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Tutorium zu den Linguistik-Einführungsseminaren SS 2014 Markus Frank M.A.
Tutorium zu den Linguistik-Einführungsseminaren
SS 2014
Markus Frank M.A.

E.

Pragmatik

14.01.2014

Pragmatische Grundlagen

Pragmatik

Die Pragmatik untersucht sprachliche Ausdrücke in ihren spezifischen Verwendungssituationen. Im Zentrum dieser Untersuchungen stehen ganze Sätze und der sie umgebende Kontext, sowie der Akt des sprachlichen Handelns. Was tun wir, wenn wir sprechen, wie wird konkrete Information transportiert, was wird ergänzt (Implikaturen, Präsuppositionen etc.)?

Zur Einführung kann Folgendes empfohlen werden: MEISSBAUER, Jörg: Pragmatik. Eine Einführung. Tübingen, 2001 2 .
Zur Einführung kann Folgendes empfohlen werden:
MEISSBAUER, Jörg: Pragmatik. Eine Einführung. Tübingen, 2001 2 .
HAUSENDORF, Heiko, u. A.: Textlinguistik fürs Examen. Göttingen, 2008.
1. Sprechakttheorie und Sprechakte
Die Sprechakttheorie geht davon aus, dass Sprache und Kommunikation nicht
auf einzelnen Wörtern oder Sätzen basiert, sondern auf sogenannten
Sprechhandlungen. Je nach Kontext variiert die Art der sprachlichen Handlung,
die durch eine spezifische Äußerung vollzogen wird, zB.:
a)
A: Was gibt es morgen zu essen?
Mitteilung
B: Es gibt Kuchen.
b)
A: Könntest du mir morgen etwas Süßes backen?
Versprechen
B: Es gibt Kuchen.
c)
A: Ich bin gerade am Abnehmen.
Drohung
B: Es gibt Kuchen.

Jeder Sprechakt setzt sich nun aus verschiedenen gleichzeitig vollzogenen Teilakten zusammen:

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Lokutionärer Akt

Bezeichnet den Äußerungsakt: Laute, Wörter und Sätze werden mit gewissen grammatischen Strukturen artikuliert.

Propositionaler Akt

Bezeichnet die Formulierung des Inhaltes, näher die Proposition, welche durch Referenz (Argumente) und Prädikation hergestellt wird. Als Proposition wird ein wahrheitsfähiger Aussagesatz verstanden:

Dieser Mann (Referenz) ist ziemlich klein. (Prädikation)

Illokutionärer Akt

Gibt an, wie die Proposition zu verstehen ist. Ohne Kenntnis des illokutionären Aktes ist es nicht möglich, die Handlungsabsicht, die hinter der konkreten Äußerung steht, anzugeben, die Proposition ist nicht eindeutig. Eine Handlungsabsicht könnte sein: Bitten, warnen, auffordern, befehlen, versprechen etc Es gibt aber auch sprachliche Ausdrücke und nonverbale Kommunikation, die ebenfalls illokutionäre Handlungsabsichten transportieren:

Hallo! (= Grüßen) Händeschütteln (= Grüßen) etc.

Perlokutionärer Akt

Bezeichnet schließlich die Wirkungen, die ein Sprecher durch seine Äußerungen beim Hörer hervorruft:

Das Eis ist aber dünn! => Der Hörer überlegt sich, ob er das Eis betreten soll.

Als Indikatoren für eine Illokution gelten in der Regel sogenannte performative Verben bzw. die Intonation/Verbstellung/Partikel/Modus etc. eines Satzes:

Performative Verben enthalten als semantische Intension genau diejenige Handlung, die sie bezeichnen: versprechen, befehlen, taufen, schwören etc.

Das Indikatorwort hiermit kann lediglich mit performativen Verben kombiniert werden, z.B.:

Ich stelle (hiermit) fest, dass Anna ein Depp ist.

Ich bitte dich (hiermit), dass du auf Anna mehr Acht gibst.

Ich beleidige dich hiermit!*

Ich demütige dich hiermit!*

(beleidigen = Illokution)

(demütigen = Perlokution)

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2. Thuns Kommunikationsmodell

Auf propositionaler, illokutionärer Ebene funktioniert auch das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun:

Jede Äußerung hat nach diesem Modell folgende Ebenen:

1) Sachinhalt (Propositional): Ein Teil der durch die Sprechhandlung übermittelten Information hat einen rein informativen Charakter ohne Wertung.

Appell

(Illokutionär):

Ein

weiterer

Teil

der

ohne Wertung. Appell (Illokutionär): Ein weiterer Teil der 2) Information soll beim Hörer gewisse Perlokutionen

2)

Information soll beim Hörer gewisse Perlokutionen hervorrufen, er soll sich

nach gewissen vom Sprecher intendierten Mustern verhalten.

3)

enthalten, die die Beziehung zwischen Hörer und Sprecher verdeutlichen. Die Äußerungen des Sprechers werden an die Beziehung, in der er zum Hörer steht,

angepasst.

Aspekte

Beziehung

(Illokutionär):

In

jeder

Information

sind

gewisse

der

Informationsvermittlung gewisse Rückschlüsse auf seine psycho-physische

Befindlichkeit durch den Hörer.

4)

Selbstoffenbarung:

Der

Sprecher

erlaubt

durch

die

Art

Beispiel:

Es ist kalt hier drin.

1)

Die Temperatur im Raum ist niedrig.

 

2)

Kannst du die Heizung aufdrehen/das Fenster schließen?

 

3)

Ich

gehe

davon

aus,

dass

meine

Äußerungen

dich

zur

Handlung

motivieren.

 

4)

Die Temperatur in diesem Raum ist mir nicht hoch genug.

 
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3. Grice´sche Konversationsmaximen

Grice formuliert das sogenannte Kooperationsprinzip, auf dem jede zwischenmenschliche Kommunikation beruhen sollte: Der Sprecher sollte seinen Gesprächsbeitrag so formulieren, wie es der akzeptierte Zweck des Gespräches, an dem Sprecher und Hörer teilnehmen, verlangt.

Hierzu stellt Grice vier Konversationsmaximen auf:

Qualität

Behaupte nichts, von dessen Wahrheit du nicht überzeugt bist. Nimm nichts als wahr an, wofür du keine Gründe ausreichenden fürsprechenden Gründe hast.

Quantität

Mache deinen Gesprächsbeitrag für die zu transportierende Information so umfangreich wie nötig. Füge keine Information in deinen Gesprächsbeitrag ein, die nicht für den Gesprächsziel benötigt wird.

Relevanz

Liefere nur relevante Informationen. Im Gegensatz zur Quantitätsmaxime sind hier Informationen gemeint, die in keinem Zusammenhang zum Gesprächsziel stehen. Irrelevante Informationen können die anderen Maximen beeinträchtigen.

Modalität

Vermeide Unklarheiten im Ausdruck. Ambiguität ist zu vermeiden. (Gilt in dem Fall, in dem der Sprecher sich nicht absichtlich ambig kommunizieren will.

Übung X (Pragmatik)

Gib die vier realisierten bzw. möglichen Sprechakte bei folgenden Aussagen an und beziehe dich auch auf Thuns Kommunikationsmodell:

[1] Ich bin doch nicht blöd!

[2] Hast du einen Kugelschreiber für mich?

[3] Es gibt Kuchen, auch wenn ich ihn nicht so gerne esse.

Welche Grice´sche Maximen könnten bei Satz [3] möglicherweise nicht erfüllt sein?