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Schroe Klasse Datum


Die Entwicklung des Menschen
• Intrauterine Entwicklung des Menschen
Allgemeines
Die Phasen der Embryonalentwicklung
Video „intrauterine Entwicklung“
• Postnatale Entwicklung
Das Neugeborene
Die Meilensteine der Entwicklung (Entwicklungstabellen)
frühkindliche Reflexe und Reaktionen
- allgemeiner Überblick
- Reflex oder Reaktion?
- Übersicht Reaktionen
- einige Reaktionen
- vier Reflexe und ihre Persistenz (Mororeflex, ATNR, STNR, TLR)
- Halte- und Stellreaktionen, statokinetische Reaktionen und
Gleichgewichtsreaktionen
- kurzer Ausblick: Therapieansatz

Intrauterine (pränatale) Entwicklung des Menschen


• Beginnt mit der Befruchtung der Eizelle
• Normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen, von der Konzeption bis zur Geburt -
3/+2Wochen
• Definition Frühgeburt: eine Geburt vor Vollendung der 37. SSW
• Teratogene sind äußere Einflüsse, die Fehlbildungen hervorrufen können
• Lässt sich in 3 Phasen einteilen

3 Phasen der Embryonalentwicklung


1. Phase:Blastogenese
• Entwicklung der Zygote bis zur Blastozyste und Einnistung in die Gebärmutter
• Der Einzeller wird durch vielfache Teilungen zum Mehrzeller.

2. Phase: Embryogenese
• Dauert ca. bis zur 8. Schwangerschaftswoche
• Ansatzweise Bildung der menschlichen Anlagen (Organe, Gliedmaßen)
• Differenzierung der Zellen nimmt stets zu

3. Phase: Fetogenese
• Weiterentwicklung der Organe
• Ausdifferenzierung der Gewebe
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Meilensteine der Entwicklung

Entwicklung der Feinmotorik


3 Monate Spielt mit den eigenen Fingern oder betrachtet sie.
Hält Hände überwiegend offen
3 ½ Monate Nimmt Ring, wenn man ihn reicht
5 ½ Monate Hält zwei Gegenstände für mindestens 3 Sekunden
6 Monate Greift nach den eigenen Zehen und spielt damit
Transferiert Gegenstand von einer Hand in die andere
8 Monate Isolierte Benutzung von Daumen und Zeigefinger, Scherengriff
10 Monate Vollständiger Pinzettengriff
Zeigt mit dem Zeigefinger
12 Monate Willkürliches Loslassen von ergriffenen Gegenständen
14 Monate Baut einen Turm aus 2 Klötzen

Akustisches Wahrnehmungsalter, Sprachverständnisalter und Sprechalter

2 Monate Sucht nach einem Geräusch mit den Augen


3 Monate Sucht nach einem Geräusch mit Kopfbewegungen
3 ½ Monate Lacht laut
4 Monate Wendet Kopf überlegend zum Glöckchen
Dreht den Kopf nach einer sprechenden Person
6 Monate Reagiert, wenn es gerufen wird
10 Monate Sagt klar „Mama“ oder „Papa“ oder ein anderes Wort

12 Monate Erkennt den eigenen Namen


Spricht 3 klare Wörter
14 Monate Gebraucht 6 klare Wörter
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Krabbel-, Sitz und Laufalter – Entwicklung der Grobmotorik

1 Monate Hebt den Kopf wiederholt


Mindestens drei Sekunden lang
3 Monate Hebt den Kopf 50-90 °, gestützt auf die Unterarme
3 ½ Monate Hebt den Kopf beim Ziehen an den Händen in Rückenlage
5 Monate Dreht sich von einer Seite auf die andere
6 Monate Kann sich umdrehen –
Von Rücken- in die Bauchlage und umgedreht
6 ½ Monate Hebt Kopf aus Rückenlage für mindestens 5 Sekunden
7 ½ Monate Sitzt frei, mindestens eine Minute
8 Monate Aktiver (spontaner) Vierfüßlerstand
Im Sitzen Stützreaktion zur Seite
8 ½ Monate Bewegt sich irgendwie vorwärts
9 Monate Zieht sich selbst hoch und steht danach, wenn es sich festhalten
kann
10 Monate Kriecht koordiniert auf Händen und Knien
Setzt sich alleine hin, ohne sich festzuhalten
Macht Seitschritte und hält sich dabei fest, z.B. an Möbeln
13 Monate Kann frei stehen
15 Monate Kann sicher laufen
Bückt sich und kann etwas aufheben

Frühkindliche Reflexe: Allgemeiner Überblick

Definition: Frühkindliche Reflexe sind automatische, stereotype Bewegungen, die vom


Hirnstamm aus gelenkt und durch einen Reiz ausgelöst werden

• Sie dienen der Überlebenssicherung in den ersten Lebensmonaten und sind


entwicklungsgeschichtlich begründet
• Die frühkindlichen Reflexe reifen während der Schwangerschaft heran und haben
damit einen Anteil an der vorgeburtlichen Entwicklung des Kindes - bezogen auf
den Tonus (Spannungszustand der Muskulatur), die Gleichgewichtsentwicklung
und die neuronalen Verknüpfungen
• Mit zunehmendem Alter werden diese Reflexe durch höhere Zentren im Gehirn
überlagert, gehemmt und kontrolliert und das Kind lernt bewusst auf Reize zu
reagieren
• Persistenz eines Reflexes bedeutet ein Fortbestehen dessen, manche sprechen auch
von bestehenden Restreaktionen
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Vier, in der Ergotherapie bedeutende, Reflexe:


• Moro-Reflex
• TLR-Reflex: Tonischer Labyrinthreflex
• ATNR-Reflex: Asymmetrisch tonischer Nackenreflex
• STNR-Reflex: Symmetrisch tonischer Nackenreflex

Moro-Reflex
• Ca. ab 9 SSW Bildung des Mororeflexes, kontinuierliche Entwicklung, zur Geburt
vollständig vorhanden, Integration sollte nach 3-6 Monaten erfolgt sein
• Der Reflex kann durch eine plötzliche Lageveränderung des Kopfes nach hinten, ein
lautes Geräusch, grelles Licht, eine plötzliche Bewegung und andere äußere Reize
ausgelöst werden.
• Die unwillkürliche Reaktion darauf ist
1. Streckung der Arme und Beine nach außen, Kopf nach hinten, Mundöffnung und
Rumpfstreckung
nach einem Moment der Erstarrung
2. Arme werden vor dem Körper zusammengebracht, Tonussenkung, Schrei
Persistenz:
• Überempfindlichkeit gegenüber allen Sinneseindrücken
• Reizfilterung schwer möglich
• Konzentrationsschwierigkeiten
• Erhöhter Zuckerbedarf
• Emotionale Problematik:
z.B. Stimmungschwankungen, Ängstlichkeit, Agressivität, mangelndes
Selbstwertgefühl, Ordnungs- und Kontrollbedürfnis
• Asthma- Prädisposition?!
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TLR – Tonischer Labyrinthreflex
• Nach 2 Monaten (spätestens nach 6 Monaten) nach der Geburt sollte dieser
abgebaut sein
• Der TLR manifestiert sich in zwei unterschiedlichen Haltungen:
- Bei Extension der HWS erfolgt Extension des gesamten Körpers
- Bei Flexion der HWS erfolgt Flexion des gesamten Körpers
Persistenz:
• Oft schlechte Haltung
• schwacher Muskeltonus (Hypotonus)
• Bei fehlender guter Kopfkontrolle oft Verunsicherung im Bereich der Schwerkraft -
Gleichgewichtsprobleme
• Kinder mit gestörtem Gleichgewicht zeigen deutlich schlechtere Leistungen in der
Schule
• Empfindung von festen räumlichen Bezugspunkten gestört, d.h. Probleme bezüglich
der Orientierung, Handhabung mit Tiefe, Geschwindigkeit und Zeit oftmals gestört

ATNR-Reflex: Asymmetrisch tonischer Nackenreflex


• Physiologisch bis Ende des 4. Monats (kann in einigen Fällen länger, bis zum Ende
des 6. Monats, wirksam sein)
• In Rückenlage durch die Nackenrezeptoren beim Drehen des Kopfes zu einer Seite
ausgelöst
• Extension der Extremitäten auf Gesichtsseite, während sich die Extremitäten der
Hinterhauptseite flektieren
Persistenz:
• Die Kopfbewegung ist nicht unabhängig von der Körperbewegung möglich,
wodurch die Kinder den Eltern häufig vor die Füße laufen oder beim Fahrradfahren
ungewollte Lenkbewegungen machen.
• Körpermittellinie zu überkreuzen ist erschwert (gilt für alle Bewegungen der
Gliedmaßen und der Augen) – später Auswirkung auf kognitive Prozesse
• Schwierigkeiten mit der Augenmuskelmotorik und der visuellen Wahrnehmung.
• Herausbildung einer eindeutigen Lateralität (Seitigkeit) erschwert
• Oft auch ungenaue Ohrpräferenz und ungenaue Lautverarbeitung, verzögerte
Sprachentwicklung
• mangelnde Hand-Augen-Kopf-Koordination
• Erlernen des Schreibens erschwert

STNR-Reflex: Symmetrisch tonischer Nackenreflex


• Wirksam ab 6. bis 12. Monat
• Auslöser für diesen Reflex ist die Veränderung in der Nackenhaltung (Kopfbeugung
nach vorn oder hinten).
• Bei dieser Reaktion arbeiten die rechte und linke Körperseite symmetrisch
zusammen.
• Bei Flexion des Kopfes sind Arme im Ellenbogengelenk flektiert und Beine in
Extension
• Bei Extension des Kopfes werden die Arme extendiert und die Beine flektiert
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Persistenz:
• Schwierigkeiten, die Hände und Füße still zu halten und auf dem Stuhl ruhig zu
sitzen.
• Beim Schreiben am Tisch (aber auch beim Lesen oder Essen) sinkt der Kopf immer
tiefer, als könne das Kind seinen Kopf nicht halten oder als sei es kurzsichtig.
• Die Beine werden häufig entweder lümmelnd ausgestreckt oder das Kind fesselt
seine Beine, indem es die Füße um die Stuhlbeine schlingt oder sich auf die eigenen
Füße setzt.
• Das Erlernen des Schwimmens ist häufig erschwert. Die Koordination zwischen
Armen und Beinen gelingt nicht gut, da der Kopf zum Atmen in den Nacken
überstreckt wird.
• In der Schule zeigt sich die mangelnde Hand-Augen-Kopf-Koordination u.a. durch
folgende Auffälligkeiten:
– Probleme mit dem Abschreiben von der Tafel.
– Schwierigkeiten, nach einem Aufblicken die richtige Zeile im Lesebuch
wieder zu finden.

Von den frühkindlichen Reflexen zu den Halte- und Stellreaktionen


• Jedes Kind wird mit einem Set frühkindlicher Reflexe (auch „Überlebensreflexe"
genannt) geboren.
• Diese „primitiven“ Reflexe sollten spätestens zum 6.-12. Lebensmonat nach und
nach gehemmt bzw. integriert werden.
• Dafür sollten sich Halte- und Stellreaktionen herausbilden, die die Grundlage für die
notwendige automatisch ablaufende Kontrolle über Gleichgewicht und
Körperhaltung und die Entwicklung eines zunehmenden Repertoires an von höheren
Hirnzentren willkürlich, z.T. automatisch ablaufenden gesteuerten Bewegungen
bilden.
• Diese ermöglichen es dem Kind, sich nach einer Phase gründlicher Einübung im
Laufe des ersten Lebensjahres in allen nur erdenklichen Bewegungsmustern und
Körperpositionen mühelos und ohne darüber nachzudenken zu bewegen.

Weitere Reaktionen
Haltereaktionen
• Stabilisieren die einmal eingenommene Körperhaltung gegen den Einfluss der
Schwerkraft und steuern die Tonusverteilung zwischen den verschiedenen
Muskeln.
• die tonischen Reflexe sind hierbei von Bedeutung (ATNR, STNR, TLR). Durch die
Reflexe wird die Körperhaltung entsprechend der Kopfstellung auf nachfolgende
Körperbewegungen vorbereitet
• Grundlage bilden Rezeptoren im Vestibularorgan und in der Nackenmuskulatur

Stellreaktionen:
• Verteidigen die eingenommene Körperhaltung gegen Störgrößen und richten
den Körper gegen die Schwerkraft auf. Ausgleichsreaktionen
• Aufbauend auf die Haltereaktionen bringen sie den Körper bei ungewöhnlicher
Lageveränderung in die normale Körperstellung zurück
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• Diese automatischen Richtreaktionen werden vom Mittelhirn gesteuert
• Die Ausbildung der Stellreaktion und die darauf aufbauende
Gleichgewichtsreaktion bilden die Grundlage für zielgerichtete Bewegungen
• Rezeptoren, die Stellreaktionen auslösen:
- Muskelspindeln der Nackenmuskulatur (propriozeptiv)
- der Vestibularisapparat
- die Oberflächensensibilität der Haut (taktil)
- das visuelle System

Labyrinthstellreaktionen
Ab der 6. Woche beginnt der Säugling in Bauchlage den Kopf abzuheben und gegen die
Schwerkraft einzustellen. Sorgen für die aufrechte Einstellung des Kopfes bei
wechselnder Körperlage. Physiologisch bis ca. 12 Monate

Halsstellreaktionen
Wird der Säugling am Hals gedreht folgt der Rest des Körpers en bloc.
Phys. bis ca. 4. Monat

Körper-Stellreaktionen auf den Kopf


Löst Labyrinthstellreaktion ab.
Kopf richtet sich harmonisch zur Körperstellung aus bzw. Körper passt sich der
Kopfstellung an

Körper-Stellreaktionen auf den Körper


Löst Halsstellreaktion ab, Körper folgt nicht mehr en bloc der Kopfdrehung, sondern es
kommt zu einer Rotationsbewegung zwischen Becken- und Schultergürtel. Dies ist ein
wichtiger Schritt für verfeinerte Bewegungen

Augen-Kopfstellreaktionen
Visuelle Anreize lösen die Reaktion aus
Kopf wird trotz wechselnder Stimuli in einer stabilen Position gehalten, so dass Augen
ein bestimmtes Ziel fokussieren können

Optische Stellreaktion
Die Augen werden immer so ausgerichtet, dass ein aufrechtes Bild entsteht

Statokinetische Reaktionen
• Antwort auf einen Beschleunigungsreiz und Führen aus einer Bewegung zu einer
Bewegung
• Z.B. die Gleichgewichtskontrolle beim Laufen, Fahrradfahren, Springen
• Z.B. erhöht sich bei einem Sprung nach unten derStrecktonus der Beine, sodass
diese für die Landung vorbereitet sind

Gleichgewichtsreaktionen
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• Adaptionen des Körpers an die wechselnde Unterstützungsfläche, d.h. es sind
Reaktionen auf eine Lageänderung des Körperschwerpunkts durch die Änderung
der Position der Extremitäten im Verhältnis zum Rumpf
• Bauen auf Stellreaktionen auf und dienen der Aufrechterhaltunng und
Wiedergewinnung der Balance beim Stehen und Gehen, etc.
• Ausgelöst durch Reizung der Labyrinthorgane
• Vorraussetzung adäquater Gleichgewichtsreaktionen sind normale
Tonusverhältnisse des Rumpfs und der proximalen Extremitätenmuskulatur

Therapieansätze zur Behandlung/ Integration von persistierenden Reflexen können


folgende sein
• Bobath
• Voijta
• INPP
• u.a.