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21.11.2018 Streit im Bundestag: Migrationspakt lähmt Petitionsausschuss | tagesschau.

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Streit im Bundestag
Migrationspakt lähmt Petitionsausschuss
Stand: 21.11.2018 04:37 Uhr

Der Petitionsausschuss wird derzeit mit E-Mails überhäuft. Es geht um den Umgang mit Petitionen, die sich gegen den UN-
Migrationspakt richten. Eine Hauptrolle spielt dabei die AfD.

Von Sebastian Friedrich, ARD-Hauptstadtstudio

Marian Wendt ist Vorsitzender des Petitionsausschusses im Bundestag. Seit Wochen beschäftigt den CDU-Abgeordneten nur
noch ein Thema: "Den Ausschuss, den Ausschussdienst und auch mein Büro als Vorsitzender haben bestimmt zwischen 2000
und 2500 E-Mails erreicht", berichtet er. "Die schlagen im Sekundentakt auf, hier gehen ständig Anrufe in mein Büro ein."

Auslöser ist Streit um UN-Migrationspakt


Der Grund: der Global Pact on Migration - der UN-Migrationspakt. Es ist das bestimmende Thema der AfD der vergangenen
Wochen. Ein Mitarbeiter eines AfD-Bundestagsabgeordneten reichte eine Petition ein, die der Ausschuss zurückstellte.
Seitdem hagelt es Anrufe. Teilweise werden Wendts Mitarbeiterinnen beschimpft und bedroht.

"Wir stellen fest, dass die AfD und auch ihr nahestehende Bürgerinnen und Bürger hier versuchen, eine politische Kampagne
gegen den Global Pact on Migration im Petitionsausschuss zu führen", sagt Wendt. Der Vorwurf der AfD lautet: Der
Petitionsausschuss versuche, Kritik am Migrationspakt zu unterdrücken.

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AfD-Kritik an Vorgehen des Ausschusses


Vorderster Kritiker ist Martin Hebner, der AfD-Abgeordnete, dessen Mitarbeiter besagte Petition verfasst hatte. Besonders
pikant: Hebner ist selbst Mitglied des Petitionsausschusses. "Ich kenne eine Petition, eine Begründung für die Zurückweisung
der Petition", sagt er. Darin habe es geheißen, "wenn man sich gegen den globalen Pakt für Migration wendet, dann wäre das
'eine Gefährdung des interkulturellen Dialogs'. Das kann nicht sein."

"Falsch", sagt der Ausschussvorsitzende Wendt. Das Ziel der Petition sei nicht das Problem gewesen. "Es gab aber im letzten
Absatz eine Formulierung in der Begründung, die wirklich diesen interkulturellen Dialog gefährdet hätte", sagt er.

Am Schluss der Petition heißt es, der Migrationspakt sei ein Instrument zur allmählichen Auslöschung unserer Identität. Eine
solche Formulierung verstoße gegen Richtlinien, die sich der Ausschuss parteiübergreifend gegeben habe, so Wendt. Eine
Petition darf eben nicht "den sozialen Frieden, die internationalen Beziehungen oder den interkulturellen Dialog" belasten,

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wie es in der Richtlinie des Petitionsausschusses heißt. Der AfD-Abgeordnete Hebner und dessen Mitarbeiter kennen diese
Richtlinie.

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Kampagnenvorwurf an die AfD


David Bebnowski vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam sieht in dem aktuellen Streit um den
Petitionssausschuss eindeutig eine Kampagne der AfD. Es sei eine Kampagne, um die Anhänger bei der Stange zu halten, so
Bebnowski. Aber es gehe auch darum, die gewachsenen parlamentarischen Grundsätze infrage zu stellen. "Ich denke, dass die
AfD hier versucht, die Spielregeln, die sich der Petitionsausschuss gibt, aufzuweichen", sagt Bebnowski. "Die AfD versucht, die
Leitplanken, könnte man sagen, in denen das alles funktionieren soll, zu verschieben."

Heute will nun der Ausschuss entscheiden, ob eine sogenannte Leitpetition der mehr als 60 eingereichten Petitionen zum
Thema Migrationspakt auf der Website des Bundestags veröffentlicht wird. Sollte dem so sein, hätte der Verfasser der
Petition vier Wochen Zeit, für sein Anliegen 50.000 Unterstützer zu finden. Der Ausschussvorsitzende Wendt will sich für die
Veröffentlichung einer Leitpetition einsetzen. Er hofft, dass sein Büro und der Petitionsausschuss dann wieder zur
Tagesordnung zurückkehren können.

Audio: Petitionsausschuss: Streit über UN-Migrationspakt


Sebastian Friedrich, ARD Berlin
20.11.2018 14:16 Uhr

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. November 2018 um 06:07 Uhr.

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