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Ostslowakische Dialekte

Die ostslowakischen Dialekte (slowakisch východoslovenské nárečia, východoslovenský dialekt, východoslovenčina oder
umgangssprachlich východniarčina) sind eine der drei großen Dialektgruppen derslowakischen Sprache.

Im Gegensatz zu den anderen Dialektgruppen des Slowakischen, den west- und mittelslowakischen Dialekten, wurden die
ostslowakischen Dialekte niemals kodifiziert. Dennoch gab es im 19. und 20. Jahrhundert Versuche, die ostslowakischen Varietäten
zu standardisieren. In den 1880er Jahren wurden zwei Zeitungen in den USA gegründet, die anfangs in einer ostslowakischen
Mundart verfasst wurden: Slovák v Amerike („Slowake in Amerika“) und Amerikánsko-slovenské noviny („Amerikanisch-
Slowakische Zeitung“);[1] die erstgenannte besteht bis heute, wenngleich in slowakischer Standardsprache geschrieben.
[2]

Inhaltsverzeichnis
Verbreitung und Gliederung
Merkmale
Textbeispiel
Quellen
Einzelnachweise
Weblinks

Verbreitung und Gliederung


Die ostslowakischen Dialekte werden hauptsächlich in der Ostslowakei gesprochen, grob mit den heutigen Verwaltungseinheiten
Prešovský kraj und Košický kraj gleich. Ausnahme ist dabei der Okres Rožňava, dessen Dialekte zu mittelslowakischen Mundarten
gezählt werden.

Die genaue Gliederung unterscheidet sich je nach Autor und Quelle, im Allgemeinen lässt sich jedoch das Ostslowakische in vier
Hauptgruppen aufteilen, die zum größten Teil Grenzen der ehemaligenungarischen Komitatenkopieren:

Dialekte von Zips (slowakisch spišské nárečia) rund um Poprad, Spišská Nová Ves und Stará Ľubovňa, im Norden
ist eine Überschneidung mit dergoralischen Mundart deutlich; bis 1945 lagen sie in der Nachbarschaft der
deutschen Dialekte (vgl. Zipserdeutsch)
Dialekte von Šariš (slowakisch šarišské nárečia) rund um Prešov, mit Einflüssen des Russinischen
Dialekte von Abov (slowakisch abovské nárečia) in Košice und Umgebung (Okres Košice-okolie), die gewisse
Ähnlichkeiten mit demUngarischen aufweisen
Dialekte von Zemplín (slowakisch zemplínske nárečia) rund um Trebišov, Michalovce und Humenné, im Nordosten
gehen sie ins Russinische, im Süden in ungarische Dialekte über
Häufig werden noch Dialekte von Ung (slowakisch užské nárečia, nach dem ehemaligen Komitat Ung) rund um Sobrance und der
sogenannte Soták-Dialekt (slowakisch sotácke nárečie, nach dem Ausdruck so, standardsprachlich čo, deutsch „was“) rund um
Humenné und Snina angegeben.

Merkmale
Im Gegensatz zu west- und mittelslowakischen Dialekten ist der Einfluss des Tschechischen geringer, mehr sind polnische und
russinische/ukrainische Einflüsse spürbar. Insbesondere im Wortschatz sind die Mundarten zusätzlich vom Ungarischen und
Rumänischen beeinflusst worden.[3] Andererseits sind ostslowakische Dialekte ähnlicher den westslowakischen als den
mittelslowakischen Mundarten.

Die ostslowakischen Dialekte weisen im Großen und Ganzen folgende Merkmale auf (nicht vollständig):

Betonung auf der vorletzten, nicht wie standardsprachlich auf der ersten Silbe
Vokale werden stets kurz ausgesprochen
der Vokal ä ändert sich in ein e (z. B. standardsprachlichepäť und mäso werden zu pejc und meso, auf deutsch
„fünf“ und „Fleisch“)
der Vokal o in einigen Wörtern ändert sich in eine (z. B. ovos, doska, statok werden zu oves, deska, statek, auf
deutsch „Hafer“, „Brett“, „Gut“)
die Konsonanten n, l, s, z sind vor einem i immer, vor einem e manchmal palatalisiert, des Weiteren werden oft
Diphthonge assimiliert
die Konsonanten ť und ď sind mit kleinen Ausnahmen inc und dz geändert, deshalb ändert sich die Endung des
Verbinfinitivs -ť in -c (z. B. standardsprachlichrobiť wird zu robic, auf deutsch „machen“)
des Weiteren gibt es alveopalatale Frikative ś und ź, die in der Standardsprache nicht erhalten sind
die Konsonanten l und r können im ostslowakischen Dialekt nicht silbenbildend sein (z. B. standardsprachliche krk
und slnko werden zu kark und slunko, auf deutsch „Hals“ und „Sonne“)
insbesondere in Städten ändert sich der Digraphch in h (z. B. standardsprachlichmucha wird zu muha, auf deutsch
„Fliege“)
Deklination ist an mehreren Stellen unterschiedlich: im Genitiv und Lokativ Plural ist die Endung unabhängig vom
Geschlecht immer -och, im Dativ Plural -om, im Instrumentalis Plural-ami usw.
Grundzahlwörter haben bei Zahlen von fünf und höher keine besondere Form, wie es standardsprachlich nötig wäre
(z. B. päť kráv und desať korún wird zu pejc kravi und dześec koruni)
reflexive Verben können insbesondere in derVergangenheit in Personalpronomen umgewandelt werden, ähnlich wie
beim Russischen (z. B. mi tu śedzeľi anstelle von my sme tu sedeli, deutsch „wir saßen hier“ oderja hladni anstelle
von som hladný, deutsch „ich habe Hunger“)
Charakteristische Ausdrücke sind unter anderen barz (slow. veľmi, deutsch „sehr“), ľem (slow. len, deutsch „nur“), trimac (slow.
držať, deutsch „halten“), ta (slow. nuž, deutsch „na“) oder choľem (slow. aspoň, deutsch „wenigstens“).

Textbeispiel
Beispiel eines Textes im ostslowakischen Dialekt (Kapušany in der Landschaft Šariš)

Buľi raz dvojo kmotrove, co furt vjedno chodziľi na jurmaki. Raz tiž tak išľi z jurmaku a našľi gvera. Ta znace, že ešči ftedi ľudze tak
ňechirovali o gveroch, ňebulo teľo vojakoch. Išľi tak popod ľešik a naraz jeden zbačil gver a takoj ku ňemu ucekal… Ten druhi še tiž
mocno zradoval, ta vžaľi totu fujaru a hutorili sebe: "Kmotre, ja budzem do ňej duc a ti budzeš prebirac". Ta začaľi vera ľudze tote
dvomi hrac. Jeden kmoter pocahnul za kohucik, kuľka utrafila do druheho kmotra, co ebiral
pr a ten še takoj prevracil umarti na žem.

Entsprechung auf Slowakisch

Boli raz dvaja kmotrovia, ktorí stále spolu chodili na jarmoky. Raz tiež tak vyšli z jarmoku a našli pušku. To viete, že vtedy ešte ľudia
tak nechyrovali o puškách, nebolo toľko vojakov. Išli tak popod lesík a jeden zazrel pušku a hneď k nej utekal. Ten druhý sa tiež silno
zaradoval, tak vzali fujaru a hovorili si: „Kmotor, ja budem do nej fúkať a ty budeš preberať. Tak začali veru tí dvaja hrať. Jeden
kmotor potiahol za kohútik, guľka trafila druhého kmotra, ktorý pr
eberal, a ten sa prevrátil mŕtvy na zem.“

Quellen
E. Polívka, I. Vindiš: Nárečový svojráz východného Slovenska. In: Almanach východného Slovenska 1848 - 1948 .
Košice 1948, S. 162–169 (slowakisch, ilonas.net [PDF; 2,1 MB]).
Ferdinand Buffa: Východoslovenské nárečia. In: Vlastivedný časopis XI. Bratislava 1962 (slowakisch,ilonas.net
[PDF; 779 kB]).

Einzelnachweise
1. Konstantin Lifanov: Ešte raz o jazyku východoslovenských publikácií v USA
, 2006 (slowakisch) (http://www.juls.savb
a.sk/ediela/sr/2006/5/sr2006-5.pdf)
2. Hauptseite der ZeitungSlovák v Amerike (http://www.slovakvamerike.com/)
3. K problematike rusínsko-slovenských jazykových kontaktov(http://www.saske.sk/cas/archiv/4-2007/03-blichova.htm
l)

Weblinks
Einleitung in slowakische Mundarten auf slovake.eu (deutsch)

Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ostslowakische_Dialekte&oldid=164546569


Diese Seite wurde zuletzt am 14. April 2017 um 12:32 Uhr bearbeitet.

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