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Leitthema

Gefässchirurgie 2011 · 16:174–181 S.W. Carpenter · E.S. Debus · S. Wipper · F. Tató · A. Larena-Avellaneda · T. Kölbel


DOI 10.1007/s00772-011-0905-3 Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin, Universitäres Herzzentrum
Online publiziert: 4. Mai 2011
Hamburg, Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf, Hamburg
© Springer-Verlag 2011

Die Fasziennaht zum Verschluss von


perkutanen Gefäßzugängen nach
endovaskulären Aorteneingriffen

Die endovaskuläre Behandlung von Ende der 1990er Jahre wurde erstmals eine heute als Fasziennaht („fascia suture
Erkrankungen der abdominellen und rein perkutane alternative Verschlusstech- technique“) bezeichnet und wurde durch
thorakalen Aorta erfordert großlumi- nik beschrieben, die sich mittlerweile eta- Larzon et al. modifiziert und erstmalig
ge arterielle Gefäßzugänge mit bis zu bliert hat [3]. Diese Technik erfordert den an einem großen Patientenkollektiv eva-
26 F Einführungsschleusen. Der dabei Off-label-Einsatz von Verschlusssyste- luiert ([5], . Abb. 1). Die bisher publi-
am häufigsten gewählte Zugang zur men (ProStar XL®, Proglide®). Mit der zierten Daten zeigen, dass diese Technik
Aorta ist der ein- oder beidseitige Zu- sog. „Preclose-Technik“, bei der vor dem mit einer guten primären Erfolgsrate von
gang über die A. femoralis communis Einführen der großlumigen Schleusen 87–95% zuverlässig zum Verschluss der
(AFC), seltener werden alternative Zu- zunächst 1–3 Verschlusssysteme pro Sei- Zugangsgefäße eingesetzt werden kann
gangswege wie ein offenes iliakales te vorgelegt werden müssen, gelingt es (. Tab. 1) und gleichzeitig die Vortei-
Conduit gewählt. in bis zu 80% der Fälle, bei hoher techni- le einer perkutan durchgeführten Proze-
Die offene chirurgische Freile- scher Expertise des Operateurs und guter dur ausschöpft.
gung der AFC stellt heute in Deutsch- Patientenselektion sogar in >90% der Fäl-
land eine sehr häufig durchgeführte le, die Prozedur perkutan zum Abschluss Methoden
Form des Gefäßzugangs im Rahmen zu bringen, ohne eine Freilegung der Fe-
von endovaskulären Aortenprozedu- moralgefäße durchführen zu müssen. Die Technik
ren dar. Neben der Verlängerung der dabei erreichte primäre Erfolgsrate (suffi-
Operationszeit ist dieser Zugang mit ziente Hämostase) ist allerdings von der Die perkutane Punktion der AFC wird
einer Reihe von Komplikationsmög- Expertise des Operateurs und einer sorg- unter Durchleuchtungskontrolle mit
lichkeiten wie Wundinfektion, Serom- fältigen Patientenselektion abhängig. [2, einem Mikropunktionsset durchgeführt.
bildung, Lymphfistel und Nervenver- 7]. Eine Angiographie in 30° Außenrotation
letzung verknüpft. Hierdurch, aber Zur Vereinfachung der endovasku- über die innere Kanüle des Mikropunk-
auch ohne auftretende Komplika- lären Behandlung und zur Vermeidung tionssets erlaubt die sichere Beurteilung
tionen, ist die Krankenhausverweil- des chirurgischen „cut down“ haben Die- der Punktionshöhe und Gefäßanatomie,
dauer gegenüber einer rein perkutan thrich et al. [1] bereits 1997 eine alterna- sodass die Punktionsstelle ggf. korrigiert
durchgeführten Aortenprozedur sig- tive Technik beschrieben, die ebenfalls werden kann. Nach Abschluss der perku-
nifikant erhöht [7, 9]. eine Freilegung der Leistengefäße und tan durchgeführten endovaskulären Aor-
auch die Verwendung von Verschluss- tenprozedur wird dann zunächst, bei noch
systemen vermeidet. Diese Technik wird liegender großlumiger Schleuse auf dem
steifem Draht, die Haut und das Unter-
hautfettgewebe rechts und links der Punk-
Tab. 1  Übersicht über die bisherigen Ergebnisse zur Fasziennaht tionsstelle durchtrennt. Die cribriforme
Autor Jahr n Primäre Frühkomplikationen Spätkomplika- Faszie wird dann durch stumpfe Präpa-
­Erfolgsrate (<24 h) tionen (>24 h) ration mit den Fingern oder z. B. einem
Larzon et al. [5] 2006 131 87,8% 12,2% 1,5% Langenbeckhaken zunächst dargestellt
Mathisen et al. a  2010 90 95,6% 4,4% 12,2% (. Abb. 2a) und dann mit einer durch-
Montan et al. b  2010 143 91% 9% 3% greifenden U-Naht paravaskulär gefasst
Harrison et al. [4] 2011 69 87% 13% 7% und anschließend auf die Punktionsstelle
Eigene Ergebnisse 2010 110 99,1% 0,9% 10% c geknotet (. Abb. 2b,c). Hierbei kann ein
a Mathisen et al. (2010) LINC, Leipzig. b Montan et al. (2010) SVS Annual Meeting Boston Massachusetts. c Behand-
Gleitknoten verwendet werden, der es er-
lungsbedürftige und somit klinisch relevante Spätkomplikationen nach Fasziennaht. laubt, die Naht kontrolliert zu schließen,

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Zusammenfassung · Abstract

Tab. 2  Ereignisse im eigenen Kollektiv: Gefässchirurgie 2011 · 16:174–181  DOI 10.1007/s00772-011-0905-3


Komplikation N (110) % © Springer-Verlag 2011
Blutung (<12) 1 0,9 S.W. Carpenter · E.S. Debus · S. Wipper · F. Tató · A. Larena-Avellaneda · T. Kölbel
Verschluss 1 0,9 Die Fasziennaht zum Verschluss von perkutanen
A. Spurium 35 31,8 Gefäßzugängen nach endovaskulären Aorteneingriffen
Hämatom 6 5,4
Infektion/WHST 4 2,7 Zusammenfassung
Die endovaskuläre Behandlung von Erkran- gefäße und auch die Verwendung teurer per-
Stenose − −
kungen der abdominellen und thorakalen kutaner Verschlusssysteme vermeidet. Die-
Schmerzen >2 Monate 2 1,8 Aorta (EVAR/TEVAR) erfordert in der Regel se Technik wird heute als Fasziennaht („Fascia
(­Fadengranulom) großlumige arterielle Gefäßzugänge (bis zu Suturing“) bezeichnet. Hierbei wird nach Ab-
Lymphfistel 1 0,9 26 F Einführungsschleusen) über die Leisten- schluss einer perkutan durchgeführten en-
arterien. Die offene Freilegung der Leisten- dovaskulären Prozedur ein kleiner schräger
Tab. 3  Aneurysma spurium nach gefäße stellt heute in Deutschland die häu- Schnitt in der Leistenfalte angelegt. Die Fa-
­Fasziennaht im CT-Angiogramm (eigenes figste Form des Gefäßzugangs im Rahmen scia cribriformis wird dann mit einer durch-
von EVAR- und TEVAR-Eingriffen dar und ist greifenden Naht paravaskulär gefasst und mit
Kollektiv)
neben der Verlängerung der Operationszeit dem umliegenden Gewebe auf die Gefäßöff-
cm n Therapie Keine Therapie mit einer Reihe von Komplikationsmöglich- nung geknotet.
<1 20 – 20 keiten verknüpft. Perkutane Verfahren mit Wir beschreiben die Technik der Faszien-
1–2 5 – 5 der Verwendung von Verschlusssystemen ha- naht, fassen die vorhandene Literatur zusam-
2–3 4 1×TI á OP 3 ben die Operationszeit und Liegedauer von men und stellen die Frühergebnisse (11 Mo-
EVAR-Patienten reduzieren können, sind aber nate) unserer Klinik an Hand von 85 Patienten
>3 6 4×TI, 2×OP –
u. a. mit höheren prozeduralen Kosten ver- und 110 Leisten mit großlumigen Gefäßzu-
∑ 35 7 28 knüpft. gängen (16–26 F) dar.
TI Thrombininjektion; OP operative Versorgung. Zur Vereinfachung der endovaskulä-
ren Behandlung und zur Vermeidung des Schlüsselwörter
„cut down“ wurde bereits 1997 eine Technik Aortenaneurysma · Fasziennaht · Perkutan ·
während die dilatatorgestützte Schleuse beschrieben, die eine Freilegung der Leisten- EVAR · TEVAR
auf dem liegenden steifen Draht zurück-
gezogen wird (. Abb. 2d). Das Ergebnis
The fascia suturing technique for femoral artery closure
der Hämostase kann nun bei noch liegen-
following endovascular aortic procedures
dem Draht beurteilt und der Knoten dann
bei suffizienter Hämostase verriegelt wer- Abstract
den. Anschließend kann dann der Draht Endovascular repair of aortic lesions requires nique. After the percutaneous procedure is
entfernt werden (.  Abb. 2e). Sollte es large bore femoral access (up to 26 F) for completed a small oblique incision is made in
transfemoral stent graft delivery. Surgical cut the groin fold on either side of the puncture
nach Rückzug der Schleuse zu einer Blu-
down of the common femoral artery is still site exposing the cribriform fascia and a deep
tung kommen, kann durch das einfache the most frequently used technique for groin paravascular suture of the fascia is performed
Wiedereinführen der Schleuse erneut eine management in EVAR and TEVAR procedures followed by a self-closing knot to cover the
sichere Hämostase erreicht werden und even though it prolongs operating time, in- common femoral artery access.
die Naht, nach Optimierung der lokalen creases tissue trauma and is associated with a The published literature is summarized
Bedingungen, wiederholt werden. Bei un- variety of potential complications. and our clinical experiences with the fascia
It has been shown that a total percutane- suturing closure technique, which has been
übersichtlichen anatomischen Verhältnis- ous access using closure devices can reduce exclusively used for closure of all large (16–
sen kann auch unmittelbar ein chirurgi- operating time, tissue trauma and as a result 26 F) femoral access sites in a total of 110
scher „cut down“ bei liegender Schleuse the time to ambulation. An alternative tech- groins over an 11-month period, are pre-
erfolgen. nique to simplify groin management in en- sented.
Nach Abschluss der Fasziennaht und dovascular procedures has been described in
1997 to avoid surgical cut down and the use Keywords
des Wundverschlusses erfolgt zusätzlich
of expensive closure devices. This technique Aortic aneurysm · Fascia suturing ·  
die Anlage eines ein- oder doppelseitigen is today known as the fascia suturing tech- Percutaneous · EVAR · TEVAR
Femostop®-Systems, welches für 2 Stun-
den auf 50 mmHG Kompressionsdruck
eingestellt wird. Die Lagerung des Patien-
ten erfolgt anschließend in strenger Rü-
ckenlage.

Kollektiv und Auswertung

Zwischen dem 1. November 2009 und


dem 30. September 2010 wurden alle
großlumigen perkutanen Gefäßzugän-

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Leitthema

Abb. 1 8 Schematische Illustration der Fasziennahttechnik. a Bei noch liegender großlumiger


­Schleuse ist eine paravaskuläre durchgreifende U-Naht bereits vorgelegt. b Während der Entfernung
der Schleuse wird die Naht angezogen, der Draht bleibt zunächst in situ. (Aus [5], mit freundlicher
­Genehmigung der International Society of Endovascular Specialists)

Abb. 2 9 Fasziennaht nach


großlumiger Schleuse (16F) in
der A. femoralis communis. a
Darstellung der cribriformen
Faszie durch stumpfe Dissek-
tion. b,c Die Faszie wird mittels
einer durchgreifenden U-Naht
gefasst. d Nach Abschluss der
Naht und des Knotens kann zu-
nächst probeweise die großlu-
mige Schleuse auf dem Draht
zurückgezogen werden. e Bei
guter Hämostase kann dann
der Draht ebenfalls entfernt
werden.

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ge (16–26 F) im Rahmen von endovasku-
lären Aorteneingriffen mit der beschrie-
benen Technik verschlossen. Es wurden
keine Ausschlusskriterien für die Anwen-
dung der Fasziennaht verwendet. Auch
Patienten mit Voroperationen in der Leis-
te, Reinterventionen, Adipositas (BMI
>30) und starker Gefäßverkalkung wur-
den mit der beschriebenen Methode ver-
sorgt.
In dem genannten Zeitraum wurden
insgesamt 85 endovaskuläre Aortenproze-
duren (TEVAR, EVAR) durchgeführt, da-
bei wurden 135 Leistenarterien (16–26 F)
mit der Fasziennaht verschlossen, insge-
samt 5 Operateure führten die Faszien-
naht durch. Für die retrospektive Aus-
wertung lagen Daten von 110 Femoral-
arterien vor. Untersucht wurden der pri-
märe technische Erfolg und das Auftreten
von postoperativen Früh- und Spätkom-
plikationen sowie die Häufigkeit notwen-
diger sekundärer offener und endovasku-
lärer Prozeduren.
Prä- und postoperative CT-Angiogra-
phien wurden im Hinblick auf die Leis-
tengefäße erneut beurteilt. Die Vermes-
sung der Paravasate erfolgte im CT als
Länge × Breite, zur Einteilung wurde die Abb. 3 7 Postope-
größte Ausdehnung zu Grunde gelegt. rative CT-Angiogra-
phien mit Aneurysma-
Prä- und postoperative duplexsonogra- ta spuria unterschied-
phische Untersuchungen der Leistenge- licher Größe: a beid-
fäße und die elektronische Patientenakte seits kleinste Kon-
wurden retrospektiv ausgewertet. trastmittelextrava-
sate <1×1 cm (Pfei-
le). b Linksseitiges An-
Ergebnisse eurysma spurium
0,8×1,7 cm. c Rechts-
In dem genannten Kollektiv von 110 Leis- seitig >3 cm
tengefäßen traten insgesamt 11 (10%) kli-
nisch relevante, also behandlungsbedürf-
tige Früh- oder Spätkomplikationen auf Patienten symptomfrei. Ein Zusammen- stelle im mittleren Abschnitt der AFC.
(. Tab. 2), diese Komplikationen waren hang mit der durchgeführten Fasziennaht Bei 35 von 110 Leistengefäßen (31,8%) la-
dabei gleichmäßig über die Operateure konnte nicht ausgeschlossen werden. gen Kontrastmittelaustritte aus dem nati-
und über das Kollektiv verteilt. Klinisch relevante Hämatome, die zu ven Gefäßbett im Bereich der Punktions-
Die primäre Erfolgsrate (perkuta- einem verlängerten Krankenhausauf- stelle vor. Bei 28 dieser Leistengefäße war
ne Prozedur ohne Gefäßfreilegung) lag enthalt führten, traten bei 6 Patienten dies ein minimales Kontrastmittelextrava-
bei 99%, lediglich ein Patient in diesem (5,4%) auf, in keinem dieser Fälle war eine sat von unter 1 cm Größe, sodass jedoch
Zeitraum zeigte eine frühpostoperative Fremdbluttransfusion erforderlich. Ein definitionsgemäß ein Aneurysma spuri-
Blutung, die nur durch eine Gefäßfreile- multimorbider Patient entwickelte eine um vorlag (.  Tab. 3, .  Abb. 3a). Kei-
gung und Gefäßnaht zu beheben war. Bei spontane Infektion in der Leiste, die durch ner dieser 28 Patienten mit diesem mini-
einem Patienten (0,9%) zeigte die post- eine Abszessspaltung auf der Station und malen Kontrastmittelaustritt war klinisch
operative duplexsonographische Kontrol- anschließende sekundäre Wundheilung symptomatisch, sodass hier keine The-
le einen Abgangsverschluss der A. femo- behandelt werden konnte. rapie erforderlich war und bereits zum
ralis superficialis bei vorbestehender star- Die Auswertung der postoperativen Entlassungszeitpunkt waren diese in der
ker arteriosklerotischer Veränderung des CT-Angiographien zeigte bei allen unter- duplexsonographischen Kontrolle nicht
Gefäßes. Dieser Verschluss war für den suchten Leistengefäßen die Punktions- mehr nachweisbar. Die Morphologie die-

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Leitthema

Abb. 4 9 Duplexsonogra-
phische Darstellung eines
rechtsseitigen Aneurys-
ma spurium >3 cm. Vor
(a) während (b) und nach
Thrombininjektion (c)

ser sog. Aneurysmen war stets gleich, eine die für ein perkutanes Vorgehen sprechen präoperativen Untersuchung besonders
kugelige Konfiguration lag bei diesen Pa- [. Infobox 1]. auf die lokalen Gegebenheiten der Leis-
tienten nicht vor, vielmehr handelte es Aber auch Nachteile sind mit den Ver- tenbeuge geachtet werden und nicht aus-
sich um eine kleine „Kontrastmittelfah- schlusssystemen vergesellschaftet, neben schließlich auf den BMI. Bei ungünstiger
ne“ (. Abb. 3a,b). den Komplikationen wie Nachblutung Fettverteilung mit großer Fettschürze in
Bei 7 Leistengefäßen lagen aufgrund (Versager), Dissektionen oder dem akuten diesem Bereich (und evtl. zusätzlich be-
von deutlichen klinischen Beschwer- Gefäßverschluss handelt es sich um einen stehendem hohen Profundaabgang) soll-
den behandlungsbedürftige Aneurys- sog. Off-label-Einsatz der Verschlusssys- te eine strenge Abwägung zwischen einem
men vor. In 4 Fällen gelang die erfolgrei- teme unter Zuhilfenahme der sog. Preclo- alternativen Verfahren und der Faszien-
che Thrombininjektion (TI; .  Abb. 4). se-Technik. Diese Verschlusstechnik muss naht erfolgen. Die offen chirurgische Ver-
Insgesamt 3 Patienten mussten operativ im Wesentlichen vor dem Start der eigent- sorgung der Punktionsstelle kann aller-
versorgt werden, 1 Patient nach zweima- lichen Aortenprozedur vorbereitet und dings auch nach perkutan durchgeführter
liger erfolgloser TI. Alle drei operierten durchgeführt werden, da die Systeme nur EVAR (im Notfall) erfolgen oder bei Ver-
Patienten entwickelten Wundkomplika- für Punktionsstellen bis 7 F (Proglide®) sagen der Fasziennaht. Ein primär perku-
tionen, die zu einer V.A.C® -Behandlung bzw. 10 F (Prostar®) vorgesehen sind. Die tanes Verfahren mit sekundärer Freile-
führten, einer dieser Patienten entwickelte primäre Erfolgsrate dieser Technik (suffi- gung der Leistengefäße bietet den Vorteil,
eine Lymphfistel. Alle drei Patienten wa- ziente Hämostase in beiden Leisten und dass die infektionsgefährdeten Wundflä-
ren massiv übergewichtig mit einem BMI somit total perkutane Prozedur) liegt bei chen nicht so lange exponiert sind. Soll-
>30 und ausgedehnter Fettschürze. etwa 80% [2, 7]. Starke Gefäßverkalkun- te nach Anwendung der Fasziennaht ein
Des Weiteren entwickelten zwei Pa- gen, Voroperationen in der Leiste oder die relevantes Aneurysma spurium auftreten,
tienten schmerzhafte Fadengranulome im morbide Adipositas sind Ausschlusskrite- ist dieses nach unserer Erfahrung in der
Bereich der Leiste, die erfolgreich durch rien dieser Technik, die bei Berücksichti- Regel einfach durch eine Thrombininjek-
Infiltration von Lokalanästhetikum be- gung zwar zu einer hohen primären Er- tion zu versorgen (. Abb. 4).
handelt werden konnten. folgsrate führen, die Anwendbarkeit der
Technik aber auf eine selektierte Patien- E Im Rahmen der präoperativen
Diskussion tengruppe begrenzt [6, 8]. Untersuchung sollte besonders
Die Fasziennahttechnik ist aus mehre- auf die lokalen Gegebenheiten der
Eine rein perkutan durchgeführte Aorten- ren Gründen eine interessante Alternati- Leistenbeuge geachtet werden.
prozedur ist mit ausreichender Sicherheit ve zu den Verschlusssystemen. Sie zeigt
durchführbar und wird auch zunehmend vergleichbare Ergebnisse in Bezug auf die Besonders bei Notfallbehandlungen von
eingesetzt. Perkutane Verfahren unter der primäre Erfolgsrate und Frühkomplika- Patienten mit rupturierten thorakalen-
Verwendung von Verschlusssystemen ha- tionen [4, 5] und bietet aus unserer Sicht und abdominellen Aortenaneurysmen
ben das chirurgische Trauma, die Ein- sogar eine Reihe von Vorteilen gegenüber ermöglicht die beschriebene Faszien-
griffsdauer und die Krankenhausverweil- der Preclose-Technik. So konnten wir oh- nahttechnik durch das perkutane Vorge-
dauer von EVAR- und ­TEVAR-Patienten ne Anwendung von Ausschlusskriterien hen ohne das Vorlegen von Nahtsystemen
reduzieren können. Die Hauptvortei- alle konsekutiven Patienten dieser Studie oder ein offenes Freilegen von Leistenge-
le gegenüber dem offenen chirurgischen mit der Fasziennaht versorgen. Nach Aus- fäßen, sich sofort voll auf die endovasku-
„cut down“ der Leistengefäße ergeben wertung der Ergebnisse zeigte sich nur die läre Versorgung zu konzentrieren und erst
sich letztlich aus der Minimierung des morbide Adipositas mit BMI über 30 als nach Ausschaltung des Aneurysmas sich
Zugangstraumas und führen zu einer hö- Risikofaktor für postoperative Kompli- der Verschlussproblematik zuzuwenden.
heren Patientenakzeptanz des Verfahrens. kationen, nicht jedoch als Ausschlusskri- Gegenüber den Verschlusssystemen
Neben diesen offensichtlichen Vorteilen terium für das Verfahren. Nach unseren bietet die Fasziennahttechnik, in oben
existieren eine Reihe weiterer Vorteile, Erfahrungen sollte daher im Rahmen der beschriebener Weise durchgeführt, auch

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Infobox 1 Vorteile einer perkutanen Alle Aneurysmen, die einer weiteren in- Literatur
­Aortenprozedur vasiven Therapie (4×TI, 3×OP) zugeführt
Geringeres Zugangstrauma werden mussten, wurden zuverlässig mit   1. Diethrich EB (1997) What do we need to know to
achieve durable endoluminal abdominal aortic an-
Kürzere Verweildauer der Duplexsonographie erkannt. Wir hal- eurysm repair? Tex Heart Inst J 24:179–184
Weniger Schmerzen ten daher die Kontrolle der Leistenarte-   2. Eisenack M, Umscheid T, Tessarek J et al (2009) Per-
Kein Ausklemmen des Gefäßes erforderlich cutaneous endovascular aortic aneurysm repair:
rien durch Duplexsonographie vor der
Keine Lymphfisteln a prospective evaluation of safety, efficiency, and
Weniger Infektionen Entlassung für ausreichend. Der zusätz- risk factors. J Endovasc Ther 16:708–713
Weniger Blutverlust liche Einsatz eines Femostop®-Systems   3. Haas PC, Krajcer Z, Diethrich EB (1999) Closure of
Keine intraoperative Wundexposition scheint ein wirksames Instrument zu sein, large percutaneous access sites using the Prostar
XL Percutaneous Vascular Surgery Device. J Endo-
Bessere Patientenakzeptanz die primäre Erfolgsrate zu verbessern. Im vasc Surg 6:168–170
Unterschied zu den bisherigen publizier-   4. Harrison GJ, Thavarajan D, Brennan JA et al (2011)
eine gute Möglichkeit der Blutungskont- ten Ergebnissen haben wir dieses System Fascial closure following percutaneuos endova-
scular aneurysm repair. Eur J Vasc Endovasc Surg
rolle im Falle eines intraoperativen Versa- regelhaft ergänzend eingesetzt und haben 41:346–349
gens der Naht. Durch die Möglichkeit, die eine noch höhere primäre Erfolgsrate do-   5. Larzon T, Geijer H, Gruber G et al (2006) Fascia su-
Schleuse auf dem Draht wieder in das Ge- kumentieren können (. Tab. 1). turing of large access sites after endovascular tre-
atment of aortic aneurysms and dissections. J En-
fäß vorzuschieben, erhält man ein hohes dovasc Ther 13:152–157
Maß an Kontrolle über den Verschluss des Fazit für die Praxis   6. Lee WA, Brown MP, Nelson PR et al (2007) Total
Gefäßes. Unsere Erfahrung zeigt, dass die percutaneous access for endovascular aortic an-
eurysm repair (‚‚preclose’‘ technique). J Vasc Surg
Naht ggf. auch mehrmals, bis zum Errei- Entwicklungen in der Stentgrafttechno- 45:1095–1101
chen einer suffizienten Hämostase, wie- logie mit zunehmend geringeren Schleu-   7. Malkawi AH, Hinchliffe RJ, Holt PJ et al (2010) Per-
derholt werden kann. Dieses stellt einen sengrößen werden zu einer Zunahme cutaneous access for endovascular aneurysm re-
pair: a systematic review. Eur J Vasc Endovasc Surg
praktischen Vorteil gegenüber den Ver- von perkutan durchgeführten EVAR-­ 39:676–682
schlusssystemen dar. Eisenack et. al. ha- Prozeduren führen.   8. Starnes BW, Anderson CA, Ronsivalle JA et al
ben zwar, demselben Prinzip folgend, eine Mit der Fasziennaht steht eine für den (2006) Totally percutaneous aortic aneurysm re-
pair: experience and prudence. J Vasc Surg
Möglichkeit beschrieben, mit einem 6- bis Gefäßchirurgen leicht zu erlernende und 43:270–276
10-mm-PTA-Ballon auf liegendem Draht kostengünstige Methode für den Ge-   9. Torsello GB, Kasprzak B, Klenk E et al (2003) Endo-
ebenfalls eine Blutungskontrolle im Ver- fäßverschluss zur Verfügung, die gegen- vascular suture versus cutdown for endovascular
aneurysm repair: a prospective randomized pilot
sagerfall zu erreichen [2], hierbei fallen über den Verschlusssystemen auch Vor- study. J Vasc Surg 38:78–82
aber wiederum unnötige Arbeitsschritte teile aufweist. Die Fasziennaht ist den-
und v. a. unnötige Materialkosten an. noch nicht als Konkurrenzmethode zu
Weiter konnte gezeigt werden, dass für dem Einsatz von Verschlusssystemen zu
den erfolgreichen Einsatz von Verschluss- verstehen, sondern vielmehr als Alterna-
systemen ausreichende Erfahrung in der tive und Ergänzung. Patienten beispiels-
Handhabung derselbigen vorliegen soll- weise, die aufgrund der etablierten Se-
te [2]. Dieser Faktor war in der genann- lektionskriterien für eine perkutane Pro-
ten Untersuchung sogar von größerer Re- zedur nicht infrage kommen, können vor
levanz als die morbide Adipositas. Die einem geplanten „cut down“ der Leisten-
hier publizierten Frühergebnisse der Fas- gefäße für die Fasziennaht evaluiert wer-
ziennahttechnik repräsentieren die Lern- den, um eine chirurgische Freilegung des
kurve unserer vorwiegend gefäßchirurgi- Gefäßes gänzlich zu vermeiden.
schen Abteilung, in der die Fasziennaht-
technik Ende des Jahres 2009 eingeführt Korrespondenzadresse
wurde. Die dargestellten Ergebnisse ver-
anschaulichen außerdem, dass die Fas- S.W. Carpenter
ziennahttechnik für gefäßchirurgisch er- Klinik und Poliklinik für  
fahrene endovaskuläre Operateure offen- Gefäßmedizin, Universitäres
Herzzentrum Hamburg,  
bar eine leicht zu erlernende Verschluss- Universitätskrankenhaus  
technik mit schneller Lernkurve darstellt. Hamburg-Eppendorf
Die hohe Anzahl frühpostoperativ in Martinistr. 52, 20152 Hamburg
der CT-Angiographie detektierter Aneu- s.carpenter@uke.de
rysmen blieb in den meisten Fällen ohne
Interessenkonflikt.  Die Autoren geben an, dass
jegliche therapeutische Konsequenz. An- keine Interessenkonflikte bestehen.
eurysmen mit einem Durchmesser von
weniger als 2 cm waren bei der vor der
Entlassung durchgeführten Duplexsono-
graphie bereits nicht mehr nachweisbar.

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