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DIPLOMARBEIT

Programmqualität im europäischen Regionalfernsehen.

Versuch eines Querschnitts durch die Bestrebungen des europäischen


Regionalfernsehen im öffentlich-rechtlichen Bereich Kosten zu sparen
und gleichzeitig Qualität zu fördern.

eingereicht von
Arno Schimmelpfennig

angestrebter akademischer Grad


Magister der Theater-, Film- und Medienwissenschaft (Mag. phil.)

Wien, September 2009

Studienkennzahl lt. Studienblatt: A 0508062

Studienrichtung lt. Studienblatt: Theater-, Film- und Medienwissenschaft

Betreuer: Prof. Dr. Rainer Maria Köppl


VORWORT

Seit der Arbeit als Journalist vor dem Studium stellt sich mir die Frage, was Medienbetriebe
tun können, um qualitativ hochwertig zu arbeiten, obgleich sie aufgrund verschiedener
Faktoren zu erheblichen zeitlichen und finanziellen Einsparungen genötigt werden. Das
Thema ist sehr aktuell und wird vielerorts diskutiert. In Österreich etwa wird es dem Leihen
in Berichten über die finanzielle Lage des ORF öffentlich vor Augen geführt. Diese Tatsache
brachte mich dazu, mich der Thematik in Form einer Diplomarbeit zu widmen.

Anreiz bot mir nach einem Praktikum beim Bayerischen Rundfunk in Nürnberg der
Redaktionsleiter Peter Sauer. In Zusammenarbeit mit der europäischen Gesellschaft der
öffentlich-rechtlichen Regionalsender (CRICOM) sollte ich herausfinden, wie die einzelnen
Sender Zeit und Kosten sparen. Ich sollte daraus ableiten, wie sich trotz der Einsparungen
Programmqualität aufrecht erhalten lässt.

Das Problem liegt darin, dass jeder Bereich innerhalb einer Sendeanstalt Qualität anders
formuliert. Abteilungen, die hauptsächlich der Programmqualität nachgehen, gibt es kaum.
Meistens ist ihre Betrachtung wirtschaftlich oder technisch geprägt. Es geht in erster Linie um
Einschaltquoten. Doch angesichts der Diskussion um künftige Finanzierungsformen im
Konkurrenzkampf zu den Privatsendern, muss möglichst bald ein anderes Messinstrument
gefunden werden. Die Entwicklung zielt auf eine Qualitätsmessung mittels eines
europäischen Standards ab. Ein Standard, der losgelöst ist von der je nach Land spezifischen
wirtschaftlichen und politischen Lage.

Einerseits trieb mich der Bayerische Rundfunk stark in Richtung Wirtschaft, Journalismus
und technische Qualität. Andererseits verlangte die Universität eine wissenschaftliche und
kritische Herangehensweise. Daher möchte ich meinem Betreuer, Prof. Dr. Köppl, für seine
Geduld und seine Ausdauer danken. Ich danke dem Bayerischen Rundfunk und CIRCOM für
ihre Mithilfe. Ein weiterer Dank geht an meine Schwester und meine Eltern für ihre intensive
Unterstützung. Letztlich will ich auch meiner Patentante, Nadja, danken, für ihre Motivation.
Und ich danke meinem Onkel, Klaus, für die langen Diskussionen über Qualität und deren
Optimierung. Meine erste, umfassende wissenschaftliche Arbeit widme ich meiner
verstorbenen Oma: Ich habe deinen Ratschlag befolgt.
INHALTSVERZEICHNIS
Seite

EINLEITUNG.................................................................................................... 1

1. METHODIK, BEGRIFFSERKLÄRUNG................................................. 2

1.1 Begriffserklärung............................................................................................ 2

1.2. Methodik....................................................................................................... 5

2. EINFÜHRUNG IN DIE PROGRAMMQUALITÄT............................................ 6

2.1. Qualität in den Griff bekommen – Veränderungsmanagement........................... 7

2.2. Qualität in den Griff bekommen – Qualitätsmanagement.................................. 8

2.3. Faktoren der Qualität: Kreativität, Perfektion und Innovation............................... 9

2.4. Qualitätsoptimierung hat einen Namen – Digitalisierung......................................... 9

3. PROGRAMMQUALITÄT – DIE INNEREN FAKTOREN................... 12

3.1. Grundlagen für das Verständnis von öffentlich-rechtlichem Fernsehen …............ 12

3.1.1. Entwicklung öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten............................................... 13

3.1.2. Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen..................................................................... 16

3.1.2.1. Finanzierungsmodelle............................................................................................... 16

3.1.2.2. „Public Value – Test“ als Abhilfe.............................................................................. 22

3.2. Rundfunkgesetzte – Rahmenbedingungen für qualitatives Fernsehen …............... 27

3.2.1. Mediengrundrechte........................................................................................ 30

3.2.2. Aufruf zur Kooperation, Integration und Koproduktion – Fernsehen ohne Grenzen.. 33
Seite

4. MÖGLICHKEITEN DER ZEITERSPARNIS IN DER DISKUSSION 34

4.1. Outsourcing – eine besondere Möglichkeit der Kosten- und Zeitersparnis............ 36

4.2. Controlling – Überprüfung der Einhaltung von Zeit- und Kostenaufteilung......... 39

4.3. Personalkostensteuerung und Personal als Qualitätsgarant..................................... 44

4.3.1. Personalkostensteuerung................................................................................. 45

4.3.2. Personal als Qualitätsgarant............................................................................ 46

4.3.3. Multimedialität – Voraussetzung von morgen..................................................... 47

5. AMERIKANISIERUNG – BEEINFLUSSUNG DES............................. 50


QUALITATIVEN FERNSEHENS

6. EXKURS: TECHNISCHE QUALITÄT ALS BASIS VON BILD-...... 54


UND TONQUALITÄT
6.1. IP-TV – Fernsehen geht online..................................................................................... 54

6.2. Der neue Ton.................................................................................................................. 59

7. PROGRAMMQUALITÄT – DIE ÄUSSEREN FAKTOREN................ 61

7.1. Das Ziel: der Zuschauer.................................................................................. 61

7.1.1. Messung des Zuschauerverhaltens: die Einschaltquote............................................... 61

7.1.2. Die Zuschauer............................................................................................... 63

7.1.3. Der Einfluss der Zuschauer auf die Programmplanung........................................ 70


Seite

7.2. Der ideale Redakteur...................................................................................... 75

7.2.1. Das Ideal: Recherche-Journalismus.................................................................. 76

7.2.2. Ideale Entscheidungsfindung........................................................................... 77

7.2.3. Anforderungen an den TV-Journalisten............................................................. 85

7.2.3.1. Kompetenz................................................................................................ 85

7.2.3.2. Objektivität................................................................................................ 87

7.2.3.3. Ästhetik..................................................................................................... 88

7.3. Programmplanung......................................................................................... 91

7.3.1. Finanzierungsformen - Einfluss auf die Programmgestaltung..................................... 93

7.3.2. Programmplanung und ihre Strategie........................................................................... 95

7.3.3. Eine qualitative, anspruchsvolle Sendung – Was ist das?............................................ 98

8. SCHLUSSGEDANKE................................................................................. 101

LITERATURVERZEICHNIS........................................................................ 109

ANHANG.......................... ….........................................................................113
- Fallbeispiele

WDR, Deutschland..................... ….....................................................................................113

MDR, Deutschland..................... ….....................................................................................114

SWR, Deutschland..................... ….....................................................................................114

ERT, Griechenland...................... ….....................................................................................114

RTBF, Belgien............................ ….....................................................................................115


Seite

RTSH, Albanien.......................... .........................................................................................115

NRK, Norwegen......................... ….....................................................................................115

ORF, Österreich.......................... ….....................................................................................117

MRTV, Mazedonien.................... .........................................................................................118

RTV, Slovenien........................... ….....................................................................................119

RTE/TG4, Irland......................... ….....................................................................................121

RAI, Italien................................. ….....................................................................................122

Ö3, Österreich............................. ….....................................................................................123

- Fragebögen

Fragebogen zur Untersuchung der Redaktionen (Besuch).......... ….........................................125

Fragebogen zur Untersuchung der Redaktionen (Telefon; Mail) .............................................127

-Abkürzungsverzeichnis......... ….....................................................................................140

- Abbildungsverzeichnis.......... ….....................................................................................147

- Abstract.................................. ….....................................................................................159

- Lebenslauf............................. ….....................................................................................161
1

EINLEITUNG

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise zu


Einsparungen gezwungen. Damit ergeben sich Abstriche in der Qualität – sowohl hinsichtlich
der technischen Qualität sowie der Programmqualität. Zu lange ging die Haltung der
Fernsehsender in die Richtung, sich auf die Finanzierung entweder über Werbung, oder über
Rundfunkgebühren zu verlassen. Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender konnten bisher
damit rechnen, genügend Gelder für Innovationen hinsichtlich der Qualität zu bekommen. Die
Einsparungen führen erst langsam zum Umdenken. Konzepte, die dazu beitragen, Kosten zu
senken und Qualität aufrecht zu halten, sind aus diesem Grund derzeit äußerst gefragt. Nur so
können sich die öffentlich-rechtlichen gegenüber den privaten Sendern künftig behaupten.

Vorliegende Diplomarbeit war ursprünglich als Auftragswerk für CIRCOM, den Verband der
öffentlich-rechtlichen Regionalsender Europas, gedacht. Im Mai 2009 besuchte ich in diesem
Rahmen die Internationale Tagung der Regionalsender Europas in Groningen, Niederlande.
Aus verschiedenen Perspektiven wurde dort der Begriff „Qualität im Fernsehen“ in nahezu
allen Workshops beleuchtet. Diese vielfältige Betrachtungsweise führt jedoch gleichzeitig zu
einer Fokussierung.
Konkret interessieren nur Nachrichtensendungen und tagesaktuelle Magazine unter den
Gesichtspunkten der Bild- und Tonqualität sowie der Programmqualität. Einzelne Sendungen
sollen nicht besprochen werden. Selbst wenn dies angesichts des angestrebten Abschlusses in
der Film- und Medienwissenschaft einleuchtend wäre. Grund ist das Ausmaß der Arbeit. Die
analysierten Sender haben nicht nur ihre spezifische Arbeitsweise, Themen aufzubereiten. Sie
sind zudem abhängig von der finanziellen und politischen Lage ihres Landes. Eine
Konzentration auf Sendungen würde den Großteil der Faktoren ausschließen, die sich auf die
Programmqualität auswirken.
Darüber hinaus umfasst vorliegende Diplomarbeit nicht nur einen Bereich, wie etwa
Redaktionen oder Zuschauer. Denn jeder Bereich macht Qualität an anderen Faktoren fest
und hat andere Anforderungen an eine qualitative Sendung.

Die Arbeit geht von vornherein nicht davon aus, dass ein einheitliches Verständnis von
Qualität für alle Bereiche des Nachrichtenwesens angewendet werden kann. Sie versucht in
erster Linie, einzelne Faktoren unabhängig zu betrachten. Aus den Einzelergebnissen der
Untersuchung soll ein Vorschlag für eine europäische Programmqualität entwickelt werden.
2

1. METHODIK, BEGRIFFSERKLÄRUNG

1.1. Begriffserklärung

Die wichtigsten Begriffe sollen im Folgenden kurz erläutert werden.

Qualität

Obwohl es aus bereits genannten Gründen schwierig ist, eine allgemeine Definition des
Begriffs zu geben, soll hier doch der Versuch unternommen werden. Es geht weniger darum,
was Qualität ist. Es soll eher geklärt werden, was einzelne Parteien unter dem Begriff der
Qualität verstehen. Aufschluss gibt das „Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache im 20.
Jahrhundert“. Hiernach kann Qualität in Bezug auf die Umgangssprache1, als Kategorie, als
Eigenschaft und Fähigkeit sowie letztlich als Klangfarbe verstanden werden. Die ersten
beiden Betrachtungen sind für die Arbeit relevant. In der Umgangssprache bezeichnet der
Begriff eine

„Gesamtheit der Eigenschaften eines Produkts, die den Grad seiner Eignung für den vorgesehenen
Verwendungszweck bestimmen, (vorgeschriebene) Güte, Beschaffenheit.“

Das bedeutet, dass von Seiten des Nutzers etwas qualitativ hochwertig ist, wenn es alle seine
Anforderungen zufrieden stellt. Die Funktionen müssen von „vorgeschriebener Güte“ sein,
also funktionieren oder die Erwartungen erfüllen. Wirtschaftlich ausgedrückt und auf den
Nutzer bezogen, ist eine Sache dann qualitativ, wenn sie den Nutzer befriedigen kann.
Um Qualität nicht einseitig, sondern objektiver zu betrachten, ist die Definition des Begriffs
als Kategorie aufschlussreicher:

„innere, wesentliche Bestimmtheit der Gegenstände, Erscheinungen und Prozesse der objektiven Realität, die
diese zu dem macht, was sie sind, ihnen ihre relative Beständigkeit, Selbständigkeit verleiht und sie von allen
anderen Erscheinungen abgrenzt und unterscheidet: mit der Veränderung der Q. wird die Erscheinung selbst
verändert; das Umschlagen einer (alten) in eine neue Q., in die Q.; Die neue Qualität Mensch wird
offenkundig, wenn sich im archäologischen Material in zunehmendem Maße Gegenstände [...] finden, deren
Formen auf eine zweckgerichtete Tätigkeit schließen lassen.“

Objektiv gesehen geht es nicht mehr um die äußere, sondern um die innere Beschaffenheit
einer Sache. Die Beschaffenheit lässt sich objektiv messen. Qualität ist in diesem Kontext das,
was eine Sache auszeichnet und sie zur Sache überhaupt erst werden lässt. Wenn die Sache
also bestimmte, objektiv messbare Eigenschaften aufweist, hat sie laut Wörterbuch Qualität.

1 Das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache im 20. Jh.: „Qualität“, http://www.dwds.de/?
kompakt=1&sh=1&qu=Qualität; (20.06.2009)
3

Bisherige Erkenntnisse kurz zusammengefasst: Der Zuschauer als Nutzer will vom Programm
unterhalten oder informiert werden. Wenn das zutrifft, müsste laut Definition das Programm
qualitativ hochwertig sein. Objektiv bewertet dürfte das Programm jedoch nur dann qualitativ
hochwertig sein, wenn es sich objektiv messen lässt und bestimmte, vordefinierte
Eigenschaften aufweist. Aber diese Seite kann im Grunde nur von Wissenschaftlern oder von
Seite der Redaktionen beantwortet werden und lässt den Zuschauer mit seiner subjektiven
Einschätzung von Qualität außen vor.

Etwas einleuchtender wird das bisher Festgestellte durch einen erneuten Blick in das Digitale
Wörterbuch. Dieses stellt automatisch Assoziationsketten zu den gesuchten Begriffen her. Die
Assoziationsketten lassen sich vom Nutzer des Online-Wörtebuchs weiter verfolgen. In
diesen so genannten „automatisch berechneten Kollokationen“ wird der Begriff der Qualität
mit den Attributen „neu“, „gut“ und „Erzeugnis“ verbunden. Ein Blick auf diese Attribute
verrät nun folgendes:

„Erzeugnis, das; -ses, -se Produkt, Ware: ein technisches, landwirtschaftliches, marktfähiges E.; das E.
arbeitet einwandfrei, ist auf dem Weltmarkt sehr gefragt, ist von hoher Qualität; auf der Messe stellen viele
Länder ihre Erzeugnisse aus; die Produktion tierischer und pflanzlicher Erzeugnisse steigern; der Verbrauch
tierischer Erzeugnisse ist gestiegen.“2

Auf die Programmqualität bezogen bedeutet es, dass ein Programm als Erzeugnis aus dem
Bereich des Fernsehens dann hochwertig ist, wenn es auf einem Markt sehr gefragt und von
hoher Qualität ist. Das Zusammenspiel aus Nachfrage und Angebot entscheidet demnach, ob
ein Programm qualitativ ist und beachtet gleichzeitig Zuschauer und Redaktionen.

Zur Ermessung der Qualität im redaktionellen Ablauf werden in der Praxis verschiedene
Verfahren verwendet. Das für diese Arbeit angewendete Benchmark soll näher beschrieben
werden.

Benchmark
„Ständiger und fallweiser Vergleich der eigenen Produkte, Prozesse und Dienstleistungen eines
Unternehmens oder Unternehmensbereichs mit [einem] anderen. Damit sollen zum einen
Verbesserungsmöglichkeiten aufgedeckt und zum anderen zu verbesserten Leistungen motiviert werden.
Damit ein Benchmarking durchgeführt werden kann, müssen Vergleichsdaten vorliegen, also Informationen
über Produkt- und Prozesseigenschaften in Konkurrenzunternehmen. Solche Informationen können speziell
für das Benchmarking-Projekt erhoben werden, z.B. durch Befragungen. Es können auch bereits vorliegende
Informationen, die für andere Zwecke gesammelt wurden, genutzt werden. Wichtige Informationsquellen
sind hier z.B. einschlägige Veröffentlichungen, wobei häufig Markt- und Fallstudien sehr aufschlussreich
sein können. In großem Umfang enthalten Datenbanken relevante Informationen. [...]“ 3

2 Das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache im 20. Jh.: „Erzeugnis“, http://www.dwds.de/?
&kompakt=1&sh=1&qu=Erzeugnis&mode=html; (20.06.2009)
3 Pepels, Werner: „Erfolgreich im Beruf: Das neue Lexikon der BWL: Betriebswirtschaft.
Wirtschaftsinformatik. Wirtschaftsrecht“, Cornelsen Verlag, März,
4

Programme, die qualitativ hochwertig sind, zeichnen sich durch verschiedene Faktoren aus.
Einige davon sind „Kreativität“, „Innovation“ und „Perfektion“. Während unter
„Kreativität“ in der Regel „Schöpferkraft" und unter "Innovation" allgemein "Neuerung"
verstanden wird, bedarf es angesichts der unterschiedlichen Bedeutung des Begriffs der
"Perfektion" einer genaueren Beschreibung:

Perfektion
„Vollkommene, vollendete Meisterschaft: eine große, meisterhafte, faszinierende P.; eine handwerkliche,
technische, künstlerische, artistische P.; die P. der filmischen Darstellung; ein Meisterwerk in letzter P.; das
Orchester spielte mit vollendeter P.; e. Fach, Sprache bis zur P. studieren.“ 4

Qualität hat das Programm per definitionem dann, wenn es meisterhaft im Sinne von
professionell hergestellt und faszinierend ist. Nach dieser Beschreibung kann das Programm
nur dann professionell sein, wenn es von Menschen produziert wurde, die dazu ausgebildet
sind. Somit sind aber all diejenigen ausgeschlossen, die entweder als Freie Mitarbeiter oder
nur bisweilen Beiträge liefern. Auch die Anforderungen der Zuschauer, um die es im
Fernsehen in der Rolle eines Dienstleisters gehen sollte, bleiben außen vor.
Hier zeigt sich noch ein ganz anderes Problem: Anscheinend gehören nicht alle, die einen
Beitrag leisten, zur gleichen Gruppe Professioneller. Da aus diesem Grund im Folgenden öfter
zwischen „Akteur“, „Journalist“ und „Redakteur“ unterschieden wird, soll am Ende
der Definitionen noch eine weitere Erläuterung folgen.

Akteur
„1. Schauspieler: indes im Hintergrund die Akteure ihre Schminke ... auflegen
2. handelnde Person: er war der A. in dieser (politischen) Lage.“5

Journalist
„ jmd., der beruflich für Zeitungen, Zeitschriften schreibt: der Minister empfing die Journalisten zu einer
Presseerklärung.“6

Redakteur
„in Zeitungs- oder Buchverlagen, bei Rundfunk oder Fernsehen tätiger Fachmann, der Manuskripte verfaßt,
überarbeitet und für die Veröffentlichung vorbereitet: er war R. einer Zeitung, arbeitet als R. beim Rundfunk;
der verantwortliche R. für Politik, Sport; ihre Anfrage wurde durch ein Schreiben des zuständigen Redakteurs
beantwortet.“7

4 Das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache im 20. Jh.: „Perfektion“, http://www.dwds.de/?
kompakt=1&sh=1&qu=Perfektion; (20.06.2009)
5 Ebd.
6 Ebd.
7 Ebd.
5

1.2. Methodik

Eine Hilfe zur Einschränkung des Untersuchungsfeldes waren zwei Fragebögen, die sich an
die Regionalsender in ganz Europa wendeten. Sie enthielten primär Fragen zur Organisation
und den jeweiligen redaktionellen Vorstellungen von einer qualitativen Arbeit. Sie ergaben
Schwerpunkte, auf die sich die Arbeit nun stützen kann. Probleme ergaben sich bei Fragen
bezüglich einer verantwortungsvollen Gestaltung des Regionalfernsehens. Die meisten
Redaktionen wiesen die Verantwortung auf andere Abteilungen ab. Auch Fragen nach der
Gewährleistung qualitativer Arbeit konnten nicht beantwortet werden. Meistens gab es
Verständigungsprobleme zwischen Befragtem und Interviewer, was unter dem Begriff der
„Qualität“ gemeint sei.

Die Fragebögen führten aufgrund sprachlicher Barrieren dazu, dass sich die Arbeit zunächst
ausschließlich auf Deutschland und auf Österreich bezog. Mit wachsender Kenntnis über den
Sachverhalt und einiger sprachlicher Hilfe bei der Erstellung der Fragebögen, konnte die
Arbeit zu ihrem Ende hin auch auf Europa bezogen werden.

Neben dem empirischen Teil bilden Ergebnisse aus der Fachliteratur seit 1980, aus
Fachzeitschriften und aus bestimmten, zuverlässigen Seiten im Internet - vor allem aus dem
Bereich der Forschung – den theoretischen Teil der Diplomarbeit. Neueste Studien, wie etwa
die des Verbands für öffentlich-rechtliche Regionalsender Europas (CIRCOM), der
Gesellschaft für Fernseh- und Kinotechnik oder der ARD, erweiterten die Studie auf den
europäischen Raum.

Oben genannter Definition des Benchmark folgend, mussten sämtliche Sender in Europa in
Kenntnis über die Studie gesetzt werden. Es handelte sich um rund 350 Beteiligte, die alle per
Fax, E-Mail, teilweise auch per Brief angeschrieben wurden. Da viele Sender nicht
antworteten, konnte ich nach dem ersten Schritt bereits etliche Sender ausschließen.
Über die kostengünstigste Variante des VoIP-Dienstes Skype und einem Zusatzprogramm
konnten die darauf folgenden Telefon-Interviews aufgezeichnet und dadurch
Gesprächsprotokolle erstellt werden.
6

2. EINFÜHUNG IN DIE PROGRAMMQUALITÄT

„Es gibt keine objektiv gültige Vorgehensweise, unterschiedliche Qualitäten trennscharf zu identifizieren und
voneinander zu unterscheiden. Die einzige Möglichkeit der Objektivierung der Erkenntnisse besteht darin,
die eingesetzten Verfahren zur Beurteilung von Qualität in allen ihren Teilen und Einzelschritten zu
explizieren, kontinuierlich kritisch zu überprüfen und der internen und externen Diskussion zu unterwerfen.“ 8

Seit 1994 haben bereits 98 Prozent aller Haushalte der neuen Bundesländer Deutschlands und
99 Prozent der alten Länder einen Fernseher. Diese enorme Nutzung ist nicht auf die Qualität
des Fernsehens zurückzuführen, beweist aber die Beliebtheit des Mediums.

„In ihrer Studie zur Fernsehunterhaltung hat Dehm gezeigt, dass emotionales Wohlbefinden, hervorgerufen
durch Spaß und Vergnügen, Erholung und Lust, sowie Umweltorientierung für die Zuschauer wesentliche
Momente von Fernsehunterhaltung sind.“9

Fernsehen ist somit Bestandteil von Sinnwelten und als Medienwelt auch Lebenswelt. Und
die ist bei jedem Nutzer, aber auch bei den Akteuren des Fernsehbereichs verschieden. Von
daher gilt:

„Fernsehsendungen haben keine Qualität an sich. Diese entwickelt sich erst in Dialektik von
Werk, Rezipient, die sich in der Rezeption und Aneignung als interpretative Leistung des
Publikums vollzieht. Allerdings sind Aneignungen Rezeption nicht in dem Sinn individuell
beliebig, dass die 'entfesselten Zuschauer' mit dem Fernsehen und den Sendungen machen was
sie wollen.“10

Der Diplom-Kaufmann Guido Schröder betreut bei Policy Consult den Bereich Medienpolitik
und ist auf diesem Gebiet Ansprechpartner. Er bezeichnet die Qualität als

„Eigenschaften und Merkmale einer Sache als auch die 'Güte' in einer meist objektiv feststellbaren Weise.“11

Doch schon bei der Feststellung der „Güte“ taucht ein weiteres Problem bei der Definition
auf. Mediengüter sind im Bereich der Information Vertrauensgüter. „Vertrauens“- Güter
deshalb, weil hier eine „Nutzenbewertung ex ante“ nicht möglich ist12. Die Produkte können
erst n a c h dem Konsum bewertet werden. Peter Hinzicker, der sich mit Medien,
Kommunikation und Gesellschaft auseinandersetzt, spricht vom „trojanische[n] Pferde“13.

8 Oehmichen, Ekkehardt; Schneider, Hardy: „Erfahrungen und Ergebnisse der Qualitätssteuerung im


Hessischen Rundfunk. Qualitätsanforderungen an Fernseh-Informationssendungen“, in: media perspektiven
1/2008, S. 15 – 23 hier S. 15; http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/01-
2008_Oehmichen.pdf; (4. März 2009)
9 Mikos, Lothar: „Fernsehen im Erleben der Zuschauer. Vom lustvollen Umgang mit einem populären
Medium“, Quintessenz, Berlin / München, 1994. S. 2
10 Ebd.
11 Schröder, Guido: „Die Ökonomie im Fernsehen – eine mikroökonomische Analyse“, Literatur Verlag,
Münster, 1997. S. 27
12 Vgl. Koch-Gombert, Dominik: „Fernsehformate und Formatfernsehen“, München, Meidenbauer, 2005. S.
382
13 Hinzicker, Peter: „Das Publikum als Marktpartner im publizistischen Wettbewerb“, Universitätsverlag,
Konstanz, 1981. S. 13
7

Ein drittes Problem: Standardisierte Bewertungen von Qualität sind schwer zu treffen, da die
Erzeugung der Produkte ein hohes Maß an Kreativität und geistiger Leistung erfordern. Die
eine Seite (Sender) kann die Qualität besser beurteilen als die andere (Zuschauer). Wenn
Qualität als Nutzenfaktor begriffen wird, sieht es hinsichtlich der Konsumenten schlecht aus.
Sie haben nur einen kurzen Nutzen. Denn in der Regel hat der Zuschauer einen Nutzen nur
während der Sendung. Der Sender hingegen aus wirtschaftlicher Sicht einen langen. Er
profitiert finanziell davon.

2.1. Qualität in den Griff bekommen - Veränderungsmanagement

Die Wahrung und Umsetzung des wirtschaftlichen Nutzens wird unter anderem im
Veränderungsmanagement verfolgt.
Bei der Betrachtung des Veränderungsmanagements muss davon ausgegangen werden, dass
jeder Teilnehmer an einem Markt immer sofort der Konkurrenz auf diesem Markt ausgesetzt
ist. Das heißt, dass jeder Fernsehsender mit seinem Programm in sofortige Konkurrenz zu
einem anderen Sender tritt. Daraus folgt, dass Sender A seinen Bereich besser beherrschen
sollte als Sender B, um zu überleben. So ist es für ihn notwendig, mindestens einen
strategischen Wettbewerbsvorteil möglichst auf Dauer zu erzielen, der vom Zuschauer
wahrgenommen werden kann und von möglichst hohem Nutzen für den Sender und den
Nutzer ist.

Während untere Leistungsniveaus Qualität noch als das Verhindern von Fehlern ansehen, ist
für das obere Leistungsniveau der Kunde der ausschlaggebende Punkt. Durchgängige
Kundenorientierung, wie beispielsweise über die Programmqualität, ist also eines der
Primärziele des Veränderungsmanagements. Alle Prozesse werden auf den Kunden
ausgerichtet.
8

2.2. Qualität in den Griff bekommen - Qualitätsmanagement

Um marktführend zu bleiben und einen langen wirtschaftlichen Nutzen zu haben, sind für
jede Unternehmung - eben auch für Fernsehsender - Neuheit und Innovation entscheidend.
Für deren Verfolgung und Umsetzung sorgt in erster Linie das Qualitätsmanagement. Aufgabe
und Ziel ist die Kostenreduktion, Qualitätsoptimierung und die Identifikation von Kunden und
Mitarbeitern mit dem Produkt. Nur so kann ein Unternehmen den sich ständig ändernden
Marktbedingungen gerecht werden (Zusammenhang der Einzelfaktoren, siehe Abbildung 8, S.
150). Laut Dr. Ing. Antonia Schram von der Technischen Universität Clausthal sei die
Produktqualität umso größer, desto zufriedener die Kunden wären 14. Oft wird behauptet,
Qualitätsmanagement sei bei Kleinunternehmen bis zu 700 Mann im Verbund eines 200.000
Mann-Konzerns am effizientesten. Der neueste Qualitätsstandard jedoch (DIN EN ISO
9000:2000) lasse sich auf jede Unternehmensform anwenden, so Schram. Somit auch bei
jedem Regionalsender, der es anwendet.

Dabei werden unter anderem Marktforschung, Marketing, Werbung, Verkauf, Schlüssel-


Kunden-Betreuung, Außen- und Innendienststeuerung, Betreuung von Franchisenehmern,
Forschung und Entwicklung, Arbeitsvorbereitung, Disposition, Einkauf und Kompensation,
strategische Planung, Board-Reviews, Top-Management-Prozesse, Controlling, Buchhaltung,
Personalwesen, elektronische Datenverarbeitung und Qualitätswesen betrachtet. Um die
Programmqualität im Fernsehen zu untersuchen, müsste man alle diese Faktoren untersuchen.
Dies würde jedoch zu wirtschaftlich ausfallen und dadurch zu weit von der Diplomarbeit
wegführen.

Qualitätsmanagement formuliert auch klare Grundsätze einer Organisation, ähnlich zu den


Rezepten beim Kochen. Solche Rezepte sind begehrt, da andere Sender davon lernen und ihre
eigenen Schwächen erkennen können. Fakt ist, dass Qualität nach wie vor durch
Qualitätsprüfung und Nacharbeit Kosten und Zeit nach oben treibt. Man darf unter Qualität
also nicht nur Produktqualität verstehen, sondern auch die Verbesserung der Arbeitsschritte.
Dies ist mit der Digitalisierung der Fall. Wenn die Arbeitsschritte optimiert werden würden,
würden die durch die einzelnen Sender angebotenen Dienstleistungen ebenfalls besser sein.
Dadurch fallen dann weniger Kosten an. Denn es treten weniger Fehler auf. Und auch die
Nacharbeit und die Verzögerung ist geringer. Neben den Arbeitsschritten sind auch Personal,
Maschinen und Material zu optimieren. Dies erhöht schließlich die Produktivität.

14 Schram, Antonia: „Qualitätsmanagement I.“, TU Clausthal; http://www.isaf.tu-


clausthal.de/fileadmin/homes/dat_folien/QMI.pdf; (20.09.2009)
9

2.3. Faktoren der Qualität: Kreativität, Perfektion und Innovation

Im engen Verhältnis zur eben genannten Qualität und Innovation stehen Kreativität und
Perfektion. Sie bilden die Basis für die Differenzierung zum Wettbewerb. Differenzierung,
Flexibilität und Innovation können nur erreicht werden, wenn die Mitarbeiter und Manager
bereit für eine Veränderung sind. Zudem müssen Produkte, Prozesse und Strukturen
intelligent und vorausschauend konstruiert werden, um für den Vorsprung auf dem Markt zu
sorgen (Gegenseitige Abhängigkeit von Kreativität, Perfektion, Innovation und Qualität, siehe
Abbildung 10, S. 152).

2.4. Qualitätsoptimierung hat einen Namen - Digitalisierung

Bei der Digitalisierung handelt es sich zwar um Umstellungen, die vor allem die technische
Qualität betreffen. Doch die Qualität – um die es in dieser Arbeit geht und die der Zuschauer
wahrnimmt - basiert auf der Technik. Von daher ein kurzer Ausflug in die digitale Welt.

Am Anfang standen einzelne digitale Anwendungen, meist im Bereich der High-End-


Postproduktion. Von hier hielt die Digitaltechnik Einzug in andere Bereiche wie Akquisition,
Schnitt und Sendeabwicklung.
„Der Ausdruck Digitalisierung hat im Filmbereich drei Identitäten: Produktion, Wiedergabe und
Distribution.“15

Man könnte auch sagen, Digitalisierung bedeutet, dass:


„der Künstler [...] auf die Kunst des Programmierers angewiesen [ist], damit er ‘seine Ideen’ durchsetzen
kann.“16

Aufgrund der Digitalisierung ändern sich zwangsläufig Strukturen, Räume, Abläufe,


Produktionsbedingungen und Berufsbilder im Rundfunk und zwar rasant (siehe Abbildung 1;
S. 147).

„Kaum eine Welt verändert sich heute rascher und kompromissloser als die der digitalen Medien. Für die
Übertragung von multimedialem Content dient zunehmend das World Wide Web, einschließlich seiner
verschiedenen LAN-Architekturen, und steigende Kanalkapazitäten ermöglichen eine immer bessere Qualität
der Dienste. Die daraus resultierenden Möglichkeiten für die Gestaltung und technische Realisation dieser
virtuellen Welten bewirken auch weitgehende Veränderungen im Bereich der Informations- und
Kommunikationssysteme.“17

15 Lieberfarb, W. N.: „Neue Plattformen und Distributionswege für den Film“, in: FERNSEH- UND KINO-
TECHNIK – 60. Jahrgang – Nr. 4/2007, S 264 – 268 hier S. 264
16 Sauter: „Film und Fernsehen: Machtverschiebung durch Technik?“, in: FERNSEH- UND KINO-TECHNIK,
6/2007. S. 295 – 300 hier S. 295
17 Fuchtmann, Markus, Ohr, Jochen, Stollenwerk, Franz: „Digital Signage – erforderliche Infrastruktur und
Produktionsplattformen“, in: FERNSEH- UND KINO-TECHNIK – 63. Jahrgang – 1-2/2009, S. 13 – 18 hier:
10

Hier wird ersichtlich, dass die technische Umstellung eben auch die Programmqualität –
weniger auf den Inhalt, als auf die Bild- und Tonqualität bezogen – betrifft.

Fortschritte und weitgehende Miniaturisierung der Mikroelektronik haben den Prozess der
Digitalisierung in den 1980er Jahren eingeführt. Zunächst wurde die digitale Codierung in
Angriff genommen, die für den Nutzer nicht zu sehen war. Damit einher ging ein robuster
Signalempfang bei gleich bleibend hoher Bildqualität. Im Videobereich war sie lange nicht
umzusetzen, da die Rechenleistungsanforderungen viel zu hoch waren. Das erste volldigitale
Übertragungssystem wurde dann 1990 eingeführt. Sein Name: DigiCypher. Vier Jahre später
konnte die erste zentrale Bilddatencodierung als internationaler ISO-Standard MPEG-2
verabschiedet werden.
Heute gibt es alleine beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) über 200 im Digital-TV-
Markt engagierte Firmen und Organisationen. Sie halfen sich gerade in der Einführungsphase
gegenseitig, ehrgeizige Entwicklungsziele innerhalb kurzer Zeit zu verwirklichen. Mit den
bald darauf folgenden DVB-Set-Top-Boxen konnte ein Preisrückgang von damals 1000 DM,
umgerechnet 500 Euro, in einem einzigen Jahr erzielt werden. DVB-Set-Top-Boxen sind
notwendig, um digitales Fernsehen empfangen zu können. Es handelt sich hierbei um einen
speziellen Decoder, der die vom Sender geschickten Datenpakete wieder auspackt. Es handelt
sich jedoch weniger um „Boxen“, als eher um kleine Empfänger, die Fernsehgerät integriert
oder Hardware-Komponenten im Multimedia-PC sind. Hierbei wird die Aufgabe der Set-Top-
Boxen ersichtlich: sie ermöglichen es, analoge Apparate mit Satellitenantenne oder
Kabelanschluss digital aufzurüsten. Bei der neuen Generation dieser Boxen lassen sich
Sendungen sogar aufzeichnen und mittels spezieller, in der Regel benutzerfreundlicher
Software bearbeiten.

„Der empfangene Datenstrom wird dabei unverändert auf die Festplatte geschrieben. Somit unterliegt die
Kopie keinerlei Qualitätsverlusten. Solche Geräte können herkömmliche Videorecorder überflüssig machen.
Archivierungswürdige Beiträge lassen sich zukünftig auf eine DVD (Digital Versatile Disk, optisches
Speichermedium) überspielen und so speichern.“18

Im Zuge der Digitalisierung wurde dem Zuschauer nicht nur mit einer höheren Bild- und
Tonqualität, sondern auch mit einer Kostenreduzierung entgegen gekommen.

Planung, Dreharbeit, Postproduktion, Archivierung. Das Programmmaterial durchläuft eine


lineare Produktionskette. Das heißt, sobald weitere Arbeitsaufträge hinzukommen, erfordert

S. 13
18 NDR: „Technik: Digitales Fernsehen (DVB) – Set-Top-Box“;
http://www.ndr.de/unternehmen/technik/rundfunktechnik/digital26.html; (20.09.2009)
11

das eine parallele Verarbeitung und damit zusätzliche Kopien und höhere Kosten. Aufgrund
der Digitalisierung fällt das nun weg. Bisher wurde das Material an Hand der MAZ-Bänder
(MAZ: Magnetaufzeichnung) transportiert. Durch die Übertragung des Materials in die IT-
Welt erfolgt nun die Übertragung des Materials über Netzwerke, also virtuell. Das spart
Kosten und Zeit.

Heute gibt es weit mehr als 500 Digitalprogramme, die über eine einzige Satellitenposition,
als auch über Kabelnetz, bezogen werden können. Es entwickelten sich Zusatzangebote, mit
denen herausragende Sendungen in verschiedenen Abfolgen auf mehreren Kanälen und zu
unterschiedlichen Zeiten angeboten werden konnten. Sozusagen eigene Programmplätze für
ein individuelles Programm.

Auch die Verbreitung des Contents (Content = Essenz, Inhalt + Metadaten, Beschreibung des
Inhalts, elektronische Daten zum Inhalt) hat sich aufgrund der Digitalisierung verändert. Weg
von der Terrestrik, hin zu Kabel und Satellit. Inzwischen sind andere Übertragungswege, wie
Internet als Streaming oder Podcasting sowie IP-TV ernstzunehmende Konkurrenten
geworden.

Das Fernsehen wird interaktiv und bietet dem Zuschauer ein individuell gestaltetes Programm
an. Das Schlüsselwort: High Definition. Ab 2010 soll die Umstellung in Deutschland
erfolgen, ab 2011 auch in Österreich. Dieses neue Format wird weitaus mehr verlangen, als es
die Umstellung des Formats von 4:3 zu 16:9 tat. Neue Endgeräte, in erster Linie
Flachbildschirme werden erforderlich.
Die Bildröhre hat ausgedient. Das hat Auswirkungen auf den Markt und auf den Zuschauer
selbst.19 Die Digitalisierung wurde eingeführt, um die Bildauflösung zu verbessern und
gleichzeitig die notwendige Übertragungsbandbreite zu minimieren. Für die neuwertigen
Flachbildschirmen müssen die Halbbilder in Vollbilder umgewandelt werden (De-
Interlacing). Das ist aufwendig. Denn bei bewegten Sequenzen kommt es bisher zu einem
Versatz zwischen der Zeile und den aufeinander folgenden Halbbildern. Eine Unschärfe der
Bilder ist die Folge.

„Das eingesetzte Bildverarbeitungsverfahren (Processing) in den Displays hat hier wesentlichen Einfluss auf
die letztendliche Bildqualität, mehr als die angegebene Auflösung.“20

19 Vgl. Spading, Michael; Lüdemann, Dirk: „Ständig steigende Qualität. Digitales Fernsehen auf dem Weg zu
hoch aufgelösten Bildern“, in: [Hrsg.] Jutta Weismüller, Cornelia Springer, Deutsches Rundfunkarchiv:
„ARD Jahrbuch 08“, Hans-Bredow-Institut, Hamburg, 2008. S. 48
20 Ebd., S. 49
12

Neben einer Qualitätsverbesserung erzielte die Digitalisierung aufgrund effizienterer


Komprimierbarkeit mehr Tonvarianten und machte es möglich, mehr Programme zu
übertragen. Digitale Signale ermöglichen heute eine viel bessere Ausnutzung der
Übertragungsbandbreite, so dass ein herkömmlicher analoger Übertragungskanal nunmehr für
eine Vielzahl von Programmen im SDTV-Format nutzbar ist. Zudem wurde die Einführung
von DVB-Service-Informationen (DVB-SI) zur Beschreibung aller Sendungen inklusive
Vorschau möglich. Dadurch konnten elektronische Programmführer ermöglicht werden, was
wiederum dem Zuschauer zugute kommt.

Digitalisierung ist also nicht mit der Umstellung von VHS-Kassette auf CD oder DVD zu
vergleichen. Digitalisierung ist die Entwicklung völlig neuer Produktions- und
Distributionsbereiche. Nicht selten kommt es zu einer völligen Neuorganisation mit dem Ziel
einer Verbesserung, Erweiterung und Beschleunigung von Funktionalitäten, Abläufen und
Qualität in jeglicher Hinsicht. Die Formen klassischer Sendeanstalten und Filmunternehmen
verändern sich hin zum globalen Medienunternehmen. Beiträge aus verschiedenen
Medienpools können seit ein paar Jahren gemeinsam genutzt werden, die Bereitstellung
vorhandener Beiträge wird dank multipler Medienkanäle vereinfacht.

3. PROGRAMMQUALITÄT – DIE INNEREN FAKTOREN

3.1. Grundlagen für das Verständnis von öffentlich-rechtlichem Fernsehen

Programmqualität lässt sich nur im Rahmen finanzieller und gesetzlicher Vorgaben


realisieren. Als öffentlicher Dienstleister ist das Fernsehen in ganz Europa in einen Komplex
zahlreicher Rechte und Verfassungen eingebettet. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen gilt
daher als großer und starrer Apparat. Neuorientierungen setzen sich nur allmählich durch. Im
Grunde ist das Fernsehen ein politischer Machtapparat. Obwohl er vom Staat frei sein sollte,
muss er doch einen Programmauftrag befolgen. Er zielt auf Programminhalte ab. Von dieser
Aufgabe ausgehend, hat er eine Bedeutung für das quantitative Ausmaß der öffentlich-
rechtlichen Sendetätigkeit.

„So sind z.B. Umfang und Zahl der Programme wichtig für die inhaltliche Ausgewogenheit und thematische
Vielseitigkeit des Programms.“21

21 Starck, Christian: „Freiheit und Institutionen“, Mohr Siebeck, Tübingen, 2002. S. 495
13

Der Programmauftrag wird von der Europäischen Union und den einzelnen Staaten
vorgegeben.

Das Fernsehen zu ändern hieße demnach, sich gegen Gesetze zu stellen oder sie außer Kraft
zu setzen. Es ist zum einen zu überlegen, wie die Öffentlich-Rechtlichen zwar intensiver,
gleichzeitig aber auch unabhängiger mit der Landespolitik zusammenarbeiten könnten. Zum
anderen ist zu überlegen, wie sie ihren Ruf als Qualitätsfernsehen wahren und sich stärker von
den an die Massen appellierenden Privaten abheben können.

Das Problem dabei ist die Starre innerhalb der Organisation. In Deutschland zum Beispiel
besteht das Programm aus dem Vollprogramm der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-
rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) und des Zweiten
Deutschen Fernsehens (ZDF). Die ARD ist wiederum unterteilt in neun
Landesrundfunkanstalten, denen ein bis mehrere Regionalsender unterstellt sind. Bis hier
Neuerungen hinsichtlich der Programmqualität durchgesetzt werden können, kann es lange
Zeit dauern. Dabei sah es von der Struktur her gesehen anfangs viel versprechender aus.

3.1.1. Entwicklung öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten

Die erste öffentlich-rechtlich organisierte Rundfunkanstalt war die British Broadcasting


Corporation (BBC). 1922 gegründet, war sie zunächst ein privates Unternehmen, das 1927
öffentlich wurde. Das erst nach jahrelanger Einflussnahme durch die Wirtschaft und
Übernahmeversuchen durch den Staat. Es entstand das erste „Public Service“-Modell, das
sich rein in Form von Rundfunkgebühren finanzierte. So prägte die „Mutter der europäischen
Fernsehsender“ das Vorbild für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten in Europa.

Andrea Beyer und Petra Carl grenzen die heutigen öffentlich-rechtlichen Sender von den
privaten Rundfunkanstalten nach bestimmten Kriterien ab. Sie unterscheiden einerseits
zwischen den Reaktionen der Sender auf das Marktgeschehen. Andererseits unterscheiden
sich die Sender in ihrer Risikoaffinität hinsichtlich ihrer marktwirtschaftlichen
Entscheidungen. Bei den Autorinnen heißt es konkret:

„Reaktionen des spezifischen Marktes zeigen sich bei öffentlich-rechtlichen Sendern vor allem in Bezug auf
ihre Sozial-, Kontroll-, Kritikfunktion sowie durch ihr Ansehen in der Öffentlichkeit und in der
Gebührenakzeptanz.“22

22 Beyer, Andrea; Carl; Petra: „Einführung in die Medienökonomie“, UTB Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz, 2008. S. 52
14

Die Kriterien zur Einteilung der Sender in den öffentlich-rechtlichen und privaten Bereich
lauten nach Beyer und Carl: Binnenorientierung, Risikovermeidung, Orientierung an
formalen Regeln, Bewahrungs- und Gleichgewichtsstreben sowie eine deutliche
Basisorientierung. Daneben zählt das Handeln, das stark durch defensive Aspekte geprägt ist.
Wie private Sender, so müssen sich auch die Rundfunkanstalten zum einen nach der
Beurteilung der Marktbedingungen auf dem Medienmarkt und zum anderen nach ihren
Kosten und ihrer Effizienz zur Überwindung der Defizite richten. Ihnen wurde dazu ein
hilfreiches Werkzeug zur Hand gegeben: der Programmauftrag. Hierin werden den Sendern
Auflagen erteilt, die gleichzeitig einen Eingriff in die Privatautonomie bedeuten. Wenn die
Sender ausgefallene Programme etablieren wollten, durch die sie sich von der Konkurrenz
abheben, müssten sie zunächst prüfen, ob das Programm den gesetzlichen Vorlagen des
Programmauftrags entsprechen. Innovation in der Programmqualität hat damit Grenzen. Aus
diesem Grund verzichten die Rundfunkanstalten auf eine besonders ausgeprägte meritorische
Güterbereitstellung. Den Begriff „meritorisch“ prägte Richard Musgrave 1957.23

Der Wirtschaftswissenschaftler beschreibt damit ein Gut – hier das Fernsehen – als ein Gut,
das einen größeren Nutzen hat, als sich in Bezug auf die freie Marktwirtschaft zeigt.
Fernsehen könnte seine Programmqualität um einiges verbessern, wäre es weniger abhängig
vom Marktgeschehen. Um dieses Potential nicht zu verschwenden, gesteht der Staat solchen
meritorischen Betrieben Förderungen zu.
Musgrave nennt vier Gründe für die Entstehung solcher Güter: irrationale Entscheidungen,
unvollständige Information, falsche Zeitpräferenzrate und externe Effekte.
Irrationale Entscheidungen können ausgeschlossen werden, da die Entscheidungen in einem
Gremium getroffen werden, das sich aus verschiedensten Bereichen zusammensetzt. Es kann
angenommen werden, dass die Entscheidungen immer in Richtung Optimum gehen. Zudem
haben die Konsumenten des öffentlich-rechtlichen Programmangebots nicht direkt
Kaufentscheidungen, welche nach rationalen Erwägungen getroffen werden. Somit fehlt es an
externen Effekten. Die anderen beiden Gründe sind für den Fernsehbereich besonders
relevant.
Die unvollständigen Informationen ergeben sich in Hinblick auf die Gebührenfinanzierung
vieler europäischer Sender. Denn sie ist nicht transparent. Der Nutzer weiß nicht, wohin seine
finanzielle Beteiligung fließt.

23 Musgrave, Richard: „A Multiple Theory of Budget Determination“, Finanzarchiv 17(3): 333–43.


15

Wie zu sehen war, haben ebenso falsche Zeitpräferenzen großen Einfluss. Die
Rundfunkanstalten Europas haben zu spät begonnen, finanzielle Engpässe zu berücksichtigen.
Stattdessen wurde das bisherige Marktergebnis als befriedigend akzeptiert.

Es gibt etliche andere Kriterien, die alle mehr mit der Unternehmensführung zu tun haben, als
mit dem Programm; beispielsweise strukturelle.
In jeder Landesrundfunkanstalt trägt der Intendant als „monokratische Führungsspitze“ die
alleinige Verantwortung über alle Planungsbereiche; auch über das Programm. Dem
Intendanten kommt somit eine herausragende Entscheidungskompetenz zu. Gerade hier sollte
es gelten, qualitative Mitarbeiter zu ernennen, die das Unternehmen seit längerem kennen,
einen guten Kontakt zu allen untergeordneten Ebenen haben und sich durch Qualifikationen
sowie Motivation auszeichnen.
Dem Intendanten untergeordnet ist der Verwaltungsrat, der die Geschäftsführung laufend
kontrolliert. Er ist Kontrollinstanz, für die ähnliche Kriterien gelten sollten.
Der Rundfunkrat, als dritte Instanz, wählt und berät als Vertreter der Allgemeinheit den
Intendanten. Er setzt sich aus den gesellschaftlich relevanten Gruppen (wie z.B. Kirchen und
Gewerkschaften) zusammen, genehmigt darüber hinaus den Haushalt und überwacht die
Unabhängigkeit. Die Leitung jedes Fernsehsenders wird folglich aus dem sozialen Bereich
gewählt, der die Gesellschaft widerspiegelt. Hierin wird deutlich, in welchem Ausmaß
Fernsehen von der Gesellschaft abhängig ist. Gleichzeitig stellt sich die Frage, weshalb sich
die Sender als Dienstleister nicht um weitere Organe gesellschaftlicher Vertretung bemühen.
Es gibt zwar die Einschaltquoten. Doch sind die, wie noch zu sehen sein wird, kaum
repräsentativ. Oft wird die soziale Verantwortung an die Landesrundfunkanstalten weiter
gegeben.
Aufgabe der Landesrundfunkanstalten ist es, das, was von den großen, überregionalen
Sendern nicht abgedeckt werden kann, zu übernehmen. Dazu zählen neben anderem
Magazine über regionale Feste und Veranstaltungen, wie Fastnacht oder Winzer-Feste, aber
auch die Attraktion allgemeiner Aufmerksamkeit auf spezielle Probleme, wie die Erstarkung
der Nationalen Partei Deutschlands (NPD) oder der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ).
Während in den Vollprogrammen individuelle Nachfragen seitens der Nutzer etwa durch
Themenblöcke oder Sondersendungen abdecken lassen, müssen die Landesrundfunkanstalten
die breite Bevölkerungsmasse ansprechen. Das führt dazu, dass viele regionale
Nachrichtenformate brenzlige Themen nur oberflächlich aufgreifen können. Zu überlegen
wäre, ob Formate wie Reportagen und Journale, die allgemeinbildender oder gezielter
gehalten werden, die Bedürfnisse und Wünsche der breiten Zuschauermasse abdecken
16

können. Es wäre auch zu überlegen, ob solche Beiträge gezielter auf gesellschaftliche


Probleme eingehen können. Diese Überlegung wird später für das Endergebnis der Arbeit von
Belang sein.
Die Auftragsstellung an die öffentlich-rechtlichen Sender ist im so genannten
„Versorgungsauftrag“ zu finden. Laut Versorgungsauftrag sind die öffentlich-rechtlichen
Fernsehanstalten angehalten, ihren Grundversorgungsauftrag zu erfüllen.

Wie zu sehen ist, ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen auch deshalb ein starrer Apparat, weil
dahinter eine große und kaum veränderbare Führungshierarchie steht und das Fernsehen in
seiner Freiheit der Programmgestaltung eingeengt ist.

3.1.2. Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen

3.1.2.1. Finanzierungsmodelle

Wie angesprochen, sind die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten aufgrund ihrer speziellen


Regelungen hinsichtlich der Finanzierung starr. Ohne Finanzierung lässt sich kein qualitatives
Programm umsetzen. Sie ist eine der wesentlichen Grundlagen. Ursache für diese Regelungen
ist der in ganz Europa übliche Schutz und die Absicherung durch den Staat. Es zeigt sich, dass
der Staat Einflussmöglichkeiten in einem wichtigen Gebiet hat.

Die Finanzierung im Bereich des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zielt auf die Erreichung
des Formalziels ab. Das Ziel ist die wirtschaftliche Erfüllung des Programmauftrags; soll
heißen: Die Sorge um ausreichende finanzielle Mittel, um ein für möglichst alle
Rundfunkteilnehmer attraktives Angebot ausstrahlen zu können. Der Programmauftrag und
die Finanzierung werden rechtlich festgeschrieben. Die gesetzliche Festschreibung sieht die
Refinanzierung über Rundfunkgebühren vor. Laut Gesetz soll es auch keine wechselseitige
Abhängigkeit zwischen Einnahmen und gesendetem Programm geben. Oft ist dies nicht der
Fall. Denn das mögliche Gebührenvolumen ist über die Zahl der Rundfunkhaushalte und die
Verpflichtung der Fernsehanstalten entsprechend ihres Programmauftrags determiniert.
Daraus entsteht ein verfassungsrechtlich begründeten Anspruch gegenüber dem Staat auf eine
funktionsgerechte Finanzierung. Konkret heißt das, dass das Programm beim öffentlich-
rechtlichen Fernsehen indirekt an die Finanzierung gebunden ist.
17

Zu sehen ist, dass auch die Öffentlich-Rechtlichen gezwungen sind, sich nach dem
Marktgeschehen in Konkurrenz zu den Privaten zu orientieren. Dadurch entsteht
marktwirtschaftlicher Wettbewerb. Er behindert die Sender in der freien Entfaltung
qualitativer Programme, da sie sich nach der Konkurrenz richten müssen. Allen Sendern
stehen zu diesem Zweck die gleichen marktgebundenen Einnahmequellen zur Verfügung.
Diese werden aufgeteilt in Werbefinanzierung und Randnutzung. Letztere ist

„die erwerbswirtschaftliche Nutzung des sachlichen und personellen Betriebsvermögens von juristischen
Personen des öffentlichen Rechts.“24

Bei Rundfunkanstalten muss sich letztere Art der Nutzung innerhalb der Grenzen des
Unternehmenszwecks halten. Dort dient sie laut Gesetz nicht der Programmfinanzierung
sondern vor- und nachgelagerten Ebenen, wie der Erreichung des Wirtschaftlichkeitsziels im
Interesse der Gebührenzahler. Doch dieses Wirtschaftlichkeitsziel ist die Erfüllung des
Programmauftrags und verbindet somit indirekt Programm mit Finanzierung.

Was auf den ersten Blick Vorteile verspricht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Falle.
Eine Abgrenzung der Rundfunkanstalten von Innen- und Außenfinanzierung ist kaum oder
nur mit großen Einschränkungen möglich. Das liegt an der spezifischen Rechtsstellung und
einigen technischen Besonderheiten des Gebührenfestsetzungsverfahrens. Darunter fällt das
Fehlen einer Beteiligungsfinanzierung. Den Sendern kommen nicht in gleicher Weise Gelder
zu. Sie können sogar nur einen geringen Einfluss auf die Höhe der Gelder, die ihnen
zukommen, ausüben. Oft sind unabhängige, überprüfende Instanzen vorgeschaltet. Wenn,
dann ist die Preiskomponente nur indirekt durch die Interessenpolitik zu beeinflussen. Dazu
muss der Nutzer erst einmal eine Erhöhung der Gebühr akzeptieren. Dies wurde bereits bei
der Definition der meritorischen Güter angesprochen. Ebenso sind die
Kreditfinanzierunsgmöglichkeiten der Öffentlichen stark eingeschränkt. Der Westdeutsche
Rundfunk (WDR) etwa darf nur Kredite aufnehmen, wenn eine andere Finanzierung nicht
möglich oder wirtschaftlich unzweckmäßig ist.
Das ZDF musste 1996 einen Kredit

„von rund 274Mio. Euro aufnehmen, weil bei der Finanzierungsbedarfsplanung seinerzeit die ab dem Jahre
1993 wirksamen, dramatischen Einbrüche der ZDF-Werbeeinnahmen nicht vorhersehbar waren.“25

Worum es hierbei geht, ist die Auswirkung der von Musgrave beschriebenen falschen
Zeitpräferenzen.

24 Schwertzel, Uwe; Seidel, Norbert: „Finanzierungsmöglichkeiten für Fernsehunternehmen“, in: Blind, Sofia;
Pethig, Rüdiger: „Fernsehfinanzierung. Ökonomische, rechtliche und ästhetische Perspektiven“,
Westdeutscher Verlag, Opladen / Wiesbaden, 1998. S. 33
25 Ebd., S. 25
18

Außerdem entsprechen die Rundfunkgebührenerträge nicht den Umsatzerlösen, Krediten im


allgemeinen, dem Eigenkapital und den Subventionen. Denn Jahresüberschuss und
Eigenkapital der Rundfunkanstalten stellen Verrechnungsposten dar, die nicht mit den gleich
lautenden Größen privater TV-Anbieter vergleichbar sind.
Zudem wächst der Legitimationsdruck der Öffentlich-Rechtlichen, sprich ihre Daseins-
Berechtigung im Gegensatz zu den Privaten, mit jeder Gebührenerhöhung.

„Heute“, so Becker, „geht es einem dem Konkurrenzkampf ausgesetzten Sender darum, möglichst viel
zugkräftiges Programm herstellen zu lassen, dabei aber bei einem einzelnen Projekt nicht zu viele
Finanzmittel zu binden.“26

„Viel produzieren, wenig finanzieren“, lautet die Devise. Die Jagd nach der Quote beginnt.
Denn

„aus politisch-sozialen Gründen bestimmen heute noch zahlreiche rechtliche und faktische Quotenregelungen
die Fernsehauswertung.“27

Es lässt sich bisher eine Tendenz verzeichnen, dass neue Produktkonzepte

,,die traditionellen Voll- und Spartenprogramme angreifen und zu einer heute noch nicht abzuschätzenden
Erosion der Marktanteile bei den traditionellen Angeboten führen.“ 28

Es ist die Rede von Programmen, die individueller auf die Anforderungen des Nutzers
zugeschnitten werden. Sie führen damit aber zur Schwächung der Lokalprogramme, die ja auf
die breite Masse ausgerichtet sind. Die Bedeutung der Regionalsender nimmt damit ab.
Gefordert wird deshalb eine effizientere Produktionsweise der öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten, die der Entwicklung durch ein abwechslungsreicheres Programm
entgegen wirkt. Die Frage zielt auf neue Programme und eine gesteigerte Programmqualität
bezüglich des Inhalts ab. Dies lässt sich aber bisher nur über die Rundfunkgebühr erreichen.
Es ist daher fragwürdig, ob die Rundfunkgebühr die beste Form der Finanzierung für das
öffentlich-rechtliche Fernsehen ist.
Die Finanzierung ist aber das ausschlaggebende Maß, ob Innovationen realisiert werden
können. Effektiv ist die Finanzierung, wenn sie los gelöst ist vom Programmangebot.
Momentan ist das aus mehreren Gründen nicht der Fall. Der Zuschauer zahlt bei der
Gebührenfinanzierung, sobald er ein Rundfunkgerät verwendet.

26 Becker, Jürgen [Hrsg.]: „Europäische Coproduktion in Film und Fernsehen“, Nomos-Verlagsgesellschaft,


Baden-Baden, 1989. S. 18
27 Ebd., S. 21
28 Knothe, Matthias; Schwalba, Michael: „Die Positionierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im digitalen
Zeitalter“, in: Media Perspektiven, Heft 3, 1999, S. 111
19

Im Fernsehen finden sich neben der Gebührenfinanzierung andere Formen der Finanzierung.
Beispielsweise die Werbefinanzierung. Das ist Hinblick auf die öffentlich-rechtlichen Sender
zunächst verwunderlich. Es leuchtet aber ein, wenn man daran denkt, dass die
Rundfunkanstalten nicht alle wahrzunehmenden Aufgaben alleine aus den Gebührenerträgen
finanzieren können29.

Ihre Werbeerträge sind jedoch im Vergleich zu denen der Privaten begrenzt. Dafür sorgen
gesetzliche Restriktionen und das marktmäßige Vordringen der privaten Anbieter. Wäre es
anders, bestünde die Gefahr des Zwangs - finanzpolitisch gesehen -, verstärkt kommerzielle
Aspekte zu berücksichtigen. Das Gut „Fernsehen“ würde zum Wirtschaftsfaktor werden30.
Trotzdem setzt sich diese Finanzierungsform immer mehr durch. Das liegt an der hohen
Wettbewerbsintensität auf dem Werbemarkt. Auch die fehlende enge Bindungstreue der
Rezipienten am Medienunternehmen ist eine Ursache. Der Zuschauer hat zu viel
Programmauswahl, um sich an einen Sender binden zu müssen. Zusätzlich gelten die
Marktstrukturen auf dem Werbemarkt als vollkommener als beim einflussarmen und
unvollkommen strukturierten Rezipientenmarkt. Folge ist der Zwang aller Fernsehsender,
Preis und Kontaktqualität auf dem Werbemarkt positiv zu beeinflussen. Das kann über die
Programmplanung erfolgen.

Der Wettbewerbsdruck, der durch andere Medien hinzukommt, ist nicht zu unterschätzen. Die
Programmqualität ist dadurch in Gefahr. Denn Fernsehsender im Allgemeinen streben nach
innovativem Programm, um eine Wirkung auf Zuschauer ausüben zu können. Doch die
finanzierende, werbetreibende Wirtschaft strebt dagegen. Würden beide Märkte aufeinander
abgestimmt werden, gäbe es nur die Gemeinsamkeit des Strebens nach quantitativer
Reichweite.
Dazu müssten die Inhalte aber massenattraktiv gestaltet werden und würden an individueller
Qualität verlieren. So tauchen zwischen den beiden Märkten etliche Konflikte auf, die es zu
vermeiden gilt.
Ein solcher Konflikt liegt vor, wenn Zielgruppen als unattraktiv gelten oder eine geringere
Kaufkraft oder Marktbindung vorliegt. Jürgen Büssow, früher Mitglied im WDR-
Rundfunkrat, heute der SPD-Medienkommission, argumentiert gegen die steigende
Abhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender von der Werbung (Aufteilung der
Werbeformen, siehe Abbildung 7, S. 150):

29 Peemöller, Volker H.: „Controlling: Grundlagen und Einsatzgebiete“, Verlag Neue Wirtschaftsbriefe,
Herne/Berlin 1990. S. 100
30 Vgl. Knoll, Klaus-Peter: „Ökonomische und politische Aspekte des Wettbewerbs und der Konzentration des
deutschen Fernsehmedienmarktes“, Hartung-Gorre Verlag Konstanz 1998. S. 8
20

„[...] Ich verlange [...] nicht, daß die Redakteure sich [...] nach der Marken-Berichtwerbung richten und ihre
Stoffe daran orientieren. Ich räume ein, daß man darauf kommen könnte, auf einen solchen Gedanken [...].
Sondern sie müssen so finanziell gestellt sein, daß sie unabhängig von der Werbung, auch von der
produktplazierten Werbung ihre Stoffe beibehalten können. […] Ich möchte [...] verhindern, daß das Geld in
Kanäle geht, die wir nicht durchschauen können und wo wir nur auf der Gerüchtebasis [...] miteinander
reden, [...] ich möchte [...] Transparenz einkehren lassen. Und das, finde ich, ist auch ein vernünftiger
Vorschlag. Wenn die Redaktionen finanziell richtig ausgestattet sind, dann heb' ich auch nicht das Prinzip der
Trennung von Werbung und Programm auf.“31

Eine Auswirkung der volumenneutralen Lockerung der Werbezeitregelung wäre das Entfallen
der Werbekonzentration im Vorabendprogramm. Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten
wären damit unabhängiger. Das liegt darin begründet, dass die Werbeeinnahmen eine höhere
Bedeutung innerhalb der Mischfinanzierung erhalten würden. Der Wettbewerbsvorteil des
werbefreien Abendprogramms würde entfallen. Denn die öffentlich-rechtlichen Sender
müssten ihr bisher werbefreies Angebot unterbrechen. Gleichzeitig würde der
Programmauftrag im Abendprogramm zunehmend kommerzieller werden und letztendlich
vernachlässigt werden. Die öffentlichen Nachfrager würden auf dem Beschaffungsmarkt
bessere finanzielle Möglichkeiten haben.
Preissteigerungen und ein verringerter Finanzierungseffekt wären die Folge. Die
Finanzlücken könnten teilweise gedeckt werden und die Möglichkeiten der
Programmgestaltung könnten verbessert werden. Werbung würde fortan als flexibel
handhabbares Finanzierungsinstrument im Vergleich zum starren Gebührenfinanzierung
erhalten bleiben.
Auf der anderen Seite müssten die Gebühren erhöht werden, sollte der Rundfunk werbefrei
werden. Die Konzentration auf die Werbung würde zwar eine verbesserte Gebührenfindung
zur Folge haben. Die bisherigen Werbeprognosen würden entfallen. Denn es würde weiterhin
gelten, das Gesamtaufkommen der für die Grundversorgung der Bevölkerung mit
Informationen zuständigen Sender zu wahren. Doch die Marktorientierung würde sich aus den
gleichen Gründen verringern. Dafür könnten sich die Sender stärker auf ihren
Programmauftrag konzentrieren. Sie könnten ihre Programmaufwendungen durch den
Wegfall der Werbezeiten steigern und durch täglich einige Minuten mehr Programm ersetzen.
Die Werbefreiheit würde eine hohe Abhängigkeit von Gebühren hervorrufen, aber gleichzeitig
von vielfältigen Einflüssen bei der Festsetzung befreien.
Auch die Werberegelung ist auf Dauer keine Lösung. Unter ständiger Rücksicht auf die
finanziellen Mittel werden sich Innovationen oder aufwendige Programme nicht umsetzen
lassen.

31 Lilienthal, Volker: „Die Kommerzialisierung der Fernseh-Fiction: Product Placement und das Programm“, in:
Blind, Sofia; Pethig, Rüdiger: „Fernsehfinanzierung. Ökonomische, rechtliche und ästhetische Perspektiven“,
Westdeutscher Verlag, Opladen / Wiesbaden, 1998. S. 131
21

Dazu kommt der Druck der Privaten und des Pay-TV auf dem Markt. Für sie gelten weit
weniger gesetzliche Bestimmungen als für die Öffentlich-Rechtlichen. Zum Beispiel betrifft
dies die gesetzliche Festlegung der Finanzen. Denn Private und Pay-TV finanzieren sich über
eigene Einnahmen aus der Teilnahme am Markt sowie aus der Werbefinanzierung. Es
zeichnen sich somit immer stärker Wettbewerbsverzerrungen gegenüber privaten
Rundfunkveranstaltern ab. Solche Verzerrungen liegen vor allem bei Quersubventionierungen
von Programmbestandteilen vor. Denn diese Sender unterliegen keinem Programmauftrag.
Ein Problem ist die derzeitige Entwicklung auf diesem Gebiet. Die Öffentlichen orientieren
sich immer stärker an den Kommerziellen und können ihrem Programmauftrag nicht mehr
individuell nachkommen.

Beide Vorhaben – reine Gebührenfinanzierung, bzw. Ausbau der Werbefinanzierung -


scheitern an der derzeitigen Unmöglichkeit der Umsetzung. Weder kann der unrentable
Grundversorgungsanspruch mit privaten Strukturen gesichert, noch die Vielfaltsicherheit bei
wirtschaftlicher Ausrichtung der Öffentlich-Rechtlichen garantiert werden. Wahrscheinlicher
ist eine Annäherung beider Systeme in Form der Mischfinanzierung. Eine andere denkbare
Lösung wäre eine Spaltung des Fernsehmedienmarktes, in dem die Öffentlich-Rechtlichen die
,,Minderheitenversorgung“ und die Privaten die Orientierung nach Einschaltquoten
hinsichtlich ihrer Programminhalte übernehmen. Dadurch stehen die Regionalsender erneut in
der Kritik. Sollte Fernsehen in diese Richtung gehen, so müssen sich die Regionalsender ein
völlig neues Sendekonzept ausdenken. Eine dritte Alternative wäre die Steuerlösung, wie sie
in Italien existiert. Sie würde aber unweigerlich zu einem höheren und ungewollten
Staatseinfluss führen. Bereits 2006 wurde im Jahrbuch des ZDF das Thema angesprochen:

„Bei näherem Hinsehen zeigen sich aber bei allen bislang angedachten Alternativmodellen insoweit
Schwächen, als sie nicht alle Anforderungen, denen ein Gebührenmodell entsprechen muss, erfüllen können
– sei es, dass sie – wie das Modell einer Haushalt- und Betriebsstättenabgabe – sich nur schwer in die
abgabenrechtliche Dogmatik einfügen lassen oder – wie das Modell einer Kopfpauschale – zu sozial
unverträglichen Belastungen führen oder – wie das Modell einer Steuerlösung – Probleme der Staatsferne
und der Vereinbarkeit mit der Steuerrechtsdogmatik aufwerfen. In jedem Fall muss auch darauf geachtet
werden, dass das zur Deckung des Finanzbedarfs der Anstalten erforderliche Gebührenaufkommen erbracht
wird.“32

In naher Zukunft dürften die Öffentlich-Rechtlichen trotz staatlichem Schutz in ihrer


Handlungsfreiheit eingeschränkt bleiben. Das Problem ist der stetige Anstieg der Kosten.
Ursachen sind zum einen die momentane Inflation aufgrund der beginnenden Wirtschaftskrise
in 2008.

32 Eberle, Carl-Eugen: „Problemfall Rundfunkgebührenpflicht für PC. Rundfunkgebührenneuordnung – aber


wie?“, http://www.zdf-jahrbuch.de/2006/schwerpunkte/eberle.html (26.06.2009)
22

Zum anderen zählt die steigende Nachfrage nach erfolgreichem Talent und fundierten
handwerklichen Fähigkeiten, mit denen der wachsenden Anforderung der Zuschauer nach
einer Qualitätsoptimierung begegnet wird, dazu. Ein anderer Grund ist die Tatsache, dass sich

„aus dem zunehmenden Programmbedarf und der wachsenden Bedeutung der Hauptsendezeiten für die
immer mehr durch Werbeeinnahmen finanzierten Fernsehsender […] eine stark steigende Nachfrage auf dem
Markt für kreatives Talent in Europa“ ergibt. Und da sich das „Talent nicht einfach vermehren läßt [sic!],
werden die Kosten above the line weiter steigen.“33

3.1.2.2. „Public Value – Test“ als Abhilfe

Wie angesprochen, war und ist es bis heute immer noch nicht selbstverständlich für die
Fernsehsender auf die Finanzierung zu achten und einen Weg zu finden, wie sie gleichzeitig
Qualität sichern können. Wie zu sehen war, liegt das einerseits an der festgelegten
Finanzierung, welche die Sender bisher genossen haben. Auf der anderen Seite überlegen
auch Industrie und Fernsehsender nicht, wie die Qualität in Programm und der Technologie
gesteigert werden kann, obwohl künftig weniger Geld zur Verfügung stehen wird. Ein
Umdenken findet momentan nur sehr langsam statt. Mit dem ständigen Denken an Qualität
treiben die Sender die Kosten immer höher. Doch es fehlt an Einnahmequellen – abgesehen
eben von Werbung und Gebühren. Daher wird in Zukunft weniger Geld für mehr
Anforderungen bereit stehen. Die Sender müssen sich entscheiden, an welchen Enden sie
sparen wollen. Verlassen sie sich eher auf technische Neuerungen oder auf den Inhalt, bzw.
die Programmqualität. Ferner gehen immer mehr Nutzer dazu über, das Rundfunkgebühren-
Modell zu verurteilen. Für sie ist es nicht mehr ersichtlich, weshalb sie zahlen sollen. Eine
Lösung ist die neue Abteilung des ORF Wien: Public Value. Bisher wird sie betrieben von
einem einzigen Mann, Klaus Unterberger. Er versucht, den Unternehmenswert nach außen zu
vermitteln, aber gleichzeitig den Wert in direktem Austausch mit dem Zuschauer zu ermitteln.
Dadurch findet ein transparenter Meinungsaustausch zwischen den Abteilungen des Sender
und dem Zuschauer über die Einschaltquoten hinaus statt. Der Fokus liegt auf der
Programmqualität hinsichtlich Inhalt. Eine andere Möglichkeit ist der Lösungsvorschlag der
Europäischen Union. Sie begegnet gesetzlich dem Problem mit der Einführung eines Public
Value-Tests.

33 Mojto, Jan: „Einführungsreferat“, in: Becker, Jürgen, 1989, S. 16


23

„Die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und ihrer Angebote durch die
'Solidargemeinschaft' und die Tatsache, dass grundsätzlich alle Bürger/-innen sowie auch Unternehmen ihren
Beitrag zu dieser Finanzierung leisten müssen, begründet die Notwendigkeit einer umfassenden Legitimation
der gebührenfinanzierten Angebote im Sinne ihrer besonderen Leistungen für das Gemeinwohl.“ 34

Gemeint ist eine Einschränkung der Freiheit öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. Sie


konnten bisher mangels konkreter gesetzlicher Vorgaben weitestgehend selbst über
Programmausweitungen und neue Dienste oder Programmumwidmungen entscheiden. Das
führte zur weiter oben genannten Entwicklung der wettbewerbsrechtlichen
Auseinandersetzungen mit privaten Medienunternehmen und den Akzeptanzproblemen bei
den Gebührenzahlern. Innerhalb der Debatte wird den Öffentlich-Rechtlichen vorgeworfen,
aufgrund ihrer Expansion in neue Märkte (wie Online und Mobile) das europäische
Rundfunksystem aus dem Gleichgewicht gebracht zu haben. Manche sehen hierin eine
Entwicklung zu dauerhaften Wettbewerbsverzerrungen und Einschränkungen bei der
Entwicklung der privaten Angebotsvielfalt. Zudem werden die Investitionen aus den
Rundfunkgebühren intransparent. Mit der Einführung eines Public Value-Tests will die
Europäische Union dieser Entwicklung entgegen wirken. Sie hat im Abschlussbericht zum
„Verfahren um die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland als
staatliche Beihilfe“ vom 24. April 2007 folgendes bestimmt:

„Die öffentlichen Rundfunkanstalten werden dazu verpflichtet, für alle neuen und veränderten digitalen
Angebote einen dreistufigen Test durchzuführen. Die drei Stufen werden gesetzlich festgelegt und erfordern
eine Prüfung durch die Rundfunkanstalten für jedes Angebot, dass es (1) zum öffentlichen Auftrag gehört
und damit die [sic] demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen einer Gesellschaft entspricht, dass
es (2) in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beiträgt und dass (3) der Aufwand für die
Erbringung des Angebotes vorgesehen ist.“35

Der so genannte „Drei-Stufen-Test“, als Folge der Diskussion, muss von Gremien der
Rundfunkanstalten für alle neuen digitalen Angebote durchgeführt werden. Er prüft, ob das
geplante Angebot publizistisch Neues bringt, mit dem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag
übereinstimmt und ob es den Wettbewerb mit Privatsendern, Online-Portalen von Zeitungen
usw. verzerrt. Die Länder müssen dann prüfen, ob die Vorschläge für neue Medienangebote
vom öffentlichen Auftrag erfasst sind und somit umgesetzt werden dürfen.

34 Vgl. Institut für Medien- und Kommunikationspolitik: „VPRT legt Vorschlag zur Umsetzung des 'Drei-
Stufen-Tests' für gebührenfinanzierte Angebote vor.", Berlin, 19.03.2008;
http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcatside=211&mod7_1=print; (11.03.2009)
35 Europäische Kommission: Staatliche Beihilfe E 3/2005 (ex- CP 2/2003, CP 232/2002, CP 43/2003, CP
243/2004 und CP 195/2004) – Deutschland. Die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
in Deutschland. Brüssel, 24. April 2007, Randnummer 328. In: Bauer, Helmut G.; Bienefeld, Anna: „Der
Public Value Test. Ein Vergleich zwischen dem BBCModell und dem geplanten Verfahren beim ZDF“ In:
Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, 7.12.07;
http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcatside=210, Abruf: 11.03.2009, 21:37Uhr
24

Ein wichtiger Punkt sieht vor, Umfang und Qualität der vorhandenen, frei zugänglichen
Angebote, marktrelevante Auswirkungen des geplanten Angebots und die meinungsbildende
Funktion des vorgesehenen Angebots angesichts bereits vorhandener Mediendienste zu
überprüfen. Außerdem soll den Dritten Programmen die Möglichkeit gegeben werden, auf die
zu erwartenden Auswirkungen der geplanten Angebote auf dem Markt reagieren zu können.

Bedeutung hat das Prüfverfahren laut Europäischer Kommission für den publizistischen
Wettbewerb, seine finanzielle Relevanz, seine geplante Dauer und für die Überprüfung des
Nutzers, inwieweit bereits vergleichbare, frei zugängliche Angebote verfügbar sind.
Das Problem besteht darin, dass die Gremien der Anstalten selbst unter Mithilfe externer
Gutachter den Test durchführen sollen. Denn die Rundfunkräte sind zwar offiziell nur zur
„Beratung“ der Anstaltsleitung da, sie wählen aber Intendanten sowie Programm- und
Verwaltungsdirektoren. Bei ihnen ist es fraglich, ob ein Rundfunkrat ein geplantes Projekt des
eigenen Hauses ernsthaft in Zweifel zieht, selbst wenn von der EU-Kommission die
„Errichtung von ,chinesischen Mauern'“ vorgeschrieben wird. Die geplanten Gremien sollen
unangemessenen Informationsfluss zur Geschäftsführung der Rundfunkanstalt verhindern und
die Vertraulichkeit der von Dritten übermittelten Informationen wahren. Eumann (Mitglied
des WDR-Rundfunkrats) kritisiert folgendes:

„Wer chinesische Mauern im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung demokratischer Medien fordert,
muss sich fragen lassen, wo er eigentlich lebt.“36

Die EU versuche derzeit massiv, Kompetenzen an sich zu ziehen, die ihr gar nicht zustünden,
so Eumann.

Die Union hingegen möchte sich am britischen Modell orientieren, wonach die unabhängige
britische Medienbehörde OFCOM (Office of Communications) prüft, welche Auswirkungen
neue BBC-Angebote auf den Markt haben. Im Januar 2007 hatte die BBC das Prüfverfahren
eingeführt, um über die Einführung neuer oder veränderter medialer Angebote zu entscheiden.
Mit dem Public Value Test konnte sie fortan Vorschläge zur Veränderung der Dienste prüfen,
die unter den öffentlichen Auftrag der BBC fallen und innerhalb von Großbritannien
angeboten werden. Dabei wird „public value“ als Äquivalent zum „shareholder value“ im
öffentlichen Management gesehen. Während der „shareholder value“ den Unternehmenswert
für das Unternehmen und die Aktionäre sowie Gesellschafter, also nach innen, misst, zeigt der
„public value“ den Unternehmenswert für den Nutzer, also für den Zuschauer und etwas
gelöster von den wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens, an.

36 Europäische Kommission, http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcatside=210, (11.03.2009)


25

„Public value“ ist somit ein Messverfahren, das neben den Einschaltquoten eingerichtet
werden kann, um die Position des Unternehmens auf dem Markt zu ermitteln.

„Ziel der Prüfung ist es, die möglichen negativen Auswirkungen auf den Markt [in den Bereichen Radio- und
Fernsehprogramm sowie Online-Angebot] einerseits und den durch die Veränderung erwarteten public value
und die angestrebte positive Marktentwicklung andererseits gegeneinander abzuwägen.“ 37

Der Test wird durch ein Aufsichtsgremium der BBC durchgeführt. Er dauert in der Regel
sechs Monate.

„Will die BBC ihr mediales Angebot verändern, beantragt sie diese Änderung beim BBC Trust. Der Antrag
muss eine Beschreibung der geplanten Änderung, alle relevanten Hintergrundinformationen einschließlich
bereits abgeschlossener Erhebungen zu Auswirkungen und Akzeptanz des Vorschlags sowie einen Entwurf
der noch durchzuführenden Untersuchungen umfassen. Auf dieser Grundlage prüft der BBC Trust, ob ein
Public Value Test erforderlich ist. Entscheidet sich der BBC Trust für ein Testverfahren, veröffentlicht er eine
entsprechende Ankündigung und möglichst alle dafür relevanten Informationen.“ 38

Zunächst führt der BBC Trust ein Public Value Assessment durch, bei dem der Nutzwert des
Vorschlags für die Konsumenten und die Gesellschaft ermittelt werden. Zeitgleich werden im
Market Impact Assessment kurz- und langfristige Auswirkungen des Vorschlags auf die
betroffenen Märkte durch das für die Zulassung und Aufsicht der privaten Veranstalter
zuständige OFCOM geprüft. Beide Institutionen dürfen für ihre Ergebnisse nicht länger als
drei Monate brauchen. Als nächstes stellt der BBC Trust sein vorläufiges Testergebnis
öffentlich zur Diskussion. Die darauf folgenden Stellungnahmen bezieht er in seine endgültige
Entscheidung ein.
Erst dann werden die Ergebnisse veröffentlicht. Hier wird deutlich, dass sich die
Fernsehsender, die sich dem public value-Test unterziehen, viel eher die Kommunikation mit
dem Zuschauer suchen, als andere Sender, die darauf verzichten. Der direkte Kontakt zum
Zuschauer wirkt sich letztlich auch auf die Programmqualität aus.

In diesem Zusammenhang bietet neben dem ORF die Lokalredaktion des WDR Köln, die
„Lokalzeit“, ein gutes Beispiel. Sie macht sich unter den anderen deutschen Regionalsendern
durch ihre Nähe zum Zuschauer bemerkbar. Unter dem Motto: „Fernsehen vom Nachbarn für
den Nachbarn“ wird die Interaktion mit dem Zuschauer groß geschrieben. Immer wieder
bietet der Landesrundfunksender zuschauerspezifische Aktionen an. Dazu gehört etwa der
Kölner Dom, der als Miniaturmodell auf Reisen geht. Die Zuschauer sind dazu aufgerufen,
Fotos und Themenvorschläge einzubringen. Außerdem gibt es die Möglichkeit bei so

37 Bauer, Helmut G.; Bienefeld, Anna: „Der Public Value Test. Ein Vergleich zwischen dem BBC-Modell und
dem geplanten Verfahren beim ZDF“, in: Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, 7.12.07;
http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcatside=210, (11.03.2009)
38 Ebd.
26

genannten TED-Umfragen (TED: Abkürzung für „Tele-Dialog“; Beteiligung des Publikums


als Jury) teilzunehmen. Ein großer Erfolg war zur Zeit der Untersuchungen die Reihe
„Tafeln“, bei der Leute eingeladen wurden, sich gegenseitig zur Vorweihnachtszeit zu
beschenken. Landesweit konnten 16.000 Geschenke verteilt werden.

Angefangen bei regelmäßigen Live-Übertragungen bis zum Wetterbericht, der als kleine
Geschichte mit direktem Bezug zu den Leuten vor Ort geplant wird, versucht die „Lokalzeit“
nahe an den Menschen heran zu kommen. Von Seiten der „Lokalzeit“ hieß es, der Sender sei
der Regionalsender, der „am nächsten“ an den Zuschauern dran ist. Das kann durchaus sein,
bedenkt man, dass Nordrhein-Westfalen mit 17.996.621 Einwohner39 (2007) das größte
Bundesland Deutschlands ist. Der WDR begegnet diesem Flächenproblem mit einer weiten
Abdeckung: elf Sender teilen das Gebiet unter sich auf und lassen somit sehr kleine
Sendegebiete entstehen.
Das Magazin „Lokalzeit“ besteht aus einem Programmanteil, der in allen elf Gebieten
ausgestrahlt wird. Daneben gibt es Zeitfenster, in denen nur für die Region relevante
Informationen gesendet werden. Alle elf Regionen versuchen, das Magazin
abwechslungsreich zu gestalten. Dazu verwenden sie verschiedenste journalistische Formate,
wie Futures oder Reportagen. Als besonders innovativ wären beim Kölner Regionalsender die
Reportage-Serien „Waschen, Schneiden, Leben“, bei der Geschichten aus dem Leben beim
Friseur erzählt werden, und „Nachtschwärmer“ zu nennen, bei der ein Journalist das Kölner
Nachtleben erkundet. So verbindet der WDR die drei Säulen seines Programmauftrags:
Information über Aktualität, Bildung über Praxis und Hintergrundwissen sowie Unterhaltung
über Geschichten. Laut Redaktionsleiter der „Lokalzeit“ stünde stets die Publikumswirkung
im Vordergrund.

Federführend in der Diskussion um den Public Value-Test ist derzeit EU-Medienkommissarin


Viviane Reding, die sich dafür ausspricht, auch in Deutschland diese Aufgabe nur von „einem
unabhängigen Schiedsrichter“ vornehmen zu lassen:

„Zur Gewährleistung von Unvoreingenommenheit (...) sollte die Prüfung von einer externen Stelle
vorgenommen werden, die von der Leitung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt unabhängig ist“, 40

heißt es in einer von ihr verabschiedeten EU-Rundfunkmitteilung im Februar 2009. Dort heißt
es weiterhin:

39 Vgl. „NRW-Einwohnerzahl wieder unter 18 Millionen“, in: Information und Technik Nordrhein-Westfalen –
092 / 08, http://www.it.nrw.de/presse/pressemitteilungen/2008/pres_092_08.html; (26.6.2009)
40 Vgl. Grimberg, von Steffen, „Internetpläne von ARD und ZDF, EU hat Bedenken gegen Web-Strategie“,
http://www.taz.de/1/leben/medien/Bericht/1/bruesseler-bedenken-gegen-web-strategie/; (19. Februar 2009)
27

Werde „ausnahmsweise eine zur öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt gehörende Stelle mit der
Durchführung der oben dargelegten Prüfung betraut, so hat der betreffende Mitgliedsstaat deren
Unabhängigkeit von der Leitung der Rundfunkanstalt sicherzustellen.“ 41

Nach Angabe der EU-Kommission musste Deutschland das Testverfahren nach diesen
Vorgaben und in Zusammenarbeit mit den öffentlichen Rundfunkanstalten 2009 gesetzlich
festschreiben.

3.2. Rundfunkgesetze – Rahmenbedingung für qualitatives Fernsehen

Fernsehanstalten müssten von den gesetzlichen und finanziellen Rahmenbedingungen befreit


werden, um innovativer agieren zu können. Dass das passiert, ist unwahrscheinlich.
Sinnvoller als ein Finanzbefreiung wäre derzeit eine Art von einflussreicher Lobby. Doch ist
Lobby zu sehr verbunden mit der Vorstellung einflussreicher Vereine, Parteien und
Wirtschaftler. Die können hier aufgrund ihrer Meinungspluralität nicht Lösung sein. Die
Lösung läge eher bei einer gesetzlich verpflichtenden Institution, wie der European
Broadcasting Union (EBU).

Solche Institutionen müssen sich für einen, für alle europäischen Rundfunkanstalten
gemeinsamen, Standard einsetzen und aufgrund ihrer Entscheidungsmacht als Staatsapparat
für eine engere Kooperation sorgen. Insbesondere die EBU und die Europäische Union (EU)
sollten Rahmenbedingungen schaffen, die eine einheitliche Qualitätsoptimierung auf
europäischer Ebene erlauben. Die Sender arbeiten bereits effektiv an der Untersuchung
eigener Standards. Einen europaweiten Austausch gibt es ebenfalls. Dieser Austausch
geschieht jedoch auf freiwilliger Basis. Eine ausgeprägte Kooperation fehlt bisher völlig.

Zunächst müssten die in dieser Institution vertretenen Sendeanstalten eine gemeinsame Basis
für Effizienz und Effektivität entwickeln. Aufgrund derer wären sie auf technischer,
organisatorischer und redaktioneller Ebene miteinander vergleichbar. Nur so lassen sich
gemeinsame und für alle geltende Richtlinien entwickeln. Solange kein einheitlicher
Qualitätsstandard entstanden ist, wird es den Sendern schwer fallen, auf dem Gebiet der
Programmqualität in Beziehung zu treten.

41 Vgl. Grimberg, von Steffen, „Internetpläne von ARD und ZDF, EU hat Bedenken gegen Web-Strategie“,
http://www.taz.de/1/leben/medien/Bericht/1/bruesseler-bedenken-gegen-web-strategie/; (19. Februar 2009)
28

Dann müssten die Ergebnisse jedem im Fernsehbereich Beschäftigen bekannt gemacht


werden. Neben Veröffentlichungen im Internet und über Fachzeitschriften wären Schulungen
ratsam, die den einzelnen Mitarbeiter auf aktuelle Geschehnisse aufmerksam machen, ihm
Wege aufzeigen, seine Ideen einzubringen und tätig zu werden.

Eine tiefgründige Diskussion über Alternativen zusammen mit der Seite der Produzenten, der
Technologie, mit Politikern und Medienforschern sollte folgen. Sinnvoll wäre es in dem
Rahmen, die Frage nach der Sinnhaftigkeit auf Seiten der Mitarbeiter zu beantworten. Die
Auswirkungen solcher Standards sollten daher ebenso von den Mitarbeitern bewusst
diskutiert, wenn nicht sogar beeinflusst werden. In Arbeitskreisen auf internationaler wie auch
nationaler Ebene können sich die Mitarbeiter Gedanken machen, wie sich negative
Auswirkungen im eigenen Unternehmen vermindern und positive Effekte steigern lassen.
Wenn die Sender jedoch weiterhin so konservativ oder unbeweglich sind, wie festgestellt,
werden sie sich nur schwerlich neuen Ideen zuwenden. Das nur aus Angst vor einer
ungünstigen Beurteilung auf dem Medienmarkt sowie vor den dabei entstehenden Kosten.
Hier müssten oben genannte Institutionen für einen Ausgleich sorgen. Beispielsweise durch
gesetzliche Richtlinien.

Anstatt mit ihren Mitarbeitern die Auswirkungen zu besprechen, kommt es vor, dass sich
Unternehmen solchen Standards verschließen. Oftmals befürchten sie, die aus den Standards
intern resultierenden Defizite könnten die Effizienz des Unternehmens beeinträchtigen. Die
Institutionen müssten dafür sorgen, dass alle Unternehmen verpflichtet werden, sich an die
Richtlinien zu halten.

Am effektivsten wäre ein europäisch einheitlicher Standard. In Zeiten der Digitalisierung


rückt die Welt so nahe zusammen, dass ein nationaler Vergleich zwischen den Sendeanstalten
nicht ausreichen wird. Sicherlich beeinträchtigen kulturelle, soziale und historische
Unterschiede die Ausweitung eines internationalen Standards. Doch in Europa dürften die
Differenzen noch überwindbar sein.

Noch gibt es keine gemeinsame Finanzierung in Europa sowie eine ausgeprägte


Zusammenarbeit in dieser Richtung. Qualitatives, europäisches Fernsehen kann erst
entstehen, wenn diese Faktoren beseitigt worden sind.
29

Wobei die Entwicklung hin zum europäischen Fernsehen nicht zu einem Einheitsfernsehen
führen darf, sondern die unterschiedlichen Bedürfnisse und Geschmäcker der Länder
innerhalb eines Gesamtkonzepts respektieren sollte. Auch dafür müssen die Institutionen
sorgen.

Gesetzliche Richtlinien und Rahmenbestimmungen sind derzeit schwer zu etablieren. Um als


öffentlicher Betrieb zu gelten, müssen sich die Rundfunkanstalten in öffentlicher Hand
befinden. Für Anstalten des öffentlichen Rechts gilt, dass sie sich selbst verwalten. Sie stellen
daher eine eigene Rechtspersönlichkeit dar. Die Zuordnung von Rechten zu diesen Anstalten
ist aber schwierig. Denn die Anstalten sind nicht nur öffentliche Betriebe, sondern auch
Dienstleistungs- und zugleich Produktionsunternehmen.42 Europaweit einheitliche Richtlinien
kann es nur geben, nachdem einheitlich beschlossen wurde, wie Fernsehbetriebe rechtlich
angesehen werden.
Es ergibt sich ein Problem hinsichtlich der Programmqualität: Wenn sich Richtlinien nur
schwer umfassend und trotzdem treffend auf die Körperschaft des öffentlich-rechtlichen
Fernsehens beziehen lassen, dann wird es noch schwieriger, Richtlinien für ihre Aufgabe zu
verabschieden. Zu den Aufgaben gehört die Erfüllung des Programmauftrags und damit die
Programmqualität.
Es ist schwierig, eine Basis für eine flächendeckende Diskussion zu schaffen. Es ist aber nicht
undenkbar. Wenn Europa künftig näher zusammenrückt, werden Lösungen unter
professioneller Führung auch zu etablieren sein. Wichtig ist bis dahin die Einflussnahme der
Fernsehmachenden, um bereits jetzt für einen fruchtbaren Boden zu sorgen.

42 Vgl. Bleicher, Joan Kristin: „Programmodelle und Programmentwicklung des Fernsehens von 1984 bis
1993“, in: Hömberg, Walter; Pürer, Heinz [Hrsg.]: „Medien-Transformation: zehn Jahre dualer Rundfunk in
Deutschland“, UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz, 1996. S. 69
30

3.2.1. Mediengrundrechte

Zu ändern wären mitunter die den Fernsehsendern zugestandenen Rechte (Interdependenz


zwischen Richtlinien, Staat und Medienunternehmen, siehe Abbildung 17, S. 156). Sie regeln
die Freiheit zu eigenen Entschlüssen und Neustrukturierungen. Zusammengefasst werden
diese Rechte unter dem Begriff der Mediengrundrechte zusammengefasst. 43 Die
Mediengrundrechte beinhalten die gesetzlichen Bestimmungen unter anderem zum
Presserecht, dem Rundfunk- und Telekommunikationsrecht sowie Datenschutz und
Urheberrecht. Die Bestimmungen sehen von Land zu Land unterschiedlich aus – je nach
politischer Struktur. Sie weisen aber auch Gemeinsamkeiten auf.

Laut Haiko van Lengen, Dipl.-Medienwissenschaftler an der Universität Weimar, sind


moderne Demokratien (Massengesellschaften) auf die Existenz von Massenmedien (Presse,
Rundfunk, Film) angewiesen44. Unter moderner Demokratie wird hier diejenige Staatsform
verstanden, die eher repräsentativ ausgerichtet ist (durch Wahlen werden Repräsentanten
bestimmt, die meist für ca. vier bis fünf Jahre die politischen Entscheidungen im Sinne der
Wähler treffen sollen) und in denen alle Bürger rechtlich und politisch gleich behandelt
werden.45 Dazu zählen alle Ländern der Europäischen Union.
Die wichtigste Funktion der Massenmedien (Presse, Hörfunk, Fernsehen) in der modernen
Demokratie ist die Willensbildung der Bevölkerung durch eine freie Berichterstattung.
Daneben finden sich die Informations-, Meinungsbildungs-, Kontroll- und politische
Funktion. Aufgrund der Informationsfunktion sollen die Massenmedien

„[...] so vollständig, sachlich und verständlich wie möglich informieren, damit ihre […] Nutzer in der Lage
sind, das öffentliche Geschehen zu verfolgen. Mit ihren Informationen sollen sie dafür sorgen, daß die
einzelnen […] Bürger die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenhänge begreifen, die
demokratische Verfassungsordnung verstehen, ihre Interessenlage erkennen und über die Absichten und
Handlungen aller am politischen Prozeß Beteiligten so unterrichtet sind, daß sie selbst aktiv daran teilnehmen
können.“46

43 Vgl. Wolf, Prof. Dr. Joachim: „MEDIENRECHT.“ http://www.ruhr-uni-bochum.de/wolf/dokumente/VORL-


Medien.pdf; (11.03.2009)
44 Vgl. Lengen, Haiko van: „Stakeholder der Medienunternehmung“, Universität Weimar, http://www.uni-
weimar.de/medien/medman/sites/ss2003/stakeholder/stakeholder_content/oeffentlicher_sektor_richter_poppe
_mihalkow_schickerling.pdf; (11.03.2009)
45 Schrader, Julian: „Gegenüberstellung: Attische Demokratie vs. moderne Demokratie“,
http://exbook.de/20051026-gegenuberstellung-attische-demokratie-vs-moderne-demokratie/ (29.6.2009)
46 Chill, Hanni; Meyn, Hermann: „Funktionen der Massenmedien in der Demokratie“, in: Massenmedien, B.
260, Bundeszentrale für politische Bildung, 2009;
http://www.bpb.de/publikationen/04309502558076112983648580539468,0,Funktionen_der_Massenmedien_
in_der_Demokratie.html (29.6.2009)
31

So sollte es im Idealfall sein. Den Idealfall scheint es in der Praxis jedoch nicht zu geben. Mit
einem Blick auf die Einflussnahme auf das Fernsehen durch den Ministerpräsidenten Italiens,
Silvio Berlusconi, oder auf die Meinungsbildung der deutschen Bild-Zeitung sowie der
Kronen-Zeitung in Österreich, wird das bewusst.

Die Regierung rechtfertigt gerade genannte ideale Funktionen der Fernsehanstalten mit der
Annahme, dass die Gesellschaft zu großräumig geworden sei, um mit der unmittelbaren
Kommunikation auszukommen. Die Meinungsbildungsfunktion wird gerechtfertigt aus der
Überzeugung, in der Demokratie sei allen am meisten gedient, wenn Fragen von öffentlichem
Interesse diskutiert werden. Beeinflussung des Informationsflusses, der Meinungsbildung
sowie politische Beeinflussung werden in Kauf genommen, solange sie nicht gegen das
Grundgesetz des jeweiligen Landes widersprechen. Eine Beeinflussung liegt schon alleine
deshalb vor, weil die sich im Prozess der Informationsvermittlung bildenden Meinungen nicht
auf Grund von Wirklichkeitserfahrung zustande kommen. Sie ergeben sich eher aus der
Wirklichkeitsvermittlung durch die Medien.

„Da in einer modernen, differenziert strukturierten Gesellschaft eine Vielzahl von mehr oder weniger großen,
zum Teil in Konkurrenz zueinander stehenden Interessengruppen existiert, gehört es auch zu den Aufgaben
der Massenmedien, diesen Meinungspluralismus in einem angemessenen Verhältnis widerzuspiegeln.“ 47

Ohne Kontrollfunktion seitens der Medien läuft die Demokratie Gefahr, korrumpiert zu
werden. Die Medien versuchen im Idealfall, politische Machenschaften und Verhältnisse
unabhängig aufzudecken. Die Kritik besteht hier in der Diskussion, inwiefern die Medien
dadurch zu einer vierten Macht im Staat werden.
Die Informations-, Meinungsbildungs-, Kontroll- und politische Funktion sei die
Voraussetzungen dafür, dass das Volk seine Souveränität wahrnehmen könne, fährt van
Lengen an gleicher Literaturstelle fort. Es leuchtet ein, dass Medien staatsunabhängig sein
müssen, um die ihnen gestellte Aufgabe wahrnehmen zu können. Hierin liegt die
Berechtigung der Mediengrundrechte.
Gemein ist diesen rechtlichen Bestimmungen in Europa die Regelung des öffentlichen
Sektors. Zum einen spielen neben der Wahrung der genannten Funktionen die
Eigentumsgarantie eine Rolle. Sie wird durch die Freiheit zur individualrechtlichen
Ausgestaltung gewährleistet. Festgesetzt werden daneben Subventionen und
Steuererleichterungen. Zudem werden den Sendern inhaltliche Freiheiten durch die
Pressefreiheit zugesprochen. Somit können die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ihrem

47 Chill; Meyn, 2009;


http://www.bpb.de/publikationen/04309502558076112983648580539468,0,Funktionen_der_Massenmedien_
in_der_Demokratie.html (29.6.2009)
32

Programmauftrag ungehindert nachkommen. Zum anderen bestehen den Sendern gegenüber


Kartellverbote. In der Praxis werden diese Verbote zuweilen überschritten. Beispielshalber
durch das Monopol des ORF in Österreich, oder in Italien durch die politische Einflussnahme
Berlusconis.

Auch so spielt in die Freiheiten der Sendeanstalten deutlich der Staat mit ein. Er gibt den
Rahmen vor, setzt Verfahren gegen Verstöße an. Er ist es, der bei ausreichender Begründung
die Freiheiten entziehen kann. Die Beeinflussung durch den Staat zeigt sich am besten in
Hinblick auf totalitäre Systeme, bei denen es diese Vorzüge nicht gibt.

Die Mediengrundrechte sind auf nationaler Ebene in bestimmten Gesetzen festgeschrieben. In


Deutschland sind die Mediengrundrechte im Grundgesetz (GG), Art. 5, verankert. Sie
umfassen die individuelle Freiheit, die freie Meinungsäußerung und die freie Unterrichtung
(„Informationsfreiheit“).
Daneben gibt es ein spezielles Recht, das die Freiheit der Presse, des Rundfunks und die des
Films garantiert. Geschützt ist auch die freie journalistische Arbeit. Andere Schutzbereiche
begrenzen diese Rechte jedoch wiederum.
Allen voran der Schutz der Bürger und Institutionen vor den Medien. Daneben auch die
allgemeinen und besonderen Persönlichkeitsrechte wie der Schutz der Privatsphäre, das Recht
auf Wahrung der persönlichen Ehe, der Schutz des Unternehmens, des Staates und der Jugend.
Da Rundfunk in Deutschland als Kulturgut gilt, fällt es in den Zuständigkeitsbereich der
Länder.
Dies ist im übrigen auch in vielen anderen Ländern Europas der Fall. Die Landesparlamente
entwickeln Landesmediengesetze für private Veranstalter, Landesrundfunkgesetze für
öffentlich-rechtliche Veranstalter und Länderbestimmungen für Rundfunkprogramme. Es ist
für die einzelnen Sender also nicht möglich, Erneuerungen in Inhalt und Organisation von
alleine zu treffen. Doch nicht nur die Länder, sondern auch der Staat beschränkt die
Handlungsfreiheiten der Rundfunkanstalten durch die Staatsverträge. Sie gelten für alle
Sender mit länderübergreifenden Grundsätzen. Programmqualität ist durch diese Regelungen
und Restriktionen nicht länger ausschließlich Angelegenheit der Sender. Sie ist eher Ergebnis
der Auseinandersetzungen zwischen Medien und Regierung sowie der Zugeständnisse seitens
der Politik. Im Grunde haben – rechtlich gesehen – die Fernsehanstalten wenig Spielraum, die
Programmqualität bezüglich Inhalt und Aussage zu bestimmen. Eventuell ist das die Ursache
dafür, dass die Redaktionen Qualität vor allem über die technischen Machbarkeiten und die
Bild-, bzw. Tonqualität definieren.
33

3.2.2. Aufruf zur Kooperation, Integration und Koproduktion – Fernsehen ohne Grenzen

Ein Beispiel für internationales Recht ist die Richtlinie „Fernsehen ohne Grenzen“48. Diese
Richtlinie der Europäischen Union gilt seit 1997 für audiovisuellen Sektor in ganz Europa.
Sie dient der Verwirklichung des freien Austausches von Fernsehdiensten innerhalb Europas.
Ihr Grundsatz ist geprägt von der Sicherstellung des freien Empfangs audiovisueller Werke
anderer Mitgliedsstaaten, was als Aufruf zur Kooperation, Integration und Koproduktion
verstanden werden kann. Die Weiterverbreitung dieser Werke wird nicht beschränkt, solange
die Verbreitung nicht gegen Ziele zum Schutz des Allgemeininteresses verstößt.

Inhalt des „Fernsehens ohne Grenzen“ ist die Erstellung von Kriterien zur Festlegung der
Rechtshoheit über Fernsehveranstalter. Es werden weiterhin Bedingungen zur Sicherstellung
der unverschlüsselten Übertragung von Ereignissen mit erheblicher gesellschaftlicher
Bedeutung getroffen. Drittens trifft die Organisation Regelungen zur Förderung der
Herstellung und Verbreitung europäischer Fernsehproduktionen einschließlich der Werke
unabhängiger Produzenten.

Damit zielt die Richtlinie unter anderem auf die Programmqualität ab. Und auch
Bestimmungen zur Berücksichtigung von Zielen zum Schutz des Allgemeininteresses – im
Interesse des Zuschauers - werden erhoben. Beispiele hierzu wären die Sicherung kultureller
Vielfalt, des Pluralismus, des Urheberrechtsschutzes, des Rechts auf Gegendarstellung, des
Verbraucherschutzes und des Schutzes Minderjähriger. In der Richtlinie findet sich daher ein
direkter Aufruf zur weiter oben geforderten Kooperation der europäischen Fernsehsender.
Und dies nicht nur freiwillig, sondern auf gesetzlicher Ebene; wenn auch als Empfehlung und
nicht als Vorgabe. Laut diesen Bestimmungen ist europäischen Fernsehen folglich Programm,
das von kultureller Vielfalt geprägt sein sollte. Das beinhaltet indirekt auch den kulturellen
Austausch über das Programm. Fernsehen kann und soll zum Verständnis der Nationalitäten
beitragen. Beispiele finden sich bei arte, als Kulturprogramm zwischen Frankreich und
Deutschland, sowie bei 3sat, als Gemeinschaftsprojekt der deutschsprachigen Länder
(Deutschland, Österreich, Schweiz). Um auf die Institutionen zurück zu kommen, die für den
gesetzlichen Rahmen sorgen sollten. Diese sollten versuchen, dass es zu mehreren solcher
Sender, bzw. Kooperationen kommt. Mit steigender Anzahl der Kulturprogramme wird es zu
einer steigenden Akzeptanz kommen. Und daraus kann sich eine Basis ergeben, solche
Programme gesetzlich festzulegen.

48 Vgl. europa.eu/scadplus/glossary/television_without_frontiers_de.htm, (1.11.2008)


34

Die Richtlinie trifft letztlich auch Regeln über Fernsehwerbung. Somit könnte die
Europäische Union dazu beitragen, eine Lösung des oben diskutierten Finanzierungsproblems
zu finden. Vorausgesetzt, dass die Staatengemeinschaft zu einer für alle Länder akzeptablen
Einigung hinsichtlich des Problems kommt. „Fernsehen ohne Grenzen“ ist somit
richtungweisend für die Gestaltung und den Strukturwandel des europäischen Fernsehmarktes
und beeinflusst die weiter oben erwähnte Trennung zwischen Werbe- und Rezipientenmarkt
(siehe Abbildung 18, S. 156).

Derzeit soll die Richtlinie aufgrund ihres Alters (erste Festschreibung 1989) und angesichts
der rapiden Entwicklung medialer Angebote überarbeitet werden. Die neue Richtlinie soll
darüber hinaus dem Prinzip des Medienpluralismus Rechnung tragen. Denn nationale Märkte
müssen sich für die Konkurrenz aus anderen EU-Ländern öffnen. So könnte einer
Bürokratisierung entgegen gewirkt und die bestehenden Regeln flexibler gestaltet werden.49

4. MÖGLICHKEITEN DER ZEITERSPARNIS IN DER DISKUSSION

Eine andere Entwicklung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geht stark in die Richtung, dem
einzelnen Journalisten mehr Zeit für die Bearbeitung von Content zu geben. Ermöglichen
werden das unter anderem so genannte Automationssysteme.

„Automationssysteme sind weltweit in den Sendeabwicklungen zu finden. Die Anforderungen sind je nach
Umfang und Programmbeschaffenheit sehr unterschiedlich. […] In einer komplexen Sendeabwicklung
müssen Sendeablaufmischer, Zuspiel-/Aufzeichnungsgeräte, Kreuzschienensysteme, Standbildspeicher,
Schrift-/Logo-Generatoren, VPS-Datenbrücken, Formatwandler und Untertitelungssysteme gesteuert werden.
Innerhalb eines jeden Rundfunk- und Fernsehsystems hat die Sendeabwicklung eine besondere Bedeutung.
Hier entscheidet sich, wie das endgültige Ergebnis aller vorangehenden Produktionsprozesse aussieht.
Technisch stellt die Sendeabwicklung den Übergabepunkt zur Außenwelt dar […]. [In heutigen Projekten
geht es bei der Automation] um die direkte und interaktive Kommunikation mit Journalisten-Systemen,
Storage-Area-Netzwerken (SAN) und digitalen Archiven. [Verschiedene Arten von Protokollen tragen dazu
bei], dass ein extrem hohes Maß an Integrations- und Leistungsfähigkeit gewährleistet wird.“50

Als Funktionseinheit können Automationssysteme als Bindeglied zwischen externer


Aufzeichnung, interner Beitragsverwaltung, Content-Management, Materialtransfer, Playout
und Archiv angewendet werden. Der Sender muss sich darüber bewusst sein, dass jede
technische Erneuerung, und insbesondere die Einführung einer Automation, massiv in die
gewohnten Abläufe des Senders eingreift. Wenn die Entwicklung in diese Richtung geht, so
sollte jeder einzelne Sender die Chance nutzen und zusammen mit jedem redaktionellen

49 Vgl. europa.eu/scadplus/glossary/television_without_frontiers_de.htm, (1.11.2008)


50 Genzel, U.: „Automationssysteme in der Fernsehproduktion“, in: FERNSEH- UND KINO-TECHNIK – 56.
Jahrgang – Nr. 4/2002 , S. 735 – 738 hier S. 735
35

Mitarbeiter Konzepte erarbeiten, die zu einer organisatorischen Qualitätsoptimierung


beitragen. Die mit der Automation ersetzte Arbeitszeit des Menschen könnte durch andere
Tätigkeiten genutzt werden und muss nicht zwangsläufig verloren gehen.

Hilfreich wären Mitarbeiterbefragungen, die leicht von Praktikanten ausgeführt werden


könnten. Oder aber freiwillige Arbeitskreise, die – da sie freiwillig sind – nicht bezahlt
werden müssten und während der regulären Arbeit stattfinden könnten. Bei dieser Lösung
kann die aufgrund der Automation gewonnene Arbeitszeit durch Konzeptentwicklungen
genutzt werden. Der Mitarbeiter kann sich ständig entscheiden, ob er regulär arbeitet, oder an
einem freiwilligen Projekt teilnimmt. Selbstverständlich darf die Teilnahme an solchen
Projekten nicht überhand gewinnen. Motiviert werden könnten die Mitarbeiter durch
Versprechen, auf einzelne Probleme ihrerseits gezielt einzugehen. Der Mitarbeiter wird sich
bald mit dem neuen System identifizieren können, stolz sein, an dessen Entwicklung
teilgenommen zu haben und noch lieber zur Arbeit kommen. Denn wer etwas zu sagen hat,
der fühlt sich auch bestätigt und gebraucht.

Doch qualitative und zeitökonomische Arbeit beginnt beim Journalisten selbst. Entscheidend
für den knappen, aber aussagekräftigen Aufbau eines Beitrags ist eine gute, da gründliche
Recherche zu Beginn jeder Arbeit. Die Frage ist nur, auf welche Weise das geschehen kann.
In diesem Kontext wäre es zu überlegen, ob Landesrundfunkanstalten nicht zentral gesteuert
werden sollten. Beispielsweise um Informanten und Quellen zu testen, Daten und Fakten
intensiv zu überprüfen und einen aufwändigen Gegencheck durchzuführen. Oder auch, um
den Redakteur von Ökonomie, Public Relations und Standpunkten der eigenen
Medienunternehmen zu befreien.
Dann könnte sich der Journalist auf wesentliche Dinge konzentrieren, wie Zeit, Recherche,
Stil und gute Quellen, ohne von äußeren Faktoren beeinflusst zu werden.
Im Fernsehbereich wird diese Aufgabe umso wichtiger, da die meisten europäischen Sender
ihre Arbeit auf Landesstudios, Tochterfirmen und externe Firmen verteilt haben.
36

4.1. Outsourcing – eine besondere Möglichkeit der Kosten- und Zeitersparnis

Viele Rundfunkanstalten sind inzwischen aus Kostengründen dazu übergegangen,


Arbeitsbereiche auszulagern. Im Englischen steht hierfür der Begriff des Outsourcing. Der
Begriff setzt sich aus den Wörtern „Out“ und „Source“ zusammen. Es geht folglich um eine
Verlagerung von Arbeitsquellen innerhalb interner und externer Arbeitsbereiche eines
Unternehmens. Bei der Verteilung von Arbeitskräften auf externe Firmen oder ausgelagerte
Arbeitsbereiche bleiben sie dem Unternehmen nach wie vor erhalten. Das Unternehmen kann
auf sie jederzeit zugreifen, muss sie aber nicht durchgehend bezahlen. Die Bezahlung erfolgt
nach Arbeitsstunden.

Generell ist es das Bestreben eines jeden Unternehmens, Arbeitsplätze zu erhalten und einen
Kommunikationseffekt bei den Beschäftigten zu erzielen. Jedes Unternehmen ist darauf aus,
die einzelnen Knotenpunkte (Arbeitsplätze) im gesamten Netzwerk (dem Unternehmen)
möglichst effektiv zu verbinden, so dass die Informationen ohne Umwege und möglichst
schnell von einem Punkt zum anderen gelangen können. Bei einigen Systemen der
Unternehmensführung ist das aber nur gering bis gar nicht möglich. Beispielsweise mit einem
einzelnen Unternehmensleiter an der Spitze. Er kann nicht sämtliche Bereiche überschauen,
für deren Tätigkeit die Verantwortung übernehmen und zudem noch seine eigenen Aufgaben
erfüllen.
Ziel des Outsourcing ist es deshalb, das Zusammenspiel von Qualität, Leistung und Preis zu
wahren. Zu diesem Zweck werden Aufgaben an andere leitende Positionen verteilt. Die
Arbeitskraft bleibt erhalten, wird aber verteilt. Das Unternehmen selbst wird durch diese
Maßnahme organisatorisch erleichtert. Um Kosten zu sparen, gehören eben genannte
leitenden Positionen zu anderen Unternehmen. Sie sind auf ihre Aufgaben spezialisiert
müssen vom Stammunternehmen nicht extra verwaltet und nach einem festen Gehalt bezahlt
werden. Sie können nur für ihre erbrachten Tätigkeiten finanzielle Forderungen geltend
machen.
Zu diesem Zweck ist die Erhebung von IST-Daten notwendig: Ein Überblick über den
tatsächlichen finanziellen Status des Unternehmens. Gerade bei den staatlich vorgesehenen
Einsparungen sowie der Verlagerung der Finanzierung auf andere Teilbereiche eines
Senders ist das sinnvoll. Die einfachste Methode der dazu erforderlichen Analyse ist die
Ermittlung des Break-Even-Points, um festzustellen, wo und ab welchem Zeitpunkt die
Kosten einer Fremdleistung unter den Gesamtkosten der Eigenerstellung liegen. Die größte
Rolle spielt dabei der Fixkostenanteil der Eigenerstellung. Das würde aber eher zu einer
betriebswirtschaftlichen Arbeit gehören.
37

Gründe für eine Auslagerung können starre Tarifverträge, gewachsene und inflexible
Arbeitsstrukturen und Blockaden der Mitarbeiter sein.

Eine der zahlreichen Methoden der Einsparung ist gerade im Bereich der aktuellen
Berichterstattung der „Videojournalismus“. Hier geht es darum, einen einzigen Mitarbeiter
daraufhin auszubilden, mit einer kleinen DV-Kamera (3-Chip) schnell am Ort des Geschehens
zu sein, bereits auf der Fahrt in die Redaktion schneiden und den Bericht dann selbst vertonen
zu können. Der Video-Journalist ist damit derjenige, der die traditionelle Aufteilung zwischen
Regie, Kameramann und Technikern auflöst. Der kostensparende Einmann-Betrieb, mit
anderen Worten.
Das aber ist gleichzeitig das Problem. Denn er ersetzt andere Arbeitsplätze und -bereiche.
Passt die Redaktionsleitung bei der Beschäftigung dieser Redakteure nicht auf, kann das das
Arbeitsklima verschlechtern.
Der Hessische Rundfunk war hier Vorbild für viele andere Fernsehsender, was den Einsatz
von Video-Journalisten und Videoreporter angeht.

„Die Videoreporter sind inzwischen zu einer unverzichtbaren Quelle regionalen Bild- und Tonmaterials
geworden, das wesentlich zur regionalen Verankerung des HR beiträgt – und das zu sehr moderaten
Kosten.“51

Der Einsatz von Video-Journalisten ist ein Kompromiss, Themen, die komplexe
Kameraeinstellungen und aufwendige Dreharbeiten erfordern (wie Fahrten in Krankenwägen,
etc) kostengünstig und zeitökonomisch behandeln zu können. Sie kommen in der Regel
überall dort zum Einsatz, wo die herkömmlichen Drei-Mann-Teams an ihre Grenzen stoßen.
Doch der Einsatz von Video-Journalisten ist auch Sparmaßnahme und ein Abstrich an
Programmqualität. Das liegt daran, dass die Produktionsweise im Fernsehbetrieb immer noch
komplexe Abläufe verlangt, die selbst für einfache Formate wie Nachrichtensendungen
routinemäßig mehrere Kräfte bindet.
Sie sind weitgehend damit beschäftigt, die Anweisungen von ein bis zwei Verantwortlichen
(Regisseur und/oder Moderator) in Bedienvorgänge an technischen Geräten umzusetzen. So
konnte sich der Autor auf seine Fragen und das Gespräch konzentrieren, während Ton und
Kamera für die richtige, technische Umsetzung sorgten. Es hat schließlich einen Sinn, dass
die Redaktionen Jahre lang Spezialisten auf den einzelnen Gebieten eingesetzt haben.
Der Video-Journalist hat letztlich auch bei noch so guter Ausbildung das Problem, dass er sich
immer zeitgleich auf Technik und Journalismus konzentrieren muss. Wenn dann noch ein

51 Binder, Reinhart: „Drei Medien unter einem Dach. Wie Hörfunk, Fernsehen und Internet in der ARD
zusammenwachsen“, In: [Hrsg.] Jutta Weismüller, Cornelia Springer, Deutsches Rundfunkarchiv: „ARD
Jahrbuch 08“, Hans-Bredow-Institut, Hamburg, 2008. S. 58
38

Gesprächspartner dazu kommt, muss der Video-Journalist schon auf drei Faktoren achten.
Ganz abgesehen von Stress und eventuellen technischen Problemen. Überforderung ist die
Folge.
Andere Faktoren des Outsourcing gehen oft in die Richtung, Kameramänner auch für den
Hörfunk einzusetzen. Das geschieht, indem der Kameramann seine Bilder so aufnimmt, dass
später in der Redaktion die Tonspur von der Bildspur getrennt und zu einem eigenen Beitrag
verarbeitet werden kann. Oder es werden sämtliche technische Gebiete, wie Schnitt und
Kamera, auf externe Firmen, bzw. Tochterfirmen verlagert.

Die Norwegische Rundfunkgesellschaft (NRK) in Nordland, Norwegen, arbeitet sehr intensiv


mit Video-Journalisten. 22 Journalisten arbeiten auf diese Weise in verschiedenen Variationen,
meist in Verbindung mit einem anderen Job. 14 von ihnen sind hauptberufliche Video-
Journalisten. Der Grund für diesen intensiven Einsatz ist die Größe des Senders. Er hat nur
eine begrenzte Anzahl an festen Mitarbeitern und kann daher ohne Video-Journalisten nicht
alle Aufgaben bewältigen. Sie aber sorgen für die nötige Flexibilität und für den Einsatz vieler
Kameras an verschiedenen Orten. Außerdem bietet der Videojournalismus etliche Vorteile.
Durch das platzsparende Ein-Mann-Team kann die Kamera um einiges näher an den
aufzunehmenden Objekten positioniert werden. Die Größe und das Gewicht der verwendeten
Kameras (3 Chip-Kamera, hier Canon XL2: ca. 220 x 225 x 496 mm; Gewicht: ca. 3545 g)52
erlaubt Kameraeinstellungen, die für größeren Beta-Kameras unmöglich sind. Eben weil diese
Art von Journalisten sehr wesentlich ist, veranstaltet der Sender einmal im Jahr den
Norwegischen VJ-Kongress. NRK Nordland bereist auch andere Regionen des Landes sowie
Europas, um über seine VJ- und multifunktionalen fahrbaren Nachrichtenstationen zu
berichten.
Eingesetzt werden vor allem Reporter und Kameramänner. Auch hier also ein Unterschied zu
vielen anderen Studios in Europa, die in der Regel keine Kameramänner als Video-
Journalisten verwenden. Beim NRK Nordland ist es sogar so, dass alle Kameramänner
zugleich Video-Journalisten sind. Manche von ihnen sind erst um die 20 bis 30 Jahre jung,
andere zwischen 55 und 60 Jahren. Überdies werden Frauen und Männer gleichermaßen
eingesetzt. Während bei anderen Sendern die Befürchtung besteht, Video-Journalisten würden
zur Verschlechterung des Arbeitsklimas beitragen, meint ein Sprecher des NRK, dass gerade
dadurch die Selbsteinschätzung der Angestellten gehoben wird. Sie wüssten, dass sie es alles
selbst tun können und darauf wären sie stolz. Es sei sogar so, dass der Sender ein sehr gutes
Ergebnis bei Fragebögen bezüglich der Atmosphäre erziele. Daneben finden jährlich

52 Vgl.: Produktbeschreibung auf: http://www.ciao.de/Canon_XL2__1978237#productdetail; (21.09.2009)


39

Mitarbeiterbefragungen zur Einschätzung der Arbeitsbedingungen statt.


Eine Tendenz geht zum erhöhten Arbeitseinsatz im Bereich Internet. Dieser Bereich wurde
vom Sender in letzter Zeit ausgebaut, wobei die Anzahl der Mitarbeiter gleich blieb.

4.2. Controlling – Überprüfung der Einhaltung von Zeit- und Kostenaufteilung

Bei der oben vorgeschlagenen zentralen Kontrolle der Landesrundfunkanstalten in den


Redaktionen darf man nicht nur von der betriebswirtschaftlichen Betrachtung einer
beratenden Stelle ausgehen, sondern von einer Instanz, die ausgelagerte Funktionen
wahrnimmt, um die Kompetenzträger - beispielsweise innerhalb einer Redaktion - zu
entlasten. Das können Programm- und Redaktionsleiter sein, die sich die Aufgaben der
Finanzierung und des Inhalts teilen, aber auch Bereichsleiter, die einem Funktionsbereich
vorstehen. Die Vor- und Nachteile wurden bereits genannt.

Jedes qualitative Arbeiten, sei es technisch oder redaktionell, organisatorisch oder auf das
Programm ausgerichtet, bedarf einer Kontrolle, die für die nötigen Rahmenbedingungen sorgt
und Freiraum für Innovationen lässt, um sich am Markt behaupten zu können. In der
Wirtschaft nennt sich diese Instanz „Controlling“. Das Controlling ist für die Überwachung
der organisatorischen Abläufe mittels Zuweisung finanzieller Mittel zuständig (Variablen des
Controllings, siehe Abbildung 15, S. 155).
Im Kontext der Programmqualität kann das Controlling durch die Erhebung von Fragebögen,
die sich auf das Programm, dessen Vor- und Nachteile sowie auf deren Anreize in Rücksicht
auf die finanzielle Lage des Senders konzentrieren, feststellen, welche Programme zu fördern
sind und welche nicht.

Sehen kann man das sehr deutlich an so genannten „Pilots“ - die ersten Folgen einer Serie,
bei denen es stark um die Zuschauerreaktion geht. Die Anzahl der Folgen eines Pilots werden
im vornherein festgelegt. Darüber hinaus gibt es keine weitere Planung. Ein vorsichtiger Weg,
nicht mehr zu investieren, als notwendig. Erst wenn die Serie gut aufgenommen wird, werden
weitere Folgen produziert.

Das Controlling bedient sich auch im Nachrichtenbereich dem direkten Bezug auf den
Zuschauer. Auch hier wird er aufgefordert, die Sendung aktiv mitzugestalten. Vor allem
Nachrichtenmagazine eignen sich dazu. So werden die Zuschauer gebeten, Fotos oder
Themenvorschläge einzusenden. Der Zuschauer kann sich mit der Sendung identifizieren.
40

Wobei gesagt werden muss, dass diese Form des Controllings für den deutschsprachigen
Raum besonders ist. Hier sind die Aufgaben hochrangiger als anderswo und reichen von der
Finanzierung bis zur Sachzieldimensionen, also dem Programm. So kann in Bezug auf die
Zuschauerreaktion ermittelt werden, ob bestimmte Ziele der Fernsehmacher erreicht werden.
Es kann aber nicht erkannt werden, inwiefern diese für die Zuschauer überhaupt bedeutsam
sind. Denn der Zuschauer hat zu wenig Möglichkeiten, seine Anliegen direkt und verständlich
formuliert vorzutragen. Zudem müsste eine größere Zuschauermenge adressiert werden. Es
gilt, das Controlling in diese Richtung zu erweitern.
Es verwundert fast, dass der Schritt zur Weiterentwicklung bisher nur von wenigen
unternommen wurde. Dabei finden sich in ganz Europa Institutionen, die sich um die
Entwicklung solcher neuen Formen bemühen. Darunter etwa die „Controller-Akademie in
Köln“ und der „Arbeitskreis Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftspraxis im Controlling
und Rechnungswesen“. In Österreich existiert seit 1982 das „Österreichische
Controllerinstitut“.

Im Zusammenhang mit der Programmqualität liegt der Schwerpunkt des Controllings auf
einer ergebnisorientierten Ausrichtung der Kontrolle. Primäres Werkzeug ist das
Rechnungswesen sowie die Orientierung an der Rationalitätssicherung. Max Weber prägte
den Begriff der „Rationalitätssicherung“, bzw. „Rationalitätsorientierung“. Hiernach kann

„Rationalität nicht objektiv festgestellt werden […], sondern die Zweck-Mittel-Rationalität muss durch
kritische Prüfung und freiwillige Einigung auf Basis einer idealen Kommunikationsgemeinschaft (ohne
Konsens Anspruch) falsifiziert werden [...].“53

Das bedeutet, dass eine Gemeinschaft keinen Konsens erzielen muss, um eine rationale
Entscheidung treffen zu können. Alle Beteiligten müssen aber freiwillig an der
Entscheidungsfindung teilnehmen. Die Gemeinschaft, in der die Entscheidung kommuniziert
wird, muss zudem ideal sein. Die ideale Kommunikationsgemeinschaft macht sich laut
Habermas Gedanken über eine Entscheidung und ist bereit, zu diesem Zweck an Diskursen
und Entwicklungen teilzunehmen. Sie ist also Innovationen keinesfalls abgeneigt. Der
wichtigste Faktor zum Erreichen einer Programmqualität ist daher Offenheit und
Kommunikation. Das Ergebnis muss am Ende des Prozesses überprüft werden. Zudem findet
die Entscheidungsfindung nach Regeln der Zweck-Mittel-Rationalität statt.

53 Becker, 2005, S. 24
41

Die Zweck-Mittel-Beziehung, oder Relation, wurde von Max Weber und Ernst Gutenberg
beschrieben. Sie entwarfen dazu eine Rationalisierungskonzeption, die heute „traditionelle
Rationalisierungskonzeption“ im Gegensatz zur computergestützen Integration betrieblicher
Planungs-, Steuerungs- und Kontrollfunktionen sowie der Produktionswirtschaft genannt
wird. Dort gilt ein Mensch als rational,

„wenn er in sich logisch kohärente Ziele verfolgt; wenn sich eine logische Kohärenz zwischen Mitteln,
Zielen und den antizipierbaren Folgen der Zielrealisierung nachweisen lässt; wenn die Antizipation der
Handlungsfolgen und nicht intendierten Nebenwirkungen durch empirische Generalisierungen oder Theorien
konfirmiert ist; wenn schließlich der Einsatz der Mittel den angestrebten Zielen – im Sinne von
Effektivitätsforderungen – adäquat ist.“54

Das bedeutet für den Fernsehbereich, dass die eingesetzten Mittel, wie Technik,
Produktionsmittel und Arbeitseinsatz den angestrebten Mitteln, also der angestrebten
Programmqualität, entsprechen müssen. Die Programmqualität wird als Ziel definiert. Dem
Fernsehsender stehen eine bestimmte Anzahl an Mitteln zur Verfügung, um dieses Ziel zu
erreichen. Die Mittel verteilen sich zudem über verschiedene Bereiche und Abteilungen. Die
Bereiche müssen dermaßen zusammen harmonieren, dass der gesamte Einsatz aller Mittel
ausreicht, um das Ziel zu erreichen. Werden die Mittel nicht genügend ausgenutzt, das Ziel
also nicht erreicht, war die Entscheidung über den Einsatz der Mittel nicht rational. Ist der
Aufwand im Verhältnis zum Nutzer, den das Ziel garantiert, zu groß, gilt für die Entscheidung
das gleiche.

Habermas entwickelte ein zweites Modell, um das Zusammenspiel zwischen Konsens und
Rationalität als Grundpfeiler der qualitativen Entscheidungsfindung zu erklären: Die
kommunikative Rationalitätskonzeption. Qualität wird hierbei anhand der Übereinstimmung
aller Betroffenen in ihrer Kommunikation und Argumentation gemessen. Habermas:

„Je besser man die Wahl bestimmter Mittel begründen kann, umso rationaler ist die sich daraus ergebende
Handlung“55

Das Controlling hat dafür zu sorgen, dass den Mitarbeitern die zum Prozess der rationalen
Entscheidungsfindung nötigen Ressourcen zur Verfügung stehen.

Controlling bezeichnet zusammengefasst eine Form der Qualitätssteuerung. Hier ist vor allem
der Hessische Rundfunk, Deutschland, als ein innovatives Beispiel zu nennen. Er hat seit
2001 ein Qualitätsbeurteilungsverfahren im Regelbetrieb eingesetzt, um neben der
Einschaltquote einen zweiten Orientierungsmaßstab zu haben, an dem Qualitätssteuerung mit

54 Vgl. Acham, Karl: „Rationalität: philosophische Beiträge“, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1984. S. 37


55 Vgl. Habermas, Jürgen: „Theorie des kommunikativen Handelns“, Suhrkamp, Frankfurt/M, 1981. S. 38
42

dem Ziel der Weiterentwicklung eigenproduzierter Formate betrieben werden kann. Das
Verfahren besteht aus dem externen und dem internen Monitoring. Hierbei werden
Zielvereinbarungen getroffen, die sich kontinuierlich anpassen lassen.

„Während das externe Monitoring die Meinung der Zuschauer erfragt, holt das interne Monitoring die
professionelle Perspektive der Fernsehmacher ein.“56

Die Abteilung der Medienforschung lässt jeweils ca. 60 Personen rekrutieren. Teilnehmen
können nur Personen, die eine gewisse Nähe zum hr-fernsehen und ein Interesse am Genre
der Testsendung haben. Die Testpersonen bilden demografische und typologische Merkmale
(Medien-Nutzer-Typologie) im Durchschnitt ab.

„Dem rekrutierten Personenkreis werden DVDs beziehungsweise Videokassetten mit jeweils drei Ausgaben
der jeweiligen Testsendung zugesandt sowie ein ausführlicher Fragebogen von ca. 50 bis 70 Seiten Länge.
Der Fragebogen deckt eine weite Spanne von Aspekten ab, die sich auf das konkrete Testmaterial beziehen
[...]. Den Befragungsteilnehmern wird dabei die Gelegenheit gegeben, ihre eigenen Erwartungen jenseits von
vorgefassten Fragen einzubringen. Die Fragestellungen leiten sich weitgehend aus den Vorgaben ab, die in
den Zielvereinbarungen zwischen Redaktionsleitung und Fernsehmanagement festgehalten werden.
Die Formulierung der Zielvorgaben erfolgt auf der Basis eines standardisierten Rasters, das grundlegende
Qualitätsdimensionen für Sendungen des hr-fernsehens benennt, wie zum Beispiel Beitrag zum Profil des
Gesamtprogramms, regionaler Bezug, Gebrauchswert, Einbindung der Zuschauer, formale Umsetzung,
Moderation, Innovationsbeitrag. Die Redaktionsleitung übersetzt diese allgemeinen Kriterien in möglichst
konkret überprüfbare Profilaussagen zu ihrer Sendung. Neben den Zielvorgaben gehen in das externe
Monitoring auch Überlegungen der Redaktion ein, die die Weiterentwicklung der Sendung betreffen. Die
Rücklaufquote für die Fragebogen beläuft sich nach etwa drei Wochen auf ca. 65 bis 85 Prozent, sodass die
Ergebnisse jeweils auf etwa 40 bis 50 Fällen beruhen.“57

Daneben findet sich das interne Monitoring. Es vermittelt Know-how und gibt praktische
Ratschläge von Profis für Profis. Es trägt darüber hinaus zur Akzeptanz des Verfahrens bei
den Fernsehmachern und zur Stärkung der Kommunikationskultur bei. Es ist
bedeutungsvoller als das externe Monitoring, da hier die Sendung für die Zuschauer
entworfen wird.
Das Verfahren ist fest in die obere Fernsehhierarchie eingebunden. Ein ständiger Austausch
zwischen Medienforschung sowie verantwortlicher Redaktionsleitung und
Programmmanagement garantiert die nötige Innovation, da stets Optimierungsmöglichkeiten
der jeweiligen Sendung abgeleitet werden. Sie werden dann mit dem Fernsehdirektor
diskutiert und in die Form verbindlicher Maßnahmen gebracht. Ein halbes Jahr später erfolgt
eine Überprüfung der Fortschritte.
Seit 2007 zieht der HR für seine Qualitätssteuerung auch ähnliche Formate anderer Sender
heran. Somit wird ein Bewertungshorizont erzielt, an dem die Produktionen des HR konkret
gemessen werden.

56 Oehmichen, Ekkehardt; Schneider, Hardy, media perspektiven 1/2008, S. 15 – 23 hier S. 16;


http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/01-2008_Oehmichen.pdf; (4.3.2009)
57 Ebd.
43

Das Verfahren der Qualitätsbeurteilung im Fernsehen wird an anderen Häusern genauso


durchgeführt. Doch der HR ist in manchen Punkten voraus. Die Neuerung ist eigentlich
simpel: die als Basis für das Controlling herangezogenen Fragen sind nicht nur geschlossen,
sondern bieten viel Freiraum für offen formulierte Äußerungen. So sollen die Teilnehmer mit
eigenen Worten näher begründen, ankreuzen und eigene Erwartungen und Maßstäbe
formulieren. Hier wird umgesetzt, was bereits gefordert wurde: die stärkere Einbindung des
Zuschauers. Ihm wird die Möglichkeit der direkten Meinungsäußerung gegeben. Das ist zwar
ein erheblicher, zeitlicher Mehraufwand, bringt aber etliche Vorteile mit sich58:

1. Die offenen Anmerkungen zu allen Sendungen und Einzelbeiträgen, die im Laufe der
Zeit getestet worden sind, lassen Wahrnehmungs- und Beurteilungsmuster der
Rezipienten erkennen, anhand derer sich typische Irritationen bei der Rezeption von
Fernsehinformationsformaten herauskristallisieren.

2. Aufgrund der Ergebnisse kann nicht nur festgestellt werden, ob die Qualitätskriterien
der Fernsehmacher für die Testsendungen aus Sicht des Publikums erfüllt werden,
sondern auch, inwiefern sich die Kriterien beider Gruppen decken. Die Erfahrungen
zeigen, dass die Maßstäbe der Macher und die des Publikums oft weit
auseinandergehen, gerade auch was den Stellenwert und die Bedeutung der
verschiedenen Kriterien angeht.

3. Mit geschlossenen Abfragen lassen sich zwar Defizite identifizieren, aber nicht
ausreichend beschreiben. Zum Beispiel können die Ergebnisse einer geschlossenen
Abfrage darauf hinweisen, dass ein Magazinbeitrag nicht gut verständlich war. Die
Gründe dafür erfährt man nicht. Den offen formulierten Anmerkungen kann man
dagegen zum Beispiel entnehmen, dass der Beitrag bestimmte Informationen
vorenthielt, die man zum vollen Verständnis des Sachverhalts benötigt hätte.
Voraussetzung für die sachgerechte Interpretation der offenen Aussagen ist die
detailorientierte inhaltsanalytische Erfassung der Beurteilungsobjekte.

4. Auf der methodischen Ebene bieten die offen formulierten Anmerkungen Hinweise
darauf, ob die Itemformulierungen funktioniert haben, ob sie überhaupt richtig
verstanden wurden.

58 Vgl. Oehmichen, Ekkehardt; Schneider, Hardy, media perspektiven 1/2008, S. 15 – 23 hier S. 17;
http://www.mediaperspektiven.de/uploads/tx_mppublications/01-2008_Oehmichen.pdf; (4.3.2009)
44

4.3. Personalkostensteuerung und Personal als Qualitätsgarant

Programmqualität kann im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben gesteigert werden. Der


Schlüssel dazu ist der Mitarbeiter. Das Unternehmen hat zu dem Zeitpunkt, an dem der
Mitarbeiter gefragt ist, seine Vorstellungen hinsichtlich technischer und inhaltlicher Qualität
festgelegt und ausreichende Sicherungsmaßnahmen zur Erzielung des Ziels etabliert. In
diesem festen Gerüst kann der Mitarbeiter frei agieren. Er muss jedoch motiviert sein, in einer
bestimmten Zeit Produkte von bester Beschaffenheit herzustellen. Eine Möglichkeit, das zu
erreichen, eine auf die Anforderungen des Unternehmens gezielte Ausbildung und
Weiterbildung der Mitarbeiter, Einsparungen im Personalbereich, während der Einzelne
multimedial arbeitet, bei einer damit einher gehenden adäquaten Entlohnung als zusätzlichen
Motivationsschub.

Verdienst ist zwar eine Ausgabe und damit eine finanzielle Belastung des Unternehmens,
führt
aber beim Mitarbeiter zu erhöhter Motivation. Insbesondere, wenn Verdienstmöglichkeiten
mit erweiterten Kompetenzen einher gehen. Der Angestellte muss dazu nach Faktoren
beurteilt werden können, um feststellen zu können, ob er die Aufstiegschancen verdient und
ob er dem Unternehmen von Nutzen ist. Fernsehen aber ist eine Dienstleistung. Und die
macht eine Beurteilung schwierig. Denn sie wird von Menschen für Menschen gemacht und
lässt sich nicht an äußeren Faktoren objektiv messen. Die Unternehmensleitung kann den
redaktionellen Mitarbeiter nicht ausschließlich an der Anzahl der auf Sendung gebrachten
Berichte beurteilen. Sie kann den Mitarbeiter auch nicht an anderen Faktoren, wie dem
Aufwand oder der Verwendung von besonders viel Technik, beurteilen. Denn manche
Berichte mit weniger Aufwand sind manchmal besser als andere, wenn sie die Botschaft
verständlicher vermitteln. Kurzum: Es handelt sich bei der Dienstleistung um immaterielle
und sich auf dem Vertriebsweg stetig verändernde Produkte. Das liegt primär daran, dass der
Dienst von Seiten der Redaktion über ein Medium zum Nutzer gelangt, der den Dienst
verwenden, ihn anders als gemeint verstehen, oder auf ihn verzichten kann. Man muss sich im
Rahmen dieser Finanzierungsform einem anderen Instrument bedienen: der
Personalkostensteuerung.
45

4.3.1. Personalkostensteuerung

Personalkosten sind alle Kosten, die für den Einsatz von Personal anfallen. Also Löhne und
Gehälter, Zulagen und Zuschläge sowie Personalnebenkosten. Manche sind gesetzlich
vorgeschrieben, wie alle Beitragsleistungen zur Sozialversicherung, Lohn- und
Gehaltsfortzahlungen, Mutterschaftsausgleich und bezahlte Ausfallzeiten für Feiertage.
Andere wiederum sind betrieblich geregelt. Darunter fallen Urlaub, Urlaubsgeld,
Gratifikationen wie Zuwendungen, Weihnachtsgeld oder das dreizehnte Monatsgehalt. Das ist
fast im gesamten Europa so.
Der Bereich der Dienstleistungen ist sehr personalaufwendig. Jeder Mitarbeiter möchte
bezahlt werden. Daher sind die Personalkosten der wichtigste Kostenfaktor des
Gesamtvolumens. Im Interview meinte ein Vertreter des mdr Thüringen:

„Wir haben dadurch, dass wir wenig fest angestellte Mitarbeiter haben, geringere Personalkosten als
vergleichbare Funkhäuser. Nachweislich produzieren wir auch kostengünstiger als andere vergleichbare
ARD-Anstalten.“

Um Personalkosten überprüfen zu können, spielen Effizienz und Effektivität eine große Rolle.
Wie bereits bei der Zweck-Mittel-Rationalität erkannt, muss das Controlling ständig darauf
achten, ob die Ausgaben, also die Gehaltszahlungen, der Effizienz und Effektivität des
Arbeitseinsatzes des einzelnen Mitarbeiters entsprechen. Hinzu kommt, dass Mitarbeiter
ausscheiden oder neu hinzukommen. Zuwachs oder Kündigungen sind starke Faktoren, die
direkt auf das Personal eines Betriebs einwirken. Ihre Auswirkungen sind bei
Tarifsteigerungen, Arbeitszeitverkürzungen, bei der Einflussnahme auf Urlaub und bei der
Dienstbefreiung am deutlichsten zu spüren. Also immer dann, wenn Personal ausfällt. Eine
Möglichkeit, dieses Problem einzuschränken, ist die Beschäftigung von Praktikanten.
Fernsehsender stellen oft nur zwei oder drei Mal im Jahr Praktikanten für einen längeren
Zeitraum ein. Die Anzahl der Praktikanten pro Periode ist konstant. So behält sich das
Unternehmen eine konstante Mitarbeiterzahl bei, obgleich die Mitarbeiter selbst wechseln.
Das Praktikum in der Medienforschung des ORF Wien zum Beispiel beträgt vier Monate.
Verstärkt kommt es zum Einsatz von Praktikanten auch in Zeiten, in denen viele feste
Mitarbeiter ausfallen. So holen sich die Sender kostengünstig Urlaubsvertretungen ins Haus.
Auffällig ist das beim Bayerischen Rundfunk. Immer zu Zeiten, in denen viele Mitarbeiter in
Urlaub sind (Sommer) oder leicht erkranken können (Winter), beschäftigt der Sender
Praktikanten. Praktikant kann auch nur derjenige werden, der die Bewerbung, ein
Vorstellungsgespräch sowie einen Einführungskurs übersteht. Außerdem führen die
Reduzierung von Arbeitszeiten und die Erhöhung von Urlaubsansprüchen zu einer
46

unausweichlichen Erhöhung des Personalaufwandes. Die Veränderung von


Personalanhaltswerten, Einflussfaktoren wie zunehmender Personalmangel führt zu einer
Erweiterung der Unberechenbarkeit von Personalkosten. Während plötzliche
Mitarbeiterausfälle zur Kompensation durch Aushilfskräfte und somit zur Verschiebung des
Problems führen.

4.3.2. Personal als Qualitätsgarant

Die Mitarbeiter, wie weiter oben gesagt, arbeiten motivierter im Betrieb mit, wenn sie
Aussichten auf weitere Kompetenzen und ein steigendes Einkommen haben. Eine höhere
Motivation führt zu einem besseren Arbeitsergebnis, sprich einer höheren Programmqualität.
Das Personal arbeitet aufmerksamer mit und hat Spaß an der Arbeit. Die Verantwortung
sowie die Kompetenzübertragung stellt daher eine wichtige Rolle des Organisationsaufbaus
und -ablaufs dar. Hierzu müssen Schnittstellen im Betriebsablauf sowie die Verantwortlichen
bekannt sein und über die notwendige Akzeptanz und Autorität in bestehenden Strukturen und
Hierarchien verfügen. Doch nichts ist umsonst. Und so müssen die Mitarbeiter Ausbildungen
vorweisen und Fortbildungen abschließen. Das garantiert, dass sie zum Unternehmensprofil
passen und sich an die erforderte Qualität und Leistung anpassen können.
Ebenso wichtig sind Fluktuation und Organisationsstruktur. Letztere klärt die
Entscheidungskompetenzen und übertragenen Verantwortungen.

„Je klarer hier Kompetenzen geregelt werden, um so bedeutender wird die Rolle der Organisationsstruktur im
Rahmen der Qualitätsdefinition.“59

Wird der Mitarbeiter nicht gefördert, kann es sein, dass er das Unternehmen verlässt. Daher
ist ein hoher Fluktuationsgrad ein eindeutiges Indiz für Unzufriedenheit und somit für
erhebliche Mängel in der Qualitätsstruktur. Andersherum ist eine Stagnation ein Garant dafür,
dass sich das Unternehmen gegenüber neuen Ideen und kreativen Innovationen verschließt.
Die Gradwanderungen zwischen beidem ist schwierig. Die Motivation der Mitarbeiter lässt
sich nur schwer feststellen. Um das Risiko zu vermindern und feststellen zu können, wie hoch
die Bereitschaft bei den Mitarbeitern ist, das Unternehmen zu verlassen, werden
Mitarbeiterbefragungen durchgeführt. Der gesamte Prozess ist jedoch kostenaufwendig.

Bevor man die Gradwanderung zwischen Abwanderung und Überforderung versucht, lassen

59 Bien, Dieter: „Personalkostensteuerung. Rahmenbedingungen, Instrumente, Umsetzungsstrategien“,


Baumann Fachzeitschriften Verlag, Kulmbach, 1998. S. 46
47

viele Fernsehsender gewisse Berufsfelder und Aufgaben von Tochter- oder externen Firmen
durchführen. Sie übergeben die Verantwortung und Überprüfung an andere Firmen.

Folge solchen Outsourcings wäre ein Personal, das aufmerksamer mitarbeitet und Spaß an der
Arbeit hat. Mitarbeiter, die lange im Unternehmen verweilen und gut ausgebildet sind,
können die Qualität steigern, denn sie haben gelernt, worauf es ankommt. Im Outsourcing gilt
es daher, bestehende Arbeitskräfte zu erhalten, sie aber soweit zu spezialisieren, dass
Arbeitsprozesse effektiver gestaltet werden können.
Daneben gibt es noch andere Möglichkeiten der Effizienzsteigerung. Eine bessere Auswahl
bei der Einstellung würde die Auslagerung gewisser Berufsfelder und Aufgaben auf Tochter-
oder externe Firmen nicht aufheben, aber vermindern. Ebenso ratsam wären intensive
Probezeiten in mehreren redaktionellen Bereichen. Durch eine Selektion unter diesen
Gesichtspunkten der Qualität würde mehr räumlicher Platz in der Redaktion geschaffen und
inflexible Arbeitsstrukturen und Blockaden der Mitarbeiter umgangen werden. Zudem würde
eine Gehaltserhöhung starre Tarifverträge eine Zeit lang unnötig machen. Außerdem dürfen
sich die Sender nicht länger dem Nachwuchs durch Einstellungsstops versperren. Denn
dadurch nehmen sie sich das Potential, Nachwuchs ins Unternehmen zu bekommen und durch
diesen Nachwuchs neue Ideen zu organisatorischen Abläufen und Innovationen in der
Verarbeitung von Informationen hin zum Content. Von daher können die derzeitigen
Einstellungsstops bei vielen Sendern nicht durchgehend als gute Idee bezeichnet werden.

4.3.3. Multimedialität – Voraussetzung von morgen

Weiterbildungen der Mitarbeiter tendieren derzeit jedoch eher zur Generalisierung anstatt zu
Spezialisierungen. Ursache ist die Multimedialität. Die Richtung tendiert zum multimedialen
Redakteur, der gleichzeitig mehrere Medienbereiche abdeckt. Gerade der Einfluss des
Internets auf das Fernsehen ist ein gutes Beispiel für multimediales Arbeiten. Es geht um die
gegenseitige Beeinflussung der trimedialen Ressourcen: Internet, Hörfunk und Fernsehen.
Ebenso könnte man von einer „trimedialen Kooperation“ innerhalb der einzelnen
Rundfunkanstalten sprechen. Diese Zusammenarbeit ist nicht in gesamt Europa ausgeprägt.

Trotzdem ist ein Bestreben danach an allen Orten zu spüren. So etwa, wenn ehemals getrennte
Bereiche in ein Haus (siehe ORF Wien, Österreich), unter eine gemeinsame Verwaltung (siehe
48

RTE/TG4, Irland) oder in ein Großraum-Büro (siehe BR Nürnberg, Deutschland) verlegt


werden sollen. Es ergeben sich dabei viele Vorteile.
Zum Beispiel vermeidet eine

„konsequent medienübergreifende Planung und Koordination, [...] Doppelrecherchen und doppelte Planung,
verbessert den Informationsfluss zwischen den Redaktionen. Die Redaktionssysteme werden durchlässiger.
Die Entscheidung, was gesendet wird und wie die Informationen aufbereitet werden, trifft jedoch weiterhin
die zuständige Redaktion.“60

Die Redaktionen des MDR Landesfunkhauses Thüringen zum Beispiel arbeiten trimedial.
Trimediale Arbeit kann sich zum einen auf den Inhalt beziehen. Das Nachrichtenmagazin
„Thüringen Journal“ des Erfurter Regionalstudios des mdr verweisen zum Beispiel auf das
Programm der Hörfunkkollegen in ihren Beiträgen und Meldungen. Umgekehrt ebenso. Das
Journal verweist auch auf den Online-Bereich innerhalb der „Hundert Sekunden“. In diesen
100 Sekunden werden drei Themen des online-Contents in Kurzfilmen vorgestellt. Umgekehrt
verweist mdr online ebenfalls auf das „Thüringen Journal“.
Das Wetter des Thüringen Journals gleichzeitig zum Wetterbericht auch auf Veranstaltungen
oder gibt einen Reisetipp in die Region. So erhält der Wetterbericht einen zusätzlichen
Servicecharakter.

„Wir achten darauf, dass in unserer Sendung alle Regionen gleichmäßig vorkommen. Das ist auch ein Prinzip
bei der Themenvergabe.“

Werner Lauff, Geschäftsführer der Bertelsmann Broadband Group, spricht im Zusammenhang


mit der Multimedialität vom „Century C“ . Er versteht darunter sieben Faktoren, die im
61

Englischen mit dem Buchstaben C beginnen und sich innerhalb des 21. Jahrhunderts in
besonderer Form auf die Medienlandschaft auswirken werden.
1. Connectivity
2. Communication
3. Convenience
4. Communities
5. Customization
6. (e-)Commerce
7. Convergence

Lauff sieht Auswirkungen vor allem im Bereich des Contents. Es geht für ihn um „Content
und Kontext im Century C“, also um die Nutzung von Inhalten, ihr Aussehen und die

60 Binder, Reinhart, „ARD Jahrbuch 08“, S. 59


61 Vgl. Lauff, Werner, FERNSEH- UND KINO-TECHNIK , S. 590 – 594
49

Produktion. Er schreibt:

„Die Endgeräte, die Inhalte zu uns bringen, werden anders sein, sowie die Orte, an denen wir sie nutzen, und
das Publizieren von Inhalten selbst wird sich ändern.“62

Multimedialität macht Umstellungen notwendig. Interessanterweise gehen damit auch


Entwicklungen von Formaten einher. Dabei geht es zunächst nicht um neuen Inhalt, sondern
um einen neuen Kontext bereits bekannter Formate. Es geht also nicht darum, auf welche
Weise Inhalt zum Zweck der Aufbereitung und Attraktivität multimedial verbunden werden
kann. Es geht zunächst darum, altbewährte Sendeformate zu erweitern. So könnte in eine
Reportage Material aus dem Online-Bereich eingespielt werden, das ein Mitarbeiter oder
sogar ein Online-User mit dem Handy aufgenommen hat. Das ist für Fernsehanbieter und
gerade für öffentlich-rechtliche Sender eine enorme Herausforderung. Für sie heißt es, recht
starre Formate, wie die tagesaktuelle Berichterstattung, spannend und live zu präsentieren.
Und darüber hinaus müssen sie aktiv an der Umgestaltung der Medienwelt teilhaben, um
nicht Marktanteile zu verlieren. Ein Werkzeug ist die Übernahme amerikanischer Formate als
Vorlage. Dazu aber später.

Im Sinne der Multimedialität hat das Radio Berlin-Brandenburg (RBB) beispielsweise bereits
Hörfunk, Fernsehen und Internet unter einem Dach vereint. Auch in Bremen und Stuttgart
sieht man das sehr deutlich an eigens dafür geschaffenen Neubauten. So auch ab 2013 beim
ORF Wien. 26 Standorte sollen in einem Haus vereint werden. Im Saarländischen Rundfunk
(SR) und im Radio Bremen (RB)hat man eine zentrale Nachrichten- und Rechercheredaktion
entwickelt. Das geht aber nur so lange uneingeschränkt, bis größere Ereignisse den Einsatz
mehrerer Teams sinnvoll oder erforderlich machen. Die Zusammenarbeit der Medien muss
gesteuert werden. Hier weist der RBB eine interessante Entwicklung auf: Er unterliegt seit 1.
Mai 2008 der Funktion der neu geschaffenen Direktion „Recht und
Unternehmensentwicklung“ als Vordenker, Ideengeber und Unterstützer aller Bereiche des
Hauses.

„Die im Haus vorhandene Kreativität soll auf diese Weise über vorhandene Strukturen und Hierarchien
hinweg nutzbar gemacht werden. Und umgekehrt sollen die Informationen über alle relevanten
Entwicklungen besser zugänglich und die Bereiche untereinander optimal vernetzt werden.“

Die neue Direktion soll die Programmbereiche von bestimmten strategischen, administrativen
und organisatorischen Aufgaben entlasten, die im Tagesgeschäft nicht in der

62 Vgl. Lauff, FERNSEH- UND KINO-TECHNIK , S. 590 – 594, hier S. 590


50

wünschenswerten Intensität wahrgenommen werden können. Das ist Neuland in der ARD.
Wobei die ARD durchaus erreichen will, dass nur noch eine Redaktion den jeweiligen Inhalt
für alle infrage kommenden Medien und Ausspielwege aufbereitet.

„Die [...] erforderliche Öffnung des Horizonts über das klassische Sendeplatz- und Wellendenken hinaus ist,
so die These, innerhalb einer offeneren Struktur leichter herstellbar.“ 63

Es bleibt schließlich den Sendern überlassen, ob für sie Technik oder Personal entscheidender
ist. Fest steht nur, dass sich qualitatives Fernsehen auch ohne große technische Neuerungen
erzielen lässt. Es geht eher um einen ansprechenderen, interaktiveren Content. Es gilt, sich als
öffentlich-rechtlicher Sender dem Programmauftrag und der Programmqualität wieder zu
entsinnen und sich stärker denn je vom Privatfernsehen und dem Pay-TV zu distanzieren.

5. AMERIKANISIERUNG – BEEINFLUSSUNG DES QUALITATIVEN


FERNSEHENS

Die Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Anstalten, die bisher für besonders qualitativ
galten, orientieren sich immer stärker am Beispiel Amerikas. Die Amerikanisierung schafft
zunächst Vorteile. Zu nennen sind ein übersichtliches Redaktionssystem (News Desk) und der
Zugang zu interessanten Programmformaten gerade im Unterhaltungsbereich. Doch sie bringt
auch das Fernsehen ab von seinem Weg zu einer europäischen kulturellen Ausrichtung und
den individuellen, innovativen Programmen. Stattdessen etabliert sich vom
Unterhaltungsfernsehen über das Informationsfernsehen bis hin in den Nachrichtenbereich ein
Schablonen-Schema. Der Sieger im Informationsfernsehen scheint der zu sein, der es am
besten umsetzen kann.

Dabei sollte eine europäische Kultur - auch im Fernsehen - geschützt werden, da sie in ihrer
heutigen Form mit ihren rund 65 Jahren noch jung ist und gegen starke äußere Einflüsse noch
keinen Bestand hat. Sie muss es zunächst schaffen, aus ihrer Heterogenität vieler
Kulturtraditionen etwas Einheitliches zu machen. Beispiele aus den letzten Jahren, die
bezeugen, dass Europa dieses Problem derzeit angeht, sind das Schengener Abkommen, der
Europäische Wirtschaftspakt und die Erstarkung des Europäischen Parlaments. Das
Großartige an der europäischen Kultur ist doch, dass die Union zu etwas Einheitlichem
werden will. Aber das nicht auf Kosten der nationalen Identitäten der Mitgliedsstaaten. So ist
es in den Vereinigten Staaten passiert, bei denen die Kultur dem Einheitsgedanken zum Opfer

63 Binder, 2008, S. 61
51

gefallen ist. Es ist gefährlich, durch eine unüberlegte Adaption amerikanischer Einflüsse diese
gewachsenen Kommunikationsräume in Europa ökonomischen Planifizierungsstrategien zu
überlassen.

„Bei der einhellig konstatierten Schwäche der europäischen Programmproduktionsindustrie stehen damit
wirtschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse zu erwarten, die sich angesichts des zunehmenden Bedarfs an
Fernsehprogrammen noch steigern werden. Als Folge der wirtschaftlichen Abhängigkeit muß man nicht
zuletzt einen Verlust kultureller europäischer Identität befürchten“ 64,

sagt Winand Gellner, Professor für Sozialwissenschaften an der Universität Passau (Bayern).
Er fordert gleichzeitig einen „freien“ Markt für ein „freies“ Fernsehen.
Begonnen hat die Arbeit an einem europäischen Standard mit dem Europa-TV der öffentlich-
rechtlichen Anstalten und ihrem „pan-europäischen“ Fernsehen. Doch das Konzept scheiterte
an fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten. Seitdem gilt es umso mehr, Koproduktion und
europäischen Standard zu fördern. Denn diesen gibt es trotz Bemühungen von Seiten der EBU
nicht. Entscheidend sind hier Richtlinien und Finanzierung, die Koproduktionen und
Kooperationen ermöglichen.

Ohne den Konsens darüber, was europäisches Fernsehen vermitteln soll und für welche Werte
es steht, hatte die Kommerzialisierung des Fernsehens nahezu freie
Entwicklungsmöglichkeiten. Das führte zu einer Erhöhung des Fernsehkonsums und über
diesen Weg zu besseren Absatzchancen. Ganz nach amerikanischem Vorbild.
Die amerikanische Programmplanung geht nach folgender Maxime vor:

„If all television programmers are compelled to cater to the same mass audience, it is impossible, or at least
imprudent, for one channel to offer content of a type that is systematically different from the channels with
which it competes.“65

Neue europäische Publikumsschichten lassen sich nicht mehr so einfach ansprechen, wie noch
vor ein paar Jahren. Das Publikum alternativer, innovativer Programme ist sehr heterogen und
fragmentiert. Dazu kommt, dass alternative Programme Geld kosten. Bei einem heterogenen
Programm, das versucht, möglichst alle Zielgruppen zu erfassen, fällt die
Zuschaueridentifikation immer schwerer. Dahin führt aber der momentane Trend. Stetig
individuellere Programmanforderungen seitens des Nutzers machen es den Regionalsendern
bei der Programmgestaltung schwierig. Hinzu kommt die zunehmende Kanaluntreue, die sich
seit der Orientierung an amerikanischen Formatvorlagen im europäischen Fernsehen
eingeschlichen hat. Davon geht zum Beispiel James G. Webster, Professor für Massen-,

64 Gellner, Winand [Hg.]: „Europäisches Fernsehen – American-Blend? Fernsehmedien zwischen


Amerikanisieung und Eruopäisierung“, VISTAS Verlag, Berlin, 1989. S. 17
65 Webster, James G.: „Audience Behavior in the New Media Environment“, in: Journal of Communication 36,
1986/3, S. 79
52

Telekommunikation, und Psychologie an der Indiana University in Bloomington (USA), aus.


Er hat zu dieser Problematik empirische Studien durchgeführt.66 Die Kanaltreue ist aber eine
wichtige Voraussetzung für die Programmplanung. Nur so lässt sich Zuschauerverhalten über
längeren Zeitraum messen und darauf reagieren. Denn das Massenpublikum ist einseitig
unterhaltungsorientiert und hat feste Programmpräferenzen. Fehlt es an Kanaltreue, bekommt
die Programmplanung Schwierigkeiten, den Geschmack des Publikums zu bedienen. Gellner
definiert hierzu den Begriff des „duplication-of-viewer-laws“ : 67

„A special inheritance effect for programs scheduled adjacent to one another on the same day on the same
network or channel goes beyond the duplicated audience for programs broadcast on different days on the
same channel.“68

Auf der anderen Seite dienen die USA als außerordentliches Beispiel für den Vorteil eines
homogenen Marktes. Dort trafen schon immer Einwanderer ursprünglichster Herkunft
aufeinander. Im so genannten „melting pot“ wurden kulturelle Disparitäten überwunden und
es entwickelte sich eine homogene Nationalität und Kultur. In Europa hingegen bestand bis
nach dem Zweiten Weltkrieg kein Bestreben nach einem einheitlichen Europa. Zwar gab es
wiederholt größere Staatengebilde, die einer Europäischen Union nahe kamen. So etwa das
heilig-römische Reich deutscher Nation oder das Reich unter Napoléon sowie noch früher das
römische Imperium. Doch wurde in diesen Fällen eine Kultur vielen anderen aufoktruiert.
In den Vereinigten Staaten schafften es Menschen mit unterschiedlichen Werten, Religionen
und Kulturen nebeneinander im Dialog zu leben. So konnten später nicht nur Inhalte, sondern
auch große wirtschaftliche und politische Projekte geschaffen werden. Europa kann an diesem
Land sehen, welche Vorteile eine internationale Kooperation und Verschmelzung haben kann.
Das ebenso auf dem audiovisuellen Sektor. Europa geht ja seit einigen Jahren mit Hilfe breit
angelegter Integrationsprogramme in eine ähnliche Richtung. Seitdem sich in Europa und den
USA zwei nahezu gleich starke Handelspartner gegenüber stehen, kommt es zu gewaltigen
Transaktionen zwischen den Kontinenten.69 Deren gegenseitige Interdependenz zeigt sich
momentan in der aktuellen Wirtschaftskrise.
Die Interdependenz zeigt sich ebenso beim Fernseh- und Filmmarkt. Begünstigt wird der
Transfer hier vorwiegend durch einen großen, einsprachigen Markt mit großer
Finanzierungskraft zwischen den USA und den englischen Gebieten, sprich dem
Commonwealth. Die Verbindung zwischen den USA und dem europäischen Festland dagegen

66 Vgl. Webster,1986/3, S. 79
67 Ebd., S. 31
68 Ksobiech, Kenneth J., Tiedge, James T.: „The 'Lead-In' Strategy for Prime-Time TV: Does It Increase the
Audience?“, in: Journal of Communication 36,3, 1986, S. 52
69 Vgl. Ludes, Peter: „'Amerikanisierung', 'Kommerzialisierung' oder 'Modernisierung' der Fernsehmedien in
der Bundesrepublik Deutschland?“, in: Gellner, Winand,1989. S. 38 – 48
53

ist schwieriger, da hier ein unterschiedliches Verständnis von der Rolle der audiovisuellen
Medien, insbesondere des Fernsehens, vorliegt. Dies ist der Grund für die amerikanische
Beeinflussung, von der so eben die Rede war.

Für die europäischen Regionalsender des öffentlich-rechtlichen Bereichs bringt die


Amerikanisierung jedoch in erster Linie oben angeführte Nachteile mit sich.70 Ein
Massenmedium kann in seiner Wortbedeutung schon nicht primär für Minderheiten da sein.
Das aber wäre die Folge des individualisierten Programmangebots. Irgendwo hat Georg
Kofler recht, wenn er in einer seiner Publikationen schreibt:

„[Die Übernahme amerikanischer Formate] hat nichts mit Volksverdummung und schon gar nicht mit dem
Untergang des Abendlandes zu tun, den professionelle Kulturpessimisten geradezu genießerisch zu
prophezeien pflegen.“71

Dennoch sollte gute Film- und Fernsehunterhaltung Menschen, Gesichter, Emotionen und
Dramatik zeigen. Was für Deutschland gilt, gilt in gewisser Weise auch für Europa: Es ist der
Kontinent der Dichter und Denker. Europäisches Fernsehen sollte danach gestaltet werden. Es
sollte nicht nur Einzelschicksale darstellen, sondern soziales Umfeld. Statt Emotionen, die
oberflächlich musikalisch untermalt werden – und das sogar schon in den Nachrichten der
Privatsender – sollten rationale Erklärungen und offene soziale Probleme geäußert und
angesprochen werden.
Es sollte neben den bereits geforderten Institutionen ein Netzwerk aller am europäischen
Fernsehen Beteiligten geschaffen werden, das für einen gegenseitigen Austausch und
gegenseitige Hilfeleistung sorgt. Es sollte das Potential des einen allen anderen zur Verfügung
stellen. Und es sollte sich durch Vertreter unterschiedlichster Gesellschaftsschichten mit
europäischer Identität sowie neuen einheitlichen Werten und Normen beschäftigen. Das gilt
nicht nur für den Nachrichtenbereich, sondern für alle Programmbereiche.

70 Vgl. Kofler, Georg: „Allenthalben wird noch ein Toter am Wegesrand zu finden sein? Komponenten und
Entwicklungen des audiovisuellen Programmgeschäftes in der Bundesrepublik Deutschland und Europa“, in:
Gellner, Winand,,1989. S. 53 - 65
71 Ebd., S. 53 - 65
54

6. EXKURS: TECHNISCHE QUALITÄT ALS BASIS VON BILD-


U UND TONQUALITÄT

Neben Public Value-Test und der Debatte um die Finanzierung und Originalität im Programm
gilt es ferner, sich zu überlegen, inwieweit die Nutzung der Endgeräte zu verbessern wäre.
Auch das wirkt sich auf die Herstellung und Übertragung des Content' aus.

„Wenn die Statistiken annähernd stimmen, so bringen die Menschen in den reichen Industrieländern das
Kunststück fertig, nicht nur dem neuen Medium Internet mit stupenden Wachstumsraten an Nutzungszeit in
ihrem Alltag Platz zu schaffen, sondern sie können gleichzeitig auch ihren Fernsehkonsum erhöhen. Dass
insgesamt die Lesezeit abnimmt, erklärt das Phänomen nicht, denn die Gruppe der Heavy User legt in allen
Kategorien zu. Wer hingegen notorisch nicht liest, nutzt auch die neuen Medien nicht. Die in der
Wissenschaft seit mehr als einem halben Jahrhundert diskutierte These, wonach neu hinzukommende
Kommunikationsmittel die Wissenskluft zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Milieus verbreitern,
erhält damit eine gesteigerte Dringlichkeit.“72

6.1. IP-TV – Fernsehen geht online

Welchen Weg man auch für die Lieferung von Content zum Konsumenten im Fernsehbereich
einschlägt, sei es Internet Protokoll (IP), Satellit, Kabel oder auch ein Art, die erst noch
entwickelt werden muss, Qualität stand und wird immer im Vordergrund stehen. Zumindest,
wenn es die Übertragung über das Fernsehgerät betrifft. Einige Verfahren haben dazu
beigetragen, die Qualität auf dem Weg der Übertragung vom Sender zum Nutzer zu
verbessern. Die Übertragung von Internet Protocol Television (IPTV) zum Beispiel
ermöglicht einen höheren Nutzwert für den Zuschauer. Das Internet wird auf diesem Weg
engster Verbündeter.

„Nur dem, der hochgradig beweglich und flink ist, wird es gelingen, im schnell drehenden Internet-Zeitalter
die Balance zu halten. Kooperationen unterschiedlichster Unternehmen, die fallweise ein bestimmtes Projekt
ausführen, gehören schon seit geraumer Zeit zum Wirtschaftsleben. Die Web-Technik aber erhebt sie zur
Selbstverständlichkeit, zu einer das Alltagsgeschäft bestimmenden Größe.“ 73

Im Wesentlichen ist IP-TV eine eingeschränkte Version der traditionellen


Fernsehübertragung. Sie funktioniert über das Internet und über so genannte IP-Netze. IP-
Netze, als leistungsfähigere Kontributions- und Distributionsnetze zur Verteilung von Audio
und Video, werden in letzter Zeit aufgrund der Vielfalt des zu übertragenden
Fernsehprogramms und den steigenden Qualitätsansprüchen des Durchschnitts-Zuschauers
notwendig.

72 Meier, Urs: „Television in später Blüte. Vor seinem Untergang schlägt das Programmfernsehen alle
Rekorde“, Medienheft, 15.6.2005; http://www.medienheft.ch/dossier/archiv/uebersicht_23.html (29.6.2009)
73 Henke, M.: „Media-Asset-Management: Die neue Zauberformel“, in: FERNSEH- UND KINO-TECHNIK –
54. Jahrgang – Nr. 8-9/2000, S. 486 – 492 hier S. 487
55

Dass der Zuschauer hohe Ansprüche hat, lässt sich durch die eigene Reaktion darauf
feststellen, wenn es zu einer technischen Störung bei der Fernsehübertragung kommt.
Fernsehen ist nach wie vor ein Informationsmedium, wird aber immer stärker als
Unterhaltungsmedium genutzt. Das wird bei einem Blick in die Programmzeitungen deutlich.
Im Allgemeinen werden die Informationssendungen ins Nachtprogramm verschoben --- gerade
bei ZDF und arte. Bereits einige Monate nach Kinostart eines Films --- im Internet sogar ein
paar Tage danach --- kann der Zuschauer diesen Film bequem daheim anschauen. Und das in
einer zunehmenden Bild- und Tonqualität.
Dass der Zuschauer verwöhnt wird und in Folge dessen noch mehr Qualität fordert, versteht
sich von selbst. Auch die Qualitätsansprüche der Programmanbieter steigen durch die
Möglichkeiten der bandlosen und digitalen Produktionstechniken. IP-Netze ermöglichen eine
immer schnellere und fehlerfreie (ohne Bildartefakte) Übermittlung von Bild und Ton. Das
neue Übertragungsnetz „Broadcast NGN“ (Next Generation Network) führt in diesem
Bereich seit April 2008 Media Broadcast IP- und Rundfunktechnik zusammen. Dadurch
lassen sich Datenraten von bis zu zehn GBit/s und HDTV in Echtzeit mit IP-MPLS-(„Multi
Protocol Label Switching“-)Funktionalitäten realisieren.

„Mittels MPLS [...] können virtuelle Pfade durch ein IP-Netz geschaltet werden. Das Grundprinzip dieser
Technologie kann aber auch auf optische Transportnetze übertragen werden. Hier werden jedoch keine
virtuellen, sondern reale Verbindungen, sogenannte 'Lightpaths' oder 'Tunnel' durch das Netz erstellt.“ 74

Die Grundlage für die Entstehung der IP-Netze war das digitale Archiv. Bildmaterial konnte
so problemlos in die digitale Fernsehproduktion aufgenommen werden. Ein anderer Grund
war die Situation auf dem Fernsehmarkt. Um sich bei der Vielfalt von Programmen behaupten
zu können, wurden Live-Übertragungen immer entscheidender, die ebenfalls höhere
Ansprüche an die Bandbreiten- und Serviceanforderungen in Kontributions- und
Distributionsnetzen erforderten.
Unkomprimierte HDTV-Fernsehbilder bedürfen zum Beispiel in Kontributionsnetzen eine
Datenrate von 1,5 GBit/s bei Direktübertragungen. Selbst wenn nicht live übertragen wird,
müssen Qualitätsverluste bei der Ton- und Bildausgabe kategorisch ausgeschlossen werden.
Wenn aber weiterhin das analoge System verwendet werden würde, würde das Fernsehen von
der Übertragungsgeschwindigkeit nicht mit dem Internet mithalten können. Und durch die
Videobänder anstelle des digitalen Materials würde gelagertes Material mit der Zeit an
Qualität verlieren.

Heute müssen IP-Verteilnetze nicht nur diese Anforderungsprofile bewältigen. Sie müssen

74 Siemens Österreich: „Stichwort: Generalized Multi Protocol Label Switching“,


http://www.pse.siemens.at/apps/sis/ge/pseinternet.nsf/CD_Index?
OpenFrameset&Bookmark&/0/PKD2F1C51600ED0E1FC1256CA90033E36B (26.6.2009)
56

auch die Integration von Verbreitungsplattformen wie des Internets mit seinen Diensten sowie
das Bereitstellen von interaktiven Möglichkeiten für die Zuschauer bewerkstelligen. Von
besonderem Gewicht ist die Akzeptanz der Zuschauer. Diese sind aber nur dann von der
höheren Bandbreite im Verteilnetz überzeugt, wenn eine dritte Säule steht: höchste
Verfügbarkeit der kompletten Verbindung rund um die Uhr. Das erfordert weitere
Netzwerkkomponenten und -systeme entlang der Verkehrsstrecke, gegebenenfalls
einschließlich der Produktions- und Kommunikationsserver in den „Inhouse“-Netzen der
Programmanbieter und Produktionsfirmen. Doch das Internet birgt auch eine Gefahr in sich:

„Die klassische Aufgabe, gegen Geld Nachrichten zu übermitteln, verliert dramatisch an Bedeutung.
Nachrichten gibt es im Netz unbegrenzt, aktuell, kostenlos - und jetzt auch mobil.“75

Vor allem Anbieter wie YouTube, aber auch Plattformen wie Facebook oder MySpace, auf
denen ungeschützt Nachrichten innerhalb von Minuten übertragen werden können, stellen
zum herkömmlichen Fernsehen eine ernst zu nehmende Konkurrenz dar. Nicht nur, dass die
Akzeptanz der Nutzer gegenüber schlechterer Qualität steigt, sofern der Content einfach und
schnell zu empfangen ist. Es geht auch um die Seriosität des Inhalts. Einer der bekanntestes
Fälle war die Flugzeug-Notlandung auf dem Hudson River am 16. Jänner 2009, die auch als
„Wunder von New York“ bekannt wurde. Keine 30 Minuten nach dem Vorfall gab es die
ersten kommentierten Videos im Internet von privater Seite aus zu sehen. Noch bevor ein
Rettungsdienst oder Journalist am Unglücksort waren. Hinzu kommt das Bestreben der
werbetreibenden Industrie zu sparen. Auch die Redaktionen beginnen, an Redakteuren,
Teams und Equipment zu sparen. Den Sendern --- vor allem den Privaten --- fehlen dann die
Gelder und es kommt zur Verlagerung des Content' ins Internet.

„Bestenfalls um ein Prozent wird der Fernsehwerbemarkt in diesem Jahr zulegen, inklusive Inflationsrate
bleibt ein Minus. Wenn sich jetzt auch noch das Internet anschickt, das Volk neu und anders zu unterhalten,
wohin werden dann im Abschwung die Werbemilliarden fließen? Steht dem Fernsehen dann bevor, was die
Zeitungen im vergangenen Abschwung erlebt haben? Ganze Geschäftsfelder brachen ein und verschwanden
im Internet. Auswege sind dringend gesucht“76,

diagnostizierte „Die Zeit“ Mitte 2008. Die Schnelllebigkeit, entfesselt durch das Internet,
wirkt sich zulasten der TV-Zeit aus. Wie bereits festgestellt wurde, verlangt der
Durchschnitts-Nutzer individuell zugeschnittene Produkte. Wäre es anders, hätten vor allem
die Pay-TV und Video on Demand-Dienste ausgedient. Das Fernsehen ist auf dem Weg, sich
mit dem Internet zu verbinden. Während die neusten Fernseher bis hin zur Spielkonsole
„Wii“ einen eingebauten Internetzugang besitzen, machen spezielle Set-Top-Boxen ältere
TV-Geräte webtauglich und über Breitbandleitung sowie Kompressionsformate zur
Videothek. Betrachtet man digitale Videorecorder, wie „Tivo“ und „Replay“, fällt einem das

75 Henke, M., FERNSEH- UND KINO-TECHNIK, S. 486 – 492 hier S. 487


76 Marohn, Anna/Rohwetter, Marcus: „Das große Flimmern“, in: Die Zeit, 28.08.2008 Nr. 36.
http://www.zeit.de/2008/36/TVZukunft, (2.3.2009)
57

auf.
Sie schaffen eine direkte Verbindung zwischen Zuschauer und Veranstalter. Sie überspringen
Werbung und schaffen damit Konkurrenz zu den Free-TV-Sendern. Sie lassen den Zuschauer
bestimmen, welchen Inhalt er schauen will. Neue Netzwerk-Technologien machen das
Fernsehkabel weltweit multimediafähig und verwandeln Schmalband-Telefonnetze in
Breitband-DSL-Netze. Dank schnellster Übertragung auch großer Daten wird es möglich,
bildschirmfüllende Videos in Echtzeit Punkt-zu-Punkt zum PC und zum Fernseher zu
transportieren. Die Angebote, Filme kostenlos im Netz über Fernseher zu schauen, sind
zahlreich. Es gibt sogar schon Online-Recorder, die einen bequem mehrere Sendungen
aufnehmen und dann gemütlich daheim runterladen lassen. So verpasst der Nutzer keine
Sendung mehr und kann zur gleichen Zeit mehrere Programme anschauen.

„Das Angebot ist für jeden maßgeschneidert, denn man ist gewissermaßen sein eigener Programmdirektor.
Und was man haben will, bekommt man sofort.“77

Die Internetverbindung, die nie getrennt werden muss, verbindet Menschen und lässt sich
Nachrichten untereinander bequem austauschen.

„Und während man Star Wars schaut, kann man im ‘Star Wars’-Chat seine Kommentare abgeben, die Regie
kritisieren, Raumschiff-Modelle tauschen oder was auch immer.“78

Was im Fernsehen angeboten wird, kann zeitgleich über Internet nachgelesen oder bestellt
werden. So bietet die Koch-Sendung, „Das perfekte Dinner“, alle in der Sendung
präsentierten Rezepte im Internet an. Es lassen sich Kochbücher bestellen bis hin zum
passenden Geschirr und Tipps für die Dekoration. Selbst Nachrichtensendungen verkaufen
Autogrammkarten ihrer Moderatoren, verlosen Handys und andere Gewinne.
Neuerdings bietet das Online-Versandhaus amazon einen on Demand-Dienst an, den man
über
bestimmte Fernseher mit Internet-Zugang erreichen kann. Eine Studie von Bertelsmann ergab
jedoch, dass die „Killer-Applikation“ der Zukunft nicht Video-on-Demand sei, sondern die
Kombination von Information, Kommunikation, Unterhaltung, Bildung und E-Commerce im
selben Medium. Feststehe, dass der Service des Internets mit der Unterhaltungsfunktion des
Fernsehens zu einem neuen Medium kombiniert werde.

„Ein Medium, das wie Fernsehen aussieht, aber wie das Internet funktioniert.“ 79

„Ein Anbieter hat damit die Möglichkeit, Zuschauer zu akkumulieren; er erreicht sie einmal im Free-TV [...].
Aber dort erreicht er nur die, die gerade diese Sendung sehen. Und der Treueverlust ist hoch. Im ergänzenden

77 Vgl. Lauff, Werner: „Fernsehen und Internet. Überlegungen zur Konvergenz und Konkurrenz“, in:
FERNSEH- UND KINOTECHNIK – 54. Jahrgang – Nr. 10/2000. S. 590 – 594, hier S. 592
78 Vgl. Ebd., S. 594
79 Vgl. Ebd.
58

interaktiven Fernsehen ist indessen der Zuschauer genau dann zu erreichen, wenn er gerade ein besonderes
Interesse an diesem Videoclip hat.“80

Für das Fernsehen bedeutet das, in Konkurrenz zur Schnelllebigkeit nicht länger bi- (Fernsehen,
Radio) oder trimedial (Fernsehen, Radio, Internet) wirken zu müssen, sondern quatro-medial
(eigene Wortschöpfung: Fernsehen, Radio, Internet, anderes Medium wie Bücher). Quatro-medial
ist beispielsweise der SWR unterwegs. Er hat ein Programm namens „Lesen im SWR-Land“81, bei
dem gebührenpflichtig Buchbesprechungen und Lesehinweise des SWR in mehr als 240
Buchläden im Südwesten Deutschlands angeboten werden. Die Buchhandlungen können sich über
Internet Manuskripte einzelner Sendungen anschauen und auf Kundennachfrage ausdrucken.
Diese Nachfragen richten sich nicht nur nach Büchern. Es werden auch Berichte und
Dienstleistungen, die von überwiegend regionalem oder lokalem Interesse sind, bestellt. Man
beachte die Möglichkeit, Konzert- und Theaterkarten oder Fan-Berichte örtlicher Sportvereine
kaufen zu können. Zudem informiert der SWR in werktäglich aktualisierten News und Chat-
Angeboten über Serien und Magazine.
In diesem Kontext stehen viele weitere, erfolgreiche Sendungen, bei denen die Redaktionen von
Hörfunk, Fernsehen und Internet gemeinsam Programm erstellen. Diese Programme haben den
Vorteile, dass sie innerhalb mehrerer Medien verbreitet werden können und bereits optimal auf
den Hörer, Zuschauer und Internetnutzer zugeschnitten sind. Meistens übernimmt ein Reporter die
Berichterstattung für alle Medienbereiche.

Der Entwicklung stehen die TV-Manager im Weg, die sich an das Bestehende fest klammern,
weil es so einträglich war --- und ist. Das werbefinanzierte Fernsehen macht sich mit immer mehr
frei verfügbaren eigenen Inhalten im Netz selbst Konkurrenz. Und die Öffentlich-Rechtlichen
springen auf diesen Zug auf. Die Spartenvielfalt von derzeit 496 TV-Programmen alleine in
Deutschland trägt nicht zur Besserung bei. Während sich TV-Manager so vortasten, bewerben
Telekommunikationskonzerne im großen Stil ihr Fernsehen übers Internet.
82
Es liegt an der sogenannten Lean-forward-Generation , die sich den Content aus dem Internet
holt, während die Eltern noch vor dem Bildschirm sitzen. Wenn Internet und Fernsehen
zusammenwachsen, dann liefert das Netz die Flexibilität, die Glotze die Bequemlichkeit. Und
vor dem Bildschirm sitzt dann eine Art Lean-forward-Sofakartoffel. Leider passen sich die
Älteren den Jüngeren an. Verlockend ist das Angebot an Serien und kompakten Nachrichten
im Netz. Die Sender wissen um den Wert der Ereignisse für die Massen.

80 Vgl. Lauff, FERNSEH- UND KINOTECHNIK, S. 590 – 594, hier S. 594


81 Vgl. http://209.85.129.132/search?
q=cache:z1PbYWEVWKgJ:boersenverein.de/sixcms/media.php/1007/protokoll_HV02.pdf+
%22Lesen+im+SWR-Land%22&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=at&client=firefox-a (26.6.2009)
82 Vgl. Marohn, Anna; Rohwetter, Marcus: „Das große Flimmern. Sport für die Glotze, Serien am Laptop,
Bilderfetzen auf dem Handy – wie TV-Manager ihr Geschäft retten wollen“, DIE ZEIT, 28.08.2008 Nr. 36;
http://www.zeit.de/2008/36/TV-Zukunft, (21.09.2009)
59

„Markus Schächter und Fritz Raff plagen solche Gedanken nicht. Der eine führt das ZDF, der andere die
ARD, und die Öffentlich-Rechtlichen dürfen vom Gesetz her nicht im Internet werben. Mit dieser
zwangsverordneten Werbefreiheit setzen sie Standards, preschen vor, und die Privatsender folgen ihnen tiefer
ins Netz, als ihnen lieb ist, um ja nicht die jungen Zuschauer an ARD und ZDF zu verlieren. Dass die Sorge
berechtigt ist, zeigt der Erfolg der ZDF-Mediathek. Die Fans von heute und der Telenovela 'Wege zum Glück'
riefen derart viele Videos im Netz ab, dass die Kosten in die Höhe schnellten. Schächter bestreitet solche
Ausgaben aus dem Gebührentopf, während die Privaten das Geld mit Werbung reinholen müssen. Und
deswegen ist eine heftige medienpolitische Schlacht entbrannt. Derzeit verhandeln Landesmedienpolitiker,
ob die Öffentlich-Rechtlichen nicht zumindest ihre Unterhaltungsangebote nach einer Woche aus dem
Gratisangebot nehmen müssen.“83

6.2. Der neue Ton

Ein anderes Beispiel für ein, die Qualität auf dem Übertragungsweg optimierendes Verfahren,
sind Entwicklungen im Audiobereich. Pegel- und Lautstärkeverhältnisse, Dynamik,
Klangfarbe, Stereo-Auflösung und andere Eigenschaften sollen künftig bestmöglich
aufbereitet und durch programmbegleitende Daten unterstützt werden. So kann die
Wiedergabequalität entsprechend der jeweiligen Hörerwartung individuell angepasst werden.
Maßnahmen, um den Ansprüchen gerecht zu werden, sind inzwischen allgemein bekannt.
Sehr beliebt und daher weit verbreitet ist der Surroundton im 5.1-Format. Inzwischen lassen
sich bei neuesten Laptops die eingebauten Boxen inklusive integriertem Subwoofer mit dem
Format ansteuern. Ein weiterer Beweis ist die schnelle Verbreitung von Dolby Digital auf
DVD. Im amerikanischen Digital-TV ATSC ist Dolby Digital sogar Standard geworden. Bei
europäischen Rundfunkanstalten nennt sich das Format Dolby E. Neue Ton-Formate haben es
ermöglicht, Diskrepanzen bei Lautstärke- und Dynamik-Unterschieden der Programme in
Vergessenheit raten zu lassen.

Trotzdem werden die Möglichkeiten von der Empfängerindustrie weitgehendst nicht


ausgenutzt. Eine der Ursachen hierfür ist das Fehlen verbindlicher, nationaler Standards, um
alle verantwortlichen Seiten zu definierter Signalqualität verpflichten zu können.
Es ist eine Überlegung wert, wie das perfekte Hörerlebnis in den eigenen vier Wänden als
überzeugende Klangvorstellung für den Rezipienten erzeugt werden kann. Einen Vorschlag
gibt der Berliner Audio Consulter Gerhard Steinke Endgeräte mit erweiterten Funktionen
anzubieten und die Möglichkeit zu geben, direkten Einfluss auf die Tonmischung des
Programms auszuüben.
Dem Rezipienten sollte überlassen werden, die Lautsprecher- und Hörpositionen freier als
bisher wählen zu können. Die Hörzone könnte durch zusätzliche Lautsprecher und eine

83 Marohn; Rohwetter; Die Zeit, 2008 Nr. 36; http://www.zeit.de/2008/36/TVZukunft, (2.3.2009)


60

nachträgliche individuelle Signalbearbeitung vergrößern werden. Sie könnte gegebenenfalls


auch durch zusätzliche Quellenrichtungen abgebildet werden.
Nach Steinke solle der Rezipient weiterhin am Wiedergabegerät, beziehungsweise dem
Empfangsgerät, die Möglichkeit haben, bei Bedarf - seinen Hörerwartungen und
Hörbedingungen entsprechend - die Wiedergabeparameter hinsichtlich der Klangqualität
manuell zu beeinflussen.
Mit Hilfe von mitgelieferten Metadaten oder Steuersignalen und Regeleinrichtungen im
Endgerät könnte er die Lautstärke und Wiedergabe-Dynamik bedarfsgerecht so anpassen, dass
alle Programmdetails wiedergegeben werden und keine störenden und nicht zum Inhalt des
Programms gehörenden Lautstärkesprünge auftreten. Doch auch hier müssten Bestimmungen
zur manuellen und automatischen Pegel- und Lautstärke-Aussteuerung sowie zur Abgabe von
Metadaten auf der Produktionsseite durch internationale Vereinbarungen und nationale
Standards intensiviert werden.
Auf der Rezipientenseite müsste es ermöglicht werden, im Endgerät die Metadaten zur
Beeinflussung manueller und/oder automatisch wirkender Regelorgane und Stellglieder
zurück zu gewinnen.
Steinke fordert weiterhin, auf der Aufnahmeseite das Programm nach klangästhetischer
Gestaltung der Musik- und Wortbeiträge in Essenz und Content durch erfahrene Tonmeister
und Tonregisseure in optimaler Archiv-Qualität zu verbreiten. Das Programm solle deshalb
hinsichtlich Aussteuerung und subjektiver Hörkontrolle vom Ursprungsort bis zum letzten
Verteilerpunkt vor dem Empfang objektiv messtechnisch sowohl manuell, als auch
automatisch, überwacht werden und gegenüber dem Ausgangszustand weitgehend
unbeeinflusst bleiben.
Doch diese Vorschläge bleiben vorerst theoretisch. Weder die Rundfunkanbieter, noch die
Heimgeräteindustrie, kommen sich derzeit entgegen. Während sich die eine Seite sträubt,
bekannte und erprobte Mittel zur Gewährleistung einer höheren Qualität der Audioprogramme
bei Rundfunk und TV anzuwenden, ignoriert die andere Seite internationale Empfehlungen
und liefert den Konsumenten häufig unbefriedigende Tonqualität und unzureichende
Informationen für den Aufbau von Heimanlagen für Musik und Home-Cinema. Zunächst
sollte also die Diskussion vertieft und für mehr gegenseitiges Verständnis und
Zusammenarbeit geworben werden.
61

7. PROGRAMMQUALITÄT – DIE ÄUSSEREN FAKTOREN

7.1. Das Ziel: der Zuschauer

Über die von den Programmen vermittelten Aussagen, Stellungsnahmen und Informationen
lässt sich ein Großteil der Bevölkerung erreichen. Weltweit verbringen Menschen täglich viele
Stunden vor dem Fernseher. Über die Jahre hinweg ist Fernsehen primär in den westlichen
industrialisierten Gesellschaften zum Leitmedium geworden. Das sieht man daran, dass sich
seine Nutzung von der Schule, über die Arbeit bis in den Haushalt erstreckt. Die Übernahme
des Content' in die Alltagswelt ist besonders bei Kindern ausgeprägt.
Programmqualität lässt sich nicht nur über die bisher in der Arbeit behandelten Faktoren
(siehe Überschriften) definieren, sondern auch anhand der Anforderungen der Zuschauer. Es
geht um die Vermittlung eben dieser gerade genannten Aussagen, Stellungsnahmen und
Informationen. Es geht um die Verwertung und den Nutzen für den Zuschauer sowie um die
Verantwortung des Fernsehens gegenüber Kindern.
In ihrer Publikation, „Museum und Blick“, umschreibt Regina Wonisch die
Auseinandersetzung mit dem Medium Fernsehen in Bezug auf den Zuschauer:

„Es geht […] nicht mehr […] darum, die Repräsentation von ethnischen Minderheiten etc. einzufordern,
sondern das Verhältnis von Produzenten, Objekten und Publikum, das bislang weitgehend auf einer
Aktiv/Passiv-Unterstützung beruhte, neu zu definieren. Indem auch das schauernde Publikum als aktiv und
als ein sich ständig veränderndes gedacht wird, kann es nicht mehr als außenstehende BetrachterInnen von
Repräsentationen positioniert werden.“84

7.1.1. Messung des Zuschauerverhaltens: die Einschaltquote

Gemessen wird der Erfolg jeder Sendung bekanntlich an der Einschaltquote. Eine Quote, die
hoch kompliziert ermittelt wird und dabei nur wenig über das tatsächliche Verhalten der
Zuschauer aussagt. Das liegt daran, dass es viel weniger bewertende Zuschauer als nicht-
bewertende Zuschauer gibt. Ratsam wäre die Entwicklung eines neuen Bewertungssystems.
Die Zeit ist günstig für einen solchen Schritt. Denn die derzeitige Finanzkrise schwächt die
kommerziellen Sender, ihre Einnahmen aus der Werbung sinken rapide. Doch gehandelt wird
von Seiten der Rundfunkanstalten nicht. Stattdessen kopieren sie fleißig weiter erfolgreiche
Sendungen der Privaten Sender. Es geht vor allem um die Quote. Und die wird in jeder
Redaktionssitzung eines jeden Senders zur Mittagszeit besprochen und analysiert.

84 Wonisch, Regina: „Museum und Blick“, Schreib- und Denk-Werkstatt Museologie Drosendorf,
www.iff.ac.at/museologie/service/lesezone/imblick.pdf (26.6.2009)
62

„Die Quote macht süchtig, das sagen viele im Fernsehgeschäft“, meint die deutsche
Wochenzeitung „Die Zeit“ und weiter:

„Bis zum Jahr 1984 sprach niemand vom Quotendruck. Erst als die Privatsender zugelassen wurden, änderte
sich das. Bis dahin hatten die ARD, die dritten Programme und das ZDF den Bildschirm beherrscht, von den
Gebühren der Zuschauer gemästet. Plötzlich tauchten Sat.1 und RTLplus auf und machten den Öffentlich-
Rechtlichen das Publikum streitig. Der Musiksender MTV, Pro Sieben, Premiere, Kabelkanal, immer neue
kommerzielle Sender kamen hinzu. Wie ließ sich ihr Erfolg mit dem von ARD und ZDF vergleichen? Erst
war die Einschaltquote, für die sich die Privaten so sehr interessierten, nur ein Messinstrument. Marktanteile
wurden nun mit Erfolg gleichgesetzt. Dann wurde aus der Quote eine Droge, von der die Macher bei ARD
und ZDF nicht geahnt hatten, dass auch sie anfällig für sie waren. Eine Droge, die Bestätigung versprach, den
Rausch, von Millionen Zuschauern zu wissen.“85

Redakteure, die versuchen, sich der Droge zu entziehen und weiterhin qualitatives Programm
zu machen, müssen sich der Quote beugen. Wie die Zeitung „Die Zeit“ richtig feststellt,
haben Redakteure wenig Möglichkeiten, Programmqualität nach eigenen Vorstellungen zu
etablieren.

„Jeder Intendant formuliert öffentlich seinen Anspruch auf Qualität, aber jede Intendantensitzung wird von
der Quote regiert.“86

Wie bisher zu sehen war, sind daran zum einen die finanzielle und politische Situation ihres
Senders schuld. Zum anderen aber die Anforderungen des Kunden, des Zuschauers. Die Frage
nach der Programmqualität zielt angesichts dieser Umstände auf einmal in eine ganz andere
Richtung ab. Es scheint, als wäre Programmqualität wenig verwandt mit den am Anfang
dieser Arbeit aufgestellten Definitionen. Viel eher scheint sie die Kompromisslösung aus
vorgeschriebenen Regeln und Kundenwünschen zu sein im Spielfeld der Marktwirtschaft zu
sein. Ähnlich einer Gleichung mit drei Parametern. Wenn untersucht werden soll, auf welche
Weise Programmqualität gesteigert werden kann, so muss zunächst danach gefragt werden,
wie weit die Parameter verändert werden können. Dabei fällt anhand der bisherigen
Untersuchungen der Parameter „Marktwirtschaft“ und „vorgeschriebene Regeln“ auf, dass
öffentlich-rechtliche Sender nach wie vor nahezu einseitig Gewicht auf den dritten Parameter
des „Zuschauers“ legen. Die Privaten hingegen scheinen sich auf „Marktwirtschaft“ und
„Zuschauer“ zu konzentrieren. Doch damit lassen die Öffentlich-Rechtlichen eine
wesentliche Entwicklung außer Betracht.

„Fernsehen heißt heute, von einem Hochhaus auf eine Welt zu blicken, die dem Fernsehen entgleitet. Die
Generation Internet liest keine Programmzeitschriften mehr, verabredet sich nicht mehr um 21.45 Uhr mit
Claus Kleber, lässt sich durchs Netz treiben. Das Fernsehen rennt flüchtenden Zuschauern hinterher, stellt
Nachrichtenclips online, sucht Anschluss, irrt herum.“87

85 Lebert, Stephan; Willeke, Stefan, "Unser Gott, die Quote", in: DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09,
http://www.zeit.de/2009/09/DOSTV; (2.03.2009)
86 Ebd.
87 Ebd.
63

Die momentane Entwicklung tendiert zur Risikoaversität. Nichts wird mehr riskiert und
ausprobiert. Keiner traut mehr bei der Programmplanung seinen journalistischen Instinkten.
Doch es gibt es noch: das qualitative Fernsehen.
Der WDR zum Beispiel hat einen Dokumentationsplatz freitags um 20.15 Uhr (und nicht im
Nachtprogramm wie andere), dazu das mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete
Wissenschaftsmagazin „Quarks & Co“. Die historische ZDF-Serie „Die Deutschen“ fiel
2008 durch hohe Quoten auf (6,48 Millionen Zuschauer gesamt; 20,9 Prozent Marktanteil88)
– und hohe Qualität. Es gibt Qualität. Aber nur solange, bis sie beginnt, Formatgrenzen zu
sprengen.
Sucht man nach einem vorbildlichen Format, das auf den Diagrammen der Medienforscher
keine Wellen hinterlässt, sondern eine waagerechte, gerade Linie, das von den Zuschauern bis
zum Schluss verfolgt und von Jung und Alt angeschaut wird, bleibt nur die ARD-Produktion
„Tatort“, Sonntagabends. Hier liegt eine Besonderheit vor: eine gute Zusammenarbeit der
ARD-Anstalten und ein gemeinsames Markenzeichen von hoher Qualität. Komisch nur, dass
es bei der Krimi-Serie bleibt, obgleich der ganze TV-Betrieb mit ein wenig mehr Kooperation
und Koproduktion dazu imstande wäre.

„Wären all die aufregenden Themen, die in erfundene Tatort-Fälle gewickelt werden, den Verwaltern der
journalistischen Formate eine Sendung zur Primetime wert, dann gäbe es einen Grund weniger, mit den
Öffentlich-Rechtlichen zu hadern.“89

7.1.2. Die Zuschauer

Weltweit schauen 5,5 Millionen Kinder täglich Fernsehen. 93 Prozent der Jugendlichen haben
Zugang zum Fernsehen (99 Prozent in Europa und Kanada, 83 Prozent in Afrika)90.
Durchschnittlich 97 Minuten pro Tag verbrachte 2002 die Altersgruppe der Drei- bis 13-
Jährigen in Deutschland vor dem Fernseher. Bei den 14- bis 29-Jährigen waren es 135
Minuten, bei den 50- bis 64-Jährigen 245 Minuten. Die über 64-Jährigen verbrachten 285
Minuten vor der Flimmerkiste91. Scheinbar glauben sie alle an Bildung, Unterhaltung und
Entspannung durch das Fernsehen.

88 Medienmagazin: „QUOTEN-SENSATION. Spektakuläre Quote für ZDF-Doku 'Die Deutschen', 27.10.2008;


http://www.dwdl.de/story/18306/spektakulre_quote_fr_zdfdoku_die_deutschen/; (26.6.2009)
89 Lebert, Stephan; Willeke, Stefan, DIE ZEIT, http://www.zeit.de/2009/09/DOS-TVAbruf; (2.3.2009)
90 Groebel, Jo: „Mediensozialisation und -wirkungen bei Kindern in Deutschland und anderen Ländern.
Ergebnisse der UNESCO-Medienstudie und deutscher Untersuchungen“,
http://www.mediacultureonline.de/fileadmin/bibliothek/groebel_mediensozialisation/groebel_mediensozialis
ation.html; (29.6.2009)
91 Gehrmann, Alva: „Fernsehen schadet ihrer Gesundheit. Der Deutsche schaut täglich mehr als drei Stunden
fern.“, http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/presse/pdfs/fernsehen.pdf; (27.6.2009)
64

„Bewußte Informationssuche hat bei Kindern in der Freizeit einen geringeren Stellenwert. Sie nutzen kaum
aktiv Nachrichten, sehen diese eher, weil auch die Eltern schauen. Sehr beliebt sind allerdings lehrreiche
Vorschulprogramme wie 'Sesamstraße' oder 'Die Sendung mit der Maus'. Dies gilt für die Gruppe der noch
nicht schulpflichtigen Kinder, weil dieses Lernen noch als vorwiegend erstrebenswerte Aktivität und nicht als
(häufig lästige) Pflicht ansehen.“92

Aufgrund der Digitalisierung ergeben sich für Kinder neue Perspektiven und Nutzwerte des
Fernsehkonsums. Aufgrund der Konvergenz der Medienangebote entsteht für sie eine neue
„digitale Umwelt“. Lernen (auf Abstand), Gruppenkommunikation, Konsum, Spiel,
Produktion und Kreativität wachsen auf diese Weise zusammen. Folglich verbindet Fernsehen
nicht nur die Medien, sondern auch Menschen im Allgemeinen. Doch gerade bei Kindern
sollte darauf aufgepasst werden, dass Fernsehen zum Zweck der Information genutzt wird.
Denn sonst könnte es passieren, dass sie den Apparat dazu missbrauchen, Zeit zu vergeuden
und sich durch die Unterhaltungssendungen vom Wesentlichen, dem Lernen, abhalten lassen.
Dies ist ohnehin eine Tendenz innerhalb der modernen industrialisierten Gesellschaft.

„The original technological revolution was about saving time, shortcutting labor; the consumerism which is
the latest installment of that revolution is about wasting the time we've saved, and the institution it deputes to
serve that purpose is television.“93

Wenn Fernsehen als Unterhaltungsmedium ablenkt, kann es laut Zitat schaden. Zudem
kommt, dass sein Gebrauch inzwischen fester Bestandteil im täglichen Leben fast aller
Bevölkerungsgruppen geworden ist. Das beweisen zahlreiche wissenschaftliche
Untersuchungen und alltägliche Gespräche der Nutzer über den von ihnen gesehenen Content.
Sehr oft wird in diesem Zusammenhang von der „Fernsehsucht“ gesprochen. Lothar Mikos
schreibt hierzu in „Fernsehen im Erleben der Zuschauer“:

„Die aktiven Zuschauer gebrauchen das Fernsehen im Rahmen ihrer lebensweltlichen Bezüge.
Fernsehnutzung ist alltägliches Handeln, das routinierte Züge trägt. Die Alltagssituationen sind es auch, die
die Zuschauer zum fernsehen motivieren. Sie rezipieren die Inhalte, indem sie kognitiv und emotional aktiv
werden und ihnen Bedeutungen zuweisen. Dabei spielen sowohl ihr Wissen, als auch ihre Bedürfnisse,
Wünsche und Phantasien eine Rolle. In Gesprächen vor dem Bildschirm und in den weiteren Aktivitäten im
lebensweltlichen sozialen Kontext eignen sich die Zuschauer die Fernsehsendungen an, indem sie deren
Bedeutungen in ihren Alltag übernehmen. Auf diese Weise wird das Fernsehen in vielerlei Hinsicht zur
Sozialisierungsinstanz.“94

Die Übernahme des Content' in die Alltagswelt ist besonders bei Kindern ausgeprägt. Sie
schaffen sich durch die Fernseherfahrung ihre eigene Welt. Das sei solange unproblematisch,
meint Jo Groebel, Medienpsychologe und seit 2006 Direktor des Deutschen Digital-Instituts
Berlin, solange ein ausgewogenes Verhältnis zu konkreten Erfahrungsformen, wie

92 Groebel,
http://www.mediacultureonline.de/fileadmin/bibliothek/groebel_mediensozialisation/groebel_mediensozialis
ation.html (29.6.2009)
93 Kubey, Robert; Csikszentmihalyi, Mihaly: „Television und the quality of life. How viewing shapes everyday
experience“, Lawrence Associates, New Jersey, 1990. S. 24
94 Mikos, 1994, S. 3
65

Mitempfinden mit anderen oder hinreichende Entwicklung einer eigenen Identität in der
konkreten sozialen Umgebung, gegeben sei. Das bestätigt auch Heidemarie Schuhmacher.

„Die Bilder des Fernsehens sind das neue Sprachmaterial, mit dem Kinder und Jugendliche sich
verständigen. Es ist das aktuelle und auch das überdauernde Bildmaterial des Medienmarktes, das sie sich
selbst verfügbar machen. Sie sammeln die Bilder, Figuren, Szenen und Geschichten, die zu ihren Themen
passen. Sie verwenden sie, um ihre Themen mitzuteilen. Dabei verändern sich ihre Vorlieben ihrer
Entwicklung gemäß sehr schnell.“95

Von daher gilt es insbesondere Programme anzubieten, die kindgerecht sind, die Wissen
vermitteln und die Kinder auf die Welt und ihre Umwelt vorbereiten. Es sollte keine Strafe der
Eltern mehr sein, ihr Kind nicht fernsehen zu lassen. Die Eltern sollten viel eher darauf
achten, dass ihr Kind das richtige Programm schaut. Das soll nicht heißen, dass Kinder nur
noch Bildungsfernsehen schauen sollen. Auf die richtige Mischung kommt es an.

„Kinder müssen nicht vor den Medien geschützt werden. Die Medien bieten genauso wie viele andere
Merkmale der Umwelt Chancen und Risiken. Sie sind so selbstverständlich wie Straßen oder Elektrizität.
Beide können gefährlich sein, aber in der Regel werden sie zum gesellschaftlichen und persönlichen Nutzen
verwendet. Medien sind allerdings in ihren Äußerungsformen so vielfältig, daß Kinder für ihre Nutzung eine
Basiskompetenz benötigen. Dies bedeutet weniger technisches oder inhaltliches Wissen, es geht vor allem
um die Einordnung der Medienerfahrungen in das eigene Leben und den kritischen Umgang mit Information
und digitaler Kommunikation.“96

Es zeichnet sich hier eine Begründung für die Bedeutung von verantwortungsvollem Angebot
und Nutzung ab. Der Bayerische Rundfunk veröffentlichte 2002 Ratschläge dazu. Er zählte
unter anderem „Willenskraft trainieren“, „Selektiv fernsehen“, „Videorekorder verwenden“
und „Andere Tätigkeiten verstärken“ auf. Das mit den anderen Tätigkeiten sieht auch Roberto
Bernabei, italienischer Forscher an der geriatrischen Abteilung (Lehre von den Krankheiten
des alten Menschen) an der Universitätsklinik Gemelli Rom, so. Er stellte fest, dass Senioren,
die sich mit kaum etwas anderem beschäftigen, als mit dem Fernsehprogramm, früher sterben
als aktive Rentner.

„Fernsehsucht ist tödlich. Alte Menschen, die die ganze Zeit einsam vor der Flimmerkiste sitzen, leiden
häufiger an Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Depression, Appetitlosigkeit und Altersschwachsinn als
Senioren mit intensivem sozialem Leben.“97

Das gelte ebenso für Kinder. Groebel forderte in diesem Zusammenhang verstärkte

95 Schumacher, Heidemarie: „Fernsehen fernsehen. Modelle der Medien- und Fernsehtheorie“, Dumont
Buchverlag, Köln, 2000. S. 117
96 Groebel, Jo: „Mediensozialisation und -wirkungen bei Kindern in Deutschland und anderen Ländern.
Ergebnisse der UNESCO-Medienstudie und deutscher Untersuchungen“,
http://www.mediacultureonline.de/fileadmin/bibliothek/groebel_mediensozialisation/groebel_mediensozialis
ation.html (29.6.2009)
97 Gehrmann, Alva: „Fernsehen schadet ihrer Gesundheit. Der Deutsche schaut täglich mehr als drei Stunden
fern.“, http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/presse/pdfs/fernsehen.pdf; (27.6.2009)
66

Rahmenbedingungen für systematische Medienerziehung im Unterricht und im Bereich


informeller Sozialisation, Eltern sowie Nachbarschaft. Dazu gehöre vor allem eine bessere
Ausbildung der Lehrer in medien-, informations- und kommunikationsbezogenen Fächern.
Auch hier, wie weiter oben bereits angeklungen, eine Forderungen nach einem einheitlicheren
Standard durch die Politik.

Ob das Programm qualitativ hochwertig ist, hängt nicht nur vom Inhalt, oder von der Bild-
und Tonqualität ab. Es sind eben auch die Zuschauer selbst gefragt, den Inhalt zu verwerten
und in ihre Alltagswelt zu übertragen. Es geht nicht nur darum, sich vor übermäßigem
Fernsehkonsum zu schützen. Es geht auch darum, sich als Zuschauer der Multimedialität /
Konvergenz zu bedienen, um die Informationen aus dem Fernsehen zu vertiefen. Denn die
aktuelle Berichterstattung hat den Nachteil, dass sie in der Regel aus Zeitgründen nur grobe
Informationen liefern kann. Sie wird aber von anderen Medien ergänzt. So etwa kann das
Lesen einer Zeitung oder von Newsfeeds im Internet von den Menschen zur Vertiefung eines
Inhalts verwendet werden. Darüber hinaus könnten die Rezipienten Fachbücher lesen oder
Radiobeiträge verfolgen. Der Radiosender Ö3 (ORF) bietet zu fast jeder Sendung den
passenden Podcast zum Runterladen an. So kann man die wichtigsten Ereignisse des Tages
und andere Informationen, individuell zusammengestellt, auf dem Weg zur Arbeit hören. Hier
wird deutlich, weshalb eine bi- bis trimediale Zusammenarbeit der einzelnen Medienangebote
im öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem wichtig ist (Räumliche trimediale
Zusammenlegung, siehe Abbildung 2, S. 147). Es geht auf der Seite der Zuschauer um die
Vertiefung und Erweiterung der Beiträge eines einzelnen Ressources.

Fernseherlebnisse werden nicht für sich alleine konsumiert, sondern mit anderen
kommuniziert. Das schließt eine Kommunikationsvermeidung nicht aus. Das Fernsehen
gewährt das Recht zu schweigen oder zu kommunizieren und das nicht nur zwischen den
Menschen vor dem Fernseher, sondern auch mit Nachrichtensprechern, Showmastern,
Interviewpartnern oder Figuren aus Serien. Das zeigen Sendungen, wie „Domian“ auf 1Live
mit Jürgen Domian, bei denen regelmäßig Zuschauer anrufen, um direkt mit dem Moderator
ihre Sorgen zu besprechen. Gerade aus Gründen der sich daraus ergebenen Verantwortung für
den Zuschauer sind die Fernsehmachenden dazu aufgerufen, Anreize für den Zuschauer zu
schaffen, sich mit dem Inhalt auseinander zu setzen, anstatt sich berieseln zu lassen.
„Im alltäglichen Gespräch über Vorkommen in den Medien geht es nicht um feinsinnige ästhetische
Interpretation, es zeigt sich vielmehr ein oft ganz selbstverständliches Bewußtsein der Tatsache, daß
Medienerzeugnisse künstliche Produkte sind, die einem bestimmten Kalkül entspringen, das man gutheißen
oder ablehnen kann.“98

98 Oehmichen, Ekkehardt; Schneider, Hardy, media perspektiven 1/2008, S. 15 – 23 hier S. 22;)


http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/01-2008_Oehmichen.pdf; (4.3.2009)
67

Die Inhalte werden als Argumentationshilfen in alltäglichen Gesprächen oder als bildlich-
symbolische Beispiele verwendet. Bilder und Symbole des Fernsehens werden in den Alltag
des Zuschauers übernommen. Das ist dort der Fall, wo es an Symbolen fehlt. Symbole können
zum Beispiel Redewendungen sein, die nach einer bestimmten Zeit ihren Medienbezug
verlieren. Das geschah mit dem Wort „Dumpfbacke“ als Name für die etwas beschränkte
Tochter Kelly in „Eine Schrecklich nette Familie“. Bei Nachrichten geschieht das aufgrund
des hohen Informationsgehalts. Daher sollte der Journalist dafür sorgen, positive Bilder durch
das Fernsehen zu vermitteln. Gerade bei den Nachrichten fragt sich, ob Bilder von Kriegen
und abscheuliche Bilder für die Information unbedingt wichtig sind. Oft dienen sie nur zur
besseren Quote.
Fernsehen kann ferner dazu führen, dass sich der Zuschauer bei anderen Fernsehschauenden
inhaltlich rückversichert. Das ist der Fall, wenn dem Zuschauer etwas unklar ist oder die
Sendung nicht ganz auf ihn abzielt.

„Die Fernsehtexte setzen auf diese Weise Thematisierungen, die ihre Relevanz vor allem in der Alltagsrealität
der Zuschauer haben.“99

In manchen Situationen regt das Fernsehen intensiver zur Kommunikation der Zuschauer vor
den Geräten oder in ihrem Umfeld an. So etwa in Situationen, die als gesellige Runden
bezeichnet werden können, und in denen die kommunikative Gestaltung der Situation
zugleich kontaktknüpfende Funktion hat. Ein gutes Beispiel sind die gemeinsamen
Fernsehabende - vor allem anlässlich von Sportübertragungen (z.B. Fußball-Weltmeisterschaft
in Bern, 1954) in den Gaststätten der 1950er Jahre, als noch nicht jeder Haushalt über einen
Fernsehapparat verfügte. In dieser Situation wird mit dem Glaubwürdigkeitscharakter des
Fernsehens gehandelt.

„Medienverweise dienen in dieser Hinsicht zugleich der Autorisierung und Verantwortungsdelegation.“

Andere Reaktionen können Emotionen auf und Bewertungen des Gesehenen sein.
„Diese nonverbalen Aktivitäten sind nicht nur Elemente eines involvierten Rezeptionsmodus, die individuelle
Befindlichkeiten ausdrücken, sondern sie dienen zugleich der Kommunikation vor dem Bildschirm, indem
über sie Nähe oder Distanz zu den anderen fernsehenden Personen hergestellt werden kann.“ 100

Der Programmgestalter muss sich bewusst werden, wie Information übertragen wird. Er hat
die Fähigkeit, den Zuschauer emotional anzusprechen. Das funktioniert am ehesten, wenn
sich der Zuschauer in einem Zustand emotionaler Unruhe befindet, in einem Status, in dem er
eines seiner Bedürfnisse nicht mehr decken kann. Zum Beispiel das Bedürfnis nach
Unterhaltung oder Information. Laut Katrin Döveling und Lothar Mikos führen Information

99 Mikos, 1994, S. 104


100 Ebd., S. 105
68

und Unterhaltung zu einer Aufspaltung der Rezipienten in Unterhaltungs- und


Informationsnutzer101. Die Grenzen zwischen beiden verschwimmen heute immer stärker.

„Um das persönliche Interesse des Zuschauers zu gewinnen, muss die Sendung oder der Beitrag dem
Zuschauer einen Gebrauchswert bieten. Dieser kann im aktuellen Informations- oder Erlebniswert liegen
oder in seiner Unterhaltsamkeit beziehungsweise als Mittel zur Ablenkung vom Alltag. Es hängt natürlich
auch vom Sendungsgenre ab, welcher Gebrauchswert vom Zuschauer erwartet wird. Bei informativ-
journalistischen Formaten steht der Informationswert für die Zuschauer im Vordergrund; zugleich dürfen sie
aber auch nicht langweilen.“102

Information bedeutet grundsätzlich eine Veränderung der Wahrnehmung. Sie wirkt sich auf
Gedanken, Gefühle, Annahmen, oder das Gedächtnis aus. Der Zuschauer wird nach der
Tätigkeit des Fernsehens nicht mehr so denken und fühlen wie zuvor. Das ist auf jeden Fall
so. Egal, ob er von einer Sendung profitiert oder nicht. Es kommt nur darauf an, wie er sich
auf das Gesehene einlassen kann. Auch das sollten sich Fernsehmachende vor Augen führen.
Es entscheidet nicht, was zu sehen ist, sondern wie es zu sehen ist. Es kommt stärker auf eine
gute Produktion, als auf einen guten Inhalt an. Das scheinen vor allem die Privatsender
begriffen zu haben und darin gegenüber den öffentlich-rechtlichen Sendern im Vorteil zu sein.
Beweisen können das Seminare von Mitarbeitern der ProSiebenSat.1 Media AG, wie von
Wolfgang Günther, im Bayerischen Rundfunk in Unterföhring, München. Dort lernen
Journalisten des BR, wie sie ihre Berichte ansprechender umsetzen können.

Es spielt ferner die Verbindung zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und


lebensgeschichtlichen Erfahrungen eine Rolle. Die thematische und interpretative Relevanz
der Situation im Medium führt zu einer Motivationsrelevanz mit folgender Entwicklung: Es
werden Hypothesen über den Fortgang der Handlung und die weitere Entwicklung der
Situationen im Fernsehen gebildet. Es werden Hypothesen über die weitere Entwicklung der
eigenen Rezeption und der Zuwendung gebildet. Und es werden Hypothesen über die weitere
Entwicklung der Rezeptionssituation getroffen.

„The limit of attentional capacity appears to be a general limit on resources [...]. the total ammount of
attention which can be deployed at any time is limited.“103

Das Potential des Fernsehprogramms beinhaltet folglich, den Zuschauer bewegen, ihn und
zum eigenen Engagement aufrufen zu können. Auch das sollte Ziel des qualitativen
Programms sein.

101 Mikos, 1994, S. 12


102 Ebd., S. 12
103 Kubey, Robert, 1990, S. 2f.
69

Die Verwertung des Gesehenen hilft dem Zuschauer, soziale Anerkennung zu erhalten. Etwa
durch die Imitation, die für Gruppenhandlungen sorgt. Nach dem Motto: Wer nicht mitmacht,
kommt nicht in die Gruppe hinein. Wichtig ist, dass das Programm eine Grundlage für eine
gemeinsame Interpretation schafft. Das wird in ausdifferenzierten Individualgesellschaften
(vgl. Europa) umso wichtiger, da die einzelnen Lebensbereiche kaum noch miteinander
kompatibel sind. Fernsehen also als Verbindung zwischen den Lebenswelten der Zuschauer.

„Indem sich die Gesprächspartner das Mediengeschehen nochmals vergegenwärtigen und sich darüber
austauschen, machen sie das Medienereignis, das sie ja in der Regel unabhängig voneinander rezipiert haben,
nachträglich zu einem gemeinsamen Erlebnis, zu einem Bestandteil der gemeinsamen Erfahrenswelt.“ 104

Die Imitation muss positiv gesteuert werden. Qualitative Programme schaffen es, Gruppen
und Lebenswelten zu verbinden. Qualitativ bezieht sich dabei einerseits auf die technische
Qualität. Ein Beitrag ist um einiges attraktiver für den Zuschauer, wenn er in einer guten
technischen Qualität gesehen werden kann. Zum Beispiel im Dolby Surround oder im HD-
Format. Qualität bezieht sich andererseits auch auf den Inhalt und dessen Umsetzung sowie
Vermittlung. Doch auch hier kann das Gegenteil zum intensiveren Austausch über das
Medienereignis führen. Ein Beispiel ist die Übertragung des Fußball EM-Halbfinales
„Deutschland gegen Türkei“ 2004. 18 Minuten lang fiel das Bild aus. Doch am nächsten Tag
sprachen alle darüber.

Doch bringen Programmstörungen einen großen Nachteil mit sich: Wenn sich der Zuschauer
nicht angesprochen fühlt, kommt es zum Phänomen des Zappings. Die Formen des Zappings
ähneln einer ritualisierten Handlung. Wie bei ritualisierten Handlungen ist das Zapping von
der eigentlichen Motivation losgelöst. Es geht nicht mehr darum, das Programm wechseln zu
wollen. Fast unbewusst schaltet der Zuschauer um, sobald er gelangweilt wird. Durch das
Zappen beweist sich die Autonomie des Zuschauers vom Fernsehprogramm – und das vor
allem bei uninteressanten oder schlechten Inhalten. Vor allem Werbung wird häufig
weggezappt. Sie wirkt sich hemmend für den Programmkonsum und die Kanaltreue aus. Da
fragt es sich, warum die Öffentlich-Rechtlichen überhaupt auf die Werbewirtschaft bauen. Sie
laufen damit Gefahr, Zuschauer zu verlieren. Wenn dann der Zuschauer anspruchsvoll ist und
ein individuell zugeschnittenes Programm vorzieht, wird er viel eher zu den Pay-TV-Sendern
tendieren.

„Die serielle Form vieler Programmangebote erfordert vom Zuschauer überbrückende Gedächtnisleistungen
bzw. Sehaktivitäten, die eine Wiedererkennung nicht nur von Sendungen und Medienpersonal, sondern
inzwischen von ganzen Kanalidentitäten mitsamt ihren spezifischen Programmangeboten gewährleisten
müssen. Auch der einzelne, durch die Fernbedienung gestaltete Fernsehabend weist als Rezeptionstext

104 Schumacher, Heidemarie, 2000. S. 109


70

Lücken auf, die der Zuschauer zu schließen gezwungen ist, so z.B. wenn er mit der Fernbedienung zwischen
mehreren Programmen wechselt und die selektionierten Bruchstücke für sich in einen Zusammenhang bringt.

Die aktive Herstellung der Konsistenz besteht hier darin, aus den 'angezappten' Bildsegmenten dasjenige
auszuwählen, was gefällt und bei dem man verweilen möchte. 'Zapping' verläßt die Ebene des in sich
geschlossenen kohärenten Programmtextes und collagiert nun noch Segmente.“ 105

7.1.3. Der Einfluss der Zuschauer auf die Programmplanung

Wie festgestellt, ist es eines der Ziele der Programmgestaltung, neben der Vermittlung von
Information und Unterhaltung, eine Möglichkeit zur Orientierung zu geben. Wie festgestellt
kommt es nicht auf den Inhalt, sondern auf die Produktionsweise an. Worauf Fernsehmacher
daher besonders achten sollten, ist die Aufmerksamkeitslenkung der Zuschauer mittels
Orientierung. Zwei „Werkzeuge“ (engl. Tools) stehen ihnen dazu zur Verfügung: die
Wiederverwertung und die Wiedererkennung.

„Orientierung ist eines der wichtigsten Überlebensfunktionen, die sich als Verhaltensprogramm vererbt und
weiterentwickelt hat. Der Orientierungsprozeß verläuft dabei zwangsläufig im Vorbewußtsein, wir können
ihm also auf keinen Fall ausweichen, ihn steuern oder bewußt umgehen.“ 106

Orientierung, als eine Form von Ordnung, bezieht sich im Fernsehen auf zwei Ebenen: Raum
und Zeit.

„Informationen über Raum und Zeit stellen [...] bei der Gestaltung eine sichere Einführung in Handlungs-
und Erlebnisstrukturen dar.“

Es kommt bei der Aufmerksamkeitslenkung über Orientierung stark auf das Vorwissen des
Zuschauers an. Es kommt darauf an, an welches Zielpublikum sich der Bericht wendet.
Gerade bei kurzen Berichterstattungen müssen bestimmte Wissenshorizonte innerhalb
kürzester Zeit angesprochen werden. Ohne Vorwissen (Wissenshorizont) kann der Zuschauer
den Inhalt nicht einordnen und sich orientieren. Helfen können Darstellungsklischees.

„Horizontbildung bedeutet für das Gehirn einen aufwendigen Arbeitsprozeß, der mit filmischen
Gestaltungsmitteln angeregt werden kann.“107

Aus dieser Tatsache ergibt sich die Berechtigung der Verwendung von filmischen
Gestaltungsmitteln. Oftmals sind sie den Redakteuren im öffentlich-rechtlichen Bereich
unbekannt. Zum einen liegt es daran, dass die Redakteure – wie in anderen Medienbereichen
auch – zwar in der Regel studiert haben, aber oft Fächer, die Film und Fernsehen nur peripher

105 Schumacher, Heidemarie, 2000, S. 210


106 Kerstan, Peter: „Der journalistische Film. Jetzt aber richtig“, Zweitausendeins, Frankfurt / M., 2000. S. 40
107 Ebd., S. 41
71

behandeln. Ebenso beweisen es die bereits erwähnten Seminare der ProSiebenSat.1 Media
AG, bei denen es darum geht, die Gestaltungsmittel kennen zu lernen. Ihre Verwendung ist
somit auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen durchaus legitim. Sie müssen aber vernünftig
eingesetzt werden. Sie sollten den Journalisten auch nicht dazu verleiten, den Bericht
ausschließlich auf sie zu stützen. Umgekehrt lassen zu wenig unterstützende
Gestaltungsmittel den Zuschauer allein zurück. Eine Vielzahl von Gestaltungsmittel lenkt zu
sehr vom Wesentlichen ab. Der Fernsehschaffende muss sich bewusst sein, dass der Rezipient
die Sendung stets auf ihre Machart hin untersucht. Selbst wenn der Prozess unbewusst
abläuft.

„Hier überschätzen die Fernsehmacher oft die Bedeutung von journalistischen Formen und Stilmitteln. So
ließen zum Beispiel Redaktionen über das externe Monitoring überprüfen, ob sich nicht ein gesteigertes
Publikumsinteresse durch den Einsatz von Liveschaltungen erzielen lässt. Im Ergebnis zeigte sich, dass
Liveschaltungen keineswegs ein Patentrezept sind. Wer sich nicht für Fußball oder Kulturereignisse
interessiert, der lässt sich auch nicht dadurch umstimmen, dass Livereporter eine besondere Bedeutung des
jeweiligen Geschehens suggerieren.“108

Eines der Gestaltungsmittel ist der Text, der versucht, den Zuschauer anzusprechen. Gerade
er, der oft etwas unterschwellig und vorsichtig ausgedrückt, die wesentlichen Dinge an den
Zuschauer bringt. Vermittelt wird er entweder durch eine direkte Ansprache über Blickkontakt
und ein rhetorisch festgelegtes Repertoire (z.B. „Meine Damen und Herren“). Oder die
Fernsehmachenden bedienen sich der indirekten Ansprache über zielgruppenspezifische
Zeichen (Requisiten, Identifikationsangebote, zielgruppenspezifischer Moderationsstil –
erneut also ein Grund für die Bedeutung eines attraktiven Studios).
Das ist einer der Gründe, weshalb landesübergreifende Sender in den letzten Jahren begonnen
haben, einheitliche Studios und Kleidung für alle Moderatoren zu entwerfen (Beispiel: WDR
Köln; Eigene Studie zu diesem Thema). Diese Vereinheitlichung führt hin bis zu einem
gezielten Einsatz von Licht und verschiedenen Farbschattierungen für die einzelnen
Wochentage (ORF, „Wien heute“). Auch das Gebäude wurde im Sinne der Trimedialität
übersichtlich und auf Funktionalität ausgerichtet gestaltet (siehe Abbildung 3, S. 148).
Wichtig in Hinblick auf einen verständlichen Text ist die Kamerapositionierung als
stellvertretender Blick des Zuschauers. Die Kamera lenkt den Zuschauer durch den Bericht,
die Moderation, die Sendung. Daher ist die Entwicklung mancher Sender in Europa, fixe
Kameras zu installieren und auf Kameramänner in Studios zu verzichten, skeptisch zu sehen.
Es gibt keine Abwechslung beim Blick. Der Zuschauer wird gelangweilt. Er schaltet ab. Vom
Text her funktioniert der Gruppenappell unter dem gemeinsamen „WIR“ am stärksten. drückt
es Medien- und Fernsehtheoretikerin Heidemarie Schumacher aus.

108 Oehmichen, Ekkehardt; Schneider, Hardy, media perspektiven 1/2008, S. 15 – 23 hier S. 18;
http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/01-2008_Oehmichen.pdf; (4.3.2009)
72

Der ORF, Redaktion „Wien heute“, ist ein gutes Beispiel für die Gestaltung des Studios unter
den Gesichtspunkten der Wiederverwertung und -erkennung. Zum einen gibt es die
Wochentags-Sendung von Montag bis Freitag, die sich auf das tagesaktuelle
Nachrichtengeschehen stützt. Am Wochenende werden Nachrichtenbeiträge durch
journalistische Varianten wie Reportagen und Features angereichert. Dem Zuschauer wird hier
entgegen gekommen. Unter der Woche, wenn er aufgrund seiner Arbeit/Schule weniger Zeit
hat, wird er rein informiert. Am Wochenende ist die Themenschwerpunktlage bezüglich des
Nachrichtengeschehens eine andere.
Im Übrigen unterscheidet sich das Studio am Wochenende von dem unter der Woche (siehe
Abbildung 5 und 6, S. 149). Die Gestaltung hängt von der Tiefe des Themas und von der
zeitlichen Gestaltung ab. Das, so ein Sprecher, mache den Reiz der Sendung aus: Ein breites
Themenspektrum und eine Breite an individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Wobei sich
diese Möglichkeiten nicht auf Stilmittel beziehen, sondern eher auf die freie Gestaltung
innerhalb der Sendungslinie. Denn es wird in der Sendung weder geblendet, noch gibt es für
Nachrichtenbeiträge eine musikalische Untermalung. Das ist hilfreich, um Kosten und Zeit
bei der Produktion zu sparen.
Die Sendungslinie sieht eine spannende, informative und abwechslungsreiche Gestaltung der
Themen vor.

Zeichen – als zweites Beispiel für Gestaltungsmittel - helfen dem Menschen bei der
Orientierung. In erster Linie handelt es sich hierbei um Zeichen, die Annäherung und
Entfernung implizieren. Sequenzen mit in nahen Einstellungen dargestelltem Aussagekern
und entfernteren Orientierungseinstellungen entsprechen dem natürlichen
Wahrnehmungsverhalten. Die Sequenz wird zum Grundbaustein der filmischen Sprache.
Als Beispiel eine fiktive Berichterstattung aus dem Deutschen Bundestag:
Ein Bild vom Sonnenuntergang zeigt die Tageszeit an. Ein weiteres Bild vom Adler verrät,
dass die Handlung im Plenarsaal des Bundestages stattfindet. Es könnte noch ein Bild von
einem Schild folgen, auf dem steht: „Verwaltungsgericht“ - also eine Orientierung über den
Ort der Verhandlung.
Der Vorteil: Die Verwendung von Zeichen und Symbolen verfälscht den Gegenstand des
Filmberichts nicht. Der Autor erspart sich Zeit für weitere Informationen. Von daher gilt:
Einfach gehaltene Berichte haben die größte Wirkung. Eingehende Informationen lösen bei
jedem Menschen im Gehirn weitreichende Arbeitsprozesse aus. Das heißt, umso
umfangreicher ein Bericht ist, desto komplexer ist die eingehende Information beim
Zuschauer. Und umso geringer ist die Möglichkeit zur Orientierung innerhalb der kurzen,
vorgegebenen Zeit.
73

Der MDR, „Thüringen Journal“, verwendet eine dritte Möglichkeit zur Orientierung. Er
arbeitet mit dem Stilmittel der Reportage, ohne ins Boulevard überzugehen. Er macht seine
Berichte oft an einer Person fest und bezieht dessen Situation auf das gesamte Thema. Das ist
einerseits sehr einseitig. Verschiedene Gesichtspunkte werden nicht beleuchtet. Es kommt nur
eine Seite zur Sprache. Doch der Zuschauer kann sich auf eine Person konzentrieren und sich
damit leichter orientieren.
Der Aufbau der Berichte wird unter verschiedenen Gesichtspunkten von einem kleinen Team
in der Redaktion entschieden. Bei der Auswahl der Themen achtet das Team darauf, dass die
verschiedenen Themenbereiche (Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Wissenschaft) gleichmäßig
vorkommen. Zum anderen wird darauf geachtet, dass sich alle Regionen innerhalb einer
Woche wiederspiegeln.
Die Filmabnahme geschieht aus juristischen Gründen nur durch fest angestellte Redakteure.
Dabei gibt es ein kleines „Handbuch“, welche Spielregeln bei der regionalen
Berichterstattung zu beachten sind. Da das „Thüringen Journal“ ein Nachrichtenmagazin ist,
darf zum Beispiel Musik nur dann im Beitrag vorkommen, wenn sie begründet ist.
Ferner überträgt der Sender Landtagssitzungen direkt aus dem Plenarsaal. Es gibt keine
Direktübertragung aus dem Landtag. Dazu stellt der MDR keine Sendeplätze zur Verfügung.
Eine Kamera überträgt die Redeausschnitte direkt in die Landtagsbüros. Bei der Übertragung
wird diese Kamera vom MDR genutzt und durch einen Techniker des MDR (Tochterfirma)
betreut. Dieser Techniker kann auf Anweisung des Reporters Naheinstellungen und Totalen
aufnehmen.

Die Orientierung ist ein starkes Argument gegen Kurzberichte, in denen zu viel Information
enthalten ist. Peter Kerstan, Kameramann und Buchautor, begründet das über die
Speicherleistung des menschlichen Gehirns. Die aktuelle Berichterstattung richte sich an das
Kurzzeitgedächtnis. Während das Ultra-Kurzzeit-Gedächtnis, bei dem keine Speicherung,
sondern nur eine Bearbeitung erfolgt, noch bedeutender sei. Die Augen könnten 50 Millionen
Dateneinheiten pro Sekunde an das Gehirn leiten. Der Zuschauer könne sich aus diesem
Grund an Informationen, die keinen längeren Gedankengang auslösen, nicht erinnern. Für die
Berichterstattung bedeute das, dass immer kürzeren Formen Grenzen gesetzt sind. Diese
Grenze liege bei 20 Sekunden, der herkömmlichen Länge einer Kurz-Nachricht.
Da sich jeder Mensch nur eine kurze Zeit lang konzentrieren könne und dann wieder
Entspannung bräuchte, müsse dem Autor bewusst sein, dass Neuschaffungen von Horizonten
einem viel höheren Aufwand an Darstellungsmitteln bedürfen. Ihm müsse darüber hinaus
bekannt sein, dass die Wahrnehmung von Personen wesentlich länger dauere, als die
74

Ortswahrnehmung. In den ersten Sekunden ginge es nicht nur um die Wahrnehmung per se,
sondern um die Klärung der Sympathie zu einer Person. Innerhalb der ersten Sekunden würde
der Zuschauer klären, ob das Gegenüber Freund oder Feind ist. Erst danach setze die
Orientierungsphase ein. Bei der Personenorientierung liege die Grenze bereits bei zehn bis 15
Sekunden. Erst danach könne sich der Zuschauer auf den verbalen Inhalt konzentrieren, so
Kerstan. Der Trend der Redaktionsleitungen, 30-Sekunden-Statements pro Parteivertreter
einzuplanen, ist damit geradezu unsinnig.

„Die Orientierungsphase setzt ein, wenn bereits der verbal vermittelte Inhalt des Statements verstanden
werden sollte; die nicht abgeschlossene Orientierungsphase verhindert dann den angestrebten Transfer des
Inhalts.“109

Information ist nicht jederzeit in beliebigem Maß verfügbar. Es zählt, wie auch
Kommunikation im allgemeinen, zu den seltenen Gütern. Weil es das Bedürfnis des
Zuschauers nach mehr abdeckt, lässt sich mit Information handeln. Die Frage ist nur, wie es
der Fernsehmacher schafft, den Zuschauer für sein Angebot zu motivieren. Fälschlicherweise
verlässt er sich auf die Stilmittel, die für ihn so etwas wie ein Patentrezept zur
Akzeptanzsteigerung bedeuten. Möglichst viele unterschiedliche journalistischen Formen sind
aber nicht immer von Vorteil. Das bewies der Hessische Rundfunk (hr, Deutschland) nach
sieben Jahren externen Monitorings.

„Informationswert für den Zuschauer hat ein Beitrag dann, wenn sein persönliches Interesse am Thema durch
neue oder aktuelle Informationen in zufriedenstellender Weise bedient worden ist. Der Gebrauchswert einer
Information ist in der Regel im Zusammenhang mit ihrer alltagspraktischen Bedeutung für den Rezipienten
beziehungsweise mit ihrem Servicegehalt beurteilbar. Generell geht es hierbei um eine subjektive
Beurteilungsebene. Was für den einen Zuschauer einen hohen Neuigkeits-, Informations- beziehungsweise
Gebrauchswert hat, ist für den anderen 'kalter Kaffee'. Berührt ist hier auch die Frage der Tiefe der
Informationsleistung. Für den einen Zuschauer ist die erste Übersichtsinformation zu einem Gegenstand
attraktiv und ausreichend, für den anderen ist der jeweilige Beitrag nur interessant, wenn er zu einem für ihn
schon bekannten Thema Hintergründe, Kontexte oder weitere Details liefert.“ 110

Gefördert werden der Programmkonsum und damit die Kanaltreue ferner, wenn das
Genrewissen des Zuschauer aktiviert und aktualisiert wird. Das bedeutet, wenn sich der
Zuschauer mit der Sendung auseinander setzen oder identifizieren kann. Zwei Faktoren sind
für eine aufmerksame Rezeption des Programms von Bedeutung.
Zum einen ist es die situative Bedingung der Rezeption, zu der auch die in der
Rezeptionssituation relevanten Persönlichkeitsmerkmale der Zuschauer gehören.
Zum zweiten sind es die dramaturgische und ästhetische Struktur der Fernsehtexte
beziehungsweise -sendungen sowie die individuelle Rezeptionshaltung. Über die formalen,

109 Kerstan, Peter, 2000. S. 50


110 Oehmichen, Ekkehardt; Schneider, Hardy, media perspektiven 1/2008, S. 15 – 23 hier S. 18;
http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/01-2008_Oehmichen.pdf; (4.3.2009)
75

dramaturgischen und ästhetischen Mittel des Mediums werden Rezeption und Aneignung der
Sendung beim Zuschauer beeinflusst und dadurch Wissen vermittelt. Daher sei deren
transparente und mit eindeutigen, leicht zu verstehenden Stilmitteln versehene Gestaltung sehr
wichtig. Auf diese Weise werde das Fernsehen zum kulturellen Forum, das zu vielfältigen
Lebensauffassungen und zur Identitätsbildung der Individuen beiträgt. So Kerstan.
Das ist gerade für ethnische Minderheiten von Belang, von denen es in Europa reichlich viele
gibt. Sie wollen ernst genommen, angesprochen und verstanden werden. Fernsehen muss
daher glaubwürdig sein. Wichtig ist, dass es eine Grundlage für eine gemeinsame
Interpretation schafft. Dass es auf die Menschen zugeht, beispielsweise auch bei
Veranstaltungen, die diesem Ziel dienen. Es muss den Menschen eine Plattform schaffen,
gehört zu werden. Fernsehen von Menschen für Menschen. Und nicht länger von Journalisten
vor Computern für Menschen im Alltagsleben.

7.2. Der ideale Redakteur

Derzeit und in Zukunft noch viel mehr wird der Redakteur mit Umstrukturierung rechnen
müssen. Das ergibt sich zum einen aus den Folgen der Digitalisierung, aber auch aus der
Tendenz der Redaktionen zur Zusammenlegung von Funktionen. Journalisten agieren als
passive Vermittler, die sich in erster Linie an der faktischen Realität orientieren, also an dem,
was die Redaktionsleitung und die Anforderungen der Redaktion erfordern. Daneben werden
sie über die Informationsbeschaffung von Regierung, Anzeigenkunden, PR-Agenturen,
Interessensgruppen und Nachrichtenagenturen beeinflusst. Sie können das relativ leicht
bewerkstelligen. Denn der Redakteur hat selten direkten Bezug zum Zuschauer. Sie wissen
nicht, was wen interessiert. Sie nehmen es an. Hier herrscht Nachholbedarf. Beispielsweise in
direkten Gesprächen oder Zuschauerbefragungen, deren Ergebnisse jedem Redakteur
vorzulegen sind. Bisher werden die Ergebnisse solcher Umfragen bei vielen Sendern lediglich
den Sendeverantwortlichen vorgelegt.
Formen sind zu suchen, welche den Zuschauern über Internet und Telefon hinaus die
Möglichkeit bieten, interaktiv am Fernsehen teilzunehmen. Bertolt Brecht sprach in einem
ähnlichen Zusammenhang davon, das Medium (Radio) von einem Kommunikationsapparat in
einen Distributionsapparat zu verwandeln. Das selbe sollte für das Fernsehen gelten. Es gibt
Geräte, die eine serielle Kommunikation in Echtzeit ermöglichen.
Der ideale Redakteur, das wäre jemand, der eine klare Vorstellung von dem hat, was seine
Zuschauer interessiert. Er verfügt über einige wesentliche Eigenschaften. Zu ihnen gehören
76

eine effiziente Steuerung des Nachrichtenflusses, eine sehr gute Bearbeitung der Meldungen,
eine blitzschnelle Entscheidung, was Nachrichten sind und was keine, und ein wacher
Verstand, aus einem Thema einen Bericht zu machen. Das aber geht nur, wenn ihm mehr Zeit
für eine gründlichere Recherche zur Verfügung steht.

7.2.1. Das Ideal: Recherche-Journalismus

Die ordentliche Recherche ist die Basis eines qualitativen Berichts. Oft stehen dem gegenüber
fachliche oder moralische Motive, wie Gerechtigkeitstrieb, Sanktionen, Karriere-Blockaden,
Mobbing-Aktionen, Rivalität und wirtschaftliche Interessen. Gefährlich sind auch PR-
Agenturen, die falsche Nachrichten verbreiten. Somit müssen Kontrolle, Pflege und
Informantenschutz zu den Kernaufgaben professioneller Journalisten gehören. Sie müssen
stets überprüfen, woher die Aussagen kommen. Sie müssen ständig überprüfen, wer ihre
Quellen sind. Und die wiederum müssen geschützt und ein guter Kontakt aufrecht gehalten
werden. Die Aufgabe der Journalisten in diesem Zusammenhang ist immer, die Motivlage der
Informanten zu testen, Daten und Fakten intensiv zu überprüfen und einen aufwändigen
Gegencheck durchzuführen. Das bedarf Zeit.
Die Gefahr sind die Journalisten, die meinen, ein Pressesprecher sei ein Informant. In
Wirklichkeit muss Qualitäts-Journalismus frei von Ökonomie, Public Relations und
Standpunkten der eigenen Medienunternehmen sein. Ein guter Journalismus beruft sich auf
Zeit, Geld, Recherche, Stil und gute Quellen.

„[...] Sollte man sich hinwenden zu einem klassischen Recherche-Journalismus, der die wesentlichen
Recherche-Qualifikationen ausbildet, pflegt und profiliert. Dieser Schritt zu mehr Bescheidenheit würde alle
dementieren, die die [...] Recherche als unerreichbar, unbezahlbar – und deshalb nicht praktizierbar –
klassifizieren. Gleichzeitig würden mit der Verankerung der Recherche in der Alltagspraxis breite Lernfelder
für viele Medienmacher eröffnet, die heute meist brachliegen. Redaktionen, die sich konzentriert der
Recherche widmen – bei NDR Info oder in der SWR-Hörfunk-Redaktion 'Recherche und Reportage',
Sonder-Rechercheure selbst in Lokalzeitungen o.a., greifen diesen Grundgedanken erfolgreich auf und
stützen die für die Entwicklung eines Qualitäts-Journalismus notwendige Recherchekultur. Auch die
Zuschauer goutieren offenbar – so mehrere Umfragen – hintergründigen Journalismus.“111

Das deutsche Rundfunkarchiv veröffentlichte 2008 klare Forderungen. Sie lauten wie folgt:
1. Recherche darf nicht nur als Marketinginstrument und für das Branding (Koppelung
von Produkt, Marke, Unternehmen und Konsument) von Magazinen missbraucht
werden. […] Ziel sollte es sein, nicht nur von Recherche zu reden, sondern Recherche
zu ermöglichen, zu fördern und finanziell abzusichern.

111 Leif, Thomas: „Pressefreiheit unter Druck. Recherche-Journalismus als Qualitätsanker“, in: [Hrsg.] Jutta
Weismüller, Cornelia Springer, Deutsches Rundfunkarchiv: „ARD Jahrbuch 08“, Hans-Bredow-Institut,
Hamburg, 2008. S. 94
77

2. Recherche müsste eigentlich auf der Liste der aussterbenden Arten platziert werden.
Der mögliche Nutzen der Recherche steht in einem ungünstigen Verhältnis zur
Intensität der Weiterbildungsangebote.

3. Praxis darf nicht nur simuliert werden, echte Praxis mit realistischen Aufgaben und
konkreten, veröffentlichungsfähigen Geschichten muss der Werttreiber und Motor der
Ausbildung sein. Recherche braucht Leidenschaft, Interesse, Antrieb und
professionelle Begleitung. [...] Elektrisieren, unterstützen, Grenzen überschreiten, der
Abschied von der passiven Ergänzungsrecherche hin zu einer eigenständigen
Rechercheleistung könnte viel bewirken und Motivation für Recherchejournalismus
auslösen.112

7.2.2. Ideale Entscheidungsfindung

Die bisher im dritten inhaltlichen Block der Arbeit erfolgten Forderungen sind unter dem
Zeitdruck, dem Journalisten in der aktuellen Berichterstattung ausgesetzt sind, nicht immer
erfolgreich umzusetzen. Oft scheitert der einzelne Redakteur bereits an der Auswahl, welche
Themen für die Zuschauer interessant sind. Dann wieder erschweren Informanten die zügige
Arbeit. Oder es scheitert an rechtlichen Erfordernissen, wie der Drehgenehmigung. Die Folge
ist ein schlecht recherchierter Bericht oder im schlimmsten Fall gar kein Bericht. Gerade der
Prozess der Entscheidungsfindung stellt den Journalisten vor Probleme.

Viele Theoretiker haben sich mit der Frage beschäftigt, wie der Prozess der
Entscheidungsfindung zu optimieren sei. Zunächst gilt die Entscheidungsfindung als
subjektiv, unbewusst, von außen nicht einsehbar, und damit kurzum als irrationaler Prozess.
Das ist für eine gute Recherche nicht förderlich. Von Nutzen wäre eher eine rationale, wohl
überlegte Entscheidung. Rationale Willensbildung setzt sich aus Intuition und Reflexion
zusammen. Das bedeutet, dass der Journalist nicht durch Ausbildung lernen kann, wie er zu
entscheiden hat. Er braucht die Erfahrung, um Intuition und Reflexion zum gleichen Ergebnis
kommen zu lassen. Dazu muss er seine Wahrnehmungs- und Handlungsmuster kritisch
hinterfragen und alle relevanten Informationen zugänglich haben. Angeklungen ist das bereits
bei Webers Theorie von der Zweck-Mittel-Rationalität. Die von Weber postulierte „ideale
Kommunikationsgemeinschaft“ ist im Fall des Fernsehens die Redaktion. Auch für sie gilt zur
Erreichung einer rationalen Entscheidung die Forderung der Transparenz im Unternehmen.

112Vgl. Leif, 2008, S. 94


78

Dem gegenüber steht mangelndes Können und Wollen der Beteiligten, sich bei der
Entscheidungsfindung zu beteiligen. Ein Grund für fehlendes Wollen wäre zum Beispiel
Opportunismus. Opportunismus kann sich in vier Phasen auf die rationale
Entscheidungsfindung auswirken.

Während der Phase der Perzeption (Identifizierung des Problems und Sammlung von
Informationen, Recherche) werden manche Informationen unzureichend bis gar nicht
wahrgenommen. Als Gründe können ein beschränktes Wissen (Aufbau des Wissens muss
angeregt werden) und eine beschränkte Informationskapazität (mentale Modelle, 'Frames')
angeführt werden.
In einer zweiten Phase folgt die Erhebung von Optionen (Gewinnung wählbarer Alternativen,
Welches Thema kann statt dem einen behandelt werden) anhand mentaler Modelle.

„Mental models are the images, assumptions, and stories, which we carry in our mind of ourselves, other
people, institutions and every aspect of the world. Like a pane of glass framing and subtly distorting our
vision, mental models determine what we see.“113

Die mentalen Modelle führen zur Vernachlässigung bestimmter Informationen und


insbesondere zur Vernachlässigung von Umweltveränderungen. Die Modelle müssen daher
ständig hinterfragt und von Kontextveränderungen abgeleitet werden. Hier kommt die
„Theorie der kognitiven Dissonanz“ zum Tragen. Sie erklärt, weshalb Alternativen bereits
bevorzugt werden, bevor eine Entscheidung getroffen wurde. Oft werden Alternativen mit
Dissonanzen unterbewertet und bevorzugte Alternativen überbewertet. Daraus leitet sich ab,
dass eine Suche nach Alternativen immer unabhängig davon erfolgen sollte, ob man sich für
eine Entscheidung rechtfertigen muss oder nicht.
Während der dritten Phase, der Evaluation (Bewertung der Alternativen), folgen die
Bewertung und Prognose der generierten Alternativen (Themen). Das Schlüsselwort heißt:
Overconfidence – Überschätzung. Erfolgswahrscheinlichkeiten werden dann überschätzt,
wenn sich die Redakteur für kompetent hält.
Es folgt die Phase der Dezision (Entscheidung), die geprägt ist von Verlustaversion und einer
Tendenz zur Perpetuierung des Status Quo. Entweder ist der Entscheidungsträger
risikofreudig, wenn es um die Vermeidung von Verlusten geht, oder risikoavers, wenn es um
die Wahl zwischen verschiedenen Gewinnalternativen geht. Status Quo - also die Routine, das
„habe-ich-schon-immer-so-gemacht“ - ist eine Form der Risikoaversion. Ganz ähnliche
Effekte haben so genannte Transaktionskosten, Denkaufwand und physische wie auch
emotionale Bindungen an vorangegangene Entscheidungen. Das tritt auf, wenn der Journalist

113Vgl. Frey, D.: „Informationssuche und Informationsbewertung bei Entscheidungen“, Huber Hans, Bern /
Stuttgart / Wien, 1981. S. 18f.
79

viel Mühe für seinen Bericht aufgewendet hat. Hilfreich sind in diesem Fall
Kontrollinstanzen, die von außen darauf achten, dass sich der Entscheidungsträger nicht zu
stark vom Status Quo beeinflussen lässt. Das sind in der Regel die Sendeverantwortlichen.
Der Status Quo kann den Journalisten zögern lassen. Falsche oder zögerliche Entscheidungen
können dazu führen, dass ein Bericht zu spät veröffentlicht wird, obwohl er für die
Öffentlichkeit von Bedeutung ist.

Neben der Entscheidungsfindung muss der Journalist andere Fähigkeiten aufweisen, um


qualitativ hochwertige Berichte erstellen zu können. Diese Fähigkeiten wurden von der
Wissenschaft über die Jahre genau erforscht. So postuliert die Theorie des „normativen
Individualismus“, die journalistische Begabung gelte als entscheidend für das publizistische
Ergebnis. Emil Dovifat, einer der Vertreter dieser Richtung, sagte:

„Die journalistische Begabung liegt gleich der künstlerischen in der Persönlichkeit. Sie kann durch Studium
und Erfahrung zur Entfaltung gebracht werden, ist jedoch nicht anzulernen oder zu erarbeiten. [...] Dazu
gehören das Bewusstsein und der Wille, dem öffentlichen Leben aus einer festen Gesinnung heraus dienstbar
zu sein und dabei über sich selbst hinauszukommen. Eigenschaften des Charakters, des Willens, des
Verstandes und des Temperaments verbinden sich in der journalistischen Eignung.“ 114

Allerdings blendet Dovifat bei seiner Betrachtung gesellschaftliche und organisatorische


Bezüge, wie Arbeitsteilung und Arbeitsprozesse, aus. Denn was der eine nicht kann, kann ein
anderer übernehmen. Dovifat konzentriert sich zu stark auf den einzelnen Redakteur und sieht
ihn als alleinigen Entscheidungsträger an. Deshalb bleibt ihm nichts anderes übrig, als
festzustellen, dass der Journalist für sein Metier die nötige Begabung braucht.

Ein zweiter Ansatz, der „analytische Empirismus“, konzentriert sich ebenfalls auf das
Entscheidungsverhalten des journalistischen Individuums. Es handelt sich um eine Erklärung
der Informationsweitergabe und Ursachen für deren Scheitern. Kurz: Die „Gatekeeper-
Theorie“.
Gatekeeperstudien befassen sich auf verschiedenen Ebenen mit den Entscheidungsträgern, die
den Nachrichtenfluss kontrollieren. Das können einzelne Redakteure sein, wenn sie sich für
ein Thema entscheiden. Es können Gruppen von Entscheidungsträgern sein. Beispielsweise
Redaktionen während Redaktionssitzungen. Oder es handelt sich um vorgelagerte Stellen,
welche den untergeordneten Stellen die Entscheidungsfindung abnehmen. So etwa die
Sendeverantwortlichen. Die Gatekeeper-Theorie findet in der Praxis der Rundfunkanstalten
täglich Anwendung, selbst wenn sie den meisten der dort Beschäftigten unbekannt sein dürfte.
Es empfiehlt sich daher, die Theorie und deren Folgen näher zu untersuchen.

114 Boetzkes, Claus-Erich: „Organisation als Nachrichtenfaktor. Wie das Organisatorische den Content von
Fernsehen beeinflusst“, GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden, 2008. S. 19
80

Zunächst klärt die Theorie eine wesentliche Frage:


„Was kommt warum in die Medien und was aus welchen Gründen nicht?“ 115

Ausgehend von Gatekeepern, die in Form von Gruppen auftreten, lassen sie sich einteilen in
„Alpha- und Beta-Gatekeeper“. Die Ersten stehen am Anfang und Ende jeder Prozesskette
und haben problemlösende Funktion. Eine Form solcher Gatekeeper sind die
Sendeverantwortlichen, insbesondere die Redaktionsleiter. Die Zweiten entscheiden
dazwischen, ob sie Nachrichten weitergeben. Betroffen sind die Chefs oder auch Redakteure
vom Dienst. Die Alpha-Gatekeeper haben komplexe Probleme zu lösen und es mit Dynamik
und Intransparenz zu tun. Auch Polytelie als Verfolgung mehrerer zum Teil widersprüchlicher
Ziele spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Man könnte die Alpha-Gatekeeper entfernt
als eine Art Kontrollinstanz verstehen, die gerade bei dynamischen Prozessen wichtig wird
(Aufteilung nach Leitbild-Strategie, siehe Abbildung 9, S. 151). Dynamik bezeichnet hierbei
plötzliche und unerwartete Ereignisse, die zur Eigendynamik führen. Der Alpha-Gatekeeper
muss in sie hinein entscheiden. Er hat darauf zu achten, dass jede Entscheidung zur rechten
Zeit getroffen wird. Sonst entsteht eine kontradiktorische Situation, die schnell
kontraproduktiv werden kann. Entweder handeln die Journalisten zu zögerlich, wenn sie eine
dringende Nachricht aus Gründen der Intransparenz nicht in die nächste Sendung mit
aufnehmen. Oder die Beteiligten verfallen dem Aktionismus, weil die Nachricht am Ende
nicht so brenzlig war, wie angenommen. Jürgs definierte demnach Journalismus als „die
Kunst des Möglichen innerhalb einer vorgegebenen Zeit.“
Des weiteren sollte der Alpha-Gatekeeper den Redakteur entlasten. Sei es in Zeit, Bild oder
Ton. Eine Hilfe könnten beispielsweise Telefonate in der Sendung bieten, die dem Akteur ein
Stück Verantwortung für den Inhalt nehmen, weil die Zuschauer selbst zu Wort kommen
können. Ohnehin ein Grund dafür, dass zu brenzligen Themen Studiogäste eingeladen
werden. Oder am Ende der Sendung wird den Zuschauern die Möglichkeit geboten, eine
kurze Wortmeldung abzugeben.

Interessanterweise kommt dieser Denkansatz aus der Erforschung vom Prozess der
Nahrungsmittelbeschaffung über Kanäle und Schleusenwärter, sogenannten „channels and
gatekeepers“. Die Kanäle, das sind das Geschäft für Essenswaren oder der heimische Garten;
Bereiche, bei denen es um die Selektion nach Verwertbarkeit, nach Zubereitung und
Konsumierung geht. Bei jedem Kanal wird eine Entscheidung getroffen, die entweder dafür
oder dagegen ist. Zwischen den Kanälen befinden sich Schleusen, die nur durch
Schlüsselwerter oder feste Regeln geöffnet werden können. Immer zwei Schlüsselwerter

115 Vgl. Boetzkers, 2008, S. 20


81

stehen sich gegenüber. Im einfachsten Fall sind es die Entscheidungen zwischen Ja und Nein.
Bezogen auf den Kommunikationsbereich stehen Lebensmittelläden für
Nachrichtenagenturen, der Garten für die Eigenproduktionen.

„Wenn die Speisekammer und der Kühlschrank fast schon überfüllt sind, dann verstärken sich die Kräfte
gegen den Kauf weiterer Lebensmittel.“116

Die Theorie wurde durch das „Whites Studien-Design“ erweitert und auf den
Nachrichtenbereich übertragen. Dort heißt es, viele Nachrichten würden bereits abgelehnt
werden, weil einer oder mehrere der folgenden Faktoren vorlägen 117: Platzmangel, Zeitpunkt
des Eintreffens der Nachricht in der Redaktion, nur wenige Nachrichten abgelehnt aus
subjektiven Gründen, persönliche Präferenzen.

Ferner untersuchte John T. McNelly den Nachrichtenfluss. Er konzentrierte sich auf das
Individuum als Gatekeeper in Abhängigkeit vom Kollektiv. McNelly zufolge muss eine
Nachricht bis zu ihrem Erscheinen eine ganze Menge Gatekeeper überwinden. Jeder
Gatekeeper kann seine Schleuse dicht machen und der Nachricht damit ein Aus verpassen. In
der Realität haben die Gatekeeper aber verschiedene Kompetenzen und sind nicht
gleichgestellt. Doch darum ging es McNelly nicht. Er wollte aufzeigen, wie sehr sich eine
Nachricht verändern kann und wie sehr sie deformiert wird.
Er beschrieb dazu den langen Weg einer Auslandsmeldung durch die verschiedenen medialen
Instanzen. Am Anfang stehe der Bericht eines Auslandskorrespondenten. Über einen
einheimischen Mitarbeiter oder von anderen Quellen hat er von einem Ereignis erfahren. Er
schreibt seinen Bericht darüber und schickt ihn an seine Redaktion. Doch dort wird der Text
redigiert; umgeschrieben und gekürzt. So kommt ein veränderter Text in die Zentrale der
Nachrichtenagentur. Eventuell wird hier der Text erneut ergänzt und umgeschrieben. Die
Kette wird fortgesetzt. Weitere Redaktionen, welche ihre Nachrichten von der eben erwähnten
Nachrichtenagentur abonniert haben, werden den Text abermals verändern. Jeder Gatekeeper
hat aufgrund seiner Entscheidung, den Bericht zu ändern, zu einer Verfälschung der
ursprünglichen Aussageabsicht beigetragen. McNelly trug in seiner zugehörigen Skizze auch
Pfeile in die entgegengesetzte Richtung ein. Sie deuten auf Nachfragen und Feedback-
Aktionen hin. McNelly wurde in seiner Theorie kritisiert.

„Hier werde jeder Gatekeeper in der Kette als gleichbedeutend angesehen. McNelly habe nicht einmal
versucht, zwischen den verschiedenen Funktionen zu differenzieren. Der Rezipient am Ende der Kette werde
genauso gewertet wie der Gatekeeper davor […]. [Diese Kritik] geht an McNelly Intention vorbei. Er wollte

116 Boetzkes, Claus-Erich: „Organisation als Nachrichtenfaktor. Wie das Organisatorische den Content von
Fernsehen beeinflusst“, GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden, 2008. S. 20
117 Vgl. Ebd., S. 25
82

[…] ganz schematisch aufzeigen, wie sehr eine Nachricht auf ihrem Weg vom Ursprung bis zum Empfänger
verändert, vielleicht sogar deformiert wird.“118

Walter Gieber machte den idealen Redakteur 1956 an folgenden Punkten fest: eine klare
Vorstellung von dem, was seine Zuschauer interessiert; eine effiziente Steuerung des
Nachrichtenflusses; eine sehr gute Bearbeitung der Meldungen; eine blitzschnelle
Entscheidung, was Nachrichten sind und was keine; ein wacher Verstand, aus einem Thema
einen Bericht zu machen. Seine Studie ergab, dass Sachzwänge entscheidend sind für die
Themenauswahl. Deshalb legte er den Platz, die zeitliche und personelle Machbarkeit sowie
die Lieferung der Nachrichten aus der Nachrichtenagentur als wesentliche Faktoren für die
Themenauswahl fest. Er fasste seine These folgendermaßen zusammen:

„Der durchschnittliche Redakteur (desk-man) steckt in einer Zwangsjacke aus technischen Notwendigkeiten,
wobei die Nachrichtenagenturen die Hauptrolle spielen bei der Nachrichtenauswahl“ 119

Im Gegensatz zur gerade dargelegten Nachrichtenwerttheorie, versucht eine andere


Forschungsrichtung die Selektion durch die Wesensmerkmale eines Ereignisses zu begründen.
Es handelt sich um die News Bias-Forschung. Die Forschungsrichtung konzentriert sich auf
den Journalisten als zentralen Vermittler von Ereignissen via Massenmedien, wobei dieser in
dem Prozess von seinen Einstellungen beeinflusst wird und der Vorgang der Selektion somit
von vornherein subjektiv ist. Sie wurde ins Leben gerufen von Roy E. Carter, Jean S. Kerrick,
Thomas E. Anderson und Luita B. Swales. Konkret geht es um die persönlichen
Dispositionen, die ihren Niederschlag bei der Themenauswahl finden, sowie um die
Beeinflussung der Journalisten etwa durch die politische Linie ihres Arbeitgebers. Ruth C.
Flegel und Steven H. Chaffee bezogen 1971 dazu Stellung:

„Die Reporter lassen sich sehr von ihrer persönlichen Meinung leiten und sie sind sich dessen,
überraschenderweise, auch bewusst. [...] Die Vorstellungen ihrer Redakteure und Zuschauer interessieren sie
weit weniger.“120

Aber wie bei den anderen Ansichtsweisen, handelt es sich auch bei der News Bias-Forschung
nur um einen Ausschnitt aus dem Gesamtbild.

Darauf aufbauend konzentriert sich der „legitimistische Empirismus“ von Elisabeth Noelle-
Neumann, Hans Mathias Kepplinger und Wolfgang Donsbach. Die als „Mainzer Schule“
bekannte Forschungsrichtung geht davon aus, dass TV-Journalisten über enorme, vor allem
auch eine politisch wirkende Macht, verfügen, die jedoch nicht legitimiert sei. Sie
veröffentlichten dazu drei Befunde. Zum einen seien deutsche Journalisten – wohl auch

118 Boetzkes, 2008, S. 41


119 Ebd., S. 27
120 Ebd., S. 30
83

wegen der Aufforderung zu innovativem Arbeiten - mehrheitlich als politisch progressiv


einzuordnen und würden entsprechend ihrer politischen Einstellung berichten. Zum zweiten
würden die Rezipienten, die im deutschen Fernsehen häufig politische Magazine sehen, von
den „linken“ Ideen der jeweiligen Journalisten in ihrer politischen Einstellung beeinflusst
werden. Das wiederum wirke sich auf die Wahlentscheidungen der Rezipienten aus. Zum
dritten würden die Medien, allen voran das Fernsehen, durch ihre politisch konsonante
Berichterstattung ein Meinungsklima schaffen, das Andersdenkende verstummen ließe.
Wegen des Mitläufer-Effekts sei auch diese „Schweigespirale“ bei politischen Wahlen
relevant.

Eine Weiterführung dieser Ideen sind „Intra-organisationale Prozesse“. Bei ihnen werden
Gatekeeper als Individuen betrachtet, die entweder von innen, oder von außen auf die
Entscheidungsfindung innerhalb eine Redaktion einwirken. Damit ähneln sie den von
McNelly beobachteten Prozessen. Ein Gatekeeper nimmt Informationen an und leitet sie
weiter an die Gatekeeper der nächsten Stufe im Inneren der Organisation. Dort findet eine
erneute Selektion und Veränderung der Meldungen statt. Überlebende Nachrichten gehen
weiter an die Grenzstellen, bei denen entschieden wird, welcher Content an die Rezipienten
ausgegeben wird.

Es gibt viele Möglichkeiten für Redaktionen, ihr Programm qualitätsbewusst zu gestalten. Sie
sollten sich jedoch stets bewusst darüber sein, dass die Programmqualität auch anhand der
Berichte und somit anhand des Inhalts entschieden wird. Der Inhalt jedoch ist laut den
Gatekeeper-Theorien grundsätzlich subjektiv vom einzelnen Redakteur gefärbt.
Programmqualität scheint aus diesem Grund aufgrund mangelnder Objektivität begrenzt zu
sein. Die Grenzen werden enger, sobald externe Gatekeeper ins Spiel kommen (siehe
Abbildung 12, S. 153). Sie können die Objektivität aufgrund unvorsichtiger Weitergaben von
Information erheblich beeinflussen. Auch dazu kommt es bei jedem Bericht. Denn die
Programmqualität kann nur im Wechselspiel mit äußeren Faktoren stattfinden. Die
Gatekeeper-Theorien sind daher fundamental wichtig für den Recherche-Journalismus und die
Programmqualität.
Von daher verwundert es nicht, wenn sich die meisten Journalisten nicht mehr um eine
intensive Recherche bemühen, die den Dingen auf den Grund geht. Sie wissen um die
Abhängigkeit von externen Faktoren (Siehe Abbildung 11, S. 152). Sie formulieren stattdessen
zusehends vorsichtiger. Prof. Dr. Wolfgang Donsbach von der Technischen Universität
Dresden äußerte in diesem Zusammenhang:
84

„Deutsche Journalisten verstehen ihren Beruf eher als politische Rolle, sie setzen sich für bestimmte Werte
und Ideen ein. Der gründlichen Recherche wird tendenziell weniger Bedeutung beigemessen als der
Möglichkeit, Ereignisse und Fakten zu bewerten. Subjektive Einstellungen haben erheblichen Einfluss auf
die Nachrichtensektion. Deutsche Journalisten veröffentlichen eher Themen, die ihre eigene Sicht der Dinge
bestätigen. Sie wissen wenig über ihr Publikum und interessieren sich auch nicht sonderlich für dessen
Kommunikationswünsche und -Bedürfnisse. […] Sie sind stark Kollegen-orientiert. Bei großem Zeit- und
Aktualitätsdruck sind sie durchaus bereit, die journalistische Sorgfaltspflicht zu vernachlässigen. Die
Forderung nach Objektivität hat keinen besonders hohen Stellenwert. Es gibt eine deutliche Bereitschaft,
auch unbewiesene Kritik, insbesondere an Personen der Zeitgeschichte, zu veröffentlichen.
Im deutschen Journalismus gibt es eine relativ geringe Arbeitsteilung. Die Entscheidung über die
Veröffentlichung, das Zusammentragen der Fakten und das Bewerten von Ereignissen liegt häufig in einer
Hand. Die publizistische Eigenständigkeit ist sehr hoch, die redaktionelle Kontrolle durch Vorgesetzte und
Management ist gering.“121

Neben dem individualistischen Ansatz findet sich der institutionelle Ansatz. Diese „Quelle-
Medium-Relation“ betrachtet die Entscheidung des Journalisten, ein Thema zu bearbeiten, im
Umfeld des Newsrooms, der Redaktion.

Sie geht davon aus, dass der Journalist keinen Kontakt zum Zuschauer hat. Die
entscheidenden Faktoren der Betrachtung sind die Anzahl des Personals, die für eine
Berichterstattung zur Verfügung steht, und der Platz, der einem Bericht zugestanden werden
kann.
Ein anderer Faktor ist die Zeit. Wie festgehalten wurde, wünscht sich der Rezipient ein
möglichst individualisiertes Programm. Redakteure sehen sich dadurch dazu gezwungen, ein
Massenprodukt herzustellen und trotzdem Sonderanfertigungen zu liefern. Somit ist
Journalismus

„Massenproduktion von Unikaten unter hohem Zeitdruck.“ 122

Um das zu bewerkstelligen, haben sich gewisse Routineabläufe eingestellt. Angenommen, der


Journalist – insbesondere sind hier Video-Journalisten betroffen – hat keine Zeit für seine
Recherche. So muss er sich auf Heuristiken verlassen. Heuristiken sind „kognitive
'Eilverfahren'“. Sie sind bei der Reduzierung des Bereichs möglicher Antworten oder
Problemlösungen nützlich. Durch sie können Faustregeln als Strategie angewendet werden.
Entweder fällt der Journalist ein schnelles Ersturteil, was wichtig ist, um den Fernsehbetrieb
am Laufen zu halten. Oder er trifft vernünftige, erfahrungsbasierte Erstentscheidungen. Im
ersten Fall ist von „Verfügbarkeitsheuristik“, im zweiten von „Repräsentationsheuristik“ die
Rede. Stephen Reese und Pamela Shoemaker haben Routinen definiert als

„musterhafte, eingeschliffene, sich stets wiederholende Vorgehensweisen in der


journalistischen Arbeit.“123

121 Boetzkes, Claus-Erich, 2008, S. 35f.


122 Ebd., S. 51
123 Ebd.
85

Das ist die Stärke des Nachrichtenjournalismus. Mit Hilfe von Routinen lassen sich
Nachrichten einfach und einheitlich herstellen. Gleichzeitig sind laut Stefan Frerichs

„solche Iterationen [...] eine Erklärung für die auffallende Selbstähnlichkeit von Nachrichten
und deren fraktale Strukturen.“124

Dazu zählt etwa die Routine, immer beide Seiten zu Wort kommen lassen. Aber auch die
Ergänzung von Nachrichten mit Informationen, deren Wahrheitsgehalt von niemandem
angezweifelt wird. So kann Intransparenz umgangen werden. Die Berichterstattung wird
seriöser.
Eine weitere Routine lässt sich anhand des „Lead-Satz-Prinzips“ erklären. Eine Nachricht
beginnt immer mit dem wichtigsten Inhalt, mit der zentralen Botschaft.

Dieses Prinzip, so der Fernsehjournalist, Martin Ordloff,

„stammt noch aus Zeiten der Telegrafie. Wenn die Übertragung aus technischen Gründen unterbrochen
wurde, war wenigsten die Kernaussage der Nachricht abgesetzt.“125

Das habe den Vorteil, dass sich Berichte von hinten her kürzen lassen. Es sei aber auch der
Hauptgrund für die Ähnlichkeit von Nachrichtensendungen neben einfacher Wortwahl,
knappem Satzbau und übersichtlicher Satzfolge.

7.2.3. Anforderungen an den TV-Journalisten

Ein weiterer Faktor, der sich auf die Programmqualität auswirkt, ist das Können der
Journalisten. Es hat indirekt mit der Entscheidungsfindung zu tun. Doch sollen hier unter
Können die Fähigkeiten untersucht werden, authentisch, kompetent und objektiv arbeiten zu
können.

7.2.3.1. Kompetenz

„[...] Kompetenz sichert uns das Vertrauen der Kollegen. Sie sichert aber auch unser Selbstbewußtsein [sic!].
Kompetenz, in diesem Sinne verstanden, steckt deshalb die Grenzen des Wirkens in einem Team ab. Ich
beschränke mich auf das, was ich wirklich kann. Das andere überlasse ich meinen Kollegen mit ihren
Spezialgebieten. [...] Teamarbeit ist erfahrungsgemäß nur so gut, wie das schwächste Glied bei dieser
Zusammenarbeit.“126

124 Boetzkes, Claus-Erich, 2008, S. 51


125 Ebd., S. 52
126 Kerstan, Peter, 2000. S. 18
86

Was Peter Kerstan anspricht ist das, was weiter oben bereits genannt wurde: Arbeitsteilung,
um das Problem des Opportunismus zu umgehen. Zwei Arten journalistischer Tätigkeit sind
von daher zunächst abzulehnen: Der „Videojournalismus“ und das „Learning by doing“.
Denn beim Videojournalismus besteht das „Team“ nur aus einer Person, die als Einheit
immer das schwächste Glied der Kette darstellt. Diese Einheit kann sich nicht auf die
Kompetenz anderer verlassen und wichtige Ratschläge für die Arbeit und vor allem während
der Arbeit erhalten. So ist es wahrscheinlich, dass Fehler übernommen und darüber hinaus
potenziert werden. Beim Learning by doing – wie es bei Praktikanten vorkommt – kommt es
wahrscheinlich nicht zur ökonomischen Arbeitsweise. In der Praxis hat der Journalist keine
Zeit, sich auszuprobieren und erst während seiner Arbeit sein Handwerk zu lernen. Zudem
wäre das auf Dauer viel zu teuer.

„Ein Filmbericht, besonders der im nachrichtlichen Bereich, soll ein Höchstmaß an realitätsnaher
Information transportieren. Künstlerische Experimente oder manierierte Gestaltungsvarianten sind dazu
ungeeignet. Ziel der berichterstattenden Gestaltung sollte es deshalb sein, die Wahrnehmungsfähigkeit des
Zuschauers in ihrer ganzen Bandbreite zu treffen.“127

Ein anderes Problem ist der Quereinstieg, von dem abzuraten ist. Zum einen zählen
Quereinsteiger ohne besondere Ausbildung oder Spezialisierung innerhalb des Unternehmens
wenig und könnten bei einer Umstrukturierung als erstes ersetzt werden. Zum anderen
erlernen Quereinsteiger die im Fernsehbereich gängige Fachsprache erst nach und nach und
verwenden sie dann oftmals falsch.
Das betrifft vor allem die Verwendung von Gestaltungsmitteln, deren Einsatz – wie untersucht
– bedacht gewählt werden muss. Zu umgehen wäre das Problem durch entsprechende
Schulungen, wie sie an der Medienakademie der ARD und ZDF auf dem Gelände des
Bayerischen Rundfunks, Nürnberg, angeboten werden.
Kerstan meint darüber hinaus, dass schlecht ausgebildete Journalisten Kameramänner
erzürnen würden, weil sich diese durch das geringe Niveau herabgesetzt fühlen. Dies wirke
sich auf die Zusammenarbeit und am Ende auch und primär auf die Zuschauer aus. Die
Programmqualität ist hiervon ebenfalls betroffen. Von daher ist ein Volontariat (eine in der
Regel zwei- bis dreijährige Schulung im TV-journalistischen Bereich, bei dem die
Auszubildenden sämtliche Redaktionen eines Senders durchlaufen) zu empfehlen.

„Daß eine Ausbildung in einem Film- und Fernsehberuf auf keinen Fall zur reinen Glückssache werden darf,
ist wohl selbstverständlich. Einschlägige Anfragen bei den Fernsehanstalten, Anfang der 60er Jahre noch in
der Aufbauphase, ergaben zwar ziemlich konkrete Hinweise auf das Anforderungsprofil, jedoch immer mit
dem Hinweis, daß der Bedarf doch verhältnismäßig gering sei. [...] Das ist heute nicht mehr so – im Zeitalter
der Programmvielfalt über Kabel und Satellit. [...] Bei allen Berufswünschen und -träumen kann nur eine
gesunde Mischung von Theorie und Praxis die 'Lehrzeit' zu einem Erfolg werden lassen. Ohne solides

127 Kerstan, Peter, 2000, S. 23


87

Basiswissen, möglichst noch durch ein Zeugnis oder Diplom bestätigt, geht selten ein Einstieg
beziehungsweise Aufstieg im Film- und Fernsehgeschäft vor sich. […] Mittlerweile gibt es eine große Anzahl
von Schulen, Fachschulen, Fachhochschulen, Hochschulen und Akademien, an denen moderne Medienberufe
studiert werden können. Ausnahmslos im Verein mit praxisbezogener Arbeit. Und es werden, gerade in
letzter Zeit, immer mehr.“128

7.2.3.2. Objektivität

Bereits bei der Gatekeeper-Theorie hat sich gezeigt, dass es keine objektiven Berichte geben
kann. Programmqualität ist insofern immer nur so weit qualitativ, als dass sie stets durch
Subjektivität und damit durch Tatsachenverfälschungen gekennzeichnet ist. Selbst bei der
besten Ausbildung kann es keinen objektiven Journalismus geben. Er kann deswegen auch
nicht erlernt werden. Die Aufgabe des Journalisten kann also nur darin bestehen, Fairness
walten zu lassen.

„Von einer objektiven Darstellung sprechen häufig nur Kollegen, die bis dahin nur wenig über Wahrnehmung
und Gestaltung nachgedacht haben.“129

Das Problem der objektiven Berichterstattung liegt in der Vermittlung von Information. So
beginnt der Informationstransfer im Kopf des Autors. Die Berichte entstammen immer seiner
eigenen Vorstellung von Wirklichkeit. Und so wird jeder Autor auf eine gewisse Art Ideen
entwickeln und somit manipulieren. Ausgehend von dem, vom Autor vorgegebenen Bild stellt
der Zuschauer dann ein Abbild einer neuen Vorstellung her. Der Journalist Walter Lippmann
spricht hier von „news values“130. Nach ihm sind Nachrichten nicht realistisch, sondern
Realitätsausschnitte. Die Realität verschiebe sich allmählich zwischen Aussageabsicht des
Autors, Filmaufnahme und den Bildausschnitten, Schnitt und Zuschauer. Der Berichterstatter
solle seine Aufgabe darin sehen, seine Sichtweise dem Zuschauer nahe zu bringen. Er solle es
aber vermeiden, Dinge zu erklären.

„Die höchste Form der Objektivität ist durch das Eingeständnis einer subjektiven Sicht zu erreichen.“ 131

Nachrichten verändern sich nicht nur aufgrund der genannten Realitätsausschnitte. Nach Einar
Östgaard vom Friedensforschungsinstitut Oslo, Begründer der Nachrichtenwerttheorie in
Europa132, verändere sich der Inhalt von Auslandsmeldungen durch die regierungsamtliche
Zensur in den Ursprungsländern, durch die Geschäftspolitik der Nachrichtenagenturen, durch

128 Vielmuth, Ulrich: „Ausbildungsmöglichkeiten für Film- und Fernsehberufe (I)“, in: FERNSEH- UND
KINO-TECHNIK,1993/47, 12 1993, S. 1 – 8
129 Ebd., S. 1 – 8
130 Vgl. Boetzkes, Claus-Erich, 2008, S. 56
131 Vgl. Ebd.
132 Ebd.
88

Simplifikation (Vorliebe der Medien für einfach strukturierte Nachrichten), Identifikation


(Der Rezipient kann sich mit den Inhalten identifizieren; zeitliche, räumliche und kulturelle
Nähe zum Geschehen) und Sensationalismus (Neigung der Medien, durch die
Berichterstattung über möglichst dramatische und emotional erregende Ereignisse die
Aufmerksamkeit ihrer Rezipienten zu gewinnen). Er fasst somit den Großteil der
verschiedenen Ansätze der Gatekeeper-Theorie zusammen.
Wenn über Fernsehen und seine Verantwortung für die Wirkung beim Zuschauer gesprochen
wird – also über die Objektivität des Fernsehens –, dann sollte das Material „Fernsehen“ in
Zusammenwirkung mit anderen Mitteln betrachtet werden. Dann geht es um Fernsehen als
Gestaltungsmittel in Abhängigkeit von anderen Faktoren. Diese Form der Information ändert
seinen Gehalt je nach Gestaltung. Nach Emanuel Kant und dem Medienwissenschaftler,
Kunstpsychologen und Mitbegründer der modernen Kunstpädagogik Rudolf Arnheim gibt es
aber keine Information, die unschuldig und frei von Interpretation ist. Arnheim sagt:

„The cognitive operation called thinking is not the privilege of mental processes above and beyond
perception itself [...]. Visual perception is visual thinking.“133

7.2.3.3. Ästhetik

Anhand der bisher untersuchten Faktoren und dem sich daraus ergebenden Wissen kann nun
ein erster Versuch unternommen werden, zu folgern, was ästhetisches Fernsehen sein kann.
Doch auch hier kommt es wieder darauf an, von welcher Perspektive man den Begriff
betrachtet – ähnlich wie bei der Definition der „Qualität“.

Fernsehmachende führen oft Kriterien an, wie die Bild- und Tonqualität, die Beleuchtung, die
Wahl der Kamera und die Kameraarbeit, den Bild- und Tonschnitt, den Einsatz von Musik,
die
Wahl des Aufnahmeorts oder des Sendestudios sowie Mittel der Sendungspräsentation wie
Vor- und Abspann, Studiodekoration und anderes. Ihnen fällt zum Beispiel auf, dass das
Format des Studiomonitors nicht dem Fernsehbild-Format entspricht, die Ausleuchtung
miserabel ist, das Größenformat der Insertierungen zu viel Platz wegnimmt, oder beim
Übergang vom Studiogespräch zum Filmbeitrag erkennbar wird, dass das Gespräch
aufgezeichnet worden ist.
Zuschauern hingegen fallen diese Dinge kaum auf, solange ein gewisser Standard nicht
unterschritten wird. Kritikpunkte des Publikums lassen sich auf wenige Defizite reduzieren.

133 Vgl. Arnheim, Rudolf: „Visual Thinking.“ University of California Press, Berkeley, Los Angeles, 1969. S.
13f.
89

Dazu gehört eine hinkende Kamera oder Hektik im Beitrag. Manche Zuschauer geben sogar
zu, dass sie wenig auf das Studio achten und es ihnen relativ gleichgültig ist. Es ist folglich
schwer, Ästhetik festzulegen. Dennoch ein Versuch.

Nach dem deutschen Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas 134 bekommt Fernsehen
eine Bedeutung als Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsinstrument von
universaler Ausstrahlung. Genau darin liege seine Ästhetik. Fernsehen sei dann ästhetisch,
wenn es drei Potentiale vollends zur Geltung bringe und das verantwortungsvoll tue.
Zum einen gibt es das „autoritäre Potential“. Fernsehen strahle Informationen über ein
zentralisiertes Netzwerk, einer Art Knotenpunkt, in verschiedene Richtungen aus. Es rege
somit Kommunikation an und wirke dadurch als Kontrolle auf soziale Zusammenhänge.
Als zweites ist da das „emanzipatorische Potential“. Fernsehen und andere Massenmedien
würden Verständigungsprozesse verdichten. Fernsehen erleichtere also die Verständigung und
beschleunige sie.
In einem dritten Potential, dem „ambivalenten Potential“, geht Habermas von einem
Öffentlichkeitsbegriff aus, der an das Projekt „Aufklärung“ gebunden ist. Fernsehen solle
nicht manipulieren, sondern aufklären, indem es Zusammenhänge aufzeige. Fernsehästhetik
sei zunächst so zu verstehen, dass es in erster Linie Aufgaben zu erfüllen habe.

Doch verbergen sich hinter Habermas' Modell einige Widersprüche:


Öffentlich-rechtliche Sender sind an Qualität gebunden, um sich von den Privaten und dem
Pay-TV zu distanzieren. Die soeben dargelegten Potentiale bringen das öffentlich-rechtliche
Fernsehen dazu, seine Zuschauer zu Engagement, zu Diskussionen und Auseinandersetzungen
zu motivieren. Auf der anderen Seite geschieht dies durch bewusste Meinungsbildung. Wird
diese Beeinflussung der Zuschauer einseitig zu stark, könnte das Publikum zum Objekt einer
ideologischen und kommerziellen Lösung gemacht werden.
Wenn jeder Sender danach strebt, die Potentiale im Sinne einer informativen Aufklärung zu
nutzen, beanspruchen sie die Meinungsäußerung für sich. Denn sie wollen, dass ihr
Programm und ihre Information wahrgenommen wird. Dass die Zuschauer ihre Informationen
aus ihren Nachrichten beziehen. Damit entstehen aber keine Synergieeffekte, sondern eine
Konkurrenzsituation. In diese Marktsituation spielt dann nicht nur der journalistische Ethos
mit ein, sondern auch das kritische Potential trivialer Sendungen.

134 Vgl. Habermas, Jürgen: „Öffentlichkeit als gesellschaftlicher Auftrag. Eine idealtypische Rekonstruktion der
Öffentlichkeitsdiskurse gesellschaftskritischer Medientheorien“, in: Kleiner, Marcus S.: „Medien-
Heterotopien. Diskursräume einer gesellschaftskritischen Medientheorie“, Transcript Verlag, Bielefeld, 2006.
S. 119 - 156
90

Ideologische Botschaften haben dann nur noch eine begrenzte Reichweite, da die Marktstärke
vor Innovation kommt. Es wird bald niemanden mehr stören, dass es nicht mehr zur
objektiven Darstellung kommt.

Es liegt darüber hinaus auch an den Journalisten selbst. Sie sollten viel mehr Tatsachen
aufzeigen, die für Lebenszusammenhänge relevant sind. Viel zu oft werden immer wieder die
gleichen Themen behandelt. Das gilt in erster Linie für die Regionalsender. Das Problem liegt
bei klar definierbaren Faktoren, wie einer niedrigen und darüber hinaus in letzter Zeit
sinkenden Budgetierung der Rundfunkanstalten, dann aber auch im unerprobten Einsatz neuer
Technik. Des weiteren müsste Journalismus die Phantasieproduktion anregen und die
Realitätswahrnehmung des Rezipienten durch Montage von Erfahrung und Tatsachen richtig
stellen. Er muss freilegen, was der Rezipient noch nicht gesehen hat. So verwundert es nicht,
dass

„Fernsehzuschauer[...] vom Programm kaum noch wirklich Aufschluß [sic!] [erwarten] [...]. Sie rechnen mit
vereinzelten Eindrücken, Momentaufnahmen, Auftritten eines bunten Völkchens (von Grauen Panthern bis
zur gewohnten Bonner Prominenz), einer Mixtur, die sie amüsiert, entrüstet, verärgert, kurzfristig angeregt
also verfolgen und – vergessen können. Konzentriertes Programm, erinnerungsfähiges Programm ist rar
[...]“135

Eine andere Möglichkeit der Definition von Ästhetik im Fernsehen ist die Betrachtung der
Programmstruktur. Die derzeitige Tendenz sieht folgendermaßen aus: Das Programm wird
mannigfaltiger, aber undurchschaubar, während das Publikum einfacher und einheitlicher
wird. Es kann nicht sonderlich förderlich für die von den Öffentlich-Rechtlichen angestrebten
Programmästhetik sein, wenn der Zuschauer von einer Programmfülle erschlagen wird. Es
geht eher darum, auf welche Weise die meisten Zuschauer erreicht werden könnten. Es geht
aber nicht mehr um die Frage, wie qualitativ hochwertige Formate zu entwickeln sind. Kurz
gesagt: Es sollte eher um die Etablierung eines investigativen Journalismus' gehen, der die
politische Einmischung des Publikums anregt. Aus diesem Grund wurde weiter oben das
Kapitel über den „Recherche-Journalismus“ angeführt. Wenn ästhetisches Fernsehen
geschaffen werden soll, so sicherlich nicht dadurch, dass die Sender dazu übergehen,
Massenware herzustellen.

Ästhetisches Programm versteht es, erlesene, informative Einzelsendungen entstehen zu


lassen. Noch bekommen die Rundfunkanstalten durch eine finanzielle Absicherung
Möglichkeit dazu. Die Möglichkeit dazu haben vor allem die öffentlich-rechtlichen
Regionalsender und Dritten Programme.

135 Heygster, Anna-Luise;Rohrbach, Günter [Hrsg.]: „Fernsehkritik. Versuche, es anders zu machen. Fragen zur
Ästhetik neuer Sendeformen“, Hase und Koehler Verlag, Mainz. 1983
91

Wenn auch etwas provokant, so doch effizient und nachvollziehbar, zieht Charlotte Brunsdon
in ihrer Publikation „Television. Aesthetics and Audiences“136 Rückschlüsse, was ausgehend
von diesen Betrachtungen, ästhetisches Fernsehen sein kann.
Fernsehen sei umso wertvoller, desto mehr Menschen es erreiche. Fernsehen sei
Massenmedium und solle daher im Idealfall Sprachrohr von vielen sein. Ferner sei es
wertvoll, wenn es demokratisch und sozial sei. Denn dann würden Minderheiten zum Vorteil
der Mehrheit nicht übergangen werden können, sondern Gehör finden. Fernsehen sei
weiterhin gut, wenn es real sei. Gemeint ist die Nähe zum Publikum. Es geht ihr um
lebensnahe Berichte, welche die Problematik aller Bevölkerungsschichten ansprechen. Um
dem gerecht zu werden, wüchse die Bedeutung von Live-Events. Fernsehen sei gut, wenn es
nicht kommerzialisiert oder amerikanisiert sei. Dies schließe schon eine große
Zuschauermenge aus, die Unterhaltung wünschen. Es mag richtig sein, dass Nachrichten des
öffentlich-rechtlichen Fernsehens ihr Hauptaugenmerk auf die Information anstatt der
Unterhaltung setzen sollten. Umgekehrt ist es bei Privatsendern, die inzwischen die Aussagen
ihrer Nachrichtenformate mit Musik und Geräuschen untermalen. Fraglich ist dann aber, ob
Brunsdon auch für das gesamte Fernsehprogramm ausschließlich Bildungsfernsehen fordert.

7.3. Programmplanung

Alle im Kapitel 7 angeführte Überlegungen kommen zusammen in einem Instrument der


Rundfunkanstalten: Der Programmplanung. Es lässt sich sogar sagen, dass Programmqualität
unter Berücksichtigung aller Faktoren immer nur so gut ist, wie es durch die
Programmplanung ermöglicht wird. Der Bedarf an Programmen ergibt sich aus dem
Bemühen, nicht länger ein homogenes Zielpublikum zu erreichen, sondern alle ethnischen
Bevölkerungsanteile. So ist es, wie es zu sehen war, im Gesetz festgeschrieben. Mehr
Programme bedeuten ein abwechslungsreicheres Angebot und eine wachsende Nachfrage auf
Seiten der Zuschauer. Damit kann der Sender seinen finanziellen Bedarf steigern, mehr Geld
für Innovationen erhalten und sich dadurch besser präsentieren. So ist der Programmbedarf
ein wesentliches Werkzeug der qualitativen Arbeit und muss als solches gesteuert werden. Er
richtet sich primär nach der Sendezeit der Kanäle. Mehr Sendezeit ist dann lohnenswert, wenn
die Zuschauer aufgrund unterschiedlicher Präferenzen zueinander im Wettbewerb stehen. Das
setzt eine Mehrzahl an Programmen voraus sowie eine bestimmt Anzahl an Zuschauern, die
treu zu einem der Kanäle stehen.

136 Vgl. Brunsdon , Charlotte: „Television. Aesthetics and Audiences“, in: Meelencamp, Patricia: „logics of
television: essays in cultural criticism“, Indiana University Press, Indiana, 1990. S. 69
92

„Qualitätsdiskussion im öffentlich-rechtlichen Rundfunk [...] hat sich in den letzten zehn Jahren eine Kultur
der systematischen Beschäftigung mit dem Thema Programmqualität herausgebildet. Maßgeblich daran
beteiligt sind die Medienforschungsabteilungen, die die Zuschauerperspektive auf das Programm oder die
jeweilige Sendung untersuchen. In der Regel sind die dabei eingesetzten Analyseverfahren Teil umfassender
Controllingprozesse, die auch die interne professionelle Perspektive der Programmmacher, Redakteure und
Journalisten einbeziehen.“137

Gerade die Programmmacher haben heute viel mehr Bedeutung, als sie wahrnehmen wollen.

„Haben Programm-Macher erstmals Kontakt mit dem Qualitätskonzept, möchten sie oft zunächst geklärt
wissen, was denn die Zuschauer wollen. Dies ist zwar eine wichtige Frage, doch geht es hier nicht darum,
Zuschauervorstellungen und -wünsche zu erforschen (Marktforschung), sondern implizite Theorien der
Macher über Wirkungen bei den Zuschauern explizit zu machen und sie anschließend bei den Zuschauern zu
überprüfen.“138

Die Aufgabe der Programm-Macher sollte es daher nicht länger sein, akribisch an den
Einschaltquoten festzuhalten. Dem Vorbild des ORF folgend, sollte in jeder Zentrale eines
Senders eine Abteilung zur Messung des „public values“ eingerichtet werden.
Programmmacher, pauschal gesagt, machen den Eindruck, als wären sie sich der Bedeutung
ihrer Aufgabe nicht bewusst. Meistens sind es Sendeverantwortliche innerhalb der Redaktion,
die neben der eigenen Berichterstattung und der Korrespondenz zwischen Unternehmen,
Redaktion und Zuschauer, auch noch die Tagesplanung übernehmen. Wichtig aber wäre es,
wenn sie sich einige wichtige Dinge vergegenwärtigen würden. Denn Fernsehen ist
Dienstleitung und als solche stellt es seinen Dienst, die Vermittlung von Information und
Unterhaltung, in den Dienst des Rezipienten. Und der sollte qualitativ hochwertig sein.

„Im Kern geht es bei der internen Qualitätsdiskussion um die Optimierung des Angebots im Wettbewerb, um
die möglichst umfassende Befriedigung der Ansprüche des Publikums, die je nach Zielgruppe und Genre sehr
unterschiedlich sind und sich zudem im Kontext der Weiterentwicklung des Fernsehens ständig
verändern.“139

Programmmacher sind folglich nicht nur diejenigen Redakteure, die die Reihenfolge der
Berichte innerhalb einer Sendung festlegen. Sie sind auch diejenigen, die sich am ehesten um
Qualitätsoptimierung sorgen sollten.

Laut Ekkehardt Oehmichen und Hardy Schneider wird vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen
ein ganz spezielles Zuschauerprofil angesprochen. Es handelt sich um ein weitgehend
öffentlich-rechtlich orientiertes Publikum. Im Durchschnitt ist es 63 Jahre alt und setzt sich
vor allem aus den Medien-Nutzertypen der häuslichen, vielseitig Interessierten, der
Kulturorientierten, Traditionellen und Zurückgezogenen zusammen140.

137 Oehmichen, Ekkehardt; Schneider, Hardy, media perspektiven 1/2008, S. 15 – 23 hier S. 15;
http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/01-2008_Oehmichen.pdf; (4.3.2009)
138 Ebd.
139 Ebd.
140 Ebd.
93

Für ein jüngeres, stärker an den Privatsendern orientiertes Publikum würde sich vermutlich
zeigen, dass andere Qualitätsmerkmale wichtiger sind. Diesen Bereich decken die
Öffentlichen durch Jugendprogramme ab. Wie die Programme letztlich genutzt werden, wird
von den Sender akribisch über die Einschaltquote verfolgt; dem Damoklesschwert über dem
öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

7.3.1. Finanzierungsformen - Einfluss auf die Programmgestaltung

Die Chancen für qualitativ hochwertige, künstlerische Arbeiten sind dort besonders schlecht,
wo in die „reine“ Ästhetik Korruption und Kommerz hineinspielen.

„Qualität hat in aller Regel mit Geld zu tun. Die Idee, es reiche, kreativ zu sein, man müsse zur Verwertung
von Ideen nicht besonders reich sein, kann nur dort entstehen, wo man das Wort 'kreativ' ohnehin zu häufig
und unnütz im Munde führt.“141

Auch die Programmstruktur eines Senders, Auswirkungen auf Sendungsthemen und


Sendungsinhalte, die Handhabung von Genre-Konventionen und die Modifikation von
Präsentationsformen sowie dem visuellen Erscheinungsbild von Sendungen haben Einfluss
auf die Qualität. Um dem Problem der Beeinflussung von „reiner“ Qualität durch genannte
Faktoren lösen zu können, müssen drei Fragen beantwortet werden (Faktoren, siehe
Abbildung 20, S. 157). Zum einen ist da die Frage,

„inwieweit sich aus den beiden bis heute wichtigsten Finanzierungsformen [...] – Gebührenfinanzierung bzw.
Werbefinanzierung durch Spotwerbung – prinzipiell systematische Einflußfaktoren auf das
Programmangebot ableiten lassen.“142

Zum anderen stellt sich die Frage,

„welche allgemeinen Auswirkungen die Koexistenz von primär gebührenfinanziertem und ausschließlich
werbefinanziertem Fernsehen im Rahmen des dualen Systems bis heute gehabt hat.“ 143

Und dann gibt es am Ende noch die dritte Frage,

„wie konkrete programmliche Entwicklungen seit der Einführung der Konkurrenz öffentlich-rechtlicher und
privatrechtlicher Sender in Deutschland unmittelbar oder mittelbar mit ihrer Finanzierung zusammenhängen
– thematisiert anhand ausgewählter Beispiele.“144

141 Schwertzel/Seidel: Finanzierungsmöglichkeiten für Fernsehunternehmen“, In: Blind/Pethig, 1998, S. 77f.


142 Ebd.
143 Ebd., S. 78
144 Ebd., S. 77f.
94

Nach Prof. Dr. Norbert Seidel und Dr. Uwe Schwertzel, beide Lehrende am Institut für
Rundfunkökonomie der Universität Köln, präferiere das gebührenfinanzierte Fernsehen den
Adressierungsmodus „Staatsbürger“. Das impliziere, dass das Publikum entsprechenden
Rollenerwartungen nachzukommen habe. Im Allgemeinen sei dies die Erfüllung der Rolle des
Fernsehzuschauers in der Situation der „forced choice“. Doch ergibt sich hier eine Differenz:

„The problem of always working with people are, of necessity, watching is that we don't really ever adress
that something else – what people might like to watch“145

Es bedeutet, dass sich die qualitative Seite von Fernsehnutzung den üblichen, am gesamten
Publikum orientierten Messverfahren entzieht. Das Programm kann also nicht allein auf
Zuschauerinteressen ausgerichtet werden.

„Gebührenfinanzierung ermöglicht ein Fernsehangebot, das außer Zuschauermehrheiten auch anderen zu


gefallen hat.“146

Denn der öffentlich-rechtliche Sender bekommt auch bei geringen Einschaltquoten eine
finanzielle Beteiligung. Daher können auch Zuschauerminderheiten berücksichtigt werden,
die gesellschaftlich wünschenswert sind, aber nicht quotenrelevant. Es ist nur so, dass
Programmentscheidungen mit Blick auf Intuitionen getroffen werden, die über Gebührenhöhe
und -verteilung entscheiden. Entscheidend für die Programmgestaltung sind aber letztlich
politische Affinitäten zwischen Programm- und Gebührenentscheidern.

Die Programmmacher müssen sich diesen Fakten bewusst sein, um das Programm
ansprechend gestalten zu können. Es ist zum Beispiel wichtig zu wissen, wann welche
Gesellschaftsschicht welche Programmformate sehen will. Die Wertschöpfungsphase des
Programms beginnt dadurch bereits vor der Ausstrahlung. Der Anfang liegt in der
Positionierung, Imageplanung oder der Festlegung einer Zielgruppe. Danach wird
entschieden, welche Formate angeboten werden sollen. Somit legt sie den strategischen
Rahmen für alle anderen Phasen der Programmplanung fest (siehe Abbildung 19, S. 157). Sie
wird definiert als

„das Bestreben des Unternehmens, sein Angebot so zu gestalten, daß es im Bewußtsein des Zielkunden einen
besonderen und geschätzten Platz einnimmt.“147

Geplant wird konkret ein Gesamtprogrammschema und dessen konkrete Besetzung, als Basis
für die weitere Programmplanung. In der Programmbeschaffungsplanung und -entwicklung
wird der Bedarf an Programmen, die eingekauft, bzw. neu entwickelt werden müssen, eruiert.

145 Schwertzel/Seidel, 1998, S. 79


146 Ebd.
147 Koch-Gombert, 2005, S. 136
95

7.3.2. Programmplanung und ihre Strategie

„Kein Akteur auf dem wettbewerbsintensiven Fernsehmarkt in Deutschland kann es sich mehr leisten, zu
einer beliebigen Zeit ein beliebiges Programm anzubieten. Das Programmangebot eines TV-Senders kommt
vielmehr durch eine strategische Zusammenstellung auf den Ebenen der Tages- und Wochendramaturgie
zustande, die wiederum auf einem wiedererkennbaren Schema basiert.“ 148

In diesem Zitat zeigt sich bereits die besondere Stellung der Programmplanung. Sie ist
inzwischen mit der Position der Unternehmensplanung vergleichbar. Sie ist Aushängeschild
des Senders. Entscheidender Faktor über Gewinn und Niederlage beim Zuschauer ist die
Programmqualität.

„Im kontinuierlichen Diskurs über Aktualität, Relevanz, journalistische Qualität, Informations-, Gebrauchs-
und Unterhaltungswert der jeweiligen Fernsehangebote sind bestimmte Qualitätsdimensionen
operationalisier- und überprüfbar, andere nicht. Insbesondere Fragen, die die Struktur und Gestalt des
Gesamtangebots betreffen, wie die nach der Erfüllung des Programmauftrags oder die nach dem Beitrag
einzelner Sendungen zum Programmprofil, müssen auf der strategischen Ebene entschieden werden. Insofern
ist zwischen der Qualität des Gesamtangebots und der einzelner Sendungen zu unterscheiden.“ 149

Diese Einschaltung kann selbstverständlich nicht einfach so erfolgen. Es bedarf einer


gewissen Strategie, beziehungsweise Planung. Laut Angaben einiger der befragten Sender
sind sich die Programmmacher jedoch dessen nicht bewusst. Einige Verantwortliche
antworteten sogar, sie würden aus dem Bauch heraus entscheiden.

Die langfristige Planung, oder auch strategische Planung, befasst sich mit Entscheidungen
über Sparten- oder Vollprogramm. Es geht darum, welche Programmbeschaffungsart die
Positionierung des Produktes optimal zum Ausdruck bringt.

„Diese auch als mehrjährige Programmplanung bezeichnete Ebene beinhaltet unter anderem die Festlegung
von Genres und Kategorien und die Aufteilung der gesamten Sendezeit auf die einzelnen Programmarten.“ 150

Ihr Planungszeitraum erstreckt sich in der Regel auf einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren.
Die jährliche oder taktische Planung trifft als zweites eine genaue Festlegung des
Programmbedarfs, der sich aus der Positionierung beziehungsweise Programmstrategie
ableitet. Danach richtet sich die Bestimmung des Sendeplatzes; ob es sich um ein Eigen- oder
Lizenzprodukt oder um eine Wiederholung handeln soll.
Die dritte Planung nennt sich kurzfristig oder auch operativ. Hier werden Sendungen auf die
Sendeplätze aufgeteilt und neue Genres eingeführt. Diese Phase ist für die Einführung
innovativer Produkte von besonderem Interesse.

148 „rbb Fernsehen: Neues Programmschema“, in: [Hrsg.] Jutta Weismüller, Cornelia Springer, Deutsches
Rundfunkarchiv: „ARD Jahrbuch 08“, Hans-Bredow-Institut, Hamburg, 2008. S. 281
149 Oehmichen, Ekkehardt; Schneider, Hardy, media perspektiven 1/2008, S. 15 – 23 hier S. 15;
http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/01-2008_Oehmichen.pdf; (4.3.2009)
150 Vgl. Koch-Gombert, 2005, S. 134
96

Über diese klassische, betriebswirtschaftliche Einteilung hinaus, kann man bei den Phasen der
Programmplanung auch von der unterjährigen Planung sprechen, die den Bedarf der
taktischen Planung decken muss.
Es ist wichtig, neben der Orientierung an den Tagesabläufen der Zielgruppen auch die
Wiedererkennung der Programme und die Vorhersehbarkeit deren Ausstrahlung zu
strukturieren. Erneut geht es um Wiedererkennung und Wiederverwertbarkeit. Dabei kommt
es darauf an, nach welcher Strategie der Programmplaner die Sendungen setzt. Die
Programmstrukturplanung ist heute ein Wettbewerbsinstrument geworden. Man kann sogar
sagen, dass

„die zeitliche Positionierung einer Sendung zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor geworden“ 151

ist. Programmplanung ist viel stärker als zuvor von künstlerischen, kreativen Leistungen und
den ökonomisch, technischen Voraussetzungen abhängig. Sie ist nicht nur das
Zusammenkommen aller vorher erwähnten Faktoren wie Organisation, redaktionelle Arbeit
oder Finanzierung – sei es über Gebühren oder Werbung. Sie ist Voraussetzung jeder
qualitativen Arbeit. Je nach den Auswirkungen seiner Strategie wird der Programmplaner ein
jeweils anderes Zielpublikum ansprechen und auf mehr oder weniger Interesse stoßen. Es gibt
etliche Möglichkeiten, Programme zu platzieren. Die Theorien dazu sind ebenso zahlreich.
Für den Bereich der aktuellen Berichterstattung ist die horizontale Programmierung, genannt
Stripping oder Multi-the-Board-Strategie, am wesentlichsten. Werktäglich werden gleiche
Sendeformen auf dem gleichen Sendeplatz gespeichert. Das ist nicht nur in der „Day-Time“
bei den Nachrichtensendungen der Fall, sondern auch in der „Prime-Time“ vieler Sender um
20.15Uhr. Angestrebt wird die Herstellung von „Leisten im Schema“152. Dies gilt als Versuch,
eine feste Zuschauerschaft zu gewinnen und den Rezipienten an den Sender zu binden. Um
die Informationen effektiv vermitteln zu können, müssen vor allem Lern- und
Gewöhnungseffekte beim Zuschauer angesprochen werden. Von daher ist die Uhrzeit ein
wesentlicher Faktor. Wenn der Zuschauer in Eile oder müde ist, wird er die Informationen
nicht behalten können. Eine Platzierung der Nachrichtenmagazine vormittags, nachmittags
oder in der Nacht macht von daher wenig Sinn. Marc Conrad, Programmchef von RTL,
spricht in diesem Zusammenhang von der Tagesschau als bestes Beispiel der Sehgewohnheit
von Rezipienten.

„Die 'Tagesschau' ist ja nur so erfolgreich, weil sie seit Jahren jeden Tag um die gleiche Zeit kommt, und
nicht, weil sie außergewöhnlich gut wäre. Die Nachrichten erzielen auf der ganzen Welt diese unheimlich
hohen Einschaltquoten, weil sie überall jeden Tag um die gleiche Uhrzeit zu sehen sind.“ 153

151 Koch-Gombert, 2005, S. 146


152 Ebd., S. 137
153 Zit. nach Bleicher, Joan Kristin, 1996, S. 197.
97

Wesentlich ist als zweites das „Blunting“, in der Praxis auch die „Spielverderber-Taktik“154
genannt. Es wird genau die gleiche Zuschauergruppe wie die der Konkurrenz angesprochen.
Hierzu müssen zwei starke Programme des gleichen Genres zur gleichen Sendezeit gesetzt
werden. So könnte nach der Nachrichtensendung ein Spielfilm, oder andere interessante
Unterhaltungsprogramme gesetzt werden. Die Konkurrenz soll nicht die Möglichkeit
bekommen, eine große Zuschauergruppe an sich binden zu können. Beispielsweise könnte der
eine Sender durch diese Strategie den Erfolg einer Nachrichtensendung des Konkurrenten
minimieren. Nachteil: Eine starke Orientierung an der Konkurrenz bei gleichzeitiger
Vernachlässigung seiner eigenen Zielvorstellungen.
In diesem Kontext findet sich das „Stunting“. Bei ihm wird das bisherige Schema durch ein
attraktives Angebot einmalig unterbrochen. Bekannte Modelle dieser Gestaltungsvarianten
sind Specials, Auftritte von Studiogästen und Programmverschiebungen zur Irritation der
Konkurrenz. Sie werden zwischen den normalen Programmablauf geschaltet, so dass der
Zuschauer einen Großteil der Sendung anschaut, um das Angebot nicht zu verpassen.
Aufmerksam werden die Zuschauer jeweils durch den hohen Attraktivitätsgehalt. Die
Programmgestalter können die genannten Varianten jedoch nicht beliebig anwenden, sondern
müssen sich nach einigen Entscheidungsvariablen richten.

Gerade das aktuelle Magazin „Thüringen Journal“ hat mit dem 19Uhr-Problem zu kämpfen,
also mit dem Umschalten der Zuschauer auf das ZDF „heute“-Journal und „RTL Aktuell“.
Daher bedarf es eines Eye-Catchers exakt um 19.30Uhr, um die Zuschauer zum Programm
zurück zu holen. Um möglichst viele Zuschauer trotz ZDF Heute Journal und RTL aktuell zu
erreichen, organisierte der Sender mit einem Institut eine Umfrage und gestaltete die Sendung
entsprechend der Ergebnisse. So gibt es am Anfang ein ganz kurzes Indikativ und sofort die
Themenübersicht, damit der Zuschauer nicht wegzappt. Es gilt der Grundsatz: Kein Thema
(auch Wirtschafts- und Kulturthemen) ist so schwierig, als dass man es dem Zuschauer mit
einem entsprechenden Beitrag nicht nahe bringen könne. So wird in der
Wirtschaftsberichterstattung weniger mit Zahlen als mit handelnden Personen gearbeitet.
„Denn niemand kann mehr als sechs bis sieben Berichte behalten“, so die Begründung.

Die Programmierung der Programme unterliegt auch der Form der Trägerschaft. So findet
man bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ein auf Vielfalt angelegtes Schema. Im
Mittelpunkt ihrer Programmierung steht eine Mischung aus Unterhaltung und Information zu
allen Tageszeiten. Das liegt daran, dass der Sendefluss gewahrt bleiben muss. Erreicht werden

154 Koch-Gombert, 2005, S. 149


98

kann das Ziel mittels Unterbrechungen durch Nachrichten, teils auch mittels Gestaltung
populärer Sujets durch eine Vielfalt aus dem Serien- und Informationsangebot; bei aktuellen
Ereignissen, wie etwa dem überraschenden Tod von Michael Jackson (25.06.2009), mittels
flexibler Programmgestaltung.
Daneben braucht das Werberahmenprogramm zwischen 17 und 20Uhr eine besondere
Programmierung durch Sondersendungen oder Magazinbeiträge.

7.3.3. Eine qualitative, anspruchsvolle Sendung – Was ist das?

Selbst wenn eine Nachrichtensendung zeitlich gut platziert ist und möglichst viele Zuschauer
ansprechen kann, heißt das nicht, dass sie qualitativ hochwertig ist. Einige Aspekte zur
Programmqualität wurden bereits genannt. Einige andere folgen.

Aus ökonomischer Sicht, so Dominik Koch-Gombert155, müssten die Genres einfach und
verständlich konzipiert sein, um qualitativ im Sinne von erfolgreich zu sein. Sie wären dann
ökonomisch erfolgreich, wenn sie mehrfach verwertet werden könnten. Beispielsweise sind
Musikauftritte oder Konzertaufnahmen sowie die Berichterstattung darüber wiederverwertbar.
Manche Redaktionen verwenden alte Mitschnitte, um Werbung für ihre Berichterstattung über
die neue Veranstaltung zu machen. Das gilt aber für andere Formate wiederum nicht.

D i e Erfolgskonzeption kann es nicht geben, da der Erfolg von stets unterschiedlichen,


senderabhängigen Variablen, wie der Positionierung und Zielgruppe, abhängig ist. Eine
mögliche Konzeption zum Erfolg ist die Gestaltung von Rahmenhandlungen (Moderation)
größtenteils in Studios oder in geschlossenen Räumen. Durch feste Räumlichkeiten, die
immer wieder gezeigt werden, wird das Identifikationspotential beim Zuschauer
angesprochen. Er fühlt sich beim Sehen der Sendung gewöhnt und damit zufrieden. Ferner
fehlt den Nachrichtenbeiträgen sowie der gesamten Sendung ein inhaltlicher „Final Point“.
Offene Enden führen dazu, dass sich der Zuschauer mit dem Thema intensiver beschäftigt.
Diese Tatsache ist gleichzeitig Garant für eine stark ausgeprägte Kanaltreue.

Um sich am Markt durchzusetzen bringt eine Abdeckung durch Formate alleine wenig. Denn
es komme nach Koch-Gombert156 auf eine gute Infrastruktur der Technologien an. Es sei
wichtig zum TV-Inhalt weiterführende Angebot online oder per Telefon anzubieten. Gerade

155 Koch-Gombert, 2005, S 348 - 353


156 Ebd., S. 342 - 348
99

heute sei die Akzeptanz der Rezipienten gegenüber konvergenten Angeboten hoch. Selbst
wenn die Akzeptanz letztlich von Format und Konzept abhängig sei.
Fakt ist, dass der Zuschauer etwas völlig anderes für qualitativ hält, als es der Produzent tut.
Denn der Zuschauer stellt die Anforderungen, die nicht von einer professionellen Sicht
ausgehen, sondern die individuellen Bedürfnisse befriedigen sollen. Trotzdem verfolgen beide
Seiten die gleichen Faktoren, nämlich „Nachrichtenfaktoren“(siehe Abbildung 14, S. 154).
Eliders und Wirth formulierten Ende der 1990er Jahre:

„Die Nachrichtenfaktoren steuern gleichermaßen das journalistische Selektionsverhalten und das Interesse
der Medienkonsumenten.“157

Unter diesem Gesichtspunkt stellten Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge bereits 1965 in
„Journal of Peace Research“158 zwölf publikationsrelevante Nachrichtenfaktoren auf, die
Nachrichten interessant machen. Sie lassen sich lesen wie Geheimzutaten eines erfolgreichen
Berichts. Die einzelnen Faktoren lauten:

1. Frequenz:
„Je besser diese Zeitspanne mit der Aufnahme und Wiedergabefrequenz der Medien
übereinstimmt, also mit der Periodizität der Ausgaben und Sendungen, desto
wahrscheinlicher wird das Ergebnis zu einer Nachricht“;

2. Schwellenfaktor:
„Überschreiten einer gewissen Aufmerksamkeitsschwelle, Superlativen“;

3. Eindeutigkeit:
„klar, einfach, überschaubar“;

4. Konsonanz:
„Entsprechen des Ereignisses den Erwartungen und Wünschen des Publikums“;

5. Überraschung:
„Unvorhergesehenes, Seltenes, Kurioses“;

6. Kontinuität:
„sich entwickelnde Nachrichten“;

7. Variation:
„richtige Mischung der Nachrichten über längere Zeit“;

8. Bezug zu Elite-Nationen; -Personen:


„Bezug zu Prominenz, Einfluss, Politik, Wirtschaft, Militär, Macht“;

9. Personalisierung:
„Abstraktes, Strukturelles hat kaum Nachrichtenwert, Menschen als handelnde
Subjekte – Identifikationsobjekte“;

157 Boetzkes, Claus-Erich, 2008. S. 65


158 Vgl. Ebd., S. 57
100

10. Eindeutigkeit der Negativität:


„Überraschung“;

11. Negativität:
„negative Ereignisse“.

Umso mehr diese Faktoren innerhalb einer Sendung vertreten sind, umso attraktiver wirkt sie
auf den Zuschauer. Interessant ist in diesem Kontext die Feststellung Galtungs und Ruges, die
einen Erklärungsversuch für die Faszination an der Negativität in Nachrichten aufstellten. Sie
arbeiteten mit dem bereits genannten Friedensforscher Einar Östgard zusammen und
untersuchten das von Lippmann aufgestellte Konzept der Nachrichtenwerte als Verzerrung
des internationalen Nachrichtenflusses. Sie meinten dazu:

„Vergleichen Sie die lange Zeit, die nötig ist, um einen Menschen großzuziehen und auszubilden mit der
kurzen Zeit, die nötig ist, in der er bei einem Unfall getötet werden kann. Oder die lange Zeit, die nötig ist,
um ein Haus zu bauen und die kurze Zeit, um es abbrennen zu lassen. Oder die Zeit, um ein Flugzeug
herzustellen und die Minuten des Absturzes.“

Wolfgang Schulz entwickelte darüber hinaus eine Faktoren-Theorie:

„Je mehr eine Meldung dem entspricht, was Journalisten für wichtige und mithin berichtenswerte
Eigenschaften der Realität halten, desto größer ist ihr Nachrichtenwert.“ 159

Schulz erweiterte die zwölf Kategorien von Galtung und Ruge auf 18, wobei er die Faktoren
Komplexität (Umfang und Detailreichtum der Nachricht), Thematisierung (langfristig
eingeführtes Thema), Persönlicher Einfluss, Ethnozentrismus, Negativismus, Erfolg
(erfolgsversprechende oder erfolgreiche Ereignisse) und Überraschung (!) aufnahm.
Überraschung ist eine Form der Aufmerksamkeitsadressierung.

„Überraschung hängt bei den Fernsehnachrichten [...] stark mit den Faktoren Relevanz und Thematisierung
zusammen. Das heißt, dass es offenbar die überraschenden Wendungen innerhalb des bedeutsamen und
langfristig thematisierten Geschehens sind, die vom Fernsehen besonders herausgestellt werden.“ 160

159 Boetzkes, Claus-Erich, 2008, S. 61


160 Ebd.
101

8. SCHLUSSGEDANKE

Nach den vorangegangen Überlegungen lässt sich zur Programmqualität ein eindeutiges Fazit
ziehen: Die Fernsehlandschaft im öffentlich-rechtlichen Bereich ist europaweit im Umbruch.
Redaktionen und Medienforschung überlegen, wie sich dem zunehmenden Zwang zu
Kosteneinsparungen begegnen lässt und dennoch qualitatives Programm weiterhin angeboten
werden kann. Diese Studie konzentrierte sich nur auf einen kleinen Bereich, die aktuelle
Berichterstattung. Doch bereits hier lassen sich Folgen der derzeitigen Umstrukturierungen
feststellen und klar verfolgen. Angesichts dessen folgt in diesem letzten Kapitel eine
Zusammenfassung aller Erkenntnisse, die zu einem Vorschlag führen soll, was
Programmqualität ist und wie sie gestaltet werden kann.

Zunächst ist es nicht möglich, die Öffentlich-Rechtlichen dazu zu bewegen, ihre Strukturen in
Richtung einer höheren Programmqualität zu bewegen. Zum einen fehlt es an einem
gemeinsamen Qualitätsstandard. Meiner Meinung nach müsste so ein Standard für ganz
Europa verpflichtend eingeführt werden, um effizient zu sein. Die teilnehmenden
Sendeanstalten müssten miteinander vergleichbar sein und eine tiefgründige Diskussion über
Alternativen müsste zusammen mit der Seite der Produzenten von Endgeräten und
Technologie erfolgen. Doch davon sind die Rundfunkanstalten in Europa noch weit entfernt,
selbst wenn es bereits erste Richtlinien in diese Richtung gibt. Die Rede ist hier von
„Fernsehen ohne Grenzen“.
Ferner scheitert ein gemeinsamer Standard an der fehlenden, eindeutigen Definition des
Begriffs „Qualität“. Zu unterschiedlich sind die einzelnen Auffassungen je nach
Arbeitsbereich, Abteilung und Aufgabe sowie zwischen Fernsehmachern und Zuschauern.
Zum anderen ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu fest in gesetzliche
Rahmenbestimmungen eingebettet, als dass diese aufgebrochen werden könnten. Diese
politische Verankerung basiert in erster Linie auf dem Programmauftrag, der von der
Europäischen Union und den Ländern vorgegeben wird. Zudem reagieren die
Rundfunkanstalten zwar auf die jeweilige Marktsituation, sind aber in ihrem Verhalten
risikoavers. Das liegt an der in ganz Europa üblichen Absicherung und dem Schutz durch den
Staat - beispielsweise bei den Finanzen. Es ist den Sendern nicht möglich, völlig frei über die
Verteilung ihrer Gelder zu verfügen.
102

Die Finanzierung sollte ohnehin nicht länger auf die Anliegen der Sender ausgerichtet sein,
sondern auf die Mittel, die dazu nötig sind, den Zuschauern Informationen auf eine Weise zu
bieten, die er nicht nach kurzer Zeit wieder vergisst, sondern bei denen er Spaß daran findet,
Nachrichten zu schauen. Das heißt, die Sender sollten meiner Meinung nach nicht aus einem
gemeinsamen Topf schöpfen. Ihnen sollten finanzielle Mittel nach erbrachter Leistung
geleistet werden. Diese dürften sich nicht länger ausschließlich an der Einschaltquote
orientieren, sondern an möglichst objektiven Berichten resultierend aus einer direkten,
verbalen Auseinandersetzung unterschiedlichster Gesellschaftsschichten. Doch dazu muss
zunächst geklärt werden, nach welcher Finanzierungsform die Regionalsender in Zukunft ihre
Gelder beziehen – Gebühren- oder Werbefinanzierung.
Da die Sender hauptsächlich über die Gebühren finanziert werden, wäre es ratsam, keine
Ausnahmen bei den Zahlenden zuzulassen, sofern im Haushalt mindestens ein Erwerbstätiger
ist. Das würde die Akzeptanz zur Zahlung fördern, da jeder von der Gebühr betroffen ist.
Ferner muss der Nutzer eventuelle Erhöhungen der Gebühr akzeptieren. Denn wenn die
Nutzer mehr zahlen müssen, werden sie in zunehmendem Maße auf die Privaten ausweichen.
Der Nutzer muss daher die Möglichkeit haben, sich einen Überblick darüber zu machen,
wohin sein Geld fließt. Es reicht nicht aus, das Programm als Beweis anzuführen. Sinnvoller
wäre eine transparente Finanzierung, die dem Nutzer gewisse Einblicke erlaubt. Da aber
Betriebe generell wenig motiviert sind, sich in die Karten schauen zu lassen, wäre eine
Lösung die nutzerabhängige, individuelle Gebühr.

Es zeichnen sich überdies Wettbewerbsverzerrungen gegenüber privaten


Rundfunkveranstaltern immer deutlicher ab, die vor allem bei Quersubventionierungen von
Programmbestandteilen vorliegen. Es ist daher mehr als wichtig für die öffentlich-rechtlichen
Sender, die Gebührenberechtigung aufrecht zu halten, um eine Chance gegen die Mitstreiter
des digitalen Fernsehens zu haben. Wenn der Staat schon hergeht und die Gelder kürzt, wird
eine verantwortliche Stelle, die für die finanzielle Verteilung im Rundfunksender zuständig
ist, in Zukunft noch mehr gefragt sein. Ihre Aufgabe wird dann die zentrale Steuerung und
Reduzierung der Kosten sein, die durch Prozesse und Funktionen, wie beispielsweise Media-
Asset-Management, Archivierung, Backup- und Lizenz-Management, anfallen. Ratsam wäre
es, diese Aufgabe an denjenigen Programmverantwortlichen zu übergeben, der einen genauen
Einblick in die redaktionellen Abläufe hat. Oder das Aufgabenfeld innerhalb des Controllings
zu erweitern.
103

Jedes qualitative Arbeiten, sei es technisch oder redaktionell, organisatorisch oder direkt in
der Praxis, bedarf einer Kontrolle, die für die nötigen Rahmenbedingungen sorgt und
Freiraum für Innovationen lässt, um sich am Markt behaupten zu können: das Controlling.
Dessen Hauptaufgabe muss darin bestehen, ein Unternehmen bei zunehmender Dezentralität
und Komplexität zu koordinieren. Im Fernsehbereich wird diese Aufgabe umso wichtiger, da
die meisten europäischen Sender damit begonnen haben, ihre Arbeit auf Landesstudios,
Tochterfirmen und externe Firmen zu verteilen. Oft sind im Kontrollprozess Mitarbeiter
ausgeschlossen und haben wenig Einfluss auf die Gestaltung des Unternehmens. Das aber ist
genau das Problem dieser Kontrollinstanz. Denn betroffen sind ja in erster Linie gerade die
Mitarbeiter. Sie sehen die Prozesse täglich während ihrer Arbeit und wissen, wo Probleme
und Engpässe auftreten.

Ein weiterer Nachteil der Finanzierung ist der Druck, den die Werbewirtschaft ausüben kann.
Man denke nur daran, dass Werbeeinnahmen inzwischen auch bei öffentlich-rechtlichen
Sendern die Haupteinnahmequelle darstellen. Entweder strebt man nach Quantität hinsichtlich
der Einschaltquoten, oder man versucht, sich durch Qualität auszuzeichnen. Eine Lösung
wäre hier die strikte Teilung zwischen den Märkten, also ein Werbeverbot für öffentlich-
rechtliche Sendeanstalten. Die Sender könnten sich stärker auf ihren Programmauftrag
konzentrieren. Sie könnten ihre Programmaufwendungen sogar durch den Wegfall der
Werbezeiten steigern und durch täglich einige Minuten mehr Programm ersetzen. Doch das
würde zu einer Erhöhung der Gebühren führen und zum Verlust von Zuschauern, die eher
bereit sind, für Pay-TV zu zahlen, oder auf die privaten Sender ausweichen. Doch derzeit wird
ein solches Verbot noch nicht erfolgen, da es an der Umsetzung scheitert. Bis dahin gilt
folgender Leitsatz: Je besser sich ein Unternehmen an die Finanzierungsfaktoren anpasst,
desto günstiger werden seine Finanzierungsmöglichkeiten ausfallen.

Zu diskutieren wäre weiterhin, ob die neuen Formate wirklich den Nutzen bringen, den sich
die Sender davon erhoffen. Es scheint ratsamer zu sein, Entwicklungen im Contentbereich
voranzutreiben. Beispielsweise durch eine bessere Ausbildung der Mitarbeiter, durch
Einsparungen im Personal und durch die Auswertung multimedialer Arbeitsweisen, bei
gleichzeitiger Lohnerhöhung. Denn wo mehr Lohn ist, steigt auch die Motivation. Und die
führt zu einem besseren Arbeitsergebnis. Und das wiederum zur besseren Programmqualität.
Eine bessere Auswahl bei der Einstellung, beispielsweise nach einer intensiven Probezeit in
mehreren Bereichen, würde die Auslagerung gewisser Berufsfelder und Aufgaben auf
Tochter- oder externe Firmen nicht aufheben, aber vermindern. Zudem würde eine
Gehaltserhöhung starre Tarifverträge eine Zeit lang unnötig machen.
104

Wie die neuen Finanzierungsformen auch ausschauen mögen, im Vordergrund wird trotzdem
immer der Zuschauer und der sich für ihn aus dem Programm ergebende Nutzen stehen.
Fernsehen ist nun einmal Dienstleister und keine technische Spielwiese. Was bringen die
neusten Errungenschaften, wenn der Nutzer damit nicht zurecht kommt oder keine
Verbesserung bemerken wird? Sinnvoller wäre es, die Nutzung der Endgeräte zu verbessern,
was sich auch auf die Herstellung des Content' auswirkt. Beispielsweise beim Ton.
Pegel- und Lautstärkeverhältnisse, Dynamik, Klangfarbe, Stereo-Auflösung und andere
Eigenschaften sollten bestmöglich aufbereitet und durch programmbegleitende Daten
unterstützt werden, so dass die Wiedergabequalität entsprechend den gegebenen
Hörbedingungen und der jeweiligen Hörerwartung individuell angepasst werden kann.
Maßnahmen, um den Ansprüchen gerecht zu werden, sind inzwischen allgemein bekannt.
Trotzdem werden sie von der Empfängerindustrie nicht ausgenutzt. Eine der Ursachen ist das
Fehlen verbindlicher, nationaler Standards, um alle verantwortlichen Seiten zu definierter
Signalqualität verpflichten zu können.
Die Entwicklung führt nicht nur zur Beeinträchtigung der technischen Qualität. Auch das
Desinteresse und die Missachtung des Hörers wird gesteigert, was sich negativ auf die
Programmausnutzung auswirkt. Doch dieser Vorschlag bleibt wohl vorerst theoretisch. Denn
weder die Rundfunkanbieter, noch die Heimgeräteindustrie kommen sich derzeit entgegen.

Wie die Richtlinie „Fernsehen ohne Grenzen“ vorsieht, sind die Rundfunkanstalten
aufgerufen, international zu kooperieren und zu koproduzieren. Als innovativ können von
daher alle Systeme gelten, die zu einem europäischen Austausch und Netzwerk beitragen
können. Dies ist die Richtung, die von der Europäischen Union angestrebt wird. Und wenn
nicht das Fernsehen, welche andere Institution hätte dann so viel Einfluss auf den Einzelnen,
um den europäischen Gedanken in seinen Grundsätzen von Freiheit, Brüderlichkeit und
Gleichheit zwischen den ethnischen Volksgruppen zu festigen und zu verbreiten.
Sinnvoll wäre es, die Öffentlich-Rechtlichen in diesem Zusammenhang und innerhalb der
gesetzlichen Möglichkeiten aus ihrem derzeit ausgeprägten kommerziellen Denken zu erlösen
und ihnen zu ermöglichen, die Willensbildung der Bevölkerung durch eine freie, nicht
kommerziell ausgerichtete Berichterstattung zu garantieren. Fernsehen im allgemeinen muss
die Bevölkerung dazu bringen, souverän zu agieren, Meinungen auszutauschen und sich ohne
Einfluss von Politik und Religion informieren zu können. Ein qualitativ hochwertiges
Fernsehen sollte alle kulturellen und sozialen Themen berücksichtigen, von jeder Partei in
gleicher Weise sprechen und nicht danach gehen, was die breite Masse an Zuschauern sehen
möchte, sondern was sie sehen sollte. Es geht darum, den Zuschauer offen und vorurteilsfrei
an Themen heranzuführen – nicht objektiv, sondern fair - die von allgemeinem Interesse sein
105

könnten. Das beinhaltet auch eine Berichterstattung, die sich weniger an einem Zielpublikum
orientiert, als viel mehr einen Querschnitt durch alle Lebensbereiche zieht. Das Fernsehen ist
also eine verantwortungsvolle Institution, die zum Engagement der Zuschauer aufrufen muss.
Da weltweit Menschen viele Stunden vor dem Fernseher verbringen und sich die Nutzung von
der Schule, über die Arbeit bis in den Haushalt erstreckt, sollte unter Programmqualität auf
jeden Fall ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Content verstanden werden. Das
Programm sollte den Zuschauer zum Umdenken bewegen und ihm alltäglich aufzeigen,
welche Probleme im Umfeld des Zuschauers auftauchen. Das ist möglich. Denn
Fernseherlebnisse werden mit anderen kommuniziert. Bilder und Symbole werden in den
Alltag des Zuschauers übernommen. Daher sollte der Journalist dem Zuschauer die
Möglichkeit dazu bieten. Er sollte dafür sorgen, Bilder durch das Fernsehen zu vermitteln, die
Menschen ansprechen und ihnen eine Vision, beziehungsweise Motivation geben. Die
Verwertung des Gesehenen hilft dem Zuschauer darüber hinaus, soziale Anerkennung zu
erhalten. Das ist gerade für ethnische Minderheiten von Belang, von denen es in Europa
reichlich viele gibt. Sie wollen ernst genommen, angesprochen und verstanden werden.
Fernsehen muss daher glaubwürdig sein. Das wird in ausdifferenzierten
Individualgesellschaften umso wichtiger, da die einzelnen Lebensbereiche kaum noch
miteinander kompatibel sind.

Fernsehen hat seine Bedeutung in seiner Funktion als Informations-, Kommunikations-, und
Unterhaltungsinstrument. Und genau darin liegt seine Ästhetik. Wenn jeder Sender danach
strebt, die Potentiale zu entfalten und sich gegenüber anderen durchzusetzen, entstehen keine
Synergieeffekte, sondern eine Konkurrenzsituation. Denn auch die an Qualität gebundenen
öffentlich-rechtlichen Sender gehen dazu über, das Publikum zum Objekt einer ideologischen
und kommerziellen Lösung zu machen. Ideologische Botschaften haben dann nur noch eine
begrenzte Reichweite, da die Marktstärke vor Innovation kommt.
Ästhetik, das ist die Produktion erlesener, informativer Einzelsendungen innerhalb der Sender,
die dazu die Absicherung und Möglichkeit haben, indem sie finanziell geschützt sind. Es liegt
darüber hinaus auch an den Journalisten selbst. Sie sollten viel mehr Tatsachen aufzeigen, die
für Lebenszusammenhänge relevant sind. Viel zu oft werden immer wieder die gleichen
Themen behandelt. Des weiteren müsste Journalismus die Phantasieproduktion anregen und
die Realitätswahrnehmung des Rezipienten durch Montage von Erfahrung und Tatsachen
richtig stellen. Es muss freilegen, was der Rezipient noch nicht gesehen hat. Dabei muss der
Journalist nur einige wenige Faktoren beherzigen, um gehört zu werden: Betroffenheit,
Einstimmigkeit, Chancengleichheit, Zwanglosigkeit, vollständige Information, Kompetenz
106

und Unvoreingenommenheit. Meist steht dem aber mangelndes Können und Wollen der
Beteiligten entgegen.
Das mangelnde Können der Akteure hat Einfluss auf die Informationsfindung. Oft werden
Alternativen mit Dissonanzen unterbewertet und bevorzugte Alternativen überbewertet. Das
heißt, dass eine Suche nach Alternativen immer unabhängig davon erfolgen sollte, ob man
sich für eine Entscheidung rechtfertigen muss oder nicht.
Journalisten agieren als passive Vermittler, die sich in erster Linie an der faktischen Realität
orientieren, also an dem, was die Redaktionsleitung und die Anforderungen der Redaktion
erfordern. Daneben werden sie beeinflusst von Regierung, Anzeigenkunden, PR-Agenturen,
Interessensgruppen und Nachrichtenagenturen, welche die Informationsbeschaffung des
Journalisten beeinflussen. Das bedeutet, dass der Journalist selbst keinen direkten Bezug zum
Zuschauer hat. Hier herrscht Nachholbedarf. Beispielsweise in direkten Gesprächen oder
Zuschauerbefragungen, deren Ergebnisse jedem Journalisten vorzulegen sind.

Ist ein Thema zu komplex oder zu schwierig nachzuvollziehen, kann weder der Autor den
Sachverhalt erklären, noch der Zuschauer verstehen, worum es geht. Der Journalist sollte
daher die Möglichkeit haben, genügend Zeit für eine gründliche Recherche zu haben. Sonst
fallen komplexe Themen leicht aus dem Sendeprogramm. Doch ständig besteht der Druck,
dem Wunsch des Rezipienten zu entsprechen, ein möglichst individualisiertes Programm zu
bieten, folglich ein Massenprodukt herzustellen und trotzdem Sonderanfertigungen zu liefern.
Um das zu bewerkstelligen, haben sich gewisse Routineabläufe eingestellt.
Da die Erfüllung der Rolle des Fernsehzuschauers in der Situation der „forced choice“ liegt,
können auch Zuschauerminderheiten berücksichtigt werden, die gesellschaftlich
wünschenswert sind, aber nicht quotenrelevant. Es ist nur so, dass Programmentscheidungen
mit Blick auf Intuitionen getroffen werden, die über Gebührenhöhe und -verteilung
entscheiden. Würde man sich davon lösen, könnte das Programm mannigfaltiger und damit
ansprechender werden.

Von daher gehe ich stark in die Richtung, Programmqualität als etwas zu definieren, das
Menschen verbindet. Nachrichtensendungen sollen weniger unterhalten und technisch
verspielt sein, als es derzeit der Fall ist. Stattdessen sollte es sich seinem Programmauftrag
erinnern und in Richtung Bildungsfernsehen gehen, das nicht nur auf ein Massenpublikum
abzielt, sondern verschiedene Aspekte anspricht. So können auch Minderheiten erreicht
werden und ihre Anliegen an das breite Publikum getragen werden. Aufgrund aller
Fallbeispiele – selbst wenn sie nicht in dieser Arbeit Anwendung fanden – bin ich davon
überzeugt, dass sich die Kulturen Europas dadurch besser verstehen würden und aufeinander
107

zugehen könnten. Voraussetzung ist meiner Meinung nach die Aufforderung zur gemeinsamen
Diskussion, angeregt durch ein europaweit in seinem Programmauftrag angeglichenes
Fernsehen. So wird das Vereinte Europa nicht nur mehr im Gesetz existieren, sondern faktisch
gelebt werden. Das ist für mich Programmqualität.
108
109

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ANHANG

Fallbeispiele
113

1. Der WDR, „Lokalzeit“ - Köln, Deutschland

Der WDR, „Lokalzeit“ verwendet keine Videojournalisten. Für ihn haben sich selbstdrehende
Reporter (Videoreporter) bezahlter gemacht. Diese werden vor allem im Nachrichtenbereich sowie
dem aktuellen Bereich im allgemeinen eingesetzt. Allerdings ist der Videoreporter nur für die
Materiallieferung zuständig. Geschnitten wird von professionellen Cuttern. Die Videoreporter arbeiten
mit Kameras aus dem Bestand des Senders. Daher erhalten sie vor ihrem ersten Einsatz einen kurzen
Einführungskurs durch eine erfahrene Kamerafrau. Hier werden also keine Arbeitsplätze abgebaut. Im
Gegenteil. Die Kamerafrau bekommt noch eine Aufgabe dazu.
„Lokalzeit Köln“ setzt den Akzent bei der Multimedialität auf die typische bimediale Kooperation
zwischen Fernsehen und Hörfunk. Dazu befinden sich Hörfunk und Fernsehen in einem Newsroom,
von denen es gleich zwei Stück gibt. Im einen befinden sich die Planung, aktuelle Sendung und der
Chef vom Dienst (CvD). Im zweiten NewsMailandm befinden sich die Redakteure von Hörfunk und
Fernsehen in einem Raum. Die Online-Redaktion gibt es per se nicht. Das Portal wird vom Sekretariat
gepflegt und von außen über Firmen unterstützt.
Das gesamte Gebäude des Regionalsenders ist überdurchschnittlich gut gestaltet. Man könnte sagen,
die strategische Planung wird hier anhand der Bauweise deutlich. Mit aufsteigender Bedeutung der
Sendebereiche, erfolgt die Anordnung in Räume und Stockwerke.
In den beiden Kellergeschossen befinden sich die Tief- und Parkgaragen für Mitarbeiter und
Teamfahrzeuge. Es folgt im ersten Stock der Eingangsbereich in den WDR-Arkaden, der hinaus auf
die Straße, aber auch zu einem Kaufhaus führt, in dem man das Gläserne Studio von oben betrachten
kann, aber auch die Möglichkeit hat, Marketing-Produkte zu erwerben. Im zweiten Stock befindet sich
ein gut geordnetes Archiv, das über aktuelle Zeitschriften, Literatur sowie Video und Bild verfügt. Der
dritte Stock steht unter dem Thema „Produktion und Technik“ und bietet Platz für Aufnahmestudios,
Kamera und Ton, das Justiziariat, dem Datenschutzreferat und der Poststelle. Wieder einen Stock
höher befindet sich das „Lokalzeit“- Besprechungszimmer, das Sekretariat und die Leitung. Die
Programmverantwortlichen sitzen darüber. Im fünften Stock liegen die Büros für Verwaltungsrat,
Rundfunkrat, Programmplanung TV II., Studios, TV-Entscheidung, Publikumsstelle und ARD-
Programmbeirat. Die Fernsehdirektion hat den höchstgelegensten Stock für sich.

2. Der MDR, „Thüringen Journal“ - Thüringen, Deutschland

Eine besondere Art der Verwendung von Videojournalisten hat der MDR, „Thüringen Journal“,
Thüringen aufzuweisen. Die VJs kommen zum Großteil aus dem Bereich des Hörfunks. Der VJ nimmt
also nicht nur das Bildmaterial auf, sondern auch den Hörfunkbeitrag. Dann schickt er das Material
zur Redaktion über DSL, bevor es von einem professionellen Cutter weiterverarbeitet wird. Diese
114

Form der Arbeit hat einen Nachteil: Die Kapazität der DSL-Übertragung ist begrenzt, was sich auf die
Geschwindigkeit der Verbindung auswirkt. Daher werden in ganz Thüringen nur drei bis vier
Videojournalisten eingesetzt. Bevorzugte Einsatzgebiete sind Reisen von Politikern und kleinere
Veranstaltungen.
Die Verweise auf die Sendungen aller Medienbereiche erfolgt trimedial. Auf einem eigenen
Sendeplatz, die „100 Sekunden“, werden alle Themen innerhalb von wenigen Sekunden täglich
zusammengeführt.
Der MDR, „Thüringen Journal“, Thüringen spart an einer Vielzahl von Schnittplätzen. Sind einmal
keine frei, ist es dem Autor erlaubt, auf andere Cutter, anderer freier Firmen ausweichen.
Ferner überträgt der Sender Landtagssitzungen direkt aus dem Plenarsaal. Es gibt dabei drei
Kameraeinstellungen, von denen eine von einer fest installierten Kamera übernommen wird. Diese
wird durch den Landtag selbst gewartet. Sie hat allerdings einen Nachteil: Sie zeigt das Geschehen
ohne Ton in einer Totalen und kann daher Mimik und Gestik nur schwer übermitteln. Daher überlegt
die Redaktionsleitung derzeit, die Kamera abzuschaffen

3. Der SWR, – Rheinland-Pfalz, Deutschland

Der SWR bildet seine Nachwuchsjournalisten trimedial aus und setzt diese Trimedialität auch im
Alltagsgeschäft um. Trotz dieser engen Vernetzung unterschiedlicher Medien bilden Hörfunk und
Fernsehen weder räumlich noch organisatorisch eine Einheit. Es gibt getrennte Redaktionen, die sehr
zielgerichtet für einzelne Sendungen oder Sendestrecken arbeiten.

4. Der ERT, „ERT 3“ - Thessaloniki, Griechenland

Es finden sich drei Regionalstudios in anderen Städten Griechenlands. Federführend ist dennoch das
Studio in Thessaloniki, wo sich das Hauptfernsehgelände befindet. Allerdings sind hier die Studios so
klein, dass etwa 30 Prozent der Produktion an andere Firmen vergeben werden. Für deren gelieferten
Content fehlt weiterhin die 100-prozentige Kontrolle.

5. Der RTBF, „RTBF – Brussels“ - Brüssel, Belgien

In Belgien sind die folgen der Digitalisierung zu spüren. Multimediale Arbeit wird hier vor allem beim
Newsdesk groß geschrieben. So gibt es einen Central Desk, an dem sich das Call Center von Hörfunk
und Fernsehen sowie die Internetredaktion befindet. Es sind hier zehn Arbeiter beschäftigt. Dann folgt
ein TV Desk, an dem drei Autoren und drei Assistenten beschäftigt sind. Beim Radio sieht es genauso
115

aus. Zudem gibt es zwei weitere Tische, an denen sich die nationalen Journalisten aus Radio und
Fernsehen zusammen setzen, sowie einen ebensolchen Tisch für den internationalen Bereich. Dies
bedeutet eine klare Gliederung und Aufgabenverteilung im nationalen und internationalen Bereich,
wobei die Multimediale Redaktion über mehr als 22 Mitarbeiter verfügt. Nach eigenen Aussagen des
Senders verfügt er über insgesamt 288 Journalisten.

6. Der RTSH, „Albanian Radio Television“ – Albanien

Innovativ im Programm, aber auch auf Qualität bedacht, zeigt sich RTSH. Die Mitarbeiter haben
aufgrund von Beratungen, freiwilliger Selbstkontrolle und gesetzlichen Rahmenbestimmungen relativ
viele Möglichkeiten, sich einzubringen.
Interessant – und hier hebt sich der Sender von anderen ab – ist die gesetzliche Bestimmung einer
Rundfunkgebühr und einer Mediensteuer. Normalerweise kommt in Europa nur eine Form vor.

7. Der NRK Nordland, „NRK Nordland Nordland“ - Norwegen

Das Programm beim NRK Nordland stützt sich vor allem auf den Nachrichtenbereich im regionalen
und nationalen Bereich, wobei das verschiedene Sektoren angeht: Vom Fernsehen über Radio ,Web-
und Text-TV, Podcast und auch Nachrichten über Handy im Format WAP werde angeboten. Das
erstreckt sich auch auf Dokumentationen. So produzierte der Sender im letzten Jahr eine.
Die Nachrichten werden aufgewertet durch Live-Beiträge, um das große Land Norwegen abzudecken.
Geleitet werden die Beiträge aus Bodø. Hier befindet sich das Hauptstudio. Der Sender hebt sich dabei
von anderen durch die Live-Übertragung über eine mobile Satellitenschüssel ab, die landesweit
verwendet werden kann (siehe Abbildung 4, S. 148). Diese Möglichkeit ist ziemlich teuer. Denn man
braucht eine Person, welche die Steuerung bedient und eine andere Person, die zu den Ausführungen
des Reporters Fotos macht. 1000 Norwegische Kronen kostet der Einsatz für jede Stunde, in der der
Satellit überträgt. Da das Gerät 92 Kilo wiegt, muss dafür extra gezahlt werden, wenn der Satellit von
einem Punkt zu einem anderen im Land per Flugzeug gebracht werden muss. Das ist die schnellste
Verbindung. Denn Norwegen hat 13 Flughäfen. Abhängig von der Distanz versucht der Sender jedoch
eher, möglichst oft mit dem Auto zu fahren.
Daneben gibt es eine zweite Möglichkeit, die vor allem bei brisanten Nachrichten im Raum um Bodø
eingesetzt wird: Das Strata Equipment. Es bedarf weniger Personal und ist einfacher zu bedienen und
somit auch kostengünstiger.
Das stellt einen Vorteil dar: das Material muss nicht von anderen Sendern eingekauft werden. Es wird
in ganz Norwegen über die NRK Server zur Verfügung gestellt. Hierzu zählt das Rohmaterial genauso
wie das bearbeitete Material und auch das Archivmaterial. Wenn Reporter durch das Land reisen,
können sie allgemein ihre Beiträge bearbeiten und über Breitband zurück ans Studio schicken.
116

Trotzdem ist es NRK Nordland nicht möglich, die gesamte Region von einer Weite von 800km von
Nord nach Süd zeitgleich abzudecken. Das liegt auch daran, dass der Satellit ebenfalls vom
nördlichsten Regionalstudio verwendet wird. Dieser verwendet ihn in erster Linie für wichtige
Nachrichten, wie Unfälle.
Geschichten werden zu jeder Zeit bearbeitet. Gerade im Internetbereich gibt es keine Deadline. Dies
ist ein klarer Vorteil für die Zuschauer und Leser. Doch ein Nachteil für die Redakteure. Denn in einer
wöchentlichen Schicht durchlaufen sie verschiedene Funktionen innerhalb der Redaktion. Das heißt,
dass – da alle TV-Teams Beiträge für das Internet bereitstellen können (Streams) und die Redakteure
des Radios mit ihren Handys Fotos für das Internet machen – viele Redakteure einige Tage im Jahr
keine Deadline haben. Hierzu müssen ethische und redaktionelle Regeln eingehalten werden, um
Fehler auszuschließen.
Doch NRK sieht sich als Mitstreiter auf einem konkurrierenden Medienmarkt und will hier der Erste
und Beste sein. Dadurch zeigt sich der Sender sehr offen gegenüber Weiterentwicklungen. Eine
Sprecherin gab aber zu, dass alle Redakteure dadurch auch wesentlich mehr zu tun haben. Selbst wenn
nicht unbedingt mehr Beiträge erstellt werden, so muss in kürzerer Zeit mehr geplant werden. Und das
erfordert eine wesentlich größere Disposition. Das, meint sie, hat keine Auswirkung auf die Motivation
der Mitarbeiter, doch die Arbeit wird hektischer und Ruhepausen können kaum wahrgenommen
werden. Nur eine gut funktionierende Umwelt kann diese Arbeitsprozesse am Leben halten.
Der Content wird dann digital gespeichert. Hier ist Norwegen weit voraus. Denn es gibt das digitale
Archiv bereits seit seinen Anfängen 2002.
Der NRK Nordland arbeitet sehr intensiv mit Videojournalisten. Ganze 22 Journalisten arbeiten auf
diese Weise in verschiedenen Variationen, meist in Verbindung mit einem anderen Job. 14 von ihnen
sind hauptberufliche Videojournalisten. Der Grund für diesen intensiven Einsatz ist die Größe des
Senders. Er hat nur eine begrenzte Anzahl an Mitarbeitern und kann daher ohne Videojournalisten
nicht alle Aufgaben bewältigen. Sie aber sorgen für die nötige Flexibilität und für den Einsatz vieler
Kameras an verschiedenen Orten. Außerdem bietet der Videojournalismus etliche Vorteile, wie etwa
die Nähe zum Thema und eine mannigfaltige Gestaltung von Beiträgen.
Eben weil diese Art von Journalisten sehr wesentlich ist, veranstaltet der Sender einmal im Jahr den
Norwegischen VJ-Kongress. Er bereist auch andere Regionen des Landes sowie Europa, um über seine
VJ- und multifunktionalen fahrbahren Nachrichtenstationen zu berichten.
Eingesetzt werden vor allem Reporter und Kameramänner. Beim NRK Nordland ist es sogar so, dass
alle Kameramänner zugleich Videojournalisten sind.
Während bei anderen Sendern die Befürchtung besteht, Videojournalisten würden zur
Verschlechterung des Arbeitsklimas beitragen, meint ein Sprecher des NKRs, dass gerade dadurch die
Selbsteinschätzung der Angestellten gehoben wird. Sie wissen, dass sie es alles selbst tun können und
darauf sind sie stolz. Es ist sogar so, dass der Sender ein sehr gutes Ergebnis bei Fragebögen bezüglich
der Atmosphäre erzielte. Daneben finden jährlich Mitarbeiterbefragungen statt, welche die
Angestellten befragen, wie sie die Arbeitsbedingungen einschätzen.
117

Manche Regionalsender des NRK Nordlands haben auch versucht, Fernsehkonzepte mit
journalistischer Einbindung von Bürgern zu entwickeln. Der Grund hierfür ist der gleiche wie beim
Einsatz von Videojournalisten: Die Region ist zu groß, um immer und überall zur rechten Zeit am
rechten Ort zu sein. Gerade im Internet und Web-TV ist der Wettkampf besonders hart. Das liegt am
Wettbewerb mit anderen Medien, der Beste und Schnellste zu sein.
Das Konzept geht auf. Die Einschaltquoten liegen bei 34 % bei der Bevölkerung ab 30 Jahren
aufwärts. Das Radio erzielt sogar eine Quote von 40%.
Wie es vom NRK Nordland heißt: „Local news is a winner concept!“

8. Der ORF, „Wien heute“ – Österreich

Aufgrund der Studioatmosphäre und Moderation lässt sich das Programm in zwei Spalten aufteilen.
Zum einen gibt es die Wochentags-Sendung von Montag bis Freitag, die sich auf das tagesaktuelle
Nachrichtengeschehen stützt. Am Wochenende dann werden Nachrichtenbeiträge durch journalistische
Varianten wie Reportagen und Features angereichert. Dem Zuschauer wird also hier entgegen
gekommen. Denn unter der Woche hat der Zuschauer weniger Zeit und wird rein informiert. Am
Wochenende ist die Themenschwerpunktlage bezüglich des Nachrichtengeschehen eine andere. Im
Übrigen unterscheidet sich das Studio am Wochenende von dem unter der Woche. Die Gestaltung
hängt von der Tiefe des Themas und von der zeitlichen Gestaltung ab. Von Montag bis Freitag herrscht
die Studiofarbe blau vor. Die Tiefe wird durch die Studio-Archtitektur und einem weiten
Hintergrundbild (Blick auf Wien über die Donau) erzielt. Am Wochenende ist die Moderation vor dem
Moderations-Pult zu sehen. Die dominante Studiofarbe ist hier orange und variiert aufgrund eines sich
verändernden Lichts. Das Wochenend-Studio entspricht sonst in etwa dem Studio unter der Woche,
wodurch ein Wiedererkennungswert trotz dem Unterschieds erzielt wird. Dazu kommen
unterschiedliche Kamera-Positionen, Einstellungen und unterschiedliche Größen der Bildausschnitte.
Der Umbau erfolgt durch Verschieben der Studio-Einrichtung durch das diensthabende Studio-
Abwicklungsteam. Die Licht-Positionen sind fix programmiert und können jederzeit abgerufen
werden. Hierdurch fallen also keine Kosten an. Der Unterschied zwischen den Studios mache, so ein
Sprecher, den Reiz der Sendung aus: Ein breites Themenspektrum und eine Breite an individuellen
Gestaltungsmöglichkeiten. Wobei sich diese Möglichkeiten nicht auf Stilmittel beziehen, sondern eher
auf die freie Gestaltung innerhalb der Sendungslinie. Denn es wird in der Sendung weder geblendet,
noch gibt es für Nachrichtenbeiträge eine musikalische Untermalung. Das ist hilfreich, um Kosten und
Zeit bei der Produktion zu sparen. Die Sendungslinie sieht eine spannende, informative und
abwechslungsreiche Gestaltung der Themen vor.
Budget Cuts machen sich bei „Wien heute“ durch die allmähliche Etablierung der Ein-Mann-Teams
bemerkbar. Es fällt der Ton weg und damit fehlt jemand, der zusammen mit dem Kameramann das
Equipment trägt. Das aber ist nur ein geringes Problem angesichts der Tatsache, dass durch diese
Entwicklung ein qualitativ hochwertiger Ton bereits während der Aufnahme vermieden wird. Des
weiteren leidet der ORF und die Redaktion an Einstellungsstops. Aufgrund des Spardrucks und der
118

wirtschaftlichen Gesamtsituation können kaum neue Mitarbeiter aufgenommen werden. Ebenso


werden auch nicht alle freiwerdenden Stellen nachbesetzt. Dadurch kommen keine jungen Mitarbeiter
mit neuen Ideen in den Betrieb. Das führt zum einen zu Planungsengpässen der Disposition, zum
anderen zum Sparen an Talenten und innovativen Ideen zur Gestaltung und Organisation.

9. Der MRTV, „MRTV Skopje“ - Mazedonien

In einem Großbüro arbeiten beim MRTV Skopje fünf bis zehn Redakteure. Jeweils Drei sitzen
gemeinsam an einem Tisch. Dabei sind die Plätze jedoch nicht fest zugewiesen. Die
Sendungsverantwortlichen unter sich. Etwa die Hälfte aller Redakteure ist fest angestellt.
Daneben finden sich noch vier Korrespondenten. Fünf weitere arbeiten im Nachrichtenbereich.
Alle Redakteure und Techniker haben Zugriff auf das Redaktionssystem und können mit ihm auch
außerhalb der Redaktion arbeiten. Die Redakteure sogar vom Arbeitsplatz, vom eigenen Laptop und
vom Handy aus. Also ein verstärkter Einsatz des Mobilfunks innerhalb der Redaktion.
Der Austausch des Contents ist Internetbasiert. So ist gewährleistet, dass sich Content selbst während
der Sendung einspielen lässt.
Der MRTV Skopje greift auf Videojournalisten zurück. Das ist vor allem bei kurzen Geschichten, bei
Geschichten mit nur geringer Vorbereitungszeit und bei Dokumentationen der Fall. Wichtig ist es, dass
der Videojournalist bereits im Fernsehbereich tätig war oder ist. Dann wird er umgeschult.
Videojournalisten, die von Schulen kommen, gibt es hingegen nicht.
Die Ursachen für derzeitige Budget Cuts sieht MRTV Skopje in der Neuregelung von Werbezeiten
und bei den Entscheidungen der Manager und Senderchef. Ihre Entscheidungen bei der Einsparungen
fallen aber eher auf die Technik zurück, als auf Angestellte. Somit erfolgt eine stärkere Gewichtung
der redaktionellen Arbeit und des Inhalts.

10. Der RTV Slovenija, „Regonalstudio Ljubljana“ - Slovenien

Der Newsroom von RTV Slovenija, Regonalstudio Ljubljana, ist auf drei verschiedene Arten
konstruiert. Zunächst finden sich kleine Büros für einzelne Redateure, daneben auch mittelgroße für
verschiedene Redakteure und schließlich große Büros für einen ganzen Sendebereich. Das hängt vom
redaktionellen Einsatzgebiet ab. Sollte beispielsweise ein Redakteur eine eigene Sendung haben, so
bekommt er ein individuelles Büro. Machen jetzt mehrere Redakteure gemeinsam eine Sendung, wie
es im Nachrichtenbereich der Fall ist, so sitzen sie in Großraum-Büros. Diese Büros sind allerdings
119

über das gesamte Gebäude verteilt und hängen somit nicht zusammen. Das Problem ist, dass das
Gebäude bereits 1988 für das Radio erbaut worden ist. Inzwischen kamen in den letzten 20 Jahren
noch ein Radiosender und ein großer regionaler Fernsehsender hinzu. Die Kapazitäten sind also
angespannt. Die Sendungsverantwortlichen der Woche befinden sich an einem eigenen Tisch. Eine
andere Aufteilung wird zwischen Journalisten und Senderchefn getroffen, die ebenfalls nicht
zusammen an einem Tisch sitzen nach dem Motto: „Der Chef ist der Chef“ - und der hat ein eigenes
Büro zu haben. Das führt gerade in Bereichen der aktuellen Berichterstattung zu
Kommunikationsproblemen. Denn die Journalisten müssen für individuelle Besprechungen mit dem
Redaktionsleiter durch das Haus laufen. Das bedeutet auch, dass nicht alle Arbeitsprozesse an einem
Ort bewältigt werden können, was zu einem unnötigen Zeitaufwand führt. So muss aber auch der
jeweilige Sendungsverantwortliche dafür sorgen, dass der Redakteur alle benötigten Materialen an
einem Ort vorfindet. Beispielshalber muss sich alles, was zum Bereich der Bearbeitung gehört, in
einem eigenen Bearbeitungsraum befinden. Besser wäre es, meint ein Sprecher, wenn alle zusammen
in einem Büro sitzen würden.
Der Hauptgrund für die Ausgliederung liegt im Zeitmanagement. Denn Slovenien ist ein kleines Land,
was auch für den Sender gilt. Das heißt, dass Ausrüstung und Mitarbeiter angemietet werden müssen,
um die Region redaktionell abdecken zu können. Trotzdem arbeitet etwa die Hälfte der Mitarbeiter auf
einer regulären Basis. Diese Hälfte arbeitet im redaktionellen Bereich. Die andere Hälfte besteht aus
Freien Mitarbeitern, die vor allem auf der Produktionsebene eingesetzt werden.
Wenn der Regionalsender eine ungewöhnliche Geschichte hat, bereitet er sie in unterschiedlichen
Weisen zu, welche dann für die Sendung im allgemeinen verwendet werden kann. Zum Beispiel stellt
das Internet Content als Streaming bereit, das vom Fernsehen herunter geladen und in der Sendung
verwendet werden kann. Das kommt gerade bei Berichten über einzelne Personen zum Tragen.
Verwendet wird diese Art von Content allerdings nur, wenn sie zur Verfügung steht, keine Lizenzen
kostet und gesetzlich erlaubt ist. Der Content wird sonst trimedial geteilt.Doch RTV Slovenija,
Regonalstudio Ljubljana, verfügt über keine eigene Internetseite. Das übernimmt RTV Slovenija.
Doch die Seite von RTV Slovenija sei, so ein Sprecher, sehr altmodisch.
Zwischen einem und fünf Korrespondenten bringen auf freier Basis fertige Berichte von außerhalb
zum Regionalstudio. Dazu gibt es eine eigene Redaktion für Korrespondenten, die direkt dem RTV
Slovenija unterstellt ist. Das bedeutet, dass die Korrespondenten sowohl nationale, als auch regionale
Berichte erstellen. Die einzelnen Regionalstudios greifen dann auf deren Content zu. Daneben gibt es
etwa drei Videojournalisten. Diese Videojournalisten sind im Gegensatz zu anderen Journalisten nicht
in diesem Bereich ausgebildet. Dafür decken sie mehr als nur kurze Geschichten ab, die wenig
Vorbereitungszeit brauchen. Sie werden auch bei Dokumentationen eingesetzt. Für sie gilt, das Beste
zu machen, was sie können – unabhängig vom Format der Sendung. Dazu bekommen sie mehr Zeit.
Drei bis vier Tage stehen ihnen für die Aufbereitung einer Geschichte zur Verfügung.
Zugriff auf den Content haben alle redaktionellen Mitarbeiter einerseits über das Redaktionssystem
iNews, zum anderen aber auch über ihr Handy. Die Datenübertragung ist hierbei jedoch einseitig
120

seriell. Zur gleichen Zeit können die Redakteure auf das System über ihr Handy zugreifen. Das gilt
aber nicht für den Datentransfer vom Redaktionssystem auf das Handy.
Da verschiedene Medienbereiche im Haus vertreten sind, stützt sich der Regionalsender nicht auf das
File Transfer Protocol. Da der Austausch von Content nicht internetunterstützt ist, haben nicht alle
Bereiche Zugriff, was sich bei auf die multimediale Arbeit auswirkt und als eine Behinderung bei der
Medienübergreifenden Arbeit gelten kann.
Problematisch ist die Messung der Zuschauerquote. Zwar gibt es auch beim RTV Slovenija
Einschaltquoten. Die werden aber vom Sender für alle Programme erhoben, so dass das einzelne
Regionalstudio nicht mehr nachvollziehen kann, welche Quote es exakt erzielt hat. Das ist für das
Regionalstudio ein Nachteil. Allerdings profitieren alle anderen Programme davon, die national
angelegt sind.
Auf die Frage nach den Ursachen der momentanen Finanzkürzungen sagte ein Sprecher im
Telefoninterview, dass diese Frage schwierig zu beantworten sei. Denn in Slovenien teilt der Intendant
die Finanzen ein und gibt den jeweiligen Anteil an die Chefs vom Dienst, die wiederum das Geld für
die einzelnen Programme einzuteilen haben. Eine zweite Richtlinie ist das Rundfunkgesetz, das von
der Europäischen Union für alle Sender 2001 verabschiedet wurde. Diese Richtlinie betrifft in erster
Linie die Werbezeitenregelung als eine weitere Einnahmequelle der öffentlich-rechtlichen
Vollprogramme. Ein Problem von Seiten der Politik ergab sich erst recht beim Regierungswechsel
Ende 2008. Denn die alte Regierung hatte die Fernsehgebühren gesenkt, was sich beim Sender in
einem Verlust von etwa 58Mio. Euro jährlich bemerkbar gemacht hatte. Des weiteren hatte die
Regierung das gesetzliche Mindesteinkommen für Büroangestellte gesenkt, zu denen die
redaktionellen Mitarbeiter zählen. In einem Betrieb mit einer Vielzahl an fixen Kosten, wie dem RTV
Slovenija, bedeutet dies Einsparungen in den Investitionen für das Programm. Die neue Regierung
hingegen hob die Fernsehgebühr wieder an und plant für die nächsten Jahre auch Änderungen im
Gesetz bezüglich des Mindesteinkommens. Von daher zeigt sich RTV Slovenija, was die Finanzierung
betrifft, optimistisch. Die Lösung zielt auf eine flexible Fernsehgebühr hin, was dem Sender erlauben
wird, das Geld ebenfalls flexibel investieren zu können.

11. Der RTE/TG4, „RTE/TG4, Galway“ - Irland

RTE hat zwei große Regionalsender. Einmal im Westen des Landes, in Galway. Einmal in Dublin. Ich
habe mit RTE/TG4, Galway, telefoniert, die vor allem – neben leichteren und kulturellen Geschichten -
im Nachrichtenbereich auf regionaler, aber auch nationaler und internationaler Ebene, tätig sind.
Beide Sender verfügen über keine eigenen Kameramänner, Tontechniker und Cutter. Die
Kameramänner und Tontechniker gehören zu externen Firmen und werden angemietet. Cutter gab es in
der gesamten Geschichte des Fernsehsenders nicht. Das bedeutet, dass entweder die Kameramänner,
121

oder aber die Redakteure schneiden.


Diese Form der Auslagerung hat einen Vorteil: Die Teams können auf verschiedenen Gebieten
eingesetzt werden. Nicht nur in der Produktion, oder in der Bearbeitung, sondern auch in der
Regieführung von beispielsweise Dokumentarfilmen.
Aus diesem Grund müssen alle redaktionellen Mitarbeiter multimedial arbeiten können und technisch
ausgebildet sein. Das wird auch von den Technikern erwartet. Sie müssen alle über mehr als eine
spezifische Ausbildung verfügen.
Dazu steht ihnen die Redaktionssoftware nicht nur auf den Desktops in der Redaktion zur Verfügung,
sondern auch auf ihrem Laptop. So können die Journalisten direkt vom Ort des Geschehens berichten
und den Beitrag einstellen. Das spart Kosten, da die Redakteure und Techniker nicht zu den
verschiedenen Orten geschickt werden müssen, sondern vor Ort sind und auf verschiedenen Ebenen
arbeiten können.
Ein Schritt in Richtung des gegenseitigen Verbunds wird über den Einsatz von File Transport Protocoll
und Breitband erreicht. Dies ist der Fall seit Anfang 2008. Die Übertragung kann direkt vom Ort des
Geschehens erfolgen und zudem auf einfache Weise digital gespeichert werden. Das betrifft auch
Interviews. Denn sie werden über den kostenlosen VoIP-Dienst Skype geführt. So entfallen Buchung
und Nutzung eines Studios für diesen Zweck. Außerdem gewährt der Dienst mehr Freiheit im
räumlichen Sinn. Das soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. Derzeit befindet sich Skype noch in
der Testphase. Denn zunächst soll das Aussehen des Dienstes sowie die Qualität der Übertragung
optimiert werden. Aber auch ein Standard für dessen Verwendung muss entwickelt werden. Momentan
hat Skype noch nicht die herkömmliche Methode der Live-Interviews ersetzen können. Von daher
konnte der Sender noch keine Auskunft über die finanzielle Veränderung geben. Die Einsparungen
können variieren, je nachdem, wie oft das System verwendet wird und in welchem Ausmaß es die
herkömmlichen Mikrowellen- oder Satellitenverbindungen ersetzen kann.
Beispielsweise führen Videojournalisten bei den EU-Treffen der Minister Interviews über Skype mit
dem Studio. Das sieht so aus, dass in einem Kasten Bilder vom Ort des Geschehens laufen und in einer
anderen Box das über Skype übertragene Bild.
Das Studio ist aus den oben genannten Gründen auf das Wesentliche reduziert. Da die Berichte
beispielsweise von außen kommen, reicht es aus, nur einen Moderator im Studio zu haben. Er ist es
auch, der sich selbst schminkt, wodurch die Maske entfällt. Und er bedient die Kamera im Studio über
Fernbedienung, was wiederum Kameramänner, aber auch TelepMailandpter im Studio umgeht. Die
einzige Zusammenarbeit während der Sendung findet zwischen dem Moderator und dem Kontrollraum
statt, in dem die Regie sitzt. Hier kann aber auch die Kamera im Studio gesteuert werden. Ein neues
System wird bald den Kontrollraum auf zwei Mitarbeiter reduzieren: Einer, der das Redaktionssystem
bedient, ein anderer, der die Bilder und Beiträge steuert. Diese Arbeitsweise beinhaltet keinen
Mehraufwand für die beiden Mitarbeiter im Kontrollraum. Denn von den Redakteuren wird nicht nur
die Erstellung des Contents verlangt, sondern auch die richtigen technischen Einstellungen. So etwa
die Einstellungen beim Capturen, das richtige Format beim Ausspielen, oder auch das Seitenverhältnis,
122

die Farb- und Kontrastregelung und der Lautstärkepegel. Somit wird ein Großteil der Arbeit bereits ein
bis zwei Stunden vor der Sendung geleistet. Die beiden im Kontrollraum müssen dann nur noch den
fertigen Bericht von einer automatischen Wiedergabeliste abspielen. Neben den Journalisten finden
sich beim RTE/TG4, Galway, noch drei Programmverantwortliche, die über die zu sendenden Beiträge
entscheiden. Sie gehen dabei nicht nur auf den Inhalt an sich ein, sondern entscheiden auch über die
Qualität des Inhalts und der Bilder. Auch sie sind ab und zu im Kontrollraum, haben aber keine
technische Funktion inne.

12. Der RAI-Radiotelevisione Italiana, „RAI, Mailand“ - Italien

Das Regionalstudio von RAI in Mailand ist aufgeteilt in kleine Büros mit ein paar Journalisten. Jeder
von ihnen hat einen eigenen, festen Arbeitsplatz. Einen großen Newsroom gibt es nicht. Insgesamt
arbeiten dort zwischen 30 und 70 Redakteure.

Ein Problem ergibt sich beim Zugriff auf den Content. Denn die Software der Redaktion erlaubt nur
den Redakteuren, den Senderchefn und der Programmplanung im Newsroom darauf zu zu greifen. Des
weiteren gibt es keine internetbasierte Verbreitung des Contents sowie irgendeine andere Form der
digitalen Bearbeitung. Content kann also nur über Bänder und nicht direkt von Ort zu Ort übertragen
werden.

Die Übertragung von Content und dessen Vorbesprechung macht sich auch bei den alltäglichen
Redaktionssitzungen bemerkbar. Denn es treffen sich nur die Senderchef zwei Mal für jeweils eine
Stunde am Tag ohne Beisitzen von Redakteuren oder anderen Mitarbeitern der Redaktion. Die
Senderchef fallen somit gerade bei der Entscheidungsfindung stark ins Gewicht. Zugute zu halten ist
aber, dass auf diese Weise Entscheidungen schnell getroffen und geradlinig sowie übersichtlich
weitergegeben werden können.

Die anschließende Sendung wird durch eigene Grafiken aufbereitet. Dazu gibt es eine eigene
Grafikabteilung des Regionalstudios in Mailand.

Bei RAI, Regionalstudio Mailand, machen sich die derzeitigen, europaweiten Finanzkürzungen vor
allem in einer Neuregelung der Werbezeiten bemerkbar. Denn diese stehen derzeit in der
Umstrukturierung. Die Verantwortung für diesen Prozess tragen die TV-Manager und deren Berater.
Ihre Entscheidungen fallen oft zugunsten technischer Neuerungen aus.

13. Exkurs: Ö3 – Radio Österreichischer Rundfunk, Wien – Österreich

Radio gehört nicht zu den Medienbereichen, die in vorliegender Arbeit behandelt werden sollen.
Dennoch lohnt sich ein Blick nach Wien zum Hitradio Ö3. Hier beschäftigen sich die
Sendungsverantwortlichen zusammen mit dem ORF Möglichkeiten, die drei Medienbereiche
Fernsehen, Radio und Internet zusammen zu legen. Obwohl einige Ideen dazu bestehen, gibt es noch
keine konkreten Lösungsansätze. Dennoch möchte man das Jahr 2013 als Fixpunkt der Umstellung
123

nehmen. Das liegt primär an der Umstellung des Fernsehens zu digitalen Arbeitsprozessen, einem voll
digitalen Content-Speichermanagemant, einer Erneuerung der Server-Architektur und den daraus
resultierenden Schnittstellen als Verbindung aller drei Medienbereiche. Mir wurden zwei Ideen bei
meiner Ortsbesichtigung des Radiosenders präsentiert.

Generell gibt es in Wien ein Standortproblem. Denn der ORF ist auf 26 Orte verteilt. Da, wie gesagt,
das Fernsehen vor seiner digitalen Umstellung steht, wird nun überlegt, ob man die einzelnen
Standorte nicht effektiver hinsichtlich der Funktion und Arbeitsprozesse der einzelnen Medienbereiche
legen könnte. Ferner ist das Gebäude am Küniglberg damals noch von der Rundfunkgesellschaft
RAWAG 1924 gegründet worden. Das ist aber auch der Grund dafür, dass das nach den Plänen des
Architekten Roland Rainer 1968 bis 1975 errichtete „ORF-Küniglberg“ Gebäude inzwischen seit
2007 unter Denkmalschutz steht. Bekanntlich dürfen solche Gebäude äußerlich nicht verändert
werden. Doch eine Sanierung des Küniglberg hätte einer Ausbesserungen der Stahlträger, des
Heizungssystems, der Fenster und der zerstörten architektonischen Substanz des Gebäudes durch
Streusalz im Winter zur Folge. Ferner ist der ORF öffentlich schlecht mit der Stadt verbunden.
Überdies wird der Küniglberg heute als Wahrzeichen der Stadt empfunden. Und auch damit ist es dem
ORF kein Leichtes, den Standort zu wechseln.

Daher wird überlegt, alte, denkmalgeschützte Gebäudeteile im Original zu belassen und durch einen
Schüler des früheren Architekten, Roland Rainer, das restliche Gebäude renovieren, beziehungsweise
neu bauen zu lassen. So bleibt der Stil des Gebäudes erhalten. Eine Sanierung käme dem ORF
wesentlich günstiger, als ein Neubau. Der Architekt, Jürgen Radatz, etwa schätzt die Sanierung - ohne
Betriebskosten - auf 35 Millionen Euro in fünf Jahren.

Eine andere Lösung sieht den Umzug aller ORF-Standorte in ein großflächiges Neubaugebiet im
Osten der Stadt vor. Hier wird es dann keinen zentralen Newsroom für alle Medienbereiche geben.
Doch die Bereiche liegen zumindest schon einmal im selben Gebäude. Außerdem können dadurch
Kosten eingespart werden, da viele Arbeitsprozesse aufgrund der Zusammenlegung schneller ablaufen.

Zudem muss man bedenken, dass bis heute Radio und Fernsehen über kein Content-
Speichermanagemant verbunden sind. Da die beiden Bereiche auch nicht im selben Haus liegen,
ergeben sich hier einige Probleme bei der bimedialen Zusammenarbeit.

Beim ORF ist das auslösende Moment in der Tat der bisher etwas schwerfällige Apparat des
Fernsehens. Denn im Vergleich zu ihm arbeiten Internet und Radio bereits enger zusammen. Zudem ist
das Radio, wie der Sender Ö3, bereits digitalisiert. Beispielshalber werden Radiobeiträge von der
Internetredaktion für YouTube aufbereitet und dort angeboten. Denn viele User möchten ihre
Informationen heute schnell haben und greifen daher immer häufiger auf diese Internetplattform zu.
Ein großer Vorteil ist hierbei die Möglichkeit, Ein-Mann-Teams zu verwenden. Also Journalisten, die
124

für den Hörfunk und das Internet arbeiten und in der Lage sind, kleinere Berichte zu filmen. Von daher
ist Ö3 eine multimediale Ausbildung der Mitarbeiter wichtig. Aus diesem Grund möchte der
Senderchef von Ö3 in diesem Jahr zum ersten Mal einen seiner Mitarbeiter zur Sommerakademie von
CIRCOM schicken. Durch die Verwendung solcher Multimedia-Journalisten erhofft er sich eine
Personalkosteneinsparung.

Es läge nahe, aufgrund der völligen Neustrukturierung einige Bereiche aus Kostengründen
auszulagern. Das aber ist bereits in früheren Jahren durch die Gründung des ORF Media Service
geschehen, der formal extern ist und nur für seine Bereitschaftsstunden bezahlt werden muss. Ein
Problem stellt da hingegen die hohe Zahl der fixen Mitarbeiter dar. Denn die innerbetriebliche
Fluktuation ist zu hoch und wird auch künftig nicht abnehmen.

Budgets Cuts wirken sich bei Ö3 vor allem und das, wie auch beim ORF-Regionalstudio „Wien
heute“, auf fehlende Nachbesetzungen aus. Gerade in letzter Zeit wurden zehn Mitarbeiter von
insgesamt 130 Mitarbeitern im Radiosender Ö3 entlassen. Andere Mitarbeiter arbeiten auf Gebieten,
die für die journalistische, redaktionelle Arbeit selbst wenig bringen. So etwa die zehn bis 12
Mitarbeiter bei der Kinder-Selbsthilfe-Hotline „Raht auf Draht“. Fraglich ist auch, ob sich Sender in
Zeiten der allgemeinen Finanzkürzungen noch Orchester oder sogar Big Bands leisten sollten und
können, fragt sich der Senderchef.

Der Senderchef von Ö3 meint jedenfalls, dass er durch internationale Beispiele nicht mit Einsparungen
durch eine trimediale Zentralisierung in einem Haus rechne, dafür aber mit deutlichen Verbesserungen
hinsichtlich der Vernetzung und Funktionalität. Er spricht von einer Umfangserweiterung bei gleicher
Mann-Stärke.

Wie dem auch sei, sollte es zu einer Abwanderung kommen, hat Architekt Radatz zwei Vorschläge für
die Nachnutzung: Man könnte den Roland-Rainer-Bau in eine Hochschule und die Studios in Hörsäle
umwandeln. Denkbar wäre auch, das geplante Mediazentrum in Wien-Hietzing am Küniglberg
anzusiedeln.

Fragebögen
Fragebogen zur Untersuchung der Redaktionen (Besuch)

Wie besprochen, möchte ich gerne einen Besuch in Ihrer Redaktion abstatten. Meine Studie wird sich
dabei auf die Schwerpunkte „Controlling“ und „Systematisches Qualitätsmessen“ beziehen. Die
Ergebnisse dienen mit persönlich zum Abschluss meiner Diplomarbeit. Sie sollen aber auch in Form
125

des Programmhefts der nächsten Jahrestagung des Verbands der öffentlich-rechtlichen


Regionalsender Europas, CIRCOM, erscheinen.
Ich war bereits in ein paar Rundfunkanstalten im deutschsprachigen Raum zu Besuch und habe dabei
vor allem auf folgende Dinge geachtet:

NewsRoom

Wie ist Ihr NewsRoom aufgeteilt?


Verfügen Sie über einen NewsDesk?
Wie viele Mitarbeiter haben Sie?
Mit welcher Redaktionsplanungssoftware arbeiten Sie?
Lassen sich dadurch Prozesse schneller gestalten?
Lässt sich von verschiedenen Stellen aus auf das Content zugreifen?

Redaktionssitzung

Wie sieht ein Tagesablauf innerhalb der Redaktion aus?


Wie viele Feste Mitarbeiter gibt es?
Für was werden die Festen Mitarbeiter eingesetzt?
Besprechen Sie während der Sitzung den aktuellen Tag oder auch den darauf Folgenden?
Wird auf die aktuelle Sendung bereits im voraus hingewiesen?
Gibt es Verbindungen / Verweise innerhalb der Medien? (Fernsehen, Hörfunk, Internet)
Wer ist an der Redaktionssitzung beteiligt?

Content

Welchen Content verbreiten Sie?


Worauf haben Sie dabei Ihren Schwerpunkt gelegt?
Nutzen Sie die Möglichkeit von Live-Übertragungen?
Wie behaupten Sie sich gegenüber der Konkurrenz?
Erläutern Sie den Inhalt über Grafiken?

Content-Verbreitung

Haben Sie Außenstudios?


Wie leiten Sie die Daten in Ihre Zentrale Redaktion?
Gibt es bereits voll digitale Systeme?

VideoJournalisten

Verwenden Sie Video-Journalisten?


Warum verwenden Sie Video-Journalisten?
Wer wird Video-Journalist?
Haben Sie dadurch gute oder schlechte Erfahrungen gesammelt?
Wie hat sich das Betriebsklima innerhalb des Personals verändert?
Finden Sie es richtig, Berufsgruppen (Kameramann, Cutter) wegzurationalisieren?
126

Zuschauer

Wie sprechen Sie den Zuschauer in erster Linie an? (z.B. Live-Übertragung)
Kann der Zuschauer die Sendung mitgestalten? (z.B. Themenvorschläge)
Gibt es Verlosungen oder andere Angebote?

Innovation

Was ist für Sie „Innovation“?


Wie bewerkstelligen Sie Innovation?
Wie viel Mitspracherecht haben die einzelnen Mitarbeiter (Feste, Freie)?
Wie werden Themen getroffen?
Was garantiert die erforderliche Kreativität und Motivation?
Nutzen Sie die Möglichkeit einer Reportage oder anderer Stilmittel?
Wie sieht bei Ihnen innovative Programmplanung aus?

Outsourcing

Wie viel Prozent der Produktion und welche Bereiche hat die Redaktion inne?
Welche und wie viele Teile werden an freie Firmen oder Tochterfirmen abgegeben?
Warum kam es zu diesem Prozess?
Welche Vor- und Nachteile bringt dieser Prozess?

Schnitt, Tonmischung und Abnahme

Wie sehen die einzelnen Prozesse aus?


Mit welchen Systemen arbeiten Sie?
Wie steigern Sie die Zeitersparnis?
Wer macht die Abnahme?
Gibt es Regisseure, technische Leiter, etc.?
Wo wird hier gespart?
Wie wirkt sich diese Sparsamkeit aus (auf Personal und Arbeitsprozess)?

Quote

Wie hoch ist Ihre Quote?


Worauf führen Sie dies zurück?

Fragebogen zur Untersuchung der Redaktionen (Telefon; Mail)

Survey for Future Guide 2010, workshop 2009 and master thesis
Titel of study: Digital revolution in European television. Television between quality optimization
and cost saving.
Arno Schimmelpfennig
127

Dear Sir or Madame,

I am very sorry for having to send you my questionnaire once more. A couple of days ago, I
had a call with Mr. Linden from Sweden. He was so kind to discuss the questions with me and
I recognized that most of them are to broad, non-specific or take to much time to get
answered. Therefore, I would like to send you a new questionnaire with clearer questions (40
questions) whose answering won't take more than 20 minutes. It is concentrated on the news
section of the regional TV stations in your country. This is, why I would propose to give it
especially to news editors or editors-in-chief. As you know this survey is a part of my master
thesis about the influence of budget cuts on the editorial boards. In May, I am going to hold a
session about my results with the main emphasis for CIRCOM on a possible quality standard
within public regional TV stations in law. Then, I would like to discuss how quality can be
optimized while costs are saved. For this purpose, my questions are about newsrooms and
news desks, content, workflow and employment.
Within my study I will do my best to utilize the information relevantly and to let your station
appear as anonymous as possible. I will let out questions on the financing and on the
financial situation of your stations. Since I am mostly interested in the editorial view like
yours.
If you have any further questions about me or my study, or you whish to speak to me directly,
please feel free to do so. You can find my contact data in the header line.

I would like to thank you for your help already in advance and look forward to your answers.
You can send them to me by email if you whish to. If you would like to we also can make a
telephone appointment.

Faithfuly,
Arno Schimmelpfennig

Subject: Newsroom

1 How is her Newsroom built up?


Individual offices for journalists
Little offices with several journalists
Large offices for an entire department (z.B. news section)
Bimedial newsroom (radio/Internet, television in one office)
128

Trimedial newsroom (radio, Internet, television in one office)

Subject: Newsroom

2 How many journalists work in the newsroom?


1–5
5 _ 10
10 – 30
30 - 70

Subject: Newsroom

3 How many of these journalists (editorial staff) are employed on a regular basis?
Only the programm managers
Below the half
the half
About the half
Everyone

Subject: Newsroom

4 How is your newsdesk organized?


Desks of one's own for every journalist
Actual planning at one table
Bimedial (radio/Internet, television in one office)
Trimedial (radio, Internet, television in one office)

Subject: Newsroom

5 How many editors sit at one NewsDesk?


1
2
3
4
129

5
More than 5

Subject: Newsroom

6 Are there mobile desks for the journalists?


Yes, the editors work flexibly on different places, depending on where there is space
No, the editors have a solid job of their own

Subject: Newsroom

7 Are there correspondents within your editorial staff?


Yes
No

Subject: Newsroom

8 How many correspondents does your editorial staff have?


1
2
3
4
5
More than 5

EDITORIAL SOFTWARE

Subject: Editorial Software

9 From where do journalists have access to the software and the content?
Only from the editorial staff
From the editorial staff and from laptop computer of one's own
130

From the editorial staff, from laptop computer of one's own and from mobile

Subject: Editorial Software

10 Who has got access to the software and the content?


Editors
Technicians (camera, editing)
Program planning
All other employees of the editorial staff

Subject: Editorial Software

11 Can they work with the system outside the editorial staff?
Yes
No

Subject: Editorial Software

12 Do you work with file transportation protocol (FTP) for the exchange of content?
Yes
No

Subject: Editorial Software

13 Is it possible to integrate content during a broadcast from out of the editorial staff?
Yes
No

Subject: Editorial Software

14 Do you produce fully digitalized?


Yes
No
131

Subject: Editorial Software

15 Do you work with a digital archive instead of videotapes?


Yes
No

Subject: Editorial Software

16 The digital archives reach back up to which year?


2008
2007
2006
2005
Before 2005

EDITORIAL MEETING

Subject: Editorial meeting

17 How many meetings are there per day?


1
2
3
4
5
More than 5

Subject: Editorial meeting

18 Who takes part in them?


Editor managers
editors-in-chief
All editors
132

Only a part of the editors


Editors of the radio
Editors of online

Subject: Editorial meeting

19 How many man-hours are planned for the meetings each day?
1
2
3
4
5
More than 5

CONTENT

Subject: Content

20 Is there an editor who decides which content has to be published?


Yes
No

Subject: Content

21 Do different editorial staffs use the same Content? (Copy to everyone)


Yes, bimedial (Radio/Internet, television).
Yes, trimedial (Radio, Internet, television).
No, every editorial staff produces his own Content

Subject: Content

22 Do you partly transfer Content live from the field?


Yes
No
133

Subject: Content

23 How many hours a day are live from the field?


1
2
3
4
5
More than 5

Subject: Content

24 Do you have correspondents at your disposal for your newscast?


Yes
No

Subject: Content

25 How many regional correspondents are there?


1_5
5 _ 10
10 _ 15
More than 15

Subject: Content

26 What does the compilation of stories orientates itself after? (Reportage, Feature,
etc.)
Size of the story
Change for the newscast
134

Entertainment for the audience

WORKSPACE

Subject: Workspace

27 Do you have a graphic department of your own?


Yes
No

Subject: Workspace

28 How many video journalists do you have?


1_5
5 _ 10
More than 10

Subject: Workspace

29 In which areas do you use video journalists?


Little, short stories
Inaccessible areas (ambulances, crime stories)
Stories without much preparation time
contraversies
documentary

Subject: Workspace

30 Who becomes a video journalist?


Where do they come from?
Employees from the television
Employees from the radio
135

Employees from online


Education for video journalist by schools
Training of already working journalists

Subject: Workspace

31 Why do you use video journalists?


Cost saving
Staff reduction
Reasons as regards content
Workflow

Subject: Workspace

32 How intensive can an employee integrate himself into the editorial staff?
Hardly
Top down-System
Bottom up-System
The single employee is very in demand

OUTSOURCING

Subject: Outsourcing

33 Which editorial functions are outsourced?


Cameramen
136

Cutters
Studio technology
Studio line
Production outside the studio (broadcast van, correspondents etc.).
Topic suggestions
Human Ressorces
Conscious integration of younger journalists
Controlling
media research

Subject: Outsourcing

34 Why do you outsource?


Cost saving
Economy of time
More open workflow
Concentration on a branch in the enterprise
Legal determination

Subject: Outsourcing

35 Who is mainly entrusted with the outsourced functions?


Free employees
Free companies
Subsidiary firms

AUDIENCE

Subject: Audience

36 How could the audience play part in the production process?


Chat during the broadcast
137

Chat after the broadcast


Web forums for the broadcast
Sending of photos
Sending of videos of one's own
MMS
SMS
E-Mail
Telephon
Topic suggestions of one's own

Subject: Audience

37 How near is the broadcast at the audience?


very much approach since interviews are held with the audience
Audience is invited into the studio
The broadcast tries to give a view to the life of the audience to give a better understanding
of Immigration, tradition, special professions, Gender etc.

Subject: Audience

38 How is the interest of the audience in the program measured?


Viewing rate
survey
Target groups

FINANCING

Subject: Financing

39 What are the causes for the current budget cuts in your opinion?
Rearrangement of the regulation of the advertising times
138

Consequences of the digitalization


Political specifications (broadcast international treaties etc.)
Decision of the manager / director and his advisers

Subject: Financing

40 What is saved up for most likely?


technology
Human Ressources

Abkürzungsverzeichnis

ARD Arbeitsgemeinschaft der ein Verbund öffentlich-rechtlicher


öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland
Rundfunkanstalten der
Bundesrepublik Deutschland
139

BBC British Broadcasting Corporation eine britische Rundfunkanstalt, die mehrere


Hörfunk- und Fernsehprogramme sowie eine
umfangreiche und einflussreiche Website
betreibt.
BR Bayerischer Rundfunk eine Anstalt des öffentlichen Rechts
(Landesrundfunkanstalt) für den Freistaat
Bayern mit Sitz in München und Mitglied der
ARD
CD Compact Disc ein optischer Speicher, der Anfang der
1980er-Jahre zur digitalen Speicherung von
Musik von Philips und PolyGram in
Zusammenarbeit mit dem Chemiekonzern
Bayer eingeführt wurde (Audio-CD) und die
Schallplatte ablösen sollte
CIRCOM Internationale Vereinigung öffentlich-
rechtlicher Fernsehstationen in Europa
DM Deutsche Mark Die Währung wurde in Münzen und
Scheinen ausgegeben. Es gab vier Serien von
Banknoten.
DLRStV Deutschlandradio-Staatsvertrag Der Staatsvertrag regelt, dass in Berlin und
Köln jeweils ein nationales
deutschsprachiges Hörfunkprogramm
produziert wird
DVB Digital Video Broadcasting Digitaler Videorundfunk bezeichnet in
technischer Hinsicht die standardisierten
Verfahren zur Übertragung von digitalen
Inhalten (Fernsehen, Radio, Mehrkanalton,
Raumklang, interaktive Dienste wie MHP,
EPG und Teletext und weitere Zusatzdienste)
durch digitale Technik
DVB-SI Digital Video Broadcasting - Der Service Information Standard spezifiziert
Service Information die Verarbeitung von Zusatzdaten innerhalb
vom DVB und ist in ETSI (ETS 300 468)
definiert. Diese Daten werden vom
Empfänger verarbeitet und entweder
automatisch angezeigt oder sie können vom
Zuschauer in verschiedenen Menüseiten
abgerufen werden.
DVD Digital Versatile Disc ein digitales Speichermedium, das einer CD
ähnelt, aber über eine deutlich höhere
Speicherkapazität verfügt
EBU European Broadcasting Union ein Zusammenschluss von derzeit 75
Rundfunkanstalten in 56 Ländern Europas,
Nordafrikas und des Nahen Ostens. Sitz der
EBU ist Genf.
ERT Ellinikí Radiofonía Tileórasi die seit 1987 eingeführte gemeinsame
A.E. Bezeichnung für den staatlichen Hörfunk und
Fernsehen in Griechenland
140

FPÖ Freiheitliche Partei Österreichs Partei in Österreich, die im Nationalrat, in


sieben der neun Landtage und vielen
Gemeinderäten vertreten ist. Die Partei sieht
ihre Wurzeln in den „freiheitlichen“ Idealen
der Revolution von 1848 und bezeichnet sich
als Vertreterin des „Dritten Lagers“
GBit/s Datenübertragungsrate die digitale Datenmenge, die innerhalb einer
Zeiteinheit über einen Übertragungskanal
übertragen wird
GWB Gesetz gegen die Zentralnorm des deutschen Kartellrechts
Wettbewerbsbeschränkungen und Wettbewerbsrechts
HDTV High Definition Television ein Sammelbegriff, der eine Reihe von
Fernsehnormen bezeichnet, die sich
gegenüber dem herkömmlichen Fernsehen
(Standard Definition, SDTV) durch eine
erhöhte vertikale, horizontale oder temporale
Auflösung auszeichnen
HR Hessischer Rundfunk eine Anstalt des öffentlichen Rechts
(Landesrundfunkanstalt) für das Land Hessen
mit Sitz in Frankfurt am Main. Der hr ist
Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der
öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in
der Bundesrepublik Deutschland (ARD)
IP-MPLS Multiprotocol Label Switching die verbindungsorientierte Übertragung von
Datenpaketen in einem verbindungslosen
Netz entlang eines zuvor aufgebauten
(„signalisierten“) Pfades. Dieses
Vermittlungsverfahren wird überwiegend von
Betreibern großer Transportnetze eingesetzt,
die Sprach- und Datendienste auf Basis von
IP anbieten
IP-TV Internet Protocol Television ein in Computernetzen weit verbreitetes
Netzwerkprotokoll und stellt die Grundlage
des Internets dar

ISO International Organization for die internationale Vereinigung von


Standardization Normungsorganisationen und erarbeitet
internationale Normen in allen Bereichen mit
Ausnahme der Elektrik und der Elektronik,
für die die Internationale elektrotechnische
Kommission (IEC) zuständig ist, und mit
Ausnahme der Telekommunikation, für die
die Internationale Fernmeldeunion (ITU)
141

zuständig ist. Gemeinsam bilden diese drei


Organisationen die WSC (World Standards
Cooperation)
IT Informationstechnik ein Oberbegriff für die Informations- und
Datenverarbeitung sowie für die dafür
benötigte Hard- und Software. Häufig wird
auch die englisch ausgesprochene Abkürzung
IT [aɪ tiː] verwendet
MAZ Magnetaufzeichnung eine elektronische analoge oder digitale
Aufzeichnung von Inhalten visueller,
akustischer oder abstrakter Natur auf
magnetische Medien, meistens
Magnetbändern (Magnetbandaufzeichnung).
Im professionellen Sprachgebrauch steht
MAZ für die in Fernsehanstalten
verwendeten Videoband-Formate und -
Geräte. Für Video-Heimformate und Audio-
Aufzeichnung wird die Bezeichnung selten
verwendet
MDR Mitteldeutsche Rundfunk die Landesrundfunkanstalt der Bundesländer
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die
Rundfunkanstalt ist Mitglied der ARD und
hat die Rechtsform einer Anstalt des
öffentlichen Rechts
MPEG Moving Picture Experts Group eine Gruppe von Experten, die sich mit der
Standardisierung von Videokompression und
den dazugehörenden Bereichen, wie
Audiodatenkompression oder
Containerformaten, beschäftigt.
Umgangssprachlich wird mit „MPEG“
meistens nicht die Expertengruppe, sondern
ein spezieller MPEG-Standard bezeichnet
MRTV Magyar Televízió eine öffentlich-rechtliche ungarische
Fernsehanstalt, die zwei Fernsehprogramme
unterhält, m1 und m2
NPD Nationaldemokratische Partei eine 1964 gegründete deutsche, extrem
Deutschlands nationalistische Partei. Sie vertritt eine
völkische und revanchistische Ideologie, die
programmatisch und sprachlich der NSDAP
eng verwandt ist

NRK Norsk rikskringkasting die staatliche Rundfunkgesellschaft in


Norwegen, die sich aus dem Staatshaushalt
und Rundfunkgebühren finanziert. Der NRK
wurde im Jahre 1933 gegründet und ist das
größte Medienunternehmen Norwegens, er
ist Mitglied der EBU
OFCOM Bundesamt für Kommunikation eine in Biel ansässige Bundesbehörde zur
142

Regulierung des
Telekommunikationsmarktes und des
Rundfunks in der Schweiz. In diesem
Zusammenhang reguliert das BAKOM das
gesamte Funkwesen und die
Fernmeldeanlagen
ORF Oesterreichische Rundfunk eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Er ist
der größte Medienanbieter Österreichs und
hat seinen Hauptsitz in Wien. Daneben
betreibt der ORF in jedem der neun
Bundesländer ein Landesstudio sowie seit
1975 ein weiteres Studio in Bozen (Südtirol).
Der ORF produziert drei Fernsehprogramme,
sowie drei bundesweite und neun regionale
Radioprogramme. Außerdem ist er größter
Genossenschafter der Austria Presse Agentur
(APA)
Ö3 Hitradio Ö3 das dritte Hörfunkprogramm des
Österreichischen Rundfunks (ORF) und
dessen Popwelle. Programmchef ist Georg
Spatt (2009)
Pay-TV Bezahlfernsehen private Fernsehsender, für deren Empfang
zusätzliche Kosten entstehen (unabhängig
von den in Deutschland vorgeschriebenen
Rundfunkgebühren). Gegen Bezahlung kann
der Kunde für die Dauer eines Abonnements
oder pro Sendung („auf Abruf“) ein oder
mehrere Programme eines Anbieters
empfangen.
Mit wenigen Ausnahmen sind Pay-TV-
Angebote heute digital verbreitet. Zur
Entschlüsselung muss der Digitaldekoder ein
Zugangsberechtigungssystem (Conditional
Access System; CAS) unterstützen. Das
dekodiert das verschlüsselte Fernsehsignal,
meist unter Verwendung einer Dekoderkarte
(Smartcard)

Pro7 ProSieben ein privater Fernsehsender aus Deutschland.


Er sendet ein Fernseh-Vollprogramm rund
um die Uhr, das vor allem durch die
Ausstrahlung von Spielfilmen und
Fernsehserien bekannt wurde. Der Sender
ging aus dem Programm Eureka TV hervor.
ProSieben bildet seit 2000 zusammen mit den
Sendern Sat.1, kabel eins und N24, sowie
143

zahlreichen weiteren Tochtergesellschaften


die ProSiebenSat.1 Media AG, welche
mehrheitlich der Lavena Holding 4 GmbH
gehört, die sich zu je 50 Prozent im Besitz
der Finanzinvestoren Permira und KKR
befindet
RAI Radiotelevisione Italiana die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt
Italiens. Sie ist eine Hörfunk- und
Fernsehanstalt. Das Akronym stand
ursprünglich für Radio Audizioni Italiana,
wurde bei der Umbenennung 1954 jedoch
beibehalten
RB Radio Bremen eine 1945 gegründete Anstalt des
öffentlichen Rechts (Landesrundfunkanstalt)
für die Freie Hansestadt Bremen. Damit ist
sie die älteste öffentlich-rechtliche
Rundfunkanstalt der Bundesrepublik
Deutschland. Zudem ist Radio Bremen die
kleinste Landesrundfunkanstalt der ARD,
deren Mitglied sie seit der ARD-Gründung
1950 ist. Sitz des Senders ist Bremen
RBB Rundfunk Berlin-Brandenburg eine Anstalt des öffentlichen Rechts
(Landesrundfunkanstalt) für die Länder
Berlin und Brandenburg mit Doppelsitz in
Berlin und Potsdam. Der rbb ging am 1. Mai
2003 aus der Fusion des Senders Freies
Berlin (SFB) und des Ostdeutschen
Rundfunks Brandenburg (ORB) mit Sitz in
Potsdam hervor und ist Mitglied der
Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-
rechtlichen Rundfunkanstalten in der
Bundesrepublik Deutschland (ARD)
RFinStV Rundfunkfinanzierungsstaatsver- regelt die Gebührenerhebung für
trag Rundfunkgeräte (§ 8) und die Verteilung der
Mittel (§§ 9 und 10) durch eine dazu am 20.
Februar 1975 eingesetzte unabhängige
Kommission zur Ermittlung des
Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF)
auf Grundlage des
Rundfunkgebührenstaatsvertrags (RGebStV)

RGebStV Rundfunkgebührenstaatsvertrag ein Staatsvertrag aller deutschen


Bundesländer und die Rechtsgrundlage für
die zur Finanzierung des öffentlich-
rechtlichen Rundfunks von allen
Rundfunkteilnehmern erhobenen
Rundfunkgebühren. Er ist zu unterscheiden
von dem ihm zugrunde liegenden
Rundfunkstaatsvertrag (RStV) und dem
144

Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag, in dem
u. a. die Höhe der Gebühren festgelegt wird.
Der Rundfunkgebührenstaatsvertrag ist
zuletzt durch den 10.
Rundfunkänderungsstaatsvertrag vom 31.
Oktober 2007 geändert worden. Die
Änderung trat am 1. September 2008 in Kraft
RStV Rundfunkstaatsvertrag ein Staatsvertrag zwischen allen sechzehn
deutschen Bundesländern, der
bundeseinheitliche Regelungen für das
Rundfunkrecht schafft
RTBF Radio-télévision belge de la der öffentlich-rechtliche Rundfunk für die
Communauté française frankophone Bevölkerung Belgiens
RTE/TG4 Radio Telefís Éireann Gegründet wurde sie am 1. Juni 1960. RTÉ
hat seinen Hauptsitz in Dublin
RTL Teilifís na Gaeilge TV-Sendegesellschaft mit Hauptquartier in
Baile na hAbhann (Irland). Ab 2009 wird
auch die Hauptnachrichtensendung Nuacht
nicht mehr in Dublin, sondern in Baile na
hAbhann produziert, was eine Aufwertung
der Gaeltacht-Region darstellt
RTSH Radio Televizioni Shqipta die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt
Albaniens. Sie hat ihren Sitz in Tirana
SDTV Standard-definition television ein Sammelbegriff für Fernseh- bzw.
Videonormen, deren Auflösungen geringer
sind als bei HDTV
Sat1 SatellitenFernsehen GmbH ein privater Fernsehsender mit
Vollprogramm, dessen Sitz Unterföhring bei
München ist. Die Gesellschaft ist eine
Tochter der ProSiebenSat.1 Media AG, deren
Gründer Leo Kirch ist (2009).
SPD Sozialdemokratische Partei eine deutsche Volkspartei und die älteste
Deutschlands parlamentarisch vertretene Partei
Deutschlands
SR Saarländischer Rundfunk die Landesrundfunkanstalt für das Saarland
mit Sitz auf dem Halberg in Saarbrücken
(Funkhaus Halberg). Der SR ist Mitglied der
ARD

SWR Südwestrundfunk eine Anstalt des öffentlichen Rechts


(Landesrundfunkanstalt) für die Länder
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit
drei Hauptstandorten in Stuttgart, Baden-
Baden und Mainz. Sitz von Intendanz und
Verwaltungsdirektion ist Stuttgart, die
Fernseh- und Hörfunkdirektion ist in Baden-
Baden angesiedelt, die Landessender
befinden sich in Stuttgart und Mainz. Der
145

SWR ging 1998 aus der Fusion des


Süddeutschen Rundfunks (SDR) mit Sitz in
Stuttgart und des Südwestfunks (SWF) mit
Sitz in Baden-Baden hervor und ist Mitglied
der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-
rechtlichen Rundfunkanstalten in der
Bundesrepublik Deutschland (ARD). Der
SWR ist nach dem Westdeutschen Rundfunk
(WDR) die zweitgrößte ARD-Anstalt. In
seinem Sendegebiet von rund 55.600 km²
leben 14,7 Mio. Menschen
TED Tele-Dialog ein von Horst Schättle und Manfred
Denninger vom ZDF in Zusammenarbeit mit
der Deutschen Bundespost entwickeltes
Televoting-Verfahren (unidirektionales
Kommunikationsverfahren mit dem Telefon
als Rückkanal), welches besonders in
Fernsehsendungen für nicht repräsentative
Umfragen oder Abstimmungen eingesetzt
wurde
VHS Video Home System ein von der Firma JVC entwickeltes analoges
und zuerst 1976 in Japan auf den Markt
gebrachtes Aufzeichnungs- und
Wiedergabesystem für Videorekorder. VHS
setzte sich als Standard für private Video-
Magnetbandaufzeichnungen durch und
wurde – trotz Entwicklung besserer analoger
Systeme – erst durch ein digitales System
abgelöst
WDR Westdeutscher Rundfunk eine Anstalt des öffentlichen Rechts
(Landesrundfunkanstalt) für das Land
Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Köln.
Zudem ist er Mitglied der ARD und deren
größte Sendeanstalt sowie einer der größten
Sender Europas. Er entstand 1956 durch die
Spaltung des NWDR in den NDR und den
WDR

ZDF Zweites Deutsches Fernsehen eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt in


Deutschland und eine der größten
Sendeanstalten in Europa. Gemeinsam mit
der ARD und dem Deutschlandradio bildet
das ZDF den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
in Deutschland
146

Abbildungsverzeichnis
Abbildung: 1
Durch die Digitalisierung produziert bei manchen Sendern Quelle: STV Stockholm
inzwischen eine Redakteurin die komplette Sendung.
147

Abbildung: 2
Großraumbüro bei Hitradio Ö3, Wien Quelle: Ö3, Wien

Abbildung: 3
Übersichtliche Raumplanung beim WDR in Köln Quelle: Privatfoto
148

Abbildung: 4
Der NRK arbeitet mit Video-Journalisten und eignem Quelle: NRK Nordland
Satelliten für Live-Schaltungen

Abbildung: 5
Das Wochenstudio bei „Wien heute“ in blau und einer der Quelle: ORF, Wien
149

beiden Wien-Hintergründe.

Abbildung: 6
Das Wochenendstudio bei „Wien heute“ in rot und dem Quelle: ORF, Wien
zweiten der beiden Wien-Hintergründe.

Abbildung: 7
150

Anteil der Werbeformen an der Gesamtsendezeit 2002 (in Quelle: Beyer, Andrea; Carl;
Prozent) Petra: „Einführung in die
Medienökonomie“, UTB
Verlagsgesellschaft mbH,
Konstanz, 2008. S.152

Abbildung: 8
Balanced Score Card Quelle: Bauer, Andreas:
Nachhaltige Entwicklung
durch Qualität. Konzepte,
Aufbau, Optimierung von
Qualitätsmanagement für
Unternehmen und Regionen.
Springer Verlag, Wien, 2006.
S. 66

Abbildung: 9
151

Zielentfaltung – Management by objectives Quelle: Bauer, 2006, S. 65


152

Abbildung: 10
Wirkungshierarchie ausgesuchter Quelle: Belker, Peter: Leitbilder für
Leitbilder. Veränderungsmanagement. Wie Qualität und
Innovation zusammenwirken. In: Hellstern, Prof.
Dr. Gerd-Michael: Management – Forschung und
Praxis. Band 1. Verlag Dr. Kovacs, Hamburg, 2000.
S. 18S. 90

Abbildung: 11
Vier-Sphären-Modell von Donsbach Quelle: Pürer, Heinz [Hrsg.]: Medien-
Transformation: zehn Jahre dualer Rundfunk in
Deutschland. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz,
1996. S 125
153

Abbildung: 12
Gatekeeper-Modell nach Pamela Shoemaker Quelle: Shoemaker, 1991, 71

Abbildung: 13
Gatekeeper-Modell der inneren Prozesse nach P. Shoemaker Quelle: Shoemaker, 1991, 71
154

Abbildung: 14
Nachrichtenfaktoren im Vergleich Quelle: Boetzkers, 2008, S. 64
155

Abbildung: 15
Externe Kontextfaktoren, deren Quelle: Geisler, Rainer M.: „Controlling deutscher
Variablen Einfluss auf das Controlling TVSender. Fernsehwirtschaftliche Grundlagen –
ausüben können. Stand de Praxis – Weiterentwicklung“, In: Becker,
Wolfgang; Weber, Jürgen [Hrsg.]: „Gabler Edition
Wissenschaft. Unternehmensführung &
Controlling“, Deutscher Universitäts-Verlag,
Wiesbaden. S. 66

Abbildung: 16
Interne Kontextfaktoren, deren Variablen Einfluss auf das Quelle: Geisler, 2001, 67
Controlling ausüben können.
156

Abbildung: 17
Kreislaufmodell bei öffentlich-rechtlichem Angebot Quelle: Beyer, 2008, S. 29

Abbildung: 18
Ziele der verschiedenen Mediensysteme Quelle: Beyer, 2008, S. 31
157

Abbildung: 19
Phasen der Programmplanung Quelle:. Holtmann, Klaus: „Programmbeschaffung und -
entwicklung werbefinanzierter TV-Programmanbieter aus
der Perspektive der Programmplanung“, Arbeitspapiere
des Instituts für Rundfunkökonomie an der Universität
Köln. Heft 106. Köln. S. 27

Abbildung: 20
Überblick über die Finanzierungsformen Quelle: Beyer, 2008, S. 141
158

Abbildung: 21
Unterscheidungsmerkmale von öffentlich-rechtlichem und Quelle: Beyer, 2008, S. 54
privatem Rundfunk
159

Abstract

Vorliegende Diplomarbeit gibt einen Eindruck aktueller Entwicklungen hinsichtlich der


Programmqualität im Bereich der aktuellen Berichterstattung (Nachrichtensendungen,
Magazine) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wieder. Die Studie erstreckt sich in ihrer
Untersuchung auf ganz Europa. Fallbeispiele aus der Praxis europäischer Sender belegen die
aufgestellten Thesen.

Jeder Bereich im Fernsehen definiert Qualität anders. Die Arbeit bemüht sich daher nicht,
Qualität einheitlich zu betrachten. Der Schwerpunkt liegt auf der Beobachtung verschiedener
Faktoren und ihrer Auswirkungen auf die Programmqualität. So empfiehlt es Martin Ordloff
in seiner Publikation, „Fernsehjournalismus“. Programmqualität im Nachrichtenbereich
könne nicht an einzelnen Sendungen ausgemacht werden. Sinnvoller sei es, Faktoren wie
Moderationen, Nachrichtenformate und journalistische Information zu untersuchen. Auch auf
das Medienrecht, die Unterschiede der Anforderungen verschiedener Sender und Redaktionen
sowie auf die neuen digitalen Arbeitstechniken sollte eingegangen werden.

Im ersten Block der Arbeit stehen Definitionen wichtiger Fachbegriffe sowie die Darstellung
wesentlicher Faktoren und Instrumente zur Erhebung der Qualität.
Im zweiten Block werden Garanten für die Programmqualität genannt, die sich auf
Organisation, Zeitmanagement und Redaktionen beziehen. Selbst wenn sich hierbei nicht alle
Themen offensichtlich auf Qualität beziehen: so die Amerikanisierung. Sie gilt aber als eine
der Ursachen für die zunehmende Tendenz, Nachrichtenformate nach nordamerikanischem
Vorbild zu etablieren. Die Öffentlich-Rechtlichen nähern sich damit qualitativ dem
Privatfernsehen an. Eine andere Ursache ergibt sich aufgrund der vielschichtigen
Einschränkungen der Rundfunkanstalten bezüglich der Programmgestaltung.
Programmqualität zeichnet sich überdies durch gute Recherchen und gut aufbereitete Beiträge
aus. Es werden Möglichkeiten erarbeitet, die zur Zeitersparnis beitragen können.
Im dritten Block geht es um all diejenigen Faktoren, die sich auf den Zuschauer beziehen.
Eine kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Arbeit führt zur Beantwortung der
Ausgangsfragen: wie sollte Programmqualität im Nachrichtenbereich der Öffentlich-
Rechtlichen verstanden werden und wohin führt künftig deren Umsetzung in Hinblick auf den
Zuschauer.
160

Abstract

The existing master thesis gives an impression of current tendencies towards program quality
on the field of actual news reporting (newscasts, magazines) in public-law television. This
study includes the whole of Europe in its investigation. Case studies from the working
processes of European broadcasting stations emphasize and exemplify the thesis within this
work.
Each division within a broadcasting company defines quality differently. Hence, this master
thesis does not want to define quality as a unit. The main focus lies in the different factors and
their effects on program quality. This is what Martin Ordloff recommends in his publication
“Fernsehjournalismus”. According to him, program quality within the news section of a
broadcasting company could not be accounted for by single programs. It would be more
reasonable to analyze factors like moderation, news formats and journalistic information.
Even one should go into media law, differences between individual requirements of the
different broadcasting companies and editorials as well as into the new digital working
technologies.

Within the first thematic block of the master thesis definitions of important technical terms as
well as the demonstration of essential factors and instruments concerning the analysis of
program quality can be found.
Within the second block guarantors for program quality are named that are related to
organization, time management and the editorials, even if not all of them have something to
do with quality: i.e. the impact of Americanization. It counts as one of the causes for the
increasing tendency to adapt news formats from the USA. Consequently this is why public-
law television stations across Europe have been tending towards private television in their
program quality within the last few years. Another cause arises on account of multi-layered
restrictions of the broadcasting companies concerning programming. Program quality,
moreover, distinguishes itself by good investigations done by journalists and well prepared
stories within a program. Within the existing master thesis possibilities shall be compiled that
could contribute to the economy of time.
Within the third block the emphasis refers to those factors that are related to the recipient. A
critical examination with the results of this study leads to the answer of the main question:
How can program quality be understood in the field of daily news reporting of European
public-law broadcasting stations and how does this impact on the future referring to the
recipient of broadcasting stations Europe wide ?
161

Lebenslauf

Persönliche Daten

Am 28. Dezember 1983 wurde ich in Groß-Umstadt, Landkreis


Darmstadt-Dieburg, als Sohn der Ärztin Dr. med. Jutta
Schimmelpfennig, geborene Flessenkämper, und des Chirurgen Dr. med.
Lutz Schimmelpfennig geboren. Meine Schwester Anja ist 22 Jahre jung.

Schulbildung

09/1990 – 07/1994 Grundschule in Burgebrach, Landkreis Bamberg, Bayern

09/1994 – 07/2002 Kaiser Heinrich Gymnasium, humanistisch-neusprachlich-europäisches


Gymnasium in Bamberg, Bayern

09/2002 – 07/2004 Theresianum, Humanistisches Gymnasium der Karmeliten in


Bamberg, Bayern
Abschluss: Abitur (Note 2,9)

Studium

Seit WS 2005/2006 Theater-, Film- und Medienwissenschaft (Master)


Universität Wien
Studienschwerpunkt: Medienwissenschaft

Seit SS 2007 Betriebswirtschaft (Bacchelor)


Universität Wien

WS 2008 Diplom (FCE) in Englisch über das Cambridge Institute (Wien) an der
Cambridge University (Großbritannien)

Studienende: Oktober 2009

Praktika

06 / 2001 Praktikum: Dramaturgie des ETA Hoffmann Theaters, Bamberg

08/ 2003 Praktikum: Lokalredaktion der Tageszeitung „Fränkischer Tag“,


Bamberg

09 – 10 / 2006 Praktikum: Regie des ETA Hoffmann Theaters Bamberg


Produktion: Samuel Becket: „Happy Days“

08 – 09/ 2008 Praktikum: Abendschau Franken, Bayerischer Rundfunk, Nürnberg


162

Berufserfahrung

seit 2002 Erstellung privater und gewerblicher Homepages (HTML, PHP)

08 / 2003 – 09 / 2004 Freie Mitarbeit: Lokalredaktion Bamberg des „Fränkischen Tags“

09 / 2004 –09 /2005 Mitarbeit: Lokalredaktion Erlangen-Höchstadt des „Fränkischen Tags“

2006 - 2009 Eigenes Filmunternehmen auf Studenten-Basis für Werbe-, Image- und
Kurz-/Spielfilme (www.cineartist-production.com)

seit 2009 Visuals (audiovisuelle Bildkunst) in Österreich

Film

Seit 05 / 2006 bezahlte Filmproduktionen als Produktionsleiter, Regisseur, Cutter,


Schauspieler und Produktionsassistent in eigenen und in Auftrag
gegebenen Kurz-, Spiel-, Musik-, Werbe- und Image-Filmen (ORF,
Saeco, Leipziger Produktionsfirma „Sightseeker“)

Filmvorführungen (Wien, Erlangen)

Teilnahme an Wettbewerben für Kurzfilme

05 / 06 2007 Mitwirkung: Produktionsassistent bei „Anna und Du“,


Erste Serie des ORF in DBV-H

06/ 2007 Dokumentation: „Youth for Balance“ am 31. Evangelischen Kirchentag


(Köln)

01 / 2008 Auftragsarbeit als Kameramann für Aswan TV (Okto-TV) über die


Wiener Messe und den Besuch des ägyptischen Präsidenten in Wien

seit Ende 2008 Visuals in Wien, Umgebung, Bratislava, Budapest, Madrid, Oslo

07 / 2009 Konzertmitschnitt, fêteRouge, Süd-Steiermark mit Image-Film für


Rockband „Frame Saw“

Veröffentlichungen:

2005 Schimmelpfennig, Arno: „Spielräume des Politischen: Kredite auf die


Zukunft: Verzocken wir heute das Morgen?“, In [Hrsg.] Nagel,
Eckhard; Quarch, Christoph; Begerau, Christiane; Fritsch, Caroline
von: „Deutscher Evangelischer Kirchentag Hannover 2005“.
Gütherloher Verlagshaus, 2005 (S. 547 f.)