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Protokoll der Sozialkundestunde vom 5.

Oktober 2010 der Q12


Anlass: Sozialkundestunde
Datum: 5. Oktober 2010
Zeit: 14:10 Uhr bis 14:55
Ort: Herder-Gymnasium Forchheim, B203
Anwesend: Frau OStRin Dr. Raabe und Schüler
Protokollführer: Moritz Diethelm
Thema der Stunde: Die Entwicklung der Europäischen Union- Vertiefung und Erweiteru
ng
Tagesordnung: TOP I: Begrüßung und Rekapitulation
TOP II: Verbesserung der Hausaufgabe
TOP III: Erweiterung und Vertiefung der Europäischen Union
TOP IV: Stellund der Hausaufgabe
Nach einer knappen Begrüßung rekapituliert OStRin Dr. Raabe im Zwiegespräch mit der Sc
hülerin Johanna Greiner die Inhalte der vorherigen Stunde zum Thema „ Von der Europäis
chen Idee zur Europäischen Union“. Die Damen stellen fest, dass vor dem Aufkommen de
r Europäischen Idee lange der nationale Mythos die Identität der Europäer geprägt haben.
Im Anschluss sprechen sie den Mythos der griechischen Sagenfigur Europa, welche
von Zeus, der sie in Stiergestalt entführt, nach Kreta, der Wiege abendländischer H
ochkulturen, gebracht wird als Namensgeber für den europäischen Kulturkreis. Dann er
läutern sie im Dialog europäische Gemeinsamkeiten, wie die gemeinsame von gewaltsame
n Auseinandersetzungen wie dem 30-jährigen Krieg, dem 100-jährigen Krieg zwischen de
n Großmächten Frankreich und England, den zahlreichen deutsch-französischen Kriegen od
er dem spanischen Erbfolgekrieg geprägten Geschichte, der gemeinsamen vom Ideen de
s Christentums und der antiken römischen, griechischen und später auch aufklärerischen
Philosophie geprägten Wertvorstellungen und Ideale oder der vom römischen Recht ge
prägten Rechtsauffassung. Im Anschluß daran wird bemerkt, dass die Katastrophe des Z
weiten Weltkriegs eine Zäsur in der Diskussion in der Diskussion um europäische Eini
gkeit markiert, zu einem breiten Konsens über diesen führt und dass nach dem Zweiten
Weltkrieg erstmals realpolitische Maßnahmen ergriffen wurden, um Europa mit dem Z
ielen von Stabilität, Friede, Freiheit und folglich auch Wohlstand zu einigen. Dar
aufhin diskutieren sie zusammen die Ideengeschichte europäischer Einigung der Vor
- und Nachkriegszeit. Als da wären: Die von den Koalitionskriegen nach der Französis
chen Revolution beeinflussten Gedankengänge des deutschen Aufklärers Kants in „Zum ewi
gen Frieden“ von 1795, in der einen Friedensbund stabiler, demokratischer Republik
en als weg einem solchen proklamiert. Um 1870 äußerte der französische Schriftsteller
Victor Hugo die Idee von „Vereinigten Staaten von Europa“, nach dem Ersten Weltkrie
g bemühte sich die österreichische Kleinpartei „Pan-Europa-Union“ vergeblich um den Zusa
mmenschluss europäischer Staaten, um weiterer Kriege zwischen diesen vorzubeugen.
Ebenso wie der Nobel-Laureatus Aristie Briand, der bereits 1929 als Außenminister
Frankreichs expressis verbis die Bildung einer „Europäischen Union“ postulierte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg taten sich verschiedene hochrangige Politiker durch i
hre Bemühungen, um die Einigung Europas hervor, die 1951 schließlich in der Gründung d
er Montanunion mündeten. So beispielsweise Winston Churchill, der unter der Impres
sionen der Kriegsschrecken und des Nachkriegseuropas die Idee eines geeinten Ko
ntinents unter der Leitung der ehemaligen Erzfeinde Frankreich als politischem u
nd Deutschland wirtschaftlichem „Motor“, entwickelte und in seiner berühmter Züricher Re
de von 1946 proklamierte.
Ab 1950 nimmt Churchills Vision vor dem Hintergrund der Wiederaufrüstung und dem S
ouveränitätsgewinn Deutschlands Gestalt an; Robert Schuhman, damals französischer Außenm
inister, stimmt der Wiederaufrüstung Deutschlands unter der Bedingung der gemeinsa
men Kontrolle der kriegswichtigen Kohle- und Stahlindustrie zu. 1951 unterstelle
n Deutschland, Italien, Frankreich und die BeNeLux-Staaten ihre Schwerindustrie
der Aufsicht einer gmeinsamen „hohen Behörde“, welche als EGKS 1952 zur Zollunion für P
rodukte dieser Industrie wird.
Schon 1957 findet mit den Römischen Verträgen die erste Vertiefung der Union und z
ur EKGS kommen die Bündnisse EWG, die europäische Wirtschaftsgemeinschaft und der E
URATOM, eine europäische Kernenergieaufsichtsbehörde.
Alle drei Organisationen werden im Fusionsvertrag von 1967 in die EG, die Europäis
che Gemeinschaft überführt, gemeinsame Organe und eine Zollunion für Waren-, Personen-
, Kapital- und Dienstleistungsverkehr wird geschaffen. Hiermit schließt die Lehrer
in die Rekapitulation und wendet sich der Besprechung der Hausaufgabe zu.
Zu TOP II: Im Unterrichtsgespräch wird die Hausaufgabe korrigiert, welche darin be
stand, die Vertiefung und Erweiterung der Europäischen Union anhand der entspreche
nden Verträge nachzuzeichnen. Die Schüler kommen zu dem Ergebnis, dass 1973 mit der
Norderweiterung, dem Beitritt der Staaten Großbritannien, Irland und Dänemark eine
Expansion geschah, gefolgt von der Einführung des ECU, eines gemeinsamen, den Bin
nenhandel unterstützenden europäischen Buchgeldes 1979, welche ebenso eine Vertiefu
ng darstellt wie die erste Direktwahl zum Europäischen Parlament im selben Jahr.
In den frühen 80ern hält die Klasse die Süderweiterungen, also den Beitritt Griechenla
nds 1981 und den der Staaten Portugal und Spanien fünf Jahre später für bedeutende Erw
eiterungen der Union. Der Einheitliche Europa Akte, einem umfassenden Änderungsver
trag der Römischen Verträge aus dem Jahre 1987 unterstellen Lehrkraft und Schüler die
Qualitäten einer Vertiefung, da dieser zu einer Stärkung des Parlaments und zu einem
Ausweitung gemeinsamer Aufgaben, etwa auf Gesundheit und Technologie führt.
Der Maastricher Vertrag aus dem Jahre 1993 sei zwar ein Minimalkonsens der Mitgl
iedsstaten, aber trotzdem eine Vertiefung der Union, da er die Säulenstruktur der
Union, aus einer supranationalen Säule, der ehemaligen EGKS, EAG und EG, der Säule d
er gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik und der Säule der gemeinsamen Justiz un
d des Inneren zusammenfasst, den ECU vom Buchgeld zur Realwährung erhebt und einen
Demokratisierungsschub einleitet. Die Lehrerin erläutert, dass erhoffte Vertiefun
g noch nicht eingetreten sei.
Die Klasse stellt fest, dass mit einer dritten Erweiterung die Staaten Österreich,
Finnland und Schweden beitreten, welche zwei weitere Vertiefungen, nämlich 1995 d
as Schengen-Abkommen, das gemeinsame Grenzpolitik festlegt und 1998 die Gründung e
iner Europäischen Zentralbank (EZB) nach sich zieht.
Die Klasse sieht ab 1995 ebenfalls einen starken Beitrittsdruck der nach dem Zer
fall der Sowjet-Union entstanden Ostblock-Staaten.
Zuletzt hält die Klasse fest, dass der Vertrag von Amsterdam, ein Stabilitäts- und W
achstumspakt 1999, der die Vertiefung der gemeinsamen polizeilichen Zusammenarbe
it im Rahmen von Europol, die Erweiterung der GASP und eine gemeinsame Verteidig
ungspolitik vorsieht, zwar eine Erweiterung in diesem Sinne, jedoch bisher kaum
umgesetzt sei und daher tendenziell zu Desintegration führe.
Zu TOP III: Mit der Stellung der Hausaufgabe, die Bearbeitung der Aufgabe 1 auf
der Seite 15 im Sozialkundebuch und einer Verabschiedung schließt die Lehrerin die
Stunde.

Forchheim, der 12. Oktober 2010


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