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So sah die Mannhardt-Uhr in der Uhrenstube des nördlichen Turmes der Frauenkirche aus, als sie dem Deutschen

Museum übereignet wurde. Das Riefler-


pendel war an der dem Betrachter abgewandten Seite angebracht, ebenso wie der noch vorhandene elektrische Aufzug. Im Endzustand besaß die Uhr
weder ein freies noch ein von dem Werkgestell getrenntes Pendel. Man sieht die drei Aufzugwalzen für Gehwerk, Viertel- und Stundenschlagwerk und
die Hammerzüge für die Glocken, die durch die Decke geführt sind. Wie im Modell liegen die Achsen der Windflügel waagrecht und werden mit Wurm-
schrauben angetrieben (Foto: Deutsches Museum)

ZUR GESCHICHTE DER TURMUHREN


IN DER FRAUENKIRCHE IN MÜNCHEN Text: Richard Knerr

Einleitung und Dank Museum e.V. und der Firma Andreas die ganze Geschichte der Turmuhren in
Im Herbst 2006 war ein lange geplantes Huber in München vom Turm geschafft der Metropolitankirche Zu Unserer
Unternehmen endlich Wirklichkeit und der Restaurierung zugeführt, um Lieben Frau etwas genauer unter die
geworden: Die schon 1969 außer möglichst noch im Jahr der 850-Jahrfei- Lupe zu nehmen. Hier ist nun das
Betrieb gegangene Turmuhr der Frau- er Münchens im Deutschen Museum Ergebnis. Es ist in einigen Punkten noch
enkirche, die dem Deutschen Museum ausgestellt zu werden. Aus diesem vorläufig, weil manche der Recherchen
übereignet worden war, wurde mit Anlass reifte der Plan, nicht nur diese bisher nicht zu erfolgreich waren. Ein
finanzieller Unterstützung des Freun- ursprünglich von Johann Mannhardt späterer Artikel wird die unklaren
des- und Förderkreises Deutsches gebaute Uhr zu beschreiben, sondern Punkte hoffentlich etwas erhellen.

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Zur Geschichte der Turmuhren in der Frauenkirche in München

Recherchen wie diese sind auf Hil-


fe aller Art angewiesen. Hier sind fol-
gende Archive zu nennen: das Bayeri-
sche Hauptstaatsarchiv, das Archiv
des Erzbischöflichen Ordinariats von
München und Freising (Dr. Christian
Schlafner), das Archiv des Deutschen
Museums (Dr. Wilhelm Füßl und
Frau Mayring), das Archiv der Indus-
trie- und Handelskammer in Mün-
chen und das Stadtarchiv München
(Anton Löffelmeier M.A.). Ebenso
danke ich den Firmen Hörz in Ulm
(Herrn Renner) und Rauscher in
Regensburg (Herrn Rauscher), dem
Turmuhrenmuseum in Mindelheim
(Herrn Vogt), dem Heimatmuseum
Tegernsee (Herrn Müller) für die In der Weltchronik Schedels aus dem Jahr 1492 findet sich die wohl erste Abbildung der Stadt
Überlassung von sonst nicht erreich- München. Natürlich ist darauf auch die Frauenkirche zu sehen, deren Grundstein ja schon 1468
baren Unterlagen und der Pfarrei der gelegt worden ist. Die Kirche besitzt bereits beide Türme. Auch Zifferblätter der Turmuhr sind zu
Münchner Frauenkirche mit ihrem sehen. Lediglich die heute so typischen „welschen Hauben“ der Türme sind noch nicht vorhanden.
Mesner, Herrn Bruckner, für wert-
volle Tipps und den Zugang zu den
Türmen. Aufzeichnungen geht hervor, dass in 1.2. Der Bau der Frauenkirche 1468
Besonderen Dank schulde ich München bereits 1371 auf dem Turm und die Installation der ersten Uhr in
Herrn Dr. Hartmut Petzold vom der Peterskirche eine „hôrglocken“ ihren Türmen
Deutschen Museum und seinem Mit- installiert worden ist. Man bezahlte Der Grundstein für den Bau der Frau-
arbeiter Thomas Rebényi, die mir damals „8 Pfund Pfennige“ an den enkirche wurde im Jahr 1468 gelegt.
ständig zur Seite standen, mir Ein- „Nürnbergio von der hôrglocken“ Schon zwanzig Jahre später, im Jahr
sicht in die Restaurationsberichte der und „2 Gulden“ an „Walther den 1488, war die Kirche mit Ausnahme der
Mannhardt-Uhr gewährten und in smid“. Es handelte sich dabei höchst- Turmspitzen fertig. Bereits 1486 spricht
vielen Gesprächen halfen, die Dinge wahrscheinlich lediglich um ein Werk, eine Kammerrechnung „von der ur ze
richtig einzuschätzen, sowie den Her- das die Stunden auf einer Glocke Unser Lieben Frawen ze richten“.
ren Bauer und Zollner vom Baurefe- geschlagen hat. Bereits 1378 wird vom Schon da war wohl bereits eine Turm-
rat Hochbau München, die mir die Schmied Walther eine neue Uhr gelie- uhr vorhanden, wenngleich auch mögli-
Arbeitsbücher der Turmuhrenwar- fert, die diesmal 25 Pfund Regensbur- cherweise noch nicht voll betriebsbe-
tung zur Verfügung gestellt haben. ger Pfennige kostet. Dies alles, reit. Denn schon zwei Jahre später,
obwohl erst 1381 der neue Mittelturm 1488, erhält der Uhrmeister 9 Pfund
von St. Peter begonnen und 1386 fer- und 3 Schillinge, „umb ain rad und aller-
1. Die Turmuhren der Frauen-
tiggestellt worden ist. lej annder stangen und waltzen in der
kirche vor Mannhardt
Bereits 1406 wird abermals eine ur zu Unser Frawen gemacht“ zu
1.1. Die erste öffentliche Uhr neue Uhr auf dem Petersturm aufge- haben. Bei den „Stangen“ könnte es
in München stellt, und 1436 erhält der städtische sich um eine Zeigerleitung vom Nord-
Die ergiebigsten Quellen der Frühzeit Uhrmeister Andre 16 Pfund 3 Schillin- turm zum Südturm gehandelt haben,
Münchens ganz allgemein sind die ge 10 Pfennige für zwei Zeiger an dieser denn in dem bekannten Holzschnitt mit
Kammerrechnungen der Stadtverwal- Uhr, die zum Rindermarkt und zum Tal der Stadtansicht von München aus der
tung. Sie sind zum einen im Münchner hin zu sehen sind. Spätestens hier ist Schedelschen Weltchronik (1493) sind
Stadtarchiv noch direkt zugänglich, also die Zeit der reinen Schlagwerksuh- die Frauentürme zwar ohne Hauben
zum anderen von Helmuth Stahleder ren vorbei, man verwendet den Uhrzei- und auch ohne Zeigerleitung darge-
für die Zeit von 1157 bis 1818 in ger und ein Zifferblatt. Allerdings stellt, wohl aber mit Zifferblättern auf
mühevoller Arbeit zusammengefasst bleibt die Zeitanzeige noch auf die beiden Türmen. Kaum anzunehmen,
und ausgewertet worden. Aus diesen Stunde beschränkt. weil viel zu ungenau und auch zu teuer,

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Zur Geschichte der Turmuhren in der Frauenkirche in München

wäre die Existenz von jeweils einer Dorfes entsprach. Die Kirche war Pres- Datum des Turmbaus, weil auch er
eigenen Uhr auf jedem Turm. Viel plau- tigeobjekt des Adels, des Klerus und bereits Hinweise auf eine schon früher
sibler ist die Vermutung, dass in dem der Bürgerschaft. Auch die Ausstattung vorhandene Turmuhr hatte.
besagten Holzschnitt die Zeigerleitung mit sechs Zifferblättern, von denen
weggelassen wurde, weil die Ansicht die die Zeit aus einer Höhe von etwa 1.3. Die Uhr von Laurentius Lichte
Türme schräg von der Seite zeigt und 60 Metern quasi nach allen Richtungen (Liechti) aus Winterthur
diese deshalb im Bild sehr eng zusam- hin „abgestrahlt“ worden ist, passt gut Mindestens ein Dutzend seriöse Quel-
menstehen. in diese Sicht der Dinge. len behaupten, dass Lorenz Liechti aus
Um die gewaltige Leistung zu würdi- Zurück zur Turmuhr: Mayer schreibt Winterthur im Jahr 1524 (manche sagen
gen, die in dem Riesenbau der Frauen- in seiner ausführlichen Domschilde- 1514) die Turmuhr der Frauenkirche
kirche steckt, muss man sich vergegen- rung vom Jahr 1868, dass es in der Nähe gefertigt habe. Grundlage dieser
wärtigen, dass München damals der Uhr ein Schild gegeben hat, auf Behauptung ist ein Satz von Anton
höchstens 20 000 Einwohner hatte und dem die Jahreszahl 1514 stand. Er hält Mayer, der – übrigens so ziemlich als
das Stadtgebiet dem eines heutigen allerdings diese Zahl eher für ein einziger – die Türme der Kirche mit

Die Beteiligten warten in der erwähnten Türöffnung im Turm auf die


Ankunft des Krans, der die Einzelteile von dort abholt. Im Vordergrund
sind die Seilwalzen zu erkennen, rechts oben der ursprüngliche Laufrad-
aufzug, der wie ein Hamsterrad funktioniert. Auf der dicken Holzwelle
oben war das Seil aufgewickelt, ein aus der Türöffnung herauszuschie-
bender Eisenträger (nicht sichtbar) trägt die Rolle mit der das Seil umge- Hier sieht man das Laufrad des Aufzugs im Nordturm noch einmal aus
lenkt wurde, um die Lasten nach oben zu bringen. An der vorderen Seil- einer anderes Perspektive. Im Laufrad konnten zwei bis drei Personen
rolle sind die Zahnräder des Planetengetriebes zu sehen, über die der nebeneinander arbeiten. Heute empfiehlt sich das Betreten des Laufrades
elektrische Aufzug die Seilwalze drehte (Foto: Deutsches Museum) wegen der durch Tauben eingeschleppten Milben nicht mehr (Foto: Autor)

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ihrem Inventar einschließlich der Turm- Chronik weisen weder im Jahr 1524 blatt zu tun. Im März 1583 endlich wird
uhr beschreibt. Er schildert in seinem noch im engeren Umkreis dieses Jahres die Turmuhr der Frauenkirche völlig
Buch von 1868 voller Begeisterung die einen Betrag aus, der einer hohen Aus- umgebaut. Der Uhrmacher Hanns
Mannhardtsche Uhr und erwähnt auch gabe für eine Turmuhr entsprochen hät- Lentner fertigt neue Räder, es ist von
eine Tafel, die an der alten Uhr befestigt te. Auch der Name Lichte oder Lauren- Schlagwerksreparaturen die Rede, von
war. Diese alte Uhr wurde dem Stadt- tius (Lorenz) erscheint nicht, was sehr einem „Viertlzaiger“ und von Übertra-
uhrmacher Johann Mannhardt im Jahr befremdlich ist, weil schon geringe Aus- gungen durch das Mauerwerk hindurch.
1842 gegen 233 Gulden zum Alteisen- gaben für die Uhren sowohl auf St. Offenbar hat Lentner eine neue Zeiger-
preis überlassen. Er hat sie abgebaut Peter als auch auf der Frauenkirche leitung angefertigt und die Uhr auf
und aus dem Turm entfernt. Leider gibt penibel aufgeführt sind. Höhere Beträ- Viertelstundenanzeige umgebaut. Er
es keinen Hinweis über ihren Verbleib; ge, die man an einen nicht in München kassiert den erstaunlich hohen Betrag
lediglich die Inschrift auf der an dieser ansässigen Uhrmacher gezahlt hätte, von 593 Gulden für seine Arbeit. Ein
Uhr vorhandenen Tafel zitiert Mayer wären sicher ganz genau abgerechnet Kupferstich von Bartholomäus Kilian
wie folgt: „Lorenz Lichte Uhrmacher- worden. „um 1660“, der eine Andacht vor der
geselle aus Winterthur hat diese Uhr Bassermann-Jordan bezieht diese Mariensäule mit der Frauenkirche im
gemacht, 1524.“ Die etwas frühere von Mayer beschriebene Tafel sogar auf Hintergrund darstellt, zeigt allerdings
Dombeschreibung von Joachim Sig- die „kunstreiche Uhr“ im Kircheninne- den Uhrzeiger als gerade Linie von
hart, 1853, nimmt allerdings auf diese ren, die von Peter Frieß zur 500-Jahr- einem Zifferblattrand zum anderen.
Tafel keinen Bezug, sondern schreibt Feier der Kirchenweihe restauriert wor- Stellt der Künstler wirklich eine einzei-
von einer Uhr aus dem Jahr 1514, wobei den ist. Frieß kommt ebenfalls zu dem gerige Uhr dar oder bilden Stunden-
unklar bleibt, ob damit die Sonnenuhr Schluss, dass es sich bei dieser Zuschrei- und Minutenzeiger zufällig eine Gera-
gemeint ist oder gar die „kunstreiche bung um ein Versehen oder eine Ver- de? Man ist versucht, eher der Kam-
Uhr“ im Kircheninneren. wechslung handeln müsse, und meint zu mer-Rechnung zu vertrauen, weil auch
Alle Interpretationen von Acker- Recht, Mayer könne sich nur auf die das Anbringen eines Viertelzeigers
mann über Bassermann-Jordan und Turmuhr beziehen. Auch dieses hält gegen Ende des 16. Jahrhunderts
Klaus Maurice bis hin zu Zinner bezie- jedoch genaueren Recherchen wohl bereits recht üblich war.
hen sich auf eine dieser beiden Jahres- nicht stand. Die Forschungen in diese Das Stadtmodell von Jakob Sandt-
zahlen und zitieren, wenn überhaupt, Richtung sind aber noch nicht abge- ner zeigt sogar schon 1572 die Frauen-
immer dieselbe Quelle: Anton Mayer. schlossen und werden fortgesetzt. kirche mit Zifferblättern und jeweils
Es gibt aber noch einen früheren Hin- zwei Zeigern. Da dieses Modell aber
weis: Im Kunst- und Gewerbeblatt von 1.4. Synchronisierung mit der Turmuhr mehrmals bearbeitet und ergänzt wor-
1842 wird auf Seite 556 das auch von von St. Peter den ist, muss diese Information mit
Mayer übernommene Gutachten des Bereits am 1. Februar 1492, also noch einem Fragezeichen versehen werden.
Polytechnischen Vereins über die vor der Gesamtweihe der Frauenkirche,
„Neue Thurmuhr für die Metropolitan- werden an den Uhrmeister 4 Schillinge 1.6. Der Umbau auf Pendelbetrieb
kirche zu U. L. Frau in München“ abge- gezahlt, „umb das er die ur zu Unnser 1724
druckt (siehe Abschnitt 2). Dort findet Frawen auf die Tegernseerin (die große Bis 1656, also 73 Jahre lang, tauchen
sich am Schluss des Artikels eine „Anm. Glocke auf dem Petersturm) geaichet, keine größeren Rechnungen für Repa-
d. Red.: Die vorige alte Thurmuhr in der etlich eysen dartzu geben hat“. Die raturen an der Uhr auf. Jetzt aber ist
Metropolitankirche war construirt und Autorität der ersten Stadtglocke ist also das Gangwerk „ganz zerbrochen und
verfertigt worden von einem Uhr- groß genug, um sogar die Uhr des neu- weder im Gang noch im Schlagen zu
machergesellen Namens „Lichte“ in en Prestigebaus nach ihr zu richten. gebrauchen“. Die Uhr wurde daher
Winterthur im Jahr 1524“. Hat diesen laut Kammer-Rechnung vom Turm
Hinweis Mannhardt selbst gegeben? 1.5. Wann kommt der Minutenzeiger? herabgenommen und für 160 Gulden
Immerhin spricht er in seinem Artikel Die nächste Aufzeichnung findet sich überholt. Schon 1662 erscheint bei
über die „Mißstände an den älteren und im Januar 1518. Jetzt wird „ein Zeiger Stahleder wieder eine Rechnung über
neueren Uhren“ im Kunst- und Gewer- gegen das Neuhauser Tor zu“ von Jan denselben Betrag für dieselbe Repara-
beblatt 1852 von der Verwendung der Polegk vergoldet. Zusammen mit weite- tur. Die beiden Eintragungen müssen
über 300 Jahre alten Zeigerleitungen in ren Malerarbeiten erhält er dafür 32 deshalb nochmals genauer inspiziert
seiner 1842 installierten neuen Uhr. Gulden 5 Schillinge und 5 Pfennige. Wir werden. Obwohl die Details noch nicht
Die Kammer-Rechnungen als haben es also zwar mit einer Zeigeruhr, endgültig geklärt sind, kann man
Hauptgrundlage der Stahlederschen aber noch mit einem Zeiger pro Ziffer- sagen, dass etwa um 1660 die Turmuhr

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Zur Geschichte der Turmuhren in der Frauenkirche in München

der Frauenkirche aus dem Turm ent- 2. Die erste Mannhardt-Uhr


fernt wurde, um in einer Werkstatt 1842 in der Frauenkirche
überholt zu werden.
Wieder fast 70 Jahre später, in den Die Biographie Johann Baptist Mann-
Jahren 1723 und 1724, werden 294 plus hardts (1898–1878) ist bei Walter
516 plus 35 Gulden für die Turmuhr der Ackermann ausführlich dargestellt.
Frauenkirche ausgegeben. Empfänger Auch seine Bedeutung für die Technik-
ist der Großuhrmacher Michael Mayer geschichte Münchens und die Industria-
(Mayr), der nicht nur die Zifferblätter lisierung Bayerns im 19. Jahrhundert
auf der Frontseite der Kirche neu gefer- findet man dort in ausgezeichneter Dar-
tigt, sondern auch die ganze Uhr über- stellung. Ich beschränke mich deshalb
holt und auf Pendelbetrieb umgestellt hier auf eine kurze Zusammenfassung:
hat, um eine höhere Ganggenauigkeit
zu erreichen. Bisher war das Uhrwerk LEBENSLAUF JOHANN MANNHARDTS:
1798: geboren in Bürstling bei Gmund
wohl mit einer damals bereits altmodi- 1813: Uhrmacherlehre bei Jakob Deisen-
schen Waagunruh versehen. Außerdem rieder, acht Jahre, aber ohne Lehrgeld
hat er (für die 35 Gulden) eine „klaine 1821: Werkführer in der Schlosserei und
Großuhrmacherei Fritz in Miesbach,
Perpendicul-Uhr“ für die Uhrkammer Fertigung der „Uhr in Egern“ mit
geliefert, die Stunden und Minuten Mannhardt-Hemmung
anzeigen konnte. Diese sicher interes- 1827: Mannhardt wird auf Empfehlung des
Polytechnischen Vereins in München
sante Uhr ist leider verloren gegangen.
ansässig
Sie diente aber, wie Mayr selber 1832: Erster Bau einer Mannhardt-Uhr in
schreibt, dazu, dass der Uhrwärter die München
Im Anhang zum Buch von Rösling („Der Thurm- Turmuhr auch dann richtig stellen 1842: Einbau der neuen Uhr im Nordturm
der Frauenkirche. Mannhardt führt
uhrenbau“) ist auch ein Holzschnitt der Frauen- konnte, wenn das Wetter oder die Jah- den Titel „Stadtuhrmacher“
turmuhr von Mannhardt (1842) zu sehen. Man reszeit das Ablesen einer Sonnenuhr 1852: Mannhardt hat bisher über 200
beachte die Lücke im Boden, durch die das unmöglich machte. Turmuhren neu gebaut und mehr
als 50 umgearbeitet
Langpendel hindurchgeht, und die Anordnung
1854: Große Denkmünze (Glaspalast)
des Pendels auf einer Fensternische (Abbildung 1.7. Geschichte der Reparaturen 1862: Privilegium für neue „Thurmuhr
aus dem Buch, Scan Deutsches Museum) bis 1842 ohne Steigrad und Anker“ mit
freischwingendem Pendel
Die Stadtkammer-Rechnungen weisen
1864: Verkauf der Turmuhrenfabrik.
nun in Abständen immer wieder Rech- Mannhardt ist weiterhin dort tätig
nungen für die Erneuerung der Ziffer- 1868: Umbau der Frauenkirchenuhr auf
blätter und Zeiger oder die Reparatur Freischwingendes Pendel
1878: Mannhardt stirbt am 15. August
des Uhrwerks auf. So werden bereits
1692 die Zifferblätter renoviert Im Jahr 1841 war der Münchner
(Kosten: 200 Gulden), und während Stadtrat endlich bereit, eine neue
des Umbaus auf Pendelbetrieb (1724, Turmuhr für den Liebfrauendom
s. o.) streicht der Maler Lorenz Hueber anfertigen zu lassen und den Stadtuhr-
die Zifferblätter für 60 Gulden mit macher Mannhardt damit zu beauftra-
Ölfarbe. 1750 müssen 150 Gulden für gen. Mannhardt fertigte eine besonde-
eine Reparatur des Werkes ausgege- re Konstruktion an, die für den
ben werden, und 1777 werden sowohl schwierigen Betrieb in einem weitge-
Hier sieht man gut die beiden Wellen, die die die „sieben (?) Zeiger an den beiden hend offenen Turm in etwa 60 Meter
Pendelanordnung mit dem Gehwerk verbinden. Uhren (?)“ der Kirche für 52 Gulden Höhe robust genug sein sollte. Diese
Die untere Welle treibt das Federremontoir an, neu vergoldet als auch das Werk für Uhr wurde von ihm am 1. Oktober
das jede Minute aufgezogen wird, die obere 100 Gulden repariert. Schließlich fällt 1842 in Gang gesetzt. Ein Gutachten
Welle überträgt die Bewegung des Steigrades 1810 wieder eine große Reparatur der des Polytechnischen Vereins, von Con-
auf das Gehwerk. Die Schenkel des Ankers Turmuhr an. Ihre Kosten betragen 567 servator Dr.Steinheil und den Profes-
umgreifen das Stiftenrad im Durchmesser und Gulden 12 Kreuzer. Nun läuft das soren Desberger und Haindl erstellt,
das Pendel wird oberhalb der Aufhängeschnei- Werk wohl bis zum Ersetzen der Anla- lobt die Konstruktion über alle Maßen
de angetrieben (Abbildung siehe oben) ge durch Mannhardt. und beschreibt ihre Besonderheiten:

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Der Mannhardtsche Antrieb des Freien Pendels erfolgt in regelmäßigen Abständen (jede Minute oder jede halbe Minute) über ein Rad, das an einer
in der Mitte des Pendels angebrachten Schräge herabrollt (Uhr im Turmuhrenmuseum Mindelheim). Je nach der Frequenz des Antriebs hat das mit dem
Pendel schwingende Zählrad 30 oder 15 Zähne. Jede Vollschwingung des Pendels transportiert das Rad um einen Zahn weiter. Die Auslösung des
Pendelantriebes und die damit gekoppelte Bewegung der Zeiger erfolgt durch den im Bild bei 8 Uhr sichtbaren Stift (Fotos: Autor)

„... ist das eigens construirte Pendel Es handelte sich also um eine Turm-
getrennt von der Uhr und unmittelbar uhr mit Minuten-Remontoir mit einem
auf der Hauptmauer des Turmes selbst Pendel, das im Abstand von etwa
aufgestellt. Es erhält seine Triebkraft zwei Metern vom Werkgestell an einer
durch eine Feder, welche sich jede Fensternische des Turmes montiert war.
Minute beim Vorrücken des Zeigers Der Rahmen der Uhr trägt auch heute
durch das Laufwerk wieder spannt. noch das Entstehungsjahr 1842 und die
Viertel- und Stundenschlagwerk sind Signatur Mannhardts. Da Mannhardt
links und rechts vom Laufwerke ange- immer propagiert hat, Turmuhren nicht
bracht. ... Die Seilwalzen aller 3 Werke, freihändig zu bauen, sondern jedes
von Gußeisen, haben bedeutende Detail zu konstruieren, und er stets da-
Durchmesser, so dass verhältnismäßig rauf bedacht war, alles „fabrikmäßig“
sehr geringe Gewichte wirken, weil die herzustellen, wurden für die Form der
gegebene Fallhöhe erheblich ist. Die Zähne bei den Eingriffen Rollkurven
Uhr wird 136 Fuß (also etwa 45 Meter) verwendet und von eigens dafür gebau-
unter ihrer Aufstellungsebene aufge- ten Werkzeugmaschinen gefräst. Aller-
zogen. Hier ist die Vorrichtung getrof- dings kann man wohl noch nicht von
fen, dass erst dann der Schlüssel einge- einer modernen Zykloidenverzahnung
steckt werden kann, nachdem der sprechen. Dafür sind die Zähne doch zu Dieses Modell ist nicht ein maßstabsgetreues
Aufzieher einen Hebel hinunterge- stark eingeschlagen. Abbild der Originaluhr, sondern diente wohl
drückt hat, der bewirkt, dass während eher als Demonstrationsmodell für den Verkauf.
des Aufziehens das Laufwerk von Das Pendel ist hier nicht vom Werk getrennt,
3. Einbau des Freien Pendels
einem anderen Gewichte getrieben und der Antrieb entspricht dem normalen
durch Mannhardt 1868
wird ... Die Verzahnungen sind mit Mannhardtschen Stiftengang. Zu sehen ist aber
einer Genauigkeit ausgeführt, die man 1862 und 1864 erhielt Mannhardt Privi- auch hier das Langpendel, das als Faltpendel
bis jetzt vergeblich an unseren deut- legien für sein Freies Pendel, die Uhr gebaut war, um besser transportabel zu sein
schen Thurmuhren suchen wird ...“ „ohne Steigrad und Anker“. Er war ja (Foto: Autor)

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Zur Geschichte der Turmuhren in der Frauenkirche in München

Uhr, deren Pendel bei jeder Schwin- Mannhardt schob die gerügten
gung lediglich ein kleines Zählrad in Abweichungen zunächst auf die veral-
der Nähe der Aufhängung um einen tete Zeigerleitung der Theatineruhr,
Zahn weiterschaltet. Dies lässt sich mit reagierte aber schon recht gereizt auf
ganz wenig Energieverbrauch und die doch von Müller sehr moderat
minimaler Schmierung realisieren. Hat formulierte leise Kritik. Nun wird der
das Zählrad eine volle Umdrehung Ton von Müller schärfer und höhni-
gemacht (bzw. die Hälfte oder ein Drit- scher. Er zieht die Fortschrittlichkeit
tel davon), so löst es eine Sperre aus, des neuen Uhrwerks in Zweifel, was
und das Gehwerk treibt durch ein auf Mannhardt natürlich zutiefst verärgert.
einer Schräge herabrollendes Gewicht Er erwidert aber noch sachlich und bie-
das Pendel wieder an. Außerdem aber tet verschiedene Erklärungen für die
werden die Zeiger um eine Minute wei- Abweichungen und das Stehenbleiben
terbewegt und die Vorrichtung wieder an. Es folgen Erwiderungen und
in den Ausgangszustand versetzt (ein Gegenerwiderungen, wobei sich die
Reset durchgeführt). Vorwürfe immer mehr zuspitzen. Dabei
Man sieht die beiden Bolzen, an denen der Da 1868 die Frauenkirche „regoti- kommen aber auch Einzelheiten zur
Bock für die Pendelanordnung befestigt war. siert“ werden sollte, d. h. eine General- Sprache, welche für die Konstruktion
Unklar ist der Zweck der runden Ausfräsung renovierung anstand, wollte Mannhardt der Uhr von einiger Bedeutung sind. So
auf der linken Seite der Fensternische. die Turmuhr mit seiner neuesten Erfin- spricht Mannhardt davon, dass er infol-
(Foto: Autor) dung versehen. Der Magistrat geneh- ge des Umbaus von einem Stiftengang
migte sein Vorhaben, und Mannhardt auf freischwingendes Pendel „zwei
baute seine seit 26 Jahren recht rei- Werke anbringen musste, und zwar das
immer der Ansicht, dass das Hauptübel bungslos laufende Uhr um. Dabei obere für die Auslösung, das untere für
bei Turmuhren und bei Uhren über- behielt er das 1842 eingesetzte, 6 Meter den Pendelantrieb, welcher bei einer
haupt die Verwendung des Öls sein lange Pendel zunächst noch bei, das pro für ein freischwingendes Pendel neu
müsse. Durch das Steifwerden des Öls Minute 24 Halbschwingungen machte. ausgeführten (Uhr) nicht nötig ist.“
bei niedrigen Temperaturen und die Es stellte sich jedoch bald heraus, dass Nachdem der Streit immer mehr
Veränderung der Schmiereigenschaften beim freien Schwingen des Pendels die eskaliert und zusehends persönlicher
durch Schmutz und Abrieb, so meinte Uhr beträchtlich vorging. Mannhardt wird, gipfelt er schließlich in der
er, sei ein regelmäßiger Gang nicht fertigte deshalb ein neues Pendel an, Behauptung Müllers, Mannhardt habe
möglich. Mannhardts Ehrgeiz ging das um einige Zoll länger war als das ein 1858 gefertigtes Modell des Benefi-
jedoch dahin, aus seinen Turmuhren vorige. ciaten J. F. in E. gesehen und studiert.
„Normaluhren“ zu machen, die mit der Gemeint ist Joseph Feller, der sich
von der Sternwarte bezogenen Zeit 3.1. Der Zeitungsstreit zwischen Josef damals in Egertshausen aufhielt. Was
konkurrieren konnten. Das lag ganz im Müller und Johann Mannhardt Mannhardt an diesem Modell im Klei-
Trend: Die Eisenbahn war längst in Im Dezember 1868 wurde die Frauen- nen gesehen habe, wäre ihm Vorbild
Betrieb, und in Bayern wurde Stück für turmuhr mit dem neuen Freien Pendel für die Ausführung im Großen gewe-
Stück die Ortszeit abgeschafft. wieder in Gang gesetzt. Schon im Janu- sen. Mannhardt leugnet die Bekannt-
Das Freie Pendel wurde in München ar 1869 machte der Uhrenhändler Josef schaft mit Feller jedoch mit aller Ent-
ungefähr um 1860 von drei Mechani- Müller (der seinen Namen aber erst viel schiedenheit.
kern realisiert, nämlich dem späteren später voll nannte) in den Münchner Es ist jedoch eine Tatsache, dass der
Pfarrer Joseph Feller, dem aus Tirol ein- Neuesten Nachrichten öffentlich darauf minutenweise Antrieb eines Uhrpen-
gewanderten Universalmechaniker und aufmerksam, dass die Zeitanzeige der dels in München zu etwa der gleichen
Erfinder Christian Reithmann und Frauenkirche sich um 10 Minuten von Zeit von drei Mechanikern verwirklicht
eben Johann Mannhardt. Der Grund- der an den Türmen der Theatinerkirche worden ist: Johann Mannhardt, Christi-
gedanke war, dass ein Pendel, das unge- unterschied. Die Theatinerkirche besaß an Reithmann und Joseph Feller.
stört schwingen kann, seine Frequenz ebenfalls eine Uhr mit einem Freien Zudem ist die enge Zusammenarbeit
sehr viel genauer würde halten können Pendel von Mannhardt; Müller hatte von Christian Reithmann und Joseph
als eines, das bei jeder Schwingung oder sein Geschäft in der Dachauer Straße Feller belegbar. Feller hat zusammen
gar Halbschwingung einen Impuls und konnte von dort beide Uhren mit Christian Reithmann im Jahr 1863
erhält. Mannhardt baute deshalb eine sehen. das Anwesen Hofstatt 8 gekauft und

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seinem Miteigentümer ein Jahr später veröffentlichen konnte, die diese seiner turmuhr fiel bereits in die Zeit, in der er
seinen Anteil verkauft. 1862 haben die im Berliner Rathaus installierten Uhr nicht mehr alleiniger Herrscher über
beiden dem Polytechnischen Verein mit freischwingendem Pendel zollte. seine Fabrik war, ebenso wie der Bau
eine auf Freies Pendel umgebaute alte Müller wurde damit sowohl in die Rolle der Berliner Rathausuhr und viele
Turmuhr zur Begutachtung vorgelegt, des technischen Ignoranten gedrängt andere Projekte in aller Welt. Sechs
sind aber von Prof. Schafhäutl, der ein als auch dem Neidverdacht ausgesetzt, Jahre nach seinem Tod entschloss sich
entschiedener Befürworter Mann- was in dieser Form sicher nicht stimmt. der Münchner Magistrat, die Turmuhr
hardts war, recht deutlich zurückgewie- Er erwiderte noch einmal öffentlich im der Frauenkirche umbauen zu lassen. In
sen worden. Es ist kaum denkbar, dass Juni 1871, hatte aber keine neuen Argu- der Nummer vom 16.1.1884 berichten
Mannhardt von diesen und früheren mente mehr und wurde von Mannhardt die Münchner Neuesten Nachrichten
Bemühungen nichts gewusst haben soll. auch nicht mehr beachtet. nach einer vorhergehenden ungenauen
Wer von den dreien letztendlich die Notiz schließlich, dass die Firma
entscheidende Idee gehabt hat, ist wohl 3.2. Umbau der Mannhardt-Uhr 1884 Joh. Mannhardt’sche Turmuhrenfabrik
nicht mehr herauszufiltern. Schließlich Im Jahr 1878 verstarb Johann Mann- (damals in der Adelgundenstraße 1)
hat jeder der drei dieselbe Idee auf sei- hardt. Schon lange vorher, 1864, war „ein neues Auslösewerk eigener Kons-
ne Weise realisiert: Mannhardt durch seine Uhrenfabrik in andere Hände truktion mit ½ minutenweiser Auslö-
eine wahrhaft geniale Mechanik, Reith- übergegangen, obwohl er nach wie vor sung“ eingebaut habe, „welches vom
mann mit der zusätzlichen Neuigkeit als maßgeblicher Konstrukteur dort Uhrwerk (gemeint ist das Gehwerk)
des elektrischen Antriebs (seine Uhr ist tätig war. Auch der Umbau der Frauen- ganz unabhängig ist“.
im Deutschen Museum zu sehen), und
Feller, der wahrscheinlich der eigentli-
che Urheber war, mit einer ganzen Rei-
he von Neuentwicklungen im Turmuh-
renbau. Er war derjenige, der seine
Uhren durch nur ein einziges Gewicht
und eine einzige Seilwalze angetrieben
hat und trotzdem ein Werk gebaut hat,
das jede Minute dem Pendel einen
Antriebsimpuls verleiht und sowohl
Viertelstunden als auch Stunden
schlägt. Eine wohlerhaltene Uhr Fellers
war jahrelang im Turmuhrenmuseum
Mindelheim ausgestellt und ist heute im
Heimatmuseum von Reichling in der
Nähe von Landsberg zu sehen.
Die mechanische Ausführung
Mannhardts unterscheidet sich von den
beiden anderen vor allem dadurch, dass
der minutenweise Gewichtsantrieb des
Pendels beim Nulldurchgang erfolgt
und daher nach den Erkenntnissen der
Theorie nur einen minimalen Einfluss
auf das Gangverhalten der Uhr hat. Fel-
ler und Reithmann treiben bei ihren
Uhren das Pendel zwar ebenfalls minu-
tenweise, aber im Maximum der Aus- Auch heute werden die Zeiger der Uhren (drei an jedem Turm; hier im Nordturm) von einem
lenkung, also im Umkehrpunkt der gemeinsamen Motorzeigerwerk bewegt, das sich unterhalb der Uhren in der Mitte eines jeden Tur-
Schwingung an. mes befindet. Man sieht die Antriebswelle, die von unten kommt, und die drei Verteilerwellen, die
Der Streit zwischen Müller und zu den Zifferblättern führen. Der vierte, verwaiste Antriebsstummel war ursprünglich mit der Zei-
Mannhardt fand sein Ende, als Mann- gerleitung verbunden, die vom Nordturm durch die Luft zum Südturm führte und dort mit einem
hardt 1871 das überschwengliche Lob ähnlichen Verteiler die drei anderen Uhrzeigerpaare antrieb. Heute besitzt auch der Südturm ein
der gesamten Uhrmacherelite Berlins eigenes Motorzeigerwerk (Foto: Autor)

Klassik Uhren 2/2009 31


Zur Geschichte der Turmuhren in der Frauenkirche in München

Das alte Auslösewerk wurde („aus ersten Weltkrieg hinaus. Er entwickel- die Uhr mit dem alten Langpendel
Pietät gegen Meister Mannhardt“) der te eine elektrische Läutemaschine (für von sechs Meter Länge betrieben
Sammlung des Polytechnikums über- Kirchenglocken) und installierte die wurde, das allerdings nicht mehr minu-
geben, ist aber bis heute leider nicht erste dieser Art im Jahr 1913 in der tenweise, sondern seit 1884 halbminu-
aufgefunden worden und möglicher- neu erbauten Paulskirche. Die Kriegs- tenweise angetrieben wurde, oder ob
weise den Zerstörungen des 2.Welt- ereignisse und die nachfolgende Infla- bereits 1884 zusammen mit der halb-
krieges zum Opfer gefallen. Ein Brief tion setzten der Fabrik jedoch sehr zu. minütigen Auslösung auch ein kürze-
Oskar von Millers an Georg Hart- Im ersten Weltkrieg muste die Firma res Pendel installiert worden ist.
mann zeigt zwar, dass dem Deutschen Granaten herstellen und konnte sich Für das letztere spricht, dass man
Museum 1906 die alte Mannhardtsche erst ab 1918 wieder ihrer eigentlichen die alte Anordnung 1884 dem
Anordnung von der Technische Hoch- Kundschaft widmen. Hartmann nahm Polytechnischen Verein übergeben
schule München angeboten worden deshalb als Teilhaber einen Herrn hat. Wenn man das alte Langpendel
ist, Recherchen von Dr. Petzold legen namens Karl Binder. Dessen Verhal- 1884 an seinem Ort belassen hätte,
aber nahe, dass sie nie ins Deutsche ten jedoch führte im Verein mit der wäre wahrscheinlich nur der Auslöse-
Museum gekommen ist. wirtschaftlich schwierigen Lage in den mechanismus umgestellt worden. Die
Müller nutzte die damalige Nach- Jahren 1922 und 1923 schließlich dazu, Entfernung dieses letzten Pendels und
richt zu einem ebenso rechthaberi- dass Hartmann im Mai 1925 zur die Ausstattung der Uhr mit einem
schen wie überflüssigen Kommentar, Abwendung eines Konkurses unter Grahamschen Anker und Steigrad
der ihn eigentlich als objektiven Kriti- Geschäftsaufsicht gestellt wurde. dürfte jedenfalls zusammen mit dem
ker disqualifiziert. Auch diese Maßnahme konnte Einbau des Rieflerschen Sekunden-
aber die Zahlungsfähigkeit der Firma pendels erfolgt sein. Dafür spricht
3.3. Umbau der Mannhardt-Uhr 1927 nicht wieder herstellen, sodass sie auch die sehr nüchterne Ausführung
Um die weitere Geschichte der Turm- schließlich im Februar 1926 in Kon- der Halterungen und der Pendel-
uhr der Frauenkirche zu verstehen, kurs ging. Mit Genehmigung von Lagerung, die nicht mehr in die Zeit
muss man auch die Entwicklung Georg Hartmann übernahm zu die- um 1900 passen.
der „Königlich Bayrischen Hof- sem Zeitpunkt Max Wieland den Es gibt allerdings noch eine weitere
turmuhrenfabrik Johann Mannhardt“ Betrieb und leitete ihn unter der geän- Zeitungsmeldung aus dem Jahr 1924,
betrachten. Wie schon erwähnt, musste derten Bezeichnung „Johann Mann- ebenfalls in den Münchner Neuesten
Mannhardt 1864 seine Turmuhrenfa- hardtsche Thurmuhren-Fabrik“ bis Nachrichten, die besagt, dass am 3. Juli
brik verkaufen. Der neue Eigentümer 1928. In diesem Jahr wurde die Firma 1924 die Zifferblätter eingerüstet und
war Franz Göttner, über den wenig an die Turmuhrenfabrik Philipp Hörz „von Fa. Neher“ überholt und die Zei-
bekannt ist. Göttner starb schon 1874, in Ulm verkauft (Firmeninhaber: ger vergoldet werden. „Das Uhrwerk
also noch vor Mannhardt. Der Betrieb Eugen Hörz). selbst ist vollkommen in Ordnung.“
ging an Karl Haseidl über, der ihn im Eine Notiz in den „Münchner Neu- Es ist eher unwahrscheinlich, dass
Namen der Erben weiterführte. Nach esten Nachrichten“ vom 12. August die Mannhardtsche Turmuhrenfabrik
1878 wurde die Fabrik von Eduard 1927 lautet: „Die Turmuhr der Frauen- trotz ihrer Schwierigkeiten einen so
Hartmann übernommen, der 1880 in kirche wird zurzeit von der J. Mann- großen Auftrag durchgeführt hat. Ich
die Adelgundenstraße 1 (Rückgebäu- hardtschen Turmuhrenfabrik für elek- vermute deshalb, dass auch der
de) umzog. Das Eduard-Hartmann- troautomatischen Aufzug umgebaut Umbau von 1927 von der Firma Neher
Haus gibt es noch heute in der und mit Rieflerschem Nickelstahl- durchgeführt worden ist. Dies ist um
Adelgundenstraße. Im Rückgebäude Kompensations-Sekundenpendel aus- so wahrscheinlicher, als die Nehersche
(Neubau) ist natürlich längst keine gerüstet. Hiezu ist erforderlich, dass Fabrik für ihre Verwendung der Rief-
Turmuhrenfabrik mehr vorhanden. die Uhr auf etwa 14 Tage bis drei lerschen Pendel bekannt ist. Außer-
Spätestens 1906 war dann der Wochen stillgesetzt wird, und zwar dem waren neue Seilwalzen nötig, die
Betrieb – immer noch unter dem wird die Stillsetzung heute Freitag über ein Planetengetriebe von einem
Namen Mannhardts – in Händen von früh erfolgen. Während des Stillstan- Elektromotor gedreht werden konn-
Georg Hartmann, wohl dem Sohn des der Uhr bleiben die Zeiger auf 12 ten, um die Seile aufzuwickeln und
Eduard Hartmanns. Zu dieser Zeit Uhr gestellt.“ damit die Gewichte zu heben. Leider
war der Sitz der Fabrik bereits in der Falls diese Zeitungsmeldung richtig sind die Unterlagen zur Firma Neher
Metzstraße 14 im Münchner Osten. ist, wurde dieser Umbau unter der äußerst dürftig, um nicht zu sagen
Georg Hartmann war Ingenieur Leitung von Max Wieland durchge- nahezu nicht vorhanden, sodass dies
und führte den Betrieb über den führt. Es ist nicht ganz klar, ob bis 1927 vorläufig Spekulation bleiben muß.

32 Klassik Uhren 2/2009


Die Uhr wurde im Turm so weit wie möglich in ihre Bestandteile zerlegt. Die Einzelteile mussten Von unten sieht das ganze schon viel
etwa 15 Meter im Turminneren bis zu der Öffnung abgeseilt werden, durch die auch schon früher spektakulärer aus als von innen
Uhren und Baumaterialien auf die Höhe des Kirchendaches gebracht werden konnten. Hier wird (Foto: Deutsches Museum)
eine Seiltrommel nach unten gebracht (Foto: Deutsches Museum)

4. Der Neubetrieb der Turmuhr Wirtschaftsgruppe Feinmechanik und be, dass nur noch Turmuhren der Firma
nach 1945 Optik“ in Schwenningen an, um die Hörz verkauft werden durften. 1976
Leistungen der Deutschen Uhrenfabri- ging dann auch die Firma Neher an
4.1. Das Schicksal der Mannhardtschen ken allgemein einschätzen zu können. Hörz, und die Firma Mannhardt, die
Turmuhrenfabrik Es wurde auch untersucht, ob es in der seit 1984 in der Lerchenauer Straße 18
Die Firma Johann Mannhardt Turmuh- Metzstraße überhaupt noch eine ansässig war, wurde schließlich 1997 mit
ren hat nach der Übernahme durch „Turmuhrenfabrik“ gab. Dabei wurde dem Verkauf auch der Firma Hörz an
Hörz eine weitere wechselvolle festgestellt, dass sich die Firma Mann- die Elektrizitätswerke Bokelmann &
Geschichte erlebt. Hörz wurde 1934 in hardt mit der Anfertigung von Ölprü- Kuhlo GmbH in Herford liquidiert. Die
eine Kommanditgesellschaft umgewan- fern und elektrischen Stoppuhren Firma Hörz arbeitet allerdings auch
delt und stellte 1937 den Antrag, auch befasste, die Eintragung ins Handelsre- heute noch unter ihrem neuen Besitzer
die Mannhardtsche Turmuhrenfabrik gister „zweifelhaft“ sei und jedenfalls weiter in Ulm.
dieser Gesellschaft einzugliedern und auf die Bezeichnung „Turmuhrenfa-
auf den Kommanditisten Anton brik“ verzichtet werden müsse. Hohen- 4.2. Das Gehwerk im Südturm und ihr
Hohenbleicher zu überschreiben. Dies bleicher änderte daraufhin den Betrieb ohne Zeigerleitung
war der Anlass zu einer eingehenden ursprünglichen Namen der Firma Zurück zur Frauenkirchenturmuhr:
Prüfung der Firma in der Metzstraße Mannhardt in „J. Mannhardtsche Turm- Obwohl die Frauenkirche bei den Luft-
14, die unter der Leitung von Hermann uhren“ ab. Das Registergericht verzich- angriffen auf München schwer beschä-
Fischer (einem Angehörigen der Ulmer tete dann auf die Löschung der „alten digt worden ist und man sogar ihren
Turmuhrenfabrik Hörz) stand. Die und in Fachkreisen angesehenen Fir- Wiederaufbau in Zweifel gezogen hat,
Industrie- und Handelskammer in ma“ aus dem Handelsregister. Sie wur- waren die Türme bis auf die Dächer der
München forderte dabei auch ein Gut- de schließlich 1941 an die Firma Neher Hauben unversehrt und auch die Turm-
achten der „Fachuntergruppe Turmuh- in München verkauft, in deren Händen uhr hat den Krieg ohne größeren Scha-
ren der Fachgruppe Uhrenindustrie sie bis 1976 blieb, aber mit der Maßga- den überstanden. Lediglich die Zeiger-

Klassik Uhren 2/2009 33


Zur Geschichte der Turmuhren in der Frauenkirche in München

leitung war zerstört und wurde nicht 4.3. Das Ende des mechanischen sollten ausgetauscht und die Zifferblät-
wieder repariert. Stattdessen setzte Betriebes 1962 ter restauriert werden. Die neuen Zei-
man auch im Südturm ein Gehwerk ein, Im Januar 1962 schließlich wurde auch gerwerke wurden aber erst im März
das dort die Zeiger antrieb und das der Pendelgang der Mannhardtschen 1973 montiert. Eines der alten Zeiger-
selbst durch eine elektrische Auslösung Turmuhr im Nordturm abgestellt und werke kam ins Zählermuseum Mün-
vom Nordturm aus gesteuert wurde. das Werk auf elektrische Auslösung chen. Die Sammlung dieses Museums
Seit 1950 gibt es glücklicherweise die durch eine Hauptuhr (in der Sakristei wurde jedoch mittlerweile der Physika-
Wartungsprotokolle des Hochbauam- bzw. am Portal des Nordturmes) umge- lisch Technischen Bundesanstalt in
tes München, das für die öffentlichen baut. Die Ausführung dieses Umbaus Braunschweig überlassen.
Uhren in München zuständig ist. Damit oblag wiederum der Firma Neher. Der
ist das weitere Schicksal der Uhr Auslösemechanismus ist eine leicht 4.4. Die Umstellung auf Funkuhrenbe-
lückenlos dokumentiert. abgeänderte Ausführung einer Neben- trieb und Einführung der Sommerzeit
Im November 1953 wurde der Auf- uhr der Firma Wagner. Im November 1977 wurde dann die
zug beider Gehwerke auf Drehstrom Im Februar 1965 wurde das Geh- elektrische Hauptuhr (wahrscheinlich
umgestellt (vorher waren Gleichstrom- werk auf dem Südturm entfernt und der ein Fabrikat der Firma Wagner) durch
motoren für den Aufzug eingebaut). Firma Neher übergeben. Die Zeiger- eine Quarzhauptuhr Type ZU-QF 1 der
Das Gehwerk im Südturm wurde jetzt werke am Südturm wurden nun voll- Firma Hörz ersetzt, die eine eingebaute
jede Minute durch eine elektrische elektrisch betrieben, d.h. die Zeiger wer- Funkempfangskontrolle besitzt. Diese
Hauptuhr ausgelöst. Alle notwendigen den durch einen Elektromotor bewegt, wurde zunächst über eine Bürk-Logik,
Reparaturen wurden von der Firma der von der Hauptuhr gesteuert wird. sehr bald aber mit „Telebox“-Geräten
Neher durchgeführt. Die Mann- Auch diese Motorzeigerwerke (MZW) betrieben, die mehrmals ausgetauscht
hardtuhr auf dem Nordturm trieb nach müssen natürlich gewartet werden. werden mussten.
wie vor die Zeiger des Nordturmes und Im April 1969 wurde endlich die 1980 wurde die Sommerzeit einge-
das Schlagwerk an. Es folgten immer Gesamtanlage auf vollelektrischen führt. Dies machte zweimal im Jahr eine
wieder Reparaturen des Schlagwerkes Betrieb umgebaut. Nun stand die Umstellung der Uhren erforderlich, was
und auch des Gehwerkes im Nordturm. Mannhardtuhr zwar noch auf dem man bald automatisch vornehmen
Auch Zeiger und Zifferblätter wurden Nordturm, wurde aber nicht mehr wollte. Auch die Nachtabschaltung der
1956 generalüberholt. benutzt. Auch die alten Zeigerwerke Schlagwerke war bei fast allen Kirchen
automatisiert worden. Im März 1982
wurde die Anlage durch eine neue digi-
tale Hauptuhr DC-II-U der Firma Hörz
modernisiert. Seit dieser Zeit sind die
vorher immer wieder nötigen Korrektu-
ren der Zeitanzeige verschwunden; ihre
Protokollierung durch das Hochbauamt
wurde daher auch eingestellt.

4.5. Die neueste Entwicklung bis heute


1986 wurden in einer spektakulären
Aktion alle Zifferblätter und Zeiger an
den Türmen renoviert bzw. erneuert.
Auch 1991 waren wieder Zifferblattre-
paraturen nötig. Mehrmals wurden
auch die digitale Hauptuhr und die
Motorzeigerwerke repariert oder aus-
getauscht.
2001 war von Hörz eine Digitalanla-
ge neueren Typs (DC II–SU) eingebaut
worden. Noch immer stand die Mann-
In den Werkräumen der Firma Rauscher in Regensburg wurden die Einzelteile einer Kälte- hardtuhr an ihrem Platz im Nordturm,
behandlung mit festem Kohlendioxid unterzogen, das hier mit Druck aufgesprüht wird, um obwohl man sie schon 1982 dem Deut-
den Schmutz und das alte Öl zu verfestigen und zum Abplatzen zu bringen (Foto: Autor) schen Museum und 1986 dem Turmuh-

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renmuseum in Mindelheim angeboten den Kleinlaster der Firma Rauscher ver-
QUELLEN:
hatte. Es fehlte einfach das Geld, die laden. Nach wenigen Stunden war das • Ackermann, Walter: Der Turmuhrenbau
schwere Uhr vom Turm zu holen. Die ganze Spektakel vorbei. Johann Mannhardts im 19. Jahrhundert; in:
Alte Uhren und moderne Zeitmessung 1990,
Steuerung des Geläutes wurde seit Mai Heft 3 und 4 mit Quellenangaben, die sämt-
2003 von einer Apollo II Anlage der 5.2. Die Restaurierung lich auch von mir benutzt worden sind.
• Archiv des Deutschen Museums: VA 2116,
Firma Perner in Passau bewerkstelligt, Die Uhr sollte bei Rauscher in Regens- 2117, Gutachten des Polytechnischen
und im Jahr 2008 wurden Glockenläut- burg restauriert werden. Vorher musste Vereins, PTV 2.375–377, PTV 2.378,
Handschriften 03369, 03370
und Uhrenanlage zusammengefasst. das Werk genau untersucht werden, um • Archiv des Erzbischöflichen Ordinariats
festzulegen, was zu tun war. Die penible München und Freising: Akte Joseph Feller;
• Bayerisches Hauptstaatsarchiv: MH 14368,
Erfassung der Einzelteile wurde von MInn 38301, 54408
5. Die Übergabe der • Breiter, Otto: Das kirchliche München;
Cornelia Huttenlocher und Thomas
Mannhardt-Uhr an das München 1951
Rebényi vorgenommen und genau • Dohrn van Rossum, Gerhard: Die Geschichte
Deutsche Museum dokumentiert. Unter der Beratung von der Stunde; München 1992
• Frieß, Peter: Biblische Automaten in der
2006 konnte das Deutsche Museum Prof. Emmerling (TU München) einigte Münchner Frauenkirche; in: Ramisch, Hans
durch die Unterstützung des Freundes- man sich auf eine Restaurierung nach (Hg.): Monachium Sacrum Bd. 2; München
1994. Dort auch: Ernst von Bassermann
und Förderkreises Deutsches Museum dem letzten Stand der Wissenschaft: Ein Jordan: Die Uhr in der Frauenkirche zu
München – Schicksale einer mittelalterlichen
e.V. und der Firma Andreas Huber in Kälteverfahren wurde angewendet, das
Uhr (ursprünglich in Deutsche Uhrmacherzei-
München (seit 2002 in Händen des Farbreste weitgehend unversehrt lässt tung 1924)
• Habinger, Otto: Die Turmuhr der
Schweizer Familienunternehmens Jörg und nur Öl und Schmutz zum Abplatzen St. Laurentiuskirche in Egern am Tegernsee;
G. Bucherer) endlich die Mittel aufbrin- bringt. Ziel war die Konservierung des in: Alte Uhren 1981, Heft 1
• Hochbauamt München: Arbeitsbücher 1950
gen, um die Uhr vom Nordturm zu vorgefundenen Zustands von 1969. Eine bis 1995 (nicht veröffentlicht)
holen, restaurieren zu lassen und auszu- Rückrestaurierung auf die Mannhardt- • Huttenlocher, Cornelia: Befundberichte der
Mannhardtschen Turmuhr der Frauenkirche
stellen. Schon vorher wurde der dama- Uhr von 1868 kam nicht in Frage, ein- • Kellner, Hans: persönliche Mitteilungen
lige Zustand der Uhr in mehreren mal wegen der dann nötigen umfangrei- • Knerr, Richard: Christian Reithmann – das
vergessene Genie, in: Klassik Uhren 1999
Besuchen auf dem Turm genau festge- chen Neukonstruktionen, aber auch Nr. 5
halten. weil die Uhr gerade wegen ihrer • Mayer, Anton: Die Domkirche zu Unserer
Lieben Frau in München; München 1868
Umbauten Zeuge der technischen Ent- • Mayer, Anton: Der Begleiter durch und um
5.1. Der Abtransport aus dem Turm wicklung seither geworden ist. Eine Unser Lieben Frauen Dom- und Pfarrkirche
zu München; München 1875
Im September 2006 fuhr frühmorgens vollständig erhaltene Mannhardt-Uhr • Münchner Neueste Nachrichten 1867 Nr.
bei strahlendem Herbstwetter ein mit freiem Pendel befindet sich ja in der 83, 211; 1868 Nr. 249, 260, 283, 357;
1869 Nr. 12, 15, 21, 33, 36, 44, 59, 71,
hydraulischer Kran vor den Türmen der Zeitabteilung des Deutschen Museums, 78, 84, 87, 101, 115, 129, 136, 150, 164,
Frauenkirche in Stellung, der Platz wur- sodass der interessierte Besucher jeder- 171, 211; 1871 Nr. 154, 162; 1884 Nr.
12, 16, 41; Diese Artikel wurden mir in
de abgesperrt, und immer mehr Men- zeit einen Vergleich anstellen kann. Abschrift von Rudi Müller, Heimatmuseum
schen harrten der Dinge, die da kom- Tegernsee, zur Verfügung gestellt.
• Münchner Neueste Nachrichten 3.7.1924,
men sollten. Schon beim Morgengrauen 5.3. Die Aufstellung im Foyer des 12.8.1927, 20.4.1934, 31.5.1938;
waren die Techniker der Firma Rau- Bibliotheksgebäudes • Petzold, Hartmut: persönliche Mitteilungen
• Rauscher, Georg: persönliche Mitteilungen
scher aus Regensburg und die Mitarbei- Es handelt sich bei dieser Turmuhr von • Rebényi, Thomas: persönliche Mitteilungen
ter des Deutschen Museums in den Mannhardt immerhin um ein Objekt • Rosenberger, Ludwig: Die Frauenkirche;
München 1947
Turm gestiegen, die einen, um die Uhr von einigen Kubikmetern Rauminhalt, • Selig, Wolfram: Chronik der Stadt München,
zu zerlegen, die anderen, um dieses Tun sodass es einigermaßen schwierig ist, 1945–1948
• Sighart, Joachim: Die Frauenkirche zu
zu dokumentieren. Die Einzelteile der dafür einen geeigneten Ausstellungsort München; Landshut 1853
Uhr wurden dann im Turminneren etwa zu finden. Um so mehr ist es zu • Stadtarchiv München (Schaffer, Reinhold;
Schattenhofer, Michael Hg.: Häuserbuch der
20 Meter bis zu einer türartigen Öff- begrüßen, dass nun das Foyer in der Stadt München; München 1958, 1960,
nung im Turm abgeseilt, die sich auf der Eingangshalle des Bibliothekbaus zur 1962, 1966 und 1977)
• Stadtarchiv München: Kammer-Rechnungen,
Höhe des Dachstuhls etwa 40 Meter Verfügung steht. Dort wird man also Kirchen und Kultusstiftungen, Hochbau, Zeit-
über dem Erdboden befindet. Dahinter in aller Ruhe um dieses geschichts- schriftenarchiv, Bibliothek
• Stahleder, Helmuth:
ist auch heute noch das alte Laufrad trächtige Objekt herumgehen können. Chronik der Stadt München, 1157–1505
vorhanden, mit dessen Hilfe früher Bau- Ein bedeutendes Stück Münchner • Stahleder, Helmuth:
Chronik der Stadt München, 1506–1705
material und auch die Uhr auf den Turm Geschichte, das bisher völlig im Verbor- • Stahleder, Helmuth:
gebracht worden sind. Von dort wurden genen war, wird damit dem Publikum Chronik der Stadt München, 1706–1818
• Wirtschaftsarchiv der Industrie- und Handels-
die Teile jetzt mit dem Hydraulik-Kran zugänglich gemacht werden. kammer: K1 XXIII 17a, K1 XV A 10c, K1 XXI
abgeholt, nach unten gebracht und auf 16, K1 XXII 8a

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