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Kirche in aller Welt – 4.

Paraguay / Islamisches 50

für eine ständig expandierende Milchwirt- chen Offenbarung aufgefasst wurde. Dieser
schaft zu gewinnen. Agro-Business im gro- Prozess ist nicht beispiellos – so ging es
ßen Stil, verbunden mit dem unbarmher- auch mit der Bibel, die einzelnen Bücher
zigen Ausstreuen immer größerer Mengen des christlichen Alten Testaments kursier-
von Pestiziden, welche via Grundwasser ten teilweise ursprünglich selbstständig, so
und Luft vor allem die Gesundheit der noch im ersten Jahrhundert n.Chr. zu
Ärmsten der Armen zerstören, weil sie Qumran (zerstört um 68 n.Chr. im Zuge
kein Geld für den Kauf von Medikamenten des ersten jüdischen Aufstandes), wo die
haben und sich keine teuren Krankenhäu- berühmten Textfunde nach dem Zweiten
ser leisten können, um ihren eigenen Weltkrieg gemacht wurden. Dort findet man
Krebs und das Asthma ihrer Kinder be- zwar u.a. verschiedene biblische Bücher in
handeln zu lassen. In Ostparaguay ist das verschiedenen Sprachen und Fassungen,
bereits ein Riesenproblem, welches nun aber noch keine „Bibel“ als kanonisches
auch uns droht. Gesamtwerk mit einem festgelegten Text.
Aus dem fernen Chaco, der zu meiner Genau betrachtet, ist auch hier der Wunsch
zweiten Heimat geworden ist, richte ich Vater des Gedankens – der Wunsch, eine
heute einfach nur die dringende Bitte an schriftlich fixierte kanonische Offenbarung
meine Freunde in Deutschland: Erkundigt zu besitzen, ist zuerst da, erst danach wird
euch gelegentlich danach, wo der Mais ein Text, öfters ziemlich arbiträr, herzange-
herkommt, den man in eure Biogasanlagen zogen, um diesem Vorsatz zu entsprechen.
schüttet? Woher die Soja kommt, mit der So sind die meisten Bibelübersetzungen des
ihr euer Vieh mästet? Und woher die Holz- Alten Bundes heutzutage angefertigt auf
kohle kommt, die ihr bei Aldi und Lidl der Basis des sog. „Codex Leningradensis“,
kauft, um beim nächsten Grillfest immer heute befindlich in der Russischen Natio-
tüchtig nachlegen zu können und ob es nalbibliothek zu Sankt Petersburg (MS Heb
nicht Chaco-Holzkohle ist, mit der sich B 19A; kopiert wurde es 1008 n.Chr.), nur
unser paraguayische Verkehrsminister weil sie, ganz im Sinne des frühneuzeitli-
nebenher eine „goldene Nase“ verdient!? chen Credos der hebraica veritas, die älteste
Denn, nicht vergessen: Hier in Paraguay bekannte vollständige Handschrift der heb-
gibt es inzwischen weit über hunderttau- räischen Bibel darstellt. Die Textüberliefe-
send Menschen, die dafür einen ganz, ganz rung des Neuen Testaments ist noch verwi-
hohen Preis zahlen müssen. Aus Liebe zu ckelter. Von dem heute als autoritativ gel-
Deutschland tun sie das nicht! tenden Text des Koran, der sog. Kairoer
Ausgabe von 1924, wird behauptet, er
stimme mit dem Koran des dritten Kalifen,
*** ʿUthmān ibn ʿAffān, überein, ohne dass
hierfür ein Beweis erbracht wurde. Die Ka-
Robert M. Kerr nonisierung eines bestimmten Textinhaltes
hat sonach immer etwas Beliebiges an sich.
Dass der Koran Offenbarungen Gottes via
Koranisches Göttermanage- Engel Gabriel an Mohammad beinhalten
ment: Wer sitzt im Vorstand? soll, geht nicht aus dem koranischen Text
selber hervor, erst die späteren Überliefe-
rungen um das Buch, besonders die Kom-
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mentarliteratur, vornehmlich was die sog.
„Anlässe der Offenbarungen“ (Asbāb an-
Inzwischen darf man als bekannt voraus- nuzūl) angehen, wodurch erstmalig eine
setzen, dass der Koran von seinem Ur- Art Meistererzählung entstand, tun dies.
sprung her nicht so sehr ein „Buch“ ist, Wer die im Koran kanonisierte Texte ver-
vielmehr eine Sammlung loser Texte, die schiedener Herkunft „sola scriptura“ liest,
dann zunächst in einer Art Anthologie ge- ist eigentlich auf sich selber angewiesen,
sammelt wurden, um dann erst nachträg- das Werk selbst bietet keinen Kontext.
lich als ein Buch mit zusammenhängendem Konkrete historische Gegebenheiten bzw.
Inhalt verstanden zu werden: wohl erst in geographische Hinweise oder irgendwelche
der Zeit, in der es kanonische Geltung er- konkreten Angaben gibt es nicht. Die meis-
langte, also als Verschriftung einer göttli- ten Anspielungen beziehen sich auf bibli-
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sche Figuren bzw. sind eher vage Andeu- Halbinsel entstanden ist, erfahren wir von
tungen, wie schon des Öfteren ausgeführt. den Göttern, die zu Mekka bei der Kaaba
Es ist eigentlich unmöglich, die verschie- verehrt wurden, im Koran aber nur wenig,
denen Texte des Koran in Zeit und Raum und mit der Zahl dreihundertsechzig wird
zu verorten. in der Tradition wohl die Jahresdauer an-
Nichtsdestotrotz sind einige Themenstel- gedeutet. Eigentlich hören wir über voris-
lungen in den jeweiligen Teilen dessen, lamische arabische Gottheiten nur in den
was wir heute als Koran verstehen, fest- berühmten „satanischen Versen“, 53,19-
stellbar. Eine hiervon ist der Glaube an ei- 20: „Was meint ihr wohl zu al-Lāt und al-
nen Gott (tauḥīd), also der Glaube, dass es ʿUzzā, und auch zu Manāt, dieser anderen,
nur den einen unteilbaren Gott gibt, wie es der dritten?“
etwa in 14,52 heißt: „Dies ist eine Bot- Diese Göttinnen, deren Namen übersetzt
schaft an die Menschen, damit sie dadurch „die Göttin“, „die Kraft“ und „Nemesis“
gewarnt werden und damit sie wissen, bedeuten, und deren Kulte sind in der se-
dass Er nur ein einziger (wāḥidun) Gott mitischen Welt des ganzen alten Vorderen
ist, und damit diejenigen (es) bedenken, Orients sehr verbreitet, und sie selber hat-
die Verstand besitzen.“ Wer dies nicht tut, ten verschiedene lokalen Erscheinungs-
ist Gott gegenüber im Aufstand bzw. macht formen. Im Koran, wo sie nur in dieser
sich ihm gegenüber einer Übertretung Stelle Erwähnung finden, erfahren wir
schuldig, indem er falsche Götter anbetet, nichts weiteres. In der späteren Traditi-
d.h. (mit verschiedenen Ableitungen die- onsliteratur aber, besonders in dem Werk
ser Wurzel) ṭāġūt, wie etwa in der bekann- Kitāb al-Așnām (deutsche Übersetzung: R.
ten Passage 2,256: „Es gibt keinen Zwang Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch.
im Glauben. (Der Weg der) Besonnenheit Kitāb al-Aṣnām des Ibn al-Kalbī, Leipzig,
ist nunmehr klar unterschieden von (dem 1941) des schon zu seinen Lebzeiten für
der) Verirrung. Wer also falsche Götter genealogische Fälschungen bezichtigten is-
(bil-ṭāghūti) verleugnet, jedoch an Gott lamischen Gewährsmanns für Angelegen-
glaubt, der hält sich an der festen Hand- heiten des vorislamischen Zeitalters der
habe, bei der es kein Zerreißen gibt. Und Araber (der sog. Ğāhilīya „Zeit der Unwis-
Gott ist allhörend und allwissend.“ senheit“) ibn al-Kalbī (737-821 n.Chr.),
Ein anderer Terminus technicus für den finden sich ausführliche „Informationen“.
falschen Glauben ist širk „teilhaben, einen Die Auswertung der in diesem Werke ge-
Partner haben“, womit im gängigen Ver- machten Angaben ist eine schwierige An-
ständnis Polytheisten bzw. Anhänger von gelegenheit, die wir in einem folgenden
Abgötterei (mušrikūn) angedeutet werden. Beitrag aufgreifen wollen. Überhaupt aber
In der späteren, sekundären islamischen hat der vorgestellte Polytheismus in der
Überlieferung, also nirgendwo im Koran späteren islamischen Überlieferung einen
selber, wird viel über den vorislamischen polemischen und eher stereotypischen
Götzendienst geschrieben, so z.B. in ver- Charakter, wie beispielsweise die durchaus
schiedenen Hadithen, dass Mohammed bei vergleichbaren anachronistischen Schilde-
der Rückeroberung von Mekka, angeblich rungen über die religiösen ‚Abscheulich-
630 n.Chr., die Idole, die in bzw. um die keiten‘ u.a. der Amoriter und Kanaanäer
Kaaba standen, zerschlug, so z.B. Ṣaḥīḥ al- im Alten Testament – in beiden Fällen ha-
Buḫārī Kapitel 41 Nr. 2478: ben wir es mit literarischen Topoi und
„ʿAbdullah Ibn Masʿud, Allahs Wohlgefal- nicht mit ethnographischen Beschreibun-
len auf ihm, berichtete: ‚Der Prophet, Got- gen zu tun. Seit der Erstausgabe von dem
tes Segen und Heil auf ihm, zog in Mekka „Götzenbuch“ al-Kalbīs im Jahr 1914
ein, als um die Kaaba herum 360 Götzenfi- scheinen wir eine Beschreibung des širk,
guren standen. Er fing dann an, diese mit der Vielgötterei der alten Araber zu haben.
einem Ast in seiner Hand anzustoßen und Die Frage hier ist ob dies so stimmt?
rezitierte (den Koran 17,81): «Gekommen Die Semantik der Ableitungen der arabi-
ist die Wahrheit und dahingeschwunden schen Wurzel šrk bei genauerer Lektüre
ist die Falschheit.»‘“ (et passim; diese aber scheint jedoch etwas anders anzudeu-
Episode wird in verschiedenen Hadithen ten, vgl. 17,63-64: „Er sagte: ‚Geh (deines
verschiedentlich überliefert). Weges)! Wer von ihnen dir folgt, gewiss, so
Da der Koran nicht auf der Arabischen ist die Hölle euer Lohn, ein reichlicher
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Lohn. // Und errege, wen von ihnen du eindeutig die Vorstellung, dass andere
(erregen) kannst, mit deiner Stimme, und göttliche Teilhaber an Gottes Divinität par-
biete gegen sie deine Reiterei und dein tizipieren könnten, nämlich Jesus und der
Fußvolk auf, und habe Anteil (wa- Heilige Geist, vgl. etwa 4,171-172:
šārikhum) an ihrem Besitz und ihren „O Leute der Schrift, übertreibt nicht in
Kindern, und mache ihnen Versprechun- eurer Religion und sagt gegen Gott nur die
gen.‘ - Aber der Satan macht ihnen nur Wahrheit aus! Der Messias, Jesus, der
Versprechungen in Trug.“ Sohn der Maria, ist nur Allahs Gesandter
Der Eindruck entsteht, dass hier ein Teil- und Sein Wort (rasūlu llāhi wa-kalimatu-
haber an einem (zusammengestellten) hū), das er Maria entbot, und Geist von
Ganzen gemeint wurde. Theologisch über- Ihm. Darum glaubt an Gott und Seine Ge-
tragen scheint im Koran dann nicht die sandten und sagt nicht ‚Drei‘. Hört auf
ganze Götterwelt des arabischen Heiden- (damit), das ist besser für euch! Gott ist
tums, die einst von als selbstständig ge- nur ein Einziger Gott. Preis sei Ihm (, und
dachten göttlichen Individuen bevölkert Erhaben ist Er darüber), daß Er ein Kind
war, vorzukommen. Dieser Eindruck er- haben sollte! Ihm gehört (alles), was in
härtet sich in Passagen wie z.B. in 5,72-73: den Himmeln und was auf der Erde ist,
„Fürwahr, ungläubig sind diejenigen, die und Gott genügt als Sachwalter. // Der
sagen: ‚Gewiss, Gott ist der Messias, der Messias wird es nicht verschmähen, ein
Sohn der Maria‘, wo doch der Messias Diener Gottes (ʿabdan li-llāhi=‚Abdalla‘)
(selbst) gesagt hat: ‚O Kinder Israels, dient zu sein, auch nicht die (Gott) nahegestell-
Allah, meinem Herrn und eurem Herrn!‘ ten Engel. Wer es aber verschmäht, Ihm zu
Wer Gott (etwas) beigesellt (yušrik), dem dienen, und sich hochmütig verhält -, so
verbietet fürwahr Gott das Paradies, und wird Er sie alle zu Sich versammeln.“
dessen Zufluchtsort wird das (Höllen)feuer Interessant ist, dass dieser Vers sich auch
sein. Die Ungerechten werden keine Helfer im wohl vom Kalifen ʿAbd al-Malik ibn
haben. // Fürwahr, ungläubig sind diejeni- Marwān (regierte 685–705) erbauten Fel-
gen, die sagen: ‚Gewiss, Gott ist einer von sendom befindet. Die vielen Zitate an die-
dreien (ˈinna llāha ṯāliṯu ṯalāṯatin).‘ Es sem Bauwerk, die sich auch im Koran
gibt aber keinen Gott außer dem Einen wiederfinden, stellen nicht so sehr ein
Einzigen. Wenn sie mit dem, was sie sagen, Glaubensbekenntnis des Islam dar, son-
nicht aufhören, so wird denjenigen von dern wollen eine gegen die byzantinische
ihnen, die ungläubig sind, ganz gewiss (Reichs)Orthodoxie gerichtete Christologie
schmerzhafte Strafe widerfahren.“ formulieren. So selbst in den Worten von
Was hier scheinbar gemeint wird, sind Angelika Neuwirth (dies., Der Koran als
nicht Polytheisten im herkömmlichen Text der Spätantike. Ein europäischer Zu-
Sinn, dagegen diejenigen, die die Dreiein- gang, Insel Verlag Berlin, 2010, S. 249ff.):
heit Gottes, also Vater, Sohn und Heiliger „Religionspolitisches Ziel der Inschriften
Geist, bekennen. Dass der Koran ein strik- ist es, den vor Ort als Gottessohn verehr-
ter Monotheismus ist und eine Ablehnung ten Jesus auf seine koranische Dimension
der Trinität behauptet, wohl u.a. gegen eines bloßen Gottesdieners zurückzustufen
den vermeintlichen monophysitischen und ihm den Propheten des Islam auf glei-
Dreigötterglauben („Tritheismus“) sowie cher Höhe, als einen im Himmel und auf
auch gegen die Formulierung der Trinität Erden hochgeehrten Propheten – als den
der Synode von Konstantinopel im Jahr ihn der in der Inschrift mehrmals zitierte
381 ist ja bekannt.12 Gemeint scheint hier Vers Q 33:56 darstellt –, zur Seite zu stel-
len.“ Wiederholt findet man in diesem Bau-
12
Wir werden Fragen um die christliche Trinität werk die Aussage bi-smi llāhi r-raḥmāni r-
hier nicht weiter besprechen, da dies einerseits raḥīmi lā ilāha illā llāhu waḥda-hu lā šarīka
die Kompetenz des Schreibers übersteigt, und die
große Koryphäe dieser Materie, Prof. K.-H. Ohlig
la-hu „Im Namen des barmherzigen und
in vorhergehenden Nummern dieser Zeitschrift gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer
diese Fragen verdienstlich erörtert hat (s. impri- Gott allein. Er hat keinen Teilhaber.“ Hier
matur Bde. 29, 1996, 285-291; 340-346; 30, in Jerusalem, in der zentralen Hauptstadt
1997, 8-13; 55-59; 108-111; 147-152; 199-204;
315-323; 31, 1998, 18-27; 74-80; 126-13; 174- des Monotheismus, standen nicht (ana-
180; 219-226 – auch ders., Haben wir drei Götter? chronistische) Einbildungen einer (einsti-
Vom Vater Jesu zum „Mysterium“ der Dreifaltig- gen) Göttervielfalt zur Diskussion, son-
keit, Kevelaer, 2014).
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dern die dann auch als einzigartig vorge- über den auch eine Reihe von Monogra-
stellte Gottheit. Wenn man die 167 rele- phien verfasst wurden, von denen drei im
vanten Belege dieser Wurzel im Koran Folgenden näher beleuchtet werden sollen.
nachgeht, sieht man eindeutig, dass hier Drei davon behandeln speziell den IS, wo-
die Einzigkeit der Gottheit gemeint ist, und bei die erste es zu größerer medialer Auf-
nicht die Frage, ob es andere Götter gege- merksamkeit, auch in der englischsprachi-
ben hat. In der Zeit der Spätantike war der gen Welt, geschafft hat:
klassische Polytheismus wie der entspre- 1. Jürgen Todenhöfer: „Inside IS – 10
chende Opferkultus schon großenteils er- Tage im „Islamischen Staat“, Bertels-
loschen. Die Frage, ob der Koran etwas mann, 22. Auflage, 2015 München;
über diese Zeit weiß, werden wir in der dazu gibt es auch einen Dokumentar-
nächsten Ausgabe dieser Zeitschrift be- film.
handeln anhand von 71,23, wo die Götter, 2. Bruno Schirra, ISIS – Der Globale
die zu Noahs Zeiten angebetet wurden, Dschihad. Wie der „Islamische Staat“
Erwähnung finden: „Und sie haben gesagt: den Terror nach Europa trägt, Econ,
‚Verlasst doch nicht eure Götter; verlasst Berlin 2015; Redaktionsschluss: 10.
doch nicht Wadd, noch Suwa, noch Dezember 2014.
Yagut,Ya'uq und Nasr.‘“ 3. Olivier Hanne u. Thomas Flichy de la
Jetzt schon können wir aber feststellen, Neuville, Der Islamische Staat – Ana-
dass es im koranischen Himmel nur ein tomie des Neuen Kalifats, Berlin 2015.
Gott gibt, er wird als Alleinherrscher des
Ziel des vorliegenden Beitrages kann es
Kosmos gedacht, nicht als Vorstandsvor-
nicht sein, erschöpfende Rezensionen die-
sitzender eines Triumvirats (wobei Auto-
ser Publikationen und des Themenkom-
kraten bekanntlich aus Dreierherrschaften
plexes „Radikaler Islam“ zu bieten, nach
entstehen …). Durch den Versuch, die ko-
dem mittlerweile eingetretenen Verlust des
ranische Polemik gegen ‚Teilhaber‘ zu un-
Staatsgebietes des IS sollte es jedoch keiner
tersuchen, hoffen wir hier wenigstens an-
weiteren Rechtfertigung bedürfen, um eine
satzweise den theologischen Kontext zu
kleine Zwischenbilanz zu ziehen, wobei die
finden, in dem verschiedene Teile dessen,
uns in Deutschland interessierende
was später zum Koran werden sollte, ent-
Grundfrage im Fokus stehen sollte, was
stand.
von der – oft angeführten und ebenso oft
widersprochenen – These zu halten ist, der
*** IS habe nichts mit dem Islam zu tun.

1. Zu Jürgen Todenhöfers Buch


Markus Groß „Inside IS – 10 Tage im „Islami-
schen Staat“
„Hat nichts mit dem Islam zu Man kann Jürgen Todenhöfer einiges vor-
werfen, Feigheit gehört sicherlich nicht
tun?“ – Der IS im Spiegel der dazu. Er hat weder Angst anzuecken, noch
Medien in einem Krisengebiet von einer verirrten
Kugel getroffen zu werden. Sein Vorhaben,
_______________________________________ zusammen mit seinem Sohn das damalige
Staatsgebiet des IS zu besuchen, war si-
cherlich äußerst gefährlich und verlangte
Zur Einleitung großen Mut. Dass er zur Umsetzung auf
Kaum eine politische Organisation der die Hilfe von Sympathisanten bzw. Mitglie-
letzten Jahrzehnte hat in der Weltpresse dern des IS in Deutschland angewiesen
so einhellige Abscheu hervorgerufen wie
der (sogenannte) „Islamische Staat“ (IS13), „dāʿiš“ (daher französisch „Daech“), im Engli-
schen dessen „Übersetzung“ ISIS für Islamic State
(of) Iraq and Shām; die deutsche Abkürzung IS ist
13
Es wird hier im Folgenden die Abkürzung IS („Is- davon die „Übersetzung“ des ersten Teils. Die
lamischer Staat“) verwendet und nicht die Be- Verwendung der distanzierenden Bezeichnung
zeichnung „sogenannter Islamischer Staat“. In Tanzîm al-Dawlah al-Islâmîyah („Organisation Is-
arabischen Medien verwendet man meist das Ak- lamischer Staat“) entspricht im Deutschen dem
ronym von Dawlah Islāmiyyah al-ʿIrāq wa-l-Šām: „sogenannten Islamischen Staat“.
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