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Fast Forward © PPVMEDIEN 2006 Play Record Listen Service Test: M-Audio Keystation 88 Pro USB-MIDI-Keyboard

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Play Record Listen Service Test: M-Audio Keystation 88 Pro
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Test: M-Audio Keystation 88 Pro

USB-MIDI-Keyboard M-Audio Keystation 88 Pro

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Bisher spaltete sich die Welt der Masterkeys in zwei Lager: Keyboards mit 88 Tasten für die Pianisten und Keyboards mit Reglern und Fadern für die Studiofreaks. M-Audio bietet jetzt mit der Keystation 88 Pro beides in einem Gerät zu einem absoluten Kampfpreis an. Unser Praxistest untersucht, ob beide Parteien den Sekt kalt stellen können.

S o viel sei vorneweg vermerkt: Der Preis von etwa 599 Euro für die Keystation 88

Pro von M-Audio kann nur als Knaller und als echte Kampfansage an die arrivierte Konkur- renz im 88-Tasten-Hammermechanik-Be- reich bezeichnet werden, denn vergleich- bare Produkte finden sich erst deutlich über der Tausend-Euro-Marke und diese warten nicht mit einer Unzahl an MIDI-Steuerele- menten auf. Mit der Ersparnis könnte man sich also einen ganzen Kühlschrank mit Sektflachen voll stopfen – wenn denn die Keystation im Praxistest überzeugen kann. Doch kommen wir zunächst zu den Ausstat- tungsmerkmalen des neuen Keyboard- Flaggschiffs von M-Audio.

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Ausstattung

Extrem cool ist die Tatsache, dass die Key- station 88 Pro komplett per USB mit Strom versorgt wird. Einfach ein USB- Kabel mit dem Rechner verbinden, das neben den MIDI-Daten auch den Strom an das Keyboard liefert. Das hat es in dieser Größenordnung noch nicht gegeben. Stellt man sich nun noch die Kombination Laptop/Keystation auf der Bühne vor, so ist – mal abgesehen von Audio – mit einem

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© PPVMEDIEN 2006 Kabel alles erledigt. Natürlich sollte der Laptop in Sachen Akku nicht zu der

Kabel alles erledigt. Natürlich sollte der Laptop in Sachen Akku nicht zu der schwachbrüstigen Abteilung gehören. Ein weiteres„Problem“ dieser Konstellation: Die Keystation bietet zwar links und rechts großzügige Ablageflächen, für einen Laptop sind diese aber gerade knapp zu klein. Man kommt um einen zweistöckigen Keyboardständer also leider nicht herum.

Die Keystation verfügt über 88 Tasten mit Hammermechanik, die mit neun ver- schiedenen Velocitykurven an das ei- gene Spielgefühl angepasst werden kön- nen. Die Bewertung der Tastatur entneh- men Sie bitte den einzelnen Disziplinen des Praxisteils.Neben den neun Dynamikkennli- nien gibt es noch drei Einstellungen mit fixen Velocitywerten von 64, 100 und 127. Auf der Rückseite finden sich außer dem USB-Anschluss sowohl ein MIDI-Eingang als auch ein MIDI-Ausgang. Die Keystation kann dadurch stand-alone mit einem exter- nen Klangerzeuger (etwa einem Rackmo- dul) oder auch als USB-MIDI-Interface be- trieben werden. Für den erstgenannten Fall ist allerdings ein (optional erhältliches) Netzteil erforderlich. Des Weiteren entdeckt man auf der Rückseite zwei Eingänge für Sustainpedale und einen Eingang für einen Volume-Regler. Auf der Oberfläche der Keystation finden sich Pitch- und Modulationsrad,24 Drehreg- ler, 9 große Fader, 22 programmierbare Ta- ster (5 von ihnen sind als Transportfeld über den Wheels angebracht) und eine Reihe von weiteren Tastern (darunter ein Ziffernblock), die interne Funktionen des Keyboards steu- ern. Hier wären als Beispiel die von blauen LEDs flankierten Taster für die Zuweisung/Aktivierung der vier Splitzonen und die Knöpfe für das Umschalten der Ok- taven zu nennen, die nach einem Druck auf beide Tasten als Doppelbelegung für die Transponierung in bis zu 12 Halbtonschrit- ten zuständig sind. Praktisch. Das große, blau beleuchtete Display zeigt an, welche Splitzone gerade aktiv ist. Dazu den zuletzt bewegten Controller und dessen Wert: In großen Lettern, die auch der angetrunkene Livemusiker ohne Schwierig- keiten ablesen kann,wenn er sich zu diesem Zweck in pianistischer Manier hinsetzt. Steht er und schwankt gar im Eifer des Ge- fechts ein wenig nach vorne, ist es leider vorbei mit der optischen Kontrolle: Das Bild im Display verschwindet vollkommen. Einen Drehregler, um das Display den jewei- ligen Lichtverhältnissen auf der Bühne an- zupassen, gibt es leider nicht. Auch wäre eine optische Darstellung der momentanen

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Splitzonen im Display eine schöne Berei- cherung. Bei der Programmierung der Key- station hilft allerdings der kostenlosen Edi- tor/Librarian Enigma weiter, der kostenlos unter www.evolution.co.uk/support/down- load/e.php heruntergeladen werden kann. Die Keystation bietet 10 Speicherplätze für die verschiedenen Belegungen der Reg- ler, Taster und Fader. Die Räder und Pedale der vier Keyboardzonen können unter- schiedlich programmiert werden.

Praxis

Wir haben die Keystation in den Diszipli- nen Klavier,E-Piano,Orgel,Softsynth und Sequencer antreten lassen. Zum Einsatz kam ein Apple Macintosh G4 mit Logic Pro 6 (inkl. EVP88 und EVB3) und The Grand von Steinberg. Die „Installation“ verlief kinder- leicht, die Keystation war beim Booten von MacOS X bereits eingesteckt und wurde beim Start von Logic anstandslos und ohne weitere Treiberinstallationen erkannt. Plug&Play im wahrsten Sinne des Wortes.

In der Königsdisziplin Klavier müssen wir leider kleinere Abstriche machen. Zum einen liegt das natürlich in der Natur der Sache, da ein Klavier mit seinen Saiten und Hämmern bis heute noch von keinem Keyboard überzeugend abgebildet wurde. Zum anderen kann aber die Keystation nicht ganz mit den Konkurrenten mithalten (wir haben zum Vergleich ein Doepfer LMK4+ und ein Fatar SL-880 Pro getestet). Bei der Keystation fallen zunächst die etwas tief sitzenden schwarzen Tasten auf, die man eher von kleineren Keyboards als von 88-Tasten-Boliden kennt. Sie vermitteln ein leicht unrealistisches Spielgefühl. Auch lässt sich das Dynamikverhältnis zwischen weißen und schwarzen Tasten nicht verän- dern. Ebenso will das Repetieren auf einer

Taste nicht recht gelingen. Der Anschlag der gewichteten Tasten mit Hammermechanik wirkt insgesamt etwas schwammig, hier kann die Keystation insbesondere mit dem straffen, klaviertypischen Anschlag des LMK4+ nicht mithalten. Allerdings ist das natürlich auch Geschmackssache, so ziehen manche Pianisten den weicheren Anschlag von Fatar vor, der etwas mehr in die Rich- tung der Keystation tendiert. Mit neun An- schlagkurven bietet die Keystation umfang- reiche Möglichkeiten des Finetunings zwi- schen Keyboard und Klangerzeuger.

Das E-Piano liegt der Keystation. Eben war der etwas schwammige Anschlag noch ein Nachteil,jetzt wandelt sich das Blatt,weil er durchaus ein wenig an den Anschlag eines Fender Rhodes erinnert. Wählt man die entsprechende Kurve, können die virtu- ellen Metallzungen des EVP88 authentisch zum Knacken und Singen gebracht werden. In der Disziplin E-Piano ist es auch von Vor- teil, dass die Keystation mit nicht weniger als 24 Drehreglern bestückt ist. So können Treble und Bass sowie weitere E-Piano-typi- sche Parameter wie Tremolo und Chorus di- rekt gesteuert werden.

Das Schweineorgeln geht zwangsläu- fig etwas schwierig von der Hand. Insbe- sondere das schnelle Überstreichen der weißen Tasten mit ein oder zwei Fingern (Glissando) und das Rühren und Matschen mit der flachen Hand und dem Ellbogen klappen nicht so gut. Das ist aber mehr als logisch,kamen bei den Original-Hammonds doch klapprige Keyboardtastaturen ohne jeden Widerstand zum Einsatz, weswegen bei der Simulation nur gelten kann: Je softer der Anschlag, umso besser. So gesehen schlägt M-Audio die Konkurrenten von Doepfer und Fatar in diesem Bereich. D

die Konkurrenten von Doepfer und Fatar in diesem Bereich. D Das große Display der Keystation zeigt
die Konkurrenten von Doepfer und Fatar in diesem Bereich. D Das große Display der Keystation zeigt

Das große Display der Keystation zeigt unter anderem den aktuellen Controller und dessen Wert an

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Record Listen Service Test: M-Audio Keystation 88 Pro Auf der Rückseite finden sich der Anschluss für

Auf der Rückseite finden sich der Anschluss für das optionale Netzteil, Sustain 1 und 2, Volume, MIDI-In und -Out sowie USB

Sustain 1 und 2, Volume, MIDI-In und -Out sowie USB Ein Highlight in Sachen Orgel sind

Ein Highlight in Sachen Orgel sind die neun Fader, die mit einem Druck auf die Tas- tenkombi„Drawbars“ in eben diesen Modus versetzt werden können. Jetzt ergibt der Fader in Maximalstellung den Wert 0 und kann wie bei der Orgel herausgezogen wer- den. Auch das schnelle Herauswischen ein- zelner Drawbars, das einige Organisten ein- setzen,um schnell im Solo den Sound zu ver- ändern, klappt mit den Fadern der Keysta- tion sehr gut. Natürlich sind diese nicht in acht Schritten gerastert, aber damit kann man locker leben. Hervorragend ist übri- gens, dass man einen der beiden Sustain- Anschlüsse nach entsprechender Anpas- sung zum Umschalten des virtuellen Leslie benutzen kann.

Bei der Fernsteuerung von Softsynths kommen wieder die Drehregler zum Ein- satz. Mit 24 Stück ist die Keystation hier außerordentlich üppig bestückt. Die Regler sind griffig, liegen aber etwas eng beieinan- der, so dass man beim beherzten Zugreifen manches Mal den Nachbarregler mit er- wischt und zum Beispiel das gegenläufige Verändern von Cutoff und Resonance nur mit spitzen Fingern gelingt. Hier kann aber leicht Abhilfe geschaffen werden. Einfach diese beiden Parameter auf zwei Fader legen, dann können sie sogar mit einer Hand durchgeknetet werden. Ob man beim Solospiel die Variante mit zwei Wheels oder die Joystick-Konstruktio- nen von Roland und Korg bevorzugt, ist letztlich Geschmackssache. Das Mod- und das Pitchrad bei M-Audio haben einen ange- nehm kurzen Weg. Sie müssen ja dank der Fader nicht als solche zweckentfremdet wer- den. Der Widerstand der Rückholfeder des Pitch-Wheels ist genau richtig. Statt des Mini-Transportfelds wären ein paar Drehreg- ler über den Wheels sehr sinnvoll gewesen, da man beim Solospiel dann neben Pitch und Mod noch weitere Parameter hätte be- einflussen können. Allerdings sind die Taster an dieser Stelle zum Umschalten von Para- metern (zum Beispiel Effekte oder Wellenfor- men) und zum Weiterschalten von Program- men auch nicht schlecht. Die Krönung wäre ein Ribbon-Controller gewesen, den gibt es

allerdings bedauerlicherweise im Bereich der Masterkeys noch nirgendwo.Aftertouch sendet die Keystation leider nicht.

Prädestiniert ist die Keystation als Steuerzentrale im Verbund mit Sequen- cern. Sie bietet genau die richtige Anzahl an Fadern und Reglern und kann es in dieser Hinsicht mit sehr umfangreichen Mix-Con- trollern aufnehmen. Natürlich sind keine Motorfader eingebaut, so dass man Werte im Bedarfsfall erst abholen muss, aber auch das ist eigentlich kein Problem. Die Anzahl der Fader ist übrigens gut gewählt. Mit ihr lassen sich acht Kanäle und der Masterfader gleichzeitig steuern. Logic 6 Pro reagierte nicht auf Anhieb auf die Befehle des Transportfelds, hier mus- sten zunächst ein paar Anpassungen vorge- nommen werden. Im Fenster „Key Com- mands“ stellte sich nach Betätigen des Schalters Learn MIDI zunächst heraus, dass Logic die voreingestellte Controllernummer nicht akzeptiert. Also musste die Belegung an der Keystation verändert werden. Dazu wählt man einen Regler/Taster durch Betäti- gen an, drückt dann die Taste Control Assign, worauf im Display „CC“ zu blinken beginnt. Dann gibt man die gewünschte Controller- nummer über das Zahlenfeld ein. Fertig. Später wird bei der Betätigung dieses Reg- lers/Tasters nicht nur die ursprüngliche Controllernummer angezeigt,sondern nach einer kurzen Weile auch„CC“ gefolgt von der neu zugewiesenen Nummer. Die Anpassung der Controllernummern für die Fader und Regler des Mixers in Logic erfolgte in der Keystation – zuvor hatten wir die Parameter von EVP88 und EVB3 übri- gens auf die gleiche Art und Weise ange- passt. Um neben einem Software-Synthesi- zer auch noch einen externen Klangerzeu- ger per MIDI-In/Out der Keystation anzu- steuern, mussten die Controller nochmal neu angepasst werden, es galt, Überschnei- dungen zu vermeiden. Ein reines Aufteilen der MIDI-Kanäle war nicht von Erfolg ge- krönt: Logics SW-Synthesizer reagierten nach wie vor auf die Bewegungen der Reg- ler. Hier kann man sich aber auch im Envi- ronment von Logic behelfen.

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Fazit

Mit der Keystation 88 Pro hat M-Audio ein rundum gelungenes Paket ge- schnürt. Wer als gelernter Pianist auf ein realistisches Anschlaggefühl angewiesen ist, der wird eher zum LMK4+ greifen, aber auch mehr als das Doppelte bezahlen und auf die Fader und Regler verzichten müssen. Auch der Konkurrent Fatar SL-880 Pro ist laut UVP in dieser Preisregion zu finden, al- lerdings bei einigen Händlern in etwa für den gleichen Preis wie die Keystation zu haben. In Sachen Ausstattung ist man mit dem SL-880 Pro allerdings meilenweit von der Keystation entfernt. Kann man auf 88 Tasten und Hammer- mechanik verzichten, so kommen eine ganze Reihe von Alternativen in Betracht, so zum Beispiel die Radium-Serie aus gleichen Hause oder aber die Produkte von Edirol, von beiden Firmen gibt es Varianten, die auch noch ein Audio-Interface integrieren. Allerdings hat keines der kleineren Key- boards eine ähnlich umfangreiche Be- stückung mit Fadern und Reglern zu bieten. Als Studiozentrale und auch im Live-Betrieb macht die Keystation 88 Pro eine sehr gute Figur. Und beim Preis knallen ohne Zweifel die Sektkorken. Cheers.

Alexander Schmidt/jb//

M-Audio Keystation 88 Pro

 

M-Audio, Öhringen

Vertrieb

Internet

www.m-audio.de

Preis

ca. 599 €

Konzept

88-Tasten-Keyboard mit Hammermechanik, 9 Fadern und 24 Drehreglern, self- powered via USB

Technische

AAnnsscchhllüüssssee:: MIDI-In/Out, 2x Sustain, 1x Expressioncon- troller, Netzteil (optional) AAuussssttaattttuunngg:: 9 Fader, 24 Drehregler, 22 Taster (5 davon als Transportfeld), Mod- und Pitch-Wheel, großes Display, Tasten für Oktaven und Transponie- rung, Ziffernblock

Daten

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unschlagbarer Preis self-powered per USB Anzahl der Fader und Dreh- regler Drawbar-Mode

externes Netzteil (keine Zu-

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gentlastung) nur optional

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