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Das kleine ABC der Wertanalyse

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INVENT GmbH - Das kleine ABC der Wertanalyse

Inhalt:

1 Wertanalyse-Einführung ................................................................................................. 3
1.1 Wertanalyse-Geschichte................................................................................................. 3
1.2 Die Wertanalyse ............................................................................................................. 4
2 Wertanalyse-Praxis ........................................................................................................ 4
2.1 Wertanalyse - Beispiele aus der Industrie....................................................................... 4
2.2 Ergebnisse von FHTW - Projekten.................................................................................. 5
3 Wertanalyse-Systematik ................................................................................................. 8
3.1 Wertanalyse-Team .......................................................................................................... 8
3.2 Wertanalyse-Projekt ........................................................................................................ 8
3.3 Wertanalyse-Arbeitsplan.................................................................................................. 9
3.4 Funktionenanalyse .......................................................................................................... 9
3.5 Funktionskosten ............................................................................................................ 10
3.6 Kreativitätstechniken ..................................................................................................... 11
4. Wertanalyse - Weiterentwicklung zum Value Management System................................. 12
5. Literatur ........................................................................................................................... 13

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1 Wertanalyse-Einführung

1.1 Wertanalyse-Geschichte

Die Methode der Wertanalyse wurde 1948 in den USA von Lawrence D. Miles bei General
Electric zum Zwecke der Verbesserung von Beschaffungsprozessen entwickelt und erfolg-
reich eingesetzt. Dabei wurde das Beschaffungsobjekt zuerst in seine Funktionen zerglie-
dert. Die Kosten der einzelnen Funktionen wurden analysiert und über die Notwendigkeit der
einzelnen Funktionen entschieden. Das Beschaffungsobjekt und seine realistischen Kosten
ergaben sich dann aus der Summe der vom Kunden tatsächlich geforderten Funktionen und
deren Kosten.
Diese sehr erfolgreiche Methode der Kostenoptimierung fand in der Industrie schnelle
Verbreitung und wurde 1973 in Deutschland erstmals in der Norm DIN 69910 erfasst.
In der Zwischenzeit wurde die Methode der Wertanalyse weiterentwickelt und wird heute in
weiteren Bereichen der betriebswirtschaftlichen Optimierung eingesetzt. Die bestimmenden
Anwendungen liegen in der Funktions- und Kostenoptimierung von Produkten und Ferti-
gungsprozessen. Die Wertanalyse ist des weiteren ein wichtiges Instrument bei der markt-
und kundenorientierte Entwicklung von Innovationen.

W ertbegriff

W ert = Fu nktion
allgem ein:
K o ste n

Bedürfnisse
Funktion en

WERT
G esam taufwand
Kosten

In den letzten Jahren fand ein Wandel der Wertanalyse von einer "Kostensenkungsmethode"
oder "Kostenvermeidungsmethode" zu einer Methode statt, die das "temporäre wirtschaftli-
che Optimum" zu entwickeln hilft. Es wird nicht die absolut kostengünstigste, sondern die
Lösung mit dem höchsten Gewinn gesucht. Diese Lösung zu finden und zu realisieren ist
das Ziel der Wertanalyse.

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1.2 Die Wertanalyse

Nach VDI 2800 Blatt 2 und DIN EN 12973 wird die Wertanalyse als organisierter kreativer
Ansatz definiert, der einen funktionenorientierten und wirtschaftlichen Gestaltungsprozess
mit dem Ziel der Wertsteigerung eines Produktes, eines Prozesses oder einer Dienstleistung
zur Anwendung bringt. Das bedeutet nach Lawrence D. Miles, die Funktionen eines Produk-
tes oder Prozesses zu den niedrigsten Kosten zu erstellen, ohne dass die erforderliche Qua-
lität, Zuverlässigkeit oder Marktfähigkeit negativ beeinflusst wird. Damit steigt der Wert des
Wirtschaftsguts. Der Wert steht also im Verhältnis der Befriedigung von Bedürfnissen zu den
eingesetzten Ressourcen.
Es ist aber durchaus auch möglich, den Wert durch eine verbesserte Befriedigung der Be-
dürfnisse bei gleichzeitiger Steigerung des Ressourceneinsatzes zu erhöhen.

2 Wertanalyse-Praxis

2.1 Wertanalyse - Beispiele aus der Industrie

Beschaffungsoptimierung in der Möbelindustrie


Der Markt- und Wettbewerbsdruck zwang einen Hersteller hochwertiger Wohnmöbel zur
Kostenreduzierung. Die Materialkosten als signifikanter Anteil der Herstellkosten stellten den
herausragenden Ansatzpunkt zur Kostenreduzierung dar. Mit Einsatz der Wertanalyse konn-
te eine deutliche Senkung der Materialkosten erreicht werden. Der Schwerpunkt der erfolg-
reichen Kostenreduzierung lag dabei auf der Analyse von Lieferanten und den dazugehöri-
gen Einkaufsvolumina. Unter Berücksichtigung von funktionalen Anforderungen wurden die
Lieferanten in den Wertanalyseprozess eingebunden und deren Zulieferteile einer Kostenop-
timierung unterzogen. Ohne Minderung der Produktfunktionen und ohne Qualitätseinbussen
konnten signifikante und nachhaltige Ergebnisse für das Unternehmen erreicht werden. (Be-
schaffung und Technik 03/06, Seiten 6f)

Steigerung der Wertschöpfung im Anlagen - und Maschinenbau


Die "Grecon Dimter" in Illertissen, ein mittelständisches Unternehmen, das Anlagen und Ma-
schinen für die holzverarbeitende Industrie entwickelt und vertreibt, sah sich mit Kostenprob-
lemen konfrontiert. Durch Ausschöpfung aller Materialbeschaffungsmöglichkeiten war es
gelungen, die Herstellkosten einer Anlage um 8% zu senken. Dennoch waren die Erträge der
Anlage nicht kostendeckend. Die Verkaufspreise boten im Wettbewerb keinen weiteren
Spielraum. Die Herstellkosten mussten daher erneut gesenkt werden. Zur Lösung dieser
Problemstellung setzte das Unternehmen die Methode der Wertanalyse ein. Das Wertanaly-
seprojekt war an drei Zielstellungen geknüpft:
- weitere Einsparung der Herstellkosten von 12%,

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- Tilgung des Projektaufwandes nach einem Jahr,


- Verbesserung der Produktfunktionen.
Das Projektteam bestand aus Mitarbeitern der Bereiche Produktion, Prozessmanagement,
Montage und Materialwirtschaft. Der Fokus der Kosteneinsparung lag auf der Reduzierung
der Teilezahl und der verstärkten Anwendung von Standardbauteilen an Stelle von Ferti-
gungsteilen. Das erzielte Einsparpotential lag bei ca. 130.000 € pro Jahr. (QZ Jahrgang 50
(2005) 9 , Seiten 36ff)

Mit Wertanalyse Verbesserung von Produkten erreichen


Bei der Kampmann GmbH, Hersteller von Luftbehandlungsgeräten in Lingen, war eine Pro-
duktinnovation bei gleichzeitiger Senkung der Herstellkosten unumgänglich geworden. Das
Gerät wurde erfolgreich vom Wettbewerb kopiert und geriet zunehmend unter Preisdruck. Es
war eine Anpassung des Produktprogramms an die Markterfordernisse und eine drastische
Reduzierung der Herstellkosten erforderlich. Kampmann startete 2004 ein Wertanalysepro-
jekt zur Überarbeitung des Produktes. Ziel des Projektes waren die Senkung der Herstellkos-
ten, eine verbesserte Marktpositionierung, der Aufbau eines Baukastensystems, die Redu-
zierung der Komplexität und das Erreichen von Alleinstellungsmerkmalen. Vor Projektbeginn
wurde ein Wertanalyse-Arbeitsplan erstellt und ein interdisziplinäres Team mit Steuerkreis
und Controlling initiiert. Die Funktionenanalyse als Werkzeug zur Modellbildung bildete die
Grundlage für die Produktinnovation und die Bestimmung der Funktionskosten. Darauf fol-
gend konnte ein neues Produktkonzept erarbeitet werden. Das Filter- und Wartungskonzept
wurde erheblich verbessert. Und eine Produktinnovation mit Alleinstellungsmerkmalen konn-
te realisiert werden. (Produktion Nr. 43 v. 27.10.2005)

2.2 Ergebnisse von FHTW - Projekten

Reduzierung der Produktionskosten bei der Firma EBK Krüger GmbH


Aufgrund der Unternehmenscharakteristik „verlängerte Werkbank“ und der strikten Produkt-
und Fertigungsauflagen eines Batterierelais seitens des Auftraggebers, besteht nur mit sehr
hohen Kostenaufwendungen und umfangreichen Genehmigungsprozessen überhaupt die
Möglichkeiten zur Materialsubstitution und zur Optimierung von Funktionen. Um den Preis-
druck beim Einkauf angesichts feststehender Erlöse abzufangen, sollte durch das studenti-
sche Team im Rahmen eines Wertanalyseprojektes der gesamte interne Prozess analysiert
werden. Optimierungen bei der Beschaffungs- und Lagerlogistik sowie im Fertigungsablauf
waren erwünscht.

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Die Analyse der Varianten „auftragsbezogene Fertigung“ oder „Lagerfertigung“ führte zu ei-
nem Ausschluss des Konzeptes Lagerfertigung. Die Einstellung eines Logistikleiters wird hier
zu operativen Verbesserung führen.

Die größten Einsparpotenziale zeigten sich bei der Bündelung im Einkauf. Eine erste Maß-
nahme ist die Klassifizierung von Kaufteilen im ERP-System, um für alle drei Werke und de-
ren Bereiche Skalenvorteile beim Einkauf zu erwirtschaften. Neben den optimierten Bestell-
größen sollen mit Rahmenverträgen langfristige kostengünstige Bindungen erzielt werden;
dem dienen auch die Festlegungen zu regelmäßigen Lieferantenbesuchen.
Die Schaffung und Besetzung der Stelle eines Logistikleiters führt ebenfalls zu operativen
Verbesserungen. Intern erfolgen nun wöchentliche Logistikberatungen, die sich neuerdings
auf Daten aus dem ERP-System stützen und somit eine umständliche Lieferantenbewertung
auf Excel-Basis ersetzen.
Die kostenmäßigen Vorteile der eingeleiteten Maßnahmen sind gegenwärtig nur abzuschät-
zen, aber bereits die umfassende IST-Analyse des Projektes hat zur Sensibilisierung und zu
Veränderungsprozessen in der Firma geführt.

Optimierung von Prozessabläufen bei der Firma Salzenbrodt


Bei der Firma Salzenbrodt GmbH & Co. KG in Berlin, Produzent von hochwertigem Leder-
pflegemitteln mit der bekannten Marke COLLONIL, war aus Kostengründen die logistische
Optimierung des Herstellungsprozesses eines Wirkstoffes notwendig geworden. Im Dezem-
ber 2006 startete die Firma mit Studenten der FHTW Berlin und der INVENT NET GmbH ein
Wertanalyseprojekt zur Prozessoptimierung verbunden mit neuen Lösungen für den Trans-
port und die Lagerung von Wirkstoffmassen. Nach Analyse der IST-Situation bei den Pro-
zessabläufen wurde im Rahmen des Wertanalysearbeitsplans ein Pflichtenheft erstellt. Mit
Unterstützung von Kreativitätstechniken entwickelte das Wertanalyseteam verschiedene Lö-
sungsansätze für optimierte SOLL-Prozesse, die unter technischen, ökonomischen und
sicherheitsrelevanten Gesichtspunkten geprüft wurden. Als Ergebnis des Wertanalyseprojek-
tes konnten die an Losgrößen angepassten Misch- und Transportprozesse optimiert werden.
Auf diese Weise spart das Unternehmen an dieser Stelle Prozesskosten in Höhe von fast
40%.

Reduzierung der Fertigungskosten bei der Firma OTEK Oberflächentechnik GmbH


Mit der Einrichtung weiterer Bandanlagen für die Oberflächenveredelung stieg das Aufkom-
men an belasteten Abwässern. Bislang wurden die Kosten in der Abwassenentgiftung nicht
detailliert erfasst und somit unzureichend beeinflusst.

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Nun wurde im Rahmen eines Wertanalyse-Arbeitsplanes eine sorgfältige IST-Analyse vor-


genommen. Die Erfassung aller den Prozess beeinflussenden Parameter und die präzise
Zuordnung der Kosten in einem neu entwickelten Exeltool erbrachte einen tagesaktuellen
Kostennachweis und lenkte die Aufmerksamkeit auf Einsparpotentiale. Schwachstellen wer-
den sofort erkennbar. Somit ergeben sich umfangreiche Möglichkeiten zur Kostensenkung.

Verbesserung von Logistikprozessen für Frei-Raum-Haus


Bei dem Frei-Raum-Haus handelt es sich um ein modernes Fachwerkhaus in Holzskelett-
bauweise. Die gesamte Holzkonstruktion sowie Teile des Dachstuhls werden aus hochwerti-
gem Brettschichtholz hergestellt. Da das Brettschichtholz die Kosten des Frei-Raum-Hauses
maßgeblich beeinflusst, war aus Wettbewerbsgründen eine Kostenoptimierung erforderlich
geworden. Ab Dezember 2006 suchte ein Team von Studenten der FHTW Berlin im Rahmen
eines Wertanalyseprojektes für das Ingenieurbüro Dipl. Ing. Peter Schminder nach Lösungen
zur Reduzierung der Transport - und Baukosten bei gleichzeitiger Erhöhung der Wertigkeit
des Brettschichtholzes. Auf Basis eines Pflichten- und Lastenheftes wurden interessante
neue Lösungen für kostenreduzierte Transportprozesse zwischen dem Brettschichtholzliefe-
ranten, dem Abbund und Hausbaustelle einschließlich der Montage entwickelt. Parallel dazu
entstanden an den Schnittstellen „Holzbearbeitung /Verpackung/ Transport“ einige Produkt-
und Prozessverbesserungen, die den Zimmerern auf der Baustelle die Arbeit erleichtern und
sich positiv auf die Bauzeit des Fachwerkhauses auswirken.

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3 Wertanalyse-Systematik

Die Stärken der Wertanalyse liegen in der schrittweisen und logischen Bearbeitung von
Problemstellungen im Rahmen von Wertanalyse-Projekten. Die Arbeitsweise des Projekt-
teams ist ziel- und problemorientiert ausgerichtet. Der Weg zur Zielerreichung wird durch den
Wertanalyse-Arbeitsplan vorgegeben. Eingebunden in den Wertanalyse-Arbeitsplan sind
bewährte Arbeitstechniken wie z.B. Analysetechniken, Bewertungstechniken, Kreativitäts-
techniken und Techniken des Projekt- und Dokumentenmanagements.

Was ist Wertanalyse ?

Wertanalyse-Team Funktionen

+ Lebensdauer
Wertanalyse-Projekt
Qualität Produkt
+ Dienstleistung
Wertanalyse-Methodik Verfahren Design
= Kosten
Wertanalyse

Zuverlässigkeit Marktfähigkeit

3.1 Wertanalyse-Team

Ein Wertanalyse-Team ist eine je nach Aufgabe und Zielstellung fach- und bereichsübergrei-
fenden zusammengesetzten Gruppe von 5 bis 7 Personen, die mit dem gemeinsamen Ziel
einer erfolgreichen Realisierung eines Wertanalyse-Projektes, über einen bestimmten Zeit-
raum zusammenarbeiten. Die Mitglieder des Teams sollen mit der Methodik der Wertanalyse
vertraut sein oder sich in sie einarbeiten. Weitere Hinweise zum Wertanalyse-Team enthält
die VDI 2807 - Teamarbeit, Anwendung in Projekten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Ver-
waltung.

3.2 Wertanalyse-Projekt

Die Durchführung einer Wertanalyse erfolgt in der Regel in Form eines Wertanalyse-
Projektes. Das Wertanalyse-Projekt ist ein geplanter, außerhalb der Routine ablaufender
interner, zeitlich begrenzter und budgetierter Prozess. Dieser Prozess wird durch ein Projekt-
team mit einer entsprechenden Zielstellung durchlaufen. Das Wertanalyse-Projekt wird mit
den geläufigen Techniken des Projektmanagements, wie Zielplanung, Projektstrukturpla-

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nung, Zeitplanung, Kostenplanung, Controlling geführt. Die Richtschnur des Wertanalysepro-


jektes ist der Wertanalysearbeitsplan.

3.3 Wertanalyse-Arbeitsplan

Der Wertanalyse-Arbeitsplan stellt eine organisierte und methodische Vorgehensweise vor,


die das Ziel hat, die erfolgreiche Anwendung der Wertanalyse sicherzustellen.
Der Wertanalyse-Arbeitsplan (WAP) ist in der DIN 69910, DIN EN 12973 und im Entwurf der
VDI 2800 Blatt 1 ausführlich beschrieben. Beide unterscheiden sich hinsichtlich der Anzahl
der beschriebenen Grundschritte und der darunter angeordneten Teilschritte, ohne im We-
sen divergent zu sein.

Grundschritte des Wertanalyse Arbeitsplans nach DIN 69910


Projektbeginn

ja
1. Projekt vorbereiten AZ nein
Was ist ?
ja
2. Objektsituation analysieren AZ nein

ja
Was soll sein ? 3. Soll-Zustand beschreiben AZ nein

ja
AZ nein
4. Lösungsideen entwickeln
Wie kann es ja
gehen ? AZ nein
5. Lösungen festlegen
ja
AZ nein
6. Lösungen realisieren
Projektabschluss
AZ: Annäherung an die Zielvorgaben

3.4 Funktionenanalyse

Die Funktionenanalyse gehört zu den wichtigsten Arbeitstechniken der Wertanalyse. Mit die-
ser Technik werden die Funktionen von Wertanalyse-Projekten, d.h. von Produkten, Prozes-
sen und Dienstleistungen analysiert, bewertet und gezielt verbessert.
Die Funktionsanalyse beinhaltet:
- Verbale Formulierung der Funktionen und Bildung von Funktionsstrukturen,
- Schaffung größerer Suchfelder für neue, bessere und kostengünstigere Lösungen durch
verbales Abstrahieren der Funktionen,
- Vereinfachung und Verbesserung des Wertanalyse-Objektes durch Unterteilung in wich-
tige, unwichtige und eventuell unnötige Funktionen,
- Finden von Ansätzen für Kostensenkung sowie Wert- und Leistungsverbesserung der
Wertanalyse-Objekte durch Bestimmung und Analyse von Funktionen mit hohen Kosten.

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Die Funktionsanalyse betrachtet die Funktionen immer aus zwei Blickrichtungen, aus der
Richtung des Nutzers und aus der Richtung des Produzenten. Es wird daher u.a. unter-
schieden in
- nutzerbezogene Funktionen
- produktbezogene Funktionen

Funktionen

Nutzerbezogene Funktionen Produktbezogene Funktionen

Gebrauchsfunktionen Geltungsfunktionen Gesamtfunktionen Basisfunktionen

HF NF HF NF TF UF FF PF

EF u.a.

HF – Hauptfunktionen TF – Teilfunktionen
NF - Nebenfunktionen UF – unerwünschte Funktionen
TF – Teilfunktionen EF – Elementarfunktionen
FF – Folgefunktionen
PF - Parallelfunktionen

Weitere Hinweise zur Durchführung von Funktionsanalysen beinhalten die Richtlinien VDI
2803 - Funktionsanalyse, Grundlage und Methode sowie die DIN EN 12973 - Value Mana-
gement.

3.5 Funktionskosten

Üblicherweise werden Kosten über teilebezogene Betrachtungen dargestellt. Die Aufteilung


der Kosten auf die Funktionen dagegen führt zu einer veränderten Sicht in der Kostenopti-
mierung.
Funktionskosten spiegeln die Aufwendungen wieder, die für die Bereitstellung einer Funktion
eines Produktes oder Prozesses erforderlich sind. Die Kostenanalyse ist Teil des Prozesses
der Funktionsanalyse und führt zu neuen Ansätze der Funktionsoptimierung und der Kosten-
einsparung. Funktionskosten erlauben einen tiefen Blick in die Wertstruktur eines Objektes.
Sie fordern im Projektteam kritische, objektive Diskussion heraus, da jedes Kostenelement
zumindest einer Funktion zugeordnet und auf diese Weise seine Notwendigkeit erklärt wer-
den muss.

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KOSTEN DER
FUNKTIONEN
FUNKTIONSTRÄGER

Wärme Wärmeverluste Temperatur


zuführen vermeiden regeln

% Kosten % Kosten % Kosten % Kosten

WANDISOLATION 15 15.000 0 0 100 15.000 0 0

FENSTER 24 25.000 20 5.000 70 17.500 10 2.500

DACHISOLATION
SOLARZELLE
21 22.000 60 13.200 40 8.800 0 0

HEIZKESSEL 17 18.000 80 14.400 0 0 20 3.600

HEIZSYSTEM 23 24.000 80 19.200 10 2.400 10 2.400

TOTAL 100 10400 50 51.800 42 43.700 8 8.500

3.6 Kreativitätstechniken

Soll die Suche nach neuen Lösungsideen erfolgreich sein, ist es sinnvoll, auf bewährte Krea-
tivitätstechnik zurückzugreifen. Neben den intuitiven Verfahren wie etwa Brainstorming ha-
ben sich im zunehmend auch systematische Techniken wie Morphologische Matrizen oder
Funktionsmodellierungen oder neuerdings widerspruchsorientierte Methoden wie TRIZ be-
währt.
Der intuitive Weg führt über freie Phantasie und durch ungelenkte oder gelenkte Assoziati-
on zu neuen Lösungen.
Der systematische Weg zeichnet sich durch ein bewusst schrittweises Vorgehen aus. Er
sichert Folgerichtigkeit, Vollständigkeit, Übersicht und Lückenlosigkeit der Lösung.
Der widerspruchsorientierte Weg sichert bei anspruchsvollen Problemstellungen erfolgrei-
che Lösungsansätze.
Hier eine Auswahl in der Wertanalyse bewährter Techniken:

Intuitive Kreativitätstechniken
Systematische Kreativitätstechniken
1. Brain-Storming
6. Attribute listing
2. Brain-Writing
7. Morphologische Matrix
3. Delphi-Methode
8. Bionik
4. Osborne-Checkliste
9. Progressive Abstraktion
5. Synektik
10. Teilsystem-Funktionsanalyse
5.1 Semantische Konfrontation
11. Konstruktionskataloge
5.2 Visuelle Konfrontation
5.3 Gefühlt wie…
Widerspruchs-Kreativitätstools
12. Stoff-Feld-Analyse
13. Ideales Endresultat
14. Widerspruchsformulierung

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4. Wertanalyse - Weiterentwicklung zum Value Management System

Der wirtschaftliche Druck des Marktes sowie zunehmende wissenschaftliche und praktische
Erkenntnisse führten zu einer Weiterentwicklung der Wertanalyse. Ursprünglich vorwiegend
als reine Kostensenkungsmethode eingesetzt erfüllte die Wertanalyse die Funktionen der
Wertverbesserung und der Wertgestaltung von Produkten. Das heute existierende System
des Value Managements umfasst die Elemente der Wert-Analyse, der Wert-Gestaltung und
der Wert-Realisierung. Hinter diesen Elementen steht das Managen von Werten im Sinne
von Maximierung der Wertschöpfung des Unternehmens mit den dafür notwendigen
Schnittstellen zur Managementebene. Die ständige Verbesserung der Wertschöpfung erfolgt
auf der Grundlage eines Stufenplanes, in den eigene Mitarbeiter, aber auch Endabnehmer,
Lieferanten und Vertriebspartner eingebunden sind.
Ausführliche Hinweise zum Value Management System stehen in der DIN EN 12973.

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5. Literatur

Zur Unterstützung von Wertanalyseprojekten kann auf folgende Richtlinien und Normen zu-
gegriffen werden:

VDI 2800 Blatt 1 Wertanalyse Entwurf Juli 2006


VDI 2800 Blatt 2 Formularsatz - Wertanalyse-Arbeitsplan Entwurf Juli 2006
VDI 2801 Formularsatz nach DIN 69910
VDI 2803 Funktionsanalyse, Grundlage und Methode
VDI 2805 Methodengestützte Projektarbeit
VDI 2806 Kreativitätspotentiale und Ideenfindung
VDI 2519 Vorgehensweise bei der Erstellung von Lasten- und Pflichtenheften
VDI 69910 Wertanalyse
DIN EN 1325-1 Wertanalyse und Funktionenanalyse
DIN EN 1325-2 Wertanalyse und Funktionenanalyse
DIN EN 12973:2000 Value Management
DIN EN 1325 Value Engineering

Es gibt zahlreiche interessante Bücher, die vertiefendes Wissen zur Methode der Wertanaly-
se vermitteln können. Hier eine kleine Auswahl:

Bronner, A.; Herr, S.: Vereinfachte Wertanalyse. System Value Management in der Praxis, 4.
Auflage, Springer Verlag, Berlin, 2006

Frost, P.-F.: Größerer Unternehmenserfolg durch Wertanalyse nach DIN 69 910 (Ausg.
1987) eine Management-Information zur Entscheidungsvorbereitung, Eschborn Verlag, 1992

Gesellschaft Systementwicklung und Projektgestaltung: Wertanalyse Praxis 2004, VDI-


Verlag, Düsseldorf, 2004

Grunwald, H.: Kosten senken mit dem Einkauf, praktische Wertanalyse als Erfolgsinstru-
ment, Haufe Verlag, Freiburg im Breisgau, 1994

Harting, D.: Lieferanten-Wertanalyse : ein Arbeitshandbuch mit Checklisten und Arbeitsblät-


tern für Auswahl, Bewertung und Kontrolle von Zulieferern, 2. Auflage, Schäffer-Poeschel-
Verlag, Stuttgart, 1994

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Haunerdinger, M.; Probst, H.-J.: Kosten senken. Checklisten, Rechner, Methoden (mit Rech-
ner zur ABC-Analyse, Wertanalyse, Leerkostenanalyse, Formular zur Schwachstellenanaly-
se und vieles mehr auf CD-ROM), 1. Auflage, Haufe Verlag, München, 2005

Hoffmann, H.: Wertanalyse - Weg zur Erschließung neuer Rationalisierungsquellen, 2. Auf-


lage, E.Schmidt-Verlag, Berlin, 1983

Hoffmann, H.J.: Wertanalyse, die westliche Antwort auf Kaizen, Ullstein Verlag, Frankfurt/M.
und Berlin, 1994

Jehle, E.: Wertanalyse und Kostenmanagement, München, 1995

Baier, P.: Praxishandbuch Controlling : Planung & Reporting ; bewährte Controllinginstru-


mente ; balanced Scorecard ; Value Management ; Sensitivitätsanalysen ; Fallbeispiele, Ue-
berreuter Verlag, Wien u.a., 2000

Schlink, H.: Bestimmung von Funktionskosten, Deutscher Universitäts-Verlag


/GWVFachverlage GmbH, Wiesbaden, 2004

VDI-Zentrum Wertanalyse: Erfolgreiche Geschäftspartner praktizieren Wertanalyse, VDI-


Verlag, Düsseldorf, 2005

VDI-Zentrum Wertanalyse: Wertanalyse, Idee – Methode – System, 5. überarb. Auflage,


VDI-Verlag, Düsseldorf, 1995

Interessante Informationen zur Wertanalyse sind auch im INTERNET zu finden, wie z.B. un-
ter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wertanalyse

http://www.wertanalyse.net

http://www.wertanalyse.com

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Wertanalyse – Arbeitsplan nach DIN EN 12973

Grundschritte Teilschritte
0 Vorbereitung des Pro- 0.1 Projektbeschreibung
jektes 0.2 Untersuchung der Durchführbarkeit der Projekte, Risikoanalyse
0.3 Rentabilitätsstudie, um welches Interesse geht es?
0.4 Entscheidungsträger und WA-Projektleiter auswählen

1 Projektdefinition 1.1 WA-Objekt (endgültig) beschreiben


1.2 Bewertungskriterien, Untersuchungsrahmen, Beschränkungen für
das Projekt festlegen
1.3 Vorhandene Bedürfnisse, Probleme aufzeigen, erforderliches Da-
tenmaterial definieren
1.4 Marketingorientierte Ziele festlegen
1.5 Allgemeine Ziele (Grobziele) formulieren und verabschieden
1.6 Strategische, wirtschaftliche Bedeutung überprüfen und festlegen
1,7 Ressourcenbedarf aufzeigen, Ressourcenverfügbarkeit sichern
1.8 Mitwirkende benennen und informieren
1.9 Projekt- und Produktrisiken analysieren (als Basis für die das Pro-
jekt begleitende Risikoanalyse)

2 Projektorganisation 2.1 Bildung eines Arbeitsteams


planen (Aufbau- und 2.2 Ausarbeitung eines ersten Zeitplanes
Ablauforganisation) 2.3 Infrastruktur festlegen - Arbeitsraum, Ausstattung….

3 umfassende Daten 3.1 Informationssammlung (intern und extern)


über das Objekt sam- - technische Informationen (über das Produkt)
meln - Wirtschaft
- Mitwettbewerber
- Stand der Technologie
3.2 Detaillierte Marktforschung
- Kundenanforderungen
- der Markt
- Bestimmung der Position des zu entwickelnden Produktes
3.3. Verschiedenes:
- Bibliografie
- Patente
- Gesetze und Vorschriften, Normen
- Regeln, Handbücher, Normen der Organisation

4 Funktionenanalyse, 4.1 Formulierung des Bedarfs und Funktionenanalyse


Kostenanalyse, 4.2 Kostenanalyse und Funktionenkostenanalyse
Detailziele 4.3 Festlegen der Detailziele und Bewertungskriterien

5 Sammeln und Finden von 5.1 Sammeln existierender Ideen


Lösungsideen 5.2 Entwicklung neuer Ideen

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5.3 kritische Analyse des Ideenpools

6 Bewertung der 6.1 Bewertung und Kombination der Ideen


Lösungsidee 6.2 Aufgaben auswählen und festlegen , z.B. Entwicklungsaufgaben
6.3 Arbeitsprogramm z.B. für die Entwicklung festlegen

7 Entwicklung ganzheit- 7.1 Detailstudie, industrielle Entwicklungen,… Prüfungen durchführen


licher Vorschläge 7.2 Follow-up durchführen, Koordination der Aktionen
Lösungen auswählen 7.3 Bewertung der Lösungen:
- qualitativ,
- wirtschaftlich
- Risikoanalyse

8 Präsentation der 8.1 Ausarbeitung der vorzuschlagenden Lösungen


Vorschläge, Entscheid- 8.2 Ausarbeitung von Realisierungsprogrammen
ung erwirken 8.3 Gliederung umfassender Daten über die Vorschläge
8.4 Erlangen einer Entscheidung durch den Entscheidungsträger
8.5 Information des WA-Teams und Auflösung oder Warteposition des
WA-Teams bestimmen

9. Realisierung der Vor- 9.1 Unterstützung der Realisierung


schläge und Entschei- - Follow-up
dungen - Korrektur von Abweichungen unterstützen
9.2 weiterer Sitzungen des WA-Teams durchführen (in Ausnahmefäl-
len)
9.3 Einschätzung aktueller Ergebnisse der Realisierung, Vergleich mit
den prognostizierten Ergebnissen
9.4 Erzielte Ergebnisse sowie der technischen und allgemeinen Infor-
mationen kommunizieren
9.5 Erstellung eines Systems zur Sammlung von Informationen über
die Erfahrungen im Einsatz des Produktes und der WA-Analyse

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