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Praxis

Was man darf und was man nicht darf

Fotokopieren von Noten


Von Katja Brunk Was man darf

Viele tun es mit dem Wissen, dass es verboten ist. Viele tun es Zum grundsätzlichen
aber auch ahnungslos und ohne zu wissen, dass sie sich damit Kopierverbot gibt es
strafbar machen. Das Kopieren von Noten ist ein heikles Thema, einige Ausnahmen.
mit dem sich nur wenige genau auskennen. Das Urheberrechts- Man kann also nicht
gesetz verbietet das Kopieren nicht absolut. Neben einem grund- sagen, das Gesetz
sätzlichen Verbot gibt es viele Ausnahmen und Sonderregelun- verbiete das Kopie- Foto: Sturm
gen, die jeder Musiker kennen sollte. Hier ein paar Tipps dazu. ren von Noten gene-
rell. Aber selbst wenn Noten auf- auf die wenigsten Vereine zu.
Musikwerke gehören neben Wer- scheinen geschützt. Dabei muss grund dieser Ausnahmeregelun- Noten dürfen auch kopiert wer-
ken der Literatur, der Wissen- jeder, der das Werk verwenden gen kopiert werden dürfen, darf den, wenn das Werk seit mindes-
schaft und anderen Künsten zu möchte, überprüfen, ob nicht ein man sie trotzdem nicht verbrei- tens zwei Jahren vergriffen ist.
den geschützten Werken im Rah- Dritter das Urheberrecht innehat; ten oder für öffentliche Auftritte Das ist dann der Fall, wenn es
men des Urheberrechtsgesetzes. das liegt meist beim Musikverlag. benutzen. nicht mehr im Handel erhältlich
Das Gesetz betrifft damit Texte Wer nach Ablauf dieser Frist ein Kleine Ausschnitte aus Werken ist. Aber auch hier muss man
(zum Beispiel Romane, Gedichte Werk zum ersten Mal herausgibt, dürfen zum Beispiel zum eige- wieder eine Besonderheit beach-
oder Liedertexte), Bilder (bei- hat anschließend das alleinige nen Gebrauch für die Veran- ten: In der Regel kann man die
spielsweise Fotos oder Gemälde) Recht, das Werk zu verwerten. schaulichung im Unterricht an Werke noch in einem Antiquariat
sowie Musik und Noten. Auch Schulen und anderen Bildungs- kaufen. Wenn das der Fall ist, gilt
Bearbeitungen, Arrangements
Was man nicht darf einrichtungen verwendet wer- ein Werk nicht als vergriffen.
oder Neuinstrumentierungen Grundsätzlich ist das Kopieren den. Auch für Prüfungen in Schu- Als Alternative zum Kopieren ist
werden wie selbstständige Werke von Noten nach § 53 Absatz 4a len, Hochschulen und anderen das eigenhändige Abschreiben
geschützt. Über die »Vervielfäl- des Urheberrechtsgesetzes nur Bildungseinrichtungen dürfen von Noten erlaubt, auch wenn
tungsrechte zum privaten und mit der Einwilligung des Rechts- Noten kopiert werden. Es ist er- das heutzutage wohl etwas alt-
inhabers erlaubt und ansonsten laubt, so viele Exemplare herzu- modisch erscheint. Die Abschrift
verboten. Die Rechte hat in der stellen, dass sie für die Kurs- oder darf dann aber nicht kopiert und
Regel entweder der Komponist Prüfungsteilnehmer ausreichen. weitergegeben werden.
inne oder der Verlag, in dem eine Die Kultusministerkonferenz der
Komposition erschienen ist. Länder hat hierzu einen Pau-
Copyright
Es ist auch verboten, nur mal schalvertrag mit den Verwer- Das Copyright ist die angloameri-
schnell noch Noten für eine Pro- tungsgesellschaften abgeschlos- kanische Bezeichnung für das
be zu kopieren. Man darf auch sen, um Fotokopien in einem be- Recht an geistigen Gütern wie
nicht mit Kopien proben und erst stimmten Umfang zu ermögli- zum Beispiel Büchern, Liedtex-
beim Konzert von den Original- chen. Aber: Dieser gilt nicht für ten, Bildern oder Noten. Es äh-
noten spielen. Musikschulen. nelt dem deutschen Urheber-
Foto: Geralt Um sich Noten vor dem Kauf an- Auch zum eigenen wissenschaft- recht, ist aber nicht genau das
schauen zu können, kann man lichen Gebrauch darf man Noten Gleiche. Im deutschen Urheber-
sonstigen eigenen Gebrauch« in- bei den meisten Verlagen Pro- kopieren, wenn die Kopien kei- recht ist der Urheber als Schöpfer
formiert § 53 des Urheberrechts- bepartituren anfordern, die diese nem gewerblichen Zweck die- eines Werks und seine ideelle
gesetzes, der zum Beispiel auf gerne zusenden. Es werden mitt- nen. Das ist zum Beispiel für Stu- Beziehung zum Werk ausschlag-
der Internetseite der GEMA zu lerweile keine gesamten Werke, denten sehr nützlich, damit sie gebend. Das Copyright dient da-
finden ist. Sie überwacht zusam- also Partituren mit Stimmen, Notenbeispiele in ihre Arbeiten gegen vor allem dem wirtschaftli-
men mit den Verwertungsgesell- mehr zur Ansicht verschickt. Frü- einbauen oder für Referate be- chen Aspekt. Die Verwertungs-
schaften VG Musikedition und VG her taten Verlage das oft, aber zu nutzen können. rechte eines Werks liegen hier
Wort die Einhaltung der Urheber- viele Vereine kopierten die An- Interessant für Orchester ist die meist nicht beim Urheber selbst,
rechte. sichtsnoten einfach und verzich- Ausnahmeregelung für die No- sondern zum Beispiel beim Ver-
Wann ein Werk als geschützt und teten auf den Kauf der Original- tenaufnahme in ein Archiv. Ein lag, der das Werk herausgibt. Der
damit das Urheberrrechtsgesetz noten – zum enormen wirtschaf- Orchester darf Werke für seinen Urheber erhält aber einge-
für das Werk gilt, ermittelt sich lichen Schaden der Verlage. Notenschrank kopieren, wenn es schränkte Rechte, die sogenann-
aus dem Todesjahr eines Kom- Zusätzlich zum Kopieren ist auch als Vorlage die Originalnoten be- ten Veto-Rechte, damit er bei-
ponisten. Kompositionen sind bis das Weitergeben in elektroni- nutzt. Die Bedingung dafür ist al- spielsweise einen Copyright-
zum Ablauf des 70. Todesjahrs scher Form, zum Beispiel als pdf, lerdings, dass die Aufnahme ins Missbrauch von Seiten des Ver-
des betreffenden Komponisten nicht erlaubt. Noten dürfen nur Archiv erforderlich sein muss. lags verhindern kann.
geschützt. Für Werke, die erst als grafische Datei, also im Bild- Das ist in der Praxis aber so gut Wer sich unsicher ist, wann er
nach dem Tod eines Komponis- format, zu Unterrichtszwecken wie nie der Fall, da der Notenwart was kopieren darf, kann auch di-
ten entdeckt werden, gibt es eine oder wissenschaftlichem Ge- eigentlich immer die Originalaus- rekt bei den Verlagen oder Ver-
eigene Regelung: Sie bleiben bis brauch vervielfätigt und weiterge- gabe ins Archiv stellen kann. Da- wertungsgesellschaften nachfra-
25 Jahre nach dem ersten Er- geben werden. mit trifft diese Ausnahme wohl gen. ■

2 Bayerische Blasmusik 7-8/2008