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Alexander Dobrindt, MdB

CSU-Landesgruppe
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Bayreuth, 07.11.2018

Offener Brief an den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe zum Migrationspakt

Sehr geehrter Herr Dobrindt,

mit Bestürzen musste die Junge Union Bayreuth-Stadt feststellen, dass sich die Unions-
fraktion im Deutschen Bundestag und darunter auch die CSU-Landesgruppe zwar nicht
einstimmig, aber mehrheitlich, für die Unterzeichnung des umstrittenen UN-Migrationsab-
kommens ausspricht. Vor allem stößt bitter auf, dass Anlass zu diesem Bekenntnis laut di-
verser Medien offensichtlich der Wunsch ist, sich von der AfD und deren Agenda gegen
besagtes Abkommen abzugrenzen.

Hier zeigt die Unionsfraktion nach wie vor fehlendes Gespür für den richtigen Umgang mit
der AfD und letzten Endes auch mit dem eigenen Wähler. Ein obligatorisches Dagegen-
sein, weil die AfD sich für etwas ausspricht, entspricht nicht dem Auftrag der Wähler und
treibt diese eher noch weiter in deren Arme. Stattdessen wünschen wir, die Basis und die
Wähler, uns eine pragmatische und tatsachenorientierte Realpolitik, bei der es zwangsläu -
fig auch mal vorkommen könnte, dass die Meinungen der Unions- und AfD-Fraktion zu
einzelnen Themen übereinstimmen. Dass letztere mit ihrer Behauptung, das Migrationsab-
kommen diene dem „interkontinentalen Bevölkerungsaustausch“ wie so oft über das Ziel
hinausschießt, ist klar unstreitig. Dennoch darf man sich nicht in einem Versuch der Ab-
grenzung davon unüberlegt in die entgegengesetzte Richtung bewegen.

Die Junge Union Bayreuth-Stadt teilt vielmehr die Auffassung, dass der Pakt positive wie
negative Elemente beinhaltet und die Bundesregierung diese negativen Elemente nicht
ohne weiteres in Kauf nehmen darf. Wir wünschen uns daher zumindest von der CSU-
Landesgruppe eine Orientierung an der Haltung der WerteUnion oder der Beurteilung des
Abkommens durch die Bundesregierung Österreichs, die sich richtigerweise aus dem Ab-
kommen zurückgezogen hat und dieses nicht unterzeichnen will.

In diesem Sinne bitten wir Sie, Herr Dobrindt, zusammen mit der CSU-Landesgruppe er-
neut und objektiv über das UN-Migrationsabkommen zu beraten und die Entscheidung
darüber souverän und aus Überzeugung zu fällen und nicht letzten Endes der AfD oder
der Presse zu überlassen, indem Sie sich als Reaktion auf deren Haltung in eine Richtung
bewegen, die Ihre Wähler gar nicht begrüßen. Im Zuge dessen möchten wir auch die Idee
unserer Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert, über dieses Thema innerhalb der
Fraktion in einer geheimen Abstimmung zu entscheiden, aufgreifen und ausdrücklich un-
terstützen!

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Kreisvorstand der JU Bayreuth-Stadt