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ישראל‬ 19/03/18 15)48

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Die dunklen Anfänge des Islam


Zum fünften Mal trafen sich Wissenschaftler der Forschergruppe Inarah auf einem Symposium in der Europaakademie Otzenhausen/Saar um
ihre Forschungen über die Entstehung des Islams zu koordinieren.

Aus der seit der Jahrhundertwende bestehenden „Saarbrücker Schule“ der Koranforschung ist im Jahre 2007 die
Forschergruppe „Inarah“ im Umfeld der Universität des Saarlandes entstanden, die seitdem alle zwei Jahre ein
internationales Symposium an der Europaakademie Otzenhausen zur frühen Islamgeschichte und zur Entstehung
des Korans durchführt. Ziel der Vereinigung ist es, Forschungen zur frühen Islamgeschichte und zur literarischen
Eigenart und Theologie des Koran auf der Basis historisch-kritischer und philologisch über die Arabistik hinaus
vertiefter philologischer Forschungen zu fördern. Initiatoren dieser Forschergruppe, die ausdrücklich keine
politischen oder missionarischen Ziele verfolgt, sind die Professoren Karl-Heinz Ohlig, Gerd R. Puin, Markus Groß
und der pseudonyme Christoph Luxenberg, der im Jahre 2000 durch sein Werk die „Syro aramäische Lesart des
Koran“ die Saarbrücker Schule begründet hatte.

Zum fünften Treffen kamen nun etwa 70 Islamwissenschaftler von beiderseits des Atlantiks nach
Otzenhausen/Saar zu einem Symposium unter dem Thema “Frühe Islamgeschichte und der Koran“. Der
Forscherkreis in Otzenhausen hatte sich im Verhältnis zum letzten Symposium vor vier Jahren erstaunlich
vermehrt und verjüngt. Zu verdanken war dies den zahlreichen neuen Impulsen die der neue Leiter der
Buch: Die dunklen Anfänge. Foto: B. Bost Forschungsstelle Religionswissenschaft der Universität des Saarlandes, Robert M. Kerr, seit zwei Jahren in
Saarbrücken auslösen konnte. Vor allem aus Frankreich, Polen und den USA war einige neue junge Forscher
angereist, die dem Koran und seinen Handschriften mit den Mitteln der modernsten Forschung und Technik zu Leibe rücken. So überraschte der Forscher
Daniel Brubaker aus Norfolk/USA mit einem Listenverzeichnis von Hunderten von frühen Koranmanuskripten, auf denen ganz offensichtlich das Wort Allah
(Gott) nachträglich hinzugefügt worden war. Sogar aus dem Libanon war der Forscher Hanna Skandar von der Universität Tripoli angereist, der sich auf
die Untersuchung der Übereistimmungen des Korans mit den Schriften der christlichen Wüstenväter spezialisiert hat.

Felsendom von Jerusalem und seine Bedeutung für die Entstehung des Islams

Bei Inârah arbeiten nicht nur Kenner der arabischen Philologie mit, sondern
darüber hinaus auch Professoren der Semistik und Indogermanistik sowie
Religionswissenschaftler, Theologen, Epigraphiker, Numismatiker,
Rechtshistoriker und Hispanisten. Erstmals war in diesem Jahr eine Gruppe
von in Deutschland lebenden iranischen Medizinern um M. Bamdadan in
Otzenhausen dabei, die die großen Differenzen zwischen dem Koran und der
Biographie des Propheten Mohammed unter die Lupe nahmen. Während der
Koran zu 60% aus Anleihen an die Schriften der Bibel besteht und dazu noch
30 % von dem sprachlichen Befund her unverständliche Stellen enthält, hat
Markus Groß bei einem Vortrag von Inarah 2018 in Otzenhausen/Saar. Foto: B. Bost
die 200 Jahre später entstandene Mohammed Biographie (Sira) des Ibn
Ishak versucht, ein kohärentes Islambild zu entwerfen, das heute zum
dominierenden Islamverständnis geworden ist. Während im Koran die häufigsten erwähnten Personennamen Musa (Moses) und Isa (Jesus) sind, und sich
der Koran deshalb vor allem an Christen und Juden richtet, kommen diese in der 200 Jahre später verfassten Sira überhaupt nicht mehr vor.

Inarah hat sich vorgenommen vor allem diese für das Verständnis des heutigen Islam wichtige Sinnwanderung zu erforschen und zu erklären. Eine
wichtige Rolle spielt dabei die Neuinterpretation der Inschriften im Jerusalemer Felsendom, dem ältesten islamischen Gebäude, der vor der Abfassung der
Sira entstanden ist. Während der Koran und die Inschriften im Felsendom sich in erster Linie an Christen und Monotheisten richtet, richtet sich die Sira nur
noch an die Jahiliyya (Heiden). Christoph Luxenberg konnte nachweisen, dass der Name Mohammed (arab. der Gelobte) aus der Inschrift im Felsendom
nicht der Name des Propheten ist, sondern auf Isa (Jesus) abzielt. Immer wieder wurde während den vier Tagen in Otzenhausen auch die Frage nach den
modernen Tendenzen im Islam gestellt. Viele vorwiegend junge Muslime, die sich als Salafisten bezeichnen, wollen mit Hilfe des Internet zurück zu den
Wurzeln des Islam, aber sie wissen gar nicht mehr wissen, was diese Wurzeln sind. Von daher werden Forschergruppen wie die um Inarah, die diese
Wurzeln wissenschaftlich erforschen, auch immer wichtiger für Muslime selbst um ihre eigene Religion besser zu verstehen. Aus diesem Grunde wird
Inarah neben Deutsch, Englisch und Französisch ab diesem Jahr auch eine arabischsprachige Homepage anbieten und viele seiner bisherigen acht
Buchbände ins Arabische übersetzen.

Von Bodo Bost

Herr Bost ist Journalist und Korrespondent der Israel-Nachrichten. Er lebt in Luxemburg.

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