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ARCHÄOLOGISCHE

DENKMALE AM UND UM
DEN KÜRNBERG BEI LINZ
DER ETWA 7 KM LANGE BERGRÜCKEN DES KÜRNBERGES, DER SICH WESTLICH DER LANDES-
HAUPTSTADT LINZ BIS NACH WILHERING ERSTRECKT, STELLT DEN WESTLICHEN AUSLÄUFER DER
„LINZER RANDBERGE“ DAR.

Er gehört geologisch zur böhmischen neolithische Werkbank aus derselben Epoche Der Flurname „Burg“ bezieht sich in diesem
Masse und wird oberflächlich durch die Donau mitsamt zahlreichen Werkstücken aufgefunden. Fall nicht auf eine aus Stein gebaute Ritterburg,
von dieser getrennt. Seinen höchsten Punkt In die Bronzezeit datiert die erste Baustufe sondern hängt mit der ursprünglichen Bedeu-
erreicht er in der sogenannten Kürnbergburg der sogenannten Kürnbergburg, eines etwa 1 tung des Wortes „bergen“ zusammen, was
mit 526 m über dem Meer. Aufgrund seiner km langen Ringwalles am Gipfelplateau des einen geschützten, befestigten Platz bezeichnet.
beherrschenden Lage über dem Donautal Bergrückens, der eine für damalige Verhältnisse Weitere Siedlungen der Bronzezeit gab es in der
und den sumpfigen Niederungen hatte der beträchtliche, in Ausmaß und Struktur noch Donauleiten (Gugerl, G‘schloß) sowie im sog.
Bergrücken schon seit tausenden von Jahren unerforschte, Höhensiedlung geschützt haben Steyregger Wald bei Dörnbach.
eine enorme Bedeutung. Die Menschen legten dürfte; die umwallte Fläche umfasst immerhin
auf dem Berg, der ihnen Schutz und Nahrung 6,5 Hektar. Die am Rand des Gipfelplateaus häufig
bot, Siedlungen, Wehranlagen, Kultplätze und anzutreffenden Trichtergruben, die
Friedhöfe an. Viele dieser Zeugnisse aus ur- fälschlicherweise als Bombentrichter des 2.
und frühgeschichtlicher Zeit haben sich bis zum Weltkrieges angesprochen wurden, bezeugen
heutigen Tag erhalten. einfache tagebauartige Bergbautätigkeit (der
Fachausdruck hierfür ist Pingen). Nach jüngsten
Die ältesten am Kürnberg aufgelesenen Erkenntnissen handelt es sich vermutlich um
Artefakte (Steinbeile, Klopfsteine, Reibsteine, Materialentnahmegruben der Massenrohstoffe
Keramikscherben) stammen aus der Jungstein- Grussand und Lehm; diese Materialien fanden
zeit. Obwohl konkrete Hinweise auf Siedlungen Verwendung beim Bau des Ringwalles.
oder Befestigungsanlagen in der Regel nach Eine bedeutende bronzezeitliche Nekropole
wie vor fehlen, bezeugen diese Bodenfunde, befand sich in der Reingrub am Südwesthang
dass der Steinzeitmensch den Kürnberg beging des Kürnberges, wo etwa 22 Hügelgräber (sog.
und auch bewohnte. Wissenschaftlich erwiesen Abb. 1: Vermessungsplan der Wallanlagen am Kürnberg Tumuli) von den archaischen Bestattungsbräu-
ist u. a. die jungsteinzeitliche Besiedlung der (Wladimir Obergottsberger) chen jener Epoche künden. Diese Grabhügel
ehemaligen Halbinsel von Fall bei Wilhering. waren ursprünglich bis zu 3 m hoch und hatten Abb. 2: Archäologische Untersuchung am Inneren Ringwall durch
In unmittelbarer Nähe, in Unterhöf, wurde eine einen Durchmesser von bis zu 15 m. Der Leich- Ernst Fietz 1934

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nam mitsamt den Beigaben lagen zuunterst,
typischerweise mit Steinen abgedeckt, sodass
sich eine Art Grabkammer bildete. Neben
der Körperbestattung entwickelte sich in der
Spätphase der Hügelgräber-Bronzezeit auch der
Brauch, die Toten zu verbrennen und die Asche
in Urnen zu bestatten. In den Hügelgräbern des
Kürnberges dürften beide Bestattungsvarianten
vorliegen.

Abb. 4: Zylinderhalsurne aus einem der Hügelgräber vom Kürnberg


Abb. 6: Die erneuten Untersuchungen des römischen Wachturms
am Hirschleitenbach in den 1990er Jahren stellten die Zweiphasig-
Eine späteisenzeitliche Stadtsiedlung, ein keit der Anlage fest (Chr. Schwanzar, OÖ. Landesmuseum)
sogenanntes Oppidum, konnte bisher aber nicht
nachgewiesen werden.
Im Frühmittelalter wurde der alte Ringwall
In der Römerzeit wurden entlang der Donau offensichtlich zu einer weiträumigen Fluchtburg
Abb. 3: Grabungsplan eines 1938 ergrabenen bronzezeitlichen zahlreiche Wachtürme, sog. Burgi, errichtet, bzw. zu einem Aufmarschplatz ausgebaut. Mög-
Hügelgrabes vom Kürnberg (Plan Ernst Fietz) von denen man einen, an der Mündung des Abb. 5: Grundrissplan des römischen Wachturms am Hirschlei- licher Anlass dafür waren die Awarenkriege des
Hirschleitenbaches in die Donau, bereits in tenbach nach der ersten archäologischen Untersuchung in den 8. Jh. bzw. die Ungarnkriege des 10. Jh. Die
den 1930-er Jahren entdeckte und inzwischen 1930er Jahren (Plan Ernst Fietz) beiden mächtigen bis zu 5 m hohen und 1 km
Vielleicht als Opfergabe an die Götter oder archäologisch untersuchte bzw. konservierte. langen Erdwälle südwestlich des Gipfelplateaus
als versteckter Hort eines fahrenden Händlers Am Ende des 2. Jahrhunderts bzw. am Beginn (sog. Bajuwaren- bzw. Sachsenwall), die weite
anzusprechen ist das im Dörnbacher Wald des 3. Jahrhunderts n. Chr. war in der ersten die aus zwei mächtigen Öfen sowie Verwal- Bereiche des Bergrückens abriegeln, dürften
geborgene Bronzedepot, bestehend aus vier Bauphase ein 6x6 m großer Bau errichtet tungsgebäuden bestand, errichten. Die dort gleichfalls aus dieser unruhigen Ära stammen.
Randleistenbeilen, zwei Armringen und einem worden, in einer weiteren Phase wurde er auf gebrannten Ziegel kamen höchstwahrscheinlich
Meißel. annähernd 10x10 Meter im Quadrat erweitert. beim Wachturm am Hirschleitengraben und Im Hochmittelalter entstanden an den
Weitere römische Wachtürme könnte es in Ufer andernorts in Noricum zum Einsatz. Von der Abhängen des Kürnberges mehrere Burgen.
Einzelne Relikte aus der Jüngeren Eisenzeit und Fall gegeben haben. Militärziegelei ist nichts mehr erhalten, doch Die größte repräsentierte die Burg der
bestätigen die Anwesenheit der „Kelten“ auch bedeutende Fundgegenstände, wie etwa hochfreien Herren von Wilhering-Waxenberg
am Kürnberg. Es wird vermutet, dass sie den Bei der einstigen Mündung des Mühlba- Oberösterreichs „ältester Brief“, eine beschrif- in der Ortschaft Ufer. Neben ihnen waren es
verfallenen bronzezeitlichen Ringwall zu einer ches in einen Nebenarm der Donau ließen tete Ziegeltafel, gelten bedauerlicherweise als die Ministerialengeschlechter der Kürnberger
nicht ständig benutzten Fluchtburg ausbauten. die römischen Militärbehörden eine Ziegelei, verschollen. und der Mühlbacher, die Herrensitze anlegten.

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Die Burg Kürnberg erhob sich beim Bauernhof
Schneiderbauer, die Burg Mühlbach knapp
nördlich davon im sog. Steyregger Wald.
Von beiden Anlagen ist die Erdsubstruktion
erhalten geblieben. Eine Holzburg, deren
genaue Bezeichnung nicht überliefert ist (das
sog. G‘schloß), beherrschte die Mündung des
Hainzenbaches in die Donau.

Auf den im Mittelalter gerne gepflogenen


Brauch des Vogelfanges verweist die Vogel-
tenne im Wilheringer Wald, eine achteckige
Verwallung, deren Zweck es war, die mit
Leimruten und desgleichen gefangenen Vögel Abb. 8: Moderne Zerstörung an einem Bodendenkmal
vor Raubtieren zu schützen. Abb. 7: Die gut erhaltene Quellfassung im Kürnberg durch die nicht denkmalpflegerisch begleitete
des sogenannten „Kaiserbründls“ Errichtung eines Weges
Etliche jagdtechnische Einrichtungen der frühen
Neuzeit, Jagd- und Forsthäuser (Hirschenstadel,
Jäger im Kürnberg, Forstner am Berg), eine Die fortlaufende Zerstörung bzw. Beschädi- Ohne wirksame Abhilfe wird sich dieser
Quellfassung (sogenanntes Kaiserbründl) gung unzähliger Anlagen in Wald und Flur bedrohliche „Trend“ in den kommenden Jahren
sowie ein ausgedehnter Wildzaun (Bannwall), durch Meliorationen usw. ist jedenfalls nicht noch ausweiten und zu einem massiven
bekunden schließlich die Rolle des Kürnberges zu übersehen. Kahlschlag unter den nicht explizit geschützten
als Jagdrevier der Habsburger; vor allem Maxi- Objekten führen. Es wird die Aufgabe einer
milian I. hatte hier oft und gern dem Weidwerk Mehrmalige Begehungen des Waldgebietes verantwortungsbewussten Kulturpolitik sein,
gefrönt. führten vor Augen, dass durch gewaltsame hier mit Augenmaß gegenzusteuern und über
Eingriffe in den Boden, ohne denkmalpfle- die Bestandssicherung von „Vorzeige-Anlagen“
Aufgrund ihrer großen historischen gerische Begleitung, aufgrund forstlich hinaus rechtzeitig alles zu unternehmen, dass
Bedeutung wurden einige auserwählte Boden- bedingter Maßnahmen (wie Anlage von das Erbe unserer Flur- und Bodendenkmale
denkmale des Kürnberges, insbesondere der Zufahrtswegen, Wiederbepflanzungen etc.) – als unveräußerliches Element geschichtlich
Ringwall der Kürnbergburg, die beiden Vorwälle der Wald befindet sich zum Großteil im Besitz gewachsener Identität auch für künftige Genera-
(Bajuwaren- u. Sachsenwall), das bronzezeit- des Stiftes Wilhering – der archäologische tionen erhalten bleibt.
liche Hügelgräberfeld in der Reingrub sowie Denkmälerbestand punktuell ge- oder zerstört
der römische Burgus im Hirschleitengraben im wurde bzw. gefährdet ist. Nicht zu vernach-
Jahre 1992 unter Denkmalschutz gestellt. Im lässigen sind auch die illegalen Eingriffe
Jahre 2010 erfuhr endlich auch die bedeutende der Metallsondengeher und Raubgräber, die
Wallburg des sog. G‘schloß eine Unterschutz- unwiederbringlichen Schaden am einzigar-
stellung, leider erst nachdem das Objekt durch tigen archäologischen Reservoir Kürnberg
eine Forststraße bereits beschädigt worden war. anrichten.

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