Sie sind auf Seite 1von 56

Dezentrale Erzeugung und Speicher - Strom

Grundlagen der urbanen Energieversorgung


Studiengang: Integrative Stadtentwicklung – Smart City

Kurt Leonhartsberger, MSc.


FH Technikum Wien
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Fernlehre
Schriftliche Ausarbeitung der folgenden Fragen
unter Zuhilfenahme der Wind- und PV-Skripten (siehe Moodle), E-Genius
sowie externer Quellen
Abgabe bis 4. November 18:00 in Moodle

Fragen PV:
Was ist mit kWp gemeint? Wofür steht die Abkürzung STC? Warum ist es
wichtig die Nennleistung einer Photovoltaik-Anlage zu kennen?
Was versteht man unter Volllaststunden? Wie viel Energie (in kWh)
kann eine PV-Anlage in Österreich mit einer Nennleistung von 1 kWp im
Jahr ungefähr produzieren?
Stellen Sie den Photovoltaischen Effekt in einer Solarzelle dar (grafisch
oder in einem Modell). Welche Wirkungsgrade erreicht die Photovoltaik
heute, was ist in der Zukunft möglich?
Welche Arten von Solarzellen kennen Sie? Wodurch unterscheiden sich
Dünnschichtzellen von kristallinen Solarzellen? Welche
Halbleitermaterialien werden neben Silizium noch für Solarzellen
verwendet? Was ist der Unterschied zu Silizium?
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Fernlehre
Wie ist die energetische Amortisationszeit einer PV-Anlage bzw.
einer Windkraftanlage?
Skizzieren Sie den Verlauf der PV-Erzeugung an einem sonnigen
Sommertag sowie über ein Kalenderjahr.

Fragen Windkraft:
Welche Faktoren haben Einfluss auf den Ertrag eine Windkraftanlage?
Reihen Sie diese nach der Größe des Einflusses.
Aus welchen Komponenten besteht eine Windkraftanlage? Gibt es
Komponenten, die nicht immer erforderlich sind? Welche Rotor-Typen
kennen Sie? Geben Sie die maximal erreichbaren Leistungsbeiwerte der
unterschiedlichen Rotortypen an.
Was bedeutet das Betzsche Gesetz und wie hoch ist der ideale Leistungsbeiwert
nach Betz? Was versteht man unter der Leistungskurve von Windkraftanlagen?
Berechnen Sie die Leistung P einer Windkraftanlage mit einem
Rotordurchmesser von 80 m bei einer Luftdichte von 1,22 und einer
Windgeschwindigkeit von 10 m/s. Bei welcher Windgeschwindigkeit
bringt diese Windkraftanlage eine Leistung von 5 MW?
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Vertiefung Fernlehre (Stromspeicher, Smart Grids, E-Mobility)


2 Personen pro Thema
Wissenschaftliches Paper (3-4 Seiten)
sowie Kurzpräsentation (7-10 min)

Vorgehensweise
Abgabe Abstract bis 30. November 18:00 in
Moodle -> Feedback bis 04. Dezember
Kurzpräsentation (7-10 min) am 19. Dezember
Abgabe wissenschaftliches Paper und Kurzpräsentation (als PPT oder
PPTX) bis 6. Jänner, 18:00 in Moodle
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Vertiefung Fernlehre (Stromspeicher, Smart grids, E-Mobility)


Themen (Vorschläge)
KfW-Speicherförderung inkl. Monitoring in Deutschland (Förderprogramm,
Methodik Monitoringprogramm,…) -> http://www.speichermonitoring.de/
Ergebnisse des Speichermonitoringprogramms in
Deutschland -> http://www.speichermonitoring.de/
Aktuelle Entwicklungen in der Elektromobilität (Trends, Reichweiten,
Produktpaletten, Kosten,…)
Elektromobilität Infrastruktur
Windprognose – Stand der Technik (Genauigkeit, Möglichkeiten,…), F&E-Aktivitäten,…
Batteriegroßspeicher – Erfahrungen aus der Praxis, weltweite
(Demonstrations-) Projekte,…
Wirtschaftsfaktor Heimspeichersysteme in Österreich und Deutschland
(Wertschöpfungskette, Installationszahlen, Hersteller und ausführende
Unternehmen, Zukunftsprognose,…)
Innovation – Batteriespeichersysteme der Zukunft (Entwicklung bestehender
Technologien, neue Technologien, Marktreife, Kostenentwicklung, zukünftige Trends,…)
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Vertiefung Fernlehre (Stromspeicher, Smart grids, E-Mobility)


Themen (Vorschläge)
Weltweite Entwicklung von Batteriespeichersystemen (Kosten,
Verkaufszahlen, Anwendungen, Wirtschaftlichkeit,…)
Anwendungsfälle und Geschäftsmodelle für Batteriespeichersysteme, insbesondere
dezentrale Heimspeichersysteme (Regelenergiemarkt, Virtuelle Kraftwerke, Pooling,…)
Vereisung von Großwindkraftanlagen (Systeme und Möglichkeiten,
Kosten und Wirtschaftlichkeit, Funktionsfähigkeit / Zuverlässigkeit,…)

Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Windenergie

Was wissen Sie bereits über PV- und Windenergie bzw.


was möchten Sie gerne wissen?

Kleingruppendiskussion
ca. 5 min
2-3 Personen pro Gruppe
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Unser Energiesystem im Wandel

Erzeugungskapazitäten in der EU 2014 (in MW).


Quelle: European Wind Energy Association

Veränderung der Erzeugungskapazitäten in der EU seit 2000 (in MW). Quelle: European Wind Energy Association
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Photovoltaik | Grundlagen

9
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Das System

Quelle: Fronius International


Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Grundprinzipien
Photovoltaik = direkte Umwandlung von Licht in Strom an atomaren Strukturen

Funktionsweise:
Solarzelle besteht aus Halbleiter-Schichten
Dotierung der Halbleiter-Schichten (Einbringen von Fremdatomen) mit
Bor und Phosphor => Erhöhung der Leitfähigkeit
Spannung entsteht in der Grenzschicht (p-n-Übergang) =>
photovoltaischer Effekt

Quelle: http://www.solarladen.de/photovoltaik-funktion
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Solarzellen
Kristalline Siliziumzellen
metallurgisches Silizium aus Quarzit z. B. als Quarzsand
im Lichtbogenofen durch Reduktion mittels Kohlenstoff
in der Schmelzflusselektrolyse bei ca. 1800 °C

Monokristalline Zellen
Tiegelziehverfahren, Zonenziehverfahren
Wirkungsgrad 30 % (Labor), 17 -21 % (Serie)

Polykristalline Zellen
Blockgießverfahren, Ziehverfahren
Wirkungsgrad 16 % (Serie)

Anteile der in den Jahren 2010 bis 2015 installierten


Solarzellentypen in Österreich. Anzahl der
monokristallines (links und Mitte) sowie polykristallines Modul Nennungen (Quelle: Innovative Energietechnologien
(Quelle: Solarnova Produktions- und Vertriebsgesellschaft mbH) in Österreich - Marktentwicklung 2015)
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Solarzellen
Dünnschichtzellen
Direkte Aufbringung des Halbleitermaterials auf ein
sogenanntes „Substrat“ z. B. Glas, Kunststoff,…
Halbleitermaterialien: amorphes Silizium (aSi), Cad-
miumtellurid (CdTe), Kupfer-Indium-Diselenid (CIS)
oder Kupfer-Indium-Gallium-Selenid (CIGS)
auch flexible Solarzellen durch Verwendung eines
biegsames Substrats möglich
Quelle: http://sunplugged.at
Geringer Materialeinsatz (ca. 1 % im
Vergleich zu kristallinen Modulen)

Quelle: Fraunhofer ISE, 2016, Photovoltaics Report


Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Wirkungsgrade
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Von der Zelle zum Modul


Aufbau (kristallin)
Verschaltung mehrerer Zellen zu Strings mittels Kupferbänder
Verschaltung mehrerer Strings zu einem Modul
Einbettung in Ethylen-Vynil-Acetat-Folie (EVA) bzw. Poly-Vinyl-
Butyral-Folie (PVB) mittels Laminator => für elektrische Isolierung und
Schutz vor mechanischer Beschädigung
Glas für Vorderseite (ca. 3,2 mm) mit hoher Lichtdurchlässigkeit
Glas oder Folie (z. B. Polycarbonat, Metallfolie) für Rückseite um
Eindringen von Wasser und Wasserdampf zu verhindern

Schichtaufbau eines Solarmoduls als Glas-


Folie-Modul (Quelle: GrAT)
Quelle: http://www.neue-energie- technik.net/de/photovoltaik-
module.html
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Wechselrichter
Analyse:
Marktübersicht Batteriespeicher für Photovoltaikanlagen
2015” des „PV Magazine”

Inselfähigkeit von Batteriespeichersystemen (Quelle: Produktdatenbank Batteriespeichersysteme für Photovoltaikanlagen


2015. Verfügbar unter: http://www.pv-magazine.de/marktuebersichten/batteriespeicher/produktdaten-2014)
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Ausrichtung und Dimensionierung


Globalstrahlung in Österreich ca. 1.100 kWh/m²a
=> ca. 1.000 Volllaststunden in Österreich
Optimale Ausrichtung:
Südorientierung, Neigung: 25 bis 30°

Quelle:
http://www.baunetzwissen.de/standardartikel/
Solar-Ausrichtung-von-
Solaranlagen_165604.html

Eigenverbrauchsanteil in Abhängigkeit von Batteriekapazität und Leistung des


Solargenerators für einen Einfamilienhaushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 4.700
kWh Quelle: Quaschning, V. (2012) Solare Unabhängigkeitserklärung,-Photovoltaik 10/2012
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Autonomie
Leistungsautarker Haushalt nur mit unverhältnismäßig hohem
Aufwand erreichbar
Gebäudeübergreifender Austausch von Energie sinnvoll

Ergebnisse des Projekts MBS Autarkiegrad in Abhängigkeit von Batteriekapazität und Leistung des Solargenerators für
Multifunktionaler Batteriespeicher einen Einfamilienhaushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 4.700 Kilowattstunden
(Quelle http://www.volker-quaschning.de/artikel/2012-10-solare-unabhaengigkeit/index.php)
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Photovoltaik in Österreich
Installierte PV-Leistung Ende 2016: 1.096 MWpeak
Anteil am Stromverbrauch: 1,88 %

Photovoltaik Anteil im Szenario „Business as usual“ und


im Szenario „Klimaverpflichtung“ mit Erreichung des
Die Marktentwicklung der Photovoltaik in Österreich bis 2016 (Quelle: 2030 Stromziels 100 % Erneuerbare (Quelle:
Innovative Energietechnologien in Österreich - Marktentwicklung 2016) Technologie-Roadmap für Photovoltaik in Österreich)
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Photovoltaik in Österreich
Entwicklung der Kosten
2010: 3.676,- pro kWp
Kostenreduktion 55 %

Mittelwert und Bandbreite fertig installierter Systempreise für 5 kWpeak netzgekoppelte Anlagen (2011 - 2015),
Werte exkl. MWSt. (Quelle: Innovative Energietechnologien in Österreich - Marktentwicklung 2015)
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Windkraft | Grundlagen

21
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Nutzung der Windenergie

Leistung des Windes P=1/2*ρ*r²*π*v³

ρ(rho)…Luftdichte, r…Rotorradius, v…Windgeschwindigkeit

Leistung einer Windkraftanlagen:


Umwandlung der kinetischen Energie des Windes in ein Drehmoment Betzsche
Gesetz (Albert Betz, 1919): Windkraftanlage kann maximal 16/27 (knapp 60 %)
jener mechanischen Leistung, die der Wind ohne den bremsenden Rotor durch
dessen Projektionsfläche transportieren würde, in Nutzleistung umwandeln
=> Leistungsbeiwert cp
Gute Anlagen erreichen 75 – 80 % (= Wirkungsgrad)
Grund: Energieabgabe geht mit einer Verringerung der
Strömungsgeschwindigkeit und einem Luftstau einher, dadurch weicht ein
Teil der heranströmenden Luft der Rotorfläche aus

Leistung einer Windkraftanlage = P * cp


22
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Einflussfaktoren

Windgeschwindigkeit:
Windleistung = proportional zur dritten Potenz der
Windgeschwindigkeit Anlaufgeschwindigkeit vernachlässigbar!

23
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Atmosphärische Grenzschicht

Ekman-Schicht
weitergehend laminare Schicht
geringe Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe

Quelle: https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=101996&lv3=102070
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Atmosphärische Grenzschicht

Prandtl-Schicht
zwischen 10 bis 50 m (Nacht) bzw. 50 bis 150 m (Tag)
weitgehend turbulente bodennahe Grenzschicht
großer Einfluss des Bodens (Rauigkeit)
Windgeschwindigkeit nimmt mit der Höhe (annähernd) logarithmisch zu

Abnahme der Windgeschwindigkeit unter dem Einfluß von unterschiedlichen Bodenrauhigkeiten


Baumbach, G., 1991, Luftreinhaltung. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York. verfügbar
unter http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/104103-1205.pdf
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Einflussfaktoren

2008: Enercon E-126/6, Leistung 6.000 kW (bis zu 7.500


kW) Turmhöhe 135 m, Rotordurchmesser 127 m,
Jahresertrag 20 GWh (Strom für 5.000 Haushalte)
seit 2012 auch 2 Turbinen in Österreich (Potzneusiedl)
2014: Samsung, Leistung 7.000 kW (Offshore)
83,5 m Rotorradius, Turmhöhe 196 m

26
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

8 MW Prototype
Vestas V164-8.0 MW
Turmhöhe 133 m, Gesamthöhe 220 m

Offshore-Windpark Burbo Bank


32 MHI Vestas V164
Gesamthöhe 195 Meter, Rotordurchmesser 160 m (ca. 30 t pro
Rotorblatt) 8 MW Nennleistung (bis zu 9,5 MW)
1 Umdrehung => Strom für 1 Haushalt für 29 Stunden

27

https://m.futurezone.at/digital-life/briten-schalten-groesste-windraeder-der-welt-ein/265.428.336
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Enercon 7,5 MW Anlage in Estinnes, Belgien, 2010 28


Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Einflussfaktoren

Rotorfläche:
Windleistung = proportional zum Quadrat des Rotordurchmessers.
=> doppelt so große Anlage erntet viermal soviel Energie

Dichte:
Windleistung = direkt proportional zur Dichte der Luft.
Dichte abhängig von Temperatur, Luftfeuchte und Luftdruck
(Wetterlage, Seehöhe)
Temperatur: je 5 °C Temperaturzunahme sinkt die Dichte um rund 1,8 %
Luftdruck: je 1.000 m ca. 10 % geringere Dichte als auf Meereshöhe
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Aufbau von Windkraftanlagen

Eine Windkraftanlage besteht aus folgenden Hauptkomponenten:


Rotor
Rotornabe, Rotorblätter
Gondel
Getriebe, Generator, Kupplung,
Bremse, Windnachführung
Turm
Fundament
Netzanbindung

30
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Getriebe und Generator

Netzfrequenz 50 Hz, Drehzahl von WEA 18 - 50 U/min


Synchrongeneratoren: Netzanbindung über Frequenzumrichter, meist ohne Getriebe
Asychrongeneratoren: günstiger, direkte Netzanbindung möglich, jedoch
höhere mechanische Belastung, weniger Flexibilität

https://www.wind-energie.de/infocenter/technik/konstruktiver-aufbau/maschinenhaus-antriebstrang
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Turm und Fundament

Stahlrohrtürme
in ca. 20 m Segmenten fabrikmäßig mit allen Einbauten
Maximalhöhe 100 m, Fußdurchmesser ca. 4,5 m.
Errichtung innerhalb eines halben Tages
Gewicht ca. 225 t (bei 100 m Höhe)

Betontürme
3,8 m hohe fabriksmäßig vorgefertigte Betonsegmente
oder mit Schalung vor Ort
Maximalhöhe 138 m, Fußdurchmesser ca. 7,5
m Gewicht ca. 585 t (bei ca. 100 m Höhe)
Höchste WEA der Welt (10/2016)
Gittertürme 230 m (Nabenhöhe 164 m)
Hybridturm aus 100 Meter Beton-
Konisch, Maximalhöhe 160 m, Gewicht ca. 350 t turm und zwei Stahlrohrsegmenten
niedrigerer Materialeinsatz, geringere Windangriffsfläche, Quelle: http://www.erneuerbare-
energien.de/weltweit-hoechste-
Geringe Bedeutung aufgrund Erscheinungsbildes windturbine-und-doppelter-
ertrag/150/434/96277/
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Turm und Fundament

Holztürme
sechs- bis zwölfeckiger Hohlkörper
verkleidet mit 3-5 m hohe, kreuzweise verleimte Brettsperrholzplatten aus
Fichte Lebensdauer 20 Jahre (?), Maximalhöhe bis 200 m (derzeitiger
Prototyp: 100 m) Fußdurchmesser ca. 11 m

Fundament
mit Rundstahl bewehrte Betonplatte
Durchmesser 20 bis 30 m, Tiefe bis zu 4
m 1.300 m³ Beton, 180 t Stahl
Gesamtgewicht 3.500 t
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Anlage in Potzneusiedl: 7,5 MW, Nabenhöhe: 135 m Rotordurchmesser: ca. 127 m

34
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

1.400 Tonnen Stahlbetonfundament 7,5 MW Anlage in Estinnes, Belgien, 2010

35
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Rotortypen – Horizontale Drehachse

3-Blatt Rotor
Dominierende Bauform am Markt (ca. 90 % der
eingesetzten Windkraftanlagen)
aerodynamisch am leichtesten beherrschbar, geringer
Windschatteneffekt, günstige Massenverteilung am Rotor, stabiles
Laufverhalten, geringere Schnelllaufzahlen, geringe Geräuschbelastung
höhere Rotorblattfläche erlaubt niedrigere Anlaufgeschwindigkeit,
was in Schwachwindgebieten ein wichtiger Aspekt sein kann

2-Blatt Rotor
geringerer Materialaufwand in Folge der reduzierten Rotorblattzahl
etwas höhere Schnelllaufzahlen, dadurch höhere Schallentwicklung

1-Blatt Rotor
Geringster Materialeinsatz
Hohe Schnelllaufzahlen, dadurch erhöhte Geräuschbelastung
36
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Rotortypen – Horizontale Drehachse

Leeläufer
Rotor befindet sich in Windrichtung hinter dem Turm
Nachteil: der vom Turm verursachte Windschatten (Leistungseinbußen,
periodische Schwankungen des Antriebsmoments)
Vorteil: stellen sich selbsttätig in die Windrichtung, Rotorblätter
können bei starkem Sturm nicht gegen den Turm gedrückt werden

Luvläufer
Rotor befindet sich in Windrichtung vor dem
Turm überwiegende Bauform
Vorteil: keine Teilverschattung durch den Turm
Nachteil: Rotorblätter können gegen den Turm gedrückt
werden, Windnachführung erforderlich

37
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Rotortypen – Vertikale Drehachse

Darrieus Rotor:
niedriger Erntegrad im Vergleich zu 3-Blatt-
Horizontalläufer bei idealen Windverhältnissen (konstante
Windrichtung, keine Turbulenzen)
Leistungsbeiwert 0,37 (max. 0,59 lt. Betz)
Einsatzgebiet vorwiegend bei turbulenten Strömungen in
Boden-nähe, weil unabhängig von konstanter Windrichtung
Nachteil: Vibrationen und Schwingungen

38
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Rotortypen – Vertikale Drehachse

Savonius Rotor
Widerstandsläufer
Hohes Drehmoment bei relativ niederer Drehzahl
Leistungsbeiwert 0,28 (max. 0,59 lt. Betz)
unabhängig von der Windrichtung, keine Windausrichtung erforderlich
Einsatz schon bei extrem niedrigen Windgeschwindigkeiten ab 2–3 m/s
Hohe Toleranz gegen jede Turbulenz, keine spürbaren
Wirkungsgradverluste bei abrupten Änderungen der Anströmungsrichtung

39
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Rotortypen - Vergleich Idealer Leistungs-


beiwert nach Betz

0,5

0,4

0,3

0,2

0,1

40
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Rotorblatt

Auftriebsläufer

Pitchregelung
Änderung des Winkels in Abhängigkeit
der Windgeschwindigkeit
Verbesserung der Leistungsfähigkeit
Sicherheitsfunktion z. Quelle: Hau, E., 2008, Windkraftanlagen:
Grundlagen, Technik, Einsatz, Wirtschaftlichkeit
B. Sturmsicherung

Daten von Rotorblättern der Firma LM Leistungsbeiwert cP für verschiedene Pitchwinkel


Windpower Quelle: www.lmwindpower.com Robert Gasch, Jochen Twele, 2005, Windkraftanlagen
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Windkraft in Österreich

Ende 2016: 1.191 Windkraftanlagen (Gesamtleistung: 2.632 MW)


Stromerzeugung 2016: 5.200.000.000 kWh (5.200
GWh) ~8,7 % des österreichischen Strombedarfs

Strom für 1,6 Mio Haushalte (40


% aller Haushalte Österreichs

3,7 Mio. t CO2 Einsparung


Elektroauto könnte damit
38.000.000.000 km fahren

Quelle: www.igwindkraft.at
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Windkraft in Österreich

43
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Windkraft in Österreich

Fehlende Wirtschaftlichkeit
bei gegebenen Bedingungen
Opportunitätskosten?

Stromgestehungskosten (Quelle: http://www.iwr-


Stromgestehungskosten (Quelle: Fraunhofer Institut, institut.de/de/presse/presseinfos-energiewende/strompreise-fuer-
2013, Stromgestehungskosten für Erneuerbare Energie) verbraucher-steigen-boersen-strompreise-sinken-auf-rekordtiefs
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Windkraft in Österreich

Ökostromgesetz bis 2006 unbegrenzte Abnahmepflicht für Strom aus


EE Novellierung 2006: Kontingent für Windkraft, Förderdauer 10 Jahre
Stillstand durch Rechts- und Planungsunsicherheit von 2007 bis
2010 Novelle 2009: Förderdauer 13 Jahre

45
Entwicklung der Einspeisetarife in Österreich. Quelle: Energiewerkstatt
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Windkraft in Österreich

Potenzial bis 2020: 3.800 MW bzw. 8,9 TWh Jahresenergieerzeugung


davon 1.900 MW in NÖ und 1.300 MW im Burgenland
realisierbares Potential bis 2030: 6.650 MW bzw. 17,7 TWh Jahresenergieerzeugung

Prognostizierter Zuwachs der Windkraftleistung und Stromverbrauchsanteil in den Jahren 46


2015, 2020 und 2030. Quelle: IG Windkraft
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Schall

Quelle: https://www.fachagentur-windenergie.de
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Umwelt

Vögel
NÖ: im Schnitt 7 Vögel und 5 Fledermäuse pro Windrad
USA: 48.000 Windräder => Tod von 140.000 Vögel
Vergleich: 99 Atomkraftwerke => 330.000 Vögel
Abstände zu Rastplätzen von Vögeln

Quelle: https://www.igwindkraft.at
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Förderungen Windkraft und Photovoltaik


Photovoltaik (Kalenderjahr 2017)
< 5 kWp: Investitionsförderung des Klima- und Energiefonds
275 EUR/kWp bzw. EUR 375 EUR/kWp bei GIPV
> 5 kWp: Einspeiseförderung der OeMAG (5 bis 200 kWp, 13
Jahre) 7,91 Cent/kWh + Investitionszuschuss in Höhe von 375
EUR / kWp ausschließlich an oder auf einem Gebäude

Windkraft
Einspeiseförderung der OeMAG (13
Jahre) 9,04 Cent/kWh

Entwicklung der Einspeisetarife in Österreich. Quelle: Energiewerkstatt


Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Energetische Amortisation

Quelle: http://www.volker-quaschning.de/datserv/kev/index.php

Energetische Amortisationszeit für PV, Aufdach (Quelle:


Fraunhofer ISE, 2016, Photovoltaics Report
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Danke für Ihre Aufmerksamkeit

Kurt Leonhartsberger, MSc


FH Technikum Wien, Institut für Erneuerbare
Energie Mail: kurt.leonhartsberger@technikum-
wien.at Telefon: +43 664 619 25 86

51
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Literaturverzeichnis

European Wind Energy Association, 2015, Wind in power - 2014 European


statistics. verfügbar unter
http://www.ewea.org/fileadmin/files/library/publications/statistics/EWEA-
Annual-Statistics-2014.pdf
Schulz, A., 2014, Hocheffiziente und zuverlässige Schwungradspeicher.
Institut für Mechanik und Mechatronik TU Wien
Decourt, B., Debarre, R., 2013, Leading the Energy Transition - Electricity
Storage. SBC Energy Institute, September 2013
International Energy Agency, 2014, Energy Storage Technology Roadmap
Energystorage. verfügbar unter:
http://energystorage.org/system/files/resources/technologyroadmapenergystorage.pdf
Energie:bau, 2015, Energie speichern wird billiger. 07.12.2015, verfügbar unter
http://www.energie-
bau.at/index.php?option=com_content&view=article&id=2312:energie-
speichern-wird-billiger&catid=96:strom-a-steuerung&Itemid=316
International Energy Agency, 2014, Energy Storage Technology Roadmap –
Technology Annex. 19th March 2014, verfügbar unter:
https://www.iea.org/media/freepublications/technologyroadmaps/AnnexA_Technology
Annexforweb.pdf
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Literaturverzeichnis

Sterner, M., 2009, Bioenergy and renewable power methane in integrated 100%
renewable energy systems. Limiting global warming by transforming energy
systems. Kassel University, Dissertation.
Gruber, H. (2013) Österreichs Wasserkraft in der Speicherwelt von morgen.
Konferenz Erneuerbare Energie Kärnten, Velden, 2013
BMWFW (2015) Energiestatus Österreich 2015 - Entwicklung bis 2013.
Kloess, M. (2012) Wirtschaftliche Bewertung von
Stromspeichertechnologien. 12. Symposium Energieinnovation, Graz, 2012
Fraunhofer ISE (2009) Stand und Entwicklungspotenzial der
Speichertechniken für Elektroenergie – Ableitung von Anforderungen an und
Auswirkungen auf die Investitionsgüterindustrie.
ETO Gas (2013) Power to Gas: Intelligente Konvertierung und Speicherung
von Energie in der industriellen Umsetzung. Victor Kaplan Lectures, Wien,
29.Oktober 2013
Felberbauer, 2012 Energiespeicher für erneuerbare Energie als Schlüssel-
Technologie für zukünftige Energiesysteme, verfügbar unter:
http://www.speicherinitiative.at/assets/Uploads/Downloads/16-Energiespeicher-
der-Zukunft-Publizierbar-EB-Homepage.pdf
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Literaturverzeichnis

Eller, A., 2015, Energy Storage Tracker 1Q15 – Executive Summary. Navigant
Reseach, verfügbar unter https://www.navigantresearch.com/wp-
assets/brochures/TR-EST-1Q15-Executive-Summary.pdf
Dehamna, A., 2014, Energy Storage Tracker 3Q14 – Executive Summary.
Navigant Reseach
Barbour, E. 2015, China up to second for installed capacity of Pumped
Hydro. University of Birmingham, verfügbar unter
http://energystoragesense.com/uncategorized/china-up-to-second-for-
installed-capacity-of-pumped-hydro/
Fraunhofer ISI (2015) Technologie-Roadmap Stationäre Energiespeicher
2030. Dezember 2015, verfügbar unter http://www.isi.fraunhofer.de/isi-
wAssets/docs/t/de/publikationen/TRM-SES.pdf
The Brattle Group, 2014, The Value of Distributed Electricity Storage in Texas.
VDE, 2015, Kompendium Li-Ionen-Batterien - Grundlagen,
Bewertungskriterien, Gesetze und Normen
Österreichs Energie - Anschluss von elektrischen Energiespeichern
an das Niederspannungsnetz update 2015_05
ÖVE ÖNORM EN 50272-2 – Sicherheitsanforderungen an stationäre Batterien
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Literaturverzeichnis

BSW, et. al., 2014, Sicherheitsleitfaden Li-Ionen Hausspeicher


E-Control, 2015, TOR_D4_V2.2_Konsultationsfassung_20151002
Balakrishnan, P.G., Ramesh, R., Kumar, T.P. (2006): Safety mechanisms in
lithium-ion batteries, Journal of Power, Sources 155, S. 401
Escuyer, M. (2016) Experteninterview. Wolkersdorf, 11. Februar 2016
GNB Industrial Power (2012) Handbuch für stationäre verschlossene Gel-
Bleibatterien - Teil 2: Montage, Inbetriebnahme und Betrieb
BaSyTec GmbH (2010) Sicherheitsaspekte beim Testen von Lithium-Ionen Batterien.
ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V., Fachverband
Batterien (2014) Transport von Batterien. Merkblatt Nr. 5, Ausgabe Juli 2014
Dallinger, A. (2016) Experteninterview. Wien, 12. Februar 2016
DIN 61427- 2:2014 (2014) Wiederaufladbare Zellen und Batterien für die
Speicherung erneuerbarer Energien - Allgemeine Anforderungen und
Prüfverfahren - Teil 2: Netzintegrierte Anwendungen
VDE-AR-E 2510-50 Anwendungsregel:2014-11 (2014) Stationäre
Energiespeichersysteme mit Lithium-Batterien Sicherheitsanforderungen.
Norm-Entwurf, Ausgabedatum: 2014-11, Erscheinungsdatum: 2014-10-24
Smart City | Grundlagen der urbanen Energieversorgung

Literaturverzeichnis

United Nations (2013) UN-Handbuch „Prüfungen und Kriterien“ Teil III, Abschnitt
38.3. Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter. Handbuch über
Prüfungen und Kriterien, Deutsche Übersetzung, September 2013