammensetzungen, Veränderung der Vokalqualität
z. B. ihm [iÉm], die [diÉ], da [daÉ], damit [daÉm"It], zu [tsuÉ], zurück (gespannt f ungespannt) bes. bei
[tsuÉå"Yk], Synsemantika sowie im Wortaus-
Die Standardaussprache in Deutschland

laut, z. B. ihm [iÉm] f [im] f [Im],


die [diÉ] f [di] f [dI], da [daÉ] f
[da], damit [daÉm"It] f [dam"It],
zu [tsuÉ] f [tsu] f [tsU], zurück
[tsuÉå"Yk] f [tsuå"Yk] f [tsUå"Yk]

Schwa-Laut [´] in den meist keine Elision, z. B. lesen meist Elision nach Plosiven, Frika- Elision nahezu in allen Positionen,
Endungen <-en>, [l"eÉz«n], bieten [b"iÉt«n] tiven (außer nach [å], [J]) und La- auch nach Vokal, Nasal und r-Laut,
<-em>, <-el> teral, z. B. bieten [b"iÉtn`], lesen z. B. bauen [b"aO8«n] f [baO8n],
[l"eÉzn`], fühlen [f"yÉln], kommen [k"Om«n] f [kOmÉ] f
keine Elision nach Vokal, Nasal, [å] [kOm], hören [h"PÉå«n] f [hPÉ?n]
und [J], z. B. bauen [baO8«n], kom-
men [k"Om«n], hören [h"PÉå«n],
ausbojen ["aO8sb9oÉJ«n]

Unsilbischer i-Laut Laut wird meist realisiert, z. B. Filiale [filC"aÉl«] meist Frikatisierung,
in eingedeutschten z. B. Filiale [filJ"aÉl«]
Wörtern
Merkmale Sehr hohe Artikulationspräzision Hohe bis mittlere Reduzierte
(detaillierte Angaben vgl. A.6.2.2) Artikulationspräzision Artikulationspräzision
(detaillierte Angaben vgl. A. 6.2.1) (detaillierte Angaben vgl. A. 6.2.3)

Vokale in nicht meist kurz gespannt, z. B. Physiker [f"yÉzikŒ] häufig kurz ungespannt,
akzentuierten offenen z. B. Physiker [f"yÉzIkŒ]
Silben eingedeutschter
Wörter

Konsonantismus:

Auslautverhärtung Auslautverhärtung von [b d g v z Z] im Wort- und Silbenauslaut häufig Lenisierung: (besonders


(außer wenn folgendem Suffix ein <l, n> oder <r> vorausgeht), von [p t k]) z. B. Lob [loÉp] f [loÉb9],
z. B. Lob [loÉp], (er) lebt [leÉpt]; Land [lant]; Tag [taÉk]; (er) lebt [leÉpt] f [leÉb9t],
aktiv [akt"iÊ]; (er) liest [liÉst]; Rouge [åuÉS] Land [lant] f [land9], Tag [taÉk] f
[taÉg(]

Aspiration vor bzw. nach stark akzentuiertem Vokal [p] [t] [k] meist aspiriert Häufigkeit und Ausprägung der
der Fortis-Plosive Aspiration nehmen ab

[p] [t] [k] im Inlaut meist Realisation als Fortis-Plosive, meist Lenisierung: Fortis-Plosive
z. B. Suppe [z"Up«], Watte [v"at«] f stimmlose Lenis-Plosive:
erste ["eÉ?st«], Spinne [Sp"In«], Stuhl [StuÉl], z. B. Suppe [z"Up«] f [z"Ub9«],
links [lINks], Sumpf [zUmpf] Watte [v"at«] f [v"ad9«], erste
["eÉ?st«] f ["eÉ?sd9«], Spinne [Sp"In«]
f [Sb9"In«], Stuhl [StuÉl] f [Sd9uÉl]

Totalassimilation: z. B. links
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache

[lINks] f [lINs], Sumpf [zUmpf] f


[zUmf]
111
112

Merkmale Sehr hohe Artikulationspräzision Hohe bis mittlere Reduzierte


(detaillierte Angaben vgl. A.6.2.2) Artikulationspräzision Artikulationspräzision
(detaillierte Angaben vgl. A. 6.2.1) (detaillierte Angaben vgl. A. 6.2.3)

Verschlusslösung meist orale Verschlusslösung, da meist nasale bzw. laterale Ver- wie bei hoher bis mittlerer Artiku-
der Plosive u. a. vor den keine Schwa-Elision, z. B. leben schlusslösung infolge Schwa-Eli- lationspräzision,
Endungen [l"eÉb«n], Handel [h"and«l] sion bei Assimilation des Nasals an
<-en, -em, -el> den vorangehenden Plosiv, z. B. le- in besonders häufigen Wörtern
ben [l"eÉbË]; Handel [h"and+] meist Frikatisierung und Totalassi-
milation der Lenisplosive, z. B. aber
["aÉbŒ] f ["aÉBŒ] f ["aBŒ]; haben
[h"aÉbË] f [haÉm] f [ham] (mit
Verkürzung des Vokals)
Die Standardaussprache in Deutschland

[t] im Auslaut von meist realisiert, z. B. ist [Ist], nicht meist wie bei sehr hoher Artikula- meist Elision von [t] im Auslaut,
Synsemantika [nIt], und [Unt] tionspräzision z. B. f [Is], [nI], [Un]

aufeinander häufig separate Verschlusslösung Verschlusslösung häufig nur beim Verschlusslösung meist nur beim
folgende inhomogene eines jeden Plosivs letzten Plosiv, z. B. Marktplatz letzten Plosiv
Plosive

aufeinander folgende häufig volle Realisation der zusam- meist nur eine Enge- bzw. Ver- wie bei hoher bis mittlerer
gleiche Konsonanten mentreffenden Konsonanten, z. B. schlussbildung und nur eine Artikulationspräzision
an Wort- sowie an Musikkultur [muz"iÉkkUlt®uÉ?] am Enge- bzw. Verschlusslösung,
Silbengrenzen nach Morgen [am m"ORg«n] auffinden z. B. Musikkultur [muz"iÉk¥kUlt®uÉ?],
Präfixen ["aO8ffInd«n] am Morgen [am ¥ m"Og>] auffinden
["aO8f¥fIndn`]

[s] vor [S] in meist Realisation beider Laute, z. B. Tagesschau [t"aÉg«sSaO8] meist Elision des [s]: f [t"aÉg«SaO8]
Komposita
Merkmale Sehr hohe Artikulationspräzision Hohe bis mittlere Reduzierte
(detaillierte Angaben vgl. A.6.2.2) Artikulationspräzision Artikulationspräzision
(detaillierte Angaben vgl. A. 6.2.1) (detaillierte Angaben vgl. A. 6.2.3)

r-Laute häufig r-Vibrationslaute meist r-Frikativ [å]: r-Frikativ:


(meist [R]): prävokalisch, nach Kurzvokal und prävokalisch (wie bei hoher bis
prävokalisch, nach Kurzvokal und nach [aÉ], z. B. reden [å"eÉdn`], Wort mittlerer Artikulationspräzision),
nach [aÉ], z. B. reden [R"eÉd«n], [vOt], Paar [paÉ] z. B. reden [å"eÉdn`];
Wort [vORt], Paar [paÉR]
Vokalisierung: vokalisiert, total assimiliert oder
in den nicht akzentuierten Präfixen nach Langvokal (außer nach [aÉ]), elidiert:
<er-, her-, ver-, zer-> + [E], z. B. z. B. Chor [koÉ?]; in Affixen mit im Silbenanlaut von Endungen:
verhören [fERh"PÉR«n] <er>, z. B. verhören [fŒh"PÉå«n] meist vokalisch assimiliert, z. B.
<-ren>: hören [h"PÉå«n] f [hPÉ?n];
Vokalisierung:
häufig nach Langvokal nach Kurzvokal:
(außer nach [aÉ]), z. B. Chor [koÉ?] häufig Vokalisierung oder Total-
assimilation, z. B. Wort [vOt] f
[vO?t] f [vOÉt];

nach [aÉ]: häufig Elision, z. B. Paar


[paÉ] f [paÉ]

Nasal [n] im Wort- meist realisiert, z. B. wenn man wie bei sehr hoher Artikulations- meist Totalassimilationen, z. B.
und Silbenauslaut vor [v"En man], einmal ["aE8nmaÉl] präzision wenn man [v"En man] f [v"Eman],
Nasal einmal ["aE8nmaÉl] f ["aE8maÉ] f
["aE8ma]

Lateral [l] im Wort- meist realisiert, z. B. mal [maÉl], wie bei sehr hoher Artikulations- häufig Elisionen/Totalassimilatio-
und Silbenauslaut also ["alzoÉ] präzision nen, z. B. mal [maÉl] f [maÉ] f
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache

[ma]; also ["alzoÉ] f ["azoÉ] f


["azo]
113
114 Die Standardaussprache in Deutschland

6.2.5 Häufige schwache Formen

Schwache Formen sind Ausspracheformen mit reduzierter Artikulationspräzision. Abgesehen


von den bereits beschriebenen verschiedenen Arten der Lautreduktion und -elision (vgl. die Kap.
A. 5.3; A. 6.2.1; A. 6.2.3) finden sich solche schwachen Formen besonders häufig in informations-
armen Wörtern (Synsemantika, Funktionswörter), die in der Regel nicht akzentuiert sind, rela-
tiv schnell gesprochen werden und sich rhythmisch an vorangehende oder folgende akzentuierte
bzw. bedeutungstragende Wörter anschließen (Enklise oder Proklise).
Es handelt sich z. B. um Artikel, Personalpronomen, Konjunktionen, Präpositionen, Hilfs-
verben und Adverbien. Die folgende Übersicht verdeutlicht einige Aussprachevarianten. Weiter-
führende Reduktionen, z. B. umgangssprachliche Varianten, sind nicht vermerkt.
Die Verbreitung der Reduktionsgrade ist bei den Wortarten und auch bei den Einzelbeispie-
len unterschiedlich. So kommen z. B. [haÉm] und [ham] für [h"aÉbm`] auch bei sonst hoher bis
mittlerer Sprechspannung und Artikulationspräzision außerordentlich häufig vor, während an-
dere Reduktionen an eine allgemein nachlassende Sprechspannung gebunden sind. Weniger aus-
geprägt sind die Reduktionen vielfach in äußerungsfinaler und in proklitischer Position.

Volle und reduzierte Aussprachevarianten in der Standardaussprache (Auswahl)

Beispiele volle (starke) Formen reduzierte (schwache) Formen


der [deÉ?] f [de?] f [dE?] f [dŒ]
des [dEs] f [d«s]
dem [deÉm] f [dem] f [d«m]
den [deÉn] f [den] f [d«n]
die [diÉ] f [di] f [dI]
einen ["aE8n«n] f [aE8nÉ] f [aE8n]
ich [I] f []
du [duÉ] f [du] f [dU]
er [eÉ?] f [e?] f [E?] f [Œ]
sie [ziÉ] f [zi] f [zI]
es [Es] f [«s]
wir [viÉ?] f [vi?] f [vI?]
ihr [iÉ?] f [i?] f [I?]
ihren ["iÉå«n] f [i?n] f [I?n]
mir [miÉ?] f [mi?] f [mI?]
dir [diÉ?] f [di?] f [dI?]
ihm [iÉm] f [im] f [Im]
ihn [iÉn] f [in] f [In]
ihnen ["iÉn«n] f [inÉ] f [in] f [In]
und [Unt] f [Un]
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache 115

Beispiele volle (starke) Formen reduzierte (schwache) Formen


-und- [Unt] f [Un] f [«n] f [n`] f [n]
aber ["aÉbŒ] f ["abŒ] f ["aBa]
wie [viÉ] f [vi] f [vI]
da [daÉ] f [da]
über ["yÉbŒ] f ["ybŒ] f ["YbŒ] f ["YBŒ]
vor [foÉ?] f [fo?] f [fO?]
für [fyÉ?] f [fy?] f [fY?]
zu [tsuÉ] f [tsu] f [tsU] f [ts«]
nach [naÉx] f [nax]
in [In] f [«n] f [n]
haben [h"aÉb«n] f [h"aÉbË] f [haÉm] f [ham]
werden [v"eÉ?d«n] f [v"eÉ?dn`] f [veÉ?n] f [ve?n]
wurden [v"Ud«n] f [v"Udn`] f [vU?n]
geworden [g«v"Od«n] f [g«v"Odn`] f [g«v"O?n]
waren [v"aÉå«n] f [vaÉn]
ist [Ist] f [Is]
sind [zInt] f [zIn]
nicht [nIt] f [nI]
jetzt [JEtst] f [JEts]
schon [SoÉn] f [Son] f [SOn]
ent- [Ent] f [«nt] f [n`t]
–zehn [tseÉn] f [tsen] f [ts«n] f [tsn`]

Häufige schwache Formen charakterisieren nicht nur Einzelwörter, sondern auch ganze Wort-
gruppen, die – ebenfalls schnell gesprochen – vielfach als Floskeln in die Rede eingebettet sind
und keine Informationen übermitteln, z. B.:
vor allen Dingen [fO aln d"IN], sagen wir mal so [z®aÉN vŒ ma z"oÉ].
Auch andere feste Wortverbindungen, wie z. B. Grußformeln, unterliegen oftmals insgesamt
starken Schwächungen, z. B. guten Morgen [guÉtn` m"Og>] f [gUn m"O?N].
Solche häufig gebrauchten Wortgruppen weisen vielfältige weitere Reduktionen auf, die je-
doch zunehmend als umgangssprachlich bewertet werden.
Entsprechend ihrer Realisationsweise bei hoher bis mittlerer Artikulationspräzision sind im
Wörterverzeichnis bei den genannten Wortarten stets die starken (vollen) Formen, bei den auf
<-en> endenden Hilfsverben, z. B. werden, haben, jedoch die erste Reduktionsstufe transkribiert.
116 Die Standardaussprache in Deutschland

6.3 Standardaussprache und Gesang

6.3.1 Sprechen und Singen

Zwischen Sprechen und Singen bestehen Gemeinsamkeiten und Unterschiede, daneben gibt es
zahlreiche Zwischen- und Übergangsformen (z. B. Melodram, Liturgie, Rezitativ, Parlando-Ton-
folgen, Rufen). Obwohl dieselben Organe die anatomische Basis für das Sprechen und Singen
darstellen, unterscheidet sich ihre Funktion zum Teil erheblich, ebenso das Klangergebnis.
Bedingt durch die Koartikulation wechselt beim Sprechen die Gestalt des Ansatzrohrs stän-
dig, stationäre Einstellungen der Artikulationsorgane treten fast nie auf (Ausnahme: Rufen).
Beim Singen hingegen dominieren gehaltene Vokale mit quasistationären Ansatzrohreinstellun-
gen, die lange, teilweise über Sekunden hinweg, beibehalten werden. Das Zeitverhältnis der Rea-
lisation der Vokale und Konsonanten ist gegenüber dem Sprechen stark zugunsten der Vokale
verschoben. Dies ermöglicht dem Sänger die erforderliche intensive Klangausformung, denn ein
voller, resonanzreicher Klang mit guter Tragfähigkeit und Durchdringungsfähigkeit der Stimme
ist unerlässlich, um in großen Räumen trotz eines umfangreichen Orchesterapparats hörbar zu
sein.
Unterschiede bestehen auch in der Form der Melodieführung. Sie ist beim Sprechen gleitend,
beim Singen stufig; beim Singen werden im Gegensatz zum Sprechen fest definierte Intervalle
realisiert. Der Tonumfang ist beim Sprechen weit eingeschränkter als beim Singen, wo nicht sel-
ten Tonumfänge von über zwei, in Ausnahmefällen sogar drei Oktaven genutzt werden.
Die prosodischen Merkmale beim Sprechen entsprechen den Regeln der Muttersprache.
Dennoch hat der Sprecher bei der Gestaltung von Tonhöhe, Lautstärke und Sprechgeschwindig-
keit insgesamt viel größere Freiheiten als ein Sänger, dem alle diese Größen durch die Komposi-
tion vorgeschrieben sind (Ausnahmen bestehen in der Popularmusik, z. B. beim Jazz); daher ist
der Spielraum des Sängers für die eigene Gestaltung im Grunde geringer als beim Sprechen. Dies
hat zur Folge, dass der Sänger zur Übermittlung seiner Ausdrucksabsicht eine Vielzahl weiterer
Ausdrucksmittel heranzieht, die beim Sprechen keine Rolle spielen: feinste, bewusst eingesetzte
Klangmodulationen, das Vibrato, das gedeckte Singen, den Vokalausgleich und weitere Gestal-
tungseigenheiten, die im kulturhistorischen Kontext vom Rezipienten als angemessen und äs-
thetisch ansprechend angesehen werden.
Erhebliche Unterschiede bestehen zwischen einer ausgebildeten und professionell eingesetz-
ten Sängerstimme und der Singstimme des Laien – es existiert eine ähnliche Beziehung wie zwi-
schen der ausgebildeten Sprecherstimme und der unausgebildeten Sprechstimme. Vergleichbar
ist auch die Verschiedenartigkeit der Grade artikulatorischer Ausformung: Beim Gesang des
Laien existiert eine planvolle Gestaltung der Artikulation meist nicht, beim künstlerischen Ge-
sang ist sie ein wichtiges, gezielt eingesetztes Mittel der Ausdrucksgestaltung.
Vonseiten des Ausführenden erfolgt das Singen mit stärkerer Orientierung auf die Form als
das Sprechen. Ein Sprecher macht sich in der Alltagskommunikation meist keine Gedanken über
die Melodieführung, den Rhythmus und andere Formmerkmale seiner Äußerung. Der Effekt
beim Singen basiert aber gerade auf der Realisation dieser Merkmale.
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache 117

6.3.2 Gesang in der Klassischen Musik

Die übliche Unterscheidung zwischen sogenannter Klassischer Musik und Popularmusik be-
inhaltet keine ästhetische Wertung; vielmehr wird sie unter Bezug auf bestimmte Merkmale der
Komposition und der Darbietung vorgenommen, die auch Charakteristika der Artikulation ein-
schließen. Im Folgenden wird hier der Begriff »Klassische Musik« als Synonym für die Ernste
Musik oder Kunstmusik verwendet und umfasst die Renaissance- und Barockmusik, die Früh-
klassik und Wiener Klassik sowie die Musik der Romantik und die Neue Musik.

Sologesang
In Bezug auf die Aussprache beim Singen bestehen gewisse Unterschiede zwischen den verschie-
denen musikalischen Formen, beispielsweise zielt die musikalische Gestaltung beim Rezitativ
meist stärker auf die Vermittlung des Textes und somit auf optimale Textverständlichkeit ab als
etwa in der Koloraturarie einer Oper. Insgesamt gilt aber, dass der bewussten Gestaltung von
Formmerkmalen auf der Ebene der Phonation im Sologesang ein relativ hoher Ausformungs-
grad der Artikulation entspricht.
Dabei zeigen die Vokale fast immer eine sehr präzise Ausformung ihrer artikulatorisch, au-
ditiv oder akustisch beschreibbaren charakteristischen Merkmale. Elisionen und Reduktionen
durch Zentralisierungseffekte, die zu undeutlicher oder verwaschener Aussprache führen könn-
ten, sind untypisch. Innerhalb der Phrase dominiert nicht der Neueinsatz; Glottisschlageinsätze
werden gezielt zur inhaltlichen Markierung, zur Erhöhung der Verständlichkeit oder als künst-
lerisches Mittel zur Ausdruckssteigerung genutzt und treten dann bevorzugt in jenen Positionen
auf, die auch typisch für das Sprechen sind.
Fast immer wird eine gute Textverständlichkeit angestrebt. Jedoch gibt es Fälle, wo zwischen
optimaler Klangformung oder präziser Artikulation gewählt werden muss, weil beides nicht zu-
gleich realisierbar ist. So ist in hohen Sopranlagen (vokalabhängig etwa ab b2 aufwärts) eine klare
Vokaldifferenzierung beim Singen technisch nur sehr schwer möglich. Hier wird meist der mu-
sikalischen Seite, d. h. der Qualität des Klangs, auf Kosten der Verständlichkeit der Vorrang ein-
geräumt.
Spezifika der Vokalbildung im künstlerischen Gesang sind das »gedeckte Singen« und der
»Vokalausgleich«. Ziel des gedeckten Singens (Voix sombrée) ist es, bei hohen Tönen eine zu
schrille Klangbildung bei den Vorderzungenvokalen vor allem im Forte zu vermeiden. Dazu wird
der Vokalklang minimal verdunkelt, ohne dass die Differenzierbarkeit der Vokale leidet. Der Vo-
kalausgleich dient dem Ziel, störende Klangdiskrepanzen zwischen Vorder- und Hinterzungen-
vokalen zu nivellieren und zu einer gewissen Harmonisierung der Vokalklänge zu gelangen. Zu-
dem spielt in verschiedenen Gesangsschulen die bewusste Erzeugung eines bestimmten Maßes
an Nasalierung bei der Vokalerzeugung eine Rolle. Eine artikulatorische Besonderheit der Bil-
dung der Diphthonge besteht darin, dass bei langen Notenwerten der erste Vokal überpropor-
tional lange, nämlich bis fast zum Ende der Dauer des Diphthongs, ausgehalten wird; die Reali-
sationszeit des zweiten Vokals ist dann fast so kurz wie beim Sprechen.
Im klassischen Gesang gibt es neben dem Anspruch einer präzisen Lautausformung vor allem
das Bemühen, beim Singen den Klang der Stimme möglichst wenig und nur kurz zu unterbre-
chen, d. h. die Bildung des Klangs zu intensivieren, Geräuschhaftes hingegen nach Möglichkeit
zurückzudrängen. Beide Tendenzen stehen einander gerade bei der Bildung der Konsonanten
nicht selten entgegen: Einerseits werden die geräuschhaften Merkmale bewusst in den Hinter-
grund gedrängt (intensiver Klang bei kaum hörbarem Reibegeräusch, Vermeidung der Aspira-
tion von Fortis-Plosiven), andererseits wird – je nach kompositorischer Vorlage, nach Ausdrucks-
intention, persönlichem Gesangsstil und vor allem je nach konkreter Stelle im Stück – nicht
118 Die Standardaussprache in Deutschland

selten deutlich artikuliert (ausgeprägtes Reibegeräusch, Fortis-Plosive aspiriert). Somit gelten


die im Folgenden angeführten Merkmale nicht absolut, sie sind gebunden an Komposition, Si-
tuation und Interpreten.
Gegenüber der Realisation beim Sprechen bestehen meist folgende Unterschiede:
Fortis-Plosive: oft ausbleibende Aspiration; auch in stimmloser Lautumgebung gelegentlich
Sonorisierung (Stimmhaftigkeit), um Klangunterbrechungen innerhalb der
musikalischen Phrase zu vermeiden; bisweilen aber auch Aspiration zur För-
derung der Textverständlichkeit;
Lenis-Plosive und Lenis-Frikative: Stimmhaftigkeit, meist auch in stimmloser Lautumgebung;
Fortis-Frikative: oft minimiertes Reibegeräusch; auch in stimmloser Lautumgebung gelegent-
lich Sonorisierung (Stimmhaftigkeit), um Klangunterbrechungen innerhalb
der musikalischen Phrase zu vermeiden; bisweilen aber auch deutliches Reibe-
geräusch zur Förderung der Textverständlichkeit;
r-Laute: meist Bildung von Zungenspitzen-R ([r]), oft auch in Positionen, in denen
beim Sprechen vokalisierte Formen oder reduziertes Reibe-R ([]) gebildet
werden; daneben aber besteht die Tendenz zu Vokalisierungen wie beim Spre-
chen; Reibe-R  [å]) und Zäpfchen-R ([R]) sind selten;
Nasale: maximale Klangfülle durch intensive Nasenresonanz.

Da zur exakten Klang- und Lautbildung beim Singen mehr Zeit zur Verfügung steht als beim
Sprechen, treten Assimilationserscheinungen seltener und weniger ausgeprägt auf. Ausnahme
sind schnelle Parlando-Tonfolgen beim Singen; dies sind Silben, die in hohem Tempo rhyth-
misch genau markiert mit leichter, lockerer Tongebung (»sprechnah«) gesungen werden.
Im Gegensatz zum Sprechen besteht beim Singen die Tendenz, Konsonanten nur selten assi-
milationsbedingt zu entsonorisieren (z. B. Auf Flügeln des Gesanges, Sprechen: dEs g(«z"aN«s],
Singen: [dEs g«z"aN«s]), auch fällt die Dauer stimmloser Konsonanten im Verhältnis zur Dauer
der stimmhaften häufig kürzer aus. Sonorisierungen von stimmlosen Konsonanten (z. B. des
Gesanges [dEz g«z"aN«s]) und textfremde Fülllaute zwischen Konsonanten beim Singen (»Es [«]
muss [«] was [«] Wunderbares sein …«) sind als Manierismen anzusehen. Ebenso wirken Por-
tamenti vor oder zwischen stimmhaften Konsonanten (Ansingen eines Konsonanten auf einer
anderen Tonhöhe als der des folgenden Vokales derselben Silbe, also ein rasches, stufenloses
»Hochschleifen« des Tones) oft störend und manchmal unfreiwillig komisch.

Chorgesang
Im Chorgesang gelten im Prinzip dieselben Regeln wie im Sologesang, zusätzlich sind einige
Besonderheiten zu nennen. Im Gesang von Chören und kleineren Ensembles (Quartette, Dop-
pelquartette usw.) wird bei homophonen Sätzen zumeist eine gute Verständlichkeit des Textes
beabsichtigt, bei polyphonen Sätzen hingegen ist sie kaum zu erzielen. Um größtmögliche Ver-
ständlichkeit und zugleich eine ansprechende ästhetische Wirkung zu erreichen, wird überall
dort, wo es die Komposition erlaubt (also bei gleichem Text und gleichen Notenwerten in allen
Stimmen), absolute Synchronität der Artikulationsbewegungen bei allen Ausführenden ange-
strebt. Das betrifft den Zeitpunkt des Beginns der Artikulationsbewegungen und die Dauer der
Lautübergänge. Als Beispiel hierfür kann die Bildung beider Vokale bei Diphthongen gelten: Die
durch alle Sänger gleichzeitig ausgeführte Zungenhebung und Schließungsbewegung des Kiefers
beim Übergang vom ersten zum zweiten Vokal kann geradezu als artikulatorisches Qualitäts-
merkmal von Chören angesehen werden.
Obwohl es für die Bildung und den Klang eines Vokals beim Sprechen und auch im Solo- und
Chorgesang immer einen gewissen Spielraum gibt (»Vokalfarbe« – z. B. ein etwas »helleres« oder
Phonostilistische Differenzierungen der Standardaussprache 119

geringfügig »dunkleres« gespanntes [eÉ]), wird beim Gesang kleiner Ensembles eine völlig über-
einstimmende Vokalfarbe bei allen Sängern angezielt. Der Glottisschlag kann zur Hebung der
Textverständlichkeit und als Ausdrucksmittel eingesetzt werden und wird dann ebenfalls von
allen Interpreten gleichermaßen und synchron realisiert.
Ähnlich wird die Aussprache der Konsonanten egalisiert; dies betrifft beispielsweise den
exakten Zeitpunkt und die Stärke der Aspiration von Fortis-Plosiven, die Entsonorisierung
bzw. die Beibehaltung von Stimmhaftigkeit nach stimmlosem Konsonanten, die einheitliche
Realisation des R als [r] oder in Ausnahmefällen als [å], Vokalisierungen des R und die Frage,
ob ein prävokalischer Konsonant vor der Zählzeit, also »auftaktig«, realisiert wird oder nicht.
Aufgesetzt wirkt eine künstliche Überartikulation, die vor allem bei Laienchören zu beobachten
ist; manchmal beschränkt sie sich auf eine angestrengt wirkende, überstark aspirierte Ausspra-
che finaler Fortis-Plosive.
Bei polyphonen Chorsätzen ist Textverständlichkeit nur in Ausnahmefällen zu erreichen,
etwa dann, wenn eine Stimme musikalisch eine deutliche Führungsrolle einnimmt (z. B. Cantus
firmus) und die Dominanz dieser Stimme im Chorsatz durch eine besonders markante Artiku-
lation untermauert wird.

6.3.3 Gesang in der Popularmusik und Volksmusik

Die Popularmusik wird aufgrund ihrer allgemeinen musikalischen Merkmale, den Spezifika ihrer
vorwiegend technisch geprägten Übermittlung und ihrer Massenwirkung meist der klassischen
Musik gegenübergestellt. Der Begriff »Popularmusik« kennzeichnet jedoch nicht einen ganz
bestimmten, scharf umrissenen Stil, vielmehr sehr verschiedene, im musikalischen Qualitätsan-
spruch und in der musikalischen Form stark divergierende Genres. Heute werden zur Popular-
musik, die in ihren frühen Formen (Salonmusik; gefühlsbetonte, »schnulzige« Männerchorsätze)
im ausgehenden 18. Jahrhundert in den Städten mehr und mehr an die Stelle der Volksmusik trat,
vor allem die Rock- und Popmusik sowie der Jazz gerechnet, ferner die Folkmusik und weitere
Formen (so die musikalischen Produktionen der »Liedermacher« und »Songwriter«, Chansons,
Songs, »Balladen« usw.). So wie die formal und funktional divergente Popularmusik nicht pro-
blemlos zu definieren und von der klassischen Musik abzugrenzen ist (keineswegs etwa a priori
durch mindere Qualität), sind auch die sängerischen Gestaltungsmerkmale in den einzelnen
Genres äußerst divergent und innerhalb eines Genres ebenfalls nicht einheitlich.
Das betrifft auch die Aussprache. Einige Beispiele hierfür: Im »Scat«-Gesang (Gesangsstil
im Jazz) besteht das Textmaterial aus sinnleeren Silben, die sich zur Klanggestaltung besonders
gut eignen und bei der Darbietung aus der Situation heraus gleichsam zufällig entstehen. Beim
Gesang in der Stilrichtung »Metal« dominieren bei gepresster Phonation stark gedehnte Vokale
mit Alterationen des Vokalklangs, ebenfalls »zerdehnte«, verformte Konsonanten sowie ein ma-
ximaler Grad der Artikulationsspannung, der die Textverständlichkeit meist stark mindert. Auch
in anderen Formen der Rock- und Pop-Musik zeigen sich oftmals weit von der Standardausspra-
che abweichende Artikulationsformen. Beim Schlager (und ebenso der so genannten »volkstüm-
lichen« Musik) dominieren aber vielfach Bildungen, die der Artikulation beim Sprechen oder
auch der im klassischen Gesang ähneln. Daneben erscheinen teilweise regional gefärbte Merk-
male, die die Identifikation bestimmter Publikumskreise stimulieren sollen; vor allem beim
Schlager wird gelegentlich bewusst ein fremder Akzent realisiert. Einige Genres, wie Songs,
Chansons und »Balladen«, sind dadurch gekennzeichnet, dass die Präsentation des Textes deut-
lich im Zentrum steht, die Darbietung ist hier oft wesentlich stärker textorientiert als etwa bei
einer Opernarie.
120 Die Standardaussprache in Deutschland

Bei allen Formen der Popularmusik und ebenso in der Volksmusik (solistisch, in kleinen
Ensembles oder im Chor gesungene Volkslieder) spielen Artikulationsgepflogenheiten, die im
klassischen Gesang zu beobachten sind, kaum eine Rolle. Das betrifft solche Merkmale des klas-
sischen Gesangs wie die bevorzugte Bildung des Zungenspitzen-R ([r]), die weitgehende Erhal-
tung des Klangs unter Vermeidung geräuschhafter Anteile, der Ersatz von Glottisschlageinsätzen
durch weiche Einsätze sowie die Vermeidung von Lautreduktionen bzw. -elisionen. Im Hinblick
auf die Popularmusik sind aufgrund der zahlreichen Genres und der weiten Variationen ihrer
musikalischen Formmerkmale kaum generalisierende Beschreibungen, viel weniger noch Reali-
sationshinweise im Sinne einer Aussprachekodifizierung, möglich und notwendig.

A. 7 Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen


7.1 Einführung

Der Wortschatz der Alltagssprache enthält ebenso wie der der Fachsprachen zahlreiche Namen
und Wörter, die aus anderen Sprachen stammen. In Einzelfällen haben sich dafür eigenständige
deutsche Varianten in der Aussprache und/oder Schreibung entwickelt, z. B. Moskau, Paris. Der
größte Teil der gebräuchlichen fremden Namen und Wörter stammt aus einer begrenzten Zahl
von Herkunftssprachen, zu denen neben dem Englischen beispielsweise das Französische, Spa-
nische, Portugiesische und Italienische sowie eine Reihe von slawischen Sprachen gehören.
Das Wörterverzeichnis umfasst deshalb neben ursprünglich deutschen auch fremde Namen
und Wörter sowie Komposita und Bindestrichwörter bzw. -namen, in denen fremde Bestand-
teile vorkommen. Als »fremd« sind zwei Gruppen von Einträgen anzusehen (vgl. A. 3): ältere
Entlehnungen (überwiegend aus dem Lateinischen und Griechischen) und jüngere Entlehnun-
gen (insbesondere Personennamen, geografische Namen und Produktnamen, die in den letzten
Jahrzehnten in den Sprachgebrauch übernommen worden sind und weiter übernommen wer-
den). Die Ausführungen in 7.2 beziehen sich ausschließlich auf jüngere Entlehnungen.
Namen und Wörter aus anderen Sprachen, insbesondere jüngere Entlehnungen, werden
durch fremde, im Deutschen ungebräuchliche Merkmale charakterisiert. Neben der Wortakzen-
tuierung (z. B. Akmola D[akmol"aÉ]) betrifft das vor allem die Schreibung: In der Schreibung kön-
nen sich fremde Buchstaben oder Buchstabenkombinationen zeigen (wie z. B. in Cœur, Headset,
Lloyd). Zudem können einzelne Vokale oder Konsonanten (wie z. B. [T] in Thatcher, Heather),
ihre Positionen in der Silbe bzw. im Wort (z. B. [s] in Suárez, Sir) oder ihre Kombinationen (z. B.
Mbeya, Sri Lanka, Chabarowsk) fremd sein.
Die am 1. August 2006 in ihrer überarbeiteten Form endgültig in Kraft getretene Neuregelung
der deutschen Rechtschreibung betrifft in einzelnen Fällen auch die fremden Laut-Buchstaben-
Beziehungen. So sind z. B. die Schreibungen Ketschup neben Ketchup, Maläse neben Malaise,
Portmonee neben Portemonnaie und Trecking neben Trekking zulässig. Fachsprachlich werden
häufig die früheren Schreibungen bevorzugt, wie z. B. Phonetik statt Fonetik oder Graphem statt
Grafem. Die fortschreitende Anpassung von Fremdwörtern wird verstärkt zu einer assimilierten
Schreibung führen.
Bei der Eindeutschung handelt es sich um einen unterschiedlich schnell und unterschiedlich
intensiv verlaufenden Prozess. Für den Grad der Eindeutschung sind u. a. die Bekanntheit und
Verbreitung der jeweiligen Sprache von Bedeutung. So kann die Anpassung an das Deutsche
– stärker sein: bei Sprachen, aus denen sehr viele Namen und Wörter in das Deutsche über-
nommen worden sind und werden, die deutschen Muttersprachlern vielfach bekannt und ge-
läufig sind (wie das Englische und das Französische),
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 121

– weniger stark sein: bei seltener verwendeten Namen aus allgemein weniger gut beherrschten
Sprachen (wie Russisch oder Polnisch),
– vollständig erfolgen: bei Sprachen, aus denen nur wenige Namen in das Deutsche gelangen
(wie Indonesisch oder Isländisch).

Ein besonderer Fall ist gegenwärtig das Englische, das sich in den letzten Jahrzehnten als inter-
nationale Verkehrssprache der Wissenschaft, der Hochtechnologie und vieler anderer Gebiete
durchgesetzt hat. Die Kenntnis dieser Sprache ist so weit verbreitet, dass es in wachsendem Maße
üblich wird, innerhalb eines deutschsprachigen Kontextes englische Namen, Fachbegriffe und
Phrasen in einer originalnahen Form, also mit annähernd englischsprachigen artikulatorischen
und prosodischen Merkmalen zu gebrauchen. Daneben sind aber durch häufigen Gebrauch
Ausspracheformen entstanden, die dem Deutschen weitgehend entsprechen und in Abhängig-
keit von der Situation als üblich akzeptiert werden, z. B. Riverboat D[å"IvŒboÉt]. Tiefgestelltes D
bezeichnet die eingedeutschte Aussprache, andere tiefgestellte Buchstaben die Originalausspra-
che, z. B. U – Ungarisch, F – Französisch usw.
Das Englische, aber auch andere Sprachen fungieren darüber hinaus als Mittlersprachen,
dies hat Folgen für die Eindeutschung von Namen und Wörtern aus verschiedenen Regionen
der Welt. Die Mittlersprachen modifizieren durch ihre Eigenarten sowohl die Akzentuierung
als auch die Laut-Buchstaben-Beziehungen der Herkunftssprachen. Namen und Begriffe aus
dem Arabischen und Indischen beispielsweise sind u. a. über das Englische ins Deutsche gelangt,
entsprechendes Wortgut aus dem Tadshikischen und Georgischen über das Russische usw. Für
Sprachen mit nichtlateinischen Schriftsystemen wurden – häufig über eine Mittlersprache –
spezifische Arten der Transliteration entwickelt. Für manche Schriftsysteme können so zeitlich
neben- und nacheinander mehrere unterschiedliche Transliterationskonventionen bestehen,
z. B. neben Hwangho (»Gelber Fluss«) auch Huangho, Hoangho und Huang He.
Nicht nur für verschiedene Sprachen, sondern auch für einzelne Namen und Wörter kann
der Eindeutschungsprozess sehr unterschiedlich verlaufen, so dass – zumindest zeitweise – ver-
schiedene Ausspracheformen nebeneinander existieren können, die der Herkunftssprache mehr
oder weniger angenähert sind. Für die Aufnahme vieler Namen und Wörter hat sich im Laufe der
Zeit eine Tradition herausgebildet, die auch eine neuzeitliche Kodifizierung berücksichtigen
muss, z. B. wird Eger im Deutschen meist als ["eÉgŒ] ausgesprochen, obwohl die eingedeutschte
Form nach den Eindeutschungsregeln D["EgE] sein sollte (die ungarische Aussprache ist
U["EgEr]). Täglich werden außerdem durch weltpolitische Ereignisse Personen- und geografische
Namen mit oder ohne Einwirkung einer Mittlersprache aktuell. Das kann selbst Berufssprechern
in den Medien Probleme bereiten, so dass bei einer ungeregelten Übernahme stark abweichende
Ausspracheformen auftreten können (für den polnischen Namen Wał˛esa z. B. wurden in den
Medien u. a. folgende Formen gebraucht: D[val"EsaÉ], D[val"EnsaÉ], D[vav"EsaÉ], D[vav"EnsaÉ],
D[vav"ENsaÉ], D[vaw"ENsaÉ], D[vaw"E)saÉ], …). Eine solche ungerechtfertigte Variabilität kann
Verwirrung schaffen, sie ist für die Standardaussprache nicht erstrebenswert. Fremde Namen
müssen für den Gebrauch in der Öffentlichkeit, vor allem in den Medien, eine einheitliche Aus-
spracheform erhalten. Ein Aussprachewörterbuch muss also für die Übernahme von Namen und
Wörtern aus anderen Sprachen ein möglichst einheitliches und praktikables System von Aus-
spracheregeln entwickeln, um sie in einem nachvollziehbaren und akzeptierbaren Ausmaß an
das Deutsche anpassen zu können.
Eine Form gilt dann als eingedeutscht, wenn ihre Aussprache auf der Basis des deutschen
Phonemsystems, d. h. mit deutschen Phonemrealisationen und bis auf Ausnahmen nach den
deutschen Distributionsregeln erfolgt. Das ist meist dann der Fall, wenn die Namen und Wörter
fest im deutschen Alltagswortschatz etabliert sind (z. B. Frisör) oder sich zwar in ihrer Schrei-
122 Die Standardaussprache in Deutschland

bung als fremd erkennen lassen, durch häufigen Gebrauch aber in ihrer Aussprache vollkommen
an das Deutsche angeglichen sind (z. B. Mouse). Wird eine Fremdsprache ausreichend beherrscht
und lässt es die Sprechsituation zu, kann die in dieser Sprache festgelegte Aussprache (Original-
aussprache) mit deren artikulatorischen und prosodischen Merkmalen verwendet werden. Auch
in der Fachkommunikation, vor allem in längeren fremdsprachigen Passagen, ist häufig eine grö-
ßere Annäherung an die jeweiligen ursprünglichen Aussprachenormen zu beobachten. Das trifft
vor allem dann zu, wenn Sprecher dieser Sprachen an der Kommunikation beteiligt sind bzw.
wenn davon ausgegangen werden kann, dass allen Beteiligten die entsprechende Sprache bzw.
Aussprache bekannt ist. Solche Ausspracheformen sind aber in der alltäglichen öffentlichen
Kommunikation meist unüblich, weil die für das Verstehen erforderlichen Sprachkenntnisse
nicht allgemein vorausgesetzt werden können.

7.2 Grundlagen der Eindeutschung

Für eine Reihe von Sprachen werden in A. 7.3, ausgehend von der Originalaussprache, konkrete
Empfehlungen für die Eindeutschung gegeben. Da aber nicht alle im Wörterverzeichnis berück-
sichtigten Herkunftssprachen behandelt werden und in den Abschnitten zu den einzelnen Spra-
chen nicht für jeden Einzelfall die Herleitung der empfohlenen Aussprache angegeben werden
kann, sollen im Folgenden die Prinzipien erläutert werden, die der Regelung zugrunde liegen
(vgl. dazu auch die Ausspracheregeln in A. 5.4 und 5.5).

Dabei gilt generell:


Fremde Laute und fremde Laut-Buchstaben-Beziehungen werden, von wenigen Ausnah-
men abgesehen, mit Lauten des Deutschen wiedergegeben. Solche Ausnahmen sind meist in den
fremdsprachigen Schreibkonventionen begründet, z. B. Längenmarkierungen von Vokalen in
der Schrift, wie im tschechisch. Véska D[v"EÉskaÉ]. Töne und andere suprasegmentale Merkmale
verschiedener Sprachen werden in der eingedeutschten Aussprache vernachlässigt.

Laut-Buchstaben-Beziehungen
Je weniger bekannt die Laut-Buchstaben-Beziehungen der Herkunftssprache und je weniger
gebräuchlich Namen und Wörter aus diesen Sprachen sind, desto weniger wird die ursprüngliche
Aussprache berücksichtigt, es erfolgt eine starke Orientierung an der Schreibung bzw. Translite-
ration. So wird z. B. das dänische Rungsted (Dän[å"¿Nz9d9ED]) mit eingedeutschten Laut-Buchsta-
ben-Beziehungen so ausgesprochen D[å"UNstEt].

Akzentuierung
Die ursprüngliche Wortakzentuierung wird in der Regel unverändert übernommen. In Einzel-
fällen wird von diesem Prinzip abgewichen, so dass es zu Veränderungen in der ursprünglichen
Akzentuierung kommt:
a) In häufig gebrauchten eingedeutschten Wörtern kann es zu einer Akzentverschiebung kom-
men, z. B. in Bonbon D[b"ONbON].
b) Namen und Wörter aus Sprachen, in denen keine oder mehrere gleichstarke Akzente auftre-
ten (z. B. Japanisch, Chinesisch), werden nach den deutschen Regeln akzentuiert (vgl. A. 5.2).
c) In Bindestrichwörtern oder Wortgruppen, die als phonetische Einheit bzw. phonetisches
Wort gesprochen werden, wird einer der Wortakzente als Hauptakzent realisiert, alle weite-
ren autosemantischen Wörter können einen Nebenakzent erhalten, z. B. engl. Stop-and-go-
Verkehr D[st®Op Ent g("oÉ fŒk®eÉ?] oder Sir Winston Churchill D[s{É? v®Instn` tS"{É?tSIl]. Hier kann
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 123

es auch zu Veränderungen in der Reihenfolge von Haupt- und Nebenakzenten kommen, wie
z. B. in engl. Make-up E[m"e£k ®¿p], D[m®eÉk "/ap].
d) Beim Zusammenstoß zweier Akzente in Komposita, Bindestrichwörtern und Wortgruppen
wird der Nebenakzent häufig auf die nächste akzentuierbare Silbe verschoben, z. B. Amateur-
fußball D[amat"PÉ?fuÉsb9®al].

Sprechsilbengrenze
In fremden Wörtern und Namen kann die Sprechsilbengrenze an anderer Stelle liegen als im
Deutschen. Dies wird bei der Eindeutschung berücksichtigt. Um die damit verbundenen Beson-
derheiten in der Aussprache zu verdeutlichen, wird die Sprechsilbengrenze in der Transkription
(durch einen Punkt) notiert. Dies ist sinnvoll, um eine ausbleibende Auslautverhärtung (z. B.
russ. Susdal R[s"uÉ.zdal] oder lange Vokale vor doppelt geschriebenen Konsonanten (z. B. russ.
Afanassi D[afan"aÉ.siÉ]) zu erklären.

Vokale

Vokale (allgemein)
Wie in deutschen Wörtern werden Quantität und Qualität der Vokale in Abhängigkeit von der
Silbenstruktur kombiniert, so dass in der Regel mit Ausnahme von [EÉ] und [aÉ] bzw. [a] kurze
ungespannte und lange gespannte Vokale realisiert werden, d. h.
– lang und gespannt in akzentuierten offenen Silben, z. B. ital. Roma D[å"oÉmaÉ], türk. Kemal
D[k"eÉmal],
– kurz und gespannt in nichtakzentuierten offenen Silben, z. B. franz. Simon D[sim"o)É], ital.
Livorno D[liv"OnoÉ],
– kurz und ungespannt in akzentuierten und nichtakzentuierten geschlossenen Silben, z. B.
engl. Backslash D[b"EkslES], franz. Laffitte D[laf"It], ital. Brenta D[bå"EntaÉ].

Zusätzlich zu den Gegebenheiten im Deutschen werden die in einigen Sprachen vorhandenen


ungespannten langen Vokale (wie z. B. in engl. Sir D[s{É?]) übernommen.
Diese Regeln in Bezug auf die Akzent- und Silbenstruktur gelten nicht, wenn durch die
Schreibung der Herkunftssprache eindeutig vorgegeben ist, ob es sich um lange oder kurze Vo-
kale handelt, wie z. B. im Slowakischen, kurze Vokale sind hier grafisch unmarkiert (<u>), lange
markiert (<ú>), z. B. Humenné D[h"UmEnEÉ], Púchov D[p"uÉxOU8].
Im Wortauslaut werden lange Vokale realisiert, auch wenn das in der Ausgangssprache nicht
der Fall ist, z. B. franz. Perrault F[pEå"o], eingedeutscht D[pEå"oÉ].

e-Laute
Bei den e-Lauten werden die deutschen Quantitäts-Qualitäts-Kombinationen verwendet:
– lang und gespannt in akzentuierten offenen Silben, z. B. engl. Peyton D[p"eÉtn`], türk. Kemal
D[k"eÉmal],
– kurz und ungespannt in akzentuierten und nichtakzentuierten geschlossenen Silben, z. B.
engl. Hatford D[h"EtfOt], ital. Brenta D[bå"EntaÉ],
– lang und ungespannt, z. B. franz. Affaire D[af"EÉå«].

Darüber hinaus kommen kurze und gespannte Vokale in nichtakzentuierten offenen Silben vor,
z. B. franz. Béziers D[bezC"eÉ].
124 Die Standardaussprache in Deutschland

a-Laute
Bei den a-Lauten wird von nur einer Qualität ausgegangen, aber langes und kurzes A unterschie-
den (vgl. demgegenüber die Qualität des nasalierten A im folgenden Abschnitt), auch wenn in
der Ausgangssprache andere bzw. verschiedene A-Qualitäten verwendet werden, z. B. engl. Cen-
tral Park E[s®Entr«l p"AÉÒrÔk] oder Buckingham Palace E[b®¿kIN«m p"Ïl«s], eingedeutscht D[s"EntRß«l-
paÉk], D[b"akIN«m p®El«s].

Nasalierte Vokale
Die in einigen Sprachen vorhandenen nasalierten Vokale werden nur teilweise übernommen,
z. B. für Namen aus dem Französischen, z. B. Montreux D[mo)tå9"PÉ]. Akzentuierte nasalierte Vo-
kale sind lang, z. B. franz. Vauban D[vob"A)É], Timbre D[t"E)Ébå«].
In häufig gebrauchten und somit stark eingedeutschten Wörtern werden nasalierte Vokale
durch die Verbindung Vokal + Nasal wiedergegeben, z. B. Balkon [balk"ON].
Dies trifft auch für Namen und Wörter aus weniger geläufigen Sprachen wie dem Polnischen
zu (z. B. poln. D˛abrowski P[dO)br"Ofsci] – D[dOmbå"OfskiÉ]).

Diphthonge
Fremde Diphthonge werden, wenn möglich, an das Deutsche angepasst und aus zwei kurzen un-
gespannten Vokalen gebildet, wobei der zweite unsilbisch ist [aE8 aO8 OÎ], z. B. franz. Versailles
D[vEs"aE8], niederl. Huygens D[h"OÎg>s], norw. Sauda D[s"aO8daÉ].
In einigen Sprachen gibt es Diphthonge oder diphthongähnliche einsilbige Verbindungen,
die einen langen Vokal enthalten, das wird bei der Eindeutschung beibehalten, z. B. niederl.
Gooik D[goÉi k8 ].
Darüber hinaus kann es zur Eindeutschung weiterer, im Deutschen nicht vorhandener Diph-
thonge kommen, z. B. poln. Andrzej P["and¡ZEj] – D["andZE£].

Glottisplosiv [/]
Der Glottisplosiv wird, unabhängig davon, ob er in der Ausgangssprache vorkommt, als Be-
standteil anlautender Vokale nach den deutschen Regeln verwendet (vgl. A. 5.4.2.1).

Konsonanten

Spannung
Wie in deutschen Wörtern werden bei den Plosiven und Frikativen Fortis- und Lenis-Laute un-
terschieden. Diese können je nach Herkunft auch in Positionen übernommen werden, in denen
sie im Deutschen nicht auftreten, z. B. D[s] in franz. Sou, Marseille.

Aspiration
Die Aspiration der Plosive erfolgt nach den Regeln des Deutschen (vgl. A. 5.5.2.1), auch wenn
in der Ausgangssprache nicht aspiriert wird (wie im Französischen) oder aspirierte und nicht-
aspririerte Plosive eine bedeutungsunterscheidende Funktion haben (wie in einigen asiatischen
Sprachen).

Auslautverhärtung
Am Wort- und Silbenende werden für /v z b d g/ die entsprechenden stimmlosen Fortis-Kon-
sonanten gesprochen, auch wenn in den Herkunftssprachen keine Auslautverhärtung erfolgt,
z. B. franz. Toulouse D[tul"uÉs]. Am Wortende tritt auch bei /Z/ eine Auslautverhärtung auf, z. B. in
Prestige D[på9Est"iÉS]. Innerhalb des Wortes erfolgt in einigen Sprachen keine Auslautverhärtung,
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 125

weil /Z/ zur Folgesilbe gehört; das wird in der Regel durch die Markierung der Silbengrenze an-
gezeigt, z. B. poln. W˛abrzeźno D[vOmbZ"E.ZnOÉ].

r-Laute
Bei den r-Lauten werden wie im Deutschen folgende Positionen unterschieden und in Abhän-
gigkeit davon konsonantische und vokalische Allophone verwendet:
– prävokalisch, auch nach Lenis-Plosiven und -Frikativen, wird ein Reibe-R realisiert, z. B.
franz. Roulett D[åul"Et], russ. Brodski(j) D[bå"OtskiÉ]; nach Fortis-Konsonanten wird das Rei-
˚
be-R entstimmlicht, z. B. norw. Frithjof D[få9"ItJOf];
– nach kurzem Vokal sowie [aÉ] wird [] realisiert, z. B. norw. Kærby D[k"EbyÉ], russ. Barsow
D[b"aÉsOf];
– nach langem Vokal, außer [aÉ] wird [?] realisiert, z. B. engl. Sir D[s{É?];
– für <er> in nichtakzentuierten Affixen wird [Œ] realisiert, z. B. engl. Cluster D[kl"astŒ].

Laterale
Auch wenn in der Ausgangssprache palatale (»helle«) und velare (»dunkle«) l-Laute differenziert
werden, wie z. B. im Englischen, wird in der Eindeutschung nur die palatale Variante verwendet,
z. B. Callcenter engl. [:], eingedeutscht [l].

Entstimmlichung von Lenis-Konsonanten


Es wird wie in deutschen Wörtern von einer progressiven Stimmlosigkeitsassimilation ausge-
gangen: Die einem Fortis-Konsonanten folgenden Lenis-Plosive und -Frikative werden dabei
entstimmlicht, z. B. engl. Breakdance D[bå"eÉkd9EÉns]. Gelegentlich tritt auch bei /Z/ eine Ent-
stimmlichung auf, z. B. in Musikjournal D[muz"ÉikZ(Un®aÉl].

Zusammentreffen gleicher Konsonanten


Bei artikulatorisch eng miteinander verbundenen Konsonanten an Wort- und Silbengrenzen in
Wortgruppen oder Komposita wird nur ein Konsonant gesprochen (vgl. A. 5.5.2.4), z. B. in Nîmes
D[In ¥ n"iÉm], dän. Frederikssund D[få9"eÉd«åIks¡z9Unt].

Palatalisierung
Die vor allem in slawischen Sprachen vorkommenden Palatalisierungen werden, wenn auch
oft abgeschwächt, in eingedeutschten Formen realisiert, z. B. russ. Kershenez R[kÆ"EòrZ«nÆIt¥s]
D[k£"EZEn£Ets].

7.3 Eindeutschung von Namen und Wörtern ausgewählter Herkunftssprachen

Viele der im Wörterverzeichnis enthaltenen Namen und Wörter sind nur vorübergehend im Ge-
brauch, neue kommen ständig hinzu. Ein Wörterbuch kann einen solch schnellen Wechsel nicht ab-
bilden. In den folgenden Beiträgen werden deshalb für eine Reihe von Ausgangssprachen Erläute-
rungen gegeben, die die Aussprache neuer fremder Namen und Wörter erschließen helfen. Sie
orientieren sich an den in A. 7.2 dargestellten Regeln, weisen aber teilweise auch Eigenständigkeiten
auf, die in den Phonemsystemen oder den Wortstrukturen (z.B. durch besondere Sprechsilbengren-
zen) oder in den Laut-Buchstaben-Beziehungen (z.B. durch diakritische Zeichen) begründet sind.
Dabei geht es um eine kurze, überblicksartige Darstellung der im Vergleich zum Deutschen
bemerkenswerten Merkmale, Strukturen oder Regeln. Eine vollständige phonologische und
phonetische Beschreibung der Sprachen ist nicht vorgesehen.
126 Die Standardaussprache in Deutschland

Für die Auswahl der Herkunftssprachen war die Häufigkeit der im Deutschen verwendeten
Entlehnungen ausschlaggebend.
Für die Transkription in den Sprachbeiträgen werden die Zeichen der aktuellen IPA-Tafel
verwendet. Die Transliteration wird in der Regel nach den Vorschriften der aktuellen Duden-
Rechtschreibung vorgenommen, z. B.

Orthografie Transliteration Aussprache Aussprache


originalsprachlich originalsprachlich eingedeutscht
(russisch) (russisch)
иlkuno Jolkino j"O5kjIn« J"OlkInOÉ

7.3.1 Arabisch

Die arabische Sprache wird in Nordafrika, auf der arabischen Halbinsel, im Mittleren Osten und
als Sprache des Islam in vielen Regionen der Welt gesprochen. Sie ist Amtssprache u. a. in Ägyp-
ten, Algerien, Bahrain, Irak, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Oman,
Tunesien, in den Palästinensischen Autonomiegebieten und in den Vereinigten Arabischen Emi-
raten. Varianten des Arabischen werden von ca. 250 Millionen Muttersprachlern gesprochen, da-
bei werden mehrere große, länderübergreifende Dialektgruppen unterschieden. Die einzelnen
Dialektgruppen bzw. Dialekte zeigen teilweise stark voneinander abweichende lexikalische und
phonetische Besonderheiten. Das überregionale geschriebene Arabisch geht auf das (klassische)
Hocharabisch zurück und ist in der arabischsprachigen Welt allgemein verständlich. Das gespro-
chene (moderne) Hocharabisch dient ebenfalls zunehmend als überregionales Verständigungs-
mittel. Der folgende Beitrag geht vom modernen Hocharabisch aus.

Akzentuierung
Der Akzent liegt meist auf der vorletzten Silbe, wenn diese lang ist. Er kann auch auf die letzte
und drittletzte Silbe des Wortes fallen. Er hat keine bedeutungsunterscheidende Funktion. Er
wird vorwiegend melodisch realisiert, es gibt keine Reduktionen und Elisionen in nichtakzentu-
ierten Silben.
Der Wortakzent wird in den eingedeutschten Formen beibehalten, z. B. Barrada D[baå"aÉdaÉ],
Jalal D[dZal"aÉl], Wortgruppen und Zusammensetzungen erhalten nach den Regeln des Deut-
schen Haupt- und Nebenakzente, z. B. Amina Mansour D[am®iÉnaÉ mans"uÉ?].

Vokale
In der arabischen Sprache gibt es sechs Vokalphoneme, die Quantität ist immer distinktiv:
i iÉ u uÉ
a aÉ
Die Realisation der Vokale variiert, in Abhängigkeit von der konsonantischen Umgebung, sehr
stark.

Bei der Eindeutschung werden die Quantität und die Qualität der Vokale dem Deutschen ange-
glichen, sie sind:
– in akzentuierten offenen Silben lang und gespannt, z. B. Mounira D[mun"iÉåaÉ], ausgenom-
men [E], z. B. Dschebel D[dZ"EÉbEl];
– in nichtakzentuierten offenen Silben kurz und gespannt, z. B. Mounira D[mun"iÉåaÉ];
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 127

– in akzentuierten und nichtakzentuierten geschlossenen Silben meist kurz und ungespannt,


dies betrifft auch die Position vor doppelt geschriebenen Konsonanten, z. B. Bittar D[bIt"aÉ];
es können aber, vor allem in akzentuierter Position vor wortauslautendem Konsonanten,
auch lange gespannte Vokale auftreten, z. B. Jalal D[dZal"aÉl];
– im Wortauslaut lang und gespannt, z. B. Ghani D[g"aÉniÉ].

Die arabischen Diphthonge [aj aw] werden in den eingedeutschten Formen durch zwei kurze
ungespannte Vokale ersetzt, z. B. Faisal D[f"aE8sal]. Sie treten nur im Silbenauslaut auf, in anderen
Positionen werden die beiden Vokale auf zwei Silben verteilt, z. B. Fouad D[fu"aÉt].

Konsonanten
Im Arabischen gibt es ein sehr differenziertes Konsonantensystem, die Quantität ist für alle Kon-
sonanten distinktiv (dies wird in der folgenden Übersicht nicht angezeigt):

labial dental dental palatal velar uvular pha- glottal


empha- ryngal
tisch
stimmlos t tvʕ k q /
Plosive
stimmhaft b d dvʕ dZ
stimmlos f Ts svʕ S x © h
Frikative
stimmhaft Dz zvʕ V ʕ
Nasale m n
Lateral l
Vibrant r
Approximanten w j

Anmerkungen:
– /T/ und /D/ werden interdental gebildet.
– Emphatisch bedeutet, dass eine zusätzliche Velarisierung und Pharyngalisierung auftritt.
– Der Glottisplosiv kommt als selbstständiger Konsonant in allen Positionen vor, d. h. vor und
nach Vokal.
– Das Arabische kennt keine Konsonantenhäufungen.
– Es gibt keine Auslautverhärtung.

Die Merkmale der arabischen Konsonanten werden bei der Eindeutschung dem Deutschen fol-
gendermaßen angepasst:
– Es werden keine Quantitätsunterschiede gemacht, alle Konsonanten sind kurz.
– Das arabische Zungenspitzen-R wird durch Reibe- bzw. vokalisiertes R ersetzt, z. B. Rehab
D[åEh"aÉp], Marwan D[mav"aÉn], Samir D[sam"iÉ?].
– Die emphatischen und pharyngalisierten Konsonanten werden nicht ins Deutsche übertragen.
– Der Glottisplosiv wird nur im Wortanlaut realisiert.

Assimilation
Im Arabischen gibt es keine Auslautverhärtung. Auslautverhärtung und Assimilationen erfolgen in
eingedeutschten Formen nach den entsprechenden Regeln des Deutschen, z.B. Magdy D[m"akd9iÉ].
128 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Die Originalaussprache wird in der folgenden Übersicht nicht angegeben.

Schreibung Aussprache Beispiel Aussprache


eingedeutscht eingedeutscht
a aÉ, a Barrada baå"aÉdaÉ
ai aE8 Faisal f"aE8sal
ay aE8 Taysir tsaE8s"iÉ?
b b Barrada baå"aÉdaÉ
p Abdullah apd9"UlaÉ
c s Jacir dZ"aÉsI
ch S Hicham hIS"aÉm
d d Darsi d"asiÉ
t Ahmed "axmEt
dh d Abu Dhabi ®abuÉ d"aÉbiÉ
dj dZ Djihad dZih"aÉt
dsch dZ Dschebel dZ"EÉbEl
tS Hadsch hatS
e EÉ Dschebel dZ"EÉbEl
E Ahmed "axmEt
« Feluke fEl"uÉk«
ei aE8, E£ Hussein hUs"aE8n od. ...s"E£n
f f Feluke fEl"uÉk«
g dZ Gamal dZ"aÉmal od. dZam"aÉl
k Sirag siå"aÉk
gh g Ghani g"aÉniÉ
h h Hadsch hatS
nach V x Ahmed "axmEt
i iÉ Amina am"iÉnaÉ
I Bittar bIt"aÉ
j dZ Jalal dZal"aÉl
k k Feluke fEl"uÉk«
kh k El Khattab El kat"aÉp
o oÉ Omar "oÉmaÉ
O Al Solh al s"Ol
ou uÉ Mansour mans"uÉ?
U El Koussy El k"UsiÉ
r å Sirag siå"aÉk
 Bittar bIt"aÉ
? Mansour mans"uÉ?
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 129

Schreibung Aussprache Beispiel Aussprache


eingedeutscht eingedeutscht
s s Sansour sans"uÉ?
sh S Bashar baS"aÉ
t t Taysir taE8s"iÉ?
th T Athir aT"iÉ?
u uÉ Feluke fEl"uÉk«
U Abdul "apd9Ul
v v Vezir vEz"iÉ?
y auslautend iÉ Al Shomaly al Som"aÉliÉ
vor V J Gallabiya dZalab"iÉJaÉ
z z Alkazar alkaz"aÉ
auslautend s El Baz El b"aÉs

7.3.2 Chinesisch

Die chinesische Sprache (Mandarin) gehört zur sinotibetischen Sprachfamilie und ist Amtsspra-
che in China, Singapur und Taiwan. »Chinesisch« umfasst zahlreiche Varianten und Dialekte. Es
werden zwischen vier und acht Großgruppen beschrieben, wobei die größten Unterschiede zwi-
schen den Nord- (bzw. Nordost-) und den Süd- (bzw. Südost-)Dialekten bestehen. Alle Dialekte
unterscheiden sich in phonologischen, aber auch lexikalischen und syntaktischen Merkmalen.
Dagegen kann die Schrift, die allerdings nur eingeschränkt gültige Hinweise für die Aussprache
gibt, von jedem schriftkundigen Chinesen gelesen werden. Das Standardchinesische, die sog.
»Allgemeinsprache« (Putonghua) basiert auf dem nordchinesischen Dialekt, die Standard-
aussprache auf der in Peking gesprochenen Form. Das heute weltweit am weitesten verbreitete
Transkriptions- bzw. Transliterationssystem für chinesische Schriftzeichen ist (Hanyu-)Pinyin.
Es hat andere Systeme (insbesondere Wade-Giles) und auch die nichtlateinische phonetische
Transkription Zhuyin Fuhao (in Taiwan noch verbreitet) weitgehend abgelöst.

Töne und Akzentuierung


Chinesisch ist eine Tonsprache, sie nutzt Tonhöhen- sowie Quantitäts- und Intensitätsmodifika-
tionen für die Bedeutungsunterscheidung morphologischer Einheiten:
– Es gibt nur einen schwachen Kontrast zwischen akzentuierten und nichtakzentuierten Sil-
ben. Chinesisch wird zu den eher silbenzählenden Sprachen gerechnet.
– In chinesischen Wörterbüchern finden sich keine Angaben zu Akzenten, lediglich zu den
Tönen. Der Wortakzent liegt tendenziell in zwei-, drei- oder mehrsilbigen Wörtern und in
Wortgruppen auf der letzten tontragenden Silbe.
– Tonhöhen und Tonhöhenveränderungen (in Verbindung mit Quantitäts- und Intensitätsun-
terschieden der jeweiligen Silben) sind distinktive Merkmale, die verbindlich auf morpholo-
gisch definierte Segmente bezogen werden. Jede Sprechsilbe (die Standardsprache enthält
ca. 420 Silben) kann in vier Tönen gesprochen werden (also insgesamt ca. 1680 Tonsilben)
und drückt damit vier Bedeutungen aus.
– Im Pinyin-Transkriptionssystem werden die Töne durch Tonzeichen über dem akzentuierten
Vokal gekennzeichnet.
130 Die Standardaussprache in Deutschland

Im Chinesischen gibt es folgende Töne:


Zeichen Verlauf Tondauer Intensität (Druck) Beispiel Übersetzung
1. Ton: eben mittel gleichbleibend stark pā acht
hoch ¤ wū Zimmer
2. Ton: steigend etwas kürzer zunehmende paÚ (hoch)ziehen
halbhoch- ⁄ als 1. Ton Intensität wuÚ nicht haben
hoch
3. Ton: fallend- etwas länger als zunächst stark, paÜ Schießscheibe
halbtief-tief- ‹ steigend 1. Ton (längster Ton) dann abnehmend wuÜ fünf
halbhoch und wieder schwach
ansteigend
4. Ton: fallend kürzer als 1. Ton starker Abfall paÙ Vater
hoch-tief Ÿ (kürzester Ton) wuÙ Nebel

Nichtakzentuierte Silben können ihren Originalton verlieren, sie werden insgesamt auch deut-
lich schwächer in Lautstärke und Spannung gesprochen.

Für die Eindeutschung gilt:


– Auf die Realisierung (und Transkription) der Töne wird verzichtet.
– Die Wortakzentuierung folgt dem chinesischen Muster: Meist wird der Vokal der letzten Silbe
(im Chinesischen tontragend) hervorgehoben, einige (im Chinesischen tonlose) letzte Silben
wie -zi (wie in Zhuangzi) werden jedoch nicht akzentuiert. Nebenakzente werden wie im
Deutschen angegeben.
– Bei der Wortgruppenakzentuierung werden die Regeln des Deutschen übernommen.

Vokale
Im Chinesischen gibt es neun Vokalphoneme:
i u
y « o
E ã V
a
Quantität und Qualität sind nicht bedeutungsunterscheidend. Die Vokalquantität gehört zum
jeweiligen Ton und hängt davon ab, ob ein Nasal folgt oder nicht; die Qualität der einzelnen
Vokalphoneme wird durch den vorangehenden und nachfolgenden Konsonanten beeinflusst.
/i u y/ sind Übergangsvokale, d. h. sehr schwach gesprochene, in der Regel nichtsilbische Vokale.

Für die Eindeutschung gilt:


– Die Vokale sind lang und gespannt am Wortende und in akzentuierten offenen Silben, z. B.
Erhu D[Ex"uÉ], Zhuzi D[dZ"uÉ.dz«].
– Sie sind kurz und gespannt in nichtakzentuierten offenen Silben, z. B. Xi’an D[i"³an].
– Sie sind kurz und ungespannt in akzentuierten und nichtakzentuierten geschlossenen Silben,
z. B. Changsha D[tSaNS"aÉ], Sunzi D[s"Undz«], Tianjin D[tCEndJ"In].
– [ã] wird durch [E] ersetzt, z. B. Erhu CH[ãxu] – D[Ex"uÉ].
– [V] wird durch [E] ersetzt, z. B. Emeishan CH[VmEC§an] – D[EmE£S"an].
– <-i> wird nach <z, c, s, zh, ch, sh, r> schwach und als [I], [{] oder [«] (am Wortende) rea-
lisiert, z. B. Sichuan D[sItSu8"an], Mengzi D[m"{Ndz«], Zhuzi D[dZ"uÉ.dz«].
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 131

– Vor <ch> wird ein kurzer ungespannter Vokal realisiert, z. B. Sichuan D[sItSu8"an].
– Ein Apostroph in der Pinyin-Schreibung zwischen zwei Vokalen zeigt einen schwachen Glot-
tisschlag innerhalb eines Wortes an (im Chinesischen wird er nicht transkribiert), z. B. Xi’an
CH[‚i.an].
– Der Glottisschlag wird entsprechend den Regeln für das Deutsche verwendet, z. B. Xi’an
D[i"³an].

Vokalverbindungen
Im Chinesischen gibt es zahlreiche Vokalverbindungen:
– vier fallende Diphthonge [aC], [aO8], [EC], [«u8] sowie diphthongartige Verbindungen mit den
Übergangsvokalen [Ca], [CE], [C«], [Cu], [u8O], [u8a], [y*E];
– vier Triphthonge, gebildet aus den fallenden Diphthongen und den Übergangsvokalen [i u]:
[u8aC], [CaO8], [u8EC], [C«u8].

Für die Eindeutschung gilt:


– Die Diphthonge [aC] und [au8] werden durch [aE8 aO8] ersetzt, z. B. Kaifeng D[kaE8f"{N].
– [«u8] und [EC] werden durch [OU8] und [E£] wiedergegeben, z. B. Beijing D[bE£.dJ"IN].

Konsonanten
Im Chinesischen gibt es 17 Konsonantenphoneme:

labial dental retroflex palatal velar


stimmlos aspiriert pî tî kî
Plosive
stimmlos unaspiriert p t k
stimmlos f s ‚ x
Frikative
stimmhaft §½
Nasale m n N
Lateral l
Approximant j

[n] kommt sowohl silbeninitial als auch -final vor, [N] nur final. Alle anderen Konsonanten kön-
nen nur initial (vor Vokalen) auftreten. Es gibt sechs Affrikaten: CH[ts t§ t‚ tsî t§î t‚î].

Für die Eindeutschung gilt:


– Die nichtaspirierten Plosive [p t k] werden durch [b d g] ersetzt.
– Die aspirierten Plosive [pî tî kî] werden durch [p t k] ersetzt.
– [‚] wird durch [] ersetzt, z. B. Xi’an CH[‚i.an] – D[i"³an].
– [§] als Einzellaut wird durch [S] ersetzt, z. B. Shandong CH[§antuN] – D[Sand"UN].
– [t§] wird durch [dZ] ersetzt, z. B. Zhuangzi CH[t§u8aNts`] – D[dZu8"aNdz«].
– [½] wird durch [å] ersetzt, z. B. Renmin Ribao CH[½«nmin ½`.bau8] – D[åEnm®In åib"aO8].

Folgende Konsonanten sind in der Aussprache mit dem Deutschen identisch: /f m s n N l/.

Assimilation
Auch bei hohem Sprechtempo kommt es im Chinesischen kaum zu Assimilationen, Reduktio-
nen oder Elisionen, dies wird in der Eindeutschung nicht berücksichtigt.
132 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Alle im Pinyin-Lautalphabet geschriebenen Konsonanten und Vokale werden auch ausgespro-
chen. In der folgenden Übersicht werden die Zeichen für die Töne sowie die Wortakzente in den
chinesischen Beispielen nicht eingetragen.
Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
(Pinyin) chinesisch eingedeutscht (Pinyin) chinesisch eingedeutscht
a, außer in -ian und a a Guangdong ku8aNtuN gu8aNd"UN
-uan nach j-, q-, x- aÉ Ba Jin pa t‚in baÉ dJ"In
a in -ian und -an nach E E Tian’anmen tîCEn.anm«n tC®En³anm"{n
j-, q-, x-
ao au8 aO8 Aomen au8m«n aO8m"{n
b p b Beijing pECt‚iN bE£.dJ"IN
c tîs ts Cao Yu tîsau y tsaO8 "³yÉ
ch t§î tS Changsha t§îaN§a tSaNS"aÉ
d t d Dandong tant"UN dand"UN
e V E Emeishan VmEC§an EmE£S"an
in off. Silbe { Hefei xVfEC x{f"E£

e « E Renminbi ½«nminpi åEnmInb"iÉ


in -en und -eng { Fengshui f«N§uC f"{NSU£
ei EC E£ Hefei xVfEC x {f"E£
er ã E Erhu ãxu Ex"uÉ
Muer mu.ã mu"³E
g k g Guangdong ku8aNtuN gu8aNd"UN
h x x Hangzhou xaNt§ou8 x aNdZ"OU8
i, außer nach z-, c-, s-, i i Jinan t‚inan dJin"an
zh-, ch-, sh-, r- und in
-in, -ing
i nach z-, c-, s-, zh-, s` (ebenso I Sichuan s`t§îu8an sItSu8"an
ch-, sh-, r- z`…)
i in -in und -ing i I Renmin ½«nmin åEnm"In
j t‚ dJ Jinan t‚inan dJin"an
k kî k Kunming kîunmiN kUnm"IN
ng N N Qingdao t‚îiNtau8 tINd"aO8
o O o Molihua mOlixu8a molixu8"aÉ
in off. Silbe
o u8 O8 Baotou pau8tîou8 baO8t"OU8
in -ao, -iao Liaoning lCau8niN lCaO8n"IN
o in -iong, -ong u U Gongfu kuNfu g"UNfuÉ
o in -uo O O8 Guomindang ku8OmintaN gUO8mInd"aN
und -ou o O Guangzhou ku8aNt§ou8 gu8aNdZ"OU8
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 133

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


(Pinyin) chinesisch eingedeutscht (Pinyin) chinesisch eingedeutscht
p pî p Puyi pîu.i pu.C"iÉ
q t‚î t Qingdao t‚îiNtau8 tINd"aO8
r ½ å Ritan ½`.tîan åit"an
sh § S Shandong §antuN Sand"UN
t tî t Tianjin tîCEnt‚in tCEndJ"In
u, außer nach j-, q-, x-, u u Putonghua pîutîuNxu8a putUNxu8"aÉ
y- u8 u8 Tieguanyin tîCEku8an.jin tCEgu8anJ"In
u nach j-, q-, x-, y- y Y Qundao t‚îyntau8 tYnd"aO8
y* Taiyuan tîaCJyEn taE8Jy*"En
ü y y Nüwa nyu8a nyu8"aÉ
w u8 u8 Nüwa nyu8a nyu8"aÉ
v Wenzhou u8«nt§ou8 v{ndZ"OU8
y j J Tieguanyin tîCEku8an.jin tCEgu8anJ"In
x ‚  Xi’an ‚i.an i"³an
z ts dz Zunyi tsun.i dzunC"iÉ
zh t§ dZ Zhuangzi t§u8aNts`` dZu8"aNdz«

Literatur
Chiao, W. J./Kelz, H. P. (1985): Chinesische Aussprache. Bonn: Dümmler.
Hunold, C. (2008): Untersuchungen zu segmentalen und suprasegmentalen Ausspracheabweichungen
chinesischer Deutschlernender. Frankfurt a. M.: Lang. (Hallesche Schriften zur Sprechwissenschaft und
Phonetik 28).

7.3.3 Dänisch

Die Aussprache des Standarddänischen basiert auf der Aussprache in der Hauptstadtregion.
Während die dänische Orthografie äußerst konservativ ist, variiert die Aussprache regional stark
und verändert sich relativ schnell. Im Folgenden wird deshalb nur auf Standarddänisch (Dän) Be-
zug genommen, das in den meisten Medien und in Teilen der Hauptstadtregion gesprochen wird.

Akzentuierung
Dänische Wörter und Namen tragen den Hauptakzent auf der ersten Silbe, z. B. Hansen
Dän[h"Ïn³z9n`], Århus Dän["Éhu³z9]. Dies wird bei der Eindeutschung so beibehalten.

Im Dänischen ist der sog. Stoßton mit der Akzentuierung verbunden, d. h. während der Artiku-
lation des Akzentvokals steigt in den betreffenden Wörtern der Luftdruck unterhalb der Glottis
und fällt dann abrupt, so dass entweder im Vokal selbst oder im nachfolgenden Konsonanten
unregelmäßige Stimmlippenschwingungen entstehen. Transkribiert wird er in der dänischen
Tradition als [³] nach dem betreffenden Laut, z. B. Høeg Dän[hP³C]. Der Stoßton wird bei der Ein-
deutschung nicht berücksichtigt.
134 Die Standardaussprache in Deutschland

In Wortgruppen und Sätzen im Dänischen werden mehr potenzielle Hauptakzente realisiert als
im Deutschen. Der Wortgruppenakzent erscheint als melodischer Anstieg nach dem tonalen Fall
des Wortakzents; und zwar in der Folgesilbe, wenn keine weitere akzentuierbare Silbe im Wort
folgt. In den eingedeutschten Formen werden Haupt- und Nebenakzente verwendet.

Vokale
Im Dänischen gibt es 11 qualitativ zu unterscheidende Monophthonge, die jeweils kurz, lang und
mit Stoßton vorkommen. Außerdem gibt es einen zentralen Vokal /«/, so dass es insgesamt 34
Vokalphoneme sind:

iÒ/ÔÒÉÔ yÒ/ÔÒÉÔ uÒ/ÔÒÉÔ


eÒ/ÔÒÉÔ PÒ/ÔÒÉÔ oÒ/ÔÒÉÔ
EÒ/ÔÒÉÔ {Ò/ÔÒÉÔ « OÒ/ÔÒÉÔ
ÏÒ/ÔÒÉÔ aÒ/ÔÒÉÔ

Die ausgeprägte Tendenz zur Assimilation an [r] führt zu einer komplexen Allophonie; es wer-
den mindestens 48 monophthongische Vokalallophone benutzt; z. B. hat /OÉ/ vor <r> das Allo-
phon [É], z. B. Korsør Dän[g(îÉz9"P³O8] und /{/ zwischen <r> und <n> das Allophon [Ó], z. B.
Grønbæk Dän[g(å"Ónb9Eg(].
Im Dänischen gibt es zahlreiche Diphthonge (ca. 40) sowie einige Triphthonge und
Quadrophthonge, z. B. Køge Dän[g(î"PÉC«] – D[k"PÉg«], Jersie Dän[C"EO8z9i] – D[J"EziÉ]; Himmelbjerget
Dän[h"em+b9CEO8u8«D] – D[h"Im+bJEg«t].

Für die Eindeutschung gilt:


– Verwendung einer a-Qualität, z. B. Ombudsman Dän["Omb9uDz9mÏn³] – D["OmbUtsman];
– Ersatz gespannter Vokale in geschlossenen Silben durch ungespannte, z. B. Roskilde
Dän[å"Oz9g(îil«] – D[å"OskIld«], Brøndlund Dän[b9å"Ónl¿n³] – D[bå"{ntlUnt];
– keine Vokalisierung von Frikativen und Plosiven, z. B. Frederikshavn Dän[v9å®EDåEg(z9h"aO8³n] –
D[få9®eÉd«åIksh"aÉfn`], Køge Dän[g(î"PÉC«] – D[k"PÉg«].

Die Öffnung besonders der vorderen Vokale findet in der Schrift keinen Niederschlag, weshalb
man bei der Eindeutschung meistens gespanntere Vokale findet als im Dänischen, z. B. Himmel-
bjerget Dän[h"em+b9CEO8u8«D] – D[h"Im+bJEg«t], Øresund Dän["PÉO8z9¿n³] – D["PÉå«zUnt].

Konsonanten
Im Dänischen gibt es 23 Konsonantenphoneme:
labial dental alveolar palatal/ uvular glottal
velar
aspiriert p t k
Plosive
unaspiriert b d g
stimmlos f s § h
Frikative
stimmhaft v DÒ/Ô åÒ/Ô
Nasale mÒ/Ô nÒ/Ô NÒ/Ô
Liquide lÒ/Ô
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 135

Anmerkungen:
– Die dänischen Plosive unterscheiden sich nur in der Aspiration; sie sind alle stimmlos.
– Alle Konsonanten werden als Lenes realisiert. /g/, /v/, /r/ und /d/ kommen heute fast aus-
schließlich am Morphemanfang vor, sonst werden für <g>, <v>, <r> und <d> entweder vo-
kalisierte oder stumme Varianten gebildet.
– Es gibt kein // und kein /x/, dafür das Phonem /D/ und ein palatales, auditiv dem deutschen
/S/ ähnliches Phonem /§/.
– Die Existenz eines Phonems /j/ ist umstritten, es wird von einer völligen Vokalisierung des /j/
ausgegangen.
– Das Dänische besitzt keine Affrikaten, abgesehen davon, dass /t/ in absolut initialer Position
als [d9sh] (eng transkribiert, sonst vereinfacht [d9s]) ausgesprochen wird.
– Bei den Nasalen, bei /l/ und bei /D/ kann der Stoßton vorkommen.

Für die Eindeutschung gilt:


– je nach Position Ersatz des stimmlosen S durch stimmhaftes S oder Ersatz durch Fortis-S,
z. B. Dinesen Dän[d9"iÉn«z9n`] – D[d"iÉn«zn`], Århus Dän["Éhu³z9] – D["aÉhuÉs];
– keine Neutralisierung, z. B. Rikke Dän[å"Eg(«] – D[å"Ik«], Vipperød Dän[v"eb9«å{D³] –
D[v"Ip«åPÉt];
– Ersatz des [D] durch [d] oder [t], z. B. Odense Dän["o³Dn`z9«] – D["oÉdn`z«], Rungsted
Dän[å"¿Nz9d9ED] – D[å"UNstEt], Rødby Dän[å"{Db9y³] – D[å"PÉtb9yÉ] od. [å"{tb9yÉ];
– keine Verstummung, z. B. Grønland Dän[g(å"ÓnlÏn/] – D[gå"PÉnlant];
– kein Stoßton, z. B. Olsen Dän["ol³z9n`] – D["oÉlzn`], Billund Dän[b9"il¿n³] – D[b"IlUnt].

Assimilation
Charakteristisch für das Dänische ist die extreme Assimilation an /r/, progressiv wie regressiv,
von der eigentlich nur die geschlossenen Vokale unberührt bleiben, z. B. Frederik Dän[v9å"EDåEg(] –
D[få9"eÉd«åIk], Korsør Dän[g(îÉz9"P³O8] – D[kOz"PÉ?]. In eingedeutschten Formen werden diese Assi-
milationen nicht berücksichtigt.
In großem Umfang werden auslautende Konsonanten elidiert, dies wird bei der Eindeut-
˚
schung nicht berücksichtigt, z. B. Øresund Dän["PÉO8z9¿n³] – D["PÉå«zUnt], Fjord Dän[v9Co³O8] – D[fJOt],
Gedser Dän[g("Ez9O] – D[g"eÉtsŒ], Tuborg Dän[d9s"ub9O³] – D[t"uÉbOk], Carlsberg Dän[g(î"a³lz9b9E³O8] –
D[k"alsb9Ek]. Auch die Elision von Konsonanten im Wortinneren bleibt unberücksichtigt, z. B.
Andersen Dän["anOz9n`] – D["andŒzn`].
136 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Da die dänischen und die deutschen initialen Konsonanten weitgehend übereinstimmen, ab-
gesehen von der Stimmlosigkeit der dänischen Phoneme /b/, /d/ und /g/ und dem fehlenden
stimmhaften S im Dänischen, werden in der Übersicht nur die für die Eindeutschung wesent-
lichen, d.h. nicht alle möglichen Allophone berücksichtigt, das betrifft auch die Vokallänge.
Folgende Schriftzeichen haben in beiden Sprachen gleiche Entsprechungen in der Aussprache:
<f, l, m, n>.
Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
dänisch eingedeutscht dänisch eingedeutscht
a aÉ a Lars laÉz9 las
a a Bang b9aN³ baN
Ï a Hansen h"Ïn³z99n> h"anzn`
aÉ Ida "iÉd9Ï "iÉdaÉ
aa O aÉ Aalborg "Olb9³ "aÉlbOk
¿É aÉ Taasinge d9s"¿Éz9eN« t"aÉzIN«
å O aÉ Ålborg "Olb9³ "aÉlbOk
¿É aÉ Tåsinge d9s"¿Éz9eN« t"aÉzIN«
æ a E Brændstrup b9å"an³z9d9å¿b9 bå"Entstå9Up
E E Kærby g(î"EO8b9y³ k"EbyÉ
EÉ EÉ Ærø "EÉå{³ "EÉåPÉ
b b9 b Ebbe "Eb9« "Eb«
auslautend p Christianshåb g(îåEz9d9CÏnzh"¿³b9 kå®9IstCansh"aÉp
c g( k Carlsen g(î"a³lz9n k"alzn>
vor vord. V z9 ts Cederholm z9"eDOhOlm ts"eÉdŒhOlm
ch g( C Ancher "aNg(Œ "anCŒ
auslautend x Bloch b9lOg( blOx
d d9 d Ida "iÉd9Ï "iÉdaÉ
D d Videbæk v"iD«b9Eg( v"iÉd«bEk
auslautend – t Grønland g(å"ÓnlÏn³ gå"PÉnlant
e e eÉ Petersen b9î"e³d9Œz9n` p"eÉtŒzn`
eÉ eÉ Hedeby h"eÉD«b9y³ h"eÉd«byÉ
E E Jensen C"Enz9n` J"Enzn`
a eÉ Sejerø z9"aCŒ8P³ z"eÉJŒ³PÉ
« « Rønne å"Ón« å"{n«
ej aC eÉJ Sejerø z9"aCŒ8P³ z"eÉJŒ³PÉ
eu O³Î OÎ Freuchen v9å"O³Îg(n` få9"OÎn`
g g( g Gitte g("id9« g"It«
C g Hagen h"ÏCEn h"aÉg>
auslautend – k Tygstrup d9s"y/z9d9åOb9 t"yÉkstå9Up
O8 k Dragsholm d9å"a³O8z9hOlm då"aÉkshOlm
h h h Hagen h"ÏCEn h"aÉg>
hj C J Hjørring C"ÓåeN J"{åIN
hv v v Hvidovre v"iDOo8Œ v"iÉt/Ofå9«
i E I Erik "eÉåEg( "eÉåIk
Gitte g("id9« g"It«
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 137

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


dänisch eingedeutscht dänisch eingedeutscht
ie e iÉ Niels nelz9 niÉls
j C J Jørgen C"ÓO8n J"{g>
k, kk g( k Rikke å"Eg(« å"Ik«
g(î k Korsør g(îÉz9"P³O8 kOz"PÉ?
kj g(î k Aakjær "¿³g(îE? "aÉkEÉ?
o oÉ oÉ Mona m"oÉnÏ m"oÉnaÉ
O oÉ Gothersgade g("Od9Oz9g(ÏD« g"oÉtŒsg(aÉd«
É O Morten m"Éd9n` m"Otn`
ø PÉ PÉ Køge g(î"PÉC« k"PÉg«
{ { Bønnerup b9"{n«å¿b9 b"{n«åUp
Ó PÉ Grønbæk g(å"Ónb9Eg( gå"PÉnbEk
Ï PÉ Vipperød v"eb9î«åÏD v"Ip«åPÉt
øj OÎ OÎ Højholt h"OÎhOldß h"OÎhOlt
OÎ PÉJ Høje Tåstrup h"OΫ ds"Ozßdßå9Ubß h®PÉJ« t"aÉstå9Up
øy O³Î OÎ Hammershøy h"amŒzßhO³Î h"amŒshOÎ
p, pp b9 p Vipperød v"eb9î«åÏD v"Ip«åPÉt
b9î p Peter b9î"e³d9Œ p"eÉtŒ
r å å Rikke å"Eg(« å"Ik«
O8  Birkholm b9"iO8g(hOlm b"IkhOlm
–  Carsten g(î"aÉz9d9n` k"astn
? Århus "Éhu³z9 "aÉhuÉs
s z9 z Olsen "olz9n` "oÉlzn`
auslautend s Århus "Éhu³zß "aÉhuÉs
t, tt d99 t Mette m"Ed9« m"Et«
d9î t Tåsinge d9s"¿Éz9eN« t"aÉzIN«
D t Vesterhavet v"Ez9d9OhÏv«D v"EstŒhaÉv«t
od. ...haÉf«t
u u uÉ Århus "Éhu³z9 "aÉhuÉs
u U Kurt g(îuO8d9 kUt
¿ U Øresund "PÉO8z9¿n "PÉå«zUnt
v v v Vipperød v"eb9«åÏD v"Ip«åPÉt
auslautend u8 f Herlev h"ElEu8 h"ElEf
o8 f Hvidovre v"iDOo8Œ v"iÉt/Ofåß«
y y yÉ Kærby g(î"EO8b9y³ k"EbyÉ
Y Bygholm b9"yg(hOlm b"YkhOlm

Literatur
Basboll, H./Wagner, J. (1985): Kontrastive Phonologie des Deutschen und des Dänischen. Tübingen: Nie-
meyer. (Linguistische Arbeiten 160).
Brink, L. et al. (1991): Den Store Danske Udtaleordbog. København: Munksgaard.
Grønnum, N. (1998): Fonetik og fonologi: almen og dansk. København: Akademisk Forlag.
Hansen, P. M. (1990): Dansk udtale. Udtaleordbog. Gyldendals Røde Ordbøger. København: Gyldendal.
138 Die Standardaussprache in Deutschland

7.3.4 Englisch

Als eng verwandte westgermanische Sprache weist Englisch viele strukturelle Gemeinsamkeiten
mit dem Deutschen auf. Im phonetischen Bereich zeigt sich dies in der Differenziertheit der Sil-
benstruktur, in der Variabilität der Wortakzentuierung, in der Benutzung einer Lang-Kurzvokal-
Opposition sowie in der starken Überlappung in Konsonanteninventar und -distribution. Trotz
der vielen strukturellen Gemeinsamkeiten erfahren Wörter, die Unterschiede zum Deutschen
aufweisen, bei der Eindeutschung systematische Lautveränderungen, die sie der deutschen Lau-
tung näher bringen. Der unterschiedliche Kenntnisstand im Englischen – bei sehr starker Aus-
breitung des Englischunterrichts – führt zu starker Divergenz in der eingedeutschten Form vieler
nicht so häufiger Wörter: vom systematischen Ersetzen aller Laute ohne deutsche Entsprechung
durch deutsche Laute bis zu einer quasi-englischen Realisierung.
Aufgrund der starken Handels- und Kolonialaktivität Großbritanniens insbesondere im
19. Jahrhundert hat sich Englisch als Staats- oder Verwaltungssprache in vielen Ländern etabliert
und jeweils eigene distinktive Varietäten mit typischer Aussprache entwickelt (Australien, Neu-
seeland, Südafrika, Indien, Singapore, Hongkong, Jamaika usw.). Diese Varietäten haben jedoch
keinen Einfluss auf die Eindeutschung englischer Wörter. Dagegen ist der Einfluss Nordameri-
kas, vor allem des USA-Englisch, wegen des besonders im technischen Bereich weltumspan-
nenden Kulturexports sehr stark. Die Folgen des doppelten Einflusses – des britischen und
des amerikanischen – sind häufig an zwei Ausspracheformen eingedeutschter englischer Wörter
zu erkennen, da sich die beiden Varianten sowohl im Vokalismus als auch im Konsonantismus
leicht unterscheiden. Während der heutige britische Standard seine Wurzeln im Königshaus und
den von regionalen Einflüssen unabhängigen ›Public Schools‹ (Eliteschulen) hat, entwickelt sich
das amerikanische Englisch seit der Zeit der frühen Einwanderungen aus Südwestengland und
der frühen Kolonialisierung zunehmend selbstständig.
Im Folgenden steht E vor der originalenglischen Ausspracheform, wenn sie in amerikanischer
und britischer Transkription vergleichbar ist, sonst US und BR; vor der eingedeutschten Aussprache
steht D, gegebenenfalls mit dem Zusatz US oder BR. Generell gilt, dass die Aussprache – unabhängig
von den folgenden Ausführungen – je nach Situation, Kontext und Sprachbeherrschungsgrad
auch stärker an die englischen Normen angenähert werden kann.

Akzentuierung
Die Position des Wortakzents ist im Englischen wie im Deutschen variabel. Das englische Wort-
akzentmuster wird meistens bei der Eindeutschung übernommen. US-Englisch und britisches
Englisch unterscheiden sich in der Akzentsetzung bei Lehnwörtern aus dem Französischen, z. B.
soufflé US[suÉfl"e£] – BR[s"uÉfle£].
Bei Wortgruppen und Komposita, die im Englischen nicht immer (als Komposita erkennbar)
zusammengeschrieben werden, haben sich im Deutschen z. T. Akzentmuster etabliert, die vom
Original abweichen. Häufig – insbesondere bei Ortsnamen – verschiebt sich der im Englischen
hinten liegende Akzent auf das erste Wort, z.B. Central Park E[s®Entr«l p"AÉÒrÔk] – D[s"Entå9@l paÉk],
Buckingham Palace E[b®¿kIN«m p"Ïl«s] – D[b"akIN«m p®El«s]. Personentitel werden auch ent-
gegen der englischen Konvention haupt- oder nebenakzentuiert, z. B. Sir Winston Churchill
BR[s« w®Inst«n t¡S"äÉt¡SI:] – D[s®{É? v®Instn` tS"{É?tSIl]. Aber die umgekehrte Verschiebung ist –
anscheinend ohne Systematik – auch zu beobachten, z. B. make-up E[m"e£k ®¿p] – Make-up
D[m®eÉk " ap]. Wie an diesem Beispiel zu erkennen ist, erfolgt bei der Eindeutschung auch keine
/

Übernahme der englischen Wortbindung (»linking«). Es wird im Deutschen ein Folgewort(teil)


mit einem Vokal im Anlaut durch einen Glottisplosiv (»fester Einsatz«) vom vorangehenden
Wort getrennt. Dies geschieht unabhängig vom Akzentmuster.
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 139

Vokale
Im britischen Englisch gibt es elf Monophthonge, im (mid-western) amerikanischen Englisch
zehn. Die Übersicht zeigt die Vokale in ihren unterschiedlichen Qualitäten:
britisches Englisch amerikanisches Englisch
(Standard Southern) (Mid-western Standard)
iÉ uÉ iÉ uÉ
I U I U
e «\äÉ OÉ e «\ã\ä±É

¿ ¿ OÉ
Ï Ï
AÉ  AÉ
Die Vokalquantität ist distinktiv, geht aber – wie im Deutschen – mit Qualitätsunterschieden
einher. Ihre distinktive Funktion ist im Englischen dadurch geschwächt, dass die Quantität eines
Vokals vor stimmhaften Konsonanten größer ist als vor stimmlosen, dadurch kommt dem Qua-
litätsunterschied bei den Vokaloppositionen eine größere Bedeutung zu: bead [biÉd] > beat [biòt]
= bid [bIòd] > bit [bIt](> ist länger als; = ist so lang wie).

Vokalverbindungen
In beiden Varianten des Englischen gibt es fünf monophonematische Diphthonge: [e£ a£ aU8 O£]
und BR[«U8]/US[oU8]. Das britische Standardenglisch weist aufgrund der Vokalisierung des postvo-
kalischen /r/ als Schwa eine Vielfalt biphonematischer Diphthonge und Triphthonge auf, z. B. tier
[tI«8], tour [tU«8], stare [stE«8], tyre [ta£«88], tower [taU8«8], lower [l«U8«8]. Die Triphthonge können auch
bisyllabisch gesprochen werden, z. B. tower [t"aU8«].
Im amerikanischen Englisch (wie in vielen anderen englischen geografischen Varianten)
bleibt das postvokalische /r/, häufig den Vokal stark mitfärbend, erhalten. Für die eingedeutschte
Aussprache von Wörtern mit <r> nach einem Vokalbuchstaben wird ein vokalisiertes R ange-
nommen, das in der Transkription mit dem nichtsilbischen [?] nach Langvokalen (z. B. flirt
D[fl{É?t]) und mit einem geschwächten velaren Frikativ [] nach Kurzvokalen und langem [aÉ]
(z. B. record D[å"EkOt]) wiedergegeben wird. Nichtakzentuiertes /«r/ wird mit dem silbischen [Œ]
transkribiert (z. B. computer D[kOmpJ"uÉtŒ]).˚
Bei der Realisierung eingedeutschter Wörter werden englische Wörter durch den in der Fär-
bung nächstliegenden deutschen Vokal ersetzt. Dies bedingt zwar einen »deutschen Akzent«,
aber nur in wenigen Fällen eine phonemische Verschiebung, die sich in der Transkription zeigt,
z. B. Hampton Court BR[h®Ïmpt«n k"OÉt] – D[h"Emptn` kOÉ?t]. Diese Interferenzverschiebungen
werden bei allgemein bekannten Namen in der Transkription wiedergegeben. Auch der mono-
phthongische Ersatz der englischen Diphthonge /e£/ und /«U8/ (/oU8/) durch D[eÉ] und D[oÉ] wird
in fest eingedeutschten Ausdrücken und Markennamen wiedergegeben, z. B. Mainstream
D[m"eÉnstå9iÉm], Coca Cola® D[k®oÉkaÉ k"oÉlaÉ].
Bei unterschiedlicher US- und britischer Vokalqualität, z. B. Boston US[b"AÉst«n] – BR[b"st«n]
stehen zwei Eindeutschungsversionen zur Wahl: (US)D[b"aÉstn`] – (BR)D[b"Ostn`]. Im Wörterverzeich-
nis wird nach Schriftnähe bzw. nach Gebrauchshäufigkeit entschieden. D. h., im Beispiel Boston
wird die britische Form angegeben.
In nichtakzentuierten Silben werden Vokale im Englischen nicht nur wie im Deutschen
quantitativ, sondern auch qualitativ reduziert (meist zu [«], z. B. Penelope E[p«n"el«pi], sonst zu
[I]/[i] oder [U]/[u]). In nichtakzentuierten offenen Silben werden in der Regel gespannte kurze
140 Die Standardaussprache in Deutschland

Vokale gebildet, z. B. Holyrood D[h"OliåuÉt]. Wortfinal wird in der deutschen Transkription diese
Kürzung nicht wiedergegeben, z. B. Missouri E[mIz"U«8ri] – D[mIs"uÉåiÉ]. Von bekannten Städtena-
men haben sich neben korrekten Formen z. T. »falsche« orthografieorientierte Eindeutschungen
etabliert, z. B. Edinburgh E["edInb«r«] – D["eÉdInbUk], Los Angeles US[lAÉs "Ïnd¡Z«liÉz] – D[lOs
"³EndZ«l«s] od. D[lOs "³eÉndZ«l«s].

Konsonanten
Im Englischen gibt es 24 Konsonantenphoneme:

labial dental/ post- palatal velar glottal


alveolar alveolar
stimmlos p t k
Plosive
stimmhaft b d g
stimmlos f Ts S h
Frikative
stimmhaft v Dz Z
Affrikaten stimmlos t¡S

stimmhaft d¡Z

Nasale m n N

Lateral l

Approximanten w r j

Für die Eindeutschung gilt:


– /p t k b d g f v s z S Z h t¡S d¡Z m n N/ entsprechen in der Aussprache dem Deutschen. Die
stimmhaften Obstruenten treten jedoch im Gegensatz zum Deutschen auch im offenen und
geschlossenen Silben- und Wortauslaut auf. Die fehlenden stimmhaften Konsonanten im
Auslaut (Auslautverhärtung) sowie das Missachten der in Abschnitt 2. erläuterten Allophone
hinsichtlich der Vokaldauer resultiert bei der Eindeutschung in der Fortisierung von Auslaut-
konsonanten. Dies spiegelt sich auch in der Transkription wider, z. B. live programme E[l"a£v
pr"«U8gr®Ïm] – Life-Programm D[l"aE8f på9ogå®am]. /s/ kommt im Anlaut deutscher Wörter
nicht vor. Bei der Eindeutschung kommt es bei unbekannten Wörtern zur orthografiebe-
dingten Verstimmlichung des /s/. Dies wird allerdings als Substandard betrachtet und in der
Transkription nicht vorgegeben, d. h. es wird auch im Anlaut prinzipiell [s] transkribiert.
– Der Lateralapproximant /l/ ist im britischen Englisch im Wort- und Silbenauslaut (in USA
generell) velarisiert (sog. »dunkles L«, [:]). In Deutschland ist eine solche Velarisierung des
/l/ nur regional zu finden. Bei der Eindeutschung wird daher generell ein nichtvelarisiertes
(»helles«) L realisiert, d. h. in der Transkription wird nicht zwischen beiden Versionen diffe-
renziert.
– Obwohl als Phonem für Fremdwörter anerkannt, wird D/dZ/ – wie in Dschungel – auf niedri-
ger Stilebene fortisiert, d. h. als /tS/ realisiert. Dies geschieht ohnehin bei der Eindeutschung
von Wörtern mit /dZ/ im Auslaut, aber es erscheint auch alternativ zu [dZ] im Anlaut, z. B.
John US[d¡ZAÉn], wird zuweilen als D[tSOn] realisiert. Diese Fortisvariante wird als Substandard
betrachtet und in der Transkription nicht vorgegeben.
– Das /r/ ist im Englischen ein postalveolarer (BR) manchmal auch retroflexer (US) Approxi-
mant, während es im Deutschen meist ein Frikativ [å], ein uvularer Vibrant [R] oder ein Ap-
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 141

proximant [] bzw. auch ein apikaler Schlaglaut [|] oder Vibrant [r] ist. Bei der Realisierung
eingedeutschter Wörter mit /r/ wird eine deutsche Variante eingesetzt, die je nach Grad der
Beherrschung der englischen Artikulation dieser angenähert werden kann. In der Transkrip-
tion wird für eingedeutschte konsonantische R-Realisationen nur das Symbol [å] angegeben
(ohne die weitere Unterscheidung möglicher Varianten), bei guten Englischkenntnissen oder
z. B. in Personennamen kann – insbesondere in englischsprachigem Kontext – anstelle des
Frikativs auch ein der Ausgangssprache mehr entsprechender postalveolarer oder retroflexer
Approximant realisiert werden.
– Die interdentalen Frikative, stimmloses /T/, z. B. Ruth [ruÉT], und stimmhaftes /D/, z. B. Hythe
[ha£D], kommen im Deutschen nicht vor und werden häufig als [s] bzw. [z] realisiert.
Diese werden als Substandard eingestuft und in der Transkription nicht berücksichtigt,
z. B. Southampton E[saU8T"Ïmpt«n] – D[saO88T"Emptn`], nicht D[zaO8s"Emptn`] oder Worthington
E[w"äÉDINt«n] – D[v"{É?DINtn`].
– Der labial-velare Approximant (auch »Gleitlaut«) /w/ ist bei der Aussprache englischer
Namen auch deshalb besonders problematisch, weil die deutsche <w>-[v]-Entsprechung fast
ausnahmslos gilt. Wegen der häufigen Eindeutschung englischer Wörter mit /w/ als [v], z. B.
Wyoming US[wa£"oU8mIN] als D[vaE8"oÉmIN] wird E/w/ im Wörterverzeichnis in der Transkrip-
tion mit [v] wiedergegeben. Der Approximant [j] wird im Deutschen durch den Frikativ [J]
ersetzt.
– Die Sequenz velarer Nasal + stimmhafter velarer Plosiv ([Ng]) kommt im Deutschen nicht
mit einem folgenden Schwa vor, während dies im Englischen bei monomorphematischen
Wörtern und adjektivischen Steigerungsformen möglich ist, z. B. hunger BR[h"¿Ng«], longer
BR[l"Ng«]. Bei Eindeutschungen wird das [Ng] in der Transkription beibehalten, da es in Na-
men wie Ingo, Angola usw. bekannt ist.

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Die tabellarischen Angaben beziehen sich auf die Regelfälle. Besonders bei Ortsnamen gibt es
viele nicht in Regeln zu fassende Abweichungen, z. B. Beaulieu BR[bj"uÉli], Leominster BR[l"emst«],
Cholmondeley (oder Cholmley) BR[t¡S"¿mli], etc.
Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
englisch eingedeutscht englisch eingedeutscht
a Ï E Hatford h"Ïtf«d h"EtfOt
AÉ aÉ Bath BR bAÉT baÉT
vor K + e e£ eÉ Tate (Gallery) te£t teÉt
nichtakz. « aÉ Arizona US®ÏrIz"oU8n« Eåiz"oÉnaÉ
ai e£ eÉ Haines he£nz heÉns
air E« EÉ? Fairfield BR f"E«f®iÉ:d f"EÉ?fiÉlt
ar BR «/US «± aÉ, a Harvard BR h"AÉv«d h"aÉvat
BR AÉ/US Ar US h"Arv«±d
au OÉ OÉ Taunton t"OÉnt«n t"OÉntn`
aw OÉ OÉ Crawley kr"OÉli kå9"OÉliÉ
ay e£ eÉ Cayman k"e£m«n k"eÉm«n
c k k Concord US k"AÉNkãd kONk"OÉ?t
vor e, i, y s s Cincinnati US s®InsIn"Ïti sInsIn"EtiÉ
142 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


englisch eingedeutscht englisch eingedeutscht
ch t¡S tS Charlton BR t¡S"AÉlt«n tS"aÉltn`
e e E Chesham BR t¡S"eS«m tS"ES«m
vor K + e iÉ iÉ Irene a£r"iÉn aE8å"iÉn
ea iÉ iÉ Beamsville b"iÉmzv®I: b"iÉmsv9Il
e E Reading r"edIN å"EdIN
e£ eÉ Breakdance BR br"e£kd®AÉns bå"eÉkd9Ens od.
US br"e£kd®Ïns ...d9EÉns
ee iÉ iÉ Leeds liÉdz liÉts
ei e E Leinster BR l"enst« l"EnstŒ
eo e E Leonard BR l"en«d l"EnŒt
er äÉ {É? Mercia BR m"äÉsi« m"{É?siaÉ
ey e£ eÉ Peyton p"e£t«n p"eÉtn`
g g g Gateshead g"e£tsh®ed g"eÉtshEt
vor e, i, y d¡Z dZ Georgia BR d¡Z"OÉd¡Z« dZ"OÉ?dZaÉ
US d¡Z"Ord¡Z«

gh f/– f/– Loughborough l"¿fb«r« l"afb9«åoÉ


in keltischen x x McLaughlin m«kl"xlIn mEkl"OxlIn
Namen
i I I Liverpool l"Iv«p®uÉ: l"IvŒpuÉl
vor K + e a£ aE8 Minehead m"a£nh®ed m"aE8nhEt
vor akz. V a£ aE8 Diana da£"Ïn« daE8"EnaÉ
ie iÉ iÉ Fielding f"iÉ:dIN f"iÉldIN
igh a£ aE8 Brighton br"a£t«n bå"aE8tn`
ir BR äÉ/US ä± {É? Stirling BR st"äÉlIN st"{É?lIN
US st"ä±lIN
j d¡Z dZ Jamestown d¡Z"e£mzt®aU8n dZ"eÉmstaO8n
l l l Liverpool l"Iv«p®uÉ: l"IvŒpuÉl
auslautend : l Fielding f"iÉ:dIN f"iÉldIN
o , « O Oxford "ksf«d "OksfOt
«U8 oÉ Cola k"«U8l« k"oÉlaÉ
oa «U8 oÉ Sproat spr«U8t spå9oÉt
oe iÉ iÉ Phoenix f"iÉnIks f"iÉnIks
oo uÉ uÉ Holyrood BR h"lir®uÉd h"OliåuÉt
U U Woodstock US w"Udst®AÉk v"UtstOk
BR w"Udst®k

or OÉ OÉ? Moreton BR m"OÉt«n m"OÉ?tn`


ou aU8 aO8 Stroud straU8d stå9aO8t
uÉ uÉ Missouri mIz"uÉri mIs"uÉåiÉ
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 143

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


englisch eingedeutscht englisch eingedeutscht
ough OÉ OÉ Broughton BR br"OÉt«n bå"OÉtn`
aU8 aO8 Slough slaU8 slaO8
¿f, « af, oÉ Loughborough BR l"¿fb«r« l"afb9«åoÉ
«U8 OÉ Coughton BR k"«U8t«n k"OÉtn`
ow «U oÉ Stowmarket BR st"«U8m®AkIt st"oÉmaÉk«t
aU8 aO8 Cowes kaU8z kaO8s
oy O£ OÎ Croyden kr"O£d«n kå9"OÎdn`
qu kw kv9 Queenstown kw"iÉnzt®aUn kv9"iÉnstaO8n
s s s Summerfield BR s"¿m«f®iÉld s"amŒfiÉlt
z z Basingstoke BR b"e£zINst®«U8k b"eÉzINstoÉk
sh S S Sheffield S"ef®iÉld S"EfiÉlt
th T T Bath BR bAÉT baÉT
D D Worthington US w"ä±DINt«n v"{É?DINtn``
BR w"äÉDINt«n

u ¿ a Hungerford BR h"¿Ng«f«d h"aNgŒfOt


v v f Jeeves d¡ZiÉvz dZiÉfs
w w v Worthington US w"ä±DINt«n v"{É?DINtn`
BR w"äÉDINt«n

x ks ks Phoenix f"iÉnIks f"iÉnIks


gz ks Alexander ÏlIgz"aÉnd« ElIks"aÉndŒ
y a£ aE8 Tyler US t"a£lã t"aE8lŒ
j J York jOÉk JOÉ?k
auslautend i iÉ Tilly t"Ili t"IliÉ
z z z Zachariah z®Ïk«r"a£« zEk«å"aE8aÉ

Literatur
Duden (1990). Band 5, Das Fremdwörterbuch. Mannheim: Dudenverlag.
Jones, D. (2003): Cambridge English Pronouncing Dictionary. Hg.: P. Roach/J. Hartman/J. Setter. Cam-
bridge: Cambridge University Press.
Webster’s New Geographical Dictionary (1972): Springfield. Ma.: Merriam-Webster.
Wells, J. C. (1990): Pronunciation Dictionary. Harlow: Longman.

7.3.5 Finnisch

Die standardsprachliche Aussprachevariante des Finnischen, die in öffentlichen und formellen


Situationen gebraucht wird, steht der geschriebenen Norm nahe. Die Orthografie spiegelt die
phonologische Struktur der Wortformen nahezu vollkommen wider. Neben der Standardaus-
sprache wird in allen Sozialklassen im zentral-südlichen Finnland allgemein eine umgangs-
sprachliche Variante benutzt, deren stärkste Ausbreitung ungefähr das Gebiet zwischen Helsinki
und Tampere umfasst. In anderen Regionen kommen Dialekte und verschiedene umgangs-
sprachliche Varianten vor.
144 Die Standardaussprache in Deutschland

Akzentuierung
Der Wortakzent liegt immer auf der ersten Silbe, das wird bei der Eindeutschung übernommen.
Nach einer vereinfachten Regel (Wortmorphologie und Silbenstrukturen komplizieren die Plat-
zierung der Nebenakzente) gibt es in nichtzusammengesetzten Wörtern einen Nebenakzent auf
jeder ungeraden Silbe, wenn die Silbenzahl mehr als drei beträgt. Diese Nebenakzente werden in
der Transkription der eingedeutschten Beispiele nicht angegeben. Dagegen werden in der einge-
deutschten Aussprache Nebenakzente angegeben, wenn es sich um zusammengesetzte Wörter
handelt und mehr als eine akzentuierbare Silbe im betreffenden Wortteil vorhanden ist.

Vokale
Das finnische Vokalsystem ist dem deutschen in den akzentuierten Silben sehr nahe, die Vokal-
länge ist in beiden Sprachen distinktiv. Allerdings ist die Qualität der kurzen und langen Vokale
im Finnischen gleich.

Im Finnischen gibt es 16 Vokalphoneme:

vorn hinten
ungerundet gerundet ungerundet gerundet
i iÉ y yÉ u uÉ
e eÉ P PÉ o oÉ
Ï ÏÉ A AÉ

Typisch für das Finnische ist die phonologisch distinktive Quantität der Vokale (und Konsonan-
ten). Die langen Vokale können in allen akzentuierten und nichtakzentuierten Silben vorkom-
men. Phonotaktisch begrenzend wirkt die Vokalharmonie: Die sogenannten Neutralvokale /i/
und /e/ können mit allen Vokalen in demselben Wort kombiniert werden. Sonst treten entweder
nur Vorder- oder nur Hinterzungenvokale innerhalb eines Wortes auf: kaura (Hafer), käyrä
(krumm), hullu (verrückt), hylly (Brett, Regal). In Fremdwörtern sind Abweichungen von der
Vokalharmonie möglich: byrokraatti (Bürokrat).
Die acht kurzen Phoneme werden in der Schrift durch <a, e, i, o, u, y, ä, ö> wiedergegeben.
Traditionell wird für <ä> das Symbol [Ï] benutzt, obgleich das IPA-Symbol [a] zutreffender
wäre. Phonetisch sind die deutschen kurzen ungespannten Vokale wesentlich stärker zentra-
lisiert als die finnischen kurzen Vokale. In vielen Fremdwörtern zeigt der lange Vokal den origi-
nalen Wortakzent an, z. B. miljoona F[m"iljoÉnA] (Million), kaoottinen F[k"AoÉtÉinen] (chaotisch);
im Finnischen verschiebt sich der Akzent aber stets auf die erste Silbe.
Bei der Eindeutschung werden die in der Schrift angezeigten Quantitätsunterschiede –
einfach geschriebene Vokale sind kurz, doppelt geschriebene lang – aus dem Finnischen über-
nommen.
Die Qualität der Vokale wird dem Deutschen weitgehend angeglichen:
– Im Wortauslaut (auch im Auslaut zusammengesetzter Wörter) wird generell ein langer
gespannter Vokal bzw. Schwa-Laut transkribiert, z. B. Koivisto D[k"OÎvIstoÉ], Häme D[h"Em«],
Äänekoski D["EÉn«k®OskiÉ].
– In offenen akzentuierten, nebenakzentuierten und nichtakzentuierten Silben werden ge-
spannte Vokale realisiert, z. B. Teerineva D[t"eÉåin®evaÉ], Kymijoki D[k"ymiJ®okiÉ].
– In geschlossenen akzentuierten und nichtakzentuierten Silben werden ungespannte Vokale
realisiert, z. B. Forssa D[f"OåsaÉ], Koivisto D[k"OÎvIstoÉ].
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 145

– Vor doppelt geschriebenen Konsonanten wird bei Einfachschreibung des Vokals ein kurzer
ungespannter Vokal transkribiert, z. B. Mikkeli D[m"IkeliÉ].

Eine Ausnahme bildet das in der Schrift mit <ä, ää> wiedergegebene /Ï ÏÉ/, für das im Deut-
schen D[E EÉ] transkribiert wird, z. B. Äänekoski D["EÉn«k®OskiÉ].

Vokalverbindungen
Im Finnischen gibt es eine große Zahl von Diphthongen, nach der traditionellen Interpretation
sind es 18: F[ie8 iy* iu8 eC ey* eu8 yP8 yC PC Py* Ïy* ÏC AC Au8 oC ou8 uC uo8]. Die Verbindung F[iy*] ist
jedoch problematisch, weil sie nicht in der ersten Silbe vorkommen und auch in weiteren Silben
als zweisilbige Vokalverbindung betrachtet werden kann: siistiytyä F[s"iÉs.tiÒ.Ôy.ty.Ï] (sich sauber
machen). Die beiden Elemente in den Diphthongen F[AC Au8 oC] werden deutlicher artikuliert als
in den entsprechenden deutschen Diphthongen.
Es gibt im Finnischen außerdem eine große Zahl von Vokalsequenzen mit einer internen Sil-
bengrenze (mehr als 80), z.B. [i.A i.AÉ y.Ï y.ÏÉ e.Ï e.ÏÉ P.Ï P.ÏÉ u.A u.AÉ o.A o.AÉ io.A oi.oi
ie.ui iÉ.AÉ]. Sie umfassen zwei bis vier Vokale und sind öfter Resultate morphologischer oder
morphophonemischer Alternationen, besonders von Konsonantengradation (grammatischem
Wechsel) wie in lika (Schmutz) – lian (Gen., Sing.) oder tauko (Pause) – tauon (Gen., Sing.),
tauoissa (Inessiv, Plur.). Sogar [AÉ.A] ist möglich: vaa’an (Gen., Sing. von vaaka (Waage)) – das
orthografische <’> steht für einen Hiatus.
Die dem Deutschen ähnlichen finnischen Diphthonge werden in eingedeutschten Formen
mit den entsprechenden kurzen ungespannten deutschen Vokalen realisiert, z. B. Koivisto
D[k"OÎvIstoÉ]. Andere Diphthonge und Vokalverbindungen werden mit solchen kurzen un-
gespannten deutschen Vokalen gebildet, die ihnen phonetisch am nächsten sind, z. B. Kuopio
D[k"UO8pioÉ].

Konsonanten
Das finnische Konsonantensystem umfasst 13 kurze Konsonanten. Davon haben neun eine pho-
nologisch distinktive lange Entsprechung. Hinzu kommen vier entlehnte Konsonanten (in der Ta-
belle unten in Klammern), von denen alle sehr marginale lange Entsprechungen haben können.
labial alveolar palatal velar glottal
stimmlos p pÉ t tÉ k kÉ
Plosive
stimmhaft ÒbÔ d ÒgÔ
Frikative stimmlos ÒfÔ s sÉ ÒSÔ h
Nasale m mÉ n nÉ N NÉ
Laterale l lÉ
Vibranten r rÉ
Approximanten à j

Anmerkungen:
1. /d/ und /N/ können nur im Wortinneren vorkommen.
2. Am Wortende sind nur /t s n l r/ möglich.
3. Die Konsonanten /p t k s m n N l r/ können geminiert werden und somit eine phonologisch
distinktive Quantitätsstufe der Konsonanten bilden. Sie werden auch als Doppelkonsonanten
146 Die Standardaussprache in Deutschland

oder lange Konsonanten bezeichnet und in der Schrift durch Doppelschreibung markiert
(<pp, tt, kk, ss, mm, nn, ng, ll, rr>). Die langen Konsonanten sind immer auf zwei Silben ver-
teilt, sie enthalten also eine Silbengrenze, z. B. tappi F[t"Ap.pi] (Zapfen), tatti F[t"At.ti] (Röhren-
pilz), takki F[t"Ak.ki] (Mantel), tammi F[t"Am.mi] (Eiche), pannu F[p"An.nu] (Pfanne). Die Sil-
bengrenze wird phonetisch nicht markiert, somit entsteht ein langer Konsonant. /h Ã/
können marginal geminiert werden, z. B. huhho (Donaulachs), livvi (Aunus-Sprache), /d j/
nicht. Dagegen können /b d g/ in Fremdwörtern wie in rabbi, Edda und Maggi dem Schrift-
bild entsprechend geminiert werden, auch ein äußerst seltenes /SÉ/ ist möglich, z. B. pašša
F[p"AS.SA] (Pascha). Marginal ist auch /fÉ/ in leffa (Film). Bei der Eindeutschung werden lange
und kurze Konsonanten nicht unterschieden, die Doppelschreibung der Konsonanten wirkt
jedoch nicht als Zeichen für Vokalkürzung.
4. Weitere Aussprachebesonderheiten des Finnischen:
– Die stimmlosen Plosive werden nicht aspiriert. [t] wird mit der Zungenkrone präalveolar,
[d] mit der Zungenspitze medioalveolar ausgesprochen. Es gibt keine Auslautverhärtung.
– <s> wird in allen Positionen durch [s] wiedergegeben.
– /h/ wird, mit dabei wechselnden Artikulationsstellen, dem vokalischen Kontext und der
Silbenstruktur angepasst. Es hat folgende Hauptvarianten:
– silbenanlautend, halbvokalisch: haka F[h"AkA] (Haken), ähnlich dem Deutschen;
– silbenauslautend, frikativ: vahti F[Ã"Axti] (Wacht), kihti F[k"iti] (Gicht), mit weniger
starker Friktion als im Deutschen;
– in Verbindung mit den ü- und u-Lauten entsteht ein labialer Frikativ, z. B. in lyhty
F[l"yFty] (Laterne), uhka F["uFkA] (Gefahr, Risiko);
– intervokalisch wird das /h/ als stimmhafter Laut [H] realisiert: iho F["iHo] (Haut).
– Die Hauptvariante des [r]-Lautes ist ein apikaler Vibrant. /r/ wird aber z. B. zwischen zwei
Vokalen hauptsächlich einschlägig als [|] realisiert – korin F[k"o|in] (des Korbes) – und
kann deswegen mit /d/ verwechselt werden – kodin F[k"odin] (des Heimes).
Diese Besonderheiten des Finnischen werden bei der Eindeutschung teilweise übernommen.

Konsonantenverbindungen
Konsonantenverbindungen werden an- und auslautend in den ursprünglichen finnischen Wör-
tern vermieden. Jedoch sind anlautende [pl pr kl kr] in alten Lehnwörtern möglich, z. B. plus
(Plus), prinssi (Prinz), klikki (Clique), kruunu (Krone). In neueren Fremdwörtern kommen
jedoch viele andere Verbindungen vor. Inlautende zwei-, drei- und marginal viergliedrige Kon-
sonantenverbindungen (immer eine Silbengrenze einschließend) sind in »echten« finnischen
Wörtern möglich.

Assimilation
Im Finnischen gibt es zahlreiche Assimilationen:
– Von den Konsonanten neigen besonders /h s l n k/ und – seltener – /r/ zu progressiven wie
regressiven Assimilationen (z. B. Veränderungen der Artikulationsstelle, Labialisierung, Vela-
risierung, fehlende Explosion) je nach dem Vokal derselben Silbe oder dem folgenden Kon-
sonanten in einer Konsonantenverbindung.
– Die Varianten des /s/ können in stimmhafter Umgebung stimmhaft werden: viisi F[Ã"iÉzi]
(fünf), lensi F[l"enzi] (ist geflogen).
– In eingedeutschten Formen wird die Entstimmlichung progressiv assimiliert, z. B. Struven
˚
Ketju D[stå9®uÉvEn k"EtJuÉ].
– Auslautende Lenis-Plosive und -Frikative treten nicht auf, so dass keine Auslautverhärtung
entsteht.
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 147

– Die Nasale passen sich an den nachfolgenden Konsonanten an, z. B. Joenpolvi F[J"oEmp®OlÃiÉ].
Dies wird in der eingedeutschten Form beibehalten.
– Bei der Schreibung <-en> handelt es sich nicht um eine Endung mit Schwa-Laut, hier ist
in der eingedeutschten Form ein ungespanntes kurzes E zu realisieren, z. B. Koskenkorva®
D[k"OskENk®OvaÉ].

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Das Verhältnis von Schriftzeichen und Aussprache ist im Finnischen wesentlich günstiger als im
Deutschen: Jedem finnischen Phonem entspricht ein Schriftzeichen, jedem Schriftzeichen ein
Phonem. In der 5. Spalte wird der Akzent in der Transkription des Finnischen, wie dort üblich,
nicht angegeben.
Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
finnisch eingedeutscht finnisch eingedeutscht
a A a Tampere tAmpere t"ampeå«
ä Ï E Ähtäri ÏhtÏri "EtEåiÉ
aa AÉ aÉ Kajaani kAjAÉni k"aJaÉniÉ
ää ÏÉ EÉ Äänekoski ÏÉnekoski "EÉn«k®OskiÉ
ai AC aE8 Ainola ACnolA "aE8nolaÉ
äi ÏC E£ Päijänne pÏCjÏnÉe p"E£JEn«
au Au8 aO8 Kauhava kAu8HAÃA k"aO8havaÉ
äy Ïy* E£ Äyräpää Ïy*rÏpÏÉ "E£åEp®EÉ
d d d Esplanaadi esplAnAÉdi "Esplan®aÉdiÉ
e e e Meri meri m"eåiÉ
E Helsinki helsiNki h"ElsINkiÉ
« Äänekoski ÏÉnekoski "EÉn«k®OskiÉ
ee eÉ eÉ Teerineva teÉrineÃA t"eÉåin®evaÉ
Kitee kiteÉ k"iteÉ
ei eC E£ Peipohja peCpohjA p"E£p®OxJ˚aÉ
eu eu8 OÎ Eura eu8rA "OÎåaÉ
f f f Forssa forsÉA f"OåsaÉ
ff fÉ f Jaffa jAfÉA J"afaÉ
h h h Häme hÏme h"Em«
nach vord. V  Pihtipudas pihtipudAs p"Itip®udas
nach hint. V x Lahti lAhti l"axtiÉ
i i i Kitee kiteÉ k"iteÉ
I Helsinki helsiNki h"ElsINkiÉ
ie ie8 IE8 Lieksa lie8ksA l"IE8ksaÉ
ii iÉ iÉ Iisalmi iÉsAlmi "iÉsalmiÉ
iu iu8 IU8 Kiuruvesi kiu8ruÃesi k"IU8åuv®esiÉ
j j J Jotuni jotuni J"otuniÉ
k k k Kallas kAlÉAs k"alas
148 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


finnisch eingedeutscht finnisch eingedeutscht
kk kÉ k Mikkeli mikÉeli m"IkeliÉ
l l l Kalevala kAleÃAlA k"alevalaÉ
ll lÉ l Salla sAlÉA s"alaÉ
m m m Meri meri m"eåiÉ
mm mÉ m Vammala ÃAmÉAlA v"amalaÉ
n n n Nurmi nurmi n"UmiÉ
ng, nk NÉ N Helsingin helsiNÉin h"ElsINIn
(Sanomat)
Nk Nk Hanko hANko h"aNkoÉ
nn nÉ n Kannus kAnÉus k"anUs
o o o Jotuni jotuni J"otuniÉ
O Forssa forsÉA f"OåsaÉ
oi oC OÎ Koivisto koCÃisto k"OÎvIstoÉ
oo oÉ oÉ Espoo espoÉ "EspoÉ
ou ou8 OU8 Oulu ou8lu "OU8luÉ
ö P P Räikkönen rÏCkÉPnen å"E£kPn«n
{ Lönnrot lPnruÉt l"{nåoÉt
öö PÉ PÉ Töölö tPÉlP t"PÉlPÉ
öy Py* {Y8 Töysä tPy*sÏ t"{Y8sEÉ
p p p Pello pelÉo p"EloÉ
pp pÉ p Lappi lApÉi l"apiÉ
r r å Pori pori p"oåiÉ
 Turku turku t"UåkuÉ
rr rÉ å Herrala herÉAlA h"EåalaÉ
s s s Suomi suo8mi s"UO8miÉ
š S S Pašša paSÉa p"aSaÉ
ss sÉ s Lassila lAsÉilA l"asilaÉ
t t t Ryti ryti å"ytiÉ
tt tÉ t Vuokatti Ãuo8kAtÉi v"UO8katiÉ
u u u Jotuni jotuni J"otuniÉ
U Turku turku t"UåkuÉ
uo uo8 UO8 Kuopio kuo8pio k"UO8pioÉ
uu uÉ uÉ Kuusamo kuÉsAmo k"uÉsamoÉ
v à v Vaasa ÃAÉsA v"aÉsaÉ
y y y Kymijoki kymijoki k"ymiJ®okiÉ
Y Hynninen hynÉinen h"Ynin«n
yy yÉ yÉ Yyteri yÉteri "yÉteåiÉ
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 149

7.3.6 Französisch

Französisch ist eine romanische Sprache und weist als solche eine Reihe von dem Deutschen dia-
metral entgegengesetzten lautlichen Eigenschaften auf. Maßgeblich für die Aussprache ist die
französische Hauptstadt Paris, die das Zentrum der Landschaft Ile-de-France bildet. Wegen des
starken, auch sprachlich geprägten Zentralismus besitzen andere Ausspracheformen kein Pres-
tige und kommen für eine Kodifizierung nicht infrage, weder in Frankreich selbst (Südfrank-
reich), noch in anderen frankophonen Ländern Europas (Belgien, Schweiz), noch außerhalb
Europas (Kanada, ehemalige Kolonien in Afrika und Asien).
Entlehnungen aus dem Französischen sind meist stärker in das Deutsche integriert als
Eigennamen (Personen- und Ortsnamen) und zeigen daher einen höheren Grad der Eindeut-
schung, z. B. Toupet D[tup"eÉ], Ingenieur D[InZenC"PÉ?]. Bei demselben Wort können aber auch
verschiedene Grade der Eindeutschung vorliegen, die unterschiedliche Bedeutungen oder un-
terschiedliche stilistische Niveaus repräsentieren, z. B. Salon (literarischer Zirkel) D[sal"o)É] (ori-
ginalnah), und Salon (Empfangszimmer) D[zal"ON] (stärker eingedeutscht). Liegt eine solche
stilistische oder Bedeutungsdifferenzierung vor, werden im Wörterverzeichnis zwei Formen
transkribiert.
Eingedeutschte Ausspracheformen beruhen gelegentlich auf Konventionen, die eine veral-
tete französische Aussprache reflektieren und der heutigen Norm nicht mehr entsprechen.
Dies gilt besonders für die Vokalquantitäten, z. B. Seine F[sEn], veraltet F[sEÉn] mit Langvokal.
Im Deutschen wird noch immer häufig D[sEÉn] gesprochen. Im vorliegenden Beitrag (vgl.
Übersicht unten) werden beide Formen angeführt, im Wörterverzeichnis nur die stärker ein-
gedeutschte.
Für manche Namen sind Ausspracheformen (häufig auch Schreibweisen) gebräuchlich, die
nicht als Eindeutschungen aufzufassen sind, sondern eigene deutsche Konventionen darstel-
len. Dies gilt z. B. für die französische Hauptstadt Paris D[paå"iÉs] – F[paå"i], die belgische
Hauptstadt Brüssel D[bå"Ys+] – Bruxelles F[båys"El], weitere Ortsnamen besonders im Elsass:
Straßburg D[Stå9"aÉsb9Uk] – Strasbourg F[ståasb"uÉå], in Lothringen: Metz D[mEts] – F[mEs] und
in Belgien: Lüttich D[l"YtI] – Liège F[ljEÉZ]. Hier sind die eingebürgerten deutschen Formen
vorzuziehen.
Im Folgenden steht F für die französische Originalaussprache, D für die eingedeutschte Aus-
sprache, FD für die Identität beider Formen: Sceaux F[so] – D[soÉ]. Generell gilt, dass die Ausspra-
che – unabhängig von den folgenden Ausführungen – je nach Situation, Kontext und Grad der
Sprachbeherrschung auch stärker an die französischen Normen angenähert werden kann.

Akzentuierung
Bei mehrsilbigen Wörtern liegt der Wortakzent ohne Ausnahme auf der letzten Silbe: Périgueux
F[peåig"P]. Folgen mehrere Wörter ohne Pause aufeinander, dann verlieren alle Wörter bis auf
das letzte ihren eigenen Wortakzent. Die ganze Passage verhält sich wie ein einziges langes Wort
(frz. mot phonétique), das auf der letzten Silbe akzentuiert ist. Dadurch sind die Grenzen der
einzelnen Wörter nicht hörbar. Dies gilt auch für Namen: Nouvelle-Ecosse F[nuvElek"Os], Saint-
Germain-des-Prés F[sE)ZEåmE)depå"e]. Beginnt das Folgewort mit Vokal, dann gehört der aus-
lautende Konsonant des vorderen Wortes zur ersten Silbe des Folgewortes: Nouvelle-Ecosse
F[nu.vE.le.k"Os] (frz. enchaînement). Dies gilt auch im Falle des Einschubs eines Konsonanten
(frz. liaison): Saint-Hubert F[sE).ty.b"EÉå].
150 Die Standardaussprache in Deutschland

Vokale
Im Französischen gibt es zehn (elf) orale und vier nasalierte Vokalphoneme. Der Phonemstatus
des Zentralvokals [«], der wie im Deutschen nur in nichtakzentuierten Silben auftritt, ist um-
stritten.
Orale Vokale: i y u
e P Ò«Ô o
E { O
a

Die Quantität ist phonologisch nicht distinktiv. Alle Vokale können jedoch phonetisch kurz oder
lang sein in Abhängigkeit von den folgenden Lauten:
1. Vokale sind grundsätzlich nur in akzentuierter Silbe lang. Hier gelten folgende Regeln:
– Alle Vokale sind lang vor den Einzelkonsonanten [v z Z å] sowie vor der Konsonanten-
gruppe [vå] (frz. consonnes allongeantes).
– [o P] sind lang vor allen Konsonanten, ebenso [a] bei der Schreibung <â>.
– Nasalierte Vokale sind lang vor allen Konsonanten.
2. Sonstige Vokale in sonstigen Positionen sind kurz.

Für die Eindeutschung gilt:


– Die Längen bzw. Kürzen (s. o.) werden in den eingedeutschten Formen übernommen. Außer-
dem sind, nur in eingedeutschter Aussprache, die Vokale in akzentuierter Endsilbe lang, z. B.
Calais F[kal"E] – D[kal"EÉ].
– Im akzentuierten Auslaut sind die Vokale im Französischen kurz, im Deutschen lang. Hier
erfolgt Eindeutschung, z. B. Pau F[po] – D[poÉ].
– Die übrigen langen bzw. kurzen Vokale des Französischen werden übernommen, allerdings
teilweise mit veränderter Qualität. Im Französischen haben kurze und lange Vokale jeweils die-
selbe Qualität, dagegen sind im Deutschen lange Vokale gespannt, kurze Vokale ungespannt:
F[iÉ i] – D[iÉ I], F[eÉ e] – D[eÉ E] usw. Hier erfolgt Eindeutschung, z.B. Laffitte F[laf"it] – D[laf"It].
Der Vokal bleibt jedoch kurz und gespannt in nichtakzentuierter offener Silbe (wie in Fremd-
wörtern des Deutschen, z.B. Philosophie): Simon F[sim"o)] – D[sim"o)É], Lausanne FD[loz"an].
– Von den übrigen Lautwerten des Französischen fehlen im Deutschen [{É] und [OÉ]. Diese
werden in Fremdwörtern in stärker angepasster Aussprache gespannt, z. B. Likör D[lik"PÉ?],
Corps F[kOÉå] – D[koÉ?]. Bei Namen ist die ungespannte Aussprache vorzuziehen, z. B. Sacré-
C{ur F[sakåek"{Éå] – D[sakå9ek"{É?], aber auch D[sakå9ek"PÉ?], Belfort F[bElf"OÉå] –
D[bElf"OÉ?], aber auch D[bElf"oÉ?].
– Eine veraltete Form des Französischen besaß zwei a-Phoneme /a A/. Diese sind in heutiger
Aussprache in einer mittleren a-Qualität zusammengefallen, die dem deutschen [a] ent-
spricht. Da sich die beiden a-Phoneme jedoch quantitativ unterschiedlich verhalten, kann
bei älteren eingedeutschten Formen ein Reflex zu spüren sein, z. B. Versailles F[vEås"aj] –
D[vEs"aE8], veraltet F[vEås"AÉj]. Im Deutschen wird die veraltete Form D[vEs"aÉC] nur noch
selten verwendet und im Wörterverzeichnis nicht aufgeführt.
– Die Regeln für das Auftreten bzw. Schwinden von [«] (frz. e caduc) sind sehr komplex. In der
ersten Silbe eines Wortes wird es in der Regel gesprochen, z. B. Leblanc F[l«bl"A)] – D[l«bl"A)É],
in anderen Silben fällt es häufig weg, z. B. La Chaux-de-Fonds F[laSodf"o)]. In der einge-
deutschten Form kann in solchen Fällen immer [«] gesprochen werden, daher D[laSod«f"o)É].
Konsonantengruppen am Wortende vom Typ /K+l/, /K+å/ (K = Konsonant) erhalten in der
eingedeutschten Form ein [«] und dadurch eine zusätzliche Silbe, z. B. Combles F[ko)Ébl] –
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 151

[k"o)Ébl«], Chartres F[Saåtå] – D[S"atå9«]. Dadurch wird auch eine ungewohnte Auslautver-
D
härtung vermieden, z. B. Louvre F[luÉvå] – D[l"uÉ.vå«].
– Zwischen Vokalen wird im Französischen kein Glottisschlag gesprochen. Dies wird so über-
nommen, z. B. Cahors F[ka"OÉå] – D[ka"OÉ?] od. D[ka"oÉ?].
Nasalierte Vokale: E) ¨ o)
A)

Die genauen Lautwerte sind [Ï) ¨ o) A))]. Im heutigen Französisch fehlt /¨/ und wird durch /E)/ er-
setzt. Da /¨/ jedoch in Fremdwörtern gut etabliert ist, wird es hier beibehalten, z. B. Parfum
D[paf"¨É], auch in Namen, z. B. Verdun F[vEåd"¨] – D[vEd"¨É].
Die nasalierten Vokale sind in Fremdwörtern häufig als Oralvokale + Nasalkonsonant einge-
deutscht: Fasson D[fas"ON]. Auf einer höheren Stilebene werden sie aber beibehalten: D[fas"o)É],
Teint D[tE)É]. Dies gilt besonders für Namen: Bourbon F[burb"o)] – D[bUb"o)É]. Die Unterscheidung
verschiedener Qualitäten von nasalierten Vokalen fällt Deutschsprachigen schwer. Der Zusam-
menfall von /o)/ und /A)/ in der Form D[O)] ist häufig, wird hier aber nicht propagiert: chanson
F[SA)s"o)] – D[SO)s"O)É], besser D[SA)s"o)É]. Für /o)/ ist die Transkription [o)] vorzuziehen, nicht [O)], da
[o)] artikulatorisch und auditiv besser von /A)/ zu unterscheiden ist.

Konsonanten
Im Französischen gibt es 20 Konsonantenphoneme:
labial dental palatal velar
stimmlos p t k
Plosive
stimmhaft b d g
stimmlos f s S
Frikative
stimmhaft v z Z
Nasale m n −
Lateral l
Vibrant å
Approximanten wç j

Für die Eindeutschung gilt:


– Folgende Konsonanten sind in der Aussprache mit dem Deutschen identisch: /f s S v z m n l
j/. Statt [j] wird im Deutschen [J] transkribiert, z. B. Chantilly F[SA)tij"i] – D[SA)tiJ"iÉ].
– Die stimmlosen Plosive /p t k/ sind im Französischen unaspiriert, im Deutschen dagegen
häufig aspiriert [pî tî kî], z. B Pau F[po] – D[pîoÉ]. Die Aspiration wird im Weiteren in der
Transkription nicht berücksichtigt, jedoch als Eindeutschung akzeptiert.
– /Z/ wird im Deutschen als integriert betrachtet und unverändert übernommen, z. B Genie
D[Zen"iÉ], Garage D[gaå"aÉZ«].
– /å/ entspricht im Prinzip der Aussprache im Deutschen, weist im Französischen aber nicht
die für das Deutsche typischen Vokalisierungen auf. Letztere werden in den eingedeutschten
Formen übernommen, z. B. Calvaire F[kalv"EÉå] – D[kalv"EÉ?].
– /−/ wird im Wortinnern durch [nJ] ersetzt, z. B. Signac F[si−"ak] – D[sInJ"ak]. Dadurch ver-
schieben sich die Silbengrenzen, z. B. F[si.−"ak] – D[sIn.J"ak]. Im Auslaut steht [nJ«], z. B. Cag-
nes F[ka−] – D[k"anJ«].
152 Die Standardaussprache in Deutschland

– Französisch besaß bis Mitte des 19. Jahrhunderts das Phonem /´/. Wörter, die vor dieser Zeit
übernommen wurden, zeigen als entsprechende Eindeutschung [lJ], im Auslaut [lJ«], z. B.
Taille D[t"alJ«]. Seitdem ist /´/ durch /j/ ersetzt, auch in Namen: Neuilly F[n{j"i] – D[n{J"iÉ].
– /w/ bleibt im Deutschen im Anlaut und nach Konsonant im Prinzip erhalten. In den einge-
deutschten Formen wird [u8] transkribiert, z. B. Ouessant F[wEs"A)] – D[u8Es"A)É], Saint-Louis
F[sE)lw"i] – D[sE)lu8"iÉ], Douai F[dwE] – D[du8EÉ]. Bei der Schreibweise frz. <oi> wird /w/ jedoch
zu [O8]: Toilette F[twal"Et] – D[tO8al"Et«], Croissant F[kåwas"A)] – D[kå9O8as"A)É], Poincaré
F[pwE)kaå"e] – D[pO8E)kaå"eÉ].
– /j/ wird am Wortende in der Regel zu [£], z. B. Corneille F[kOån"Ej] – D[kOn"E£]. Abweichend:
Mit /a/ bildet es den Diphthong [aE8]: Versailles F[vEås"aj] – D[vEs"aE8]. Die Folge /ij/ wird zu
[iÉJ«]: Antilles F[A)t"ij] – D[A)t"iÉJ«]. Nach Konsonant wird /j/ ebenfalls zu [C]: Fabien F[fabj"E)] –
D[fabC"E)É].
– /ç/ wird zu [y*], z. B. Le Puy F[l«pç"i] – D[l«py*"iÉ].
– Das anlautende stimmlose /s/ des Französischen wird beibehalten: Sceaux F[so] – D[soÉ], bei
starker Eindeutschung kann es jedoch stimmhaft realisiert werden, z. B. Sanssouci D[zA)sus"iÉ].

Assimilation
Französisch kennt keine Auslautverhärtung. In der eingedeutschten Form wird diese jedoch zu-
gelassen: Toulouse F[tul"uÉz] – D[tul"uÉs]. Dabei werden kurze Vokale vor einfachem Konsonanten
lang: Nouvelle Vague F[nuvElv"ag] – D[nuvElv"aÉk]. Konsonantengruppen können im Französi-
schen in Bezug auf die Stimmbeteiligung eine regressive Assimilation erfahren: La Chaux-de-
Fonds F[laSodf"o)] wird zu F[laSotf"o)], La Roche-Bernard F[laåOSbEån"aÉå] zu F[laåOZbEån"aÉå].
Diese Assimilationen sind fakultativ und werden nicht übernommen.

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Geschriebene Konsonanten am Wortende werden häufig nicht gesprochen, besonders <b, c, d, g,
p, s, t, x, z> und Kombinationen daraus: Doubs F[du], Corot F[kOå"o], Calais F[kal"E], Morlaix
F[mOål"E]. Allerdings gibt es gerade bei Namen zahlreiche Sonderfälle: Jaurès F[ZOå"Es], Lesseps

F[lEs"Eps]. <h> hat keinen Lautwert: Carhaix F[kaå"E]. Alle Angaben beziehen sich nur auf die
häufigsten Fälle. Es gibt, besonders bei Namen, zahlreiche Abweichungen.
Die folgende Übersicht gibt die gegenwärtige Aussprachenorm des Französischen wieder, auf
der die eingedeutschten Formen beruhen. Die Angaben zur eingedeutschten Aussprache in den
Spalten 3 und 6 beziehen sich auf Eigennamen. Entlehnungen werden, wie oben ausgeführt, in
der Regel stärker eingedeutscht.
Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
französisch eingedeutscht französisch eingedeutscht
a a a Calais kal"E kal"EÉ

â a a Mâcon mak"o) mak"o)É


aÉ aÉ Châtres SaÉtå S"aÉtå9«

aen A) A)É Caen kA) kA)É

ai nichtakz. E E Aimée Em"e Em"eÉ


auslautend EÉ Cambrai kA)bå"E kA)bå"EÉ

aill vor V aj aJ Bailly baj"i baJ"iÉ

aille(s) aj aE8 Versailles vEås"aj vEs"aE8


Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 153

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


französisch eingedeutscht französisch eingedeutscht
aim E) E) Paimpol pE)p"Ol pE)p"Ol
E)É Le Daim l«d"E) l«d"E))É
ain E) E)É Alain al"E) al"E)É
E) Saintonge sE)t"o)ÉZ sE)t"o)ÉS
am, an akz. A) A)É Vauban vob"A) vob"A)É
nichtakz. A) Cambrai kA)bå"E kA)bå"EÉ
ance A)És A)És Durance dyå"A)És dyå"A)És
aô oÉ oÉ Saône soÉn soÉn
ard, art aÉå aÉ Ronsard åo)s"aÉå åo)s"aÉ
au in geschl. Silbe O O Paul pOl pOl
in off. Silbe o o Daudet dod"E dod"EÉ od. ...d"eÉ
auslautend o oÉ Pau po poÉ
aume(s) oÉ oÉ Guillaume gij"oÉm giJ"oÉm
auld, ault, aulx o oÉ Perrault pEå"o pEå"oÉ
ay vor V aj aJ Bayonne baj"On baJ"On
auslautend E EÉ Du Bellay dybEl"E dybEl"EÉ
c k k Carcassonne kaåkas"On kakas"On
vor e, i, y s s Saint-Cyr sE)s"iÉå sE)s"iÉ?
 s s Luon lys"o) lys"o)É
ch S S Charles Saål Sal
e EÉ EÉ Cher SEÉå SEÉ?
in geschl. Silbe E E Bernard bEån"aÉå bEn"aÉ
nichtakz. vor mehr. e e Desbordes deb"Oåd deb"Ot
Kons.buchst.
sonst nichtakz. « « Melun m«l"¨ m«l"¨É
é(e) e eÉ Vendée vA)d"e vA)d"eÉ
e Cécile ses"il ses"Il od. ...s"iÉl
è EÉ EÉ Corrèze kOå"EÉz kOå"EÉs
E E, EÉ Sète sEt sEt od. sEÉt
ê EÉ EÉ Belle Rêve bElå"EÉv bElå"EÉf
E E, EÉ Angoulême A)gul"Em A)gul"Em od.
...l"EÉm
ean A) A)É Jean ZA) ZA)É
eau(x)
auslautend o oÉ Bordeaux bOåd"o bOd"oÉ
nichtakz. in off. Silbe o o Beaulieu bolj"P bolC"PÉ
ei EÉ EÉ Gleizes glEÉz glEÉs
eille(s) Ej E£ Marseille maås"Ej mas"E£
ein E) E)É Île de Sein ild«s"E) Ild«s"E)É
eine En En, EÉn Seine sEn sEn od. sEÉn
154 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


französisch eingedeutscht französisch eingedeutscht
er e eÉ Béranger beåA)Z"e beåA)Z"eÉ
EÉå EÉ? Quimper kE)p"EÉå kE)p"EÉ?
ès Es Es Jaurès Zoå"Es Zoå"Es
et auslautend E EÉ, eÉ Daudet dod"E dod"EÉ od. ...d"eÉ
eu PÉ PÉ Chartreuse Saåtå"PÉz Satå9"PÉs od.
...tå9"PÉz«
P P Eugène PZ"En PZ"En od. PZ"EÉn
{ { Meurthe m{åt m{t
{É {É Vasseur vas"{Éå vas"{É?
eun(g) ¨ ¨É Meung m¨ m¨É
ey auslautend E EÉ Vevey v«v"E v«v"EÉ
g g g de Gaulle d«g"oÉl d«g"oÉl
vor e, i, y Z Z Brigitte båiZ"it båiZ"It
gn − nJ Armagnac aåma−"ak amanJ"ak
gu vor e, i g g Gauguin gog"E) gog"E)É
k Hague ag aÉk
h – – Hénault en"o en"oÉ
i nach K j C Bézier bezj"e bezC"eÉ
intervokal. j J Pléiade plej"ad pleJ"aÉt
in geschl. Silbe i I, iÉ Lille lil lIl od. liÉl
in off. Silbe i i Vitré vitå"e vitå9"eÉ
î i, iÉ I, iÉ Nîmes nim od. niÉm nIm od. niÉm
(veraltet)
ie auslautend i iÉ Brie båi båiÉ
ien jE) CE)É Amiens amj"E) amC"E)É
jA) CA)É Lorient lOåj"A) loåC"A)É
ier je CeÉ Montpellier mo)p«lj"e mo)p«lC"eÉ
ieu jP CPÉ Beaulieu bolj"P bolC"PÉ
ill vor V ij iJ Chantilly SA)tij"i SA)tiJ"iÉ
ille(s) il Il, iÉ Lille lil lIl od. liÉl
auslautend ij iÉJ« Faucilles fos"ij fos"iÉJ«
in E)É E)É Indre E)Édå "E)Édå«
E) E) Azincourt azE)k"uÉå azE)k"uÉ?
ix i iÉ Chamonix SamOn"i Samon"iÉ
j Z Z Jules Zyl ZYl od. ZyÉl
ô oÉ oÉ Côte koÉt koÉt
œu {É {É, PÉ Sacré-Cœur sakåek"{Éå sakå9ek"{É? od.
... k"PÉ?
{ { Lebœuf l«b"{f l«b"{f
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 155

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


französisch eingedeutscht französisch eingedeutscht
oi wa O8a Antoine A)tw"an A)tO8"an
waÉ O8aÉ Loire lwaÉå lO8aÉ
om akz. o)É o)É Lacombe lak"o)Éb lak"o)Ép
Om Om Cattenom katn"Om kat«n"Om
nichtakz. o) o) Bombois bo)bO8"a bo)bO8"aÉ
on o) o)É Danton dA)t"o) dA)t"o)É
o) Conté ko)t"e ko)t"eÉ
ord, ort OÉå OÉ?, oÉ? Chambord SA)b"OÉå SA)b"OÉ? od.
...b"oÉ?
ot auslautend o oÉ Bardot baåd"o bad"oÉ
ou vor V w u8 Rouen åwA) åu8A)É
auslautend u uÉ Anjou A)Z"u A)Z"uÉ
in geschl. Silbe U, uÉ Toul tul tUl od. tuÉl
in off. Silbe nichtakz. u Toulon tul"o) tul"o)É
qu k k Quercy kEås"i kEs"iÉ
s anlautend s s Saintonge sE)t"o)ÉZ sE)t"o)ÉS
intervokal. z z Lausanne loz"an loz"an
u vor V ç y* Tuileries tçilå"i ty*il«å"iÉ
auslautend y yÉ Cornu kOån"y kOn"yÉ
in geschl. Silbe Y Tartuffe taåt"yf tat"Yf
in off. Silbe y Murat myå"a myå"aÉ
um akz. ¨É ¨É Lumbres l¨Ébå l"¨Ébå«
nichtakz. ¨ ¨ Humbert ¨b"EÉå ¨b"EÉ?
un ¨ ¨É Verdun vEåd"¨ vEd"¨É
w v v Watteau vat"o vat"oÉ
w v Waremme waå"Em vaå"Em
x s s Auxerre os"EÉå os"EÉ?
gz gz Xavier gzavj"e gzavC"eÉ
ks ks Luxeuil lyks"{j lYks"OÎ
y vor V j J Hyères jEÉå JEÉ?
auslautend i iÉ Clichy kliS"i klIS"iÉ
yn E) E)É Jocelyn ZOsl"E) Zos«l"E)É
z z z Vézelay vezl"E vez«l"EÉ

Literatur
Fouché, P. (1959): Traité de prononciation française. Paris: Klincksieck.
Lerond, A. (1980): Dictionnaire de la prononciation. Paris: Larousse. [progressive Norm].
Mangold, M. (1964): Aussprachelehre der bekannteren Fremdsprachen. Mannheim: Bibliographisches
Institut.
Warnant, L. (1987): Dictionnaire de la prononciation française dans sa norme actuelle. Paris/Gembloux:
Duculot. [konservative Norm].
156 Die Standardaussprache in Deutschland

7.3.7 Italienisch

Im Italienischen unterscheidet man drei Hauptdialekte: Nord-, Mittel- und Süditalienisch, in


denen sich jeweils – neben den lokalen Mundarten – eine übergeordnete regionale Variante he-
rauskristallisiert hat. Als Muster für eine allgemeine Aussprachenorm gilt die mittelitalienische
Variante, die auf dem gehobenen Florentinischen basiert.

Akzentuierung
Der Wortakzent kann auf jeder Silbe des Wortes liegen, z. B. Forlì I[forl"i], Parma I[p"arma],
Ancona I[aNk"oÉna], Bergamo I[b"Ergamo]. Die Akzentuierung auf der vorletzten Silbe stellt das
häufigste Muster dar.
Bei Sequenzen aus zwei- oder mehrsilbigen Wörtern, die eine Bedeutungseinheit bilden,
kann der Akzent des ersten Wortes abgeschwächt und zum Nebenakzent werden, z. B. Porta
Nuova I[p®Orta nu8"Ova], Santo Stefano I[s®anto st"eÉfano], Cappella Sistina I[kapÉ®ElÉa sist"iÉna].
Wenn das erste Wort eine apokopierte einsilbige Form ist, verliert es den eigenen Akzent: Val
Gardena I[valgard"eÉna], Gran Sasso I[grans"asÉo], San Nicola I[sanÉik"OÉla]. Beide Prinzipien
werden in der eingedeutschten Form übernommen.

Vokale
Im Italienischen gibt es sieben Vokalphoneme:
i u
e o
E O
a
Die mittelhohen Vokale haben in ihrer Qualität in akzentuierter Position distinktiven Wert,
z. B. foro I[f"OÉro] (Platz) vs. foro I[f"oÉro] (Loch), legge I[l"EdÉ¡Ze] (er/sie liest) vs. I[l"edÉ¡Ze] (Gesetz).
In nichtakzentuierten Silben wird diese Distinktion neutralisiert, z. B. Orgosolo I[org"OÉzolo] vs.
Orgolese I[orgol"eÉze], Bergamo I[b"Ergamo] vs. Bergamasco I[bergam"asko]. Die Quantität der
Vokale hat keinen distinktiven Wert, sondern ist von ihrer Position im Wort abhängig. Es gilt ins-
besondere:
– akzentuierte Vokale in offener, nicht wortauslautender Silbe sind lang, z. B. Verona
I[ver"oÉna], Antonio I[ant"OÉnCo], Roma I[r"oÉma], aber kurz im Wortauslaut, z. B. Forlì I[forl"i],
Cefalù I[t¡Sefal"u],
– Vokale in geschlossener Silbe, d. h. vor Konsonantengruppen und vor Langkonsonanten sind
kurz, z. B. Livorno I[liv"orno], Asti I["asti], Carrara I[karÉ"aÉra], Bologna I[bol"o−Éa].

Bei der Eindeutschung erfolgt eine teilweise Anpassung an die deutsche Aussprache. Die Vokale
sind:
– lang und gespannt in akzentuierten offenen Silben, z. B. Roma D[å"oÉmaÉ], Caino D[ka"iÉnoÉ],
– kurz und gespannt in nichtakzentuierten offenen Silben, z. B. Livorno D[liv"OnoÉ], Cesena
D[tSez"eÉnaÉ],
– kurz und ungespannt in akzentuierten und nichtakzentuierten geschlossenen Silben, z. B.
Brenta D[bå"EntaÉ], Nostalgia D[nOstaldZ"iÉaÉ],
– kurz und ungespannt auch vor den meisten Langkonsonanten des Italienischen, d.h. vor in-
tervokalischem /´ −/ sowie /t¥s d¥z/ (denen in intervokalischer Position häufig die Schreibung
<zz> entspricht), und den so genannten Geminaten (denen immer die Schreibung durch dop-
pelte Konsonanten entspricht), z.B. Bologna D[bol"OnJaÉ], Pizza D[p"ItsaÉ], Giotto D[dZ"OtoÉ].
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 157

Endvokale werden lang und gespannt ausgesprochen, z. B. Cefalù D[tSefal"uÉ], Roma D[å"oÉmaÉ].
Nichtakzentuiertes auslautendes /e/ wird als Schwa-Laut realisiert, z. B. Paese D[pa"eÉz«].
Der im Italienischen nicht vorhandene Glottisschlag wird nach den deutschen Regeln ver-
wendet.

Vokalverbindungen
Das Italienische verfügt über zahlreiche Vokalverbindungen. Häufig sind einsilbige Verbindun-
gen aus einem beliebigen Vokal und den Approximanten /j w/, z. B. Laura I[l"aÉu8ra], Adelaide
I[adel"aÉCde], noi I[n"oÉi§] (wir), Europa I[eu8r"OÉpa]. Tritt der Approximant in erster Position auf,
wird er mit etwas stärkerer Friktion (z. B. Piave I[pj"aÉve], Pieve I[pj"EÉve], l’Aquila I[l"aÉkwila])
ausgesprochen, dies wird in der weiteren Transkription nicht berücksichtigt.
Weitere, ein- und zweisilbige Verbindungen ergeben sich aus der Kombination beliebiger
mittlerer und tiefer Vokale, wenn der zweite Vokal keinen Akzent trägt, z. B. Paola I[p"aÉola], Bea-
trice I[beatr"iÉt¡Se], caos I[k"aÉos] (Chaos), foschia I[fosk"iÉa] (Dunst), zio I[t¥s"iÉo] (Onkel). Diese
Vokalverbindungen können, wie die einfachen Vokale, je nach Position, kurz oder lang ausge-
sprochen werden; dabei gelten dieselben Distributionsbedingungen. Dreisilbige Verbindungen,
deren Vorkommen allerdings eingeschränkt ist, bestehen aus Approximant + Vokal + Approxi-
mant, z. B. guai I[gu8aòC] (Ärger), buoi I[bu8OòC] (Ochsen), miei I[mCEòC] (meine, Plur.).
Die italienischen Vokalverbindungen werden in der Eindeutschung durch deutsche Diph-
thonge bzw. durch entsprechende Vokalkombinationen ersetzt.
Auf zwei Silben bzw. Wörter verteilte aufeinander folgende Vokale werden im Italienischen
gebunden, d. h. ohne Pause bzw. glottalen Plosiv zwischen den einzelnen Vokalen ausgespro-
chen, z. B. paese I[pa¥"eÉze] (Land), poeta I[po¥"EÉta] (Dichter), Trieste I[tri¥"Este], De André
I[de¥andr"e], due ore I[d®uÉe¥"oÉre] (zwei Stunden). Folgen zwei identische Vokale aufeinander, wird
einer von beiden getilgt, z. B. pizza ai funghi I[p®itÉ¥saCf"uNgi]. Dies wird in den eingedeutschten
Formen beibehalten.

Konsonanten
Im Italienischen gibt es 23 Konsonantenphoneme:

labial dental alveolar post- palatal velar


alveolar

stimmlos p t k
Plosive
stimmhaft b d g

stimmlos f s S
Frikative
stimmhaft v z

stimmlos t¥s t¡S


Affrikaten
stimmhaft d¥z d¡Z

Nasale m n −

Laterale l ´

Vibrant r

Approximanten w j
158 Die Standardaussprache in Deutschland

Bei den Konsonanten /p t k b d f s v g t¡S d¡Z m n l r/ ist die Quantität phonologisch distinktiv,
z. B. pala I[p"aÉla] (Schaufel) – palla I[p"alÉa] (Ball). Der postalveolare Frikativ /S/ und die palata-
len Sonoranten /´ −/ werden intervokalisch lang ausgesprochen, z. B. Pescia I[p"eSÉa], Cagliari
I[k"a´Éari], Bologna I[bol"o−Éa]. Die Affrikaten /t¥s d¥z/ werden, wenn ein Vokal vorausgeht und ein
Vokal bzw. Diphthong folgt, lang ausgesprochen, z. B. Arezzo I[ar"etÉ¥so], Tiziano I[titÉ¥sC"aÉno],
Pozzuoli I[potÉ¥su8"OÉli], razzo I[r"adÉ¥zo] (Rakete).

Hinsichtlich der Realisierung der italienischen Konsonanten gibt es weitere Besonderheiten:


– Die stimmlosen Plosive werden grundsätzlich ohne Aspiration realisiert.
– Der Vibrant /r/ ist in der italienischen Aussprache alveolar. Im Italienischen gibt es keine vo-
kalischen R-Realisationen.
– Die stimmlose und die stimmhafte dentale Affrikate /t¥s d¥z/ gelten zwar als verschiedene Pho-
neme, der phonemische Unterschied weist aber eine niedrige funktionale Belastung auf.
– Der stimmlose und der stimmhafte alveolare Frikativ /s z/ haben quasi-phonemischen Wert,
d. h. am Wortanfang vor Vokal kommt nur /s/ vor, intervokalisch und vor Sonoranten kön-
nen beide vorkommen, z.B. Rosa I[r"OÉza] vs. Casa I[k"aÉsa], Elsa I["elsa], senso I[s"enso] (Sinn)
vs. asma I["azma] (Asthma); vor Obstruenten sind sie in komplementärer Distribution, z. B.
sbaglio I[zb"a´Éo] (Irrtum) vs. Spagna I[sp"a−Éa].

Bei der Eindeutschung gilt:


– Die Konsonantenlänge wird nicht berücksichtigt, z. B. Carrara I[karÉ"aÉra]- D[kaå"aÉåaÉ], Ver-
celli I[vert¡S"ElÉi] – D[vEtS"EliÉ].
– Die palatalen [´É −É] werden durch [nJ lJ] ersetzt, z. B. Bologna I[bol"o−Éa] – D[bol"OnJaÉ], Gi-
glio I[d¡Z"i´Éo] – D[dZ"IlJoÉ].
– Die stimmlosen Plosive werden nach den Regeln des Deutschen aspiriert, z. B. Parma
I[p"arma] – D[pî"amaÉ] (die Aspiration wird in der Transkription sonst nicht angegeben).
– Der italienische Vibrant /r/ wird durch das velare Reibe-R [å] ersetzt, z. B. Cremona
I[krem"oÉna] – D[kå9em"oÉnaÉ], Palermo I[pal"Ermo] – D[pal"EmoÉ]. Nach den Regeln des
Deutschen werden vokalisierte R-Allophone verwendet, z. B. Appoggiatur D[apO.dZat"uÉ?].
– Der stimmlose dentale Frikativ [s] wird am Wortanfang vor Vokal beibehalten, z. B. Sorrento
I[sorÉ"Ento] – D[sOå"EntoÉ]. Intervokalisch wird er stimmhaft realisiert, z. B. Pisa I[p"iÉsa] –

D[p"iÉzaÉ], rosa I[r"OÉza] – D[å"oÉzaÉ]. Am Wortanfang vor Konsonant ist er in Abhängigkeit


vom folgenden Konsonanten stimmhaft, z. B. sbaglio I[zb"a´Éo] – D[zb"alJoÉ] (Irrtum), oder
stimmlos, z. B. Spoleto I[spol"eÉto] – D[spol"eÉtoÉ].
– Die dentalen Affrikaten werden stimmlos ausgesprochen, z. B. Zara I[d¥z"aÉra] – D[ts"aÉåaÉ],
Sanzeno I[sand¥z"EÉno] – D[sants"eÉnoÉ]; sie müssen nicht so stark fortisiert werden wie sonst
im Deutschen, das wird in der Transkription nicht angezeigt.

Assimilation
Im Italienischen gibt es zwei Arten von regressiver Assimilation:
– Angleichung der Stimmhaftigkeit bei Lautfolgen, die aus einem Frikativ und einem anderen
Konsonanten bestehen, z. B. Pescara I[pesk"aÉra], Asmara I[azm"aÉra],
– Angleichung der Artikulationsstelle des Nasals /n/ an den benachbarten Konsonanten, z. B.
Ancona I[aNk"oÉna], Chianciano I[kCant¡S"aÉno], Confine I[koµf"iÉne] (Grenze).

Bei der Eindeutschung sind diese Assimilationsregeln optional, z. B. Asmara D[asm"aÉåaÉ], An-
˚
cona D[aNk"oÉnaÉ], Chianciano D[kJantS"aÉnoÉ], Confine D[kOnf"iÉn«].
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 159

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Hinsichtlich der Entsprechungen zwischen Graphemen bzw. Graphemsequenzen und Lauten
sind folgende Besonderheiten zu beachten, die auch in eingedeutschten Formen weitgehend
übernommen werden:
– Die Doppelschreibung von Konsonanten dient zur Anzeige der Quantität, z. B. Carrara
I[karÉ"aÉra], Vercelli I[vert¡S"ElÉi].
– <h> vor vokalischen Graphemen hat keine lautliche Entsprechung, z. B. honoris causa
I[on®OÉris k"au8za], hotel I[ot"El], ha I[a] (er/sie hat).
– <h> nach <c>, <g>, <sc> dient zur Kennzeichnung ihrer velaren Aussprache, z. B. Chieti
I[kC"Eti], Peschiera I[peskC"EÉra], Marghera I[marg"EÉra].
– <c>, <g>, <sc> vor <a>, <o>, <u> entsprechen in der Aussprache [k g sk], z. B. Cuneo
I[k"uÉneo], Rovigo I[rov"iÉgo], Pescara I[pesk"aÉra].
– <c>, <g>, <sc> vor <e>, <i> stehen für [t¡S d¡Z S], z. B. Gela I[d¡Z"EÉla], Cividale I[t¡Sivid"aÉle],
Lecce I[l"etÉ¡Se], Cascina I[k"aÉSina]. Folgen den Graphemsequenzen <ci>, <gi>, <sci> sowie
<gli> weitere Vokale, hat das <i> keine lautliche Entsprechung, sondern dient zur Kenn-
zeichnung palataler Aussprache von <c>, <g>, <sc> bzw. <gl>, z. B. Pescia I[p"eSÉa], buon-
giorno I[bu8Ond¡Z"orno], Giotto I[d¡Z"OtÉo], Puglia I[p"u´Éa]; steht aber das <i> für akzentuiertes
/i/, gilt die Entsprechung <i>/[i], z. B. farmacia I[farmat¡S"iÉa] (Apotheke), leggio I[ledÉ¡Z"iÉo]
(Lesepult), fruscio I[fruSÉ"iÉo] (Rauschen).
– <v> steht für stimmhaftes [v], z. B. Viterbo I[vit"Erbo], Savona I[sav"oÉna].
– Endakzentuierung wird mit einem Akzentzeichen auf dem auslautenden Vokalgraphem sig-
nalisiert. Bei <e> und <o> ist zu beachten:
– der Akut signalisiert [e], z. B. de André I[de¥andr"e],
– der Gravis signalisiert [E O], z. B. Totò I[tot"O], caffè I[kafÉ"E] (Kaffee).

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


italienisch eingedeutscht italienisch eingedeutscht
a a a, aÉ Parma p"arma p"amaÉ

à a aÉ Arquà arku8"a akv9"aÉ

ae aeÉ aeÉ Gaeta ga"eÉta ga"eÉtaÉ


aE aE Faenza fa"Ent¥sa fa"EntsaÉ

ai aiÉ aiÉ Caino ka"iÉno ka"iÉnoÉ


aÉC aÉiÉ, aE8 Rosai roz"aÉC åoz"aÉiÉ od.
...z"aE8

au auÉ auÉ Paura pa"uÉra pa"uÉåaÉ


aÉu8 aO8 Laura l"aÉu8ra l"aO8åaÉ
au8 aO8 Lauretta lau8r"etÉa laO8å"EtaÉ

c vor a, o, u, au k k Colosseo kolosÉ"EÉo kolOs"eÉoÉ


vor e, i t¡S tS Cesena t¡Sez"EÉna tSez"eÉnaÉ

cc vor a, o, u, au kÉ k Lecco l"ekÉo l"EkoÉ


vor e, i tÉ¡S tS Scandicci skand"itÉ¡Si skand"ItSiÉ

ch vor e, i k k Chianti kC"anti kC"antiÉ

cch vor e, i kÉ k Spicchi sp"ikÉi sp"IkiÉ


160 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


italienisch eingedeutscht italienisch eingedeutscht
cia t¡Sa tSa Ciampi t¡S"ampi tS"ampiÉ
akz. i t¡SiÉa tSiÉaÉ Farmacia farmat¡S"iÉa famatS"iÉaÉ
ccia tÉ¡Sa tSaÉ Licciana litÉ¡S"aÉna lItS"aÉnaÉ
cio t¡So tSO Cioccolata t¡SokÉol"aÉta tSOkol"aÉtaÉ
akz. i t¡SiÉo tSiÉoÉ Vocio vot¡S"iÉo vOtS"iÉoÉ
ccio tÉ¡So tSoÉ Capriccio kapr"itÉ¡So kapå9"ItSoÉ
ciu t¡Su tSU Massaciuccoli masÉat¡S"ukÉo- masatS"UkoliÉ
li
cciu tÉ¡Su tSU Cacciucco katÉ¡S"ukÉo katS"UkoÉ
e e E Lecco l"ekÉo l"EkoÉ
E E Bergamo b"Ergamo b"EgamoÉ
e « Jacopone jakop"oÉne Jakop"oÉn«
EÉ eÉ Eugenio eu8d¡Z"EÉnCo EU8dZ"eÉnCoÉ
é e eÉ De André deandr"e de³andå"eÉ
è E eÉ Lacchè lakÉ"E lak"eÉ
ei EÉC eÉiÉ Pirenei piren"EÉC piåen"eÉiÉ
eiÉ eiÉ Andreini andre"iÉni andåe"iÉniÉ
eo eo eo Leonardo leon"ardo leon"adoÉ
EÉo eÉoÉ Iseo iz"EÉo iz"eÉoÉ
eu eu8 EU8 Eugenio eu8d¡Z"EÉnCo EU8dZ"eÉnCoÉ
g vor a, o, u, au g g Gottuso gotÉ"uÉzo gOt"uÉzoÉ
vor e, i d¡Z dZ Luigi lu"iÉd¡Zi lu"I.dZiÉ
gg vor e, i dÉ¡Z dZ Legge l"edÉ¡Ze l"E.dZ«
gh vor e, i g g Gherardo ger"ardo geå"adoÉ
gia d¡Za dZaÉ Giacomo d¡Z"aÉkomo dZ"aÉkomoÉ
ggia dÉ¡Za dZaÉ Foggia f"OdÉ¡Za f"O.dZaÉ
akz. d¡ZiÉa dZiÉaÉ Nostalgia nostald¡Z"iÉa nOstaldZ"iÉaÉ
gio d¡Zo dZo Gioconda d¡Zok"onda dZok"OndaÉ
ggio dÉ¡Zo dZoÉ Maggio m"adÉ¡Zo m"a.dZoÉ
akz. i dÉ¡ZiÉo dZiÉoÉ Leggio ledÉ¡Z"iÉo lE.dZ"iÉoÉ
giu d¡Zu dZu Giudecca d¡Zud"EkÉa dZud"EkaÉ
gl ´É lJ Camogli kam"O´Éi kam"OlJiÉ
gn −É nJ Bologna bol"o−Éa bol"OnJaÉ
i i i Milano mil"aÉno mil"aÉnoÉ
ì i iÉ Forlì forl"i fOl"iÉ
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 161

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


italienisch eingedeutscht italienisch eingedeutscht
ia Ca CaÉ Aquileia aku8il"EÉCa akv9il"eÉCaÉ
ia iaÉ Viani vi"aÉni vi"aÉniÉ
ia Viareggio viar"edÉ¡Zo viaå"E.dZoÉ
akz. i iÉa iÉaÉ Agenzia ad¡Zent¥s"iÉa a.dZEnts"iÉaÉ
ie CE CE Pienza pC"Ent¥sa pC"EntsaÉ
iE ieÉ Gabrieli gabri"EÉli gabåi"eÉliÉ
ie iE Triestino triest"iÉno tå99iEst"iÉnoÉ
io Co CO Piombino pComb"iÉno pCOmb"iÉnoÉ
iO ioÉ Viola vi"OÉla vi"oÉlaÉ
io io Violetta viol"etÉa viol"EtaÉ
akz. i iÉo iÉoÉ Addio adÉ"iÉo ad"iÉoÉ
j j J Jacopone jakop"oÉne Jakop"oÉn«
o o o, oÉ Tiepolo tC"EÉpolo tC"eÉpoloÉ
O O Giotto d¡Z"OtÉo dZ"OtoÉ
ò O oÉ Salò sal"O sal"oÉ
oa o8a O8a Soavità so8avit"a sO8avit"aÉ
oi OC OÎ Boito b"OCto b"OÎtoÉ
s s s Salò sal"O sal"oÉ
s z Pisa p"iÉsa p"iÉzaÉ
z z Rosa r"OÉza å"oÉzaÉ
sc vor a, o, u, uo sk sk Pescara pesk"aÉra pEsk"aÉåaÉ
vor e, i S S Sciroppo Sir"OpÉo Siå"OpoÉ
intervokal. SÉ S Pesce p"eSÉe p"ES«
sch vor e, i sk sk Bruschetta brusk"etÉa båUsk"EtaÉ
scia SÉa SaÉ Brescia br"eSÉa bå"ESaÉ
scio SÉo SoÉ Altopascio altop"aSÉo altop"aSoÉ
akz. i SÉiÉo SiÉoÉ Fruscio fruSÉ"iÉo få9US"iÉoÉ
sciu SÉu SU Pastasciutta pastaSÉ"utÉa pastaS"UtaÉ
schia skCa skCaÉ Ischia "iskCa "IskCaÉ
akz. skiÉa skiÉaÉ Foschia fosk"iÉa fOsk"iÉaÉ
schio skCo skCoÉ Rischio r"iskCo å"IskCoÉ
akz. i skiÉo skiÉoÉ Schio sk"iÉo sk"iÉoÉ
sp sp sp Spoleto spol"eÉto spol"eÉtoÉ
st st st Stradivari stradiv"aÉri stå9adiv"aÉåiÉ
u u U Lucca l"ukÉa l"UkaÉ
nach q ku8 kv9 Quasimodo ku8az"iÉmodo kv9az"iÉmodoÉ
ù u uÉ Cefalù t¡Sefal"u tSefal"uÉ
162 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


italienisch eingedeutscht italienisch eingedeutscht
ua u8a u8a Gualtiero gu8altC"EÉro gu8altC"eÉåoÉ
uaÉ uaÉ Capuana kapu"aÉna kapu"aÉnaÉ

ue u8E vE Quercia ku8"Ert¡Sa kv9"EtSaÉ


uEÉ ueÉ Emanuele emanu"EÉle emanu"eÉl«

ui u8i vi Quirinale ku8irin"aÉle kv9iåin"aÉl«


u8iÉ u8iÉ Guidi gu8"iÉdi gu8"iÉdiÉ
uÉC uÉiÉ Guardafui gu8ardaf"uÉC gu8adaf"uÉiÉ

uo u8OÉ u8oÉ Duomo du8"OÉmo du8"oÉmoÉ

v v v Rovigo rov"iÉgo åov"iÉgoÉ

z t¥s ts Monza m"ont¥sa m"OntsaÉ


d¥z ts Manzoni mand¥z"oÉni mants"oÉniÉ
ts Zara d¥z"aÉra ts"aÉåaÉ

Literatur
Canepari, L. (20043): MaPi. Manuale di pronuncia italiana. Bologna: Zanichelli.
Canepari, L. (20002): DiPi. Dizionario di pronuncia italiana. Bologna: Zanichelli.
Canepari, L. (20072): A Handbook of Pronunciation. München: Lincom.
Migliorini, B./Tagliavini, C./Fiorelli, P. (19992): DOP. Dizionario d’ortografia e di pronunzia. Torino:
ERI.
Migliorini, B./Tagliavini, C./Fiorelli, P./Borri, T. F.: Dizionario italiano multimediale d’Ortografia e di Pro-
nunzia. http://217.72.111.88 (Januar 2008).

7.3.8 Neugriechisch

Neugriechisch ist die Staatssprache Griechenlands und eine der Staatssprachen Zyperns. Im
Neugriechischen gibt es eine Hauptvarietät, die sog. Koine Neoelliniki Glossa (Allgemeine Neu-
griechische Sprache), die sich aus dem früheren südlichen Dialekt entwickelt hat. Diese in Athen
verwendete Aussprache gilt als Muster für eine allgemeine Aussprachenorm. Daneben gibt es
unterschiedliche Dialekte in anderen Regionen, wie z. B. auf Kreta, Korfu und Thessaloniki, die
phonologische, morphologische und syntaktische Differenzen gegenüber der Standardsprache
aufweisen.

Akzentuierung
Der Wortakzent liegt im Neugriechischen entweder auf der letzten, vorletzten oder vorvorletzten
Silbe (Dreisilbengesetz), z. B. Elliniká NG[ElInIk"a] (Griechisch), Athína NG[aT"Ina] (Athen), Lá-
rissa NG[l"arIsa]. Der Wortakzent wird in der griechischen Orthografie bei mehrsilbigen Wörtern
durch ein Akzentzeichen auf dem akzentuierten Vokal angezeigt: « (Cháos).
Der Wortakzent kann bedeutungsunterscheidend sein, z. B. ímera NG["ImEra] (zahm) – iméra
NG [Im"Era] (Tag). Bei der Deklination der Substantive und bei der Konjugation der Verben
kann es zu Akzentverschiebungen kommen, z. B. kouzínes NG[kUz"InEs] (die Küchen) – kouzinón
NG[kUzIn"On] (der Küchen, Gen. Plur.), agapó NG[aVap"O] (ich liebe, Präs.) – agapoúsa

NG[aVap"Usa] (ich liebte, Prät.).


Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 163

In der Wortgruppe werden die bestimmten Artikel, Personal- und Possessivpronomen sowie
Präpositionen und Konjunktionen generell nicht akzentuiert, nur in bestimmten syntaktischen
Positionen können Personal- und Possessivpronomen auch akzentuiert auftreten.
Bei der Eindeutschung werden die Akzentmuster der Einzelwörter beibehalten, in Zusam-
mensetzungen und Wortgruppen werden Haupt- und Nebenakzente wie im Deutschen verteilt.

Vokale
Im Neugriechischen gibt es fünf Vokalphoneme:
i u
e o
a
Alle Vokalphoneme des Neugriechischen sind kurz, in akzentuierten Silben weisen die Vokale
eine längere Dauer auf. Sie werden offener realisiert als die deutschen gespannten Vokale. Im
Neugriechischen gibt es keinen Glottisschlageinsatz.

Das Phonem /i/ besitzt drei komplementäre Allophone: [I], [] und den Approximanten [j]:
– Normalerweise wird das Phonem /i/ als [I] realisiert, z. B. Kríti NG[kr"ItI] (Kreta).
– Tritt ein nichtakzentuiertes /i/ zwischen stimmlosem Konsonanten und Vokal auf, wird der
stimmlose palatale Reibelaut [] realisiert, z. B. Aftiás NG[aft"as].
– Nach stimmhaftem Konsonanten vor Vokal wird für das /i/ der Approximant [j] gesprochen,
z. B. Diónysos NG[Dj"OnIsOs]. Der Approximant kann mit dem vorausgehenden dentalen Kon-
sonanten verschmelzen, so dass ein palataler Nasal entsteht, z. B. Chaniá NG[xa−"a].

Bei der Eindeutschung gibt es folgende Anpassungen an die deutsche Aussprache:


– In akzentuierten offenen Silben werden lange gespannte Vokale realisiert, z. B. Chíos D["iÉOs].
– In nichtakzentuierten offenen Silben werden kurze gespannte Vokale realisiert, z. B. Loutráki
D[lutå9"aÉkiÉ].
– In akzentuierten geschlossenen Silben werden kurze ungespannte Vokale realisiert, z. B. Dél-
phi D[d"ElfiÉ].
– /i/ wird nach [å] vor nichtakzentuiertem Vokal als [i] realisiert, z. B. Véria D[v"eÉåiaÉ].
– Endvokale werden lang und gespannt ausgesprochen, z. B. Délphi D[d"ElfiÉ].
– Der Glottisplosiv wird entsprechend den Regeln für das Deutsche verwendet, z. B. Ágion Óros
D[®aÉgCOn "³oÉåOs].

Vokalverbindungen
Das Neugriechische hat drei fallende Diphthonge [a£ E£ O£], z. B. Neráida NG[nEr"a£Da], Zeibékiko
NG[zE£b"EcIkO], Voidomátis NG[vO£dOm"atIs]. Mit dem Approximanten [j] können weitere Ver-
bindungen mit allen fünf Vokalen gebildet werden, z. B. Diónysos NG[Dj"OnIsOs]. Die fallenden
Diphthonge sind im Deutschen teilweise vorhanden ([aE8 OÎ]) und bereiten keine Probleme bei
der Eindeutschung. [E£] wird durch [E£] wiedergegeben, bei den anderen Verbindungen wird der
Approximant [j] durch ein nichtsilbisches D[C] ersetzt, z. B. Diónysos D[dC"oÉnysOs].
164 Die Standardaussprache in Deutschland

Konsonanten
Im Neugriechischen gibt es folgende Konsonanten, einige haben allophonischen Charakter:
labial dental alveolar palatal velar
stimmlos p t c k
Plosive
stimmhaft b d ï g
stimmlos f T s  x
Frikative
stimmhaft v D z j V
stimmlos t¥s
Affrikaten
stimmhaft d¥z
Nasale m n − N
Laterale l ´
Vibrant r
Approximant j

Für das neugriechische Konsonantensystem gilt:


– Doppelschreibung von Konsonanten signalisiert weder lange Konsonanten noch eine Ver-
kürzung des vorhergehenden Vokals.
– Die velaren Obstruenten /k/, /g/, /x/ und /V/ werden vor vorderen Vokalen palatal gebildet
(Palatalisierungsregel). Vor mittleren und hinteren Vokalen sowie vor Konsonanten bleiben
sie velar.
– Die stimmlosen Plosive werden nicht aspiriert.
– /s/ tritt auch im Wortanlaut auf.
– Der Vibrant /r/ ist alveolar, im Neugriechischen gibt es keine vokalischen R-Realisationen.
– /n/ wird vor nichtakzentuiertem /i/ und nachfolgendem Vokal palatal und vor den hinteren
Konsonanten velar gebildet.
– /l/ wird vor nichtakzentuiertem /i/ und nachfolgendem Vokal palatal gebildet.

Bei der Eindeutschung werden die Konsonanten weitgehend dem Deutschen angepasst, das be-
trifft auch die R-Realisationen, z. B. Flórina D[fl"oÉåinaÉ], Niárchos D[nC"axOs]. Der palatale Nasal
und der Lateral werden durch die Verbindung [nC] bzw. [lC] wiedergegeben, z. B. Chaniá
D[xanC"aÉ], Ílion D["iÉlCOn]. /s/ bleibt im Wortanlaut stimmlos, z. B. Sérres D[s"EåEs]. Am Wortan-
fang vor Vokal und intervokalisch werden auch in eingedeutschten Formen [T D] verwendet, z. B.
Athína D[at"iÉnaÉ] od. D[aT"iÉnaÉ] (vgl. Übersicht unten).

Assimilation
Im Neugriechischen gibt es bei /s/ vor stimmhaften Konsonanten eine regressive Assimilation
der Stimmhaftigkeit, z. B. Ismíni NG[Izm"InI]. Der Nasal /n/ wird – im Rahmen der sog. Pränasa-
lisierung der stimmhaften Plosive – in der Artikulationsstelle an den folgenden Plosiv angegli-
chen, z. B. Angístri NG[a−ï"IstrI].
Bei der Eindeutschung werden die Regeln des Deutschen angewendet, also u. a. die progres-
sive Assimilation der Stimmlosigkeit und die Auslautverhärtung.
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 165

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Im Folgenden wird die Transliteration der Duden-Rechtschreibung verwendet, in Druckerzeug-
nissen können auch andere Transliterationen auftreten, z. B. steht Náfplio neben Náuplio.
Schreibung Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
neu- trans- neu- einge- neu- eingedeutscht
griechisch literiert griechisch deutscht griechisch
 a a aÉ, a Athína aT"Ina aT"iÉnaÉ od.
at"iÉ...
 ä E E Ägáleo EV"alEO Eg"aÉleoÉ
ai aE8 Aischýlos Es"IlOs aE8s"yÉlOs od.
"aE8sy...
e eÉ Égio "EjO "eÉgCoÉ
 av, au av av Avlída avl"IDa a.vl"iÉDaÉ od.
... daÉ
af, au vor af af Náfplio n"afp´O n"afplCoÉ
stl. K aO8 Náuplio n"afp´O n"aO8plCoÉ
 v v v Vólos v"OlOs v"oÉlOs
 g vor i, e j g Germanía jErman"Ia gEman"iÉaÉ
vor a, o, u V g Galaxídi Valaks"IDI galaks"iÉDiÉ od.
und K ...diÉ
 nch vor i, e N n Anchíalos aN"IalOs an"iÉalOs
 ng vor i, e − ï Ng Evángelos Ev"a−ïElOs ev"aNgelOs
vor a, o, u N g Ng Engonópulos ENgOn"OpUlOs ENgon"oÉpulOs
 ng vor i, e − ï Ng Angístri a−ï"IstrI aNg"Istå9iÉ
vor a, o, u N g Ng Pángalos p"aNgalOs p"aNgalOs

d D D, d Dístomo D"IstOmO D"IstomoÉ od.


d"Is...
e E eÉ Peristéri pErIst"ErI peåIst"eÉåiÉ
E Elláda El"aDa El"aÉDaÉ od. ...daÉ
 i I iÉ, i Ípiros "IpIrOs "iÉpiåOs
ei I E£ Ípeiros "IpIrOs "iÉpE£åOs
 C Galáteia Val"ata gal"aÉtCaÉ
j C Alpheiós alfj"Os alfC"Os
 ev, eu Ev Ev Évosmos "EvOzmOs "EvOsmOs
OÎ Európi Evr"OpI OÎå"oÉpiÉ
ef, eu Ef Ef Lefkáda lEfk"aDa lEfk"aÉDaÉ od.
vor stl. K ...daÉ
OÎ Eufrosíni EfrOs"InI OÎfå9os"iÉniÉ
z z z Zagóri zaV"OrI zag"oÉåiÉ
i I i, iÉ, I Dimítris DIm"ItrIs Dim"iÉ.tå9Is od.
di...
 th T T, t Athína aT"Ina aT"iÉnaÉ od.
at"iÉ...
166 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


neu- trans- neu- einge- neu- eingedeutscht
griechisch literiert griechisch deutscht griechisch
 i I iÉ, I Ismíni Izm"InI Ism"iÉniÉ
nichtakz.  C Aftiás aft"as aftC"as
vor V j C Dionísis DjOn"IsIs DCon"iÉsIs od.
dCo...
k vor i, e c k Kilkís cIlc"Is kIlk"Is
vor a, o, u k k Kavála kav"ala kav"aÉlaÉ
und K
kk k k Rókkos r"OkOs å"OkOs
 l l l Kavála kav"ala kav"aÉlaÉ
vor nichtakz. ´ l Ílion "I´On "iÉlCOn
i+V
 ll l l Elláda El"aDa El"aÉDaÉ od. ...daÉ
 m m m Mégara m"EVara m"eÉgaåaÉ
 mm m m Ammóchostos am"OxOstOs am"OxOstOs
 n n n Náxos n"aksOs n"aksOs
vor nichtakz. − n Chaniá xa−"a xanC"aÉ
i+V
 nn n n Pelóponnisos pElOp"OnIsOs pelop"OnisOs
 x ks ks Xénios ks"E−Os ks"eÉnCOs
 o O oÉ, O Póros p"OrOs p"oÉåOs
 oi I OÎ Oía "Ia "OÎaÉ
i nichtakz.  C Kiá ca kCaÉ
+V j i Véria v"Erja v"eÉåiaÉ
 ou U uÉ, u Loutráki lUtr"acI lutå9"aÉkiÉ
 p p p Eptánisa Ept"anIsa Ept"aÉnisaÉ
 pp p p Fílippos f"IlIpOs f"iÉlIpOs
 r r å Póros p"OrOs p"oÉåOs
 rr r å Sérres s"ErEs s"EåEs
 s vor V und s s Sámos s"amOs s"aÉmOs
stl. K.
vor sth. K z s Ismíni Izm"InI Ism"iÉniÉ
 ss s s Ámfissa "amfIsa "amfIsaÉ
« s auslautend s s Vólos v"OlOs v"oÉlOs
 t t t Táuris t"avrIs t"aO8åIs
 y I Y Ypsilántis IpsIl"antIs Ypsil"antIs
 f f f Fílippos f"IlIpOs f"iÉlIpOs
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 167

Schreibung Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


neu- trans- neu- einge- neu- eingedeutscht
griechisch literiert griechisch deutscht griechisch
 ch vor i, e   Chíos "IOs "iÉOs
vor a, o, u x x Chálki x"alcI x"alkiÉ
und vor K

 ps ps ps Psará psar"a psaå"aÉ

 o O o Flórina fl"OrIna fl"oÉåinaÉ

Literatur
Klairis, Ch./Babiniotis, G. (2005): Grammatiki tis Neas Ellinikis. Athen: Ellinika Grammata.
Petrounias, E. (2002): Neoelliniki Grammatiki kai Sikritiki (Antiparathetiki) Analisi. Thessaloniki: Ziti.

7.3.9 Niederländisch

Niederländisch gilt in den Niederlanden, Belgien (Flandern), Surinam, auf den Niederländischen
Antillen und Aruba als Amtssprache. Das Niederländisch in Belgien wird als flämisches Niederlän-
disch bezeichnet und weist einige Unterschiede im Vergleich zur Aussprache in den Niederlanden
auf. Die Aussprache des Standardniederländischen (NL) basiert auf der Aussprache in der Region
um die Großstädte im Westen des Landes, im Folgenden wird darauf Bezug genommen.

Akzentuierung
Der Hauptakzent im Wort liegt meist auf der vorletzten Silbe, z. B. Utrecht NL["ytrExt], in allen
anderen Fällen auf der letzten, z. B. Amsterdam NL[Amst«rd"Am], oder vorvorletzten Silbe, z. B.
Deventer NL[d"ev«nt«r], der Nebenakzent meist auf der ersten Silbe. In zusammengesetzten Wör-
tern wird der Stamm akzentuiert. In Komposita erhält der erste Teil den Akzent, wenn es sich um
ein Substantiv oder Verb handelt, z. B. Nederland NL[n"ed«rlAnt]. Die Suffixe -elijk, -isch, -ig,
-baar, -heid, -loos, -zaam verschieben den Akzent auf die dem Suffix vorangehende Silbe.
In niederländischen Wortgruppen und Sätzen werden mehr potenzielle Hauptakzente reali-
siert als im Deutschen. In den eingedeutschten Formen werden in Zusammensetzungen und
Wortgruppen Haupt- und Nebenakzente nach den Regeln des Deutschen verwendet.

Vokale
Im Niederländischen gibt es 13 Vokalphoneme:

iI yY u
eE P « oO
a A

Die langen Vokale /a e o P/ kommen in offenen und geschlossenen Silben vor. Die Vokale [i u y]
bilden die Gruppe der hohen Vokale. Sie werden vor /r/ gedehnt. Die kurzen Vokale /I Y E A O/
kommen nur in geschlossenen Silben vor, /A/ und /O/ werden velarisiert. Die Dauer der Vokale
wird z. T. durch die Schreibweise signalisiert: doppelt geschriebene Vokale sind lang, Vokale vor
doppelt geschriebenen Konsonanten sind kurz. Die Vokallänge ist im Niederländischen nicht be-
deutungsunterscheidend.
168 Die Standardaussprache in Deutschland

Bei der Eindeutschung erfolgt eine teilweise Anpassung an die deutsche Aussprache:
– Es wird nur eine a-Qualität verwendet, z. B. Zaandam NL[zaÉnd"Am] – D[zaÉnd"am].
– Doppelt geschriebene Vokale sind lang, z. B. Maarssen D[m"aÉsn`]; Vokale vor doppelt ge-
schriebenen Konsonanten sind kurz, z. B. Brussel D[bå"Ys+]. In anderen Fällen entscheiden
Silbenstruktur und Akzentposition über die Vokalqualität und -quantität, entsprechend den
Regeln für das Deutsche. So sind die Vokale
– lang und gespannt in akzentuierten offenen Silben, z. B. Beatrix D[b"eÉatå9Iks];
– kurz und ungespannt in akzentuierten und nichtakzentuierten geschlossenen Silben, z. B.
Texel D[t"Eks+], Vincent D[vIns"Ent].

Endvokale werden lang und gespannt gesprochen, z. B. Hengelo D[h"EN«loÉ]. Nichtakzentuiertes


auslautendes /e/ wird als Schwa-Laut realisiert, z. B. Zwolle D[zv"Ol«]. In der Endung <-en> kann
es im Niederländischen zur Tilgung des /n/ kommen, z. B. Eindhoven NL["aE8nthoÉv«ÒnÔ].
Im Niederländischen gibt es zahlreiche Diphthonge, z. B. <ou> ([au8] oder [Ou8]), <ei> ([EC]),
<ui> ([{y*]). Sie werden in eingedeutschten Formen mit zwei kurzen ungespannten Vokalen
wiedergegeben, z. B. Slauerhof NL[sl"au8«rhOf] – D[sl"aO8ŒhOf], Eindhoven NL["ECnthov«ÒnÔ] –
D["aE8nthoÉvn`], Luik NL[l{y*k] – D[lOÎk].

Konsonanten
Im Niederländischen gibt es 23 Konsonantenphoneme:
labial dental alveolar palatal velar glottal
stimmlos p t k g
Plosive
stimmhaft b d
stimmlos f s S x h
Frikative
stimmhaft v z Z V
Nasale m n − N
Liquide lr
Approximanten w j

Anmerkungen:
– Die stimmlosen Plosive werden nicht aspiriert.
– Die stimmhaften Frikative werden häufig entstimmlicht realisiert.
– /l/ und /n/ werden nach kurzen Vokalen in geschlossenen Silben velarisiert.
– /Z/ und /g/ treten nur in Fremdwörtern auf.
– Vor /b d/ werden stimmlose Plosive und Frikative stimmhaft gesprochen, z.B. Philipsdam NL[fI-
lIpzd"Am], und bei identischer Artikulationsstelle total assimiliert, z.B. Slootdorp NL[sl"odOr«p].

Für die Eindeutschung gilt:


– Die stimmlosen Plosive werden nach den Regeln des Deutschen aspiriert, z. B. Texel D[tî"Eks+]
(die Aspiration wird in der Transkription im Wörterverzeichnis nicht angegeben). Die
stimmhaften Plosive werden als Lenis-Plosive realisiert.
– Nach den Regeln des Deutschen werden vokalisierte r-Allophone verwendet, z. B. Amersfoort
D["aÉmŒsfoÉ?t], Deurne D[d"PÉ?n«].
– Die Auslautverhärtung wird wie im Deutschen ausgeführt, z. B. Zeeland D[z"eÉlant].
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 169

Assimilation
Die Approximanten /j/ und /w/ werden als Gleitlaute zwischen zwei angrenzende Vokale gescho-
ben, je nachdem, ob der erste ein vorderer oder ein hinterer Vokal ist. Es gibt progressive und
regressive Stimmhaftigkeitsassimilation sowie die Auslautverhärtung. In finalen Konsonanten-
verbindungen mit /l r n/ wird ein [«] eingeschoben, z. B. melk NL["mEl«k] (Milch). In einge-
deutschten Formen werden diese Assimilationen nicht berücksichtigt.

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
niederländisch eingedeutscht niederländisch eingedeutscht
a A a Zandfoort z"Antfort z"antfoÉ?t
a aÉ Amersfoort "am«rsfort "aÉmŒsfoÉ?t
aa aÉ aÉ Maarssen m"aÉrs« m"aÉsn`
ae a aÉ Laeken l"ak« l"aÉk>
ai Aj aE8 Aitzema "Ajtz9«ma† "aE8tz9«maÉ
au au8 aO8 Slauerhoff sl"au8«rhOf sl"aO8ŒhOf
b b b Brussel bå"Ys«l bå"Ys+
c k k Claes klaÉs klaÉs
Capelle kap"El« kap"El«
Culemborg k"yl«mbOr«x k"yÉl«mbOx
od. ...bOk
vor e, i s s Vincent v"insEnt v"InsEnt
ch x x Berchem b"ErxEm b"ExEm
 Utrecht "ytrExt "yÉtå9Et
d d d Deventer d"ev«nt«r d"eÉv«ntŒ
auslautend t t Kerkenveld k"Erk«ÒnÔvElt k"Ek>fElt
e e eÉ Tegelen t"eV«l« od. ...l«n t"eÉx«l«n
E E Enschede "Ensx«de "Ensx«deÉ
« « Mechelen m"Ex«l« od. m"Ex«l«n od.
...l«n m"E...
ei EC E£ Eindhoven "ECnthov« od. "E£nthoÉfn` od.
...v«n "aE8nt...
eu P PÉ Deurne d"Prn« d"PÉ?n«
ey EC E£ Kapteyn kapt"ECn kapt"E£n
g x x, g Gent VEnt xEnt od. gEnt
intervokal. V x Itegem "it«VEm "iÉt«xEm
auslautend x x, k Limburg l"ImbYr«x l"ImbYx od.
...bUk
gh x x (van) Gogh VOx xOx od. gOx
h h h Hengelo h"EN«lo h"EN«loÉ
i i iÉ Itegem "it«VEm "iÉt«xEm
I I Vincent v"insEnt v"InsEnt
170 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


niederländisch eingedeutscht niederländisch eingedeutscht
ie i iÉ Lier lir liÉ?

ij EC E£ Overijssel ov«r"ECs«l oÉvŒ"³E£s+

j j J Janssens j"Ans«ns J"ansn`s

o o oÉ Groningen Vr"onIN«ÒnÔ xå9"oÉnIN«n


od. gå"oÉ...
O O Keukenhof k"Pk«ÒnÔhOf k"PÉk>hOf

oe u uÉ Woerden w"urd«ÒnÔ v"uÉ?dn`


U Willebroek v"Il«bruk v"Il«båUk

oey veraltet uj U£ Boeynants b"ujnAnts b"U£nants

oo o oÉ Hoogeveen hoV«v"en hoÉx«f"eÉn

ou Au8 aO8 Gouda V"Au8da x"aO8daÉ od.


g"aO8...

r r å Brussel br"Ys«l bå"Ys+


 Middelburg m"Id«lbYrx m"Id+bYx od.
...bUk
? Apeldoorn "ap«ldorn "aÉp+doÉ?n

s s s Someren s"om«r«ÒnÔ s"oÉm«å«n

sch sx sx Schiphol sx"IphOl sx"IphOl


auslautend s s Bosch bOs bOs

sz veraltet s s Cornelisz kOrn"elIs kOn"eÉlIs

u y yÉ Buren b"yr«ÒnÔ b"yÉå«n


Y Y Zytphen z"Ytf«ÒnÔ z"Ytf«n

ui {y* OÎ Luik l{y*k lOÎk

uy veraltet {y* OÎ Gruyter Vr"{y*t«r xå9"OÎtŒ od.


gå"OÎ...

v f f Veen feÉn feÉn


v v Vincent v"insEnt v"InsEnt

w w v Wassenaar w"As«nar v"as«naÉ

x ks ks Beatrix b"ejatrIks b"eÉatå9Iks

z z z Zwolle zw"Ol« zv"Ol«


s Germonprez VErmOnpr"Es x"EmOnpå9Es
od. g"E...

Literatur
Coninck, R. H. B. de (1970): Groot Uitspraakwoordenboek van de Nederlandse Taal. Antwerpen: Uitgeverij
De Nederlandse Boekhandel.
Heemskerk, J./Zonneveld, W. (2000): Uitspraakwoordenboek. Utrecht: Het Spectrum B.V.
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 171

7.3.10 Norwegisch

In Norwegen gibt es zwei offizielle Schriftsprachen, die von allen Norwegern aktiv beherrscht
werden: Bokmål (Buchsprache) und Nynorsk (Neunorwegisch). Sie werden von den meisten
Norwegern in ihrem oft kleinregionalen Dialekt ausgesprochen. Für süd- und westnorwegische
(Stadt-)Dialekte ist der frikative uvulare r-Laut und das Fehlen des [S] (wird als [s] realisiert)
charakteristisch. In einigen nordnorwegischen Dialekten fehlt die Unterscheidung zwischen den
beiden Tonemen. Es gibt keine einheitliche, für alle Norweger geltende Ausspracheregelung.
Dieser Darstellung werden die Aussprache des ostnorwegischen Standards (standard østnorsk)
und die Orthografie der Buchsprache zugrunde gelegt.

Akzentuierung
Der Wortakzent liegt im Norwegischen prinzipiell auf der ersten Silbe. Es gibt aber wie im
Deutschen nichtakzentuierte Vorsilben und Abweichungen von der Hauptregel, z. B. beholde
N[b«h"Ol«] (behalten), banan N[bAn"AÉn] (Banane). In der akzentuierten Silbe ist entweder der
Vokal oder der Konsonant lang. Die Verbindung von kurzem Vokal mit kurzem Konsonanten
kommt in akzentuierten Silben nicht vor. Bei Konsonantengemination wird der Konsonant in
der akzentuierten Silbe lang gesprochen, daher sind im Prinzip alle akzentuierten Silben gleich
lang. Im Norwegischen wird zwischen zwei phonematisch relevanten Tönen, T1 [1] und T2 [2],
unterschieden. Für den ostnorwegischen Standard gilt T1 - ¤(steigender Ton), z. B. vannet
1 2
N[ v"An«] (Wasser), und T2 \ ¤ ( fallender und steigender Ton), z. B. vanne N[ v"An«] (gießen).
Bei der Eindeutschung wird die Wortakzentuierung aus dem Norwegischen übernommen,
nicht aber die tonale Realisierung.

Vokale
Im Norwegischen gibt es 19 Vokalphoneme:

iÉ i yÉ Y èÉ U uÉ u
eÉ e PÉ { OÉ O
ÏÉ Ï «
AÉ A

Die langen Vokale [eÉ PÉ OÉ] werden meist diphthongiert: [eÉE8 PÉa8 OÉa8].
[Y] und [yÉ] werden mit geringer Lippenrundung artikuliert, z. B. tyr N[tYÉr] (Stier), während
[uÉ U OÉ O PÉ {] mit stärkerer Lippenrundung gebildet werden, z. B. [èÉ U] wie in tur N[tèÉr] (Spa-
ziergang).
In eingedeutschten Formen werden Qualität und Quantität der Vokale weitgehend an das
Deutsche angepasst.
172 Die Standardaussprache in Deutschland

Vokalverbindungen
Im Norwegischen gibt es fünf fallende Diphthonge: [ÏC], [aC], [Py*], [OC], [Ïè8] (oder [Pè8]), z. B.
feil N[fÏCl] (Fehler), haike N[2h"aCk«] (trampen), høy N[hPy*] (hoch), boikott N[1b"OCkOt] (Boykott),
sau N[sÏè8] (od. N[sPè8]) (Schaf). Die Diphthonge [aC] und [OC] kommen nur in Fremdwörtern
und Eigennamen vor. Die Diphthonge werden wie folgt eingedeutscht:

Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


norwegisch eingedeutscht norwegisch eingedeutscht

ÏC aE8 Skei SÏC SaE8


1
AC aE8 Maihaugen m"AChÏè8g«n m"aE8haO8g>
2
Py* OÎ Onsøy "UnsPy* "OnsOÎ

OC OÎ Moi mOC mOÎ

Ïè8 aO8 Sauda s"Ïè8dA s"aO8daÉ

Konsonanten
Im Norwegischen gibt es 23 Konsonantenphoneme:

labial dental/ retro- palatal/ palatal velar glottal


alveolar flex alveolar

stimmlos p t æ k
Plosive
stimmhaft b d † g
Frikative f s S  h

Nasale m n = N

Liquide lr ðÇ

Approximanten à C

Anmerkungen:
– Im ostnorwegischen Standard wird der r-Laut sehr schwach als einschlägiger alveolarer Vi-
brant oder als alveolarer Frikativ gesprochen. Im Auslaut wird er nicht vokalisiert, z. B. Per
N[peÉr], Peter N[p"eÉt«r].
– Die Konsonantenverbindungen <rd, rl, rn> und <rt> stehen für die Retroflexe [†], [ð], [=]
und [æ], sie kommen nicht im Anlaut vor. Für <rs> wird [S] realisiert.
– Der l-Laut wird nach den a- und o-Lauten deutlich dunkler gesprochen als im Deutschen.
– Für anlautendes <s> sowie für <sp> und <st> werden [s], [sp] und [st] gesprochen.

Die Eindeutschung folgt in all diesen Fällen den deutschen Gegebenheiten. Ausnahme: Für <s>
wird in allen Positionen ein [s] realisiert.

Assimilation
Das Norwegische kennt keine Auslautverhärtung, z. B. Godthaab N[g"OthOÉb], Rud N[åèÉd], Våg
N[vOÉg]. Eine Verhärtung tritt nur durch regressive Assimilation ein, z. B. dagsverk N[d"AksvÏrk].
In eingedeutschten Formen wird das nicht berücksichtigt.
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 173

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Die Grapheme <l, m, n>, <b, d, g> und <p, t, k> werden im An- und Inlaut, <p, t, k> auch im
Auslaut, meist wie im Deutschen gesprochen. <s> wird in allen Stellungen als stimmloser s-Laut
gesprochen, wenn es nicht Teil der Graphemgruppen <rs, sj, sk, skj> ist oder vor <l> als [S] rea-
lisiert wird. <f> wird wie im Deutschen gesprochen. Töne werden in der norwegischen Tran-
skription nicht angegeben.
Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
norwegisch eingedeutscht norwegisch eingedeutscht
a AÉ aÉ Dalen dAÉln daÉln
A a Alta "AltA "altaÉ
aa OÉ aÉ Aasen "OÉsn` "aÉsn`
å OÉ oÉ Årdal "OÉÿAÉl "oÉ?daÉl
O O Slåttvik Sl"OtÃiÉk Sl"Otv9iÉk
æ ÏÉ EÉ Værnes Ã"ÏÉ=eÉs v"EÉ?neÉs
Ï E Sævre s"ÏÃr« s"E.vå«
eÉ eÉ Tælavåg t"eÉlaÃOÉg t"eÉlavoÉk
e E Væktarstua Ã"ektArstèÉAÉ v"EktastuaÉ
ai AC aE8 Maihaugen m"AChÏè8g«n m"aE8haO8g>
au Ïè8 aO8 Sauda s"Ïè8dA s"aO8daÉ
b b b Bø bPÉ bPÉ
auslautend p Hersleb h"ÏSleb h"EslEp
bb bÉ b Ebba "ebÉA "EbaÉ
c k k Collin kOl"iÉn kOl"iÉn
s s Cecilie ses"iÉlC« ses"iÉlC«
ch k k Munch mUNk mUNk
d d d Dalen dAÉln daÉln
auslautend t Burud b"èÉrèÉd b"uÉåuÉt
dd dÉ d Edda "edÉA "EdaÉ
e eÉ eÉ Sel seÉl seÉl
e E Tretten tr"etÉn` tå9"Etn`
Ï E Hersleb h"ÏSleb h"EslEp
« « Norge n"Org« n"Og«
ei ÏC aE8 Skei SÏC SaE8
ey E£ E£ Heyerdahl h"E£«rdAÉl h"E£ŒdaÉl
ff fÉ f Offersøy "Of«SPy* "OfŒsOÎ
g g g Sagene s"Ag«n« s"aÉg«n«
vor vord. V j J, g Gilde j"Ild« J"Ild« od. g"Il...
auslautend g k Grieg griÉg gåiÉk
in -ig –  Helligtind h"elitInd h"ElItInt
gn Nn Nn Begna b"ENnA b"ENnaÉ
gg gÉ g Hyggen h"YgÉ> h"Yg>
gj anlautend j J Gjervåg j"ÏÉrÃOÉg J"EÉ?voÉk
174 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


norwegisch eingedeutscht norwegisch eingedeutscht
h h h Halden h"Aldn` h"aldn`
hv anlautend à v Hvaler Ã"AÉl«r v"aÉlŒ
i iÉ iÉ Ila "iÉlA "iÉlaÉ
I I Tinn tInÉ tIn
j j J Jæren j"ÏÉr«n J"EÉå«n
k k k Koppang k"OpÉAN k"OpaN
vor vord. V  , k Kirkeby "Irk«by "Ik«byÉ od.
k"I...
kk kÉ k Dokka d"OkÉA d"OkaÉ
kj   Kjeller "elÉ«r "ElŒ
kkj É  Lykkja l"YÉA l"YaÉ
ll lÉ l Helle h"elÉ« h"El«
mm mÉ m Sommerro s"OmÉ«ru s"OmŒåoÉ
n nÉ n Hanne h"AnÉ« h"an«
ng NÉ N Lyngen l"YNÉ«n l"YN«n
o OÉ oÉ Rogøy r"OÉgPy* å"oÉgOÎ
O O Rondane r"OndaÉn« å"OndaÉn«
uÉ oÉ Lofoten l"uÉfutn` l"oÉfoÉtn`
U O Dombås d"UmbOÉs d"OmboÉs
oe u oÉ Bjørneboe b"PÉrn«bu bJ"PÉ?n«boÉ
oi OC OÎ Moi mOC mOÎ
oy Py* OÎ Boysen b"Py*s«n b"OÎsn`
ø PÉ PÉ Ølen PÉln od. "PÉa8ln PÉln
{ { Trøgstad tr"{kstAd tå9"{kstat
øy Py* OÎ Onsøy "UnsPy* "OnsOÎ
PÉJ Schøyen sk"Py*«n S"PÉJ«n
pp pÉ p Koppang k"OpÉAN k"OpaN
r r å Rogøy r"OÉgPy* å"oÉgOÎ
å Bergen b"Ïrg«n b"Eg>
? Magnor m"ANnuÉr m"aNnoÉ?
rr rÉ å Borre b"OrÉ« b"Oå«
rd ÿ d Berdal b"ÏÿAÉl b"EdaÉl
r ?d gjerde (Zaun) j"ÏÉr« J"EÉ?d«
auslautend rd t Gerd jÏrd JEt od. gEt
rn = n Kvernmo kÃ"ÏÉ=mu kv9"EnmoÉ
rl ð l Berlevåg b"Ïð«ÃOÉg b"El«voÉk
rs S s Ørstad "{StAd "{stat
rt æ t Borten b"Oæn`` b"Otn`
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 175

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


norwegisch eingedeutscht norwegisch eingedeutscht
s s s Sommerro s"OmÉ«ru s"OmŒåoÉ
s s Ålesund "OÉl«sUnd "oÉl«sUnt od.
...zUnt
S s Slora Sl"uÉrA sl"oÉåaÉ
sch S S Schulzhytta S"UltshYtÉA S"UltshYtaÉ
sk S Schrøder skr"PÉd«r Så9"PÉdŒ
sj S S Sjoa S"uÉA S"oÉaÉ
sk sk sk Skram skram skå9am
vor vord. V S S Skei SÏC SaE8
skj S S Skjerva S"ÏrÃA S"EvaÉ
sp sp sp Sparbu sp"Arbè sp"abuÉ
ss sÉ s Røsså r"{sÉO å"{soÉ
st st st Stord stUrd stOt
tt tÉ t Sletta Sl"etÉA sl"EtaÉ
tj tj tJ˚ Tjodolv tj"uÉdOlà ˚
tJ"oÉdOlf
 tJ˚ Tjøme "{mÉ« ˚
tJ"PÉm«
u èÉ uÉ Hustad h"èÉstAd h"uÉstat
U U Rustad r"UstAd å"Ustat
U U Tungesvik t"UNÉ«sÃiÉk t"UN«sv9iÉk
v à v Vinje Ã"Inj« v"InJ«
w à v Wadahl Ã"AdÉAÉl v"aÉdaÉl
y yÉ yÉ Sylen syÉln syÉln
Y Y Hyggen h"YgÉ> h"Yg>

Literatur
Berulfsen, B. (1969): Norsk uttaleordbok. Oslo: H. Aschehaug & Co. (W. Nygaard).

7.3.11 Polnisch

Das gegenwärtige (Standard-)Polnisch hat seinen Ursprung in den zentralen und südwestlichen
Dialekten Polens. Neben dem Standard gibt es Dialekte und regional gefärbte Umgangsspra-
chen. Über Normregelungen in der polnischen Sprache entscheidet der 1996 vom Vorstand der
Polnischen Akademie für Wissenschaften ins Leben gerufene Rat für Polnische Sprache. Die pol-
nische Standardaussprache wird in Medien, Theatern und in der öffentlichen Kommunikation
verwendet.

Akzentuierung
Der Wortakzent ist in der polnischen Sprache nicht bedeutungsunterscheidend. Die Position der
Akzentsilbe ist fest, mehrsilbige Wörter werden ohne Rücksicht auf ihre morphologische Form auf
der vorletzten Silbe akzentuiert (Pänultima-Akzentuierung), das betrifft Simplizia pana P[p"ana]
(des Herren), panami P[pan"ami] (mit den Herren), Komposita autostrada P[awtOstr"ada]
176 Die Standardaussprache in Deutschland

(die Autobahn), Präfixbildungen wystawiać P[vést"avÆat¥‚] (ausstellen), Ableitungen artystka


P[art"éstka] (die Künstlerin), Kurzwörter Polfa – Polska Farmacja P[p"Olfa] (Polnische Pharmazie)
und Namen Agnieszka P[ag−"ESka], Warszawa P[varS"ava] gleichermaßen. Die Pänultima-
Akzentuierung gilt als Grundregel, es gibt jedoch Ausnahmen, die die Wortakzentuierung auf
der dritt- und viertletzten Silbe betreffen, dies kommt z. B. in einigen Lehnwörtern aus dem
Griechischen und Lateinischen, in einigen Zahlwörtern und Vergangenheitsformen vor. Insge-
samt herrscht gegenwärtig eine starke Tendenz, solche Wörter ebenfalls auf der vorletzten Silbe
zu akzentuieren.
Der polnische Wortakzent ist melodisch-dynamisch, hinzu kommen Quantitätsänderungen
(Dehnungen) in akzentuierten Silben. Der Kontrast zwischen den akzentuierten und nicht-
akzentuierten Silben ist nur schwach ausgeprägt, nichtakzentuierte Silben unterliegen kaum Re-
duktionserscheinungen. In mehrsilbigen Wörtern erscheint neben dem Hauptakzent ebenfalls
ein Nebenakzent, der gewöhnlich auf der Initialsilbe liegt, z. B. Lanckorona P[l®ant¥skOr"Ona].
Wortgruppen werden ebenfalls auf der vorletzten Silbe akzentuiert, z. B. do Warszawy
P [dO varS"avé] (nach Warschau). So können auch Funktionswörter wie Präpositionen zu Akzent-
trägern werden, wenn sie in Verbindung mit einsilbigen Substantiven oder Pronomen auftreten,
z. B. dla nas P[dl"a nas] (für uns). Das trifft ebenfalls für die Verbindungen des Negationswortes
nicht mit einsilbigen Verben zu, z. B. nie wiem P[−"E vÆEm] (ich weiß nicht). Je nach der Aussage-
absicht des Sprechers kann allerdings jedes Wort in der Äußerung akzentuiert werden (empha-
tischer, Demonstrativ-/Kontrastakzent). Die Akzentposition des Polnischen wird bei der Ein-
deutschung beibehalten.

Vokale
Im Polnischen gibt es sechs orale Vokale:
i é u
E O
a
Außerdem gibt es zwei nasalierte Vokale: /E) O)/.
Im Unterschied zum Deutschen hat die Labialität keinen distinktiven Wert, ebenso wenig die
Quantität.
In Wörtern, in denen in der orthografischen Notierung die Verbindung oraler Vokal + Na-
salkonsonant in der Position vor einem Frikativ auftritt, werden auch andere Vokale nasaliert
ausgesprochen. Dies kommt vor allem in Wörtern fremder Herkunft vor, z. B.
insekt P[" I)sEkt] (Insekt) symfonia P[sý)f"O−ja] (Sinfonie)
pensja P[p"E)sja] (Gehalt) awans P["ava)s] (Beförderung)
komfort P[k"O)fOrt] (Komfort) triumf P[tr"éu)f ] (Triumph)

Die polnischen Nasalvokale werden in eingedeutschten Formen durch die Kombination kurzer
Vokal + Nasal ersetzt, z. B. D˛abrowski P[dO)br"Ofski] – D[dOmbå"OfskiÉ], P˛echratka P[pE)xr"atka] –
D[pEnxå9"atkaÉ], M˛
akoszyce P[mO)kOS"étsE] – D[mONkOS"Its«].

Die Vokale werden im Polnischen in Akzentpositionen gedehnt. In der Eindeutschung sind sie
– in akzentuierten offenen Silben lang und gespannt, z. B. Ciechocinek D[tExOt"iÉnEk],
Lanckorona D[lantskOå"oÉnaÉ], eine Ausnahme bildet das ungespannte lange D[E:], z. B. Sie-
radz D[£"EÉåats];
– in nichtakzentuierten offenen Silben kurz und ungespannt, z. B. Klenica D[klEn"iÉ.tsaÉ], bei /i/
und /u/ werden kurze und gespannte Vokale realisiert, z. B. Ginawa D[gin"aÉvaÉ];
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 177

– in akzentuierten und nichtakzentuierten geschlossenen Silben kurz und ungespannt, z. B.


W˛abrzeźno D[vOmbZ"E.ZnOÉ], Rozkopaczew D[åOskOp"atSEf].
– im Auslaut lang und gespannt, z. B. Miłkowski D[mIU8k"OfskiÉ], eine Ausnahme bildet das un-
gespannte lange D[OÉ], z. B. Mielno D[m£"ElnOÉ]. Für <e> wird ein Schwa-Laut transkribiert,
z. B. Kielce D[k£"Elts«]. Für einzelne Finalsegmente gelten gesonderte Regelungen (s. u.).

Außerdem werden akzentuierte Vokale in offenen Silben vor [x], [S] (<sz>), [tS] (<cz>) und
[t] (<c>) im Deutschen kurz und ungespannt realisiert, z. B. Nożyczyn D[nOZ"ItSIn], Czarnocin
D[tSan"OtiÉn]. <y> wird, unabhängig von der Position im Wort, durch D[I] wiedergegeben, z. B.
Przysucha D[pZáIs"UxaÉ], im Auslaut durch [IÉ], z. B. Chichy D["IxIÉ]. Das Graphem <ó> wird durch
D[U] bzw. D[uÉ] wiedergegeben.

Vokalverbindungen
Die polnische Sprache kennt keine echten Diphthonge, es werden diphthongähnliche Verbin-
dungen mit dem Approximanten [j] gebildet, z. B. Mikołajki P[mikOw"ajki] – D[mikOv"aE8kiÉ],
Andrzej P["and¡ZEj] – D["andZE£]. Die polnischen Vokalverbindungen werden bei der Eindeut-
schung durch die entsprechenden deutschen Diphthonge wiedergegeben.

Konsonanten
Im Polnischen gibt es 36 Konsonantenphoneme:

labial dental palatal velar

stimmlos p pÆ t kc
Plosive
stimmhaft b bÆ d gï
stimmlos f fÆ sS ‚ x
Frikative
stimmhaft v vÆ zZ ó
stimmlos t¥s t¡S t¥‚
Affrikaten
stimmhaft d¥z d¡Z d¥ó
Nasale m mÆ n −

Lateral l

Vibrant r

Approximanten w j

In eingedeutschten Formen wird die Aussprache der polnischen Konsonanten weitgehend an das
Deutsche angeglichen. Für Grapheme, die im Deutschen nicht existieren, ist die Aussprache in
der Übersicht unten geregelt. Palatalisierungen werden durch ein nichtsilbisches ungespanntes
[£] wiedergegeben, z. B. Gdynia P[gd"é−a] – D[gd"In£aÉ].

Assimilation und Finalsegmente


In der polnischen Sprache wird sowohl progressiv, z. B. Krzemykowo P[kSEmék"OvO] (hier wird
nach [k] aus [Z] f [S]), als auch regressiv, z. B. Rabka P[r"apka] (hier wird vor [k] aus [b] f [p]),
assimiliert. Im Gegensatz zum Deutschen werden im Polnischen stimmlose Konsonanten im Sil-
benauslaut vor stimmhaften Konsonanten stimmhaft realisiert, z. B. Rzesznikowo P[ZEZ−ik"OvO],
nur im Wortauslaut kommt es zur Auslautverhärtung, z. B. Zagajew P[zag"ajEf]. Bei der Eindeut-
178 Die Standardaussprache in Deutschland

schung wird prinzipiell wie im Deutschen assimiliert. Die Auslautverhärtung wird auch inner-
halb des Wortes silbenauslautend realisiert, z. B. Sadkowice D[satkOv"iÉ.ts«]; dies gilt nicht, wenn
Nasale oder [l] folgen, z. B. Modlin D[m"OdliÉn].
Wortauslautende Vokal- und Konsonantenverbindungen können eigenständige Finalseg-
mente bilden, wie:

Schreibung Aussprache Beispiel Aussprache


eingedeutscht eingedeutscht
-ew Ef Parczew p"atSEf
-in iÉn Modlin m"OdliÉn
-ów Uf Rzeszów Z"ESUf
-yn In Folsztyn f"OlStIn

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


polnisch eingedeutscht polnisch eingedeutscht
a a a Pabianice pabÆa−"it¥sE pab£an"iÉ.ts«
aÉ Kalisz k"aliS k"aÉlIS
a˛ O) On W˛asosza vO)s"OSa vOns"OSaÉ
Om D˛abki d"O)pki d"OmpkiÉ
ON M˛akoszyce mO)kOS"ét¥sE mONkOS"Its«
b b b Borki b"Orki b"OkiÉ
p p Rabka r"apka å"apkaÉ
vor i + V bÆ b£ Biel bÆEl b£El
c t¥s ts Cecenowo t¥sEt¥sEn"OvO tsEtsEn"oÉvOÉ
vor i t¥‚ t Cisna t¥‚"isna t"IsnaÉ
ch x x Chyżne x"éZnE x"I.Zn«
vor i   Chichy "ixé "IxIÉ
ck t¥sk tsk Lecka l"Et¥ska l"EtskaÉ
cz t¡S tS Czarnocin t¡Sarn"Ot¥‚in tSan"OtiÉn
ć t¥‚ t Ćmielów t¥‚mÆ"Eluf tm£"EÉlUf
d d d Modlin m"Odlin m"OdliÉn
t t Sadkowice satkOv"it¥sE satkOv"iÉ.ts«
dz d¥z dz Radzanowo rad¥zan"OvO åa.dzan"oÉvOÉ
t¥s ts Sieradz ‚"Erat¥s £"EÉåats
vor i + K d¥ó dZ Dziwnowo d¥óivn"OvO dZI.vn"oÉvOÉ
vor i + V d¥ó dZ£ Dziewin d¥ó"Evin dZ£"EÉviÉn
dź d¥ó dZ Miedźno mÆ"Ed¥ónO m£"EÉdZnOÉ
t¥‚ t Kadź kat¥‚ kat
dż d¡Z dZ Żdżary Zd¡Z"aré ZdZ"aÉåIÉ
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 179

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


polnisch eingedeutscht polnisch eingedeutscht
e E E Henrykowo xEnrék"OvO hEnåIk"oÉvOÉ
EÉ Sieradz ‚"Erat¥s £"EÉåats

e˛ E)) En P˛echratka pE)xr"atka pEnxå9"atkaÉ


Em R˛ebowo rE))b"OvO åEmb"oÉvOÉ
En R˛eczyn r"E))t¡Sén å"EntSIn
EN R˛ekszowice rE))kSOv"it¥sE åENkSOv"iÉ.ts«

f f f Folsztyn f"OlStén f"OlStIn


vor i + V fÆ f£ Fiukówka fÆuk"ufka f£uk"UfkaÉ

g g g Garbno g"arbnO g"abnOÉ


k k Tarnobrzeg tarn"ObZEk tan"ObZEk
vor i ï g Ginawa ïin"ava gin"aÉvaÉ

h x h Hartowiec xart"OvÆEt¥s hat"oÉv£Ets

i i I Kalisz k"aliS k"aÉlIS


iÉ Ciechocinek t¥‚ExOt¥‚"inEk tExOt"iÉnEk

j j J Jagarzewo jagaZ"EvO JagaZ"EÉvOÉ

k k k Klenica klE−"it¥sa klEn"iÉ.tsaÉ


vor i + V c k£ Kielce c"Elt¥sE k£"Elts«

l l l Lanckorona lant¥skOr"Ona lantskOå"oÉnaÉ

ł w v Łódź wut¥‚ vUt


nach K u8 Gopło g"OpwO g"Opu^OÉ
nach a vor K O8 Bałtyk b"awték b"aO8tIk
nach e vor K U8 Ełk Ewk EU8k
nach i vor K U8 Miłkowski miwk"Ofski mIU8k"OfskiÉ
nach o vor K U8 Połczyn Zdrój p®Owt¡Sén p®OU8tSIn zdå"U£
zdr"ui
nach u vor K uÉ Pułtusk p"uwtusk p"uÉtUsk

m m m Manasterz man"astES man"astES


vor i + V mÆ m£ Mielno mÆ"ElnO m£"ElnOÉ

n n n Nożyczyn nOZ"ét¡Sén nOZ"ItSIn


n+k N N Janki j"aNki J"aNkiÉ
vor i + V − n£ Niedrzwica −Ed¡Zv®it¥sa n£E.dZv®iÉ.tsaÉ
Duża d"uZa d"uÉZaÉ

ń − n Hańcza x"a−t¡Sa h"antSaÉ

o O O, oÉ Osmolin Osm"Olin Osm"oÉliÉn

ó u U Rzeszów Z"ESuf Z"ESUf


uÉ Zielona Góra óEl®Ona g"ura Z£El®oÉnaÉ
g"uÉåaÉ
180 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


polnisch eingedeutscht polnisch eingedeutscht
p p p Pars˛ecko pars"E))t¥skO pas"EntskOÉ
vor i + V pÆ p£ Pierożki pÆEr"OSki p£Eå"OSkiÉ
r r å Bierut bÆ"Erut b£"EÉåUt
 Ostre Bardo ®OstrE b"ardO ®Ostå9« b"adOÉ
? Bór bur buÉ?
rz Z Z Orzeszkowo OZESk"OvO OZESk"oÉvOÉ
auslautend S S Sandomierz sand"OmÆES sand"oÉm£ES
s s s Przysucha pSés"uxa pZáIs"UxaÉ
vor i + K ‚  Sitno ‚"itnO "ItnOÉ
vor i + V ‚ £ Siemichocze ‚Emix"Ot¡SE £EmIx"OtS«
sz S S Szostka Duża S®Ostka d"uZa S®OstkaÉ d"uÉZaÉ

ś ‚  Śmieszkowo ‚mÆESk"OvO m£ESk"oÉvOÉ


t t t Teodorowo tEOdOr"OvO tEOdOå"oÉvOÉ
u u U Uchacze ux"at¡SE Ux"atS«
uÉ Szostka Duża S®Ostka d"uZa S®OstkaÉ d"uÉZaÉ
V+u aw aO8 Augamy awg"amé aO8g"aÉmIÉ
w v v Wysoka vés"Oka vIs"oÉkaÉ
f f Parczew p"art¡SEf p"atSEf
vor i + V vÆ v£ Wieliczka vÆEl"it¡Ska v£El"ItSkaÉ
y é I Folsztyn f"OlStén f"OlStIn
IÉ Chichy "ixé "IxIÉ
z z z Zagajew zag"ajEf zag"aÉJEf
s s Rozkopaczew rOskOp"at¡SEf åOskOp"atSEf
vor i + K ó Z Zimolza óim"Olza Zim"OlzaÉ
vor i + V ó Z£ Zielone óEl"OnE Z£El"oÉn«
ź ó Z W˛abrzeźno vO)bZ"EónO vOmbZ"E.ZnOÉ
‚  Przewi˛eź pS"EvÆE)‚ pZá"EÉv£En
ż Z Z Żabce Z"apt¥sE Z"apts«
S S Krzyż kSéS kZáIS

Literatur
Karaś, M./Madejowa, M. (1977): Słownik wymowy polskiej. Warszawa, Kraków: PWN.
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 181

7.3.12 Portugiesisch

Das Portugiesische wird in Portugal und Brasilien als Muttersprache, in den afrikanischen Staa-
ten Angola, Mosambik, Kapverden, São Tomé e Príncipe und Guinea-Bissau sowie in Asien in
Timor und Macau teils als Muttersprache, teils als Verkehrssprache neben den jeweils einheimi-
schen Sprachen gesprochen. In Portugal und Brasilien haben sich eigenständige Varietäten he-
rausgebildet; in den afrikanischen Staaten ist der Prozess der Herausbildung eigener Varietäten
noch im Gange. Das europäische Portugiesisch (EP) ist relativ einheitlich. Das brasilianische Por-
tugiesisch (BP) weist eine stärkere Differenzierung auf: Die Varietät der früheren Hauptstadt Rio
de Janeiro hat verschiedenen Versuchen, eine verbindliche Aussprachenorm festzulegen, als
sprachliche Grundlage gedient. Diese Norm hat sich jedoch nicht landesweit durchgesetzt.
Die folgende Darstellung beschränkt sich auf die Beschreibung der europäisch-portugiesi-
schen und der brasilianischen Norm (mit ihren wesentlichen standardsprachlichen Varianten).

Akzentuierung
Der Wortakzent kann auf den letzten drei Silben des Wortes liegen. Ist die Akzentstelle grafisch
nicht gekennzeichnet, richtet sich der Wortakzent nach dem Wortauslaut. Auf der letzten Silbe
akzentuiert sind alle Wörter, die auf -i(s), -u(s), -im/-ins, -um/uns, -om/ons, z. B. Parati
BP[pa|atÆ"i], auf Diphthong (+ s), z. B. Macau EP[mŒk"Au8], oder auf <-l, -r, -z>, z. B. Queiroz

EP[kŒC|"OS], enden. Auf der vorletzten Silbe akzentuiert sind alle Wörter, die auf -e(s), -a(s) oder
-o(s), z. B. Moçambique EP[musŒ)mb"ik«], Amazonas BP[amaz"onas], sowie auf -em/ens
BP[e)ü)8ÒsÔ]/EP[Œ)ü)8ÒSÔ] bzw. -am [Œ)u)8] enden, z. B. a garagem EP[ŒVŒ|"aZŒ)£ )] (die Garage), as garagens

EP[ŒZVŒ|"aZŒ)£ S ) ] (die Garagen).


In anderen Fällen wird der Wortakzent durch den grafischen Akzent gekennzeichnet, dabei
bezeichnet der Akut (´) gleichzeitig die ungespannte Aussprache (<á, é, ó> [a E O]), z. B. Pelé
BP[pel"E], und der Zirkumflex (ˆ) die gespannte Aussprache der mittleren Vokale (<ê, ô> [e o]),
z. B. Iberê BP[ibe|"e], sowie die (vor Nasalkonsonanten) gespannte Aussprache des niedrigen Vo-
kals <â> [Œ], z. B. Tâmega EP[t"Œm«VŒ].
In einsilbigen Wörtern kennzeichnet der Akzent die volltonige Aussprache im Gegensatz zu
der für nichtakzentuierte Silben charakteristischen reduzierten Realisierung von /e o a/, z. B. sê
P[se] (sei!), Sé P[sE] (Hauptkirche) – se EP[s«], BP[si] (sich); pôs EP[poS] (er hat gestellt), nós EP[nOS]
(wir) – nos EP[nuS] (uns). <i, u> kommen nur mit Akut vor. Auch die Tilde (~) kennzeichnet den
Wortakzent, z. B. Maracanã BP[ma|akan"Œ)], Magalhães EP[mŒVŒ´"Œ)ü)8S].
In Wortgruppen (phonetisches Wort) behält jedes Wort seine Akzentstelle, im ersten Wort
wird der Akzent zu einem Nebenakzent abgeschwächt, z. B. Porto Alegre BP[p®o|toal"Eg|i] –
EP[p®ortwŒl"Egr«], São Paulo BP[s®Œ)u)8p"Au8lu].
Der Wortakzent wird in den eingedeutschten Formen beibehalten. Der Wortgruppenakzent
(Verteilung von Haupt- und Nebenakzenten) wird den deutschen Regularitäten angepasst.

Vokale
Im Portugiesischen gibt es sieben orale und fünf nasale Vokalphoneme:

i u ü) u)
e o e) o)
E ÒŒÔ O Œ)
a
182 Die Standardaussprache in Deutschland

Im EP kommt zusätzlich noch /Œ/ vor (jedoch nur in der morphologischen Opposition 1. Person
Plural Präsens Indikativ vs. 1. Person Plural Perfekt). Diese Oralvokale treten nur in akzentuier-
ten offenen Silben auf. In geschlossenen Silben kommt es zu Assimilationen, die sich im EP und
im BP unterscheiden, in der Eindeutschung jedoch unberücksichtigt bleiben.
In nichtakzentuierten Silben ist die distinktive Opposition zwischen gespannten /e o/ und
ungespannten /E O/ sowie zwischen /a/ und /Œ/ aufgehoben. Im EP wird <e> je nach Position und
Umgebung als [«] (Tâmega EP[t"Œm«VŒ]), [i] (Helena EP[il"enŒ]), [é] (Alexandre EP[ŒléS"Œ)nd|«]),
[j] (Leonor EP[ljun"o|]) oder gar nicht (Algarve EP[A:V"a|vÒ«Ô]), <o> meist als [u] (Évora
EP["Evu|Œ]) und <a> meist als [Œ] (Saramago EP[sŒrŒm"aVu]) ausgesprochen. Im BP wird <e> je
nach Position und Umgebung als [i] (Alexandre BP[aliS"Œ)nd|i]) oder [e] (Helena BP[el"ena]), <o>
teils als [u] (Ramos BP[r"Œmus]), teils als [o] (Oliveira BP[oliv"eC|a]) und <a> als [a] (Saramago
BP[saram"agu]) gesprochen.
Die fünf Nasalvokalphoneme werden in akzentuierter und nichtakzentuierter Stellung in
beiden Varietäten gleich realisiert. Am Wortende wird [Œ)] als <ã/ã> geschrieben, z. B. Maracanã
BP[ma|akan"Œ)]. In allen anderen Fällen wird die Nasalität der Vokale in der Schrift durch die
Nasalkonsonanten <m> und <n> hinter dem Vokal gekennzeichnet.
Bei der Eindeutschung erfolgt eine teilweise Anpassung an die deutsche Aussprache; die
Vokale sind:
– lang und gespannt in akzentuierten offenen Silben, z. B. Tejo D[t"eÉZuÉ], Douro D[d"oÉåuÉ];
– kurz und gespannt in nichtakzentuierten offenen Silben, z. B. Maximiliano D[masimilC"aÉnuÉ],
Teresa D[teå"eÉzaÉ];
– kurz und ungespannt in akzentuierten und nichtakzentuierten geschlossenen Silben, z. B.
Fernão D[fEn"a)O8)], Isabel D[izab"El].

Endvokale werden lang und gespannt ausgesprochen, z. B. Tejo D[t"eÉZuÉ], Centavo D[sEnt"aÉvoÉ].
Nichtakzentuiertes auslautendes /e/ wird als Schwa-Laut realisiert, z. B. Recife D[åes"iÉf«].
Nasalvokale werden dann als Vokal + Nasalkonsonant eingedeutscht, wenn der Nasalkonso-
nant im Portugiesischen durch ein Schriftzeichen angezeigt wird, z. B. Angola D[aNg"oÉlaÉ], Bra-
gança D[båag"ansaÉ]. In allen anderen Fällen wird der Nasal beibehalten, z. B. Fernão D[fEn"a)O8)],
im Auslaut wird Vokal + Nasalkonsonant realisiert, z. B. Covilhã D[kuvIlJ"aN].

Vokalverbindungen
Das Portugiesische besitzt zahlreiche orale und nasale Diphthonge und Triphthonge, die sich
im EP und BP teilweise unterscheiden. So wird <ei> in Brasilien als [eC] (Ferreira BP[fer"eC|a])
oder [EC] (mil-reis EP[mi:r"ECS] (alte port. und bras. Währung), in Portugal als [ŒC] (Ferreira
EP[f«r"ŒC|Œ]) gesprochen. Und <oi> lautet in beiden Varietäten teils [oC] (Azoia EP[Œz"oCŒ]), teils
[OC] (Góis EP[gOCS]).
Die in der Schrift auftretende Vokalsequenz <ou> bezeichnet keinen Diphthong, sondern
den gespannten Vokal [o], z. B. Douro EP[d"o|u]. Die Vokalsequenz /i u/ + Vokal ergibt im Portu-
giesischen keine stabilen steigenden Diphthonge. Ihre Aussprache schwankt zwischen zweisilbi-
ger Realisierung (in Brasilien bevorzugt) und steigendem Diphthong (in Portugal bevorzugt),
wobei auch höheres Sprechtempo den Diphthong begünstigt, z. B. Vieira EP[vj"ŒC|Œ]/BP[vi"eC|a],
Régua EP[r"EVwŒ]/BP[r"Egua]. In den Verbindungen <gu> und <qu> wird das <u> vor /a/ und /o/
als [u8] (oder [u]) gesprochen; vor /e/ und /i/ wird es teils gesprochen (Benguela P[be))Ngw"ElŒ]),
teils ist es stumm (Guiné P[gin"E]).
In eingedeutschten Formen werden dem Portugiesischen vom Klang her nahe Elemente ver-
wendet.
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 183

Konsonanten
Das Portugiesische verfügt über 19 Konsonantenphoneme:

labial dental alveolar palatal velar

stimmlos p t k
Plosive
stimmhaft b d g

stimmlos f s S
Frikative
stimmhaft v z Z

Nasale m n −

Laterale l ´

einfach |
Vibranten
mehrfach r

Die stimmlosen Plosive werden im Portugiesischen grundsätzlich ohne Aspiration realisiert, bei
der Eindeutschung wird nach den Regeln des Deutschen aspiriert, z. B. Porto EP[p"ortu] –
D[pî"OtuÉ] (die Aspiration wird im Weiteren in der Transkription nicht angegeben).
Die stimmhaften Plosive werden im BP als [b d g] realisiert. Im EP tritt diese Realisierung
nur am Wortanfang bzw. am Anfang einer Wortgruppe sowie im Wortinneren nach den homor-
ganen Konsonanten [m], [n] und [N] auf; nach Vokalen, Frikativen und Liquiden werden diese
Phoneme frikativ als [B D V] realisiert, z. B. Beira Baixa EP[b®ŒC|ŒB"aCSŒ]/BP[b®eC|ab"aCSa], Ricardo
EP[rik"a|Du]. Bei der Eindeutschung wird generell [b d g] verwendet.
Im BP wird silben- und wortauslautendem Plosiv ein [i] angefügt, /t/ und /d/ werden vor [i]
palatalisiert, z. B. VARIG BP[v"a|igi], Ronaldinho BP[ronA:dÆ"i−u]. Im EP werden silbenauslauten-
des <p> und <c> heute oft nicht mehr gesprochen. Sie dienen nur der Kennzeichnung der un-
gespannten Aussprache des vorangehenden nichtakzentuierten Vokals ([a E O]), z. B. acção
EP[as"Œ)u)8] (Handlung), Selecção EP[sÒ«ÔlEs"Œ)u)8] ((Fußball-)Auswahl, National-Elf), optimismo

EP[Otim"iZmu] (Optimismus).
Die labialen und palatalen Frikative haben jeweils nur eine phonetische Realisierung: /f/,
z. B. Faro EP[f"a|u]; /v/, z. B. Vicente EP[vis"e)nt«]; /S/, z. B. Chaves EP[S"avéS]; /Z/, z. B. Jorge EP[Z"O|Z«].
Die dentalen Frikative sind aus den Frikativen /s/ und /z/ sowie den Affrikaten /ts/ und /dz/ äl-
terer Sprachstufen entstanden, was sich noch heute in der Schreibung zeigt. So entsprechen dem
stimmlosen Phonem /s/ die Grapheme <s> (am Silbenanfang und -ende), <ss> (intervokalisch),
<c> (vor <e, i>), <ç> (vor <a, o, u>) sowie (selten) <x> und dem stimmhaften Phonem /z/ die
Buchstaben <-s-> (intervokalisch) und <z>. Dadurch werden homophone Wörter orthogra-
fisch unterschieden: EP[sŒü)8] = 1. sem (ohne), 2. cem (hundert), EP[kuz"e|] = 1. coser (nähen), 2. co-
zer (kochen). Am Silbenende im Inneren eines phonetischen Wortes und an seinem Ende werden
die dentalen Phoneme /s/ und /z/ in Portugal und in bestimmten Regionen Brasiliens (z. B. Rio
de Janeiro) palatal realisiert. Die Stimmbeteiligung wird dabei an den folgenden Konsonanten
assimiliert, z. B. Francisco Álvares Cabral EP[f|Œ)s®iSku®A:vŒ|éSkŒB|"A:], Lisboa EP[léZB"oŒ], Marquês
de Pombal EP[mŒ|k®eZD«po)mb"A:]. Am Ende des phonetischen Wortes fallen die Phoneme /s/ und
/z/ im stimmlosen /s/ zusammen, das im EP als palatales [S], im BP je nach Region als [s] oder [S]
realisiert wird, z. B. Luís EP[lwiS]/BP[lu"is], Ferraz EP[f«r"aS]/BP[fEr"as]. Im BP bewirkt ein dentaler
Frikativ (oder Palatal) am Wortende oft die Diphthongierung des vorangehenden akzentuierten
Vokals, z. B. Inês BP[in"eCs], Cruz BP[kruCs].
184 Die Standardaussprache in Deutschland

Die Nasalkonsonanten /m/ und /n/ werden nur am Wort- und Silbenanfang als [m] und [n]
realisiert. In silbenschließender Position im Wortinneren kennzeichnen <m> und <n> die
Nasalität des vorangehenden Vokals und werden nur vor bestimmten Konsonanten phonetisch
realisiert, und zwar <m> vor <p, b> als [m], z. B. samba BP[s"Œ)mba], und <n> vor <t, d> als [n],
z. B. Mondego EP[mo))nd"eVu], sowie vor <k, g, q> als velares [N], z. B. Angola EP[Œ)Ng"OlŒ]. Vor den
Frikativen /f v s z S Z/ und vor /l/ und /r/ ist <n> nur Zeichen der Nasalität und wird nicht
gesprochen, z. B. Cinfães EP[sü)f"Œ)£S) ], Francisco EP[f|Œ)s"iSku], Henrique EP[e))|"ik«]. Am Wortende ist
<m> nur Zeichen der Nasalität des Vokals, z. B. Martim EP[mŒrtü)]; <n> tritt nur in Fremd-
wörtern auf und lautet [n], z. B. hifen EP["if«n] (Bindestrich). Das Phonem /−/ (<nh>) tritt nur im
Silbenanlaut im Wortinneren auf. Es wird als [−] realisiert, nasaliert im BP den vorangehenden
Vokal und kann – unter Veränderung der Silbenstruktur – als [nJ] eingedeutscht werden, z. B.
Minho EP[m"i.−u] – D[m"In.JuÉ].
Der Lateral /l/ wird am Wort- und Silbenanfang als alveolares [l] realisiert, z. B. Lisboa
EP [léZB"oŒ], São Paulo BP[sŒ)u8)p"Au8lu]. Am Silben- und Wortende wird es dagegen zu velarem [:],
das im BP zur Vokalisierung zu [u8] tendiert, z. B. Portugal EP[pu|tuV"A:]/BP[po|tug"A:]/
[po|tug"Au8], Brasil EP[b|Œz"i:]/BP[b|az"i:]/[b|az"iu8]. Das Phonem /´/ tritt fast nur am Silben-
anfang im Wortinneren auf, wird als [´] realisiert und kann – unter Veränderung der Silben-
struktur – als [lJ] eingedeutscht werden, z. B. Ilhéus BP[i.´"Eu8s] – D[Il.J"EU8s].
Das Portugiesische hat einen geschlagenen (/|/) und einen gerollten (/r/) Vibranten, die in in-
tervokalischer Position im Wortinneren in distinktiver Opposition zueinander stehen, z.B. caro
EP[k"a|u] (lieb, teuer) – carro EP[k"aru] (Wagen, Auto). Im Wortanlaut und im Silbenanlaut nach /n
l s/ tritt nur das gerollte /r/ auf, z.B. Régua EP[r"EVwŒ], Conrado EP[ko)r"aDu]; im Silbenanlaut nach
Plosiv oder Frikativ sowie im Silben- und Wortauslaut tritt nur das geschlagene /|/ auf, z.B. Porto
EP[p"o|tu], Timor EP[tim"o|]. Im BP wird das gerollte /r/ in vielen Regionen als stimmloser velarer
Frikativ [X] realisiert, z.B. Rio BP[X"iu], Serra BP[s"EXa], das silben- und wortauslautende geschla-
gene /|/ hingegen oft als stimmhafter laryngaler Frikativ [H], z.B. Porto BP[p"oHtu], Salvador
BP[sA:vad"oH]; das wortauslautende /|/ fällt oft ganz aus, z.B. Salvador BP[sA:vad"o]. Die portu-
giesischen Vibranten werden bei der Eindeutschung in den entsprechenden Positionen durch
das velare Reibe-R ersetzt, z.B. Junqueiro D[ZUNk"E£åuÉ], Fernão D[fEn"a)O8)]. Nach den Regeln des
Deutschen werden zudem vokalisierte R-Allophone verwendet, z.B. Leonor D[lJun"oÉ?].
Für die Eindeutschung der portugiesischen Konsonanten werden in der folgenden Übersicht
Beispiele gegeben.

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Der Übersicht wird in den Spalten 2 und 5 die Aussprache des europäischen Portugiesisch zu-
grunde gelegt.
Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
portugiesisch eingedeutscht portugiesisch eingedeutscht
a a aÉ Sá sa saÉ
nichtakz. Œ a Açores Œs"o|éS as"oÉåIS
â Œ aÉ Câmara k"ŒmŒ|Œ k"aÉmaåaÉ
Œ) a Estância éSt"Œ)sja Ist"ansCaÉ
ai aC aE8 Jaime Z"aCm« Z"aE8m«
au Au8 aO8 Paulo p"Au8lu p"aO8luÉ
ã Œ) aN Covilhã kuvi´"Œ) kuvIlJ"aN
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 185

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


portugiesisch eingedeutscht portugiesisch eingedeutscht
am, an Œ)m/Œ)n am/an Santos s"Œ)ntuS s"antUS
vor c, g Œ)N aN Barranco bar"Œ)Nku baå"aNkuÉ
ãe Œ£) a)E8) Magalhães mŒVŒ´"Œ£)S magalJ"a)E8)S
ão Œ)u)8 a)O8) Fernão fÒ«Ô|n"Œ)u8) fEn"a)O8)
b b b Belém b«l"Œ)£ ) bel"EN
c vor a, o, u k k Cabral kŒB|"A: kabå"al
vor K Cristóvão k|iSt"OvŒ)u)8 kå9ISt"oÉva)O8)
vor e, i s s Cinfães sü)f"Œ)£S) sINf"a)E8)S
ç s s Bragança b|ŒV"Œ)sŒ båag"ansaÉ
ch S S Chaves S"avéS S"aÉvIS
d d d Luanda lw"Œ) dŒ
n lu8"andaÉ
D d Alvalade A:vŒl"aD« alval"aÉd«
e, é E E Eça "EsŒ "EsaÉ
EÉ Érico "E|iku "EÉåikuÉ
e, ê e eÉ Pedro p"eDru p"eÉdåuÉ
Inês in"eS in"eÉS
e nichtakz. « e Setúbal s«t"uBA: set"uÉbal
anlautend i i Emílio im"ilju im"iÉlCuÉ
vor s é I Açores Œs"o|éS as"oÉåIS
vor V j J Leonor ljun"o| lJun"oÉ?
ei ŒC E£ Madeira mŒD"ŒC|Œ mad"E£åaÉ
eu eu8 EU8 Mateus mŒt"eu8S mat"EU8S
em, en e)m/e)n Em/En Vicente vis"e)nt« vis"Ent«
Œ)£ ) EN Belém b«l"Œ)£ ) bel"EN
g vor a, o, u g g Angola Œ)Ng"OlŒ aNg"oÉlaÉ
vor K Grândola g|"Œ)ndulŒ gå"andulaÉ
vor e, i Z Z Gil Zi: ZIl
gu vor a, o, u gw gu8 Guarda gw"a|DŒ gu8"adaÉ
vor e, i gw gu8 Benguela be))Ngw"ElŒ bENgu8"EÉlaÉ
g g Guiné gin"E gin"EÉ
h – – Henrique e)|"ik« Enå"iÉk«
i i iÉ Vila v"ilŒ v"iÉlaÉ
vor akz. i « « Dinis d«n"iS d«n"IS
vor V j C Viana vj"ŒnŒ vC"aÉnaÉ
j Z Z Jorge Z"O|Z« Z"OZ«
lh ´ lJ Magalhães mŒVŒ´"Œ)£S) magalJ"a)E8)S
186 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


portugiesisch eingedeutscht portugiesisch eingedeutscht
m vor V m m Macau mŒk"Au8 mak"aO8
vor p, b m m Pemba p"e))mbŒ p"EmbaÉ
auslautend - N Martim mŒ|t"ü) mat"IN
n vor V n n Nazaré nŒzŒ|"E nazaå"EÉ
vor g [g], N N Angola Œ)Ng"OlŒ aNg"oÉlaÉ
c [k], qu Junqueiro Zu)Nk"ŒC|u ZUNk"E£åuÉ
nh − nJ Minho m"i−u m"InJuÉ
o, ó O oÉ Lopes l"OpéS l"oÉpIS
o, ô o oÉ Diogo dj"oVu dC"oÉguÉ
o nichtakz. u u Oliveira uliv"ŒC|Œ uliv"E£åaÉ
w u8 São João sŒ)u)8 Zw"Œ)u)8 sa)O8) Zu8"a)O8)
oi OC OÎ Góis gOCS gOÎS
oC OÎ Azoia Œz"oCŒ az"OÎaÉ
ou o oÉ Douro d"o|u d"oÉåuÉ
om, on o) /o)
m n Om/On Ponte p"o) t«
n p"Ont«
õe o)£ ) O)¨$ Camões kŒm"o)£S) kam"O)¨$S
qu vor a, o kw ku8 Quadros kw"aD|uS ku8"adåUS
vor e, i k k Moçambique musŒ)mb"ik« musamb"iÉk«
r r å Régua r"EVwŒ å"EÉgu8aÉ
| å Faro f"a|u f"aÉåuÉ
 Roberto ruB"E|tu åub"EtuÉ
? Timor tim"o| tim"oÉ?
s anlautend s s Santarém sŒ)ntŒ|"Œ)£ ) santaå"EN
intervokalisch z z Teresa t«|"ezŒ teå"eÉzaÉ
auslautend S S Luís lwiS lu8IS
vor sth. K Z Z Lisboa léZB"oŒ lI.Zb"oÉaÉ
ss s s Pessoa pÒ«Ôs"oŒ pEs"oÉaÉ
u u uÉ Luso l"uzu l"uÉzuÉ
vor V w u8 Duarte dw"a|t« du8"at«
v v v Vicente vis"e)nt« vis"Ent«
x S S Xabregas SŒB|"EVŒS Sabå"eÉgaS
s s Maximiliano mŒsimilj"Œnu masimilC"aÉnuÉ
z anlautend z z Zambujal zŒ)mbuZ"A: zambuZ"al
auslautend S S Santa Cruz s®Œ)ntŒ k|"uS s®antaÉ kå9"uÉS

Literatur
Gärtner, E./Jayme, J. Th. (1980): Portugiesische Aussprache. Brasilianisches Portugiesisch. Leipzig: Enzy-
klopädie.
Mateus, M. H. M. (1975): Aspectos da Fonologia Portuguesa. Lissabon: Centro de Estudos Filológicos.
Viana, A. R. G. (1973): Estudos de Fonética portuguesa. Lissabon: Imprensa Nacional – Casa da Moeda.
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 187

7.3.13 Russisch

Das Russische ist Verkehrs- und Amtssprache in der Russischen Föderation, wird aber auch noch
in einigen Republiken der ehemaligen Sowjetunion benutzt, u. a. in Weißrussland (Belarus), der
Ukraine und Kirgistan. Aus den ursprünglich vorhandenen zwei konkurrierenden Aussprache-
normen (Moskauer und Petersburger Norm) hat sich die heutige Standardaussprache herausge-
bildet, die im Wesentlichen auf der Moskauer Sprechweise beruht, aber eine Reihe von Varianten
zulässt.

Akzentuierung
Für das Russische gilt:
– Es gibt einen zentrierenden Wortrhythmus, durch den nichtakzentuierte Silben stark abge-
schwächt werden.
– Die Akzentstelle ist nicht an eine bestimmte, abzählbare Silbe gebunden.
– Familiennamen auf -owski(j)/-ewski(j), z. B. Tschaikowski(j) R[tÆ¡SÆI£k"OòfskÆI£] bzw. Wassilew-
ski(j) R[v«sÆIlÆ"EòfskÆI£], sowie auf -owitsch/-ewitsch, z. B. Rostropowitsch R[r«strŒp"OòvÆItÆ¡SÆ]
bzw. Matussewitsch R[m«tUsÆ"eòvÆItÆ¡SÆ], sind auf der vorletzten Silbe akzentuiert.
– Von männlichen Vornamen abgeleitete Familiennamen, z. B. Antonow R[Œnt"Oòn«f], und Va-
tersnamen, z. B. Antonowitsch R[Œnt"Oòn«vÆItÆ¡SÆ], werden wie die zugrunde liegenden männ-
lichen Vornamen (hier Anton R[Œnt"Oòn]) akzentuiert.
– Weibliche Vornamen, z. B. Borislawa R[b«rÆIs:"aòv«], werden – soweit zutreffend – wie die zu-
grunde liegenden männlichen Vornamen (hier Borislaw R[b«rÆIs:"aòf]) akzentuiert.
– Nebenakzente kommen nur in Zusammensetzungen vor, z. B. Bill(j)-Belozerkowski(j) R[bÆ®ilÆ
bÆI:«t¥sýrk"OòfskÆI£] oder Andrejewo-Iwanowka R[ŒndrÆ®eòIv« Iv"aòn«fk«].

Alle diese Gegebenheiten werden – bis auf den zentrierenden Wortrhythmus – in den einge-
deutschten Formen übernommen. Ausnahmen werden im Wörterverzeichnis angegeben.

Vokale
– Das Russische verfügt über fünf Vokalphoneme, die je nach Akzentstruktur und konsonan-
tischer Umgebung in verschiedenen Allophonen realisiert werden.
– Akzentuierte Vokale sind mittellang. Daher gibt es keine akzentuierten Kurzvokale.
– Alle nichtakzentuierten Vokale werden kurz und schwach (quantitativ reduziert) gesprochen.
– Die Phoneme /E/, /a/, /O/ nach palatalisierten Konsonanten und /j/ werden zusätzlich in allen
Positionen qualitativ zu [I] reduziert (/a/ im Wortauslaut zu [«]).
– /a/ und /O/ werden nach nicht palatalisierten Konsonanten in der 1. Silbe vor dem Akzent und
im Wortanlaut qualitativ zu [Œ], in der 2. und 3. Silbe vor dem Akzent und in allen Silben
nach dem Akzent zu [«] reduziert.
– /E/ wird nach den nicht palatalisierten Konsonanten [S], [Z], [t¥s] in der 1. Silbe vor dem Ak-
zent zu [ý], in der 2. und 3. Silbe vor dem Akzent und in allen Silben nach dem Akzent zu [«].

Alle diese Gegebenheiten werden in den eingedeutschten Formen nicht berücksichtigt.


Vokalphoneme des Russischen und ihre Allophone (vereinfacht)
188

Phonem Allophon Allophon Beispiel Aussprache Aussprache Allophon Allophon Beispiel Aussprache Aussprache
akzentuiert akzentuiert russisch eingedeutscht nicht- nicht- russisch eingedeutscht
eingedeutscht akzentuiert akzentuiert
eingedeutscht
I iò iÉ Bijsk bÆiò£sk biÉsk I I Gagino g"aògÆIn« g"aÉgInOÉ
I Ilmen(j) "iòlÆmÆInÆ "Ilm£En I Aktjubinsk ŒktÆ"UòbÆInsk akt£"uÉbInsk
Iò iÉ Kirow kÆ"Iòr«f k"iÉåOf
I Mirny(j) mÆ"Iòrný£ m"IånIÉ
éò IÉ Bykowo b"éòk«v« b"IÉkOvOÉ ý I Dychtau dýxt"aU8 dIxt"aO8
I Schilka S"éò:k« S"IlkaÉ
E Eò E Belgorod bÆ"Eò:g«r«t b£"ElgOåOt I E Jelabuga Il"aòbUg« JEl"aÉbUgaÉ
EÉ Amguema amgU"Eòm« amgU"EÉmaÉ « E Abramzewo abr"aòmt¥s«v« abå"amtsEvOÉ
Die Standardaussprache in Deutschland

eò eÉ Aleksejewka ŒlÆIks"eòIfk« al£Eks"eÉJEfkaÉ ý E Schelon(j) Sý:"OònÆ SEl"OÉn


a aò aÉ Gagino g"aògÆIn« g"aÉgInOÉ Œ a Barysch bŒr"éòS baå"IÉS
a Bachta b"aòxt« b"axtaÉ I a Pjatigorsk pÆItÆIg"Oòrsk p£atIg"Oåsk
« a Balakowo b«:Œk"Oòv« balak"OÉvOÉ
O Oò O Wolga v"Oò:g« v"OlgaÉ Œ O Bolschaja bŒlÆS"aò£« bOlS"aÉJaÉ
OÉ Borodino b«r«dÆIn"Oò bOåOdIn"OÉ « O Belgorod bÆ"Eò:g«r«t b£"ElgOåOt
« O Belgorod bÆ"Eò:g«r«t b£"ElgOåOt
U Uò uÉ Uglitsch "UòglÆItÆ¡SÆ "uÉglItS U U Shiguljowsk ZýgUlÆ"Oòfsk ZIgUl£"Ofsk
U Anjui anÆ"U£ an£"U£ U U Weliki(j) vÆIlÆ®iÉkÆI£ v£El®iÉkiÉ
Ustjug UsÆtÆ"Uòk ³Ust£"uÉk
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 189

Für die eingedeutschten Vokale (außer /a/ – hier entfällt die Unterscheidung von gespannt und
ungespannt, es gelten nur die in den Regeln angeführten Quantitäten) gilt:
1. In offenen und geschlossenen nichtakzentuierten Silben (außer am Wortende) werden
kurze ungespannte Vokale realisiert, z. B. Osjorsk D[Oz£"Oåsk], Gagino D[g"aÉgInOÉ], Ljuberzy
D[l£"uÉb£E tsIÉ].
å

2. In offenen akzentuierten Silben (außer am Wortende) sowie in potenziell offenen akzentu-


ierten Silben am Wortende und in allen offenen Silben am Wortende werden lange gespannte
oder lange ungespannte Vokale realisiert, und zwar:
– <i> als langes gespanntes [iÉ], z. B. Bija D[b"iÉJaÉ], Ischim D[IS"iÉm], Fili D[fIl"iÉ];
– <y> als langes ungespanntes [IÉ], z. B. Bykowo D[b"IÉkOvOÉ], Medyn(j) D[m£Ed"IÉn], Ljuberzy
D[l£"uÉb£E tsIÉ];
å

– <u> als langes gespanntes [uÉ], z.B. Uglitsch D["uÉglItS], Weliki(j) Ustjug D[v£El®iÉkiÉ
³Ust£"uÉk], Basardjusju D[bazaåd£U.z£"uÉ];
– <e> vor im Russischen nicht palatalisierten Konsonanten und im akzentuierten Wort-
auslaut als langes ungespanntes [EÉ], z. B. Neman D[n£"EÉman], Gudermes D[gUdEm£"EÉs],
Tuapse D[tUaps"EÉ]; vor [J] oder im Russischen palatalisierten Konsonanten als langes ge-
spanntes [eÉ], z. B. Aleksejewka D[al£Eks"eÉJEfkaÉ], Twer(j) D[tv9eÉŒ]; im nichtakzentuierten
Wortauslaut als Schwa-Laut [«], z. B. Koporje D[kOp"OåJ«];
– <o> als langes ungespanntes [OÉ], z. B. Woronesh D[vOå"OÉn£ES], Nikanor D[nIkan"OÉŒ],
Bykowo D[b"IÉkOvOÉ].
3. In allen geschlossenen akzentuierten Silben werden kurze ungespannte Vokale realisiert, z. B.
Ilmen(j) D["Ilm£En], Belgorod D[b£"ElgOåOt], Abinsk D[ab"Insk].
4. In potenziell offenen und in geschlossenen nichtakzentuierten Silben am Wortende wer-
den kurze ungespannte Vokale realisiert, z. B. Woronesh D[vOå"OÉn£ES], Iput(j) D["iÉpUt]. <e>
in fremden Namen wird nach deutschem Usus reduziert bzw. elidiert, z. B. Andresen
D[andå£"EÉzn`].

Potenziell offene Silben am Wortende treten u. a. in russischen Vornamen und Ortsnamen auf,
da sie als Basis für die Bildung anderer Namen und Bezeichnungen dienen können, in denen
anstelle dieser anscheinend geschlossenen Silben offene Silben gesprochen werden, z. B. Adam
[ad"aÉm] (Vorname) – Ada|mowitsch D[ad"aÉmOvItS] (Vatersname) – Ada|mow D[ad"aÉmOf] (Nach-
name); Wladiwostok D[vladIvOst"OÉk] (Ortsname) – Wladiwosto|ker D[vladIvOst"OÉkŒ] (Einwoh-
nerbezeichnung).
In den von Vornamen auf -i(j) gebildeten Vatersnamen mit verkürztem Stamm (Elision von
<i>), z. B. Arkadi(j) – Arkadjewitsch – Arkadjewna, wird die akzentuierte geschlossene Silbe ge-
öffnet und damit die lautliche Übereinstimmung mit dem jeweils zugrunde liegenden Vornamen
gewährleistet:
Arka|di(j) D[aåk"aÉdiÉ] – Arka|djewitsch D[aåk"aÉ.dJEvItS] – Arka|djewna D[aåk"aÉ.dJE.vnaÉ].
Lediglich vor <r> unterbleibt diese Silbenöffnung, z. B.
Wale|rij D[val"eÉåiÉ] – Waler|jewitsch D[val£"EåJEvItS] – Waler|jewna D[val£"EåJE.vnaÉ].
Diese verkürzten Vatersnamen werden – im Gegensatz zu den normal gebildeten – im Wör-
terverzeichnis angeführt.
Ausnahmen von diesen Regeln für einzelne russische Finalsegmente sind in der Tabelle unten
geregelt.
Bei der Eindeutschung russischer Vokale treten folgende Aussprachebesonderheiten auf:
– Es gibt keine festen Vokaleinsätze im Wortanlaut sowie zwischen Vokalen innerhalb des Wor-
tes. Dieses Merkmal wird in den eingedeutschten Formen nicht berücksichtigt.
190 Die Standardaussprache in Deutschland

– Die akzentuierten Vokalphoneme /I/ und /E/ werden durch palatalisierte Nachbarkonsonan-
ten oder /j/ erhöht zu [iÉ] bzw. [eÉ]. Dieses Merkmal tritt auch in den eingedeutschten For-
men auf.

Vokalverbindungen
Es gibt im Russischen nur unechte Diphthonge: akzentuierter mittellanger Vokal bzw. nichtak-
zentuierter Kurzvokal + [£], in Fremdwörtern auch [aU8]. In der eingedeutschten Aussprache
werden sie z. T. durch deutsche Diphthonge ersetzt bzw. monophthongiert:

Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache


russisch eingedeutscht eingedeutscht
a£ aE8 Waldai vald"aE8
aU8 aO8 Laura l"aO8åaÉ
O£ OÎ Bolschoi (Irgis) bOlS"OÎ
e£ e£ Gwardejsk gvaåd"e£sk
E£ E£ Orushejnaja (palata) OåUZ"E£naJaÉ
i£ iÉ Bijsk biÉsk
U£ U£ Wiljui vIl£"U£
I£ iÉ Weliki(j) Ustjug v£El®iÉkiÉ ³Ust£"uÉk
ý£ IÉ Grosny(j) gå"OÉ.znIÉ

Konsonanten
Im Russischen gibt es 33 Konsonantenphoneme, von denen einige nur palatalisiert, andere nur
nichtpalatalisiert, die meisten aber palatalisiert oder nichtpalatalisiert vorkommen. Die Velare
haben nur palatalisierte Allophone.

labial dental/alveolar palatal velar

stimmlos p pÆ t tÆ k
Plosive
stimmhaft b bÆ d dÆ g
stimmlos f fÆ sS sÆ SÆÉ x
Frikative
stimmhaft v vÆ zZ zÆ j
stimmlos t¥s tÆ¡SÆ
Affrikaten
stimmhaft
Nasale m mÆ n nÆ

Laterale : lÆ

Vibranten r rÆ

Je nach Position werden die russischen Konsonantenphoneme in eingedeutschten Formen durch


deutsche Laute bzw. Lautverbindungen realisiert. Die folgende Übersicht zeigt die Allophone
mit ihren positionellen Besonderheiten:
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 191

Phonem Position Allophon Beispiel Aussprache


russisch eingedeutscht eingedeutscht
alle palatalisierten vor [i I e] und nicht palatalisiert Fili fIl"iÉ
Konsonanten im Wortauslaut Ob(j) Op
alle palatalisierten vor [E a O u U «] Konsonant + [£] Ebeko Eb£"EÉkOÉ
Konsonanten (außer Velare) Osjorsk Oz£"Oåsk
kg vor [E] k£ g£ Kershenez k£"EåZEn£Ets
x vor [i I e E]  Chimki "ImkiÉ
r wie im Deutschen å Rostow åOst"Of
å Ljuberzy l£"uÉb£EåtsIÉ
Œ Chopjor xOp£"OÉ?
Er in fremden Namen Œ Figner f"iÉgnŒ
: alle l Tula t"uÉlaÉ
s Anlaut s Susdal(j) s"uÉ.zdal
sÆ und intervokalisch s£ Gussew g"uÉ.s£Ef

– Lange Konsonanten des Russischen (außer /SÆÉ/) werden gekürzt,


z. B. Botwinnik R[bŒtvÆ"iònÆÉIk] f D[bOtv9"iÉ.nIk].
– Die deutsche orthografische Wiedergabe eines Kurzvokals durch ein folgendes doppeltes
Konsonantengraphem <ss> ist aufgehoben; der doppelt geschriebene Konsonant steht für
die Fortisrealisierung und hat keine Bedeutung für die Vokallänge,
z. B. Ablessimow R[ŒblÆ"eòsÆIm«f] f D[abl"eÉ.sImOf].
– Das Original-Phonem /SÆÉ/ wird als langes [SÉ£] realisiert. [ZÉ] und [ZÉ£] kommen nur als Assi-
milationsergebnis vor.

Konsonantenverbindungen
Es gibt im Russischen vielfältige, für das Deutsche z. T. ungewöhnliche Konsonantenverbindun-
gen, auch im Wort- und Silbenanlaut, deren Realisierung bei der Eindeutschung möglichst bei-
behalten wird. Es kommt jedoch zu der folgenden Veränderung:
– Konsonant + /r/ im Wortauslaut f eingedeutscht [Œ],
z. B. Aleksandr R[ŒlÆIks"aòndr] f D[al£Eks"andŒ].

Assimilation
– Die offenen Silben des Russischen bleiben weitgehend erhalten, z. B.
Dubna R[dUbn"aò] f D[dUbn"aÉ].
– Die regressive russische Stimmassimilation wird durch die progressive des Deutschen nur
dort ersetzt, wo die Öffnung der Silbe im Deutschen nicht möglich ist, z. B.
Besborodko R[bÆIzbar"Oòtk«] f D[b£Esb9Oå"OtkOÉ].
– Die im Russischen fehlende Entstimmlichung im Silbenauslaut wird durch die deutsche Aus-
lautverhärtung ersetzt, z. B.
Nowgorod R[n"Oòvg«r«t] f D[n"Ofg(OåOt].
– [n] vor [g], [k] wird durchgängig durch [N] ersetzt, z. B.
Ostankino R[Œst"aònkÆIn«] f D[Ost"aNkInOÉ].
– Die russische Palatalisierungsassimilation bleibt unberücksichtigt, z. B.
Weliki(j) Ustjug R[vÆIlÆ®iòkÆI£ UsÆtÆ"Uòk] f D[v£El®iÉkiÉ ³Ust£"uÉk].
192 Die Standardaussprache in Deutschland

Finalsegmente
Die Eindeutschung einzelner russischer Finalsegmente entspricht nicht den o. g. Regeln (gilt
nicht für andere Sprachen):

Finalsegmente in rückläufiger Folge

Schreibung Vokal Beispiel Vokal nicht Beispiele


akzentuiert akzentuiert
-grad gå"aÉt Selenograd gåaÉt Wolgograd
-itsch "iÉtS Fomitsch
-al "aÉl Ural
-il/-ill "iÉl Tagil
-ol "OÉl Podsol
-ul "uÉl Ingul
-im "iÉm Ilim
-an "aÉn Agan
-in "iÉn Bachtin iÉn Puschkin
-on "OÉn Ardon
-un "uÉn Amgun
-ar "aÉå Aidar aÉå Lasar(j)
-ir "iɌ Bachtemir iɌ Wladimir
-or "OÉ Œ Chopjor OÉ Œ Fjodor
-ur "uɌ Amur
-yr "IɌ Taimyr
-is/-iss "iÉs Irgis
-us "uÉs Belarus
-at "aÉt Ararat
-ut "uÉt Masut
-ow "Of Rostow

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Die in diesem Wörterbuch benutzte aussprachenahe deutsche Transkription des kyrillischen
russischen Alphabets berücksichtigt die Originalgrapheme <ц> und <ч> nicht, wodurch
anscheinend gleiche Schreibweisen entstehen, die aber lautlich verschieden realisiert werden
müssen, z. B. Demцѕnka
mцѕ f Demjanka D[d£EmJ"aNkaÉ], aber Dereцѕnko цѕ f Derewjanko
D[d£Eå£Ev£"aNkOÉ].
In der 5. Spalte werden keine Quantitäten angegeben, da diese von der Lautumgebung ab-
hängen.
Schreibung Schreibung Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Beispiel Aussprache
russisch deutsch englisch russisch eingedeutscht russisch russisch deutsch eingedeutscht
a a a a a Gagino g"aògÆIn« Gagino g"aÉgInOÉ
Œ a Bar«П bŒr"éòS Barysch baå"IÉS
« a Giхiga gÆ"IòZýg« Gishiga g"iÉZIgaÉ

b b b b b Brѕnsk brÆaònsk Brjansk bå£ansk


bÆ b£ Belgorod bÆ"Eò:g«r«t Belgorod b£"ElgOåOt

v w v v v Voroneх vŒr"OÉnÆIS Woronesh vOå"OÉn£ES


vÆ v£ Vѕtka vÆ"aòtk« Wjatka v£"atkaÉ

g g g g g Gatљina g"aòtÆÉ¡SÆIn« Gattschina g"aÉ.tSInaÉ


gÆ g£ German gÆ"Eòrm«n German g£"Eåman

d d d d d Krasnodar kr«snŒd"aòr Krasnodar kå9asnOd"aÉå


dÆ d£ Dѕtцkovo dÆ"ÏòtÆk«v« Djatkowo d£"atkOvOÉ

e e e E E Belgorod bÆ"Eò:g«r«t Belgorod b£"ElgOåOt


e e Tverц tvÆeòrÆ Twer(j) tv9eÉŒ
O O LevaП‘vo/ lÆIvŒS"Oòv« Lewaschowo/ l£EvaS"OÉvOÉ
LevaПevo Lewaschewo
I E Demidov dÆImÆ"Iòd«f Demidow d£Em"iÉdOf
« E Celinograd t¥s«lÆInŒgr"aòt Zelinograd tsElInOgå"aÉt
je ye je Je Elizovo j"eòlÆIz«v« Jelisowo J"eÉlIzOvOÉ
jE JE Emva j"Eòmv« Jemwa J"EmvaÉ

‘1 jo yo jO JO иlkino/Elkino j"Oò:kÆIn« Jolkino J"OlkInOÉ


O O Фigul‘vsk/Фigulevsk ZýgUlÆ"Oòfsk Shiguljowsk/ ZIgUl£"Ofsk
Shigulewsk

х sh/sch zh Z Z Фostovo Z"Oòst«v« Shostowo/ Z"OstOvOÉ


Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen

Schostowo
1 Dieses Zeichen wird nur in Nachschlagewerken benutzt. Allgemein wird (e), (E) geschrieben.
193
194

z s z z z Zara“sk zŒr"aò£sk Saraisk zaå"aE8sk


zÆ z£ Zїratkulц zÆUåŒtk"UòlÆ Sjuratkul z£Uåatk"uÉl

i i i I I Gagino g"aògÆIn« Gagino g"aÉgInOÉ


i i Biѕ bÆ"iò£« Bija b"iÉJaÉ
jI JI Ilцino IlÆjIn"Oò Iljino IlJIn"OÉ

“ j y j J ’oПkar-Ola jŒSk®aòr a:"aò Joschkar-Ola JOSk®aÉå ³Ol"aÉ


£ £ Belebe“ bÆIlÆIbÆ"e£ Belebej b£El£Eb"e£
i i, y £ E8 Valda“ vŒ:d"aò£ Waldai vald"aE8
£ Î BolцПo“ Irgiz bŒlÆS®Oò£ IrgÆ"Iòs Bolschoi Irgis bOlS®OÎ ³Iåg"iÉs
– £ (Elision) DomaПni“ dŒm"aòSnÆI£ Domaschni(j) dOm"aSniÉ

k k k k k Kara k"aòr« Kara k"aÉåaÉ


kÆ k£ Kerхenec kÆ"EòrZ«nÆIt¥s Kershenez k£"EåZEn£Ets
Die Standardaussprache in Deutschland

l l l : l Valda“ vŒ:d"aò£ Waldai vald"aE8


lÆ l£ Lїberc« lÆ"YòbÆIrt¥sý Ljuberzy l£"uÉb£EåtsIÉ

m m m m m Magadan m«gŒd"aòn Magadan magad"aÉn


mÆ m£ Mѕksa mÆ"aòks« Mjaksa m£"aksaÉ

n n n n n Brѕnsk brÆaònsk Brjansk bå£ansk


nÆ n£ Neman nÆ"Eòm«n Neman n£"EÉman

o o o O O Borzѕ b"OòrzÆ« Borsja b"Oå.z£aÉ


a O BolцПaѕ bŒlÆS"aò£« Bolschaja bOlS"aÉJaÉ
« O Efremov IfrÆ"Eòm«f Jefremow JEfå9£"EÉmOf

p p p p p Pskov pskOòf Pskow pskOf


pÆ p£ Penza pÆ"Eònz« Pensa p£"EnzaÉ

r r r r å Rostov åast"Oòf Rostow åOst"Of


rÆ å£ Rѕхsk rÆaòSsk Rjashsk å£aSsk
r å Carskoe Selo t¥s®aòrsk«.I sÆI:"O Zarskoje Selo ts®aåskOJ« s£El"OÉ
rÆ Œ Tverц tvÆeòrÆ Twer(j) tv9eÉŒ
s s/ss s s s Suzdalц s"Uòzd«lÆ Susdal(j) s"uÉ.zdal
sÆ s£ Serpuhov sÆ"EòrpUx«f Serpuchow s£"EåpUxOf
t t t t t Taganrog t«gŒnr"Oòk Taganrog taganå"OÉk
tÆ t£ Tїmenц tÆUmÆ"eònÆ Tjumen(j) t£Um"eÉn
u u u/ou U U Elabuga I:"aòbUg« Jelabuga JEl"aÉbUgaÉ
U u Ugliљ "UòglÆItÆ¡SÆ Uglitsch "uÉglItS
f f f f f Fokino f"OòkÆIn« Fokino f"OÉkInOÉ
fÆ f£ F‘dorovka/ fÆ"Oòd«r«fk« Fjodorowka/ f£"OÉdOåOfkaÉ
Fedorovka Fedorowka
h ch kh x x Serpuhov sÆ"EòrpUx«f Serpuchow s£"EåpUxOf
xÆ  Himki xÆ"IòmkÆI Chimki "ImkiÉ
c z ts t¥s ts Cilцma t¥s"éòlÆm« Zilma ts"IlmaÉ
љ tsch ch tÆ¡SÆ tS …ita tÆ¡SÆIt"a Tschita tSIt"aÉ
tS£ …ara tÆ¡SÆ"aòr« Tschara tS£"aÉåaÉ
П sch sh S S Оatalovo Sat"aò:«v« Schatalowo Sat"aÉlOvOÉ
Н schtsch/stsch shch SÆÉ SÉ Мipaљ‘v/Мipaљev SÉÆIpatÆ¡SÆ"Oòf Schtschipatschow SÉIpatS£"Of
SÉ£ М‘kino/Мekino SÉÆ"¸òkÆIn« Schtschokino/ SÉ£"OÉkInOÉ
Schtschekino
« y y, ui é I B«kovo b"éòk«v« Bykowo b"IÉkOvOÉ
ý I Bel«“ bÆ"Eò:ý£ Bely(j) b£"EÉlIÉ
Њ e e E E Ѓlista ElÆ"Iòst« Elista El"IstaÉ
ї ju yu jU Ju Їdoma j"Uòd«m« Judoma J"uÉdOmaÉ
U U Vilї“ vÆIlÆ"Uò£ Wiljui vIl£"U£
ja ya ja Ja j"ÏòzÆv« Jaswa J"aÉ.zvaÉ
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen

ѕ ®zцva
a a Rѕхsk rÆaòSsk Rjashsk å£aSsk
I a Pѕtigorsk pÆItÆIg"Oòrsk Pjatigorsk p£atIg"Oåsk
195
196 Die Standardaussprache in Deutschland

Literatur
Ageenko, F. L. (2001): Sobstvennye imena v russkom jazyke. Slovar’ udarenij. Moskva: Izd-vo NC ÈNAS.
Duden. Wörterbuch geographischer Namen des Baltikums und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
(GUS). Mit Angaben zu Schreibweise, Aussprache und Verwendung der Namen im Deutschen (2000).
Zusammengestellt u. bearb. v. H. Zikmund. Hrsg. v. Ständigen Ausschuss für geographische Namen
(StAGN). Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich: Dudenverlag.
Ivanova, T. F. (2006): Orfoèpičeskij slovar’ russkogo jazyka. Proiznošenie, udarenie, grammatičeskie formy.
Moskva: Russkij jazyk – Media.
Pospelov, E. M. (2003): Geografičeskie nazvanija Rossii. Toponomičeskij slovar’. Okolo 3000 edinic.
Moskva: Knižnaja nachodka.

7.3.14 Schwedisch

Das Schwedische weist in der Lautgestalt sehr vieler Wörter Parallelen mit dem Deutschen auf;
dabei kommt es vor allem dem Plattdeutschen sehr nahe, z. B. peppar (Pfeffer), tio (zehn), vatten
(Wasser), vit (weiß), bok (Buch). Seit dem zweiten Weltkrieg entlehnt das Schwedische viele Wör-
ter aus dem Englischen und passt deren Schreibung schwedischen Regeln an, z. B. tejp (tape),
mejl (mail), paj (pie).
Die Aussprache des Standardschwedischen (»rikssvenska«) basiert auf der Aussprache in der
Hauptstadt Stockholm. Daneben bestehen noch zwei offiziell anerkannte Regionalsprachen mit
ihren Aussprachevarianten: das Südschwedische in den ehemals dänischen Gebieten in Süd-
schweden sowie das Finnlandschwedische. Als Hauptunterschied zwischen dem Standardschwe-
dischen und dem Südschwedischen gilt: Der r-Laut ist im Standardschwedischen ein vorderer,
apikaler entweder vibrantischer oder frikativer Konsonant, im Südschwedischen dagegen ein
hinterer, uvularer Vibrant bzw. ein Reibelaut wie im Deutschen; im Finnlandschwedischen ein
vorderer, apikaler Vibrant.

Akzentuierung
Jedes Wort hat wie im Deutschen eine akzentuierte Silbe, deren Vorkommen morphologisch
bestimmt ist (ungebundener Akzent, der auf jede Silbe fallen kann). Die Hervorhebung der Silbe
erfolgt auf zwei Arten, die sich in der Melodiebewegung unterscheiden: Akzent I (»akut accent«),
der durch das einfache Akzentzeichen angegeben wird, z.B. anden (die Ente), morphologisch
and+en S["andEn] bzw. Akzent II (»grav accent«) mit einer zusätzlichen Markierung auf dem Vokal,
z.B. anden (der Geist), morphologisch ande+n S["a~ndEn]. Die beiden Akzentarten sind nur noch in
wenigen Wortpaaren distinktiv, sie können im Allgemeinen anhand von Regeln vorhergesagt wer-
den. In den eingedeutschten Formen wird nicht zwischen Akzent I und Akzent II unterschieden.
Der Wortgruppenakzent erscheint als melodischer Anstieg nach dem tonalen Fall des Wort-
akzents in der Folgesilbe, wenn keine weitere akzentuierbare Silbe im Wort folgt.

Vokale
Im Schwedischen gibt es neun lange und acht kurze Vokalphoneme:

iÉ i yÉ y èªÉ uÉ u
eÉ PÉ { ¸ oÉ O
EÉ E
a AÉ
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 197

Die Vokale weisen neben der Quantität (lang/kurz) teilweise auch große Unterschiede in der
Qualität auf (etwa wie im Deutschen). Der Vokal [èªÉ] wird vorn, mit fast geschlossenen, vorge-
schobenen, nicht gerundeten Lippen gebildet. Allophone treten bei /E EÉ/ und /{ PÉ/ vor /r/ auf:
[Ï ÏÉ] bzw. [{¤ {¤É].
Im Gegensatz zum Deutschen behalten die schwedischen nichtakzentuierten Silben ihre volle
Vokalqualität. In eingedeutschten Formen werden Qualität und Quantität der Vokale an das
Deutsche angepasst.

Konsonanten
Im Schwedischen gibt es 23 Konsonantenphoneme:
labial dental/ retroflex palatal velar glottal
alveolar
stimmlos p t æ k
Plosive
stimmhaft b d ÿ g
stimmlos f s § ‚ ê h
Frikative
stimmhaft v J
Nasale m n = N
Liquide lr ð

Nach akzentuiertem langem Vokal ist der Konsonant kurz, nach akzentuiertem kurzem Vokal
jedoch lang (zeitliches Muster der komplementären Länge).

Die wichtigsten Allophone sind:


– Plosive: aspiriert, stimmlos vor akzentuiertem Vokal (wie im Deutschen); entstimmlichte
[b9 d9 g(], vor allem in wortan- und auslautender Position sowie im Kontext nach stimmlosen
Plosiven und Frikativen, eingedeutscht tritt am Wort- und Silbenende eine Auslautverhär-
tung ein;
– [m] und [N] für /n/ als Assimilation der Artikulationsstelle an die des folgenden Konsonan-
ten;
– alveolares stimmhaftes frikatives [ó] für /r/ in Stockholm und Umgebung.

Weitere Unterschiede zum Deutschen:


– Das Schwedische kennt nur stimmloses /s/ in allen Positionen. Dies wird in eingedeutschten
Formen beibehalten.
– Das auslautende /r/, ob wie im Südschwedischen als Zäpfchen-R (»det skorrande r-et«) oder
wie in den übrigen Landesteilen als Zungenspitzen-R realisiert, wird nach langem und nicht-
akzentuiertem Vokal nicht vokalisiert, z. B. här S[hEr] (hier), fönster S[f"{nstEr] (Fenster). Bei
der Eindeutschung wird die R-Realisation dem Deutschen angepasst.
– Das schwedische [ê] hat, verglichen mit dem deutschen [S], einen ganz spezifischen, schwä-
cheren und dumpferen Klang, der dadurch entsteht, dass die Enge am Velum gebildet und die
Lippen gerundet werden. Der Laut ist also labio-velar, er wird häufig auch retroflex realisiert
als [§], z. B. in mars S[marS] (März), kors S[kOrS] (Kreuz).

In den eingedeutschten Formen werden keine langen und keine retroflexen Konsonanten reali-
siert, S[j] wird durch D[J] ersetzt, S[ê] und S[§] werden durch D[S] wiedergegeben.
198 Die Standardaussprache in Deutschland

Assimilation
– Beim Sprechen wird über Wortgrenzen gebunden, es kommt kein glottaler Plosiv im vokali-
schen Silbenanlaut vor.
– Konsonantengruppen sind entstimmlicht, z. B. högt S[h{g(t] (hoch), tisdag S[t"isd9ag(] (Diens-
tag).
– Das Schwedische kennt keine Auslautverhärtung bei [b d g v], dies wird aber in den einge-
deutschten Formen nicht berücksichtigt.

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
schwedisch eingedeutscht schwedisch eingedeutscht
a AÉ aÉ Malin m"AÉlin m"aÉliÉn
a a Anna "a~nÉa "anaÉ
å oÉ oÉ Åland "oÉland9 "oÉlant
O O Långsund "lO~NÉs¸nd9 l"ONsUnt
ä EÉ EÉ Täby t"EÉby t"EÉbyÉ
E E Ängelholm ENElh"Olm EN+h"Olm
Ï E Märta m"Ï~æa m"EtaÉ
b b b Berit b"eÉrit b"eÉåIt
auslautend b9 p Saab sAÉb9 saÉp
c k k Carola kar"o~Éla kaå"oÉlaÉ
vor vord. V s ts Cecilia sEs"iÉlia tsEts"iÉlCaÉ
d d d Daniel d"A~ÉniEl d"aÉniEl
auslautend d9 t David d"A~Évid9 d"aÉvIt
dj j J Djurgården j"è~ÉrgoÉÿEn J"uÉ?goÉ?dn`
e eÉ eÉ Elin "e~Élin "eÉliÉn
E E Selma s"E~lma s"ElmaÉ
« Kalle k"a~lÉE k"al«
ei Ej E£ Reinfeld r"E~jnfEld9 å"E£nfElt
f f f Fredrik fr"e~Édrik få9"eÉdåIk
g g g Gotland g"Otland9 g"oÉtlant
vor vord. V j J, g Gösta j"{~sta J"{staÉ od.
g"{s ...
auslautend g( k Stig stiÉg( stiÉk
gj j J Gjerdman j"ÏÉÿman J"Etman
gn Nn Nn Ragnar r"aNnar å"aNnaÉ
h h h Henrik h"EnÉrik h"EnåIk
hj j J Hjalmar j"almar J"almaÉ
i iÉ iÉ Hedin hed"iÉn hed"iÉn
i I Linn linÉ lIn
j j J Jonas j"u~Énas J"oÉnas
nach a E8 Kaj kaj kaE8
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 199

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


schwedisch eingedeutscht schwedisch eingedeutscht
k k k Kalle k"a~lÉE k"al«
vor vord. V ‚ S Köping ‚"P~ÉpiN S"PÉpIN
l l l Lund l¸nd9 lUnt
lj j J Ljungby j"¸Nby J"UNbyÉ
intervokal. lj lJ Norrtälje nOrt"EljE nOt"ElJ«
m m m Malmö m"a~lmPÉ m"almPÉ
n n n Kennet k"EnÉEt k"EnEt
o uÉ oÉ Olof "u~ÉlOf "oÉlOf
u O Bosse b"u~sÉE b"Os«
oÉ O Tord toÉÿ9 tOt
O O Oskar "Oskar "OskaÉ
ö PÉ PÉ Öland "PÉland9 "PÉlant
{ { Östen "{stEn "{stn`
{¤ PÉ Örebro {¤rEbr"uÉ PÉå«bå"oÉ
{¤ { Dörred d"{¤rÉeÉd9 d"{åeÉt
p p p Paul poÉl paO8l
q k k Malmqvist m"a~lmkv9ist m"almkv9Ist
r r å,  Rikard r"ikaÿ9 å"iÉkat
? Per pÏÉr peÉ?
rd ÿ å d Gerda j"Ï~Éÿa J"EdaÉ od.
g"E...
å t Tord toÉÿ9 tOt
rg rj å k Bergman b"Ïrjman b"Ekman
intervokal. å J Birger b"irjEr b"IJŒ
rl ð å l Karl kAÉð kaÉl
rn = å n Arne "A~É=E "an«
rs § å s Torsten t"O~§tEn t"Ostn`
rt æ å t Bertil b"Ï~æil b"EtIl
s s s Söder s"P~ÉdEr s"PÉdŒ
Elsa "EÙlsa "ElsaÉ
sj ê S Sjöwall ê"P~ÉvalÉ S"PÉval
sk sk sk Skara sk"A~Éra sk"aÉåaÉ
vor vord. V ê S Skärholmen ê"Ï~ÉrhOlmEn S"EÉ?hOlm«n
st st st Stockholm st"O~kÉhOlm st"OkhOlm
stj ê S Stjärnkvist ê"ÏÉ=kv9ist S"Enkv9Ist
t t t Trelleborg trElEb"Orj tå9"El«bOk od.
...b"O
tj ‚ S Tjällmo ‚"ElÉmuÉ S"ElmoÉ
200 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


schwedisch eingedeutscht schwedisch eingedeutscht
u èÉ uÉ Umeå "èÉmEoÉ "uÉmeoÉ
¸ U Lund l¸nd9 lUnt
v v v Viktor v"IktOr v"IktoÉ?
v9 f Gustav g"¸~stAÉv9 g"UstaÉf
w v v Walter v"altEr v"altŒ
x ks ks Axel "aksEl "aks+
xj kS kS Växjö v"EkSP v"EkSPÉ
y yÉ yÉ Ystad "yÉstad9 "yÉstat
y Y Ylva "y~lva "YlvaÉ
z s ts Zarah s"A~Éra ts"aÉåaÉ

Literatur
Carlén, C. (2003): Svenska spra(knämdens uttalsordbook. Stockholm: Norstedts.
Hedelin, P. (1997): Norstedts Svenska uttallexikon. Stockholm: Norstedts.

7.3.15 Slowakisch

Das Slowakische ist Verkehrs- und Amtssprache in der Slowakischen Republik, wird aber von
einer Minderheit auch in Ungarn gesprochen. Der Aussprachestandard basiert im Wesent-
lichen auf der Aussprache in der Mittelslowakei und wird von der Orthoepischen Kommission
des Instituts für Sprachwissenschaft an der Slowakischen Akademie der Wissenschaften kodi-
fiziert.

Akzentuierung
Der Akzent liegt immer auf der ersten Silbe des Wortes bzw. der Akzentgruppe, z. B. Bernolák
Slowak[b"ErnOlaÉk], Bánovce nad Bebravou Slowak[b"aÉnOu8t¥sE n"adÅbEbravOu8].

Vokale
– Sie werden unabhängig von Akzentuierung und Position entsprechend der slowakischen
Schreibung lang (markiert durch ´) oder kurz (ohne Markierung) gesprochen. Die Länge
bzw. Kürze der Vokale wird bei der Eindeutschung grundsätzlich beibehalten. Dabei werden
die entsprechenden deutschen Vokale verwendet, allerdings werden <é> und <ó> grundsätz-
lich nur als lange ungespannte Vokale [EÉ] bzw. [OÉ] realisiert, z. B. Réti Slowak[r"EÉcI] – D[å"EÉtiÉ],
Tóth Slowak[tOÉt] – D[tOÉt].
– Es erfolgt keine Reduktion nichtakzentuierter Vokale. Nur bei auslautenden Vokalen kommt
es zu Veränderungen: <e> wird wie im Deutschen durch den Schwa-Laut [«] ersetzt, alle an-
deren Vokale werden immer lang realisiert, z. B. Roháče Slowak[r"OhaÉt¡SE] – D[å"OhaÉtS«], Brati-
slava Slowak[br"acislava] – D[bå"atIslavaÉ], Piešt’any Slowak[pC"EScani] – D[p£"EStaniÉ].

Im Slowakischen gibt es 15 Vokalphoneme (darunter 4 Diphthonge, von denen [Cu] selten vor-
kommt und daher im Folgenden ungenannt bleibt). Die Vokalphoneme werden durch die fol-
genden Allophone eingedeutscht:
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 201

Phonem Allophon Beispiel Aussprache Allophon Beispiel Aussprache


slowakisch akzentuiert eingedeutscht nicht- eingedeutscht
einge- akzentuiert
deutscht eingedeutscht
i I Liptov l"IptOU8 I Bratislava bå"atIslavaÉ
iÉ iÉ Gerlachovský g®EålaxOU8skiÉ iÉ Devín dJ"EviÉn
štít St"iÉt
E E Bebrava b"EbåavaÉ E Ružomberok å"UZOmbEåOk
« Košice k"OSIts«
EÉ EÉ Réti å"EÉtiÉ EÉ Humenné h"UmEnEÉ
Ï E Svätopluk sv9"EtOplUk E Demä- dJ®EmEnOU8skEÉ
novské J"askI.nJ«
jaskyne
a a Šal’a S"alaÉ a Bratislava bå"atIslavaÉ
aÉ aÉ Bánovce b"aÉnOU8ts« aÉ Malá Fatra m®alaÉ f"atå9aÉ
O O Košice k"OSIts« O Kežmarok k"E.ZmaåOk
OÉ OÉ Tóth tOÉt OÉ Viktória v"IktOÉåIaÉ
u U Humenné h"UmEnEÉ U Kysucké k®IsUtskEÉ n®OvEÉ
Nové Mesto m"EstOÉ
uÉ uÉ Púchov p"uÉxOU8 uÉ Revúca å"EvuÉtsaÉ
Ca £a Žiar Z£aå n"at- £a Trenčianske tå9®EntS£ansk«
nad Hronom xå9OnOm Teplice t"EplIts«
CE £E Piešt’any p£"EStaniÉ £E Turiec t"Uå£Ets
£« Záhorie z"aÉhO士
£Œ D̆umbier dJ"Umb£Œ
u8O U8O Krásna kå9®aÉsnaÉ entfällt
Hôrka hU8"OåkaÉ

– Im absoluten Anlaut wird auch im Slowakischen fester Vokaleinsatz (Glottisplosiv) benutzt.


202 Die Standardaussprache in Deutschland

Vokalverbindungen
– In fremden Wörtern behalten die Vokale ihre silbentragende Selbstständigkeit, z. B. Mária
Slowak[m"aÉri.a] – D[m"aÉåIaÉ], Marián Slowak[m"ari.aÉn] – D[m"aåIaÉn];
– Vokalverbindungen Vokal + <u>/<v> oder <j> werden z. T. durch deutsche Diphthonge er-
setzt:

Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache


slowakisch eingedeutscht eingedeutscht
aC aE8 Juraj J"UåaE8
au8 aO8 Banská Štiavnica b®anskaÉ St£"aO8nItsaÉ
aÉu8 aÉO8 Gustáv g"UstaÉO8
EC E£ Andrej "andåE£
Eu8 EU8 Eugen "EU8gEn
OC OÎ Bojnice b"OÎnIts«
Ou8 OU8 Vranov nad Topl’ou vå®anOU8 n"atOplOU8
uC U£ Bujnák b"U£naÉk

Konsonanten
Im Slowakischen gibt es 27 Konsonantenphoneme:
labial dental/ palatal velar glottal
alveolar
stimmlos p t c k
Plosive
stimmhaft b d ï g
stimmlos f sS x H
Frikative
stimmhaft v zZ j
stimmlos t¥s t¡S
Affrikaten
stimmhaft d¥z d¡Z
Nasale m n −
Laterale l lÆ
Vibrant r
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 203

Die folgende Tabelle zeigt die eingedeutschten Allophone mit positionellen Besonderheiten:

Phonem Position Allophon Beispiel Aussprache


slowakisch eingedeutscht eingedeutscht
c alle (außer vor [iÉ], [I]) t Rajecké å®aJEtskEÉ
Teplice t"EplIts«
vor [iÉ], [I] t Bratislava bå"atIslavaÉ
ï alle (außer vor [iÉ], [I] und dJ Devín dJ"EviÉn
Wortauslaut)
vor [iÉ], [I] d Ladislav l"adIslaO8
im Wortauslaut t Sered’ s"EåEt
− alle (außer vor [iÉ], [I]) nJ Kriváň kå9"IvaÉnJ
vor [iÉ], [I] n Smolenice sm"OlEnIts«
n vor [k], selten [g] N Topol’čianky t"OpOltS£aNkiÉ

r wie im Deutschen å Torysa t"OåIsaÉ


(außer silbisch und <er>) å Komárno k"OmaÉånOÉ
Œ Štúr StuÉŒ
silbisch akzentuiert Iå Štrbské Pleso St®IåpskEÉ pl"EsOÉ
silbisch nichtakzentuiert «å Petržalka p"Et«åZalkaÉ
<er> Œ Cikker ts"IkŒ
lÆ alle l Stará st®aåaÉ
L’ubovňa l"UbOU8.nJaÉ
Ipel’ "IpEl
Topol’čany t"OpOltSaniÉ

v vor Konsonant und im Wort- U8 Bánovce b"aÉnOU8ts«


auslaut (außer nach [a]) Liptov l"IptOU8
vor Konsonant und im Wort- O8 Gustáv g"UstaÉO8
auslaut (nach [a])
s im Wortanlaut oder inter- s Senec s"E.nJEts
vokalisch Torysa t"OåIsaÉ

H vor Vokal h Humenné h"UmEnEÉ


vor Konsonant x Hlohovec x l"OhOvEts
im Wortauslaut x Váh vaÉx
nach Vokal vor stimmhaften å Bohdanovce b"OådanOU8ts«
Konsonanten
x alle (außer nach [I] oder [£]) x Bukovské b®UkOU8skEÉ
vrchy v"IåxiÉ
nach [I] oder [£]  Michalovce m"IalOU8ts«
204 Die Standardaussprache in Deutschland

Konsonantenverbindungen
Gleiche, aufeinander folgende Konsonanten werden im Slowakischen z. T. doppelt lang gespro-
chen, haben aber keinen Einfluss auf die Quantität vorhergehender Vokale. Diese Längung von
Konsonanten wird bei der Eindeutschung vernachlässigt.

Assimilation
– Es gibt im Slowakischen nur regressive Stimmassimilation, z. B. Čadca Slowak[t¡S"atÉ¥sa].
Sie wird bei der Eindeutschung z. T. vernachlässigt (Entstimmlichung des zweiten Konsonan-
ten), z. B. Krčméry Slowak[k"r`d¡ZmEÉri] – D[k"IåtSmEÉåiÉ].
– Es gibt keine Auslautverhärtung im Silbenauslaut. Das wird bei der Eindeutschung nach
Möglichkeit durch Silbenöffnung beibehalten, z. B. Dubnica nad Váhom Slowak[d®ub−it¥sa n"ad-
vaÉHOm] – D[d®UbnItsaÉ n"a.dvaÉhOm].

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
slowakisch eingedeutscht slowakisch eingedeutscht
a a a Fatra f"atr9a f"atå9aÉ
á aÉ aÉ Bánovce b"aÉnOu8t¥sE b"aÉnOU8ts«
ä E E Demänová ï"EmEnOvaÉ dJ"EmEnOvaÉ
b b b Bebrava b"Ebrava b"EbåavaÉ
p p Štrbské Pleso St®r`pskEÉ plÆ"EsO St®IåpskEÉ pl"EsOÉ
c t¥s ts Gelnica g"El−it¥sa g"ElnItsa
ch x x Súl’ovské s®uÉlÆOu8skEÉ v"r`xi s®uÉlOU8skEÉ v"IåxiÉ
vrchy
 Michalovce m"ixalOu8t¥sE m"IalOU8ts«
č t¡S tS Čierna nad t¡SC®Erna n"at¥cisOu8 tS£®EånaÉ n"atIsOU8
Tisou
d¡Z tS Krčméry k"r`d¡ZmEÉri k"IåtSmEÉåiÉ
d d d Dolný Kubín d®OlniÉ k"ubiÉn d®OlniÉ k"UbiÉn
t t Hornád h"OrnaÉt h"OånaÉt
d’ ï dJ Ďumbier ï"umbCEr dJ"Umb£Œ
c t Sered’ s"ErEc s"EåEt
de ïE dJE Devín ï"EviÉn dJ"EviÉn
dE dE Johanides j"Oha−idEs J"OhanIdEs
di ïi dI Divinka ï"iviNka d"IvINkaÉ
di dI Diana d"i.ana d"IanaÉ
dz d¥z dz Prievidza pr9C"Evid¥za på9£"EvI.dzaÉ
e E E Bebrava b"Ebrava b"EbåavaÉ
« Michalovce m"ixalOu8t¥sE m"IalOU8ts«
é EÉ EÉ Terézia t"ErEÉzi.a t"EåEÉzIaÉ
f f f Fatra f"atr9a f"atå9aÉ
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 205

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


slowakisch eingedeutscht slowakisch eingedeutscht
g g g Gelnica g"El−it¥sa g"ElnItsaÉ
k k Bodrog b"OdrOk b"OdåOk
h h h Holíč h"OliÉt¡S h"OliÉtS
x Hlohovec hl"OhOvEt¥s xl"OhOvEts

x x Váh vaÉx vaÉx


V å Bohdanovce b"OVdanOu8t¥sE b"OådanOU8ts«
h od. b"OhdanOu8t¥sE
i i I Žilina Z"ilina Z"IlInaÉ
ia Ca £a Sliač slCat¡S sl£atS
ie CE £E Piešt’any pC"EScani p£"EStaniÉ
í iÉ iÉ Devín ï"EviÉn dJ"EviÉn
j j J Myjava m"ijava m"IJavaÉ
nach e C £ Ondrej "OndrEC "OndåE£
nach a C E8 Dunaj d"unaC d"UnaE8
nach o C Î Mojzes m"OCzEs m"OÎzEs
k k k Kremnica kr9"Em−it¥sa kå9"EmnItsaÉ
l l l Michalovce m"ixalOu8t¥sE m"IalOU8ts«
+ + Vlkolínec v"+kOliÉ−Et¥s v"+kOliÉ.nJEts
lÆ l Štrbské Pleso St®r`pskEÉ plÆ"EsO St®IåpskEÉ pl"EsOÉ
l’ lÆ l Stará st®araÉ lÆ"ubOu8−a st®aåaÉ l"UbOU8.nJaÉ
L’ubovňa
Ipel’ "ipElÆ "IpEl
m m m Myjava m"ijava m"IJavaÉ
n n n Banská By- b®anskaÉ b"istr9it¥sa b®anskaÉ b"Istå9ItsaÉ
strica
N N Topol’čianky t"OpOlÆt¡SCaNki t"OpOltS£aNkiÉ
ň − nJ Rožňava r"OZ−ava å"OZ.nJavaÉ
ne nE nE Nepela n"EpEla n"EpElaÉ
−E nJE Lučenec l"ut¡SE−Et¥s l"UtSE.nJEts
ni −i nI Bojnice b"OC−it¥sE b"OÎnIts«
o O O Bodrog b"OdrOk b"OdåOk
ó OÉ OÉ Viktória v"iktOÉri.a v"IktOÉåIaÉ
ô u8O U8O Krásna Hôrka kr®aÉsna hu8"Orka kå9®aÉsnaÉ hU8"OåkaÉ
p p p Pezinok p"EzinOk p"EzInOk
r r å Revúca r"EvuÉt¥sa å"EvuÉtsaÉ
r å Partizánske p"artizaÉnskEÉ p"aåtIzaÉnskEÉ
r Œ Štúr StuÉr StuÉŒ
r` Iå Trnava t"r`nava t"IånavaÉ
r` «å Petržalka p"Etr`Zalka p"Et«åZalkaÉ
206 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


slowakisch eingedeutscht slowakisch eingedeutscht
s s s Smolenice sm"OlE−it¥sE sm"OlEnIts«
z z Moyses m"OCzEs m"OÎzEs
š S S Šal’a S"alÆa S"alaÉ
t t t Tatry t"atr9i t"atå9iÉ
t’ c t Piešt’any pC"EScani p£"EStaniÉ
te cE tE Tekov c"EkOu8 t"EkOU8
tE tE Terézia t"ErEÉzi.a t"EåEÉzIaÉ
ti ci tI Tisa c"isa t"IsaÉ
ti tI Tibor t"ibOr t"IbOå
u u U Turiec t"urCEt¥s t"Uå£Ets
ú uÉ uÉ Revúca r"EvuÉt¥sa å"EvuÉtsaÉ
v v v Revúca r"EvuÉt¥sa å"EvuÉtsaÉ
nach o aus- u8 U8 Púchov p"uÉxOu8 p"uÉxOU8
lautend
nach a aus- u8 O8 Štiavnické ScC®au8−it¥skEÉ St£®aO8nItskEÉ
lautend vrchy v"r`xi v"IåxiÉ
y i I Banská b®anskaÉ b"istr9it¥sa b®anskaÉ b"Istå9ItsaÉ
Bystrica
ý iÉ iÉ Gerlachovský g®ErlaxOu8skiÉ Sc"iÉt g®EålaxOU8skiÉ St"iÉt
štít
z z z Nové Zámky n®OvEÉ z"aÉmki n®OvEÉ z"aÉmkiÉ
s s Sliezsky Dom slC®Eski d"Om sl£®EskiÉ d"Om
ž Z Z Kežmarok k"EZmarOk k"E.ZmaåOk
S S Považský p®OvaSskiÉ p®OvaSskiÉ
Inovec "inOvEt¥s "InOvEts

Literatur
Král’, Á. (1996): Pravidlá slovenskej výslovnosti. Bratislava: SPN. (mit Aussprachewörterbuch).

7.3.16 Spanisch

Spanisch wird von mehr als 300 Mio. Menschen in Europa, Lateinamerika und anderen Regio-
nen, z. B. den Kanarischen Inseln, als Muttersprache gesprochen. Es gibt in Spanien selbst ver-
schiedene Dialekte, als Standard wird das Kastilische angesehen, das auch die Grundlage für die
spanische Standardaussprache ist. Die lateinamerikanischen Varianten haben sich aus dem An-
dalusischen entwickelt. Diese Varietät weist gegenüber dem Kastilischen Vereinfachungen im
phonologischen System sowie vielfältige Aussprachebesonderheiten auf. Zwischen dem andalu-
sischen und dem lateinamerikanischen Spanisch lassen sich besonders im Konsonantismus
große Ähnlichkeiten erkennen.
Für die Eindeutschung spielen die Unterschiede zwischen dem europäischen und dem latein-
amerikanischen Spanisch keine Rolle, deshalb wird nicht näher darauf eingegangen. Im Folgen-
den steht S vor der spanischen Ausspracheform, vor der eingedeutschten Aussprache steht D.
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 207

Akzentuierung
Der Wortakzent wird durch den Auslaut bestimmt, er liegt in der Regel auf der letzten (wenn das
Wort auf Konsonant endet, z. B. hostil S[ost"il]) oder vorletzten Silbe (wenn das Wort auf Vokal,
<-n> oder <-s> endet, z. B. España S[esp"a−a]). Wenn die Auslautregelung nicht zutrifft oder der
Akzent auf eine andere Silbe fällt, wird er orthografisch durch einen Akut markiert, z. B. América
S[am"erika], Jamón S[xam"on]. In längeren Wörtern und Wortgruppen treten in regelmäßigen
Abständen Nebenakzente auf.

Vokale
Im Spanischen gibt es fünf Vokalphoneme:
i u
e o
a
Im Spanischen haben Lippenrundung, Quantität und Qualität keine distinktive Funktion wie im
Deutschen. Die Quantität der Vokale ist von der Akzentuierung und der Silbenstruktur abhän-
gig. Es gilt insbesondere:
– akzentuierte Endvokale sind kurz, z. B. Joló S[xol"O];
– Vokale in geschlossener Silbe und vor langen Konsonanten bzw. vor Konsonantengruppen
sind kurz, z. B. Jamón S[xam"on];
– akzentuierte Vokale in offener Silbe können gedehnt werden, z. B. América S[am"eÉrika];
– /a/ wird vor /o/ velar realisiert.

Bei der Eindeutschung erfolgt eine teilweise Anpassung an die deutsche Aussprache; die Vokale
sind:
– lang und gespannt in akzentuierten offenen Silben und im Wortauslaut, z. B. Osorio
D[os"oÉåioÉ];
– kurz und gespannt in nichtakzentuierten offenen Silben, z. B. Domingo D[dom"INgoÉ];
– kurz und ungespannt in akzentuierten und nichtakzentuierten geschlossenen Silben, z. B.
Domingo D[dom"INgoÉ].

Nichtakzentuiertes auslautendes /e/ wird als Schwa-Laut realisiert, z. B. Chile D[tS"iÉl«]. Der im
Spanischen nicht vorhandene Glottisschlag wird nach den deutschen Regeln verwendet.

Vokalverbindungen
Das Spanische verfügt über zahlreiche zwei- und dreigliedrige Vokalverbindungen. So kön-
nen sich [a e o] mit [i u] verbinden und [i u] auch miteinander. Wenn [i u] an erster Stelle
stehen, werden sie als Approximanten [j w] realisiert, z. B. Iglesia S[igl"esja], Guantánamo
S[gwant"anamo]. Auch dreigliedrige Vokalverbindungen werden mit den Approximanten gebil-
det, z. B. Uruguay S[urugw"aC]. Weitere Verbindungen sind Sequenzen aus zwei Vokalen, die sich
auf zwei Silben verteilen, z. B. Bilbao S[bil.w"a.o].
Die spanischen Diphthonge werden in der Eindeutschung durch deutsche Diphthonge bzw.
durch entsprechende Vokalkombinationen ersetzt. Triphthonge werden durch entsprechende
deutsche Vokalkombinationen wiedergegeben.
208 Die Standardaussprache in Deutschland

Konsonanten
Im Spanischen gibt es 19 Konsonantenphoneme:

labial dental/ palatal velar


alveolar
stimmlos p t k
Plosive
stimmhaft b d g
stimmlos f T s x
Frikative
stimmhaft J
Affrikaten stimmlos t¡S

Nasale m n −

Laterale l ´

Vibranten r rÉ

Im lateinamerikanischen Spanisch werden nur 17 Konsonantenphoneme unterschieden, diese


Phänomene werden Yeísmo (Zusammenfall des Paares /´/ und /j/ zu /j/) und Seseo (Zusammen-
fall der Phoneme /s/ und /T/ zu /s/) genannt.

Hinsichtlich der Realisierung der spanischen Konsonanten gibt es weitere Besonderheiten:


– Die stimmlosen Plosive werden im Spanischen ohne Aspiration realisiert.
– Die stimmhaften Plosive werden nur im Anlaut oder nach Nasal plosiv realisiert, intervoka-
lisch werden sie durch Frikative ersetzt. Das gilt auch an Wortgrenzen innerhalb eines pho-
netischen Wortes, z. B. Bilbao S[bilB"ao].
– Die Vibranten /r/ und /rÉ/ sind alveolar, sie unterscheiden sich durch die Zahl der Schläge, es
gibt keine vokalischen R-Realisationen.
– Es gibt keine Auslautverhärtung.

Bei der Eindeutschung gilt:


– Die palatalen [´ −] werden durch [lJ nJ] ersetzt, z. B. Guerilla S[gerÉ"i´a] – D[geå"IlJaÉ].
– /T/ wird – wie im lateinamerikanischen Spanisch – als [s] realisiert, z. B. Carranza
S[karÉ"anTa] – D[kaå"ansaÉ].
– Die stimmlosen Plosive werden nach den Regeln des Deutschen aspiriert, z. B. Cádiz
D[k "AÉdIs] (die Aspiration wird in der Transkription sonst nicht angegeben). Die stimmhaf-
h

ten Plosive werden als Lenis-Plosive realisiert.


– Das spanische Zungenspitzen-R wird durch das velare Reibe-R [å] ersetzt, es werden keine
Unterschiede in der Dauer gemacht, z. B. Carranza S[karÉ"anTa] – D[kaå"ansaÉ]. Nach den Re-
geln des Deutschen werden vokalisierte R-Allophone verwendet.
– Der stimmlose dental-alveolare Frikativ [s] wird in allen Positionen beibehalten, z. B. Sevilla
S[sev"i´a] – D[sev"IlJaÉ].
– Die Auslautverhärtung wird wie im Deutschen ausgeführt, z.B. Madrid S[madr"iD] – D[madR"It].

Assimilation
Im Spanischen kommt es bei konsonantischem Silbenauslaut und vokalischem Anlaut zu
einer Neustrukturierung der Silben durch Verlagerung der Silbengrenze, z. B. dos a-mi-gos
S[Do.sa.m"i.Vos] (zwei Freunde).
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 209

Am Wort- und Silbenende ist die Sprechspannung oft so gering, dass die Nasale nicht mehr
unterschieden werden und sich regressiv dem folgenden Laut anpassen, z. B. Domingo
S[dom"iNgo]. Das wird ins Deutsche übernommen, z. B. D[dom"INgoÉ]. Auch die Oppositionen
stimmhaft – stimmlos sowie plosiv – frikativ sind weitgehend aufgehoben, z. B. Madrid
S[madr"i ]. Dies wird nicht ins Deutsche übernommen D[madå"It].
D

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Das Spanische hat relativ klare Beziehungen zwischen Schreibung und Aussprache.
Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
spanisch eingedeutscht spanisch eingedeutscht
a a a Acapulco akap"ulko akap"UlkoÉ
aÉ Cádiz k"aDiT k"aÉdIs
ai aC aE8 Araiza ar"aCTa aå"aE8saÉ
au Au8 aO8 Paula p"Au8la p"aO8laÉ
ay aC aE8 Aysén aCs"En aE8s"En
aj aÉJ Amaya am"aja am"aÉJaÉ
b b, B b Bilbao bilB"ao bIlb"aÉoÉ
c vor a, o, u, au k k Colombia kol"OmbjaÉ kol"OmbCaÉ
vor e, i T s Cervantes TerB"antes sEv"antEs
ch vor e, i t¡S tS Chile t¡S"ile tS"iÉl«
d d d Madrid madr"i D madå"It
D d Cádiz k"aDiT k"aÉdIs
e e E España esp"a−a Esp"anJaÉ
e eÉ Azuero aTw"ero asu8"eÉåoÉ
e « Chile t¡S"ile tS"iÉl«
ei eC E£ Reina r"eCna å"E£naÉ
eu eu euÉ Ceuta Te"uta se"uÉtaÉ
ey EC E£ Freyre fr"ECre få9"E£å«
f f f Felipe fel"ipe fel"iÉp«
g g g Galindo gal"indo gal"IndoÉ
intervokal. V g Regata reV"ata åeg"aÉtaÉ
vor e, i x x Gerona xer"ona xeå"oÉnaÉ
gu vor e, i g g Berenguer berENg"er beåENg"eÉ?
h – – Horacio or"aTjo oå"aÉsCoÉ
i i iÉ Bolivia bol"iBja bol"iÉvCaÉ
I Galindo gal"indo gal"IndoÉ
ia ja CaÉ Bolivia bol"iBja bol"iÉvCaÉ
ie je CeÉ Griera grj"era gåC"eÉåaÉ
io jo CoÉ Horacio or"aTjo oå"aÉsCoÉ
iu ju Cu Ciudad Tjud"a D sCud"at
CuÉ Piura pj"ura pC"uÉåaÉ
j x x Joló xol"O xol"oÉ
210 Die Standardaussprache in Deutschland

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


spanisch eingedeutscht spanisch eingedeutscht
k k k Makati mak"ati mak"aÉtiÉ
l l l La Paz la p"aT la p"as
ll ´ lJ Callao ka´"Ao kalJ"aÉoÉ
ng Ng Ng Domingo dom"iNgo dom"INgoÉ
ñ − nJ España esp"a−a Esp"anJaÉ
o o o, oÉ Osorio os"orjo os"oÉåioÉ
O O Aconcagua akONk"aVwa akONk"aÉgu8aÉ
oi OC OÎ Rañadoiro ra−aD"OCro åanJad"OÎåoÉ
ou u U Lourdes l"urdes l"UdEs
oy OC OÎ Alcoy alk"OC alk"OÎ
oj oÉJ Arroyo arÉ"ojo aå"oÉJoÉ
p p p Perú per"u peå"uÉ
qu k k Quito k"ito k"iÉtoÉ
r r å Perú per"u peå"uÉ
r  Lourdes l"urdes l"UdEs
r ? Amador amaD"or amad"oÉ?
rr rÉ å Carranza karÉ"anTa kaå"ansaÉ
s s s Salamanca salam"aNka salam"aNkaÉ
Iglesias iVl"esjas igl"eÉsCas
sp sp sp Caspe k"aspe k"asp«
esp sp Spota esp"ota sp"oÉtaÉ
st st st Castelar kastel"ar kastel"aÉ
est st Storni est"orni st"OniÉ
u u u Perú per"u peå"uÉ
vor a w u8 Ecuador ekwaD"or eku8ad"oÉ?
vor e w u8 Venezuela beneTw"ela venesu8"eÉlaÉ
vor i w u8 Buitre bw"itre bu8"iÉtå9«
v b v Varela bar"ela vaå"eÉlaÉ
B v Cava k"aBa k"aÉvaÉ
x gs ks Guadix gwaD"igs gu8ad"Iks
s s Extremadura estremad"ura Estå9emad"uÉraÉ
y j J Yaqui j"aki J"aÉkiÉ
z T s Zara T"ara s"aÉåaÉ

Literatur
Andrés G. M. De (2007): Diccionario fonético descriptivo de la lengua española. Madrid: Fundación Univer-
sitaria Española.
Real Academia Española (1992): Diccionario de la Lengua Española, 21a edición. Madrid: Espasa Calpe.
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 211

7.3.17 Tschechisch

Das Tschechische ist Verkehrs- und Amtssprache in der Tschechischen Republik (Böhmen und
Mähren). Der Aussprachestandard basiert im Wesentlichen auf der Aussprache in Mittelböhmen
und wird von der Orthoepischen Kommission des Instituts für tschechische Sprache an der
Tschechischen Akademie der Wissenschaften kodifiziert.

Akzentuierung
Der Akzent liegt immer auf der ersten Silbe des Wortes bzw. der Akzentgruppe, z. B. Brandýz nad
Labem Tsch[br"andiÉs n"adÅlabEm]. Im Tschechischen können /r/ und /l/ silbisch sein und damit
auch den Akzent tragen, das wird in der eingedeutschten Form beibehalten, z. B. Vltava
Tsch[v"+tava] – D[v"+tavaÉ], Brno Tsch[b"r`nO] – D[b"I nOÉ].
å

Vokale
– Die tschechischen Vokale werden unabhängig von Akzentuierung und Position entsprechend
der tschechischen Schreibung lang (markiert durch ´ oder °) oder kurz (ohne Markierung)
gesprochen. Die Länge bzw. Kürze der Vokale wird bei der Eindeutschung grundsätzlich bei-
behalten. Dabei werden die entsprechenden deutschen Vokale verwendet, allerdings werden
für <é> und das seltene <ó> grundsätzlich nur lange ungespannte Vokale [EÉ] bzw. [OÉ] ge-
sprochen, z. B. Véska Tsch[v"EÉska] – D[v"EÉskaÉ], Róza Tsch[r"OÉza] – D[å"OÉzaÉ].
– Es erfolgt keine Reduktion nichtakzentuierter Vokale. Nur bei auslautenden Vokalen kommt
es bei der Eindeutschung zu Veränderungen: <e> wird wie im Deutschen durch den Schwa-
Laut [«] ersetzt, alle anderen Vokale werden im Auslaut bei der Eindeutschung immer lang
realisiert, z. B. Ladislava Tsch[l"aïislava] – D[l"adIslavaÉ], Teplice Tsch[t"Eplit¥sE] – D[t"EplIts«].

Im Tschechischen gibt es 11 Vokalphoneme (darunter einen Diphthong), die durch die folgenden
Allophone eingedeutscht werden:
Phonem Allophon Beispiel Aussprache Allophon Beispiel Aussprache
tschechisch akzentuiert einge- nichtakzentuiert einge-
eingedeutscht deutscht eingedeutscht deutscht
i I Mikulov m"IkUlOf I Teplice t"EplIts«
Bylany b"IlaniÉ iÉ Louny l"OU8niÉ
iÉ iÉ Bílovec b"iÉlOvEts iÉ Ústí "uÉstiÉ
E E Teplice t"EplIts« E Bílovec b"iÉlOvEts
« Teplice t"EplIts«
EÉ EÉ Véska v"EÉskaÉ EÉ Velké v®ElkEÉ
Popovice p"OpOvIts«
a a Praha på9"ahaÉ a Kadaň k"adanJ
aÉ aÉ Tábor t"aÉbO aÉ Karviná k"avInaÉ
O O Most mOst O Trutnov tå9"UtnOf
OÉ OÉ Róza å"OÉzaÉ entfällt
u U Bruntál bå"UntaÉl U Chomutov x"OmUtOf
uÉ uÉ Ústí "uÉstiÉ uÉ Karlův most k®aluÉf m"Ost
Hůrka h"uÉ?kaÉ
OU8 OU8 Boubín b"OU8biÉn OU8 Olomouc "OlOmOU8ts
212 Die Standardaussprache in Deutschland

– Im absoluten Wortanlaut wird auch im Tschechischen fester Vokaleinsatz (Glottisplosiv) be-


nutzt.
– Von männlichen Vornamen abgeleitete weibliche Vornamen enden im Tschechischen auf kur-
zes [a], von männlichen Familiennamen abgeleitete weibliche Familiennamen auf langes [aÉ].
Das wird bei der Eindeutschung vernachlässigt, z. B. Ladislava Tsch[l"aïislava] – D[l"adIslavaÉ],
aber Brejchová Tsch[br"ECxOvaÉ] – D[bå"E£OvaÉ], Čáslavská sch[t¡S"aÉslafskaÉ] – D[tS"aÉslafskaÉ].

Vokalverbindungen
– Es gibt originalsprachlich nur den echten Diphthong [Ou8], in Fremdwörtern auch [EC] und
[au8]. Daneben existieren unechte Diphthonge aus Kurz- oder Langvokal + <j>. Sie werden
bei der Eindeutschung z. T. durch deutsche Diphthonge ersetzt:

Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache


tschechisch eingedeutscht eingedeutscht
aC aE8 Rajhrad å"aE8xå9at
aÉC aÉE8 Háj haÉE8
au8 aO8 Aueršperk "aO8ŒSpEk
EC E£ Valdštejn v"altStE£n
OC OÎ Znojmo zn"OÎmOÉ
Ou8 OU8 Bouzov b"OU8zOf

– In Vokalverbindungen [iÉ], [I] + Vokal wird [j] eingeschoben. Das wird bei der Eindeutschung
vernachlässigt, z. B. Maria Tsch[m"arija] – D[m"aåIaÉ], Antonie Tsch["antOnijE] – D["antOnI«].
– Verbindungen Vokal + <i> werden ohne bindendes [j] gesprochen, behalten aber die silben-
tragende Selbstständigkeit, z. B. Alois Tsch["alO.is] – D["alOIs].
– [E] + [U] werden ebenfalls nicht zum Diphthong verschmolzen, z. B. Neustupný Tsch[n"E.us-
tupniÉ] – D[n"EUstUpniÉ]. Das gilt auch für Fremdwörter, die originalsprachlich einen Diph-
thong enthalten, z. B. Neumann Tsch[n"E.uman] – D[n"OÎman].

Konsonanten
Im Tschechischen gibt es 25 Konsonantenphoneme:
labial dental/ palatal velar glottal
alveolar
Plosive stimmlos p t c k
stimmhaft b d ï g
Frikative stimmlos f sS x H
stimmhaft v zZ j
Affrikaten stimmlos t¥s t¡S
stimmhaft
Nasale m n −
Lateral l
Vibranten r r6
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 213

Die folgende Tabelle zeigt die eingedeutschten Allophone mit positionellen Besonderheiten:

Phonem Position Allophon Beispiel Aussprache


tschechisch eingedeutscht eingedeutscht
c alle (außer vor [iÉ], [I]) t Těšín t"ESiÉn
Klet’ klEt
vor [iÉ], [I] t Tišnov t"ISnOf
ï alle (außer vor [iÉ], [I]) dJ Děčín dJ"EtSiÉn
vor [iÉ], [I] d Chrudim xå9"UdIm
im Wortauslaut t Pohled’ p"OxlEt
− alle (außer vor [iÉ], [I]) nJ Němčice nJ"EmtSIts«
Kadaň k"adanJ
vor [iÉ], [I] n Nivnice n"I.vnIts«
n vor [k], selten [g] N Berounka b"EåOU8NkaÉ
r wie im Deutschen (außer silbisch å Beroun b"EåOU8n
und <er>)  Karviná k"avInaÉ
? Bohumír b"OhUmiÉ?
silbisch akzentuiert I Brno b"InOÉ
silbisch nichtakzentuiert « Všehrd fS"Eh«t
<er> Œ Aueršperk "aO8ŒSpEk
r6 im Wortanlaut; Z Říčky Z"iÉtSkiÉ
nach stimmhaftem Konsonanten Břeclav bZ"Etslaf
intervokalisch Z od. ?Z Litoměřice l"ItO.mnJEZIts«
Havířov h"aviÉ?ZOf
nach stimmlosen Konsonanten Z( Příbram pZ("iÉbåam
vor stimmlosem Konsonanten; S od. ?S Bořkovec b"OSkOvEts
im Silben- und Wortauslaut Heřmanice h"ESmanIts«
Žacléř Z"atslEÉ?S
s im Wortanlaut; s Sokolov s"OkOlOf
intervokalisch; Jeseník J"EsEniÉk
im Wortanlaut vor stimmhaften z Sběř zbJES
Konsonanten
H vor Vokal h Hatě h"a.t«
Mohelno m"OhElnOÉ
nach Konsonant (außer [s]) Lhota lh"OtaÉ
vor Konsonant x Hrádek xå9"aÉdEk
Jihlava J"IxlavaÉ
im Wortauslaut x Zábřeh z"aÉbZEx
nach Vokal vor stimmhaften  Bohdalov b"OdalOf
Konsonanten Ohře "OZ«
214 Die Standardaussprache in Deutschland

Phonem Position Allophon Beispiel Aussprache


tschechisch eingedeutscht eingedeutscht
x alle (außer nach [I] oder [£]) x Bechyně b"ExI.nJ«
Vrchlabí v"IåxlabiÉ
nach [I] oder [£]  Werich v"EåI
Brejchová bå"E£OvaÉ

Konsonantenverbindungen
Gleiche, aufeinander folgende Konsonanten werden im Tschechischen zum Teil doppelt lang ge-
sprochen, haben aber keinen Einfluss auf die Quantität vorhergehender Vokale. Diese Längung
von Konsonanten wird bei der Eindeutschung vernachlässigt, z. B. Vranov nad Dyjí Tsch[vr"anOf
n"adÉijiÉ] – D[vå®anOf n"adIJiÉ].

Assimilation
– Es gibt im Tschechischen regressive und progressive Stimmassimilation. Die progressive
Stimmassimilation (Entstimmlichung des zweiten Konsonanten) wird bei der Eindeut-
schung beibehalten, z. B. Příbram Tsch[pr6("iÉbram] – D[pZ("iÉbåam].
– Die regressive Stimmassimilation wird bei der Eindeutschung z. T. vernachlässigt, z. B.
Bořkovec Tsch[b"Or6(kOvEt¥s] – D[b"OSkOvEts], Svatbín Tsch[sv"adbiÉn] – D[sv9"atb9iÉn], aber Sběř
Tsch[zbjEr6(] – D[zbJES].
– Es gibt keine Auslautverhärtung im Silbenauslaut. Das wird bei der Eindeutschung nach
Möglichkeit durch Silbenöffnung beibehalten, z. B. Hedvika Tsch[H"Edvika] – D[h"E.dvIkaÉ].

Schreibung/Aussprache (Übersicht über wichtige Entsprechungen)


Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache
tschechisch eingedeutscht tschechisch eingedeutscht
a a a Aš aS aS
á aÉ aÉ Náchod n"aÉxOt n"aÉxOt
b b b Blansko bl"anskO bl"anskOÉ
p p Cheb xEp xEp
bě bjE bJE Bělá bj"ElaÉ bJ"ElaÉ
c t¥s ts Cornštejn t¥s"OrnStECn ts"OnStE£n
ch x x Chomutov x"OmutOf x"OmUtOf
 Tichý c"ixiÉ t"IiÉ
č t¡S tS Česká Lípa t¡S®EskaÉ l"iÉpa tS®EskaÉ l"iÉpaÉ
dZ tS Bečva b"EdZva b"EtSv9aÉ
d d d Dačice d"at¡Sit¥sE d"atSIts«
t t Český Brod t¡S®EskiÉ br"Ot tS®EskiÉ bå"Ot
d’ ï dJ Žd’ár ZïaÉr ZdJaÉ
c t Pohled’ p"OhlEc p"OxlEt
dě ïE dJE Děčín ï"EtSiÉn dJ"EtSiÉn
di ïi dI Chrudim xr"uïim xå9"UdIm
Eindeutschung von Namen und Wörtern aus anderen Sprachen 215

Schreibung Aussprache Aussprache Beispiel Aussprache Aussprache


tschechisch eingedeutscht tschechisch eingedeutscht
e E E Cheb xEp xEp
« Hatě H"acE h"a.t«

é EÉ EÉ Véska v"EÉska v"EÉskaÉ

ě jE JE Bělá bj"ElaÉ bJ"ElaÉ


−E nJE Mělník m−"El−iÉk mnJ"ElniÉk

f f f Frýdek-Místek fr®iÉdEk få9®iÉdEk


m"iÉstEk m"iÉstEk

g g g Geršov g"ErSOf g"ESOf

h H h Hodonín H"OdO−iÉn h"OdOniÉn


 Bohdalov b"OHdalOf b"OdalOf
x Hronov Hr"OnOf xå9"OnOf

x x Zábřeh z"aÉbr6Ex z"aÉbZEx

i i I Jihlava j"iHlava J"IxlavaÉ

í iÉ iÉ Česká Lípa tS®EskaÉ l"iÉpa tS®EskaÉ l"iÉpaÉ

j j J Jičín j"it¡SiÉn J"ItSiÉn


nach e C £ Cornštejn t¥s"OrnStECn ts"OnStE£n
nach á E8 Háj haÉC haÉE8
nach a Rajhrad r"aCHrat å"aE8xå9at
nach o Î Znojmo zn"OCmO zn"OÎmOÉ

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