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Mittagsschlaf im Büro?

„Schlafen kann ich wenn ich tot bin,“ spottete Rainer Werner Fassbinder. Der
exzentrische Filmemacher, der in 13 Schaffensjahren 40 Spielfilme drehte,
dazu Fernsehspiele und –serien, lebte stets aus dem Vollen. Neben seiner
manischen Arbeitswut, mit der er zum „größten Filmemacher der Welt“
avancieren wollte, zog er mit seinen Schauspielern nachts um die Häuser,
trank viel Alkoholisches, rauchte ohne Unterlass und missachtete sämtliche
Warnsignale seines Körpers. Mittagsschlaf zu halten hielt er für eine
Zumutung, auch seien Mitarbeitern verbot er das Wegdösen am Set. Mit 37
Jahren spielte sein Körper nicht mehr mit, nach dem Herzstillstand kam bei
der Obduktion heraus, dass Fassbinder sich mit Schlafmitteln voll gepumpt
hatte. Er hatte schlicht das Schlafen verlernt.

Auch heute ist es für manche Chefs eine makabre Vorstellung, dass ihre
Mitarbeiter in einem Sessel oder lang ausgestreckt unterm Schreibtisch für
eine Viertelstunde abtauchen. Mittagsschlaf wird nur Rentnern oder Kindern
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zu gestanden. Doch inzwischen schlummern nach Angaben des Schlaflabors


in Mönchengladbach rund sechs Prozent der berufstätigen tagsüber,
Tendenz steigend. Sie tun damit etwas für ihre Produktivität, die nach einem
Kurzschlaf messbar ansteigt, für ihr Herz, das in der Auszeit gekräftigt wird,
und insgesamt für ihre Entspannung, die den ganzen Körper erfasst.

Die Siesta verlängert das Leben, vor allem von Männern. Ihr Risiko, durch
Herzversagen aus dem Arbeitsleben zu scheiden, verringerte sich um stolze
64 Prozent, wenn sie sich nachmittags ein Schläfchen gönnen. Fest steht:
chronische Übermüdung und ihre Folgen – mangelnde Motivation, schlechte
Effizienz, Krankheit und Arbeitsunfälle – verursachen Kosten in
Milliardenhöhe. Arbeitgeber und –nehmer sollten öfters in Morpheus Arme
sinken.

Was wir von Anderen lernen können: In amerikanischen Unternehmen


werden so genannte „Metronap“-Räume, in die sich Arbeitnehmer zum
Nickerchen zurückziehen, allmählich Standard. Die Japaner bezeichnen die
kurze Ruhe als „inemuri“, was „schlafend präsent sein“ heißt. Beim
Schlummer sackt man nicht unter die Tiefschlafgrenze, bei Bedarf ist man
sofort wieder voll da. Deshalb ist es in Japan, aber auch in China, legal, sich
das Schläfchen überall zu gönnen: in Nahverkehrsmitteln, in Restaurants
nach dem Essen, bei Meetings, wen man kurz seinen Kopf auf den Tisch
sinken lässt, und natürlich im Sessel am eigenen Schreibtisch. In der kurzen
Ruhe liegt viel Kraft. „Der Mittagsschlaf entspricht einem natürlichen
Bedürfnis“, sagt Jürgen Zulley, der die Deutsche Akademie für Gesundheit
und Schlaf leitet.

Literatur: Peter Spork “Das Schlafbuch, warum wir schlafen und wie es uns
am besten gelingt“ Rowohlt
„Die Welt“ 14. April 2008

Bis zum nächsten Mal und viel Spaß beim Lesen

Ihr Spaßlerndenk - Verlag

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