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Seite 22 / Süddeutsche Zeitung Nr. 237 HF2 Mittwoch, 13.

Oktober 2010
WIRTSCHAFT
Die Opposition gegen den geplanten Tiefbahnhof Stuttgart Widerstand gegen Großprojekte völkerung in anderen auf die Kraft der politischen Institutio-
21 hat viele Menschen in Deutschland in ihrer Heftigkeit über- nen. In manchen Orten gehen vor allem Grundstücks-
rascht. Die Proteste heizen auch die Diskussion über die De- te sie erfolgen? Ähnliche Fragen stellen sich auch die Men- besitzer auf die Barrikaden, in anderen ist der Naturschutz ei-
mokratie an: Wie viel Mitsprache ist beim Bau von Großpro- schen in anderen demokratischen Staaten. Während die Pro- ne größere Motivation für Widerstand. Neun Auslandskorre-
jekten nötig, erwünscht, legitim und über welche Kanäle soll- testkultur in einigen Ländern ausgeprägt ist, vertraut die Be- spondenten der SZ schildern ihre Beobachtungen.

Fortschritt hat viele Gesichter


Die Zukunft scheint es in Deutschland besonders schwer zu haben. Das kann auch gut sein
Von Alexandra Bo rchardt Es ist der Preis der Demokratie, dass den, wie die Berliner Mitte am Potsda- dere? Selbst wenn diese Fragen so man-
sie versuchen muss, beide Arten von mer Platz, die Verkehrsprojekte Deut- chen Befürworter eines solchen Vorha-
s gibt Menschen, die schauen auf Sehnsüchten zu erfüllen: jene nach Ver- sche Einheit oder die Landebahn am bens zum Wahnsinn treiben, müssen sie

E Stuttgart und verstehen die Welt


nicht mehr. Häufig sind es solche,
die viel ins Ausland reisen, die, wo im-
änderung und jene nach dem Erhalt des
Vertrauten. Und genau das ist auch ihre
Stärke. Denn während im autoritären
Frankfurter Flughafen zeigen.
Dass der deutschen Seele dennoch ei-
ne gewisse Unlust an der Veränderung
beantwortet werden. Denn auch in Demo-
kratien wird so manches Großprojekt
nur durchgesetzt, weil sich Politiker,
mer sie auch hinkommen, Hochhäuser, Staat nur eine Vision von Zukunft durch- anhaftet, wer will es ihr verdenken? Bürokraten oder Konzernchefs damit ein
Autobahnen, Kraftwerke und Brücken gepeitscht wird, erlaubt die Demokratie Nach der Gigantomanie der Nazis bei Ge- Denkmal setzen wollen. Beim Blick auf
entstehen sehen. Sie erleben Städte und eine Vielfalt von Möglichkeiten. Glä- bäude- und Menschenarchitektur, nach die Fakten stellt sich zuweilen heraus,
Landschaften in rasantem Wandel. Nur sern-glitzernd oder grün, gewaltig oder dem Zweiten Weltkrieg mit der Zerstö- dass es bessere, einfachere, interessante-
in Deutschland, so erscheint es ihnen, bescheiden: Fortschritt hat viele Gesich- rung der Städte, nach der Platten- re und zukunftsträchtigere Lösungen für
wird gegen alles protestiert: Kraftwerke, ter. Und die Menschen eines Landes müs- bau-DDR und der zügigen Eroberung ein Problem gibt als jene, die den Men-
Windräder, Umgehungsstraßen, und nun sen entscheiden, welches Gesicht sie der der grünen Ost-Wiese durch Handelskon- schen als zwingend präsentiert werden.
gegen einen hochmodernen Bahnhof. Welt zeigen wollen – vielleicht sogar, um zerne fehlt den Deutschen womöglich So mag der Transrapid für sich genom-
Und sie fragen: Kann man denn hier über- einigen Vorbild zu sein. manchmal die Kraft, immer neue Verän- men eine faszinierende Technologie sein;
haupt nichts Großes mehr bauen? Wird Blickt man in andere demokratische derungen freudig zu umarmen. er passte nur nicht mehr in ein Verkehrs-
Deutschland zum Stillstandsland? Staaten, scheint Deutschland ein beson- Zumal die Traditionen der Romantik netz, das sich seit der Erfindung der Ma-
Andere Menschen wiederum schauen ders schwieriger Fall zu sein aus der und Naturliebe die Deutschen stärker gnetbahn rasant verändert hatte. Die
auf Stuttgart und verstehen die Welt Sicht jener, die Großprojekte oder über- prägen als andere Völker. Hier möchte Kernkraft galt lange als Zukunftstechno-
auch nicht mehr. Muss denn um des Fort- haupt neue Technologien durchsetzen man historische Schlösser rekonstruie- logie, doch wer wird all die Kraftwerke
schritts willen immer gleich das Alte wei- wollen. Während Frankreich sich mit ren statt Architektur wagen, wie die De- brauchen, wenn sich Gebäude irgend-
chen? Geht es nicht eine Nummer klei- Atomkraft und Israel sich mit Gen-For- batten um das Berliner Stadtschloss und wann über die Sonne selbst mit Energie
ner, behutsamer, warum lässt sich Ge- schung brüstet, überwiegt in der deut- die Höhengrenzen für Münchens Hoch- versorgen? Allein die Länge von Geneh-
wachsenes nicht bewahren? Und warum schen Debatte die Angst vor dem Risiko. häuser gezeigt haben. Und der deutsche migungsprozessen bringt es mit sich,
müssen die Stimmen der Zweifler mit al- Aber auch in aufstrebenden Nationen Wald ist nationales Heiligtum. dass sich die Welt an deren Ende oft
ler Macht gedämpft werden? Gibt es kein wie Brasilien oder Südkorea wird blo- Möchte man den Menschen Großpro- weiterentwickelt hat. Deutschland
Leben mehr nach dem Planfeststellungs- ckiert, protestiert, demonstriert. Und jekte zumuten, verlangen sie Erklärun- braucht eine Idee vom Fortschritt und
verfahren, das eigens erfunden wurde, auch in Deutschland können immer wie- gen: Warum jetzt? Warum so? Warum ge- große Projekte. Aber es muss erlaubt Das Neue annehmen: Der Potsdamer Platz in Berlin gehört zu den erfolgreich ver-
um alle Bedenkenträger einzufangen? der große Umbauten verwirklicht wer- nau diese Technologie und nicht eine an- sein, deren Sinn zu hinterfragen. wirklichten Großprojekten in Deutschland. Foto: Action Press

Nur ein bisschen Häme


Die Österreicher mosern über Planungsfehler beim neuen Wiener Zentralbahnhof. Widerspruch aber gibt es kaum
Von Michael Fran k punkt, ausgedrückt in vielen Kopfbahn- bahnhof, bisher Ausgangspunkt ins alte tigt werden sollen, gelten jetzt schon als
höfen. Jetzt baut man für zwei Milli- Europa und damit ein bisschen Haupt- zu knapp. Man habe zu viel Fläche für ei-
Wien – Erst war der arden Euro einen modernen Durchgangs- bahnhof, wird Regionalstation. ne riesenhafte Geschäfts- und Wohnwelt
große steinerne Mar- bahnhof, der – wie Stuttgart – Teil der Notiz nehmen die Wiener von dem Pro- abgezweigt, sagen Kritiker.
kuslöwe in der Hal- Hochgeschwindigkeitsmagistrale Paris – jekt nur am Rande. Man freut sich, dass Proteste blieben dennoch völlig aus,
le weg. Jetzt ist da Budapest – Bukarest werden soll. Bis- die Fahrerei zu immer anderen Bahnhö- weil die meisten das Projekt an sich be-
ein riesen Loch, wo lang müssen Züge aus dem Westen gen fen aufhört, je nachdem in welche Welt- grüßen – und es die Stadtgestalt kaum be-
vom einzigen bei- Osten ein wackeliges Umgehungsgleis gegend man sich aufmacht. Und in ge- rührt. Zwar relativ zentral, findet der
nahe im rechten Winkel angelegten Dop- durch Wiens Süden nehmen, das fast ei- schultem Defätismus warten sie darauf, ganze Bau auf Grundstücken der Öster-
pelkopfbahnhof Europas seit Kaiser- ne Stunde kostet. Oder die Fahrgäste dass der Hauptbahnhof gewiss doppelt reichischen Bundesbahnen statt. Da stan-
zeiten auch die Züge nach Venedig abgin- müssen quer durch die Stadt den Bahn- so teuer werde als geplant und somit zur den Werkstätten, es gab Rangier- und Ab-
gen. Wien war Haupt eines Imperiums hof wechseln. Der Südbahnhof muss die- Skandalmasse. Man ist das so gewöhnt: stellgleise. Nur den Bau eines Tunnels
gewesen, herrischer Ausgangs- und End- sem neuen Hauptbahnhof weichen, sein Gerade zankt man um den Sky-Link, ei- am Westeingang der Stadt suchte eine
Ostteil arbeitet noch, von wo man nach nen riesigen Zubau des Wiener Flug- Bürgerinitiative mit wenig Widerhall zu
Bratislava und Prag startet. Der West- hafens, der 120 Prozent mehr Geld ver- bekämpfen. Der Zubringer unterquert
schlingt als berechnet. Direkt vor Baube- den Lainzer Tiergarten, ein Naherho-
ginn musste die ganze Bahnhofsplanung lungsgebiet. Eines Tages will man auch
kassiert werden, weil schon die Aus- den Wienerwald unterfahren, der heute
schreibung unkorrekt ablief – so was so viel Zeit raubt mit seiner gewundenen
kennt man. Trasse.
Gigantisch wird die Anlage allemal, Man empört sich nicht einmal, lacht
die Ende 2012 in Betrieb gehen soll. Aller- eher darüber, dass die innerstädtische
dings nicht unbedingt ver- Verkehrsanbindung dürftig sein wird:
kehrstechnisch, denn Die alte U-Bahn-Linie 1 missachtete Das Alte bewahren: Tausende Spanier demonstrierten 2002 in Barcelona gegen
die acht Fernbahnglei- schon vor Jahrzehnten die Fernbahnhö- die Umleitung des Flusses Ebro. Das Projekt wurde gestoppt. Foto: AP
se, auf denen täglich ein- fe, und die Erweiterung der Ringlinie U 2
tausend Züge abgefer- wird just genau so geplant, dass auch sie
den neuen Großbahnhof verfehlt. Die
Wiener mosern insgeheim über derlei,
aber protestieren? Sie tun gern so, als gin-
ge sie das gar nichts an.
Erst Ärgernis, dann Attraktion
Umso faszinierter blicken sie nach Die Franzosen protestieren häufig. Die Versöhnung kommt später
Stuttgart. Denn in Wien gilt öffentlicher
Protest noch immer als Revoluzzerei, als Von Michael Kläsg en ler Ablehnung hin zur Begeisterung so
Sache von Chaoten und Außenseitern. Es festmachen wie am Viadukt von Millau.
gebe hier gar nicht die kritische bürger- Paris – Das Protes- 20 Jahre lang zogen sich die Proteste ge-
liche Schicht für qualifizierten Protest tieren fällt Fran- gen die Autobahnbrücke hin, die das
wie in Stuttgart, in dem viele distin- zosen leicht. Am Tarn-Tal in Südfrankreich überspannt.
guierte Leute mitmachen, wird einem Dienstag demon- So quälten sich jeden Sommer kilometer-
diskret bedeutet. So hat man auch strierten sie das lange Autoschlangen den Larzac hinauf.
hingenommen, dass vor Baubeginn fast vierte Mal binnen ei- 2004 wurde die weltweit längste Schrägs-
keine öffentliche Debatte über Sinn und nes Monats gegen die Rentenreform. Und eilbrücke schließlich in Betrieb genom-
Unsinn des Projekts stattfand. Zum natürlich entzündet sich ihr Unmut auch men – knapp 2,5 Kilometer lang und mit
Illustrationen: Ilona Burgarth Glück macht es Sinn. an großen Bauprojekten. Selten führt Pfeilern höher als der Eiffelturm. „Die
das allerdings zu Massenkundgebungen, Menschen glaubten, die Brücke sei das
der Protest artikuliert sich eher in beharr- Phantasiegebilde eines Ingenieurs, etwas

Das Spiel der Demokratie licher Obstruktionspolitik etwa von


Bürgerinitiativen. Derzeit kann man das
bei einem der größten Bauvorhaben von
Größenwahnsinniges, das sich niemals
realisieren ließe“, erinnert sich der Bürg-
ermeister von Millau, Guy Durand.
Die Schweizer stimmen über alle großen Bauprojekte ab. Egal wie hitzig zuvor diskutiert wurde – das Ergebnis wird klaglos akzeptiert Paris beobachten. Den Baubeginn zur Ein gewisser José Bové, heute Europa-
Umgestaltung der ehemaligen Markthal- abgeordneter, hatte in der Nähe von Mil-
Von Thomas Kirch ner zeptanz von Großprojekten, wenn die entscheid würde kein einziger Meiler ge- der Abstimmung wurde es sofort ruhig. len Les Halles im Zentrum hatten Anwoh- lau die Baustelle einer McDonald’s-Fi-
Bürger abstimmen dürfen. Das zeigt die baut, und die deutschen Nachbarn rüh- Wenn die (halb-)direkte Demokratie ner erfolgreich um ein halbes Jahr ver- liale verwüstet und wurde damit interna-
Zürich – Glückliche Neue Alpentransversale (Neat). Die Idee, men das bürgernahe Verfahren, in dem also so viele Vorteile hat, warum überneh- schieben können – bis vor kurzem. tional bekannt. Er war auch ein führen-
Schweizer? Dort Eisenbahn-Basistunnel durch den die Schweizer derzeit nach einem Lager men wir sie nicht? Manche führen negati- Bemerkenswert in Frankreich ist, dass der Gegner der Brücken. Der Ingenieur
dürfen die Bürger Lötschberg und den Gotthard zu treiben, für den Nuklearabfall suchen. Nicht zu- ve Erfahrungen aus der deutschen Ge- sich anfänglicher Protest häufig nach Michel Virlogeux und der britische Ar-
über fast alles ab- um den steigenden Nord-Süd-Güterver- letzt erhöhen die Referenden zumindest schichte an. Die zwingendste Antwort Fertigstellung des Bauwerks in Wohlge- chitekt Norman Foster bauten sie trotz-
stimmen: über das kehr zu bewältigen, stammt schon aus partiell den Kenntnisstand der Leute. aber lautet: weil sich direkte und reprä- fallen auflöst. Beim Centre Pompidou, je- dem.
Schulhaus um die den sechziger Jahren. 1992 billigten sie Nicht jedes öffentliche Bauprojekt sentative Demokratie nicht so einfach nem bunten Röhrengeflecht nicht weit Heute gibt es den „Stau von Millau“
Ecke, den Beitritt zu den Vereinten Natio- die Schweizer an der Urne. Leider wurde wird dem Volk vorgelegt, ab einer be- vermischen lassen. Die Schweizer, ein von Les Halles, war das so. Der damals nicht mehr, das Viadukt ist zur Attrak-
nen – und natürlich auch über Großpro- das Projekt über die Jahre immer teurer, stimmten Größenordnung aber (oder staatsskeptisches Volk, haben sich die noch junge und unbekannte Architekt tion geworden. Reisende drängeln sich
jekte, die mit Stuttgart 21 vergleichbar mit voraussichtlich 24 Milliarden Fran- wenn jemand das Referendum dagegen Volksrechte nach der Gründung des Bun- Renzo Piano wurde verhöhnt und sein auf den Aussichtsplattformen. Und
wären. Halb neidisch, halb abwehrend ken kostet die Neat jetzt etwa doppelt so ergreift) wird es gefragt. Das zwingt die desstaates 1848 allmählich erkämpft. Pa- Bauwerk verlacht. Inzwischen ist das wenn man unten im Tal eine Bootstour
schauen die Deutschen deshalb wieder viel wie geplant. Was die Menschen an- Politiker oder andere Entscheider, die rallel entwickelte sich eine Konsensde- Kulturzentrum ein Anziehungspunkt für über den Tarn macht, gilt es als Höhe-
einmal auf das Nachbarland. Die einen derswo auf die Barrikaden treiben wür- mutmaßliche Volksmeinung einzubezie- mokratie mit permanenten großen Koali- Touristen, und täglich stehen Studenten punkt, unter den hochaufragenden Pylo-
sehen in stärkeren Volksrechten die Lö- de, schlucken die Schweizer – sie haben hen. „Gelingt es nicht von Anfang an, die tionen auf allen staatlichen Ebenen. Eine vor der Bibliothek Schlange. Manche Pa- nen hindurchzufahren. Auch auf dem
sung für viele Probleme, die anderen wei- ja ihr Plazet gegeben. Leute zu überzeugen, müssen die Behör- der Parteien spielt dann fallweise Opposi- riser haben sich freilich immer noch Marktplatz von Millau zeigen sich die
sen auf die speziellen politischen und his- Dasselbe gilt für alle anderen Infra- den darauf verzichten oder mit der tion und versucht, bei einem Thema das nicht mit dem Röhrenbau abgefunden. Einwohner zufrieden mit dem Bau, und
torischen Bedingungen in der Schweiz strukturvorhaben. Die Abstimmungen Planung von vorne beginnen“, sagt der Volk zu mobilisieren. In der deutschen An wohl keinem Bau- die Betreibergesellschaft Eiffage soll
hin. wirken befriedend. Deutlich spürbar ist Politologe Andreas Ladner, „das gehört Aushandlungsdemokratie wird Konsens werk kann man den ihren Schnitt gemacht haben. Den Pro-
Wissenschaftler wie der Zürcher Öko- das beim Thema Atomkraft. Ohne Volks- zum Spiel der Demokratie.“ Niederlagen vor allem durch die Einbeziehung von In- Wandel von radika- test von damals belächeln viele.
nom Bruno Frey meinen sogar beweisen werden klaglos akzeptiert, wie jüngst teressengruppen hergestellt. Offensicht-
zu können, dass die direkte Demokratie das Votum über das umstrittene „Nagel- lich funktioniert das nicht mehr so gut.
die Menschen wirklich glücklicher haus“ in Zürich zeigte. So stark die Die Frage ist, ob es sich mit ein paar
macht. Auf jeden Fall steigt die Ak- Emotionen vorher gewesen waren, nach Volksentscheiden reparieren lässt.
Mittwoch, 13. Oktober 2010 HF2 Süddeutsche Zeitung Nr. 237 / Seite 23
WIRTSCHAFT
Bloß nicht aufmucken
Straßenproteste? Undenkbar in Stockholm. Denn die Schweden vertrauen ihren Behörden
Von Gunnar Herrm ann insel Ekerö zu einem Bauboom führen Straßen aber bleibt es fast immer ruhig.
wird. Das bis jetzt ländlich geprägte Ar- Grund dafür ist das große Vertrauen
Stockholm – Die chipel im Mälarsee könnte verstädtern. der Schweden in ihre Obrigkeit. Dieses
neue Umgehungs- Die Behörden aber versichern, die Um- gute Verhältnis zum Bürger könne man
straße wird den weltbeeinträchtigungen seien minimal. sogar belegen, sagt eine Sprecherin des
Westen Stockholms Schließlich werde die Autobahn ja in den Straßenbauamtes und verweist auf eine
wohl für immer ver- Tunnel gelegt. Die Befürworter der Um- Statistik zur „Kundenzufriedenheit“ in
ändern und den gehung haben die Mehrheit im Stadtrat, Behörden. „Bei diesen Untersuchungen
Haushalt der Hauptstadt auf Jahrzehnte und so bereitet man im Straßenbauamt liegt fast immer die Polizei an erster Stel-
belasten. 21 Kilometer lang, sechsspurig, schon für 2012 den Spatenstich vor. le. Aber das Straßenbauamt ist auch
komplett untertunnelt soll sie sein und Mårten Wallberg vom schwedischen recht weit vorne“, erklärt sie stolz. Dann
voraussichtlich wird sie umgerechnet Naturschutzverband bleibt trotzdem ge- erzählt sie vom transparenten Planungs-
fast drei Milliarden Euro kosten. Natür- lassen. Seit den 1990er Jahren kämpft er verfahren in Schweden, bei dem alle Plä-
lich gibt es gegen ein solches Riesenpro- gegen die Straße. „Die Sache ist noch ne öffentlich ausgestellt und diskutiert
jekt Proteste – doch besonders laut sind nicht entschieden“, meint er. Wallberg werden. Das schaffe eben Vertrauen. Bei Der Kampf um
sie nicht. Im Kommunalwahlkampf vor
einigen Wochen spielte „Förbifart Stock-
verweist auf eine Klage, die er gegen den
Beschluss der Regierung eingereicht hat.
den Bürgerversammlungen gehe es zwar
schon manchmal heiß her, sagt sie. Aber
des Wassers Fluss
holm“, wie die Umgehung heißt, sogar Und auf technische Probleme in der Pla- die Diskussion bewege sich dabei immer Von Javier Cacere s
nur eine unbedeutende Nebenrolle. nung, die noch nicht gelöst seien. Außer- in einem geordneten Rahmen.
Das ist erstaunlich, denn die Straße ist dem will der Naturschutzverband weiter Wallberg beschreibt die Debatten- Madrid – Mit der Protestkultur gegen
nicht nur teuer, sie berührt auch mehrere mit Pressemitteilungen und Infoblättern kultur seiner Heimat ähnlich. „So etwas die Umweltzerstörung und Großpro-
Naherholungsgebiete. Eine Ausfahrt aus „um die öffentliche Meinung ringen“. wie in Frankreich, wo die Bauern Mistla- jekte, so lautet das Klischee, ist es in
dem sechsspurigen Autobahntunnel soll Großdemonstrationen sind dagegen dungen vors Ministerium kippen, das wä- Spanien nicht allzu weit her. Und auf
zum Beispiel auf der idyllischen Insel Lö- keine geplant. Das ist typisch für re bei uns undenkbar“, meint er. Das wi- den ersten Blick stimmt es ja auch: Es
vö entstehen, direkt hinter dem Schloss- Schweden: Auseinandersetzungen dieser derspreche schwedischer Tradition. Man gibt keine nennenswerte grüne Partei,
park von Drottningholm. Das Schloss ist Art spielen sich dort im Vergleich zu an- bekommt den Eindruck, dass der Um- dafür aber vor allem an den Rändern des Landes, den Küs-
nicht nur Wohnsitz der Königsfamilie deren Ländern nahezu geräuschlos ab. weltschützer diese Tradition eigentlich tengebieten, eine systematische Verschandelung der Land-
und ein beliebtes Ausflugsziel, es ist Die Gegner kämpfen mit Gastkom- ganz gut findet. Dann sagt er aber doch schaft, die offenbar kaum jemanden gestört hat, weil zu vie-
auch Weltkulturerbe. Umweltschützer mentaren in den Tageszeitungen, mit noch: „Manchmal denke ich schon, dass le zu gut daran verdienten. Die Proteste gegen Atomkraft
befürchten, dass der neue Verkehrskno- Infoständen, Webseiten und in Gerichts- die Schweden etwas kritischer sein könn- und eine Schnellbahntrasse im Baskenland kranken daran,
tenpunkt auf Lövö und auf der Nachbar- verfahren für ihre Sache. Auf den ten. Wenigstens ein bisschen.“ dass die Eta eingriff – mit tödlichen Terroranschlägen gegen
Ingenieure.
Der Unmut gegen einen Tunnel für den Hochgeschwindig-

Ewig unvollendet keitszug in Barcelona war vergleichsweise kleinlaut – und


vor allem von der Furcht getragen, die Bohrungen könnten
die Fassade der Monumental-Kathedrale Sagrada Familia
In Italien dauern Großvorhaben länger als überall sonst in Europa. Die Gegner beweisen Kondition reißen lassen. Doch es gibt auch ganz andere Beispiele, bei
denen sich Protest manifestiert und schließlich Großvorha-
Von Ulrike Sauer treibt nicht nur die Furcht vor Lärm und Unvollendete ist Kennzeichen italieni- ben teilweise sogar gestoppt hat.
Staub in mehr als zehn Jahren Bauzeit scher Infrastrukturprojekte. Ihre Ver- Vor allem die Schlachten rund um ein in Spanien immer
Rom - Als sich die an. Sie ängstigen sich vor der Freiset- wirklichung dauert im Schnitt zehnmal knapperes Gut namens Wasser haben Massen mobilisiert,
Omas aus dem zung von Asbest und Uran bei den Bohr- so lange wie bei den europäischen Nach- sagt Ladislao Martínez vom Vorstand von Attac Spanien.
Alpental Val di Su- arbeiten im Berggestein für die 66 Kilo- barn und ist drei Mal so teuer. Endlose Zum Beispiel wenn es darum ging, Stauprojekte abzuwen-
sa im Spätherbst meter langen Tunnelschächte. Über die- Bauarbeiten sind eine Epidemie – von den, die gleich mehrere Naturschutzgebiete bedrohten, zum
2005 mit dem se Bahntrasse soll einmal Lissabon mit den Alpen bis zur Meerenge vor Messina: Beispiel im nordspanischen Itoiz.
Schwarzen Block dem fernen Kiew verbunden werden. Ih- Dort steht die Brücke, die Sizilien an die Die größten Demonstrationen rief freilich der Kampf um
verbündeten, dämmerte den Regieren- re Geschichte begann 1990, als die EU Stiefelspitze anbinden soll, seit mehr als den Ebro-Fluss hervor, der ganze Regionen gegeneinander
den in Rom, dass sie in einer Sackgasse den Bau eines kontinentalen Schienen- 30 Jahren als „Priorität“ auf dem Papier. aufbrachte und gleichsam ein Vorbote der Folgen des Klima-
steckten. Die Polizeispitze musste am Ni- netzes für Hochgeschwindigkeitszüge be- Der erste Plan für Schutzbarrieren gegen wandels war. Die konservative Volkspartei PP hatte zu ih-
kolausabend mit den Demonstranten schloss. Auf der anderen Alpenseite in das Hochwasser in Venedig stammt aus rer Regierungszeit (1996-2004) den Ebro um Hunderte Kilo-
über den sicheren Abzug ihrer Leute von Frankreich laufen die Arbeiten reibungs- dem Jahr 1980. Doch die Lagunenstadt meter umbetten wollen, um das Wasser aus dem Nordosten
einer Baustelle der neuen Hochgeschwin- los. Im Susa-Tal aber bieten Lokalpoliti- wird jeden Winter aufs Neue über- in den versteppenden Süden umzuleiten. Zehntausende gin-
digkeitstrasse Turin - Lyon verhandeln. ker, Bevölkerung und Umweltgruppen schwemmt. Und Premier Berlusconi lös- gen bei Demonstrationen dafür und dagegen auf die Stra-
Die Kraftprobe mit dem unbeugsamen Rom die Stirn. So drohte die europäische te kürzlich unfreiwillig Belustigung aus, ßen, der irrwitzig anmutende Plan wurde nach dem Regie-
Bergvolk war grotesk gescheitert. Seit Trasse blockiert zu werden. als er die Fertigstellung der Autobahn Sa- rungswechsel 2004 fallen gelassen.
Wochen standen sich an Straßenbarrika- 2006 kam es in Rom zum Regierungs- lerno - Reggio Calabria als Punkt seines Auch in Urlaubsgebieten gibt es hin und wieder Proteste,
den um das Dorf Venaus Protestierer und und damit zum Taktikwechsel. Romano Regierungsprogramms aufzählte: Nach wenngleich eher vereinzelt. So zum Beispiel in Ibiza, als ei-
mit Schlagstöcken ausgerüstete Polizi- Prodi machte sich für das Großprojekt 13 Jahren glaubt niemand an den Ab- ne Autobahn verhindert wurde, und sich die Spanier die Au-
sten gegenüber. Die Regierung von Silvio stark, bezog aber die rebellische Bevölke- schluss der Bauarbeiten. Die Autobahn gen rieben, dass es Männer und Frauen aus dem gut situier-
Berlusconi wollte das umstrittene Pro- rung ein und kooperierte mit der Lokal- hat nur einen Gegner: die Mafia. Die ten Bürgertum waren, die die Proteste anführten. 2005 gin-
jekt unbedingt durchdrücken und hatte politik. Zwei Jahre später musste Prodi ´Ndrangheta-Clans verdienen zu gut an gen dort 15 000 Menschen auf die Straße – immerhin 15 Pro-
Baufirmen zu Probebohrungen ge- gehen, doch seine Strategie führte 2008 der Dauerbaustelle. Man schätzt, dass in zent der Bevölkerung Ibizas.
schickt. Bis man einsah, dass die Bahn- zu ersten Erfolgen: Eine Einigung über Italien 60 Projekte im Gesamtwert von
strecke sich nicht per Militarisierung des den Streckenverlauf wurde erzielt. 16 Milliarden Euro auf Eis liegen. Das
Alpentals durchdrücken lässt. Natürlich wird weiter über Details ge- Nichtstun hat seinen Preis: In den kom-
Noch heute wird im Piemont nordwest- stritten. Das Trassenvorhaben kommt im menden 15 Jahren soll es das Land
lich von Turin gerungen. Die Menschen Zeitlupentempo voran. Aber das ewig 383,5 Milliarden Euro kosten.

Geld entscheidet Trotz aller Liebe Beim Kohl endet die Geduld
Infrastruktur ist ersehnt, Immobilienentwickler sind gefürchtet Ureinwohner legen sich mit Brasiliens populärem Präsidenten an Ein Staudamm-Bau treibt den Gemüsepreis – und damit die Wut
Von Nikolaus Pipe r milien mit geringem Einkommen reser- Von Peter Burghar dt zerstörerisch, sondern obendrein unrent- Von Christoph Ne idhart betten werden ausgebaggert, Sumpfgebie-
viert werden. Der Entwurf für den Kom- abel, weil der Xingú die meiste Zeit des te trockengelegt. Dazu kommen Straßen,
New York – Die Sa- plex stammte von dem Stararchitekten Buenos Aires – Der Jahres nicht genügend Wasser führe. Seoul – In Südkorea Radwege, Freizeitparks und Hotels. Die
che ist einfach: Der Frank Gehry, was Atlantic Yards für die vermutlich belieb- Und Regisseur James Cameron wetterte wird der Kohl Flüsse führten immer weniger Wasser, ihr
Konflikt um Stutt- Stadt noch attraktiver macht. teste Präsident der bei einem Ortstermin ebenfalls dagegen. knapp. Innerhalb Schlamm sei mit Schwermetallen vergif-
gart 21 wäre in den Auf der anderen Seite standen die Ein- Welt ist begeistert In anderen Ländern Lateinamerikas von sechs Wochen tet, sagt Young Soogil, Beauftragter des
Vereinigten Staa- wohner aus der Nachbarschaft. Sie von mächtigen Tur- finden die Rebellen allerlei Vorbilder für hat sich der Preis Präsidenten für das Projekt. Zudem wer-
ten so nicht mög- glaubten, dass das Projekt in seinen riesi- binen, sie sind für ihren Kampf gegen die bauwütige Zen- verfünffacht. Die de es wegen des Klimawandels seltener,
lich, und zwar aus zwei Gründen. Er- gen Dimensionen ihr vertrautes Wohn- ihn ein entscheidender Antrieb für Brasi- trale. Am Rande von Mexiko-Stadt sorg- Opposition schimpft, das sogenannte aber stärker regnen. Die Staudämme wür-
stens liegt das Land mit der Modernisie- umfeld zerstören würde. Die fraglichen liens Aufstieg zur Wirtschaftsmacht. Als ten hartnäckige Aufständische vor Jah- Vier-Flüsse-Projekt sei schuld. Das den helfen, die Trinkwasserversorgung zu
rung seiner Eisenbahnen um Jahrzehnte Viertel mit ihren hundert Jahre alten Rei- vor einigen Monaten in Millionen Haus- ren dafür, dass die Pläne für den Groß- Neun-Milliarden-Euro-Unterfangen hat sichern und Überschwemmungen zu ver-
hinter Europa zurück. Zweitens sind Aus- henhäusern standen noch in den achtzi- halten zwischen São Paulo und Rio de Ja- flughafen nach Straßenschlachten wie- schon 105 Quadratkilometer landwirt- hindern. Mit dem Ausbaggern würden die
gaben für die Infrastruktur ein progressi- ger Jahren davor, sich zu einem Slum zu neiro der Strom ausfiel, da war sich Luiz der in der Schublade verschwanden. In schaftlicher Fläche zerstört. Präsident giftigen Sedimente entfernt. Young preist
ves Anliegen. Gerade der liberale, um entwickeln. Inzwischen sind sie jedoch Inácio Lula da Silva erst recht sicher, Cochabamba in Bolivien verhinderten Lee Myung-bak spricht von einer Restau- das Projekt sogar als Teil des „grünen
den Klimawandel besorgte Teil der Öf- angenehme, fast idyllische Wohngegen- dass seine Heimat dieses Megaprojekt na- Herausforderer die Privatisierung der lo- rierung der wichtigsten Flüsse. Das Pro- New Deal” Südkoreas.
fentlichkeit drängt auf Investitionen in den geworden. Die Anwohner organisier- mens Belo Monte braucht. Ende August kalen Wasserversorgung. Es war dort der jekt soll sein Denkmal werden. Doch Kohl Die vergifteten Flussböden wurden
die Eisenbahnen. ten sich in Bürgerinitiativen und klagten unterschrieb der frühere Gewerkschaf- Beginn des politischen Umschwungs, der kostet nun mehr als Schweinefleisch. Aus kürzlich schon gereinigt und zu 97,3 Pro-
Das bedeutet nicht, dass Amerikaner vor Gericht. ter und Metallarbeiter den Konzessions- Evo Morales an die Macht brachte. Kohl macht man Kimchi, ein rohes Sauer- zent für saniert erklärt, schreibt Kim
keine Konflikte um Großprojekte ken- Viele der Bedenken bestätigten sich in vertrag für das Wasserkraftwerk am Rio In Brasilien bescherte eine grüne (und kraut, das die Koreaner zu jeder Mahlzeit Jung-wk, Professor für Umweltstudien an
nen. Nur sehen die ganz anders aus als in der Rezession. Ratner geriet in Geld- Xingú im Amazonasgebiet. Mehr als elf evangelikale) Welle der alternativen Kan- essen. Ohne Kimchi können sie nicht le- der National-Universität. Sein Gutachten
Deutschland. Häufig brechen sie auf, schwierigkeiten und musste die Kosten Gigawatt soll die dann drittgrößte Stau- didatin und Naturschützerin Marina Sil- ben, für Kimchi würden sie auf die Straße widerlegt jedes Argument der Regierung.
wenn mächtige Immobilienentwickler in drastisch senken. Unter anderem verzich- stufe des Planeten ab 2015 liefern, elf Mil- va in der ersten Runde der Präsident- gehen. 2000 Professoren haben sich hinter ihn ge-
gewachsene Wohn- und Geschäftsviertel tete er auf den teuren Entwurf Gehrys. liarden Dollar wird das Monstrum vor- schaftswahl kürzlich fast 20 Prozent der Und das können sie: Südkoreas Studen- stellt. Das Projekt zerstöre die Flüsse, das
eingreifen und versuchen, die Politik für Damit ging auch der ästhetische Reiz von aussichtlich kosten. Auch Dilma Rous- Stimmen und zwang die industriefreund- ten zwangen mit endlosen Protesten in Habitat vieler Vögel, es belaste die Um-
sich zu instrumentalisieren. Und meist Atlantic Yards verloren. Die Arena wer- seff, die Lula beerben will, zählt zu den liche Favoritin Rousseff in die Stich- den 1980er Jahren die Diktatur in die welt und gefährde die Trinkwasserversor-
werden sie dann mit Geld gelöst. de aussehen wie ein Flugzeug-Hangar, Antreibern. Doch Lula und Dilma tref- wahl. Verhindert werden kann der Bau- Knie, Hunderte bezahlten die Demokratie gung, so Kim. Während andere Länder ih-
Ein typischer Fall ist das Projekt At- schrieb die New York Times. Trotzdem fen auf einen Widerstand, der noch unan- beginn von Belo Monte zwar kaum mehr, mit ihrem Leben. Bürgerbewegungen setz- re Flüsse renaturierten, denaturiere Süd-
lantic Yards in Brooklyn. Hier sollen auf wurde das Projekt weitergetrieben. genehm werden kann. dafür hat es der ansonsten außerordent- ten die Schließung von US-Militärstütz- korea seine Gewässer. Der Professor zeigt:
einem ehemaligen Bahngelände der Jetzt ging es nur noch um eine Frage: Nicht nur Umweltschützer sind ent- lich populäre Lula bereits zu weit voran- punkten durch. Und vor zwei Jahren zwan- Das Vier-Flüsse-Projekt ist eine Neuaufla-
Long Island Railroad eine neue Arena Darf „Eminent Domain“, die amerikani- setzt von dem Riesenbauwerk im bedeu- getrieben. Aber von der Opposition aus gen sie Präsident Lee, das Importverbot ge des verhinderten Kanals. Die geplanten
für das Basketball-Team der „Nets“ und sche Form des Enteignungsverfahrens, tendsten Naturraum der Erde. Auch Ur- Ortsansässigen und internationalen Sym- für US-Rindfleisch neu zu verhandeln. Da- Staudämme sind jene, die für den Kanal
Tausende neuer Wohnungen entstehen. auf ein privates Projekt wie Atlantic einwohner an dem Fluss lehnen den Vor- pathisanten wird noch zu hören sein, für hielten sie drei Monate lang Mahn- geplant waren. Dazugekommen sind bloß
Nach sieben Jahren zum Teil erbitterten Yards angewandt werden? Und wie viel stoß ab, 12 000 Menschen müssten umge- wenn die Maschinen anrücken. Die india- wachen. Dann stoppten sie das Projekt die Radwege, Hotels und Erholungszonen
Streits begannen die Bauarbeiten am 1. Geld bekommen die Enteigneten? Im No- siedelt werden. „Solange ich am Leben nischen Kritiker waren trotz versproche- des Präsidenten, einen Kanal durch die – mehr Beton.
März. Es ist mit einem Volumen von 4,9 vember entschied ein Berufungsgericht bin, werde ich Nein sagen zur Zerstörung ner Entschädigungen außer sich vor Halbinsel zu bauen. Jetzt wollen Opposi- Weil das Projekt bis zum Ende von Lees
Milliarden Dollar – nach dem Wiederauf- in der Enteignungssache zu Ratners der indigenen Völker“, verkündete Rao- Wut, als Lula die Verträge mit den Bau- tion und Umweltschützer den Kim- Amtszeit 2012 fertig werden soll, peitsch-
bau des World Trade Centers – derzeit Gunsten. Im April gab Daniel Goldstein, ni Metyktire vom kämpferischen Stamm firmen unterschrieb. Man habe „ein Ge- chi-Preis dazu nutzen, aus dem Widers- te dieser die Bauarbeiten voran, bevor die
das zweitgrößte Bauvorhaben New der letzte Protestierer, auf. Gegen die der Kayapó, einer der Wortführer. Die In- fühl der Revolte bei all der Ungerechtig- tand gegen das Vier-Flüsse-Projekt eine Gutachten erstellt waren. Nach zehn Mo-
Yorks. Zahlung von drei Millionen Dollar ver- dianer haben sich längst zum Protest for- keit“, klagte Aktivistin Sheyla Juruna. Volksbewegung zu machen. naten Bauzeit ist das Mega-Projekt zu ei-
Entwickler von Atlantic Yards ist ließ er seine Wohnung und trat als Vorsit- miert, und sie finden prominente Unter- „Unsere Gegenwehr muss neue Formen Südkorea ist ein Land der Großprojek- nem Drittel fertig. Dabei fangen die Ge-
Bruce Ratner, ein ruppiger Unternehmer zender der wichtigsten Bürgerinitiative stützung. Raoni trat gemeinsam mit dem annehmen. Wir sind bereit für den Krieg, te. Hier werden noch neue Städte aus dem richte erst an, die 9300 Klagen zu behan-
aus Ohio. Der Eigentümer der Nets brach- zurück. britischen Sänger Sting auf. „Das ist das wenn die Regierung nicht hören will.“ Boden gestampft wie sonst nur in China. deln. Die Anwälte sagen, die Demokratie
te Bürgermeister Michael Bloomberg Herz des Amazonas“, sprach der Pop- Lee, einst Chef eines Baukonzerns, will an und der Rechtsstaat stünden auf dem
und den Stadtrat hinter sich mit dem Ver- star, „und alles, was hier passiert, be- den vier Flüssen 16 Staumauern Spiel. Obwohl Lee ihnen Arbeitsplätze ver-
sprechen, Brooklyn neu zu beleben und trifft die Welt.“ Der österreichische Bi- errichten, Hunderte Kilo- sprach, rufen sogar die Gewerkschaften
neue Jobs zu schaffen. Knapp ein Drittel schof Erwin Kräutler leistet den Demons- meter sollen in Dämme zum Widerstand auf. Aber wirksamer als
der geplanten Wohnungen sollten für Fa- tranten in seiner Diözese Altamira Bei- gelegt werden, die Fluss- alle Aufrufe wird der Kimchi-Preis sein.
stand. Für ihn ist Belo Monte nicht nur