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Tutorium Handels- und Gesellschaftsrecht

- Zusammenfassung Kaufmannsbegriff -

Nicolai Beying
Fragen gerne jederzeit an nbeying@mail.uni-mannheim.de

Für die nachfolgend bereitgestellten Materialien übernehme ich keine Gewähr auf
Vollständigkeit und Korrektheit. Ich verweise ausdrücklich auf die offiziellen
Unterlagen zur Vorlesung, Übung und auf die ausführliche Musterlösung zum
Tutorium. Kein Lehrender hat mir den Auftrag erteilt, diese Materialien zu erstellen
und den Studierenden zugänglich zu machen.
„Ist-Kaufmann“ - § 1 HGB
• (1) Kaufmann im Sinne dieses Gesetzbuchs ist, wer ein Handelsgewerbe
betreibt.
• (2) Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, es sei denn, dass das
Unternehmen nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise
eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert.

 Eintragung deklaratorisch

2
„Ist-Kaufmann“ - § 1 HGB
Gewerbe:
1. Nach außen erkennbare Tätigkeit = für Dritte erkennbar
2. Selbstständig ausgeübt (persönliche Unabhängigkeit, § 84 HGB)
3. Planmäßig = Wiederholungsabsicht
4. Gewinnerzielungsabsicht = keine bloße Kostendeckung
5. nicht generell gegen das Gesetz oder die guten Sitten verstoßend
6. keine freiberufliche Tätigkeit (siehe Liste in § PartGG)

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Kaufmann kraft Betätigung - § 1 HGB
Handelsgewerbe:
Gewerbe muss „groß genug“ sein

Jedes Gewerbe ist ein Handelsgewerbe, außer


nach Art (der Geschäfte)
oder Umfang (der Geschäfte), ca. 250.000 Umsatz pro Jahr
ist kein kaufmännischer Geschäftsbetrieb erforderlich.

Also muss für ein Handelsgewerbe beides vorliegen: Art und Umfang.

Selbständig betrieben
 Durch Gewerbe persönlich berechtigt und verpflichtet

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Kaufmann kraft Eintragung –
§ 2 HGB: Kleingewerbetreibende
Ein gewerbliches Unternehmen, dessen Gewerbebetrieb nicht schon nach § 1 Abs.
2 Handelsgewerbe ist, gilt als Handelsgewerbe im Sinne dieses Gesetzbuchs, wenn
die Firma des Unternehmens in das Handelsregister eingetragen ist.

[…] Ist die Eintragung erfolgt, so findet eine Löschung der Firma auch auf Antrag
des Unternehmers statt, sofern nicht die Voraussetzung des § 1 Abs. 2 eingetreten
ist.

 Eintragung ist konstitutiv und Kaufmannseigenschaft kann rückgängig gemacht


werden, solange noch ein Kleingewerbe (Gewerbe, das kein Handelsgewerbe ist)
vorliegt.

 2. Vss. von § 1 HGB und 1. Vss. von § 2 HGB: § 1 und § 2 schließen sich
gegenseitig aus
5
Kaufmann kraft Eintragung –
§ 3 HGB: Land- und Forstwirtschaft
(1) Auf den Betrieb der Land- und Forstwirtschaft finden die Vorschriften
des § 1 keine Anwendung.

 Auch „große“ LuF sind zunächst nur Unternehmer § 14 I BGB

(2) Für ein land- oder forstwirtschaftliches Unternehmen, das nach Art
und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten
Geschäftsbetrieb erfordert, gilt § 2 mit der Maßgabe, [dass eine
Löschung der Eintragung der Kaufmannseigenschaft nicht schadet].

 „Große“ LuF können durch Eintragung Kaufmann werden, Löschung


schadet Kaufmannseigenschaft nicht. Eintragung konstitutiv.
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„Fiktivkaufmann“ - § 5 HGB
§ 5 HGB

Ist eine Firma im Handelsregister eingetragen, so kann gegenüber demjenigen,


welcher sich auf die Eintragung beruft, nicht geltend gemacht werden, dass das
unter der Firma betriebene Gewerbe kein Handelsgewerbe sei.

Also zwei Voraussetzungen:


1. Kleingewerbe
2. Betreiber hat nicht eintragen lassen, aber Firma ist aus anderen Gründen
eingetragen worden  subsidiär zu § 2 HGB!

Rechtsfolge: Der Betreiber des Kleingewerbes und der Rechtsverkehr (also beide
Seiten!) können sich auf Kaufmannseigenschaft des Betreibers berufen.
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Kaufmann kraft Rechtsform - § 6 HGB
Für manche Rechtsformen gilt stets das HGB, unabhängig von § 1 ff. HGB.

Zum Beispiel:

AG: § 3 I AktG
GmbH: § 13 III GmbHG

§ 6 HGB gilt nicht bei Personengesellschaften.

8
Rechtsscheinkaufmann - § 242 BGB
§ 242 BGB

Der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu und
Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.

Wer sich wie ein Kaufmann verhält, der ist deshalb kein Kaufmann.

Aber er muss sich ggf. wie ein Kaufmann behandeln lassen.

Gegen ihn gilt dann das HGB, insofern Dritte im Vertrauen auf den
Rechtsschein handeln, also kein Vorsatz und keine Fahrlässigkeit vorliegt.