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REDEANALYSE – Zusammenfassung von Dominic Scheurer. 13.10.

2006

I. Vorgehensweise bei einer Redeanalyse

1. Text mehrmals genau lesen, unbekannte Wörter klären


2. Thema des Textes in ein bis zwei Sätzen zusammenfassen
3. Intention (Absicht) des Autors bestimmen und notieren
4. Textsorte bestimmen (hier: [politische] Rede)
5. Text in Sinnabschnitte einteilen und einzelne Abschnitte kurz (auch in
Stichpunkten) zusammenfassen
6. Evtl. Argumentationsgang analysieren
7. Sprachliche Mittel (Stilmittel) bestimmen und Bezug zu Intention und
Wirkung klären (siehe Übersicht bei IV.)
8. Texttypische Kommunikationssituation und mögliche Wirkung beurteilen
(siehe Graphik in III.)
9. Gliederung des Aufsatzes entwerfen (siehe Punkt II.)
10. Ausarbeitung des Aufsatzes formulieren
11. Aufsatz nochmals durchlesen, auf Rechtschreibung, Zeichensetzung und
Verständlichkeit des Ausdrucks achten

Lesen -> Thema -> Intention -> Sinnabschnitte -> Argumentationsgang -> Stilmittel
-> Kommunikationssituation -> Gliederung -> Ausarbeitung -> korrigieren.

II. Gliederung einer Analyse


A. Einleitung: Autor, Titel, evtl. Quelle, Textsorte, Thema

B. Hauptteil: Inhaltswiedergabe, evtl. mit Analyse des Gedankengangs

Analyse der sprachlichen Mittel


Benennung der sprachlichen Mittel mit entsprechenden
Belegstellen, dabei immer auch Intention und/oder Wirkung,
z.B. Aufwertung, Abwertung, Beschwichtigung,
berücksichtigen.

Texttypische Kommunikationssituation bestimmen und


mögliche Wirkung beurteilen

C. Schluss: bei Textanalyse nicht zwingend notwendig, da Beurteilung der


möglichen Wirkung schon die Funktion eines Schlusses erfüllt.
Bei historischen Reden könnte der Schluss einen Hinweis auf die
Rezeptionsgeschichte1 enthalten.
Hier sollte die persönliche Wertung mit eingebracht werden.

1)
Rezeption (von lateinisch receptio: Aufnahme): allgemein die
Wahrnehmung und Wirkungsgeschichte von literarischen Werken

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III. Texttypische Kommunikationssituation (Redesituation)


Die Redesituation ist die Wechselwirkung zwischen dem Redner, dem Thema der
Rede und dem Publikum, wobei die eingesetzten Medien eine große Rolle spielen
können. Die folgende Graphik stellt die Redesituation anschaulich dar:

Graphik - Redesituation

IV. Stilmittel bzw. Detail-Mittel des Redners


Versuche, die Zuschauer für sich und die eigenen
Gedanken einzunehmen
Anrede Anrede dritter Personen, Einbeziehung der Zuhörer („wir“),
Beschwörung („Jetzt gib mir einen Menschen, gute
Vorsicht!“)
Rhetorische Frage Frage, auf die keine Antwort erwartet wird („Was ist ge-
wisser als des Menschen Ende?“)
Zitat Um die eigene These zu stützen, kann man Aussprüche von
„Autoritäten“ zitieren („Auch Goethe wusste schon...“)
Ellipse Auslassung eines (oder mehrerer) für die vollständige syn-
taktische Konstruktion notwendigen Worts, das aber aus dem
Sinnganzen leicht erkennbar ist („Was (machen wir) nun?“)
Anspielung Man verweist andeutungsweise auf etwas, das sich der Zu-
hörer aufgrund gemeinsamen Wissens selbstständig er-
schließen kann.
Ironie Verstellung, die durchblicken lässt, dass sie um den wahren
Sachverhalt weiß („Das ist ja eine schöne Bescherung“)

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Anordnungsmuster, die die eigenen Gedanken möglichst


wirkungsvoll präsentieren sollen
Exkurs Ereignisse, die nicht unmittelbar zur Sache gehören, werden
in die Rede hinein genommen
Vorgriff Man verweist schon auf etwas, was später kommt.
Rückgriff Man verweist auf etwas, das schon erwähnt worden ist
Scheindefinition Unter dem Vorwand einer Begriffserklärung gibt man eine De-
finition im eigenen Sinne
Bemühen um Verschönerung der Darstellung der eigenen
Gedanken
Metapher Ein Wort / eine Wortgruppe werden aus dem gewohnten
Bedeutungszusammenhang auf einen anderen übertragen.
Metaphorische Redeweise ist nicht an ein Wort gebunden,
sondern kann sich auf einen Satz, sogar auf Redezusammen-
hänge erweitern ("Drahtesel“).
Metonymie Ersetzung eines Wortes oder Ausdrucks durch ein anderes,
das in räumlicher, logischer, kausaler oder irgendeiner
anderen Beziehung dazu steht. Beispiel: „Das Restaurant hat
eine ausgezeichnete Küche” – gemeint ist, es bietet ein gutes
Essen.
Periphrase Umschreibung eines Begriffs durch mehrere Wörter („Auge
des Gesetzes“)
Synonymie/ Gleichnamigkeit; sinnverwandte Wörter, deren Bedeutung
Alliteration sich weitgehend deckt („Haus und Hof“, -> zugleich
Alliteration, d.h. gleicher Anfangslaut)
Litotes Verstärkte Hervorhebung durch Verneinung des Gegenteils
(„nicht unschön“)
Veränderte Wort- Symmetrische Überkreuzstellung von syntaktisch oder
und Satzstellung, bedeutungsmäßíg einander entsprechenden Satzgliedern
z.B. Chiasmus („Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben!“)
Oxymoron Pointierte Verbindung zweier einander widersprechender,
sich gegenseitig ausschließender Begriffe („beredtes Schwei-
gen“)
Paradoxon und Scheinbar widersinnige Behauptung, die sich jedoch als
Antithese richtig erweist („Eng ist die Welt, doch das Gehirn ist weit“)
Zeugma Verbindung mehrerer gleich geordneter Wörter mit einem
anderen, ihnen syntaktisch übergeordneten Wort, das seiner
genauen Bedeutung nach nur zu je einem der Wörter passt
(„Er hob den Blick und ein Bein gen Himmel.“)
Oder: Hyperbaton Künstliche Trennung einer zusammenhängenden Wortgruppe
(„Vater habe ich uns Mutter verloren!“)
Anapher Wiederholung desselben Wortes oder derselben Wortgruppe
am Anfang mehrerer aufeinander folgender Verse oder Sätze
(„O Mutter! Was ist Seligkeit? O Mutter, was ist Hölle?“)
Hervorhebung, Betonung des besonders Wichtigen
Reihung Aussagen werden zusammengestellt, um Totalität zu
erreichen

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Klimax Anordnung von Wörtern, Satzteilen oder Sätzen, die sich in


ihrer Aussagekraft oder Bedeutung steigern, ausgehend vom
schwächsten Glied („Es ist eine Beleidigung, einen römischen
Bürger in Fesseln zu legen; es ist ein Verbrechen, ihn
auszupeitschen; es grenzt an Vatermord, ihn zu töten; doch
ihn zu kreuzigen – wie soll ich dies nun nennen?”).
Hyperbel Form der Übertreibung, mittels deren eine Sache besser oder
schlechter, größer oder kleiner dargestellt wird, als sie
tatsächlich ist(„Dr. Johnson trank ein ganzes Meer von Tee.”;
„blitzschnell“)
Emphase Nachdrückliche Betonung, z.B. als Ausruf oder in Um-
stellungen
Euphemismus Das Ersetzen eines negativen Sachverhalts, Begriffs oder
Ausdrucks, der grobe, schmutzige oder auf andere Weise
unangenehme Assoziationen erweckt, durch eine taktvollere,
beschönigende Wendung („Klo” durch „Toilette”; „sterben”
durch „vergehen”).
Tabelle – Stilmittel des Redners

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